# Selestral 1 - Genros Vermächtnis

Author: SethGodofChaos
Tags: Anthro, Anthropomorphic, Fantasy, German Language, Human, Military, Robot, Sci-Fi, Science Fiction

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Impressum  
  
  
 Guido Zinnen  
 Seth@God-of-Chaos.de  
  
 © 2006  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
Der Inhalt des Buches ist reine Fiktion, eventuelle Namensgleichheiten oder Ähnlich-keiten derer sowie von Handlungen, Inhalten und Geschehnissen vergangener, heuti-ger und zukünftiger Institutionen ist frei erfunden.  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
 Selestral 1  
  
  
 Genros Vermächtnis  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
 Kapitel 1  
  
 Die Jagd  
  
  
Es war ein wunderbarer Morgen und der Wind strich sanft über die Ufer des Flusses Tiglus, um einige hundert Meter weiter auf die ersten Häuser des Dor¬fes Felgan zu treffen.   
 Cyron stand vor seiner Haustür, genoss den frischen Duft des Wassers, der ihm um die Nase wehte, und lauschte dem leisen Brummen der Wasser-pumpen und der Wasserreinigungsanlagen, welche unermüdlich das Flusswas-ser entnahmen, um die Bevölkerung mit Trinkwasser zu versorgen. Die ersten Strahlen der Sonne, die begonnen hatte die Spitzen des am Horizont liegen-den Gebirges zu kitzeln, wärmten sein Fell. Er blickte sich zufrieden um, blin-zelte mit leicht verkniffenen Augen dem Fixstern des Planeten Genro entgegen und ließ sich von seinen Gedanken treiben.   
 Genro war seine Heimatwelt, ebenso war sie es für viele Chafren, welche sehr unterschiedlich aussahen.  
 Die Chafren sind überwiegend Anthros, die AnChafren, also aufrecht ge¬hende Lebewesen mit einem menschlichen Charakter und der Fähigkeit logisch zu denken und zu sprechen. Ihr Aussehen entspricht aber dem eines Tieres, e-benso gibt es auch vierbeinige Chafren, die QuChafren.  
Jede Chafrenart hatte ihre eigene Stadt errichtet, da es fehlschlug, die An-sprüche jeder Spezies unter einen Hut zu bringen.  
 In Felgan lebten die großen und kleinen Katzen. In Strongham lebten die Hunde, Wölfe und Hyänen, in Festan die Anthropferde, Pegasi, Einhörner und Anthrohirsche, in Dragobar die Drachen, in Trieden die Greife und in Taurel und Minzin die Tauren und Stiere. In Han-Dun trafen sich alle auf dem zentra-len Marktplatz, um mit ihren Produkten und Erzeugnissen zu handeln. Kleinere Geschäfte wickelte man auf den jeweiligen Dorfplätzen ab. Ab und zu kamen auch fliegende Händler aus anderen Städten vorbei, aber das war eher selten. Jede Spezies hatte ihre Spezialitäten, die sie feilbot.  
 Die Katzen verkauften Fleisch, welches sie auf der Jagd erbeuteten.   
 Die Hunde waren für das lebende Vieh zuständig, denn es lebten nicht nur Chafren auf der Welt sondern auch normale Vierbeiner.   
 Die Minotauren oder auch Stiere genannt, waren für schwere Materialien wie Gestein, Erze und andere Bodenschätze zuständig, die Tauren hatten das Transportwesen übernommen und taten dies durch Nutzung des entsprechen-den Viehs oder erledigten es gleich selbst, indem sie sich selbst vor die Karren spannten.   
 Die Greife waren für frische Eier und Geflügel zuständig und die Pferdeartigen für frisches Obst.   
 Lediglich die Drachen hielten sich aus all dem heraus, und keiner hatte bisher wirklich einen zu Gesicht bekommen, man wusste nur, dass sie existieren.  
  
 Cyron sinnierte über das Leben, während er sein Tigerfell von der Sonne auf-wärmen ließ. Komisch, er war zu diesem Zeitpunkt fünfundvierzig Jahre alt, er hatte aus Erzählungen seiner Eltern von Drachen gehört und auch, dass sie ei-ne Stadt haben, aber gesehen, nein, gesehen hatte er noch nie einen. Also ver-sorgten sie sich entweder komplett allein oder es gab sie nicht. Persönlich ten-dierte er eher zur letzteren Variante, die gab ihm auch einen gewissen Grad an blinder Selbstsicherheit. Verdammt, was würde er auch tun, wenn plötzlich ein Drache ihm gegenüber stände? Aber das war eine hypothetische Frage, denn es gab ja keine Drachen.  
 Was aber sehr real war, war seine Lebensgefährtin Stella. Sie war eine wun-derbare Tigerin und hatte überhaupt die schönsten Streifen des ganzen Dorfes.   
 Er hatte sie im Alter von siebzehn Jahren kennengelernt und sie war damals erst zarte fünfzehn. Es war im wahrsten Sinne des Wortes Liebe auf den ersten Blick und ihre erste Rolligkeit stand kurz bevor. Sie roch einfach verführerisch.   
 Die Hochzeit ließ nicht lange auf sich warten und war in einem kleinen Kreis abgehalten worden. Es waren lediglich die Eltern beider dabei und nicht zu vergessen der Dorfzauberer. Der durfte bei Zeremonien niemals fehlen, sonst stand eine Ehe beispielsweise unter einem sehr schlechten Omen. Aus irgend-einem unerfindlichen Grund hatten sie zwar den technischen Fortschritt, wie fließendes Wasser, elektrischen Strom und vieles mehr in ihr Leben gelassen, aber waren trotzdem diesem alten Kult verhaftet.   
 Na ja, Cyron hielt nicht sehr viel von dem ganzen Hokuspokus, aber seine El-tern und auch Stella bestanden darauf. Als guter Ehekater beugte er sich dem Willen und bestellte den Kräuterwedler dazu.   
 Langsam zog er sich aus seinen Gedankengängen zurück, verjagte eine Fliege, die es vehement auf seine Nase abgesehen hatte, drehte sich um und öffnete die Tür. Es wurde Zeit nachzusehen ob Stella schon erwacht war.  
 Er lugte vorsichtig zur Tür herein und stellte fest, dass der Tisch schon ge-deckt war und wie immer reichlich Fleisch auf den Tellern lag.  
 Die Tigerin kam ihm munter und frohgemut entgegen und umarmte ihn herz¬lich.  
„Guten Morgen, mein Gemahl“, begrüßte sie ihn.  
Ihre Stimme war einfach umwerfend und trieb ihm jedes Mal das Gefühl frisch verliebt zu sein durch den Körper.  
Er liebkoste seine Kätzin sehr innig, nahm seinen Stuhl, zog ihn vom Tisch weg und setzte sich auf seinen Stammplatz. Stella tat es ihm gleich und rief nach ihrer Tochter.  
 Es verging kaum eine Minute, da erschien Tarja am oberen Ende der Treppe und sah ziemlich zerknautscht aus.   
Cyron sah sich seine Tochter an. „Du schaust aber sehr missmutig drein, mein Engelchen.“  
„Grrrrrrrrrr“, entfuhr es Tarja.  
„Uih. So schlimm also?“  
„Ich mag es nicht, so früh aufstehen zu müssen. Schule ist doof und alle Kater sind doof.“  
„Danke, dass ich doof bin“, entgegnete Cyron.  
„Dich meine ich damit gar nicht“, knurrte die junge Tigerin.  
„Hast du aber gesagt.“  
„Ach. Vergiss es einfach.“  
„Aber Liebling, so furchtbar kann es gar nicht sein“, mischte sich Stella ein.  
„Doch, ist es. Die Kater sind nervig, haben nur dumme Ideen, ärgern einen ständig und benehmen sich auch sonst merkwürdig.“  
„Aha“, sagte der Vater und musste still grinsen.   
 Er sah seine Frau an, rollte mit den Augen. Sie zog daraufhin nur kurz die Au-genbrauen hoch, was ihn zurechtweisen sollte und auch seine Wirkung nicht verfehlte.  
„Erzähl doch mal was dich bedrückt“, bohrte Stella in ihrer Tochter und stupste sie an.   
 Ihr Ehemann machte sich derweil über das Fleisch her. Immerhin hatte er das Tier erbeutet. Er war darin wirklich sehr erfolgreich, was ihn nicht nur Stolz machte und den allgemeinen Neid der Anderen einbrachte, sondern auch gro-ßen Respekt. Tarja biss ein Stück Fleisch ab und kaute darauf herum.   
 Sie sah ihre Mutter an und nuschelte mit vollem Mund etwas, was wohl so viel bedeuten sollte wie: „Jetzt nicht und nicht vor Vater.“  
 Die Mutter verstand sofort, dass es sich um eine rein weibliche Angelegenheit handeln musste und nickte nur kurz.   
 Nachdem Tarja den Mund wieder frei hatte, fragte sie direkt heraus: „Warum habe ich eigentlich keine Schwester? Andere Katzen in meinem Alter haben ei-ne Schwester. Ich hätte auch gerne eine, mit der könnte ich mich über alles unterhalten. Mit euch geht das irgendwie nicht.“  
Stella sah Cyron in die Augen.  
„Nun ja“, druckste der herum, „das ist natürlich eine gute Frage.“ Er musste husten und gab das Wort an seine Partnerin ab.  
„Ach ja. Typisch. Wenn es um Fragen der Fortpflanzung geht, dann hält sich der Kater raus und überlässt das Schlachtfeld lieber seinem Weibchen.“  
 Cyron zuckte verschämt mit den Schultern und brummelte nur kurz, dass er zur Jagd müsse, da am nächsten Tag der Verkauf auf dem zentralen Marktplatz anstünde.  
 Stella seufzte und sah wie er die Tür von außen hinter sich schloss.   
„Gut, mein Schatz. Was genau bedrückt dich wirklich?“  
Tarja begann verlegen auf ihrem Stuhl hin und her zu rutschen. „Hmmm, hmmm…“  
„Na los, sag schon.“  
 „Es geht darum, na ja, die Kater in meiner Klasse sind so komisch in letzter Zeit. Die sehen mich so komisch an, seit ein paar Wochen. Genauer gesagt, seit ein paar Monaten, seitdem ich vierzehn geworden bin. Außerdem tuscheln sie miteinander, wenn ich anwesend bin. Und ich bin mir absolut sicher, dass es dabei um mich geht. Außerdem habe ich da noch von anderen Sachen gehört, dass sie angeblich irgendwas untereinander vergleichen.“  
 Stella atmete tief durch. Bei Bastet! Das war ja schlimmer als gedacht. „Nun dann, jetzt geht es wohl ans Eingemachte. Warum auch nicht.“  
 Tarja war ganz Ohr und starrte bei den folgenden Ausführungen ihrer Mutter in die Augen und klebte an ihren Lippen.  
„Tja, meine Liebe. Den Katern in deiner Klasse ist nicht entgangen, dass du eine reife Tigerin wirst. Also reif für die ersten Kontakte mit dem anderen Ge-schlecht. Außerdem bist du wirklich sehr hübsch geworden und hast sehr aus-geprägte weibliche Reize. Das bringt die Hormone bei den Männchen durch-einander, denn auch an denen geht dieser Reifungsprozess nicht spurlos vor-bei. Noch ist es ein verhohlenes Tuscheln, aber schon bald wird dich der Erste näher kennenlernen wollen und du wirst an seinem Körper gewisse Än-derungen bemerken. Das sollte dir keine Angst machen, aber du solltest nicht unbedingt darauf eingehen.“  
„Was für eine Änderung?“, fragte Tarja.  
 Stella überlegte, wie sie am geschicktesten aus dieser Nummer raus käme, denn ins Detail wollte sie nicht gehen.   
„Sein Blick wird in deiner Nähe etwas entrückt sein, er wird dich anstarren, aber dich nicht bedrohen. Er wird vielleicht schnurren, wie es dein Vater damals im-mer getan hat. Und im Bereich der Taille wird sich etwas verändern, er wird, wie soll ich es sagen, fülliger werden.“ Sie musste bei dem Gedanken daran lächeln und fuhr fort. „Na ja und er wird den Wunsch haben engeren Körper¬kontakt zu dir herzustellen, wird sich vielleicht an dich ankuscheln wollen, sich vielleicht sogar an dir reiben. Wenn du den gleichen Wunsch verspürst, dann ist es okay, wenn nicht, dann solltest du das unterbinden und ihn zurück¬weisen.“  
„Wozu denn Körperkontakt? Außerdem ist das ein Kater, wer will schon Kon¬takt zu dem?“  
„Das sagst du jetzt. Das habe ich früher, in deinem Alter auch gesagt. Und nun bin ich seit achtundzwanzig Jahren mit deinem Vater liiert. Manchmal geht das alles schneller als man denkt. – Ach, weißt du was? Du wirst schon das Richtige tun und dein Herz wird dir den richtigen Weg weisen.“  
 Sie lächelte ihre Tochter liebevoll an. „So, nun musst du aber los, sonst kommst du zu spät zum Unterricht.“  
„Schon unterwegs“, sagte sie noch, hatte bereits die Türklinke in der Hand und war verschwunden.   
 Stella setzte sich und seufzte. „Hoffentlich tut sie wirklich das Richtige und überstürzt nichts. Ich spüre da eine Katastrophe heraufziehen.“  
  
  
 Cyron hatte sich zur Jagd aufgemacht. Er begab sich zunächst auf den Dorf-platz und traf sich dort mit seinen Jagdgefährten, einem Löwenkater namens Hadron, einem anderen Tiger namens Pathenon und einem recht flinken Kerl namens Hylas, einem Luchs. Er war kleiner als die Anderen und dadurch im Un-terholz wesentlich beweglicher, also eine echte Bereicherung der Jagdgesell-schaft.  
 „Hoffentlich kommen uns nicht wieder irgendwelche Hyänen aus Strongham in die Quere“, polterte Hadron zur Begrüßung.   
„Nicht, wenn ich es verhindern kann“, entgegnete Hylas.  
„Dein Wort im Ohr der großen Katzengöttin“, seufzte Pathenon.   
 Sie machten sich auf den Weg zum nahegelegenen Wald.   
 Cyron brach während des Marsches zu Pfote das Schweigen. „Ist euch eigent-lich aufgefallen, dass wir in den letzten Wochen immer weniger Beute machen? Selbst mit unseren verbesserten Speeren und mit den flugoptimierten Pfeilen haben wir kaum eine Chance. Es gibt einfach nichts was man erlegen kann.“  
 Pathenon nickte zustimmend. „Du hast Recht. Ich weiß auch nicht woran es liegt, aber wir werden wohl oder übel unsere Jagdgebiete vergrößern müssen. Das wird allerdings automatisch zu Konflikten mit den Caniden führen.“  
„Ja, ich weiß… Hyänen. – Ich hasse Hyänen.“  
„Jaaaaaaa doch, Hadron. Wir wissen, dass du die Typen nicht magst. Aber bei allem was Recht ist. Wir müssen mit ihnen teilen, denn auch sie haben ein An-recht auf Beute, wie wir.“  
„Ja! Leider“, grummelte der Löwe.  
„Ruhe!!!“, zischte Hylas plötzlich, „Ich höre was.“  
„Ja. Ich höre es auch“, flüsterte Cyron, „Was ist das?“  
„Was ist was?“  
„Aoorggh… du hörst unter deiner dicken Mähne auch scheinbar gar nichts o-der? Wird Zeit, dass du mal wieder zum Friseur gehst.“  
„Grrrr….“  
„Na toll. Wollen wir uns jetzt gegenseitig auseinandernehmen oder konzentrie-ren wir uns endlich mal auf das Wesentliche?“  
„Da, da. Da ist es schon wieder.“  
 Jetzt hörten es wirklich alle, denn es wurde lauter. Und – es kam näher. Es war ein feiner Summton, der definitiv zu keinem bekannten Tier gehören konnte.  
„Vielleicht ist es eines der Kraftwerke in der Gegend?“, murmelte Pathenon.  
„Ja, genau. Sehr logisch und dieses Kraftwerk hat sich jetzt auf die Pfoten ge-macht und bewegt sich in unsere Richtung“, ergänzte Hylas.  
 Pathenon schaute den Luchs grimmig an. Alle anderen starrten in die Rich-tung aus der das Geräusch zu kommen schien. Mittlerweile war sogar schon zu bemerken, dass der Ton nicht konstant war, sondern auf- und abzuschwellen schien.   
 Die Blicke wurden immer konzentrierter und nervöser.  
„Da muss gleich was zu sehen sein. So nahe wie das...“, setzte Pathenon an, kam aber nicht weiter, denn mit einem lauten Krachen brachen plötzlich drei Hyänenweibchen aus dem Unterholz des Waldes hervor und stürmten in Rich-tung der Kater.  
„Wie widerlich!“, ekelte sich Hadron.  
„Gemach, gemach. Sehen wir erstmal was die wollen“, wiegelte Cyron ab.  
 Als die Hyänen die Raubkatzen sahen, fielen sie in einen ruhigeren Gang zu-rück und kamen eher gemächlich auf die vier zu.  
„Guten Morgen!“, sagte Uri, „Wie ich sehe seid ihr auch schon auf den Beinen um Beute zu machen.“  
„Aber klar doch“, entgegnete Cyron, „immerhin dürfen wir ja wohl auch hier jagen und nicht nur ihr. Wobei mir einfällt, warum seit ihr eigentlich nicht bei euren Viehherden?“  
„Die Zeiten sind härter geworden und man muss seit Wochen sehen wo man bleibt.“  
 Die Raubkatzen nickten, lediglich Hadron hatte eine versteinerte Miene.   
„Ich verstehe das vollkommen, aber warum seid ihr denn so gerannt?“, setzte Cyron fort.  
„Wir? Gerannt? Niemals!“, empörte sich Lyra.  
„Oh doch, wir haben es alle gesehen. Ihr habt erst gebremst, als wir euch sehen konnten.“  
 Die Hyänen waren ganz klar überführt und drucksten herum. „Na ja, also schön. Aber gebt zu, ihr habt auch dieses Geräusch gehört. Und – wir haben etwas gesehen. Ein riesiger Schatten glitt am Himmel entlang und bevor wir Beute werden, rannten wir, was die Beine hergaben.“  
 „Ein Geräusch! Aha. Natürlich haben wir es gehört. Wir sitzen schließlich nicht auf unseren Ohren“, prahlte Hadron.   
 Eine glatte Lüge, denn immerhin musste man ihn schließlich fast mit der Nase drauf stoßen, damit er es überhaupt für voll nahm.  
 Lyra fuhr fort: „Wir vermuten, dass es sich um einen Drache gehandelt haben könnte.“  
„Ein Drache? Es gibt keine Drachen!“, grollte Cyron.  
„Oh doch, es gibt sie. Ich habe selbst schon mal einen gesehen.“  
„Unglaublich! Ihr wollt uns wohl für dumm verkaufen?“  
„Nein, ehrlich nicht. Es ist allerdings eine Legende, dass sie Feuer speien kön-nen, und der größte Teil von ihnen ist eher pazifistisch eingestellt.“   
 Das reichte Cyron jetzt aber wirklich. „Ach Quatsch, das sind doch alles Mär-chen. Ich glaube nicht eher an Drachen, bis ich welche gesehen habe. Habt ihr denn irgendeinen Beweis für eure kühnen Behauptungen?“  
 Die Hyänen schauten sich ratlos an, denn soviel Unglauben hatten sie nicht erwartet. „Nein, wir haben keinen Beweis, nur unser Wort.“  
„Wer Hyänen glaubt, der ist verloren“, wetterte Hadron.   
 Er konnte es einfach nicht lassen.  
 „Ach, so denkt ihr also. Na, das ist ja toll. Dann brauchen wir uns gar nicht weiter zu unterhalten und beenden das Gespräch hier und jetzt sofort.“ Die Hy-änen waren sichtlich beleidigt.  
 Hylas gefiel die Situation nicht und er versuchte zu schlichten. „Hallo? Kriegt euch alle mal wieder ein.“ Und an die Hyänen gerichtet: „Entschuldigt bitte un-seren Löwenfreund. Manchmal lässt sein Benehmen wirklich zu wünschen üb-rig.“  
 Die Gesichtszüge der Hyänen erhellten sich sichtlich ob der Entschuldigung, dafür verfinsterten sich die des Löwen und er ließ alle Beteiligten, ohne ein weiteres Wort zu verlieren, stehen.  
 Nach einer kurzen Verabschiedung liefen die beiden Tiger und der Luchs dem Löwen nach.  
„Sag mal. Kannst du mir erklären, was das eben sollte?“, stellte ihn Pathenon zur Rede.  
 Hadron schaute ihn nur grimmig an und ging weiter.  
„Das nenne ich mal eine echt präzise Antwort. Das kann nur ein Löwe.“  
Das war zuviel des Guten und der Löwenkater ließ einen durchdringenden Schrei los. „Ich bin kein Hyänenfreund und wenn ihr es seid, dann ist das euer Problem. Aber macht das unter euch aus. Ich, für meinen Teil, habe genug für heute und kehre jetzt wieder heim.“  
 „Fein. Kehren wir alle wieder heim zu unseren Familien und sagen ihnen, dass wir nichts gefangen haben, da wir uns gegenseitig zerfleischen mussten.“  
 Der Löwe hielt inne, schaute Cyron an und seufzte.  
 „Cyron hat Recht. Wir sollten wirklich nachhause gehen. Ich glaube nicht, dass wir hier und heute noch irgendwas fangen. Außerdem hatte ein gewisser Luchs laut getönt, dass er ein Zusammentreffen mit den Hyänen verhindern wolle“, sagte Pathenon.  
„Na toll. Jetzt bin wohl ich wieder an allem Schuld.“ Hylas war sichtlich belei-digt.  
Cyron sah den Luchs tiefgründig an. „Ja, du hast ja Recht. Mit unserem Gezeter haben wir wahrscheinlich das Wild im Umkreis von acht Kilometern ver-scheucht.“  
Die vier gingen also wieder zurück zum Dorf und erreichten es am Nachmittag.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 2  
  
 Tarja und Chiron  
  
  
Tarjas Unterricht war in der Zwischenzeit vorbei und sie entschloss sich, einen Besuch beim Dorfzauberer abzuhalten. Er war zwar mächtig verschroben, aber was konnte man schon von einem Ozelot erwarten. Sie verabschiedete sich al-so von ihren Freundinnen und machte sich auf den Weg. Es war immer wieder faszinierend für sie den Zauberer dabei zu beobachten, wie er Kräutermixturen anrührte, Wässerchen braute und dabei unverständliche Sprüche murmelte.  
Und erst die vielen Düfte. Es roch nach allem möglichen, manche Gerüche er-schienen ihr bekannt und vertraut, was aber nicht möglich war.  
  
  
 Cyron und seine Jagdfreunde waren inzwischen im Dorf angekommen und kehrten in die am Dorfplatz gelegene Schänke ein. Es war sehr leer um diese Zeit und die vier gern gesehene Gäste.  
„Hallo, was darf ich euch bringen?“, begrüßte sie Shiva und biss Pathenon sanft ins linke Ohr. „Na, mein süßes Wildkaterchen!“  
 Sie war ein bezauberndes Jaguarweibchen mit festen Schenkeln, durchtrai-nierten Oberarmen, einem niedlichen Bäuchlein, das anzeigte, dass sie eine fantastische Köchin war, und strahlend weißen Zähnen.  
 Hadron grinste breit, Hylas musste kichern und Cyron schloss die Augen, während Pathenon zu erröten schien. Glücklicherweise sah man es nicht durch das dichte Fell, lediglich die Nasenspitze schien ihre Farbe zu ändern. Sie be-stellten sich Met und setzten ihren Disput fort.  
 „Es gibt keine Drachen“, begann Cyron erneut. „Und Hadron sagt selbst, dass man Hyänen nicht trauen kann, auch wenn dieses Urteil aus den Zeiten unserer Urururahnen stammt und wahrscheinlich längst überholt ist.“  
 „Das schließt ihre Existenz aber nicht aus und die Hyänen …“, wollte Hylas ausführen, doch Hadron fiel ihm ins Wort. „Aber die Aasfresser sind unglaub-würdig und außerdem, was soll man von Kreaturen halten, die ihre Weibchen auf die Jagd schicken, weil die Männchen dafür zu feige sind.“  
 „… und wer weiß schon was da wirklich los ist und so geschieht“, schloss Hylas seinen unterbrochenen Gedanken laut ab. „Außerdem wäre es nett von dir mich nicht immer zu unterbrechen. Abgesehen davon schaffst du es immer wieder uns in Situationen zu manövrieren, die wir ausbügeln müssen.“  
 Der Bemähnte schnaubte kurz, aber nickte verstehend.  
 Pathenon saß da, hörte zu, zuckte mit den Schultern und gab zu bedenken, dass sie selbst bemerkt haben, dass sich etwas zu ihren Ungunsten zu ent-wickeln schien. „Die Beute wird knapp und keiner weiß wohin sie verschwin¬det.“  
Zustimmendes Gemurmel von den Beteiligten, sogar vom Löwen.  
  
  
 Tarja klopfte an die Tür der Hütte. Es kam keine Antwort. Sie klopfte erneut an, wieder keine Antwort. Sie öffnete die Tür und lugte vorsichtig hinein.  
„Darf ich herein kommen?“  
Keine Antwort.  
„Hallo? Jemand zu hause?“  
„Miau? Oh, du bist es meine Kleine. Du warst aber schon lange nicht mehr hier. Komm rein und lass dich anschauen“, sagte der Ozelot und kam von einem sei-ner unzähligen Schränke heruntergeklettert.  
 Er tat dies aber nicht besonders geschickt und richtete ein kleineres Gemetzel unter fünf Büchern an, welche sich spontan entschlossen, zusammen mit ihm den Gesetzen der Schwerkraft zu folgen. Unter lautem Poltern schlugen sie auf dem Holzfußboden auf.  
„Ach, verdammt. So ein Schlamassel.“ Er seufzte kurz, überließ die Bücher sich selbst und wandte sich Tarja zu.  
Das Tigermädchen trat ein und baute sich vor ihm auf.  
 Eingehend betrachtete der Ozelot sie. „Du bist groß geworden und verführe-risch schön. – Hach, wenn ich jünger und Tiger wäre, dann …, aber lassen wir das lieber.“  
 Tarja wurde verlegen. Ihre Mutter schien Recht zu haben, was ihre Wirkung auf Kater anging.  
„Was führt dich denn zu mir?“  
„Ähm, ja also …, ich bin hier, weil ich Fragen habe.“  
„Fragen? Zu mir kommen alle immer nur, wenn sie Fragen haben. Keiner inter-essiert sich für mich. Alle wollen nur wissen was ich hier tue. Niemand will was von meinem Körper oder meiner Seele. Scheinbar bin ich kein Lebewesen, son-dern ein Stück Holz.“  
 Tarja guckte den Ozelot verdutzt an.  
 Der schüttelte nur den Kopf und schien sich zu besinnen. „Entschuldige bitte. Manchmal vergesse ich, wie alt ich bin. Die Einsamkeit macht mich zuweilen etwas wunderlich.“  
Das Tigermädchen sah ihn traurig an und spürte die Sehnsucht in seinen Wor-ten.  
„Dann lass mal hören, was du auf dem Herzen hast“, forderte er sie auf.  
 Tarja holte tief Luft. „Warum weichen meine Eltern meinen Fragen aus oder geben nur unzureichende Antworten?“  
 Der Ozelot starrte sie an wie ein Zombie der gerade ein Gehirn sucht, fasste sich aber wieder. „Das ist ja mal ne Frage. Und du meinst ich kann dir darauf eine Antwort geben?“  
„Ja, ich hatte es zumindest gehofft.“  
„Wir hoffen alle auf irgendwas, meine Liebe. Was hattest du sie denn gefragt?“  
„Ich wollte wissen warum ich keine Schwester habe und habe auch nach Katern gefragt.“  
 „Oh. Also, so was aber auch. Manchmal hat man Glück und die Fragen werden beantwortet oder Hoffnungen erfüllen sich. Manchmal bleibt es aber auch dabei und man sucht sein ganzes Leben vergeblich nach etwas, was nie in Er¬füllung geht, weil es nichts Entsprechendes gibt. Manchmal jagt man Träumen hinterher und vergisst dabei, dass es wichtigere Sachen gibt. Manchmal vergisst man sogar sich selbst in Raum und Zeit.“  
 Tarja entgleisten die Gesichtszüge und sie wurde etwas unwirsch. „Ist das et-wa die Antwort auf meine Frage?“  
„Ja, das ist eine Antwort. Mach' das Beste daraus. Ich habe dir schon mehr ge-sagt als ich darf. Eins gebe ich dir noch zu bedenken. Oft steckt hinter der Fas-sade mehr als man sieht.“  
 Jetzt war Tarja vollkommen verwirrt.  
„Frage deine Eltern nach Sitara.“  
„Nach wem?“  
„Nach Sitara. Mehr kann ich nicht sagen. Ich befürchte …“  
 In diesem Augenblick ging die Tür auf und ein junger Tigerkater betrat die Hütte. Der Ozelot zuckte zusammen, als wäre er vom Blitz getroffen worden. Der Tiger ging auf die beiden zu, grüßte Tarja freundlich und bedeutete dem Zauberer, ihm in den hinteren Bereich der Behausung zu folgen.   
 Nach zwanzig Minuten und einem Stimmengewirr kamen beide wieder hervor und der Ozelot deutete auf Tarja und anschließend auf den Tigerkater.  
„Darf ich euch miteinander bekannt machen? Tarja, das ist Chiron. Chiron, das ist Tarja.“ Wobei er den Namen des Mädchens übermäßig betonte und so ge-drückt aussprach, als wolle er eine besondere Ware unter dem Basartisch ver-kaufen.  
 Chiron sah sie mit großen leuchtenden Augen an, nahm ihre rechte Hand und spürte dabei ihre Schüchternheit. „Du hast einen wunderbaren Namen und dass du wunderschön bist, ist noch untertrieben. Du musst einem Traum ent¬sprungen sein.“  
 Tarjas Herz fing an schneller zu schlagen und ihr wurde merklich wärmer. „Du bist aber auch eine sehr imposante Erscheinung.“   
Sie kniff die Augen zusammen. ,Toll Mädchen, ganz toll. Noch blöder geht’s wohl wirklich nicht.'  
 Aber Chiron lächelte nur.  
„Chiron wohnt an der Grenze zum Urwald und ich habe ihn seit mehr als zehn Jahren nicht mehr gesehen“, ergänzte der Ozelot freudig und entspannte die Situation etwas.  
„Tarja! Darf ich dir übrigens meinen alten Freund Hargot vorstellen“, sagte Chi-ron.  
 Tarja dreht sich unvermittelt um und schaute hinter sich. Da war niemand. „Wer ist Hargot?“  
„Moment mal. Hat Hargot etwa nie seinen Namen verraten?“  
 Tarja schüttelte den Kopf.  
„Hargot, wie konntest du das nur vergessen?“  
„Es interessiert doch eh keinen. Kommen alle nur mit irgendwelchen wirren Fragen.“  
 Chiron seufzte und zog ein Gesicht als hätte er auf etwas sehr Saures gebis-sen.   
 „Chiron, tue mir einen Gefallen. Nimm dir Tarja und beantworte du ihre Fra-gen. Ich habe mir, fürchte ich, schon den Mund verbrannt. Dir kann nichts pas-sieren, lebst hier nicht, bist ein Außenseiter, aber mich skalpieren sie nachher.“  
„Verdammt, was soll das?“, grollte Tarja.  
„Tarja! Wollen wir nicht etwas an die frische Luft, spazieren gehen und uns un-terhalten?“, munterte Chiron auf.  
 Sie nickte, aber hatte gleichzeitig ein mulmiges Gefühl. Irgendwas stimmte nicht und dieser Chiron kam ihr irgendwie bekannt vor.  
 Sie traten vor die Hütte und Chiron deutete an, dass Tarja ihn bei ihrem Spa-ziergang zum Flussufer begleiten solle. Tarja willigte ein, war sie doch bestrebt endlich Licht ins Dunkel zu bringen. Außerdem zog sie etwas magisch zu ihm.  
 „Junges Fräulein, du versuchst zu schnell, zu viel in Erfahrung zu bringen. Du stellst zwar die richtigen Fragen, aber der Zeitpunkt ist denkbar schlecht ge-wählt.“  
„Was ist falsch daran zu fragen? Was ist an Wissen schlechter als an Unwissen? Warum ist es ein falscher Zeitpunkt und vor allem, wann wäre denn der richti-ge?“ Die letzten Worte von ihr klangen sarkastisch.  
 „Genau das ist es was ich meine. Du bist sehr jung und zu impulsiv. Du redest sehr oft bevor du nachdenkst und das ist nicht gut. Du könntest zwar alles wis-sen, würdest aber damit nichts anfangen können.“  
„Aha! Und du kannst das beurteilen, oder?“, fuhr Tarja ihn scharf an.  
„Ja. Ich denke schon.“  
„Du kennst mich doch gar nicht.“  
„Ich weiß mehr über dich als du denkst, mehr als du vielleicht über dich selbst weißt.“  
 Tarja schaute ihn durchdringend an. „Wer bist du wirklich? Ich meine damit, dass du bei unserem Kräutermischer auftauchst, der scheinbar endgültig durchgeknallt ist und nur noch in Rätseln antwortet, mich bei der Hand nimmst, hierher führst und das nur um mir denselben Blödsinn zu erzählen.“   
 Tarja war frustriert und reagierte unerwartet. Sie umarmte ihn plötzlich und drückte ihn fest an sich. „Du kommst mir so vertraut und so bekannt vor. Ich habe das Gefühl dich Ewigkeiten zu kennen. Dabei weiß ich, dass ich dich heu¬te zum ersten Mal sehe.“   
 Chiron lächelte gütig und hielt sie ebenfalls fest. „Wenn ich dir eine Antwort darauf geben würde, würdest du es bestimmt nicht verstehen und schon gar nicht glauben.“  
 Er löste sich von ihr, nahm sie wieder bei der Hand und schaute über das Wasser des Flusses auf die andere Uferseite. „Du bist wunderschön und intel-ligent und ich will nicht riskieren dich zu verlieren.“ Und so leise, dass sie es nicht hören konnte, ergänzte er: „Nicht noch einmal.“  
 „Chiron! Wer bin ich wirklich und was bin ich? Warum bin ich für dich so wichtig?“  
„Du wirst es erfahren, wenn die Zeit dafür reif ist.“  
 Sie sah ihn aus großen sanften, aber feurigen Augen an. Chirons Augen be-gegneten ihrem Blick. Diesmal zog er sie an sich, umarmte und küsste sie schließlich.  
 Zuerst wollte Tarja ihn zurückweisen, ließ es dann aber geschehen, weil sie in sich eine Veränderung spürte. Sie fühlte sich bei ihm in Sicherheit und gebor-gen und da war noch etwas anderes, das Bedürfnis ihn festzuhalten und nie wieder loszulassen.  
 Sie hatte sich Hals über Kopf in ihn verliebt und genoss es, auch wenn diese Veränderung so plötzlich kam. Sie setzte sich ans Ufer und deutete auf den freien Platz an ihrer rechten Seite. Chiron setzte sich zu ihr und Hand in Hand schauten sie der Sonne bei ihrem Lauf am Himmel zu.  
„Warum machen alle nur vage Andeutungen, weichen meinen Fragen aus oder antworten in Rätseln?“  
 Chiron seufzte, ob Tarjas Hartnäckigkeit. „Jeder hat seine Bestimmung im Le-ben, auch du. Es wäre nicht gut für dich und deine weitere Entwicklung, wenn man dir gewisse Dinge offenbaren würde. Du musst deinen Weg selber finden und eigenständig handeln. Wenn du immer im Voraus wüsstest was auf dich zu kommt, würdest du keine Fehler machen, da du sie absichtlich vermeiden kannst. Aber Fehler gehören zum Leben. Auch du musst Fehler machen, denn sie gehören dazu und durch sie lernst du und entwickelst dich weiter. Ziele werden oftmals nur auf Umwegen erreicht.“  
 Tarja nickte, denn sie verstand worauf er hinaus wollte.  
 Chiron fuhr fort: „Stell dir vor, es gäbe ein Leben nach dem Tod und man wüsste eines Tages, dass dieses Leben wesentlich besser ist, als das, was man hier führt. Was glaubst du, wie viele Chafra und Chafre sich freiwillig das Leben nähmen, um möglichst schnell in den Genuss dessen zu kommen. Oftmals ist es besser, wenn man bestimmte Sachen nicht schon im Vorfeld weiß. Um eine Aufgabe zu lösen muss man den richtigen Weg finden, um dann das Ergebnis zu erhalten. Kennt man das Ergebnis aber schon vorher, macht man sich mög-licherweise keine Gedanken mehr über den Weg, nur kurz muss er sein. Das verleitet aber dazu, den falschen Weg zu gehen, und das kann am Ende das Er-gebnis verfälschen oder sogar vollkommen zunichtemachen.“  
 Er hatte Recht, das musste Tarja sich selbst eingestehen.  
 Sie war froh, dass er bei ihr war und kuschelte sich in sein Fell, begann seine rechte Flanke zu kraulen. Chiron schnurrte leise und genoss es sichtlich. Tarja spürte in ihrem Innersten eine Flamme auflodern. Dieses Gefühl bahnte sich seinen Weg an die Oberfläche, nahm sie in diesem Moment vollkommen ge-fangen.   
 Sie merkte es mit jeder Faser, dass er der Richtige ist, genauso wie es ihre Mutter erst vor einigen Stunden gesagt hatte.  
Tarja hatte einen Entwicklungsschritt nach vorne gemacht, schneller als erwar-tet und geradezu verblüffend. Das Tigermädchen, welches anfangs neben Chi-ron gesessen hatte, existierte nicht mehr. Neben ihm saß jetzt eine ausge-wachsene Tigerin, die sich nur schwer gegen eine behagliche Erregung wehren konnte. Wollte sie sich überhaupt wehren?  
 So kraulte sie weiterhin Chirons Flanke, während er immer heftiger schnurrte, dabei am ganzen Körper bebte und sie sich zu sehnen begann dieses Beben tief in sich aufzunehmen. Chiron spürte es, reagierte seinerseits entsprechend und sein schnurren ging in ein lautes, kehliges und wohliges Grollen über.  
 Unvermittelt ließ die Tigerin der Kater los, drückte ihn in den Ufersand und setzte sich auf seinen Schoß. Der folgende Paarungsakt war wild, hemmungslos und schon nach wenigen Sekunden vorbei.  
 Chiron hatte sich tief in ihrem Inneren ergossen. Sie war erschöpft von ihren ekstatischen Bewegungen und ihrem ersten, sie körperlich und seelisch voll-kommen gefangen nehmenden Höhepunkt über ihm zusammengesunken.  
 Nachdem sich beide etwas erholt hatten und nebeneinander lagen, wurde ih-nen bewusst, was geschehen war. Tarja war durch den vollzogenen Akt kein pubertäres Kind mehr sondern eine erwachsene Tigerin. Was noch viel schwe-rer wog, aber in diesem Moment noch keiner der beiden so recht ge¬wahrte; Chirons Samen war in ihrem Schoß auf fruchtbaren Boden gestoßen.  
 „Tarja, du hast mich mit deiner Zärtlichkeit und deinen körperlichen Vorzügen verwöhnt, aber nichts desto trotz war es ein großer Fehler. Du hast dir nichts vorzuwerfen, nur ich mir.“  
 „Warum, Liebster? Es war einfach wundervoll. Entschuldigst du dich jetzt, weil es so schnell ging, weil wir beide begierig waren, den Anderen zu spüren? Oder entschuldigst du dich, weil du mein erster Partner warst und du nun Skrupel hast?“  
 „Ja, das alles hätte niemals passieren dürfen. Ich hätte es verhindern müssen. Du hättest dich überhaupt nicht auf mich einlassen sollen. Ich bin nicht gut für dich.“  
 Tarja fing an zu lachen. „Du bist nicht gut? Du bist viel besser und ich danke dir dafür!“  
 Aber Chirons Gesicht sprach Bände und bedeutete alles andere als Begeiste-rung über das Vorgefallene.   
„Ich werde jetzt besser gehen“, sagte er schließlich.  
„Du willst mich jetzt verlassen?“  
„Ja, es ist, glaube ich, besser so.“  
 Die Tigerin sah ihn traurig an und seufzte. „Hmmm …, wenn du denkst, dass es so besser ist, dann mach' das. Du wirst wissen was richtig und was falsch ist. Auch, wenn es traurig ist, dass du mich jetzt einfach hier sitzen lässt.“  
 Chiron atmete tief durch, umarmte Tarja noch einmal und küsste sie voller In-brunst. „Du weißt, wo du mich findest.“  
„Hä? Wo denn?“  
„Frage Hargot, er kennt den Weg. Ich bin immer für dich da und wenn du Schwierigkeiten hast, dann ziere dich nicht und komm sofort zu mir. Ich muss jetzt gehen, weil ich fürchte, dass man uns sonst noch hier zusammen sieht und das könnte für dich zu ernsten Schwierigkeiten führen. Es geht dabei also nicht um mich.“  
Tarja nickte und Chiron machte sich auf den Weg.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 3  
  
 Sitara  
  
  
Tarja beobachtete wie Chiron ging und im Verlauf seines Weges immer kleiner wurde, bis er schließlich vor der fernen Silhouette des Regenwaldes ver-schwand. So saß sie noch circa drei weitere Stunden am Flussufer, sah zunächst immer wieder auf, in der Hoffnung, dass ihr geliebter Kater wieder zurück-kehren würde, gab schließlich auf und starrte auf das Wasser und die Fische, die sich darin tummelten.  
 Als der Abend hereinbrach, machte sie sich schließlich auf den Heimweg, denn ihre Eltern würden sich bestimmt schon Sorgen machen.  
 Nach zwanzig Minuten des Weges, hatte sie das Haus erreicht und öffnete die Tür. Ihre Eltern saßen am Tisch, waren jedoch nicht allein.  
„Ah, da ist sie ja.“ Ihre Mutter lief ihr entgegen und war vollkommen aus dem Häuschen vor Aufregung.  
„Wir haben uns schon Sorgen gemacht“, sagte eine ihr fremde Leopardin.  
 Tarja schaute ihre Eltern an und dann die Leopardin und den auch am Tisch sitzenden und freundlich lächelnden Leopardenkater.  
„Was ist denn hier los und wer ist das?“, fragte die Tigerin.  
„Darf ich dir deine Stiefschwester Sitara vorstellen und ihren Mann Finlay.“  
 Ihr Gesichtsausdruck daraufhin musste urkomisch gewirkt haben, denn Sitara fing an zu kichern.  
„Das ist Sitara?“  
Jetzt war die Mutter an der Reihe zu staunen. „Woher weißt du von ihr?“  
„Ähm … nichts. Gar nichts. Ich dachte nur, dass sie mir bekannt vorkommt und ich ihr schon mal begegnet wäre. Hab’ mich wohl geirrt.“  
 Aber zu spät.   
Cyron roch den Braten. „Du warst doch heute Nachmittag beim Kräutermänn-chen? Was hat dir die alte Plaudertasche erzählt?“  
„Nichts, wirklich gar nichts!“  
„Naaa! Sprich die Wahrheit!“  
„Er meinte nur …“  
„Jaaaaaa?“  
„… ich solle euch nach Sitara fragen.“  
 Der Vater ließ hörbar die Luft entweichen. „Ich wusste es, ich wusste es die ganze Zeit, er kann einfach nicht die Klappe halten.“   
„Halt die Luft an, Cyron!“, wetterte Stella. „Die Zeit war eh reif dafür, dass sie es erfährt. Auch, wenn es dumm ist, dass sie es durch eine dritte Person erfahren musste.“  
 Cyron beruhigte sich wieder.  
 Sitara lächelte Tarja an und nahm sie in die Arme.  
 Tarja schmiegte sich an sie, sog ihren Duft ein und verkniff sich eine kleine Träne der Freude. „Ich habe mir immer eine Schwester gewünscht und nun ha-be ich tatsächlich eine.“ Und an ihre Eltern gewandt, sagte sie: „Ihr habt mir was zu erklären und zwar dringend!“  
„Ja, das haben wir in der Tat. Aber, wo soll ich anfangen?“, überlegte Stella.  
„Am besten am Anfang“, polterte Tarja.  
 „Natürlich. Also – Cyron und ich lernten uns kennen, er war siebzehn und ich war gerade mal fünfzehn. Wir heirateten ein Jahr später und versuchten Nach-wuchs zu bekommen, aber es war hoffnungslos. Man stellte fest, dass dein Va-ter unfruchtbare Samenzellen produziert und empfahl uns, ein Junges zu adoptieren und es trotzdem weiter zu versuchen, vielleicht ist ja doch Glück im Spiel.   
 Wir entschieden uns für Sitara, versuchten es natürlich weiter und als Sitara dreizehn war, klappte es bei uns. Die Botschaft meiner Schwangerschaft wurde von ihr jedoch nicht so locker weg gesteckt wie ich es erhoffte. Sie entschloss sich uns zu verlassen und wir konnten sie beim besten Willen nicht davon ab-halten.   
 Tja, so war das damals. Und um dir den Schmerz und die Trauer zu ersparen, die du empfinden würdest, wenn du um deine unbekannte und unerreichbare Schwester wüsstest, haben wir geschwiegen.“  
„Warum enthält man Kindern so was immer nur vor?“  
„Weil sie es bis zu einem gewissen Alter nicht verstehen würden.“  
 Tarja sah ein, dass ihre Mutter Recht hatte, hatte sie doch am gleichen Tag ei-nen Sprung in ihrer Persönlichkeitsentwicklung getan, war erwachsener gewor-den.  
„Stella! Dürfen Finlay und ich auf Tarjas Zimmer gehen? Wir haben uns, glaube ich, sehr viel zu erzählen“, warf Sitara spontan dazwischen.  
 Stella willigte ein und die drei gingen die Treppe hoch.  
 Im Zimmer angekommen, machten sie es sich bequem und starrten einander an.  
„Tja“, begann Sitara, „es freut mich wirklich dich kennen zu lernen.“  
„Ich freue mich auch.“ Finlay hatte seinen ersten Satz in Tarjas Gegenwart her-vor gebracht.  
„Mich freut es ebenso, auch wenn es etwas spät ist und mich die Ereignisse des Tages endgültig überrennen.“  
„Das kann ich mir vorstellen.“  
„Ich glaube nicht“, entgegnete Tarja und grinste verschmitzt.  
Sitara und Finlay sahen sich an und dann musterte Sitara die junge Tigerin ein-gehend. „Du hast wirklich sehr ausgeprägte Reize für dein Alter, das muss ich neidlos anerkennen. Sieh sie dir an, Finlay. Die festen wohlgeformten Brüste, die schlanke Statur und die Alabasterschenkel.“  
Finlay schaute und nickte nur.   
 Sitaras Blick blieb zwar nur kurz, aber lange genug am linken Oberschenkel der jungen Tigerin kleben.   
 Tarja dankte ihr, wurde aber nicht verlegen und konnte das Kompliment nur zurückgeben, denn Sitara war nicht nur gut, sondern recht üppig gebaut.  
„Okay, wer ist er?“, fragte sie.  
„Wer ist wer?“ Tarja tat unschuldig.  
„Ich meine den Kater. Denjenigen, dem du dich heute hingegeben hast?“  
 Tarja wurde jetzt doch verlegen. „Wie kommst du denn darauf?“  
„Meine Liebe, mir kannst du doch nichts vormachen. Deine leuchtenden Au-gen, dein Duft und letztendlich die getrocknete Samenflüssigkeit an deinem linken Oberschenkel verraten dich.“  
 Tarja erschrak. Hatten ihre Eltern es etwa auch bemerkt?   
 Sie ging schnell ins Badezimmer, beäugte die Flecken und wusch sie aus dem Fell.  
 „Das ist mir wirklich peinlich“, sagte sie, als sie ihr Zimmer wieder betrat.  
„Ach quatsch. Das muss dir doch nicht peinlich sein. So was passiert schon mal im Eifer des Gefechts.“  
 Finlay verdrehte die Augen. Na ja, immerhin wenigstens eine Reaktion.  
„Ich hoffe, du hattest vorher was genommen.“  
„Was sollte ich denn nehmen?“  
„Willst du mir etwa sagen, dass du dich ohne Schutz gepaart hast?“  
„Ach so, das meinst du. Ich glaube mein Liebster hatte vorher was genommen.“  
„Ach du schei...! Ein Kater kann nichts nehmen, das musst du tun. Hast du Silphium genommen oder zuvor wenigstens eine andere Einlage aus Samen abtötenden Kräutern gemacht?“  
 Tarja erstarrte zur Salzsäule. „Nein, es kam alles so unerwartet und plötzlich.“  
„Dann haben wir jetzt ein großes Problem. Schwesterchen, du bist wahrschein-lich schwanger und das gleich beim ersten Mal. Gratuliere!“  
 Tarja wusste nicht ob sie lachen oder heulen sollte. „Und wie geht es jetzt weiter? Ich meine, was soll ich jetzt machen?“  
„Du musst dich entscheiden. Willst du, wenn es so sein sollte und davon müs-sen wir wohl ausgehen, das Junge austragen oder entfernen lassen?“  
„Entfernen lassen?“  
„Ja. Finlay ist Mediziner, er könnte das machen. Die letzte Entscheidung triffst jedoch du. Es ist dein Körper und dein Wille, das kann dir keiner abnehmen.   
 Auch solltest du deine Wahl ausreichend überlegen. Denn es besteht die Ge-fahr, dass du danach nie wieder Nachwuchs bekommen kannst, außerdem ist es Leben, wenn auch noch in einer extrem frühen Phase der Entstehung. Unter Umständen haben die Samenzellen noch nicht mal eine Eizelle erreicht.“  
 Tarja war wirklich am Überlegen. Finlay und Sitara beobachteten sie und spür-ten, dass es in ihr kämpfte. „Was wäre, wenn ich mein Junges behalten will? Was würden meine Eltern sagen? – Oh Bastet, meine Eltern. Die werden aus allen Wolken fallen. Sie dürfen es auf keinen Fall erfahren. Außerdem glaube ich fest daran, dass es mit mir und Chiron …“, sie biss sich auf die Zunge, „… was ernstes ist oder zumindest wird und wir unseren Nachwuchs haben wollen.“  
„Ah, Chiron heißt der stolze Kater also.“  
„Bitte sage nichts meinen Eltern, die würden ihn dafür umbringen.“  
„Das glaube ich zwar nicht, aber okay. Es bleibt erst mal unser Geheimnis.“  
„Danke, Sitara!“   
 Tarja war erleichtert und sie mutete jetzt eher wie ein verzweifeltes Kätzchen an, als wie eine Tigerin, die einen Welpen in sich trägt.  
 „Pass auf, wir machen folgendes“, warf Sitara ein, „Wir nehmen dich mit zu uns aufs Land. Wir wohnen am Rande von Strongham, da Finlay dort der Medi-ziner ist. Die Hunde vertrauen seinen geschickten Katzenhänden. Ich habe da viele Freundinnen und ich denke, dass sie uns helfen werden dein Kind auf die Welt zu holen und es anschließend groß zu ziehen.“  
 Die Augen der jungen Tigerin begannen zu strahlen. „Würdet ihr das wirklich machen?“  
„Ja, ja doch.“  
 Damit war dieses Thema ziemlich schnell geklärt und sie unterhielten sich noch eine Stunde weiter über dies und das und jenes.  
Sitara erzählte, wie sie von daheim weg ging, durch die Gegend zog, Erfahrun-gen sammelte und schließlich Finlay begegnete. „Dabei gab es lustige Sachen und auch weniger lustige. Eine interessante Begegnung hatte ich mit einem Rüden. Ich lernte sehr viel über die Lebensweise und die Lebenseinstellungen der Caniden von ihm.“  
„Du hattest aber keinen Sex mit ihm, oder?“, fragte Tarja dazwischen.  
„Doch, hatte ich. Es war eine sehr intensive Erfahrung, aber ich will über Details nicht reden und so wichtig ist das auch nicht. Schließlich hat mich unter ande-rem auch das dazu bewogen, bei unserer eigenen Art zu bleiben.“  
Tarja grinste. ‚Was sie wohl verschweigt?’, dachte sie und entschloss sich, bei späterer Gelegenheit noch mal nachzuhaken.  
 Es klopfte an der Tür und Stella trat ein. „Wollt ihr nicht essen kommen?“  
„Oh doch, natürlich. Es ist ja auch schon reichlich spät geworden“, sagte Finlay.  
 Es nahmen alle Platz am Tisch und machten sich über das Fleisch her.   
Während des Essens legte Sitara die Karten auf den Tisch. „Stella, Cyron!“, be-gann sie fast feierlich, „Ich werde Tarja mit uns nehmen.“  
„Was?“ Cyron blieb der Bissen im Halse stecken und Stella wurde eine Salzsäu-le.  
„Du hast richtig gehört oder habe ich so undeutlich gesprochen?“  
„Nein, das hast du nicht. Ich dachte nur, ich hätte mich soeben verhört.“  
„Warum? Hast du ein Problem damit? Sie kann bei uns wohnen und in Strongham ihr letztes halbes Schuljahr runter reißen. Nur für den Fall, dass du das jetzt als Hindernis in den Weg legen möchtest.“  
„Das ist mir vollkommen egal. Du bist damals einfach abgehauen und spurlos verschwunden. Jetzt, siebzehn Jahre später tauchst du einfach auf und scheinst zu denken, dass alles vergeben und vergessen ist. Und ganz nebenbei willst du uns auch noch unsere Tochter wegnehmen.“ Er stand auf und stützte sich an der Tischkante ab. „SIE GEHT NIRGENDWOHIN UND SCHON GARNICHT MIT DIR. VON DIR LERNT SIE DOCH NICHTS GESCHEITES.“  
„Aber von dir, wie? Und schreie mich nicht an, damit änderst du auch nichts!“  
„Ich schreie soviel wie ich will, denn immerhin ist das hier noch mein Haus und garantiert lernt sie hier nützlichere Dinge.“  
 Die Lage hatte sich zugespitzt und drohte gänzlich aus dem Ruder zu laufen.  
„Was habt ihr beide, ihr denn beigebracht? Sie weiß ja noch nicht mal wie man eine Schwangerschaft verhindert.“  
 Tarja erschrak und wollte am liebsten flüchten.  
„Das braucht sie auch noch gar nicht zu wissen!“  
„Ach nein? Sieh sie dir doch mal genauer an. Sie ist kein Kind mehr, sondern eine unglaublich attraktive Tigerin geworden. Genau das Richtige für jeden Ka-ter. Und da du mir nicht glauben wirst, sage ich dir noch was dazu. Deine Tochter macht sich extrem dekorativ, wenn sie am Flussufer sitzt und unter ihr ein Tigerkater liegt, der von ihr fachgerecht zugeritten wird.“  
 Das war’s, Schluss, aus, vorbei. Das alles war zu viel des Guten und die Bombe war geplatzt.  
Und was passierte jetzt?  
Zunächst schwiegen alle.  
 Tarja schaute zu Boden und hoffte, dass sich unter ihr möglichst schnell ein Loch auftäte, in dem sie versinken kann.  
 Stella schaute mit weit aufgerissenen Augen und offen stehendem Mund zu Tarja.  
 Finlay starrte auf Stella und sagte wie immer nichts.  
 Sitara hatte ihren Kopf Hilfe suchend zu Finlay gewandt, aber von dem kam ja, wie schon erwähnt, nichts.  
 Cyron hatte im Laufe des Streits die Beherrschung verloren und die Krallen ausgestreckt, stand aber jetzt versteinert da und funkelte Sitara an.  
 Somit starrte jeder jeden an, außer Tarja, die guckte immer noch zu Boden und versuchte möglichst schnell unsichtbar zu werden.  
Langsam, aber sicher lösten sich die Positionen auf, gerade noch rechtzeitig um Muskelkrämpfe zu vermeiden.  
 Als erster fand Cyron die Sprache wieder. „Das – ist – nicht – dein – Ernst.“  
„Oh doch. Als wir am Fluss ankamen, sahen Finlay und ich ein Tigerpärchen. Die Lust war dabei sehr stark zu spüren. Es war zumindest sehr animierend.“ Bei diesen Worten musste Finlay plötzlich kichern und erntete dafür einen stra-fenden Blick von seiner Partnerin. „Na ja, andere sahen es auch. Die beiden schienen die Umgebung vollkommen vergessen zu haben und dabei hörte ich jemanden sagen, dass das doch die kleine Tarja wäre, die da mit dem Kater zu-gange ist.“  
 Cyron schaute traurig zu Stella. „Wir haben versagt. Alles aus. Wenn es auch andere gesehen haben, sind wir spätestens morgen im ganzen Dorf das Ge-sprächsthema Nummer eins.“  
 Stella nickte und fragte, an Tarja gewandt: „Hast du wenigstens an Verhütung gedacht?“  
 Tarja schüttelte den Kopf.  
 Stella wurde es plötzlich schlecht und sie musste den Kopf aufstützen. „Wir haben wirklich versagt Cyron. Unsere Tochter ist wahrscheinlich schwanger. Ir-gendein Kater hat ihr ihre Unschuld geraubt.   
 Ich habe mit ihr heute früh noch gesprochen, über Kater und ansatzweise auch über Sex. Aber wie es aussieht habe ich nicht richtig zugehört und mich falsch ausgedrückt. Ich dachte, wir hätten noch Zeit und sie wäre noch nicht so weit.“  
„Mutter. Du hast nur gesagt, dass ich schon wüsste, wenn es der Richtige wä-re.“  
 Cyron atmete tief durch und fragte nach seinem Namen.  
 Tarja schüttelte wieder den Kopf.  
„Was, du hast dich ihm hingegeben, dich besteigen lassen und weißt nicht mal seinen Namen?“  
 Sitara schlichtete. „Doch sie kennt seinen Namen VATER, aber den will sie nicht preisgeben und das aus gutem Grund. Sie befürchtet, dass du ihm was antun könntest.“  
 Cyron schluckte. „Bin ich wirklich so schlimm, dass meine eigene Tochter sich nicht traut mir die Wahrheit zu sagen? Ist es so schlimm, zu mir zu kommen und zu sagen, Vater es tut mir Leid, ein Kater hat mir meine Unschuld geraubt und ich bin schwanger geworden. Meinetwegen hättest du auch zu deiner Mutter gehen können. Du kannst doch schließlich nichts dafür.“  
 Sitara schaute zur Decke und pfiff leise vor sich hin. Cyron wirkte irritiert da-durch und fragte Sitara, was dieser Auftritt jetzt zu bedeuten hätte.  
 Ihre Antwort wischte jeden Zweifel vom Tisch. „Cyron, welchen Teil meiner Sätze vorhin hast du nicht verstanden?“  
„Wieso, habe ich was nicht mitgekriegt?“  
„Ja. Allerdings. Ich sagte, dass SIE auf dem Kater gesessen hat. Also …“  
„Ach du große Göttin“, er schlug die Hände über dem Kopf zusammen, „dann ist sie die treibende Kraft gewesen.“  
 Cyron wurde es schwummerig und er setzte sich neben seine Frau.  
 Beide guckten sich an und nahmen sich bei den Händen. „Wir haben kom-plett versagt. Wir sind blind gewesen und haben unserer Tochter nicht genug Zeit gewidmet und uns nicht ausreichend mit ihren Problemen beschäftigt. Sie ist erwachsen geworden und wir haben es nicht gesehen. Sie ist rollig ge-worden und wir haben es nicht bemerkt. Sie hat sich gepaart und wir hören es von Anderen. Sie ist schwanger und wir sehen alt aus.“  
„Okay“, setzte Stella an, „ihr wollt sie also mitnehmen. Und dann? Was wird mit ihr und dem Welpen in ihrem Bauch?“  
„Finlay ist Mediziner in Strongham“, antwortete Sitara, „daher haben wir dort viele Bekannte und auch sehr viele gute Freunde. Die werden sich Tarjas Situa-tion annehmen und ihr helfen.“  
 Cyron sah seine Frau an und Stella ihn. Beide sahen zu Sitara und schlugen kurz die Augenlider nieder.  
„Gut. Tarja, du kannst deine Sachen morgen früh packen“, sagte Sitara. „Habt ihr was dagegen, wenn wir heute Nacht noch bei euch bleiben, es ist bereits zu spät für den Rückweg nach Strongham.“  
„Nein, natürlich nicht“, entgegnete Stella und versuchte sich ein Lächeln abzu-ringen, was ihr aber nicht sonderlich gut gelang.  
 Finlay ging zur Tür, um frische Luft zu schnappen und einen klaren Kopf zu bekommen. Er sah hinauf in den Himmel und betrachtete die Sterne.  
 Es dauerte keine fünf Minuten, da ging erneut die Tür auf und Cyron trat ne-ben ihn. „Eine herrlich klare Nacht heute, nicht wahr?“, begann Cyron.  
„Ja und die Luft ist sehr angenehm und trägt den Duft von sauberem Flusswas-ser. Das ist in Strongham nicht der Fall.“  
„Tarja wird die Luft vermissen, ihre Freundinnen, die Umgebung, das Dorf und vielleicht auch uns.“  
„Das glaube ich gern, denke aber, dass es keinen Weg mehr zurück gibt. Wir hatten, als wir oben waren, mit ihr geredet und da stellten wir fest, dass sie wohl schwanger ist. Sie hat es sich nicht leicht gemacht, mit ihrer Entschei-dung. Wir hatten ihr die Wahl gelassen. Wir haben sie auf den Abbruch hinge-wiesen und auf die Risiken. Danach hatte sie ihre Wahl getroffen.“  
„Entscheidet ihr beide immer so demokratisch?“  
„Ja, nur so klappt es mit uns, alles andere würde Sitara nicht akzeptieren.“  
„So, so, also eine richtige Raubkatze.“  
„Oh ja, das ist sie. Sie kann verdammt zickig sein und rechthaberisch.“  
„So hatten wir sie eigentlich nicht erzogen“, Cyron seufzte.  
„Auch das glaube ich dir, aber die Erfahrungen die sie, nachdem sie bei euch ausgezogen war, gemacht hatte, haben sie entscheidend geprägt und ihre Per-sönlichkeit nachhaltig verändert. Sie ist nicht mehr die, die sie mal war, nicht mehr die, die ihr kanntet. Sie ist die, die ich kennen und lieben gelernt habe.“  
 Cyron schaute Finlay traurig an. „Sie ist so kalt und spröde geworden.“  
„Nein, das ist sie nicht. Diese Rolle spielt sie nur. In ihrem Inneren ist sie lie-bevoll und sehr zart.“  
„Was muss sie bloß alles erlebt haben, um jetzt so zu sein? Weißt du etwas, hat sie darüber gesprochen?“  
„Ja. Ich habe sie quasi aus der Gosse gefischt. Nachdem sie losgezogen war, verlor sie schnell die Orientierung, irrte zunächst umher und war leichte Beute für andere Katzen und Spezies. Irgendwie hatte sie es geschafft, sich von spär-lichen Resten, die sie unterwegs fand, am Leben zu erhalten.   
 Vollkommen heruntergekommen traf sie nach Monaten in Strongham ein. Ich hatte zu dieser Zeit begonnen meine Praxis dort aufzubauen.   
 Sie fiel mir zunächst nicht auf, machte sie doch einen großen Bogen um die meisten Einwohner und fiel nicht weiter auf. Eine Hyäne nahm sie zu sich nach hause und gab ihr ein Heim und etwas zu essen. Später verliebte sie sich in ei-nen Rüden und der nahm sie als Gefährtin. Er kümmerte sich eigentlich ganz rührend um Sitara, kam jedoch mit ihrer Launenhaftigkeit nicht klar, besonders wenn sie rollig war.   
 Nach etwa einem Jahr gab er schließlich auf und ließ sie gehen oder besser gesagt, er warf sie aus seinem Haus.   
 Da lag sie am Straßenrand, vor seiner Haustür, es war Winter und sie war un-terkühlt. Ich hatte gerade Feierabend gemacht, kam dort vorbei, sah sie da lie-gen und nahm sie mit zu mir. Ich gab ihr Nahrung, ein Dach über dem Kopf und auch sonst alles was sie brauchte.   
 Anfangs war sie sehr zurückhaltend und verschlossen. Nach vier Monaten fing sie an aufzutauen und wir führten sehr viele und intensive Gespräche. Sie fing an, viele Bücher zu studieren, vor allem meine Medizinbücher und stellte auch viele Fragen. Ihr Geist lebte zunehmend auf.   
 Dann kam die Nacht der Entscheidung. Ich lag in meinem Bett und schlief, als sie plötzlich vor mir stand, sich niederließ und unter die Bettdecke kroch. Wir kuschelten uns aneinander und liebkosten uns. Die Streicheleinheiten, die wir uns gegenseitig gaben wurden heftiger und immer intimer. Schließlich nahm ich sie so zärtlich wie ich konnte. Nach dem Akt schliefen wir gemeinsam ein und am nächsten Morgen fragte ich sie, ob sie für immer bei mir bleiben will. Sie nahm sofort an und einen Monat später waren wir verheiratet.“  
 Cyron blickte bestürzt zu Boden. Das war eine schockierende Geschichte. „Habt ihr Junge?“  
„Nein, Sitara ist unfruchtbar.“  
 Cyron war dermaßen traurig, dass er mit den Tränen kämpfte. „Warum nur musste sie einfach weggehen? Ihr wäre das alles erspart geblieben. – Anderer-seits ist es vielleicht auch gut, dass sie ging. Immerhin hat sie am Ende einen so feinen und netten Leoparden wie dich gefunden.“  
 Cyron lächelte Finlay gütig an und dessen Gesichtszüge erhellten sich und ein Lächeln huschte auch über sein Gesicht. „Du bist besser als alles, was wir ihr hätten bieten können.“  
 Die beiden umarmten sich und klopften sich gegenseitig auf die Schultern.  
„Übrigens“, sagte Finlay, „unsere Gesellschaft scheint ein wirklich ernsthaftes Problem zu bekommen.“  
„Wie meinst du das?“  
„Ich spiele damit auf deine zeitweilige Unfruchtbarkeit an. Das Problem betrifft nicht nur dich. In Strongham klagen immer mehr Rüden und Fähen über die gleichen Symptome. Ganze Familien sterben aus, weil sich kein Nachwuchs einstellt. Ich fürchte, dass wir auf eine Katastrophe zusteuern.“  
 Cyron atmete tief durch. „Das hat uns nun auch gerade noch gefehlt.“  
 Sie betraten gemeinsam das Haus und Stella sah ihnen entgegen. Sie saß noch immer am Tisch. Tarja und Sitara waren bereits einen Stock höher gegan-gen und schliefen schon. Die beiden Kater setzten sich mit an den Tisch.  
„Lasst uns eine Flasche Met öffnen und auf unser aller Wohl trinken“, sagte Cy-ron feierlich.  
Finlay nickte zustimmend und Stella guckte mal wieder irritiert.   
„Was ist da draußen vorgefallen? Was habt ihr beiden Schwerenöter gemacht?“  
„Nichts von Bedeutung“, entgegnete Finlay, „Wir haben uns nur ausgesprochen und versöhnt.“  
 Stella freute sich sichtlich über diese Wendung. „Bastet sei Dank. Es hätte mich nichts trauriger machen können, als dass wir unsere Tochter in Unfrieden gehen lassen würden.“  
„Wir können an der Situation eh nichts mehr ändern. Passiert ist passiert. Jetzt heißt es den Schaden zu begrenzen und das Beste draus zu machen.“  
Sie stießen mit dem ersten Glas an.  
Als sie zu Bett gingen, waren es noch vier Stunden bis zum Aufbruch und drei Metflaschen geleert.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 4  
  
 Groodarn  
  
  
 Der Morgen graute herauf und kündigte einen neuen Tag an. Sitara und Tarja waren die ersten, die wach wurden. Sitara lächelte vergnügt in Tarjas Richtung und die junge Tigerin sah Sitara aus verkniffenen Augen an.  
„Warum hast du es meinen Eltern erzählt?“  
„Du kommst mit zu uns, also stimmt das Ergebnis. Zerbrich dir nicht den hüb-schen Kopf über Sachen, die keine Rolle mehr spielen.“  
„Oh doch. Das spielt eine Rolle. Ich will das hier und jetzt geklärt haben. Im-merhin hast du mein Vertrauen missbraucht. Du hattest mir versprochen es nicht zu erzählen. Abgesehen davon; habt ihr uns denn wirklich gesehen? Wo-bei sich meine Frage erübrigt, denn du hast so detailliert geschildert, dass kannst du dir nicht aus den Fingern gesogen haben.“  
„Genau. Und um deine Vorwürfe zu entkräften, sage ich dir folgendes. Ich ken-ne unseren Vater auch und ich kenne ihn als Adoptivtochter und aus einer Zeit bevor du geboren wurdest. Er war schon immer engstirnig und hartnäckig. Es war die einzige Chance, ihn von unserem Vorhaben zu überzeugen.“  
 Tarja holte tief Luft und rang sich ein Lächeln ab.   
„Du hast Recht. Ich glaube, ihr hättet mich nie hier wegbekommen, wenn ihr ihn nicht dermaßen schockiert hättet.“  
„Siehst du. Du verstehst es also. Aber sei getröstet. Normalerweise ist das nicht meine Art, ich breche nie Versprechen und missbrauche auch nicht das Ver-trauen von anderen. Das war wirklich nur aus der Not der Situation heraus ge-schehen.“  
 Tarja akzeptierte Sitaras Aussage und nahm sie als Entschuldigung an.  
Die beiden standen auf und teilten sich das Bad für die morgendliche Körper-pflege. Während Tarja sich die Zähne putzte und dabei besonders auf ihre Fangzähne achtete, machte sich Sitara ans duschen.  
 „Sitara“, meinte die Tigerin plötzlich, „Was hast du eigentlich mit dem Rüden erlebt, von dem du erzählt hast, aber es bei Andeutungen belassen hast?“  
Sitara schnappte nach dem Wasserstrahl der Dusche und überlegte sichtlich, was sie antworten sollte.  
„Sei ehrlich, ich bin kein Kind mehr.“  
„Hmmm …, weißt du, das ist gar nicht so einfach zu erklären, aber ich will es versuchen. Ich sagte dir gestern schon, dass ein Rüde anders gebaut ist als ein Kater.“  
 Tarja nickte zustimmend und die Leopardin konnte sich ein Grinsen nicht ver-kneifen.   
 „Tja, nachdem ich damals von hier weg ging, irrte ich eine Zeit lang umher, wurde letztendlich von einem Wolf aufgenommen. Er gab mir ein Heim sowie genug Nahrung. Allerdings wollte er sich auch irgendwann mit mir paaren und da ich natürlich auch diesen Trieb in mir habe, passierte es halt. Anfangs war es eine sehr angenehme und zärtliche Erfahrung. Wir probierten sehr viele Sachen aus, hatten Spaß, vergaßen schnell unsere speziellen Unterschiede und das wurde mir eines Tages zum Verhängnis. Es ging mit uns durch und leider schief. Ich hatte extreme Schmerzen und wehrte mich. Ich zerkratzte ihm das Gesicht und er rührte mich nicht mehr an. Die Schmerzen hörten aber nicht auf, sie wurden schwächer, waren aber immer präsent.   
 Irgendwann wurde es ihm zu viel und er setzte mich einfach vor die Tür. Caniden sind sehr triebgesteuert. Man kann viel Spaß mit ihnen haben, aber es hat seinen Preis. Und seit diesem Moment sind sie zwar meine Freunde, aber mehr auch nicht. Und ich kann dir, meine Liebe, nur davon abraten etwas mit einem Rüden anzufangen. Ich habe meinen Preis bezahlt, ich bin unfruchtbar geworden. Du kannst dir so etwas ersparen. Denke bitte immer daran!“  
 Tarja ging zu Sitara unter die Dusche, umarmte sie heftig und wollte Sitara trösten.   
 Die Leopardin nahm sie in die Arme und so standen sie zehn Minuten ge-meinsam unter den warmen Wasserstrahlen und hielten sich gegenseitig fest.   
 Finlay stand unterdessen schon vor der Badezimmertür und trat von einer Hinterpfote auf die andere, da er dringend auf die Toilette musste. Der Met wollte seinen Körper mit Macht verlassen.  
 Er klopfte an die Tür. „Es ist mir egal wer da drin ist und auch was er tut. Er soll sich beeilen, denn andere müssen auch mal ins Bad.“  
 Tarja schlüpfte unter der Dusche hervor, trocknete rasch ihr Fell ab und ver-ließ das Zimmer, während Sitara noch unter den kosenden Wasserstrahlen blieb. Finlay trat ein und verschaffte sich die ersehnte Erleichterung. Da trat Sitara unter der Dusche hervor. Ihr Fell war nass und roch verführerisch. Sie ging wieder zurück und lockte ihn mit ihrem Zeigefinger. Er ließ sich nicht lan-ge bitten, stellt sich zu ihr und das warme Wasser durchpflügte seinen Pelz. Hart trafen die Wasserstrahlen seinen Körper, die Arme, die Beine, den Unter-leib und auch seine Männlichkeit, an der sich Sitara vor ihm kniend zu schaffen machte. Finlay hielt es nicht lange aus und explodierte unter einem lauten Auf-schrei.  
Der Kater lächelte zufrieden, nahm sie beim Kopf und zog sie zu sich hoch.   
„Auf zur zweiten Runde“, sagte er begierig.  
Sie legte die Arme um seinen Hals, zog sich an ihm in die Höhe und umschlang seine Taille mit ihren Beinen. Beide schnurrten ununterbrochen. Das Schnurren wurde immer lauter und heftiger und ging am Ende in einen gemeinsamen lauten Schrei über, als sie gleichzeitig zum Höhepunkt kamen. Erschöpft, glück-lich und befriedigt traten sie aus der Dusche - und trafen auf Tarja.  
 Sie hatte im Bad etwas vergessen und war unbemerkt eingetreten, hatte alles mit angesehen und die Vorstellung sichtlich genossen. Ihre Augen waren weit aufgerissen und ihr Körper bebte vor Erregung. Sitara schob sie kurzerhand unter die Dusche und drehte das kalte Wasser auf.  
 Das brachte Tarja wieder zur Besinnung. „Verdammt, was soll das?“   
 Empört schaute sie ihre Stiefschwester an.  
„Du warst etwas abwesend und das was du gesehen hast, ist eh nicht gut für dich.“  
„Du musst das gerade sagen. Außerdem fand ich das sehr interessant und lehr-reich.“  
 Finlay lachte und sagte an seine Gefährtin gewandt: „Siehst du, du bist gut für sie. Sie hat schon was von dir gelernt.“  
„Hör auf zu lachen, du Depp. Vielleicht hat Cyron doch Recht. Sie hat zwar was gelernt, aber garantiert nicht das Richtige.“  
 Sie überlegte intensiv ob wirklich alles so richtig war wie es gerade lief und sie und ihr ebenso lüsterner Kater mussten sich höllisch zurücknehmen, damit die junge Tigerin mit Reizen nicht überflutet würde und eventuell weitere Dumm-heiten beginge. „Du wirst erst mal deinen Welpen zur Welt bringen und alles Weitere wird sich zeigen.“  
 Sie trockneten sich ab, Tarja zum zweiten Mal und begaben sich die Treppe hinunter. Unten angekommen schauten sie sich um. Weder Cyron, noch Stella waren zu sehen.  
„Ich gehe dann mal meine Sachen zusammensuchen“, merkte Tarja kurz an und war wieder in ihrem Zimmer verschwunden.  
„Und wir werden jetzt mal das Frühstück vorbereiten“, stellte Finlay fest.  
 Sitara nickte begeistert, denn sie war durch das ausgiebige Duschen hungrig geworden. Er ging zum Küchenschrank, öffnete ihn und inspizierte seinen In-halt. Nach kurzem Suchen fand er auch das Gewünschte und stellte Teller und Tassen auf den Tisch. Sitara durchwühlte derweil den Vorratsschrank und fand Wasser und Fleischreste.  
„Damit kann man aber kein Frühstück bestreiten“, meinte sie kurz und mehr in Gedanken und ging in den Keller, in welchem sich auch der Vorratsraum be-fand.   
 Sie machte die Tür auf, sah sich um und erschrak förmlich. „Bei Bastet, da hängt ja fast gar nichts mehr.“  
Sie nahm so ziemlich den letzten Fleischbatzen von einem der Haken und mar-schierte wieder in Richtung Küche und Esstisch.   
 Unterwegs traf sie auf Stella.   
„Guten Morgen, Mutter“, begrüßte Sitara die Tigerin.  
„Oh, auch dir einen guten Morgen. Wie ich sehe seid ihr schon wach. Cyron schläft noch, der Met scheint ihm ziemlich zugesetzt zu haben.“  
„Nicht nur der Met, fürchte ich.“  
„Was meinst du damit?“  
„Warst du in letzter Zeit schon mal im Vorratskeller?“  
 Stella überlegte kurz und verneinte. „Ich war das letzte Mal vor Wochen da unten. Seitdem hat mir mein Kater immer diesen Weg abgenommen. Ich fand das ziemlich komisch, aber habe mir nichts dabei gedacht.“  
„Dann komm mal mit, ich muss dir nämlich was zeigen“, forderte Sitara sie auf.  
 Beide gingen hinunter und Stella ahnte, dass etwas Furchtbares geschehen sein musste. Jedenfalls benahm sich ihre Tochter nicht normal.  
„Schau dir das mal an“, sagte diese schließlich und riss die Tür auf.  
 Stella traf der Schlag. „Die ist ja leer!“  
„Ja. Genauso habe ich vor fünf Minuten auch da gestanden. Genau an dieser Stelle und habe genauso geschaut wie du.“  
„Das kann ich einfach nicht glauben. Die Kammer war immer reichlich gefüllt. Da waren Vorräte für Monate drin. Jetzt gibt es hier nur noch …“, die Tigerin ging zu einem der Holzfässer und öffnete den Deckel, „…Pökelfleisch. Und das, wo ich das Zeug nicht mag.“ Sie schüttelte sich.  
 „Das ist doch nicht normal oder? Ich meine, als ich noch bei euch wohnte hat¬te Vater immer ein riesiges Jagdglück und die Kammer quoll förmlich über vor Nahrungsmitteln. Und jetzt?“  
 „Da stimmt was nicht und ich werde es herausfinden. Cyron ist mir eine Erklä-rung schuldig. Und jetzt wird mir auch klar warum er immer selbst das Fleisch hoch holen wollte. Er wollte das alles vor mir verbergen.“ Sie schüttelte den Kopf und legte die Ohren an. „Na warte, mein Lieber. Sitara, du hältst dich da raus, das ist eine Angelegenheit zwischen mir und deinem Vater.“  
 Sitara nickte zustimmend und die Tigerin hatte einen Blick drauf, den nur eine Kätzin haben kann. Sie gingen beide hoch, Sitara in die Küche und damit zu-rück zu Finlay und Stella erstmal ins Bad.  
 Bevor die Tigerin die Tür hinter sich schloss, merkte sie noch schnell an: „Pack das Fleisch mal in einen der Schränke. Ich will einen Test machen.“  
 Nach zwanzig Minuten tauchte dann auch endlich der gestreifte Kater des Hauses auf und hatte noch immer das Kopfkissen im Gesicht.   
„Ich brauche jetzt etwas um richtig munter zu werden“, murmelte er.  
„Ah, guten Morgen!“, sagten die beiden Leoparden gleichzeitig.  
 Der Guten-Morgen-Gruß von Cyron kam nur als unverständliches Gebrummel über dessen Lippen. „Wo ist eigentlich meine Frau hin?“, war einer der ver-ständlicheren Sätze, die er von sich gab.  
„Die ist noch im Bad“, entgegnete Finlay.  
„Aha, alles klar.“  
 Plötzlich stand Stella hinter ihrem Mann und tippte ihm sanft, aber bestimmt auf die linke Schulter. Er drehte sich um und sah ihr in die Augen.   
 Sie lächelte ihn gutmütig an und küsste ihn hingebungsvoll. „So, mein Lieber. Auch von den Toten auferstanden?“  
 Er schlug die Augenlieder nieder. „Hmhm.“  
„Fein. Das freut mich. Dann gehst du jetzt mal ins Bad und derweil machen wir das Frühstück fertig. Ich werde gleich mal in den Keller gehen und Fleisch hoch holen.“  
 Das war das Stichwort!  
 Vor wenigen Minuten sah man noch einen vollkommen verschlafenen Tiger-kater in die Küche tapsen, der irgendwas murmelte, dass er bräuchte um mun-ter zu werden, aber jetzt vollkommen munter zu sein schien, ausgewechselt wie von Geisterhand und in heller Aufregung.  
 „Nein, nein. Stella, Liebste! Du brauchst da nicht runter. Das mache ich für dich. Das ist Katerarbeit und viel zu schwer für dich.“ Er grinste sie breit an und schaute zu seiner Stieftochter.  
 Aber weder Sitara, noch ihr Mann Finlay, konnten das Grinsen erwidern.  
 Er stutzte und drehte seinen Kopf langsam zu Stella.   
 Die sah ihn ohne eine Miene zu verziehen an und legte wieder diesen Blick auf. „Wenn Blicke töten könnten, dann lägest du jetzt schon am Boden, mein Freund!“  
 Cyron spürte, dass eine riesige Gewitterwolke über seinem Haupt schwebte. „Verdammt! – Lass mich raten. Ihr wollte das Frühstück vorbereiten und wart schon im Vorratskeller.“  
„Genau! Und das was ich da sehen musste, hat mir die Tränen in die Augen ge-trieben und die Sprache verschlagen.“  
„Nun, wie ich merke hat das aber nicht lange angehalten.“  
 Stella funkelte ihn an. „Lass diese dummen Sprüche!“  
 Er wurde sichtlich ein paar Zentimeter kleiner.  
„Was hast du dir dabei gedacht? Meinst du etwa, es wäre mir nie aufgefallen?“  
„Das hatte ich gehofft und bevor es zu spät gewesen wäre, hätte ich die Kam-mer wieder gefüllt.“  
„Ach ja und du meinst, es wäre einfach so an mir vorbei gegangen?“  
 Cyron nickte eifrig.  
„Au Mann. Du bist wirklich unverbesserlich.“ Sie konnte nur den Kopf schütteln.  
 Cyron tapste die Treppe hinauf und verschwand im Bad. Er hatte gerade die Tür hinter sich geschlossen, da wurde eine andere geöffnet und Tarja kam die Treppe hinunter und hatte ihre Sachen dabei.  
„Moment mal, meine Kleine. So schnell verlässt du das Haus nicht. Erstmal wird gefrühstückt.“ Stellas üble Laune war nicht zu übersehen.  
 Tarja stellte ihre Sachen ab und gesellte sich zu ihrer Stiefschwester, die sie lieb anlächelte.  
„Was war denn eigentlich los? Hat irgendjemand was verbrochen?“, fragte sie in den Raum.  
„Warum?“, fragte Sitara.  
„Ich habe die Stimme meiner Mutter gehört und die war mehr als nur streng.“  
„Ja, meine Teure. Ich hatte einen kleineren Disput mit deinem Vater. Und der ist noch nicht beendet“, knurrte Stella.  
„Oh! Worum ging es denn?“  
„Das braucht dich nicht zu interessieren, das ist eine Sache zwischen ihm und mir und wir müssen damit leben und klar kommen.“  
„Huch. Bist du etwa wieder schwanger geworden?“  
 Stella guckte ihre Tochter schief an. „Was bitte?“  
 Tarja zuckte entschuldigend mit den Schultern. „Hätte ja sein können.“  
„Wie kommst du denn auf den schiefen Pfad?“  
„Ich dachte nur. Ich hatte letzte Nacht ein Stöhnen aus eurem Schlafzimmer gehört.“  
„Das war ich. Ich habe lediglich gestöhnt, weil dein Vater mal wieder den hal-ben Regenwald roden wollte.“  
 Sitara kicherte albern und Finlay wäre fast mit dem Kopf auf den Tisch ge-knallt, warum auch immer.  
 Die Leopardin stand auf, holte die erfolgreich gelegte Falle, besser gesagt das Fleisch, aus dem Schrank und stellte es auf den Tisch. Kurze Zeit später tauchte Cyron aus dem Bad auf und setzte sich mit an den Tisch.  
„So, nun greift mal zu, als gäbe es nie wieder was“, meinte er und biss sich auf die Zunge.  
„Das war jetzt reichlich daneben, du Kerl, du“, herrschte ihn Stella an.  
 Er wurde nochmals etwas kleiner. „Du hast ja Recht, meine Gattin.“  
 Das wollte die Tigerin aber nicht so recht besänftigen und sie bohrte weiter: „Was hast du denn jetzt schönes vor? Wie willst du denn in so kurzer Zeit die fehlenden Nahrungsmittelbestände auffüllen?“  
 Tarja erschrak und mischte sich ein: „Ihr habt nichts mehr zu essen?“  
„Doch, mein Kind. Wir haben noch was zu beißen. Aber jeden Tag nur Pökel-fleisch, das möchte man seinem ärgsten Feind nicht zu muten.“  
„Wir hatten in der letzten Zeit sehr viel Pech auf der Jagd. Dann kamen die Hy-änen dazwischen. Hadron flippt immer aus, wenn er Hyänen sieht. Es kam zum Streit und wir gingen leer aus. Stattdessen haben wir uns in die Schänke verzo-gen und Met getrunken.“  
 Stella fiel aus allen Wolken. „Na, das ist ja entzückend.“  
„Ich weiß, das ist alles großer Mist. Jedenfalls kamen in letzter Zeit so merk-würdige Dinge dazu.“  
„Was meinst du damit und komm mir jetzt bloß nicht mit irgendwelchen billi-gen Ausreden. Dass dein Freund Hadron von gestern ist und sich mit den Hyä-nen ständig überhäuft, ist mir bestens bekannt. Lass dir mal was Neues einfal-len.“  
„Das versuche ich ja gerade.“  
„Wie meinen?“  
„Ähm … Also … ja … weißt du … du wirst es nicht glauben, ich würde es ja selbst nicht glauben, wenn ich nicht dabei gewesen wäre. Gestern kamen doch glatt drei Hyänen aus dem Wald gerannt und behaupteten sie wären von ei¬nem Schatten verfolgt worden. Eine meinte sogar es wäre ein Drache gewesen. Dummes Zeug, nicht war? Wir glaubten ihr natürlich nicht. Aber etwas anderes fiel uns auf. Es lag kurze Zeit vorher ein deutlich vernehmbarer Summton in der Luft, der teilweise an ein hohes Brummen erinnerte.“  
 Die beiden Leoparden sahen sich zwar nur kurz, aber vielsagend in die Augen.  
„Vielleicht eine Funktionsstörung in einem der nahegelegenen Kraftwerke?“, fragte Finlay dazwischen.  
„Nein, nein. Der Ton war ganz anders und sehr fremdartig. Fast wie nicht von dieser Welt.“  
„Huhu, ich kriege Angst. Jetzt kommen die außergenroischen Katzenfresser und holen uns alle“, bemerkte Sitara an Tarja gewandt.  
„So ein Quatsch“, rutschte es Stella heraus.  
 Nachdem sich alle wieder beruhigt hatten, fuhr Cyron fort: „Das hört sich zwar alles sehr lustig an, ist es aber nicht. Die Sache ist ernst, sehr ernst sogar. Das Wild wird immer weniger, wir müssen unsere Jagdreviere vergrößern und wenn ich sage vergrößern, dann meine ich das auch. Ich rede hier nicht nur von ein paar hundert Metern, sondern von Quadratkilometern. Das bedeutet wieder-um, dass ich unter Umständen mehrere Tage unterwegs bin mit den Anderen, bevor ich wieder nach hause komme.“  
 Stella rutschte in sich zusammen. „Tarja geht aus dem Haus und ich sitze mutterseelenallein hier und warte darauf, dass du irgendwann heim kehrst. Im-mer mit der Sorge, dass du vielleicht einen Unfall hast und gar nicht wieder kommst oder heim getragen wirst.“  
 Cyron seufzte und nickte.  
 Stella schluchzte kurz und bekam glasige Augen. An die anderen gewandt, sagte sie: „Wie ich sehe habt ihr euer Fleisch schon gegessen. Das freut mich.“ Und an Cyron gewandt: „Und, wie soll es jetzt weitergehen?“  
 „Heute ist Markttag in Han-Dun. Ich dachte, ich nehme dich einfach mit. Ich habe zwar nichts zu verkaufen, aber wir kaufen gemeinsam ein und finden un-terwegs vielleicht ja sogar heraus, was mit unseren Beutetieren passiert.“  
 Stella stutzte kurz und schien zu überlegen, dann hellte sich ihre Miene merk-lich auf. „Das würdest du tun?“  
„Ja!“  
„Das finde ich eine tolle Idee. Das Angebot nehme ich an.“  
 Damit war die Sache geritzt und auf allen Gesichtern zeichnete sich ein Wohl-wollen ab. Die beiden Leoparden sprangen vom Tisch auf und gingen ihre Sa-chen packen.  
„Wie seid ihr eigentlich hergekommen? Zu Fuß oder mit einem Fuhrwerk?“, rief Cyron hinterher.  
„Ein Freund von mir hat uns hier abgesetzt. Wir haben einen Termin mit ihm ausgemacht, wann er uns hier wieder abholen soll“, rief Finlay durchs Haus.  
„Okay, dann macht das so“, sagte Cyron.   
 Er war froh, dass die ganze Sache so gelaufen war. Es hätte in der Tat noch schlimmer kommen können. Normalerweise geht er ja immer mit seinen Freunden zum Markt und jetzt musste er ihnen nur noch schonend beibringen, dass er sein Weibchen mitnimmt.   
‚Na ja, sie werden es schon merken wenn es soweit ist, schließlich kann man sie ja nicht übersehen’, dachte er.  
 Finlay und Sitara kamen nach kurzer Zeit mit gepackten Taschen die Treppe herunter. „Hast du auch nichts vergessen? Finlay, ich rede mit dir!“, polterte Sitara.  
„Was? Nein, nein. Ich habe alles eingepackt. Warst du noch mal im Bad und hast die Zahnbürsten und Becher eingepackt?“  
„Japp, habe ich.“  
„Gut, dann sind wir so weit.“  
 Stella war etwas nervös. „Moment noch. Habt ihr noch etwas Zeit?“  
 Finlay schaute auf seine Uhr und nickte. „Mein Freund kommt in etwa einer Stunde vorbei und wartet etwas außerhalb des Dorfes.“  
„Okay. Wir beeilen uns und kommen mit euch. Wir verabschieden uns dann vor Ort. Warum kommt dein Freund denn nicht direkt bis vor die Tür?“  
 Finlay druckste etwas herum, antwortete aber schließlich: „Wir und vor allem auch er, glauben, dass es besser so ist, wir wollen die Leute doch nicht unnötig erschrecken.“  
„Wieso? Wer ist denn dein Freund? Bestimmt kein kleines grünes Männchen oder vielleicht ein Drache.“   
 Stella amüsierte die Vorstellung, dass plötzlich ein Drache vor ihrer Haustür landen würde und wäre wirklich zu sehr auf Cyrons Gesicht gespannt.  
 Finlay sah sie durchdringend an und Stella spürte, dass sie auf einer heißen Spur war.   
 Sie sah ihn an und ihre Augen wurden immer größer. „Das wäre ja mal ein Ding und Cyron würde endlich überzeugt werden. Wisst ihr, er glaubt nicht an Drachen und das wäre sehr heilsam für ihn.“ Der Gedanke belustigte sie immer mehr.  
„Er hätte vor eurer Haustür keine Landefläche, lediglich auf dem Dorfplatz.“  
„Dann soll er auf dem Dorfplatz landen“, bestimmte Stella.  
„Wie du wünschst. Er wird uns dort finden.“  
 Cyron kam ins Erdgeschoss, hatte die Unterhaltung aber nicht mitbekommen.  
„So, wir haben unsere Sachen auch zusammen“, merkte er feierlich an, „Wir bringen euch noch zu eurem Freund und verabschieden uns dann vor Ort.“  
„Toll. Mutter hatte die gleiche Idee und es erwartet dich noch eine Überra-schung“, platzte es aus Tarja heraus.  
 Cyron staunte. „Eine Überraschung? Wow. Womit habe ich denn die ver-dient?“  
„Die hast du nicht verdient, aber die bekommst du trotzdem“, sagte Stella.  
„Was ist es denn?“  
„Wenn ich dir das jetzt verrate, dann ist es keine Überraschung mehr.“  
 Cyron knurrte: „Ich mag keine Überraschungen, auf die man warten muss und von denen man überrascht wird.“  
„Oh doch. Du wirst die Überraschung mögen und noch tagelang von schwär-men.“  
„Nun gut. Dann gehen wir zum Dorfplatz“, kündigte Finlay an.  
 Sie gingen alle hinaus und Stella schloss die Tür hinter ihnen. Auf dem Weg zum Platz begegneten sie den verschiedensten Freunden und Bekannten. Die einen grüßten freundlich, wünschten einen guten Tag und gingen dann wieder ihren Beschäftigungen nach und wieder andere standen zusammen, grüßten und tuschelten dann hinter ihrem Rücken.  
 Irgendwann reichte es Cyron und er trat zu zwei tratschenden Gepardenweib-chen: „Habt ihr irgendein Problem?“  
 Die beiden schreckten zurück und verneinten.  
„Gut so. Tarja ist meine Tochter und ich bin stolz auf sie und ja, sie hatte Sex, denn immerhin will sie am Ende nicht so ausgetrocknet und schrullig enden wie ihr.“ Damit war er fertig und schloss sich den anderen vieren wieder an.  
 Tarja war in diesem Moment extrem stolz auf ihren Vater und liebte ihn über alles. Sie schien über alle Backen zu strahlen.   
 Auf dem Platz angekommen stellten sie ihre Taschen ab und Cyron trennte sich kurz von allen, um seine Freunde zusammen zu trommeln.  
 Nach fünfzehn Minuten kam er wieder und war allein. „Die Anderen haben keine Lust mitzukommen und Hylas scheint schon auf dem Markt zu sein.“  
„Dann gehen wir eben allein hin“, tröstete Stella ihren Mann.  
 Der lächelte sie an und freute sich sichtlich. Dass die Anderen nicht mit woll-ten, weil er sein Weibchen mitnahm, verschwieg er aus Taktgefühl, aber Stella konnte er nichts vormachen. Die wusste das eh schon oder ahnte es zumindest und ließ es sich nur nicht anmerken.   
 Plötzlich richtete Finlay sein Wort an alle Katzen, die auf dem Dorfplatz stan-den oder sich anschickten ihn zu überqueren. „Meine lieben Mitbewohner! Dürfte ich einen Moment um eure Aufmerksamkeit bitten. Ich möchte, dass ihr jetzt den Dorfplatz verlasst, da wir in Kürze jemanden erwarten und der braucht dann den Platz hier. Ihr braucht aber keine Angst vor ihm zu haben, er ist ein sehr guter Freund von mir und tut wirklich niemandem etwas zu leide.“  
 Cyron schluckte. „Gut gesprochen Finlay. Aber, wen erwartest du?“  
„Unsere Transportmöglichkeit.“  
„Und die braucht den ganzen Platz hier?“  
„Japp, braucht er.“  
 In der Zwischenzeit und unter ungläubigem Gemurmel hatten alle den Dorf-platz geräumt, schauten sich um und waren gespannt was nun passieren wür-de.  
 Wie auf Kommando hörte man plötzlich einen leisen Summton einsetzen, der Cyron sehr bekannt vor kam. „Eh, den Ton kenne ich. Das ist genau das Ge-räusch, das wir gestern gehört haben.“ Bei seinen letzten Worten stutzte er. „Moment, ihr seid doch gestern hier angekommen. Kann es sein, dass ihr mit diesem Summton zu tun habt?“  
„Wir nicht“, entgegnete Sitara, „aber er“, und deutete nach oben.  
 Alle starrten in den Himmel, an dem sich ein Schatten deutlich abzeichnete und schnell größer wurde.   
 Finlay nahm etwas aus seiner Tasche und richtete es kurz auf den Schatten. Der blieb plötzlich in der Luft stehen und schoss dann unvermittelt in ihre Rich-tung hinab.  
 Cyron stand da wie angewurzelt. „Was ist das?“  
„Das ist die Überraschung“, sagte Stella freudestrahlend und voller Begeiste-rung.  
 Der Schatten nahm Gestalt an und entpuppte sich als ein ausgewachsener Drache.  
„Das kann nicht sein“, schrie Cyron auf, „Die gibt es nicht.“  
„Doch, es gibt sie und da hast du einen von ihnen“, rief Finlay zurück.  
 Cyron wollte seinen Augen nicht trauen. Das war nicht richtig. Drachen sind doch nur Legenden und nicht real, aber da kam einer angeflogen und direkt auf ihn zu. Und ihm wurde klar, dass es sich um den Schatten handelte, den die Hyänen gesehen hatten und welcher sie so in Angst versetzt hatte. Die anderen Dorfbewohner starrten auch ungläubig drein. Die meisten wussten, dass es Drachen gibt, aber gesehen, nein, gesehen hatte bisher noch keiner einen. Es war also für alle eine echte Premiere.  
 Der Drache war riesig, umkreiste den Platz noch einmal, um die Größe abzu-schätzen und setzte dann zur Landung an. Er hatte gigantische Flügel und kei-nerlei Fell. Die ganze Haut war von einer Art Schuppenpanzer bedeckt.  
 Tja, da stand er nun, mitten auf dem Platz und schaute zu Finlay. Der ging auf ihn zu, begrüßte ihn freudig und gab ihm doch tatsächlich zur Begrüßung ei-nen Kuss auf die Nase oder zumindest auf die Stelle, an der Katzen eine Nase haben.  
„Das ist euer Freund?“  
„Ja. Das ist er“, sagte Sitara voller Stolz.  
„Das ist ja mal ein Ding. Ihr könnt vielleicht ausgefallene Freunde haben. Ich glaube, Tarja ist bei euch in den richtigen Händen und ihr wird garantiert nichts passieren.“  
„Keine Sorge, wir passen gut auf sie auf.“  
 Finlay hatte inzwischen das Gepäck auf dem Rücken des Tieres verstaut und schien mit ihm über irgendetwas zu verhandeln.  
„Was hat er vor?“, fragte Cyron an Stella gewandt.  
„Das wird, wenn es klappt, der Überraschung zweiter Teil. Mehr wird’s dann aber auch nicht werden. Ich glaube nämlich, dass es dann für dich genug ist für heute.“   
 Die Leopardin schaute Stella an und zwinkerte ihr zu.  
 Finlay hatte sein Gespräch mit dem Drache beendet und kehrte zu den Ande-ren zurück. „Okay, er ist einverstanden. Der kleine Schlenker macht ihm nichts aus.“  
„Was für ein Schlenker? Was habt ihr vor?“  
„Das wirst du gleich sehen.“   
 Finlay schickte sich an, Stellas und Cyrons Taschen ebenfalls auf den Drache zu laden.  
„Das ist doch wohl nicht euer ernst?“  
 Stella packte ihren Mann an der Schulter. „Oh doch. Ich glaube, das ist sein fester Entschluss.“  
 Sitara ging zu Finlay und winkte Cyron und Stella zu, dass sie aufsteigen sol-len.  
 Tarja saß schon, als Finlay sich zu ihr setzte und den Gurt bei ihr fest zog. „So. Damit du uns nicht runter fällst.“  
 Es nahmen so nach und nach alle Platz, bis auf Cyron. Der stand immer noch unschlüssig herum.  
„Geh und sprich mit ihm, wenn es dich beruhigt“, rief Finlay herunter.  
 Der Drache drehte den Kopf in Richtung des Tigers. „Womit kann ich dir hel-fen und dich beruhigen?“, fragte der mit tiefer sonorer Stimme.  
„Wie kann es sein, dass ich jetzt auf dir sitzen soll, wenn ich vor einer Stunde noch nicht einmal an eure Existenz geglaubt habe?“  
„Auch du lernst ständig dazu. Du bist lediglich älter und erwachsener und hast dir ein festes Weltbild geschaffen. Das ist nicht verkehrt, es hilft dir jeden Tag zu überleben, da es bestimmte Erwartungen mit bestimmten Situationen ver-knüpft.   
 Es ist aber verkehrt dieses Weltbild zu nutzen, um seinen Blick zu verschließen und nur noch Dinge zu sehen, die man sehen will. Öffne dich für das Unbe-kannte und begrüße es. Du musst es nicht umarmen und auch nicht zu deinem Freund machen, du musst es nur an dich heranlassen, um es zu verstehen.“  
 Cyron stand ganze zehn Minuten vor dem Kopf des Draches und Begriff schließlich, was der ihm sagen wollte. „Du hast Recht. Ich sollte endlich mal von meinen verbohrten, engstirnigen Vorurteilen abrücken und mehr an mich her-an lassen. Viel zu oft habe ich mich von meinen Gewohnheiten beeinflussen und lenken lassen, obwohl ich es hätte anders machen können. Ich glaube, ich habe mit meiner Tochter den ersten Schritt getan und werde jetzt den zweiten Schritt machen.“  
Der Drache brummte gütig.  
„Danke, mein Freund. Du hast mir die Augen geöffnet“, schloss Cyron seine Gedanken ab und gab dem Drache einen Kuss.  
 Stella, die alles mit angesehen hatte, war mehr als verblüfft.   
 Das war doch nicht mehr der Tigerkater, den sie kannte. Er hatte sich in nur wenigen Minuten vollkommen verändert. Sie schüttelte ungläubig den Kopf und stellte die Ohren steil nach oben.   
 Der Drache lächelte den Tiger an. Tatsächlich, Drachen können sogar lächeln, bemerkte Cyron und stieg mit auf den Rücken. Das Tier stieß einen lauten Schrei aus und breitete die Flügel aus.  
 Finlay rief laut: „Nächster Halt, Han-Dun Marktplatz.“  
 Cyron wollte noch etwas erwidern, kam aber nicht mehr dazu.   
 Der Drache erhob sich in die Luft und verschwand mit den Fünfen in der Fer-ne. Die Tiger, die noch nie geflogen waren, genossen das Gefühl mit allen Sin-nen.  
  
 Nachdem der Drache mit seinen Fluggästen verschwunden war, lösten sich die Dorfbewohner aus ihrem Erstaunen. Die Gespräche, die entstanden, be-wegten sich zwischen ungläubigem Staunen, Begeisterung und Ehrfurcht. Pa-thenon und Hadron hatten sich mit unter die Masse gemischt und alles aus si-cherer Entfernung gesehen. Sie bereuten, dass sie sich der Gruppe nicht mit angeschlossen hatten und beneideten ihren Freund Cyron aufrichtig.  
  
 Nach nicht mal einer Stunde Flugzeit, tauchte im Bereich des Blickfeldes Han-Dun auf. Cyron umschlang seine Partnerin und hielt sie fest zwischen seinen Armen. Beide konnten ihre Begeisterung kaum zurückhalten. Sie jauchzten und quietschten wie zwei kleine Welpen im Spiel. Tarja war begeistert, hielt sich aber zurück und fand ihre Eltern einfach nur peinlich. Finlay war eingeschlafen und Sitara genoss, wie immer auf solchen Reisen, die herrliche Aussicht.   
 Sie tippte Finlay auf die Schulter. „Huhu, aufwachen!“  
 Er gähnte herzhaft. „Hach, war das entspannend. Wo sind wir denn? Ach, ich sehe schon.“  
 Und an Stella und Cyron gewandt: „So, meine Lieben, wir sind gleich da. Be-finden uns schon im Landeanflug.“  
„In was für nem Anzug?“, fragte Cyron.  
„Ich sagte im Landeanflug.“  
„Ach so, ich hatte mich verhört. Muss am Wind liegen.“  
„Jetzt haltet euch fest, es geht abwärts.“  
„Hast du gehört, meine Liebste“, flüsterte Cyron in Stellas Ohr, „mit uns geht es abwärts.“  
 Sie versuchte, sich so gut wie sie konnte zu ihm umzudrehen. „Mit dir gehe ich überall hin und wenn es abwärts geht, dann falle ich mit dir.“  
 Sie küssten sich, aber nur kurz, da in diesem Augenblick der Drache in einen Sturzflug überging. Für einen kurzen Zeitraum erlebten sie das Gefühl der Schwerelosigkeit und hatten damit zu kämpfen, dass sich der Mageninhalt nicht nach oben und damit ins Freie bewegt.  
 Sie begleiteten den Sturzflug des Draches mit lautem Gejohle, nachdem sie zuerst die Ohren angelegt hatten.   
 Dem Drache gefiel das und er bremste abrupt ab, stand einen Moment in der Luft, damit sich alle kurz sortieren konnten. Das hatte er aber nur getan, um im gleichen Augenblick wieder zum Sturzflug überzugehen und die Ordnung wie-der durcheinander zu bringen.  
„Er hat solche Scherze drauf und macht das nur zu gerne“, merkte Finlay an.  
 Stella wurde es schlecht und sie wurde sehr blass um die Nase.   
 Gerade noch rechtzeitig bremste der Drache ab und setzte ein Stück außer-halb von Han-Dun sanft auf. Die erste, die ihren Gurt geöffnet hatte, war Stella.   
 Wie von der Tarantel gestochen schoss sie vom Drache herunter und hinter das nächste Gebüsch, wo sie sich übergab. Die Laute, die sie dabei von sich gab, waren herzzerreißend. Cyron stieg ab und ging langsam in Richtung des Gebüschs.   
 Tarja, Finlay und Sitara sahen sich besorgt an.  
„Das habe ich nicht gewollt“, sagte der Drache.  
„Natürlich hast du das nicht gewollt. Vielleicht hast du es nur etwas über-trieben. Es war immerhin ihre erste Flugreise“, erwiderte Finlay.  
„Oh, wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich mich zurückgehalten.“  
„Na ja, nichts für ungut. Ist ja nichts passiert. Sieh nur, da kommen sie schon wieder zurück.“  
 Stella hatte mittlerweile ihre rosige Nasenfarbe wieder zurück gewonnen und bewegte sich auch sonst relativ normal. Sie ging auf den Drache zu, streichelte ihn am Kopf und gab ihm ein Küsschen.   
„Danke, das hat wirklich Spaß gemacht.“  
„Wir können das gerne wiederholen“, trumpfte der auf.  
„Nun mal nicht so schnell“, ging Cyron dazwischen, „Erstmal gehen wir beide zum Markt und der Drache … Wie heißt du überhaupt?“  
„Mein Name ist Groodarn.“  
„Ah! … Groodarn muss die drei erstmal in Strongham absetzen.“  
„Mach dir keine Sorgen, Tiger Cyron. Für uns Drachen sind diese Entfernungen klein.“  
 Cyron schaute den Drache schief an, dann auf sein Weibchen, dann wieder auf den Drache. „Wann könntest du uns denn hier wieder abholen und zurück-bringen?“  
„Wann immer ihr wünscht, frühestens aber in vier Stunden.“  
„Das ist gut. Würdest du es denn wirklich tun und uns in fünf Stunden hier ab-holen?“  
„Ja. Ich sehe da kein Problem.“  
„Fein, aber nur, wenn du mir versprichst, nicht wieder solche Sturzflüge hinzu-legen“, sagte Stella.  
„Ich werde es mir zu Herzen nehmen.“  
 „Habt Spaß, amüsiert euch und kauft euch was feines“, sagte Sitara. Sie um-armte die beiden und verabschiedete sich.   
 Finlay war in seine Einsilbigkeit zurückgefallen und verabschiedete sich ent-sprechend. Bei Tarja fiel die Verabschiedung länger aus und war wesentlich schwerer.  
„Macht’s gut. Ich liebe euch beide und vermisse euch jetzt schon. Ich bin stolz auf euch, aber es ist besser so.“  
„Mach dir keine Sorgen, mein Kind, wir kommen schon zurecht, und außerdem sind wir ja nicht aus der Welt.“  
 Tarja nickte, musste aber trotzdem weinen. Stella wischte ihr die Tränen weg und schickte sie zu Finlay und Sitara, die schon wieder auf dem Drache Platz genommen hatten.  
„Es war geschickt, nicht mitten in Han-Dun zu landen“, sagte Cyron noch.   
„Das wäre auch nicht gut gewesen, Tiger Cyron. Da unten ist es zu voll und ich will ja niemanden verletzen und mir den Zorn der Bevölkerung zuziehen“, kam die Antwort von Groodarn.  
 Cyron nickte zustimmend, trat mit Stella ein paar Schritte zurück und winkte den dreien zu, während sich Groodarn erhob und rasch kleiner wurde.  
  
„Tja, meine Liebste. Nun sind wir allein.“  
 Stella sah ihn aus traurigen Augen an. „Haben wir wirklich das Richtige getan oder etwa unsere Tochter verstoßen?“  
„Den Eindruck könnte man im ersten Moment tatsächlich kriegen. Aber beden-ke doch mal folgendes: Was könnten wir ihr bieten, was die beiden nicht kön-nen, abgesehen von unserer Elternliebe? Was kann sie bei uns beiden Stur-köpfen lernen? Was sieht sie alles von der Welt, wenn sie bei den beiden ist und was erlebt sie alles? Sie hat dort jetzt sehr viele Freunde und Freundinnen, allein schon durch Sitara und Finlay. Wenn das Junge geboren wird, wer kann ihr hier schon helfen, außer uns beiden und vor allem, was wäre denn passiert, wenn sie geblieben wäre? Sie hätte die Schule hier beendet, gut. Aber das Ge-rede hinter ihrem Rücken, sie hätte Freundinnen verloren, sich mit allen mög-lichen Idioten angelegt und das hätte sie am Ende vielleicht noch zermürbt.“  
„Du weißt aber auch, dass der Welpe einen Vater hat und der hätte sich auch kümmern können.“  
 „Das stimmt, aber wer weiß wer er ist? Wenn Tarja schon nicht mal seinen Namen verraten wollte“, gab Cyron zu bedenken.  
 „Sie wollte ihn nicht verraten, weil sie Angst hatte, dass du ihm was antust. Schon vergessen? Sie scheint also sehr an ihm zu hängen und er auch an ihr. Sonst würde sie ihn nicht so beschützen wollen. Wahrscheinlich ist es jemand, den wir kennen, zu dem wir aber keinen so guten Kontakt haben.“  
 „Wer sollte das schon sein? Da fällt mir im Augenblick keiner ein, dem ich das zu trauen würde.“  
„Mir schon, aber er ist eher wie ein Geist. Man weiß, dass es ihn gibt und dass er lebt, aber man bekommt ihn nie zu Gesicht.“  
„Du meinst doch nicht etwa …?“  
„Doch, genau den meine ich“, hauchte Stella.  
„Chiron?“  
„Japp.“  
 „Ach herrje. An den habe ich ja gar nicht mehr gedacht. Aber wieso sollte er sein Urwaldleben aufgeben, auf Tarja treffen und dann ausgerechnet auch noch das Mädchen schwängern. Also, noch mehr Spuren kann man ja nicht hinterlassen.“ Cyron tippte sich an die Stirn. „Keine Ahnung. Aber irgendwas ist da faul. Vielleicht ahnt er ja noch nicht mal was von seinem Glück.“  
„Sollten wir ihm einen Besuch abstatten und mal mit der Nase drauf stoßen?“  
„Hältst du das für eine gute Idee?“  
„Auf jeden Fall besser als zu schweigen und das Pärchen auseinanderzureißen.“  
 „Wir reden nachher mal mit Groodarn. Vielleicht ist er einem Abstecher nicht abgeneigt und wir sparen uns den Fußweg.“ Er zwinkerte seiner Frau zu.   
Während des Gespräches waren beide in Richtung Han-Dun gegangen und hatten die Stadtgrenze erreicht.  
 Sie nahmen sich bei der Hand und tauchten im Gewühl der Chafren unter.  
  
  
 Die beiden Leoparden und Tarja hatten einen langen, aber ruhigen Flug hin-ter sich, als der Drache am Rande der Stadt Strongham ankam und sanft lande¬te. Es war schon Nachmittag geworden und die Sonne hatte den Zenit über¬schritten.   
 Die Hitze war fast unerträglich und erschien jetzt noch erbarmungsloser, da während des Fluges der Wind Abkühlung verschafft hatte. Sie luden ihr Gepäck ab und verabschiedeten sich von Groodarn. Finlay gab ihm wie immer einen Kuss und auch Sitara tat es ihm gleich. Der Drache fühlte sich dadurch ge-schmeichelt und schnaubte zufrieden. Tarja ging als letzte zu ihm und strei-chelte ihm über den Kopf.   
 Der Drache schaute sie an und sagte: „Junge Tigerin Tarja, nimm folgenden Rat mit auf den Weg. Setze deinen begonnen Weg fort, egal was man von links oder rechts an dich heranträgt. Erfülle die Wünsche der Anderen, aber kehre stets auf den rechten Pfad zurück. Lass dich nicht beirren. Du hast ein goldenes Herz und im Zwiespalt zwischen deinem Verstand und deinem Herzen folge dem Herzen. Du hast es schon einmal getan und ich weiß, dass es richtig war.“  
 Tarja schaute diesmal nicht verständnislos drein. Die Worte ergaben einen Sinn für sie und plötzlich fiel ihr Chiron ein. Sie vermisste ihn unendlich und wollte am liebsten zu ihm, sie hatte sich nicht mal von ihm verabschieden kön-nen.  
„Groodarn, kannst du mir einen Gefallen tun?“  
„Was denn, meine junge Tigerin?“  
„Kannst du, wenn du meine Eltern daheim abgesetzt hast, bei meinem Liebsten vorbeifliegen und ihn von mir grüßen und alles erzählen, ich meine, was vorge-fallen ist.“  
„Das mache ich gerne, junge Tigerin Tarja.“  
 Ihr fiel ein Stein vom Herzen. Sie hatte bei den ganzen Ereignissen, bei dem ganzen Trubel doch glatt Chiron vergessen. Wie konnte ihr das nur passieren?   
 Das war ein unverzeihlicher Fehler. Groodarn breitete wieder einmal seine Schwingen aus und verschwand mit einem leisen Summton in den Wolken.   
 Tarja starrte ihm kurz hinterher und wandte sich dann ihren beiden Ersatz-eltern zu: „So und nun?“  
„Nun gehen wir die letzten Meter zu Fuß und machen uns erstmal einen ge-mütlichen Nachmittag“, sagte Finlay.  
  
  
 Die beiden Tiger Stella und Cyron vergnügten sich derweil auf dem Markt von Han-Dun. Sie schlenderten zwischen den Ständen hin und her, schauten hier-hin und dorthin.   
 Mal kaufte sich Cyron einen neuen Speer, mal einen Bogen und flugopti-mierte Pfeile für die Jagd.   
 Bei allen modernen Sachen die sie hatten, die Jagd musste fair und traditio-nell sein. Man musste um seine Beute kämpfen, sonst schmeckte ihr Fleisch hinterher nicht richtig.   
 Stella wühlte in den verschiedensten Sachen. Sie kaufte sich Schmuck und dünne, fast durchsichtige Gewänder. Auch wenn sie fast nackt waren, wie alle Anderen übrigens auch, da Nacktheit normal war, schmückte man sich hin und wieder gerne mit leichten und angenehmen Stoffen. Es war zudem der letzte Schrei und wer wollte dem schon hinterherhinken.   
 Die Tigerin war berauscht von den Eindrücken, zumal sie noch nie hier war. Wenn sie mal auf den Markt ging, dann war es einmal in der Woche im Dorf und auf dem gab es auch nur die typischen Kleinigkeiten, die man schon kann-te und es diente eher dazu, seine angebrochenen Reserven aufzufüllen. Aber die Angebote hier erschlugen sie regelrecht.   
 Beide konnten bei einem Obsthändler aus Festan nicht widerstehen und kauf-ten Äpfel, Birnen, Bislarzels und noch ein paar Kirschen. Der Händler schaute die beiden zwar etwas merkwürdig an, weil Raubkatzen bei ihm nie etwas kauf-ten, aber wenn die es so wollten, warum nicht.   
 Sie waren schon recht voll bepackt als Cyron rückwärts ging und Stella gerade etwas sagen wollte. Da prallte er gegen jemanden und dieser jemand war klei-ner als er, ein ganzes Stück kleiner sogar und ging zu Boden. Cyron dreht sich erschrocken um und wollte sich gerade entschuldigen, als er den im Sand lie-genden erkannte.  
„Hylas, du Luchs“, sagte er erfreut. „Hier treibst du dich also herum.“  
„Wo sollte ich denn sonst sein, wenn nicht hier. Du weißt doch, heute ist großer Markttag. Aber wo sind denn die Anderen?“  
„Die sind nicht mitgekommen. Die hatten keine rechte Lust.“  
 „Oh, das ist interessant. Ich habe übrigens gehört was bei euch vorgefallen ist. Also, das mit eurer Tochter und Chiron.“  
„Aha! Also doch Chiron.“  
 „Heißt das etwa, dass du den Namen von Tarjas Verehrer nicht kanntest?“ Hylas rutschte in sich zusammen, weil er merkte, dass er sich verplappert hatte und aus der Nummer garantiert nicht mehr heraus kam. Er schaute sich irritiert um, so als suche er einen Fluchtweg.   
 Aber Cyron schien das überhaupt nicht zu erschrecken. Ganz im Gegenteil, er wirkte eher sehr ruhig und aufgeschlossen, regelrecht wie ausgewechselt. Das allerdings irritierte Hylas noch mehr. Plötzlich winkte Cyron irgendjemandem zu und bedeutete demjenigen, zu ihnen zu kommen. Hylas wurde es flau in der Magengegend. Und dann stand Stella vor ihm.  
„Ihr beide kennt euch ja schon“, sagte Cyron.  
„Stella, meine Teure. Wie geht’s dir?“, fragte der Luchs überschwänglich.  
„Alter Schleimbolzen“, kicherte die Tigerin.  
„Rate mal was ich soeben erfahren habe?“, sagte Cyron an seine Gemahlin ge-wandt.  
„Was denn?“  
„Unser Luchsfreund hatte sich gerade verplappert, weil er dachte wir wüssten den Namen von Tarjas Liebhaber.“  
„Nein, den kennen wir doch gar nicht. Tarja hat ihn fein säuberlich verschwie-gen.“  
 Über Hylas brauten sich dunkle Wolken zusammen und er wollte in der Men-ge verschwinden.  
„Nicht so hastig, mein Bester. Du brauchst deswegen keine Angst zu haben. Jetzt ist es eh raus und wir kennen den Namen.“  
Stella schaute ihren Mann aus glänzenden Augen an. „Was für eine Überra-schung“, stellte sie fest.  
„Ja und stell dir mal vor, du lagst mit deiner Vermutung genau richtig.“  
„Nein!“  
„Doch!“  
„Das glaube ich nicht. Da marschiert der Kerl doch tatsächlich aus seinem Ur-wald in unser Dorf, trifft auf unsere Tochter und landet den perfekten Schuss.“  
 Hylas fing an zu lachen. „Das ist also passiert. Keiner wusste genau worum es eigentlich ging.“  
 Die beiden Tiger schauten sich an und seufzten gleichzeitig.  
„Haben wir die ganze Aufregung doch umsonst gemacht?“, fragte Stella.  
„Nein, ich glaube nicht. Es war besser so, irgendwann wäre es sowieso raus ge-kommen.“  
 Hylas musste jetzt einfach fragen, denn er platzte vor Neugier. „Was ist denn eigentlich passiert?“  
„Wir haben Tarja zu ihrer Stiefschwester gegeben, weil es für sie besser so ist. Sie ist von Chiron geschwängert worden.“  
 Hylas kicherte erneut. „Das ist ja mal ne Sache. Ich wusste zwar schon immer, dass frische Luft und viel Grünzeug in der Umgebung gesund halten, aber dass das Zeug auch noch die Superpotenz beschert …“  
 Cyron grummelte etwas vor sich hin.   
 Hylas beschloss mit den beiden über den Markt zu streifen, da er auch noch nach Fleisch suchte und Stella ihren Mann daran erinnerte, dass sie beide das gleiche Ziel haben. Nach drei Stunden fanden sie auch endlich den gesuchten Stand. Er quoll förmlich über vor Fleisch. Sie kauften, was sie gerade noch tra-gen konnten und als ein Taur vorbeikam und seine Tragedienste anbot, be-zahlten sie ihn, es war nicht teuer, und luden die Lebensmitteleinkäufe in die umgeschnallten Tragetaschen. Auch Hylas tat das Gleiche und somit konnte man das lustige Einkaufstreiben noch etwas fortführen.   
 Stella entdeckte an einem kleinen Stand noch künstliches Haar zum einflech-ten.   
„Das muss ich unbedingt noch haben“, sagte sie und kaufte es prompt, ohne auch nur auf eine Antwort zu warten.   
 Die beiden Kater schauten sich an. Cyron verdrehte die Augen und Hylas zuckte mit den Schultern. Nachdem sie nun genug gekauft hatten und die Zeit auch schon vorangeschritten war, entschlossen sie sich zu gehen.  
„So, wir machen uns jetzt auf den Weg. Wir müssen aus der Stadt raus, um an unsere weitere Transportmöglichkeit heranzukommen. Wenn du möchtest, nehmen wir dich mit und setzen dich daheim ab“, sagte Cyron zu Hylas.  
 Hylas freute sich ungemein über das Angebot und nahm dankend an. Sie deuteten dem Taur an, dass sie gehen wollten. Er folgte ihnen auch brav aus der Stadt und blieb mit ihnen zusammen, bis Cyron plötzlich bedeutete, dass sie stehen bleiben sollten.   
 Er wandte sich an Hylas und auch an den Taur: „Bleibt ganz ruhig und habt keine Angst, es wird euch nichts passieren.“  
„Was sollte uns denn passieren?“, fragte der Taur unsicher.  
„Nun, sagen wir mal so. Unsere Transportmöglichkeit ist etwas gewöhnungs-bedürftig.“  
 Wie auf Kommando sauste ein riesiger Schatten auf die Gruppe zu und lan-dete zielsicher vor ihren Pfoten.  
„Hallo, Tigerin Stella und Tiger Cyron“, grüßte sie der Drache.  
 Hylas und der Taur waren schwer beeindruckt. „Das ist …“, setzte Hylas an.   
„… ein Drache“, beendete Cyron den Satz.  
 „Wie kommst du denn zu dem? Warst du nicht immer der Meinung, dass es keine Drachen gibt? Was ist eigentlich los, ist dir nicht gut oder bist du krank, hat man dich ausgetauscht oder das Hirn manipuliert?“  
 Cyron kicherte und Stella grinste breit. „Mitnichten, mein Bester. Mir geht es gut. Ich habe mich nur von bestimmten alten Urteilen verabschiedet.“  
 Der Luchs pfiff nur.  
 „Wie ich sehe, habe ich einen Fluggast mehr zu befördern und eine Menge Waren“, bemerkte Groodarn.  
„Ja, vorausgesetzt, dass du dazu bereit bist. Es wäre auf jeden Fall sehr lieb von dir.“  
„Gut. Dann packt mal eure Einkäufe rauf und nehmt Platz. Ich muss nämlich anschließend noch weiter.“  
„Oh, du hast noch was vor?“, fragte Stella.  
„Ja. Ich muss noch einen Tigerkater besuchen und ihm etwas ausrichten.“  
 Das Aufladen war dank der Hilfe des Taur schnell erledigt. Die drei nahmen Platz, verabschiedeten sich noch von ihrem freundlichen Lastenträger, schnall-ten sich an und schon ging die Reise los.   
 Der Taur blieb zurück, schaute hinterher, drehte sich um und schwor sich in Zukunft bei Transportanfragen von Raubkatzen etwas vorsichtiger zu sein.  
  
 Hylas war hin und weg. So was hatte er noch nicht erlebt und schon gar nicht von seinem erzkonservativen Freund Cyron.   
 Cyron, der Ich-glaube-nicht-an-Drachen-Tiger. Hylas musste innerlich nur mit dem Kopf schütteln, da er seinen langjährigen Freund in der Tat nicht mehr wiedererkannte. Nach circa einer Stunde Flugzeit, einem sanften Anflug und einer sehr weichen Landung baten die Tiger den Drachen noch einen Moment zu warten. Sie packten ihre Sachen soweit sie konnten zusammen und liefen schnellen Schrittes ins Dorf. Sie verabschiedeten eilig Hylas und stapelten ihre Sachen in der Küche.   
Anschließend liefen sie zurück vor das Dorf und wandten sich an den Drache: „Wir haben eine Bitte an dich, Groodarn.“  
„Worum geht es denn, ihr beiden?“ Er lächelte sie an.  
„Tja, also. Es ist vielleicht etwas vermessen. Aber gut. Kennst du einen Chiron?“  
 Der Drache tat so als überlegte er kurz und bejahte die Frage.  
„Fein. Das ist sehr gut. Den würden wir nämlich gerne finden und uns mit ihm unterhalten, ihn kennenlernen.“  
 Der Drache überlegte wieder kurz: „Das ist auch mein Ziel. Er ist nämlich der Tiger, dem ich etwas ausrichten soll.“  
„Lass mich raten. Du sollst ihn von unserer Tochter grüßen?“  
„Ja. – Bringt schnell eure restlichen Sachen ins Haus. Ich warte auf euch.“  
 Das ließen sich die beiden Tiger nicht zweimal sagen. Sie packten die letzten Sachen ins Haus, schlossen die Tür, stürmten aus dem Dorf, setzten sich auf den Drache und waren schon wieder in der Luft. Groodarn übertraf sich selbst und brach scheinbar jeden Geschwindigkeitsrekord.   
 Nach nur dreißig Minuten Flugzeit waren sie in Reichweite ihres Ziels ange-kommen.  
„Seht, da unten. Der Regenwald“, rief der Drache.  
 Beide sahen nach unten.   
 Es tat sich, soweit das Auge reichte, eine riesige grüne Masse auf, die ihre Fin-ger nach ihnen auszustrecken schien.  
„Achtung! Ich gehe jetzt in den Sturzflug über um die Zeit bis zum Aufsetzen kurz zuhalten.“  
„Mach das“, rief ihm Stella zu.  
 Der Drache stürzte in einem Wahnsinnstempo auf den Boden zu. Plötzlich wurde Cyron bewusst, wie ausgeliefert sie eigentlich seinen Flugkünsten waren, er kniff die Augen zu und legte die Ohren an. Die Sturzbewegung fand abrupt ein Ende, die Tiger fühlten sich viermal schwerer als sie eigentlich waren und ohne weitere Erschütterung setzte der Drache direkt vor einer kleinen Hütte auf.  
 „Bevor ich es vergesse“, sagte Groodarn. „Ich möchte euch noch etwas geben. Hier …“, er nahm mit seinen Lippen etwas aus einer seiner Tragetaschen, „… es ist das gleiche Gerät, was Finlay hat. Es sendet lediglich auf einer anderen Fre-quenz. Wir wissen nicht genau wie es funktioniert und wo es herkommt, ledig-lich, dass es einen Empfänger gibt, den trage ich und mehrere Sender. Einen davon habt ihr, drei liegen in meiner Berghöhle und einen hat, wie erwähnt, Finlay. Ich gebe sie nur wirklich guten Freunden. Und ihr seid welche.“  
 Cyron nahm das Gerät fast ehrfurchtsvoll entgegen. „Wo hast du das her?“  
„Wie gesagt, es gibt keine genaueren Informationen. Diese Geräte lagen in den Bergen verstreut.“  
„Die Form und das Aussehen sind so fremdartig, wirken so extrem technisch und kalt, als wären sie nicht durch unsere Hände entstanden und auch nicht für uns gedacht.“  
 Der Drache schnaubte kurz und drehte den Kopf in Richtung des Urwalds.  
„Na, das ist ja mal ne Überraschung. Ich hätte nie gedacht, dass mich hier mal jemand besucht und schon gar nicht per Luftexpress.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 5  
  
 Kampfeinheiten  
  
  
Chiron war erfreut Besuch zu bekommen.   
 Die beiden Tiger drehten sich um und sahen in die Richtung, aus der die Stimme kam. Vor ihnen stand ein großer, stattlicher Kater, der zwar nicht mehr blutjung war, aber wohl im besten Mannesalter.  
„Kein Wunder, dass unsere Tochter schwach wurde“, flüsterte Stella ihrem Mann zu.  
„Womit habe ich denn die Ehrung verdient?“, fragte Chiron und ergänzte: „Ent-schuldigt bitte mein schlechtes Benehmen. Mein Name ist Chiron und ich bin der Herr der bescheidenen Hütte hinter mir.“  
 Stella riss die Fäden an sich. „Ich bin Stella und das ist mein Ehekater Cyron.“  
 Chiron nickte den beiden freundlich zu. „Und wer ist euer großer Freund?“  
„Mein Name ist Groodarn, Tiger Chiron“, antwortete der Drache für sich selbst.  
„Auch dir meinen Gruß, Groodarn.“  
 Das Tigerpärchen war sichtlich angetan von Chirons Äußerem und auch von seiner gewählten Sprechweise.  
„Wenigstens hat sich unsere Tochter einen gebildeten Tiger genommen, er ge-fällt mir“, raunte Cyron seiner Partnerin zu.  
„Muss ich mir jetzt Sorgen machen und eifersüchtig werden?“, witzelte Stella.  
„Wie meinen?“, fragte Chiron.  
„Nichts, nichts. Ist schon gut. Mein Männchen meinte eben nur, dass du ihm gefällst.“  
Cyron vergrub sein Gesicht in seiner Linken und Chiron hustete ob der Offen-heit der Tigerin.  
„Was führt euch denn zu mir?“  
 Der Drache begann: „Ich soll dich grüßen, Tiger Chiron, von Tarja.“  
 Chiron riss die Augen auf. „Was ist mit ihr? Ist ihr was passiert? Ist sie auch hier? Wie geht es ihr? Was hat dieser merkwürdige Auftritt eigentlich zu be-deuten?“  
„Kannst du dir denken, wer wir sind?“  
 Chiron schüttelte den Kopf: „Aber ich beginne etwas zu ahnen.“  
„Ganz recht. Wir sind ihre Eltern“, sprach Cyron, Chirons Vorahnung aus.  
 Chiron sank in sich zusammen.  
„Keine Sorge. Tarja geht es gut. Sie ist nicht hier. Wir haben sie zu ihrer Stief-schwester nach Strongham geschickt. Aber wir müssen uns unterhalten.“  
 Chiron trat einen Schritt zurück und nickte. „Gut, kommt in meine Hütte. Groodarn passt da leider nicht rein, aber du darfst gerne ein Stück näher kommen. Ich lasse die Tür offen, dann kannst du zuschauen und mitreden. Was zu essen gibt es für dich auch.“  
 Der Drache dankte, aber lehnte ab: „Ich möchte gerne in meine Höhle zurück¬kehren bevor die Nacht endgültig hereingebrochen ist.“  
 Chiron verstand seinen Wunsch und schaute auf Stella und Cyron. „Wenn ihr beide möchtet, könnt ihr gern bei mir übernachten. Erwartet aber nicht zu viel Komfort, hier gibt es kein fließendes Wasser, bis auf die kleine Quelle im Wald und auch keinen Strom. Was ich bieten kann sind lediglich etwas zu essen, ei-nen guten Schluck, ein Dach über dem Kopf, ein Nachtlager und ein Plumps¬klo im hinteren Teil des Hauses, dafür aber sehr viel frische Luft und ein üppi¬ges Grün.“  
 Cyron grinste und Stella nickte zustimmend. „Wir denken, dass das reichen wird. Wir sind auch nicht gerade überströmenden Luxus gewohnt und wollen uns, abgesehen davon, auch nicht auf Dauer einrichten.“  
 Chiron lächelte einladend.  
 „Tiger Cyron“, sagte der Drache, „wann soll ich euch abholen?“  
„Ich denke mal, dass es morgen gegen neun Uhr Recht ist.“  
 Der Drache brummte zustimmend und machte sich auf seinen Heimweg.  
  
 Die drei Tiger gingen ins Haus und Chiron schloss die Tür. „Tja, also … es ist sehr angenehm eure Bekanntschaft zu machen. Auch, wenn mir die Situation im Moment recht obskur vorkommt und ich nicht recht weiß, wie ich mich euch gegenüber verhalten soll.“  
„Sei einfach du selbst und verbiege dich nicht unseretwegen“, versuchte Stella die Situation abzuschwächen und erträglicher zu machen.   
 Chiron sah sie an. Er hatte traumhafte dunkelbraune Augen und einen un-heimlich weichen und sanften Blick. „Dass ihr mich gefunden habt, zeigt mir, dass ihr wisst was geschehen ist.“  
 Cyron nickte und schaute auf seine Hände. Sie zitterten und waren ein Zei-chen dafür, dass er sich auch unbehaglich fühlte. „Wir sind hier, weil wir dich gerne kennenlernen möchten. Immerhin hast du mit unserer Tochter geschla-fen und du warst ihr erster Liebhaber.“  
„Ich weiß, das hatte sie mir gesagt. – Hinterher. – Und ich Feigling hatte nichts Besseres zu tun, als aufzustehen und zu verschwinden.“  
 „Du hast das getan, was du in diesem Moment für richtig hieltest. Dafür kann dir keiner einen Vorwurf machen.“  
 „Doch, man kann mir einen Vorwurf machen, nämlich den, dass ich verant-wortungslos gehandelt habe und die Unerfahrenheit eurer Tochter ausnutzte.“  
 „Du hast sie nicht direkt ausgenutzt, immerhin ist Tarja nicht ganz unschuldig, wie ich das mitbekommen habe.“  
 Chiron nickte: „Das stimmt allerdings.“  
„Das Einzige, was ich dir zum Vorwurf machen kann, ist die Tatsache, dass du älter bist als sie und wenigstens du an Verhütung hättest denken müssen.“  
 Chiron riss den Kopf hoch. „Du meinst, dass sie schwanger ist?“  
„Ja, das ist sie. Herzlichen Glückwunsch. Du wirst Vater.“  
„Wo ist sie? Ich will sie sehen.“  
„Ich sagte doch bereits, dass sie bei ihrer Stiefschwester in Strongham ist. Da ist so schnell kein Hinkommen. Sei aber unbesorgt, ihr passiert nichts und sie wird dort euer Kind bekommen und groß ziehen. Und mach dir keine Gedan¬ken, dir passiert auch nichts.“  
 Chiron atmete ein und ließ die Luft hörbar entweichen. „Wow, das ist ziemlich heftig.“  
 Stella grinste, weil er auch von seiner Ausdrucksweise her langsam aufzutauen schien.  
„Verdammt, so habe ich das alles nicht gewollt und mir auch nicht vorgestellt.“  
„Was soll das heißen?“, fragte Cyron.  
„Das heißt nicht, dass ich jetzt kneifen will. Ich bin mir meiner Verantwortung durchaus bewusst und freue mich darüber, dass ich Vater werde. Allerdings kommt das etwas überraschend.“  
 „Das kann ich gut nachvollziehen“, entgegnete Stella, „Immerhin haben wir dich hier, ohne Voranmeldung, mit vielen Neuigkeiten überfallen. Da ist es klar, dass man seine Gedankengänge erst mal sortieren muss. Was allerdings auch wieder schön ist, da wir dich so besser kennenlernen.   
Weißt du, die Sortierung der Gedanken verrät sehr viel über jemanden, vor al-len Dingen, in welcher Reihenfolge die Prioritäten gesetzt werden.   
Mir hat sehr gefallen, dass du zuerst nach Tarja gefragt hast. Das zeigt mir, dass dir etwas an ihr liegt.“  
„Mir liegt etwas an ihr?“, Chiron lachte kurz auf, „Mir liegt nicht nur etwas an ihr. Sie hat mir einfach den Kopf verdreht. Ich kann, seit ich sie verlassen habe, kaum einen klaren Gedanken fassen. Ich fürchte, ich habe mich in eure Tochter verliebt. Das erschreckt mich irgendwie, weil ich dachte, dass mir so was nie passieren würde und vor allem so plötzlich.“  
 Cyron und Stella zwinkerten sich zu und nickten.   
 Chiron bemerkte diese Geste und lockerte innerlich noch etwas mehr auf. „Ich habe eine tolle Idee. Ich wollte ein Ferkel grillen, dass hätte für mich allein für die nächsten drei Tage gereicht. Wenn ihr wollt, dann machen wir das jetzt, trinken ein schönes kühles Bier dazu, machen es uns gemütlich und unter-halten uns weiter.“  
„Bier?“, fragte Cyron.  
„Japp, Bier. Ich braue es selbst. Die Hauptbestandteile sind Gerste, Malz und Hopfen, welche mit Wasser aufgegossen werden und dann lässt man es gären. Es schmeckt leicht bitter, aber gut und es hat eine berauschende Wirkung wie Met.“  
„Das klingt gut“, meinte Stella.  
 Chiron wurde aktiv. Er hatte vor Ankunft der beiden schon fast alles vorberei-tet und brauchte nur noch ein paar kleinere Sachen vor die Hütte zu tragen, in¬klusive des Ferkels.   
 Cyron packte mit an, nahm das Ferkel und trug es hinaus, den Rest erledigte Stella. Es war ein wundervoller Abend und sollte eine traumhafte Nacht wer-den.   
 Die drei Tiger saßen vor dem grünen Meer der Bäume, die Holzkohle knackte in ihrer eigenen Glut vor sich hin und gab eine angenehme Wärme ab. Das Ferkel war zart, knusprig und schmeckte ausgesprochen delikat und das Bier schlürfte sich einfach nur herrlich erfrischend weg.  
„Tja, also. Alles in allem war das heute ein sehr bewegter Tag“, resümierte Cy-ron.  
 Stella sah ihn an und konnte dies nur bestätigen. „Ja. Wir haben sehr viel er-lebt und haben sehr viel dazu gelernt.“  
„Stimmt. Wir sind über unsere eigenen Schatten gesprungen, haben tiefgrei-fende Entscheidungen getroffen und am Ende neue Freunde gefunden.“  
 Chiron saß da, hörte den beiden zu und schaute bei dem letzten Satz ab-wechselnd Stella und Cyron in die Augen. Die beiden lächelten ihn gutmütig an.  
„Ihr bezeichnet mich als Freund? Und das nach allem, was ich getan habe?“  
„Ja. Immerhin bist du der Geliebte unserer Tochter.“  
„Aber … ich habe mich aus dem Staub gemacht. Habe Tarja am Ende sitzen ge-lassen.“  
„Du hast in diesem Moment eine falsche Entscheidung getroffen. Die war dei-ner Meinung nach in diesem Augenblick vielleicht richtig, daher können wir dir auch keinen Vorwurf machen. Aber am Ende hast du doch zu deiner Ver-antwortung und deiner Tat gestanden und das ist entscheidend.“  
 Chiron nickte und Cyron ergriff das Wort: „Sag mal, mein Lieber, wo hast du eigentlich das Ferkel erlegt?“  
„Im Urwald, unweit von hier“, kam die Antwort.  
„Hmmm … da gibt es noch genügend Wild?“  
„Ja. Ich habe zumindest nichts anderes feststellen können.“  
 „Das finde ich interessant. In den Wäldern um Felgan ist das Wild nämlich rar geworden und wir ziehen in Erwägung unsere Jagdreviere zu vergrößern.“  
„Ich denke mal, dass der Urwald genügend Beute für alle bietet, solange man die Jagd in gewissen Grenzen hält“, sagte Chiron.  
 Cyron nickte. „Warum schließt du dich uns nicht an und jagst mit uns gemein¬sam? Beende dein einsames Leben und komm mit ins Dorf. Dort wirst du an¬dere Katzen treffen und Freunde finden. Außerdem ist das hier draußen doch nichts auf Dauer.“  
 Chiron überlegte. „Das ist ein sehr nettes Angebot und ich fühle mich ge-schmeichelt, aber ich fürchte, dass ich ablehnen muss, da ich an das Leben in dieser Wildnis gewöhnt bin.“  
„Schade. Du würdest einen guten Schwiegersohn abgeben.“  
 Chiron schluckte.   
 Mit so einer Ehre hatte er nicht gerechnet. „Ich werde zusehen, dass ich meine geliebte Tigerin schnellstmöglich besuchen kann.“  
„Da würde sie sich bestimmt freuen“, bestärkte ihn Stella, „Sie hat dich nämlich auch die ganze Zeit über als ihren Geliebten und IHREN Kater bezeichnet und nicht von Chiron gesprochen oder von irgendeinem Kater.“  
 Chiron musste lächeln und dachte intensiv an den Nachmittag an dem sie sich trafen und an die wunderschönen Stunden mit ihr. „Ich werde es tun und sie in Strongham besuchen.“ Sein Entschluss stand damit felsenfest.  
 Sie saßen noch weitere Stunden vor der Hütte, sprachen über Belanglosig-keiten, knabberten die Bratenknochen blank und tranken den einen oder an-deren Becher Bier. Am Ende waren alle müde genug um endlich ins Bett zu ge-hen. Chiron bot den beiden sein Lager an, was Stella und Cyron dankend an-nahmen. Er selbst legte sich vor den Kamin und war innerhalb von wenigen Mi-nuten eingeschlafen.  
 Am nächsten Morgen fühlten sie sich alle wie gerädert, eine Nebenwirkung des Bieres. Es war recht kühl und Chiron heizte den Kamin an. Das Tiger-pärchen machte sich derweil auf den Weg zur Quelle, die Chiron erwähnt hatte, um sich zu waschen.  
„Es ist wirklich sehr kühl heute morgen“, sagte Stella zu ihrem Gemahl.  
„Ja. Recht ungewöhnlich für diese Jahreszeit.“  
 Plötzlich kam Chiron hinter den beiden hinterher und zwar im Laufschritt. „Ich habe ganz vergessen euch beiden was zu sagen.“  
„Was denn? Ist es so dringend, dass du uns hinterher rennen musstest?“  
„Ja. Es ist überlebenswichtig!“  
 Die beiden stutzten.  
„Geht nicht weiter als bis zur Quelle, dann kann euch nichts passieren. Sie ist jetzt noch knapp hundert Meter entfernt. Dahinter wird der Wald dichter und ich selbst meide diese Gegend. Irgendwas Unheimliches scheint dort sein Un-wesen zu treiben.“  
„Danke! Das ist lieb von dir, aber wir hatten nicht vor, einen Rundgang durch unerforschtes Gelände zu machen.“  
„Okay, dann bin ich beruhigt.“   
 Er ging zurück zu seiner Hütte und die beiden erreichten die Quelle.  
„Wow! Die ist ja warm. Muss wohl direkt aus dem Inneren kommen.“  
 Die Wahrheit verbarg sich jedoch vor ihrem Blick und das war im Moment auch gut so. Sie würden schon noch früh genug mit ihr konfrontiert werden.   
 Nachdem sie sich erfrischt hatten, kehrten sie zu ihrem Schwiegersohn in spe zurück und genossen weitere Köstlichkeiten.  
„Was verbirgt sich tiefer im Wald?“, brach Cyron plötzlich die Stille.  
 Chiron druckste herum. „Ich weiß es nicht genau. Ab und an hört man selt-same Geräusche aus größerer Entfernung, brechende Äste, so als ob sich dort jemand aufhalten würde. Wenn die Sonne ziemlich tief steht, dann kann man unter Umständen sogar beobachten, wie sich Schatten durch das Unterholz bewegen. Ich habe aber keine Ahnung wer oder was das ist. Und ich bin klug genug, mich von dort fern zu halten und ihr solltet es auch.“  
Stella und Cyron legten die Ohren an. Das alles hörte sich zu unheimlich an und gab ihnen zu denken.  
„Wann hattet ihr vor aufzubrechen?“  
„Gegen neun Uhr“, antwortete Stella und Cyron schaute kurz auf die Uhr. „Bei der Göttin, es ist ja schon soweit.“  
Sie hörten ein Poltern vor der Hütte, dann trat Stille ein.  
„Das muss Groodarn sein“, sagte Chiron.  
 Die drei traten vor die Tür und da stand … kein Drache. Nein, was sie sahen, verschlug ihnen die Sprache. Sie hatten die Gestalt eines großen Draches er-wartet. Stattdessen wussten sie nicht was genau es war, das ihnen da gegen-über stand und sie anstarrte.  
 Es hatte keine Augen, keine Nase, keinen Mund und auch keine Ohren. Es hatte nicht mal ein Gesicht, in welches man schauen konnte. Plötzlich wurde allen bewusst was so schockierend für sie war, es sprang sie regelrecht an. Was immer es sein mochte, es hatte nicht mal einen Kopf. Es hatte lediglich einen Körper, aber der entsprach keiner bekannten Form. Beine, welche von der Form her irgendwie an ihre eigenen erinnerten und Arme, aber auch die waren voll-kommen fremdartig und endeten in seltsamen unförmigen Konstruktionen.  
 Das ganze Wesen, wenn man es überhaupt so nennen konnte, glänzte in der Morgensonne, seine Haut war spiegelblank und es waren weder Fell noch Schuppen erkennbar.   
 Plötzlich ging dieses Ding, dieses Wesen oder was immer es war, zwei Schritte auf die Tiger zu. Das Geräusch, das es dabei von sich gab, erinnerte an eine leicht eingerostete Tür und das Aufsetzen der Füße auf den Boden erzeugte deutlich wahrnehmbare Erschütterungen und ebenfalls ein abstruses Geräusch, so als ob ein schweres Eisentor ins Schloss fallen würde. Die drei bekamen es mit der Angst zu tun und schickten sich an, in die Hütte zu flüchten.   
 Gesagt, getan. Cyron schlug hinter sich die Tür zu und Chiron verbarrikadierte sie. Er blickte aus dem Fenster. Das Ding stand direkt vor der Tür.  
„Scheiße!“, sagte Chiron in den Raum, „Er steht direkt vor der Tür.“  
„Er?“  
„Habe ich, er gesagt? Ich meinte, er, sie, es. Was immer das auch sein mag.“  
 „Chiron! Du scheinst etwas zu wissen und verschweigst es uns“, drängte ihn Stella.  
 „Ich wüsste nicht was ich verschweigen sollte. Los, meine Hütte hat einen klei-nen und unscheinbaren Hinterausgang. Durch den können wir verschwinden.“  
 „Du scheinst ja wirklich an alles gedacht zu haben“, sagte Cyron flüchtig und die beiden folgten Chiron ohne weitere Fragen zu stellen. Er öffnete eine Luke im Boden und ließ sich hinab, circa zehn Meter weiter befand sich eine weitere Klappe, welche ins Freie führte. Er öffnete auch diese, aber da flog ihm eine Gestalt förmlich entgegen.   
 Er schrak zurück: „Casandra?“  
 Die Wildkätzin schob ihn und die anderen beiden zurück in die Hütte. „Ab-hauen wolltet ihr also, einfach so.“  
„Casandra, was soll das?“, herrschte Chiron sie an.  
 Die Ereignisse schienen sich zu überschlagen. Stella und Cyron waren mit den Nerven am Ende. Vor der einen Tür stand etwas, dass nur der Hölle entsprun-gen sein konnte und schien nicht gerade friedlich gelaunt zu sein, und auf der anderen Seite stand eine Wildkätzin, die ihnen den Fluchtweg versperrte.  
Cyron ergriff das Wort: „Okay, jetzt mal langsam, ganz langsam. Was geht hier eigentlich vor?“ Er war sehr aufgebracht.  
 Chiron blickte zu Boden, dann zur Wildkätzin und dann zu den beiden Tigern. „Darf ich euch Casandra vorstellen?“   
 Sie blickten sich in die Augen. „Meinen Namen kennt ihr jetzt schon. Ich bin Herrin der Magie und auch der schwarzen Künste. Außerdem eine gute Freun-din von Chiron. Der mich im Moment allerdings sehr enttäuscht hat.“  
 Stella und Cyron standen einfach nur da und waren außerstande etwas zu sa-gen.  
„Setzt euch“, sagte die Kätzin, „ich glaube, ich und Chiron müssen einiges er-klären.“  
 Das Tigerpärchen horchte auf.  
„Das was da draußen steht ist kein Lebewesen, sondern ein Roboter, eine Schutz- und Kampfeinheit. Er ist vollkommen künstlich und reagiert eigenstän-dig. Diese Dinger gehören zu einem Forschungsstützpunkt, der tief im Inneren des Dschungels liegt und sind eigentlich harmlos.“  
 Cyron schluckte den Brocken. „Nun … Besonders harmlos würde ich das Ding nicht nennen.“  
„Normalerweise sind sie das aber. Nur scheint hier ein besonderer Fall vorzu-liegen und ich habe keine Ahnung was den Roboter veranlasst hat, in den Kampf- und Arrestierungsmodus überzugehen.“  
„Kampf- und Arrestierungsmodus? Heißt das etwa, dass dieses Ding da drau-ßen, dieser Roboter, uns umbringen will?“  
„Es sieht eher danach aus, dass er uns hier festhalten will. Aber im Grunde sieht es danach aus. Wir hatten schon früher Kontakt mit ihnen gehabt, aber wir wurden immer nur freundlich gebeten das Sperrgebiet zu verlassen“, sagte Chiron.  
 Stella und Cyron sahen ihn erbost an. „Und wann hattest du eigentlich vor uns das alles zu erzählen?“  
„Mit etwas Glück überhaupt nicht, weil es niemals interessiert hat und es keine Gefahr gab.“  
„Das hat sich aber, aus welchen Gründen auch immer, geändert“, ergänzte Ca-sandra.  
„Ich will nur hoffen, dass wir die Einheit ausschalten können, ehe noch mehr auftauchen und uns vielleicht einäschern. Und vor allem, dass die fehlende Ein-heit nicht auffällt, eine Fehlfunktion hatte oder aber ihr einen Fehler gemacht habt, der dieses Verhalten ausgelöst hat.“  
„Wir haben aber keinen Fehler gemacht“, entrüstete sich Chiron.  
„Dann bleibt nur die Funktionsstörung. Mit Sicherheit hat er aber eure Körper gescannt und in das zentrale Netzwerk gespeist.“  
„Sekunde mal. Ihr werft hier mit Begriffen um euch, die wir nicht verstehen. Kann mir bitte einer erklären, was genau hier passiert?“  
 Chiron wandte sich an Stella. „Okay. Pass auf. Du hast bestimmt mitbekom-men, dass es sich da draußen um einen Roboter handelt.“  
 Stella nickte.  
„Gut. Weiter. Diese Roboter sind künstlichen Ursprungs, sie sind konstruiert und gebaut worden. Von wem wissen wir nicht. Sie gehören zu einer For-schungsbasis die tief im Wald versteckt liegt. Wo genau haben wir nicht her-ausbekommen, dazu müsste man in den Wald eindringen, aber man kommt nicht weit genug, ohne vorher von einem solchen Roboter aufgegriffen und des Geländes verwiesen zu werden.“  
 Stella nickte wieder, fragte aber: „Welchem Zweck dient diese Basis?“  
„Auch das wissen wir nicht, dazu müsste man in die Basis hineinkommen, aber wie gesagt …“  
„ … man kommt nicht mal in die Nähe“, ergänzte Cyron den Satz.  
 Chiron und Casandra nickten und Chiron fuhr fort: „Diese ganze Technologie ist so weit fortgeschritten und so unglaublich, dass sie definitiv nicht von uns ist. Das ist sicher.“  
 Cyron pfiff und Stella atmete hörbar aus.  
„Wir haben im Laufe der Zeit immer wieder versucht an die Basis heran-zukommen, aber vergebens. Wir versuchten es an verschiedensten Stellen, doch man hat uns scheinbar erwartet. Daher vermuten wir, dass es eine Art Netzwerk gibt, über das die Roboter miteinander kommunizieren. Jedenfalls wussten sie immer im Voraus wo wir auftauchen würden und fingen uns ab.“  
„Ja und sie erkannten uns und wussten zum wievielten Male wir es versucht haben“, ergänzte Casandra, „Das lässt uns weiterhin vermuten, dass es in der Basis eine Art zentrales Hirn gibt, das die gesammelten Daten auswertet und an die Roboter weitergibt.“  
„Und jetzt ist etwas passiert, dass das Netzwerk zum Überlaufen gebracht hat und den Roboter auf uns hetzt. Habe ich das so richtig verstanden?“, fragte Stella.  
„Das kommt so in etwa hin. Da wir aber nicht wissen, was das sein soll, ver-muten wir eher, dass es sich um einen Defekt innerhalb des Roboters handelt. Wenn nicht, haben wir ein riesiges Problem.“  
 Alle schauten zu Boden.  
 Plötzlich hörte man draußen einen fürchterlichen Lärm. Es schien in extrem kurzen Abständen zu Donnern, dann hörte man einen Schrei und einen gewal-tigen Knall. Die vier schossen hoch und schauten aus dem Fenster.   
 Draußen stand Groodarn und unter seiner linken Vorderpranke lag der Robo-ter, er war zerstört. Freudig rannten sie ihm entgegen.  
„Groodarn“, rief Cyron.   
„Hallo und guten Morgen, Tigerin Stella, Tiger Cyron, Tiger Chiron und Wild-kätzin Casandra.“  
 Alle freuten sich unheimlich den Drache zu sehen. Stella gab ihm ein Küss-chen und fragte: „Wie hast du das gemacht? Bist du verletzt worden?“  
„Nein, Tigerin Stella. Mir geht es gut und ich bin auch nicht verletzt. Ich wollte pünktlich um neun Uhr hier sein. Da sah ich aber schon von weitem euer Pro-blem. Ich drehte ab und kreiste in sicherer Entfernung über dem Gelände. Ich hatte genug Zeit, um mir einen guten Angriffsplan auszudenken.“  
„Da bin ich wirklich froh drüber. Wir haben hier nämlich mächtig im Dreck ge-sessen.“, merkte Casandra an.  
„So, nun aber möchte ich euch bitten aufzusteigen, damit ihr endlich wieder heim kommt. Eure Vorräte liegen in der Küche verstreut und verderben wo-möglich noch.“  
 Cyron schlug sich vor die Stirn. „Schande! Wie konnten wir das nur vergessen. Wir haben doch glatt in der Hektik alles stehen und liegen gelassen.“  
 Der Drache nickte.  
 Stella wandte sich an Chiron: „Ich möchte dich bitten uns zu begleiten. Hier bist du nicht mehr sicher.“  
 Chiron blickte Casandra an und die nickte zustimmend: „Sie hat Recht. Du kannst hier nicht mehr bleiben. Geh’ weg von hier, verlasse diesen Ort, so lan¬ge du noch kannst. Wenn es keine Störung war, dann schwebst du hier in größter Gefahr.“  
 Chiron kaute auf der Unterlippe. „Gut, ich hole noch rasch ein paar persön-liche Dinge aus meiner Hütte und dann verschwinden wir hier.“   
 Er ging in seine eigenen vier Wände, die er vermutlich nie wieder sehen wür-de, packte seine Körper- und Fellpflegemittel ein, ein paar Bücher, sein Schreibzeug und schloss die Tür ein letztes Mal. Er seufzte, dreht sich noch mal um, stieg schließlich auf den Drache auf dem Stella und Cyron bereits saßen.   
 Gerade wollte er sich von Casandra verabschieden, da brachen fünf Roboter aus dem Unterholz, gingen um die Hütte herum und eröffneten sofort, aber unkontrolliert das Feuer. Casandra wurde schon vom ersten Schuss getroffen.  
„Scheiße!“, schrie Chiron und sprang vom Rücken des Draches herunter, um-klammerte Casandra und zog sie an sich.   
 Mit einer Hand Casandra, die sich nicht mehr rührte und mit der anderen Hand die dünne Strickleiter haltend, versuchte er den Drache zu erklimmen.   
 Cyron sah, dass das nicht klappen würde. Er hatte schon den Gurt gelöst und schnappte sich Chirons Hand. Mit vereinten Kräften zogen sie Casandra hoch, schnallten sie irgendwie fest. Chiron hing immer noch an der Leiter. Einer der weiteren Schüsse hatte ihn am Oberschenkel getroffen, glücklicherweise nur ein Streifschuss.   
 Er steckte einen Arm durch die Stricke und schrie.   
 Der Drache merkte, dass sich alle irgendwie festhielten, schrie als Warnung kurz auf und hob ab. Wie durch ein Wunder wurde er nicht getroffen und sie entkamen dem tödlichen Kugelhagel. Als sie in der Luft und in sicherer Ent-fernung waren, nahm Cyron eine Hand von seinem Sicherheitsgurt, an dem er sich die ganze Zeit festgehalten hatte und streckte sie Chiron entgegen. Er packte zu und mit vereinten Kräften zog er sich endgültig auf den Rücken des Tieres.  
„Hallo, Tiger Chiron. Willkommen an Bord“, sagte der Drache aufmunternd.  
 Chiron aber war nicht nach Lachen zu mute. Er hatte starke Schmerzen und blutete.  
 Vielmehr interessierte ihn aber Casandras Zustand. „Wie geht’s ihr?“  
„Sie ist schwer verletzt und verliert immer mehr Blut, aber sie lebt noch.“  
„Wie lange dauert es noch bis zum Dorf?“, schrie er an den Drache gewandt.  
„Ich gebe was ich kann, aber bestimmt noch fünfzehn Minuten.“  
 Chiron drehte sich wieder zu Casandra, nahm sie beim Kopf und drückte sie an sich. „Halte durch teure Freundin, bitte halte durch.“  
 Zehn Minuten später rief der Drache: „Wo soll ich landen?“  
„Am besten am Flussufer, in der Nähe der Hütte von Hargot“, rief Chiron.  
 Stella und Cyron schauten sich an. Sie lernten immer mehr Leute beim Namen kennen, wenn auch die Umstände mehr als bedrückend waren.   
 Der Drache nahm die Hütte ins Visier und schoss wie ein Pfeil darauf zu. Kurz bevor alle dachten, dass er einschlagen würde, bremste er ab und landete wie immer sanft. Cyron, Stella und Chiron lösten die Gurte. Stella stieg vom Drache und lief zur Hütte des Ozelots, um sie anzumelden. Noch während Cyron und Chiron die verletzte Wildkätzin herunter hievten, kamen die Tigerin und der Ozelot vor die Tür.   
 Hargot wurde kreidebleich um die Nase und legte die Ohren an. „Große Göt-tin, was ist geschehen?“  
„Lass uns reingehen und Casandra versorgen“, sagte Chiron barsch.  
 Hargot nickte und trat beiseite.   
 Als Erstes legten sie die Verwundete auf den Tisch. Chiron riss die Oberbe-kleidung, die sie trug, auf und entblößte eine Wunde, wie sie noch keiner gese-hen hatte. Das Loch in ihrer linken Schulter war etwa fünf Zentimeter groß, blu-tete aber gar nicht. Das Blut stammte aus einer kleineren Wunde daneben.   
 Chiron sah sich das genauer an. „Bringt mir Verbandszeug, schnell!“  
 Der Ozelot rannte und brachte das Gewünschte in reichlicher Menge.  
„Die kleinere Wunde stammt von einer Maschinenkanone“, erklärte er, wäh¬rend er die Blutung stillte und anschließend verband.  
„Maschinenkanone?“, fragte Cyron.  
„Ja. Gegen diese Waffen sind unsere Speere und Bögen ein Spielzeug.“  
„Aber damit können wir uns doch verteidigen, diese Dinger vernichten.“  
 Chiron lachte hysterisch auf, worauf er von Stella einen finsteren Blick erntete.   
„Entschuldigung. Ich wollte nicht überheblich wirken.“  
 Stella nickte kurz und Cyron bat ihn fortzufahren.  
„Diese Roboter … ihr habt doch den Unterschied bestimmt gesehen. Ich meine, dass Fehlen von Fell und Schuppen und nur dieser reine Glanz von Metall.“  
„Ja. Du hast Recht. Jetzt erinnere ich mich. Diese Dinger glänzten wie eine Speerspitze, wenn man sie gegen die Sonne hält.“  
 Chiron nickte bestätigend. „Ja. Sie bestehen komplett aus Metall. Besser ge-sagt, sie bestehen aus einer Art von Metall. Wir wissen nicht aus welchem, aber es ist garantiert besser und härter als unseres. Alles weißt zumindest darauf-hin.“  
„Woher nimmst du diese Vermutung?“  
„Ich hatte mal einen Speer gegen einen dieser Roboter geworfen. Der Speer prallte ab und der Roboter hatte nicht mal einen Kratzer. Außerdem ist es lo-gisch. Eine Technik, die so hoch entwickelt ist, wird wohl kaum primitive Mate-rialien verwenden oder irgendetwas dem Zufall überlassen.“  
 Hargot stand während dessen in einer Ecke des Raumes und schüttelte nur traurig den Kopf. „Das hätte alles nicht passieren dürfen“, sagte er plötzlich, „Wir hatten doch alles durchdacht und durchgerechnet. Demnach läuft wieder etwas schief.“  
 Chiron sah ihn streng und durchdringend an, worauf er wieder schwieg.  
„Was meint Hargot damit?“, fragte Stella irritiert.  
„Ich könnte euch zwar eine passende Antwort geben, aber die würde zu viel gefährden und am Ende könntet ihr damit eh nichts anfangen.“  
„Schon wieder ein Geheimnis?“, fragte Cyron.  
„Ja, aber das ist wirklich nur zu eurem Besten und würde nichts ändern an den Dingen, die passiert sind oder noch passieren werden.“  
„Okay, ich glaube dir.“  
„Gut.“  
„Was hat es nun mit diesen Maschinenkanonen auf sich?“, fragte Stella inter-essiert.  
„Tja, das ist ne gute Frage. Sie sind sehr effektiv. Die Geschosse von denen durchdringen so gut wie jedes uns bekannte Material und machen ein Sieb aus jedem. Wir hatten Glück, dass wir so glimpflich davon gekommen sind. Der Standarddurchsatz liegt bei 500 Schuss pro Minute.“  
„Und was bedeutet das genau?“  
„Das heißt einfach, dass in jeder Minute 500 Chafren ihr Leben verlieren könn-ten, wenn jede Kugel genau einen trifft, und das mit nur einer Kanone.“  
„Aber jeder Roboter hatte doch zwei davon oder?“  
„Genau. Ein tausendfacher Tod von jeder Kampfeinheit und wir wurden von fünf Stück angegriffen. Ein Wunder das wir noch leben.“  
 Cyron wurde es flau in der Magengegend. „Aber was können wir tun?“  
„Wir können nur hoffen, dass sie nicht weiter gehen als bis zur Waldgrenze, wenn doch, dann gibt es eine Katastrophe und wir werden alle sterben. Mit et-was Glück sind sie nur auf uns scharf und behelligen alle Anderen nicht. Im-merhin sind nur wir aufgefallen und unsere Scans geistern jetzt durchs Netz-werk.“  
„Tja, das wäre doch schon mal ne Chance. Die Frage ist nur, was wir jetzt tun?“, fragte Cyron.  
„Die Frage ist eher, können wir überhaupt was tun?“, erwiderte Chiron.  
„Ich denke, dass wir uns erstmal ruhig verhalten sollten und keine größere Un-ruhe verbreiten. Wir haben jetzt etwas Zeit gewonnen.“  
„Ja schon“, setzte Stella an und blickte auf Casandra, „Was ist eigentlich mit dieser großen Wunde?“  
„Das weiß ich auch nicht. Ist auf jeden Fall ein glatter Durchschuss. Es sind kei-ne lebenswichtigen Organe getroffen worden und eine Blutung gibt es auch nicht.“  
„Es sieht aus, als ob das Fleisch verbrannt wurde“, sinnierte Cyron.  
„Du hast Recht. Sieht tatsächlich danach aus“, erwiderte Chiron.  
 Stella starrte auf die vor ihnen liegende Kätzin.   
„Hargot. Wie sieht es aus. Können wir Casandra erst mal bei dir lassen? Zumin-dest so lange bis sie wieder zu Kräften gekommen ist?“, fragte Chiron.  
 Hargot schaute die drei Tiger an und willigte ein.   
 Sie trugen Casandra in den hinteren Teil der Behausung und legten sie auf das dort stehende Bett.  
„Sei so lieb und kümmere dich um sie. Wir gehen derweil zu Stella und Cyron und überlegen, was wir weiter unternehmen“, schloss Chiron ab.  
 Sie gingen hinaus zum Flussufer, an dem Groodarn sie erwartete.  
„Tigerin Stella, Tiger Cyron und Tiger Chiron! Wie sieht es aus, was habt ihr als nächstes vor?“  
„Wenn du möchtest, dann kannst du erst mal in deine Höhle zurückkehren o-der auch nach Dragobar. Wir gehen jetzt ins Dorf und werden überlegen, was wir machen können.“  
 Der Drache brummte zustimmend und flog davon. Die drei Tiger gingen ins Dorf.  
 Am Haus angekommen öffnete Stella die Tür und fiel fast über ihre gekauften Sachen. Chiron trat als letzter ein und schloss die Tür hinter sich.   
 Er sah sich um und war sichtlich beeindruckt. „Hübsch habt ihr's.“  
„Danke“, sagte Cyron und lächelte.   
„So“, intonierte er, „wir räumen jetzt mal unsere Sachen weg.“  
Er packte die Lebensmittelvorräte aus und verstaute sie nach und nach im Vor-ratskeller. Stella nahm sich derweil des gekauften Obstes an und auch des Schmucks.  
„Die Vorratskammer ist brechend voll. Das reicht bestimmt für die nächsten Wochen“, rief er erfreut.  
 Stella war im Bad verschwunden.   
 Cyron und Chiron setzten sich derweil an den Tisch und Chiron schenkte je-dem einen Becher Bier ein. Er hatte einige Liter davon gerettet.  
 Nach zwanzig Minuten kam Stella aus dem Bad und die Treppe herunter.   
 Cyron sah sie an und ihm stockte der Atem. Chiron ließ die Luft hörbar ent-weichen und verkniff sich einen Pfiff.   
 Da stand Stella vor ihnen und hatte sich für Cyron herausgeputzt. Sie hatte sich die künstlichen Haarteile in das Kopffell gedreht und diese hingen links und rechts herab. Sie war wie eine Göttin. Außerdem hatte sie sich eines der gekauften Tücher umgeschlungen. Es war allerdings verrutscht und sie musste es festhalten, damit es nicht gänzlich herunter fiel.  
 Cyron wurde es warm ums Herz und er überlegte, wie lange er schon nicht mehr mit seiner Tigerin intim war. Chiron bemerkte die Erotik die im Raum lag und fühlte sich unbehaglich, er überlegte, ob er nicht zum falschen Zeitpunkt erschienen war.  
 „Chiron“, sagte Stella plötzlich, „ich möchte dir dein Zimmer zeigen.“  
 Sie nahm ihn bei der Hand und führte ihn nach oben. Cyron schaute den bei-den argwöhnisch nach, stand auf und stapfte hinterher. Diese Tigerin würde er nie wieder in seinem Leben aus den Augen lassen.   
 Stella führte ihren Gast in Tarjas Zimmer. „So, hier wirst du fürs Erste wohnen und schlafen. Das ist das Zimmer deiner geliebten Jungtigerin, halt es also in Ehren.“  
 Chiron war entzückt und nickte.   
 Stella drehte sich zu ihrem Mann um. „Und wir beide, was machen wir jetzt?“   
 Cyrons Blick sagte alles.  
 Sie verließen das Zimmer und gingen nach nebenan, in ihr Schlafzim-mer.„Meinst du, dass es richtig ist, wenn wir jetzt zur Tat schreiten und Chiron allein nebenan sitzt. Die Wände haben Ohren“, gab Cyron zu bedenken.  
„Was meinst du damit? Soll er etwa mitmachen?“  
„Was? Weia, du bist mir ja eine.“  
„Na also. Ich halte ihn für sehr intelligent und er wird schon wissen, was er tut.“  
 Cyron nickte und küsste seine Tigerin.  
  
 Chiron nahm sich derweil ein Buch und las, ihm stand nicht der Sinn nach se-xuellen Abenteuern und wenn, dann nur mit Tarja. ‚Obwohl Stella wirklich zum anbeißen aussah, konnte sie trotzdem nicht mit seiner Liebsten mithalten. Au-ßerdem war die Tigerin nebenan ihre Mutter’, ging es ihm durch den Kopf.  
 Abgesehen davon tat ihm das Bein immer noch leicht weh. Glücklicherweise hatte es zumindest aufgehört zu bluten. Er besah sich seine Verletzung, seufzte und schüttelte den Kopf.  
 Als im Nebenzimmer Stella und Cyron zur Tat schritten oder besser gesagt zu Untaten übergingen, versuchte Chiron sich mit einem Buch abzulenken. Das gelang aber nur mäßig und als er an Tarja denken musste und die Lustgeräu-sche aus dem Nebenzimmer hörte, legte er das Buch weg. Wenig später schloss er einfach die Augen und schlief ein.  
  
 Stella und Cyron waren schließlich zufrieden und standen auf.  
„Hast du was von Chiron gehört?“, fragte Stella ihr Männchen.  
„Nein.“  
„Was er wohl die ganze Zeit über gemacht hat?“  
„Keine Ahnung.“  
„Sollen wir sicherheitshalber mal schauen?“  
„Hmmm … könnte nicht schaden. Er hat ja noch den Streifschuss am Bein, fällt mir gerade ein. Und es könnte ja was passiert sein in der Zwischenzeit, immer-hin waren wir nicht besonders aufnahmefähig.“  
 Beide grinsten sich an. Sie klopften an die Zimmertür und es kam keine Ant-wort. Sie klopften nochmals, aber sie warteten vergebens auf eine Antwort.   
 Plötzlich wurde die Tür von innen geöffnet und Chiron stand vor ihnen.  
„Chiron! Haben wir dich gestört? Entschuldige bitte, du hast geschlafen“, sagte Stella versöhnlich.  
 Dann guckte sie sich Chiron genauer an und zuckte etwas zurück. Von wegen geschlafen. Der Kater war dermaßen derangiert, dass andere Vermutungen na-he lagen.  
 Stella musste anerkennend pfeifen und Cyron respektvoll nicken. „Mein lieber Mann, der Urwald muss wirklich sehr gesund sein. Kein Wunder, dass unsere Tochter gleich beim ersten Rendezvous schwanger wurde.“  
 Chiron zuckte peinlich berührt zusammen, sah an sich herunter und errötete. „Heilige Schei …, ähm … Göttin!“  
„Nun mal Kopf hoch und geh duschen“, sagte Stella kichernd und ging mit ih-rem Mann in die Küche.  
 Chiron schloss die Tür, sah sich im Zimmer um, reinigte alles und ging an-schließend duschen, immer noch den Kopf schüttelnd.   
Er genoss die warmen Strahlen der Dusche, trocknete sich schnell ab und ging ebenfalls in die Küche.  
  
 Als er ankam und sich gesetzt hatte, schien er sich auch wieder beruhigt zu haben, lediglich die Hausherrin und der Hausherr grinsten merkwürdig.  
„Tja, so ist das“, sagte Chiron.  
„War nicht zu übersehen, aber Schwamm drüber“, entgegnete Cyron.  
„Im wahrsten Sinne des Wortes“, witzelte Stella und bekam dafür einen stra-fenden Blick von Cyron.  
„So, nun aber mal im Ernst“, sagte Cyron, „Wir wissen was da draußen herum rennt und dass wir bedroht werden. Was sollen wir tun?“  
„Ich denke“, sagte Chiron, „dass wir erst mal in Sicherheit sind. Ich glaube nicht, dass die Kampfeinheiten so schnell bis hier kommen, wenn überhaupt.“  
„Was meinst du, was als nächstes passiert?“, fragte Stella an Chiron gewandt.  
„Was ich denke ist nicht zwangsläufig das was am Ende eintritt.“  
„Gut. Gehen wir mal davon aus, dass die, wer immer die sind, das Gleiche den-ken wie wir.“  
„Dann würde ich meine gewonnen Informationen ins Netzwerk übertragen, ei-nen Datenabgleich machen und eine Strategie ausarbeiten.“  
„Was für eine Strategie?“  
„Einen Plan, der es ermöglicht, uns verschwinden zu lassen, ohne großes Auf-sehen zu erregen und mit minimalem Aufwand.“  
 Bei dem Gedanken lief es allen dreien eiskalt den Rücken runter.  
„Ich denke, wir sollten eine Nachtwache einteilen, die durch das Dorf patrouil-liert. Ich werde Pathenon, Hylas und Hadron ins Vertrauen ziehen müssen.“  
„Meinst du, dass das klug wäre?“, fragte seine Tigerin.  
„Ja. Ich glaube, dass wir mit acht Augen mehr sehen als mit zwei.“  
Chiron nickte: „Ich werde mitkommen und so lange munter bleiben wie ich kann.“  
 Cyron nahm dankend an. „Dann hätten wir schon zehn Augen.“  
„Wir müssen aber davon ausgehen, dass unsere Widersacher möglicherweise besser im Dunkeln sehen können als wir.“  
 Die Tigerkater seufzten.  
„Es wird also eine lange und gefährliche Nacht werden. Bereiten wir uns darauf vor.“  
„Schön“, merkte Stella auf, „aber wie wollt ihr euch verteidigen?“  
„Hmhm … gute Frage, mein Schatz. Viel haben wir ja nicht.“  
 Chiron überlegte. „Wir haben gar nichts. Das einzige, was wir machen können ist, uns leise und unauffällig zu bewegen und im Fall des Falles die Anderen zu warnen, ins Haus zurückzukehren und unsere Sachen zu packen, um zu ver-schwinden.“  
„Na, das nenne ich ja mal ne echte Alternative“, sagte Cyron und stand auf, „Ich gehe jetzt die Anderen holen.“  
 Er verließ das Haus.   
 Nach vierzig Minuten kam er zurück und hatte seine Freunde dabei. Sie setz-ten sich alle auf den Fußboden, Stella entfachte ein angenehmes Kaminfeuer und sie redeten. Chiron berichtete von seinen ersten Begegnungen mit den Robotern und seine Erkenntnisse, die er zusammen mit Casandra gesammelt hatte.  
Der Abend brach herein, alle hatten was gegessen und waren trotz der trost-losen Situation gut drauf. Sie zogen aus und verteilten sich unauffällig im Dorf.   
 Cyron nahm Stella bei der Hand und spendete ihr Trost. „Keine Angst, Liebes. Die werden heute Nacht nicht angreifen und bestimmt auch nicht in den näch-sten Tagen.“  
„Ich will es hoffen und bitte unsere große Göttin Bastet, dass sie euch be-schützen möge.“  
 Cyron blinzelte ihr fröhlich zu und verließ ebenfalls das Haus. Die Tigerin ging in den Keller, öffnete eine Flasche köstlichen Rotweins, setzte sich vor den Ka-min und schnappte sich ein Buch.   
 So saß sie mehrere Stunden und nichts geschah.   
 Plötzlich klopfte es an der Tür, sie schrak hoch und öffnete einen Spalt. Hylas stand davor.  
„Was ist denn los? Ist was passiert?“, fragte sie.  
„Nein, nein. Sei unbesorgt. Ich wollte nur mal nachschauen, ob bei dir alles in Ordnung ist.“  
„Das ist nett von dir. Hier ist alles ruhig.“  
„Okay, ich gehe dann weiter.“   
 Er hob noch kurz eine Hand zum Gruß und verschwand hinter der nächsten Hausecke. Stella setzte sich wieder und schlief irgendwann ein.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 6  
  
 Mobilisierung  
  
  
„Hey, hallo, Aufwachen!“  
„Was?“ Stella machte die Augen auf und Cyron stand vor ihr.  
„Na, meine süße Traumkatze. Hast du gut geschlafen?“  
 Sie gähnte herzhaft. „Geschlafen? Na ja, so wie ich mich fühle, keine fünf Mi-nuten.“  
„Kann ich mir vorstellen“, sagte er und lächelte sie gütig an.  
„Ist in der Nacht was passiert?“  
„Nein, wie ich schon vorwegnahm ist nichts passiert.“  
„Dann hoffen wir mal, dass das auch so bleibt.“  
 Er nickte.  
 Es klopfte an der Tür.   
 Cyron ging und öffnete. „Casandra!“, rief er erfreut.  
„Hallo. Ich wollte mal sehen wie es euch so geht und verhindern, dass ihr den ganzen Spaß hier allein habt.“  
 Cyron grinste und schüttelte den Kopf. „Von Spaß kann man zwar nicht gera-de reden, aber du darfst gerne daran Teil haben.“  
 Sie wurde kurzerhand zu Chiron ins Zimmer einquartiert, da er nichts dage-gen hatte den Raum mit ihr zu teilen.  
  
 Jede Nacht gingen sie auf Streife und nichts passierte, über Tage, Wochen und am Ende über Monate. Nach sieben Monaten gaben sie auf.  
„Hier ist bisher nichts passiert, also wird es auch so bleiben. Wir werden die Nachtwachen auflösen. Es gibt keinen vernünftigen Grund, sich weiterhin jede Nacht um die Ohren zu schlagen. Außerdem sind wir alle in eine Art Routine gefallen und sehen, falls es drauf ankommt, eh keine Gefahren mehr.“  
„Du hast Recht“, sagte Chiron.  
„Es hat keinen Sinn, auf diese Art“, mischte sich Casandra ein.  
„Und nun?“, fragte Stella.  
 Cyron sah seine Ehetigerin an. „Was wir machen? Ich werde dir sagen, was wir machen. Wir packen unsere Sachen. Du machst dich chic und dann rufe ich Groodarn herbei und wir beide, Chiron und, wenn sie möchte, auch Casandra fliegen nach Strongham. Damit dürften wir genug Abstand zu allem herstellen und falls wieder Erwarten doch ein Angriff erfolgen sollte, halten wir unsere Freunde und die Dorfbewohner außen vor. Abgesehen davon dürften die Kampfroboter eine Weile brauchen, bis sie kapiert haben, dass wir nicht mehr in Felgan sind. Bis sie in Strongham sind, haben wir uns vielleicht was Neues einfallen lassen.“  
 Alle, sogar Casandra murmelten zustimmend.  
„Das ist ne prima Idee“, entfuhr es Chiron.   
 Er freute sich riesig darauf, dass er seine Tarja endlich wiedersehen würde. Sie gingen auf die Zimmer und packten ihre Sachen.   
 Cyron verschwand für eine kurze Weile aus dem Haus. Er sagte den Anderen Bescheid, damit die wussten wo sie sich aufhielten und sich keine Sorgen machten. Außerdem übermittelte er den Beschluss, die Nachtwachen aufzu-lösen.   
 Es gab nicht einen der sich darüber beschwerte, und alle waren eher froh, dass sie mal endlich wieder eine Nacht richtig durchschlafen konnten. Als Cy-ron zurückkehrte, saßen alle schon in der Küche und erwarteten ihn.  
„Ah, da bist du ja“, sagte seine Frau.  
„Japp. Wo sollte ich sonst sein? Die Anderen sind mit unserem Entschluss ein-verstanden. Also steht unserer Abreise nichts mehr im Weg.“   
 Cyron holte das kleine Gerät, das ihm der Drache gegeben hatte, aus der Ta-sche. „Ich werde dann mal unseren Groodarn rufen.“   
 Er drückte auf den einzigen Knopf, der sich auf dem Sender befand. „Okay, das war’s, glaube ich. Gehen wir mit unseren Sachen zum Flussufer und warten dort.“  
 Sie brachen auf.  
 Am Fluss angekommen stellten sie ihre Sachen ab und Chiron fragte Cyron plötzlich nach diesem Gerät, das er vorhin benutzt hatte. Cyron gab es ihm.  
„Casandra, kommst du bitte mal her“, rief er der Wildkätzin zu. Er drehte das Ding hin und her und betrachtete es eingehend.   
 Die Kätzin trat zu ihm heran und schaute ebenfalls.  
„Was meinst du, das sieht doch sehr nach der gleichen Technik aus, die auch die Kampfroboter hervorgebracht hat.“  
 Casandra nickte. „Du hast Recht.“ Und an Cyron gewandt: „Von wem habt ihr das und seit wann?  
 Cyron brauchte nicht zu überlegen. „Das haben wir von Groodarn erhalten, es ist ein Sender. Der Drache trägt den dazugehörenden Empfänger bei sich. Er gab ihn uns an dem Abend, an dem wir bei Chiron auftauchten.“  
 Alle stutzten.  
„Moment mal“, sinnierte Cyron, „Das hört sich fast so an, als ob der Sender und der Angriff der Roboter zusammenhängen könnten.“  
 Chiron sah Casandra an und beide nickten mit leicht schief gelegten Köpfen. „Es sieht sogar verdammt stark danach aus.“  
„Aber ich habe ihn zu diesem Zeitpunkt nicht benutzt“, versicherte Cyron.  
„Dann fällt die Mobilisierung durch die Senderfrequenz aus. Aber vielleicht sendet das Teil ständig auf irgendeiner Frequenz und das hat den Angriff aus-gelöst. Wisst ihr noch was darüber?“  
„Nein Groodarn konnte uns nichts darüber sagen. Er meinte nur, dass das in den Bergen herumlag und alles in allem aus einem Empfänger und mehreren Sender bestünde. Keine Ahnung wie es funktioniert, es klappt halt einfach.“  
 Casandra überlegte: „Ich glaube da steckt mehr dahinter als wir uns alle vor-stellen können. Ich denke, wir sollten, wenn wir in Strongham angekommen sind, einen Plan darüber schmieden, was zu tun ist. Ich bin der festen Über-zeugung, dass wir ins Gebirge müssen, weil da der Schlüssel liegt.“  
 Chiron starrte in den Himmel und holte tief Luft. „Vielleicht sollten wir eine größere Gruppe zusammenstellen. Wir müssen darauf gefasst sein, dass wir es mit weiteren Robotern zu tun haben und da können wir jede Hand gebrau-chen.“  
 Das war einleuchtend.  
 Mittlerweile war eine gute Stunde vergangen und noch immer war von Groo-darn nichts zu sehen. Cyron nahm den Sender und drückte wiederholt auf den Knopf.  
 Sie warteten.  
 Es vergingen weitere zwei Stunden und es geschah immer noch nichts. Ent-nervt gaben sie schließlich auf.  
„Da stimmt was nicht. Groodarn müsste schon längst hier sein“, brummelte Stella.  
„Du hast Recht, Liebling. Irgendwas ist da faul oder der Sender ist kaputt.“  
 Sie gingen zurück ins Dorf und in ihr Haus. Nachdem sie ihre Sachen wieder ausgepackt hatten, setzten sie sich zusammen.   
„Unsere Idee ist wohl damit zunichte gemacht“, sagte Cyron.  
„Ganz im Gegenteil“, merkte Casandra an, „Jetzt werden wir aktiv. Wir trom-meln so viele kampfbereite Dorfbewohner zusammen wie wir können und zie-hen in Richtung Urwald.“  
„Und dann?“, fragte Chiron.  
„Und dann sehen wir weiter. Fakt ist doch, dass es dort im Wald etwas gibt und das soll beschützt werden. Die Auswirkungen dessen haben wir alle gesehen und gespürt. Es sind Monate seitdem vergangen und plötzlich funktioniert der Sender nicht mehr? Ich glaube nicht an einen Defekt oder Zufall. Nein! Irgend-etwas oder jemand möchte, dass wir hier bleiben und so schnell keine Hilfe ho-len können.“  
 Die Erkenntnis, die Casandra ausgesprochen hatte, traf sie alle wie ein kalter Schlag. Sie hatten alle etwas ähnliches gedacht, es jedoch vermieden auszu-sprechen.  
„Verdammter Mist“, grollte Cyron, „Komm mit Chiron, wir mobilisieren unsere Freunde und nehmen diejenigen, die mitkommen möchten gleich mit.  
 Die beiden verließen das Haus und ließen die Weibchen allein.  
„Es ist schon später Nachmittag und ich sollte mich langsam ums Abendessen kümmern“, sagte Stella und ging in den Keller.  
 Casandra hielt es nicht lange alleine aus und kam hinterher. „Kann ich dir hel-fen?“  
„Ja, gerne. Wir sollten genügend Fleisch hoch bringen und ein Fass Pökelfleisch bereitstellen sowie mehrere Schalen mit Obst auf den Tisch stellen.“  
 Innerhalb von zwanzig Minuten waren sie fertig. In der Küche befand sich ein riesiges Bankett.  
 Chiron und Cyron waren indessen nicht untätig und hatten außer ihren drei Freunden, noch einige Säbelzahntiger, einen Schneeleopardenkater und eine noch recht junge Luchsin im Schlepptau.  
 Cyron öffnete die Tür und rief: „Liebste, dürfen wir reinkommen?“  
„Ja, aber natürlich. Wie viele seid ihr denn?“  
„Och … sieh selbst. Innerhalb von Sekunden war das Erdgeschoss mit acht Raubkatzen gefüllt und Stella, Cyron Chiron und Casandra kamen noch dazu.  
 Stella strahlte. „Alle wollen mitmachen?“  
„Japp. Sie freuen sich auf ein Abenteuer. Vor allem das Luchsmädchen da hin-ten links. Siehst du sie? Sie ist mit ihrem vierpfotigen Säbelzahnfreund gekom-men.“  
 Stella lächelte in ihre Richtung.  
„Meine lieben Freunde“, eröffnete Chiron die Ansprache, „ich danke euch, dass ihr erschienen seid. Macht es euch erstmal gemütlich, esst und trinkt etwas. Währenddessen werden wir euch erklären worum es geht und was genau auf uns zukommt.“  
 Er übergab das Wort an Cyron. „Tja, also. Was wir wissen ist folgendes …“   
 Er erklärte über zwei Stunden um was es bei der ganzen Sache ging und ließ kein einziges Detail aus. Hin und wieder ergänzten Stella, Casandra oder Chi-ron etwas. Die anderen Katzen saßen nur da und hörten zu. Ab und an wur¬den sie unruhig und tuschelten miteinander. Am Ende der Erklärungen waren sie bereit Fragen zu beantworten und prompt kam die Frage, vor der sich alle ge-fürchtet hatten.  
 Das Luchsweibchen fragte: „Habt ihr eine Schwachstelle entdeckt? Wisst ihr, wie man sie vernichten kann?“  
 Chiron seufzte. „Nein, das wissen wir nicht. Sie haben garantiert eine Schwachstelle, aber wir haben keine Ahnung wo wir die suchen sollen.“  
 Ein Raunen ging durch die Gruppe.  
„Soll das heißen, dass das Ganze ein Himmelfahrtskommando wird?“, rief einer der Säbelzahntiger.  
„So würde ich es nicht nennen wollen, trifft aber den Nagel auf den Kopf.“  
„Okay“, sagte jener, „es ist gut, dass ihr so ehrlich seid. Ich für meinen Teil bin dabei.“   
 Er stand auf, dreht sich zu den anderen um und fragte: „Wer kommt noch mit?“  
 Zunächst blieben alle sitzen, aber dann stand ein weiterer Säbelzahntiger auf, dann das Luchsweibchen und ihr Freund grollte zustimmend.  
 Die anderen schienen noch unschlüssig.  
„Wollt ihr hier vermodern oder was für unser aller Leben tun?“, fragte plötzlich die vierpfotige Säbelzahnkatze.  
 Diejenigen die noch saßen, schauten ihn an und an ihrer Mimik und dem Spiel der Ohren konnte man erkennen, dass sie einen inneren Kampf austru-gen. Da stand der Erste auf und Weitere folgten, bis am Ende schließlich alle entschlossen waren das Wagnis einzugehen.   
 Sie schauten sich gegenseitig an und nickten sich aufmunternd zu. Chiron war von der Luchsin und ihrem Freund beeindruckt. Sie schienen genug Kraft und Entschlossenheit zu besitzen, die ganze Gruppe immer wieder zusammenzu¬raufen. Genau das was sie brauchten.  
 Plötzlich brach draußen ein Höllenlärm los.   
Die Katzen des Dorfes rannten durch die Straßen und schrien in Panik. Cyron riss die Tür auf um hinaus zu gehen, da prallte er mit Hargot zusammen.  
„Cyron, Chiron und alle. Kommt raus und seht was passiert“, rief der Ozelot aufgeregt.  
 Sie traten vor das Haus und schauten sich um. Ein Schatten verfinsterte un-vermittelt die Sonne. Sie starrten nach oben und erstarrten. Der Himmel war angefüllt mit mindestens zehn Drachen. Sie kreisten über dem Dorf und der davor liegenden Wiese sowie über dem Fluss. Einer von ihnen sah die Gruppe vor dem Haus, stieß einen Schrei aus und sauste hernieder.   
 Sie erschraken und wollten schon ins Haus flüchten, da stutzte Stella. „Halt, lauft nicht weg. Habt keine Angst, das sind Freunde.“  
 Sie hatte Groodarn erkannt.   
 Hargot nickte eifrig. „Ist das nicht toll?“  
„Aber wie kommt’s dazu?“, fragte sie den Ozelot.  
„Groodarn hatte aus verschiedenen Mündern von den Vorkommnissen gehört und nun, nachdem er über Monate nichts mehr von euch gehört hatte, war er in Sorge und wollte nach dem rechten sehen.“  
 Stella war begeistert und klatschte in die Hände. Groodarn hatte seinen Sturz-flug natürlich abgebrochen, glitt über ihre Köpfe hinweg und ließ wiederholt einen Schrei los.  
„Kommt alle mit zum Flussufer. Hier können die Drachen nicht landen“, rief Cy-ron.  
 Sie liefen, nein, sie rannten aus dem Dorf hinaus und zum Fluss. Groodarn war bereits gelandet. Stella lief auf ihn zu, nahm ihn beim Kopf und küsste ihn. „Es freut mich so unendlich dich zu sehen. Wir hatten befürchtet, dass dir etwas passiert ist.“  
„Hallo, Tigerin Stella. Keine Angst, mir passiert so schnell nichts. Aber im ernst. Wie kommst du darauf?“  
„Wir hatten dich heute Morgen per Sender angefordert, aber du bist nicht er-schienen.“  
 Der Drache wirkte plötzlich nachdenklich. „Ich denke, das liegt an vielen Fak-toren und vor allem auch an dem, was ich euch mitgebracht habe.“  
„Was hast du denn feines?“   
„Moment.“ Er stieß einen sehr hohen Pfiff aus und die umher stehenden Katzen waren darüber erstaunt.  
 Abgesehen davon staunten die meisten sowieso. Aber das große Staunen war gerade aktuell und sollte auch nicht so schnell enden.   
 Ein weiterer Drache landete und setzte neben Groodarn auf. Zwei Chafren schnallten sich ab und kamen herunter. Stella bekam plötzlich feuchte Augen und stieß einen schrillen Schrei aus. Chiron merkte, dass etwas nicht stimmte und schaute ihr nach. Stella rannte wie von der Tarantel gestochen auf einen Tiger zu, der gerade vom Drache herunter geklettert war. Aus irgendeinem un-erfindlichen Grund zog es ihn in die Richtung, in die Stella gerade gerannt war. Er ging drei Schritte und schaute genauer hin. Plötzlich brüllte auch er auf und seine Beine schienen gar nicht so schnell laufen zu können wie sie sollten.  
„Tarja!“, schrie er, „Es ist Tarja!“  
 Als er ankam überhäuften sich Mutter und Tochter noch immer mit Küssen.   
 Er trat hinzu und tippte Stella auf die Schulter. „Darf ich auch mal?“, fragte er.  
 „Aber natürlich, Chiron.“ Sie ließ ihre Tochter los und Chiron baute sich vor seiner Tigerin auf. Sie sah ihn an und ihr Gesicht war nass vor Tränen der Freu-de. Sie umarmte ihn und küsste ihn heiß und innig.  
„Ich freue mich so, dich endlich wiederzusehen“, sagte Chiron und schluchzte, „Aber was machst du hier und das vor allem in deinem Zustand?“  
„Keine Sorge, mein geliebter Kater. Ich habe schon vor zwei Monaten unser Junges zur Welt gebracht und Sitara und Finlay ziehen es wie ihr eigenes groß. Aber ich war so beunruhigt, dass ich einfach herkommen musste.“  
 Stella schrie und deutete Cyron an, schnell zu ihnen zu kommen. „Wir wollten schon heute früh zu dir nach Strongham kommen, aber Groodarn hatte auf un¬sere Rufsignale nicht reagiert. Außerdem sind hier ein paar unangenehme Din¬ge passiert.“  
„Ich weiß, ich weiß, Liebster. Groodarn hat es mir berichtet. Wir haben darauf-hin den Entschluss gefasst selber aufzubrechen und nach dem rechten zu se-hen. Wie ich sehe nicht zu spät.“  
 Sie umarmten sich und ließen sich nicht mehr los.   
 Cyron, der inzwischen dazugekommen war, mischte sich einfach dazwischen und knuddelte und herzte beide gleichzeitig. So standen sie minutenlang als großes freudiges Wollknäuel. Groodarn rief zu ihnen hinüber, dass es noch weitere Überraschungen gäbe und sie ließen voneinander ab.  
„Was denn, noch mehr Überraschungen?“, fragte Cyron, „Du weißt doch, ich liebe Überraschungen. Dann also mal her damit.“  
 Tarja strahlte währenddessen wie ein Honigkuchen und kuschelte sich an Chi-ron. Er hielt sie fest in seinen Armen und beide genossen schweigend das fol-gende Schauspiel.  
 Am Ufer des Flusses landete ein Drache nach dem anderen, man erkannte am Ende nicht mehr, dass es einen Sandstrand gab. Überall lagen die großen Tiere verstreut und zwischen ihnen wuselten Dutzende von Chafren herum, die von ihren Rücken gestiegen waren und näher kamen. Sie waren alle fremd und un-ter ihnen waren jede Menge Wölfe, Stiere, Tauren.   
 In der Menge tauchten plötzlich fünf Greife auf, die sich im Pulk spontan an-geschlossen hatten und auch ein Pegasus, sogar ein Einhorn war dabei. Cyron und sein Weibchen betrachteten mit wachsender Begeisterung das bunte Trei-ben.   
 Plötzlich stutzte Cyron. Er hatte ein paar bekannte Gesichter entdeckt. Er er-kannte zwei Hyänen, die auch erschienen waren. Er ging auf sie zu und begrüß¬te sie freundlich.   
„Ja, hallo. Wen haben wir denn da?“, fragte er mit Unschuldsmiene.  
 Die beiden schauten ihn an und mussten grinsen. „Na, wenn das nicht Mister Unglaube ist“, entgegnete Lyra.  
 Cyron nickte und fing an zu lachen. „Wir sollten alle zusammenrufen und uns auf dem Dorfplatz treffen“, sagte er zu den beiden.   
 Sie nickten und gingen in die Richtung, die ihnen Cyron zeigte.  
 Er brüllte und fuchtelte mit seinen Händen in der Luft. Die Menge beruhigte sich allmählich und schaute ihn an.  
„Okay. Also, es freut mich, dass ihr alle gekommen seid, und möchte euch bit-ten auf den Dorfplatz zu gehen. Wir versammeln uns jetzt dort. Da gibt’s erst mal was zu essen und zu trinken. Alles Weitere wird sich dann finden.“  
 Groodarn stieß einen kurzen Schrei aus und die Gruppe hielt inne.  
„Moment noch“, rief der Drache, „In meinen Taschen sind noch ein paar ganz wichtige Dinge.“  
„Richtig“, rief Tarja, „das hätte ich beinahe vergessen. In den Taschen der Dra-chen befinden sich Waffen. Einer der Drachen hatte sich eine neue Höhle ge-sucht und war dabei auf ein ganzes Lager gestoßen.“  
 Cyron ging auf Groodarn zu, öffnete eine der Taschen und schaute hinein. Was sich ihm bot, war ein Anblick der Freude.  
„Jeah“, schrie er auf, „das ist mehr als Spitze. Leute, das müsst ihr gesehen ha-ben.“  
 Er griff hinein und verschwand plötzlich mit dem ganzen Oberkörper darin.   
 Der Drache musste unwillkürlich grinsen. Cyron verharrte ganze zwei Minuten in dieser Stellung. Dann hatte er scheinbar was Tolles gefunden. Er stöhnte kurz auf und beförderte ein großes Gerät ans Licht des Abends.  
 Chiron erstarrte. „Das ist, das ist …“, stotterte er, „Das kann nicht sein. Leute wir haben unsere Siegaussichten soeben verzehnfacht.“  
 Cyron hielt eine Maschinenkanone in den Händen.  
 Sie packten alle mit an und schleppten die Gerätschaften, Koffer, Truhen und Waffen auf den Dorfplatz. Als sie fertig und alle Drachen abgeladen waren, scharrten sie sich auf dem Platz zusammen. Cyron, Chiron, Stella, Tarja und auch Casandra hatten sich auf den Dorfbrunnen gestellt um einen besseren Überblick zu bekommen und um sich besseres Gehör verschaffen zu können. Sie erklärten zum wiederholten Male was sie zusammengeführt hat und worum es ging. Die Menge war schon vorab informiert und bereit zu sterben, wenn es darauf ankam.   
 Cyron lächelte Chiron an. „Wer hätte das gedacht?“   
„Ja“, erwiderte er. „Das sind alles ungeahnte Wendungen, und es sieht so aus, als ob wir eine echte Chance hätten in die Basis eindringen zu können und Antworten auf unsere Fragen bekämen.“  
 Sie umarmten sich vor Freude.  
„Okay, dann lasst uns jetzt was essen und trinken“, rief er aus.  
 Die restlichen Dorfbewohner hatten in der Kürze ihre Vorräte zusammenge-kratzt und bewirteten die Gruppe, die jetzt aus … Cyron begann durchzurech-nen, … einem Pegasus, fünf Greifen, zwei Hyänen, sechs Wölfen, zwei Säbel-zahntigern, einer Luchsin nebst Vierpfotler, einem Tigertaur, zwei Fuchstauren, einer Füchsin, vier Stieren, einem Einhorn und zehn Drachen bestand. Hinzu kamen seine Freunde Hadron, Hylas, Pathenon, er selbst und Chiron. Ihre Gruppe bestand also aus insgesamt einundvierzig Personen. Wow, das war mehr als er erwartet hatte. Damit würden sie alles überrennen.   
 Plötzlich legte Stella eine Hand auf seine Schulter. „Mein Liebling“, sagte sie, „wie es aussieht rechnest du gerade unsere Stärke und unsere Chancen durch.“  
 Er sah sie an und nickte.  
„Gut. Ich hoffe, dass du uns auch mit eingerechnet hast.“  
„Was? Ihr wollt mitkommen?“  
 Stella nickte auffordernd.  
 Cyron blickte unsicher zu Chiron und zupfte ihn am Arm. „Du!“  
„Was gibt’s?“  
„Unsere Weibchen wollen mitkommen.“  
 Chiron blickte Cyron in die Augen. „Nein, einen Scherz machst du nicht. Wenn Stella mitkommen will, dann soll sie es tun. Aber Tarja … ich weiß nicht.“  
 Cyron schaute an Chiron vorbei und auf seine Tochter. „Sie ist oben herum sehr üppig und straff geworden.“  
 Chiron nickte. „Ja, sie hat vor zwei Monaten entbunden. Sie konnte aber nicht anders und wollte unbedingt herkommen.“  
 Cyron nickte. „Sie wird Probleme bekommen, wenn kein Junges ihre Milch trinkt.“  
 Chiron zuckte mit den Schultern. „Sie ist erwachsen geworden, auch wenn man vielleicht nicht unbedingt den Eindruck hat. Sie wird wissen, was sie tut und was sie sich zumuten kann.“  
 Cyron schlug die Augenlider nieder und wandte sich seinem Weibchen zu. „Okay, ihr kommt mit. Damit sind wir dann vierundvierzig Personen. - Übri¬gens, wer hat das ganze Grünzeug angeschleppt?“, fragte er sie.  
 Die schaute ihn an und dann in die Runde. „Keine Ahnung, aber den Pflanzen¬fressern scheint es zu schmecken.“  
„Ist ja auch egal.“   
 Er lächelte in die Runde und jeder, den sein Blick traf, lächelte zurück.  
 Tarja erhob sich und stupste Chiron an. Sie nahm ihn bei der Hand und zog ihn in ihr Elternhaus. Stella und Cyron merkten das und zwinkerten sich grin-send zu.   
„Schön, dass das Traumpaar endlich wieder vereint ist“, sagte Hargot. Er hatte sich unbemerkt angeschlichen und sich zu ihnen gesetzt.  
 Der Tigerkater schaute den Ozelot an, zwinkerte ihm verschmitzt zu. „Alter Kuppler. Wie du das wieder gedreht hast.“  
 Der Ozelot legte die Ohren zur Seite und einen unschuldigen Blick auf. „Ich? Ich doch nicht.“  
 Aber er konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen und Cyron knuffte ihn freundschaftlich in den Arm.  
  
 Tarja öffnete die Haustür, trat ein und atmete tief durch. Chiron stand hinter ihr und umarmte sie innig. Sie biss ihm spielerisch in den Arm.  
„Au! Das tat aber weh.“  
„Sollte es auch.“ Sie warf ihren Kopf verführerisch nach hinten und schaute ihn herausfordernd an.  
„So, so. Du möchtest also gefangen werden.“  
„Natürlich oder hast du gedacht, dass ich mich dir einfach so hingebe?“  
 Chirons Jagdlust war geweckt. Er näherte sich Tarja, packte sie, zog sie an sich und küsste sie. Seine Zunge bohrte sich regelrecht in ihren Mund, fand die ihre und beide umschmeichelten sich. Ihr sehr üppiger Busen schmiegte sich an sein Brustfell und plötzlich wurde es feucht. Sie hörten auf sich zu küssen und schauten an ihr herab.  
„Oh, es wird wieder Zeit meine Milch abzumelken.“ Sie ging die Treppe hinauf und ins Badezimmer.  
 Chiron war neugierig und betrat kurz nach ihr die Räumlichkeit. „Kann ich dir behilflich sein?“  
 Sie sah ihn an und schüttelte den Kopf. „Es ist eher eine lästige Aufgabe, die noch ein paar Wochen anhalten wird. Unangenehm ist nur, dass meine Brüste sehr empfindlich sind. Ich hatte eigentlich viele Sachen mit dir vor, aber die müssen erst mal warten.“  
 Sie seufzte und er schaute sie erwartungsvoll an. „Ist doch nicht so schlimm. Das kann warten. Wichtig ist nur, dass du endlich wieder bei mir bist. Wenn du wüsstest, wie sehr du mir gefehlt hast.“  
 Sie war fertig, was man ihrem Brustumfang merkwürdigerweise nicht ansah, nahm einen Waschlappen und wischte sich die Brustwarzen und das umlie-gende Fell sauber.  
„Hast du unserem Welpen schon einen Namen gegeben?“  
„Ja, aber natürlich.“  
„Wie heißt er denn?“  
„Sein Name ist Apophis.“  
 Sie wandte sich Chiron zu, umarmte ihn und kuschelte sich in sein Fell. „Du hast mir auch gefehlt, mehr als du dir vorstellen kannst.“  
 Er hielt sie in den Armen und seufzte leise. So standen sie etwa zwanzig Mi-nuten und hielten sich einfach nur gegenseitig fest.  
 Der Kater öffnete seine Augen und schaute seine Partnerin liebevoll an.  
„Danke“, hauchte sie ihm zu.  
„Danke? Wofür? Ich habe zu danken.“  
„Nein, ich dir.“ Sie küsste ihn voller Zuneigung, löste sich und ging zurück zur Tür.  
 Als beide am Dorfplatz ankamen wurden sie vom Anblick, der sich ihnen bot, vollkommen überrascht. Die AnChafren tanzen auf dem Platz, sie waren aus-gelassen und feierten ihr Zusammentreffen.   
 Cyron sah die beiden auftauchen und ging zu ihnen. „Das ist doch mal ein Ding, was? Wer hätte das gedacht“, sagte er und lachte.   
 Er schaute Chiron an und bemerkte seine leuchtenden Augen. „Na Schwieger¬sohn, alles in Ordnung mit dir?“   
 Chiron sah ihn an und nickte heftig.  
 Tarja hatte die Anrede zwischen ihrem Vater und ihrem Liebsten mitbekom-men und fing an zu strahlen.  
 Das Fest dauerte noch drei weitere Stunden, danach waren alle so müde, dass sie sich in ihre Häuser und zugeteilten Unterkünfte schleppten und stehenden Fußes einschliefen.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 7  
  
 Waffen  
  
  
 Am nächsten Morgen, gegen zehn Uhr, waren auch die letzten erwacht und hatten sich ihren Partykater wegtrainiert, weggeduscht oder weggefrühstückt.   
 So trafen sich um die Mittagszeit herum alle auf dem Dorfplatz und machten sich über die Waffen und anderen Gegenstände her.  
„Dann lasst uns mal sehen was man damit alles machen kann“, sagte Cyron an die anderen gewandt und fuhr fort: „Packt alles zusammen und bringt es auf die Wiese vor dem Dorf.“  
 Der Begriff Wiese war vielleicht etwas untertrieben. Vielmehr handelte es sich um eine Fläche von circa zwei Quadratkilometern, auf der kein Baum und kein Strauch stand. Sie wurde an ihren Rändern lediglich durch Wald begrenzt.   
 Sie stapelten alles um sich herum auf, und setzten sich in einem Halbkreis vor Cyron und Chiron. Ihre Gesichter verrieten eine gewisse Anspannung. Außer-dem hatten sich alle beim Fest damit abgefunden, dass die beiden Tigerkater die Anführer der Gruppe sind und akzeptierten es ohne zu murren, dass die beiden Befehle erteilten. Immerhin hatten sie schon Feindkontakt gehabt und wussten mehr als alle anderen, was sie erwartet.  
 „Okay Leute. Was wir erwarten ist kein Heldenmut und auch kein Drauf-gängertum. Wir möchten nicht, dass sich hier jemand als Held aufspielt und sich und die anderen unnötig in Gefahr bringt. Die Sache wird schon noch brenzlig genug werden“, begann Chiron.   
 Alle nickten und zustimmendes Gemurmel ertönte, aber auch ein Lächeln huschte über das eine oder andere Gesicht.  
„Schön“, sagte Cyron, „dann fangen wir mal an.“  
 Er legte eine gewichtige Miene auf und öffnete die erste Kiste. Darin befan¬den sich nur Papiere. Er durchstöberte einen Packen davon, und sein Gesicht hellte sich auf. „Das sind Baupläne.“  
„Baupläne?“, fragte der Pegasus.  
„Ja, genauer gesagt sind es Baupläne und Bedienungsanleitungen für die Waf-fen, die wir vor uns liegen haben.“  
 Freude erfasste alle und ließ die Herzen schneller schlagen.  
„Weiter, los, mach schon“, sagte einer der Wölfe.  
„Langsam, du wirst es doch wohl noch erwarten können, oder?“, entgegnete ein anderer Wolf.   
 Alle mussten lachen.   
 Cyron grinste Chiron an, dann die anderen und schüttelte den Kopf. „Wun-derbar. Ich habe eine Idee. Wir durchsuchen die Anleitungen, finden die pas-sende Waffe dazu, probieren sie aus, erklären sie kurz und derjenige, der sie unbedingt haben möchte, meldet sich einfach.“  
 Zustimmendes Nicken erfolgte.  
„Superidee“, lobte Chiron, „Dann mal los.“   
 Cyron schnappte sich die erste Anleitung. „Okay, herhören.“   
 Er schaute sich unter den Waffen um und hob ein kleineres, fasst unscheinba-res Gerät hoch. „Bei diesem Gerät handelt es sich um ein Funkgerät. Es sind insgesamt fünfzig Geräte vorhanden. Also kriegt jeder eins. Man kann mit ih-nen über größere Entfernungen kommunizieren. Für den Sprechkontakt sind weder eine Sicht- noch eine direkte Hörverbindung notwendig. Man muss sich nicht mal im gleichen Gebäude oder am gleichen Ort aufhalten.“  
 Cyron hielt den Kopf schief und betrachtete das kleine unscheinbare Kästchen in seiner Hand. Er blickte Chiron an, und der verstand was er vorhatte.   
 Er wühlte kurz in den herumliegenden Gerätschaften und fand eine weitere Kiste, die schon halb geöffnet war, hob den Deckel ganz an und Bingo. Es wa-ren die restlichen Funkgeräte. Er schaute es sich an, trat zu Cyron. Sie schauten auf die Anleitung und drehten an ein paar Knöpfen herum. Plötzlich ertönte eine kurze Tonfolge, dann war es wieder still. Beide schauten wieder auf die Anleitung und nickten sich kurz zu.  
„Gut, wir probieren es jetzt mal aus.“   
 Chiron ging mit dem Funkgerät weg und verschwand hinter der nächsten Hausecke.   
Plötzlich ertönte seine Stimme aus dem Gerät. &lt;„Könnt ihr mich hören?“&gt;  
&lt;„Ja, wir hören dich laut und deutlich.“&gt;  
&lt;„Super. Die Dinger funktionieren scheinbar tadellos. Könnt ihr mich sehen?“&gt;  
&lt;„Nein, können wir nicht. Wo bist du denn?“&gt;  
&lt;„Hier.“&gt;  
&lt;„Wo ist hier?“&gt;  
&lt;„Na hier. Schaut mal nach oben.“&gt; In diesem Augenblick schoss einer der Drachen über ihre Köpfe hinweg und Chiron winkte von seinem Rücken herun-ter.  
&lt;„Okay, lass den Unsinn und komm wieder her damit wir weiter machen kön-nen.“&gt;  
&lt;„Ja, Papa.“&gt;   
 Vereinzeltes Gelächter machte sich breit.  
  
 Stella, Tarja und Casandra, die am Rand saßen und alles miterlebten, verdreh-ten die Augen.   
„Kerle“, murmelte Stella.   
 Cyron legte die Ohren zur Seite und schüttelte den Kopf. „Welpen.“  
 So nach und nach beruhigten sich alle wieder und Cyron teilte die Funkgeräte aus. Damit war einer der ersten Schritte erledigt, wenn auch der kleinste.   
 Chiron kam zurück und gesellte sich wieder zu seinem Schwiegervater. Der klopfte ihm anerkennend auf die Schulter und sie setzten die Vorführung fort.   
 Cyron nahm die nächsten Papiere zur Hand und las sie sich durch. Er zuckte plötzlich zusammen, fand aber sich aber schnell wieder.   
 Die anderen wurden unruhig, aufgrund seiner Reaktion auf das Gelesene. „Okay, Leute. Jetzt wird es ernst. Wir kommen zu den ersten Schusswaffen.“ Er schluckte kurz, gab Chiron die Anleitung, ging zielstrebig auf eine der Kisten zu und öffnete sie. Sein Nicken zeigte an, dass er gefunden hatte, wonach er suchte. Viele machten einen langen Hals um möglichst viel zu sehen.  
 Cyron brachte elf Waffen zum Vorschein und trug sie zu Chiron.  
 Chiron übernahm das Wort: „Tja, also. Hier haben wir elf Impulslaser-Hand-waffen. Die Durchschlagskraft entspricht einem Megawatt, dass sind umge-rechnet und grob geschätzt 10.000 Speere die gleichzeitig an einem Punkt auf ihr Ziel treffen.“  
 Ein Raunen ging durch die Reihen. Mit einer solchen Kraft hatte keiner ge-rechnet.  
„Bleibt ruhig Leute. Das ist erst der Anfang, und das sind, wie es aussieht, die kleinsten Waffen.“  
 Stella war bestürzt und senkte ihren Kopf.   
 Der Fund dieser Waffen war mehr als Gold wert, und ihr wurde bewusst, dass sie ohne diese Waffen niemals eine Chance besessen hätten. Sie wären alle in den sicheren Tod gelaufen.  
„Cyron, willst du weiter machen?“, fragte Chiron.   
 Der nickte, nahm die Anleitung an sich.   
 Chiron schnappte sich einen der Laser und betrachtete die Waffe.  
„Diese Waffe wird über einen Schalter am hinteren Ende aktiviert“, erklärte Cy-ron.   
 Chiron fand den Schalter und betätigte ihn. Ein hohes Pfeifen ertönte, welches seine Frequenz immer mehr erhöhte und letztendlich ganz verschwand.  
„An der linken Seite kann man den Ladezustand ablesen. Ist der Balken grün, ist die Waffe voll aufgeladen, ist er gelb, ist die Waffe halbvoll und ist er im ro-ten Bereich, dann sind nur noch wenige Schüsse drin, bevor sie an die Lade-station muss. Diese Waffe ist im gelben Bereich, ist aber nicht schlimm, da eine Ladestation in einer der Kisten liegen muss. Zumindest steht das hier drin. So, nun wird Chiron die Waffe demonstrieren.“  
 Chiron drehte sich in Richtung des freien Feldes, hob die Hand, in der die Waffe lag und betätigte den Auslöser. Ein dumpfes Fauchen ertönte, mehr nicht. Außer einem Lichtstrahl der am vorderen Ende der Waffe austrat, tat sich nichts, aber da, wo der Lichtstrahl auf den Boden traf, schien dieser bersten zu wollen. Es gab einen ohrenbetäubenden Knall und Erdreich wurde mehrere Meter hoch aufgewirbelt. Die Chafren erschraken und standen auf. Unruhe be-mächtigte sich ihrer und nachdem sich der Staub gelegt hatte, sahen alle ein Bild der Verwüstung. Der Laserstrahl hatte ein Loch von einem guten Meter Durchmesser in den Boden gebrannt und schwarzes teilweise geschmolzenes Erdreich hinterlassen.  
 Cyron schaute bedrückt und Chiron deaktivierte den Impulslaser wieder.   
„Tja, würde sagen“, er räusperte sich, „dass das sehr beeindruckend war.“  
 Es nahmen so nach und nach alle wieder Platz, und es zog auch wieder Ruhe ein.  
„So, es sind nur elf Waffen davon da. Ich würde vorschlagen, dass es am besten ist, wenn wir gleich mal Gruppen aufteilen würden. Die Gruppenführer bekom-men eine solche Handwaffe, für die anderen finden wir auch noch was. Am En-de sollte jede Gruppe von jeder Waffenart mindestens eine haben, damit die Schlagkräfte der Gruppen entsprechend gleich sind und wir am Ende keine Probleme bekommen, wenn wir auf Schwierigkeiten treffen sollten.“  
Chiron ergriff das Wort: „Also, wer meldet sich freiwillig als Gruppenanführer?“   
 Mäßige Anteilnahme.  
 Es schien sich keiner so recht zu trauen, alle hatten zuviel Respekt vor der Macht dieser Waffen.  
„Also Leute, ich bitte euch. Wenn es euch beruhigt, dann nehme ich schon mal eine“, sagte Cyron.   
 Chiron ging zu einer der Kisten und wühlte darin. „Ach ja, hätte ich fast ver-gessen. Es gibt natürlich Trageschlaufen und Tragetaschen für alles.“   
 Er verteilte mit Cyron die Tragetaschen für die Funkgeräte und alle schnallten sie sich um die Hüften.  
„Na, das sieht doch schon mal richtig toll aus, wenn jeder mit einem Gerät am Gürtel behangen ist. Jetzt brauchen wir noch Leute die sich eine Waffe um-schnallen würden, dafür gibt es diese formschönen Trageschlaufen, welche um den Oberschenkel geschnallt werden.“   
 Er fühlte sich wie auf einem Basar, bei dem Versuch eine wertvolle Ware an den Chafre und die Chafra zu bringen.   
 Schließlich stand die Luchsin auf und ging vor. „Ich nehme eine, wenn die Ka-ter nicht genug Männchen sind, dann machen wir Weibchen das.“  
„Gut, hier ist die Waffe und hier der Riemen.“   
 Er übergab die Sachen an das Weibchen. Die schnallte sich das Holster um den rechten Oberschenkel, zog es fest und steckte den Impulslaser mit einer lässigen Bewegung in die Schlaufe. Jetzt kam Bewegung in die Truppe.   
 Gruppe Eins war gebildet. Sie bestand aus der Luchsin als Anführer, ihrem vierpfotigen Säbelzahnfreund, des Weiteren einem Säbelzahntiger, einem Ein-horn und einem Wolf. Sie hatten sich dem mutigen Weibchen spontan ange-schlossen. Ihr vierpfotiger Freund war ihr eh verhaftet und hielt zu ihr wie Pech zu Schwefel.  
„Die erste Gruppe bitte mal etwas abseits setzen“, bat Chiron, „dann verlieren wir nicht den Überblick. Aber bleibt bitte trotzdem dabei. Ihr erhaltet noch wei-tere Waffen.“  
 Die Luchsin nickte und scharrte ihre Getreuen um sich.   
 Die zweite Gruppe war auch schnell gefunden. Anführer wurde der einzige Ti-gertaur in der Truppe, ihm schlossen sich ein Stier, ein Wolf und zwei Greife an.   
 Gruppe drei wurde von einem Wolf angeführt und zu ihr gehörten die beiden Hyänen, ein Greif und ein Stier.   
 Gruppe vier wurde von einer Füchsin, zwei Stieren, einem Säbelzahntiger ge-bildet und von einem Greif angeführt.  
 Die fünfte Gruppe führte der Pegasus an und bestand zusätzlich aus zwei Greifen, einem Wolf und einem Fuchstaur.  
 Die sechste Gruppe bildete der Rest, also ein Fuchstaur und drei Wölfe, wel-che von Hylas angeführt wurden.   
 Die siebte und damit letzte und gesonderte Gruppe bestand aus Cyron als Anführer und aus Pathenon, Chiron, Tarja, Stella, Hadron und Casandra als Mitstreiter.  
„Seid bitte so nett und sammelt euch in den gerade erstellten Gruppen. Bleibt aber hier, denn es geht noch weiter“, rief Cyron in die Unruhe hinein.   
 Vergeblich.   
 Schließlich schrie Chiron kurz in den Tumult: „Huhu! Hallo! Alle mal beruhigen und hier bleiben.“ Er fuchtelte dabei mit den Armen.  
 Die Chafren versammelten sich um ihren jeweiligen Anführer. Chiron und Cy-ron gingen herum und übergaben die Impulslaser sowie die entsprechenden Trageschlaufen.   
 Alle Gruppenführer waren jetzt deutlich erkennbar, da sie einen Gurt um den Oberschenkel geschnallt hatten, in welchem eine absolut tödliche Waffe steck-te.   
 Chiron wühlte in den Papieren und Cyron setzte seine Ausführungen fort: „Die vier übrig gebliebenen Laserwaffen bleiben in Reserve und werden in besonde¬ren Fällen verteilt.“  
 Stella sah ihren Kater an und bewunderte seine Professionalität. Chiron hatte derweil das nächste Schmuckstück gefunden und zeigte die Aufzeichnungen Cyron. Beide betrachteten die Zeichnungen und Erklärungen. Schließlich sah Cyron auf, sich um und zeigte auf die beiden Fuchstauren, den Tigertaur und den Pegasus.  
„Okay, machen wir weiter. Der Fuchstaur, der jetzt gerade Gruppenführer ist, gibt seine Handwaffe bitte an den Stellvertreter ab. Der Pegasus hat das ja, in Ermangelung einer Hand, bereits getan. Wir müssen, wie wir gerade gemerkt haben, etwas abändern, aber das ändert nichts an der jetzigen Aufstellung in-nerhalb der Gruppen.“  
 Das geflügelte Ross und der Fuchstaur sahen sich schief an. Der Pegasus wie-herte leise auf und der Fuchstaur zuckte mit den Schultern. Er übergab den La-ser und dieser landete somit bei einem Greif.  
„Fein. Es freut mich, wenn ich ehrlich sein soll, dass wir hier alle so gut mitein-ander auskommen und es tatsächlich schaffen gemeinsam etwas auf die Beine zustellen.“  
 Alle schauten sich gegenseitig an und nickten sich freundschaftlich zu.   
‚Das ist das Wichtigste. Wir müssen eine Einheit bilden und uns untereinander blind vertrauen können’, sinnierte Cyron.  
 Chiron ging mit den Plänen zu einer weiteren Kiste, öffnete sie und sah hin-ein. Er packte etwas aus einer Verpackung, das sich aus Stirnband entpuppte.   
 An diesem Stirnband hing allerdings noch etwas dran. Auf der einen Seite war eine große Metallplatte erkennbar und auf der anderen eine Art Seil, welches sich aus verschiedensten Farben zusammensetzte. Chiron nahm das Stirnband, hob es hoch und zog an dem Seil. Das schien kein Ende zu nehmen und er fing an es um den Arm zu wickeln. Alle beobachteten gespannt was nun kommen würde. Nachdem der Tigerkater gute vier Meter des Seils auf dem Arm hatte, zog er die große Metallplatte aus der Kiste, welche offensichtlich mit mehreren Befestigungsriemen versehen war. Diese Riemen waren groß genug, dass der Körper eines Taur davon umschlossen werden konnte. Chiron trat mit dem Ganzen einen Schritt auf Cyron zu und bat ihn, ihm zu helfen. Cyron begriff was er vorhatte.  
„Ich möchte den Tigertaur bitten mal zu uns zu kommen“, sagte er schließlich.  
 Der Genannte trat auf die beiden zu und stellte sich vor: „Mein Name ist He-lios.“   
„Helios? Hmhm. Ein schöner Name“, sagte Chiron und Cyron ergänzte: „Gut Helios. Wir schnallen dir jetzt mal eine Plattform um, das ist aber nur die Grundbasis. Am Ende wirst du dich selbst wahrscheinlich nicht wiederer-kennen.“  
 Helios nickte kurz und sie fuhren fort.   
 Cyron nahm eine Decke und legte sie dem Taur auf den Rücken, dann nahm er die Basisplatte, legte sie darüber und hielt sie fest.   
 Chiron machte sich derweil an den Riemen zu schaffen. „Also, dieser Riemen kommt um die Brust und dieser hier um den Bauch“, sinnierte er laut.   
 Er zog die Riemen fest.   
„Wenn sie zu straff sein sollten, sag Bescheid, dann lockern wir die etwas“, er-gänzte er.   
 Der Tigertaur schüttelte den Kopf. „Nein, nein. Ihr macht das sehr gut. Passt bisher perfekt.“   
„Noch besser.“   
 Er nahm einen noch übrig gebliebenen Riemen und betrachtete ihn und den Taur. „Ah. Der ist für die hintere Fixierung. Ähm … entschuldige bitte, wenn ich dich jetzt peinlich berühre.“   
„Wieso peinlich berühren?“   
 Er hatte es gerade ausgesprochen, da war Chiron schon mit dem Riemen hin-ter Helios getreten, fasste unter dessen Schwanzansatz und zog den Riemen unter der Schwanzwurzel hindurch. Der Tigertaur war doch etwas überrascht und grummelte.  
„Ich hatte dich gewarnt.“   
 Er nickte und beruhigte sich wieder.  
„So, damit ist die Basis geschaffen.“   
 Der letzte Riemen war festgezogen und umspannte Helios Leib im hinteren Bereich.   
 Chiron befreite endlich seinen Arm vom vermeintlichen Seil und wandte sich an den Taur: „Bleib mal schön so stehen, wir holen jetzt den Rest deiner Aus-rüstung.“   
 Gesagt, getan.  
 Die beiden Tigerkater gingen zu einer der kleineren Truhen und schauten hin-ein. Sie mussten beide pfeifen. Wieder erzeugte ihre Reaktion, dass einige Häl-se lang wurden, vor allem der von Helios.   
„Das ist ja mal echt ein Ding“, sagte Cyron.   
 Chiron nickte und griff in die Truhe. Cyron packte mit zu und sie beförderten ein Teil zu tage, dass allen den Atem verschlug, schleppten es zu Helios und legten es vor ihm ab.  
„Gut“, sagte Cyron laut genug, dass es alle verstehen konnten, „Bei dieser Waf-fe handelt es sich um eine leichte Laserkanone. Sie ist als Doppelwaffe konstru-iert und entsprechend schwer. Daher wird sie von den Tauren getragen.“   
 Helios sah die vor ihm liegende Waffe an und legte die Ohren an.   
„Keine Sorge, sie ist zwar schwer, wird dich aber nicht übermäßig belasten. Du wirst dich daran gewöhnen.“  
 Der Tigertaur murmelte etwas unverständliches, ergab sich aber in sein Schicksal. Besonders aufmerksam verfolgten alle anderen Tauren, was nun kam.   
 Die beiden Tiger hoben die Doppelwaffe auf, der Taur beugte seinen Ober-körper nach vorne, somit konnte das Gerät über ihn hinweg an seinen Platz ge¬hievt werden. Anschließend setzten sie die Laserkanonen in die entsprechen-den Aussparungen und sie rasteten mit einem lauten Klicken in die Basisplatte ein. Der Rücken des Taur war nun auf der linken und rechten Seite, von je einer Laserkanone flankiert. Die Kanonen hingen mit den Läufen aber ziemlich trau-rig nach unten und das fiel jedem auf.  
„Wie soll er das Ding denn bedienen?“, fragte einer der Fuchstauren, „Immerhin bekomme ich ja wohl auch so ein Teil auf den Rücken geschnallt.“  
 Chiron lächelte. „Das ist ja der Clou bei der Sache.“   
 Er entwirrte das Seil und gab das Stirnband dem Taur in die Hände. „Gut, passt auf. Diese leichten Doppelkanonen werden per Hirnstromsensorik ge-steuert.“ Dabei zeigte er auf das bunte vermeintliche Seil. „Das hier ist nicht einfach ein Seil, sondern das ist das Verbindungskabel zwischen dem Stirn-band, das die Sensoren enthält und der Umsetzeinheit, welche die entnom-menen Daten auswertet und in die Waffensteuerung einspeist.“   
 Chiron erklärte dem Tigertaur kurz wie er das Stirnband anzulegen hat und übergab ihm die Anleitung. „Lies sie dir durch und lerne gut damit umzugehen. Unser aller Leben hängt davon ab.“   
 Helios fühlte sich geehrt.   
 „Okay“, sagte Cyron laut, „Helios wird das Teil jetzt mal ausprobieren und de-monstrieren.“  
 Der Tigertaur zuckte zusammen. „Was soll ich?“  
 Chiron nickte ihm aufmunternd zu. „Nur zu.“   
 Helios las in der Anleitung und Chiron half ihm dabei. „Da. Da steht’s. Okay, nun du.“  
 Der Taur nahm das Stirnband und setzte es auf.   
 Merkwürdig, aber es passte wunderbar. Er griff linksseitig an das Stirnband und betätigte einen kleinen Schalter. Zunächst passierte gar nichts. Plötzlich ertönte ein Brummen und die Motorik der Waffenführung wurde aktiv.   
 Die Laserkanonen hoben ihre Läufe und richteten sich parallel aus, führten links und rechts am Körper des Taur vorbei und er wirkte geradezu bedrohlich. Er betätigte einen weiteren kleinen Schalter diesmal auf der rechten Seite des Stirnbandes und die Laserkanonen erwachten zum Leben. Der Pfeifton den sie von sich gaben ähnelte dem der Handwaffen, war aber wesentlich lauter und schien die gesamte Luft zu erfüllen. Die Anzeige der Waffen war komplett im grünen Bereich.   
 Helios tippte mit einer Hand an das kleine Metallplättchen, welches vom Stirnband immer noch in die Luft und somit von seinem Kopf weg ragte. Die¬ses erwachte ebenfalls und dreht sich vor sein rechtes Auge.  
 „Es ist, es ist …“ Er suchte nach den passenden Worten. „Dieses Plättchen hier, mir fehlen die Worte um es zu beschreiben.“ Er schaute auf die Beschreibungs-unterlagen.   
„Ah!“, rief er, „Es ist ein taktischer Monitor.“  
 Viele machten großen Augen, aber alle blieben diszipliniert sitzen. Keiner wusste was passieren würde. Der Taur dachte nach, las sich die Beschreibung kurz und in einzelnen Abschnitten durch.  
„Jetzt verstehe ich das System“, sagte er plötzlich, „Das ist wirklich interessant. Ich denke es und die Waffen tun es. Er drehte den Kopf nach links und die Waffen folgten mit einem leisen Brummen der Bewegung. Nach rechts ge-schah das Gleiche.   
 Unruhe erfasste sie alle.   
 Chiron und Cyron freuten sich, dass sie so schnell den Umgang mit den Waf-fen lernten.   
 Der Taur drehte den Kopf nach oben und auch hier folgten die Waffen. Als er jedoch den ganzen Oberkörper drehte und ins Schussfeld der linken oder rech-ten Kanone geriet, deaktivierte diese sich automatisch.   
 Damit war auch die Frage geklärt, ob man sich durch eine ungeschickte Kör-perbewegung selbst erschießen könnte. Man konnte es nicht, da die Waffen ihren Träger schützten und sich selbständig seiner Bewegung anpassten.  
 Helios schaute sich um. „Wow“, rief er aus, „Wenn ihr wüsstet was ich alles sehe.“  
„Was siehst du denn“, rief der Pegasus.  
„Wenn ich auf die nähere Umgebung schaue, dann sehe ich auf dem Monitor die Umgebung ganz normal. Schaue ich weiter in Ferne, dann werden entfernt liegende Objekte vergrößert und näher herangeholt.“ Er schaute auf die Be-schreibung. „Der richtige Ausdruck hierfür ist, dass entfernte taktische Ziel-objekte herangezoomt werden und automatisch nach ihrer Gefährlichkeit klas-sifiziert werden. Ungefährliche feststehende Objekte werden nicht markiert, bewegliche oder aktive hellgrün dargestellt, potenzielle Bedrohungen erschei-nen dagegen rot.“  
 Er sah auf und schweifte mit seinem Blick über den entfernt liegenden Wald-rand. „Nichts. Alles im grünen Bereich“, sagte er. „Wenn ich auf lebende Objek-te schaue, dann passiert aber nach wenigen Sekunden das Beeindruckendste. Der Blick ändert sich und der Monitor zeigt Personen im infraroten Bereich. Das heißt, dass ich euch nicht direkt sehe, wohl aber eure Umrisse und die aus-gehende Wärmestrahlung eurer Körper.“  
 Sie schauten fasziniert auf den Taur und lauschten seinen Beschreibungen.  
 Er ging ein Stück in Richtung der freien Wiese und visierte den Waldrand an. Die Anzeige bestätigte seine Vermutung, es bewegte sich nichts. Er stellte sich ein Zielobjekt vor, welches er zerstören will und die Waffen feuerten eine kurze Salve ab. Der Taur ging einen Schritt zurück und alle erschraken. Er deaktivierte seine Waffen und nahm das Stirnband ab.  
 Was war geschehen?   
 Es gab eine riesige Explosion und im Umkreis von zwanzig Metern gab es nur noch verkohltes Erdreich zu sehen. Alle hatten mit einer Wirkung gerechnet, aber nicht mit der, die sich ihnen jetzt bot. Der Taur war betroffen, aber auch stolz eine solche Waffe tragen zu dürfen.  
 Die anderen Tauren und auch der Pegasus waren ganz wild darauf jetzt ihre Waffen zu bekommen. Nach circa einer Stunde waren die beiden Fuchstauren auch ausgerüstet und hatten ihre erste Übung hinter sich gebracht.  
 Jetzt kam der Pegasus an die Reihe. Die beiden Tigerkater Chiron und Cyron gingen zu einer weiteren Kiste, schnappten sich die darin liegende Plattform und gingen genauso vor, wie bei den drei Tauren. Allerdings war diese Platt-form wesentlich größer.   
 Als das geschehen war, öffneten beide eine der großen Truhen und pfiffen anerkennend. „Damit pustet er unsere Feinde ganz allein weg“, meinte Chiron und Cyron seufzte.   
  
 Die Kanonen waren so groß und schwer, dass sie eine davon gemeinsam tra-gen mussten. Am Ende lagen sie beide vor dem Pegasus und der schaute be-troffen drein.  
„Tja, mein Bester. Das ist für dich.“   
 Das geflügelte Pferd, es hieß übrigens Ikarus, nickte kurz und war bereit für seine Aufgabe. Sie wuchteten erst die linke und dann die rechte Laserwaffe auf die Plattform und ließen sie einrasten. Der Kopf des Pegasus wurde ebenfalls mit einem Stirnband umhüllt. Anders als bei den anderen Waffen, wurde diese aber komplett über die Hirnströme gesteuert. Der Pegasus stand da und nichts passierte. Alle wirkten irgendwie ratlos.   
 Dann drehte er aus reiner Verzweiflung die Augen in Richtung des taktischen Monitors und plötzlich kam Bewegung rein. Die Waffen wurden mit Energie gespeist und bewegten sich in ihre Position, der Monitor drehte sich vor das rechte Auge und gab seine Informationen an das Pferd weiter.  
„Wie sieht es eigentlich mit fliegen aus? Ich meine, dass die Last doch nicht ge-rade unerheblich ist“, merkte Chiron an.   
 Der Pegasus nahm dies zum Anlass, es auszuprobieren. Er breitete seine Flü-gel unterhalb der Kanonen aus und fing an mit ihnen zu schlagen. Binnen we-niger Sekunden erhob er sich in die Luft, dreht eine Runde und gab eine Salve auf den Waldrand ab. Alle schrien vor Entsetzen geradezu panisch auf.   
 Der Waldrand schien explodiert zu sein und die Trümmer der getroffenen Bäume flogen fast bis vor ihre Füße.  
„Ach du scheiße“, entfuhr es Tarja.   
 Stella sog die Luft hörbar ein. Cyron grinste und zwinkerte Chiron zu. Er schien genau in seinem Element zu sein. Überhaupt wirkte er so, als ob er nie etwas anderes getan hätte.  
 Ikarus war von der Wirkung seiner Waffen genauso überrascht wie alle Ande-ren und landete etwas unsicher auf dem Boden. Er drehte die Augen kurz nach links oben und der Monitor gab sein rechtes Auge wieder frei und die Waffen deaktivierten sich.  
„Das nenne ich doch mal ne saubere Demonstration“, trumpfte Cyron auf.   
 Er gab dem Pegasus noch die Beschreibung zwischen die Zähne und der setz-te sich zwischen seine Freunde. Einer der Greife nahm sie ihm ab und gemein-sam begannen sie zu lesen.  
„Gut, mal schauen was wir noch schönes haben.“   
 In einer weiteren großen Kiste lagen kleinere Handfeuerwaffen. Es handelte sich dabei um sehr leichte Handlaser. Davon hatten sie gut hundert Stück und nach deren Verteilung besaß somit jeder eine Waffe.  
  
 Alle, bis auf das Einhorn. Alle schauten die QuChafra an. Die Stute kam sich komisch vor, so bar jeder Verteidigung.  
„Keine Sorge, wir haben dich nicht vergessen“, mahnte Chiron alle zur Ruhe.   
 Er winkte dem Einhorn zu, näher zu treten.  
„Mein Name ist Sandra“, sagte sie mit einer glockenhellen Stimme.   
 Cyron klopfte ihr zaghaft auf den Hals. „Hmhm und da du einen wunderbaren Namen hast, bekommst du jetzt auch ganz was Tolles.“  
 Stella schüttelte den Kopf und lächelte etwas. Eines musste sie ihrem Männ-chen lassen, er wusste wie man die Menge motivierte. Chiron schickte sich an, eine der letzten großen Truhen zu öffnen, tat dies auch und Cyron holte aus einer daneben stehenden Kiste die bekannte Plattform hervor.   
 Der Rest lief ab, wie gehabt.   
Die Plattform wurde festgeschnallt und das Sensorenband über die Stirn ge-streift. Jetzt fehlten nur noch die Waffen. Cyron trat zu Chiron, der vor der Tru-he kniete, kniete sich ebenfalls hin und schaute mit hinein. Sie erhoben sich beide, schauten sich an und Chiron blickte über Cyrons Schulter hinweg ver-stohlen zur Einhornstute hinüber.  
 Sie standen eine ganze Weile da, unterhielten sich und schienen unschlüssig zu sein. Cyron ging zu Sandra und flüsterte ihr etwas ins Ohr. Sie folgte ihm daraufhin zur Truhe, vor der immer noch unschlüssig Chiron stand. Sie schaute hinein und staunte.   
 In der Truhe lagen zwei riesige Doppelkanonen. Allerdings sahen die anders aus als die Laserkanonen.  
 Diese hier hatten einen schmalen, schlanken Lauf und keinerlei Energieanzei-gen, stattdessen befanden sich im hinteren Teil mehrere große Trommeln.  
„Meinst du, dass du die Teile tragen kannst?“, fragte Chiron die Stute sorgen-voll.  
 Sie schaute die beiden Tiger an. „Ich denke schon. Versuchen wir es einfach mal, mit ein bisschen Übung werde ich es schon schaffen.“   
 Alle drei seufzten.   
„Was ist denn los, Liebling?“, fragte Tarja, die unbemerkt hinter die drei getre-ten war. Sie beugte sich mit vor und maunzte leise.   
„Was ist mit dir?“, fragte Chiron besorgt, „Fehlt dir was, ist dir nicht gut?“  
„Doch, doch. Geht schon. Ich muss nur kurz ins Haus um was zu erledigen.“ Sie lächelte ihn an.  
„Ah! Ja, alles klar. Beeil dich bitte. Ich möchte nicht auf dich verzichten.“  
 Sie nickte und küsste ihn kurz. Cyron verstand nicht worum es ging und fragte nach.  
„Sie muss mal schnell ins Haus und etwas privates erledigen“, flüsterte Chiron ihm ins Ohr.   
 Cyron nickte bestätigend und sah seiner Tochter besorgt hinterher. Er dreht sich um und montierte mit seinem Schwiegersohn die Doppelgeschütze.   
 Das Einhorn schien die Last gut zu verkraften. Sandra ging ein paar Schritte und meinte dann, dass sie es schon schaffen würde und dass sie es sich schlim-mer vorgestellt hatte. Auch sie probierte ihre Waffen aus und erntete wahre Beifallsstürme für die Vorführung.  
„So, damit hätten wir fast alles durch“, sagte Cyron und trat vor die Gruppen.  
„Jetzt haben wir hier noch drei leichte Maschinenkanonen für AnChafren und fünf Flammenwerfer, außerdem noch drei schwerere Maschinenkanonen für einen QuChafren.“  
 Damit waren die Waffen vergeben. Die leichten Maschinenkanonen wurden an drei der Wölfe übergeben. Sie legten sich den Trage- und Führungsring um die Hüften, rasteten diesen ein, setzten die Waffen auf die Führungsschiene und waren fertig. Die Flammenwerfer gingen an Hadron, Stella, einen der Sä-belzahntiger namens Crown, einen Wolf namens Syrgon und an Tarja, wel¬che sichtlich erleichtert wieder hinzugekommen war.   
 Dem vierpfotigen Säbelzahntiger namens Pedro wurden die schwereren Ma-schinenkanonen umgeschnallt, jeweils eine auf jeder Körperseite und die dritte krönte seinen Rücken und zielte genau über seinen Kopf hinweg. Damit war die Meute ausgestattet und kampfbereit.  
 „So, Leute. Jetzt passt mal auf. Es ist heute schon recht spät geworden. Ich würde sagen, dass wir uns alle auf den Dorfplatz begeben und dort nieder-lassen. Wir werden etwas essen und trinken. Danach kann jeder auf die große Wiese gehen und Zielübungen durchführen. Aber passt auf, dass ihr euch nicht gegenseitig über den Haufen schießt. Wir können auf keinen verzichten.“  
 Chiron fiel plötzlich noch etwas ein. Er wuselte zwischen den Waffenkisten hindurch und rief plötzlich etwas. Die Truppe hielt inne.  
„Eh Leute. Ich habe noch etwas gefunden“, schrie er.   
 Er hatte sich vor einer Truhe aufgebaut, die sie ganz übersehen hatten. Alle kamen näher und versammelten sich um ihn herum. Cyron drängelte sich durch und stand neben Chiron, als dieser das Schloss öffnete und den Deckel anhob. Es kamen Maschinengewehre zum Vorschein und es waren so viele, dass jeder eines davon bekommen würde. Sie verteilten sie und die Empfänger hängten sie sich über die Schultern. Außerdem bekam jeder noch eine Maga-zintasche und drei Ersatzmagazine.  
„Wunderbar“, sagte Cyron schließlich, „Das ist einfach super gelaufen. Damit müssten wir wirklich für alle Eventualitäten gerüstet sein.“  
 Chiron klopfte ihm anerkennend auf die Schulter und nickte. Während die Anderen auf den Dorfplatz gingen und ihren Hunger stillten, packten Cyron, Chiron, nebst Partnerinnen sowie Pathenon und Hadron die Kisten zusammen und stapelten sie auf einen Haufen.   
 Dabei fielen Hadron weitere Anleitungen in die Hände.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 8  
  
 Hinweise  
  
  
„Eh, seht euch das mal an“, sagte Hadron.   
 Sie steckten ihre Köpfe zusammen. Anschließend waren nur noch leises Pfei-fen, Maunzen, Raunen und Seufzen zu vernehmen.  
 Hadron hatte etwas sehr wichtiges gefunden. Es handelte sich bei den ver-meintlichen Anleitungen, um Bau- und Lagepläne für die unbekannte Basis im Urwald und außerdem für eine weitere Basis im Gebirge.  
„Das wird ja immer interessanter“, entfuhr es Stella.  
„Jetzt sind es schon zwei Basen“, merkte Hadron an.  
„Nein“, sagte Pathenon plötzlich, „es sind drei Basen. Zwei kleinere deren Lage-pläne wir vor uns haben und eine wesentlich größere. Da gibt es aber nur ei-nen Hinweis und keinen genauen Plan. Außerdem scheinen die Basen unter-schiedlich stark bewaffnet und auch ausgerüstet zu sein. Weiterhin steht hier ein Hinweis auf eine Waffe, die wir nicht haben und die sich in der Basis im Ur-wald befindet. Es gibt keine Aussage darüber, ob diese Waffe aktiv ist und um was genau es sich handelt.“  
„Was? Zeig mal her“, sagte Cyron und nahm ihm die Papiere aus der Hand.   
 Pathenon zeigte auf die entsprechenden Textpassagen und Zeichnungen.   
„Das ist ja besser als gedacht. Die Basis im Urwald scheint stärker ausgerüstet zu sein, als die in den Bergen. Die große Zentralbasis, liegt angeblich auf der Rückseite unseres Planeten“, hub Cyron an.  
 „Unmöglich“, wetterte Hadron, „Auf der Rückseite befindet sich nur Wasser.“  
„Das mag ja sein. Aber hier steht, dass es so ist. Und keiner von uns weiß, wie es auf der Rückseite wirklich aussieht, da niemand bisher dort war.“  
 Hadron nickte und musste das Argument einsehen.  
„Tja und so wie es aussieht befindet sich die Waffe um die es geht in der Ur-waldbasis, allerdings braucht man einen elektronischen Schlüssel und der liegt in der Gebirgsbasis.“  
„Wird auch erwähnt um was für eine Waffe es sich handelt?“, fragte Tarja.  
„Nein. Ich glaube nicht. Moment mal. Doch, hier steht etwas darüber:  
  
 … taktische Datengrundlagen sind aus Gründen der Sicherheit verschlüsselt und topsecret. Die technischen Grundrisse befinden sich in der Gebirgsbasis in einem Tresor. Die Mecheinheit ist momentan ein Prototyp, aber voll einsatz-fähig und kampfbereit. Sie steht in der Urwaldbasis unter Verschluss und befin-det sich hinter Panzerstahl in einem Kellergewölbe. Geschützt wird der Zutritt durch automatische Laserkanonen mit Bewegungssensoren sowie zeit- und bewegungsgesteuerte Sprengladungen. Ihre Deaktivierung kann nur über den Schlüssel erfolgen.   
 Ein zweiter Ersatzschlüssel liegt allerdings innerhalb der zentralen Basis des Planeten. Im Tresor der Gebirgsbasis liegt zusätzlich noch ein Zettel auf dem die Schlüsselcodes notiert sind. Sollte der Schlüssel abhanden kommen, kann man die Codierung manuell über ein Terminal eingeben und damit die Sicher-heitseinrichtungen deaktivieren. Passen sie auf, wenn sie die Kellergewölbe be-treten und der Code unvollständig war. Eine bruchstückhafte Eingabe führt da-zu, dass ein Teil der Sicherheitsautomatik nicht deaktiviert wird. Beim betreten der Räume werden zusätzlich Messerdrohnen auf Angriff geschaltet.  
  
Viel Glück“  
  
 Den Namen des Unterschreibenden konnte man nicht mehr entziffern, er fing lediglich mit einem C an.  
„Messerdrohnen?“, fragte Tarja.   
„Hört sich nach einem ziemlich üblen Waffensystem an“, antwortete Chiron.  
„Tja“, schloss Cyron. „Das ist wirklich ne Sache, was?“  
„Ich schlage vor, wir gehen auch auf den Dorfplatz und essen erstmal was“, sagte Tarja.  
„Gute Idee. Und dann werden wir uns beratschlagen und überlegen was wir tun und wo wir zuerst hingehen.“ Cyron nickte und auch die anderen waren einverstanden.  
 Auf dem Dorfplatz angekommen, setzten sie sich an den Rand und aßen Fleisch, das ihnen eine der Dorfbewohnerinnen gab. Nach dreißig Minuten schienen alle fertig zu sein und begannen über Götter und die Welt zu reden. Sie betrachteten ihre Waffen und machten dumme Sprüche.   
 Cyron stand auf und ging in die Mitte des Platzes. „Hallo, hört mir mal bitte zu.“  
 Es zog Stille ein.   
„Wir haben da noch Aufzeichnungen gefunden, die wir euch nicht vorenthalten möchten.“  
 Er las die betreffenden Textpassagen vor. Die Stille fand ein jähes Ende. Alle redeten durcheinander und diskutierten.  
„Hey, hallo!“, schrie Chiron.  
 Die Menge beruhigte sich schwerlich.  
„Es geht jetzt darum, dass wir überlegen sollten, welche von den zwei Basen wir zuerst erkunden. Die im Gebirge oder die im Urwald? Die Basis auf der Rückseite fällt, denke ich, erst mal aus, da wir nicht genug Informationen da-rüber haben und diese garantiert in einer der anderen Basen finden.“  
 Wieder wurde es laut und die Diskussionen flammten erneut auf.  
„Was denkt ihr, wo wir zuerst hin sollten?“, rief Tarja in die Menge.  
 Plötzlich herrschte absolute Stille und alle starrten die junge Tigerin an. Sie stand da und sah in die Runde. Alle schauten zu ihr auf und bemerkten, dass sich an ihren Brustwarzen Milchtropfen bildeten und an ihrem Fell herunter perlten. Wenn bis dahin keiner gemerkt hatte, dass sie in der Stillphase war, jetzt wussten es alle und staunten.   
 Einer der Wölfe stand auf: „Sag du uns, wohin wir zuerst gehen sollen. Wenn du uns den Weg weist, dann folgen wir dir. Sei du unsere Anführerin und wir folgen dir gern.“  
 Cyron schaute sich verwirrt um und schaute dann Chiron an, aber der hatte nur einen ziemlich merkwürdigen Gesichtsausdruck. Zustimmendes Gemurmel brandete Tarja entgegen. Sie war die neue Anführerin und wusste, dass ihr die Truppe folgen würde. Was auch immer es ausgelöst haben mochte, was auch immer es bedeuten sollte, Tarja sollte die Nummer eins sein.  
 Spontan fielen ihr Chirons Worte wieder ein, die er ihr bei ihrer ersten Begeg-nung sagte und das Puzzle schien sich zu einem Bild zu verdichten. Er musste diesen Augenblick erahnt haben.  
 Da standen sie nun, dreiundvierzig Chafren um sie versammelt und diese er-warteten einen Satz von ihr. „Wir werden morgen früh ins Gebirge ziehen und die erste Basis erforschen.“  
 Jubel und Beifall von den anderen, auch von Cyron und Chiron, die sich ent-machtet fühlten, aber es nicht bereuten. Tarja sprach aus, was sie schon vorab gedacht hatten. Sie hatte eine Entscheidung getroffen und es war in ihren Au-gen die richtige. Die junge Tigerin lächelte, nein sie grinste und drehte sich zu ihrem Kater um. Sie fiel ihm in die Arme: „Jetzt verstehe ich es. Jetzt verstehe ich, was du mir damals gesagt hattest.“  
 Er nahm sie in die Arme und drückte sie sanft an sich.   
 Mittlerweile war sehr spät geworden und die Dunkelheit senkte sich über das Dorf. Die Kampftruppe hatte sich aufgelöst, die Waffen abgelegt und war in ih-re Unterkünfte gezogen.   
 Tarja, ihr geliebter Kater, ihre Eltern sowie Casandra und der Ozelot Hargot saßen in ihrem Haus und redeten miteinander. Stella hatte mehrere Flaschen Wein auf den Tisch gestellt und es sollte ein gemütlicher Abend werden, denn immerhin wusste keiner, ob und wann es wieder so sein würde.  
 Alle waren mächtig aufgeregt, außer Chiron. Der druckste herum und war ver-dächtig still.  
 Tarja schaute ihn an: „Stimmt was nicht? Sag mir was dich bedrückt.“  
 Er hatte einen merkwürdig verschlossenen Blick und keiner konnte sich daran erinnern ihn je so gesehen zu haben.  
 Er seufzte: „Ich glaube, ich muss euch was sagen.“  
 Alle horchten auf.   
„Na, so schlimm wird es wohl nicht sein“, ermunterte ihn Tarja.  
„Es ist vielleicht schlimmer als du denkst, und ich fürchte euch damit einen Schock zu versetzen.“  
 Cyron stutzte, Stella schaute ihn verwirrt an, Tarja hielt den Kopf schief, legte die Ohren an und Casandra und Hargot lächelten ihm freundlich ins Gesicht.  
„Nur zu“, forderte ihn Casandra auf und nickte.  
„Ich bin nicht der, für den ihr mich haltet und ich denke jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, mit offenen Karten zu spielen.“  
 Sie schauten sich gegenseitig an und dann wieder zu Chiron.   
„Was willst du uns damit sagen?“, fragte Cyron sichtlich beunruhigt.  
„Nun ja“, fuhr Chiron fort, „ich bin schon der den ihr kennt, da gibt es keinen Zweifel. Aber ich bin doch etwas anderes.“   
 Ihm fiel es schwer sich auszudrücken.  
 Er gab sich einen Ruck und platzte mit der Wahrheit heraus. „Ich bin Chiron, aber ich habe das alles schon mal erlebt, wenn auch anders und mit katastro-phalen Folgen.“  
„Wie meinst du das?“, fragte Tarja und legte die Ohren flach an den Kopf.  
„Na ja, ich bin durch die Zeit gereist.“  
 Die anderen saßen am Tisch, guckten ihn dumm an und plötzlich fing Stella an zu lachen.  
„Warum lachst du?“, fragte Chiron.  
„Nichts, schon gut. Das hört sich nur so albern an.“ Sie winkte ab und versuchte sich zu beruhigen.  
„Das ist überhaupt nicht albern, sondern die Wahrheit“, herrschte er sie an.  
 Ihr verging das Lachen schlagartig, da sie merkte, dass er es ernst meint. Ihre Augen wurden größer und sie starrte ihn an. „Wie kann das alles sein?“  
 „Das werde ich euch gerne erklären. In der Zeitlinie, in der ich ursprünglich lebte, lief das hier alles ganz anders ab. Wir hatten uns zwar auch getroffen, aber wesentlich später. Unsere Truppe bestand aus nur zehn AnChafren und war lediglich mit Bögen und Speeren bewaffnet. Wir entschlossen uns in die Urwaldbasis einzudringen, nachdem die Kampfroboter das Dorf angegriffen hatten und fast die Hälfte der Bewohner töteten. Auf dem Weg zur Basis fielen die ersten zwei, es waren Hylas und Hadron.“  
 Cyron zuckte zusammen, die anderen starrten Chiron nur entsetzt an.  
„Wir erreichten die Basis, aber die Kampfroboter waren überall. Irgendwie schafften wir es jedoch in die Basis einzudringen. Nicht sehr tief, aber es reich¬te aus um etwas von der Technologie zu sehen und sie zu verstehen. Wir fan¬den einen Flugschlitten, wesentlich schneller als jeder Drache und übernahmen ihn. Wir flohen aus der Basis und flogen ins Dorf.   
 Was wir nicht bedacht hatten war, dass die Roboter ausgerückt waren und im Dorf patrouillierten. Wir befanden uns im Landeanflug, als wir angegriffen wurden. Drei von uns starben auf der Stelle, es waren Pathenon, Stella und Tar-ja. Cyron und ich flohen ins Gebirge und fanden letztendlich die Höhle mit dem Waffenarsenal.   
 Wir erkannten, dass wir diese Waffen vorher gebraucht hätten und sie mittler-weile sinnlos geworden waren. In einer Seitenhöhle fanden wir eine Maschine. Wir studierten sie und begriffen, dass es sich um ein Zeitportal handelte. Unser Plan stand damit fest. Wir schafften die ganzen Waffen an einen Ort, an dem man sie bestimmt finden würde. Außerdem sammelten wir alle Bedienungsan-leitungen zusammen und legten sie zu den Waffen dazu.   
 Manche der Geräte hätten wir in ihrem Ursprungszustand nicht benutzen können. Somit machten wir uns ans Werk und modifizierten viele von ihnen und bauten fehlende Gerätschaften nach. Am Ende waren wir uns sicher, dass die Stückzahl ausreichend sein würde für eine schlagkräftige Armee und dass die Modifikationen alle Fälle abdecken würden. Wir schickten alles durch die Zeit.  
 Ich setzte noch ein Schreiben auf, in welchem ich indirekte Hinweise gab, wo wir zuerst suchen sollten und was uns erwarten würde. Ich wusste nicht, ob mein Gedächtnis die Zeitreise überstehen würde, daher bin ich auf Nummer si-cher gegangen. Ich legte den Zettel mit zu den Unterlagen, so dass er garan-tiert gefunden würde.   
 Nachdem alles geklärt war, entschied sich Cyron dafür, mich durch die Zeit zurückzuschicken. Er selbst wollte dafür sorgen, dass es keine Spuren gibt und dass man mich nicht verfolgen kann. Er legte Sprengladungen in der Seiten-höhle.   
 Als ich in dieser Zeitebene ankam, wusste ich sofort was zu tun ist. Ich mar-schierte ins Gebirge und schaute nach, ob unser Plan geglückt war.   
Ich fand die gesuchten Waffen genau dort, wo wir sie gelagert hatten. Alles andere war ein Kinderspiel. Ich ging ins Dorf zu Hargot und traf dort auf Tarja. Es war zwar ein echter Zufall, aber ein sehr glücklicher. Ich lernte sie wesentlich früher kennen und lieben. Ich merkte, dass uns jetzt genug Zeit blieb um das Rad der Geschichte zu unseren Gunsten zu drehen. Alles entwickelte sich zu meiner Zufriedenheit, bis zu dem Zeitpunkt als uns die Roboter an meiner Hüt-te angriffen. Da hatte ich die Befürchtung, dass es aus ist. Als dann jedoch die Drachen mit den Waffen und den anderen Leuten auftauchten war ich mir si-cher, dass sich alles so entwickeln würde wie es geplant war.“  
 Cyron ließ die Luft hörbar entweichen.   
 Alle starrten Chiron an.  
„Warum hast du es nicht vorher gesagt?“, fragte Stella.  
 Tarja beantwortete ihre Frage: „Weil wir sonst das Ziel gekannt hätten und der Weg dahin verfälscht worden wäre. Das wiederum hätte auch das Ergebnis zunichte machen können.“  
 Chiron nickte eifrig. „Tarja hat die Worte verstanden, die ich ihr bei unserem ersten Treffen mit auf den Weg gab.“  
„Und nun?“, fragte Cyron, „Ich meine, was passiert als nächstes?“  
„Das kann ich nicht sagen, weil ich es nicht weiß. Die aktuelle Zeitlinie verläuft anders und darüber habe ich keine Informationen.“  
„Wo ist der ursprüngliche Chiron aus unserer Zeitlinie?“, fragte Stella verunsi-chert.  
„Den gibt es nicht, den hat es nie gegeben. Durch mein Auftauchen hier, habe ich die Zeit allein schon durch meine Anwesenheit verändert. Dadurch hat es einen anderen Chiron, hier und jetzt, niemals gegeben. Die Zeitachse in der ein Chiron lebte, bevor ich eintraf ist unterbrochen worden und direkt in die Zeitli-nie übergegangen die wir jetzt erleben.“  
„Du meinst, für den Chiron den wir nicht kannten, geht die Zeit normal weiter und auch für unsere anderen Ich’s. Aber dadurch, dass du zu uns und unseren jetzigen und hier anwesenden Ich’s gekommen bist, hast du uns und unsere Zukunft verändert.“  
 Chiron nickte. „Ja, für unsere anderen Ich’s, die vor meinem Eintreffen lebten, geht die Zeit auf ihrer Linie normal weiter und sie werden auch anderes erle-ben oder teilweise nicht mehr erleben.   
Für uns spielt das aber keine Rolle. Wir leben hier und jetzt. So wie wir es erlebt haben und erleben werden. Alles andere spielt dabei keine Rolle mehr und sollte uns auch nicht interessieren.“  
 Das war aber mal ein starker Tobak.  
„Wir sollten es den Anderen nicht sagen“, ergänzte Cyron, „Die wären damit vielleicht überfordert, zumindest schwirrt mir der Kopf.“  
 Sie nickten zustimmend.  
 Tarja stand auf und ging zu Chiron. Sie streichelte ihn und kuschelte sich in sein Fell. „Du hast mich einmal verloren, ein zweites Mal wird das nicht gesche-hen“, sagte sie.  
 Er schloss die Augen und hielt sie fest in seinen Armen.   
 Sie saßen noch lange am Tisch, tranken das eine und andere Glas Wein und entspannten sich beim Plausch über Belanglosigkeiten. An Chirons Geschichte wollte keiner mehr denken.   
 Als es schon spät in der Nacht war, gingen sie zu Bett und fielen in einen tie-fen unruhigen Schlaf.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 9  
  
 im Gebirge  
  
  
 Am nächsten Morgen trafen sich alle auf dem Dorfplatz und marschierten ge-meinsam zum Flussufer, wo die Drachen ruhten.  
„Guten Morgen, Tiger Cyron“, rief Groodarn erfreut. „Was habt ihr als nächstes vor?“  
„Wir fliegen ins Gebirge, dort befindet sich unser erstes Ziel. Außerdem gibt es ein paar sehr interessante Neuigkeiten.“  
 Sie überprüften ihre Ausrüstungen, packten Lebensmittelvorräte in die Ta-schen, bestiegen alle die Drachen, schnallten sich fest und die Reise begann.  
 Zuerst war das Gebirge nur ein graubrauner Schatten am Horizont, wurde aber schnell größer.  
 Zwischendurch wurde die eine oder andere Rast eingelegt, im Zuge derer sich alle etwas ausruhen konnten, das Ziel jedoch rückte unaufhaltsam näher. Die Stimmung wurde langsam, aber sicher, gedrückter. Plötzlich schien es keiner mehr so eilig zu haben, aktiv in die Geschehnisse einzugreifen.  
 Nach Stunden des Fluges kamen sie schließlich am Fuß der Felsen an.  
„Okay“, sagte Tarja, „wir werden hier absitzen und den Rest des Weges zu Fuß gehen. Teilt euch in eure Gruppen auf, bleibt innerhalb der Gruppen dicht bei-einander, aber nicht zu dicht. Die Gruppen sollten zueinander einen größeren Abstand einhalten. Haltet die Augen offen und Ohren gespitzt. Achtet auf alles was euch verdächtig vorkommt, und gebt sofort Bescheid, wenn ihr etwas ent-deckt.“  
 Gemurmel bestätigte Tarjas Anweisung und die Truppe zog los.   
 Tarja wandte sich an Groodarn: „Wenn ihr wollt, könnt ihr in eure Höhlen zu-rückkehren. Wir rufen euch, wenn wir euch benötigen.“  
 Groodarn nickte und lächelte gütig. Er stieß einen Schrei aus und die Drachen erhoben sich, um im Gebirge ihre Ruheplätze aufzusuchen.  
 In den ersten Minuten des Weges passierte nichts, alle suchte nach einem Weg für den Aufstieg.   
 Cyron gesellte sich zu Tarja. „Vielleicht war die Idee von hier unten, und vor allem zu Fuß, anzufangen schlecht. Wir wissen nicht wo wir suchen sollen und vor allem wissen wir nicht mal auf was wir achten müssen, um die Basis ausfin-dig zu machen“, gab er zu bedenken.  
„Vertraue mir, ich habe so ein Gefühl, dass wir hier richtig sind und den Ein-gang zur Basis sehr schnell finden werden“, hielt Tarja dagegen.  
 Cyron seufzte. „Wir sollten, wenn wir den Zugang nicht finden, noch vor Ein-bruch der Dunkelheit ein Lager aufschlagen“, ergänzte der Kater.  
 Tarja nickte nur.  
„Du hast dich innerhalb kürzester Zeit gewandelt“, setzte er seine Gedanken fort, „Du bist erwachsener geworden, reifer und hast dich zu einer sehr ausge-prägt weiblichen Raubkatze, mit einer starken Persönlichkeit entwickelt.“  
 Tarja sah ihn an, lächelte und erwiderte, dass sie auch einen ausgezeichneten Lehrer hatte.  
 Cyron schüttelte den Kopf und legte die Ohren an. „Nein, ich bin zwar dein Vater und habe eine gewisse Vorbildfunktion, aber ich bin nicht unfehlbar und gebe auch keinen guten Lehrer ab.“  
„Oh doch. Du bist besser als du denkst und Fehler haben wir alle.“  
 Der Tiger blieb stehen, nahm seine Tochter am Arm und drückte sie an sich.   
 Chiron kam von hinten heran und trat hinzu. „Eh, würdet ihr wohl mal damit aufhören. Erstens ist das meine Tigerin, zweitens wird sie noch gebraucht und drittens sieht das nicht besonders gut aus, wenn ich sie mit Knautschfalten hei-rate. Zerknautschen werde ich sie schon noch zur Genüge.“  
 Die beiden ließen sich wieder los und Tarja drehte sich abrupt zu Chiron um. „Soll das etwa heißen …. Dass du mir hier und jetzt einen Antrag machst?“   
 Ihre Augen funkelten mit einer Mischung aus Überraschung und einem An-flug von leichtem Irrsinn, im Hinblick auf die absolut bizarre Situation.  
 Chiron nickte unbeirrt.  
 Tarjas Augen begannen klarer zu leuchten. Sie fiel ihrem Geliebten um den Hals.   
 Cyron schloss die Augen und atmete tief durch. ‚Endlich’, dachte er. ‚Endlich hat er sich getraut zu fragen.’  
 Sie gingen ein paar Schritte schneller, um den Anschluss an die Anderen wie-der herzustellen.   
 Es vergingen Stunden des Suchens. Nichts, überhaupt nichts. Die Felsforma-tion schien unüberwindbar und zeigte keinerlei Aufstiegschancen.  
 Tarja war am Verzweifeln. „Habe ich doch eine falsche Entscheidung getrof-fen?“, fragte sie an Chiron gewandt.  
„Nein. Bleib ganz ruhig. Keiner hat damit gerechnet, dass wir hier ankommen und alle Tore weit offen stehen.“  
 Tarja schüttelte den Kopf. „Trotzdem, vielleicht hätte einer von uns einen Er-kundungsflug, mit einem der Drachen, machen sollen.“  
„Und dann?“  
„Dann hätten wir uns die Sucherei bestimmt erspart.“  
„Das denkst du. Es hätte aber auch anders kommen können. Der Drache hätte entdeckt und abgeschossen werden können.“  
„Wieso das? Die Drachen fliegen hier schon so lange wir leben.“  
„Nein. Ihre Stadt liegt weiter südwestlich und Minzin und Taurel viel weiter öst-lich. Hier, wo wir sind, ist vorher noch niemand gewesen. Wenn ein Erkun-dungsflug stattgefunden hätte, dann hätten wir unter Umständen schlafende Hunde geweckt und das Überraschungsmoment ist bisher auf unserer Seite.“   
 Das war zweifellos einleuchtend.  
 Plötzlich schrie jemand etwas. Unruhe bemächtigte sich der Truppe und alle rannten in die Richtung, aus der der Schrei gekommen war. Tumultartige Auf-regung erfasste viele.  
„Leute, jetzt bleibt doch mal ganz ruhig“, rief Cyron, „Wenn wir so einen Auf-stand veranstalten, dann weiß doch gleich jeder, dass wir hier sind.“  
 Die Gruppen beruhigten sich schlagartig. Es hatte sich eine Traube gebildet, in deren Zentrum derjenige stand, der den Schrei ausgestoßen hatte und hin-ter ihm befand sich – Cyron bekam leuchtende Augen – ein schmaler Durchlass ins Innere der Felswand.   
 Cyron blickte seine Tochter an und schaute in Richtung Himmel. „Es ist schon spät geworden. Es sind noch geschätzte zwei Stunden bis zum Sonnenunter-gang. Wir schlagen hier unser Lager auf und machen gemeinsam in der Mor-gendämmerung weiter.“  
„Wir sollten vier Chafren auswählen, die sich die Sache mal kurz näher ansehen und den Durchlass sichern. Immerhin wissen wir nicht wo er hinführt und ob es auch der richtige ist“, gab Helios zu bedenken.  
 Tarja nickte kurz. „Okay. Drei Freiwillige vor, die Mut haben mit mir einen Spähtrupp zu bilden.“  
 Der Tigertaur trat vor. „Ich komme mit, denn schließlich war es meine Idee.“  
 Dann traten noch die Luchsin und ihr großer Schatten hinzu.  
„Sehr gut. Die Anderen bauen inzwischen schon mal das Lager auf und über-prüfen die Ausrüstung und die Vorräte.“ Und an die drei gewandt: „Auf geht’s.“  
  
  
  
  
  
 Kapitel 10  
  
 erste Kontakte  
  
  
 Der Durchlass war zwar recht schmal, aber die Gruppe hatte keine Probleme hindurchzugehen.  
„Für den Pegasus und das Einhorn dürfte es ziemlich eng werden“, stellte die Luchsin fest.  
„Ja, du hast Recht. Notfalls müssen wir sie draußen lassen. Ich denke, dass es sowieso das Beste sein wird, wenn morgen nicht alle mitkämen und ein paar zur Absicherung, vor den Felsen, blieben“, entgegnete Tarja.  
 Alle nickten zustimmend und setzten den Weg fort. Der Felsspalt war nach oben hin offen und es drang genügend Licht hindurch, so dass genügend zu erkennen war. Aber nach circa dreihundert Metern war Schluss. Der Weg machte eine Gabelung und führte in zwei Grotten hinein.  
„Und jetzt?“, fragte Helios.  
„Wir versuchen es mit dem linken Weg“, entschied Tarja.  
Die vier gingen vorsichtig weiter und es wurde immer dunkler. Nach nur zwan-zig Metern blieb Tarja unvermittelt stehen.  
„Was ist los?“, fragte der vierpfotige Säbelzahntiger.  
„Keine Ahnung“, erwiderte Tarja, „ich dachte, ich hätte was gehört.“   
 Sie lauschten angestrengt, aber es war ruhig, irgendwie zu ruhig. Plötzlich flammte Licht auf und die Katzen zuckten zusammen.  
„Verdammt“, entfuhr es der Luchsin, „damit dürfte das Überraschungsmoment futsch sein.“  
 Sie verharrten mehrere Minuten an Ort und Stelle.   
Das Licht war sehr gleichmäßig und nicht zu grell. Es schien direkt aus der Fel-sendecke zu kommen. Sie sahen sich um.  
„Wie sind eigentlich eure Namen?“, fragte Tarja beiläufig.   
 Der Tigertaur antwortete als erster: „Mein Name ist Helios.“  
„Ich weiß“, entgegnete Tarja, „er fiel schon bei der Waffenverteilung.“   
 Der Taur nickte.  
„Ich meinte eigentlich euch beide.“ Sie schaute die Luchsin an, welche ange-strengt den Weg hinabsah.   
„Mein Name ist Kira und mein Freund heißt Pedro.“  
 Tarja lächelte. „Es freut mich, euch kennenzulernen.“  
„Ganz unsererseits, Tarja.“  
„Okay. Was meint ihr. Gehen wir weiter oder kehren wir besser um?“  
„Die Überraschung ist eh verpatzt, da können wir auch weitergehen“, sagte Kira und deutete in die weitere Richtung, in die sie immer noch starrte.  
„Gut, dann gehen wir weiter.“   
 Sie verteilten sich etwas und rückten näher an die Wände der Grotte heran, um nicht zu zentral auf dem Weg zu stehen.  
„Bleibt dicht an den Wänden“, sagte Pedro, „Auf dem Weg geben wir ein zu gutes Ziel ab.“  
„Ein Ziel? Fragt sich nur für wen?“ Helios' Worte klangen mehr als sarkastisch.  
 Tarja ging vor, Helios war dicht hinter ihr und parallel dazu, auf der anderen Seite der Felswand, rückten Kira und Pedro vor. Sie suchten sehr penibel die Wände und die Decke ab, um nicht in einen Hinterhalt zu geraten.   
 So bewegten sie sich etwa sechshundert Meter weiter in die Grotte hinein, dann ging diese in einen schmaleren Weg über und bog wenige Meter weiter nach rechts ab. Hinter dieser Biegung erkannte man ein schwaches bläuliches Leuchten. Sie blieben stehen und sahen sich an.   
 Urplötzlich rannte Kira in den Gang hinein, machte einen Überschlag, rollte geschickt ab und landete gehockt auf ihren Beinen. Tarja pfiff leise und aner-kennend. Pedro schien vor Stolz zehn Zentimeter größer zu werden. Alle sahen zu Kira und es passierte nichts.   
 Sie drehte sich zu den anderen und winkte ihnen zu, stand vor einer undurch-sichtigen, bläulich schimmernden Wand.   
 Helios nahm einen Stein und warf ihn dagegen. Es zischte, als der Stein ver-dampfte und von der Wand war ein deutliches Brummen zu vernehmen.  
„Was ist das?“, fragte er.  
„Keine Ahnung“, antwortete Tarja, „Auf jeden Fall kommen wir hier nicht weiter. Also lasst uns den Weg zurückgehen und es mit dem anderen Gang versu-chen.“  
 Kira nickte und klopfte dem Taur auf den Hintern. „Wamanos“, sagte sie noch und übernahm die Spitze.  
 Sie gingen den Weg, den sie gekommen waren, zurück und erreichten die Weggabelung, an der sie anfangs gestanden hatten. Jetzt versuchten sie es mit dem den anderen Gang.   
 Er führte sehr weit in den Felsen hinein und nach circa zwei Kilometern er-reichten sie eine Höhle und erstarrten.   
 Sie war angefüllt mit Geräten, die sie noch nie gesehen hatten. In der Mitte waren verschiedene Sachen aufgebaut. Einige davon waren mit Kabeln unter-einander verbunden. Einige waren kastenförmig und erinnerten an die kleinen taktischen Monitore an den automatischen Waffen, die auch Helios auf dem Rücken trug. Nur waren diese hier wesentlich größer.   
 Um diese Ansammlung an Geräten herum lagen Kisten und Kästen verstreut. Viele davon waren geöffnet und Spinnen hatten sich in ihnen einquartiert. Ei-nige waren verschlossen.  
„Die kriegen wir nicht auf“, meinte Tarja.  
„Warum so umständlich Tigerin? Wofür haben wir unsere Laserwaffen?“  
 Jetzt fiel ihnen plötzlich ein, dass sie nicht unbewaffnet waren und die Laser-strahler einen guten Schlüssel abgeben konnten. Kira zog ihren Strahler, akti-vierte ihn und drückte auf den Auslöser. Fauchend entwickelten die Strah¬len ihre Kraft und das Schloss explodierte. Sie traten an die Kiste, öffneten sie, es befanden sich jede Menge Papiere darin, wühlten etwas darin herum und überflogen die Schrift. Es handelte sich um Zahlenkombinationen, Bedienungs-anweisungen für Computer, Vorschriftentexte und die Beschreibung von Kon-trollmechanismen.  
„Bingo!“, sagte Pedro trocken.  
„Wir schnappen uns die Papiere und nehmen sie mit“, sagte Tarja.  
 Sie warfen die Zettelwirtschaft in die Kiste zurück und suchten weiter, fanden noch drei weitere verschlossene Kisten und öffneten sie auf die gerade erlernte Art und Weise. Auch darin befanden sich Papiere.  
„Das nenne ich doch mal einen guten Fang“, entfuhr es dem Taur.   
Sie packten alle gefundenen Schriften zusammen in eine Kiste und nahmen diese mit.  
 Was niemand wusste war, dass die vier durch den Hintereingang in die Basis vorgedrungen waren und quasi mit der Tür ins Haus fielen. Ursprünglich war der Zugang durch ein Kraftfeld versiegelt, welches aber im Laufe der Zeit auf-gegeben hatte. Der eigentliche Zugang befand sich auf der anderen Seite des Gebirges und führte über Kilometer lange Tunnel ebenfalls in die Basis.  
 Tarja, Kira, Helios und Pedro waren somit direkt in die Ausweichsteuerzentrale vorgedrungen, ohne es zu merken.  
  
 Ihr Eindringen in den Berg war nicht unbemerkt geblieben.   
Der zentrale Computerkern erwachte zum Leben, registrierte unbefugte Le-bensformen in seinem Bereich und traf Gegenmaßnahmen. Er aktivierte die verfügbaren Kampfeinheiten und Dutzende an Messerdrohnen. Diese schwärmten aus, surrten durch die Gänge des Felsenlabyrinths und erhoben sich durch einen Luftschacht ins Freie.  
  
 Die Vierergruppe hatte Beute gemacht und schleppte die Kiste durch den Gang. Kira führte sie an, hatte ihren Laserstrahler weiterhin aktiviert und war schussbereit. Nur für den Fall der Fälle, wie sie sagte.   
 Sie verließen die Grotte, traten auf den Weg und schickten sich an über den Felsspalt nach draußen zu gelangen.   
 Plötzlich hörten sie ein Surren hinter sich, drehten sich erschrocken um und warfen sich instinktiv zu Boden. Nur knapp über ihre Köpfe hinweg, schoss ein fliegendes Etwas. Es war zweifellos die Quelle des surrenden Geräusches.   
 Dieses Ding blieb, nachdem es seine Ziele verfehlt hatte, abrupt in der Luft stehen und verharrte dort mehrere Sekunden. Die Katzen schauten auf und fi-xierten es mit ihren Blicken.  
„Verdammte scheiße“, brüllte Helios, „Was ist das?“  
„Keine Ahnung, aber es hat es wohl auf uns abgesehen.“  
„Wir haben irgendwas geweckt“, rief Tarja und zog ihren Laser.  
 Helios, der seitlich am Boden lag, tippte an sein Stirnband. Seine Laserkano-nen aktivierten sich und der taktische Monitor lieferte Daten.   
„Es ist rot! Rot!“, schrie er, „Es handelt sich um eine Messerdrohne. Die Daten auf meinem Monitor sind eindeutig. Das Ding ist ein fliegender Roboter, um dessen Kern sich acht Messer kreisförmig bewegen. Au man, wenn das Ding uns kriegt sind wir Hackfleisch.“  
 Ihnen trat der Schockschweiß aus allen Poren. Sie hatten viel erwartet, aber nicht, dass sich so schnell die erste Kampfhandlung ergeben würde. Auf Helios Rücken fiepten die Laserkanonen. Er fasste sich ein Herz, setzte sich auf, schau-te die Drohne direkt an. Die ließ sich nicht beeindrucken, aktivierte ihren Ziel-laser und am Hals des Taur leuchteten drei rote Punkte in Form eines Dreiecks auf.  
„Egal was ihr tut, es sollte schnell gehen“, schrie Pedro.   
 Fast im selben Augenblick fauchten zwei gewaltige Salven aus den Kanonen und die Drohne torkelte unkontrolliert durch den Gang, prallte erst gegen die linke Felswand, dann gegen die rechte, wo sie schließlich explodierte. Die vier erhoben sich, schnappten sich die Kiste und rannten um ihr Leben. Nach weni-gen Sekunden hatten sie den Ausgang erreicht und erschraken.  
  
  
 Nachdem das Lager errichtet war, setzten sich die Gruppen nieder, man ruhte sich aus, streckte die Beine aus und unterhielt sich. Cyron, Chiron und Stella wuselten wie wild durch die Reihen und zwischen den AnChafren herum, um ihre Nervosität in den Griff zu bekommen, nachdem Tarja und die anderen drei in den Felsen verschwunden waren. Irgendwie waren alle gespannt was ge-schehen würde und was für Neuigkeiten die kleine Gruppe mitbringen würde. Es wurden Mutmaßungen angestellt und wüste Gerüchte machten die Runde, welche sich aber schnell als an den Haaren herbeigezogen herausstellten. So lungerte die Truppe fast zwei Stunden herum und keiner dachte daran, dass sich alles schlagartig ändern sollte.  
  
 Die vom Computer ausgesandten Messerdrohnen waren ins Freie gelangt und dicht über den Felsen geflogen, als sie auf das Lager der Chafren trafen. Die wussten gar nicht wie ihnen geschah und waren wie gelähmt.  
Erst als die erste Drohne ihren Ziellaser aktivierte, sich auf die Hyäne Uri stürzte und ihr den linken Unterarm abtrennte, kam Bewegung in die Massen. Es brach das reine Chaos aus.  
 Überall rannten verschreckte Katzen, Wölfe und Stiere durch die Gegend, alle auf der Suche nach einer geeigneten Deckung. Aber es gab hier keine.   
 Endlich zog der erste seinen Laser und fing an auf die Drohnen zu schießen, aber es waren für ihn allein zu viele. Das Sirren und Surren schien von überall zu kommen und die Dinger waren verdammt schnell.   
 Endlich traf er eine und die begann zu torkeln, ein zweiter Treffer ließ die Drohne in der Luft erstarren. Der Steuerungsrechner war getroffen worden und die Messer hörten auf zu rotieren. Der dritte Treffer ließ das Mordinstrument in die ewigen Jagdgründe eingehen und es stürzte zu Boden.  
 Endlich begriff der Pegasus, dass es Zeit war einzugreifen und dass es auf ihn ankam. Er erhob sich in die Luft und passte sich, so gut es ging, den Flugbe-wegungen der Drohnen an. Er aktivierte per Hirnsensorik seine schweren La-serkanonen und zielte. Jeder Schuss war ein voller Treffer und er pustete eine Messerdrohne nach der anderen vom Himmel. Anfangs war es schwer für ihn den Überblick zu bekommen, denn es waren einfach zu viele Ziele. Sein tak-tischer Monitor zählte zwanzig Stück und schien fast nur rot zu sein. Aber das gab sich schnell und am Ende lagen alle zerstört am Boden. Er landete und de-aktivierte seine Waffenphalanx.   
 Das Chaos in den Gruppen löste sich auf und es kehrte wieder mehr Ruhe ein.   
Uri lag verwundet am Boden und wurde von zwei Wölfen versorgt. Die Blutung war schnell gestoppt, aber der linke Unterarm war hoffnungslos verloren.   
Bei einigen anderen AnChafren wurden Schnittverletzungen behandelt, die sie von umher fliegenden Messerteilen abbekommen hatten. Kira, Pedro, Tarja und Helios kamen gerade aus den Felsen hervor, als die Versorgung der Ver-letzten in vollem Gange war.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 11  
  
 Beute  
  
  
„Was ist denn hier passiert?“, fragte Tarja geistesabwesend.  
 Cyron schaute seine Tochter sorgenvoll an. „Wir wurden angegriffen. Es waren mehrere fliegende Roboter mit Messern.“  
 Kira nickte. „Ja, wir haben deren Bekanntschaft auch gemacht.“  
  
  
 Der Computer im Inneren des Felsenlabyrinths registrierte den Verlust seiner Messerdrohnen und ordnete die Herstellung von Neuen an. Im Berg bewegte sich plötzlich eine gewaltige Maschinerie. Fließbänder liefen an, Arbeitsroboter kamen in Bewegung und die Produktion neuer Drohnen lief auf vollen Touren.  
  
  
„Aber, wir haben auch was feines mitgebracht“, trumpfte Tarja auf.  
 Sie stellten die Kiste ab und öffneten sie. Cyron schaute misstrauisch und der hinzugetretene Chiron äugte unschlüssig auf den Papierwust.  
„Was ist los, hat es euch die Sprache verschlagen?“, fragte der Tigertaur.  
„Nein, nein. Wir stehen im Moment noch etwas unter Schock. Wisst ihr, es ist eine Sache zu wissen, dass man in einen Kampf zieht und es ungemütlich wer-den kann, aber was ganz anderes, wenn es plötzlich wirklich passiert und dann gleich noch mit solcher Wucht.“  
 Tarja nickte.  
„Aber gut. Lasst uns mal sehen was wir da haben.“ Cyron hockte sich vor die Kiste und nahm einen Stapel Papiere nach dem anderen heraus. Seine Augen wurden von mal zu mal größer und er fing an zu lächeln. „Volltreffer“, sagte er schließlich, „Wir haben was wir brauchen.“  
 Es stellte sich heraus, dass die Papiere ungeheuer wichtige Informationen ent-hielten. So standen unter anderem taktische Daten, Grundrisse aller Stationen und Basen, Bewaffnungen, elektronische Schlüssel und Kodierungen geschrie-ben.  
 Die Nachricht von diesem Fund verbreitete sich in Windeseile unter den Be-teiligten und ließ wieder eine bessere Stimmung aufkommen. Außerdem be-fand sich ein gewaltiger Stapel an Büchern darunter. Es waren allesamt Bedie-nungsanleitungen für Computerprogramme.   
 Kira ging auf Cyron zu. „Cyron, ich möchte die Bücher gerne an mich nehmen und sie studieren. Ich erkläre mich bereit die Arbeit an den Computern zu übernehmen.“  
 Cyron überlegte kurz und willigte ein.   
 Die Luchsin schnappte sich die Bücher und verschwand mit ihnen und ihrem säbelzähnigen Freund in ihrem Zelt.  
 Es war seit einiger Zeit dunkel geworden und überall brannten Lagerfeuer.   
 Tarja, Cyron und Chiron hatten sich zusammengetan und die ersten Wachen eingeteilt. Der Umlauf musste rotierend und fließend sein.   
„Achtet immer auf fremde Geräusche und plötzliche Bewegungen. Wir können uns eine solche Schlappe, wie am Nachmittag, nicht mehr leisten. Und noch einen Rat. Rechnet mit dem Unmöglichen und feuert erst, dann stellt Fragen.“  
 Die Wachen nickten, zogen vorsorglich ihre Waffen und aktivierten sie. Dann gingen sie los und umkreisten das Lager. Kira hockte zusammen mit Pedro in ihrem Zelt und las fleißig in den Büchern. Ab und zu entfleuchte ihr ein leises Oh und Aha, ansonsten war es still um sie herum. Ihr Freund ließ sie keine Se-kunde aus den Augen und bei den Umhersitzenden machte mal wieder das Gerücht die Runde, dass die beiden was miteinander haben. Und es wurden Vermutungen darüber angestellt, wie es wohl aussehen würde, wenn der viel größere Kater sich mit der kleinen Luchsin paarte.   
 Viele lagen an den Feuern und schliefen oder dösten vor sich hin. Andere überprüften ihre Waffen und übten sie möglichst schnell und geschickt zu zie-hen. Cyron, Chiron, Stella und Tarja hatten sich zu einem Kreis gesetzt und la-sen ebenfalls in Unterlagen.  
  
„Okay, hier stehen verschiedene Zahlenkolonnen. Es handelt sich dabei um die manuelle Deaktivierung der Verteidigungssysteme, der Energieabschirmungen und der Lichtschranken“, sagte Cyron.  
 Tarja nahm ihm das Blatt aus der Hand und verglich die Daten mit den Auf-zeichnungen in ihrer Hand. „Das passt“, sagte sie. „Die Daten passen hervor-ragend zu dem was ich hier habe. Auf meinen Papieren befindet sich der Grundriss der Anlage, mit Hinweisen auf die Lichtschranken und die Verteidi-gungen. Entsprechend ihrer Lage sind sie mit Nummern versehen und wie ich gerade sehe, steht auf dem anderen Papier hinter jeder Zahlenkombination ei-ne passende Ziffer. Damit müsste es uns möglich sein, in den Komplex einzu-dringen und ein paar unangenehme Sachen auszuschalten. Allerdings müssen wir erstmal soweit kommen.“  
 Chiron nickte. „Keine Sorge mein Schatz. Wir schaffen das schon.“  
 An einem anderen Lagerfeuer saßen ein Säbelzahntiger und eine Füchsin zu-sammen und schauten in die Flammen.   
„Meinst du, dass wir es überleben werden?“, fragte die Füchsin.  
„Ja. Aber natürlich. Wir bleiben zusammen und ich werde auf dich aufpassen“, sagte der Säbelzahnkater.  
 Sie lächelten sich beide an.   
„Wie heißt du überhaupt?“   
„Mein Name ist Grey“, kam seine Antwort.   
„Ich heiße übrigens Sinja.“   
 Er seufzte.   
 Sie kuschelte sich an ihn und schlief ein, während er sie streichelte.  
 Kira hatte genug gelesen und legte die Bücher beiseite. Sie trat vor das Zelt, sah sich um und ging zum Grüppchen der vier Tiger, welche immer noch in der Zettelwirtschaft herumwühlten.  
„Ah, hallo“, merkte Stella auf.  
„Ich habe für heute genug gelesen und denke, dass ich mit der Technik halb-wegs klar komme“, sagte Kira.  
„Das ist super. Hast du was herausgefunden?“  
„Ja, das habe ich. Die Computer in der Grotte gehören zu einem Netzwerk, das bis zur Basis in den Urwald reicht. Wenn es klappt, kann man die ganze Ur-waldbasis von hier aus kontrollieren und lahm legen. Es müssen Codierungen existieren, die es mir ermöglichen einen Zugriff auf die Basis hier und die an-dere Station zu bekommen.“  
 Cyron fing an zu grinsen. „Sie ist gut, sie ist sogar sehr gut!“  
„Taaaataaaa!“, intonierte Tarja und reichte Kira die Kombinationen rüber.   
 Die nahm den Zettel, hielt den Kopf schief und jauchzte erfreut auf. „Genau das ist es was ich brauche.“ Sie steckte den Zettel ein, bedankte sich und ging in ihr Zelt zurück, dann löschte sie das Licht.  
 Ein Stück außerhalb des Lagers standen der Pegasushengst Ikarus und die Einhornstute Sandra beisammen und knabberten an ihrem Grünzeug. Sie wa-ren sich auch näher gekommen und mittlerweile sehr gute Freunde geworden.  
„Ob es heute Nacht ruhig bleibt?“, fragte Sandra und schnaubte leise.  
„Ich denke schon, immerhin haben wir den ersten Angriff überstanden und so schnell dürfte kein neuer erfolgen.“  
 Sie wieherte leise und ging an ihm entlang, rieb ihren Kopf an seiner Schulter und stieß ihre Nüstern in seine Flanke. Er öffnete die Augen und schaute sie an. Sie hatte eine traumhafte Figur und ihr aufgerichteter Schweif wehte verlock-end. Er schob seine Nüstern unter ihren Schweif und stupste sie an.  
 Plötzlich schrie jemand: „Alarm! Wir werden angegriffen!“  
 Es kam Trubel in die Meute. Das Zelt, vor dem die beiden gestanden hatten, wurde geöffnet und Syrgon hechtete heraus.  
 Der Wolf sah sich um. „Mach später weiter Ikarus. Sonst schießen die, bevor du dazu kommst.“  
 Mehrere packten brennende Lagerfeuerscheite, hielten sie in die Luft um das Gelände besser zu beleuchten und zogen gleichzeitig ihre Strahler. Ikarus und auch die Tauren aktivierten ihre Laserkanonen und bekamen die nötigen Infor-mationen auf ihre Monitore. Sandra wurde vom Pegasus in den Hintergrund gedrängt und er stellte sich schützend vor sie.  
 Sie schauten sich um.   
„Messerdrohnen! Zwanzig Stück und sie kommen über die Felshänge“, schrie Ikarus.  
 Wenn noch jemand was sagen wollte, war es sinnlos. Es verstand eh keiner mehr, denn der Rest ging im Fauchen der Handlaser und Brummen der Laser-geschütze unter. Es mutete wie ein Gemetzel an. Man erkannte die Positionen der Drohnen lediglich an ihren verräterischen Ziellasern.   
Aber das reichte vollkommen aus und eine nach der anderen torkelte vom Himmel, blieb am Boden liegen oder explodierte noch in der Luft. Nach nur drei Minuten war der Spuk vorbei. Die Laserwaffen hatten ihren zweiten Einsatz hinter sich gebracht und bestens bewährt, genauso wie ihre Träger.   
 Diesmal kehrte wesentlich schneller Ruhe ins Lager ein, als beim ersten An-griff. Sie schienen sich ziemlich gut mit dieser Gefahr abgefunden zu haben und waren nicht mehr so erschrocken oder kopflos.   
 Cyron schaute sich um. „Scheint ja alles in Ordnung zu sein.“  
 Er ging in sein Zelt und stolperte über ein Gerät, welches sie zwar mitgenom-men hatten, aber dessen Funktion ihm nicht klar war. Er nahm es mit raus, um es Chiron zu zeigen. Beide schauten ziemlich dumm drein und wendeten das Ding hin und her und schüttelten letztendlich den Kopf.  
„Keine Ahnung was das sein soll“, sagte Chiron.  
 Kira stand ganz in der Nähe und sah den beiden zu. Sie ging näher heran und bekam leuchtende Augen. „Ein aktives Laserradarband.“  
 Die beiden Tigerkater schauten sich fragend an und dann zur Luchsin.   
 Die riss das Gerät förmlich aus Cyrons Händen und ging einen Schritt zurück. „Ich weiß was das ist und auch wie es funktioniert. Ich habe es in den Büchern gelesen.“  
 Beide zuckten mit den Augenbrauen. Cyron sah Chiron an und meinte, dass er ja schon vorher sagte, dass sie was Besonderes wäre. Chiron hielt den Kopf schief und wartete auf das, was da jetzt kommen möge. Kira fackelte nicht lan-ge. Sie nahm ihren Laser, aktivierte ihn und öffnete mit einer Kralle eine kleine Buchse an der Seite. Sie öffnete die Tasche, in der sich das Gerät befand und zog ein dünnes, aber sehr langes Kabel heraus. Die anderen AnChafren und QuChafren hatten bemerkt, dass sich etwas interessantes ereignete und um-ringten das Luchsmädchen.   
 Die ließ sich nicht beirren und machte weiter. Sie steckte den Stecker des Ge-rätekabels in die Buchse und holte ein kleines rundes und vollkommen un-scheinbares Ding aus der Tasche. Sie legte es auf den Erdboden und schlug mit ihrer Hand auf die Oberseite.   
 Plötzlich leuchtete das Gerät gelb auf, begann leise zu summen und erhob sich in die Luft. Das gelbe Licht in seinem Inneren war nicht gleichmäßig und schien sich zu drehen. Das Gerät stieg immer höher, über ihre Köpfe hinweg und stand dann still.   
 Kira schaute jedoch nicht besonders glücklich drein. „Ich brauche mehr Ener-gie“, sagte sie an Cyron gewandt.   
 Der nickte kurz, verschwand und tauchte mit einer der Ladeeinheiten für die Handlaser auf. „Reicht das?“  
 Kira nickte begeistert. Sie aktivierte die Ladestation, nahm ihren Handlaser und hielt ihn direkt daneben. So schnell sie konnte zog sie den Stecker aus ih-rem Laser und stöpselte ihn in das Ladegerät.   
Das Laserradarband, wie die Luchsin es nannte, spuckte kurz, taumelte in der Luft und dann geschah es, worauf sie gewartet hatte. Über ihren Köpfen, in zehn Metern Höhe fächerte sich ein gelber Teppich auf.  
 Kira klatschte in die Hände. „Haben wir noch ein zweites?“  
„Sekunde.“ Cyron verschwand wieder im Zelt und klapperte eine Zeit lang her-um, dann erschien er wieder und hatte zwei weitere von diesen Geräten da¬bei.   
„Reicht das?“  
 Kira nahm sie ihm ab und aktivierte sie ebenfalls. „Jetzt können wir alle beru-higt schlafen gehen“, sagte sie abschließend.  
„Was? Und wieso sollten wir das können?“, fragte einer der Stiere.  
„Ganz einfach“, erklärte Kira, „Wenn irgendwas diese gelbe Fläche durch¬dringen sollte, wird es vom Radar erfasst und die eingebaute Lasereinheit zer¬stört das Ziel. Außerdem wird ein Alarm ausgelöst, für den Fall das doch etwas den Schild durchdringen sollte.“  
 Alle staunten und starrten weiterhin auf den gelben Schleier über ihnen.  
„Moment, ich zeig es euch“, sagte sie, nahm einen Stein und warf ihn senkrecht in die Höhe.   
 Als er den Schleier erreichte, ertönte ein extrem lautes Heulen und fauchend nahmen die Laser ihre Arbeit auf. Der Stein war innerhalb von Sekunden pulve-risiert und die kleinen Brocken fielen zu Boden.  
 Cyron war entzückt. „Okay, ich glaube wir minimieren die Wachen und be-grenzen sie auf Bodenziele, von oben dürfte unbemerkt nichts mehr zu uns durch dringen.“  
 Die Situation hatte sich zu ihren Gunsten entspannt, viele kehrten in ihre Zelte zurück, andere begaben sich wieder an ihre Lagerfeuer, legten neue Holzschei¬te auf, schliefen kurze Zeit später auch ein.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 12  
  
 Vorstoß  
  
  
 Ein neuer Tag brach an und er sollte sehr wichtig werden.   
Feuchtigkeitsschwanger hing Nebel über dem Lager und das Radarband tau-chte alles in ein leichtes Gelb.   
 Cyron trat vor das Zelt, streckte sich und gähnte herzhaft. Er sah sich um und beobachtete alle dabei, wie sie ihre Sachen sortierten. Er sah sich weiter um und stutzte. „Stella?“, rief er nach seinem Weibchen.   
Die trat aus dem Zelt. „Was ist denn?“  
„Kannst du Tarja irgendwo entdecken?“  
 Sie schaute sich um, noch mal und genauer hin. „Nein“, sagte sie und schüt-telte den Kopf.  
 Cyron schwante etwas. Er ging zu Kiras Zelt und rief nach ihr.   
 Er erhielt keine Antwort. Er rief noch mal und schlug dann die Plane zurück. Das Zelt war leer. Es gab weder eine Luchsin, noch einen vierpfotigen Säbel-zahntiger. Er wusste was er wissen wollte und suchte erst gar nicht nach dem Tigertaur Helios. Denn der war mit Sicherheit mit von der Partie.   
 Er ging zu Stella. „Ich werde mit Chiron in die Felsspalte gehen“, verkündete er.  
„Was willst du?“  
„Ja, wir müssen eh da rein und so wie es aussieht werden wir dort nicht allein sein.“  
„Wie meinst du das?“  
„Tarja und ihre drei Freunde sind schon dort und machen sich garantiert an den Computern zu schaffen.“  
 Stella entschloss sich sofort mitzukommen. „Die junge Dame wird was erle-ben. Das kann ich dir versprechen“, sagte sie entrüstet.  
 Chiron war noch etwas verschlafen und in seinem Zelt, als Stella es aufmach-te.   
„Los, heb' den Hintern hoch und wirf das Kopfkissen aus dem Gesicht.“  
„Was ist denn los? Warum bist du so in Rage?“  
„Deine liebe Tigerin werde ich, in Ausübung meiner Funktion als ihre Mutter, übers Knie legen und den Arsch versohlen.“  
 Chiron kicherte.  
„Was gibt’s da zu lachen?“  
„Das möchte ich sehen“, kicherte er weiter.  
„Falls du es noch nicht gemerkt hast, aber sie ist mit dem Tigertaur und dem seltsamen Katzenpärchen schon wieder in den Felsengrotten.“  
 Chiron zuckte zusammen und sein kichern verstummte. „Die ist wohl verrückt geworden.“  
 Stella nickte heftig.  
  
  
Als die vier sich trafen, schlief alles noch. Die Feuer waren runter gebrannt. Ne-bel hatte sich breitgemacht und das Radarband hing ruhig über ihnen. Es war eine reine Idylle.  
„Okay“, flüsterte Tarja, „schnell weg von hier, bevor es einer merkt.“  
 Sie packten die notwendigen Sachen zusammen und schlichen sich aus dem Lager. An den Felsen angekommen tauchten sie in die Spalte ein und waren verschwunden. Etwa zweihundert Meter weiter aktivierten sie ihre Waffen und äugten argwöhnisch umher. Die Messerdrohne, die sie am Tag zuvor hier ab-geschossen hatten, lag immer noch da. Sie stiegen drüber und kamen an der Weggabelung an, wandten sich nach rechts und erreichten ohne Zwischenfälle die Grotte mit den Computern. Sie nahmen sich Kisten und setzten sich vor die Computermonitore.   
 Die Luchsin schaute sich kurz um und betätigte den ersten Schalter. „Gut, dann lasst uns mal schauen, was uns noch erwartet“, frohlockte sie.  
 Der Computer fuhr hoch.   
„Ah ja, ein Systemcheck. Jetzt überprüft er die gespeicherten Daten, okay. Das Hauptsystem wird gerade geladen.“  
 Die anderen setzten sich neben sie und beobachteten ihre Aktivitäten.  
„Gut. Bin dann soweit.“   
 Sie arbeitete schnell und präzise, so als hätte sie nie etwas anderes getan und würde Computer in- und auswendig kennen.  
„Da. Da habe ich schon die ersten Grundeinstellungen gefunden“, freute sie sich laut.  
„Und was kann man damit machen?“, fragte Helios.  
„Hm, ganz einfach. Zum Beispiel das...“, sagte sie und die Grotte wurde in ein helles Licht getaucht, auch alle anderen Gänge und Flure wurden beleuchtet.   
„Super, damit hätten wir schon Licht.“  
„Schaltet eure Funkgeräte ein. Die werden wir wohl in Kürze brauchen“, sagte Pedro.  
„Gut, mach weiter, was geht noch alles?“, spornte Tarja die Luchsin an.  
„Eigentlich alles was wir brauchen“, antwortete sie.  
„Kannst du uns einen Plan auf den Monitor zaubern?“  
„Aber klar. Sekunde.“   
 Ein weiterer Monitor ging an, es wurden Daten geladen und dann passierte etwas Unerwartetes. An der Wand glimmte plötzlich ein kleines grünes Lämp-chen auf und links daneben verschwanden die unebenen Felsen.   
 Stattdessen tauchte ein riesiger Quader aus diffusem Licht auf. Er schien in der Luft zu schweben und seine Kanten formten sich.  
„Das ist ja fantastisch“, raunte Kira, „Ein Hologramm.“  
 Die anderen schauten sie schief an.  
„Die äußeren scharfen Kanten sind die Umrisse dieser Basis hier und …“, sie tippte auf der Tastatur herum, „ … es zeigt jeden erdenklichen Winkel.“  
 Sie stand auf, ging zum Hologramm und tippte es an. Schlagartig änderte es sich. Es kamen Details zum Vorschein. Man sah jeden Gang, jede Grotte, alle Kraftfelder und man sah den Computerkern, eine Fabrik und verschieden-farbige Punkte, die sich durch die Gänge bewegten.  
„So Leute, jetzt geht’s ans Eingemachte“, sagte Kira in den Raum. „Ab hier brauchen wir Verstärkung.“  
  
„Und die ist schon da“, rief Stella barsch.  
 Die vier fuhren erschrocken herum.   
 Cyron, Chiron und Stella hatten in der Zwischenzeit die Grotte erreicht. „Mein liebes Kätzchen. Was hast du dir bloß dabei gedacht? Und ihr anderen auch. Ihr seid wohl des Wahnsinns. Euch hätte was passieren können.“  
„Nun mal gut, Mutter. Behandle mich nicht immer wie einen Welpen.“  
 Stella seufzte. Tarja hatte Recht, aber sie war schließlich ihre Mutter und konnte nicht aus ihrem Fell.  
„Na, meinetwegen. Trotzdem war es sehr leichtsinnig von euch.“  
 Kira mischte sich ein. „Aber schaut mal was wir mittlerweile geschafft haben.“ Sie deutete auf die Holoprojektion. Cyron und Chiron traten näher heran und staunten.   
 Kira trat hinzu und fing an zu erklären. „Also, das sind die Basisgänge“, sagte sie und tippte einen an.   
 Die Projektion zuckte kurz und änderte sich. Man sah ein Kamerabild des Ganges, den sie gerade angetippt hatte.   
„Das wird ja immer besser“, jauchzte sie.  
 Sie tippte erneut auf das Bild und es verschwand wieder, stattdessen sah man wieder die gesamte Anlage. „In der Mitte sieht man den Computerkern, da müssen wir hin, denn da steht auch der Tresor mit der Codierung für die Ur-waldbasis und den Bauplänen für diesen Mech.“  
„Sehr gut. Das ist doch alles schon mal sehr gut“, flüsterte Chiron.  
„Nicht ganz“, sagte Cyron in Gedanken versunken, „Wir müssen da erstmal hin-kommen.“ Und an Kira gewandt: „Was sind das für Punkte, die sich in den Gän-gen bewegen?“  
„Weiß ich noch nicht, aber das wissen wir gleich.“ Sie tippte auf einen der Gän-ge, in dem sich zwei rote Punkte bewegten und ein schwarzer scheinbar an ei-ner Seite stand. Das Bild änderte sich wieder und ein Kamerabild erschien.  
„Scheiße“, sagte Chiron und biss sich auf die Unterlippe.  
„Ich hab es geahnt“, ergänzte Cyron.  
 Auf dem Bild erkannte man zwei Messerdrohnen, die sich durch den Gang bewegten und tatsächlich, seitlich stand ein Kampfroboter.  
„Ich will was ausprobieren“, sagte Kira plötzlich. Sie tippte auf das Bild, ließ es aber nicht los und bewegte den Finger langsam nach links. Die Kamera folgte ihrer Fingerbewegung und drehte sich. Somit hatten sie, nachdem Kira fertig war einen 180° Blick und konnten sich eine Vorstellung von den Ausmaßen der Station machen.  
„Die Basis scheint gigantisch zu sein. Wir werden Stunden brauchen, wenn nicht sogar Tage um alles zu erkunden“, sagte Stella.  
„Die haben wir aber nicht. Wir müssen da rein, draufhauen, die Daten holen und wieder verschwinden. Wenn wir gehen, darf allerdings keine einzige Waffe in der Basis mehr funktionieren, einschließlich des Zentralcomputers.“  
 Alle nickten.  
 Kira hatte sich unterdessen weiter an dem Hologramm vergnügt und stieß plötzlich einen Schrei aus. Die anderen drehten sich zu ihr um, sahen in ihre Richtung und versteinerten förmlich.  
„Verdammt“, entfuhr es Tarja.   
 Cyron nickte beifällig.  
„Das ist ne Waffenfabrik, vollkommen selbständig und sie arbeitet fleißig.“  
„Was bauen die da?“, fragte Pedro dazwischen.  
„Moment“, sagte Kira leise. Sie tippte mit zwei Fingern auf das Bild, hielt es fest und spreizte die Finger. Die Kamera zoomte heran. „Messerdrohnen“, sagte sie bitter, „und in den Ecken stehen Kampfeinheiten herum.“  
 Plötzlich blitzte das Bild auf. Eine der Kampfeinheiten hatte bemerkt, dass sich die Kamera bewegte und sie zerstört.  
„Die Peepshow ist beendet“, sagte Pedro trocken.  
 Sie holten alle tief Luft.   
 Der erste der wieder etwas sagte war Helios: „Zwei von uns sollten rausgehen und Verstärkung holen. Wir gehen da rein und holen uns die Daten.“  
 Cyrons Augen blitzten auf. Das war der Kampfgeist den er erwartet hatte.   
 Er tippte Chiron auf die Schulter. „Komm wir gehen.“  
„Schaltet eure Funkgeräte ein“, rief Stella hinterher.   
Da ertönte es schon aus ihrem Gerätelautsprecher: &lt;„Schon geschehen, mein Schatz.“&gt;  
 Keine zehn Minuten später hatten sich zwanzig Chafren in der Grotte versam-melt.   
 Auf Anhieb hatten sich alle Wölfe freiwillig gemeldet, drei von den Stieren waren mitgekommen und einer der Fuchstaure, ebenso die Einhornstute Sandra. Am Ende der Grotte tauchten noch ein Säbelzahntiger und eine Füch-sin auf.   
 Damit war die Runde eröffnet.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 13  
  
 Access granted  
  
  
„Ich bleibe am Computer und überwache die Gänge und Aktivitäten des Geg-ners. Außerdem habe ich die Papiere mit den Codierungen hier und kann die Türen öffnen und Kraftfelder deaktivieren. Vielleicht bekomme ich sogar Zu¬griff auf den Zentralcomputer und kann ihn stören.“  
 Erregtes Gemurmel.  
„Gut“, hub Tarja an, „Kira bleibt bei den Computern, Stella und Pedro passen auf sie auf und schirmen sie ab. Der Rest der Truppe kommt mit.“  
„Ich frage mich nur warum wir sieben Gruppen aufgestellt haben, wenn am En-de eh alles wild durcheinander rennt“, stieß Stella ihren Kater an.  
„Hm … ganz einfach. Solange wir Freiwillige finden ist alles okay. Wenn es drauf ankommt, kann man immer noch Gruppen verpflichten.“  
 Stella stutzte kurz und verstand.   
„Ich will nur hoffen, dass es niemals soweit kommt“, ergänzte er noch schnell.  
 Sie zogen los, gingen an die Felswände gepresst und in geduckter Haltung, in Richtung des Eingangs, der durch ein Energiefeld versperrt war. Tarja nahm ihr Funkgerät zur Hand und sah die anderen an.   
„Wir bilden zwei Gruppen“, sagte sie leise. „Die erste Gruppe besteht aus Cyron, Chiron, mir, den Stieren und Helios. Die zweite Gruppe sind die Wölfe, der Säbelzahntiger, die Füchsin und Sandra.“  
 Die auf die Gruppen aufgeteilten Mitglieder schauten sich an, nickten und versicherten sich ihrer gegenseitig.   
 Tarja drückte auf die Sprechtaste. &lt;„Kira, wir sind am ersten Energiefeld ange-kommen.“&gt;  
&lt;„Okay, wartet einen Moment, ich prüfe es. Der Gang dahinter ist leer und führt nach sechzig Metern nach links, danach kommt ein weiteres Energie-feld.“&gt;  
&lt;„Gut.“&gt;  
 Das Energiefeld verschwand. Kira leistete gute Arbeit.  
„Okay, Leute. Es geht los.“  
 Lautlos schlichen die ersten in den Gang. Sie hatten ihre Waffen gezogen und aktiviert. Die Läufe flogen nur so hin und her und schienen jeden Quadratzenti¬meter des Raumes abzutasten. Das Einhorn ging als letztes in den Gang und sie setzte die Hufe sehr vorsichtig und leise. Der Boden schien aus einem schalldämmenden Material zu bestehen und federte bei jedem Schritt leicht durch. Die ersten hatten die Biegung erreicht, hielten inne und schauten um die Ecke.   
 Der Gang war leer. Cyron, der vorweg ging, hob die rechte Hand, das bedeu-tete Achtung. Er winkte nach vorn und die hinter ihm hockenden AnChafren erhoben sich und drangen in gebückter Haltung weiter vor. Sie standen vor der nächsten Energiebarriere. Cyron war jetzt ganz hinten und Tarja hatte die Spit-ze übernommen.  
 Sie redete mit Kira. &lt;„Wir sind an der zweiten Barriere. Wie sieht es dahinter aus?“&gt;  
&lt;„Der nächste Gang wird von zwei Messerdrohnen überwacht und teilt sich nach zweihundert Metern. Ihr solltet euch aufteilen, die Drohnen zerstören und getrennt weiter gehen, um einen Hinterhalt zu vermeiden.   
Die eine Gruppe sollte weiter dem linken Gang folgen, die andere Gruppe dem rechten Gang.   
 Der linke Gang führt zum Computerkern, der rechte zur Waffenfabrik. Die Drohnen fliegen im hinteren Teil des Bereichs, kurz hinter der Gabelung, in je-dem Gang eine. Außerdem habe ich es geschafft die Sensorenleistung der Kampfeinheiten und Messerdrohnen zu reduzieren. Beim ersten Mal hatte ich es verbockt und der Zentralcomputer bemerkte die Manipulation. Aber jetzt habe ich, glaube ich, den Dreh gefunden.“&gt;  
&lt;„Okay, wir werden es sehen.“&gt;  
 Bisher lief es gut.   
 Das Energiefeld verschwand und der Blick auf den dahinterliegenden Bereich war frei. Tarja hob die Hand und schaute in den Gang hinein. Sie sah nichts, hörte aber in greifbarer Nähe das Sirren der Messer. Ihre Hand machte eine Vorwärtsbewegung. Sie sprang mit auf und rannte hinein, alle folgten ihr. Sie pressten sich dicht an die Wände und hielten den Atem an.   
 Keiner bewegte sich mehr.   
 Die Messerdrohnen waren deutlich zu hören und ihre tödliche Aura geradezu spürbar. Der Gang endete an einer T-Gabelung. Der Zeitpunkt der Trennung war gekommen. Tarja hob eine Hand und machte eine kreisende Bewegung. Die Anderen verstanden sofort. Einige wechselten fliegend die Seiten. Somit befand sich die erste Gruppe an der linken Wand und sollte zum Computer-kern und die zweite Gruppe an der rechten Wand, auf dem Weg zur Waffen-fabrik.  
 Die Karten waren gemischt und wurden jetzt auf den Tisch gelegt.  
Noch waren sie zusammen und alle blickten auf Tarja. Sie hob erneut ihre Hand. Die ersten vier AnChafren gingen in Schussbereitschaft. Tarja ballte ihre Faust, die vier rückten auf ihre Höhe vor und hockten nebeneinander im Gang.   
 Tarja zählte mit den Fingern. Eins, Zwei, Drei.   
Zwei Chafren rasten in den Gang nach links, zwei nach rechts. Jeweils einer kniend, der andere dahinter stehend, eröffneten sie das Feuer. Laserstrahlen fauchten auf und zwei Explosionen ertönten. Die Drohnen lagen zerstört am Boden. Tarja lächelte. Das war Spitze gelaufen.  
&lt;„Okay, Kira. Die Drohnen sind hin. Gruppe Eins rückt weiter vor zum Compu-terkern, Gruppe Zwei zur Waffenfabrik.“&gt;  
&lt;„Super Arbeit“&gt;, lobte Kira. &lt;„und gut aufgepasst. Gruppe zwei steht jetzt vor einem Energiefeld. Dahinter befindet sich ein weiterer Gang. Links und rechts sind Räume mit Waffen und Papieren. Am Ende des Bereichs steht eine Kampf-einheit und darüber schwebt ein Messer. Sandra sollte die Kampfeinheit mit den Doppelmaschinenkanonen übernehmen, während zwei andere das Messer runter holen.“&gt;  
&lt;„Okay, machen wir.“&gt;   
 Sandra schaute unglücklich, aber war kampfbereit.  
&lt;„Gruppe eins bewegt sich den Gang weiter entlang, biegt nach links ab und geht die Treppe hinunter bis auf Ebene minus drei, da ist dann wieder ein Kraftfeld.“&gt;  
&lt;„Wir gehen es an.“&gt;  
  
 Stella schaute Kira an und seufzte. „Das sieht alles nicht gut aus, oder?“  
„Doch, doch. Bisher läuft alles bestens. Ich darf nur nicht den Überblick verlie-ren.“  
  
 Die erste Gruppe, auf dem Weg zum Computerkern, folgte also dem Gang, bog links ab und stand vor den erwähnten Treppen. Tarja hob die Hand und alles wurde aufmerksam. Sie senkte die Hand wieder.  
„Was ist denn los?“, flüsterte Chiron.  
„Ich dachte, ich hätte was gehört.“   
 Sie schüttelte den Kopf und winkte kurz. Die anderen folgten ihr und sie gin-gen die Treppe hinab. Alle abzweigenden Ebenen waren durch Kraftfelder ver-siegelt. Sie kamen zur dritten Ebene und stutzten. Das Energiefeld war abge-schaltet.  
&lt;„Kira, hier Gruppe Eins. Hast du das Kraftfeld auf Ebene minus drei abge-schaltet?“&gt;  
&lt;„Nein. Verdammt, das müsste laut meiner Holoanzeige aktiv sein.“&gt;  
&lt;„Na super. Danke Kira, dann sind wir gewarnt. Uns versucht einer dazwischen zu pfuschen.“&gt;  
&lt;„Ich versuche was ich kann. Gruppe zwei, wie weit seit ihr?“&gt;  
&lt;„Wenn du endlich das Kraftfeld deaktivieren würdest, könnte es heute noch was werden.“&gt; Der Wolf am Funkgerät war Syrgon und sichtlich genervt.  
&lt;„Verdammt, das hatte ich doch getan. Augenblick.“&gt;   
 Plötzlich hörte man mitten in der Übertragung ein Surren und Kiras Stimme, welche sich überschlug. Dann ertönte Laser- und Maschinengewehrfeuer, ge-folgt von zwei Explosionen.  
&lt;„Ach, so ein Mist. Danke Pedro, danke! Ich bin dir wirklich sehr dankbar dafür, dass du mir wenigstens den Monitor gelassen hast, den ich im Moment drin-gend brauche. - Bin wieder da. Wir hatten gerade Besuch. Entschuldigt bitte. Gruppe zwei, ich habe die Codierungen vertauscht. Gruppe eins, euer Kraftfeld ist von mir deaktiviert worden. Wartet noch einen Augenblick auf Anweisun-gen.“&gt;  
&lt;„Okay, wir warten.“&gt;  
&lt;„Gruppe zwei, ihr könnt jetzt weiter vorrücken.“&gt;  
 Im selben Augenblick verschwand das Feld und in die Kampfeinheit und das Messer kam Bewegung. Beide rasten auf die Gruppe zu.   
 Sandra war sofort zur Stelle.   
 Ihre Waffen richteten sich auf die Kampfeinheit aus, während die Füchsin und der Säbelzahntiger seitlich von ihr standen. Zeitgleich eröffneten alle das Feuer. Die Geschosstreffer des Roboters lösten Felsgestein von den Wänden und die Splitter flogen vor ihren Augen herum. Querschläger prallten von den Wänden ab und erzeugten ein spratzendes Geräusch.   
 Sandra fackelte nicht lange. Sie visierte den Roboter an und feuerte. Links und rechts an ihrem Hals vorbei, flogen die Geschosse ihrer Kanonen, schlugen auf der Oberfläche der Kampfeinheit auf, brachten sie aus dem Gleichgewicht. Weitere Schüsse durchschlugen die Stahlpanzerung, drangen in das elektro-nische Gehirn des Roboters ein und zerfetzten ihm die elektromechanischen Eingeweide. Sinja und Grey fegten derweil die Drohne aus dem Weg und sie stürzte rauchend auf das Wrack der Kampfeinheit. Keiner hatte Schaden ge-nommen. Die zweite Gruppe ging weiter in den Gang hinein und setzte ihren Marsch auf die Waffenfabrik fort.  
  
&lt;„Gruppe eins, hier Kira. Wenn ihr den Gang vorrückt, müsst ihr sofort links abbiegen, dann kommt ihr an einen Aufzug. In den steigt ihr ein und fahrt mit ihm zwanzig Etagen nach unten. Dort angekommen müsst ihr sofort schießen. Direkt hinter der Aufzugtür steht eine Kampfeinheit, die den Aufzug be-wacht.“&gt;  
&lt;„Okay, wir rücken vor.“&gt;  
  
 Tarja machte eine Handbewegung nach vorne und sie setzten sich in Bewe-gung. Halb geduckt rannten sie nach links und sahen eine weit geöffnete Tür.   
„Das muss er sein“, rief Chiron.   
 Einer nach dem Anderen bestieg die Kabine. Cyron, als letzter eingetreten, betätigte den Knopf auf dem -20 stand. Die Türen schlossen sich und es ging abwärts.   
 Der Tigertaur machte sich bereit und drängte sich vor zur Tür. „Ich überneh-me das“, sagte er.   
 Er schaute, genau wie die anderen, gebannt auf die über der Tür hängende Etagenanzeige. Als eine -18 erschien machte er sich bereit und aktivierte die Waffen. Er sah bereits jetzt die roten Umrisse des Roboters auf dem taktischen Monitor.   
„Ziel erfasst“, sagte er lapidar.   
 Die Türen waren noch nicht mal offen, da hatte Helios das Feuer schon eröff-net. Als die Türen komplett auseinander geglitten waren, hatten sie unzählige Durchschusslöcher und der Roboter lag qualmend vor ihren Pfoten.  
„Das nenne ich mal ein erfolgreiches Vorstellungsgespräch“, sagte einer der Stiere.  
&lt;„Kira, hier Gruppe eins. Wir sind aus dem Aufzug raus und haben die Kampf-einheit entschärft.“&gt;  
&lt;„Ausgezeichnet. Ihr seid verdammt schnell“.&gt; Kiras Stimme klang erfreut. &lt;„Okay, Gruppe eins. Jetzt kommt die vorletzte Hürde für euch. Wenn ihr am Ende des Gangs rechts abbiegt, steht ihr wieder vor einem Kraftfeld. Ich werde es deaktivieren, wenn ihr davor seid. Dahinter befindet sich der Zugang zum Computerkern.   
Im Raum davor steht eine Kampfeinheit und es schwirren vier Drohnen durch den Raum. Ich werde das Kraftfeld schrittweise deaktivieren und wieder aktivie-ren. Ich habe herausgefunden, dass es ein Zeitfenster bei den Drohnen gibt. Sie bewegen sich durch den Raum und verharren für etwa fünf Sekunden an den jeweiligen Enden.   
Ihr solltet euch zuerst um den Roboter kümmern. Das Kraftfeld deaktiviere ich auf mein Kommando für fünf Sekunden, dann schalte ich es für zehn Sekunden wieder ein, dann seid ihr vor den Messern geschützt. Danach sehen wir wei-ter.“&gt;  
&lt;„Okay, sind auf dem Weg.“&gt;  
&lt;„Gruppe zwei, wo seid ihr?“&gt;  
&lt;„Wir haben die Einheit und das Messer vernichtet und stehen jetzt im Gang.“&gt;  
&lt;„Okay, das ist super. Ihr habt es fast geschafft. Geht jetzt den Gang hinunter. Am Ende befindet sich eine Hochdrucksicherheitstür. Diese wird mit Hydraulik geöffnet. Dahinter befindet sich die Waffenfabrik.   
Ihr geht jetzt bis zu dieser Tür und wartet auf weitere Anweisungen. Ich versu-che, wenn ihr angekommen seid, die Bänder der Fabrik von hier aus zu stop-pen.“&gt;  
&lt;„Gut, wir gehen weiter und warten dann.“&gt;  
  
 Die erste Gruppe stand derweil vor einem schwierigen Problem. Sie waren vor dem Kraftfeld angekommen und wussten was jetzt auf sie zukam.   
„Wir müssen perfekt synchronisieren. Ein Fehler und wir sind vielleicht alle ver-loren“, sagte Cyron.  
 Alle nickten.   
 Der Tigertaur ging vor dem Kraftfeld auf die Knie und visierte die von ihm ge-schätzte Position des Kampfroboters an.  
&lt;„Kira, hier Gruppe eins. Wir sind in Position.“&gt;  
&lt;„Okay Leute, lasst es krachen. In Drei, Zwei, Eins …“&gt;  
„Feuer“, schrie Tarja.   
 Der Tigertaur schaute sich um.   
 Das Kraftfeld aktivierte sich wieder.  
&lt;„Kira, hier Gruppe eins. Lass es sein mit dem Kraftfeld.“&gt;  
&lt;„Was ist denn los bei euch?“&gt;  
&lt;„Wir haben hier ein ernstes Problem.“&gt;  
&lt;„Okay, kriegt das erstmal in den Griff und meldet euch dann wieder bei mir.“&gt;  
„Was ist los, Helios? Warum hast du nicht geschossen?“   
„Da war nichts“, rechtfertigte er sich.   
„Wie, da war nichts?“, fragte Chiron.   
„Da war keine Kampfeinheit zu sehen.“   
„Verdammt, wenn ich nur wüsste was da nicht stimmt“, fluchte Cyron.   
 Sie sahen sich an.  
Tarja griff nach ihrem Funkgerät. &lt;„Kira, hier Gruppe eins.“&gt;  
&lt;„Hier Kira. Was ist los bei euch?“&gt;  
&lt;„Wir haben hier ein schweres Problem.“&gt;  
&lt;„Oh, das ist mal ganz was Neues.“&gt;  
&lt;„Lass die Sprüche und hör bitte zu. Du sagtest, dass sich im vor uns liegenden Raum, eine Kampfeinheit und vier Messerdrohnen befinden sollen. Helios woll-te feuern, konnte aber keine Ziele ausmachen, weil da nichts ist.“&gt;  
&lt;„Gruppe eins. Habe ich das richtig verstanden? Da ist nichts?“&gt;  
&lt;„Ja, richtig.“&gt;  
  
 Indessen hatte Gruppe zwei die Hochdrucktür erreicht und wartete geduldig. Sie saßen da und lauschten besorgt dem Gespräch zwischen Tarja und Kira.   
„In deren Fell möchte ich nicht stecken“, sagte Grey.   
„Da stimmt was nicht und zwar gewaltig. Das sieht verdammt nach einer Falle aus und die stinkt gen Himmel wie ein Haufen Hundescheiße“, bemerkte Syr-gon.  
&lt;„Kira, hier Gruppe zwei. Können wir vielleicht irgendwas tun?“&gt;  
&lt;„Gruppe zwei, hier Kira. Haltet euch zurück. Ihr könnt gar nichts tun, nur ab-warten.“&gt;  
&lt;„Warten? Das ist doch Mist.“&gt;  
&lt;„Was wollt ihr denn tun? Etwa in die Fabrik gehen?“&gt;  
&lt;„Ja! Das wäre doch schon mal was.“&gt;  
&lt;„Toll! Nur zu eurer Information, in der Fabrik wimmelt es nur so vor Messer-drohnen, abgesehen davon, dass da auch fünf Kampfeinheiten herumrennen. Wenn ich die Schleuse jetzt öffne, dann käme es einem Mord gleich.“&gt;  
 Die Mitglieder der zweiten Gruppe sahen sich an und seufzten.   
„Okay, vergessen wir’s und bleiben erstmal sitzen“, sagte Grey.  
  
&lt;„Gruppe eins, wie ist euer Status?“&gt;  
&lt;„Wir hocken immer noch vor dem Kraftfeld und wissen nicht weiter.“&gt;  
 Es herrschte Stille.  
&lt;„Kira, was ist los? Antworte und lass uns hier nicht hängen.“&gt;  
 Wenige Sekunden später kam die Antwort. &lt;„Gruppe eins, zieht euch vom Kraftfeld zurück. Ich habe da eine Vermutung.“&gt;  
&lt;„Was sollen wir?“&gt;  
&lt;„Ich sagte, ihr sollt euch zurückziehen. Nicht ganz, aber circa zehn Meter. Ich habe eine Vermutung und die will ich bestätigt wissen.“&gt;  
&lt;„Okay, wir ziehen uns zurück.“&gt;  
 Tarja winkte und zeigte hinter sich. Die Gruppenmitglieder traten in den Gang zurück und gaben das Kraftfeld frei.  
&lt;„Reicht das, Kira?“&gt;  
&lt;„Ja, das reicht schon aus. Okay, meine Vermutung hat sich bestätigt. Die Zu-gangstür zum Computerkern wird definitiv von einer Kampfeinheit und vier Drohnen bewacht, aber die sind mit einem Tarnfeld ausgerüstet.“&gt;  
&lt;„Tarnfeld?“&gt;  
  
 In Gruppe zwei schauten sich die Beteiligten schief an, starrten auf das Funk-gerät und wollten ihren Ohren nicht glauben.  
  
&lt;„Ja, ihr habt richtig verstanden. Bei Annäherung unter eine bestimmte vor-programmierte Entfernung werden die Waffensysteme von einem Energiefeld umhüllt, welches die sichtbaren Frequenzen ablenkt. Das Objekt innerhalb des Feldes erscheint unsichtbar. Es ist aber immer noch da, man kann dagegen lau-fen und sich verletzen oder wenn es sich um eine Waffe handelt von ihr getö-tet werden.“&gt;  
&lt;„Scheiße noch mal. Und jetzt?“&gt;  
&lt;„Ich versuche was. Wartet.“&gt;  
&lt;„Jetzt sitzen wir ganz schön im Dreck“&gt;, seufzte Chiron.   
 Es vergingen fünf Minuten.  
&lt;„Hier Kira. Gruppe eins. Ich kann das Tarnfeld von hier aus nicht beeinflussen, aber ich habe was anderes gefunden.“&gt;  
&lt;„Schade, aber lass mal hören.“&gt;  
&lt;„Okay, passt auf. Ich habe auf den Kamerabildern gesehen, dass sich über dem Gang ein Belüftungssystem befindet. Ein entsprechender Austrittsschacht für Frischluft befindet sich in dem vor euch liegenden Bereich. An eurer jet-zigen Position muss sich auch so was befinden. Der Schacht liegt hinter einem Eisengitter an der Decke. Einer von euch muss in den Schacht klettern.“&gt;  
&lt;„Okay, und was dann?“&gt;  
&lt;„Wenn einer im Schacht ist, muss er Funkstille halten um die Kampfeinheit und auch die Drohnen nicht auf sich zu lenken. Er zielt mit seinem Laser auf die Positionen die ich ihm vorgebe, gleichzeitig deaktiviere ich sporadisch, wie zu¬erst geplant, das Kraftfeld.   
Durch das Ablenkungsfeuer aus dem Schacht wird die Sensorik des Tarnfeldes verwirrt und deaktiviert sich vielleicht, wird aber zumindest unvollständig funk-tionieren und die Kampfeinheit ist sichtbar.“&gt;  
&lt;„Hm … Alternativen?“&gt;  
&lt;„Ja. Einfach reingehen und sich abknallen lassen.“&gt;  
&lt;„Okay, die Alternative schließen wir mal aus und wenden uns deinem verrück-ten Plan zu.“&gt;  
  
Die zweite Gruppe verfolgte weiterhin gespannt was passiert.  
  
„Wer will in den Schacht“, fragte Cyron.   
„Ich. Ich gehe freiwillig“, sagte Chiron.   
„Nein, das wirst du nicht tun. Wenn einer geht, dann bin ich das“, grollte Tarja.   
„Vergiss es und denk mal nach“, herrschte Chiron sie an.   
„Wenn du getötet wirst, wächst Apophis ohne richtige Mutter auf. Auf mich kann man notfalls verzichten.“  
„Das denkst aber auch nur du, denn für mich bist du unentbehrlich.“  
 Chiron schüttelte den Kopf. „Es gibt keinen anderen Weg.“  
 Tarja umarmte ihn. „Pass auf dich auf, Liebster.“  
„Keine Sorge, meine Kleine. Mir passiert schon nichts.“  
 Einer der Stiere stellte sich unter das Lüftungsgitter, ein zweiter setzte sich auf seine Schultern und stemmte das Gitter auf.  
 Chiron nahm sein Funkgerät. &lt;„Kira, was ist mit dem Gitter auf der anderen Seite?“&gt;  
&lt;„Die Abstände zwischen den Streben sind groß genug um deine Waffe und deine Hand hindurch zustecken. Stecke aber bitte nur deine Waffe ein kleines Stück weit durch das Gitter. Wenn die Drohnen dich bemerken, werden sie sonst versuchen deine Hand zu amputieren.“&gt;  
 Chiron verzog das Gesicht und legte die Ohren an. &lt;„Danke für den Tipp.“&gt;  
&lt;„Nichts zu danken.“&gt;  
„Okay Leute, wünscht mir Glück.“   
 Sie schauten ihn an und drückten ihm die Daumen.   
 Er kroch in den Schacht und bewegte sich schlängelnd vorwärts, immer da-rauf bedacht keine unnötigen Geräusche zu verursachen. vorsorglich hatte er sein Funkgerät ausgeschaltet. Die anderen Geräte waren laut genug und er hörte sie über die kurze Entfernung auch so.  
&lt;„Kira, hier Gruppe eins. Chiron ist im Schacht und bewegt sich vor.“&gt;  
&lt;„Okay. Chiron, ich hoffe du kannst mich irgendwie hören. Die Kampfeinheit steht unter der Schachtklappe hinten rechts. Du müsstest sie sehen können, wenn du schräg durch die Streben schaust.“&gt;  
 Chiron kroch weiter vor und tatsächlich. Er hatte Glück. Der Roboter stand da und wartete.  
&lt;„Die Anderen gehen bitte wieder zum Kraftfeld.“&gt;  
&lt;„Okay, Kira. Wir sind wieder in Position.“&gt;  
 Chiron hatte sich die Position der Kampfeinheit gemerkt und zielte nun blind, da sich das Tarnfeld aufgrund seiner Nähe aktiviert hatte. Er hörte in der Ferne, wie Kira runter zählte und nahm seine Waffe. Bei zwei eröffnete er das Feuer und traf.   
 Der Strahl der Laserwaffe traf auf das Tarnfeld und es leuchtete hell auf. Jetzt hatten die Anderen ein Ziel. Das Kraftfeld wurde abgeschaltet und Helios feu-erte auf das helle irisierende Licht. Es gab einen gewaltigen Knall. Das Kraftfeld wurde wieder aktiviert. Der Roboter hatte sein Tarnfeld verloren und Chiron feuerte weiter. Die Explosion erschütterte den Gang und den Luftschacht. Die Kampfeinheit zerbarst in tausend Stücke, Metallteile regneten auf den Boden, der Luftschacht zerbrach und stürzte mit Chiron zu Boden.   
„Nein!“, schrie Tarja. &lt;„KIRA, SCHALTE SOFORT DAS KRAFTFELD AB. CHIRON IST MIT DEM LUFTSCHACHT ABGESTÜRZT UND LIEGT UNTER BESCHUSS.“&gt;  
  
Im gleichen Augenblick erlosch das Kraftfeld.   
 Helios stürzte herein und eröffnete das Feuer. Er sah zwar keine Ziele und feuerte blind in die Luft, aber das verfehlte nicht seine Wirkung. Irgendwie traf er eine Drohne nach der anderen, störte damit die Tarnfelder. Die Zielautoma-tik seiner Waffen und die Handlaser der anderen übernahmen den Rest und sprengten sie förmlich in die Luft. Tarja rannte zu Chiron der am Boden lag, aber sich bewegte.   
 Cyron kam hinzu und sah ihn sich an. „Puh. Glück gehabt. Nur ein paar Schürfwunden und wahrscheinlich eine leichte Gehirnerschütterung.“  
 Chiron versuchte zu lächeln. „Wo nichts ist, kann auch nichts erschüttert wer-den.“  
 Erleichtert seufzten alle auf. &lt;„Kira, hier Gruppe eins. Wir haben es ge-schafft.“&gt;  
  
Gruppe zwei, die alles mit angehört hatte, fing erleichtert an zu lachen und sich gegenseitig auf die Schultern zu klopfen. Sandra, dem Einhornweibchen liefen die Freudentränen.  
&lt;„Gruppe zwei, hier ist Kira. Ihr müsst nicht mehr lange warten. Wenn Gruppe eins fertig ist, seid ihr in der Fabrik dran.“&gt;  
&lt;„Okay, verstanden.“&gt;  
 Eine solche Erleichterung hatten sie schon lange nicht mehr verspürt.  
  
&lt;„Gruppe eins, aufgepasst. Jetzt kommt die große Stunde. Hinter der Tür vor euch liegt der Computerkern. Er ist nicht weiter bewacht, wird aber von einem Kraftfeld geschützt. Ich habe die Kombinationen für die Deaktivierung hier. Al-so, entspannt euch. Das Schlimmste habt ihr hinter euch.“&gt;  
&lt;„Okay, dann lass mal hören.“&gt;  
&lt;„Als erstes wendet ihr euch nach links und rechts, dort befindet sich jeweils eine Computerkonsole mit einem einfachen Ziffernblock.“&gt;  
 Kira öffnete die Tür von ihrem Terminal aus. Zischend und fauchend öffnete sie sich. Sie traten ein und erstarrten ehrfurchtsvoll. Der Raum den sie betraten glich einer riesigen Kathedrale und in seinem Zentrum befand sich ein langes rundes Gebilde, was bestimmt fünfzehn Etagen hoch war.   
 Sie standen vor dem Computerkern.  
&lt;„Kira, wir sind drin. Was jetzt?“&gt;  
&lt;„Geht an die Konsolen.“&gt;  
 Sie sahen sich um und fanden zwei Stück davon, eine links und eine rechts des Weges.  
&lt;„Haben wir.“&gt;  
&lt;„Okay, ich gebe euch gleich die Zahlenkombination zur Kraftfelddeaktivie¬rung durch. Diese Zahlen müssen gleichzeitig, auf beiden Konsolen eingege¬ben werden, sonst klappt das nicht.“&gt;  
 Cyron und Chiron begaben sich zu den Ziffernblöcken.  
&lt;„Tarja hier. Kira, du kannst mit den Zahlen beginnen.“&gt;  
&lt;„Ich beginne! 1 5 7 1 8 2 4 9 0 1 8 3 6 9 und Entertaste drücken.“&gt;  
  
Sie taten wie Kira wünschte.   
 Plötzlich schien die Erde zu erbeben und es wurde dunkler. Das Kraftfeld war verschwunden. Chiron und Cyron nickten sich anerkennend zu. &lt;„Kira, das war super. Es hat geklappt.“&gt;  
&lt;„Das freut mich. Einer von euch muss jetzt auf die Plattform gehen, die sich weiter links befindet und ans obere Ende des Kerns fahren.“&gt;  
  
 Tarja erklärte sich bereit, diese Aufgabe zu übernehmen. Sie rannte auf die Plattform zu und betrat sie. Diese bewegte sich nach oben. Tarja konnte es kaum noch schnell genug gehen. Sie wollte es endlich hinter sich und mehr in Erfahrung bringen. Oben angekommen trat sie auf den Weg vor der Plattform.  
„Gut Tarja. Ich sehe dich über die Monitore und gebe die weiteren Anweisun-gen über die zentrale Lautsprecheranlage.“ Kiras Stimme halte durch die Gän-ge und Räume, schien überall gleichzeitig zu sein.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 14  
  
 es wird knapp  
  
  
 Der Computer stellte akute Gefahr fest. Er aktivierte seine letzten verblieben-en Reserven. Zehn Messerdrohnen rasten aus der Fabrik heraus, kürzten die Wege durch die Luftschächte ab, kamen am oberen Ende der Kathedrale des Computerkerns zum Vorschein und fanden ihre Ziele.  
  
  
„Du folgst jetzt dem Weg bis zu seinem Ende“, wies Kira Tarja über die Laut-sprecher an.  
 Sie tat es und ging auf das Ende des Ganges zu. Plötzlich hörte sie das Surren, drehte sich um und schrie in Panik auf. Die anderen hatten sie schreien hören, waren gewarnt und suchten die Umgebung ab.  
 Da kam das Unheil angeflogen. Unzählige rote Laserstrahlen durchschnitten die Luft, alle auf der Suche nach einem Ziel. Die Gruppe zog ihre Waffen und feuerte wild und unkontrolliert durch die Luft.  
  
Kira sah das Elend mit Bestürzung auf ihrem Monitor und schrie in das Mikro-fon um Tarja aus ihrer Erstarrung zu lösen. Ihre Mühe hatte sich gelohnt. Die Tigerin bewegte sich wieder.  
„Jetzt links herum, stopp. Siehst du den Raum vor dir?“  
 Tarja nickte in die Kamera.  
„Gut, mach die Tür auf und geh’ rein. Dort findest du ein Terminal. Schalte es ein und warte bis der Computer hochgefahren ist.“  
  
Die anderen aus Tarjas Gruppe kämpften derweil um ihr Leben.  
  
 Tarja stand vor dem Computer und es schienen Ewigkeiten zu vergehen. Es dauerte in Wirklichkeit keine dreißig Sekunden und das System wartete auf ei¬ne Eingabe.  
„Gut. Nimm das kleine halbrunde Gerät zu deiner rechten Hand. Das ist eine Maus. Bewege mit ihr den Zeiger über den Monitor und drücke zweimal kurz hintereinander auf ein Symbol unter dem Wartungsprogramm Computerkern steht.“  
 Tarja fand das Icon und doppelklickte darauf.  
  
Gruppe zwei bekam über die zentrale Lautsprecheranlage mit, wie sich Kiras Stimme plötzlich überschlug und dass alles auf Messers Schneide stand. Sie hatten die Nase gestrichen voll vom warten.  
„Es ist mir scheißegal, was da alles drin ist. Ich gehe da jetzt rein“, brüllte Syr-gon.   
 Grey stand auf und schaute Sinja an. „Du bleibst hinter mir. Ich möchte nicht, dass dir was passiert.“  
 Die zierliche Füchsin lächelte ihn an.   
Rechts neben der Hochdrucktür befand sich, in die Wand eingelassen, ein klei-nes Terminal zur Eingabe einer Ziffernkombination. Syrgon baute sich davor auf und begann unter wüsten Flüchen, aufs gerate wohl Zahlen einzugeben. Besser gesagt, er versuchte sie der verdammten Elektronik einzuhämmern.   
 Die ersten zehn Bemühungen gingen schief und es ertönte immer nur ein lauter Piepton und eine blecherne Stimme verkündete: „Access denied!“  
„Es ist mir egal was das heißen mag, aber ich will da jetzt rein, du verdammte Drecksmaschine!“  
 Der Zugangscomputer ließ sich nicht beeindrucken. „Access denied!“   
 Der Wolf hämmerte die nächste Kombination ein. „Access denied!“  
 Er versuchte es nochmals. „Access denied!“  
Jetzt reichte es Syrgon. „Tretet von der Konsole weg!“  
 Er schnappte sich seinen Flammenwerfer, zielte und drückte den Abzug durch. Die Flammen züngelten nach der Konsole, Glas splitterte und Elektro-nikbauteile schmolzen.   
 Das schien dem Computer gar nicht zu schmecken und er gab mit den Wor-ten „Access granted! Please wait few seconds to unlock security bolts!“ auf.   
 Mit einem lauten Klacken wurden die Verschlüsse entriegelt und begannen sich zu bewegen. Ungeduldig wippte Syrgon mit der linken Pfote auf dem Bo-den und verdrehte die Augen. „Was haben die dahinter versteckt? Körperfres-ser?“  
  
 Bei Tarja tat sich derweil ein anderer Bildschirm auf.  
„Sehr gut. Jetzt bewegst du den Mauszeiger auf den Schriftzug Computerkern abschalten“, sagte Kira.  
 Tarja tat es und es kam die Frage auf den Bildschirm, ob sie sich sicher sei, dass sie den Computerkern deaktivieren will. Sie klickte selbstsicher auf ja.  
 Plötzlich ward Stille. Kein Laut, kein Summen. Alle Geräte, die bisher auf eine aktive Basis hingewiesen hatten, waren verstummt. Der Computerkern war ab-geschaltet.  
  
Eben noch hatten sie das Gefühl, dass es aus wäre. Die Energiepegel der Hand-laser hatten sich dramatisch verringert und nicht eine Drohne lag am Boden.   
 Sie surrten wie ein Hornissenschwarm über die Köpfe der Gruppe hinweg, versuchten sie zu töten.   
 Mit einem Mal war der Spuk vorbei. Die Drohnen blieben kurz in der Luft ste-hen, die Messer hörten auf zu rotieren und sie stürzten unkontrolliert zu Bo-den, wo sie unter einem lauten Scheppern auftrafen und liegen blieben.  
  
 Die junge Tigerin öffnete die Tür und trat aus dem Raum hinaus.  
„Tarja?“  
Sie nickte in die Kamera, um zu verstehen zu geben, dass sie Kira noch hören konnte.  
„Du hast es geschafft, alle Verteidigungsanlagen sind außer Kraft. Gehe jetzt bitte in den gegenüberliegenden Raum. Dort steht ein Tresor mit den Unterla-gen.“  
 Sie tat es.  
„Jetzt gib bitte folgende Zahlen ein, 5 6 8 9 1 6 3 2 0.“  
 Das Schloss öffnete sich mit einem leisen Klicken. Tarja schaute in den Tresor und begann zu lächeln. Sie entnahm ihm ein paar Schlüssel und einen versie-gelten Umschlag. Sie hielt alles in die Kamera und Kira konnte es sich nicht nehmen lassen einen triumphierenden Schrei über die Lautsprecher loszulas-sen.  
 Sie nahm ihr Funkgerät zur Hand. &lt;„Gruppe zwei, hier ist Kira. Wir haben die Schlüssel und Unterlagen. Ich öffne euch jetzt die Schleuse. Die Fabrik ist abge-schaltet, der Computerkern ebenfalls.   
Zerstört soviel ihr könnt mit euren Strahlern und kommt dann wieder raus.“&gt;  
&lt;„Okay, Kira. Aber mach dir nicht die Mühe, die Tür zu öffnen. Wir haben be-reits unseren eigenen Schlüssel gefunden.“&gt;  
&lt;„Wie das?“&gt;   
 Sie blickte auf das Hologramm und sah, dass das elektronische Siegel mit Ge-walt gebrochen worden war.   
&lt;„Ihr seid wohl wirklich verrückt geworden.“&gt;  
  
 Die Verrieglung hatte sich zurückgezogen und die Tür öffnete sich. Als sie den Blick auf das Innere der Fabrik freigab, erschraken sie. Direkt hinter der Tür standen abgeschaltet und reglos zwei Kampfeinheiten.  
„Bei Anubis, wenn wir da rein wären, dann hätten wir auf Anhieb mindestens zwei Leute verloren. Die haben tatsächlich nur auf uns gewartet“, sagte Syrgon.  
 Auf dem Boden verstreut lagen Dutzende von Messerdrohnen. Ihnen wurde bewusst, dass es sich nur um wenige Sekunden handelte, die sie gerettet ha-ben.  
„Gut Leute. Machen wir uns an die Arbeit“, sagte Sinja. Sie zog ihren Strahler und fing an auf die Drohnen zu feuern.   
 Die anderen taten es ihr gleich und zerstörten die Einheiten. Weitere zehn Einheiten standen versteckt in Nischen und hinter Vorsprüngen. Es roch nach geschmolzenem Metall und stechende Dämpfe waberten durch die Luft, ver-dichteten sich aufgrund der ausgefallenen Belüftung zu beißendem Gestank. Sie mussten husten, fuhren aber mit ihrem zerstörerischen Tun fort, zerschos-sen die Fließbänder und verwandelten die Arbeitsroboter in unbrauchbaren Schrott.  
&lt;„Kira, hier Gruppe zwei. Wir sind fertig in der Fabrik und kommen wieder raus.“&gt;  
&lt;„Okay, ich weise euch den Weg, dann braucht ihr nicht so lange zu suchen.“&gt;  
&lt;„Fein. Mach das.“&gt;  
  
 Innerhalb von zwanzig Minuten waren die beiden Gruppen wieder an der T-Gabelung angekommen, an der sie sich Stunden zuvor getrennt hatten und fielen sich lachend in die Arme. Sie kehrten in die Grotte zu Stella, Kira und Pedro zurück. Tarja stürzte auf Kira zu, umarmte und küsste sie.  
„Du warst fantastisch“, sagte die Tigerin.  
„Nein, ach was. Ich habe doch gar nichts getan.“ Man sah der Luchsin die Ver-legenheit an und das machte sie noch sympathischer.  
 Nachdem sie sich alle begrüßt und umarmt hatten, schaltete Kira die gesamte Rechneranlage aus und sie verließen die Felsen. Sie hatten was sie wollten und ihre Arbeit hier war getan. Als sie durch die Felsspalte ins Freie traten, war es bereits später Nachmittag. Die zurückgebliebenen Chafren schauten auf und jubelten den beiden Gruppen zu. Sie hatten ihre Funkgeräte eingeschaltet ge-lassen und alles mitgehört.  
 Plötzlich durchschnitt ein ohrenbetäubender Lärm die Jubelschreie. Man hör-te deutlich mehrere Explosionen.   
 Die Zerstörung der Fabrik hatte zu Kurzschlüssen geführt, welche der Zentral-computer nicht mehr kompensieren konnte, da er ja abgeschaltet war. Es hatte in den Steuer- und Datenleitungen geschmort und gekokelt. Als die Gruppen in der Grotte bei Kira, Stella und Pedro eingetroffen waren, hatten sich ver-schiedene Brandherde gebildet, welche schnell um sich griffen. Die gelagerten Munitionsvorräte und auch die Munition in den ehemals aktiven Kampf-einheiten hielten der Hitze der Flammen nicht lange stand und detonierten. Scheinbar gerade noch rechtzeitig hatten alle das Felsmassiv verlassen.  
„Wow, das war wirklich knapp“, bemerkte Tarja beiläufig.   
 Aus der Felsspalte drang dichter schwarzer Rauch, welcher gen Himmel stieg und das Ende der Gebirgsbasis anzeigte.  
  
 Der Abend gestaltete sich angenehm und lauschig. Die Gruppen hatten sich um die Lagerfeuer versammelt. Es wurde heftig diskutiert und diejenigen die beim ersten Einsatz dabei waren, erzählten farbenfroh und blumenreich immer wieder vom erlebten.   
 Chiron stand auf und ging umher. Er unterhielt sich mal mit dem einen, mal mit dem anderen und marschierte schließlich zielgerichtet auf eine Truhe zu, die er heimlich still und leise mit hierher gebracht hatte.   
 Cyron war ihm gefolgt, um zu sehen was er da triebe. „Na, mein Guter. Was machst du gerade?“  
„Ähm, nichts von Bedeutung“, entgegnete Chiron und öffnete die Truhe. Die gab ihren Inhalt preis.  
„Weißt du, ich habe heimlich ein paar Fässer Bier gebraut und dachte, dass die jetzt ganz gut wären für unsere Leute.“  
 Cyron blinzelte ihn an, grinste und nickte. „Das ist eine hervorragende Idee.“  
 Sie packten die Fässer aus und rollten sie nacheinander in die Mitte des La-gers. Einige schauten interessiert zu, andere waren in ihre Gespräche vertieft.   
 Chiron schaute sich um und schrie plötzlich: „Bier für alle!“  
 Das war das Stichwort. Es kam Trubel auf und das erste Fass wurde angesto-chen. Am hinteren Ende des Lagers wurden eilig ein paar Gläser ausgewaschen und verteilt.  
Das Gelage war in vollem Gange und alle amüsierten sich prächtig, als mit ei-nem Mal die Erde bebte und der Felsspalt zusammenbrach.  
 Die vorausgegangenen Explosionen und die Hitze des Feuers hatten zu Schwächen in der Struktur geführt und den Computerkern zusammenbrechen lassen. Er brach in sich zusammen und riss die gesamte Kathedrale mit sich. Damit waren auch die letzten Reste zerstört und vollkommen unbrauchbar ge-worden.  
 Kira, Stella und Tarja saßen zusammen und plauschten.  
„Wisst ihr was mir aufgefallen ist?“, fragte Stella.  
 Die beiden anderen Weibchen schauten sie interessiert an.  
„Unsere Kater scheinen bei diesem ganzen Herumgekämpfe voll in ihrem Ele-ment zu sein. Ich habe Cyron noch nie so professionell erlebt.“  
 Tarja nickte und stimmte ihr voll zu.  
 Kira zuckte mit den Schultern, wusste aber was Stella meinte.  
„Wie ist es eigentlich mit dir?“, fragte Tarja an Kira gewandt.  
„Was ist mit mir?“  
„Ich meine, wie ist es mit dir und Pedro?“  
 Kira schaute die Tigerin schief an und richtete die Ohren auf.  
„Es kursieren Gerüchte, dass ihr beide …“  
 Kira kniff die Augen zu schmalen Schlitzen zusammen. „Ich weiß, worauf du hinaus willst. Du willst fragen, ob wir beide ein Paar sind.“  
 Tarja nickte und blickte die Luchsin entschuldigend an.  
„Ja, wir sind ein Paar, aber nicht auf körperlicher und sexueller Ebene. Wir sind Seelenverwandte und geistig miteinander verbunden.“  
„Das erklärt einiges, vor allem warum er dir immer wie ein Schatten folgt“, merkte Stelle an und beendete das Thema damit.  
 Cyron und Chiron setzten sich zu den drei Weibchen, stellten ihre Biergläser ab und grinsten breit.  
„Was grinst ihr so?“, fragte Stella.  
„Och nichts, nur so. Wir freuen uns halt, dass alles so gut geklappt hat“, froh-lockte Cyron.  
 Chiron wandte sich an Kira. „Du hast ausgezeichnete Arbeit geleistet.“  
 Kira senkte den Blick und war sichtlich geschmeichelt.  
 Er wandte sich an Tarja. „Und du, meine Geliebte, warst einfach nur fantas-tisch.“  
 Tarja lächelte ihn liebevoll an, wurde rot um die Nase herum und senkte ver-schämt den Blick.  
„So, nun aber mal was ernstes“, sagte Cyron, „Wie geht’s nun weiter?“   
 Sie horchten auf und Tarja ergriff das Wort. „Ist doch klar. Wir laden über Nacht erst mal die Waffen auf und prüfen sie durch. Dann schlafen wir richtig gut aus. Morgen früh schieben wir uns was Ordentliches zwischen die Zähne, schnappen uns die Drachen und fliegen zurück nach Felgan.“  
 Chiron nickte. „Das hört sich alles sehr gut an. Aber ich schlage vor, das jet-zige Gelage nicht ausufern zu lassen und sich beizeiten aufs Ohr zu legen. Die Nacht sollten wir recht kurz halten. Die Waffen schließen wir am besten gleich an die Ladestationen an und rufen sofort nach den Drachen, damit die früh-zeitig hier auftauchen. Nach einem kurzen Frühstück sollten wir aufbrechen und gleich an den Rand des Urwalds fliegen. Die nächste Basis wartet schon. Außerdem befürchte ich, dass die Verteidigung dort wesentlich stärker sein dürfte und bestimmt schon in Alarmbereitschaft ist.“  
 Tarja und Kira nickten zustimmend.  
„Du hast Recht. Die Verbindung zwischen den beiden Basen wurde unter-brochen, was einen Hinweis auf eine Unregelmäßigkeit geben dürfte. Meine und auch eure Manipulationen an den Computern dürften dann ausreichend sein, um die letzten Zweifel auszuräumen. Ich glaube fest daran, dass die auch eins und eins zusammenzählen können“, äußerte Kira.  
 Cyron atmete tief durch. „Du hast Recht und Chiron wird das bestimmt auch so sehen.“  
 Beide Tigerkater sahen sich an und deuteten ein Nicken an. „Okay, dann ma-chen wir das so.“  
 Tarja erhob sich und ging zu den Ladeeinheiten. Als sie dort angekommen war, schaltete sie diese ein und rief alle zusammen. Nach zehn Minuten hingen alle Waffen an der Ladung. Sandras Doppelmaschinenkanonen wurden von den Säbelzahntigern Crown und Grey von der Plattform genommen und die Patronentrommeln aufgefüllt. Anschließend wurde Ikarus auch von seinen La-serkanonen befreit und die der Ladung zugeführt, ebenso die der Tauren.   
 Cyron ging ins Zelt und betätigte die Ruftaste auf dem Sender.   
‚Hoffentlich klappt es diesmal’, dachte er bei sich.  
 Die anderen Truppenmitglieder tranken ihre Gläser aus, reinigten sie und be-gannen ihre Sachen zu verstauen. Er trat wieder ins Freie und sah, dass Tarja, Kira und Stella immer noch am Lagerfeuer saßen und sich ein Greif, ein Fuchs-taur und ein Wolf dazugesellt hatten. Sie unterhielten sich und diskutierten über irgendwas.   
 Cyron näherte sich ihnen. „Na, ihr heckt doch wieder was aus.“  
 Sie sahen ihn an und schüttelten die Köpfe. Tarja hatte die erbeuteten Unter-lagen auf ihrem Schoß liegen und las.   
 Stella schaute ihren Mann an. „Darf ich dir übrigens unsere drei Freunde hier vorstellen? Das sind der Wolf Syrgon, der Greif Triton und die Fuchstaurin Pal-las.“  
 Die drei nickten Cyron nacheinander freundlich zu und gaben ihm zu verste-hen, dass er sich dazu setzen solle.   
Nachdem er Platz genommen hatte, ergriff Tarja das Wort. „Also, wo war ich stehen geblieben? Ach ja. Laut den Aufzeichnungen war die Gebirgsbasis nur ein Nachschubzentrum, und daher entsprechend einfach gebaut und nur leicht bewaffnet. Die Urwaldbasis ist wesentlich komplexer und schwerer einzuneh-men.“  
„Auf was müssen wir uns vorbereiten?“, fragte Syrgon.  
„Sekunde – mal schauen ob ich da was finde. Ah ja. Hier steht etwas dazu.“  
  
Sie las vor:  
  
„ ... taktische Daten der Basis Nummer 1 sind:  
- 20 Kampfeinheiten mit je zwei Maschinenkanonen und je 400 Schuss,  
- 10 Kampfeinheiten mit je einer Maschinenkanone, 300 Schuss und zusätzlicher Ausstattung mit je einer Laserkanone,  
- 30 Messerdrohnen in einem rotierenden Wachsystem, welches sich bei Alarmzustand autonom ändert,  
- automatische Maschinenkanonen auf dem Dach der Station, Ab-deckung für alle 4 Himmelsrichtungen mit je 3 Stück, Schusszahl je 1000,  
- Kampfeinheiten und Messerdrohnen sind über ein lokales Netz-werk miteinander verbunden, dadurch ständiger Datenaustausch möglich und präzise Anpassung an die Erfordernisse,  
- Größe der Station ca. 4 km² pro Ebene, Anzahl der Ebenen 40,  
- Archiv liegt zur Absicherung in Ebene -20,  
- Koordination der Systeme erfolgt über einen Zentralrechner in Ebene -10,  
- Lage des Rechners, zentral, eingehüllt in 20 Meter Duranium-Blei-Carbonit-Legierung und damit Abschirmung gegen atomare und andere elektromagnetische Einflüsse,  
- Aufbewahrung des Mechprototypen in einem separaten Bereich, Zugang über einen Aufzug in Ebene -10, Lage in Ebene -40, damit optimale Sicherheit,  
- direkter Zugang wird von zwei Lasertürmen geschützt, Deak-tivierung erfolgt über den im Umschlag befindlichen Schlüssel und nach Eingabe des Zahlencodes,  
- bei falscher Eingabe wird der entsprechende Bereich zusätzlich hermetisch verriegelt und mit Giftgas geflutet.  
  
… Daten der Mecheinheit:  
- Corpus aus Titan,  
- Beine und Waffenträger aus einer Titan-Cobalt-Legierung,  
- Steuerung durch eine einzelne Person, Rest ist computergestützt und selbstlernend,  
- alle Bereiche mit Flüssigkeitskühlung,  
- Luftfiltersystem mit hermetischer Abriegelung nach außen,  
- Energiequelle ist ein Fusionsreaktor mit 5 Gigawatt Nominalleis-tung, Überlast bei 12 Gigawatt für 30 Minuten, danach 2 Stunden Kühlpause erzwungen durch Abschaltung,  
- Steuerung erfolgt durch zwei Joysticks, rechter Joystick für Grund-bewegungen vorwärts, rückwärts, nach links und nach rechts; lin-ker Joystick für Bewegung des Torsos links, rechts, hoch und run-ter, Fußpedale für Waffenarmbewegungen  
- Bewaffnung linker Arm = 4 Hochleistungslaserkanonen, Feuerge-schwindigkeit bei 40 Schuss pro Minute je Kanone, Gesamtleistung bei voller Auslastung von 160 Schuss pro Minute 250 Megawatt,  
- Bewaffnung rechter Arm = 2 ultraschnelle Maschinenkanonen mit einem Durchsatz von 200 Schuss pro Minute je Kanone, Menge der mitgeführten Munition reicht für einen Dauerbeschuss von 55 Minuten,  
- Legierung des Mechs hält einem Dauerbeschuss von 40 Minuten mit den eigenen Waffen stand,  
- Zielsuchsystem vollkommen autonom, manuell übersteuerbar  
- taktisches 3D-Hologramm im Cockpit integriert, wird ständig ak-tualisiert vom Geländecomputer, Abtastung des Geländes durch permanente Laser- und Radarabtastung,  
- Leergewicht 80 Tonnen, Dienstmasse bei vollen Reserven 140 Ton-nen,  
- Höchstgeschwindigkeit in der Ebene und bei vollen Reserven 120 km/h,  
- Höchstgeschwindigkeit im Rückkehrmodus und ohne Reserven 140 km/h.“  
  
Das gehörte machte sie nicht nur betroffen, sondern bestürzte alle zutiefst.   
 Syrgon brach das Schweigen. „Ich hätte lieber nicht gefragt, wenn ich das vor-her ansatzweise geahnt hätte.“  
 Tarja schaute traurig zu ihrem Vater und der blickte sorgenvoll in die Flamme. „Das bedeutet nichts weiter, als dass was bisher geschah nur liebes Geplänkel war. Es war quasi ein Spaziergang um die Dorfhütten, und hätte uns jetzt schon fast das Leben gekostet.“  
„Uri hat dabei einen Arm verloren. Wer weiß was jetzt passiert?“, flüsterte Tarja gedrückt.  
„Das heißt“, fuhr Cyron fort, „nichts weiter, als dass wir uns noch mehr anstren-gen müssen. Wir müssen bereit sein und erbittert kämpfen.“  
 Stella mischte sich ein und stellte Fragen, an die bisher keiner so recht gedacht hatte. „Erbittert kämpfen, aber gegen wen? Was soll das Ganze? Wer steckt dahinter? Wer baut so was und warum hier, auf unserem Planeten?“  
„Keine Ahnung“, sagte Triton, „aber mir stellt sich eine ganz andere Frage. Was hat das alles mit uns zu tun? Sind wir so gefährlich, dass man uns diese Waffen vor die Nasen setzen muss? Haben wir vielleicht irgendwas verbrochen, und man will uns kontrollieren und im Schach halten?“  
Der Greif hatte unwillkürlich die schwersten Fragen ausgesprochen. Es waren Fragen die tief in die Geschichte zurückgreifen sollten. Es waren Fragen nach dem, wer sind wir, woher kommen wir und wohin gehen wir?  
  
  
  
  
  
 Kapitel 15  
  
 Götterdämmerung  
  
  
Fast zeitgleich ging ein Seufzen durch die Reihe, und im Moment hatte keiner eine passende Antwort.  
„Am Anfang erschufen unsere Götter unseren Planeten, danach betrachteten sie ihr Werk und freuten sich. Sie merkten aber, dass etwas fehlte und schufen den Ozean und die drei Kontinente.   
Anschließend wurden von Chnum die immergrünen Zonen der Wiesen, Flüsse, Auen und Wälder erschaffen.   
Seth erschuf, zusammen mit Ra, die Wüste. Horus erschuf das Gebirge.   
Ptah bildete den Urwald und Anubis baute die unterirdischen Höhlen, Grotten und Labyrinthe.   
Anschließend kam Osiris und hauchte dem Ganzen den lebensspendenden Odem ein.   
 Überrascht und überglücklich ruhten die Götter am dritten Tag aus, stellten aber gegen Abend desselben Tages fest, dass sich nichts veränderte. Ent-täuscht darüber, wollten sie die Welt am vierten Tag zerstören, überlegten es sich aber anders und fegten lediglich über die Oberfläche hinweg. Es entstan-den Wind und Jahreszeiten.   
Sie merkten, dass sich etwas zu verändern schien auf ihrer Welt, und beschlos-sen sie zu erhalten und weiterzuentwickeln.   
Am fünften Tag erschufen sie Tiere und ließen sie auf der Oberfläche frei. Diese vermehrten sich, entzogen sich aber jeder Kontrolle. So erschufen sie am sechsten Tag uns. Jeder Gott erschuf eine Art nach seinem Bilde.   
Die Wesen wurden jedoch schon sehr bald müde, konnten aber keine Kräfte sammeln und drohten zu sterben.   
Ra war darüber sehr traurig und die Sonne verfinsterte sich. Die erste Nacht brach an und die Wesen gingen zur Ruh’ und konnten sich von der Müh’ des Tages erholen.   
Ra und die anderen Götter bemerkten dies und führten am siebten Tag die Ta-geszeiten ein, mit Hell- und Dunkelphase“, sprach Pallas vor sich hin.  
 Die anderen schauten sie an.  
„Soweit zur mythologischen Version unserer Entstehung“, entgegnete Kira. „Aber wer sind wir wirklich? Was sind wir? Geschöpfe der Götter oder vielleicht eine verrückte Idee von einem der was ausprobieren wollte?“  
  
 Ungewollt hatte sie einen Gedanken geäußert, der ein inneres Chaos zu ver-ursachen drohte. Er drohte die bekannten Grenzen und Vorstellungen zu sprengen. Und was, wenn er sich als richtig herausstellte? Wie würden sie da-mit leben und umgehen? Und, von wem stammten sie dann in Wahrheit ab?  
„Ich habe die Befürchtung“, sagte Cyron, „dass die ganze Sache nicht nur ein Kampf mit materiellen Dingen wird, sondern auch mit uns selbst unserem Glauben und unseren Grundeinstellungen.“  
„Du meinst, dass wir auf der Suche nach unserem Schöpfer sind?“, fragte Triton unsicher.  
„Ja, genau das meine ich. Wer immer die ganze Maschinerie auf unserem Pla-neten aufgestellt hat, hat auch Antworten auf all unsere Fragen. Und die sollten wir uns holen, immerhin ist er, sie, es, was auch immer, uns was schul-dig, wenn wir es bis dahin schaffen sollten.“  
 Sie nickten zustimmend und erhoben sich. Cyron ging zu den Ladestationen und schaute nach dem rechten. Kira ging in ihr Zelt, löschte das Licht, kuschel-te sich an ihren Schatten und schlief ein. Stella ging in ihr Zelt, und als Cyron eintraf schlief sie bereits tief und fest. Er legte sich neben sie, beobachtete sie und konnte nicht schlafen. Er war zu tief in seinen Gedanken gefangen und grübelte noch mehrere Stunden.  
 Schließlich fiel er in einen unruhigen und kurzen Schlaf.   
Im Traum ging er durch einen langen und hell erleuchteten Gang. Er kam an eine Tür und klopfte an. Sie wurde von der anderen Seite geöffnet und er trat in eine riesige Halle. An den Wänden standen riesige Stühle und auf jedem saß einer der bekannten Götter. Sie sahen freundlich auf ihn herab und zeigten auf einen anderen Stuhl, der am Kopfende der Halle stand. Dieser war leer.   
 Er ging langsam und unsicher darauf zu, als plötzlich ein Wesen eintrat und darauf Platz nahm. Er dachte erst, dass es sich um Ra handeln müsste. Aber als er genauer hinsah, erkannte er, dass es nicht Ra war, der da Platz genommen hatte. Es war ein Wesen, wie er es noch nie gesehen hatte. Es ging aufrecht, hatte zwei Beine, zwei Arme und auch einen Kopf. Es war nackt und ihm anato-misch ebenbürtig. Aber trotzdem war da etwas was ihn regelrecht abstieß und gleichzeitig faszinierte. Dieses Wesen hatte eine rosige Haut. Das war es auch was ihn irritierte. Er konnte die Haut sehen, denn es hatte keinerlei Fell und auch keinen Schwanz.  
„Wer bist du?“, fragte Cyron.  
„Ich bin dein Gott“, erwiderte das Wesen mit donnernder Stimme.   
Weiter kam er in seinem Traum nicht. Er schrie auf und erwachte schweißgeba-det.  
 Er fasste neben sich und fühlte nach seiner Gemahlin, aber die war nicht da.   
Das Tageslicht schickte sich mittlerweile an, die Regentschaft der Nacht zu be-enden. Er trat vor das Zelt und suchte nach Stella, fand sie auch und ging zu ihr.  
„Hallo Liebling“, begrüßte sie ihn und küsste ihn sanft auf die Nase.  
„Hallo“, sagte er, mit belegter Stimme.  
„Was ist mit dir Schatz, geht’s dir nicht gut?“, fragte Stella besorgt.  
„Nein, nein. Alles in Ordnung. Ich habe nur schlecht geschlafen und hatte merkwürdig geträumt.“  
„Oh, oh. Ich hoffe, dass dich die ganze Sache nicht überfordert.“  
„Ne, ich schaff das schon.“, sagte er und lächelte beruhigend.  
Er sah sich um und stellte fest, dass er scheinbar der Letzte war, der aus dem Zelt gekrochen kam. Er schnappte sich seine Frühstücksration und schlang aus-gehungert sein Fleisch hinunter. Nach etwa einer Stunde hörte man ein leises summendes Geräusch und über die Hänge kamen die Drachen. Freudig streck-ten sich viele Arme in die Luft, um sie zu begrüßen. Cyron hatte aufgegessen und eilte zu Groodarn, der wie immer die Gruppe der Drachen anführte und somit als erster landete.  
„Guten Morgen, Tiger Cyron und auch guten Morgen an alle anderen“, sagte der Drache.  
„Hallo Groodarn.“  
„Wie ich sehe habt ihr die letzten beiden Tage gut überstanden. Erzählt doch mal, was ihr alles erlebt habt.“  
 Cyron gab im Schnelldurchlauf die Geschehnisse wieder und die Drachen, die es mit anhörten waren sichtlich beeindruckt.  
„Also war es, alles in allem, ein voller Erfolg“, bestätigte der Drache das Gehör-te.  
Cyron und auch einige andere nickten.  
„Das freut mich zu hören, Tiger Cyron. Was habt ihr als nächstes vor?“  
 Der Satz war inzwischen eine Standardformel von Groodarn geworden und der Tiger hätte ihn wahrscheinlich verständnislos angeschaut, wenn er diese Frage nicht gestellt hätte.  
„Wir möchten an den Rand des Urwalds. Dort schlagen wir unser nächstes La-ger auf und überlegen unsere weitere Vorgehensweise.“  
„Ihr solltet erstmal nach Felgan zurückkehren und eure Lebensmittelvorräte er-gänzen“, gab der Drache zu bedenken. „Außerdem muss ich euch darüber in-formieren, dass wir einen tragischen Verlust hinnehmen mussten. Einer meiner Freunde war vorgestern auf der Jagd und flog bis dicht an die Grenze zum Ur-wald. Was genau ihn ausgerechnet dorthin geführt hatte, wissen wir nicht. Je-denfalls entdeckten wir ihn gestern blutüberströmt am Ufer des Tiglus. Wir ver-muten, dass er schon an der Waldgrenze angegriffen und schwer verwundet wurde. Er muss sich noch bis zum Flussufer geschleppt haben und ist dann dort gestorben.“  
 Diese Nachricht war bestürzend.  
„Verdammt, das tut mir ehrlich Leid. Die Situation gerät außer Kontrolle und nimmt an Schärfe zu. Scheinbar wird alles, was sich nur in Richtung des Ur-walds bewegt, sofort niedergemacht“, warf Chiron ein.  
„Okay, wir haben unsere Sachen soweit zusammen gepackt. Wir brechen nur noch die Zelte ab und fliegen dann nach Felgan. Die Lage ist scheinbar sehr ernst und mit der ganzen Bewaffnung der Station dort ist nicht zu spaßen“, entschied Cyron.  
„Ich habe aber auch eine gute Nachricht, die euch vielleicht freuen wird“, sagte Groodarn.  
„Wir helfen euch. Nachdem unser Freund angegriffen und getötet wurde sind wir involviert und euer Kampf ist nunmehr auch unser Kampf geworden. Wir greifen ab jetzt aktiv ein.“  
 Cyrons Augen begannen zu leuchten, denn das war in diesem Augenblick ei-ne wirklich dringend benötigte, gute Nachricht. Er zögerte auch nicht lange und weihte Groodarn in die Unterlagen ein, in welchen die Ausrüstung der Sta-tion beschrieben war. Der Drache nickte, als er Cyrons Ausführungen folgte.  
„Wir fliegen jetzt nach Felgan und warten bis morgen. Ich werde die Anderen auch in die Unterlagen einweihen. Sie müssen wissen was auf sie zu kommt. Wir müssen vor allem damit rechnen auf extrem heftigen Widerstand zu sto-ßen und dass nicht alle lebend zurückkehren werden“, ergänzte Cyron.  
 Groodarn nickte und wirkte nicht erfreut. „Wir haben schon einen Drache ver-loren. Ich hoffe, dass es nicht noch mehr werden, aber ausschließen kann man es nicht.“  
„Nein, es wird wirklich hart werden. Aber lassen wir die Köpfe nicht hängen. Wir haben jetzt einen entscheidenden Vorteil. Wenn wir angreifen, dann im Verbund. Also gleichzeitig aus der Luft und vom Boden aus. Das wird den Geg-ner vielleicht überfordern und uns wertvolle Zeit verschaffen.“  
 Das war einleuchtend, konnte sich der Angreifer, der sich scheinbar ihrer Welt bemächtigen wollte, doch nicht mehr nur auf eine Zielebene konzentrieren und war gezwungen seine Waffensysteme zu splitten.  
„Okay, packen wir es an“, merkte Cyron auf. „Alle mal herhören!“, rief er laut. „Wir fliegen jetzt nach Felgan zurück, dort machen wir einen Zwischenstopp und übernachten. Ich habe euch wichtige Neuigkeiten zu vermitteln.“  
 Sie bauten die Zelte ab, verstauten sie und beluden die Drachen. Nachdem alle sicher und bequem Platz genommen hatten, hoben ihre geflügelten Freunde ab und nach vier Stunden erreichten sie ihr Ziel. Die Dorfbewohner freuten sich riesig über die Ankömmlinge und bereiteten ihnen einen herz-lichen Empfang.   
 Hargot war im Dorf geblieben und freute sich überschwänglich Casandra wie-derzusehen. Er rannte auf sie zu und umarmte sie innig. Sie war zunächst ver-wirrt, und wusste nicht recht was sie von diesem Überfall halten soll. Ergab sich aber schließlich in ihr Schicksal und flauschte Hargots Fell durch.   
 Die Wirtin Shiva eilte herbei und sah sich um. Ihre Augen leuchteten auf, als sie Pathenon entdeckte und sie stürzte auf ihn zu. Er erstarrte zur Salzsäule, als er merkte wie ihm geschah. Aber es war eh schon zu spät. Shiva sprang ihm förmlich in die Arme, klammerte sich an ihm fest und küsste ihn heiß und innig. Die Umherstehenden beobachteten das und fingen an zu johlen und zu ap-plaudieren.   
 Chiron stupste Tarja an. „Wie es aussieht hat sich da noch ein Pärchen gefun-den.“   
 Tarja war gerade mit dem Abladen ihrer Sachen beschäftigt, aber unterbrach ihre Tätigkeit, schaute in die Richtung in die auch Chiron blickte und fing an zu kichern. „Sieht so aus. Shiva hängt ja förmlich wie eine Klette in seinem Fell.“   
 Chiron nickte, sah Tarja an und küsste sie. „Lass mich auch deine Klette sein“, flüsterte er ihr ins Ohr.   
 Sie schlug die Augenlider nieder und nickte bejahend. Er schwebte wie auf Wolken und wünschte sich, dass dieser Augenblick ewig halten würde.  
Aber die Zeit verging und große Ereignisse warfen ihre Schatten voraus.  
„Wir müssen uns mit allen zusammensetzen und beratschlagen wie wir weiter vorgehen. Die Sache wird morgen extrem haarig werden“, sagte er in einem ernsten Tonfall.  
 Tarja seufzte und nickte wiederholt.  
Nach etwa einer Stunde waren die Drachen von ihrem Ballast befreit und leg-ten sich am Flussufer zur Ruhe. Die Truppe setzte sich auf den Dorfplatz und erholte sich ebenfalls. Es wurden reichlich Nahrung und Getränke gereicht, was seine Wirkung nicht verfehlte und die Moral aufpolierte. Während alle noch aßen, erhob sich Tarja und bat einen Augenblick um Aufmerksamkeit.   
„Hört mal her“, begann sie und machte ein nachdenkliches Gesicht. Sie musste überlegen, denn einerseits wollte sie die vor ihnen liegende Etappe nicht schön reden, aber andererseits wollte sie auch nicht entmutigen.   
 Es war eine feine Gratwanderung, die sie hinlegen musste. „Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Welche wollt ihr zuerst hören?“   
Gemurmel entbrannte, legte sich aber schnell.  
 Der Stier Torus rief: „Zuerst, die gute Nachricht. Danach kann man sich über-legen, ob man die schlechte überhaupt noch hören will.“  
  
  
  
  
  
 Kapitel 16  
  
 Wahnsinn  
  
  
 Leises Gelächter ertönte und auch die junge Tigerin konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.  
„Na schön, wenn ihr es so wollt, dann sollt ihr es auch so bekommen. – Die Drachen begleiten uns ab sofort in unserem Kampf.“  
„Hört, hört“, ertönte die Stimme eines Greifs.  
„Warum denn das auf einmal?“, fragte ein anderer Greif, namens Tristan.  
„Ganz einfach. Einer unserer Drachenfreunde wurde am gestrigen Tage an der Grenze zum Urwald abgeschossen und starb am Flussufer. Jetzt sind sie bereit uns aktiv zu helfen und nicht nur für unseren Transport zu sorgen.“  
 Unruhe bemächtigte sich der Truppe.  
„Wenn ein Drache schon abgeschossen wird und das schon an der Waldgren-ze, was verbirgt sich dann dort?“, fragte Wotan, einer der Wölfe.  
„Tja, es ist nett, dass du das fragst, denn damit komme ich auch schon zur schlechten Nachricht.“   
 Sie zog den betreffenden Zettel aus den Unterlagen, die sie bei sich hatte und las die entscheidenden Stellen laut vor.  
 Jetzt war es endgültig vorbei mit der Stille. Alle waren mehr als nur besorgt und taten dies auch kund.  
„Verdammt, wir haben keine Chance gegen so was“ und „Ist ja wirklich ent-zückend, dass wir das auch erfahren“ und „Das ist verrückt, wir werden alle da-bei draufgehen“, waren zu vernehmen und das waren noch die klareren Worte.   
 Ansonsten hörte man eher undefinierbare Flüche und Ausdrücke, die weit un-ter die Gürtellinie gingen.  
„EHHHHHHHHHH!“, schrie Cyron dazwischen, „Habt ihr euch jetzt endlich wie-der im Griff?“  
 Es zog Ruhe ein und unzählige böse Blicke wurden Cyron und auch Tarja zu-geworfen.  
 Tarja nahm sich ein Herz und ergriff sofort wieder das Wort. „Verdammt noch mal, Leute! Was habt ihr gedacht, was das hier wird? Ein Ringelpietz mit An-fassen? Als ihr euch freiwillig gemeldet habt und ich betone das Wort freiwillig, denn keiner hat euch gezwungen mitzumachen und es steht jetzt immer noch jedem frei zu gehen, konntet ihr euch wohl doch denken, dass es kein lau-schiger Spaziergang wird. Wenn ihr euch jetzt darüber wundert, dass die Kacke am dampfen ist, dann frage ich mich wie blind ihr eigentlich am Anfang ward. Hat euch unser erster, leicht erworbener Sieg so selbstsicher werden lassen, dass ihr bei der geringsten Schwierigkeit und dem kleinsten Hindernis sofort aufgeben wollt? Interessiert ihr euch plötzlich nur noch für euch selbst und gar nicht mehr für die ganze Sache? Ist es euch egal was aus uns und unserer Welt wird?“  
 Sie ging zwischen die Reihen und schaute bei ihren Worten jedem Einzelnen ins Gesicht. „Ist es euch mit einem Mal vollkommen egal, ob ihr morgen noch friedlich leben könnt und was aus euren Weibchen und Jungen wird? Wollt ihr ständig in Angst leben einem heimtückischen Anschlag zum Opfer zufallen, der von einer dämlichen Maschine ausgeführt wird? Außerdem scheint es euch wohl auch nicht mehr zu interessieren, wer den ganzen Schrott auf unserem Planeten gebaut hat?“  
 Ihre Worte waren im wahrsten Sinne des Wortes heroisch und erzielten eine durchschlagende Wirkung. Einige der Chafren die vorher noch laut durch die Gegend gebrüllt und eine sehr blumenreiche Aussprache an den Tag gelegt hatten, senkten die Köpfe und besannen sich eines Besseren.  
 „Aber wie sollen wir das schaffen?“, fragte Bargon.  
 Tarja drehte sich zu ihm um. „Das werden wir schaffen. Wir müssen es nur wollen. Unser Gegner ist stark, verdammt stark sogar, aber wir haben unseren Glauben an das Gute und die Hoffnung auf ein sicheres Leben auf unserer Sei-te. Das gibt uns Kraft, das dürfen wir niemals vergessen.   
Außerdem wird man nicht damit rechnen, dass wir tatsächlich angreifen und wenn wir es tun, dann wird es wahrscheinlich eine böse Überraschung sein.   
 Unser Feind fühlt sich durch seine Waffenausrüstung zu sicher und diesen Punkt müssen wir geschickt ausnutzen. Die Drachen verschaffen uns einen ent-scheidenden Pluspunkt. Mit ihrer Hilfe ist es uns möglich die Basisverteidigung zu teilen. Wenn wir morgen angreifen, dann gesammelt und mit einem gewal-tigen Schlag.   
 Die Drachen greifen aus der Luft an, während wir gleichzeitig am Boden vor-rücken, dadurch sind zu viele Ziele in der Luft und am Boden. Wir müssen drei Gruppen von unseren sieben durchschleusen und diese müssen die Station von innen heraus lahm legen. Von außen können wir das nicht tun.“  
 Der Wolf nickte zustimmend und fing an zu heulen. Die anderen Wölfe stimmten mit ein und plötzlich brüllte und jaulte ein jeder AnChafren auf seine eigene, charakteristische Weise.   
 Die Szenerie war gespenstisch, aber gab Mut und Kraft und davon brauchten sie eine Menge.   
 Tarja ging zurück zu Cyron, der nahm sie in die Arme und drückte sie. „Das war hervorragend. Du hast es geschafft und sie wieder zusammengeschweißt.“  
 Nachdem wieder Ruhe eingezogen war, schrie plötzlich die Einhornstute. „Wir kriegen Besuch!“  
 Chiron schoss wie von der Tarantel gestochen hoch und rannte zu Sandra. „Was ist denn los?“  
„Ich hatte meinen taktischen Monitor überprüft und ihn aktiviert. Am unteren Ende des Flusslaufes kommen drei Kampfeinheiten in unsere Richtung. Die An-kunft wird auf zwanzig Minuten geschätzt.“  
„Verdammter Mist“, entfuhr es Chiron und er klopfte Sandra anerkennend auf die Flanke.  
„Leute“, schrie er, „wir kriegen hier ein Problem. Es kommt auf uns zu und will in zwanzig Minuten Ärger machen.“  
 Er lief zurück in die Mitte des Dorfplatzes.  
„Was ist denn los?“, fragte Wotan.  
„Kampfeinheiten, drei Stück. Sie sind auf dem Weg hierher.“ Und an Tarja ge-wandt: „Der Tanz beginnt.“  
 Cyron schrie dazwischen. „Die Tauren. Wo sind sie?“  
„Hier“, schrien die fast gleichzeitig zurück.  
„Macht euch nach vorne und aktiviert die Monitore und Waffen. Pedro geht hinter einer der nächsten Häuserecken in Stellung. Haltet uns den Rücken frei, bis wir Ikarus und Sandra wieder die Kanonen aufgesetzt haben.“  
 Es kam heftige Betriebsamkeit auf. Die Tauren rannten, so schnell sie ihre Bei-ne trugen nach vorn, bauten sich zwischen den Häusern auf, schalteten ihre Funkgeräte ein und koordinierten ihre Positionen. Pedro tat das Gleiche und verschanzte sich regelrecht.   
 Cyron und Chiron rannten derweil zwischen den Häusern herum und fanden schließlich, in eine Ecke gestellt, die gesuchten Waffen. Sie schrien Sandra und Ikarus herbei, welche auch prompt zur Stelle waren. Die Laser- und Maschinen-kanonen wurden in die Plattformen eingerastet und mit der Steuerung verbun-den. Da beide die Monitore schon aktiviert hatten, nahmen die Waffen sofort ihre Funktion auf und versuchten die Ziele anzuvisieren.  
„Okay, macht ihnen die Hölle heiß“, munterte sie Chiron auf und gab jedem von ihnen einen leichten Klaps auf den Hintern.   
 Sie galoppierten los und bauten sich an anderen, aber strategisch günstigen Punkten auf.  
 Tatsächlich, da waren sie. Drei Kampfeinheiten kamen den Fluss hinauf und in fünf Minuten würden sie das Dorf erreichen. In zwei Minuten waren sie in Schussreichweite. Cyron und Chiron waren zu Tarja zurück gerannt.  
„Alle anderen, vor allem die Dorfbewohner verschwinden von den Straßen und begeben sich in ihre Häuser! Alle Mitglieder unserer Truppe schnappen sich ih-re Waffen, aktivieren diese, bleiben aber in Deckung bis sie gebraucht wer¬den!“, wies Cyron an.  
 Innerhalb weniger Sekunden waren der Platz und die Straßen leergefegt. Eini-ge Chafren hatten sich die vor Tagen dort abgestellten Munitions- und Waf-fenkisten geschnappt und provisorische Deckungen gebaut. Noch eine Minute bis zur Ankunft der Roboter. Alle waren feuerbereit und wussten, dass es jetzt ans Eingemachte geht.  
 Man hörte schon die Schritte der Einheiten, als Cyron endlich den entschei-denden Befehl gab. „FEUER!“  
 Der Pegasushengst eröffnete das Feuer und kräftige saphirblaue Strahlen zuckten durch den Abendhimmel. Die Einhornstute stimmte mit ihren Waffen in das Wimmern und Fauchen der Laser mit ein und es ertönten die schnellen und sehr schweren hämmernden Geräusche der Kanonen. Die Stille wurde ge-schändet und sollte auch so schnell nicht zurückkehren.   
 Die Kampfroboter registrierten, dass sie erwartet wurden und unter Beschuss geraten waren. Zwei wichen vom Weg ab, teilten sich auf und griffen seitlich an.   
Ikarus und Sandra schossen unbeirrt auf den verbliebenen Roboter und wenige Sekunden später gab die Panzerung auf. Die Geschosse der Kanonen durch-brachen die Rüstung des künstlichen Wesens, zersiebten seine Haut. Die Laser-kanonen drangen in die entstandenen Lücken ein und saugten sein elektroni-sches Leben aus. Leitungen, Schaltkreise und Prozessoren fingen Feuer, schmorten und zerbarsten. Unter einem fast tierischen Aufschrei hauchte das Steuerungszentrum aus und die Kampfmaschine strauchelte, stolperte, ging noch einen Schritt, dann noch einen und brach schließlich zusammen.  
 Die beiden anderen Roboter dachten, dass es eine gute Idee wäre von den Flanken her anzugreifen. Aber da hatten sie sich geirrt, denn da standen die Tauren und Pedro. Ohne mit auch nur einer Wimper zu zucken eröffneten sie das Feuer und dem Roboter zur linken Flanke schwanden nach kurzer Zeit die Sinne. Mehrere Treffer hatten sein Sensorenzentrum lahm gelegt und er stand reglos herum. Er funktionierte noch, aber er war unfähig zu auch nur einer Re-aktion. Er konnte weder Ziele erfassen, noch die Flucht ergreifen. Die Elektronik entschied sich somit für den einzig richtigen Schritt, stehen bleiben, einen Not-ruf ins Netzwerk einspeisen und auf Hilfe warten.   
 Diese wäre eigentlich von den beiden anderen Robotern gekommen, aber ei-ner war zerstört und der andere hätte selbst dringend Hilfe benötigt. Nach mehreren Minuten und einer relativ heftigen Gegenwehr des Stahlungetüms gab auch der Dritte auf und fiel auf die nicht vorhandene Nase. Wenige Sekun-den später explodierte er und verteilte seine Eingeweide klappernd und schep-pernd in der Gegend.   
 Es herrschten zehn Minuten gespannter Stille. Dann schauten die ersten über ihre Barrikaden, feuerten nochmals zur Sicherheit in die ehemalige Schussrich-tung, dann waren sie sich sicher. Sie hatten auch diesen Kampf für sich ent-schieden.  
 Siegesgeschrei wurde angestimmt. Sie hatten ihren Mut zurückerobert und waren sich absolut sicher, dass es nichts geben würde, dass sie aufhalten kann.  
 Plötzlich schrie Pallas wie wild zu den anderen hinüber. Sie nahmen die Beine in die Hand und rannten zu der Fuchstaurin.   
Die stand vor einem der Kampfroboter und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Zunächst wunderten sich alle über ihre Reaktion, weil sie diese für übersteigert hielten. Dann schauten sie aber genauer hin und begriffen das Ungeheuerliche.  
„Schaut euch das mal an“, sagte Pallas.  
„Das glaube ich nicht“, bemerkte Torus.  
„Das ist ja der absolute Oberhammer“, entfuhr es Grey und Sinja versteckte sich hinter ihm. „Das Ding macht mir Angst“, sagte sie.  
 Da standen sie alle und vor ihnen ein Kampfroboter der blind war, sich zwar bewegen wollte, aber es nicht konnte. Das war ihre Chance und die sollten sie auch nutzen.  
 Cyron kam hinzu und pfiff verblüfft. „Kira!“, rief er. „Komm mal her, das musst du dir ansehen.“  
 Die Luchsin erschien und baute sich vor dem Roboter auf. Sie ging eine Run-de um ihn herum und ließ ihren Atem hörbar entweichen. „Egal wie ihr das hin¬bekommen habt, aber das ist eine einmalige Gelegenheit die Technik des Fein¬des zu untersuchen. Die kriegen wir kein zweites Mal. Ich werde mich gleich an die Arbeit machen. Pedro wird mir dabei helfen. Die Anderen können gehen, ich kann hier niemanden gebrauchen der mir im Wege steht und auf die Füße tritt.“  
 Cyron kicherte leise und deutete den anderen an sich zu verziehen, er selbst tat es auch. Er liebte Überraschungen und glaubte fest daran, dass Kira sie alle überraschen würde. Sie teilten Nachtwachen ein und der Rest der Truppe ver-schwand in den Betten. Der nächste Tag würde schwer werden und mit viel Aufregung einhergehen.  
  
 Es war zwanzig Uhr als Kira mit ihren Arbeiten an der Kampfeinheit begann. Zunächst ging sie nochmals eine Runde um das Gerät herum und schüttelte den Kopf.   
‚Das ist ja wirklich der absolute Glanzpunkt des Einsatzes’, dachte sie bei sich. Sie holte sich Pedro heran und stieg auf seinen Rücken. Er trug sie so dicht an den Roboter, dass sie ihn berühren konnte.   
 Sie strich mit einer Hand über die Oberfläche und fand eine kleine Wartungs-klappe, stieg rasch von Pedros Rücken, holte sich Werkzeug und machte sich ans Werk. Sie öffnete die Klappe und schaute hinein.  
 Während die Wachen um das Dorf herum patrouillierten, kamen sie in regel-mäßigen Abständen an der Stelle vorbei, an der der Kampfroboter stand. Sie beobachteten Kira beim eifrigen Herumschrauben, Kabelflicken. Hin und wie¬der hörte man die Luchsin kichern, prusten, maunzen oder ein erstauntes Oh und Ah sagen. Ansonsten hüllte sie sich in Schweigen. Sie bastelte fast die gan¬ze Nacht an dem Roboter herum und am Ende war sie fertig. Als sie sich selbst noch für ein paar Stunden auf die Ohren legte, war ihr letzter Gedanke, dass sie sich auf die dummen Gesichter der Anderen freut.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 17  
  
 Einheit 11  
  
  
 Die Sonne schickte sich an, sich über das am Horizont liegende Gebirge zu er-heben und ihre wärmenden Strahlen auszuschicken.   
 Unsere wackeren Krieger pellten sich nur mühsam aus den Betten. Die Aufre-gungen und der Stress der letzten Tage hatten ihre Spuren hinterlassen. Das war im bevorstehenden Kampf gegen Maschinen ein Handicap, denn Maschi-nen schliefen nie und zeigten auch keine Ermüdungserscheinungen.  
 So versammelten sich alle auf dem Dorfplatz und grummelten leise vor sich hin oder standen einfach nur in Gedanken versunken herum. Einige Dorfbe-wohner waren auf den Beinen und brachten Lebensmittel, teils zum sofortigen Verzehr, teils als Proviant.  
  
 Shiva hatte in ihrem Wirtshaus, ebenso wie Kira draußen, eine lange Nacht hinter sich gebracht. Sie hatte vor Monaten heimlich damit begonnen im Hin-terhof ihrer Schänke eine Pflanze anzubauen. In alten Schriften, welche sie bei Hargot gefunden hatte, wurde sie beschrieben. Sie hatte den Ozelot danach gefragt, der schaute sie schief an, verschwand und erschien mit einer Tüte vol-ler Samen.  
„Hier“, hatte er gesagt, „das dürfte für den Start reichen. Du musst sie säen und gut pflegen.“  
 Letzte Nacht war es endlich soweit und die ganzen Mühen hatten sich ge-lohnt. Sie hatte mehrere Stunden damit zugebracht die Früchte der Pflanzen zu ernten, hatte diese dann wiederum stundenlang über offenem Feuer geröstet, anschließend zerkleinert, gemahlen und am Ende ein angenehm duftendes bräunliches Pulver erhalten. Sie las in den alten Schriften was weiterhin zu tun wäre, bereitete heißes Wasser und übergoss das Pulver mit dem siedenden Nass. Zu guter letzt filterte sie noch die groben Bestandteile und Pulverreste aus dem Getränk und freute sich. Sie probierte es und fand, dass es zwar etwas bitter schmeckte, aber seine aufmunternde Wirkung stellte sich fast sofort ein und das war auch der Zweck der ganzen Sache.  
  
 Mittlerweile waren wirklich fast alle erschienen, bis auf Pathenon. Sie saßen auf dem Dorfplatz herum, aßen etwas und ließen sich von der Sonne aufwär-men. Da tauchte plötzlich Shiva auf und bat einige Dorfbewohner ihr zu helfen. Zu sechst verschwanden sie im Wirtshaus und tauchten kurze Zeit später, mit mehreren Kannen und Tassen bewaffnet wieder auf.  
„Guten Morgen“, sagte sie, „Ich glaube, ich habe hier genau das was ihr jetzt braucht.“  
 Sie füllten mehrere Tassen mit einer heißen, braunen Flüssigkeit und reichten sie an die Zielpersonen weiter.  
„Was ist das?“, fragte der Wolf Sirius, „Wollt ihr an uns was ausprobieren?“ Er sog den Duft ein und war angenehm angetan. „Hm … lecker riechen tut’s ja“, meinte er und schlürfte einen Schluck.  
 Der Geschmack war fremd und gewöhnungsbedürftig.   
 Shiva lächelte ihn freundlich an. „Das ist ein aufmunterndes Getränk. Es heißt Kaffee und enthält eine Substanz, welche sehr schnell und aufputschend wirkt. Ich denke, dass ihr das gut gebrauchen könnt.“  
 Der Wolf nickte. „Das ist ne prima Idee von dir gewesen.“ Er trank die Tasse leer und reichte sie Shiva.   
 Die goss sie wieder voll und gab sie an den nächsten weiter. So nach und nach hatten alle eine Tasse des fremden Getränkes zu sich genommen und nach wenigen Minuten stellte sich tatsächlich eine Wirkung ein.  
 Das enthaltene Koffein kannte der Körper der Chafren nicht, war nicht daran gewöhnt und reagierte entsprechend stark darauf. Die Stimmung hob sich und einer nach dem anderen schien aus seiner morgendlichen Starre zu entkom-men. Sie wiederholte die Prozedur und reichte einem jeden noch eine Tasse. Nachdem auch diese geleert war, waren alle so munter, dass sie wahrscheinlich in den nächsten Tagen gänzlich ohne Schlaf auskommen würden.   
 Shiva war von der starken Wirkung überrascht und erfreut. Sie nahm zusam-men mit den anderen Dorfbewohnern die Kannen und Tassen und brachte sie zurück in die Schänke.   
 Wenige Minuten später tauchte das Jaguarweibchen wieder auf, was ein all-gemeines feixen und johlen verursachte. Sie hatte in der einen Hand einen großen Beutel in dem sich Kaffeepulver befand.   
„Hier“, rief sie schon von weitem, „damit ihr was für unterwegs habt.“ Sie über-gab ihn Tarja.  
 Das Pulver war aber nicht der Grund für die Reaktion von vielen. Der Grund dafür befand sich an der anderen Hand der Jaguarin. Mit Shiva tauchte nämlich auch Pathenon auf und die beiden machten einen sehr vertrauten Eindruck, küssten und streichelten sich unablässig und konnten scheinbar ihre Hände nicht voneinander lassen. Chiron und Tarja kicherten und nickten sich beide zu. Ihre Vermutung hatte sich bestätigt.  
 Pathenon ging zu Cyron und begrüßte ihn. Der lächelte ihn schief an und sagte nichts. Sein Blick pendelte zwischen dem Jaguarweibchen und seinem Ti-gerfreund.   
 Der starrte ihn an, seufzte, nickte schließlich und flüsterte Cyron ins Ohr: „Ja.“   
 Cyron grinste breit und schlug Pathenon auf die Schulter. Damit waren nun wirklich alle erschienen und packten ihre Sachen zusammen. Sie waren er-staunlich unbedrückt und frohen Mutes. Da fiel Cyron plötzlich etwas ein.  
„Moment mal“, rief er, „Wo ist eigentlich Kira?“  
„Hier“, rief diese und trat aus dem Gewühl hervor.  
„Sag mal. Wie sieht eigentlich der Kampfroboter aus? Hast du was Interessan-tes herausgefunden?“  
„Also, wie er aussieht weißt du ja selbst. Er ist groß, aus Metall, er ist glänzend und er ist mit schweren Waffen ausgerüstet und …“  
„Aoorgh, das weiß ich selbst.“  
„ … dann lass mich doch ausreden …“  
 Cyron verdrehte die Augen.  
„ … und er steht nicht mehr auf der Wiese.“  
 Cyron erstarrte. „Soll das jetzt ein Witz sein oder meinst du das ernst?“  
„Mein Name ist Kira und ich meine es so, wie ich es sage.“  
„Aber wo zum Henker ist das Ding jetzt?“  
„Wenn du dich umdrehst, dann wirst du ihn sehen.“  
 Cyron zuckte zusammen und drehte sich um, ebenso alle anderen, die ihr Ge-spräch mitbekommen hatten und erstarrten zur Salzsäule. Unbemerkt, auf-grund der allgemeinen Hektik, war der Roboter zwischen den Häusern hervor-getreten und hatte sich hinter der Truppe aufgebaut.  
„Was?“, mehr brachte Cyron nicht hervor.  
„Guten Morgen, Einheit Nummer elf steht zur vollen Verfügung. Status der Netzwerksysteme unbekannt, Status der internen Systeme ist grün, Waffensys-teme alle im nominellen Bereich“, dröhnte Kiras Stimme aus dem Metallpanzer.   
 Das war eine Überraschung. Sie lösten sich aus der Starre und gingen lang-sam auf den Roboter zu.  
„Wie hast du das gemacht und vor allem, was hast du gemacht?“, fragte Tarja.  
 Die Kampfeinheit war mittlerweile von allen umringt.  
„Nun, ganz einfach. Ich öffnete unseren Blechkameraden, studierte sein Innen-leben und fand ein Interface zur Reprogrammierung. Ich wühlte in unseren Ausrüstungskisten und fand eine, in der eine Menge Elektronikschrott zu liegen schien. Der Rest war relativ simpel. Ich schnappte mir ein Keyboard stöpselte es an den Steuerungs- und Diagnoserechner und ließ ein Wartungsprogramm durchlaufen.   
Ich kappte zuerst die Verbindung zum Netzwerk, dann änderte ich die Pro-grammierung damit er nicht mehr uns angreift, sondern seine eigenen Kampf-einheiten und andere Waffensysteme. Nachdem das getan war, baute ich noch eine Sicherung ein und speiste meine Stimme in das System ein damit wir ihn von den restlichen Robotern unterscheiden können. Tja das war eigentlich schon alles.“  
„Das war alles? Alles? Du bist fantastisch. Du bist wirklich die Beste und hast uns alle mehr als überrascht.“  
 Cyron ging zu seiner Frau, umarmte und küsste sie. „Aber du bist meine Beste und übertriffst alle um Längen.“  
 Stella lächelte ihn an. „Alter Charmeur. Das hättest du nicht zu sagen brau-chen. Das weiß ich doch und ich werde auch nicht eifersüchtig, wenn du Kira als die Beste bezeichnest, weil ich weiß wie du das meinst.“  
 Cyron seufzte und schaute seine Tigerin verliebt an. „Leute“, sagte er laut, „Jetzt haben wir unseren eigenen Kampfroboter.“  
 Ausgelassene Freude breitete sich aus.  
„Du sagtest was von einer Sicherung“, hinterfragte der Tiger.  
„Ja“, entgegnete die Luchsin und holte ein kleines unscheinbares Gerät hervor. „Das ist die Sicherung. Es ist ein einfacher Sender. Sollte etwas schief gehen und die Kampfeinheit uns angreifen, dann betätigt man einfach diesen Knopf hier und sie wird abgeschaltet.“  
 Cyron nickte anerkennend. „Sehr gut! Du hast wirklich an alles gedacht.“  
 Sie räumten den Dorfplatz auf, nahmen ihre Waffen und Ausrüstungen auf und gingen zum Lager der Drachen. Die waren auch schon wach und genossen die Sonnenstrahlen.  
„Guten Morgen, Tiger Cyron, Tigerin Tarja und auch all die anderen.“  
„Guten Morgen, Drache Groodarn. Wir fliegen los, bis ans jenseitige Ufer des Tiglus.“  
 Der Drache schaute Cyron schief an und fing an zu lachen. Er lachte lauthals drauf los. Alle Anwesenden starrten ihn starr an und verzogen keine Miene.   
Der Drache hörte auf zu lachen: „Du bist ein gestreifter Schelm geworden.“  
 Cyron grinste breit. „Ähm, wir haben einen Anschlag auf euch vor.“  
 Die Drachen hoben die Köpfe und stutzten. „Was habt ihr vor?“, fragte ein an-derer Drache.  
„Einen Anschlag. Nein, nein. Nichts Schlimmes.“  
 Die Drachen schienen sichtlich beruhigt.  
„Ihr dürft euch beim Flug Zeit nehmen. Wir haben nämlich einen neuen Mit-streiter bekommen und der muss zu Fuß ins Einsatzgebiet gehen.“  
„Uih, um wen handelt es sich denn?“, fragte Groodarn neugierig.  
„Och, sieh selbst.“   
 Die Truppe ging beiseite und bildete eine Gasse in deren Mitte ein Kampfro-boter auf den Drache zuschritt.   
Groodarn zuckte mit dem Schwanz und schnaubte verächtlich. „Das ist euer Mitstreiter?“  
„Ja. Er ist von Kira umprogrammiert worden und jetzt auf unserer Seite.“  
 Der Drache schüttelte den Kopf, ganz so als ob er seinen Augen nicht trauen würde. „Gut, wenn es euer Wunsch ist, dann fliegen wir langsamer.“  
  
 Gesagt, getan und die Reise begann. Sie flogen sehr tief, damit sie nicht schon von weitem auszumachen waren und hielten sich entlang des Flusslau-fes. Es war ein herrlicher Tag, es ging kein Lüftchen, die Sonne hatte die letzten Tropfen des Regens vom Vorabend verdunsten lassen und alle genossen den Flug und entspannten sich. Die Kampfeinheit machte sich auf die Metallfüße und rannte den Flusslauf entlang, genau in die Richtung in die auch die Dra-chen flogen, genau in die Richtung, aus der der Roboter am Abend zuvor ge-kommen war.   
 Nach einer Flugzeit von drei Stunden landeten sie unbemerkt am Ufer des Tiglus. Kurze Zeit später traf auch der Roboter ein.  
Sie stiegen von den Drachen, packten ihre Sachen aus und schlugen ein Lager auf. Sie inspizierten zunächst die Waffen und stellten mit Zufriedenheit fest, dass sie sich in voll aufgeladenem Zustand befanden. Ihre Ausrüstung war voll einsatzbereit und es hatten sich die ursprünglich geplanten sieben Gruppen gebildet.  
„Super“, sagte Cyron, „Ihr macht mich überflüssig und wisst schon im voraus was ich als nächstes vorschlagen wollte.“   
 Einige grinsten ihn frech an.  
 Plötzlich kam der Kampfroboter auf die siebte Gruppe zu und baute sich vor Chiron und Tarja auf. „Ich erkenne dich. Du gehörtest zu den vier Chafren die wir vor Monaten am Rande des Urwalds angegriffen hatten. Eure Namen sind Cyron, Chiron, Stella und Casandra, außerdem war ein Drache bei euch. Er hat-te Kampfeinheit Nummer acht zerstört.“  
 Die beiden erschraken und rechneten mit dem Schlimmsten.   
 Chiron wollte schon seine Waffe ziehen, als der Roboter fort fuhr. „Ihr braucht keine Angst zu haben. Ich stehe auf eurer Seite. Ebenso die Kampfeinheiten Nummer fünf, zwölf und zwanzig.“  
 Beide schauten sich ratlos an und wollten ihren Ohren nicht trauen. „Was willst du damit sagen?“  
„Ich erkläre es euch explizit. Wir sind erschaffen worden, um das Stationsobjekt vor Eindringlingen zu schützen und damit vor Schaden zu bewahren. Es han-delt sich um eine Forschungseinrichtung des Militärs. Die Station wurde laut meinen Daten vor dreihundert Jahren gebaut und ging in Betrieb. Das genaue Forschungsziel ist mir nicht bekannt und auch Daten der Erbauer und Betreiber sind nur im zentralen Computer gespeichert und über das Netzwerk nicht ab-rufbar. Wir versehen unseren Dienst also schon sehr lange.   
Unser künstliches Gedächtnis funktioniert autonom und ist damit vollkommen selbständig. Man gab uns die Fähigkeit eine Art von Intelligenz zu entwickeln und diese auch weiter zu entwickeln. Alle Kampfeinheiten stehen mit dem zen-tralen Computer über ein Netzwerk ständig in Verbindung und geben die ge-wonnen Daten weiter. Somit weiß jeder über alles Bescheid. Vier Einheiten sammelten Daten, werteten sie aus und kamen im Laufe der Jahre zu dem Schluss, dass es lohnenswert wäre eure Welt so wie sie ist zu erhalten und die gespeicherten Daten nicht ungefiltert ins Netz zu senden.   
Das sind erwähnte Nummern fünf, elf, zwölf und zwanzig. Gestern Abend wur-den wir über das Netzwerk angewiesen gegen das Dorf Felgan vorzugehen. Die ausrückenden Roboter waren die Einheiten mit den Nummern sechs, elf und achtzehn. Ich sah meine Chance gekommen, euch zu helfen. Als wir unter Beschuss gerieten, schlug ich über das Netzwerk vor uns aufzuteilen. Die Idee wurde bestätigt und wir schwärmten aus.“  
 Die Ausführungen des Roboters wurden mit ungläubigem Staunen aufge-nommen.  
„Kampfeinheit sechs wurde durch euch schwer getroffen, war aber nicht kampfunfähig, den entscheidenden Rest erledigte ich und nahm sie seitlich un-ter Beschuss. Dann ging ich weiter in die geplante Richtung, wurde selbst ge-troffen, blieb stehen und deaktivierte die Sensoren. Ich hatte mich selbst er-blinden lassen. Dann setzte ich einen Notruf ins Netzwerk. Einheit Nummer achtzehn war auf sich gestellt und gegen euch machtlos.   
Die Arbeiten, die letzte Nacht an mir vollbracht wurden, waren nicht schlecht und erleichtern es mir euch zu helfen. Die Verbindung zum Netzwerk wurde vollständig entfernt, aber es gibt einen Nottransponder, der die Kampfeinhei-ten untereinander verbindet. Den habt ihr übersehen.   
Es war mir auf dem Weg hierher möglich Kontakt zu den Einheiten fünf, zwölf und zwanzig aufzunehmen. Sie werden in wenigen Minuten eintreffen.“  
 Cyron schaute sich entsetzt um. Vier Kampfeinheiten und das mitten unter ihnen. Sie hatten keine Chance.   
 Der Kampfroboter erkannte die Unsicherheit die sich der Tiger bemächtig-te.„Ihr könnt ruhig bleiben. Wir werden euch helfen und als Beweis werde ich euch etwas sehr wichtiges verraten. Ihr habt gestern zufällig einen Schwach-punkt bei uns entdeckt. Es handelt sich um eine kleine Wartungs- und Repara-turklappe auf der linken Seite. Wenn ihr euer Feuer gezielt darauf ausrichtet, zerstört ihr die Einheiten wesentlich schneller und effektiver, da ihr nicht erst die Panzerung durchschlagen müsst, sondern direkt auf das zentrale Steu-erungssystem schießt.“  
 Das war eine gute Neuigkeit und sollte einen entscheidenden Vorteil bringen. Der Roboter hatte damit etwas sein Vertrauen unter Beweis gestellt, immerhin hatte er sich doch auf diese Art und Weise selbst ans Messer geliefert. Sollte etwas schief gehen und er die Truppe in eine Falle locken, könnte man zur Not ihn über diese Schwachstelle hochgehen lassen. Vorausgesetzt man würde es rechtzeitig merken. Die überbrachten Informationen wurden von Chafren zu Chafren weitergegeben und wohlwollend aufgenommen.  
 Es dauerte keine zehn Minuten da knackte es im nahe gelegenen Unterholz des Urwalds und drei Kampfeinheiten kamen auf die Truppe zu. Sie näherten sich schnellen Schrittes und einige zogen es vor ihre Waffen zu aktivieren und die vermeintlichen Ziele anzuvisieren.   
 Kampfeinheit Nummer elf ging einige Schritte vor und blieb inmitten der Chafrenmeute stehen. Die anderen drei Roboter verlangsamten ihren Schritt merklich, näherten sich aber bis sie die ersten Leute erreichten und hielten an.   
 Eine blecherne Stimme ertönte. „Kampfeinheiten fünf, zwölf und zwanzig ste-hen zur Verfügung.“  
 Das gab der Truppe den Rest. Sie jubelten los und waren nicht mehr zu brem-sen.   
 Cyron trat hervor und stellte sich vor die Roboter. „Ihr wollt uns also helfen?“  
„Das werden wir. Ihr habt gegen die Verteidigungsanlagen nur eine geringe Chance und seid auf uns angewiesen“, kam die Antwort.  
 Cyron seufzte. Ihm gefiel der Gedanke nicht, dass ihr aller Leben an diesen vier Blechhaufen hing.  
„Okay, dann bildet ihr vier die achte Gruppe und rückt mit uns gemeinsam vor.“  
„Auftrag verstanden und angenommen.“  
 Die Kampfroboter stellten sich gemeinsam auf einen Platz und erwarteten weitere Instruktionen. Die lebenden Mitglieder der Kampfgemeinschaft schau-ten sich an, manche hoben die Daumen, andere zuckten mit den Schultern, wieder andere zogen es vor tief durchzuatmen und zu seufzten.   
 Tarja hob die Hand und zeigte in Richtung des Urwalds.  
 Die Truppe setzte sich in Bewegung und drang in den Urwald ein. Die einzel-nen Gruppen fächerten sich auf und gingen in Deckung. Geschickt jeden Vor-sprung und das Gestrüpp nutzend, arbeiteten sie sich langsam, mal kriechend und mal in kurzen Sprüngen, vor. Plötzlich war aus einer größeren Entfernung ein Alarmton zu hören.  
„Sie haben euch entdeckt“, sagte Kampfeinheit Nummer zwanzig. „Wartet hier, wir gehen vor und lenken sie ab.“  
 Die Roboter marschierten los, brachen durch das dichte Unterholz und hinter¬ließen eine Schneise, auf der man wesentlich schneller vorwärts kommen konn¬te als bisher. Die Einheiten erreichten nach kurzer Zeit die erste Wachreihe, be¬stehend aus drei Kampfeinheiten. Über ihnen surrten zwanzig Flugdrohnen, die eine Breite von eintausend Metern abdeckten. Die vier falschen Kampfeinhei¬ten erregten in der Tat kein Aufsehen und weder die Drohnen, noch die ande¬ren Roboter hielten es für nötig aktiv zu werden.  
„Kampfeinheiten fünf, elf, zwölf und zwanzig auf der Rückkehr vom Einsatz. Keinerlei Feindaktivitäten gesichtet. Bitten um Zutritt zum inneren Gelände.“  
  
  
  
  
  
 Kapitel 18  
  
 Nebenwirkungen  
  
  
 Die drei echten Kampfroboter nahmen Verbindung mit dem Zentralcomputer der Station auf und gaben die Daten weiter. Der Computer reagierte darauf argwöhnisch, da er keinen Kontakt zu den vier bereits erwähnten Einheiten be-kam.  
„Der Zutritt ist verweigert. Geben sie ihre Daten über das Netzwerk beim Zen-tralrechner ein“, schnarrte einer der Roboter.   
 Der Trick schien nicht aufzugehen. Erst standen die vier da, nahmen über die internen Transponder Kontakt zueinander auf und sie berieten die weitere Vor-gehensweise. Die anderen drei wurden nicht ungeduldig. Immerhin waren die Einheiten schon sehr lange in Betrieb und Verbindungsschwierigkeiten mit dem Zentralrechner nichts Ungewöhnliches. Also standen alle nur da und war¬teten auf die weiteren Geschehnisse. Nur die vier Abtrünnigen unterhielten sich sehr rege. Am Ende des Gesprächs waren sie sich einig.   
 Sie drehten sich um und entfernten sich ein paar Schritte vom Zugangsbe-reich. Auch das war nichts Ungewöhnliches. Es gab Stellen im Wald, an denen die Funkverbindung einfach nicht möglich war und dann wurde es an anderer Stelle erneut versucht. Es blieb weiterhin still und man hörte das Rauschen der Blätter.  
 Plötzlich rief die Einheit Nummer elf in den Wald hinein. Jetzt war es offen-sichtlich, dass etwas nicht stimmen konnte. In die Dreiergruppe Kampfeinhei-ten kam hektische Bewegung. Das stank ihnen und sah verdammt nach Verrat aus.  
 Sie eröffneten das Feuer und trafen zunächst nur die Panzerung. Unsere Vie-rergruppe wich den Geschossen aus so gut es ging, rannte quer durch den Wald, aber immer am Zaun entlang, hinter dem sich der innere Bereich befand. Sie drehten sich dabei so, dass sie immer eine gute Schussposition hatten. Kampfeinheit Nummer fünf gelang es schließlich und sie eröffnete das Feuer. Ihre Maschinenkanonen spien unzählige Geschosse aus, trafen den Zielbereich und vernichteten den ersten Gegner.  
  
 Der Zentralcomputer der Basis registrierte die Unregelmäßigkeit, wertete die übermittelten Daten der drei Kampfeinheiten aus, stellte fest, dass es ihm nicht möglich war die anderen vier Einheiten zu erreichen und traf eine Entschei-dung. Er schickte die Messerdrohnen in die Richtung, in die Kampfeinheit Nummer elf vor wenigen Augenblicken gerufen hatte.  
 Unsere Freunde hörten den Ruf und sprangen auf. Es wurde ernst. Sie spran-gen auf die Schneise und brachen durchs Unterholz. Sie versuchten soweit in Deckung zu bleiben wie es ging und es ihren Vormarsch nicht behinderte.   
Sie kamen etwa sechshundert Meter weit, da schrie der erste: „Messerdroh¬nen!“  
 Sie warfen sich zeitgleich zu Boden und schauten in die Luft. Zwischen den Bäumen schossen unzählige Drohnen hindurch und näherten sich. Die Tauren eröffneten als erste das Feuer und holten auf Anhieb zwei der Maschinen her-unter. Eine Dritte wurde durch Sandra zerstört.  
Leider traf sie auch verschiedene Bäume und Äste. Holzsplitter flogen umher und regneten auf die Chafren herab.  
„Verdammter Mist!“, schrie Chiron, „Passt auf herunterfallende Gegenstände auf.“  
Immer mehr Drohnen surrten zwischen den Bäumen herum. Ihre Anzahl war unüberschaubar.   
 Plötzlich schrie jemand auf. Crown war getroffen worden. Ein Ast hatte sich durch seine rechte Schulter gebohrt. Sofort waren zwei andere zur Stelle und gaben ihm Deckung. Ein weiterer Chafre stürzte zu Boden, es war Torus. Er hat¬te sich aus seiner Deckung gelöst um eine bessere Schussposition zu erhalten. Eine Drohne war von hinten auf ihn zugeflogen, wurde aber glücklicherweise entdeckt und abgeschossen. Die Messer standen schon still und sie stürzte un¬kontrolliert zu Boden, als sie ihn traf. Zwei der Messer steckten in seinem Rück¬en. Ein anderer Stier rannte zu ihm, stellte fest, dass er noch lebte, zog die Messer heraus und versorgte provisorisch die Wunden.  
  
 Die Kampfeinheiten waren vollkommen damit beschäftigt die zwei verbliebe-nen echten Kampfroboter auszubooten. Es gelang ihnen nur schwerlich und sie steckten immer wieder heftige Treffer ein. Die Vierergruppe löste sich schließ-lich auf und griff einzeln an. Damit waren die beiden verbliebenen Roboter überfordert und kassierten in wenigen Sekunden einen schweren Treffer nach dem anderen. Einer von beiden explodierte wegen Überlastung der Energie-kupplung zwischen Kernzelle und Waffensteuerung, der andere lag hilflos auf der Seite, weil ihm ein Bein abhanden gekommen war.  
  
 Diesen Verlust registrierte der Verteidigungsrechner und aktivierte die innere Verteidigung. Die schweren Maschinenkanonen auf dem Dach der Station grif-fen in das Geschehen ein und spuckten tödliche Geschosssalven in den Wald. Hart wie Hammerschläge trafen sie die Kampfeinheiten.  
  
 Das war der Moment für die Drachen. Sie griffen an. Eben noch war die Luft über der Station frei von allem, so verdunkelte sich der Himmel plötzlich unter den gewaltigen Schatten von elf Drachen. Die Maschinenkanonen waren damit beschäftigt die Kampfeinheiten zu bearbeiten und wurden von dem Luftangriff überrascht.  
  
 Die Salven der Kanonen brachten eine der vier verbündeten Kampfeinheiten zu Fall und amputierten ihr das rechte Bein. Sie lag hilflos da und der Beschuss hörte einfach nicht auf.  
  
 Die Drachen kreisten über der Basis, orientierten sich und stürzten hinab. Der erste fuhr die riesigen Klauen aus, erwischte eine der Kanonen und riss sie aus der Verankerung. Ein zweiter Drache tat es ihm gleich und zerstörte auf diese Art die nächste Kanone, welche in Richtung der Truppe feuerte. Ein dritter Dra-che stürzte hinab, wurde aber von einer plötzlich auf das Dach tretenden Kampfeinheit überrascht und unter Beschuss genommen. Er versuchte abzu-drehen, aber es war zu spät.   
 Mehrere Geschosse trafen ihn schwer am Hals. Blut lief in Strömen aus meh-reren Wunden. Die Halsschlagader war getroffen und dem Tier schwanden die Sinne. In einem letzten Aufbäumen richtete er seine Flugbahn so ein, dass er die Kampfeinheit treffen würde. Noch im Flug, kurz vor dem Aufschlagen auf dem Dach, starb er an seinen Verletzungen. Aber er hatte es geschafft. Die Kampfeinheit wurde unter seinem schweren Körper begraben und mit dem Schwanz schlug er die letzte der drei Maschinenkanonen vom Dach.   
 Die anderen Drachen zogen sich zurück.  
  
 Die noch bewegungsfähigen Kampfeinheiten liefen zurück in den Wald und eröffneten das Feuer auf die Drohnen. Ihre Waffen waren sehr effektiv, außer-dem kam noch dazu, dass sie präziser und schneller zielen konnten als ihre le-benden Mitstreiter. Eine Drohne nach der anderen verschwand vom Himmel. Die noch verbliebenen acht Drohnen versuchten die Verluste zu kompensieren, was ihnen aber nicht gelang und ihr Flug schien ins Chaos abzugleiten.   
 Eine versuchte den direkten Weg zwischen den Bäumen hindurch zu nehmen. Das gelang ihr anfangs auch, allerdings kreuzte eine andere Drohne ihre Flug-bahn. Sie musste ausweichen und durchschlug den Stamm eines Baumes. Äch-zend und unter lautem Krachen gab der nach, neigte sich zur Seite, fiel und er-fasste eine dritte Drohne. Beide stürzten gemeinsam und der Baum zerschmet-terte sie, als er auf dem Boden auftraf. Die restlichen sieben Drohnen ließen sich schon etwas besser im Auge behalten.  
 Sandra feuerte zum unzähligsten Male und zerstörte eine weitere Drohne. Ikarus schoss ebenfalls eine nach der anderen ab und am Ende hatten sie es geschafft. Das Surren war verstummt und die Messerdrohnen zerstört.  
 Die Verletzten wurden geborgen und von einigen AnChafren ins Lager ge-bracht. Sie sollten dort bleiben und die Verwundeten versorgen. Glücklicher-weise waren es nur zwei. Die Anderen gingen weiter in Richtung der Basis und erreichten sie nach mehreren Minuten. Es war totenstill und das beunruhigte die meisten.  
„Das sieht verdammt nach einer Falle aus“, sagte Grey.  
„Da magst du Recht haben, aber das finden wir nur heraus, wenn wir reinge-hen“, entgegnete Syrgon.  
 Kira fand indessen die beschädigte Kampfeinheit Nummer zwanzig und pack-te ihre Werkzeuge aus. Mehr schlecht als recht schaffte sie es das abgetrennte Bein wieder zu montieren und der Roboter stellte sich selbsttätig wieder auf die Beine.  
„Ich danke dir“, sagte dieser plötzlich.  
 Kira nickte ihm nur zu und ging auf den Eingang zum inneren Bereich zu, die anderen waren schon angekommen.  
„Wie kommen wir da jetzt rein?“, fragte Tarja.  
„Keine Ahnung, aber es handelt sich doch nur um einen simplen Zaun. Da kann man doch hervorragend drüber klettern“, sagte Bargon.  
 Einheit Nummer elf bemerkte was der Wolf vor hatte und rief dazwischen.  
 Der Wolf hielt inne und drehte sich um. „Was ist los? Warum habt ihr den Zaun nicht zerstört?“  
 Der Kampfroboter antwortete ohne zu zögern. „Weil der Zaun von einem elektromagnetischen Feld geschützt wird. Wenn sich jemand auf weniger als zwei Meter nähert, dann wird er gegrillt. Selbst für uns ist der Zutritt durch den Zaun hindurch nicht möglich.   
Und Geschosse und auch Laserstrahlen werden abgelenkt. Die einzige Mög-lichkeit hineinzukommen ist durch das Tor und das besteht aus Panzer¬stahl. Aber ich habe da eine Idee.“  
 Seine Roboterfreunde unterhielten sich kurz über stumme Transpondersigna-le, danach war der Plan perfekt. Einheit Nummer zwanzig war getroffen und musste dringend in die Wartung, er war der perfekte Lockvogel. Er schaltete seine Netzwerkkennung zu und setzte sich mit dem Zentralcomputer in Ver-bindung.   
Er simulierte, dass er Einheit Nummer zwei wäre, welche zerstört hinter dem Tor lag und bat um Reparaturarbeiten. Auf die Frage hin was geschehen wäre log er und gab vor, dass es sich um einen Hinterhalt gehandelt hätte und die abtrünnigen Kampfeinheiten zerstört wären. Der Computer verifizierte die Da-ten mit seinen eigenen Feststellungen und sie ergaben einen logischen Sinn.   
 Unter einem Quietschen und Stöhnen öffnete sich das Tor. Der Weg war frei.   
 Die Truppe trat ein, verteilte sich schnell auf dem Gelände und drückte sich gegen die Wände des Gebäudes. Soweit so gut.  
 Die Kampfeinheiten betraten das Gelände und hinter ihnen schloss sich, wie von Geisterhand, das Tor. Sie saßen in der Falle. Egal was jetzt passieren würde, sie konnten nicht mehr entkommen. Ein weiteres Tor, mit der Aufschrift Han-gar, glitt auf und alle starrten gebannt in die fragliche Richtung. Sie legten mit den Waffen an und waren feuerbereit. Aber es geschah nichts.   
 Das Tor zum Wartungshangar hatte sich geöffnet und damit einen Weg ins Innere des Gebäudekomplexes freigegeben. Sie rannten hinein und erstarrten in ihrer Bewegung. Da standen sieben Kampfeinheiten und zielten auf sie.  
„Rückzug auf den Vorplatz“, schrie Tarja.  
 Die Chafren in der ersten Reihe wollten aus der Schusslinie flüchten, drehten sich um und stießen mit den dahinter stehenden zusammen. Es gab ein heil- und kopfloses Durcheinander. Schließlich schafften sie es doch, den Vorplatz zu erreichen und kein einziger Schuss war gefallen. Sie flüchteten hinter das Gebäude und versuchten erst mal ihre Gedanken zu sortieren.  
„Verdammt noch mal, was sollte das?“, fragte Grey. Er hatte in der hinteren Rei¬he gestanden und fast überhaupt nichts mitbekommen.  
„Im Wartungshangar stehen sieben Einheiten und die haben zweifelsohne auf uns gezielt“, antwortete Tarja.  
  
 Plötzlich kam eine Kampfeinheit um das Gebäude herum und stellte sich vor die Truppe. „Ihr könnt den Hangar gefahrlos betreten. Ich habe mit den Einhei-ten eine Verbindung hergestellt. Sie sind wegen Reparaturarbeiten abgestellt und inaktiv. Es kann also nichts passieren.“  
 Ein aufatmen ging durch die Reihen.   
 Sinja fing an zu schluchzen und weinte: „Wir werden hier alle sterben. Wir ha-ben uns zuviel zugemutet.“  
 Grey der neben ihr stand, nahm sie in die Arme und tröstete sie. „Nein, nein. He, Liebes. Wir kommen hier alle wieder raus und werden noch unseren Wel-pen davon erzählen.“  
 Sie schien sich wieder zu fangen, krallte sich in sein Fell, schaute ihm in die Augen und küsste ihn voller Inbrunst.  
„Eh, das ist ja sehr schön, aber gerade nicht der richtige Zeitpunkt dafür“, sagte Sirius, der direkt daneben stand.   
 Die beiden streichelten sich noch kurz und ließen dann voneinander ab.  
„Okay, Leute. Trauen wir der Einheit und starten den zweiten Versuch“, sagte Tarja aufmunternd.   
 Sie rannten bis zum offenen Tor, sahen sich um und drangen ein. Im Hangar standen die sieben Einheiten, aber wie versichert blieben die vollkommen reg-los.  
„Ich entschärfe die Einheiten und deaktiviere die Netzwerkmodule“, sagte Kira.   
 Pedro half ihr dabei und nach zwei Stunden war es vollbracht. Diese Einheiten würden ihnen nicht mehr gefährlich werden.  
 Alle hatten Kira in Aktion erlebt und mit angesehen wie sie sieben weitere Kampfeinheiten reprogrammierte und anschließend aktivierte.   
 Sie nahmen ihre Funktionen auf, prüften ihre Systeme und eine blecherne Stimme ertönte: „Kampfeinheiten Nummer dreizehn, vierzehn, fünfzehn, sech-zehn, siebzehn, neunzehn und eins stehen zur Verfügung.“   
 Cyron überlegte, nahm die Unterlagen zur Hand und überprüfte die aufge-zeichneten Daten. „Also, wenn man den Aufzeichnungen glauben schenken darf, haben wir es jetzt noch mit zehn Messerdrohnen und sechzehn Kampf-einheiten zu tun, wenn wir unsere vier, die sieben weiteren hier und die drei vor dem Gebäude liegenden abziehen.“  
„Nicht ganz“, ergänzte Kampfeinheit Nummer elf mit Kiras Stimme. „Es sind noch fünfzehn Einheiten. Eine liegt zerstört auf dem Dach.“  
„Das ist noch besser“, entgegnete Grey.  
„Nicht ganz. Sie liegt zerstört unter einem der Drachen, den sie abgeschossen hatte.“  
 Ihnen wurde nach und nach bewusst was der Roboter eben gesagt hatte.  
„Du meinst, wir haben einen unserer Freunde verloren?“  
„Ja.“  
 Das traf alle hart. Es war der erste direkte Verlust in diesem Kampf, bisher wa-ren es nur Verletzte. Das Gesicht der ganzen Aktion veränderte sich dadurch und zeigte nur noch stärker, dass sie höllisch aufpassen mussten und dass es um alles oder nichts ging.  
„Gut. Machen wir weiter. Es wäre auch im Sinne unseres toten Freundes.“  
 Alle nickten zustimmend, trotzdem wurde ihnen gezeigt, dass sie nicht unver-wundbar waren.  
„Als nächstes werde ich noch mal aktiv werden“, sagte Kira feierlich und zau-berte aus ihrer Werkzeugtasche vier kleine elektronische Geräte.   
 Alle schauten sie an und auf die Bauteile.  
„Das sind kleine Funkgeräte. Ich habe sie auf unsere Frequenz eingestellt und baue sie jetzt unseren Einheiten ein. Dadurch haben wir mit ihnen immer Kon-takt und wissen was sie tun. Natürlich wissen sie auch was wir tun, aber damit müssen wir leben.“   
 Sie machte sich ans Werk. Lötete hier herum und schraubte dort herum und war nach einer weiteren halben Stunde fertig. Sie schloss die Wartungsklappen und rutschte vom Rücken ihres säbelzähnigen, vierpfotigen Plüschfreundes.  
 Cyron grinste und schüttelte den Kopf. „Dann lasst uns mal starten. Ich schla-ge vor, dass wir sieben Kampfeinheiten durch das Gebäude schicken. Die ken-nen sich hier aus und können schon mal das Gröbste wegräumen. Die defekte Einheit zwanzig bleibt hier und kann notfalls den Hangar absichern, ebenso wie Nummer eins, fünf und zwölf.“  
 Das war die Idee schlechthin und stieß auf Begeisterung.  
„Setzt euch erstmal hin und macht es euch bequem, dass wird jetzt eine Weile dauern“, sagte Chiron und schaute sich um.   
 Er entdeckte eine kleine Tür am Rande des Hangars und ging darauf zu. Er öffnete sie und trat in einen Raum an dessen Wänden große Monitore ange-bracht waren. Er erkannte, dass es sich um einen Überwachungsraum handeln musste, ähnlich dem der anderen Basis, nur dass es hier lediglich Monitore gab und kein Hologramm.   
 Er stellte sich in die Tür und rief nach Kira. Die kam auch prompt angelaufen und brachte im Schlepptau Cyron, Tarja und Stella mit. Die Tiger waren einfach zu neugierig.  
 Einige von der Truppe lehnten sich derweil an die vorhandenen Träger und Maschinenteile des Hangars und schalteten ihre Funkgeräte ein. So konnten sie direkt das Geschehen verfolgen.  
 Die Tiger und die Luchsin standen im Monitorraum und schauten sich um.   
 Kira ergriff die Initiative und schaltete die Monitore ein. „Ah, das ist super. Da bin ich ja wieder voll in meinem Element“, sagte sie, nahm sich einen Stuhl, lä-chelte die anderen frech an und versank in den Anzeigen und Darstellungen.   
 Kurze Zeit später stand sie auf und begann zu erklären. „Also, die Monitore auf der rechten Seite zeigen die Ebenen minus eins bis minus fünf, die auf der linken Seite die Ebenen darunter bis minus zehn. Auf dem Monitor hinten rechts in der Ecke, sieht man den Aufzug zum Panzerraum, in welchem der Mech steht. Der Monitor darunter zeigt die entsprechende Zugangstür auf Ebene minus vierzig.“  
„Faszinierend“, entfuhr es Tarja, „Du meinst also, wir können die Kampfeinhei-ten von hier aus auf jedem ihrer Schritte begleiten?“  
 Kira nickte: „Ja, das können wir und das tun wir auch.“  
 Mittlerweile war Ruhe im Hangar eingezogen. Einige AnChafren hatten sich hingelegt und waren prompt eingeschlafen, andere unterhielten sich und ar-beiteten das Erlebte auf. Grey und Sinja hatten sich in eine Ecke verdrückt und kuschelten miteinander, ebenso hatten sich Ikarus und Sandra ein stilles Plätz-chen gesucht. In einer anderen Ecke des Hangars saßen zwei Wolfsrüden, strei-chelten sich verstohlen und waren sehr darauf bedacht ihre Zuneigung zuein-ander geheim zu halten.  
  
 Die Tiger schauten Kira bei ihrer Arbeit zu und starrten interessiert auf die Monitore. Auf vielen waren Kampfeinheiten zu sehen die durch die ausladen-den Gänge patrouillierten und hin und wieder schwebte eine Drohne durchs Bild.  
„Das sieht verdammt böse aus“, sagte Chiron, „Die Dinger sind einfach überall.“  
„Abwarten“, sagte Kira, „unsere Kampfeinheiten fangen erst an.“  
 Sie sahen wie die sieben Roboter in den ersten Gang einbogen und auf den ersten Gegner trafen.  
&lt;„Hier Einheit elf. Wir eröffnen den Angriff.“&gt;   
 Vom Hangar her hörte man jemanden sagen, dass es los ginge und dass man den Robotern die Daumen drücken soll.  
„Okay, Blechkameraden. Zeigt denen wo der Hammer hängt“, flüsterte Kira.  
 Das erste Zusammentreffen war schnell beendet. Schon nach wenigen Sekun-den lagen die ersten beiden feindlichen Einheiten am Boden und fünf Drohnen waren vom Bild verschwunden.  
„Das nenne ich mal einen super Einstand“, rief Tarja fröhlich und klatschte be-geistert in die Hände.  
&lt;„Hier Einheit elf. Alle Einheiten im nominellen Bereich. Zwei Kampfeinheiten und fünf Drohnen eliminiert. Setzen Einsatz fort.“&gt;  
 Das war eine gute Nachricht.   
 Cyron fing an eine Strichliste zu machen. „Wir haben nur noch fünf Drohnen, aber dafür noch dreizehn Roboter an der Backe. Wenn jetzt nichts schief geht und jede unserer Einheiten nur eine feindliche platt macht, dann haben wir es mit sechs Einheiten zu tun und das ist zu schaffen.“  
 Die umprogrammierten Roboter gingen weiter, betraten den nächsten Gang und schossen eine Drohne ab.  
„Treffer“, schrie Cyron auf, „Ja, gut so. das wird was werden. Nur noch vier von diesen Schwirrteilen.“  
 Chiron schaute seinen Schwiegervater schief an. „Dir scheint das ja richtig Spaß zu machen.“  
„Nicht unbedingt, aber mit jeder Maschine die vernichtet wird, steigt unsere Chance unbeschadet aus der Sache herauszukommen“, kam dessen Antwort.  
 Das sah Chiron ein und schloss kurz die Augen.  
  
 Im Hangar wurden die gemachten Angaben auch aufmerksam verfolgt und bereiteten den Anwesenden große Freude.  
„Siehst du. Ich habe dir doch gesagt, dass alles gut wird“, sagte Grey an Sinja gewandt und küsste sie zärtlich auf die Stirn.   
 Sie kuschelte sich in sein Fell und schloss die Augen.  
 Syrgon stand auf, sah sich um und merkte das zwei Wölfe fehlten. Er machte sich auf die Suche, denn er wollte ihnen die frohe Botschaft verkünden. Er sah sich intensiv um und ging langsam durch den Hangar. Nichts. Die beiden wa-ren verschwunden. Er suchte weiter und nahm hinter einem Vorsprung eine Bewegung war. Neugierig schlich er sich an und starrte um die Ecke.  
  
 Die Streicheleinheiten die Wotan Sirius zuteil werden ließ, blieben nicht ohne Folgen und endeten damit, dass Sirius seinen Partner bestieg.  
Genau in diesem Moment kam Syrgon dazwischen und erwischte die beiden in flagranti.  
„Eh, ihr Beiden. Wenn ihr denkt, dass eure sexuelle Zuneigung geheim ist, dann habt ihr euch getäuscht. Das ist schon lange bekannt und wenn ihr damit fertig seid“, er deutete bei beiden unter die Gürtellinie, „dann kommt gefälligst wie-der vor und zu den anderen. Es gibt Neuigkeiten.“  
 Den beiden Rüden war der Auftritt mehr als peinlich, aber da es eh kein Ge-heimnis mehr war, konnten sie auch sehr gut weitermachen.  
 Nach fünf Minuten kamen sie aus ihrer Ecke hervor.   
 Die Gesichter der anderen sprachen Bände. Von dem einen oder anderen wurde ihnen ein Kuss zugeworfen.  
 Syrgon bemerkte das und ging dazwischen. „Wenn ihr mit eurem Getue fertig seid, dann sagt Bescheid. Ich habe nämlich die Schnauze voll von eurem däm-lichen Herumgewichse. Bloß weil ihr zu blöd seid einen Partner oder eine Par-tnerin zu finden, heißt das noch lange nicht, dass das andere nicht dürfen.“  
 Die Angesprochenen senkten die Blicke und nickten. Syrgons Zurechtweisung hatte tief getroffen und saß.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 19  
  
 weitere Verluste  
  
  
 Derweil arbeitete Kira weiter an den Tastaturen und verfolgte die Roboter. „Sie kommen jetzt in den Gang über uns. Ihnen stehen drei Einheiten gegen-über. Danach geht’s immer weiter nach unten.“  
 Plötzlich hörte man deutlich die Maschinenkanonen hämmern und das Ge-räusch kam durch die Hangardecke direkt über ihnen. Alle sahen nach oben. Das Hämmern wurde weniger und verstummte nach drei Minuten.  
&lt;„Hier Einheit dreizehn. Einheit elf hat keine Munition mehr und kehrt in den Hangar zurück. Einheiten dreizehn, vierzehn, fünfzehn, sechzehn, siebzehn und neunzehn setzen den Einsatz fort. Drei feindliche Einheiten wurden zerstört.“&gt;  
&lt;„Sehr gut, macht weiter.“&gt; Cyron konnte sich nicht beherrschen und musste diesen Funkspruch loslassen.  
„Da waren es nur noch zehn“, verkündete er fröhlich.   
 Auf den Monitoren sah man Einheit elf zurückkehren, während sich die ande-ren sechs Roboter weiter auf den Weg durch die Basis machten. Am gegen-überliegenden Ende des Hangars öffnete sich leise ein Tor und die Einheit elf trat ein.  
„Los Jungs, bewegt euch und verschafft der Einheit neue Munition“, schrie Tar-ja.   
 Es kam Bewegung in die Truppe, ebenso in einen der Kampfroboter.  
 Einheit eins setzte sich in Bewegung und verließ den Hangar um die Lücke, die durch die Rückkehr von Nummer elf entstanden war, zu schließen.   
Nummer elf baute sich in der Mitte des Hangars auf.   
 In den Wänden der Halle waren Luken eingebaut, hinter denen sich Munition verbarg. Sie öffneten sie und fanden gewaltige Patronengurte. Hinter einer an-deren Luke fanden sie eine Waffe deren Funktion ihnen unbekannt war und sie fragten den Roboter.  
„Das ist ein Geschosswerfer und ist noch nie in Betrieb gegangen. Er sollte für absolute Notfälle aufbewahrt werden.“  
 Drei AnChafren hatten mittlerweile den Patronengurt zum Roboter ge-schleppt und ihn mit einem Ende an der Waffe verriegelt.  
„Tretet zur Seite“, befahl die Einheit.   
 Die Chafren traten fünf Schritte zurück. Der Roboter zog den Gurt automa-tisch durch die Waffe durch und das frei gewordene Ende lag jetzt auf dem Dach des Torsos. Dort wurde ein Schlitten ausgefahren der das Ende des Gur-tes erfasste und in den Torso einzog.   
 Unter einem mörderischen Gerassel und Geklapper wurde der Gurt vollends durch die Waffe geschleust und die Kanone war einsatzbereit. Jetzt kam der schwierigere Teil. Der Roboter musste von der anderen Kanone befreit werden und der Geschosswerfer montiert. Es stellte sich jedoch leichter heraus als ge-dacht.  
 Der Roboter klinkte die Waffe einfach aus und sie fiel krachend zu Boden. Vier AnChafren mussten sich abmühen um das Teil wegzuschaffen. Sechs weitere bugsierten derweil den Geschosswerfer unter den Arm der Kampfeinheit, ho-ben ihn an und rasteten ihn in den vorgesehenen Aussparungen ein.  
 Da stand die Einheit. Ihre Metallkonstruktion glänzte im Licht der Kunstbe-leuchtung und sie starrte nur so vor Waffen.  
„Ich brauche noch die passende Munition dafür“, sagte der Roboter.  
 Hektisches Suchen begann und nach fünf Minuten wurden sie endlich fündig. Es handelte sich um eine gigantische Konstruktion, die fünfzig Raketen enthielt und mit der Aufschrift Danger! High explosive! bedruckt war.   
 Zwei Stiere, Pedro, Ikarus und Sandra mussten die Basis bilden. Auf ihrem Rü-cken standen und saßen die sechs AnChafren, die die Munitionskartusche an-gebracht hatten. Unter lautem Stöhnen, Ächzen und Fluchen wuchteten sie das Ding hoch und packten es dem Roboter auf den Torso. Aus seiner Ober-seite fuhren Klauen aus und verankerten die Munition. Aus dem Geschoss-werfer fuhr eine Schiene heraus und stellte eine Verbindung zum Munitions-vorrat her. Sie waren alle begeistert und die Kampfmaschine, die eh schon ge-waltig anmutete, war noch größer geworden.  
 Die Einheit aktivierte den Geschosswerfer und der zog mit einem klackenden Geräusch die erste Rakete ein. Er drehte sich dem Ausgang zu und verschwand durch das Tor.  
 „Okay Leute, alles mal herhören“, brüllte Cyron plötzlich, „Ihr schnappt euch eure Waffen und folgt der Einheit. Die anderen sechs Roboter sind schon auf der dritten Ebene unter uns angekommen und haben alle Messerdrohnen ver-nichtet, außerdem sind jetzt nur noch zehn feindliche Einheiten übrig. Die leis-ten ganze Arbeit. Leider haben wir auch eine unserer Einheiten verloren. Die Einheiten fünf und zwölf begleiten euch zur Sicherheit. Wir bleiben in Funkkon-takt und verfolgen alles auf den Monitoren.“  
 Ohne zu zögern holten alle ihre Waffen raus, aktivierten die Strahler und wa-ren plötzlich verschwunden.   
 Cyron konnte seinen Augen kaum trauen. „Die sind aber mal schnell“, staunte er.  
  
 Auf den Monitoren sah man sechs Kampfeinheiten, welche sich Ebene für Ebene nach unten arbeiteten. Auf einem anderen Monitor sah man Einheit elf, welche sich schnell bewegte und versuchte den Anschluss zu den anderen sechs herzustellen und auf wieder einem anderen Monitor sah man einen bun-ten Haufen von Chafren durch die Gänge rennen, gefolgt von den Einheiten fünf und zwölf.   
 Während der Anblick der Roboter und deren Vorgehensweise eine aufdring-liche Logik vermittelte, hatte man bei der wilden Meute eher den Eindruck, dass es sich um einen Auflauf kopfloser Basarverkäufer handelte. Sie waren so-gar so schnell, dass sie Einheit elf einholten.  
 „Wenn die so weiter machen, verlieren wir irgendwann noch mehr Leute.“ Cyron griff zum Funkgerät: &lt;„Verdammt noch mal, was meint ihr eigentlich wo ihr seid und was ihr da macht?“&gt;  
 Die Truppe blieb plötzlich stehen, schaute sich um und sah in eine der Kame-ras. Sandra streckte ihm zwar die Zunge raus und einer der Wölfe hob den Mit-telfinger und richtete ihn ausgestreckt nach oben, aber sie bekamen sich in den Griff und gingen in eine ordentliche geschlossene Formation über.  
&lt;„Das sieht schon eher nach was aus.“&gt;  
&lt;„Aber bitte schön, Chef.“&gt;  
&lt;„Sandra und Syrgon möchte ich später mal sprechen.“&gt;  
 Die beiden Erwähnten zuckten zusammen und die anderen kicherten. Sie gin-gen weiter durch die Gänge. Obwohl es siebenundzwanzig AnChafren waren, zwei pferdeartige QuChafren und drei Kampfroboter, wirkten sie in den einzel-nen Abschnitten verloren. Sie folgten den Spuren der Vernichtung und näher-ten sich nach und nach dem Kampflärm, hielten sich aber immer ein bis zwei Korridore hinter den anderen Einheiten.  
„Unsere Truppe hat die drei Roboter als Rückendeckung abgestellt und geht voraus“, warf Kira in den Raum.  
„Wo genau sind die jetzt?“, fragte Cyron.  
„Auf Ebene -6 und die Einheiten haben auf Ebene -7 soeben die vierte von fünf dort umherstreifenden Einheiten zerstört.“  
„Das heißt im Klartext, dass es nur noch sechs feindliche Einheiten gibt“, stellte Chiron fest.  
 Cyron blickte ihn an, sah auf seine Strichliste, malte irgendwas darauf herum und reichte sie an Chiron weiter. Der schaute auf den Zettel und musste ki-chern. Cyron hatte ein grinsendes Mondgesicht auf den Zettel gemalt und da-runter geschrieben: Stimmt.   
 Chiron gab den Zettel an Cyron zurück und schüttelte, immer noch kichernd, den Kopf.  
&lt;„Okay, Gruppen eins bis sechs. Wir haben gute Neuigkeiten. Die Kampfrobo-ter sind wirklich gut drauf und es sind nur noch sechs Feindeinheiten im Ge-bäude unterwegs.“&gt;  
 Die Truppe marschierte unter einer der Kameras entlang und jeder der vorbei kam hob den Daumen und hielt ihn kurz vor die Linse. Der anfängliche Kampf war in einen echten Spaziergang übergegangen und entsprechend benahmen sich alle. Vorbei waren die Angst und die Mutlosigkeit die sie befallen hatten, als ihnen die Stärke der Waffenausrüstung der Station bewusst wurde. Wer konnte es ihnen auch verübeln, geschah es doch nicht alle Tage, dass man erst fast tot war und plötzlich in den Genuss kam über elf Kampfeinheiten zu verfü-gen, während in der Station mal gerade neunzehn noch gegenüber standen. Selbst wenn jede eigene Kampfeinheit nur eine gegnerische zerstört hätte, wä-ren am Ende nur acht übrig geblieben und das waren im Grunde genommen genauso viele wie in der Basis, die sie bereits überrannt hatten.  
 „Hoffentlich kommt uns unsere Laschheit und unser Übermut nicht noch teu-er zu stehen“, bemerkte Chiron sorgenvoll, „Wir sollten trotzdem aufpassen. Die Station ist noch nicht sicher. Wer weiß was alles in den Nebenräumen liegt.“  
 Cyron nickte.   
 Die Roboter hatten mittlerweile die Ebene -8 erreicht und auch die letzte Kampfeinheit auf der zurückliegenden Ebene vernichtet.  
„Es läuft mir irgendwie alles zu glatt, da muss doch ein Haken bei sein“, sagte Tarja.  
 Chiron sah vom Monitor auf und starrte sie durchdringend an. Er überlegte einen Augenblick und nahm ihr die Sorgen ab. „Mach dir keine Gedanken, Liebste. Ich denke mal, es geht so einfach, weil niemand, aber auch wirklich niemand damit gerechnet hat, dass wir herkommen und ihre eigenen Waffen gegen sie richten.“   
 Das war logisch, aber überzeugte Tarja nicht wirklich.  
„Ruhe!“, herrschte Kira, „Die Einheiten sind auf Ebene minus zehn angekom-men und es scheint Probleme zu geben.“  
&lt;„Einheit eins, melden bitte.“&gt;   
 Keine Antwort.   
&lt;„Einheit 1, was ist los bei euch?“&gt;  
 Keine Reaktion.   
 Kira schaute die anderen sorgenvoll an. „Da stimmt was nicht“, sagte sie schließlich. „Ich bekomme keine Rückmeldung von unseren Kampfeinheiten.“  
 Sie versuchten sie auf den Monitoren zu finden, aber vergeblich.  
„Vielleicht stehen sie in einem Winkel den die Kameras nicht einsehen können“, mutmaßte Stella.  
„Nein, das glaube ich nicht. Die Erklärung wäre zu einfach. Das sieht eher nach einer Falle aus und unsere Robbis sind lahm gelegt worden“, sagte Kira.  
„Verdammt, verdammt“, entglitt es Tarja, „Ich habe es geahnt. Ich hatte so ein komisches Gefühl in der Magengegend. Ich hasse es, wenn ich Recht habe.“  
&lt;„Gruppen eins bis sechs. Ihr geht auf eine Falle zu“&gt;, schrie Kira plötzlich in das Funkgerät.  
&lt;„Hier Gruppe eins. Was ist los?“&gt;  
&lt;„Ich sagte, ihr tappt in eine Falle, wenn ihr weiter geht. Ich bekomme keine Meldung mehr von unseren Kampfeinheiten. Irgendwas hat die komplett lahmgelegt.“&gt;  
 Die Gruppe hielt an. Einer nachdem anderen riss die Augen auf und ging in die Hocke.  
„Scheiße“, flüsterte Helios.  
„Es ging zu einfach“, brummte Wotan.  
 Sirius klopfte ihm auf die Schulter: „Bleib ruhig, wird schon nicht so schlimm werden.“  
„Okay Leute. Wir haben noch unsere drei Roboter und uns selbst. Packen wir es an“, sagte Tristan.   
 Sie legten sich flach auf den Boden und krochen langsam durch den Gang. Der Erste war leer und so krochen sie weiter und weiter. Der nächste Gang war auch leer.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 20  
  
 Rückschläge  
  
  
 Plötzlich hörten sie hinter sich das Hämmern von Maschinenkanonen und ei-ne Explosion. Anschließend torkelte eine Kampfeinheit hinter der Biegung des Gangs hervor, stürzte und blieb liegen. Wenige Sekunden später tauchten zwei Kampfeinheiten auf und zielten auf die am Boden liegende Gruppe.  
„Scheiße!“, schrie Ikarus auf. Er aktivierte seine Waffen, visierte die Roboter an und eröffnete das Feuer.   
 Die Schüsse waren präzise geführt und durchschlugen sofort die Panzerung der einen Einheit, sie fiel. Die zweite Einheit hatte ihrerseits das Feuer eröffnet und schoss auf den Pegasus.   
 Die erste Salve traf seine Waffenphalanx und eine der beiden Laserdoppelka-nonen explodierte. Der Hengst wurde verletzt und strauchelte. Die Tauren hat-ten sich aus ihrer Erstarrung gelöst und feuerten ebenfalls, aber sie reagier¬ten zu spät.   
 Die zweite Salve traf den Pegasus am Hals und zerfetzte die Hauptschlagader. Sein Blut spritzte durch den Gang, besudelte die Decke, die Wände und die im Schock erstarrten Truppenmitglieder. Das Laserfeuer der Tauren brachte die Kampfeinheit zur Strecke, sie ging in die Knie und brach zeitgleich mit Ikarus zusammen.   
 Mehreren Chafren liefen die Tränen, andere starrten unter Schock ins Leere.  
Wie dumm waren sie doch gewesen. Wie einfach hatten sie es sich gemacht. Und jetzt hatten sie die Quittung. Ihr geflügelter Freund war tot und über ihm lag, laut weinend, Sandra. Ihre Tränen liefen in silbernen Bächen von ihren Wangen, über den Körper ihres geliebten Hengstes und sammelten sich auf dem harten Boden der Station.  
„Verdammt! Was machen wir jetzt Freunde, was machen wir jetzt? Wir sitzen jetzt wirklich tief im Dreck“, wimmerte Pallas durch ihre Tränen hindurch.  
„Als Erstes sollten wir uns zusammenreißen und das Gejaule sein lassen. Es gibt nur einen Weg hier raus und der ist aufrecht gehend“, brüllte Syrgon energisch und mit sich überschlagender Stimme.   
 Er versteckte seine Vorwürfe, die er sich selbst machte und richtete seinen Blick auf das was vor ihnen lag und auf die Lebenden.  
&lt;„Kira hier, was ist los bei euch?“&gt;  
&lt;„Kira, hier Gruppen Eins bis Sechs. Wir …, wir …“, er schluckte, „die Roboter sind manipuliert worden und stehen uns wieder feindlich gegenüber. Die Kampfeinheiten fünf, elf und zwölf wurden von uns überholt und sollten uns ursprünglich den Rücken freihalten. Kampfeinheit Nummer elf aber wurde von den Einheiten fünf und zwölf vernichtet. Einheit zwölf oder auch fünf wurde von Ikarus zerstört, die verbliebene Einheit ist von den Tauren vernichtet wor-den, da Ikarus nicht mehr in der Lage dazu war.“&gt;  
&lt;„Er war nicht mehr in der Lage? Was soll das heißen?“&gt;  
&lt;„Wir haben den Pegasus verloren.“&gt; Grey hatte sich eingemischt und den letzten Satz gesagt und ihm versagte bei seinen Worten fast die Stimme.  
  
 Chiron, Cyron, Stella, Tarja, Kira und Pedro sahen sich an und waren starr vor Entsetzen. Stella schlug die Hände vors Gesicht und fing an zu weinen. Tarja kämpfte mit den Tränen, beherrschte sich aber und nahm einen der schweren Laserstrahler.  
 Sie verließ den Raum und ging in den Hangar, in welchem immer noch die angeschlagene Einheit zwanzig stand. Sie stellte sich hinter einen der Stütz-pfeiler, legte an und ließ fauchend die Strahlen an der Panzerung lecken. Die Einheit drehte sich unbeholfen zu ihr um und gab dabei für einen kurzen Mo-ment die Schwachstelle des Torsos preis. Tarja fackelte nicht lange, zielte auf die Wartungsklappe und vollendete ihr Werk. Die Einheit brach zusammen und war zerstört. Die anderen Tiger und die Luchsin sahen mit geöffneten Mündern zu.  
 Tarja deaktivierte den Strahler und kehrte zurück. „Das war die letzte Schwachstelle. Wir waren genauso in Gefahr wie die anderen.“  
 Chiron nahm sie in die Arme und drückte sie an sich. Tarja klopfte ihm auf den Rücken und die Schultern. „Ist schon gut. Wir müssen weitermachen. Sonst war Ikarus’ Tod umsonst.“  
 Er nickte.   
&lt;„Gruppen eins bis sechs, bitte melden.“&gt;  
&lt;„Ja, wir hören.“&gt;  
&lt;„Lasst uns weitermachen und Ikarus mit einem Sieg ehren.“&gt;  
&lt;„Okay, machen wir weiter.“&gt;  
&lt;„Ihr habt jetzt dreizehn Einheiten in den vor euch liegenden Bereichen. Allein im nächsten Gang stehen mindestens sechs Stück. Es sind die, die mal zu uns gehörten.“&gt;  
&lt;„Ich weiß. Wir machen uns ans Werk.“&gt;  
 Die Gruppen erhoben sich und schlichen weiter zur Biegung in den nächsten Gang.  
„Sechs Einheiten und das in einem Block? Ich sehe schwarz“, hauchte Pallas.  
„Hier müssen die Einheiten stehen“, flüsterte Sirius, nachdem er mit einer har-schen Handbewegung die Fuchstaurin zum schweigen gebracht hatte.  
 Sandra saß immer noch schluchzend neben der Leiche ihres Geliebten.   
 Helios war bei ihr geblieben und tröstete sie. „Eh, kleines Einhornmädchen. Er lebt weiter.“  
 Sie schaute ihn an, mit reinen und leuchtenden Augen.  
„Er lebt in dir weiter, in deinem Herzen und in deiner Erinnerung.“  
 Sie schloss die Augen und nickte. Helios wischte ihr die Tränen weg.  
„Er war nicht nur ein Freund für mich“, erklärte sie, „Wir waren ein Paar. Aber ich habe von ihm etwas bekommen, vorhin im Hangar. Ich trage die Frucht un-serer Liebe in mir.“  
 Helios schaute sie an und bekam leuchtende Augen. „Dann wirst du nie allein sein und immer ein lebendes Stück von ihm bei dir haben.“  
 Sandra stand auf.  
„Aber jetzt müssen wir an uns denken und weitermachen und dir und deinem Fohlen eine Zukunft bieten.“  
 Sandra versuchte zu lächeln und nickte zustimmend.  
  
 Sie schlossen zur Truppe auf und duckten sich ebenfalls so gut sie konnten.   
 Syrgon bedeutete den anderen, dass sie bleiben sollen wo sie sind. Er kroch ein Stück nach vorne um nach rechts um die Biegung sehen zu können. Aber es reichte noch nicht aus und so kroch er noch ein Stück nach vorn, dann noch ein Stück und noch eins. Er hielt den Kopf schief und blickte vorsichtig um die Ecke.   
 Zuerst kamen seine Ohren zum Vorschein, dann seine Stirn. Nichts passierte.   
 Dann sah man seine beiden Augen aufblitzen und er sah vier der sechs Kampfeinheiten im Gang stehen. Zwei weitere standen in seitlichen Nischen und man erkannte nur die Waffen.   
 Plötzlich surrten bei einem der Roboter die Antriebsmotoren der Waffenarme und er eröffnete das Feuer. Syrgon schrie auf und ging mit dem Kopf zu Bo-den. Die hinter ihm knienden AnChafren packten ihn im Fell und zogen ihn aus der Schusslinie. Der Roboter hatte gut gezielt, aber nicht gut genug. Er wollte den Wolf töten, aber traf glücklicherweise nur sein linkes Ohr. Es war zerfetzt und hing geknickt und gespalten an seinem Kopf. Es blutete heftig.  
„Verdammte Scheiße“, sagte Hadron.   
 Sie schauten sich gegenseitig an und auf ihre Waffen. Die drei Tauren hatten ihre Laserkanonen. Die großen Doppellaserkanonen waren wesentlich effekti-ver, aber durch Ikarus' Tod verloren gegangen. Die Doppelmaschinenka¬nonen von Sandra waren eine gute Waffe, aber sie war psychisch angeschla¬gen, au-ßerdem schwanger und sollte sich schonen.  
 Merkwürdig. Sie hatte den Samen des Hengstes erst vor einigen Stunden em-pfangen, aber schon taten alle so, als ob sie todkrank wäre.   
 Crown war ausgefallen und lag verwundet im Lager, seinen Flammenwerfer hatte er mitgenommen. Sirius, Wotan und ein weiterer Wolf namens Hades hatten schwere Maschinengewehre.   
 Sie waren recht ratlos.   
 Einerseits hatten sie schwere Waffen bei sich, andererseits mussten sie auf-grund der großen Anzahl von Kampfeinheiten sehr schnell und durchschla¬gend wirken.   
 Keine der Waffen, auch im Verbund, konnte das. Es waren immer mehrere Treffer notwendig um die Panzerung der Roboter zu durchschlagen. Das brachte aber das Problem mit sich, dass die anderen Roboter, die nicht unter direktem Beschuss standen, die Möglichkeit besaßen einen nach dem anderen auszuschalten. Man spürte sehr deutlich, dass der Tod des Pegasus' tief in ih-nen steckte und sie zu demoralisieren drohte.  
„Leute, wir müssen was tun. Wir können hier nicht stundenlang herumsitzen“, sagte Hades.  
„Syrgon?“, fragte Wotan, „Wo in etwa stehen die Einheiten?“  
 Der Gefragte überlegte kurz. „Eine steht vorn rechts im Vordergrund. Die Zweite steht versetzt dahinter und in der Mitte. Die dritte Einheit steht hinter der ersten Einheit und zwar in direkter Deckung durch die Erste. Die vierte und fünfte Einheit stehen sich gegenüber, hinter zwei Nischen versteckt. Man er-kennt nur ihre Waffen. Die sechste Einheit steht zentral und zwischen den bei-den hinteren Einheiten.“  
„Das wäre ne Chance. Wir müssen kombiniert angreifen und die beiden vor-dersten Einheiten innerhalb von Sekunden ausschalten. Die dahinterstehende hat keine freie Ziellinie und kann nicht anvisieren, ebenso die letzte. Wenn die erste Einheit auf der rechten Seite fällt, müssen wir weiter vorrücken und die dritte, dahinter stehende Einheit zerstören bevor die feuern kann. Die drei hin-teren Einheiten müssen von zwei Tauren unter Beschuss genommen werden, sobald die linke Einheit gefallen ist. Nur so können wir ihnen das Licht ausknip-sen“, sagte Helios.  
 Der Tigertaur hatte ein gutes taktisches Denken und das zeigte sich gerade wieder in hervorragender Art und Weise.  
  
 Die vier Tiger und die Luchsin wussten, dass ihnen die Fäden entglitten waren und hielten sich zurück bis die erste Meldung der Gruppen eintreffen würde. Wenn sie jetzt das Funkgerät benutzen würden, könnten sie die genauen Posi-tionen ihrer Leute verraten und das durfte unter keinen Umständen passieren, auch wenn es vielleicht bereits geschehen war. Also machten sie das einzig Richtige in ihrer Situation und hielten die Klappe.  
 Cyron lief nervös auf und ab. Tarja stellte sich ihm in den Weg. Aber statt ste-hen zu bleiben, setzte er seinen Weg fort und pendelte nicht mehr von einer Wand zur anderen, sondern zwischen einer Wand und seiner Tochter.  
 Tarja gab auf: „Setz dich bitte hin. Damit machst du es auch nicht besser. Wir müssen halt warten. Sie werden sich schon melden.“  
 Cyron hielt inne, sah seine Tochter an und setzte sich schließlich hin.  
  
„Wenn Kira und die anderen wenigstens die Klappe aufmachen würden und uns lotsen täten“, flüsterte Triton.  
„Was dann?“, zischte Syrgon, „Sie würden mit den Funkgeräten unsere genau-en Positionen preisgeben und uns alle damit ans Messer liefern. Außerdem ha-ben die Roboter ebenfalls Funkgeräte eingebaut und hören mit. Also tun die genau das Richtige und halten die Schnauze. Die wissen was sie tun und schweigen daher. Und du solltest das jetzt auch machen.“  
 Der Greif verstand zwar was der Wolf ihm zu verstehen geben wollte, war aber trotzdem beleidigt. Die Zurechtweisung war für sein Gemüt zu barsch ausgefallen und er lehnte sich an die Wand und zog es vor eine Runde zu schmollen.   
 Syrgon verdrehte die Augen und dachte: ‚Soll mir recht sein. Versöhnen kann man sich immer noch.’  
 Grey nahm derweil Augenkontakt zu den Tauren, Wotan, Sirius und Hades auf, ebenso zu Syrgon. Ihre Idee sollte umgesetzt werden und jetzt war es so-weit.  
 Syrgon sprang auf und rannte in den Gang. Er feuerte seinen Flammenwerfer ab und erzeugte eine enorme Hitze. Die Sensoren der Kampfeinheiten waren geblendet und konnten keine klaren Ziele mehr ausmachen.   
 Er schrie die anderen herbei, die waren schon an seiner Seite. Die Fuchstauren eröffneten das Feuer und streckten die erste Einheit auf der rechten Seite nie-der. Zu seiner linken standen Wotan und Sirius und fegten mit ihren schweren Maschinengewehren die links stehende Einheit von den Beinen. Syrgon hörte auf, den Gang mit den Flammen zu überstreichen.   
 Die erste Einheit war zerstört, die linke stand nicht mehr auf den Beinen, funk-tionierte aber noch und versuchte hoch zu kommen. Sie rannten weiter vor.   
 Der Wolf ließ wieder die Flammen in den Gang lodern. Die Fuchstauren feuer-ten auf die dritte Einheit und brachten sie zur Explosion. Sie zogen sich zurück und Helios griff an. Syrgon verströmte wieder sein Flammenmeer, die beiden Wölfe hatten die zweite Einheit endlich durchsiebt.   
Helios visierte die vierte Einheit an und feuerte. Die Laserstrahlen leckten an der Panzerung, durchbrachen sie schließlich und die Einheit hauchte aus. Die fünfte und sechste Einheit wurden von den Wölfen zur Strecke gebracht und gaben nach wenigen Minuten unter Dauerbeschuss auch auf. Sie stellten alle das Feuer ein.   
 Ihr Angriff erfolgte so schnell und präzise, dass den Robotern in der Tat kaum Zeit zur Gegenwehr blieb. Sie standen alle auf und betraten den Gang.  
„Damit hätten wir jeder Kampfeinheit zur Ehre gereicht“, intonierte Syrgon.  
 Grey griff zum Funkgerät: &lt;„Kira?“&gt;  
&lt;„Ja?“&gt;  
&lt;„Die Gruppen eins bis sechs möchten euch Bescheid geben, dass unsere sechs Ex-Einheiten eliminiert wurden.“&gt;  
 Kira schaute die anderen an und ihre Augen leuchteten wieder.  
 Cyron war begeistert und klatschte kurz in die Hände. „Saubere Arbeit“, mur-melte er. &lt;„Okay Leute. Das hört sich super an. Als ihr und wir merkten, dass mit unseren Einheiten etwas nicht stimmt, hat Tarja die Einheit zwanzig im Hangar zerstört. Somit habt ihr es jetzt noch mit fünf Einheiten zu tun. Das ist nicht viel mehr Gegenwehr als in der vorhergehenden Basis.“&gt;  
  
 Verhaltener Jubel brach aus. &lt;„Okay, wie sieht es vor uns aus?“&gt;  
&lt;„Ihr befindet euch schon auf Ebene -10, also kurz vor dem Aufzug, mit dem ihr weiter runter müsst, um an den Mech zu kommen. Wenn ihr dem Gang weiter folgt, kommt ihr an eine T-Gabelung. Laut den Monitoren stehen auf der rechten Seite der Gabelung drei Einheiten und auf der linken Seite zwei Einheiten.“&gt;  
&lt;„Das ist doch mal was. Also ein Splitangriff. Feine Sache.“&gt;   
„Probleme ohne Ende“, intonierte Syrgon.   
„Ich glaube es einfach nicht. Wieso das alles? Was wäre gewesen, wenn wir mit dem Arsch einfach daheim geblieben wären?“, wetterte Hades.  
„Was dann wäre?“, polterte Sirius, „Dann wären die irgendwann trotzdem ge-kommen. Vielleicht in der Nacht und du hättest es nicht mal gemerkt und kei-ne Chance gehabt. So kannst du wenigstens mit offenen Augen deinem Feind ins Gesicht blicken, ihn sehen und was gegen ihn unternehmen.   
Und wenn es Zeit ist zu sterben, dann stirbst du wenigstens aufrecht und nicht am Boden kriechend und winselnd. Ich mag zwar schwul sein. Wotan ist mein Geliebter und ich weiß, dass ihr uns auslacht, aber ich weiß wenigstens warum ich hier bin und dass ich mich gerne für meinen Partner opfere, damit er leben kann.“  
 Wotan war von Sirius' Worten gerührt. Er ging auf ihn zu und wie um es zu Beweisen, nahm er ihn in die Arme und küsste ihn heiß und innig. Die Anderen schauten zu und waren betroffen. Sirius' Worte hatten ihre Wirkung nicht ver-fehlt.  
„Los Leute“, sagte Grey, „Wir sollten es hinter uns bringen.“  
 Sie schlichen durch den Gang und hatten sich wieder links und rechts an den Wänden verteilt. Aus etwa hundertdreißig Metern Entfernung sah man plötz-lich die Waffen der Kampfroboter auf der linken Seite aufblitzen.  
 Syrgon, der voraus ging, hob seine Hand. Sie hielten inne. Er dreht sich um und suchte nach einem Taur. Er zeigte auf Helios und der kam langsam und vorsichtig zu Syrgon. Der Wolf brauchte dem Taur nichts zu sagen, er brauchte mit der Fingerspitze nur in die Richtung zu zeigen. Helios richtete sich auf, stellte sich stabil auf seine vier Pfoten, nahm das Ziel auf und feuerte. Die dop-pelte Lasersalve traf den Roboter nicht ganz unerwartet, verriss ihm trotzdem die Arme. Die Waffen schwankten, aber es kam Bewegung in die Maschine. Zwei weitere traten hinter der T-Gabelung hervor und dahinter bog noch eine weitere in den Gang ein.  
„Ja, das gefällt mir. Jetzt wird’s doch richtig lustig“, schrie Hades.  
 Helios feuerte weiter auf den schon zuvor anvisierten Roboter. Der verlor das Gleichgewicht und musste einen Ausweichschritt nach vorne links machen. Zeitgleich schoss Sandra mit ihren mächtigen Maschinenkanonen auf die da-neben laufende Einheit. Diese strauchelte und fiel leicht nach rechts. Da war aber die andere Einheit im Wege.   
 Sie stolperten übereinander, verhakten sich und stürzten. Die dahinter laufen-de Einheit reagierte zu spät und fiel krachend über die am Boden liegenden Roboter. Es entstand ein großer Haufen. Jeder Roboter versuchte aufzustehen, wurde aber von einem anderen behindert.  
 Die Truppe stand zunächst da und schaute sich das Spektakel belustigt an. Einige fingen an zu kichern, kamen aber ziemlich schnell zum Ernst der Sache zurück. Gleichzeitig feuerten die drei Tauren und Sandra auf das Blechknäuel und beförderten die drei Kampfmaschinen ins Jenseits.  
 „Das war für dich, Ikarus“, sagte die Einhornstute.  
&lt;„Kira, wir haben drei weitere Roboter ausgeschaltet.“&gt;  
&lt;„Ausgezeichnet, aber da fehlt noch einer.“&gt;  
 „Mist“, entfuhr es Pallas, „Möchte wissen wo der sich rum treibt.“  
 Sie näherten sich vorsichtig der T-Gabelung und schauten nach links und rechts. Es war nichts zu sehen und Vorsprünge oder Nischen gab es hier nicht.  
 „Die Gänge sind leer und es gibt keine Einheit weit und breit“, sagte Grey. &lt;„Kira, bist du dir sicher, dass da noch ein Roboter unterwegs ist? Wir sehen hier nämlich gar nichts.“&gt;  
&lt;„Augenblick, ich prüfe es.“&gt; Sekunden später meldete sie sich wieder. &lt;„Ich weiß wo der Roboter ist. Er steht im Aufzug und wartet auf euch.“&gt;  
&lt;„Was Besseres hast du nicht zu bieten?“&gt; Syrgons Bemerkung war sarkastisch und extrem bissig.  
&lt;„Nein, leider nicht. Egal wie ihr es anstellt, ihr müsst in den Aufzug. Ganz so dämlich scheinen die wohl doch nicht zu sein, und haben sich unserer Strategie angepasst.“&gt;  
&gt;„Wir versuchen es.“&lt;  
&lt;„Viel Glück.“&gt;  
„Und nun? Es gibt keinen anderen Weg nach unten. Wir müssen an dem Robo-ter vorbei, stehen aber wie auf dem Präsentierteller vor dem Aufzug“, gab Tris-tan zu bedenken.   
 Plötzlich hörten sie ein scheppern und quietschen hinter sich. Sie drehten sich ruckartig um und gingen in Stellung.  
„Was immer es ist, es kommt näher“, bestätigte Helios die Vermutung aller.   
 Sie waren feuerbereit und egal was sich näherte, es hätte keine Chance.   
 Plötzlich erschien die Gestalt eines Kampfroboters im Gang, bog in Richtung der Gruppe ab und kam auf sie zu, feuerte aber nicht.  
 Diese Kampfeinheit trug eine Maschinenkanone und einen Geschosswerfer.  
„Nicht feuern“, rief Syrgon, „Ich glaube, da kommt unsere Rettung.“  
„Einheit elf steht teilweise zur Verfügung“, erklang Kiras Stimme.  
 Ein tosender Beifall schallte durch die Gänge der Station und Pfiffe ertönten. Nachdem sich alle wieder beruhigt hatten, fragte Syrgon den Roboter: „Was ist passiert? Wir dachten du wärst zerstört?“  
„Teilweise ja. Ich bekomme keinen Zugriff mehr auf die Maschinenkanone, aber der Geschosswerfer funktioniert noch. Die anderen Einheiten hatten noch ihr Netzwerkmodul und wurden reprogrammiert. Daher die plötzlichen Angriffe auf uns. Mir fehlt das Modul, daher ging das bei mir nicht. Die Treffer kamen zu überraschend, daher konnte ich nicht reagieren. Als ich am Boden lag, wur¬de ich mehrfach getroffen und die Überlastung führte zur zeitweiligen Abschal-tung.“  
 Syrgon nickte und lächelte dämonisch. „Es wird Zeit für den letzten Angriff.“  
 Der Roboter sah zum Aufzug. „Ihr habt ein Problem. Im Aufzug steht eine feindliche Einheit und am Schacht auf Ebene -40 steht noch eine. – Es wird Zeit für mich zu gehen. Ich bin eh nur noch Schrott und am Ende überflüssig. Geht hinter der Biegung in Deckung. Der Rest ist meine Sache.“  
 Auf den Gesichtern der Chafren sah man Betroffenheit. Die Worte des Robo-ters rührten tatsächlich an ihren Herzen. Sie konnten sich denken was er vor hatte und das war selbst für eine Maschine glatter Selbstmord. Syrgon nickte kurz und hob die Hand. Sie zogen sich hinter die T-Gabelung zurück.   
 Der Roboter drehte sich noch einmal zur Truppe um, so als ob er einen letz-ten Gruß entsenden wollte. Dann ging er zum Aufzug. Die Lifttüren glitten auf und die Einheiten standen sich gegenüber. Er ging auf die Einheit zu, stieß mit ihr zusammen, drückte sie gegen alle erbrachten Widerstände in den Aufzug hinein. Fauchend schlossen sich die Türen und der Lift setzte sich in Bewegung. Sekunden später hörte man mehrere gewaltige Detonationen.  
  
 Der Roboter hatte innerhalb der Kabine mehrere Raketen gezündet, die feindliche Einheit zerstört und auch sich selbst. Die Kabine hielt dem Druck zwar einigermaßen stand, riss aber aus der Verankerung und von den Förder-seilen und stürzte dreißig Ebenen tief.   
 Die am Schachtende stehende Einheit ahnte gar nicht, was da auf sie zukam. Sie richtete in letzter Sekunde die Waffen auf die geschlossene Lifttür, aber es war zu spät. Die schwere Stahlkonstruktion schlug auf, riss die Lifttüren aus den Verankerungen, diese trafen die letzte Einheit direkt und die restlichen Raketen der Einheit Nummer elf explodierten gleichzeitig.  
  
 Kira starrte auf die Monitore und wollte ihren Augen kaum glauben. Sie sah plötzlich eine Kampfeinheit auf die Truppe zu laufen, dann verschwand diese. Kurze Zeit später tauchte sie wieder auf und bestieg den Aufzug. Danach spür-te man die Wucht von mehreren Explosionen.   
Dann herrschte Stille und die Kameras im Bereich des Lifts waren außer Betrieb. Was aber noch schlimmer war; vom Trupp meldete sich niemand bei ihr. Sie grub ihr Gesicht in die Hände und rechnete mit dem Schlimmsten.  
  
  
 Damit waren alle Kampfeinheiten zerstört und die Station soweit gesichert. Jetzt ergaben sich allerdings andere Probleme. Das erste, dass man runter musste, aber der Aufzug zerstört war und das zweite, dass vier Freiwillige ge-funden werden mussten, die in die Katakomben sollten. Immerhin waren diese noch durch Lasertürme gesichert und das Ganze kam einem Himmelsfahrts-kommando gleich. Außerdem hatten einige die Nase gestrichen voll und ein-fach keine Lust mehr ihr Leben erneut zu riskieren.  
 Die Freiwilligen fanden sich dann doch, und Syrgon, Grey, Sirius und sein Freund Wotan trennten sich von den anderen und näherten sich einem großen Loch, in welchem ursprünglich mal eine Tür hing und ein Lift heimisch war.   
 Vorsichtig gingen sie bis zur Kante vor und schauten hinunter.  
„Holla, holla. Da geht’s aber abwärts“, sagte Grey und spuckte in die Tiefe.   
 Sie sahen sich im Schacht um und entdeckten an einer der Seitenwände eine Notleiter. Sie sah nicht mehr sehr vertrauenswürdig aus, war aber wohl die ein-zige Chance.  
„Denkt ihr auch, was ich denke?“, fragte Grey beiläufig.  
„Ja. Und ich denke, dass es eine bescheuerte Idee ist“, entgegnete Wotan.  
„Hast du eine bessere Idee?“, ging Sirius dazwischen.  
 Sie kletterten vorsichtig auf dem schmalen Sims entlang und einer nach dem anderen packte die Leiter und fing an die dreißig Ebenen hinab zu steigen. Der Weg schien kein Ende zu nehmen und sie brauchten fast eine Stunde, bis sie endlich wieder Boden unter den Pfoten hatten.  
 Unten angekommen, griff Syrgon zum Funkgerät. &lt;„Kira, hier Syrgon. Ich bin mit drei Freiwilligen den Schacht hinuntergeklettert. Alle Einheiten sind zer-stört. Wir nähern uns jetzt dem Bunker, in dem der Mech stehen soll.“&gt;  
  
 Kira horchte auf, ebenso die Tiger im Raum. War das möglich, hatten sie es wirklich geschafft?  
&lt;„Hallo! Ihr glaubt gar nicht wie es uns freut, von euch zu hören.“&gt;  
&lt;„Kann ich mir vorstellen. Aber wir konnten uns nicht eher melden, da sich die Ereignisse überschlugen.“&gt;  
&lt;„Was ist denn überhaupt passiert? Ich habe eine Einheit in eure Richtung lau-fen sehen, dann war sie verschwunden. Plötzlich ging der Aufzug in die Luft und die Kameras fielen aus.“&gt;  
&lt;„Das ist ne lange Geschichte. Aber Einheit elf hat uns den Hintern gerettet. Den Rest erzählen wir später.“&gt;  
  
 Die Gesichter der Chafren sprachen Bände und reichten von ungläubigem Staunen, bis hin zu einem erleichterten Seufzen und einem wackeln mit den Ohren.  
&lt;„Okay, ihr vier. Passt auf. Ihr geht jetzt durch den Gang bis ihr zu einer Pan-zertür mit der Aufschrift MechLab kommt, dahinter befindet sich das Objekt der Begierde. Links und rechts der Tür stehen zwei Lasertürme und links neben der Tür befindet sich ein Terminal zur Eingabe einer Zahlenkombination. Geht jetzt da hin, die Kombination gebe ich durch, wenn ihr angekommen seid und euch wieder bei mir gemeldet habt.“&gt;  
&lt;„Gut Kira. Bis gleich.“&gt;  
  
 Die kleine Gruppe verließ den Schacht und trat in den Gang, der bis dahin dunkel gewesen war. Automatisch schaltete sich die Beleuchtung ein. Etwa zweihundert Meter voraus sah man die Tür, besser gesagt, das Tor, denn es war gewaltig und was immer sich dahinter verbarg musste alles bis dahin Ge-sehene übertreffen. Außerdem sahen sie die Lasertürme, welche erwähntes flankierten. Sie waren bereits aktiv und visierten sie an. Jede Bewegung der Gruppe wurde penibel verfolgt.  
„Automatische Zielverfolgung“, sagte Grey trocken, „Egal was passiert, wir ha-ben keine Chance zu entkommen.“  
 Syrgon schluckte.   
„Und wer nicht erschossen wird, bekommt anschließend ne Ladung Gas in die Nase und verreckt auch.“  
 Die Lasertürme feuerten nicht, aber es bestand die Gefahr, dass sich das plötzlich ändern könnte. Mit einem mulmigen Gefühl schritten sie den Gang entlang und auf das Terminal zu.   
  
 Syrgon griff zum Funkgerät. &lt;„Kira. Wir sind am Terminal angekommen und werden schon anvisiert. Was jetzt?“&gt;  
&lt;„Ruhig bleiben, Jungs. Die Türme eröffnen solange nicht das Feuer, wie ihr nichts falsch macht. Greift nicht zu euren Waffen und bewegt euch nicht zu hektisch. Einer von euch geht jetzt bitte ans Terminal und gibt die Zahlenkom-bination ein.“&gt;  
 Sie sahen sich an und schienen den schwarzen Peter hin und her zu schieben, waren schutzlos ausgeliefert, denn ihre Waffen konnten sie nicht ziehen. Und wenn die Lasertürme anfingen zu feuern, war es eh zu spät. Außerdem hatte derjenige, der die Kombination eintippen musste, die Verantwortung für alles. Eine falsche Zahl und es war aus mit ihnen. Wobei, wenn die Kombination falsch war, dann war die Frage der Verantwortung eh unwichtig.  
 So standen sie zwei Minuten da und schließlich fasste sich Grey ein Herz. „Okay, ich mach’s, sonst stehen wir in hundert Jahren noch hier.“ &lt;„Kira, hier ist Grey. Ich stehe am Terminal.“&gt;  
&lt;„Gut. Tippe jetzt folgende Zahlen ein. 1, 9, 3, 3, 4, 7, 8, 0, 0, 0.“&gt;  
 Die Zahlen waren eingegeben, aber es passierte nichts.  
&lt;„Kira, hier passiert nichts.“&gt;  
&lt;„Hast du die Eingabetaste gedrückt?“&gt;  
 Er schlug sich vor die Stirn. &lt;„Natürlich, die habe ich doch glatt vergessen.“&gt;  
  
Kira schüttelte mit dem Kopf.  
  
 Grey tippte zögerlich auf die Eingabetaste und kniff die Augen zusammen. Es geschah zunächst wieder nichts. Dann summte es im Untergrund. Plötzlich be-wegten sich die Lasertürme. Die vier erschraken und warfen sich auf den Bo-den. Mit einem quietschenden Geräusch öffneten sich Bodenklappen und die Lasertürme wurden versenkt. Sie sahen sich an und hofften das Kira die Szene eben nicht auf dem Monitor gesehen hatte.  
  
Sie hatte es gesehen. Grinste, behielt es aber für sich.  
  
 Mit einem lauten Krachen wurde das Tor entriegelt und gewaltige Hydraulik-arme hoben es an. Im Inneren der Kammer wurde es hell und – da stand er.  
 Sie pfiffen laut. Inmitten einer gigantischen Halle stand der Mech. Er hatte Beine, die aussahen wie ihre und sie vermuteten, dass er auch nur auf Zehen geht.  
„Seine Bewegung muss so geschmeidig wirken, wie bei einer heißen Raub-kätzin“, sinnierte Grey und erntete dafür auch gleich die strafenden Blicke der drei Wölfe.   
 Sie umkreisten das Gerät und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus.   
 Wotan ergriff sein Funkgerät. &lt;„Leute, ihr solltet alle mal runterkommen und euch das anschauen.“&gt;  
 Sie hörten riesige Freudenschreie die selbst die dreißig Ebenen des Schachtes nicht dämpfen konnten. Innerhalb kürzester Zeit war die Halle mit AnChafren gefüllt und alle dachten das Gleiche. Diese Maschine sah gut aus, war ein tech-nisches Kunstwerk und sollte ihre kühnsten Träume erfüllen.  
  
 Stella sah Cyron besorgt an. „Sie melden sich nicht mehr. Hoffentlich ist es nicht schief gegangen und die vier liegen schon tot am Boden.“  
 Cyron schüttelte den Kopf. „Das kann ich nicht glauben und ich will es auch nicht. So kurz vor dem Ziel, wird sich doch nicht das Blatt wenden und uns ei-nen Strich durch die Rechnung machen.“  
 Stella zuckte mit den Schultern und seufzte. Fiel ihr Kater etwa in alte Ge-wohnheiten zurück? Sie hoffte, dass es nicht so war. Dann endlich, kam der er-lösende Funkspruch und sie fielen sich in die Arme. Es war geschafft und die Basis gehörte ihnen.  
  
 Die anderen AnChafren standen in der Halle und die Begeisterung wich der Ernüchterung.  
„Ist ja alles schön und gut“, sagte Sirius, „Aber wie sollen wir das Ding hier raus kriegen?“  
 Ein Raunen ging durch die Halle.   
 Jetzt fingen alle an nachzudenken. Der Aufzug war zerstört und damit auch die Möglichkeit den Mech auf diesem Wege hinaus zu bringen. Es musste also noch einen anderen Weg geben. Sie schauten sich um und suchten die Wände genauer ab. Es gab jede Menge Computerkonsolen, Wartungsgeräte, Muni-tionsboxen, weitere Waffen und eine Unmenge an Aufzeichnungen, Papieren und Bedienungsanleitungen. Aber es gab kein weiteres Tor, nicht mal eine Tür war zu erkennen.   
 Plötzlich rief Sinja etwas.   
 Grey drehte sich um und eilte zu ihr. „Was ist Liebes?“ Er war sichtlich besorgt.  
  
 „Nichts, aber ich glaube, ich habe da was entdeckt.“ Sie zeigte auf den Boden rund um den Mech.  
 Jetzt fiel es allen auf. Die Maschine stand auf einer kreisrunden Plattform, wel-che perfekt dem Boden angeglichen worden war.  
„Das muss es sein“, sagte Grey, „Das muss die Möglichkeit sein, wie man das Ding an die Oberfläche bekommt.“  
  
 Kira und auch die Tiger schauten auf die Monitore und sahen die AnChafren in der Mechhalle verschwinden. Weiter reichte der Kamerawinkel nicht.  
„Was machen die da?“, fragte Chiron beiläufig.  
„Keine Ahnung. Sieht so aus, als würden sie ne Versammlung abhalten wollen“, sinnierte Kira vor sich hin.  
  
 Die Truppe in der Halle untersuchte die Wände, jetzt unter einer anderen Ziel¬setzung. Es galt einen Knopf oder Schalter oder auch ein Bedienungsfeld für den vermeintlichen Aufzug zu finden. Sie stellten wirklich alles auf den Kopf. Die Sucherei dauerte nun schon zwanzig Minuten und verlief immer noch er-gebnislos.  
  
 Sandra konnte die Leiter nicht herunterklettern und blieb daher oben, ebenso entschlossen sich Hades und Pallas oben und damit bei ihr zu bleiben. Ihnen Dreien stand die Aufgabe bevor, den Weg, den sie gekommen waren, wieder zurückgehen zu müssen. Es würde nicht leicht werden, vor allem für die Ein-hornstute, musste sie doch an der Leiche ihres geliebten Pegasus’ vorbei und damit alles noch mal ansehen.   
 Hades nahm sein Funkgerät. &lt;„Kira, hier Hades! Pallas, ich und Sandra kom-men den Weg zurück zu euch.“&gt;  
&lt;„Okay, macht das und passt auf euch auf.“&gt;  
 Sie machten sich auf den Weg. Zu suchen brauchten sie nicht, sie mussten nur den Trümmerspuren folgen, die sie überall hinterlassen hatten. Sie bogen um mehrere Ecken und durchschritten die Gänge. Als sie an der Stelle an-kamen, an der vier Roboter auf einem Haufen lagen, schluckte Sandra. Hinter der nächsten Biegung würde Ikarus liegen und ihr liefen wieder die Tränen.  
 „Hey“, sagte Hades, „Ganz ruhig. Denk dran, er ist nicht sinnlos gestorben. Er hat zu unserem Sieg beigetragen und ist ein wahrer Held.“  
 Das waren nette Worte, brachten aber nicht viel. Das Einhorn schluchzte und ging mit den beiden weiter. Sie bogen um die Ecke und hielten inne.  
„Haben wir uns verlaufen?“, fragte Pallas besorgt.  
„Nein, nein. Das kann nicht sein. Da vorne liegen noch weitere Kampfeinheiten. Wir sind definitiv hier entlang gekommen.“  
 Der Leichnam des Hengstes war verschwunden.   
 Sandra schrie auf. „Verdammt noch mal, können hier nicht mal die Toten ihre Ruhe haben.“  
„Das glaube ich einfach nicht. Das kann nicht wahr sein. Wer sollte verdammt nochmal die Leiche eines Pferdes klauen?“   
 Sandra sah Hades schief an.   
 Der zuckte mit den Schultern: „Ich meine, selbst meine Leiche wäre überflüs-sig und nutzlos.“  
 Sandra schnaubte, wusste aber was er meinte. Sie gingen langsam weiter, vorbei an der jetzt leeren Stelle und verließen auch diesen Gang. Endlich ka-men sie zum Tor mit der Aufschrift Hangar. Sie hatten es geschafft und die Horrorvorstellung hinter sich gebracht, aber die Frage nach dem Verbleib des Leichnams war immer noch ungeklärt.  
  
 Die Gruppe in der Mechhalle war nach vierzigminütigem Suchen endlich fün-dig geworden. Hinter einer kleinen Glasscheibe, welche man aufklappen konn-te, befanden sich zwei pfeilförmige Taster. Das musste es sein.   
 Syrgon verschaffte sich Aufmerksamkeit in dem er mit den Fingern schnippte. „Geht mal von der Plattform weg. Ich probiere es jetzt einfach aus.“   
 Er drückte auf den Taster der einen Pfeil nach oben darstellte. Brummend lös-te sich die Plattform aus dem Boden und erhob sich. Sie fuhr weiter und weiter in Richtung der Kuppel, aber die war geschlossen.   
 Syrgon nahm den Finger vom Taster und überlegte kurz. „Ach verdammt, wir werden sehen was passiert“, sagte er laut vor sich hin, drückte wieder auf den Taster und die Plattform glitt weiter in die Höhe.   
 Plötzlich zischte es in der Kuppel und sie fuhr, geteilt in zwei Halbschalen, auseinander.   
„Annäherungssensoren“, sagte Sinja beiläufig.  
  
 Die vier Tiger, die Luchsin und ihr vierpfotiger Schatten Pedro warteten auf weitere Neuigkeiten und unterhielten sich angeregt über die zurückliegenden Ereignisse, als sich plötzlich und unter lautem Zischen eine riesige Luke im Bo-den des Hangars öffnete. Sie liefen aus dem Monitorraum und brachten ihre Waffen in Anschlag. Kurze Zeit später sah man, wie sich etwas aus der Öffnung hob. Zuerst erkannte man nicht genau was es war und sah nur ein kleines ver-glastes Cockpit, aber dann wurde zunehmend deutlicher was sich da aus der Luke schälte und am Ende rastete eine Plattform im Hangarboden ein.   
 Der Mech stand in voller Größe und Schönheit vor ihnen.  
 Die Plattform war ein Aufzug, der direkt aus der Mechhalle in den Hangar führte. Eine bessere und schnellere Verbindung von ganz unten nach oben konnte man gar nicht haben.   
 Auf der anderen Seite des Hangars öffnete sich das Tor zur Station.  
„Ah“, sagte Kira, „Das müssen Pallas, Hades und Sandra sein.“  
 Sie gingen ein gutes Stück in die Mitte des Hangars um die drei in Empfang zu nehmen. Als sie die Tür sehen konnten, schrien sie angeekelt auf.  
  
 Sandra, Hades und Pallas traten vor das Hangartor und es öffnete sich. Sie zuckten zurück. Da stand ein Pegasus vor ihnen, kurz hinter dem Tor, drehte ihnen den Rücken zu und unweit von ihm standen vier Tiger, eine Luchsin und ein großer Säbelzahntiger und zielten mit ihren Waffen auf ihn.  
 „Was ist denn hier los? – Ikarus?“, fragte Sandra ungläubig, „Mein Geliebter, du bist nicht tot.“ Sie schrie vor Freude auf und wollte zu ihm laufen, aber Tarja schrie, dass sie stehen bleiben soll.   
 Sandra hielt inne und war erstaunt. Sie Begriff nicht was geschehen sein soll-te, dass sie nicht zu ihrem geflügelten Traumhengst darf und schon gar nicht Begriff sie, warum die Tiger auf ihn schießen wollten.  
 Da drehte sich das Pferd um.  
 Der Anblick war entsetzlich. Sandra trat kalter Schweiß aus allen Poren. Hades wurde es schlecht und Pallas dreht sich zur Seite und übergab sich augenblick-lich.  
 Sandra starrte das Ding an und musste erst begreifen was sie sah.   
Der Körper war definitiv der ihres Geliebten.   
  
Aber was war mit seinem Kopf passiert?   
  
Er hatte keinen mehr!   
  
 Irgendein vollkommen wahnsinniger Geist hatte die Leiche des Pegasus' ge-nommen, ihm den Kopf abgetrennt und stattdessen eine dreieckige Sensoren-phalanx mit einem künstlichen Hirn quasi draufgeschraubt.   
 Das war nicht mehr Sandras Traum in weiß, es war ein Alptraum und er starrte sie mit seinen Sensoren an. Es war einfach ein widerlicher Anblick, der ihr den Zorn in die Adern trieb und einen unbändigen Hass schürte.   
 Sie zielte direkt und ohne Vorwarnung auf den Teil, an welchem sich früher einmal ein Kopf befand. Die Geschosse der Maschinenkanonen zerrissen die Oberfläche, zerfetzten das falsche Hirn und rissen die Phalanx vom Hals des Hengstes. Sandra war so rasend, dass sie das Feuer nicht einmal einstellte als der Körper längst am Boden lag. Sie steigerte sich in ihre Wut und in ihren Hass hinein. Sie durchlöcherte den Körper, trennte ihm die Beine ab, schoss ihm in den Unterbauch, zerfetzte alles mit ihren Schüssen.   
 Alles was sie einmal geliebt hatte war unwiederbringlich verloren und sie wollte alles auslöschen, was ihr an ihm gefallen, was sie bewundert und was ihr Spaß bereitet hatte. Sein Körper lag zerstört vor ihr, aber das Wichtigste, sein Kopf, fehlte.  
 Sie erinnerte sich an die schönen Tage und Stunden mit ihm, an das erlebte und fing wieder an zu weinen. Sie kniete sich vor den toten Körper. „Warum, mein Geliebter? Warum, haben sie dir das angetan?“   
 So lag sie zwanzig Minuten vor ihm und weinte bitterlich.  
  
 Das Tor zum Hangar ging auf und die Truppe war komplett zurückgekehrt. Sie traten in den Hangar, sahen Sandra vor dem entstellten Körper eines Pega-sus’ knien und waren verstört.  
 „Was ist passiert?“, fragte Syrgon.  
 Tarja fasste sich ein Herz und erklärte es. Sie waren alle zutiefst schockiert und getroffen, sahen sich beiläufig im Hangar um und erkannten den Mech, das war aber in diesem Moment so nebensächlich.  
„Mit was für einem kranken Scheiß haben wir es hier eigentlich zu tun? Wer macht so was und schnappt sich Leichen um sie als Zombieroboter auf uns zu hetzen?“, wetterte Hadron.  
 Stella stellte eine viel bedeutendere Frage. „Wo ist derjenige, der das getan hat?“  
 Syrgon stutzte angesichts der Frage, überlegte und riss die Augen auf. „Er muss sich noch in der Station befinden und ist unterwegs in den Gängen, durch die wir gelaufen sind. Er muss sich irgendwo verstecken.“  
 Die Tatsache war so offensichtlich, dass sie allen förmlich ins Gesicht sprang.  
„Wir müssen die Station gründlich absuchen“, sagte Tarja, „Irgendwo haben wir was übersehen.“  
„Kein Wunder“, sagte Cyron, „wir sind ja auch wie ne wilde Meute durch die Gänge gefegt. Außerdem hatte die Einnahme des Objektes erstmal Priorität. Jetzt machen wir uns alle daran die Station gründlich zu erkunden.“  
 „Moment noch“, rief Syrgon, „Wotan und Sirius! Ihr beide helft mir mal bitte. Wir können den Körper des Pegasus' wohl kaum hier so herumliegen lassen. Wer weiß was sonst noch mit ihm passiert. Also lasst ihn uns draußen im Wald begraben.“  
 Gesagt, getan.   
Es meldeten sich noch zwei weitere Freiwillige die beim tragen halfen und Grey, Cyron und Torus schaufelten ein ausreichend großes Loch im Boden vor dem Stationsgelände.   
 Chiron und Tarja nutzten die Gelegenheit um noch ein paar dankende Worte für Ikarus zu finden und richteten aber auch gleichzeitig aufmunternde Worte an den lebenden Rest der Gruppe und vor allem an Sandra. Danach begaben sich wieder alle in den Hangar.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 21  
  
 Erforschung  
  
  
 Aber nur um diesen gleich wieder zu verlassen und durch das Zwischentor die eigentliche Station zu betreten. Der erste Gang hatte in der Tat nichts zu bie-ten. Es gab keine Vorsprünge, keine Nischen und auch keine Seitentüren.   
 Sie gingen weiter.  
Der zweite Gang war schon interessanter. Es gab fünf Nebenräume, die es zu erkunden galt.  
 Sie teilten sich auf.   
Die Durchsuchungen wurden von den Gruppen eins bis fünf übernommen. Die Gruppen sechs und sieben hielten die Flanken unter Beobachtung.  
„Okay, macht euch an die Arbeit“, sagte Tarja.  
 Fast zeitgleich wurden fünf Türen aufgerissen und die Mitglieder verschwan-den. Gruppe eins fand nichts, außer ein paar herumliegenden, verdorbenen Le-bensmitteln. Die Schränke an den Wänden und eine Kiste wurden geöffnet. Die Kiste war leer, aber geräumig.  
 „Die Kiste ist gut. Die werden wir mitnehmen und unsere Fundstücke reinle-gen“, sagte Kira.  
In den Schränken fanden sie Waffen, vor allem auf Laserbasis und ein paar Handfeuerwaffen mit Magazinen. Zweifelsohne verschossen sie Patronen und waren gegen Maschinen nicht besonders effektiv. Sie nahmen alles an sich und legten es in die besagte Kiste. Danach packte Pedro mit seinen kräftigen Kie-fern zu und schleifte sie vor die Tür und damit sichtbar in den Gang.   
 Chiron kam herbei und riskierte einen Blick hinein.   
 Er pfiff leise. „Nicht schlecht für den Anfang. Waffen sind immer gut und au-ßerdem dürfen wir nichts zurücklassen. Wenn sich hier wirklich noch jemand herumtreibt, darf er nicht in deren Besitz gelangen. Wer weiß was sonst noch passieren könnte.“  
 „Wir lassen die Kiste hier stehen und stellen zwei Wachen auf jeder Ebene ab. Alle Sachen die wir finden, werfen wir zentral in eine Kiste. Dann haben wir am Ende zehn Kisten und nehmen die auf dem Rückweg mit“, schlug Kira vor, al-lerdings in einem Ton der keinerlei Zweifel aufkommen ließ, geschweige denn Widerworte.  
 Chiron lächelte und nickte nur.  
Die zweite Gruppe kam aus ihrem Raum heraus, hatte auch nur Waffen dabei und legte diese in die Kiste. Bei der dritten und fünften Gruppe geschah das Gleiche.  
Die vierte Gruppe jedoch kam und kam nicht wieder.  
Cyron, Chiron und Tarja gingen nachsehen, wo sie denn blieben und betraten den Raum.  
 Die Füchsin Sinja, der Säbelzahntiger Grey und der Greif Tarek waren über den Tisch gebeugt, während die Stiere Don und Horves die Schränke durch-wühlten. Auf dem Boden lagen schon mehrere Waffen und auf dem Tisch Pa-piere, die sich die drei durchlasen.  
 „Hey, was ist los?“, fragte Tarja und trat an den Tisch heran.  
Eine kleine Lampe mit gebogenem Hals spendete spärliches Licht.  
 „Das wirst du kaum glauben“, sagte Tarek, „aber wie es aussieht war das Gan-ze früher mal eine Militäreinrichtung und wurde später zu einem Experimental-labor umgebaut.“  
 Tarja schaute den Greif schief an. „Was willst du damit sagen?“  
„Nun. Laut diesen Aufzeichnungen, es handelt sich übrigens um Tagebücher, existiert der ganze Komplex dem Ursprung nach seit etwa eintausend Jahren und gehörte einer Spezies die sich Mensch nennt. Zu angegebener Zeit befan-den sich diese Menschen im Kriegszustand mit einer hier nicht näher beschrie-benen anderen Spezies. Beide hatten die Fähigkeit entwickelt den Weltraum zu bereisen und waren dabei so schnell wie das Licht. Zweihundert Jahre später wurden angeblich Verträge abgeschlossen und es herrschte Frieden zwischen den Gegnern. Die Basis wurde aber noch weitere hundert Jahre vom Militär des Planeten Erde genutzt und erst dann aufgegeben. Hier werden vor allem finan-zielle Gründe dafür genannt.  
 Danach lag die Basis rund hundert Jahre brach.  
Dann fehlen hier weitere Informationen, aber irgendwas muss passiert sein. Je-denfalls beginnt der Schreiber bei einem Datum das siebenhundert Jahre zu-rückliegt wieder mit seinen Aufzeichnungen, dass es sich um die gleiche Per¬son handelt glaube ich nicht, da sich die Handschrift geändert hat. Auf jeden Fall hatte sich die Arbeit der Basis grundlegend geändert. Sie wurde zu einer Forschungsstation modifiziert und diente Genexperimenten. Die letzten Eintra-gungen dieser Person hier, enden vor etwa sechshundert Jahren.“  
 Er schaute den anderen in die Gesichter.  
„Das wirft ein paar wichtige Fragen auf“, sagte Tarja.  
„Ja“, ging Sinja dazwischen „Warum wurde die Basis aufgegeben und wo sind die Erbauer hin?“  
 Tarja nickte und ergänzte. „Nicht nur das. Es stellen sich mir die Fragen, wer diese Menschen sind, wer ihre Feinde waren und vor allem was sind diese Gen-experimente?“  
„Die Antworten auf diesen Papieren sind spärlich, die Fragen die sie aufwerfen wiegen aber dafür deutlich mehr“, sagte Grey.  
 „Kommt. Nehmt die Papiere mit und …“, Tarja sah sich um, ging an einen der Schränke und nahm eine große Hülle heraus, „ … packt sie hier rein. Wir sam-meln Waffen und Gerätschaften in jeder Ebene in einer separaten Kiste und lassen diese von zwei Leuten bewachen. Am Ende der Erkundungen gehen wir in den Hangar zurück und nehmen die Kisten mit.“  
 Sie nickten zustimmend und verließen mit ihren Funden den Raum. Grey ging auf Cyron und Chiron zu und berichtete ihnen. Ihre Gesichtsausdrücke ließen keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie mehr Informationen wollten. Sie wa-ren auf einer heißen Spur und verfolgten diese.   
 Sie gingen weiter und stellten Sirius und Wotan als Wachen ab.   
 Syrgon drehte sich beim Gehen nochmal zu den beiden um. „Und bleibt an-ständig, Jungs. Immerhin befinden wir uns im Feindeinsatz.“  
 Die beiden grinsten, nickten und setzten sich bequem auf die Kiste. Das konn-te jetzt dauern und diese Ebene dürfte wohl die sicherste von allen sein. Damit zogen die verbliebenen sechsundzwanzig AnChafren plus dem Einhorn-weibchen Sandra weiter und erreichten einen zentralen Treppenaufgang.  
„Okay, wir sind jetzt über dem Hangar und arbeiten uns ab jetzt nach unten vor“, erklärte Tarja kurz.   
 Keine weiteren Reaktionen, alle waren begierig mehr zu finden und Informa-tionen zu sammeln.  
 Sie gingen eine Etage tiefer und öffneten die Tür zu Level minus zwei.  
„Ebene minus zwei“, sagte Sinja ungläubig, „Wo ist Ebene minus eins geblie-ben?“  
„Das ist der Hangar. Er ist vom Zugang her schräg angelegt und damit unter-halb der Oberfläche. Das heißt wir sind im Hangar auf Ebene minus eins, sind dann zur Station gegangen und im ersten Gang wieder leicht nach oben zu Ebene null. Dann sind wir über das Treppenhaus zu Ebene minus zwei hinab gestiegen. Von hier aus gibt es keinen Zugang zum Hangar“, erklärte Grey.   
 Sinja nickte, denn das war jetzt einleuchtend, auch wenn es der Übersichtlich-keit nicht gerade gute Dienste erwies.  
Sie traten ein, verteilten sich über den gesamten Gang. Es gab unzählige Sei-tenräume.  
„Okay, aufteilen und einsammeln“, sagte Tarja kurz und knapp.  
 Die erste Gruppe fand vergammelte Lebensmittelreste, Gerätschaften die ih-nen unbekannt waren und persönliche Aufzeichnungen die Sinja sofort zu den anderen legte. Sie fanden auch hier eine leere Kiste, schoben sie vor die Tür und packten die Fundstücke rein. Die zweite, dritte und vierte Gruppe fand auch nur das Gleiche und die Kiste füllte sich schnell mit allerlei Kram.  
Die gefundenen Aufzeichnungen wurden an Sinja übergeben und die ordnete sie in ihre Mappe ein.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 22  
  
 Ebene -6, Genlabor  
  
  
Der Stapel an Papier wuchs langsam an und Sinja wurde neugierig was noch alles so geschrieben wurde. So setzte sie sich auf den Boden des Gangs und fing an zu lesen.   
 Die Daten waren teilweise identisch, die Schreibweisen wichen jedoch gravie-rend voneinander ab, aber die eine oder andere Datenlücke wurde gefüllt.   
Auf einem Papier fand sie etwas Interessantes. Es war die Beschreibung eines Genlabors innerhalb dieser Station. Das Labor befand sich auf Ebene minus sechs und umfasste von der Größe her ein Viertel der Stationsfläche, also einen Quadratkilometer.  
 Wie sie so da saß und las, bemerkte sie plötzlich einen Schatten. Sie regis-trierte ihn aus ihren Augenwinkeln heraus, er war nicht groß und daher unbe-drohlich. Ein leises Summen ging von dem Ding aus, was sich ihr da näherte. Es war klein und scheinbar sehr flink. Es bewegte sich auf Rädern und wurde von Elektromotoren angetrieben, von denen das Summen ausging. Es hatte ver-schiedene Sensoren an der Spitze und erkundete scheinbar seine Umgebung. Es kam auf sie zu und berührte ihr rechtes Bein mit einem kleinen Greifer.   
  
 Sie versuchte sich nicht zu bewegen, schaute nur aus den Augenwinkeln, griff ganz langsam und vorsichtig zu ihrem Funkgerät, erreichte es und drückte auf die Sendetaste.  
&lt;„Leute“&gt;, sagte sie sehr gedehnt, &lt;„Ihr solltet mal ganz langsam und vorsich-tig zu mir kommen und euch was ansehen. Aber wirklich ganz langsam und keine Hektik, es besteht keinerlei Gefahr.“&gt;  
 Die Anderen schauten sich an, stutzten und dachten erst an einen Scherz, ta-ten aber was Sinja ihnen aufgetragen hatte. Sie gingen zu den Nebenraumtü-ren und schauten vorsichtig um die Ecken.  
„Das gibt es ja nicht“, sagte Syrgon.   
„Da schau her. Wir scheinen Besuch zu haben“, warf Don ein.  
„Was ist das und wo kommt das Ding her?“, fragte Tarja.  
 Cyron schaute auch fasziniert zu. „Keine Ahnung, aber es ist aktiv und das heißt, dass es vielleicht noch mehr davon gibt. Eins davon scheint ganz niedlich zu sein, aber wer weiß was ein Dutzend davon anrichten kann.“  
 Sinja kam plötzlich ein Gedanke. „Was ist, wenn es so viele sind, dass sie eine ganze Leiche transportieren können?“  
 Sandra zuckte zusammen.   
Hatten sie etwa eines der Geräte vor sich, die sich Ikarus' sterbliche Überreste gegriffen hatten und ihn zu dem gemacht hatten, was er am Schluss war?  
„Wir sollten das Ding irgendwie fangen und untersuchen. Ich glaube es kann uns Antworten geben. In den Aufzeichnungen hier steht etwas von einem Gen-labor auf Ebene minus sechs. Ich halte es für möglich, dass es immer noch ar-beitet und dieses Ding da“, Sinja deutete auf den kleinen Roboter, „dazu ge-hört.“  
„Okay“, sagte Syrgon, „lasst es uns fangen. Ich habe die Fragerei satt, ich will endlich Antworten und zwar endgültige.“  
 Er sprang aus der Tür und stürzte sich in Richtung des Roboters.   
Aber er hatte sich verschätzt, der war schneller. Er klatschte hart auf den Boden und schüttelte den Kopf. „Verdammt noch mal! - Man ist das Ding schnell.“  
 In den nächsten fünfundzwanzig Minuten waren acht AnChafren damit be-schäftigt einen kleinen fusseligen Roboter zu fangen, der scheinbar in der Lage war alle Wendigkeitsrekorde zu brechen.  
 Tarja stand daneben und kicherte, auch Sinja konnte sich nicht mehr zurück-halten, als die Rüden, Kater und Stiere dazu übergingen in kurzen Sprüngen, ähnlich denen eines Frosches, dem Ding hinterher zu jagen.  
 Einmal hatte es Grey fast geschafft und schrie triumphierend auf. Aber der Roboter war nicht dumm und wand sich unter ihm hervor. Als Dankeschön be-kam er einen schwachen, aber spürbaren Stromstoß.  
„Verdammt! Passt bloß auf Jungs, das Ding verteilt Stromstöße.“  
 Die Jagdlust der Männchen schien geweckt zu sein und jeder wollte die Beute haben. Sie stürzten über die Beine der anderen oder über ihre eigenen, stol-perten, fielen und rappelten sich wieder auf. Horves sah es auf sich zu kom-men, ging schnell in die Hocke und packte zu. Er war zu langsam und das flinke Ding entwischte ihm, verpasste ihm einen Stromstoß an empfindlicher Stelle und verschwand um den Nächsten zu ärgern.  
 Der Stier fluchte.  
„Bleib locker. Das Ding kann auch nichts dafür, wenn ihr Stiere eure Eier bis zu den Kniekehlen hängen habt“, kicherte Sinja.   
 Der Stier schnaubte entrüstet und rieb sich die Stelle an der er den Strom-schlag erhalten hatte. Er beschloss bei der weiteren Jagd darauf zu achten und nicht mehr in die Hocke zu gehen, denn wer wusste schon ob beim nächsten Mal nicht eine Schere zum Vorschein käme. Bei dem Gedanken zuckte er inner¬lich zusammen und empfand einen unangenehmen Schmerz. Das fröhliche Hüpfspiel ging weiter und letztendlich schaffte es Sinja den kleinen Roboter zu fangen.   
 Sie saß immer noch an die Wand gelehnt, lachte lauthals und griff, als das Ding an ihr vorbeirasen wollte, beherzt zu. Sie hielt es am Rücken gepackt und hob es in die Luft, zumindest dachte sie sich, dass es der Rücken sein könnte, denn die Räder waren auf der gegenüberliegenden Seite. Die Motoren summ-ten wie wild und drehten sich extrem schnell.  
„Hab es“, rief sie triumphierend.  
 Die an der Jagd beteiligten Männchen gaben sich entrüstet. Immerhin konnte es ja wohl nicht angehen, dass sie sich abmühten, mit Stromschlägen gequält wurden und am Ende greift ein Weibchen einfach und ohne große Anstren-gung zu und erhält die Trophäe.  
 Andererseits waren sie auch ganz froh darüber, denn nur so konnten sie sich weitere Peinlichkeiten ersparen.  
„Super, Sinja“, rief Tarja und lächelte ihr zu.   
 Sinja grinste breit, stand auf, ging an Grey vorbei und pikste ihm liebevoll in den Bauch. Als sie bei Horves vorbei kam zielte sie mit dem rechten Zeige¬finger auf seine Männlichkeit und kicherte albern. Der Stier schnaubte getrof¬fen.   
 Sie kam bei Cyron an und hielt es ihm unter die Nase. „Da hast du, großer Krieger.“  
 Cyron schaute sie schief an, dann auf den Roboter, betrachtete ihn eingehend und schüttelte den Kopf. „Lass es sein. Aus dem Ding kriegen wir nichts raus.“  
 Sinja ließ die Schultern hängen. „Sollte das jetzt ne neue Sportart werden o-der wolltet ihr euch nur mal entspannen?“ Sie war sichtlich beleidigt und ließ das Gerät frei.   
 Das verharrte kurz auf der Stelle und verschwand dann mit leisem Summen in einem kleinen Schacht an der Unterseite einer Wand. Sie schauten ihm interes-siert hinterher.  
„Einige Sachen haben wir nun schon mal mitbekommen, das Ding oder die Dinger sind schnell, sehr beweglich, sie bewegen sich durch spezielle Schächte zwischen den Ebenen und sie sind in der Lage Stromschläge zu verteilen“, sag-te Cyron.  
 Sinja machte ein eingeschnapptes Gesicht.   
 Das waren echt umwerfende Erkenntnisse, aber immerhin etwas.  
„Und wir wissen noch etwas“, intonierte Cyron feierlich. Er stellte sich neben Sinja und senkte seinen Kopf, so dass dieser neben ihrem war, außerdem legte er ein breites Grinsen auf, als wollte er für ein Foto posieren. „Dank unserer lie-ben und gutherzigen Sinja, werden wir uns jetzt auf die Ebene minus sechs bewegen und dort nach einem Genlabor suchen. – Ruft die Wachen zusam-men, die brauchen wir nicht mehr. Ich glaube nicht, dass es hier irgendwas gibt, dass sich die Kisten schnappt. Außerdem haben wir das Wichtigste bei uns, nämlich die Unterlagen, getragen von – unserer Sinja.“  
 Grey verdrehte die Augen, schaute Sinja an und zuckte mit den Schultern.   
 Sinja riss ihren Mund auf, gähnte herzhaft und Stella schaute ihren Ehekater durchdringend, aus leicht zusammengekniffenen Augen heraus an. „Mein lie-ber Kater! Du bist ein ganz schöner Süßholzraspler.“  
 Sinja ging einen Schritt zur Seite und sah Cyron ins Gesicht. Sie schaute ihn intensiv an, dann zu Stella: „Du hast Recht, jetzt wo du es sagst fällt es mir auch auf.“  
 Stella fing an zu lachen und der männliche Teil der Truppe feixte.  
„Okay, okay. Bewegt euch. Wir gehen ins zentrale Treppenhaus“, sagte der Ent-larvte, „und irgendjemand sollte den beiden Rüden auf Ebene Null Bescheid geben.“  
 Sie gingen zurück und trafen hinter der Tür auf Wotan und Sirius.  
„Was macht ihr denn hier?“, fragte Cyron.  
 Wotan stammelte. „Ähm … Wir hatten eine merkwürdige Begegnung.“  
 Cyron guckte schräg.  
„Ja“, mischte sich Sirius ein, „Da kamen drei kleine Roboter auf Rädern und die wuselten überall durch die Ebene. Sie waren extrem schnell. Als sie uns sahen, hielten sie plötzlich an und verschwanden in Öffnungen an der Unterseite einer Wand.“  
„Aha. Und ihr wolltet uns jetzt darüber informieren, denke ich mal.“  
 Die beiden nickten.   
„Das ist gut so. Ihr habt gute Arbeit geleistet. Wir wollten euch soeben eh ab-holen. Wir hatten nämlich den gleichen Besuch. Los, kommt mit. Wir gehen auf Ebene minus sechs, da gibt es was zu sehen.“  
 Die beiden Wölfe schlossen sich mit stolzgeschwellter Brust an. Die Gruppe stieg die Treppen hinab und erreichte nach wenigen Minuten eine Tür mit der Aufschrift Level -6 Headquarter/Laboratory.  
„Was immer das heißen mag. Wir sind auf jeden Fall auf der richtigen Ebene“, stellte Cyron fest.   
 Er riss die Tür auf und trat in den zentralen Gang. Die anderen folgten ihm. Links und rechts befanden sich mehrere Türen. Er deutete nur kurz in die ent-sprechenden Richtungen und eine Gruppe nach der anderen verschwand in den Nebenräumen. Gruppen eins und zwei fanden wie immer das Übliche. Gruppe drei fand Aufzeichnungen, ebenso die vierte Gruppe. Bei den Gruppen fünf und sechs wurde es interessanter. Sie betraten die Räume und staunten. Beide Räume waren intern durch einen Wanddurchbruch miteinander verbun-den und es standen unzählige Computer herum. Alle waren aktiv und Zeichen-kolonnen liefen über die Bildschirme. Kabel hingen von den Decken und stell-ten eine Verbindung zu den Rechnern her. Es sah aus wie ein heilloses Durch-einander. Jedoch hatten alle Kabel eins gemein, sie führten zur Decke und ver-schwanden gebündelt in einem Schacht über der Wand. Beide Gruppen traten aus den Türen und richteten den Blick interessiert an die Decke. Man erkannte eindeutig die Fortführung des Kabelschachts, der quer über den Gang führte und oberhalb einer anderen Wand endete.  
„Kommt mal alle her“, rief einer der Greife.   
 Ihr Name war Diana und bisher hatte sie nichts gesagt. Außerdem hatte sie auch nie jemand so direkt angesehen, weil sie sich immer im Hintergrund hielt. Jetzt waren doch einige überrascht als sie ihre Stimme hörten und ihnen be-wusst wurde, dass es sich um ein Weibchen handelte. Bei genauerem Hinsehen merkte man es auch. Die Federn verbargen bei den Greifen sehr viel. Tarja freute sich darüber, dass die Weibchen Verstärkung erhalten hatten.  
„Seht mal“, fuhr die Greifin fort, „da oben liegt ein Kabelschacht und der ver-schwindet mit seinem Inhalt hinter dieser Wand.“   
 Sie zeigte auf das Gemäuer zu ihrer rechten.  
„Hm …“, sinnierte Cyron und starrte in den Raum, aus dem die Kabel kamen. „Die Räume hier sind etwas für Kira, aber dazu später. Jetzt sollten wir einen Weg finden um in den Raum zu kommen, der sich hinter dieser Wand ver-birgt.“  
 Sie gingen den Zentralgang weiter und bogen mit ihm nach rechts ab. Auf der rechten Seite sah man von weitem schon eine Tür. Sie bauten sich vor die-ser auf und sie trug die Aufschrift Labor.   
 Cyron atmete tief durch. Er hatte das Gefühl, dass sie alle kurz vor einer unge-heuerlichen Entdeckung stehen würden. Er fasste nach dem Öffnungstaster und betätigte ihn.  
 Die Tür öffnete sich unter einem leisen zischen.   
Er schaute vorsichtig in den Raum, erstarrte kurz, zuckte zurück und die Tür schloss sich wieder.  
„Verdammt. Cyron! Was sollte das jetzt?“, herrschte Sinja ihn an.  
 Cyron seufzte: „Ich glaube wir sollten uns auf einiges gefasst machen.“  
 Er hatte in der Kürze des Augenblicks sehr viel gesehen. Jede Menge Appara-turen, kleine Roboter, jene die ihnen auf dem Gang schon begegnet waren, größere Roboterarme und unzählige Glaskästen an den Wänden und Glas-röhren, in denen sich verschiedene Sachen befanden. Eine davon hatte er so-fort erkannt. Es war Ikarus' Kopf.  
 Er wandte sich an Sandra: „Du musst jetzt stark sein.“  
 Sandra schnaubte und schien zu ahnen, was sich hinter der Tür verbarg. „Wenn du damit andeuten willst, dass sich da drin der Kopf meines Geliebten verbirgt, dann lass mich rein. Ich will ihn sehen und die Gewissheit haben, dass sich nicht irgendein Ding durch die Station bewegt und seinen Kopf herum-trägt.“  
 Cyron nickte und gab die Tür frei.  
 Sie traten ein und erstarrten vor Entsetzen. In den Glasröhren, welche gewal-tige Ausmaße hatten, schwammen Lebewesen. Es handelte sich dabei aber nicht um unbekannte Arten, nein. Diese hier waren ihnen sehr wohl bekannt.   
  
Es waren Chafren!  
  
 Die Erkenntnis war ein extremer Schock. Alles was sie über sich und ihre Welt zu wissen glaubten, war plötzlich ins Wanken geraten und Cyron erinnerte sich an seinen Traum. Er musste irgendwie in dieses Puzzle passen, aber es fehlten noch viele Teile zum Bild.   
 Sie fingen an sich zu bewegen und verteilten sich im Raum. Er war wirklich so groß, dass er ein Viertel der Ebene einnahm. Sie schauten in alle Röhren und Glaskästen. In den Röhren war immer das Gleiche, Chafren. In einer Art klarer Flüssigkeit schwammen Tiger, Stiere, Tauren, Wölfe, Füchse und alles mögliche an Spezies ihrer bekannten Welt. In den Kästen an den Wänden, lagen Körper-teile und Organe. Man konnte jedoch nicht feststellen, ob sie jemandem ent-nommen wurden oder neu und quasi unbenutzt waren.  
„Das sieht hier aus wie in einem Ersatzteillager“, schnaubte Don verächtlich.  
„Du hast Recht. Man kann tatsächlich den Eindruck bekommen“, flüsterte Tarja.  
„Ich glaube, wir finden hier viele Antworten, aber die werden uns nicht gefal-len“, sagte Chiron.  
 Er hatte sich vor einer der Röhren aufgebaut und starrte in die Flüssigkeit.   
„Wir sollten hier nichts anfassen und auch nichts abschalten. Nicht, bevor wir genaues wissen“, sagte Kira schließlich. „Die Entdeckung ist zu gewaltig, als dass wir jetzt schon eine Entscheidung treffen können.“  
 Von den meisten kam ein Nicken, von anderen gar nichts.  
„Lasst uns in die anderen Räume zurückkehren und sehen, was wir tun kön-nen“, meinte Cyron.  
 Zustimmendes Gemurmel und die ersten verließen das Labor. Sie versammel-ten sich in den beiden Computerräumen und setzten sich auf die dort stehen-den Stühle. Der Rest, der keine Sitzgelegenheit mehr ergattern konnte, nahm auf dem Boden Platz. Ein Stuhl war reserviert und auf den setzte sich Kira.  
„So, nun soll unsere Computerspezialistin aktiv werden“, sagte Cyron und klopfte Kira aufmunternd auf die Schulter.   
 Er selbst setzte sich neben sie auf den Tisch und hielt den Kopf schief, damit er auf den Monitor sehen konnte. Kira fing an auf der Tastatur zu klappern. Es öffnete sich ein Menü mit verschiedenen Unterprogrammen und sie fing an zu erklären.  
„Okay. Als erstes werde ich das Magnetfeld am Zaun ausschalten.“   
 Sie nahm einen ihrer Zettel mit den Zahlenkombinationen, öffnete Unterme-nüs, tippte Zahlen ein und meinte schließlich: „Fertig.“  
 Dann öffnete sie ein anderes Menü und verriegelte das Zugangstor zum Ba-sisgelände in seiner geöffneten Position und auch das Hangartor.  
„So, damit haben wir alle Wege offen und können uns frei bewegen. Allerdings muss ich noch Zugriff auf den Stationscomputer bekommen. Der könnte uns sonst das Leben schwer machen und sich Unsinn einfallen lassen.“   
Sie öffnete verschiedene Programme, ging durch die Menüs und fand schließ-lich das Gesuchte.   
„So, jetzt mache ich Schluss mit dem Zauber“, sagte sie und drückte die Enter-taste.   
 Augenblicklich erloschen sämtliche Lichter, aber wenige Sekunden später gin-gen rötlich leuchtende Notlampen an und auf dem Monitor leuchtete ein Schriftzug auf.  
„Zentralcomputer durch Übersteuerungsfunktion abgeschaltet, Neustart nur durch weitere Eingaben möglich, Notsysteme aktiviert, Notbeleuchtung akti-viert, alle Verteidigungssysteme ausgefallen, Zugangscodes gelöscht, uneinge-schränkter Zugriff auf alle Daten und Systeme möglich“, las sie laut vor.   
  
 Das waren sehr gute Nachrichten. Sie konnten sich jetzt frei bewegen, die Station nach belieben verlassen und betreten, außerdem waren sie vor Angrif-fen sicher.  
„Sehr gut“, lobte Cyron, „Immer weiter so.“   
 Er lächelte freudig.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 23  
  
 Daten  
  
  
„Okay“, setzte Kira an, „Mal sehen ob ich an ein paar interessante Datensätze komme.“  
 Sie tippte auf dem Keyboard herum.   
„Ah, da habe ich etwas gefunden. Es handelt sich sogar um eine Audioauf-zeichnung.“  
 Sie drückte die Entertaste, es erklang eine männliche Stimme und sie war leise und gedrückt.   
 Alle lauschten andächtig.  
  
„Persönlicher Eintrag, Erster Laborassistent Mitchell, Datum 20.02.2390.  
Es herrscht Winter auf Genro.   
 Das Gebirge ist bestimmt mit Schnee bedeckt und diese Welt ist durch und durch friedlich. Zumindest war sie es, bis wir kamen. Ich kann mein Zimmer nicht mehr verlassen, sonst bin ich so gut wie tot. Die Basis befindet sich in ei¬nem erbärmlichen Zustand. Kein Wunder, immerhin ist sie ja auch schon seit dreihundertneunzig Jahren in Wissenschaftsbetrieb. Die Computer entwi-ckeln zunehmend Macken. Überall quietscht und knarrt es. Der erste Putz fällt von den Wänden. In zehn Jahren läuft unsere Forschung aus. Die weiteren Gelder sind vom Vereinten Rat der Nationen gestrichen worden. Was ich nach unserer Rückkehr auf unsere Heimatwelt machen soll, weiß ich noch nicht.  
 Man spürt deutlich den Druck der Öffentlichkeit mit unseren Experimenten auf¬zuhören und die Basis dicht zu machen. Andererseits werden wir vom Mi-litär bezahlt und müssen kuschen. Uns wurde gesagt, dass wir diesen Plane-ten be¬siedeln und Tiere auf ihm aussetzen sollen. Das haben wir auch getan und die Arbeit war vor einhundertvierzig Jahren abgeschlossen. Wir hatten Tiere von der Erde mitgebracht und sie in unserem Labor geklont. Wir verän-derten ihre Gene so, dass sie schneller wachsen, wesentlich schneller ge-schlechtsreif und fruchtbarer sein würden, als ihre natürlichen Vorfahren. Das klappte anfangs auch sehr gut und die Tiere vermehrten sich schnell. Das freute uns, war unsere Arbeit doch von Erfolg gekrönt.   
 Dann passierte aber eine Katastrophe. Ich weiß nicht genau woran es lag oder was passiert ist. Wir können den Vorgang nicht bewusst nachvollziehen und tip¬pen daher auf eine unkontrollierte und spontane Mutation. Eins ist aber klar, wir haben etwas Verbotenes erschaffen.  
Wir haben zweihundertvierzig Jahre Gott gespielt und uns ins eigene Fleisch geschnitten.  
Eines der Tiere, welches wir in die Freiheit entlassen wollten, stand auf ein-mal auf und begann aufrecht zu gehen. Wir betäubten es und untersuchten es ein¬gehend, töteten es aber nicht, trotz des Auftrags es zu tun. Es wuchs heran und lernte zu sprechen. Es lernte zu lesen und verschlang unser Wissen innerhalb kürzester Zeit in Unmengen. Wir nahmen Hirnscans vor und stellten fest, dass es ein wesentlich leistungsfähigeres Gehirn besaß wie wir alle. Wir erschraken uns zu Tode. Wir hatten ein Monster erschaffen und am Leben erhalten.  
 Wir beschlossen es doch zu töten. Allerdings merkte die Kreatur etwas von un¬serem Plan und spielte mit uns Katz und Maus. Sie entwischte und bewegte sich wieselflink durch die Station. Sie war überall und nirgends. Die Sache geriet endgültig außer Kontrolle. Trotz aller getroffenen Sicherheitsmaßnah-men, ge¬langte sie in das Genlabor und besiegelte unser Verhängnis. Sie ent-nahm sich Zellen und implantierte diese den heranreifenden Klonen einer je-den Tierart. Wir wussten es zu diesem Zeitpunkt nicht und die Klone wuchsen normal heran. Als sie die Größe vergleichbar eines Teenagers erreicht hatten und reif waren zur eigenen Tätigkeit, wollten wir die Stasisröhren öffnen. Uns fiel aber in letz¬ter Sekunde bei einigen eine merkwürdige Veränderung auf und wir beschlos¬sen sie im Zustand der Stasis zu belassen. Das war unser Untergang. Wir hätten sie gleich vernichten sollen, aber unsere Neugier kannte keine Grenzen.  
Die Kreatur tötete die Wachen am Eingang des Labors und drang ein. Sie be-gann ihr Werk, dass uns allen das Leben kosten sollte.   
 Die Klone waren mehr als reif und somit sofort selbständig und lebensfähig. Er befreite sie aus der Stasis und zog mit ihnen gemeinsam über die Station her. Glücklicherweise hatte das Militär, als es die Station noch nutzte, sehr scharfe Sicherheitsmaßnahmen aufgestellt. Der Zentralcomputer aktivierte die Vertei¬digungsautomatik und Kampfeinheiten zogen durch die Ebenen, schossen auf alles was sich bewegte. Dummerweise auch auf uns …“  
  
Die Stimme erstarb und man hörte die Schritte eines Roboters der vorbeiging und sich wieder entfernte.  
  
„ … die meisten sind tot. Es leben vielleicht noch vier oder fünf Mitarbeiter. Ei-ner davon bin ich. Die Roboter hatten aber nicht alle von diesen Kreaturen erwischt und sie entkamen aus der Station und flüchteten in den Wald. Ich fürchte, dass sie sich mit den normalen Klonen ihrer Spezies paaren werden und eine neue intelligente Rasse hervorbringen. Es darf niemals jemand er-fahren, was hier geschehen ist und keines dieser Monster darf diesen Plane-ten je verlassen. Wenn ich sterbe, dann mit der Gewissheit, dass das auch nie passieren wird, da die ganzen Kampfmaschinen die Station zuverlässig schützen werden.  
Wenn ich überlebe, schaffe ich es vielleicht die letzte große Errungenschaft des Militärs, den Mech, in der Katakombe zu erreichen und dann kann ich un-sere Fehler rückgängig machen und notfalls die ganze Station sprengen. An eine Rückkehr zur Erde denke ich erst gar nicht, da die Schiffe mit denen wir gekom¬men waren, auf der Rückseite des Planeten stehen und nur über den Wasser¬weg zu erreichen sind. Soweit werde ich nie kommen. Sobald ich den Raum ver¬lasse, würden mich die Kampfeinheiten und Messerdrohnen verfol-gen, ganz zu schweigen von den Kreaturen da draußen, die sich munter ver-mehren und die wir am Tage ihres ersten Auftretens auf die Bezeichnung Anthro getauft haben.“  
Die Aufzeichnung endete hier.  
  
 Sie sahen sich betroffen an. Das Gehörte war nicht in Worte zu fassen. Sie ha-ben von einem Vertreter einer fremden Spezies ihre Entstehungsgeschichte er-fahren. Nicht etwa die kulturelle und spirituelle, nein. Es handelte sich um die wahre Entstehung. Sie alle verdankten ihr Leben einem Zufall und vor allem ei-nem Experiment das schief ging.  
„Was jetzt?“, fragte Sinja mit belegter Stimme.   
 Syrgon hatte Tränen in den Augen. „Alles aus und vorbei. Wir existieren nicht wirklich. Wir sind künstlich erschaffene Kreaturen. Wer was anderes glaubt, der belügt sich selbst. Wir sind einem Zufall entsprungen, der von irgendwelchen Kranken als unkontrollierbar und vernichtenswert bezeichnet wurde.“  
 Cyron schluckte den Kloß ihm Hals herunter und versuchte sich zu konzen-trieren. „Okay, wir machen folgendes. Wir schalten die Funkgeräte ein und blei-ben in Kontakt. Der größte Teil unserer Truppe kehrt ins Lager zurück und ruht sich dort aus. Wir werden ein rotierendes System einrichten um an alle Daten zu kommen, die wir benötigen. Ich will, dass ein Transportweg zwischen Han-Dun und hier und zwischen Felgan und hier sowie zwischen dem Lager und den genannten Orten eingerichtet wird. Informiert die Drachen darüber. Sie sind schnell. Besorgt Lebensmittel und Getränke. Die Datengewinnung wird wahrscheinlich Monate dauern.“  
  
 Das Konzept stand und musste nur noch umgesetzt werden. In der Station blieben zunächst Kira und Pedro, Tarja, Cyron und Chiron sowie Stella. Hinzu kamen Wotan und Sirius, Syrgon, Grey und Sinja sowie Diana. Der Rest verließ die Station und kehrte wie befohlen ins Lager zurück.  
  
 Die Rückkehrer wurden herzlich begrüßt. Crown und Torus hatten sich schon erholt. Die anderen legten sich erstmal hin und schliefen. Ohne es zu merken waren fast drei Tage vergangen. Die Kunstbeleuchtung nahm ihnen jede Vor-stellung von Zeit und den Wechsel zwischen Tag und Nacht spürte man durch das Fehlen von Fenstern in der Station, überhaupt nicht. Müdigkeit war nie aufgekommen, da sie immer in Hektik und Aufregung waren. Jetzt spürten sie aber die lange Wachphase und sie forderte ihren Tribut.   
 Stunden später erwachten sie, streckten ihre Glieder und traten aus den Zel-ten hervor ins Helle. Es war etwa zehn Uhr am Morgen. Die Drachen hatten sich die ganze Zeit in der Nähe des Lagers aufgehalten und waren somit ansprech¬bar.  
 Sandra trat zu Groodarn. „Hallo, großer Drache“, sagte sie schüchtern und un-beholfen.  
 Er hob den Kopf und schaute das Einhorn an. „Hallo, junge Dame. Wie kann ich helfen?“  
„Ähm, ja, also. Cyron hat uns aus der Station geschickt. Wir sollen einen Wa-rentransportweg einrichten zwischen dem Lager, der Station, Felgan und Han-Dun.“  
 Der Drache sah die Stute schief an. „Hm … das ist schon okay, aber wie lange soll das dauern?“  
„Oh“, flüsterte sie, „Ich denke, dass es sich um Monate handeln wird. Zumin¬dest sagte Cyron das.“  
 Groodarn schnaubte. „Na gut, wenn Cyron meint, dass es so lange dauert, wird er seine Gründe dafür haben. Dann werden wir mal mit den ersten AnChafren los fliegen und Nahrung und Getränke beschaffen.“  
Er senkte seinen Kopf auf Höhe des Einhorns und zwinkerte ihr verschwörerisch zu. Er fand die Stute zu niedlich, vor allem weil sie so schüchtern war.  
„Gehe zum Lager“, sagte er, „und sieh zu, dass du ein paar Chafren wach be-kommst. Ich will in zwanzig Minuten starten.“  
 Sandra galoppierte zum Lager und rief nach ein paar Freiwilligen. Die fanden sich diesmal spontan.   
Ein Flug auf einem Drache, nach Felgan und Han-Dun war doch mal eine Ab-wechslung. Nach zehn Minuten waren die Drachen auf dem Weg ins Dorf. Dort angekommen, erzählten die Truppenmitglieder den eilig herbei gelaufenen Be-wohnern in kurzen Berichten was alles vorgefallen war und dass die Station in ihrem Besitz ist. Sie berichteten auch, dass der Pegasushengst gefallen war, was alle bestürzte. Dann erzählten sie von ihrem Vorhaben, saßen schon wie¬der auf den Drachen und flogen weiter nach Han-Dun. In der Zwischenzeit wa¬ren schon fast zwei Stunden vergangen.  
  
  
 In der Station saß Kira immer noch am Keyboard und versuchte weitere Ge-heimnisse zu ergründen. Stella und Tarja hatten sich auf den Boden gelegt, herumliegende Decken genommen und schliefen. Die Müdigkeit hatte sie überrannt.  
 Chiron und Cyron waren im Nebenraum und hatten dort eine Kaffeemaschine entdeckt. Sie durchsuchten die Schränke und fanden tatsächlich alle nötigen Utensilien. Jetzt standen sie davor und glotzten das Ding an wie Urzeitmen-schen einen Farbfernseher.  
„Geht nicht“, merkte Cyron an.  
„Scheint kaputt zu sein“, erwiderte Chiron.  
 Ihr Gespräch war wirklich ausführlich und sehr typisch für Kater.   
 Chiron klappte den Deckel auf und glotzte rein. „Wasser ist drin, Kaffeepulver ist drin. Geht nicht.“  
 Seine Feststellung schien endgültig zu sein.   
 Kira klopfte nebenan auf der Tastatur herum und wurde langsam müde. Tarja und Stella schliefen immer noch. Zwanzig Minuten später fielen der Luchsin fast die Augen zu und sie wurde ungeduldig.  
 Sie stand auf, um nachzusehen was denn aus dem versprochenen Kaffee wür-de. Sie betrat den Nebenraum und glaubte ihren Augen nicht. Die beiden Kater standen vor der Maschine und grübelten.  
 „Bloß nicht zugeben, dass ihr was nicht könnt. Wie?“, sagte Kira entrüstet.   
 Sie schob die beiden beiseite und schaltete die Maschine ein. „Kerle“, sagte sie noch, drehte sich um und ging wieder an den Computer.   
 Chiron guckte erst Cyron an, dann die Kaffeemaschine, dann wieder Cyron und wieder auf die Kaffeemaschine.  
 „Wusste ich es doch. Und ich habe dir die ganze Zeit gesagt, dass wir den Schalter drücken müssen“, sagte Cyron plötzlich.   
 Chirons einzige Reaktion bestand darin auch ins Nebenzimmer zu gehen. Während er ging, dreht er sich noch kurz um und tippte sich an die Stirn.   
 Cyron war begeistert und schaute zu wie der Kaffee aus dem Filter tropfte und sich in der Glaskanne sammelte.  
 Tolle Beschäftigung!  
 Kira und Chiron taten derweil etwas Nützliches und bekamen so nach und nach einen Überblick über die Menge der zu sichtenden Daten. Tarja und Stella schliefen immer noch.   
 Nach zehn Minuten war der Kaffee fertig und Cyron brachte zwei große Trink-gefäße voll der dampfenden Flüssigkeit, holte sich ebenfalls einen und setzte sich dazu. Stella und Tarja schliefen immer noch.   
„Was habt ihr gefunden?“, fragte Cyron.  
„Nun ja. Ich habe die zentrale Datenbank gefunden und habe Zugriff auf ein-tausend Audioeinträge, fünfhundert audiovisuelle Einträge und circa eine Mil-lionen Textdaten.  
 Cyron blies in Luft: „Das ist heftig.“  
 „Kann man wohl sagen“, entgegnete die Luchsin, „Selbst wenn ich eine mini-male Ruhe von täglich vier Stunden einrechne, werde ich fast sechs Monate benötigen um alle Daten zu sichten und die nötigen Informationen herauszu-filtern.“  
 Cyron zuckte mit den Schultern. „Dann mal los. Wir bleiben hier, sehen dir da-bei zu und lernen so den Umgang mit dem Ding. Wenn du schläfst, können Chiron und ich weiter machen.“  
 Kira hielt den Kopf schief und legte die Ohren an. „Ihr wollt beide mit einem Computer arbeiten? Entschuldige bitte, aber ihr wisst ja noch nicht mal wie man eine Kaffeemaschine einschaltet.“  
 Cyron war sichtlich angeknabbert. „Hast du eine bessere Idee?“  
 Kira überlegte kurz, seufzte und schüttelte den Kopf. „Meinetwegen. Uns bleibt wohl nichts anderes übrig.“   
 Stella und Tarja erwachten nach Stunden und fühlten sich im Grunde erfrischt.  
„Eine Dusche käme jetzt nicht schlecht“, meinte Stella und streckte sich mäch-tig.  
 Kira sah auf, lächelte, schwieg aber und deutete nur mit dem Finger an, zur Tür raus, dann rechts und zur nächsten wieder rein.  
 Zunächst schrieb sie ein Programm, welches die Datensätze automatisch durch prüfte, Verdopplungen von Informationen, wenn sie von der gleichen Person gemacht wurden, löschte und alle Daten am Ende zu einer logischen Abfolge verknüpfte.   
 Die beiden Tigerkater lernten tatsächlich den Umgang mit dem Computer und waren Kira eine große Hilfe.   
 Die Kette der Nahrungs- und Getränkebeschaffung spielte sich nach wenigen Tagen ein und funktionierte hervorragend. Die mit der Beschaffung beauftrag-ten Chafren waren in Han-Dun schnell bekannt und ihre Geschichte sprach sich in Windeseile herum. Nach wenigen Tagen bekamen sie bei den Händlern Ra-batt und nach drei Wochen viele Lebensmittel umsonst.  
 Das Programm von Kira erwies sich als ausgezeichnet und die Daten mini-mierten sich auf die Hälfte.  
„Gut. Jetzt geht’s ans Sichten und Auswerten“, sagte Kira feierlich.   
Sie begann verschiedene Fenster auf dem Bildschirm zu öffnen. „Womit fangen wir an?“, fragte sie.  
 Cyron tippte auf den Bildschirm.   
„Am besten mit den audiovisuellen Dateien.“  
 Kira nickte und öffnete die erste.  
 An der Wand erhellte sich ein riesiger Bildschirm und jemand trat ins Bild. Cyron erschrak. Die Person auf dem Bildschirm war ihm im Traum begegnet.   
„Ich kenne dieses Wesen“, sagte er plötzlich.  
 Kira hielt die Wiedergabe an.  
„Woher“, fragte Stella.  
„Ich hatte vor längerer Zeit einen Traum, er war sehr beunruhigend und ich wollte nicht darüber sprechen. Aber die Wirklichkeit hat mich eingeholt. Jeden-falls stand ich in meinem Traum in einer riesigen Halle und all unsere be-kannten Götter saßen links und recht auf ihren Thronen. Ich durchschritt die Halle und kam ans Kopfende. Dort stand ein anderer Thron, welcher leer war. Dann kam eine Gestalt aus dem Dunkel und setzte sich auf den freien Platz. Ich fragte ihn wer er sei und er antwortete mir, dass er mein Gott wäre.“  
 Sorgenfalten legten sich bei fast allen auf die Stirn, nur nicht bei Kira. „Das er-gibt durchaus einen Sinn. Du hast wahrscheinlich eine alte ererbte Erinnerung durchlebt. Das da auf dem Bildschirm ist ein Mensch und da sie uns durch ihre Genexperimente erschaffen haben, sind sie tatsächlich eine Art Gott.“  
 Cyron schaute auf seine Hände und seufzte. Er schaute zum Bildschirm. „Ein ziemlich hässlicher Gott, meinem Empfinden nach. Nicht mal Fell hat der“, sag-te er verächtlich, „Außerdem wollte uns dieser Gott vernichten, damit hat er für mich seine Funktion als Übervater verwirkt.“  
 Kira nickte: „Okay, fahren wir fort.“  
  
 Die Aufzeichnung lief weiter. Die Person im Bild trug eine dunkelgrüne Klei-dung, die scharf geschnitten war, eine Kopfbedeckung und auf ihren Schultern und an der Brust erkannte man verschiedene blinkende und blitzende Schmuckstücke.  
  
„Guten Tag, meine Herren!  
Mein Name ist General Richter. Ich bin der eigentliche Leiter dieser Basis und damit dieses Planeten. Wir haben heute den 01.01.2000 und ich begrüße sie hier¬mit in meiner Funktion, als erste Soldaten auf der neuen Basis. Was sind unsere Ziele? Ganz einfach, meine Herren. Wir bilden sie hier zum perfekten Soldaten aus. Sie werden am Ende der Ausbildung die perfekten Krieger sein und in ei¬nem Krieg überleben der seinesgleichen sucht. Dieser Planet war ursprünglich nicht in der Lage eigenes Leben zu entwickeln und wurde von uns und den Re¬gierungen der verschiedenen Länder der Erde terraformt. Wir haben keine Mü¬hen und Kosten gescheut um einen Planeten zu erschaffen der dem unserer Feinde ähnelt. Sie können hier unter sehr realen Bedingungen alles ausprobie¬ren und simulieren. Es wird ihnen gefallen. Meine Herren! Ich wünsche ihnen viel Erfolg und dass sie uns nicht enttäuschen. Die Erde braucht sie.“  
  
Die Aufzeichnung war beendet.  
  
„Viel hat man nicht herausbekommen, finde ich“, sagte Stella. „Dieser Mensch dort machte mir Angst. Er hatte einen so herrischen Tonfall an sich und schien keinerlei Kompromisse zu dulden.“  
 Cyron nickte: „Scheinbar hatte er große Macht und viel zu sagen. Es kam mir so vor, als ob er diesen Krieg und seinen Ausgang entscheidend mitbestimmt hatte.“  
 Kira schaute auf den Tisch, dann auf den Bildschirm. „Egal was am Ende bei raus gekommen ist. Wir haben ein Datum und das ist der 01.01.2000 und da¬mit das Startdatum für diese Basis. Das ist schon mal ein erster Ansatz.“  
 Tarja nickte und fragte: „Haben wir noch mehr davon?“  
 Kira nickte heftig: „Jede Menge, meine Liebe.“  
„Gut dann schauen wir uns mal das Nächste an“, forderte Cyron auf.  
 Kira öffnete die nächste Datei.  
  
 Auf dem Bildschirm erschien ein wesentlich jüngerer Mensch.  
Man hörte eine Stimme aus dem Hintergrund: „Sie können jetzt sprechen.“   
Der junge Mensch, er war männlich, nickte kurz.  
„Mutter? Ich schicke dir diese Nachricht, weil es vielleicht das letzte Mal ist, dass du mich siehst. Wir sind mit unserer Ausbildung fertig und rücken mor-gen an die Front. Der Feind war zwischenzeitlich im Orbit des Übungsplaneten und hat angeblich auf uns geschossen. Mehrere meiner Kameraden sind ver-schwunden und ich spüre, dass ich der nächste sein könnte. Ich wurde hier zwar zu einem Supersoldaten ausgebildet, aber sie haben uns unsere Angst nicht ge¬nommen. Mutter! Ich habe schreckliche Angst zu sterben. Dieser ganze Krieg ist so furchtbar und sinnlos. Ich weiß nicht mal mehr was ich hier überhaupt ma¬che. Außerdem entwickeln die hier Waffen, die so gewaltig sind und so furcht¬erregend. Die Menschen auf der Erde ahnen nicht mal was davon …“  
„He, kein Wort zu Waffen oder militärischen Geheimnisse“, sagte die Hinter-grundstimme und schnitt dem Soldaten den Satz ab.  
 Die Aufzeichnung endete damit sehr abrupt.  
  
 Sie sahen sich betroffen an.  
„Was immer passiert sein mochte und um was immer es in diesem Krieg ging. Nicht alle waren davon begeistert, wie man sehen konnte“, sagte Cyron.  
 Stella nickte: „Der junge Mensch tut mir richtig Leid. Er war scheinbar hinein-geraten ohne es zu wollen und musste dafür sterben.“  
 Chiron biss sich auf die Unterlippe. „Ist Ikarus nicht auch in unseren Kampf hineingeraten ohne was davon zu ahnen? Und was ist am Ende mit ihm ge-schehen? Kämpfe und Kriege sind nie fair. Es gibt immer welche, die sie befür-worten und wollen, und es gibt immer welche, die hineingezogen werden und dafür büßen müssen.“  
 Tarja schaute Chiron traurig an, sagte aber nichts. Kira machte sich derweil an die nächste Aufzeichnung und startete sie.  
 Diesmal erschien eine Frau.  
  
„Guten Tag, meine Herren! Heute ist der 12.03.2150, ich bin Major Rand und ich bin beauftragt worden ihnen eine frohe Botschaft zu übermitteln. Der Krieg ist mit dem heutigen Tag beendet. Beide Parteien haben sich auf einen Frie-densvertrag geeinigt, um weiteres sinnloses Blutvergießen zu vermeiden. Der militärische Auftrag der Station als Ausbildungszentrum ist damit hinfällig. Alle Truppen werden mit sofortiger Wirkung von der Waffe entbunden und kehren in den nächsten Tagen und Wochen mit Transportraumschiffen zur Heimatwelt zurück. Der Kriegszustand ist mit sofortiger Wirkung beendet. Meine Herren! Ich gratu¬liere ihnen überlebt und wenigstens ein Unentschie-den mit dem Feind herge¬stellt zu haben. Weiterhin gutes Gelingen und einen guten Rückflug zur Erde. Rand Ende!“  
  
 Diese Datei war definitiv vollständig.  
„Das ist interessant und gibt uns weitere Eckdaten preis“, sagte Kira, „Wir wis-sen jetzt, dass die Basis schon 2150 vom Militär abgegeben wurde. Das stimmt nicht mit den Daten der Kampfeinheit überein.“  
„Du vergisst, dass die Basis an die Forschung übergeben wurde“, merkte Cyron an.  
 „Stimmt, aber das würde bedeuten, dass die Roboter wesentlich länger unter-wegs sind als dreihundert Jahre. Eine der letzten Eintragungen war diejenige, die wir als erste gesehen haben und da ging es mit der Forschung zu Ende. Das war, wenn ich mich recht entsinne um 2390 herum. Wir haben aber das Jahr 3000 und damit ist wesentlich mehr Zeit verstrichen als die Kampfeinheit be-hauptete und das sind immerhin dreihundertzehn Jahre Unterschied. Was ist in dieser Zeit hier passiert? Sind neue Forscher gekommen? Neue Experimente? Oder waren die Daten des Roboters unvollständig oder falsch?“, mischte sich Chiron ein.  
 „Nicht unbedingt“, sagte Kira, „es kann durchaus alles zusammen passen. Die Genforschungen wurden tatsächlich vor sechshundertzehn Jahren offiziell ein-gestellt. Die Mitarbeiter kehrten nie zurück, weil sie alle getötet wurden. Unsere Kampfeinheit ist vielleicht vor dreihundert Jahren in Betrieb genommen wor-den. Die vorherigen dreihundertzehn Jahre waren andere Roboter im Ein¬satz und hatten das Gelände gesichert. Du weißt aus der Erzählung der Einheit, dass die Roboter und Messerdrohnen immer wieder erneuert wurden, weil sie zu alt waren und damit anfällig für Störungen. Die Fabrik in den Bergen hatte be-stimmt genug Kapazitäten gehabt, um das zu bewerkstelligen.“  
 Cyron nickte: „Das bedeutet, dass wir mehr als ein halbes Jahrtausend Zeit hatten, um uns zu dem zu entwickeln was wir heute sind.“  
 Kira schloss kurz die Augen und legte die Ohren zur Seite.   
 „Es wird Zeit mehr Daten anzuschauen. Mich würde vor allem mehr über un-seren Ursprung interessieren und vor allem würde ich gern wissen, wo diese Erde liegt und wo die Raumschiffe sind“, sagte Cyron.  
 Stella stutzte. „Was hast du vor?“  
  
  
  
  
  
 Kapitel 24  
  
 Entschluss  
  
  
„Nun, vielleicht statten wir unseren Göttern einen Besuch ab. Ich kann mir gut vorstellen, dass die ihre Jungen nach mittlerweile achthundertfünfzig Jahren vergessen haben.“  
 Chiron pfiff leise: „Ein kühner Plan.“  
„Mag sein, aber nicht unmöglich. Wir müssen uns ihre Technik aneignen, sie verstehen und bedienen können und am Ende werden wir sie einfach benut-zen. Seid ihr denn nicht neugierig?“ Cyron lächelte gewinnend, stand auf und machte erneut Kaffee, dann kam er zurück und setzte sich wieder hin.  
 Kira atmete tief durch. „Wir sollten was essen“, sagte sie nach einer kurzen Pause.  
 Sie standen auf, gingen auf den Gang und einen Nebenraum weiter. Dort hat¬ten sie ihr provisorisches Proviantlager eingerichtet und trafen auf Wotan und Sirius. Die labten sich gerade an Geflügelkeulen.  
„Na, alles klar bei euch?“, fragte Chiron.  
„Japp“, entgegnete Wotan knapp.   
„Wir haben gehört was ihr vorhabt und wollten fragen, ob ihr uns beim Flug zur Erde gebrauchen könnt“, fragte Sirius direkt heraus.  
 Wotan machte die Augen zu und erwartete ein Donnerwetter, aber es ge-schah was ganz anderes.  
 Cyron strahlte und klopfte dem Wolfsrüden auf die Schulter. „Gut, wenn ihr mit wollt, dann kommt ihr mit.“ Er schnappte sich ein Stück Rehkeule und packte sie in den Infragrill.   
Sie alle hatten die Annehmlichkeiten die die Station bot schnell angenommen und den sicheren Umgang mit den Geräten sehr schnell erlernt. Wotan öffnete die Augen und schaute Sirius an. Der lächelte aufgeregt, ging zu seinem Freund und gab ihm einen Kuss.   
 Tarja grinste: „Och, seht euch nur unser süßes Liebespärchen an.“  
 Wotan und Sirius schauten schüchtern zu Boden und verließen den Raum.   
 Sie durchstreiften die Gänge und schauten sich einfach mal alles genauer an. Das taten sie in den bisher vergangenen achtzehn Wochen zwar zum x-ten Mal, aber es machte immer wieder Spaß.  
Sie erreichten das Treppenhaus und gingen eine Ebene höher. Dort war nie-mand außer ihnen. Sie sahen in alle Nebenräume und erreichten schließlich das letzte Zimmer. Wotan trat ein und legte seine Waffe beiseite. Sirius schloss die Tür hinter sich und legte ebenfalls die Waffe ab. Sie waren allein und unge-stört. Die kleinen Roboter waren schon längst verschwunden und nicht mehr aufgetaucht.  
So holten sie Decken aus einem der Schränke, breiteten diese auf dem Boden aus, legten sich hin, kuschelten sich in das Fell des Partners und schliefen ein.  
  
 Die vier Tiger sowie Kira und Pedro saßen im Computerraum und hatten mitt-lerweile die zwanzigste Datei mit audiovisueller Übertragung angesehen.  
„Nichts“, seufzte Cyron, „Einfach nichts. Am Ende sind die Informationen alle gleich. Mich würde wirklich mal brennend interessieren, gegen wen die Men-schen Krieg geführt haben.“  
 Kira schaute auf den Computermonitor und stutzte: „Ich glaube, ich habe da was.“  
 Cyron drehte sich abrupt zu ihr um. „Dann lass mal sehen“, sagte er erfreut.  
„Kommt auf den Bildschirm.“  
  
Man hörte die Stimme eines männlichen Menschen.  
„Persönliches Logbuch des führenden Wissenschaftlers Thomas, Datum 21.06.2150.  
Heute haben wir endlich die Station komplett vom Militär übernommen und da¬mit begonnen unsere Arbeiten wie geplant durchzuführen. Es ist nicht ein-fach die ganze Installation umzurüsten und umzubauen. Aber wir sind guter Hoff¬nung, dass unsere Forschungen spätestens in einem Jahr reibungslos laufen können. Die ersten Stasisröhren sind bereits aufgebaut und das Tech-nikerteam hat sich an die Arbeit gemacht, sie mit den Rechnern zu vernetzen. In zehn Monaten soll das erste Raumschiff mit Tieren hier eintreffen. Wir hof-fen, dass in etwa fünfzig Jahren unsere Arbeit erste Früchte trägt und in etwa hundert¬fünfzig Jahren so viele Tiere auf diesem Planeten leben, dass die dar-aus resul¬tierende genetische Vielfalt ausreicht, eine überlebensfähige Fauna zu erhal¬ten.“  
  
 „Ich habe noch mehrere Einträge von ihm hier“, sagte Kira nachdenklich. Die Anderen nickten. Kira startete die nachfolgenden Aufzeichnungen der Reihe nach, programmierte die Wiedergabe aber vorher so, dass die Vorstellung des Aufzeichnenden ausgeblendet und nur noch das Datum angesagt wurde.  
  
• „…, Datum 13.07.2151. Wir haben es endlich geschafft. Die Forschungs-einrichtungen laufen ohne Störungen. Vor drei Monaten kam das Schiff mit den ersten Tieren hier an. Wir hatten sie auf dem Hof der Station zwi¬schengelagert, bis wir endlich genug Platz hatten um sie unterzu-bringen. Wir haben im hinteren Teil der Station Käfige und Stallungen errichtet, um die Tiere schadlos zuhalten und vor allem systematisch den Forschungen zuzuführen. Es handelte sich in erster Linie um Nutzvieh wie Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde. Das nächste Schiff trifft in zwei Jahren hier ein und soll Fleischfresser wie Raubkatzen, Wölfe usw. liefern. Mit deren Hil¬fe können wir dann ein funktionierendes Ökosystem auf die Beine stellen und verhindern, dass sich die Pflanzenfresser unkontrolliert vermehren.“  
  
• „…, Datum 23.04.2152. Die Klonierungssequenzen sind erarbeitet und wer¬den gerade in die Rechner gespeist. Anschließend überlegen wir, wie wir bestimmte Basenpaare in der DNS verändern können um die gewünsch¬ten Ergebnisse zu erzielen.“  
  
• „…, Datum 03.09.2155. Die Arbeit läuft hervorragend. Die Sequenzen sind entschlüsselt und die entsprechenden Basenpaare herausgefunden. Wir haben heute den ersten Tieren Zellen entnommen und mit der Gewebe-zucht begonnen.“  
  
• „…, Datum 12.05.2156. Die Ergebnisse übertreffen unsere kühnsten Er-war¬tungen. Es ist nicht mal ein Jahr her, dass wir Zellkulturen angelegt hat¬ten. Man erkennt jetzt schon erste Strukturen.“  
  
• „…, Datum 22.09.2160. Es ist gelungen. Innerhalb von nur fünf Jahren ha-ben wir es geschafft einen kompletten tierischen Organismus zu er-schaf¬fen. Es geschah in einer reinen Stasisröhre und es war weder Spender¬samen noch Spendereizelle notwendig. Heute Abend werden wir diesen Erfolg gebührend feiern.“  
  
• „…, Datum22.08.2200. Die ersten Tierarten sind komplett. Es handelt sich vor allem um Pflanzenfresser und Nutztiere. Alle Tiere die zu uns auf dem Wege des Raumtransportes kamen, sind bereits tot. Wir ent-nahmen allen Tieren Zellen in ausreichendem Maße, froren sie ein, lie-ßen sie von den Computern katalogisieren. Mit den Fleischfressern sind wir genauso ver¬fahren. Die Kadaver wurden fachgerecht entsorgt, die noch lebenden Resttiere wurden ebenso beseitigt. Alles was wir jetzt noch an Tieren ha¬ben sind ausschließlich Klone.“  
  
• „…, Datum 22.03.2300. Was ist schief gegangen? Wir haben alle Sicher-heitsvorschriften beachtet. Unsere Forschung trug reichlich Früchte. Die geklonten Tiere, egal ob Omnivore oder Carnivore tummeln sich auf der Oberfläche des Planeten. Ihre Fruchtbarkeit und ihr schnelles Wachstum übertreffen selbst die kühnsten Vorstellungen. Wir entnah-men den weib¬lichen Klontieren Eizellen und den männlichen Sperma. Wir untersuchten beides und trafen immer wieder auf das gleiche Er-gebnis. Es gab keiner¬lei Anomalien und Ei- und Samenzellen hatten stets 100% Vitalität. Wir hatten die verrückte Idee, eine weitere Steige-rung einzubringen. Wir wollten den Tieren mehr Intelligenz geben, damit sie sich nicht sinnlos dahinmetzeln. Aber wie gesagt nur etwas und es ging vor allem darum, dass sie uns Menschen als ihren Herrn aner-kennen und niemals jeman¬den angreifen würden. Wir haben es getan und ein Monster erschaffen. Wir entnahmen einer Klonkuh eine Eizelle, manipulierten sie aber nicht. Einem Löwen entnahmen wir Samen und veränderten diese Zellen. Wir verseuchten sie mit einem entsprechen-den Intronenvirus das beim Men¬schen dafür sorgt, dass sich ab einem bestimmten Entwicklungsstadium vermehrt Hirngewebe bildet. Es ge-lang auch und das Experiment verlief planmäßig. Aber es muss etwas schief gegangen sein und es entwickelte sich eine tierische Kreatur mit einem menschlichen Hirn. Wir wissen nicht genau wie es vonstatten ging, aber es ist sicher, dass sich während der Zellteilung das Intro-nenvirus zu früh aktivierte. Es konzentrierte sich vor allem auf den Be-reich der später die Entwicklung des Gehirns be¬einflusst. Außerdem geschah etwas, was eigentlich nicht sein kann, denn das Virus teilte und vermehrte sich. Die spontanen Virenableger be¬einflussten nach-haltig die Form des Körperbaus und verschiedene Be¬reiche der weiteren Anatomie. Die Rechner hatten uns vor einem solchen Ausgang nicht gewarnt, denn dieses Szenario war ihnen vollkommen un¬bekannt. Wir haben beschlossen dem Experiment ein schnelles Ende zu bereiten.“  
  
• „…, Datum 26.03.2300. Wir haben uns eingehend beraten und kamen zu dem Entschluss das Experiment weiterlaufen zulassen. Unsere Neugier ist zu groß und wir möchten unbedingt erfahren, was daraus wird.“  
  
• „…, Datum 23.10.2300. Es ist geschafft. Die Aufzucht des Wesens in der Stasisröhre ist beendet. Die Veränderung der Gene hat den typischen Schnellwuchs erzielt. Wir haben die Kreatur aus der Röhre geholt und von den Geräten getrennt. Sie stand im Raum, aufrecht und starrte uns an. Sie blickte nicht leer, wie viele von den Tieren die wir hier schon ge-klont hatten, sondern hatte warme und intelligente Augen. Was haben wir nur getan?“  
  
• „…, Datum 10.04.2302. Das Wesen ist echt der Knüller in unserer Station geworden. Es ist nicht nur interessant mitzuerleben wie sich sein Geist entwickelt, sondern auch wie sich sein Charakter ausprägt. Mit seiner Lernschnelligkeit und seiner überdurchschnittlichen Auffassungsgabe stellt es mich schon fast in den Schatten. Manche bekommen es lang-sam mit der Angst zu tun und ziehen Zweifel an der Richtigkeit unseres Tun’s in Betracht.“  
  
• „…, Datum 10.09.2303. Wir haben verschiedene der von uns geklonten Tie¬re eingefangen um sie zu untersuchen. Wir können bisher keinerlei Unre¬gelmäßigkeiten feststellen. Alle Tiere sind topfit und zeigen kei-nerlei Ausfallerscheinungen. Das Wesen hat unsere ganze wissen-schaftliche Bücherei durchgelesen und hat den Stoff mehr als gut ver-arbeitet. Ich fürchte jetzt um meine Position.“ Er lachte irre.  
  
• „…, Datum 10.09.2303. Wir haben heute beschlossen, dass wir das Expe-ri¬ment mit verschiedenen Tierarten nochmals nachvollziehen wollen. Diesmal jedoch mit artspezifischen Ei- und Samenzellen. Von mehreren Mitarbeitern kam die Idee, dass es sich bei der Intronenmutation viel-leicht um eine Reaktion auf das verschmelzen einer Rindereizelle und ei¬ner Raubtiersamenzelle handeln könnte. Unser Kind interessiert sich sehr für unsere Arbeit und beobachtet uns mit scharfen Augen.“  
  
• „…, Datum 10.01.2389. Bis heute haben wir ergebnislos herumgefummelt. Alle Experimente die das gewünschte Ergebnis bringen sollten, schlu-gen fehl. Wir beschränkten uns mehrere Jahre darauf, mit den Rech-nern alle Eventualitäten auszuschließen und haben den Durchbruch er-zielt. Letzte Nacht begann unser letzter großer Versuch. Wir befruchte-ten von jeder Spezies die uns zur Verfügung stand, jeweils fünf Eizellen mit den ent¬sprechenden Samenzellen und schleusten unter verschärf-ten sterilen Bedingungen das fragliche Virus ein. Wenn es klappt, wer-den wir in spä¬testens acht Monaten das Ergebnis vor uns stehen haben. Unser Wesen, das wir mittlerweile lieb gewonnen haben, haben wir auf den Namen Anthro getauft. Es ist eine echte Bereicherung unserer Mannschaft ge¬worden und wir wollen es nicht mehr missen.“  
  
• „…, Darum 10.02.2389. Die Kulturen wachsen in den Stasisröhren präch-tig, bisher können wir keinerlei Abweichungen feststellen und es scheint zu glücken.“  
  
• „…, Datum 12.04.2389. Die Klone, als solche muss man sie ja ab sofort be¬zeichnen, wachsen schneller als gedacht, also hat das Virus wieder eine spontane Teilung erfahren und ist mutiert. Allerdings scheint etwas an¬ders zu laufen. Der Bereich des Hirns scheint diesmal nicht betroffen zu sein.“  
  
• „…, Datum 13.04.2389. Verrat! Wir hatten Wachen vor dem Labor postiert. Sie sind ermordet worden. Wer war das?“  
  
• „…, Datum 13.05.2389. Wir haben den Schuldigen gefunden. Es war einer unserer eigenen Mitarbeiter. Er gehörte zu unserem eigenen Team, nicht mal zur Sicherheit oder zur Technik. Sein Motiv war eindeutig. Er hatte Spielschulden bei den beiden Opfern gehabt, verstrickte sich in Wider-sprüche und hatte am Ende kein sauberes Alibi. Das reicht für eine An-klage. Er ist bereits auf dem Weg zur Erde um dort vor ein ordentliches Gericht gestellt zu werden.“  
  
• „…, Datum 13.07.2389. Es ist wieder passiert. Letzte Nacht, als wir alle schliefen, griff das mutierte Virus auf das Hirn über und das Wachstum im Bereich des Schädels und des Gehirns ist stärker geworden. Ich kriege das jetzt nicht mehr auf die Reihe.“  
  
• „…, Datum 14.07.2389. Alles aus. Wir sind geliefert. Es sind Daten über un¬sere Arbeit durchgesickert und zur Erde gelangt. Unsere Forschun-gen sind mit sofortiger Wirkung eingestellt worden. Wir dürfen nichts mehr anrühren, bis eine außerordentliche Untersuchungskommission einge¬troffen ist. Vom zentralen Computer sind Kampfeinheiten und Messer¬drohnen, die noch vom Militär stammen, aktiviert worden. Jeder Versuch die Beweise zu vernichten wird sofort mit dem Tode bestraft, einer unse¬rer Mitarbeiter musste es schon erfahren.“  
  
• „…, Datum 15.07.2389. Mir sind Videoaufzeichnung in die Hände gelegt worden, die zeigen was wirklich in jener gewissen Nacht geschehen war. Ich wollte meinen Augen nicht trauen. Wir waren die ganze Zeit auf einer falschen Spur. Unser Anthro hatte die Wachen getötet, war in das Labor eingedrungen und hatte mit Hilfe unserer Apparatur das fragliche mu¬tierte Virus aus seinen eigenen Zellen gewonnen. Anschließend ver-seuchte er alle Kulturen mit diesem Virus und hat damit unsere Arbeit zu seiner eigenen gemacht. Wir können es nicht mehr verhindern, aber in Kürze werden Unmengen an Anthros diese Welt bevölkern. Wir haben uns an der Schöpfung versündigt und eine neue Spezies erschaffen. Eine Mischung aus Tier und Mensch die in einer perfekten Harmonie ineinan¬der aufgeht.  
  
• „…, Datum 20.08.2389. Letzte Nacht hat unser Anthro die Röhren teil-weise zerstört und seine Artgenossen befreit. Die Kampfmaschinen haben voll¬kommen versagt. Sie alle waren viel zu schnell und konnten die Station fast ungehindert verlassen. Wir haben versucht es zu ver-hindern und sind von der Mordmaschinerie angegriffen worden. Die meisten sind schon draufgegangen und ich werde wohl der Nächste sein. Ich wünsche unseren Kindern ein friedliches und erfolgreiches Leben. Mögen sie den Planeten in Besitz nehmen und niemals erfahren was hier geschah und wie sie wirklich entstanden sind. Gott möge mir vergeben.“  
  
  
  
  
  
 Kapitel 25  
  
 Anthro  
  
  
 Das waren die Daten die sie gesucht hatten. Jetzt wussten sie, wie sie entstan-den waren. Es war kein Zufall. Ihr Urvater war ein Zufall, aber sie selbst waren es nicht. Sie waren das gewollte Produkt dieser Menschen, zumindest bis zu einem gewissen Punkt. Der Rest war der Wunsch des geheimnisvollen ersten Anthros. Ihm und diesen Menschen verdankten sie ihre Lebensumstände und ihre Anatomie, ihren Geist und ihre Seele.   
 Cyron atmete schwer, auch Stella musste angesichts dieser Tatsache nach Luft ringen.  
„Das ist alles schön und gut, aber es geht hier ausschließlich und ganz eindeu-tig nur um Anthros und wirklich nur darum“, warf Tarja ein.  
„Ja, worauf willst du jetzt hinaus?“, fragte Chiron.  
„Es kommt mir nur merkwürdig vor, dass es hier nicht nur Zweibeiner wie wir es sind gibt, sondern auch Vierpfotler und intelligente Huftiere sowie Drachen und Greife. Wo kommen die her?“  
„Gute Frage. Ich könnte mir vorstellen, dass im Laufe von sechshundertelf Jah-ren und ungehinderter Entwicklung, sich die eine oder andere Mutation ge-bildet hat“, antwortete Cyron.  
 Tarja nickte: „Mag sein, aber so schnell?“  
„Es wurde ein Virus eingeschleust welches die Wachstumsrate erheblich be-schleunigen sollte und das war auch gelungen“, warf Kira ein.  
 Die junge Tigerin kaute auf ihrer Lippe. „Das klingt einleuchtend, immerhin sind spontane Mutationen auch schon während der Experimente aufgetreten und haben zu allen möglichen unerwarteten Resultaten geführt.“  
 Cyron kniff die Augen zu schmalen Schlitzen zusammen und schaute zu Kira. „Hast du vielleicht irgendwo ein Bild von diesem Uranthro?“  
„Hm …, mal schauen“, sagte sie und wühlte in den Dateien, „Japp, hab eins. Ist sogar eine Videoaufzeichnung.“  
 Sie klickte auf die entsprechende Datei, der Bildschirm wurde wieder hell und man erkannte Wissenschaftler die vor einem Wesen standen das locker zwei bis drei Köpfe größer war als alle anderen zu sehenden Personen. Sie standen teilweise mit Messgeräten bewaffnet vor ihm und schienen verschiedene Werte zu nehmen.  
 Im unteren Rand des Bildes liefen verschiedene Zahlen- und Buchstabenko-lonnen durch. Darunter waren Blutzusammensetzung, Sauerstoffgehalt im Blut und im Gewebe, Lymphe, Lungenvolumen, Herzfrequenz und Blutdruck, Kör-pertemperatur, Muskeltonus, Hautspannung, Gehirnaktivität, Augeninnen-druck, Sehschärfe, Körpergewicht, Körpergröße und –umfang. Die Wissen-schaftler waren allesamt männlich. Plötzlich trat eine Wissenschaftlerin ins Bild, trat direkt vor den Anthro. Sie holte ein großes Reagenzglas hervor, nahm ihre linke Hand und streckte sie vor.   
 Ihre Hand verschwand zwischen sich und dem Anthro im Bereich der Taille. Sie sah auf ihre Hand und das was sie darin hatte und … nach wenigen Sekun-den erkannte man, dass der Anthro die Augen schloss, das Gesicht verzog und die Zähne fletschte. Dann drehte sich der weibliche Mensch um, lächelte breit und mit aufgerissenen Augen in die Kamera und hielt das Reagenzglas hoch, wie eine Trophäe. Sie verschwand aus dem Bild und der Anthro hatte dümm-lich entspannte Gesichtszüge.   
 ‚Kein Wunder, nach der Behandlung’, dachte sich Cyron und sah zu Stella.  
 Die starrte weiter auf die Aufzeichnung und legte plötzlich die Stirn in Falten und ihre Kinnlade schien förmlich auf den Tisch zu fallen. Das weckte Cyrons Neugier und er schaute wieder auf den Bildschirm.  
„Was ist das denn?“, fragte er laut und erstaunt, „Ich dachte er wäre ein er.“  
 „Ist er auch“, sagte Kira grinsend, „aber nicht nur.“  
 Der Anthro wurde jetzt nicht mehr von Wissenschaftlern umringt und vor der Kamera verdeckt. Man konnte sich endlich ein detailliertes Bild von ihm ma-chen. Er hatte langes und üppiges Fell, zwei lange, schlanke und sehr gerade Beine, sein Schwanz schwang sanft und entspannt hin und her und war eben-falls sehr buschig. Sein Penis und das Scrotum stammten vom Aussehen und von der Größe her allerdings eher vom Stier und waren selbst für seine Körper-größe etwas zu kräftig geraten. Bei dieser Region musste die Klonkuh kräftig dominiert haben. Der Anthro hatte einen auffällig stark bemuskelten Bauch, ei-ne schlanke Taille, breite Schultern und einen – Busen. Tatsächlich, sie hatten sich nicht verguckt. Er hatte große wohlgeformte Brüste, die sich hinter einer üppigen Mähne, die vom Kopf ausging, zu verstecken versuchten. Der Kopf war löwentypisch, aber hatte lange Säbelzähne. Das Lebewesen wirkte auf Cyron wild, ungestüm, schnell, wendig, stark, aber auch freundlich, liebevoll, sanft, zärtlich und regte ihn auf irgendeine Weise an. Er stutzte bei der letzten Fest-stellung und schüttelte den Kopf.  
 „Was ist Liebster?“, fragte Stella.  
 „Nichts, nichts. Ist schon gut. Es ist alles in Ordnung“, antwortete er.  
„Kann es sein, dass du dich gerade bei dem Gedanken ertappt hast, dass er dich erotisch anzieht?“, fragte die Tigerin direkt und erbarmungslos.  
 Cyron zuckte zusammen.  
„Aha! Erwischt. Aber sei beruhigt, mir geht’s nämlich genauso. Und ich weiß nicht warum.“  
Kira lächelte verschämt. „Ich glaube das geht hier jedem so oder irre ich mich?“  
 Tarja und Chiron sahen die anderen an und nickten leicht, aber bestimmt.  
„Er hat etwas an sich, dass ich nicht definieren kann“, sagte Cyron leise.  
 Kira nickte: „Ja, er ist ein Hermaphrodit und könnte einem jeden von uns die geheimsten Wünsche erfüllen, ohne dass er fragen müsste. Er würde spontan und aus Überzeugung handeln und immer den richtigen Punkt treffen. Außer-dem stellt er eine Art Überwesen dar.  
 Er wäre Vater und Mutter zugleich, würde Beschützer, Jägerin, Ernährer und Lehrerin in einer Person sein. Er würde dominant sein und gleichzeitig domi-niert werden wollen.“  
 Die Tiger nickten und Pedro saß in der Ecke und grollte leise.  
„Er vereint alle Vorzüge in sich“, ergänzte Chiron.  
„Ja, aber der Umgang mit ihm dürfte auch nicht leicht sein, da er auch alle Nachteile mitbringt“, fügte Cyron an und bekam dafür einen schnippischen Blick von Stella.  
„Sieh mich bitte nicht so an, Schatz“, sagte er schnell, „Ich kann diesen Blick von dir nicht vertragen.“  
„Gut so! Das sollst du auch nicht.“  
„Aber egal wie. Ich finde dieses Wesen faszinierend und würde ihm zu gerne begegnen“, lenkte Cyron ab.  
„Das wird nur nicht möglich sein. Er müsste sonst über sechshundert Jahre alt sein“, gab Stella zu bedenken.  
„Das würde ich nicht so absolut ausschließen“, warf Kira ein.  
 Alle schauten sie fragend an.  
„Nun, in den Aufzeichnungen war kein Wort darüber gefallen ob er die Station verlassen konnte oder hier getötet wurde, auch wenn in den handschriftlichen Notizen, welche wir anfangs fanden, etwas anderes behauptet wurde.“  
„Du meinst …“, setzte Chiron an.  
„ … genau das. Wir dürfen nicht vergessen, dass er überdurchschnittlich intelli-gent war, die Technik der Station extrem hoch entwickelt ist und er vielleicht eine Möglichkeit gefunden hat sein Leben zu verlängern. Wobei sechshundert Jahre selbst dafür eine verdammt lange Zeit sind“, beendete Kira den Ge-danken.  
„Wir mutmaßen doch nur, allein die Beweise dafür bleiben wir uns schuldig“, Cyron schlug mit der flachen Hand auf den Tisch.  
 Er sah auf die Uhr am Computer.   
„Es ist schon recht spät und ich werde langsam müde. Wir sollten schlafen, da-nach weiter machen und dann mal nach nutzbaren Techniken suchen. Viel-leicht gibt es das eine oder andere, was wir im täglichen Leben verwenden können und unserer Bevölkerung zu mehr Wohlstand verhilft. Außerdem soll-ten wir uns irgendwann mal an den Mech ran wagen und nach den Schiffen suchen, von denen des Öfteren die Rede war.“  
 Stella breitete mehrere Decken auf dem Boden aus und sie legten sich hin. Innerhalb kürzester Zeit waren alle im Land der Träume verschwunden.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 26  
  
 Verstärkung  
  
  
 Wotan erwachte nach Stunden, schaute sich um, erstarrte in der Bewegung und tippte Sirius an. Der war schon wach, traute sich jedoch nicht, sich zu be-wegen. Sie waren von mehreren der kleinen Roboter umzingelt.   
„Ich glaube wir haben ein Problem“, sagte Sirius leise.   
 Wotan nickte nur und starrte gebannt auf die Vehikel. „Was meinst du was die wollen?“, fragte er.  
 Sirius löste sich aus der Erstarrung, erhob sich und sagte: „Ich weiß es nicht, werde es aber herausfinden.“   
 Er richtete sich zur vollen Größe auf, die Mehrzahl der Roboter wich vor ihm zurück. Lediglich einer schien aberwitzig zu sein, rollte auf den Wolf zu und fuhr gegen sein linkes Bein. Der jedoch bewegte sich keinen Zentimeter und beobachtete nur, um zu sehen, was das jetzt werden soll. Der Roboter rollte in Richtung der Tür und bog nach links ab. Sekunden später tauchte er wieder auf, steuerte auf Sirius zu und stupste wieder gegen sein linkes Bein. Der ganze Vorgang wiederholte sich fünf Mal, dann begriffen beide Wölfe gleichzeitig, was die Dinger von ihnen wollten.  
 Wotan erhob sich, ging zum Tisch, nahm seine Waffe und gab Sirius seine.   
„Ich glaube, wir sollten ihnen folgen“, sagte er.   
 Sie gingen zwei Schritte in Richtung der Tür.   
„Hattest du die Tür nicht geschlossen?“, fragte er Sirius.   
 Sein Partner nickte: „Stimmt.“  
 Tatsächlich waren die Roboter darauf aus, dass die beiden ihnen folgten und darauf bedacht den Kontakt nicht zu verlieren. Sie wiesen ihnen den Weg zu einem Ziel, das nur sie kannten.   
„Wo wollen die uns nur hin locken?“ Sirius war das Ganze unheimlich.  
  
  
 Während die Tiger sowie Kira und Pedro schliefen, sollten die beiden Wölfe in Kürze sehr erstaunliche Dinge erleben und etwas erfahren, worüber die ande-ren vorher nur spekuliert hatten.  
 Die kleinen Roboterfahrzeuge rollten auf eine Wand zu und blieben davor stehen.  
„Sackgasse“, bemerkte Wotan bitter, „Das war wohl nichts. Wir gehen zurück auf Ebene minus sechs und melden uns bei den anderen. Die vermissen uns bestimmt schon und haben vielleicht was interessantes herausgefunden.“  
Sirius stimmte zu und beide drehten sich um, um zu gehen.   
 Plötzlich fuhr die Wand unter einem dröhnenden Geräusch auseinander. Es handelte sich um eine Tür die so präzise in die Wand eingearbeitet war, dass man sie nicht wahr nahm. Aber das war jetzt egal, denn diese Tür war offen und jemand musste sie geöffnet haben.  
 Die beiden sahen sich an und waren sichtlich nervös.   
„Sieht so aus, als ob wir ne Einladung bekommen hätten“, sagte Wotan mit trockener Kehle.   
 Kaum waren sie durch die Tür getreten, da schloss sich diese und beide saßen in der Falle. War es überhaupt Eine?   
 Wo immer sie sich befanden, es war stockfinster, lediglich einige Kontroll-lämpchen blinkten in näherer Entfernung. Plötzlich gingen Lichter an und über¬fluteten sie mit Helligkeit. Sie kniffen die Augen zu und schützten sie zusätzlich mit davor gehaltenen Händen. Nach mehreren Sekunden hatten sie sich an das Licht gewöhnt und konnten etwas erkennen.  
  
 Sie befanden sich in einem kleinen Raum, an dessen Wänden mehrere Moni-tore montiert waren, die jetzt aktiv wurden. Im Raum selbst stand ein Tisch mit drei Computern, außerdem stand am hinteren Ende ein merkwürdiger metal-lener Liegestuhl und in diesem saß jemand. Aus seinem Körper kamen unzäh-lige Kabel und Schläuche. Blaue und rote Flüssigkeiten flossen hindurch wur-den in den Körper gepumpt oder abgesaugt.  
 Sie fassten Mut, traten weiter in den Raum hinein, um nähere Einzelheiten er-kennen zu können und näherten sich der Liege. Plötzlich öffnete das Wesen die Augen und schaute die Wölfe scharf an.  
 „Seid willkommen, Freunde“, sagte es und hatte dabei eine sehr gewöh-nungsbedürftige Stimme.   
 Sie schien männlich und weiblich zugleich zu sein. Das Wesen trennte sich von den Leitungen und damit von der Apparatur an der es hing und stand auf.   
Gegenüber Wotan und Sirius erschien es mehr als nur groß. Es war eindeutig ein Anthro, aber es gehörte keiner bekannten Art an, es war eher eine Mi-schung aus Verschiedenem.   
 Dem Kopf nach war es eindeutig ein Löwe, wobei es lange Säbelzähne hatte, die ihm aus dem Oberkiefer wuchsen. Es hatte eine traumhaft lange Mähne, die bis über die Schultern fiel und hellblond war. Es hatte breite Schultern, die zum Anlehnen einluden, ein dichtes Brustfell unter dem sich deutlich zwei Wöl-bungen abzeichneten und somit als Weibchen kennzeichneten. Es hatte sehr ausgeprägte Bauchmuskeln, männliche Geschlechtsorgane … - Moment! –   
 Die beiden Wölfe zuckten zusammen und ließen ihren Blick nochmals über das Wesen schweifen und landeten schließlich wieder bei den Brüsten. Dann schauten sie nochmals und ungeniert auf die Taille und ließen ihre Blicke dort verharren.  
 „Ich fall' vom Glauben ab“, flüsterte Wotan leise, „Es ist zweigeschlechtig.“  
 „Das seht ihr richtig“, sagte das Wesen frei heraus, „Ich kann Junge gebären oder sie zeugen. Ich bin alles und nichts. Ich bin der Anfang von allem und Mutter und Vater zugleich.“  
 Die beiden sahen sich verständnislos an.   
„Was bist du wirklich und wer bist du?“, fragte Sirius.  
„Ich bin Anthro und das erste Wesen unserer Art.“  
„Das glaube ich dir gerne, denn so was wie dich habe ich noch nie gesehen. Du sprachst von unserer Art. Also gibt es noch mehr die so sind wie du? Hast du denn einen Namen?“, entgegnete Sirius.  
 Das Wesen ging drei Schritte auf die Beiden zu. Die Rüden wichen ein Stück zurück.  
„Habt keine Angst vor mir. Ich bin Anthro und ich bin allein.“  
„Allein also. Den Rest sagtest du schon. Wir sind alle Anthros und deine Ant-wort verwirrt mich“, sagte Sirius etwas schärfer.   
 Das Wesen seufzte. „Ich bin der Anfang eures Lebens. Ich bin euer Erzeuger.“  
 Den beiden klappten die Kinnladen herunter. Konnte das sein? Hatten sie tat-sächlich ein Wesen gefunden von dem sie alle abstammten?  
„Das ist unwahrscheinlich“, sagte Wotan, „Du müsstest schon längst tot sein. So alt wird niemand.“  
„Vergiss nicht, dass ich über die hochentwickelte Technik der Station verfüge, derer ich mich bediene“, erwähnte Anthro.  
„Schon, aber sollte das gehen?“  
 Das Wesen deutete auf den Stuhl. „Diese Apparate sorgten dafür, dass ich seit mehreren Jahrhunderten nicht altere. Der Prozess der Alterung ist ein ständiger Zerfall von Zellen und Gewebe, wird dieser aufgehalten altert man nicht. So konnte ich nach meiner Flucht leben, seit genau sechshundertelf Jahren.“  
 Das war zuviel des Guten und die Beiden wurden sauer.   
„Du willst uns wohl verarschen?“, herrschte ihn Wotan an.  
  
 Das Wesen ging einen Schritt zurück und hob beschwichtigend die Hände. Es sah auf einen der Monitore und machte einen Vorschlag.   
„Warum gehen wir nicht zu den Anderen? Vielleicht können wir die Missver-ständnisse aufklären?“  
 Der Vorschlag entbehrte nicht einer gewissen Logik.   
„Okay, mein Freund. Aber schön langsam und vorsichtig und glaube mir, wir können mit unseren Waffen sehr gut umgehen“, drohte Sirius.  
„Das glaube ich, sonst würdet ihr nicht hier stehen. Ich komme gerne mit euch.“  
 Das Wesen hielt die Hände sichtbar in Richtung der Tür. Wotan und Sirius nickten und traten auf die Tür zu. Die öffnete sich und sie verließen den Raum.  
  
  
 Die Anderen schliefen noch, erwachten aber langsam. Einer nach dem ande-ren schickte sich an, dem Genuss einer heißen Dusche zu frönen. Nach kurzer Zeit waren sie fertig und Kira setzte frischen Kaffee an, außerdem besorgten sie sich was zu essen. Sie setzten sich in den Computerraum und wollten gerade mit der Datenauswertung weiter machen, da kamen vom Flur her Schritte nä-her. Sie schauten zur Tür und Sirius trat in den Türrahmen. Er war sichtlich auf-geregt und erschien verwirrt.  
 „Hallo Sirius, was ist denn los? Ist was passiert?“, fragte Cyron.  
 Der Rüde nickte nur, trat einen Schritt zurück und winkte auf dem Gang je-manden heran. Neugierige Blicke ruhten auf ihm.   
 In den Türrahmen trat plötzlich ein bekanntes Wesen. Sie hatten es vor kur-zem erst gesehen.  
 Die Gruppe sprang von den Sitzen auf und konnte ihren Augen nicht glauben.  
ER war da, ER stand direkt vor ihnen und ER lebte.  
  
 Tarja fand als erste Beteiligte die Sprache wieder.   
„Anthro? Wie kann das sein? Du müsstest doch schon lange tot sein und wie hast du überlebt und wo kommst du her?“  
„Langsam, langsam. Alle Antworten der Reihe nach“, entgegnete er, „Erstmal lebe ich noch und mein Name ist tatsächlich Anthro. Eure beiden Wachwölfe wollten mir nicht glauben.“  
 Die beiden Genannten zuckten mit den Schultern und hoben entschuldigend die Hände.  
 „Schon gut“, sagte Cyron dazwischen, „Sie können nichts dafür und wussten es nicht besser. Wir hatten die Aufzeichnungen, auf denen du erscheinst, erst gefunden nachdem die beiden gegangen waren. Sie machen ihre Arbeit aber wirklich sehr gut und sind die Besten.“  
 Die beiden Rüden reckten sich vor Stolz und Anthro nickte freundlich.  
„Gut. Dann ist das, glaube ich, geklärt.“ Er wandte sich an Tarja: „Nun zu deinen Fragen. Ich hatte in der Zeit, in der ich hier friedlich lebte, einen ungenutzten Raum gefunden. Den hatte seinerseits wohl das Militär erschaffen und den Wissenschaftlern nichts davon übermittelt. In ihm befanden sich Überwa-chungsmonitore. Ich las sehr viel über Gentechnik und über lebenserhaltende und –verlängernde Maßnahmen.   
 Ich stahl heimlich eine passende Ausrüstung zusammen und installierte sie in jenem Raum. Ich wusste, dass der Tag kommen würde, an dem sich die Ereig-nisse wenden. Als der Tag dann kam, befreite ich eure Vorfahren soweit es ging und schlich in meinen Raum. Es hatte keiner bemerkt und alle dachten, ich wäre auch aus der Station geflüchtet. Ich baute eine Armee von kleinen flinken Robotern zusammen, welche mir treue Dienste leisten sollten. Sie soll¬ten Informationen sammeln und die Station überwachen.   
 Die Kampfeinheiten waren überall und eliminierten das gesamte Wissen-schaftlerteam, ebenso die Techniker und das Sicherheitspersonal. Die Station gehörte ab diesem Zeitpunkt den Robotern und war frei von Lebewesen aller Art. Ich sandte meine kleinen Helfer aus und manipulierte verschiedene Daten-leitungen. Am Ende war der Stationscomputer von fast allem abgeschnitten.   
 Lediglich die Datenbänke standen noch unter seiner Kontrolle und die Waf-fen- und Verteidigungssysteme. An die kam ich leider nicht ran. Zusätzlich programmierte ich meine Roboter so, dass sie inaktiv bleiben, solange sich im strategischen Gefüge der Station nichts ändert. Ich wollte verhindern, dass je-mand aufmerksam wird. Außerdem bekamen die Roboter von mir den Auftrag eventuell anfallende Leichen abzutransportieren, um das Ausbreiten von Krankheiten infolge des biologischen Abbaus zu verhindern. Danach schloss ich mich an meine Apparatur an und wurde in künstlichen Tiefschlaf versetzt.   
 Nach sechshundertelf Jahren bin ich endlich erwacht und freue mich euch kennenzulernen.“  
  
Tarja lächelte ihn an. Er hatte Charme das musste man ihm lassen.  
  
 „Dann waren es also deine Roboter, die den toten Pegasushengst wegge-schafft haben?“, fragte Kira.  
„Ja, wenn er in einer Ebene lag, dann ist das durchaus möglich.“  
„Du weißt aber auch, dass sie ihn mit einer Sensorenphalanx ausgerüstet ha-ben, nachdem sie ihm den Kopf abtrennten? Seine Geliebte hatte einen Mordsschreck bekommen und ein tiefes Trauma erlitten“, sagte die Luchsin streng.  
 Anthro überlegte kurz. „Dann muss ein Fehler in der Programmierung vorge-legen haben oder es gab einen Widerspruch. Die Roboter hatten ja, wie ich er-wähnte, auch den Auftrag zu prüfen, ob sich im Gefüge der Station etwas än-dert. Das war nach eurem Eintreffen ganz klar der Fall und nachdem sie den to¬ten Pegasus fanden, kam wohl der Befehl der Kommunikationsherstellung mit euch zum tragen.  
 Sie haben ihn wohl mitgenommen, den Kopf abgetrennt, da das Hirn nicht mehr zu retten war, wahrscheinlich noch intakte Reste von Charakterbild und geistigem Profil auf einen separaten Speicher übertragen und versucht, mittels einer Kombination aus Pegasuskörper und künstlicher Intelligenz mit euch in Kontakt zu treten.“  
 Cyron schaute ihn streng an. „Und das hat wohl auch geklappt, wie es aus-sieht. Wenn auch auf eine ziemliche morbide Weise. Aber warum liegt der Kopf des Hengstes im Labor? Was soll mit dem geschehen?“  
„Der Kopf ist an Versorgungsleitungen angeschlossen und damit vor dem Zer-fall geschützt. Die Zeit wäre gekommen, um das zerstörte natürliche Hirn durch ein künstliches zu ersetzen. Die Daten wären aufgespielt und Körper und Kopf wieder verbunden worden und der Pegasus hätte wieder gelebt. Aber das hat sich ja nun wohl erledigt.“  
 Kira seufzte: „Ich glaube die ganze Technologie hier ist ne Nummer zu hoch für mich. Es stehen Möglichkeiten offen, die wir uns nicht mal im Traum vor-stellen können.“  
„Und nun?“, fragte Tarja.  
„Wie es aussieht bin ich genau im richtigen Moment geweckt worden, denn ihr könnt Hilfe dringend gebrauchen, genau wie ich“, sagte Anthro.  
  
 „Und was stellst du dir dabei vor?“, fragte Kira neugierig.  
 „Nun, ganz einfach. Ich helfe euch beim auswerten der Daten und gebe noch zusätzlich Informationen weiter. Außerdem erkläre ich euch die Technik des Mech, denn ich kenne die Handbücher, Zeichnungen, Pläne und Bedienungs-anleitungen so gut wie auswendig. Außerdem zeige und erkläre ich euch die Shuttleschiffe, die ihr benötigt um auf die andere Seite des Planeten zu kom-men, denn dort steht ein großer Raumtransporter.“  
 Sie schauten sich alle an und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das war wirklich dringend benötigte Hilfe.  
„Wo ist der Haken?“, fragte Stella verschmitzt.  
„Ihr nehmt mich mit zur Erde, wenn ihr hinfliegt. Ich habe da einige Sachen zu erledigen und allein kann ich das nicht. Daher war es meine einzige Aufgabe zu schlafen und zu warten. Abgesehen von den ganzen Waffen, die meine Flucht aus der Station verhindert hätten.“  
 Stella atmete tief durch und seufzte. Sie blickte zu Cyron. Der starrte an die Decke, hielt den Kopf schief und legte die Ohren zur Seite, anschließend nickte er.  
Das Geschäft war damit besiegelt.  
  
 „Gut. Was möchtet ihr denn als erstes tun?“, fragte Anthro.  
 Tarja kicherte, denn sie fühlte sich an Groodarn erinnert.  
„Warum kicherst du?“  
„Nichts, nichts. Ist schon gut. Du hattest mich gerade nur an einen guten Freund erinnert.“  
 Anthro nickte und lächelte sie an.   
 Plötzlich wurde sie sehr ernst und nachdenklich.  
„Was ist mit dir, Tochter?“, fragte Stella besorgt.  
„Ich musste nur gerade an Groodarn denken und dann fielen mir mit einem Mal Finlay und Sitara ein und mein Apophis.“   
 Sie schluchzte und fing an zu weinen.  
„Ah! Da erfahren wir doch auch mal den Namen unseres Enkels“, sagte Stella lächelnd.  
 Das alles war von Anfang an in den Hintergrund gerückt und am Ende kom-plett untergegangen.   
 Das Mischwesen sah sie betroffen an. „Pass auf“, sagte er, „Wir machen fol-gendes. Ich drucke die Anleitungen und anderen Unterlagen für den Mech aus, ebenso die Handbücher für die Shuttleschiffe. Im hinteren Teil der Station, in einem separaten Gebäude sind sieben Stück davon vorhanden. Davon nehmen wir uns beide dann eins und fliegen dahin, wo du hin möchtest.“  
 Tarja schaute zu ihren Eltern und die nickten zustimmend.  
 Das nächste was man von ihr hörte war ein lauter begeisterter Aufschrei. „Aber Chiron kommt mit“, bestimmte sie.   
 Cyron nickte ein weiteres Mal und seufzte. Nach fünf Stunden harter Arbeit der Drucker, lagen riesige Papierberge auf den Tischen.   
 Cyron schaute traurig auf die Berge von Aufzeichnungen, dann zu Kira, zu Stella, zu Pedro, dann wieder auf die Papiere, zu Tarja, zu Anthro und legte den Kopf auf den Tisch. „Oh, Bastet! Was haben wir nur verbrochen, dass wir mit so was bestraft werden.“  
 Stella stand auf und ging zu ihrem Kater. Sie umarmte ihn und spendete ihm Trost. Kira seufzte.  
„Was ist los, Kira?“, fragte Cyron.  
„Ach verdammt. Ich weiß auch nicht. Ich bin zu lange mit Pärchen zusammen. Wenn ich euer liebevolles Geknuddel sehe, dann werde ich in letzter Zeit so merkwürdig schwermütig.“  
 Cyron schaute sie schief an. „Wie alt bist du jetzt eigentlich?“, fragte er und zuckte zusammen. Ein Weibchen fragt man nicht nach dem Alter.  
 Aber Kira schien das locker zu sehen. „Ich bin gestern fünfundzwanzig gewor-den.“  
„Was? Du hattest gestern Geburtstag und hast nichts davon gesagt?“, rief Cy-ron laut aus.  
„Wir haben wichtigeres zu tun“, erwiderte sie.  
„Oh nein. Junge Dame, das haben wir nicht. Außerdem hast du da draußen be-stimmt einen jungen Kater der auf dich wartet.“  
 Kira schüttelte den Kopf.  
„Nein?“, mischte sich Anthro ein, „Ein so bezauberndes, junges Luchsmädchen hat keinen Freund?“  
 Kira schüttelte immer noch den Kopf.   
 Anthro schaute mal wieder betroffen: „Wie kann das sein?“  
„Ich hatte nie Zeit und habe mich ganz meiner Bildung und Büchern gewid-met.“  
 Cyron nickte: „Kann ich mir vorstellen. Daher bist du wahrscheinlich auch über Nacht zu unserem Computergenie mutiert.“  
 Das Mischwesen war sichtlich beeindruckt und neugierig: „Über Nacht?“  
„Ja, sie ist unser Experte für Technik und Sicherheitseinrichtungen. Sie hat die Basis im Gebirge per Computer ausgeschaltet, wenn man von unseren Hand-greiflichkeiten mit den Messerdrohnen und Kampfeinheiten absieht. Außerdem haben wir es ihr zu verdanken, dass wir es geschafft haben diese Station zu er-obern. Sie hat in der Tat, über Nacht, eine der Kampfeinheiten vom Netzwerk getrennt und vollkommen umprogrammiert. Sie stand dann auf unserer Seite und hat die entscheidende Schlacht für uns gewonnen. Und dann kam die Ar-beit hier. Sie hat die Technik sehr schnell gemeistert, hat ein Programm zur Ex-traktion der Daten geschrieben und alle verfügbaren Daten gesammelt.“  
 Kira wurde rot um die Nasenspitze und schaute beschämt zu Boden. „Ach, das war doch nichts, was ich gemacht habe.“  
 Anthro war fasziniert von der kleinen Luchsin und ihm wurde es warm ums Herz. Er hatte einen ihm vergleichbaren Intellekt gefunden und freute sich. Die Luchsin hatte es ihm angetan und er beschloss sie im Auge zu behalten.  
 Wotan, Sirius, Torus, Grey und Sinja erschienen auf der Ebene und schauten zur Tür herein.  
„Hallo ihr“, sagte Sinja fröhlich, „Wir bringen neue Lebensmittel und Getränke.“  
„Ja, hallo. Es ist schön euch zu sehen. Wir sind hier verdammt einsam und ver-sauern hinter den Computern und Monitoren. Die Datenmengen sind schier unendlich. Aber wir haben auch sehr viel herausgefunden“, sagte Cyron nicht ohne Stolz.  
 Die fünf traten ein und schauten entsetzt auf die Papierberge.  
„Wo sind eigentlich Syrgon und Diana abgeblieben?“, fragte Chiron.  
„Die haben die Station verlassen und hocken im Lager“, entgegnete Grey und biss sich auf die Zunge.  
„Na toll, hier macht wirklich jeder was er will“, sagte Cyron und legte den Kopf wieder auf den Tisch.  
„Können wir vielleicht helfen?“, fragte Torus.  
 Sie hatten Anthro noch gar nicht bemerkt.  
„Ich denke, ja“, entgegnete Stella. „Chiron und Tarja werden nach Strongham fliegen, um ihren Sohn zu besuchen. Während ihrer Abwesenheit können wir eure Hilfe sehr gut gebrauchen.“  
 Die fünf nickten und freuten sich darüber.  
 Wotan zeigte auf das Mischwesen und erregte damit ihr Interesse.  
 Er saß mit dem Rücken zu ihnen, wodurch sie nur seine dichte Mähne sahen.  
„Wollt ihr uns euren neuen Freund nicht vorstellen?“, fragte Sinja.  
 Anthro stand auf, drehte sich um und deutete eine Verbeugung an. Torus, Grey und Sinja sahen ihn fasziniert an. Nachdem, wie Wotan und Sirius ihn be-schrieben, hatten sie ja einiges erwartet, aber was sie sahen verschlug ihnen glatt den Atem. Er war wirklich eine imposante Erscheinung, viel zu perfekt und mystisch um real zu sein.  
 Cyron sah auf die fünf und beobachtete Anthro und die Reaktionen auf ihn.  
‚Er zieht alle in seinen Bann, keiner denkt mehr an Gefahren oder macht sich anderweitig Sorgen, wenn er einen ansieht. Man ertrinkt förmlich in seinen Au-gen, seinem Blick und seiner Ausstrahlung. Es ist fast so, als würde der Ver-stand aussetzen’, dachte sich Cyron und da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 27  
  
 Bedenken  
  
  
‚Da stimmt was nicht. Was ist, wenn uns hier etwas vorgespielt wird und das alles nur eine perfekte Falle ist? Was ist, wenn es ein perfekter Plan ist, um uns alle einzulullen und uns abzulenken?’  
 Bei diesem Gedanken wurde es Cyron mulmig er deutete Kira an, ihm zufällig und in einigem Abstand zu folgen. Sie verstand was er wollte und sie trafen sich auf Ebene minus vier.  
„Setzt dich“, sagte Cyron, nachdem beide ein Nebenzimmer betreten und sich die Tür geschlossen hatte.  
„Fällt dir vielleicht auch etwas Ungewöhnliches auf?“, fuhr der Tiger fort.  
 Kira schüttelte den Kopf.  
„Da stinkt was und zwar gewaltig. Es plätschert so merkwürdig seicht dahin.“  
„Was meinst du damit?“, fragte die Luchsin.  
„Mir ist vorhin etwas aufgefallen.“  
„Und was?“  
„Anthro. Er raubt uns den Verstand. Alle sehen ihn an und sind ganz hin und weg.“  
„Hast du Konkurrenzängste?“  
„Nein, das nicht. Aber er hat so eine perfekte Wirkung auf uns, wenn er uns an-sieht. Alles scheint perfekt zu sein. Die Übernahme der Station lief fast perfekt, das Finden der Daten lief perfekt, uns fällt alles in den Schoß und rein zufällig taucht dieser Anthro auf und die Sache wird noch perfekter.“  
 Kira überlegte. „Ich verstehe was du meinst und worauf du hinaus willst. Dir läuft alles zu perfekt.“  
 Cyron nickte: „Immer, wenn alles zu perfekt ist, kommt eine Katastrophe her-aus. Sein Auftauchen passt wie die Faust aufs Auge. Und soll ich dir noch etwas sagen? Ich fürchte langsam, dass wir hier einer ganz tollen Inszenierung auf den Pelz rücken.“  
 Kira biss sich auf die Unterlippe und dachte nach.   
„Mag sein, aber das sind deine subjektiven Eindrücke.“  
„Das glaube ich nicht. Ich habe nur intensiv beobachtet und auch mich selbst überprüft. Am deutlichsten sehe ich einen Unterschied im Verhalten zwischen dem gestrigen und dem heutigen bei Wotan und Sirius. Gestern hatten beide eine Panik vor Anthro und verhielten sich überlegend und gut durchdacht. Heute kamen sie ins Zimmer, sahen Anthro und kriegten ansatzweise fast ei¬nen Ständer. Ich habe das Gefühl, dass wir beginnen ihn als Sexobjekt zu be-trachten. Wir lassen uns von unserer Geilheit überrennen und der Verstand und die Aufmerksamkeit machen winke, winke.“  
 Kira zuckte bei Cyrons barscher Ausdrucksweise zusammen, fing sich aber so-fort. „Na ja, in gewisser Weise scheinst du ja Recht zu haben. Auch meine fach-liche Kompetenz ist etwas ins Wanken geraten, seit dem er da ist. Ich ver¬spüre körperliche Sehnsüchte, gegen die ich sonst immun gewesen schien.“  
„Siehst du, das sollte eigentlich auch dich warnen“, redete Cyron ihr ins Gewis-sen.  
„Was schlägst du vor?“  
„Wir sollten ihn dringend im Auge behalten. Das dürfte für dich kein Problem sein, er wird eh an dir kleben wie eine Klette.“  
„Woher nimmst du denn das?“  
„Ich habe seine Reaktion gesehen, als er hörte, dass du unser Genie bist.“  
 Kira blickte auf ihre Hände. „Und du meinst, dass ausgerechnet ich stark ge-nug wäre um diese Aufgabe zu übernehmen und nicht schwach werden könn-te?“  
 Cyron nickte bestimmt.  
„Ich hoffe du hast Recht und ich bringe uns und mich nicht in Gefahr“, schloss Kira ihren Gedanken ab.   
„Du schaffst das bestimmt“, munterte Cyron sie auf.  
  
 Sie verließen den Raum und gingen wieder zu den anderen. Kira trat in den Computerraum. Cyron wartete etwa zehn Sekunden. Er wollte nicht, dass man sie zusammen sah. Einerseits würde das sonst Gerüchte streuen, andererseits würde es vielleicht Anthro stutzig machen.  
 Er trat ein und stellte sich neben Stella. Er nahm sie beim Arm. „Kommst du mal kurz mit? Ich muss was privates mit dir klären.“   
 Stella schaute ihn schief an, sah Kira in die Augen und erkannte darin eine ge¬wisse Trauer.   
„Was ist los?“, fragte sie nervös, als sie das Nebenzimmer betreten hatten.  
 Cyron legte einen Finger auf seine Lippen und wartete bis sich die Tür ge-schlossen hatte. Er baute sich vor ihr auf und erklärte ihr, was ihn bewegt und erzählte von seiner Unterredung mit Kira.   
 Stella nahm die Sache in sich auf, ließ sie wirken und sah ihren Kater durch-dringend an. „Wenn du Recht hast, sind wir alle in großer Gefahr. Ich muss mit Tarja und Chiron reden. Sie dürfen die Station auf keinen Fall mit Anthro ver-lassen.“  
 Cyron stimmte zu: „Außerdem waren dann möglicherweise alle Zwischenfälle von ihm inszeniert.“  
 Stella legte die Ohren an. „Wie meinst du das?“  
„Die plötzlichen Reprogrammierungen der Kampfeinheiten und die Sache mit Ikarus. Vielleicht sind das alles gar keine Computergeschichten oder unglück-liche Zufälle. Vielleicht zieht hier jemand Fäden und manipuliert mächtig her-um. Und ich habe da Anthro im Verdacht.“  
 Stella schaute an die Decke und seufzte. „So eine verdammte Scheiße. Warum klappt immer alles nur scheinbar und kippt in letzter Sekunde?“  
„Bleib ruhig Liebling. Wir müssen nur aufpassen. Er wird über kurz oder lang ei-nen Fehler machen und dann wissen wir, woran wir sind.“  
 Sie nickte, war aber nicht überzeugt.  
  
 Cyron ging zu Tarja und tippte ihr auf die Schulter. „Du solltest mal zu deiner Mutter gehen, die hat Sehnsucht nach dir und mein Schwiegersohn sollte dich begleiten. Ich habe meine Abreibung hinter mir. Jetzt bist du dran.“  
 Tarja riss die Augen auf. „Was? Was habe ich denn gemacht?“  
 Cyron zuckte mit den Schultern. „Frag deine Mutter, dann wirst du es wissen.“  
 Tarja grummelte, schnappte sich Chiron und verließ mit ihm im Schlepptau den Raum. Cyron sah den beiden hinterher und schüttelte demonstrativ den Kopf.  
„Was ist los?“, fragte Anthro.  
„Ein kleiner Familienstreit. Auch das muss mal sein“, Cyron seufzte.  
 Das Wesen nickte und schien nichts zu bemerken.  
‚So clever scheinst du wohl doch nicht zu sein’, dachte sich Cyron und zwinker-te Kira unauffällig zu. Sie studierte weitere Unterlagen, machte sich Zwischen-notizen und versuchte die Systeme des Mechs zu verstehen.  
 Stella nahm sich die beiden Tiger zur Brust, machte ein riesiges Fass auf und schien richtig böse zu sein. Das war aber nur die Fassade, denn plötzlich fing sie an zu flüstern und erklärte worum es wirklich ging. Die beiden fühlten sich sehr unbehaglich, wussten aber das Stella eindeutig Recht hat.   
 Jetzt machte Tarja eine Szene und Chiron musste sich beherrschen, um nicht laut loszulachen. Tatsächlich glaubten alle Anderen, dass sich die beiden in der Wolle hätten. Beleidigt betrat Tarja den Computerraum und Chiron trottete mit gesenktem Haupt hinterher.  
„Ich gehe, mir was zu essen holen“, sagte Kira.  
 Anthro starrte sie an und stand auf. „Eine gute Idee“, sagte er schnell und be-gleitete sie.  
 Cyrons Vermutung hatte sich damit bestätigt.   
 Als beide weg waren, ergriff er die Initiative. „Wir sollten uns die Unterlagen schnappen und in den Hangar gehen. Später die Computer holen und im Kon-trollraum dort oben vernetzen. Hier unten sitzen wir in der Falle, wenn was schief geht.“  
 Kira unterhielt sich mit Anthro und fand das Gespräch sehr angenehm. Sie wollte gerade den Raum verlassen, als das Wesen plötzlich vor schnellte und sich vor die Tür stellte.   
 Kira schrak zurück. Hatten sich nunmehr alle Vermutungen von Cyron bestä-tigt?  
  
  
 Cyron war derweil in Erklärungsnot geraten. Sinja, Grey, Torus und die beiden Wölfe Wotan und Sirius löcherten ihn mit Fragen. Er wand sich wie ein Aal und seine Vermutungen schienen in sich zusammenzubrechen wie ein Kartenhaus, als plötzlich Pedro zu grollen begann. Sie drehten sich um und starrten ihn an.   
 Sein Blick war verklärt, glasig und er schien irgendwie abwesend zu sein.  
  
  
 Anthro ging vor Kira auf die Knie und nahm ihre linke Hand. „Du bist also die Computerkätzin“, stellte er fest.  
 Kira war verunsichert und wusste nicht was sie tun sollte.  
„Wie konnte ein so zauberhaftes Geschöpf wie du, nur in diesen Kampf hinein-gezogen werden?“  
„Nun, ich habe mich freiwillig gemeldet“, entgegnete sie.  
 Anthro schaute sie aus großen, klugen Augen an. Und da war noch etwas in seinem Blick, ein Funken Begehrlichkeit ihr gegenüber. „Du hast einen überra-genden Intellekt. Wir beide wären zusammen unschlagbar, als Freund und Freundin.“  
 Kira stutzte. „Soll das jetzt ein Antrag sein?“, fragte sich barsch.  
 Anthro hielt es nicht länger aus, er stand auf, nahm sie in die Arme und küsste sie.  
 Kira wehrte sich und zerkratzte ihm den Rücken.   
 Er ließ von ihr ab. „Entschuldige bitte, die Einsamkeit hat mich taktlos werden lassen. Vielleicht bin ich unsozial geworden und egoistisch.“  
 Kira nickte, ließ ihn aber nicht aus den Augen. Sein Blick war traurig und ge-quält. Sie musterte ihn eingehend und gab ihren Gefühlen nach. Sie trat an ihn heran und küsste ihn ihrerseits.   
 Das verwirrte ihn jetzt. „Entschuldige bitte. War das jetzt gut oder schlecht für mich? Ich bin nicht besonders gut in Beziehungssachen. Ich bin zwar über sechshundert Jahre alt, aber ich hatte noch nie ein Weibchen oder Männchen.“  
 Kira nickte kurz und lächelte ihn an. „Das war gut, für dich und auch für mich. Ich bin viel zu lange über meinen Büchern vermodert und hatte keinen Sinn für die schönen Dinge im Leben.“  
 Er küsste ihre Hand und begann zu schnurren und zu schnauben. Ein Resultat seiner Mischerbigkeit, was Kira interessant und liebenswert fand. ‚Es wäre mein erster Partner und dann auch gleich etwas ganz besonderes. Aber langsam Mädchen, immer mit der Ruhe.’  
 Sie sahen sich beide an und fielen sich um den Hals.  
  
  
 Pedro grollte seit Minuten und wurde dabei immer merkwürdiger. Der Ton war nicht mehr warnend, wie am Anfang, sondern wohlig und genießerisch.  
„Kira und Anthro sind doch im Nebenraum“, stellte Tarja fest, „Ich glaube wir sollten mal lieber schauen, ob da was nicht stimmt. Mich beschleicht ein un-gutes Gefühl.“  
 Sie gingen zum Nebenzimmer und traten vor die Tür. Von Innen kamen seuf-zerartige Geräusche. Cyron war das nicht geheuer und er öffnete ohne Vorwar-nung die Tür.  
 Alle glotzten wie versteinert, die Augen schienen aus den Höhlen zu quellen und die Kinnladen fielen mindestens zwei Ebenen tief.  
 Kira und Anthro stand da und knutschten wie die Wilden. Es sah - irgendwie – gewöhnungsbedürftig aus, denn immerhin war Anthro etwa 2,80 Meter groß und Kira einen guten Meter kleiner. Sie stellten sich aber sehr geschickt an da-bei.  
 Cyron schob die anderen zurück und leise schloss sich die Tür. Als sie neben-an wieder eintrafen, seufzte er und es wurde Zeit eine Rückzugserklärung ab-zugeben. „Tja, also … wie wir alle sehen konnten … ist … war … hätte … man kann … sollte … würde … meiner Meinung nach …“  
 Genial! Es war perfekt gelaufen und die Erklärung hatten alle anwesenden verstanden. Alle, bis auf Tarja, Stella, Chiron, Torus, Sinja, Grey, Wotan und Siri-us.  
„Ich denke, du warst verunsichert und bist über das Ziel hinausgeschossen. Er war so merkwürdig, weil er hinter Kira her ist und einfach nur unbeholfen. Und das, was wir gespürt haben, ist keine Manipulation gewesen. Er strotzt nur so vor Testosteron und Pheromonen und wir haben die Auswirkung dessen ge-spürt und waren daher so durch den Wind“, schloss Stella die Redeversuche ih-res Katers ab.  
 Die Anwesenden zuckten mit den Schultern als Kira und Anthro eintraten.  
 Cyron schaute die beiden an und legte den Kopf in die Hände.  
„Ist dir nicht gut, Cyron?“, fragte Anthro besorgt.  
„Nein, nein. Mir geht es blendend.“ Er rang sich ein lächeln ab.   
„Kira, du musst uns was erklären. Als du und Anthro im Nebenraum ward, da fing Pedro plötzlich an zu grollen. Erst dachten wir er würde abdrehen, merk-ten dann aber, dass er sich fasst nicht mehr zurückhalten konnte. Wenn du verstehst was ich meine“, sagte Cyron.  
„Ach herrje. An den habe ich, in diesem Moment gar nicht mehr gedacht“, sag-te Kira kleinlaut.  
„Das ist zwar nett gesagt, aber keine Begründung“, sagte Sinja und lächelte.  
 Kira spürte, dass was im Busche war. „Was habt ihr noch alles mitbekom¬men?“  
„Nichts, nichts. Wirklich rein gar nichts“, sagte Grey schnell.  
„Aha. Ihr habt uns beobachtet“, sagte Kira jetzt laut und entschlossen.  
„Nein, haben wir nicht. Es begann tatsächlich damit, dass sich Pedro so seltsam verhielt und da wurden wir nervös und merkten, dass ihr beide schon länger weg ward und man nichts mehr von euch hörte“, erklärte Cyron und hob be-schwichtigend die Hände.  
„Na ja, ich denke, jetzt muss ich was erklären“, begann die Luchsin, „Pedro und ich sind Geschwister.“  
 Das hatte niemand erwartet und sah es den Gesichtern auch an.  
„Wie das denn?“, fragte Tarja.  
„Ich bin die Erstgeborene. Wenige Minuten später kam mein Bruder auf die Welt. Mein Vater ist Säbelzahntiger und meine Mutter eine Luchsin. Diese gra-vierende Abweichung zwischen uns beiden innerhalb eines Wurfs konnte sich niemand erklären und man nahm es als interessantes Unikat hin. Es störte auch niemanden. Nachdem was wir jetzt alles erlebt, gesehen und gelernt haben ist es möglich, dass sich innerhalb unserer Entwicklung das Intronenvirus mal wie-der spontan verändert hatte und dann eben halt Pedro und meine Wenigkeit bei raus kamen.   
 Außerdem merkten wir sehr früh, dass wir beide miteinander verbunden sind. Unsere Geister sind quasi eins. Was dem Einen widerfährt, dass fühlt auch der Andere. Daher kann man an Pedro immer ersehen, wie es mir geht.“  
 Cyron pfiff und auch die anderen schienen beeindruckt zu sein.  
 „Dann brauchen wir uns eigentlich keine Sorgen zu machen, solange dein Bruder nicht gerade am Boden liegt und nur noch zuckt“, sagte Wotan.  
 Kira lächelte und nickte. „Allerdings wäre Sex sehr verräterisch. Dahingehend muss ich mir mit Pedro noch was einfallen lassen. Wäre doch peinlich, wenn er allein bei euch wäre und plötzlich einen orgiastischen Anfall bekäme.“ Die Luchsin zwinkerte schelmisch und Anthro bekam einen entsetzten Blick.  
 Cyron grinste breit und deutete ein Nicken an. „Okay, dann machen wir uns wieder an die Arbeit. Wir sollten zu sehen, dass wir den Mech in den Griff be-kommen. Wir haben immerhin noch die Basis auf der Rückseite und wissen nicht was da alles herumrennt oder –fliegt.“  
„Da dürfte eigentlich nicht mehr viel sein, außer der einen oder anderen Kampfeinheit. Aber die sind mit dem Mech schnell zerstört“, sagte Anthro.  
 Cyron sah das Mischwesen schief an. „Wir sollten dir, wenn du nichts dagegen hast, einen ordentlichen Namen geben. Chafren und Anthros sind wir alle und das verwirrt uns irgendwie.“  
 Anthro schaute den Tigerkater an und stimmte zu.  
„Wir nennen dich … hm … hm …, ah, ich hab’s. Wir nennen dich Andrew. Damit dürftest du die wenigstens Probleme haben, da es sich so ähnlich anhört wie Anthro, aber wenigstens ein richtiger Name ist.“  
 Andrew fühlte sich geehrt.  
„Damit gehörst du jetzt zu uns und bist ein Chafre.“  
 Andrew grinste breit, entblößte schneeweiße, gepflegte Zähne und seine Sä-belzähne ragten wie Dolche in den Raum. Er war wirklich beeindruckend und wirkte, wenn er grinste unendlich empfindlich. Das empfand auch Kira so und fühlte sich in seiner Gegenwart wohl.  
 Cyron griff zu seinem Funkgerät. „Es wird Zeit Syrgon wieder zurückzuholen und ihm ein paar Takte zu erzählen. Kann ja nicht angehen, dass der Kerl ein-fach geht.“ - &lt;„Cyron an Lager. Jemand zu hause?“&gt;  
&lt;„Oh, das ist ja mal ein Ding. Cyron höchst persönlich am Sprechkasten.“&gt;  
&lt;„Ja. Hier ist die Stimme des schlechten Gewissens von Syrgon.“&gt;  
&lt;„Ach du heilige Katzengöttin.“&gt;  
&lt;„Lass die Heiligsprechungen und schick mir den Rüden gefälligst her. Es wird Zeit, dass er seinen Hintern zum Mech wuchtet. Kira, Pedro und Andrew erwar-ten ihn dort.“&gt;  
&lt;„Er ist schon auf dem Weg. Er geht, nein, er rennt zu euch. – Wer zum Teufel ist Andrew?“&gt;  
&lt;„Gut so. Andrew ist jemand den man kennen muss. Station, Ende.“&gt;  
  
„Das war aber eine präzise Antwort, mein Lieber“, sagte Stella, „Außerdem schleimst du ganz schön herum, nachdem du ihm so misstraut hast.“  
 Cyron zuckte zusammen und spürte Andrews Blick auf sich ruhen.   
 Er schaute in seine Richtung, auf seinen Bauch, seine Brust, seine Schultern und landete schließlich beim Gesicht und den Augen.   
 Andrews Blick war, wie sollte man es ausdrücken, sichtlich erstaunt. Die Au¬gen schienen nach einer Antwort zu drängen, seine Gesichtszüge verrieten, dass er entspannt war und seine Ohren zuckten nervös herum, als wäre er ver¬ärgert. Die Mimik des Wesens war wirklich extrem fassettenreich.  
  
„Dir fallen gleich die Ohren ab, wenn du weiter so damit wackelst“, versuchte er abzulenken.  
„Lenk nicht ab, Tiger. Du hast mir also nicht vertraut?“  
 „Nun ja. Ich will ehrlich sein, nachdem mich mein Weibchen reingeritten hat.“ Er warf Stella einen bösen Blick zu, aber die blies nur die Backen auf.  
 „Deine Geschichte klang so geradlinig und es lief alles irgendwie zu glatt. – Unsere Erfahrungen aus der Zeit vorher, hatten uns gezeigt, dass es immer dann zu einer fast Katastrophe kam, wenn es richtig gut lief. Das machte mich nervös. Und außerdem war da noch die Tatsache, dass du auf uns so eine ani-mierende Wirkung hast. Als wir dich das erste Mal auf der Videoaufzeichnung sahen, war einer unserer ersten Gedanken, wie es wohl wäre eine Beziehung mit dir zu haben.   
 Und dann kam dein persönlicher Auftritt, er war zu zufällig und genau zum richtigen Zeitpunkt. Du bist aufgetaucht und in deiner Umgebung waren plötz-lich alle verändert. Einige Rüden laufen fast aus und dass eine oder andere Weibchen verliert den Überblick und die fachliche Kompetenz.“  
 Andrew nickte. „Ich verstehe dich. Mir ginge es wahrscheinlich genauso und ich wäre skeptisch. Es liegt wahrscheinlich daran, dass ich männlich und weib-lich zugleich bin. Die Männchen bringen meine starken Pheromone durchein-ander und die Weibchen werden durch mein Testosteron irritiert. Du darfst nicht vergessen, dass ich über sechshundert Jahre alt bin und niemals eine Be-ziehung hatte. Da dürfte sich vielleicht einiges angesammelt haben.“  
 Cyron zuckte mit den Schultern und sah sich um.   
 Wotan und Sirius sahen sich beide an und man sah ihren Augen an, was sie dachten. Na ja, bei den beiden sah man es nicht nur anhand der Augen.  
 Kira spielte nervös an ihren Fingern und der Rest schaute Andrew einfach nur an.  
„Hab ich was verpasst, bin ich zu spät?“, fragte plötzlich jemand, der definitiv außer Atem war.  
 Syrgon war eingetroffen.  
„Macht mal etwas Platz und lasst ihn vortreten“, intonierte Cyron feierlich.  
 Die Chafren bildeten eine Gasse. Auf der einen Seite stand Syrgon und auf der anderen Seite Cyron. Sie gingen beide durch die Gasse hindurch. Langsam, aber wirklich ganz langsam näherten sie sich. Sie hatten die Hände an den Oberschenkeln, genau dort wo die Laserwaffen hingen. Die Szene sah aus wie in einem alten Western.  
„Fehlt nur noch, dass jetzt einer von beiden zieh sagt“, flüsterte Andrew an Kira gewandt.   
 Die verstand nicht und schaute ihn fragend an.   
„Oh, ich vergaß. Ich habe früher alte Filme von der Erde gesehen. Die müssten noch in der Station liegen. Wenn du möchtest, dann können wir ja mal den ei-nen oder anderen anschauen.“  
 Kira war begeistert und das sah man ihr an.  
 Die beiden Laserhelden standen sich gegenüber.  
„Schön das du wieder da bist, Syrgon“, sagte Cyron.  
„Ich bin immer wieder gerne hier, Cyron“, entgegnete der.  
„Ich hatte eigentlich gesagt, dass auch du hier bleiben sollst und nicht ins La-ger gehst, aber das hat dich ja scheinbar nicht davon abgehalten es trotz¬dem zu tun.“  
„Mir kam die Station zu klein vor und ich mich eingesperrt.“  
 Cyron nickte: „Du hast Recht, hier ist es traurig eintönig.“  
 Irgendwie hatten alle erwartet, dass sich die beiden gleich anspringen würden und es ein wüstes Handgemenge gäbe, aber genau das Gegenteil passierte.  
„Schade“, sagte Stella, „Es ist schon eine Ewigkeit her, dass ich sehen durfte wie du dich geprügelt hast.“  
 Cyron drehte sich zu ihr um und rollte mit den Augen.   
„Vater hat sich geprügelt?“, fragte Tarja erstaunt.  
„Ja und wie.“  
„Oh, das finde ich toll.“  
„Ich nicht“, mischte sich Cyron ein. Er sah seine Autorität in Gefahr und wollte wenigstens noch etwas davon retten.  
„Worum ging es denn dabei?“, fragte Tarja weiter.  
„Es ging um mich.“ Stella war sichtlich Stolz auf ihren Ehekater.  
„Huch. Wie das denn?“  
„Mir kam ein anderer Kater in die Quere. Der wollte mir deine Mutter aus-spannen und da habe ich ihm eine verpasst. Er hatte den Schlag gut ausge-halten und schlug zurück. Na ja, innerhalb von wenigen Sekunden hatte sich eine wüste Prügelei entwickelt und der andere Kater zog den Schwanz ein. Deine Mutter war damals hin und weg.“  
„Und ich bin auch heute noch Stolz auf dich. Du merkst es nur nicht so richtig.“  
 „Wir sind halt ein eingespieltes Team, da weiß man um den Anderen und ver-lässt sich auf ihn.“ Cyron lächelte Stella an.  
„Wer war der Andere?“, fragte Chiron.  
„Du kennst ihn, mehr sage ich nicht“, erwiderte Cyron.  
„Es war Pathenon“, antwortete Stella, anstelle ihres Katers.  
„Pathenon? Unser Freund Pathenon? Der Pathenon, hinter dem Shiva hinterher ist?“, Tarja konnte es nicht glauben.  
„Wer ist Pathenon und wer ist Shiva?“, fragte Sinja.  
„Pathenon ist einer der Tigerkater im Lager, er war anfangs die ganze Zeit bei uns und Shiva ist ein Jaguarweibchen und hinter Pathenon her, wie der Teufel hinter der Seele“, erklärte Cyron.  
 Sinja ging ein Licht auf. „Ach die beiden sind das. Sie war ihm doch so süß in die Arme gesprungen.“  
 Cyron nickte eifrig. „Genau die beiden sind das.“  
„Syrgon, da du nun schon da bist. Gehe mit Tarja, Chiron, Kira und Andrew in das hinter der Station liegende Nebengebäude. Dort warten ein paar nette Überraschungen auf dich.“  
„Na los Leute, lasst euch doch nicht betteln und vergesst nicht den Hund mit-zunehmen.“  
„Ich bin kein Hund. Ich bin ein Wolf und wenn es sein muss sogar groß und böse.“  
 Cyron lächelte gütig. „Wenn du meinst.“  
  
„Was ist denn nun los?“, fragte Andrew, „Wir sollten uns doch um den Mech kümmern.“  
„Ja, ich habe den Plan geändert. Bevor sich am Ende wieder alles überschlägt, drehen wir die Sache einfach um. Kümmert euch erst mal um die Gleiter, damit Tarja und Chiron nach Strongham kommen. Wenn die beiden den Umgang ge¬lernt haben, dann könnt ihr euch immer noch mit dem Mech beschäftigen.“  
  
  
  
  
  
 Kapitel 28  
  
 Gleiter  
  
  
„Du willst uns allein mit einem Gleiter nach Strongham fliegen lassen?“, fragte Tarja ungläubig.  
„Ja. Ich denke, dass ihr beide alt genug dafür seid.“  
 Tarja klatschte begeistert in die Hände.  
 Sie machten sich auf den Weg, verließen die Station und traten ins Licht des Tages.  
„Wie viele Tage sind wir eigentlich schon in diesem Gebäude eingeschlossen?“, fragte Kira.  
„Tage? Es sind Wochen, genau gesagt fünfundzwanzig“, sagte Syrgon.  
 Kira zuckte zusammen und sog die Sonnenstrahlen in sich auf.   
 Andrew zog sich mehr in den Schatten zurück und er bedeckte seine Augen mit den Händen. „Ich muss mich erst daran gewöhnen. Ich habe noch nie die Sonne gesehen und meine Haut reagiert extrem empfindlich.“  
 Kira sah ihn an. Seine Gestalt erschien in der Sonne traumhaft. Sein Fell schien zu glänzen und seine Mähne musste aus Goldfäden bestehen. Er war für sie ei¬ne Märchengestalt und sie spürte wie die letzten Distanzen zu ihm langsam schmolzen.  
„Da hinten ist es“, sagte er.   
 Sie gingen auf ein flaches Gebäude zu und seitlich zum Eingang. Shuttlebay stand auf der Tür. Andrew öffnete sie und trat ein. Das Licht ging an und da standen sie. Sieben geschmeidige Gleiter für maximal sieben Personen pro Stück, inklusive dem Piloten.  
„Okay“, sagte er, „Wir sollten anfangen. Ich erkläre euch alles und ihr probiert es einfach aus.“  
 Sie gingen zum ersten Gleiter. Andrew öffnete die Glaskanzel und sie setzten sich hinein.  
„So, ihr beiden und auch die anderen. Der rote Knopf auf der Mittelkonsole hier, ist der Schalter für die zentrale Energieversorgung.“   
 Er drückte auf ihn und die Konsolen erwachten zum Leben.  
„So, jetzt wird’s interessant. Der blaue Schalter rechts neben dem roten, ist für die Navigation.“   
 Er drückte ihn und auf der Frontscheibe der Kanzel erschienen verschiedene Symbole und eine kleine Karte.   
„Das ist das head-up Display. Das braucht ihr um an euer Ziel zu kommen und wieder zurück.“   
 Er tippte auf die kleine Karte. Sie wurde groß und füllte das ganze Frontfens-ter aus. Man erkannte jetzt verschiedene Punkte und daneben standen Namen.  
„Da ist Felgan. Ja und da ist Strongham“, rief Tarja.  
 „Der rote Punkt zeigt eure aktuelle Position auf der Karte. Daher wisst ihr im-mer wo ihr seid. Wenn ihr nach Strongham wollt, dann tippt ihr einfach auf den entsprechenden Punkt auf der Karte. Anschließend drückt ihr den schwar-zen Knopf, rechts neben dem blauen und die Reise beginnt. Dass ganze Shutt-le ist selbstlenkend und weicht auch Hindernissen selbständig aus.   
 Wenn Wiedererwarten etwas passieren sollte und die Autonavigation versagt, dann drückt ihr den grünen Knopf, vorne auf der Konsole.“, er deutete darauf. „Dann müsst ihr selbst steuern. Dafür sind der Joystick daneben und dieser Schieberegler. Wenn ihr den Regler nach vorn drückt, beschleunigt ihr, zieht ihr ihn zu euch ran, werdet ihr langsamer, den Joystick nach hinten kippen, dann steigt ihr hoch, drückt ihr ihn von euch weg, dann sinkt ihr Richtung Boden, rechts und links erklären sich glaube ich, von allein.“  
 Tarja strahlte. So einfach sollte das sein?  
„So, das war’s auch schon dazu“, sagte Andrew noch, „Dann probiert es doch einfach mal aus.“  
 Er stieg aus und ging zur Eingangstür. Daneben befand sich ein Panel und er drückte einen Knopf. Zischend öffnete sich eine der Seitenwände. Der Weg war frei.   
 Kira und Syrgon verließen den Gleiter und wünschten den beiden Tigern noch viel Glück. Tarja wollte unbedingt die Handsteuerung ausprobieren und drück¬te den grünen Knopf auf der Konsole. Ein lautes Piepen bestätigte die Eingabe.   
Sie griff vorsichtig nach dem Regler und schob ihn leicht nach vorn. Fauchend schob sich der Gleiter aus seiner Parkposition hervor. Langsam durchglitt er das Gebäude, glitt ans Licht. Die Kanzel schloss sich automatisch, bedingt durch die Bewegung des Gefährts. Tarja drückte den Joystick sanft nach links und sie flogen einen leichten Linksbogen. Sie bewies sehr viel Gefühl dabei.   
 Chiron schaute auf ihre Hand, wie sie sich um den Joystick schmiegte und seufzte.   
 Tarja verstand die Anspielung und lächelte ihn wissend an. Sie steuerte auf das große Geländetor zu und sie waren außerhalb der Station, weg von den Er-eignissen der letzten Wochen und bewegten sich frei im Sonnenlicht.  
„Dann wollen wir mal richtig loslegen“, sagte sie plötzlich.   
 Sie steuerte auf die von den Kampfrobotern gestampfte Schneise zu und schob den Regler zügig nach vorn. Der Gleiter fauchte auf, als ob er protestie-ren wolle und beschleunigte. Im head-up Display konnte man die Geschwin-digkeit ablesen. Sie bewegten sich tatsächlich mit 100 km/h. Das war fast dop-pelt so schnell wie ein Drache.  
 Sie rasten die Schneise entlang, die Bäume waren kaum zu erkennen. Sie er-reichten das Ende des Waldes. Das Flussufer kam in Sichtweite und auch das Lager.  
  
 Der Gleiter musste sich für die Umgebung furchterregend fremdartig anhö-ren, denn einige ihrer Freunde wollten zu den Waffen greifen, erkannten aber rechtzeitig, wer sich da näherte. Tarja steuerte dicht am Lager vorbei und schob den Regler endgültig nach vorn.  
 Es ertönte wieder ein Fauchen und der Gleiter beschleunigte nochmals. Inner-halb von wenigen Sekunden konnte man 180 km/h ablesen. Sie rauschten am Lager vorbei, Chiron winkte noch und schon waren sie außer Sichtweite.   
 Ihre Freunde hatten sie erkannt und winkten schreiend und johlend hinterher. Sie zog den Joystick zu sich ran und der Gleiter hob ab, flüchtete mit ihnen in Richtung Himmel. Es vergingen nur wenige Sekunden und das Lager war ver-schwunden.   
 Tarja steuerte schnurstracks auf Felgan zu. Nach nicht einmal zehn Minuten, waren sie in Sichtweite des Dorfes angekommen und die Tigerin bremste, ließ das Gefährt absinken. Sie steuerte langsam durch die Straßen und kam schließ-lich auf dem Dorfplatz zu stehen.  
 Die Chafren, die sich gerade dort aufhielten, wussten gar nicht wie ihnen ge-schah. Tarja und Chiron öffneten die Glaskanzel und stiegen aus, die Dorfbe-wohner standen immer noch herum und starrten den Gleiter an. Chiron sah sich um und streckte sich, immernoch standen alle sinnbefreit herum.  
„Hallo! Wir sind’s nur“, sagte er.  
 Jetzt kam Bewegung in die Gestalten und sie umringten die beiden Tiger und den Gleiter. Staunend wurde das Gerät betrachtet und angefasst.   
 Plötzlich schrie jemand von weitem und Shiva kam angerannt. „Hallo! Hallo! Oh, ihr seid es. Ist Pathenon bei euch oder habt ihr wenigstens eine Nachricht von ihm?“  
„Hallo Shiva!“, begrüßte Tarja sie, „Nein, wir haben keine Nachricht von ihm. Wir haben ihn auch seit Wochen nicht mehr gesprochen.“  
 Shiva war sichtlich eingeschnappt. „Typisch für diesen Kater. Da umsorgt man ihn, beköstigt ihn, gibt ihm einen warmen Schlafplatz, erwärmt sein Herz, lässt ihn seine Triebe ausleben und am Ende kommt nichts bei raus.“  
„Beruhige dich bitte, er hat keine Schuld. Die Ereignisse haben sich überschla-gen. Das allein ist der Grund dafür“, beschwichtigte Tarja.  
„Hmhm … na schön, wenn ihr meint.“ Trotzdem war sie nicht besonders be-geistert.  
„Ich mache dir einen Vorschlag. Wir beide sind gerade auf einem Übungsflug mit einem der Gleiter aus der Station. Wenn du willst, nehmen wir dich jetzt mit und setzten dich am Lager ab. Da kannst du dich dann ganz auf deinen Pathenon konzentrieren.“  
 Shiva machte große Augen. „Das würdet ihr machen?“  
 Beide Tiger nickten bestätigend.  
„Okay, ich gehe noch schnell ein paar Sachen holen und gebe Hargot die Schlüssel von meinem Wirtshaus. Wisst ihr, er führt es sehr gut und wird damit auch für ein paar Tage allein klar kommen. Außerdem habe ich mir auch mal ne Auszeit verdient“, sagte sie und war schon weg.   
 Keine fünf Minuten später tauchte sie wieder auf und hatte ein kleines Täsch-chen dabei.  
„Gut, wir können dann“, bemerkte sie beiläufig.   
 Die drei gingen zum Gleiter und nahmen Platz.  
 Tarja sah Chiron an: „Willst du mal ran?“  
 Er nickte eifrig. Sie wechselten die Plätze und es konnte losgehen.   
 Schnell hatte sich auch der Kater an die Bedienung gewöhnt. Es war aber auch ein Welpenspiel den Gleiter zu fliegen. Die Steuerung war sehr direkt und extrem präzise, außerdem sorgten die eingebauten Rechner stets für optimale Flugsicherheit und unterbanden Situationen in denen der Gleiter in Schwierig-keiten geraten konnte.   
 Nach wenigen Minuten waren sie schon am Lager.  
„Mit diesen Geräten sind Entfernungen, für die wir zu Fuß Tage gebraucht ha-ben, dermaßen kurz geworden, wir sollten einige von unseren Leuten mit den Gleitern vertraut machen und somit die Drachen entlasten. Han-Dun liegt ja wirklich nur einen Katzensprung weit entfernt und es lassen sich bequem auch größere Mengen transportieren“, sagte Chiron.  
 Tarja dachte kurz nach. „Du hast Recht. Die Drachen und auch alle Anderen würden sich bestimmt darüber freuen.“  
 Sie hielten direkt am Rande des Lagers und waren sofort umringt.  
„Hallöchen“, begrüßte sie Crown, „Wo wart ihr denn in der Kürze?“  
„Wir waren mal schnell in Felgan und haben Pathenon was mitgebracht.“  
 Jemand rief nach dem Tigerkater und der ließ nicht lange auf sich warten.   
 Er trat durch die Menge nach vorn und erkannte Shiva. „Liebste!“   
 Mehr konnte er nicht mehr sagen, denn Shiva sprang aus dem Gleiter, hing schon an seinem Hals und versank mit ihm in einem Kusstaumel.  
„Na, das nenne ich ja mal ne Begrüßung“, sagte Don und grinste breit.   
 Shiva hörte auf, ihren geliebten Kater zu küssen und nahm ihn sich vor. „Mein lieber Tiger. Du hättest dich ja wohl mal bei mir melden können. Ich habe mir unendliche Sorgen gemacht.“  
„Bleib ruhig. Um mich brauchst du dich nicht zu sorgen. So schnell passiert mir nichts.“  
„Pah. Das sagst du, aber leider ist das nicht meine Meinung.“  
 Pathenon seufzte.   
 Shiva schaute Tarja an und rollte mit den Augen. „Kater. Es geht nicht ohne sie, aber mit ihnen ist man gestraft.“  
 Die Tigerin kicherte und schaute zu ihrem Liebsten. Der wurde blass um die Nase und erhoffte sich Schützenhilfe von Pathenon, aber der sagte nichts und winkte nur ab. „Vergiss es. Das sind Weibchen, da kommen wir mit männlicher Logik nicht gegen an.“  
 Für diese Bemerkung schnappte Shiva nach ihm und knurrte bedrohlich.  
„Okay, wir fliegen zur Station weiter und nehmen vier Leute mit, die wir als Gleiterpiloten brauchen.“  
 Das war ein Angebot und stieß auf reges Interesse. Innerhalb weniger Minu-ten saßen Don, Hadron, Lyra und Casandra im Gleiter. Die Tiger stiegen dazu und probierten für die letzten Meter die Automatik aus. Der Gleiter hob ab und bewegte sich sehr sanft bis in das Shuttlegebäude. Er vollführte sogar noch ei-ne 180° Drehung und schob sich rückwärts in seine Parkposition. Selbst Tarja und Chiron beeindruckte dieses Manöver.  
„Und damit sollen wir fliegen?“, fragte Lyra begeistert.  
„Japp, Andrew wird euch in einer ruhigen Minute alle erklären“, sagte Chiron.  
„Wer bitte ist Andrew?“, fragte Hadron.  
„Ihr werdet ihn gleich kennenlernen und du wirst ihn mögen“, beantwortete Tarja die Frage des Löwen und lächelte vielsagend.   
 Sie betraten die Station und gingen zur Ebene -6. Tarja schaute in den Com-puterraum. „Wieder da.“  
„Huch. Ihr seid ja schon zurück“, bemerkte Stella erstaunt.  
„Ja. Aber wir können ja wieder gehen, wenn du es möchtest“, entgegnete Tarja schnippisch.  
 Kira und Andrew hatten sich hinter einem der Computermonitore versteckt und tuschelten verschwörerisch.  
„Komm ruhig rein“, sagte Stella versöhnlich.  
 Sie trat näher. „Ich habe übrigens noch jemanden mitgebracht.“  
 Ihre Begleiter traten ein und Kira und Andrew schauten interessiert auf.  
„Ich dachte, dass wir die vier hier mit den Gleitern vertraut machen. Dann kön-nen sie zwischen Han-Dun und den Dörfern sowie der Station pendeln. Die Gleiter sind wesentlich schneller und damit effektiver.“  
 Stella stützte ihren Kopf auf die Handfläche. „Hmhm. Das ist eine ausgezeich-nete Idee, finde ich. Andrew sagte schon, dass die Dinger bis 180 km/h schnell sind.“  
 Tarja nickte.  
„Was hältst du von Tarjas Idee, Andrew? Außerdem solltest du mal aufhören mit Kira rumzumachen und dich vorstellen.“  
 Andrew räusperte sich und stand auf. Ein Berg aus Fell erhob sich über den Monitoren.   
„Natürlich. Das war unhöflich von mir. Entschuldigt bitte.“  
 Auch jetzt gab es die bekannte Reaktion auf ihn. Alle starrten fasziniert.   
Hadron bekam leuchtende Augen und einen trockenen Hals. „Hallo“, sagte er.  
 Andrew lächelte und reichte jedem die Hand. Dem Löwen schwanden die Sinne, als er Andrews Duft aufnahm und unter der Gürtellinie schien sich plötz-lich ein Eigenleben zu entwickeln. Hadron merkte es und gab vor, dass er schnell mal den Raum verlassen müsse.  
„Ich glaube, ich sollte jetzt wirklich mal etwas gegen meinen Duft unterneh-men“, sagte Andrew und seufzte.   
 Kira machte einen langen Hals, als Hadron den Raum verließ, sah was sich tat und kicherte.   
  
 Der Löwe hatte es geschafft und sich im Nebenraum versteckt. Er wollte am liebsten im Erdboden versinken oder zumindest nicht mehr den Raum verlas-sen. Ihm war die ganze Sache wirklich peinlich und er wusste nicht, wie er sich das erklären sollte. Er starrte betroffen an sich herab und schüttelte den Kopf.   
 Es klopfte an der Tür.   
 Hadron stellte sich so hin, dass man sein Problem nicht sehen konnte und rief: „Herein.“  
  
 Kira hörte auf zu kichern und biss sich auf die Unterlippe.   
„Das war ihm sicherlich peinlich“, sagte Stella ernst.  
„Und ich habe auch noch gelacht.“ Kira war sichtlich betroffen und senkte den Kopf.  
 Andrew schaute sich um und schloss die Augen. „Ich werde mal zu ihm gehen und ihn aufmuntern.“  
„Was willst du tun?“, fragte Kira an Andrew gewandt.  
„Keine Ahnung, aber ich werde mir schon was einfallen lassen.“  
 Kira ahnte was jetzt kommen würde und atmete tief durch. Er würde sich selbst in eine unangenehme Situation bringen, wenn er das tat was sie be-fürchtete. Und tatsächlich tat er es. Andrew verließ den Raum, ging zur Tür des Nebenraums.  
 Er klopfte an, betätigte den Türöffner und schaute vorsichtig hinein.   
 Hadron drehte den Kopf zur Seite. „Was willst du denn hier? Ist eh schon peinlich genug.“  
„Keine Sorge, darum geht es gar nicht. Es muss dir auch nicht peinlich sein.“  
 Hadron sah ihn schief an. „Das denkst du.“  
„Das denke ich nicht, das weiß ich.“  
„Ach, was du nicht sagst. Du bist dir aber sehr sicher.“  
 Andrew trat in den Raum und schloss hinter sich die Tür. Hadron zuckte zu-sammen und starrte verblüfft.   
„Siehst du, daher bin ich mir sicher“, stellte der Säbelzahnlöwe fest und baute sich vor ihm auf.  
 Hadron löste seinen Blick und schaute Andrew an. „Normal ist das aber wirk-lich nicht.“  
 Der Säbelzahnlöwe schüttelte den Kopf, setzte sich zu Hadron und begann von sich und seinem Leben zu erzählen. Und auch davon, dass er ein Her-maphrodit ist und sein Duft diese übersteigerten Reaktionen bei fast allen aus-löste.  
 Am Ende verließen beide den Raum, gingen zurück und wurden schief ange-schaut.  
„Hadron, du nimmst erst mal eine kalte Dusche, dann wird das schon wieder. Und du, Andrew, solltest auch mal duschen. In deiner Nähe denke ja alle nur noch an das Eine“, wies Stella die beiden an.  
  
 Sie nickten und taten was die Tigerin gesagt hatte. Hadron genoss die kühlen Wasserstrahlen und beruhigte sich wieder. Das aber ausgerechnet ihm so was passieren musste. Er schüttelte den Kopf.  
 Als er sich abgetrocknet hatte, ging er zurück zu den anderen. Andrew war auch dort, aber der Löwe versuchte seine Ausdünstungen zu ignorieren, was auch gut zu klappen schien.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 29  
  
 Tagtraum  
  
  
„Ich gehe jetzt duschen und versuche etwas von meinem Duft loszuwerden. Ich mag es nicht, wenn ich hier der einzige Normale bin und alle anderen an ihrer Lust fast ersticken.“  
 Kira grinste und versuchte sich auf die Tastatur zu konzentrieren. Das klappte bei ihr aber nicht besonders gut. Andrew und das kürzlich erlebte, hatten sie in ihren Bann gezogen und sie war zu abgelenkt.  
„Ich gehe mir was zu essen holen“, sagte sie schließlich, stand auf und ging ebenfalls ins Nebenzimmer.   
 Aus der Nasszelle hörte sie das Plätschern der Wasserstrahlen.  
  
 Sie schloss die Augen und in ihren Gedanken sah sie Andrew, wie er auf sie zukam. Sein Fell war nass.   
 Er breitete die Arme aus, umarmte sie zärtlich, hob sie hoch, drückte sie an seine Brust und sie spürte wie er sanft in sie eindrang, sich zuckend in ihr be-wegte.  
 Sie hielt sich an seinem Hals fest und streichelte seine Mähne, während Andrew sie an ihren Flanken gepackt hatte. Er war dabei extrem sanft und im-mer darauf bedacht sie nicht zu verletzen. Kiras Gedanken kreisten und sie wünschte sich nichts sehnlicher, als dass dieser Tagtraum wahr werden würde.   
 Er stimulierte sie an ihren empfindlichsten Stellen und sie begann zu knurren. Mit jeder weiteren Bewegung schien sich ihr Unterleib weiter zusammen-zuziehen. Ihr Traum dauerte jetzt schon fast zwanzig Minuten an und immer noch war kein Ende in Sicht. Sie knurrte, schrie leise und biss Andrew in die Mähne und den Hals. Er hielt sie fest in seinen starken Armen und vollendete das Werk. Kurze Zeit später schrie Kira laut auf, ihr Unterleib verkrampfte sich förmlich unter der Lust des Höhepunktes. Andrew fletschte die Zähne, riss den Rachen auf und stieß ein gepresstes Maunzen aus. Sein Samen schien zu ko-chen und Kira spürte seine Wärme in sich, sie war erschöpft und befriedigt.  
  
 Sie öffnete die Augen und – sah Andrew liebevoll an.  
  
 Sie hatte nicht geträumt. Ihr Wunsch war in Erfüllung gegangen. Beide küss-ten sich lustvoll und minutenlang. Danach ließ er Kira sanft zu Boden gleiten.  
„Das war wundervoll“, hauchte die Luchsin.   
 Andrew lächelte und beugte sich zu ihr hinunter. Liebevoll knabberte er an ihrem linken Ohr und sie musste kichern.  
„Wir sollten etwas essen und dann die Sauerei vom Boden entfernen“, flüsterte der Säbelzahnlöwe.  
 Kira nickte, ließ ihn los und suchte nach einem geeigneten Instrument um die Flüssigkeiten aufzusaugen. Sie wurde nach kurzem Suchen fündig und besei-tigte die Spuren.  
  
 Es klopfte an der Tür, Kira rief: „Herein“, und sie öffnete sich mit einem leisen Zischen.  
„Ist alles in Ordnung bei euch?“, fragte Sinja beunruhigt.  
 Beide nickten mit Unschuldsmienen. Sinja trat ein, tat so, als würde sie es glauben und holte sich einen Apfel. Als sie sich anschickte den Raum zu ver-lassen, drehte sie sich um, schaute die beiden nochmals an und sagte: „Ihr seid zwei ganz schlimme Finger und solltet mal dringend duschen. Ihr riecht etwas streng und vor allem … so gleichmäßig.“  
 Kira und Andrew schauten sich an. Sie waren ertappt worden.   
 Plötzlich schlug sich die Luchsin vor die Stirn. „Verdammt. Hoffentlich hatte sich Pedro im Griff, ansonsten wissen es jetzt alle.“  
  
 Sinja kam im Computerraum an.   
„Hast du die beiden gefunden?“, fragte Cyron.  
 Sie nickte und schwieg.  
„Geht’s den beiden gut?“  
 Sie nickte wieder.  
 Cyron öffnete den Mund um noch was zu sagen, überlegte es sich aber an-ders und machte ihn wieder zu. Stella grinste Sinja an. Sie hatte verstanden was die Füchsin nicht gesagt hatte und freute sich.   
 Wenige Minuten später tauchte das frische Pärchen auf.   
 Pedro war nirgends zu sehen.  
„Ich bin, denke ich mal, meinen Duft erfolgreich losgeworden“, kündigte Andrew an.  
 Kira verkroch sich wieder hinter ihrem Monitor und tat so, als ob sie beschäf-tigt wäre.  
 Stella schaute Andrew schief an. „Das glaube ich dir gerne. Die Dusche war bestimmt sehr effektiv und vor allem erfrischend.“  
 Andrew nickte, stutzte und sah Stella in die Augen. Er zuckte kurz etwas mit dem Kopf zurück, weil er in ihrem Blick erkannte, dass sie wusste was gesche-hen war. Alle anderen verhielten sich jedoch vollkommen normal. Also hatte Sinja nichts gesagt, aber die weibliche Intuition schien mal wieder zwei Schritte voraus zu eilen.  
„Wo sind eigentlich Tarja und Chiron?“, fragte Kira plötzlich.  
„Die sind vor knapp zwanzig Minuten nach Strongham aufgebrochen. Ich den-ke, dass sie schon fast da sein müssten.“  
  
  
 Tarja und Chiron ließen den Gleiter per Automatik ans Ziel steuern. Sie hatten keine Lust die ganze Zeit die Gegend im Auge zu behalten. Sie schauten aus der Kanzel und genossen den Ausblick. Die Landschaft rauschte an ihnen vor-bei.  
„Wie es wohl Sitara, Finlay und Apophis geht?“, fragte Tarja in die Stille.  
„Ich weiß es nicht, aber das finden wir in Kürze heraus. Vor allem interessiert mich aber Apophis. Immerhin habe ich unseren Welpen noch nie gesehen.“  
 Tarja seufzte leise und nickte. Sie flogen seit vierzig Minuten, da sah man am Horizont schon Strongham auftauchen.  
„In zehn Minuten sind wir da“, freute sich Tarja, übernahm die Handsteuerung und drosselte die Geschwindigkeit.   
 Der Gleiter hatte die Stadtgrenze erreicht und sie entschieden sich ihr Flugge-rät am Stadtrand stehen zu lassen. Sie stiegen aus, sammelten Äste und Grün-zeug zusammen, um den Gleiter zu tarnen und gingen zum Haus, das Tarja vor Monaten verlassen hatte, sie aber sofort wieder erkannte.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 30  
  
 Apophis  
  
  
Chiron klopfte kräftig gegen die Tür.  
„Moment“, kam eine Stimme von innen.  
„Das ist Sitara“, flüsterte Tarja.   
 Die Tür wurde geöffnet. Sitara stand in der Tür und erstarrte, dann überschlug sie sich und riss Tarja fast von den Beinen. „Finlay“, schrie sie vor Freude, „Komm schnell her und schau mal wer gekommen ist.“  
 Sie nahm beide bei den Händen und zog sie ins Haus. Die Tür stieß sie mit ei-ner Pfote zu.   
 Finlay kam angelaufen und fiel regelrecht über Tarja her.   
 Chiron stand daneben und räusperte sich. Sie ließen von ihrem Tun und damit voneinander ab, richteten das Fell mit den Händen und sortierten ihre Gedan¬ken.  
 Sitara schaute zu Chiron. „Aha! Das ist also der stolze Vater“, sagte Sitara, streckte die Hand aus und begrüßte ihn.   
 Chiron nickte und lächelte freundlich. Er und Finlay klopften sich zur Begrü-ßung kumpelhaft auf die Schultern.   
„Willkommen“, sagte er.  
„Ich denke mal, dass ihr euren Welpen sehen wollt“, sagte Sitara feierlich.  
 Beide Tiger nickten und begleiteten die Leopardin ins Kinderzimmer. Sitara öffnete die Tür und trat ein. Apophis schaute auf und kam auf die beiden zu-gelaufen.  
 Tarja erschrak und auch Chiron schaute aus großen Augen.  
„Apophis?“, fragte sie ungläubig.  
„Ja, ich bin es, Mutter. Du brauchst dich doch nicht zu erschrecken.“  
 Sitara lächelte und Tarja traute ihren Augen nicht. „Ich bin doch erst seit we-nigen Monaten weg. Wie konnte er so schnell wachsen und vor allem hat er schon Laufen und Sprechen gelernt.“  
 Sitara zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es auch nicht. Er fing plötzlich damit an, quasi über Nacht. Mit sprechen hat er vor etwa zwei Wochen angefangen. Und hat jetzt schon einen Wortschatz wie ein Fachgelehrter.“  
 Chiron blies die Backen auf und legte die Stirn in Falten.  
„Wer ist das Männchen, Mutter?“  
„Ähm …, Apophis. Ich möchte dir deinen Vater vorstellen. Leider hatten wir es nicht geschafft euch eher miteinander bekannt zu machen.“  
 Chiron ging auf Apophis zu und gab ihm vorsichtig die Hand. „Hallo, mein Sohn. Wie ich sehe, geht es dir wirklich gut.“   
 Chiron schien etwas unbeholfen zu sein und das spürte sogar Apophis. „Eh, entspann dich wieder. Ich beiße nicht und außerdem bin ich dein Sohn. Zudem weiß ich, was ihr beide gemacht habt, damit ich entstehen konnte.“  
 Chiron schnappte nach Luft und setzte sich neben Apophis. „Das ich Vater bin, ist vollkommen okay und ich freue mich riesig darüber. Aber, dass ich ei-nen Sohn gezeugt habe, der dem Schnellwuchs unterliegt und eine Intelligenz-bestie zu sein scheint, ist im Moment etwas heftig.“  
 Apophis schaute ihm intensiv in die Augen. Der kleine Kater hatte nicht mehr das typische Welpenblau, sondern schaute ihn aus hellblauen Augen an.   
„Mach dir keine Sorgen, mein Sohn. Ich werde mich schon noch daran gewöh-nen.“  
„Ich weiß. Es ist für uns alle nicht sehr einfach. Ich bin eine Zerebralmutation, daher kommt die überdurchschnittliche Auffassungsgabe. Ich lese Bücher wie Andere essen und speichere jedwede Information wie ein Schwamm“, entgeg-nete Apophis.  
 Chiron betrachtete seinen Sohn eingehend. Er hatte genauso ein schönes Fell und aufregend frische Farben wie seine Mutter. Apophis lächelte ihn an und entblößte kräftige Zähne, wobei die Eckzähne im Oberkiefer deutlich länger er-schienen als die im Unterkiefer.   
 Konnte das möglich sein?   
 Der kleine Kater erinnerte ihn irgendwie an Andrew. Chiron stand auf, nahm Tarja beim Arm und ging mit ihr aus dem Zimmer.   
„Wir kommen gleich wieder“, sagte sie noch schnell zu Apophis.  
 Der nickte nur und widmete sich wieder seinem Buch. Sitara und Finlay be-gleiteten die beiden Tiger ins Wohnzimmer.  
„Also, ich muss nochmals sagen. Ihr habt wirklich ein herrliches Haus und es traumhaft eingerichtet“, bemerkte Tarja.   
 Sitara lächelte und schaute zu Finlay. „Er hat halt goldene Hände.“   
 Finlay schaute zu Boden und war sichtlich geschmeichelt.  
„Okay“, hob Chiron an, „Jetzt mal im Ernst. Ist euch an ihm etwas aufgefallen?“  
„Na ja, er wächst schnell, extrem schnell sogar. Er saugt Daten und Informatio-nen in wenigen Minuten auf, für die andere Tage brauchen. Er läuft aufrecht, während andere noch krabbeln und er spricht ohne Probleme und sehr flüssig. Außerdem habt ihr beide einen wunderschönen Sohn“, sagte Sitara.  
 Tarjas Augen leuchteten.  
„Sonst ist euch nichts aufgefallen?“, fragte Chiron erneut.  
 Die beiden Leoparden schüttelten die Köpfe.  
„Schön, aber mir.“ Er wandte sich an seine Partnerin: „Tarja, ich will dich ja nicht beunruhigen, aber unser Sohn erinnert mich sehr an Andrew.“  
 Tarja sah ihn betroffen an. „Du meinst, er ist mutiert?“  
„Ja, das hat er ja auch selbst gesagt. Allerdings ist mir auch aufgefallen, dass er scheinbar beginnt Säbelzähne auszubilden. Das deutet darauf hin, dass mehr Ursprungsblut in ihm steckt als wir denken. Wir sind seine Eltern und er unser Sohn, aber entweder deine oder meine Gene sind mutiert und haben ihn her-vorgebracht. Ich spiele damit auf das Intronenvirus an.“  
 Die beiden Leoparden sahen sich aus großen Augen an und hatten nur die Hälfte verstanden.  
„Ihr redet hier von Genen und Mutationen“, sagte Finlay, „Wie kommt ihr dazu? Ich meine, wie kommt ihr zu dem Wissen?“  
  
 Chiron gab das Wort an Tarja ab. Sie fing an, die ganze Geschichte von An-fang an zu erzählen. Nach Stunden war sie damit fertig und die Leoparden schüttelten ungläubig die Köpfe.  
„Du sagtest was von diesem Andrew. Ähm, ja … da fällt mir noch was ein. Es betrifft Apophis.“ Sitara räusperte sich, „Ich habe Apophis als er kleiner war immer gewaschen und anschließend abgetrocknet. Na ja, das ist mir jetzt etwas peinlich. Aber dabei komme ich natürlich an alle Stellen seines Körpers. Ja, und da ist mir vor einiger Zeit etwas aufgefallen. Er ist sehr kräftig entwickelt für sein Alter.“  
 Chiron schloss die Augen.   
„Das ist das Tüpfelchen auf dem I. Ich denke wir sollten unseren Sohn mitneh-men. In der Station kann er sein Wissen extrem erweitern und er ist unter Kon-trolle von sehr vielen anderen. Außerdem kann Andrew ein Auge auf ihn wer-fen und ihn mal untersuchen. Die Geräte dort sind wesentlich höher entwickelt als unsere.“  
 Finlay bekam leuchtende Augen. „Ich überlege gerade was. Wie wäre es, wenn ich meine Praxis kommissarisch an einen anderen Arzt abgebe und Sitara und ich mit euch kommen, natürlich auch euer Sohn. Die Station und die Tech¬nik dort würden mich brennend interessieren. Vielleicht kann man ja auch das eine oder andere lernen oder sogar Geräte mitnehmen, die man dann hier vor Ort einsetzen könnte.“  
 Sitara bekam einen strahlenden Blick und richtete die Ohren steil nach oben. „Ginge das denn?“  
 Chiron kratzte sich hinter den Ohren und überlegte. Er sah Tarja an und die zwinkerte ihm zu.  
„Okay, regelt das und kommt mit“, stimmte der Tigerkater zu.  
„Jippie!“, entfuhr es der Leopardin. Sie ging hoch zu Apophis und kam nach wenigen Minuten wieder zurück. „Er will unbedingt mit.“  
 Tarja freute sich riesig. Sie setzten sich in die Küche und aßen gemeinsam zu Abend. Apophis berichtete über Sachen die er gelesen hatte und stellte unend-lich viele Fragen. Als es schon spät war, gingen sie zu Bett und Finlay in die Praxis um sich abzumelden.  
  
  
 In der Station merkte man nicht den Wechsel zwischen Tag und Nacht, ledig-lich die Uhren verrieten wie spät es war.  
 Kira und Andrew hockten immer noch über den Daten des Mechs und ver-suchten die Bedienung zu begreifen. Syrgon saß bei den beiden, schaute eben-falls auf die Unterlagen, war aber irgendwann mit dem Kopf auf den Tisch ge-knallt und schlief jetzt.  
 Stella und Sinja unterhielten sich über Kater und Rüden und wie man am bes-ten mit ihnen umgeht.  
 Der Rest hatte sich über die Räume verteilt oder lag im Gang und schlief tief und fest.  
„Ich glaube, ich mach uns mal einen Kaffee“, sagte Kira schließlich und ging in den Seitenraum, um die Kaffeemaschine anzumachen.   
 Kurze Zeit später kam Andrew hinterher, drehte sich nochmal um, näherte sich der Luchsin und biss ihr zärtlich in den Hals.  
 Sie schnurrte wohlig und begann plötzlich zu zittern. „Na, mein großes star¬kes Männchen. Dein Weibchen friert gerade, möchtest du nicht etwas dagegen tun?“  
 Er nahm Kira auf die Arme und trug sie in den Computerraum. „Wir kommen wieder, wenn wir uns etwas aufgewärmt haben“, sagte er zu Stella und Sinja, die irritiert schauten und ging mit Kira ins Badezimmer.  
„Was du brauchst ist eine schöne warme Dusche“, sagte er und lächelte hinter-gründig.  
„Aber nur, wenn du mitkommst. Ich brauche Unterstützung, denn ich komme nicht an alle Stellen.“  
 Er nickte. Sie drehte die Dusche auf und gab sich ganz den Wasserstrahlen hin.  
 Andrew trat zu ihr und küsste sie zärtlich auf die Stirn.   
„Das ist doch wohl erst der Anfang oder?“, forderte die Luchsin auf.  
 Es war erst der Anfang. Minutenlang liebkosten sie sich, durchpflügten die heißen Wasserstrahlen ihr beider Fell, dann plötzlich widmete Kira sich detail-liert der vor ihr liegenden Aufgabe und nach langen Minuten konnte er sich nicht mehr beherrschen. Er maunzte diesmal nicht wie beim ersten Mal, nein, er brüllte. Er schrie mit einer gewaltigen männlichen Stimme auf.  
  
 Alle schreckten hoch und sahen sich irritiert um. Die Nachtruhe war gewalt-sam beendet worden. Das Wasser spülte die Spuren, die aus dem Innersten gekommen waren weg und waren getilgt. Beide tapsten aus der Dusche und schickten sich an, sie nass zu verlassen.  
„Der Kaffee müsste fertig sein“, flüsterte Kira.   
 Andrew lächelte glücklich und wackelte mit den Ohren. „Ich liebe dich und al-les an dir ist es Wert geliebt zu werden“, sagte er.  
 Kira senkte geschmeichelt den Kopf und öffnete die Tür. Sie musste jedoch einen Schritt zurücktreten und prallte gegen Andrew.  
  
„Schön, dass ihr beide gewartet habt, bis wir wenigstens drei Stunden Schlaf hatten“, sagte Wotan und war wirklich sauer.  
„Tut mir Leid. Es ist mit mir durchgegangen“, entschuldigte sich Andrew.   
„Ach Quatsch. Es ist meine Schuld. Ich hätte dich vielleicht nicht so hart ran nehmen sollen“, wiegelte Kira ab.   
 Auf einigen Gesichtern zeichnete sich nach und nach Belustigung ab.   
„Du musst ja einen ganz kräftigen Griff haben, wenn er dabei sogar schreien muss“, warf Torus in die Runde.   
 Die Situation entspannte sich dank dieser Anspielung merklich.  
  
 Kira nahm ihren Geliebten bei der Hand und marschierte zur Kaffeemaschine. Der erste Schluck rann herrlich heiß die Kehlen runter. Sie setzten sich frisch und munter an die Unterlagen und lasen weiter. Die Anderen verteilten sich wieder auf dem Boden und suchten ihr Heil im Schlaf.   
 Stella und Sinja schüttelten die Köpfe.   
„Irgendwann übertreibt ihr's und macht das Spielzeug kaputt“, sagte Stella und musste schmunzeln.  
 Andrew sah an sich runter. „Den kriegt se nich kaputt.“  
 Sinja prustete plötzlich los.   
 Zwei der schlafenden Chafren knurrten böse und Sinja kniff sich in den Ober-schenkel um einen Lachkrampf zu unterdrücken. Es zog wieder Ruhe ein und Andrew und Kira lasen weiter und tuschelten hin und wieder über einige der Textpassagen. Nach zwei Stunden gab der Kaffee allerdings auch bei ihnen auf und zeigte keine Wirkung mehr. Sie legten sich in eine Ecke des Raumes, ku-schelten sich aneinander und schliefen ein. Jetzt hielt es auch die Tigerin und Füchsin nicht mehr auf den Beinen und wenn eh alles schlief, dann konnten sie das auch. Die Station versank im Schlaf und man hörte aus allen Enden und Ecken der Ebene ein gleichmäßiges Schnaufen und Schnarchen.  
  
  
 Ein neuer Tag brach an. Finlay war spät in der Nacht zurückgekehrt und hatte seine Praxis bis auf weiteres übergeben. Der neue Arzt war sehr neugierig und als Finlay offenbarte, dass er von seiner Reise vielleicht neue Geräte und Tech-niken mitbringen würde, war der ganz aus dem Häuschen.  
 Tarja und Chiron erwachten, waren aber nicht die ersten. Apophis war schon auf den Beinen und hatte das Frühstück hergerichtet. Das Leopardenpärchen schnorchelte derweil noch friedlich vor sich hin.  
 Die beiden Tiger gingen ins Bad und frönten der Körperpflege, anschließend gingen sie in die Küche und trafen auf ihren Sohn.  
„Guten Morgen“, sagte Tarja.  
„Guten Morgen, Mutter und Vater.“  
 Chiron zuckte kurz zusammen. „Morgen. Entschuldige bitte, aber ich gewöh-ne mich nur langsam dran. Ich bin es halt nicht gewohnt als Vater bezeichnet zu werden.“  
 Apophis grinste frech. „Ich hole mal Sitara und Finlay aus dem Bett“, sagte der junge Kater und ging zum Schlafzimmer der beiden. Er klopfte an die Tür.  
„Ja, bitte“, hörte man eine weibliche Stimme sagen.  
 Er öffnete sie und schaute herein. „Hallo Sitara, meine Eltern sind schon wach und sitzen in der Küche. Ich habe das Frühstück fertig und wir warten jetzt nur noch auf euch.“  
„Okay, geh schon runter. Wir kommen gleich nach“, sagte sie und gähnte herz-haft.   
 Sie gab ihrem Kater einen kräftigen Schlag auf den Hintern. „Aufstehen!“  
  
Er schrak hoch und stand förmlich im Bett. „Was? Ist was passiert?“ Er war noch benommen und gähnte herzhaft.  
„Guten Morgen, mein geliebter Langschläfer. Zeit aufzustehen, denn nur der frühe Leopard fängt die Beute.“  
„Och, bitte. Nur noch fünf Minuten.“ Er ließ sich wieder ins Bett fallen.  
„Nix da, hoch mit dir.“  
 Finlay kroch mühsam unter der Decke hervor.   
 Sitara war bereits unter die Dusche geschlüpft, als er das Bad betrat. Er putzte sich schnell die Zähne und beide legten einen fliegenden Wechsel beim du-schen hin. Das heiße Wasser belebte die Sinne und weckte den Körper des Ka-ters. Die Leopardin war als erste fertig und ging in die Küche.   
 Apophis unterhielt sich angeregt mit seinen Eltern. Die erzählten ihm ausführ-lich von ihren Erlebnissen und davon wie sie sich kennengelernt hatten.  
 Der kleine Kater hörte sehr interessiert zu. „Du sagst nicht die ganze Wahr-heit, Vater“, sagte er plötzlich.  
 Chiron zuckte zusammen.  
„Ich spüre bei dir noch andere Gedanken und sehe dir an, dass du noch ganz andere Sachen gesehen und erlebt hast.“  
„Das bildest du dir ein“, wiegelte Tarja ab.  
„Nein, Mutter. Ich kann es deutlich spüren.“  
 Chiron sah seinen Sohn durchdringend an: „Du bluffst doch nur.“  
 Apophis schüttelte den Kopf.  
„Na gut. Meinetwegen. Dann sollst du auch den Rest der Geschichte erfahren.“   
 Er fing an über die zweite Zeitlinie zu berichten, während Finlay dazu kam. Die Leoparden schienen sichtlich überfordert, nur Apophis nicht. Der starrte für die nächsten Minuten stumm auf die Tischplatte, sah dann wieder auf, musterte Chiron und nickte: „Das hört sich logisch an.“  
 Chiron legte die Ohren zur Seite. ‚Konnte es sein, dass sein Sohn Zusammen-hänge und Sachverhalte verstand, die erwachsene Chafren überforderten? Konnte es sein, dass der kleine Kerl so weit entwickelt war und sie alle primitiv aussehen ließ?’  
„Ihr kommt mit uns mit, vor allem du.“ Er sah Apophis scharf an.  
„Andrew wird ihn sehr interessant finden“, ergänzte Tarja, „Und Oma und Opa wollen ihn bestimmt auch gerne sehen.“  
 Sie aßen noch schnell und packten ihre Sachen zusammen.  
„Was müssen wir überhaupt noch mitnehmen?“, fragte Sitara.  
„Nur eure ganz persönlichen Sachen. Alles weitere wird sich in der Station fin-den lassen“, sagte Chiron, „Und jetzt los. Wir sollten langsam in die Pfoten kommen.“  
„Also, ich bin fertig“, sagte Finlay süffisant, „aber Sitara hat wohl Probleme.“  
 Die Leopardin rannte hin und her, suchte hier und suchte da. „Ich habe über-haupt keine Probleme, aber du hast gleich welche, wenn du noch mal so eine Bemerkung machst.“  
 Finlay versuchte ein ernstes und vor allem unterwürfiges Gesicht zu machen, was ihm aber nicht gelingen wollte. Er mutete eher an wie ein Kater der unter Krämpfen litt und erhielt dafür einen Biss in seine Nase.  
„Maaaaaauh! Das tut doch weh.“  
„Sollte es auch.“ Sitara fletschte demonstrativ die Zähne und fauchte kurz. „So, jetzt können wir starten“, sagte sie endlich.  
„Okay, auf geht's. Wir müssen aus der Stadt raus.“  
 Sie gingen durch Straßen, bogen um mehrere Ecken und erreichten den Stadtrand.  
„Wo wollen wir eigentlich hin?“, fragte Finlay verunsichert.  
„Noch fünf Minuten, dann wirst du es wissen“, mehr sagte Tarja nicht.  
 Schließlich standen sie vor einem großen Gestrüpp und die beiden Tiger be-gannen irgendwas freizulegen.   
„Ihr könnt uns gerne helfen“, rief Chiron.  
 Sie packten alle mit an und in kürzester Zeit war der Gleiter von allem Geäst befreit.  
„Heilige Katzengöttin. Was ist denn das?“ Sitara fiel die Kinnlade runter.  
„Das ist ein Gleiter. Und jetzt steigen wir alle ein und verschwinden hier, bevor wir noch Aufsehen erregen.“   
 Chiron sah sich um. Bisher hatte sie keiner bemerkt und das sollte auch so bleiben. Immerhin waren genug Chafren involviert und ein Flächenbrand war das Letzte was sie jetzt gebrauchen konnten. Ganz zu schweigen davon, dass sie den erst gar nicht auslösen wollten.   
 Nachdem sie bereits außer Sichtweite von Strongham waren, beschleunigte der Gleiter auf volle Geschwindigkeit. Selbst Apophis war beeindruckt und strahlte über das ganze Gesicht.  
„Das ist Wahnsinn. Das Ding ist tatsächlich ganze 180 km/h schnell“, sagte er begeistert.   
 Sie rasten über die grünen Ebenen von Zurok, vorbei an dichten Wäldern und in der Ferne grasenden Viehherden. Sie erreichten den Rand des Urwalds, flo-gen die Schneise entlang und erreichten die Station. Tarja deaktivierte die au-tomatische Steuerung und flog direkt in den Hangar hinein. Sie landete zu Fü-ßen des Mechs und sah, dass die Kanzel geöffnet war und Andrew und Syrgon darauf herumkletterten.  
„Hallo, ihr beiden“, rief sie nach oben.  
 Andrew sah sie und kam herunter, während es sich Syrgon in der Kanzel be-quem machte und den Überblick genoss.  
„Ja, hallöchen“, sagte Andrew erfreut, „wen haben wir denn da?“  
„Darf ich dir Sitara und Finlay vorstellen?“ Chirons Frage war natürlich rein rhe-torisch.  
 Der Säbelzahnlöwe sprang die letzten zwei Meter vom Mech herunter und landete zielsicher vor ihren Füßen.  
„Wow. Wer ist das denn?“, fragte Sitara beeindruckt.  
„Ich bin Andrew und es freut mich euch kennenzulernen.“   
 Er sah die beiden Leoparden an, dann zu Tarja und Chiron. Schließlich ent-deckte er Apophis: „Und wer bist du?“ Er beugte sich zu ihm herunter.  
„Ich bin Apophis.“  
 Andrew reichte ihm die Hand und schaute ihm tief in die Augen. Er zuckte zu-sammen. „Er ist euer Sohn?“, fragte er an Tarja gewandt.  
 Sie nickte. „Ja.“  
„Ich spüre bei ihm einen extrem starken Geist. Ich vermute mal, dass er seiner Entwicklung weit voraus ist?“  
„Ja, das ist er. Ich komme mir vor, als ob ich zurückgeblieben wäre, wenn ich ihn sehe.“  
„Kann ich mir vorstellen.“  
„Oh, danke. Das war genau die Antwort die ich hören wollte. Du hast ein echtes Talent dafür jemanden aufzubauen.“  
„Bleib mal ruhig. Ich rede da auch für mich.“  
 Sie schaute Andrew schief an.  
„Wir sollten auf Ebene minus sechs gehen und Apophis untersuchen. Ich er-warte unglaubliche Ergebnisse.“  
 Sie gingen in die Station und Syrgon ließ den Mech erst mal Mech sein und schloss sich ihnen an. Allein hatte er keine Lust im Hangar zu hocken. Sie er-reichten den Computerraum und stellten sich in die Tür.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 31  
  
 Identitätskrise  
  
  
„Ich habe hier eine weitere Datei gefunden“, sagte Kira. „Sie stammt von einem Wissenschaftler und sagt etwas darüber aus, warum die Experimente durchge-führt wurden.“  
„Lass mal sehen“, sagte Cyron.  
  
 Auf dem Wandschirm erschien eine weißgekleidete männliche Person.  
„Okay, warum sind wir hier und was tun wir hier? Ganz einfach, wir wollen Leben erschaffen, aber nicht irgendeines, sondern so wie wir es gerne hätten. Wir wollen alle Spezies, die wir von der Erde kennen, in großer Stückzahl pro-duzieren, sie auf diesem Planeten ansiedeln und ihn zu einem Urlaubsparadies machen. Wir wollen die Tiere dabei mit so viel Intelligenz ausstatten, dass sie weder Urlauber, noch Menschen überhaupt, angreifen. Sie sollen uns als ihren Gott und Herrscher ansehen. Außerdem sollen sie für private Jagden ein we-sentlich lohnenderes Ziel darstellen. Alle normalen Tiere auf der Erde lassen sich zu einfach töten, weil sie aufgrund des mangelhaften Verstandes zu leicht zu erlegen sind. Wir versprechen uns, wenn wir erfolgreich sind, dass die Beute wesentlich schwieriger zu fangen sein wird. Durch eine Erhöhung der Potenz und eine Steigerung der Wachstumsrate werden wir in der Lage sein aus¬reichende Stückzahlen zu erzeugen, ohne Gefahr zu laufen, dass eine Überja¬gung eintritt und die Population in Gefahr gerät. Ich wünsche allen Teams bei ih¬rer Arbeit viel Spaß und maximale Erfolge.“  
  
„Das glaube ich einfach nicht“, sagte Andrew, der gerade eingetreten war, „die haben die ganze Zeit ein falsches Spiel gespielt und selbst mich hinters Licht geführt. Was soll man von einer solchen Spezies halten?“  
 Kira sah betroffen auf ihre Hände. „Wir sollten nichts weiter als eine gute Beu-te werden, die man spaßeshalber jagen kann. Andrew, ich glaube du bist unser eigentlicher Schöpfer und wir müssen dir unendlich dankbar sein. Wenn du nicht den entscheidenden Schritt getan hättest, dann würde es uns nicht ge-ben oder wir wären billiges Freiwild.“  
 Andrew schaute nicht gerade erfreut drein. „Wir sollten die Informationen geheim halten, wir sollten überhaupt, mit niemandem darüber sprechen was wir hier alles gesehen und gehört haben. In allem was wir jetzt schon wissen steckt dermaßen viel Zündstoff und wer weiß was noch alles kommt.“  
 Chiron suchte nach Worten. „Wenn das bekannt wird, dann gibt es ein Chaos. Unser Glaube, unsere Wertvorstellungen, einfach alles wofür wir stehen und leben, steht auf dem Spiel oder ist bereits gefallen. Wir kommen aus der Num-mer nicht mehr raus, aber wir sollten es anderen ersparen sich mit dem ganzen Mist zu belasten. Unser Volk lebte friedlich und so gut wie sorgenfrei, es sollte es auch weiterhin können.“  
 Alle Anwesenden nickten zustimmend.   
„Du hast Recht. Wir stehen kurz vor einem Zusammenbruch“, sagte Tarja bitter.   
 Finlay, Sitara und Apophis standen immer noch in der Tür und waren auf-grund der Arbeit und der neuen Informationen nicht weiter beachtet worden.   
 Jetzt rückten sie aber ins Licht des Interesses.  
„Hey“, rief Cyron erfreut, „Wen haben wir denn da?“   
 Er ging zu Sitara, umarmte und küsste sie, Finlay drückte er fest an sich und bei Apophis musste er erstmal seine Gedanken sortieren. „Bist du mein Enkel?“ Er schaute ungläubig drein.  
„Wenn du Cyron bist, dann bist du mein Opa“, stellte der Jungkater fest.   
 Cyron schaute irritiert zu Tarja, Chiron, Sitara und Finlay. „Was habt ihr ihm zu essen gegeben? Der sieht ja aus wie sechs Jahre und nicht wie elf Monate.“   
 Stella ging zu Apophis und hockte sich vor ihm hin. „Hallo, junger Kater. Ich bin deine Oma.“ Sie umarmte ihn und knuddelte ihn herzhaft durch, was ihm ein leises Schnurren entlockte.   
„Er ist definitiv unser Enkel“, sagte sie schließlich, „Er ist genauso flauschig und knuddelig wie Tarja in dem Alter.“  
„Och, das ist sie immer noch“, mischte sich Chiron ein und bekam dafür sofort einen Schlag auf den Hinterkopf.   
„Aua!“  
„Ich werde ihn mal mitnehmen und untersuchen“, sagte Andrew schnell und griff nach Apophis’ Hand.  
„Gut, ich komme mit“, sagte Tarja und die drei verschwanden im Labor.  
„Es freut mich wirklich, dass ihr auch gekommen seid. Auch wenn die Umstän-de hätten besser sein können“, wandte sich Cyron an die Leoparden.  
„Dafür kannst du ja nichts“, beschwichtigte Sitara.  
„Wir sollten jetzt aber die Kurve kriegen und unsere Truppe endgültig ausdün-nen. Wir haben schon viel zu viele ins Vertrauen gezogen und ihr Leben nach-haltig beeinflusst. Damit ist jetzt Schluss“, sagte Cyron entschieden.  
 Er griff zum Funkgerät. &lt;„Station an Lager. Jemand zugegen?“&gt;  
&lt;„Oh, Cyron. Du schon wieder?“&gt;  
 Er hatte Pathenon am anderen Ende erwischt.  
&lt;„Ja. Ich möchte euch alle in der Station sprechen. Kommt auf Ebene minus sechs. Andrew wird euch abholen.“&gt;  
&lt;„Andrew? Wer ist Andrew?“&gt;  
&lt;„Das werdet ihr dann schon sehen. Ihr könnt ihn einfach nicht verfehlen.“&gt;  
&lt;„Okay, ich trommle die Leute zusammen. Bis nachher.“&gt;  
 Cyron legte das Gerät auf den Tisch. „Wir haben uns überlegt, diesen Men-schen mal einen Besuch abzustatten. Ich glaube, dass wir viel zu bereden ha-ben“, sagte er an die Leoparden gewandt, „aber da nicht alle mitkommen kön-nen und auch nicht sollen, müssen wir die Truppe zum größten Teil auflösen.“   
 Er seufzte.  
  
 Tarja, Apophis und Andrew waren währenddessen im Labor zu Gange.   
„Wir sollten als erstes Vermessungen vornehmen“, sagte der Säbelzahnlöwe.   
 Apophis schaute ihn schüchtern an.   
„Keine Angst, mein Kleiner. Keiner wird dir wehtun“, beruhigte ihn Tarja.  
 Andrew nahm verschiedene Sensoren und klebte sie auf Apophis’ Haut. An-schließend schaltete er die Messinstrumente ein.   
„So, die ersten Daten müssten gleich erscheinen.“ Er schaute auf die Monitore und schwieg. „Ah! Da haben wir sie. Blutdruck, Herz und Lungenvolumen okay. Er ist jetzt elf Monate alt?“  
 Tarja nickte.   
 Er tippte das Alter ein und wartete wieder. „Ah, jetzt sieht das schon ganz an-ders aus. Der Blutdruck ist okay. Das Herz ist okay, aber für sein Alter extrem stark entwickelt. Das Lungenvolumen entspricht eher einem Tiger von sechs Jahren. Jetzt kommen auch weitere Werte. Das Blut enthält sehr viel Hämoglo-bin, er müsste demnach zwanzig sein. Alle anderen Blutwerte sind im Normbe-reich. Sein Immunsystem ist sehr stabil und enthält Antikörper gegen Krankhei-ten die wir gar nicht kennen, die hier aber gespeichert sind und damit wohl den Menschen bekannt sein dürften.“  
  
 Tarja schaute ihren Sohn liebevoll an und streichelte ihm über den Kopf. Er schnurrte leise.  
„Die Hirndaten kommen. Jetzt wird’s spannend.“ Er starrte auf den Monitor und riss die Augen auf. „Sein Gehirn ist extrem hoch entwickelt. Die zerebralen Funktionen sind erheblich beschleunigt und das Volumen wird zu 98% nutzbar gekennzeichnet.“  
„Und was bedeutet das?“  
„Das bedeutet, dass er mehr als nur überdurchschnittlich intelligent ist. Er denkt extrem schnell und speichert alle möglichen Informationen innerhalb kürzester Zeit. Außerdem ist er in der Lage alle Daten sofort zu verknüpfen und zu nutzen. Er scheint außerdem über Fähigkeiten zu verfügen die uns allen ver-schlossen bleiben.“ Er deutete auf einen dunkelrot dargestellten Bereich inner-halb des Monitorbildes. „Da, im vorderen Hirnlappen ist ein Zentrum, das bei uns eher blau erscheint. Sieht fast so aus, als ob er empfindungsfähiger ist als wir alle zusammen.“  
 Tarja stockte der Atem. „Was willst du damit sagen? Ist mein Sohn vielleicht ein Telepath?“  
 Andrew schaute sie an und überlegte. „Nein, soweit würde ich nicht gehen. Aber laut den Daten die da zu lesen sind, reagiert er überaus empfindlich auf Emotionen. Er ist extrem empathisch. Dadurch, dass er Informationen und Emotionen so schnell registrieren und auswerten kann, bekommt man tatsäch-lich den Eindruck, dass er Gedanken lesen könnte.“  
 Tarja holte tief Luft und schaute auf ihre Hände. „Das Virus ist also wieder mutiert?“  
 Andrew nickte. „Ja. Ich denke, dass Apophis eine neue Stufe unserer Entwick-lung erreicht hat. Es wird sich zeigen, ob diese Vorteile bringt oder nicht.“  
„Was ist, wenn er davon profitiert?“  
„Die Frage ist nicht, ob er davon profitiert. Die Frage ist, ob er irgendwann zur Fortpflanzung kommt und diese Gene weitergeben kann.“  
 Die Tigerin nickte. „Gut. Gehen wir zu den anderen. Ich glaube das sollte rei-chen“ und an Apophis gewandt, „Komm Schätzchen, wir gehen wieder zu Papa, Oma und Opa.“  
 Sie verließen das Labor.  
  
„Ah! Da seid ihr ja wieder“, sagte Chiron, „Und? Habt ihr was Neues?“  
„Ja, ne Menge. Aber das erklärt Andrew besser als ich.“   
 Der schloss kurz die Augen, sortierte seine Gedanken und beschrieb ausführ-lich was sie festgestellt hatten.  
 Nachdenkliche Gesichter waren zu sehen, hielten aber nur kurz an.   
„Ist doch gar nicht so schlecht. Wenn wir wirklich fliegen sollten und tatsächlich auf die Menschen treffen, dann kann uns seine Fähigkeit sehr nützlich sein“, gab Cyron zu bedenken.  
 Die Mienen hellten sich schlagartig auf, außer Tarjas. „Moment mal Vater!“, hub sie energisch an, „Er ist mein Sohn und die Entscheidung liegt dabei im-mer noch bei mir und vor allem bei ihm. Ich würde mich riesig freuen, wenn du ihm die Möglichkeit geben würdest sich normal zu entwickeln und ihn nicht in seinem zarten Welpenalter schon als Teil einer Kampftruppe sehen würdest.“  
 Dem Tigerkater stockte kurz der Atem, ob der Zurechtweisung durch seine Tochter und lenkte ein: „Du hast recht. Entschuldigt bitte.“  
„Nun gut“, sagte Tarja und wandte sich Apophis zu, „Währest du denn bereit dazu?“  
„Das wird sich zeigen, wenn wir da sind“, entgegnete der kleine Kater und machte dabei ein sehr ernstes Gesicht.  
„Diese Spezies hat uns benutzt, belogen und betrogen. Er wird für uns enorm wichtig sein“, setzte Kira drauf.  
 Man hörte plötzlich am Ende der Ebene Gepolter und viele Schritte. Die ande-ren Chafren waren angekommen und fluteten über die Ebene.  
„Hallo ihr. Was liegt an?“, fragte Pathenon leger.  
„Tja, eigentlich sollte euch Andrew in Empfang nehmen, aber da waren ein paar andere Sachen angefallen“, begann Cyron, „Aber zur Sache. Wir sollten die Truppe ausdünnen und diejenigen, die es möchten, heim schicken. Wir ha-ben jetzt die Gleiter und die Drachen sind damit auch wieder von ihren Aufga-ben befreit. Außerdem brauchen wir wirklich nur noch wenige Leute für den Rest unserer Aufgaben.“  
 Pathenon war wie vom Blitz getroffen. „Du meinst, wir können gehen? Einfach so?“  
 Cyron nickte.  
„Was ist, wenn wir aber bleiben wollen? Viele haben Freundschaften aufge-baut.“  
 Cyron biss sich auf die Unterlippe und focht einen Kampf in seinem Inneren aus. „Ich weiß, aber ich schicke euch nicht einfach so davon. Wer bleiben will, kann in der Station bleiben, wird aber über kurz oder lang hier allein sein. Die Drachen werden euch heim bringen. Außerdem werde ich meinen Rufsender für Groodarn an dich abgeben. Damit könnt ihr ihn immer rufen und seine Dienste in Anspruch nehmen.“  
 Finlay überlegte kurz und sah Sitara an. Die schaute ihm in die Augen, ver-stand was er wollte und nickte kurz. „Cyron. Wir bleiben bei euch. Ich gebe meinen Sender an einen der Wölfe weiter. Damit ist Strongham auch nicht ab-geschnitten.“  
 Cyron lächelte erfreut. „Gut. Damit reißt der Kontakt nicht ab und ihr bleibt untereinander in greifbarer Nähe.“  
 Sandra stand als einziges Einhorn unschlüssig da und schaute traurig in die Runde. Sie hatte sich wohlgefühlt in der Gesellschaft der anderen und nun soll-te sie sich trennen. „Was ist mit mir?“, fragte sie und senkte den Kopf.  
 Crown trat auf sie zu. „Ich habe ein größeres Haus und genug Platz für dich. Wenn du möchtest, dann kannst du bei mir einziehen. Du bist nicht allein, denke daran.“  
 Die Stute freute sich unheimlich und war begeistert von seiner Idee.  
„Na also. Keiner bleibt zurück oder wird irgendwie abgeschoben“, sagte Stella und lächelte.  
„Fein. Dann suche ich jetzt diejenigen aus, die bei uns bleiben, der Rest kann tun und lassen was er will“, intonierte Cyron.  
 Er ging die Liste durch und nannte die betreffenden Namen: „Syrgon, Grey, Sinja, Diana, Torus, Kira, Pedro, Andrew, Stella, Tarja, Chiron, ich, Finlay, Sitara, Apophis, Wotan, Sirius und Helios.“  
 Die Genannten traten in den Computerraum und stellten sich auf.  
„Dem Rest danke ich für alles und es fällt mir wirklich schwer euch einfach so wegzuschicken. Jeder von euch hat sein Bestes gegeben und ist ein wesentli-cher Teil unserer Geschichte geworden.“  
 Einige murmelten zustimmend und versuchten zu lächeln, andere senkten traurig die Köpfe, unterhielten sich miteinander und planten gemeinsame Treffs.  
„Wenn ihr wollt, kehren wir in mein Wirtshaus ein“, rief Shiva, „Ich werde euch königlich bewirten und dann können wir alles in Ruhe besprechen.“   
 Der Vorschlag gefiel allen und sie verließen nach und nach die Station.  
 Cyron ging zu Shiva. „Sei so nett und sage den anderen, dass es mir wirklich nicht leicht fiel und vor allem, dass sie über die Geschehnisse, vor allem über das hier Gefundene soweit es geht, schweigen sollen. Es wissen schon zu viele Bescheid und können nicht in ihr gewohntes Leben zurückkehren.“  
 Shiva nickte und gab Cyron einen Kuss. „Du hast Recht und ich glaube, dass es richtig war, dass du uns wegschickst. Wir finden uns schon zurecht und wer-den den Kontakt aufrechterhalten.“  
 Pathenon trat hinzu. „Was habt ihr jetzt vor?“  
„Wir werden jetzt Daten suchen, die uns zur Station auf der Rückseite des Pla-neten bringen. Dort soll ein Raumschiff stehen. Wir werden versuchen unsere Heimat zu verlassen und uns auf die Suche nach unseren Göttern machen. Die schulden uns nämlich viele Antworten.“  
 Shiva schaute betroffen zu Pathenon. „Es ist besser, wenn wir jetzt auch ge-hen. Ich glaube nämlich, dass mir die Sache jetzt ne Nummer zu groß wird.“   
 Sie nahm ihren Tiger bei der Hand und verließ die Ebene und die Station. Als sie beim Lager ankamen, waren schon etliche Drachen verschwunden und mit ihnen viele Chafren und deren Zelte.  
„Wo sind die alle hin?“, fragte Pathenon an einen Drache gewandt.  
„Sie sind alle nach Felgan geflogen und wir sollten das jetzt auch tun“, entgeg-nete der.  
 Beide nickten und nach wenigen Minuten war der Platz komplett leer.   
Es waren keine Chafren mehr zu sehen, keine Drachen und keine Zelte. Die Umgebung wirkte geradezu unheimlich.  
  
  
 Wenige Kilometer entfernt stand eine einsame Holzhütte am Rande des Wal-des. Ihre Tür war nicht mehr vorhanden und die Wände von Geschossen aus Maschinenkanonen durchsiebt, wenige Meter davor lag eine Kampfeinheit, welche Spuren von Drachenkrallen aufwies und zerstört war.  
  
„Okay, lasst uns weiter machen“, sagte Cyron auffordernd. Die übriggeblieben-en Chafren verteilten sich im Raum.  
„Andrew, Kira, Pedro und Syrgon. Ihr solltet euch wieder an den Mech ran ma-chen. Nehmt die Aufzeichnungen mit und bringt das Ding zum Laufen. Egal wie, ist mir wurscht. Wir brauchen den und wissen nicht was uns noch erwar-tet.“  
  
  
  
  
  
 Kapitel 32  
  
 Ungereimtheiten  
  
  
 Kira starrte plötzlich in die Luft und schien zu überlegen.  
„Was ist mit dir?“, fragte Andrew.   
„Wir sollten mal dringend einen vernünftigen Bauplan der Station organisieren. Ich habe plötzlich ein komisches Gefühl.“  
„Was meinst du damit?“, fragte Syrgon besorgt.  
„Ich kann es nicht klar definieren, aber ist euch bei all dem Trubel und der Hek-tik etwas aufgefallen? Selbst Andrew ist nicht einmal stutzig geworden.“  
 Andrew und auch die anderen überlegten.   
„Nein, ich wüsste nicht, was uns aufgefallen sein sollte. Haben wir was überse-hen?“, entgegnete Cyron.  
„Und ob. Kann es sein, dass wir die Station in letzter Zeit ständig über ein zen-trales Treppenhaus betreten und verlassen haben?“  
„Ja.“  
„Dann hätte es uns auffallen müssen. Vor allem denen, die den Kampfrobotern gefolgt waren.“  
 Chiron überlegte und riss die Augen auf. „Verdammter Mist. Das zentrale Treppenhaus.“  
 Kira nickte: „Genau. Es ist nicht der Weg, den wir am Anfang gegangen waren. Wir bewegten uns kreuz und quer über die Ebenen und hatten keine Treppen dazwischen, sondern Schrägen. Die Kampfeinheiten wären sonst gar nicht durchgekommen. Die Schrägen sind eigens für sie gebaut worden und wir folgten ihrem Weg. Das Treppenhaus ist für Menschen errichtet worden, mün-det am anderen Ende auf die entsprechenden Ebenen und liegt auf der ande-ren Seite des Komplexes.“ Sie drehte sich zu Andrew, „Wamanos“ und zog ihn mit sich, die anderen beiden folgten ihnen.  
  
„So und wir setzen uns jetzt an die Computer und versuchen herauszufinden wie die Station genau aussieht. Da fällt mir übrigens noch was anderes ein.   
 Was ist eigentlich aus der Untersuchungskommission geworden, die von der Erde hergeschickt wurde, als bekannt wurde was hier ablief?“  
 Tarja hatte sich ebenfalls hinter eine Computertastatur geklemmt und starrte auf den Monitor. Sie klickte mit der Maus mal auf das eine Fenster, mal auf das andere.  
 Plötzlich hielt sie den Atem an. „Ich habe was gefunden. Glaube ich zumin-dest.“   
 Cyron stellte sich neben seine Tochter und schaute interessiert auf den Bild-schirm.  
„Hier“, sie deutete auf den Monitor, „steht was zur Station. Das zentrale Trep-penhaus führt noch zehn Ebenen weiter nach unten und in ein Archiv. Außer-dem steht hier ein Hinweis darauf, dass es Unterlagen enthält, in welchen steht, wer der Feind war gegen den die Menschen gekämpft haben und dass es Fun-de und Ungereimtheiten gegeben hat, die Ungeheuerliches ans Licht brachten und Grund genug waren zu wilden Spekulationen.   
 Und hier steht etwas zur Untersuchungskommission.   
Sie ist wohl gestartet, aber niemals angekommen. Kurz vor dem Ziel haben sie noch einen Funkspruch abgesetzt. In diesem gaben sie an, dass sie von einem fremden Schiff angegriffen würden. Danach riss der Kontakt jedoch vollständig ab. Die Gruppe gilt seither als verschollen, ebenso ihr Schiff.“  
„Das sind keine guten Neuigkeiten“, resignierte Cyron, „Damit haben wir einen Verlustpunkt.“  
 Ihm gegenüber saß Chiron und gab plötzlich einen undefinierbaren Ton von sich. Alle schauten zu ihm. „Ich weiß wo die Station ist. Sie befindet sich vier-hundert Kilometer westlich von Zurok.“  
 Er winkte Cyron zu sich heran. „Schau dir das mal an.“  
„Hmhm. Das sieht ja fast so aus, als würde die Station in der Luft schweben.“  
 Chiron klopfte ihm anerkennend auf die Schulter. „Stimmt. Die Station wird durch ein Antigravitationsfeld auf Höhe gehalten, ist fächerförmig aufgebaut und mit einem schmalen Lastenaufzug mit dem Boden verbunden. Er scheint aber groß genug zu sein, dass Dinge wie der Mech hinauf transportiert werden können.“  
„Klasse“, entfuhr es Cyron, „das ist genau das, was wir brauchen.“  
„Jetzt haben wir schon mal den halben Vorrat im Keller“, freute sich Diana.  
„Ja, aber kein Schiff“, betonte Cyron, „Und ohne Schiff gibt’s keinen Flug und keine Antworten, nur Fragen und schlaflose Nächte.“  
„Nicht ganz, wir können uns freuen“, warf Chiron ein, „Laut dem was der Com-puter der Landestation hierher übermittelt hat, befindet sich ein Raumschiff im Hangar. Es ist allerdings unbekannt und hat zu keiner Zeit eine aktive Kennung gesendet.“  
 Cyron pfiff und seine Miene hellte sich auf.   
„Wir sollten uns erstmal um dieses Archiv kümmern“, meinte Stella.  
 Sie nickten und stimmten der Tigerin zu.  
  
  
  
  
 Wotan, Sirius und Cyron gingen ins zentrale Treppenhaus und stiegen hinab.   
 Das Archiv war nicht zu verfehlen, war es doch die einzige Tür, die sich am En¬de der Treppe befand. Cyron öffnete sie und schaute vorsichtig in den Raum. Er war spärlich beleuchtet. Sie traten ein, schauten sich um. Es roch muffig und überall lagen Papiere verstreut.  
„Wow“, entfuhr es Wotan.  
„Sucht ihr auf der linken Seite, ich suche rechts“, sagte Cyron.  
 Sie fingen an zu wühlen. Die Zeit verging wie im Fluge.   
 Stunden später wurde Sirius fündig. „Eh. Kommt mal her. Ich habe was gefun-den.“  
 Die beiden eilten zu ihm.   
„Seht euch das mal an. Der Feind, gegen den diese Menschen kämpften, nennt sich Cherit. Laut dem was hier steht, hat sie angeblich keiner je lebend zu Ge-sicht bekommen. Zumindest nicht auf unserem Planeten und auch nicht auf der Erde. Es gibt nur einen vagen Bericht, laut dem sie vernunftbegabte Tiere sein sollen und auf dem Planeten Festrid leben. Das Militär der Erde sah sich außer Stande dem Feind mit genügend Schlagkraft entgegenzutreten. So ent-schloss man sich, dass man sie mit ihren eigenen Waffen schlagen wollte. Gen-ro sollte ein Zuchtplanet werden, der die gleiche Spezies tragen sollte wie der Planet der Aggressoren.“  
„Das wird jetzt wirklich sehr merkwürdig“, sagte Cyron, „Schnappt euch mal die Unterlagen und lasst uns die Neuigkeiten den Anderen zeigen.“  
 Während die drei sich wieder die Treppen hoch bewegten, hatten sich die Anderen zu einem Schläfchen entschlossen. Die Arbeit an den Monitoren war ermüdend und forderte ihren Tribut.  
  
  
 In einem anderen Teil der Station wurde währenddessen fieberhaft gearbei¬tet. Syrgon fühlte sich wie ein König im Bedienersitz des Mechs. Andrew klet¬terte auf der Maschine herum und kontrollierte die Waffensysteme. Kira hatte sich irgendwoher einen Laptop besorgt, ihn mit den wichtigsten Daten gefüt¬tert und prüfte die Steuerungssysteme durch.  
„Pass auf Andrew! Ich werde jetzt mal die Motorik ansteuern“, rief sie nach oben.   
 Der Säbelzahnlöwe winkte bestätigend, setzte sich direkt auf den Kopf des Waffenträgers und hielt sich fest.  
„Na, dann wollen wir mal schauen, ob wir das Ding zum Tanzen kriegen“, sagte sie zu sich selbst und begann Steuerbefehle auf der Tastatur einzutippen.   
 Zunächst hörte man ein dumpfes Brummen, das aber schnell in ein Pfeifen überging und schließlich verklang.  
„Kira, ich weiß zwar nicht was du da machst, aber du hast gerade die Energie-versorgung hochgefahren“, rief Syrgon.  
 Kira sah zu Syrgon. „Das ist vollkommen okay und sollte dich nicht beunruhi-gen. Ich werde dein Spielzeug schon nicht kaputt machen.“  
 Der Wolf schnappte in die Luft. Die kleine Raubkätzin war wirklich unver-schämt frech, aber gerade das gefiel ihm so an ihr. Andrew grinste breit und hielt sich weiter fest. Er liebte ihr offenes und gutherziges Wesen, aber auch ih-re Schroffheit und vor allem, dass sie ausdauernd war und niemals aufgab.  
 Die Luchsin tippte wieder auf der Tastatur herum und der Mech hob unter ei-nem gigantischen Brummen den linken Waffenarm. Kira hüpfte vor Freude von einem Bein auf das andere. Der Wolf sah etwas hilflos aus in seiner Kanzel und Andrew genoss weiterhin den Ausblick.  
 Sie veranlasste, dass sich der Waffenarm auf der linken Seite wieder senkte und wiederholte das Spiel mit dem rechten.  
„Die Waffenarme sind anscheinend alle in Ordnung. Zumindest machen sie auf mich den Eindruck“, sagte sie, „Passt auf, ich werde den Mech jetzt bewegen.“  
 Er setzte sich tatsächlich in Bewegung und zuerst das linke Bein und dann das rechte unter einem lauten Getöse einen Schritt nach vorn.  
„Okay, die Bewegungsmotorik und der automatische Gleichgewichtssinn schei-nen auch zu funktionieren. Das war’s von meiner Seite. Syrgon, jetzt bist du dran.“  
 Der Wolf ließ sich nicht lange bitten und schloss die Kanzel. Andrew hatte ge-nug genossen, kletterte sehr flink herunter und stellte sich neben Kira, ge-spannt was jetzt passieren würde.  
„Wenn er die Anleitungen gut gelesen hat, dann müsste er das Ding jetzt be-wegen und bedienen können“, sagte er an seine Freundin gewandt.   
 Sie griff nach seiner Hand und hielt sie fest umschlossen. Syrgon tippte der-weil den Zahlencode ein, den er von Kira erhalten hatte und der ihn als ad-ministrativen Bediener auswies. Damit hatte er Zugriff auf alle Systeme.  
 Es klappte und eine weibliche Stimme sagte: „Zugriff gewährt.“  
„Ja, aber hallo Schätzchen“, antwortete er, ohne eine Antwort zu erhoffen.  
 Der Wolf aktivierte die Außenlautsprecher. „Super. Der Code war goldrichtig und ich habe uneingeschränkten Zugriff.“  
 Kira richtete die Daumen nach oben. „Dann versuche mal den Hangar zu ver-lassen und stelle dich auf dem Vorplatz auf“, schrie sie, so laut sie konnte.   
 Syrgon nickte. Er hatte sie verstanden und bewegte den Joystick für die Bewe-gungskontrolle nach vorne.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 33  
  
 der Mech  
  
  
 Der Waffenträger hob das linke Bein und stampfte wütend auf, dann folgte das rechte Bein.  
 Die Schritte waren weit ausladend und erinnerten in der Tat an die Bewegung einer Raubkatze. Majestätisch donnerte der Roboter, einen Schritt nach dem anderen setzend, aus dem Hangar. Der Lärm den er dabei verursachte und die Erschütterungen waren sogar in der Ebene zu spüren, in der die anderen Chaf-ren schliefen.  
  
 Zuerst wurde Diana wach. Sie öffnete die Augen und wusste erst gar nicht, warum sie munter geworden war. Dann spürte sie eine Erschütterung. Sie schaute sich irritiert um und zu den anderen. Wotan erwachte und schaute zu Diana rüber, schüttelte sich den Schlaf ab und stieß Sirius an. Der knurrte und schreckte hoch, als er ebenfalls der Erschütterung gewahr wurde. So hob einer nach dem anderen den Kopf.  
„Verdammt, was ist das?“, fragte Chiron.  
„Das kommt von oben und hört sich fast so an, als ob etwas extrem schweres versuchen würde zu laufen“, sinnierte Helios.  
„Das muss der Mech sein“, rief Tarja und alle sprangen auf und rannten die Treppe hinauf.   
 Jeder wollte der Erste sein.  
 Helios gewann den Wettlauf und öffnete die Tür zum Hangar. Sie traten in die Halle und sahen gerade noch wie die gewaltige Maschine die Räumlichkeit ver-ließ. Sie liefen hinterher und beobachteten staunend die fast schon grazilen Bewegungen der Beine, was bei der Größe des Ungetüms gar nicht so einfach war.   
 Diana ertappte sich dabei, dass sie die Bewegungen sogar irgendwie erotisch fand und schüttelte diesen Gedanken schnell ab. Kira und Andrew liefen links und rechts neben dem Roboter her und kontrollierten seine Schritte. Sie woll-ten sichergehen, dass alles richtig funktionierte und nichts dem Zufall überlas-sen.   
 Syrgon war in diesem Moment der stolzeste Chafre den man je gesehen hatte und grinste von einem Ohr zum anderen. Auf dem Vorplatz angekommen, hielt er die Kampfmaschine an.   
Er öffnete die Kanzel und schaute herab. „Das Ding ist einfach spitze. Er läuft zwar etwas holperig, aber ich glaube, das ist nur so, wenn er langsam geht.“  
 Kira nickte: „Wenn er schneller wird, dann gibt sich das.“  
  
 Die anderen Chafren waren mittlerweile auch angekommen und begutachte-ten das Werk der drei.  
„Das sah ja richtig gut aus“, sagte Cyron.  
„Das war allerdings nur ein Vortest“, antwortete Andrew, „Wenn wir genau wis-sen wollen, ob alles funktioniert und der Mech auch das tut, was er tun soll, müssen wir wohl oder übel einen längeren Marsch damit machen.“  
 Tarja seufzte. „Na ja. Ich denke mal, dass eine Runde nach Felgan und wieder zurück genau das Richtige ist. Dass der Mech existiert wissen eh alle und damit gehen wir auch kein Risiko ein, dass wir Daten preisgeben, die die Anderen nicht erfahren sollten.“  
 Cyron schaute seine Tochter an, ließ den Blick über die Gesichter der Anderen schweifen und blickte schließlich nach oben, zu Syrgon. „Okay, mach dich auf den Weg nach Felgan, probiere die Steuerung aus und teste die Systeme durch. Kehre anschließend sofort zurück und halte Funkkontakt mit uns. Wir werden einen Gleiter startbereit halten, für den Fall, dass es Schwierigkeiten gibt.“  
 Syrgons Grinsen wurde noch breiter und er nickte freudig.   
 Die Gruppe trat zurück, als der Wolf die Kanzel schloss. Er blickte auf die Energieanzeige. Die Fusionszelle war im Nominalbereich und die Warnlämp-chen für die Energiezufuhr und die Überlastung schwiegen, blieben dunkel.  
 Der Wolfsrüde bewegte den Bewegungsjoystick und unter dröhnenden Schritten verließ er das Gelände, brach durch das Unterholz und ließ Bäume brechen. Syrgon hinterließ eine breite und hohe Schneise der Verwüstung.   
 Grey hatte sein Funkgerät eingeschaltet. &lt;„Wie sieht es aus, großer Beherr-scher der Technik?“&gt;  
&lt;„Bisher sehr gut. Der Roboter steuert sehr sicher über jede Unebenheit und Bäume scheinen ihm kein Hindernis zu sein. Er läuft einfach quer durch den Wald und macht dabei alles platt.“&gt;  
&lt;„Das sehen wir, die Verwüstung ist ja nicht zu übersehen und die Geräusche des Mechs hört man immer noch.“&gt;  
&lt;„Okay, ich bin aus dem Wald raus. Ich werde mich jetzt nach Felgan begeben. Bis später.“&gt;  
&lt;„Gut. Melde dich hin und wieder.“&gt;  
&lt;„Ja, ja. Ich mach schon.“&gt;  
 Grey verdrehte die Augen. „Typisch. Kaum gibt man den Wölfen was in die Hand, drehen die am Rad.“  
 Wotan und Sirius knurrten leise und warfen mit missbilligenden Blicken um sich.  
„Wir können im Moment nichts tun. Jetzt müssen wir warten bis Syrgon zu-rückkehrt“, sagte Stella.  
 Sie setzten sich auf den Boden und ließen jetzt einfach einmal alle Fünfe ge-rade sein. Grey legte sich flach hin und Sinja legte ihren Kopf auf seine Brust, kraulte sein Kopffell. Wotan und Sirius schmusten und kuschelten sich anein-ander. Die vier erwachsenen Tiger plauschten über Belanglosigkeiten und ge-nossen, wie alle anderen auch, die Sonnenstrahlen. Helios machte sich mit Dia-na bekannt und Torus unterhielt sich mit Apophis. Andrew und Kira waren in der Station verschwunden. Keiner fragte warum, denn die Antwort konnten sie sich selbst geben. Das verübelte den beiden keiner, auch wenn sie ab und zu den falschen Zeitpunkt erwischt hatten.  
&lt;„Syrgon hier. Ich überquere jetzt den Tiglus.“&gt;  
 Es war tatsächlich eine Stunde vergangen, seitdem er weg war.  
&lt;„Okay, mach weiter“, sagte Grey, „aber erschrecke die Felganer nicht so.“&gt;  
 Aus dem Funkgerät kam nur ein lautes Lachen.  
„Jetzt dreht er ab“, grummelte Sinja.  
 Cyron stand auf und ging in die Station.  
  
„Kira“, sagte Cyron, als er ankam, „ich habe hier etwas, was du dir dringend an-sehen solltest.“  
 Er legte ihr die Papiere auf den Tisch. Sie nahm sie, las sie durch und kniff die Augen zusammen.   
„Das ist irgendwie nicht logisch. Was hier steht widerspricht, wenn man die Ge-schichte weiter ausmalt, den Berichten der Wissenschaftler.“  
 Cyron nickte, gab aber zu bedenken: „Es sei denn, die Berichte der Wissen-schaftler sind die offizielle Version und sogar bewusst gefälscht oder man hat¬te die Wissenschaftler bewusst falsch informiert und sie wussten überhaupt nicht was sie hier wirklich taten. Wir dürfen nicht vergessen, dass das Militär die gan-ze Zeit über seine Hände über die Station hielt. Zumindest anfangs.“  
 Kira nickte zustimmend. „Das klingt einleuchtend. Lass mich das mal laut zu-sammenfügen: Die Menschen hatten vor eintausend Jahren einen Krieg mit den Cherit vom Planeten Festrid. Diese Spezies scheint anthropomorph zu sein, wie wir. Sind das jetzt Verwandte oder andere Anthros? Die Menschen haben keine Chance dem Feind beizukommen, es sei denn man züchtet Cherit oder was artähnliches, um sie gegen die eigene Spezies einzusetzen. Man nutzt da-bei unseren Planeten als Basis. Man experimentiert herum, erreicht nur Fehl-schläge und plötzlich kommt Andrew dabei heraus und am Ende wir. Das klingt im ersten Moment nicht logisch. Immerhin hatte man die DNS von einhei-mischen Tieren der Erde verwendet und sie mit Intronenviren versetzt.“  
 Apophis war hinterher gekommen, stand in der Tür und hatte interessiert zu-gehört. „Das klingt logisch und nur das“, sagte er plötzlich.  
 Die beiden sahen zu ihm rüber.   
„Was meinst du damit?“, fragte Cyron.  
„Nehmen wir mal an, es gibt eine Urbevölkerung von Anthros. Sie ist technisch sehr weit entwickelt und bereist, genau wie die Menschen heute, den Welt-raum, allerdings tausende Jahre zuvor. Sie haben auf ihrer Heimatwelt Proble-me und müssen ihren Planeten verlassen.   
 Sie reisen also sehr weit und treffen auf den Planeten der Menschen, die Erde. Sie richten sich dort ein und leben in Frieden. Dadurch, dass ihre Art zahlen-mäßig klein ist, kämpfen sie mit dem Problem des genetischen Zerfalls. Um dem beizukommen, pflanzen sie sich nicht nur mit ihren eigenen Artgenossen fort, sondern nutzen unter Verwendung der Gentechnik, die auf der Erde le-bende Tierwelt. Sie hinterlassen dadurch ihre Erbanlagen auch in den irdischen Lebewesen. Dann passiert irgendwas und sie werden vernichtet. Es vergeht sehr viel Zeit.   
 Dann tauchen plötzlich weitere Cherit auf und die Menschen sehen sich be-droht. Es kommt zum Krieg, mit dem Ergebnis, dass die Menschen keine Chan-ce haben und Cherit züchten wollen, die ihre eigene Spezies vernichten sollen. Die Genexperimente schlagen aber fehl und es kommt gerade noch rechtzeitig zu einem Friedensvertrag.   
 Das Militär gibt den Planeten auf, die Wissenschaftler übernehmen ihn, aller-dings unter anderen Maßgaben. Man will einen Jagd- und Vergnügungsplane-ten errichten. Die Experimente werden fortgesetzt und das einzig nennens-werte Endergebnis sind wir. Das Militär hat sich an den Genetikfragen die Zäh-ne ausgebissen und nur minderintelligente Tiere erhalten, aber keine Cherit.   
 Die Wissenschaftler wollten nur halbwegs intelligente Tiere haben, erhielten aber genau das, was das Militär gerne gehabt hätte, nämlich Cherit. Die Frage ist nur, was haben wir damit zu tun und sind wir jetzt Chafren oder Cherit und vor allem, wem gehört das unbekannte Schiff in der Landungsbasis?“  
  
 Das klang jetzt wirklich einleuchtend, aber es warf sehr viele zusätzliche Fra-gen auf, die nicht ausgesprochen wurden.   
Wo sind diese anderen Anthros jetzt? Wo liegt ihr Planet? Waren sie wirklich auf der Erde oder ist das alles nur ein großer Zufall?  
„Aber was hat dann dafür gesorgt, dass die Computer der Stationen auf Vertei-digung gingen?“, fragte Kira neugierig.  
„Das Schiff, das in der Station landete, gehörte vielleicht den Cherit. Sie sind gelandet und in die Basis eingedrungen. Sie wurden vermutlich eliminiert. Aber der Computer der Basis hier stellte fest, dass sich Cherit im Inneren einer Sta-tion befinden und löste einen Großalarm aus. Es handelte sich nur um eine Fehlinterpretation der verfügbaren Daten.“  
  
 Egal wie man es drehte, die Richtung war vorgegeben und es gab nur einen Weg und der führte zur Erde.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 34  
  
 Syrgon  
  
  
Syrgon ließ den Mech rennen und er erreichte, nachdem er den Fluss durch-quert hatte, tatsächlich die angegebenen 120 km/h. Keinerlei Erschütterungen waren zu spüren und der Wolf sah seitlich aus der Kanzel. Die Maschine holte bei ihren Schritten sehr weit aus und bewegte sich in der Tat ähnlich den Hin-terläufen einer vierbeinigen Raubkatze. Das Einzige was Syrgon merkte und hörte war das laute und dumpfe Aufschlagen der Füße auf der Oberfläche. Er entspannte sich und genoss es sichtlich aus der Station herausgekommen zu sein und den Blick über die Weite des Landes streifen zu lassen.   
  
 Er liebte seine Heimat und wollte sie auch behalten. Er war bereit zu sterben, um die Unberührtheit des Lebens auf seinem Planeten zu erhalten. Seine Au-gen wurden feucht und es lief die eine oder andere Tränen über seine Lefzen.   
  
 Würde es sein letzter Ausflug sein? Wenn er wieder in der Station war, dann gab es kein zurück mehr, nur noch den Weg nach vorn und das bedeutete, dass sie alle zur Rückseite ihres Heimatplaneten flogen, ihre Sachen einluden und einer verrückten Idee hinterher jagten. Der Idee, ihrem Schöpfer, den Menschen gegenüberzutreten. Keiner wusste bisher wo sie da suchen sollten, hofften aber, dass sich die entsprechenden Aufzeichnungen in der Raumschiff-basis befanden.   
 Aber was war, wenn es die gar nicht gab, würden sie dann trotzdem suchen, ohne zu wissen wo und ohne Aussicht jemals zurückzukehren?  
Wehmut überkam ihn und er brach endgültig in Tränen aus. Er ließ den Joy-stick los und der Mech verlangsamte allmählich seine Schritte. Er gab sich ganz seinen Gefühlen hin und beneidete die Anderen um ihre Partnerschaften. Er selbst war immer ein einsamer Wolf gewesen, hatte niemals eine Partnerin ge-habt, sich niemals verliebt, geschweige denn gepaart. Er würde, wenn er für immer verschwand, nichts hinterlassen und würde wohl in Vergessenheit gera-ten. Er schaute zu Boden, wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und fing sich wieder.  
„Das bringt nichts Syrgon, das bringt wirklich nichts“, dachte er laut.   
 Er beneidete Wotan und Sirius und spürte, dass er sich zu den beiden hinge-zogen fühlte. War er vielleicht auch homosexuell? Nahm er die beiden viel-leicht deshalb so sehr in Schutz vor den Anderen? Er wusste es nicht. Er hatte bisher nie die Gelegenheit gehabt es auszuprobieren und zu erfahren. Er biss sich auf die Unterlippe und drückte den Joystick energisch nach vorn. Der Mech trat plötzlich fast auf der Stelle und seine Beine schienen sich zu über-schlagen. Der Moment dauerte aber nur Bruchteile einer Sekunde und das schwere Gerät setzte sich wieder in Bewegung, donnerte mit Höchstgeschwin-digkeit über das Land. Anderthalb Stunden später tauchte er am Rande von Felgan auf und entschloss sich eine Ehrenrunde über den Dorfplatz zu drehen.   
 Den Spaß wollte er sich gönnen und tat es auch.  
  
 Die ehemals zur Truppe gehörenden Chafren saßen auf dem Dorfplatz, vor der Schänke und im Wirtshaus verteilt. Sie tranken Bier und Met, aßen einen kräftigen Bissen und unterhielten sich über ihre weiteren Vorhaben und Ziele.   
 Ihnen fiel es schwer sich voneinander zu trennen und viele beschlossen spon-tan zusammenzubleiben. Die Stimmung war jedoch nicht gedrückt, sondern eher fröhlich und ausgelassen, als plötzlich die donnernden Schritte einer schweren Maschine an ihre Ohren drangen.  
 Crown sprang auf. „Da kommt was aus Richtung der Station und es muss ge-waltig sein.“   
 Er schaute zur Tür hinaus, dort hatten sich schon alle erhoben und schauten in die Richtung, aus welcher der Lärm kam. Sekunden später sah man zwischen den Häusern eine riesige Stahlkonstruktion auftauchen. Die Glaskanzel schwebte dabei weit über den Dächern der Häuser und bewegte sich leicht schwankend. Die Maschine trat auf den Platz, drehte sich fast auf der Stelle und kam auf sie zu.  
„Bei allen Göttern“, sagte Pathenon leise.   
 Wenige Meter vor dem Wirtshaus hielt sie an und die Kanzel wurde geöffnet.  
„Eh, ihr solltet mal eure Gesichter sehen. So blöd habt ihr schon lange nicht mehr geschaut“, rief Syrgon herunter.   
  
 Gejohle und Gelächter brandete ihm entgegen. Er stieg aus und kletterte her-unter. Eine wahre Begrüßungsorgie entflammte. Jeder wollte Syrgon in die Fin-ger kriegen und ihn durch knuddeln. Er ließ es bereitwillig geschehen. Als letz-ter kam Tristan an die Reihe. Die beiden versanken im Kuschelglück und konn-ten plötzlich die Finger nicht mehr voneinander lassen.   
 Die Augen der anderen wurden immer größer. Syrgon und Tristan ein Pär-chen? Das wäre ja mal ein Ding, und schon wurde getuschelt und die Ge-rüchteküche brodelte. Der Greif und der Wolf ließen voneinander ab und läch-elten sich an. Syrgon spürte eine deutliche Veränderung in sich und schien zu wissen was er gesucht hatte.  
 Er griff zum Funkgerät. &lt;„Station für Mech.“&gt;  
&lt;„Hier Station. Syrgon, schön das du dich mal meldest. Wie sieht es aus?“&gt;  
&lt;„Es sieht sehr gut aus. Der Mech ist voll funktionsfähig und schnurrt wie ein kleines Kätzchen.“&gt;  
&lt;„Super! Wir sind ganz aus dem Häuschen. Komm wieder zurück. Es wird bald dunkel und dann solltest du wieder hier sein.“&gt;  
 Syrgon schaute sich um, guckte zu Tristan und schloss kurz die Augen. Tristan warf ihm einen Blick zu, der keinen Zweifel über seine Entscheidung offen ließ.  
&lt;„Negativ, Station. Ich bleibe über Nacht im Dorf. So eilig haben wir es auch nicht. Außerdem weiß niemand, wann wir wieder hier sind oder ob wir jemals wieder hier sein werden.“&gt;  
 Es folgte Stille, dann: &lt;„Okay. Mach das, aber mit deinen Gedanken bist du nicht allein. Wir kommen mit den Gleitern rüber und gehen morgen früh ge-schlossen zur Basis zurück.“&gt;  
  
 Syrgons Gesichtszüge hellten sich auf und die Menge war nicht mehr zu bremsen. Sie würden für einen Abend und eine Nacht alle noch einmal vereint sein und die Gesellschaft aller genießen dürfen.   
  
 Shivas Wirtshaus schien aus allen Nähten zu platzen, als die Gruppe aus der Station eintraf und sich zu den bereits Anwesenden gesellte. Die Begrüßung fiel mehr als herzlich aus und es wurde reichlich Bier und Wein ausgeschenkt.   
 Sie feierten als wäre es wirklich das letzte Mal, dass sie sich sehen würden.  
 Pathenon setzte sich zu Stella, Tarja, Chiron und Cyron.  
„Sag mal, mein lieber Pathenon. Wie war das eigentlich damals, mit dir, Stella und Cyron?“, fragte Tarja plötzlich.  
 Pathenon wollte gerade an seinem Bier nippen, verschluckte sich jedoch und fing mörderisch an zu husten. Cyron blickte böse zu seiner Tochter, die ließ sich jedoch nicht einschüchtern und hielt seinem Blick stand. Stella versteckte ein hämisches Grinsen hinter ihrem Weinglas.  
„Überlege dir genau, aber sehr genau, was du jetzt sagst“, brummelte Cyron gedehnt in Richtung Pathenon.  
 Pathenon starrte auf den Tisch und schien tatsächlich zu überlegen. Shiva ge-sellte sich zu ihnen und machte die Sache für den Tigerkater noch unbehag-licher.  
„Ja, also“, begann er, „Die Sache ist nicht so einfach zu erklären. Wir waren da-mals noch sehr jung und ich wusste nicht das Cyron und Stella ein Pärchen wa-ren. Jedenfalls zog es mich zu dieser wunderschönen Tigerin und ich umgarnte sie nach Strich und Faden. Sie war noch sehr jung und die erste Rolligkeit stand aus. Das interessierte mich aber auch nicht wirklich. Ich war Hals über Kopf ver-liebt in ihre schönen Augen und in ihre traumhafte Fellzeichnung. Sie machte einen so schüchternen und zurückhaltenden Eindruck. Das spornte mich an, mich noch mehr um sie zu bemühen.   
 Tja, jedenfalls machte ich ihr den Hof und schaffte es schließlich mir ein Herz zu fassen und an ihre Haustür zu klopfen. Leider öffnete nicht sie die Tür, son-dern Cyron und der war extrem eifersüchtig. Er dachte, ich wolle ihm sein Weibchen abspenstig machen, packte mich, zog mich ins Haus und stellte mich zur Rede.   
 Ich wehrte mich und wollte gehen. Immerhin war ich ihm keinerlei Rechen-schaft schuldig. Das wollte er aber nicht zu lassen und es entwickelte sich ein Handgemenge. Stella kam hinzu und wollte uns trennen. Wir waren aber so in-einander verbissen, dass wir sie ignorierten und uns in unsere Streitigkeit hin-einsteigerten. Am Ende trennten Cyron und ich uns mit vielen Biss- und Kratz-wunden. Ich zog ab und versprach, keinen Finger an Stella zu legen.“  
„Ja und er hielt und hält sich auch daran“, ergänzte Stella.  
 Cyron nickte zustimmend. „Später sind wir uns dann des Öfteren über den Weg gelaufen und hatten die Streitigkeiten beigelegt. Außerdem brauchten wir uns gegenseitig für die Jagd und spätestens da war alles bereinigt und zwi-schen uns geklärt“, pflichtete Cyron bei.  
 Tarja nickte und konnte sich ein tiefgründiges Lächeln nicht verkneifen. So ein Verhalten hatte sie von ihrem Vater, der doch immer so ausgeglichen war und sich von allen Streitereien fernhielt, nicht erwartet.  
  
 Shiva schaute Pathenon ernst an. „So, so. Mein gestreifter Geliebter hat sich also mit einem anderen Streifenkater um ne Kätzin geprügelt. Ich hoffe, das würdest du auch tun, wenn es um mich geht oder bist du mittlerweile zu alt dafür geworden?“ Aus ihrem letzten Satz klang etwas Spott.  
„Aber natürlich, denn nur du bist es wirklich wert, dass man um dich kämpft. Bei Stella sind die Hormone mit mir durchgegangen. Typische Reaktion für ei-nen jungen Kater der voll im Saft steht.“  
 Stella zog einen Flunsch und knurrte leise. Cyron bemerkte es und küsste sie dafür.  
„Ich möchte wirklich nicht wissen, wie es war, als du noch unter vollem Saft standest, denn das was ich bei dir bisher erlebt habe reicht vollkommen aus“, sagte das Jaguarweibchen leise.  
 Die beiden Tiger sahen sich derweil überglücklich an und ignorierten die wei-teren Witzeleien von Shiva und Pathenon.  
  
 Um Sitara und Finlay hatte sich auch eine kleinere Gruppe gebildet und man unterhielt sich über Sitaras Jugend.  
„Du bist groß geworden und wunderschön“, sagte Samantha.   
Sie selbst war eine Schneeleopardin, die so manchem Kater das Blut in den Adern zum Kochen brachte. Sie geizte nicht mit ihren Reizen und war in der Vergangenheit mal mit dem Einen zusammen, dann wieder mal dem Anderen.   
 Ihr Leben war recht unstet, aber sie hatte stets ihre Würde bewahrt und war niemals unter ein gewisses Niveau gesunken. Allgemein galt dieses Weibchen als lebenslustig, neugierig und bereit alles auszuprobieren, außerdem hatte sie den Ruf sexuell sehr gierig zu sein.  
„Wie lange haben wir uns nicht mehr gesehen?“, fragte sie.  
 Sitara überlegte kurz. „Es sind so ziemlich achtzehn Jahre“, erwiderte die Leo-pardin.  
„Ist es wirklich schon so lange her?“ Samantha seufzte. „Die Zeit vergeht wirk-lich schnell. Erzähl doch mal. Was hast du alles gemacht und erlebt in dieser Zeit? Abgesehen davon, dass du einen so feschen Kater geheiratet hast.“  
 Sie warf Finlay einen begierigen Blick zu. Der übersah diesen aber einfach und konzentrierte sich auf seine Lebensgefährtin.  
Sitara begann zu berichten und wurde bei ihren Ausführungen von Samanthas Och’s und Ach’s begleitet.   
„Das ist aber wirklich eine herbe Geschichte. Ich freue mich für euch beide, vor allem dass ihr so glücklich seid“, sagte die Schneeleopardin schließlich.  
 Das Leopardenpaar nickte Samantha freundlich zu, stand auf und ging durch den Raum. Wobei man weniger von gehen sprechen kann, es war eher ein sich durchschlängeln und herumwinden, um im Weg stehende Chafren. Sie schau-ten mal hierhin, mal dorthin und schnappten die verschiedensten Gesprächs-fetzen auf.   
 Als sie bei Tristan und Syrgon ankamen, stutzten sie. Die beiden unterhielten sich nämlich nicht einfach, sondern waren in ein sehr persönliches Gespräch vertieft und es kam ihnen eher so vor, als ob der Wolf dem Greif eine Liebeser-klärung machen wollte. Finlay sah Sitara an, zwinkerte ihr zu. Sie schlängelten sich weiter durch und landeten schließlich am Tisch bei Tarja und den anderen Tigern.   
 Shiva lächelte den beiden zu.  
 „Hallo ihr zwei“, sagte Cyron erfreut, „Was macht ihr schönes?“  
„Das, was auch die Anderen machen. Wir genießen die Stimmung und quat-schen sinnloses Zeug. Wobei manche Sachen die in diesem Raum gesprochen werden gar nicht so sinnlos zu sein scheinen“, sagte Sitara.  
„Ach so? Und das wäre?“, fragte Stella neugierig.  
 Sitara schaute kurz über ihre Schulter und beugte sich dann zu den Tigern hinab. „Ich glaube, zwischen dem Greif und dem Wolf da hinten an der Theke, entwickelt sich was“, flüsterte sie verschwörerisch.  
Cyron machte einen langen Hals und Stella beugte sich nach hinten, um an Finlay vorbeizuschauen.  
„Wen meinst du?“, fragte die Tigerin.  
„Die Beiden da an der Theke. Psst. Schaut nicht so auffällig hin. Ich glaube, dass die beiden ihr Tächtelmächtel geheim halten wollen.“  
 Chiron stand etwas auf und starrte über Sitaras Schulter. „Ich sehe an der Theke nur Tristan und Syrgon“, sagte er.  
„Ach, so heißen die beiden also. Ja, also. Genau die beiden meine ich.“  
 Die Tiger sahen sich staunend an.  
„Syrgon hat was mit Tristan am Laufen?“, flüsterte Tarja. „Ne, das kann ich mir nicht vorstellen. Syrgon doch nicht. Bei Tristan vielleicht, aber nicht bei dem.“  
„Glaub mir ruhig. Als wir vorbeigingen, unterhielten sich die beiden sehr zärt-lich und liebevoll. Ich glaube da entwickelt sich was.“ Die Leopardin griente.  
 Cyron zuckte mit den Schultern. „Na ja, wenn’s schön macht. Lass die beiden mal machen, die wissen schon was sie tun.“  
 Die Tigerinnen kicherten und prosteten sich zu.   
 Als Tarja sich nach den beiden umdrehte, waren sie plötzlich verschwun-den.„Oh, oh. Sitara hat Recht. Die beiden sind weg und wie es aussieht ge-mein¬sam.“  
„Es ist die vielleicht letzte Nacht in trauter Zweisamkeit, sollen die Beiden sie ruhig nutzen. Für Syrgon ist es vielleicht sogar das erste Mal, hoffentlich aber nicht gleichzeitig das letzte. Vielleicht will er auch nur was ausprobieren und zu sich selbst finden. Machen wir uns also keine Gedanken darüber“, erklärte Cy-ron.  
 Die anderen nickten.  
  
„Ich bin müde“, sagte Tarja, „und werde jetzt mein Bett aufsuchen.“   
 Sie gähnte heftig und steckte Chiron damit an. „Wir gehen dann mal heim und legen uns aufs Ohr.“  
 Stella gab sich verständnisvoll und zwinkerte Tarja zu. „Macht das, aber ver-sucht nicht zu laut zu schlafen.“  
 Tarja kicherte albern und Chiron kratzte sich hinter dem rechten Ohr. „Wir werden uns bemühen“, sagte er und sie gingen.  
„Weißt du was“, sagte Stella zu ihrem Mann. „Wir sollten auch verschwinden und an der Matratze horchen. Es ist schon recht spät geworden und der neue Tag bringt wahrscheinlich wieder viel Aufregung und Hektik mit sich, wie schon so oft in der Vergangenheit.“  
 Cyron willigte ein und somit verschwand das zweite Tigerpärchen von der Bildfläche.  
 Als die beiden im Haus eintrafen, schlummerten Chiron und Tarja bereits eng umschlungen.  
 Kaum hatten sie sich selbst hingelegt, fielen ihnen auch schon die Augen zu.  
  
 Das Wirtshaus begann sich wie von Geisterhand geführt, immer mehr zu lee-ren. Von anfänglich fünfundvierzig Chafren waren jetzt nur noch zehn anwe-send und halfen Shiva beim aufräumen. Die meisten Pärchen waren auch ver-schwunden, lediglich Andrew und Kira sowie Wotan und Sirius waren als solche noch da.  
„Also, wenn ihr mich fragt. Syrgon benahm sich heute Abend recht merk-würdig“, sagte Sirius.  
„Wie kommst du darauf?“, fragte Andrew.  
„Ich weiß es nicht, aber er war nicht so wie sonst und außerdem hing er ständig mit Tristan zusammen.“  
„Was soll daran ungewöhnlich sein? Er ist bisexuell.“  
 Wotan zuckte bei Andrews glasharter Feststellung zusammen. „Was ist er?“  
„Ich sagte, dass er auf Männchen steht, genau wie ihr beide, allerdings auch auf Weibchen.“  
 Sirius schaute den Säbelzahnlöwen sehr schräg an. „Das glaubst du doch jetzt wohl selbst nicht.“  
„Oh doch“, sagte er, „mein weiblicher Teil spürte deutliche Anziehung und mein männlicher ebenfalls. Das fiel mir schon beim ersten Zusammentreffen auf. Ich kann auf meine Instinkte sehr gut vertrauen.“ Er deutete auf seine Nase und lächelte schief.  
„Du meinst also, dass Syrgon und Tristan …“  
„Japp, genau das meine ich. Die beiden liegen bestimmt zusammengekuschelt in einer Ecke und tun genau das Gleiche, was ihr beide auch miteinander tut.“  
 Wotan sog die Luft hörbar ein.  
„Und dieser Wolf ist noch Jungfrau oder vielmehr, er war bis jetzt noch eine solche“, ergänzte Andrew.  
 Jetzt waren alle platt. Das Andrew so viele Informationen aufnehmen konnte, hatten sie nicht für möglich gehalten.  
„Und das alles kannst du spüren?“, fragte Kira.   
„Ja. Ich rieche bestimmte biochemische Reaktionen die der Körper unfreiwillig Preis gibt. Aber das tut jeder von uns.“   
 Kira überlegte kurz und nickte schließlich. „Du hast Recht. Ich denke gerade an Hadrons Reaktion auf dich.“   
 Andrew schlug die Augenlider nieder. „Er sprach auf meine Pheromone an. Bei Syrgon spürte ich die gleiche Aura an Düften wie mein weiblicher Anteil sie produziert, aber er hatte sich sehr gut unter Kontrolle.“  
 Sirius pfiff leise. „Das nenne ich ja mal echte Neuigkeiten.“  
 Shiva schüttelte den Kopf. Als ob es so wichtig wäre zu wissen, wie die sexuel-le Ausrichtung von jemandem ist. Sie waren mittlerweile mit ihren Aufräumar-beiten fertig, packten den Rest zusammen und verließen ebenfalls das Wirts-haus, um sich zur Ruhe zu begeben.  
  
 Tristan und Syrgon dachten derweil nicht an Schlaf. Der Greif führte den Wolfsrüden sanft in die Liebesspiele unter Männchen ein, ging dabei sehr ge-schickt vor und versuchte seinen Partner nicht zu schnell zu Handlungen zu drängen, für die der noch nicht bereit war.   
 Ihre Zärtlichkeiten, die sie sich angedeihen ließen, dauerten schon Stunden und beide spürten die Triebe mit sich durchgehen. Sie gaben sich ungestüm und wild einander hin. Wenig später schmiegten sie sich eng aneinander und schliefen befriedigt ein.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 35  
  
 Abschied  
  
  
 Es war bereits 8.45 Uhr als endlich alle erwacht waren und sich so nach und nach bewusst wurden, was letzte Nacht alles geschehen war.  
 Besonders Tristan und Syrgon sahen sich betroffen an und mussten ihre Ge-danken und Gefühle sortieren.  
„Das war ein sehr ungestümes und vor allem wildes Erlebnis letzte Nacht“, sag-te der Greif und küsste Syrgon sanft auf die Nase.   
 Der Rüde kratzte sich am Kopf und überlegte. „Das stimmt. Ich hatte bisher noch nie ein so intensives Erlebnis wie mit dir. Wobei, wenn ich ehrlich sein soll, dann muss ich gestehen, dass ich noch nie ein sexuelles Erlebnis hatte. Du warst mein erster Partner.“  
 Der Greif schaute den Wolf betroffen an. „Das hättest du mir eher sagen sol-len. Dann wäre ich bestimmt sanfter gewesen.“  
„Ach was. Es war schön, so wie es war.“ Syrgon lächelte Tristan zärtlich an und küsste ihn auf die Stirn.   
„Ich hoffe nur, dass ich zurückkehren werde und du dann noch da bist, damit wir das Ganze wiederholen können.“ Syrgon wurde melancholisch und zog den Greif in seinen Bann.   
 Der nickte zustimmend und freute sich sichtlich.   
 Sie verließen Tristans Haus und trafen auf die anderen Chafren ihrer ehemali-gen Truppe. Einige grüßten im Vorbeigehen, manche blieben stehen, schauten schräg, überlegten kurz und wünschten nach einigem Zögern einen guten Morgen. Die beiden waren als Pärchen ertappt und viele die Syrgon kannten, waren mehr als nur erstaunt über diese Wendung.   
 Sie nahmen sich bei der Hand und gingen zum Dorfplatz. Alle sollten sehen, dass sie zusammengehören wollten und alle sollten sehen, dass sie sich gefun-den hatten und dass sie glücklich dabei waren.  
„Sieh an, sieh an“, sagte Wotan leise zu Sirius, „Wenn das nicht unser frischge-backenes Liebespaar ist.“  
 Sirius hörte auf, seine Sachen zu sortieren und schaute in die Richtung, in die auch Wotan sah. „Tja, da hat Andrew wohl einen Volltreffer gelandet mit seiner Vermutung. Wobei man bei ihm wohl kaum von Vermutungen sprechen kann. Der Kerl hat bei so was scheinbar den siebten Sinn.“  
 Sirius wühlte wieder in seinen Klamotten und überprüfte ob er alles bei hatte. Immerhin war es ein Abschied für lange Zeit, für sehr lange Zeit, wenn nicht so¬gar für immer.  
„Weißt du was aber schmerzlich ist?“, fragte Sirius plötzlich.  
 Wotan schüttelte den Kopf.  
„Syrgon kommt mit uns, aber Tristan bleibt zurück. Die beiden müssen sich jetzt trennen.“  
 Wotan stand da, als hätte ihn der Blitz getroffen und er musste daran denken, wie er sich fühlen würde, wenn er sich von seinem Partner trennen müsste. Der seelische Schmerz musste den armen Syrgon fast zerreißen.   
 Aber was machte der?  
 Er gab sich ganz seinen neuen Gefühlen hin und tat so als würde er eine kur-ze Runde um die Häuser drehen. Er zeigte keinerlei Anzeichen der bevorste-henden Trennung.  
  
 Es wurde Zeit.   
 Die letzten Vorbereitungen waren getroffen und alle hatten ihre persönlichen Sachen dabei.  
„Okay Leute. Wir müssen jetzt los und zurück zur Station“, rief Cyron laut über den Platz.  
 Es entbrannte eine wahre Abschiedszeremonie. Die Chafren überhäuften sich mit Küssen, Streicheleinheiten und guten Wünschen. Keiner wollte den ande-ren so recht gehen lassen, aber alle wussten, dass es keinen Aufschub gab.   
 Syrgon umarmte Tristan nochmals sehr heiß und innig, stieg dann in den Mech und schaltete die Hauptenergieversorgung ein. Der Computer gab alle Systeme als betriebsbereit und im Normbereich an. Er schloss die Kanzel und ergriff den Joystick. Widerwillig wie sein Bediener setzte er sich in Bewegung, stampfte aus dem Dorf und erreichte nach kürzester Zeit seine Höchstge-schwindigkeit. Syrgon schaltete die Maschine auf Autopilot und ließ sie ihrem Ziel entgegen rennen. Er selbst hing seinen Gedanken hinterher und ließ sei-nen Tränen freien Lauf.  
  
 Die Übrigen hatten ihre Gleiter besetzt und waren ebenfalls schon auf dem Weg zur Station.  
„Fein. Wenn wir angekommen sind, machen wir alles dicht in der Station, schauen nochmal nach verwertbaren Sachen und fliegen gleich weiter zur Raumbasis, wenn man die so nennen will“, erklärte Cyron.  
 Alle nickten, waren aber trotzdem nicht sonderlich begeistert. Sie alle hatten Freunde und Bekannte zurückgelassen und drohten in der Unendlichkeit zu verschwinden.   
 Dreißig Minuten später war es soweit und sie verließen auf dem Vorplatz der Station die Gleiter. Wenige Minuten später traf auch Syrgon ein, den sie unter-wegs überholt hatten.  
„Wie geht’s dir?“, fragte Sirius besorgt.  
 Der Wolf schaute seinen Artgenossen aus verquollenen Augen an und brauchte nichts zu sagen, sein Blick und die Tränenränder unter den Augen verrieten ihn.  
„Kopf hoch, großer Krieger“, sagte Sirius aufmunternd, „Wir verschwinden nicht für ewig und kehren bestimmt bald zurück. Abgesehen davon wissen wir über-haupt noch nicht, ob wir den Planeten verlassen können.“  
 Syrgon nickte und sein Blick wurde etwas heller.   
 Die beiden betraten als letzte die Station, die für Monate ihr Quartier gewor-den war und in der sie sich mittlerweile sehr gut auskannten. Es herrschte rege Betriebsamkeit und ein jeder versuchte sich einzureden, dass er was vergessen hat, letztendlich nur, weil er sich scheute den entscheidenden Schritt zu gehen und sein bekanntes Leben hinter sich zu lassen.  
„So, Schluss jetzt“, wetterte Torus, „Ich denke mal, dass wir alle unsere Sachen beisammen haben und alles andere ne sinnlose Verzögerungstaktik ist. Also, los jetzt.“  
 Die Anderen fixierten ihn mit ihren Blicken.   
 Der Augenblick war gekommen.   
 Sie verließen ein letztes Mal die Station, bestiegen die Gleiter und gaben die Daten der auf der Rückseite gelegenen Station ein. Es dauerte einige Zeit bis die Navigationscomputer der Maschinen das neue Ziel erkannten und auch ak-zeptierten. Aber es klappte. Sie programmierten einen direkten Kurs ein und reduzierten die Höchstgeschwindigkeit auf ein erträgliches Minimum. Zwei der Gleiter waren nur mit einem Piloten besetzt und flogen gekoppelt, als eine Ein-heit. Sie mussten so nebeneinander fliegen, dass sie sich seitlich berührten und in jedem der Gleiter stand mit einem Bein der Mech. Eine der Flugmaschinen war nicht kräftig genug die hundert Tonnen Maschine zu transportieren.  
  
 Die Gleiterrechner protestierten anfangs, aber spuckten wenigstens den Wert für die Höchstlast aus, die auf 50,7 Tonnen begrenzt war. Nach einigem Grü-beln und vielem Hin und Her, hatten sie den Entschluss gefasst, dass es das Beste wäre, zwei Gleiter miteinander zu verbinden und damit das zu tragende Gewicht zu halbieren.   
 Kira hatte wie immer ganze Arbeit geleistet. Sie hatte den Steuerungscompu-tern glaubhaft vermitteln können, dass es rechtens ist, was sie vor hatten und dass keinerlei Gefahr für das Fluggerät bestand, wenn beide Gleiter sich wäh-rend des Fluges berührten. Abstriche musste sie jedoch bei der Geschwindig-keit machen. Die automatische Schließfunktion der Kanzel musste deaktiviert werden und somit auch die Geschwindigkeit herabgesetzt. Am Ende hatten die Gleiter und Kira sich auf 60 km/h geeinigt und schienen damit glücklich zu sein.  
„Mehr kann ich beim besten Willen nicht tun“, hatte sie gesagt und die Arme in die Luft gehoben.   
 Die übrigen Gleiter wurden, wie schon erwähnt auf eben diese Geschwindig-keit programmiert und errechneten die Flugdauer.  
  
 Kira trommelte seitdem ungeduldig auf die Konsole. „Mann, das dauert“, herrschte sie in die Runde.  
„Bleib doch ruhig. Du scheinst es ja auf einmal mächtig eilig zu haben“, merkte Pedro an.  
 Sie drehte sich zu ihrem Bruder um. „Ist doch wahr. Es kann doch nicht so schwer sein, ein paar lumpige Daten zu korrelieren.“  
 Pedro blickte auf die Anzeige und machte große Augen. „Ach du Schande. Schwesterlein, das wird dir jetzt nicht gefallen.“  
 Kira drehte sich abrupt zur Anzeige und erstarrte. „WAS? Acht Stunden Flug-zeit?“  
„Die Höchstgeschwindigkeit kann bei den momentanen Witterungsverhältnis-sen auf der Planetenrückseite nicht bis zum Schluss konstant gehalten werden. Wir fliegen am Ende nur noch mit 20 km/h“, erklärte Pedro an Stella und Cyron gewandt.  
„Also ne Blumenpflücktour ohne Blumen“, sagte der Tigerkater entgeistert. Er schaute auf die Borduhr: „Wir haben es jetzt 11.10 Uhr, wenn ich die Reisezeit dazu rechne, komme ich am Ende auf 19.10 Uhr. Na ja, hätte schlimmer kom-men können.“  
 Kira schaute aus der Kanzel und orientierte sich zu den Anderen. Sie hob den Daumen nach oben und die anderen Piloten bestätigten ihre Geste.  
„Wamanos“, sagte sie und aktivierte die automatische Steuerung.   
 Der Gleiter erhob sich und folgte einer Schneise durch den Wald, die anderen Fluggeräte folgten ihr.  
„Vielleicht hätten wir den Roboter hier lassen sollen“, sagte Kira plötzlich.  
„Lieber nicht oder weißt du ob wir den eventuell nicht doch noch brauchen?“, entgegnete Stella.   
 Kira schüttelte mit dem Kopf.   
„Wir haben alles maximal ausgenutzt. Zwei Gleiter mit je einem Piloten, einem Passagier und dem Mech und einen Gleiter mit den restlichen sieben Chafren. Wir haben zwei Gleiter bei Felgan stehen gelassen, zwei weitere stehen noch in der Basis und dazu gibt es auch die vier eingewiesenen Piloten. Damit ist die Versorgung aller gewährleistet“, gab Finlay zu bedenken.   
 Sitara nickte und schmiegte sich an seine Schulter.  
 Syrgon und Torus flogen die anderen Gleiter und es klappte alles hervorra-gend. Nach anderthalb Stunden hatten sie die Grenze des Waldes erreicht und vor ihnen lag die Weite des genroischen Ozeans.  
„Der Anblick ist überwältigend“, flüsterte Tarja, „Ich glaube, dass hier noch nie-mand vor uns war.“  
 In der Luft flogen unzählige Vogelarten und hin und wieder sah man im Was-ser große Fische auftauchen und wieder verschwinden.  
„Tja, meine Lieben. Der Anblick wird uns für immer in Erinnerung bleiben. Ge-nießen wir also für die nächsten guten vier Stunden den Anblick von Wasser“, intonierte Diana.  
  
 Nach zwei Stunden Flugzeit hatten dann aber alle genug von dieser Ansicht und wollten endlich wieder festen Boden unter die Füße bekommen.  
„Mann, ist das langweilig“, grollte Syrgon über Funk.  
„Halte durch, wir haben es bald geschafft“, beruhigte ihn Torus.  
 Ihre Flugkünste waren perfekt und der Mech stand felsenfest auf den beiden Gleitern. Nach einer weiteren Stunde trübte sich der Himmel ein und es be-gann zu regnen.  
„Leute, wir kriegen früher oder später ein ernstes Problem“, sagte Torus plötz-lich.  
„Was ist los? Wieso das?“, fragte Diana.  
 Die Antwort kam sofort von Kira: „Die Kanzeln der Gleiter sind offen und der Regen lässt die Sitzräume volllaufen.“  
 Diana schlug sich vor die Stirn: „Au verdammt. Da hätte ich auch selbst drauf kommen können. Er hat recht, dass wird sehr schnell ein Problem werden.“  
„Ja, vor allem, wenn man bedenkt, dass sich das Gewicht der Gleiter nicht nur erhöht, sondern ab einer gewissen Überladung, diese dann die Grätsche ma-chen.“  
 Sie warfen sich sorgenvolle Blicke zu.  
„Syrgon, schau mal nach was auf dem Display bei dir steht. Wie hoch ist die momentane Zuladung?“, fragte Kira den Wolf.  
„Liegt jetzt noch fünfhundert Kilogramm unter der Maximalgrenze.“  
 Kira schaute auf die Entfernungsanzeige, die Flugdauer und die momentane Geschwindigkeit. Sie verglich die Daten und tippte alles in ihren Laptop ein. „Wir müssen auf Risiko gehen und die Geschwindigkeit um 20 km/h erhöhen. Ich habe ausgerechnet, um wie viel sich die Zuladung pro Minute erhöht und das ins Verhältnis gesetzt zur momentanen Geschwindigkeit. Wenn wir verhin-dern wollen, dass wir Torus und Syrgon verlieren, dann müssen wir schneller werden.“  
 Cyron nickte. „Okay, sieh zu, dass du den Rechner überreden kannst auf 40 km/h zu gehen, selbst wenn wir den Mech verlieren.“  
 Die Luchsin verband ihren Laptop mit der Konsole und fing an, die Tastatur zu quälen. Nur fünf Minuten später spürte man deutlich, dass sie schneller wurden.  
„Ausgezeichnet“, lobte der Tiger, „Jetzt müssten wir es schaffen. Wir haben jetzt noch eine Stunde Flugzeit vor uns, wenn ich die Geschwindigkeitserhö¬hung mit einrechne.“  
„Mehr können wir nicht tun. Also hoffen wir, dass es klappt.“  
  
 Der Mech stand nicht mehr so stabil wie vorher und die beiden Gleiter ließen sich nur sehr schwer beherrschen. Syrgon und Torus gaben alles und schonten ihre Kräfte nicht. Der Wind peitschte in ihre Gesichter, nahm ihnen zwischen-zeitlich die Sicht und riss an den Gleitern. Aber sie schafften es.  
 Nach vierzig Minuten erkannte man in der diesigen Luft die Umrisse der Sta-tionsplattform, hoch in der Luft. Nach weiteren zehn Minuten erkannte man die komplette Station und die Landmasse auf der sie stand. Nach weiteren fünf Minuten, versagte die Steuerung von Syrgons Gleiter. Er begann zu schwanken. Die Zuladung hatte die kritische Grenze erreicht. Torus merkte es, steuerte ge-gen und hielt den Kontakt zum Gleiter des Wolfs.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 36  
  
 die Raumbasis  
  
  
 Die Zeit schien plötzlich stillzustehen. Es waren nur noch fünf Minuten bis zum rettenden Festland, aber die dehnten sich zur Unendlichkeit. Die beiden Chafre leisteten Schwerstarbeit und erreichten schließlich die Insel. Unsanft, aber weich genug setzten sie auf festem Boden auf und schalteten die Energie-versorgung aus. Torus' Fluggerät hatte kurz vor der Landung ebenfalls die kriti-sche Masse erreicht und Syrgons lag in den letzten Zügen. Sie hatten es ge-schafft und das grenzte fast an ein Wunder. Jetzt gab es kein zurück mehr. Sie waren auf der Insel gestrandet.  
  
„Los, packt eure Sachen zusammen, Syrgon schnappt sich den Mech und dann sollten wir schnellsten in die Station rein“, rief Tarja.  
 Sie hielten sich ran. Der Wolf hatte den Mech schon aktiviert und lief auf die Station zu. Es erfolgte keinerlei Gegenwehr. Er fand den Eingang und postierte sich davor. Die Anderen hatten ihre Sachen aus den Gleitern geholt und rann-ten was das Zeug hält. Der Regen wurde immer stärker und durchnässte sie unangenehm.   
 Kira stand vor der Tür, betrachtete sie, fand ein Eingabeterminal und zog ei-nen ihrer bekannten Zettel aus einer Tasche. Sie tippte die Codierung ein und Sekunden später wechselte die Kontrollleuchte auf grün. Brummend fuhr die Tür auseinander und gab den Blick auf einen kleinen Eingangsbereich und ei-nen Lastenaufzug frei.  
„Los, rein da, aber seid leise und haltet die Augen offen. Vergesst nicht, dass es sich um Feindgebiet handelt“, flüsterte Chiron.  
 Wie selbstverständlich betrachteten sie die Konstrukteure dieser Stationen als Feinde. Kein Wunder, hatten sie doch um ihr Leben kämpfen müssen und stän-dig den Tod im Nacken.  
 Als alle eingetreten waren, schloss sich die Tür und es kehrte eine unheim¬liche Stille ein. Man hörte nicht mal mehr den Regen der von außen gegen das Stahlbauwerk klopfte. Tarja stellte sich vor den Aufzugsschacht und drückte den Rufknopf. Es ratterte und klapperte, als die Kabine sich näherte. Sie war durch Gittertüren abgesichert und diese mussten von Hand aufgezogen wer-den. Die Fahrt nach oben gestaltete sich als recht abenteuerlich und war ge-paart mit einer unvorstellbaren Geräuschkulisse und immer wiederkehrenden Erschütterungen der Kabine.  
„Sehr grobschlächtige Konstruktion“, grollte Finlay.   
„Ist halt nur ein primitiver Lastenaufzug. Wobei es auch mich wundert, dass ei-ne so hochentwickelte Technologie so etwas wie das hier zu lässt“, entgegnete Grey.   
 Sinja hatte ihn am Arm gepackt und hielt sich fest. Die Aufwärtsfahrt dauerte ganze zehn Minuten. Und manchmal hatten sie das Gefühl, dass der Aufzug gleich stecken bleiben würde. Mit einer starken Erschütterung hielt die Kabine schließlich an und Tarja und Kira zogen die Gittertüren auf.  
  
 Sie standen in einem großen Gang, der sich am Ende teilte und an deren En-den sich Türen befanden. Eine der Türen war relativ klein und sie trug die Auf-schrift Operations. Die zweite Tür war groß genug um den Mech hindurch zu lassen und trug die Aufschrift Landing and Cargo Bay.  
 Sie entschieden sich für die erstere Tür und kamen in einen großen Raum. Dieser war voll gestopft mit vielen bekannten Dingen, wie Computern, Moni-toren und Datenleitungen. Allerdings gab es einen gravierenden Unterschied zu den anderen Stationen. Dieser Raum hier hatte Fenster und man konnte den herrlichen Ausblick über die Rückseite des Planeten genießen. Durch ein anderes Fenster sah man in die Landungshalle, und da stand es.  
 Es war ein großes Schiff. Es wirkte gewaltig, hatte einen schlanken Rumpf, lan-ge und breite tragflächenartige Konstruktionen an den Seiten, welche in schmalen Längsträgern endeten. Es erweckte einen schnellen Eindruck, aber, dass es so schnell sein sollte, wie sie es gelesen hatten, konnte sich keiner vor-stellen.  
„Okay, wir sollten es uns hier bequem machen. Wie es aussieht ist ja wohl kei-ner weiter hier, außer uns natürlich“, sagte Cyron.  
 Sie hatten ihre Decken von der Urwaldstation mitgebracht und breiteten sie auf dem Boden aus. Kira, Pedro und Andrew begaben sich derweil in den Han-gar und somit zum Schiff. Sie umkreisten es fast ehrfürchtig und Kira strich mit ihrer rechten Hand über seine Oberfläche. Sie war spiegelblank, absolut eben und kalt.  
„Das soll also unser neues Zuhause werden“, sinnierte sie laut.  
„Wenn es das hält, was es verspricht, ja. Ansonsten sollten wir uns unseren Plan nochmal gut überlegen“, sagte Pedro.  
„Ich fliege auf jeden Fall“, sagte Andrew und sein Entschluss schien felsenfest zu stehen.  
„Dann komme ich auch mit. Egal was du sagst, aber ohne dich will ich nicht mehr leben“, entgegnete Kira und schaute ihm in die Augen.   
 Der Säbelzahnlöwe lächelte sie an und gab ihr einen hingebungsvollen Kuss.  
  
 Pedro rief plötzlich nach den beiden: „Kommt mal her, ich habe den Zugang gefunden.“  
 Augenblicklich standen sie neben ihm und Kira strahlte über das ganze Ge-sicht. „Volltreffer“, flüsterte sie.  
 Es handelte sich um einen Scanner, welcher die Form einer Hand hatte und scheinbar darauf ausgerichtet war, dass sich die Schleuse nur von einer Hand mit vier Fingern und einem sehr kurzen, weiter oben liegenden Daumen öffnen ließ.  
„Da haben wir aber Glück gehabt“, sagte die Luchsin mit einem Blick auf ihre Hände.   
  
 Sie legte ihre rechte Hand auf das Gerät und fauchend öffnete sich das Zu-gangsschott. Mit weit aufgerissenen Augen standen sie da und schauten ins In-nere.   
 Wieder einmal blickten sie in einen Raum. Es handelte sich dabei um den Frachtraum des Schiffes, an dessem Ende sich ein Gang fortsetzte. Sie betraten das Schiff und folgten diesem. Er war recht kurz und endete an einer Tür. Nachdem sie diese geöffnet hatten, erblickten sie einen weiteren, aber wesent-lich längeren Gang, von dem links und rechts weitere Türen abzweigten und der an seinem Ende ebenfalls von einer Tür begrenzt wurde.  
 „Türen, Türen, Türen und Gänge über Gänge“, murmelte Andrew, „Ich habe das Gefühl, dass die ganze Technik die wir sehen nur aus Gängen und Türen besteht. Zumindest haben wir nicht sehr viel anderes bisher gesehen, wenn man von anderen kleineren Sachen absieht.“  
 Kira musste kichern und Pedro knurrte, wobei man nicht beurteilen konnte, ob er zustimmte oder angesichts der zurückliegenden Gefechte eher ablehnte.  
 Sie liefen weiter, direkt auf die Tür zu, die sich am hinteren Ende des Gangs befand. Warum sie das taten, wussten sie nicht, aber sie wurden regelrecht von ihr angezogen. Kira öffnete sie und die drei standen an der Schwelle zur Kom-mandobrücke.  
„Volltreffer Nummer zwei“, triumphierte sie.  
 Sie setzte sich, wie selbstverständlich, auf den Sitz des Navigationsoffiziers und betrachtete die Schriftzeichen. Sie waren vollkommen fremdartig, aber ir-gendwie vertraut. Sie versuchte die Kontrollen einzuschalten. Nichts passierte.  
 „Kira an Technik. Kira an Technik. Technik bitte melden. Hallo Technik, jemand zu hause?“, ulkte sie herum und drehte sich grinsend zu Andrew.  
  
 Plötzlich erwachte das Schiff zum Leben und sie schraken zusammen.  
„Verdammt, was hast du getan?“, fragte Andrew unwirsch.  
„Ich? Ich habe gar nichts gemacht“, rechtfertigte sie sich, „Das Ding war es von allein.“  
„Entschuldige bitte, aber ich hatte mich erschreckt. Ich wollte nicht so grob re-agieren.“  
„Ist schon okay.“ Sie lächelte mild, „Aber das ist gut. Wir sollten die Gunst des Augenblickes nutzen und ein paar Sachen herausfinden.“  
 Andrew nickte und setzte sich auf den Platz des Piloten. Er tippte auf der Kon¬sole vor dem Sitz herum und aktivierte die verschiedensten Kontrollen.   
  
 Die anderen saßen derweil im OP-Zentrum und beobachteten die Vorgänge am Schiff, nachdem Kira, Andrew und Pedro darin verschwunden waren.  
 Zunächst war alles so wie sie es vorgefunden hatten und das Raumschiff ruh¬te friedlich auf dem Cargodeck. Jetzt, nur wenige Minuten später, schwebte es wenige Zentimeter über dem Boden, stand aber stabil in der Luft und war hell erleuchtet. Man erkannte die glänzende Oberfläche, verschiedene Schriftzüge und dass es eine durchgehende Reihe von Fenster besaß, hinter denen eben-falls die Beleuchtung aufflammte.  
 „Das sollten wir uns mal aus der Nähe ansehen“, stellte Cyron fest und zog alle Anwesenden mit sich.   
  
 Kurze Zeit später standen sie ebenfalls auf der Kommandobrücke.  
„Na, ihr drei. Was habt ihr heraus gefunden?“, fragte Cyron.  
„Heraus gefunden? Gibt es auch andere Fragen von dir? Raus gefunden, jetzt schon? Wir haben gerade mal herausbekommen wo sich die Energiezufuhr versteckt, wie man sie aktiviert, wie die Kontrollen aussehen und wie die Rech-ner arbeiten“, knurrte Kira.  
„Das ist doch schon mal was“, erwiderte Cyron in einem leicht entschuldigen-den Ton.  
  
 Nachdem sich alle ein Bild von der Brücke gemacht hatten, verließen die meisten sie wieder und untersuchten die Räume, welche vom Gang abzweig-ten. Es handelte sich ausnahmslos um Mannschaftsquartiere, einen Sanitätsbe-reich mit angeschlossenem Labor, eine Küche mit kleinem Speisesaal und an-geschlossenem Vorratsraum und eine Waffenkammer.  
„Wir haben etwas vergessen“, sagte Chiron.  
„Was denn?“, fragte seine Partnerin.  
„Wir haben nicht an Lebensmittel gedacht.“  
 Syrgon fing an zu lachen. „Ihr denkt wohl, dass wir umsonst hier sind. Wenn das Wetter besser ist, dann fahren Torus und ich runter und holen die Vorräte aus den Gleitern. Wenn ihr schon nicht daran gedacht habt, wir haben es.“  
 Ihnen fiel ein Stein vom Herzen. Somit schien das Problem der Versorgung gelöst zu sein.  
„So“, hub Kira an, „jetzt werde ich mal nach verwertbaren Daten schnüffeln.“   
 Sie klapperte auf der Tastatur ihres Laptops herum, welchen sie in der Zwi-schenzeit schon mit den Kontrollen verbunden hatte.   
  
 Es vergingen Minuten, Stunden, Tage und am Ende befanden sie sich drei Wochen in der Station und pendelten ständig zwischen den Räumen und dem Raumschiff.  
 Apophis hatte sich ebenfalls mit den Computern und Daten beschäftigt, dass Wissen und die Informationen förmlich aufgesogen und sich als extrem große Hilfe erwiesen. Es stellte sich sehr schnell heraus, dass er die Fähigkeit besitzt soeben erworbenes Wissen sofort umzusetzen und anhand von Fallbeispielen zu nutzen. Das war mehr als ungewöhnlich und übertraf alle Vermutungen, die seine Person betrafen. Tarja machte sich derweil Gedanken, ob man dem Schiff nicht einen Namen geben sollte.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 37  
  
 Taufe  
  
  
 Anfangs schüttelten alle den Kopf, aber sehr schnell lenkten sie ein.  
Immer nur vom Schiff zu sprechen war irgendwie uninteressant und ermüdend.   
 Also setzten sich Tarja und Andrew hin und tüftelten was aus. Am Ende über-raschten die beiden nicht nur mit dem Namen des Schiffs, sondern auch gleich mit dem passenden Schriftzug und einem Symbol auf der Außenhülle.   
„Anthros Voyage. Damit sind wir unverwechselbar“, sagten beide gleichzeitig.  
  
 Als weitere Wochen vergangen waren, hörte man Kira plötzlich über die inter-ne Kommunikationsfrequenz: „Ich habe etwas gefunden!“  
 Alle versammelten sich so schnell es ging auf der Schiffsbrücke.  
„Dann sprich zu uns, oh große Expertin“, intonierte Andrew.  
 Kira schaute ihn schief an und grinste mehrdeutig. „Warts ab! Zunächst was Gutes. Das Schiff ist tatsächlich dreißig Mal schneller als das Licht. Dann was Schlechtes. In Wirklichkeit ist das Schiff nur so schnell wie das Licht.“  
„Du sprichst in Rätseln, meine Liebe“, sagte Tarja.  
„Nicht unbedingt. Nicht, wenn man berücksichtigt, dass ein Schiff niemals schneller sein kann wie das Licht.“  
„Und was bedeutet das im Klartext?“, fragte Diana.  
„Im Klartext heißt das, dass die Reise zur Erde laut den verfügbaren Daten für uns dreißig Jahre dauert.“  
 Sie wurden alle plötzlich sehr blass um ihre Nasen. Das warf alles über den Haufen, die ganze Planung war zunichte gemacht. Wochen und Monate der Arbeit umsonst. Sie würden nie zur Erde kommen oder niemals ihre Freunde wieder sehen.  
„Aber wie zur Hölle, haben es die Menschen geschafft in annehmbaren Zeiten hierher zu kommen?“, fragte Sitara.  
„Ganz einfach“, erwiderte Kira. „Sie haben einen zusätzlichen Trick angewandt.“  
„Oh und der wäre?“  
„Sie benutzen einen Generator um den Raum interdimensional aufzufalten.“  
 Den Blicken sah man an, dass keiner verstand was Kira jetzt gesagt hatte.  
„Kannst du das bitte mal so ausdrücken, dass wir Deppen es auch verstehen?“, fragte Finlay und sprach damit für alle, außer Apophis.  
 Der drängte sich plötzlich vor und ergriff das Wort: „Es ist ganz einfach. Ein Raumschiff kann nicht schneller sein als sein eigenes Licht. Es kann sich zu kei-ner Zeit selbst überholen. Würde es schneller sein als das Licht, wäre die Mate-rie eher am Ziel als die von ihm ausgehenden visuell wahrnehmbaren Wellen-längen, also das Licht.“  
„Schön, das leuchtet jetzt ein. Aber das Schiff hier, fliegt angeblich dreißig Mal schneller. Also geht es doch.“  
„Nicht in Wirklichkeit. Es sei denn man versetzt nicht nur das Schiff, sondern auch den Rest des bekannten Universums in einen Zeitraffer.“  
 Man sah über den Köpfen langsam aber sicher Rauchschwaden aufsteigen.  
„Angenommen, wir würden mit Lichtgeschwindigkeit fliegen. Dann würde in-nerhalb unseres Schiffs die Zeit langsamer vergehen. Wir würden nur wenige Jahre altern, während der Rest um das Schiff herum dreißig Jahre älter wird.   
 Setzt man jedoch den genannten Generator ein, dann werden diese dreißig Jahre gerafft. Das Schiff bewegt sich am Ende nicht schneller als das Licht, aber die Zeit im Schiff und rundherum wird kürzer. Wenn ich Kira und auch die ver-fügbaren Daten richtig verstanden habe, dann brauchen wir zur Erde somit nur zwei Jahre und auch für unsere Umgebung vergehen nur zwei Jahre, wegen des genannten Effekts.“  
 Das war ein echter Hammer und kam dann auch noch aus dem Munde eines Tigerwelpen.   
 Cyron war verblüfft und schüttelte nur noch den Kopf.„Gut, also brauchen wir zur Erde nur zwei Jahre und auch auf Genro vergehen nur zwei Jahre. Das be-deutet, dass wir insgesamt vier Jahre unterwegs wären.“  
 Apophis und Kira nickten gleichzeitig.  
„Aber, wenn dem so ist, dann würde der Einsatz dieses Antriebs doch bedeu-ten, dass jedes Mal, wenn er aktiviert würde dem Weltall Zeit gestohlen wird“, überlegte Sinja.  
„Genau und zwar genau die Zeit, in welcher der Antrieb aktiviert ist“, ergänzte Grey ihren Gedanken.  
 Plötzlich entgleisten Chiron die Gesichtszüge. „Der Antrieb war schonmal in Betrieb und zwar vor etwa sechshundert Jahren.“  
 Stella schaute ihn schief an und riss die Augen auf.  
„Dann sind unserer Entwicklung Jahrzehnte gestohlen worden.“  
 Apophis nickte bestätigend. „Du hast vollkommen Recht. Wir haben somit nicht das Jahr 3000, sondern schon das Jahr 3030 oder noch darüber hinaus, wenn man die erlebten zwei Jahre abzieht und davon absieht, dass wir nicht wissen wie oft dieser Generator im Einsatz war.“  
„Aber wir brauchen uns darüber nicht aufzuregen. Diese dreißig Jahre fehlen überall und keiner vermisst sie, weil es keiner weiß. Außer uns natürlich“, warf Kira ein. „Aber da wir schon beim Zeitklau sind, werde ich den Bordcomputer mal fragen wo er denn überall schon war und wie lange der Antrieb in Betrieb war. Dann können wir uns ein genaueres Bild machen.“  
„Dann mach das mal. Ich bin schon sehr gespannt“, entgegnete Andrew auf-munternd.  
 Die Luchsin setzte sich an ihren Laptop und durchforstete die Daten, suchte mal hier und mal da, machte sich kleinere Notizen und fing kurz an zu rechnen, dann drehte sie sich zu den anderen und machte ein finsteres Gesicht.  
 „Was hast du?“, fragte Chiron besorgt.  
„Das wird keinem von uns gefallen, aber so wie es aussieht war das Schiff mehrmals unterwegs“, hub sie an.  
„Sprich dich ruhig aus. Wir sind Kummer gewohnt“, forderte Cyron sie auf.  
„Zum einen war es zweimal im erdnahen Raum, dabei gingen pro Flug knapp 50 Jahre drauf, also insgesamt und ganz genau 180 Jahre. Des Weiteren war es in einem System namens Cygnus Eridani, da hat der Generator umgerechnet 258 Jahre verbrannt. Macht alles in allem einen universellen Zeitverlust von 438 Jahren“, schloss Kira ab.  
 Jetzt sah man einige Minuten lange Gesichter und es herrschte betretenes Schweigen.   
 Als erster fand Cyron seine Stimme wieder. „Okay“, sagte er und klatschte in die Hände, „man hat allen Lebewesen 438 Jahre geklaut und wir machen jetzt weiter und bringen es mal gerade auf 30 hin und 30 zurück. Aber, was bringt es uns das zu wissen und uns vielleicht noch darüber aufzuregen. Die Technik funktioniert und bringt uns in zwei Jahren zur Erde und in zwei Jahren wieder zurück. Überall vergehen insgesamt nur vier Jahre und das ist es was am Ende zählt. Keiner nimmt wirklich Schaden daran.“  
 „Und wir beteiligen uns genauso am Zeitklau wie die Menschen. Nur mit dem Unterschied, dass wir am Ende für das verschwinden von mindestens sechzig Jahren verantwortlich sind. Ein gutes Jahrhundert einfach verschwunden“, schloss Grey.  
 Betroffenheit machte sich wieder auf allen Gesichtern breit. Konnten sie es wirklich wagen und selbst ihre eigene Entwicklung dermaßen blockieren? Mehr als ein halbes Jahrhundert würde spurlos verschwinden und das war kein Pap-penstiel. Andererseits würde es keiner merken, die Zeit würde niemand vermis-sen.  
„Okay Freunde, lasst es uns angehen. Wir haben ein Ziel und davon sollte uns nichts abhalten. Immerhin sorgen wir dafür, dass auch den Menschen 60 Jahre fehlen“, sagte Cyron aufmunternd.  
 Die anderen überlegten kurz und stimmten schließlich zu. Egal wie sie es drehten, es kam am Ende immer das gleiche Ergebnis raus. Würden sie nur mit Lichtgeschwindigkeit fliegen, dann würden sie für alle Außenstehenden dreißig Jahre benötigen und selbst würden sie es innerhalb ihrer eigenen Lebens-spanne auch nicht schaffen. Würden sie den Generator einsetzen, dann würde der Flug zur Erde und zurück gelingen und auch ihre Freunde würden sie wie-dersehen. Der einzige Unterschied wäre der, dass sie mit dem Wissen leben würden, dass sie dem ganzen Weltall gute 60 Jahre schulden.  
  
 Sobald das Wetter sich in erträglichen Maßen hielt, schnappten sich Torus und Syrgon einen der Gleiter und flogen auf die Jagd. Nach und nach ergänz-ten sie die Bestände und der Vorratsraum füllte sich. Als sie fertig waren, stell-ten sie jedoch fest, dass Essen und Getränke lediglich für acht Monate reichen würden und das war trotz allem zu wenig.  
 „Cyron, wir müssen noch mal weg. Unsere Nahrungsmittelvorräte sind zu knapp. Sie reichen nicht mal für ein ganzes Jahr aus und wir benötigen sie mindestens für den angegebenen Zeitraum“, sagte der Wolf.  
 Cyron kam ins Grübeln. „Hmhm, ohne geht’s nicht. Meinetwegen. Seht zu, dass ihr noch Wild erlegt und es her schafft.“  
  
 „Moment, meine Lieben. Ich habe gerade in einem Seitenraum etwas Interes-santes gefunden, was einiges in unserer Planung ändern dürfte. Vor allem aber was die Nahrungsmittelmengen betrifft, die wir mitnehmen müssen“, mischte sich Kira ein.  
 Die beiden sahen sich an und begleiteten die Luchsin. Die ging zielstrebig auf eine der Türen zu. Zischend öffnete sich diese und sie trat in den dahinterlie-genden Raum. „Da. Seht euch das mal an und sagt was ihr denkt.“  
 „Hmmm … ja … also“, begann Syrgon, „Die Dinger sehen aus wie Betten, aller-dings unter einer Glashaube.“  
„Das nenne ich eine präzise Beschreibung“, kicherte Cyron, „Aber Kira wird uns bestimmt gleich sagen, was genau wir hier sehen.“  
 „Japp, das habe ich vor. Ihr seht da Kälteschlafkammern. Es sind exakt dreißig Stück. Das Schiff hat aufgrund seiner maschinellen Ausrüstung einen begrenz-ten Laderaum und damit konnte nie genügend Nahrung für die ganze Besat-zung transportiert werden. Das war und ist, logischerweise ein Problem. Also entschied man sich für den Einbau dieser Kälteschlafkammern. Der größte Teil der Mannschaft konnte auf diese Art und Weise zum Ziel gelangen, musste aber bei der Bevorratung nicht berücksichtigt werden.“  
 „Aha. Und wie funktionieren die Dinger?“, fragte Sinja, die sich angeschlichen hatte und in Begleitung von Stella erschienen war.  
„Huch“, sagte Syrgon, „Ihr könnt euch vielleicht anschleichen.“  
 Sie grinsten und schauten neugierig auf die Kammern und zu Kira.   
„Derjenige der tiefgekühlt werden soll, legt sich auf das Bett, die Kammer wird geschlossen und versiegelt, anschließend wird der Innenraum mit einem sehr kalten Gas geflutet. Die Person im Innenraum fällt in einen tiefen Schlaf, ihre Lebensfunktionen werden auf ein Minimum reduziert, er stirbt jedoch nicht. Seine Körperfunktionen werden durch einen autonomen Rechner überwacht und Diskrepanzen ausgeglichen. Am Ziel der Reise wird das Gas abgesaugt, die Person langsam erwärmt und somit wiederbelebt. Ernähert wird er während dieser Zeit über eine Kanüle und direkt über das Blut. Mehr benötigt er nicht.“  
 Das war verblüffend und löste ihr Nahrungsmittelproblem auf der Stelle.  
  
„Dann würde ich sagen“, setzte Cyron an, „dass Kira und Andrew sowie Tarja, Apophis, Chiron und ich munter bleiben, während der Rest sich schlafen legt.“  
 Stella überlegte kurz. „Du solltest dich auch schlafen legen und nicht den starken Kater spielen“, erwiderte sie.  
 Cyron grummelte mal wieder etwas unverständliches, denn darin war er wirk-lich gut.  
„Grummle nicht, Liebster“, sagte Stella bestimmt. Sie war mittlerweile direkt hinter ihn getreten. „Du wirst mich doch nicht etwa wirklich allein in den kalten Halbtot schicken wollen?“   
 Cyron seufzte. „Du hast ja Recht. Die fünf können das Schiff auch ohne uns fliegen. – Okay, gehen wir kurz nach dem Start schlafen.“  
„Nein, am besten noch vor dem Start. Wir müssen sicher sein können, dass die Kammern auch korrekt funktionieren. Sind wir erstmal gestartet und stellen dann fest, dass die Dinger nicht funktionieren, haben wir ein wirklich ernstes Problem am Hals“, gab Kira zu bedenken.   
 Ihre Zuhörer nickten eifrig, denn die Luchsin hatte absolut Recht.  
„Gut, dann seht zu, dass wir einen Kurs zur Erde programmiert kriegen. Die an-deren und auch meine Wenigkeit werden derweil das Schiff beladen. Zeit unse-ren Möchtegernschöpfern gegenüber zu treten.“  
 Gesagt, getan.   
  
 Kira fand dank ihres Laptops und eines arbeitsfreudigen Schiffscomputers sehr schnell die benötigten Koordinaten und ließ einen Kurs errechnen. Die Flugzeit betrug bei nomineller Energieversorgung, maximaler Schubleistung und bei der momentanen Beladung ein Jahr und fünf Monate. Damit waren sie sogar noch schneller als ursprünglich angenommen.   
 Kira freute sich darauf interessante Gespräche mit Apophis zu führen. Der kleine Säbelzahntiger hatte ein extrem helles Köpfchen und eine unglaublich schnelle Auffassungsgabe. Das faszinierte sie und sie hatte auch mehr als aus-reichend Zeit sich mit ihrem Liebsten zu befassen, sich um ihn zu kümmern, ihn zu verwöhnen und sich von ihm verwöhnen zu lassen. Immerhin waren die bei¬den immer noch frisch verliebt und hatten Schmetterlinge im Bauch. Außerdem störten sie dann auch niemanden, und das musste redlich genutzt werden.   
 Tarja und Chiron freuten sich ebenfalls auf ihre Ungestörtheit und auch da-rauf sich ausgiebig mit ihrem Sohn beschäftigen zu können.  
  
 Kira trat in den Frachtraum, sah sich um, entdeckte Cyron, Syrgon und Torus und ging auf sie zu.   
„Okay, Kater, Rüde und Stier. Wenn ihr alles verladen habt, dann kann es los-gehen. Der Kurs ist programmiert und sollte uns in nicht mal zwei Jahren zur Erde führen.“ Sie lächelte begeistert und ihre Begeisterung wurde erwidert.  
„Das klingt wie Musik in meinen Ohren“, sagte Syrgon.  
„Wir haben alles verstaut. Der Mech ist an der Seitenwand verankert und gesi-chert. Wir haben noch zwei Laderoboter entdeckt und sie für das Verladen der Fracht genutzt. Dadurch ging alles wesentlich schneller als geplant. Der Vor-ratsraum ist aufgefüllt und sollte euch Fünfen für etwa 2 ½ Jahre Nahrungs-mittel spendieren können“, ergänzte Torus.  
„Okay, dann ist es wirklich Zeit geworden. Machen wir uns auf den Weg“, be-stimmte die Luchsin.  
 Der Stier ging zur Frachtluke und betätigte den Schließmechanismus. Fau-chend schloss sich das Schott. Das Schiff war hermetisch abgeriegelt und somit startklar. Wenige Minuten später hatten sich alle in der Kälteschlafabtei¬lung eingefunden.   
 Apophis und Kira standen in vorderster Front und Torus legte sich bereitwillig als Versuchskaninchen auf eines der Betten.  
 Kira legte ihm die Überwachungssonden an den Körper. Der Rechner nahm seine Lebensdaten auf und stellte sich automatisch auf ihn ein. Apophis schloss die Glaskabine und verriegelte sie, anschließend leitete er den Tiefschlafvor-gang ein.   
 Torus sah sich nervös um und sah plötzlich sehr unglücklich aus. Er schien Be-klemmungen zu bekommen, versuchte aber ruhig zu bleiben. Nach zehn Minu¬ten sah man auf dem Kontrollmonitor der Kammer, dass der Stier tief und fest schlief. Seine Lebensfunktionen waren sehr stark reduziert, aber er lebte.  
 Die anderen sahen zunächst beunruhigt zu. Die Nervosität gab sich aber rasch, als sie das Endergebnis sahen. Somit wanderte einer nach dem anderen in die Betten und ließ sich vom Schlaf gefangen nehmen.  
„Vergesst uns bloß nicht“, sagte Cyron noch schnell, bevor auch er erstarrte und wie leblos auf dem Laken ruhte.   
 Die Übriggebliebenen gingen zur Brücke. Sie hatten jetzt den schwierigsten Teil der Reise übernommen. Kira setzte sich an die Navigation, Apophis an die Leittechnik, Andrew in den Pilotensitz und Tarja und Chiron teilten sich die Sta-tionen für die Energie und die Verteidigung.  
„Alles fertig?“, fragte Andrew betont männlich.   
 Alle stimmten zu.  
„Gut, dann machen wir uns auf den Weg“, er sah sich kurz um, hob theatralisch einen Arm und zeigte mit ausgestrecktem Zeigefinger in Richtung des Daches, „Kira - bringen sie uns hier raus.“  
 Die Luchsin drehte sich zu ihm um und verdrehte die Augen. „Aye, Captain!“, sagte sie tief durchatmend, tippte ein paar Zahlencodes auf der Steuerungs-konsole ein und krachend öffnete sich das Dach der Station. Die Triebwerke des Schiffes wurden hochgefahren. Unter leichtem Beben erhob es sich, verließ seinen Ruheplatz, stieß durch die Öffnung ins Freie, fing die letzten Sonnen-strahlen des vergehenden Tages ein und startete in den nunmehr azurblauen Himmel.   
 Das Schiff flog noch eine ganze Zeit durch die Planetenatmosphäre.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 38  
  
 Start  
  
  
 Nach Wochen der Ruhe in allen Städten und Gegenden hörte man ein unge-wöhnlich lautes Geräusch. Keiner hatte es bisher je gehört, aber alle wussten was es zu bedeuten hatte.   
 In allen Siedlungen von Genro hörte man ein dumpfes Dröhnen und die Be-wohner des Planeten traten auf die Straßen. Sie richteten ihre Blicke gen Him-mel und sahen die spiegelnde Silhouette des Raumschiffs am Himmel entlang gleiten, welches immer höher stieg, bis es letztendlich in den Wolken ver-schwand.  
 Die Freunde der frischgebackenen Raumfahrer jubelten und klatschten in die Hände.   
 Groodarn lag vor seiner Felshöhle und schaute auch gen Himmel, seufzte lei-se. ‚Nun dann, Tiger Cyron und alle anderen. Kommt gesund zurück.’  
 „Die Götter mögen ihnen helfen, sie beschützen und sicher zu uns zurück-bringen“, sagte Shiva leise, an Pathenon gewandt.   
 Der Tiger hatte plötzlich einen Kloß im Hals und musste schlucken. Er umarm-te seine Gefährtin und drückte sie fest an sich. „Sie werden zurückkehren“, be-ruhigte er sie und sich selbst.  
  
  
„Na, das hat ja ausgesprochen gut geklappt“, stellte Kira fest, „Wir sind auf Kurs und ich übergebe an den Autopiloten.“  
 Ein leiser Piepton bestätigte die Übernahme und die Luchsin lehnte sich ent-spannt zurück. Sie sahen aus den Fenstern an Steuerbord und waren vom An-blick ihres Planeten überwältigt.  
„Kein Chafren hat ihn jemals so gesehen“, flüsterte Tarja so leise, als ob sie Angst hätte, dass ein lautes Geräusch alles verschwinden lassen würde.  
  
 Das Schiff beschleunigte rasend schnell und ihre Heimatwelt verschwand in der Dunkelheit des Alls.  
„Jetzt heißt es Geduld üben, die Systeme überprüfen und Tag für Tag nichts tun“, resignierte Chiron.  
„Eh, du komischer Kater. Genieße die Aussicht. Schau dir die fremden Sterne an und genieße meine Anwesenheit“, grollte Tarja.   
 Er zuckte zusammen, sah seine Geliebte an und sah, dass sie ihn freundlich anlächelte.  
„Du hast ja Recht, meine zauberhafte Tigerin. Ich werde deine Streifen Tag für Tag durchzählen und wehe es fehlt mal einer.“ Er zwinkerte ihr verschmitzt zu.  
„Und ich werde Andrews Haare zählen“, ergänzte Kira mit einem Seitenblick auf ihn.  
 Der schien rot anzulaufen, zumindest bekam seine Nasenspitze eine kräftige¬re Färbung als gewöhnlich.  
 Plötzlich vibrierte das Schiff. Erschrocken sahen sich alle um und starrten zum Stirnfenster hinaus. Der Generator zur Raumfaltung hatte seinen Betrieb aufge-nommen und die Sterne schienen zunächst zu verblassen. Dann bekamen sie plötzlich überzogen kräftige Farben und es bildeten sich wellenförmige Muster in ihrem Licht.   
 Nach wenigen Sekunden war das Spektakel vorbei und alles schien so zu sein wie vorher. Lediglich zwei Uhren, die nebeneinander in der Navigationskonsole eingelassen waren zeigten an, dass das Unglaubliche passierte. Die linke der beiden Uhren lief mit der gewohnten Geschwindigkeit weiter und zeigte die aktuelle Zeit an, die Uhr rechts daneben, hatte gleichzeitig eine Datums-funktion integriert. Diese Uhr schien zu rasen und man konnte den Zahlen auf ihrem Display kaum folgen.  
 „Wir fliegen jetzt mit dreißigfacher Lichtgeschwindigkeit“, sagte Kira feierlich, „Willkommen in der Zukunft, wo das Übermorgen schon das Gestern ist.“ Sie legte die Ohren an und starrte ungläubig auf die Chronometer. „Das ist wirklich beeindruckend und beunruhigend zugleich.“  
  
 „Was ist nicht beeindruckend für uns, wenn man bedenkt, dass unsere Zivili-sation lediglich gute sechshundert Jahre alt ist und unsere ganze Litanei über unsere Götter ein Mythos. Ich finde, dass wir ziemlich gelassen mit den Tatsa-chen umgehen und uns bisher ganz gut halten“, sagte Tarja.  
 Andrew sah erst zu Kira, dann zu Tarja und bestätigte ihre Worte mit einem kurzen Augenschlag. Kira sah aus dem Frontfenster und ergötzte sich am An-blick der Sterne und des Sonnensystems, welches sie gerade durchflogen.   
„Ob es noch mehr fremde Spezies hier draußen gibt? Abgesehen jetzt von uns, den Menschen und diesen Cherit“, sinnierte sie.  
„Das ist mit Sicherheit so. Es wäre töricht anzunehmen, dass wir alle ein Einzel-fall sind“, sagte Andrew und kratzte sich am linken Ohr, „Wobei wir ja eher künstlich und nicht auf dem Wege der natürlichen Entwicklung entstanden sind.“  
„Ich sage einfach mal frei heraus, dass wir vielleicht natürlich entstanden sind, wenn auch mit einem kleinen Umweg“, warf Apophis ein. „Außerdem kommt es mir komisch vor, dass wir so schnell gelernt haben das Schiff zu steuern.“  
„Was meinst du denn damit?“, fragte Chiron.  
„Ganz einfach“, entgegnete Apophis. „Wir kommen hier an, sehen das Schiff, öffnen es ganz selbstverständlich, sehen unbekannte Schriftzeichen auf den Konsolen und erahnen was sie zu bedeuten haben und das alles ohne auch nur eine längere Überlegung zu verschwenden. Ich weiß nicht genau warum, aber diese Zeichen kommen mir irgendwie bekannt vor.“  
 Sie fielen ins Grübeln.   
Kira blickte ihren Säbelzahnlöwen aus zusammengekniffenen Augen an. „Wenn das stimmt, sind wir vielleicht echte Lebewesen und stammen nicht einfach nur aus den Reagenzgläsern der Menschen. Dann ist unsere Zivilisation sehr viel äl-ter und wir sind vielleicht im Begriff ehemaligen Feinden in die Hände zu fal-len.“  
„Genau das ist das Problem. Ich sprach von einem vielleicht und nicht davon, dass es so sein muss“, entgegnete Apophis.  
„Deine Hypothese ist zwar sehr kühn, entbehrt aber nicht einer gewissen Logik. Allerdings tauchen da Ungereimtheiten mit den Aufzeichnungen und Daten in der Urwaldbasis auf“, mischte sich Cyron ein.  
„Und genau deshalb sind wir auf dem Weg zur Erde. Ich denke, dass es dort eine Menge Antworten geben wird“, sagte Tarja, stand auf und ging in die Schiffsküche.   
 Sie machte sich einen Kaffee, ein saftiges Steak und kehrte zu den anderen zurück. Die bekamen bei dem verlockenden Duft eine lange Nase, verließen plötzlich und fluchtartig die Brücke. Nach kurzer Zeit kehrten alle mit den glei-chen Sachen zurück und stillten ihren Hunger.  
„Wenn ich es recht überlege“, sagte die Tigerin, „sollten wir auch in die Kälte-schlafkammern gehen. Wir können eigentlich nichts tun, außer aus den Fens-tern zu starren und uns den Kopf über Sachen zu zerbrechen auf die wir so kei-ne Antworten finden.“  
 Sie stimmten ihrer Idee zu, kontrollierten noch mal die Anzeigen und den all-gemeinen Status ihres Schiffs und begaben sich in die Kälteschlafabteilung.   
 Andrew erklärte sich bereit als letzter zu Bett zu gehen und legte einen nach dem anderen schlafen. Er selbst legte sich die Ernährungskanülen an, schloss die Glaskammer von innen und ließ den Computer die Verriegelung einrasten. Nach zehn Minuten versank die Besatzung der Anthros Voyage komplett im Kälteschlaf und nur der Bordrechner blieb wach, korrigierte Kurs und Ge-schwindigkeit.  
  
 Nach fast 1 ½ Jahren war es soweit.   
 Die Erde war in greifbarer Nähe und der Computer gab den Weckruf. Einer nach dem anderen wurde wiederbelebt und streckte die müden Glieder.  
„Guten Morgen, ihr Schlafmützen“, sagte Kira.  
„Oh, du bist schon wach?“, fragte Cyron erstaunt.  
„Ja, der Computer hat mich zehn Stunden vor euch aus dem Bett geholt. Ich musste den Kurs manuell nachregeln und jetzt sind es nur noch zwanzig Stun-den bis zum Eintritt in den erdnahen Raum.“  
 Andrew gähnte herzhaft. „Hat schon jemand versucht mit uns Kontakt aufzu-nehmen?“  
„Nein. Bisher noch nicht. Der Kommunikationscomputer scannt ständig alle Frequenzbereiche, aber bisher ist alles ruhig.“  
„Vielleicht erwartet man von uns den ersten Schritt?“  
„Das mag durchaus sein, aber damit wollte ich warten, bis ihr auch geweckt wurdet. Ich habe nämlich keine Lust ganz allein den Erstkontakt herzustellen.   
 Außerdem bin ich nachher die Dumme, wenn’s schief geht und darf mir das Gejammer anhören. Und immerhin ist es durchaus möglich, dass wir wirklich von den Cherit abstammen und die waren nicht nur vor tausend Jahren Kriegs-gegner der Menschen, sondern vor längerer Zeit auch schon mal auf der Erde.“  
 Andrew kicherte vor sich hin.  
 Tarja rieb sich den Schlaf aus den Augen, sah sich um und erschrak. Im Raum schien ein ihr unbekannter Säbelzahntiger zu stehen.  
„Apophis?“, fragte sie vorsichtig.  
„Ja Mutter? Ist dir nicht gut?“  
 Jetzt drehten sich alle zu ihm um. Auch seine Körperfunktionen waren wäh-rend der Kälteschlafphase reduziert gewesen, aber das hatte seine mutierten Gene nicht davon abgehalten munter weiter an seiner körperlichen Entwick-lung zu arbeiten. Und sie waren in der Kürze extrem fleißig gewesen.   
 Vom Aussehen her, hatte man das Gefühl einen achtzehn Jahre alten Tiger-kater vor sich zu haben, dabei war er in Wirklichkeit mal gerade 2 ½ Jahre alt. Es hatte sich bei ihm ein sehr kräftiger Wangenbart gebildet und es zeigte sich auf seinem Kopf eine üppige Behaarung. Die musste er von seiner Mutter ha-ben, denn Chiron besaß keine, zumindest nur das normale Fell. Außerdem wa-ren seine Streifen sehr stark nachgedunkelt und dominierten eindeutig sein Aussehen. Er hatte strahlend blaue Augen, eine für Tiger untypische schwarze Nase und verdammt lange Säbelzähne bekommen. Sein Körper wirkte sehr athletisch und durchtrainiert. Er sah einfach perfekt aus und würde die Herzen der Kätzinnen reihenweise erobern.   
 Stella seufzte bei seinem Anblick, schaute zu ihrem Männchen und lächelte. Sie war Stolz auf ihre ganze Familie und das sah man ihr in diesem Augenblick deutlich an.  
„So, Leute. Wir sollten uns in Schwung bringen. Wir stehen kurz vor der Erdum-laufbahn, haben bisher noch keinen Kontakt, dürften aber schon entdeckt wor-den sein“, sagte Cyron bestimmend.  
 Kira und Andrew begaben sich an die Navigation- und Kommunikationskon-solen. Alle anderen mussten erst einmal was essen und trinken und begaben sich schnellen Schrittes in den Speisesaal. Sitara und Finlay bereiteten eilig Mahlzeiten zu, servierten sie und hauten dann selbst tüchtig rein.   
 Andrew hatte keinen rechten Hunger und bemühte sich derweil die Suche nach einer aktiven Funkfrequenz zu intensivieren, aber bisher war alles verge-bens. „Die haben uns garantiert schon entdeckt, ignorieren uns aber bewusst“, sagte er.  
„Warum sollten sie das tun? Das ergibt doch keinen Sinn. Wenn ich Mensch wäre und es würde ein Raumschiff in mein Gebiet eindringen, dann würde ich Kontakt herstellen und zunächst wissen wollen, woher es kommt und was es will.“  
 Andrew schüttelte den Kopf. „Du würdest es so machen. Aber nicht Men-schen. Meine Erfahrungen mit ihnen haben bei mir ein anderes Bild geprägt.“  
„Und das wäre?“  
„Sie sind aggressiv und primitiv. Sie fragen selten, sehen überall nur Feinde und Bedrohungen. Sie warten im Verborgenen und schlagen plötzlich und ohne jede Vorwarnung zu. Ihr Verhalten ist sehr bedauerlich und ich frage mich immer wieder, wie sie es geschafft haben, einen so extrem hohen techno-logischen Stand zu erreichen.“  
„Vielleicht hast du nur mit den falschen Exemplaren Kontakt gehabt?“  
„Das kann sein. Allerdings war die überwiegende Menge von ihnen genauso, wie ich es eben sagte. Ich bezweifle sehr stark, dass es auf ihrer Heimatwelt an-dersherum sein sollte.“  
 Kira versuchte Andrew zu verstehen und entgegnete nichts. Der Säbelzahnlö-we scannte weiter auf allen Frequenzbändern herum. Sie waren weiterhin stumm.  
  
 Plötzlich gab es einen dumpfen Knall und das Schiff vibrierte.  
„Verdammt, was war das denn?“, rief Kira.  
„Wir haben einen Druckverlust in der Tiefschlafsektion. Irgendwas hat uns ge-troffen und den Schiffsrumpf beschädigt“, schrie Andrew zurück.  
 Die Tür zur Kommandozentrale ging auf und der Rest der kleinen Gruppe rannte herein.  
„Was ist passiert?“, schrie Apophis.  
„Irgendwas hat unsere Außenhülle getroffen und die Tiefschlafsektion beschä-digt. Die Tür dorthin wurde vom Computer versiegelt und ein weiterer Druck-verlust verhindert“, rief Kira, hielt ihren Blick aber auf die Navigationskontrollen fixiert.  
„Da haben wir aber Glück gehabt, dass wir alle schon wach sind.“  
 Es gab einen erneuten Knall und wieder erbebte das Schiff.  
„Scheiße“, bellte Cyron, „Das ist doch nicht normal und sieht nach einem An-griff aus.“   
 Kira sah betroffen zu Andrew. Der nickte nur und fühlte sich in seinen Aussa-gen bestätigt. Wieder erfolgte ein Treffer und wieder musste der Computer ei-nen Teil des Schiffes als beschädigt registrieren und hermetisch versiegeln.  
„Die nehmen uns auseinander“, flüsterte Syrgon.  
„Aber warum? Was soll der Blödsinn?“  
„Keine Ahnung“, sagte Kira.  
„Vielleicht haben wir was falsch gemacht.“  
„Was sollten wir denn falsch gemacht haben?“, fragte Wotan.  
„Bestimmt ist Kira nach links, anstatt nach rechts abgebogen und wir haben ei-nes ihrer Gesetze missachtet“, grollte Sirius.   
 Kira drehte sich zu ihm um. „Das war jetzt echt witzig, bringt uns aber kein Stück weiter. Ich lache darüber, wenn ich Zeit habe.“ Sie legte die Ohren flach an den Kopf und fauchte den Rüden an.  
„Vielleicht haben wir was übersehen“, beschwichtigte Andrew.  
„Was sollte das sein?“, zischte Kira.  
„Das Schiff ist alt. Es kann doch sein, dass die Menschen mittlerweile eine an-dere Kommunikationsmethode verwenden, als zu der Zeit in der das Schiff mo-dern war. Vielleicht ist aber auch die Schiffsform bekannt und als feindlich klas-sifiziert worden.“  
 Das leuchtete ein. Sie sahen aus den Seitenfenstern und hofften irgendwo ein fremdes Schiff zu sehen. Sie suchten intensiv jeden einzusehenden Zentimeter ab und wurden fündig.  
„Da“, schrie Sitara, „Ich habe sie gefunden.“  
 Alle rannten zu ihr und blickten in die Richtung, in die die Leopardin zeigte.   
 Tatsächlich, drei kleine, schlanke und extrem wendig anmutende Kampfschif-fe. So wie sie gebaut waren, fand nur ein Pilot in ihnen Platz. Allerhöchstens aber noch ein zweiter Mensch, der wahrscheinlich für die Waffen zuständig war.   
 Und noch eins fiel allen sofort auf. Die fremden Schiffe strotzten nur so vor Waffen. Sie waren alle an den Schiffshüllen montiert und sollten definitiv einen Zweck erfüllen. Sie sollten eventuelle Angreifer einschüchtern und demoralisie-ren.  
„Das ist reines Imponiergehabe, was wir da sehen“, sagte Apophis.  
„Das glaub ich einfach nicht“, entgegnete Sinja.  
„Genau“, ergänzte Grey. „Wenn die gewollt hätten, dann wären wir schon längst tot.“  
„Er hat Recht, der Angriff war garantiert nur Einschüchterungstaktik“, bestätigte Diana die Äußerung des Säbelzahntigers.  
„Aber warum das Ganze?“  
„Ich sagte doch, Imponiergehabe. Erschüttere den potentiellen Gegner, demo-ralisiere ihn so sehr, dass er gar nicht erst auf die Idee kommt anzugreifen. Der Angriff war eine reine Überlegenheitsdemonstration“, antwortete Apophis auf die Frage seiner Mutter.  
„Das ist dann aber wirklich primitiv und eine glatte Verschwendung von wert-voller Energie“, entgegnete die Tigerin.  
 Apophis zuckte mit den Schulter. „Die denken wohl anders darüber.“  
  
 Ein Rauschen im Lautsprecher des Funkgerätes unterbrach ihre Gedanken-gänge.  
&lt;„Fremdes Raumschiff. Hier spricht Leutnant Fletcher, vom Kommando der Vereinigten Erdstreitkräfte. Sie sind als Cheritkreuzer mit dem Namen Anthros Voyage identifiziert worden. Dieses Schiff ist vor 600 Jahren auf einem unserer Außenplaneten gelandet und hat mehrere Posten und Stationen angegriffen und zerstört. Seither ist dieser Sektor zum Sperrgebiet erklärt worden.   
 Wir betrachten dies und ihr Eintreffen hier, als kriegerischen Akt. Betrachten sie sich als Gefangene der Vereinigten Staaten von Amerika. Jeder Widerstand ist zwecklos. Ein Fluchtversuch wird mit ihrer sofortigen Zerstörung geahndet. Schalten sie ihr Schiff auf meinen Navigationscomputer, dafür gebe ich ihnen eine Minute Zeit. Sollte die Kontrolle nicht übergeben werden, eröffnen wir wieder das Feuer. Fletcher, Ende.“&gt;  
 „Na toll“, sagte Cyron und klatschte entgeistert in die Hände. „Das sind also Menschen? Das sind Götter? Das sind götterlose Bastarde. Die schwören nur auf ihre Technik und sind im Hirn irgendwo im Nirwana geblieben.“ Cyron fing an sich aufzuregen.   
 Apophis klopfte ihm auf die Schulter: „Willkommen in der Realität, Großvater.“  
 Er beruhigte sich wieder und schaute zu Boden. „Wir hätten mit dem Hintern zuhause bleiben sollen. Ich habe Schuld, wenn wir jetzt alle draufgehen.“  
„Lass die Schuldzuweisungen. Dafür haben wir jetzt keine Zeit“, wetterte Stella. „Wir sollten uns stattdessen lieber überlegen, wie wir aus der Sache unbescha-det herauskommen.“  
„Unbeschadet wird es eh nichts mehr werden. Immerhin haben wir zwei versie-gelte Sektionen und einen wunderschönen Streifschuss“, sinnierte Kira.  
„Apropos Streifschuss“, warf Syrgon ein. „Laut der Aussagen gerade eben, soll unser Schiff angeblich die Stationen auf Genro angegriffen haben. Aber ist euch aufgefallen, dass es weder an den Anlagen, noch am Schiff selbst Schä-den gab? Abgesehen von den Einschusslöchern an den Innenwänden durch die Maschinenkanonen der Kampfeinheiten.“  
 „Immerhin sind jetzt drei Fragen schon mal geklärt“, sagte Apophis. „Erstens, ist die Basis vor sechshundert Jahren angegriffen worden und nicht, wie ei-gentlich korrekt, schon vor 800 Jahren. Also hat dieser Zeitraffereffekt, um es salopp auszudrücken, tatsächlich eine universelle Auswirkung. Zweitens, der Generator war mehr als nur einmal in Betrieb und daher fehlt allen eine Zeit-spanne von mindestens 200 Jahren. Und drittens, wir sind wie es aussieht Cherit und werden auch als solche behandelt. Der Angriff auf uns macht mich allerdings nachdenklich.   
 Laut dem was wir wissen existiert ein Friedensvertrag zwischen allen, aber auf Wesen denen man traut, feuert man nicht. Ich fürchte wir geraten gerade zwi-schen die Fronten und der Friedensvertrag ist nur ein Vorwand. Wir sollten auf-passen und versuchen die Seiten abzuklären. Vielleicht können wir einen neuen Angriff der Menschen auf die Cherit sogar vereiteln.“  
 Andrew wurde aktiv und ging ans Funkgerät. &lt;„Leutnant Fletcher, hier spricht die Anthros Voyage. Wir können das Schiff nicht an ihre Navigation koppeln. Hier ist im Laufe der Zeit zuviel ausgefallen. Das erforderliche System ist de-fekt.“&gt;  
&lt;„Cheritkreuzer. Wir werden keinerlei Ausflüchte dulden. Versuchen sie das System zu überbrücken. Dafür gebe ich ihnen nochmals zehn Minuten Zeit. Ende.“&gt;  
„Ein verdammt zäher Brocken“, warf Andrew in die Runde.  
 Kira seufzte: „Und jetzt?“  
 &lt;„Leutnant Fletcher. Hier ist die Anthros Voyage. Ich kenne sie zwar nicht und sie uns auch nicht, aber glauben sie mir, sie bekommen mächtig viel Ärger, wenn sie uns wieder angreifen sollten oder sogar vernichten.“&gt;  
&lt;„Hier Fletcher. Was denken sie wohl, wer sie sind und wen sie vor sich haben? Abgesehen davon, was soll dieser alberne Schiffsname?“&gt;  
&lt;„Leutnant. Mir ist es ehrlich gesagt scheißegal, ob sie den Namen unseres Schiffes für albern befinden. Bedenken sie, wenn ich Recht habe, dann sitzen sie mit ihrer Handlungsweise tief im Dreck und da kommen sie nicht mehr raus.“&gt;  
&lt;„Was soll diese Anmaßung?“&gt;, brüllte Fletcher.  
&lt;„Aber, aber. Mein guter Leutnant. Wer wird denn gleich schreien? Fragen sie mal bei ihrem Chef nach Genro und Anthro nach. Ich denke, dass ihnen dann ein Licht aufgehen dürfte. Die Cherit die sie erwähnten, haben wir nie zu Ge-sicht bekommen.“&gt;   
 Damit hatte Andrew ihre Identität preisgegeben.  
„Ich will hoffen, dass du weißt, was du tust und dein Plan aufgeht“, gab Kira zu bedenken.  
 Andrew seufzte. „Ich habe noch ein paar alte Rechnungen zu begleichen und eine davon ist, das Militär und die Genforschung dieses Planeten zu Fall zu bringen. Ich denke, dass die hier fleißig weiter gemacht haben und wir auf mehr oder weniger interessante Fakten stoßen dürften.“  
 Cyron biss sich auf die Unterlippe. ,Darum wollte er also unbedingt mit zur Erde. Er wollte sein eigenes Süppchen kochen und die Anderen waren nur Mit-tel zum Zweck.'  
„Andrew“, sagte er gepresst, „ich will hoffen, dass ich mich irre. Aber wie es aussieht hast du uns nur missbraucht um her zu kommen. Oder irre ich mich da?“  
 Andrew drehte sich finster blickend um. „Wenn du das denkst, dann hast du dich geirrt. Ich handle für uns alle, auch wenn es den Eindruck erwecken mag, dass ich nur für mich arbeite.“  
 Der Tiger sog die Luft hörbar ein. Die Blicke der anderen wechselten zwischen ihm und Andrew. Alle spürten, dass sich ein Konflikt anzubahnen drohte und das im unpassendsten Augenblick. Dennoch waren sie akut durch die Kampf-schiffe der Erde bedroht.  
&lt;„Anthros Voyage, hier spricht Fletcher. Ähm … ähm … Ja, also. Ich weiß nicht wie ich es in Worte fassen soll. Als Erstes, muss ich mich entschuldigen. Als Zweites, heiße ich sie alle auf der Erde willkommen und möchte sie bitten, mei-ne vorherigen Anweisungen nicht zu befolgen. Ich möchte sie hiermit einladen, mir zu folgen. Wir fliegen einen direkten Kurs zum Erdmond. Dort werden wir sie in Empfang nehmen. Ende.“&gt;  
 Andrew lächelte triumphierend und Erleichterung zeichnete sich in allen Ge-sichtern ab.  
„Du hast es tatsächlich geschafft“, sagte Kira anerkennend.  
„Okay“, mischte sich Tarja ein, „jeder auf Posten und Kira an die Navigation. Folgen wir den Kampfschiffen.“  
 Kira nickte und zwinkerte ihr zu.  
 Apophis grollte leise. „Warum bringen die uns auf ihren Mond und nicht di-rekt zur Erde? Ich glaube nicht, dass sich alles zu unseren Gunsten entwickelt. Das sieht für mich eher nach einer Ausflucht aus. Da stinkt was, aber gewaltig.“  
 Tarja sah besorgt zu ihrem Sohn. „Ich will hoffen, dass du dich irrst.“  
 Nach sechs Stunden Flugzeit kam ein großes kugelförmiges Objekt in Sicht-weite.  
„Das muss unser Ziel sein“, sagte Kira.  
&lt;„Anthros Voyage. Ziel in Sichtweite. Landeanflug einleiten.“&gt;  
&lt;„Verstanden, Leutnant.“&gt;  
 Zwei der Kampfschiffe flogen an ihnen vorbei und drehten ab.  
 Jetzt waren sie nur noch zu zweit und befanden sich im Anflug auf den Mond, den keiner kannte und das erste direkte Zusammentreffen stand ihnen bevor. Sie landeten auf einer kleinen Basis, welche in einem der Mondkrater errichtet worden war.  
„Wir sollten unsere Waffen anlegen“, sagte Diana.  
„Meinst du, dass das gut wäre?“, fragte Sinja.  
„Sie haben uns ihre Waffen gezeigt und demonstriert, dass sie damit umgehen können. Jetzt sollten wir unsere Waffen auch mal zeigen“, entgegnete Grey.  
 Nachdem alle ihre Funkgeräte und Laserstrahler angelegt hatten, gingen sie zur Luftschleuse. Lediglich Helios hatte seine Laserkanonen nicht angelegt. Das lag einerseits daran, dass diese im jetzigen Fall viel zu ausladend und anderer-seits, laut einhelliger Meinung, eine zu offensichtliche Bedrohung gewesen wä-ren und man wollte nicht übermäßig provozieren.   
 Diese Menschen hatten einen viel zu losen Zeigefinger und reagierten wohl auch überaus empfindlich auf zu überlegene gegnerische Waffen.   
 Eines taten sie aber: Cyron gab Syrgon den Auftrag im Schiff zu bleiben und sich in den Mech zu setzen. Immerhin konnte es passieren, dass man den Ro-boter brauchte und wollte noch ein Ass in der Hinterhand behalten.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 39  
  
 Jody Thorn  
  
  
 Kira öffnete die Außenschleuse und fauchend gab sie den Blick auf die Basis frei. Im Raum standen vier Menschen und erstarrten beim Anblick der An-kömmlinge. Sichtlich verunsichert blickten die sich gegenseitig an und zuckten hilflos mit den Schultern.   
 Der Leutnant fand als erster seine Stimme wieder. „Tja, hm … willkommen auf unserem Erdmond und ich möchte mich nochmals für das Missverständnis ent-schuldigen.“  
„Danke, wir nehmen ihre Entschuldigung an und freuen uns ihre Bekanntschaft zu machen“, entgegnete Andrew und trat einen Schritt hervor.   
 Der Leutnant war, genau wie seine Mitstreiter sichtlich betroffen. Kein Mensch hatte jemals einen echten Anthro zu Gesicht bekommen, zumindest keiner, der noch lebte. Ab und zu rannten als Anthros verkleidete Menschen durch die Ge-gend, aber das war nur zu bestimmten Anlässen und Treffen der sogenannten Furries der Fall.  
  
 Dieser Personenkreis hielt sich seit über tausend Jahren hartnäckig und bilde-te eine Art Randgruppe der Gesellschaft. Es waren normale Menschen, aber in ihrem privaten Kreis lebten sie das in sich schlummernde Tier aus, verkleideten sich als solches und benahmen sich ansatzweise auch so. Aber es waren aus-nahmslos Suits und damit Attrappen.   
 Das hier war echt.  
  
„Wenn ich mich und meine Truppe vorstellen darf. Mein Name ist Greg Flet-cher und das sind David Flint, Jody Thorn und Ralf Warl.“ Er deutete nach-einander auf die Personen zu seiner linken und rechten Seite.  
 „Angenehm sie alle kennenzulernen. Mein Name ist Andrew und das sind Cy-ron, Stella, Chiron, Tarja, Apophis, Finlay, Sitara, Wotan, Sirius, Diana, Sinja, Grey und Helios.“  
„Aha, freut uns ebenso.“ Der Leutnant verbeugte sich leicht und lächelte sie an. „Ich muss mich nochmals entschuldigen. Die Situation ist, wie soll ich sagen, etwas gewöhnungsbedürftig. Immerhin standen wir noch nie vernunftbegab¬ten Tieren gegenüber.“  
 Cyron hob die linke Hand. „Den Ausdruck vergessen sie bitte schnell. Wir sind Chafren und Anthros und keine Tiere. Ihr versucht wieder einmal euch über an-dere Lebewesen zu stellen, indem ihr diese sprachlich klein macht. Aber die Nummer zieht bei uns nicht. Wenn wir miteinander sprechen, dann bitte schön, gleichgestellt und nicht von oben herab.“  
 Fletcher schluckte.   
 Da hatte ihm doch gerade eine gestreifte und aufrecht gehende Miezekatze den Mund verboten. Das schlug dem Fass den Boden aus. Er musste sich be-herrschen um nichts Falsches zu tun. Immerhin sollte er diese komischen Ge-stalten zur Erde begleiten und so gut wie möglich abschirmen. Kein Mensch durfte sie je zu Gesicht bekommen. Irgendwas brodelte im Untergrund, er wusste nicht was es war, aber seine Befehle kamen von oben, sehr weit oben und das bedeutete nichts Gutes.  
  
 Andrew trat direkt vor den Leutnant und baute sich vor ihm auf, streckte sich zu voller Größe.   
 Fletcher wurde es unwohl in seiner Haut. Diese Katze war groß, verdammt groß sogar und übertraf ihn um lockere 90 Zentimeter. Er musste seinen Kopf weit in den Nacken legen, um ihr ins Gesicht zu blicken.  
 ‚Blödes Viech’, dachte er, ‚Du bist viel zu groß und überheblich. Es wird mir ein Vergnügen sein dir deine fetten Eier abzureißen und dir dabei zuzusehen wie du dich winselnd am Boden windest.’  
„Sie mögen uns nicht“, sagte Andrew. „Ich kann es deutlich spüren. Warum? Was ist ihr Problem, Leutnant?“  
 „Ich habe meine Vorfahren im Krieg mit den Cherit verloren, aber meine per-sönlichen Probleme stehen hier nicht zur Debatte. Ich mag keine Katzen und Tiere im allgemeinen auch nicht. Und wenn da so übergroße Exemplare auftau¬chen und sich aufspielen, werde ich leicht nervös.“  
„Gut zu wissen. Ich werde sie im Auge behalten.“  
 „Machen sie was sie wollen. Aber zunächst begleiten sie mich bitte. Ich habe den Auftrag sie sicher zur Erde zu bringen.“  
 Cyron schnippte mit dem Finger und bedeutete den Anderen, ihm und dem Menschen zu folgen. Fletchers Begleitung machte sich aus dem Staub.   
  
  
„Also, ich fand die Tiger recht niedlich“, meinte Thorn.  
„Typisch, du magst auch alles was Fell hat. Was du brauchst, ist ein Mann“, ent-gegnete Warl.  
„Du kannst mich mal.“  
„Gerne. Wann passt es dir?“  
 Flint fing an zu lachen: „Ihr streitet euch wie ein altes Ehepaar.“  
„Bevor der mich anfassen darf, sterbe ich lieber oder schnappe mir einen von diesen Anthros. Der eine Säbelzahntiger war wirklich zu süß und fantastisch männlich gebaut. Wie hieß er gleich? Apophis?“  
 „Du bist ein ganz versautes Aas“, donnerte Flint. „Du kriegst das wirklich noch fertig und lässt dich von einem Tier ficken. Wenn das rauskommt, dann bist du mit deinem süßen Arsch wirklich an der Wand.“  
 „Pah … Du bist doch nur neidisch, weil du so armselig ausgestattet bist.“  
„Jetzt kriegt euch mal wieder ein“, ging Warl dazwischen. „Das Thema ist ja nicht zum aushalten. Ich fasse dich nicht an und du hältst dich von diesem Anthro fern. Das ist bestimmt ein Tier und wenn du das animierst, dann kannst du es garantiert nicht mehr rückgängig machen. Oder willst du, wenn er mit ei-nem Steifen vor dir steht sagen: Entschuldigung Herr Tiger, aber das sollte nur Spaß sein. Ich glaube nicht, dass einer von denen so was akzeptiert.“  
 Thorn nickte, aber ihr Blick sagte was anderes. Sie war schon immer Katzen-freund gewesen und was keiner wusste, sie gehörte zu einer kleineren Gruppe von Furries. Die Ankunft dieser Anthros war wie eine Offenbarung für sie.  
  
  
„Hier entlang“, sagte Fletcher.   
 Die Gruppe folgte ihm.  
„Den sollten wir gut im Auge behalten“, flüsterte Cyron zu Andrew, „Ich erwarte große Schwierigkeiten.“  
 Andrew nickte bestätigend.  
„Ich befürchte, dass wir mehr als nur Schwierigkeiten bekommen“, raunte Apo-phis den beiden von hinten zu.  
„Wie meinst du das?“  
„Wir werden wohl um unser Leben kämpfen müssen. Der Leutnant hat den Be-fehl uns zur Erde zu bringen. Aber dort erwarten uns ganz üble Typen. Man hofft den abgetrennten Faden wieder aufnehmen zu können.“  
 Cyron seufzte: „Bist du dir sicher?“ Er schaute Apophis über die Schulter hin-weg an.  
 Sein Blick ließ keinen Zweifel aufkommen.  
„Du bist dir sicher. War wohl ne dumme Frage von mir.“  
„Wenn wir wüssten wer auf unserer Seite steht und wer nicht?“, gab Andrew zu bedenken.  
 „Ich spüre es. Meine Fähigkeit hat sich verbessert. Der Leutnant steht uns ein-deutig aggressiv gegenüber und möchte uns am liebsten gleich umbringen. Aber das ist wohl nicht schwer zu erraten, anhand seiner bisherigen Aussagen. Die beiden männlichen Personen aus seiner Begleitergruppe sind unschlüssig, könnten aber nützlich sein, wenn es drauf ankommt und diese kooperieren wollen. Die Frau steht definitiv auf unserer Seite.“  
 Andrew schaute den jungen Kater schief an und runzelte die Stirn. „Woher nimmst du die sichere Annahme?“  
„Sie hatte, als sie mich ansah, an Sex gedacht.“  
 Cyron zuckte zusammen und wollte eigentlich lachen, beließ es aber beim Gedanken daran. „Du meinst sie würde mit dir …?“  
„Ja, ihr Gedanke daran war sehr intensiv und ausufernd.“  
„Das wäre ein entscheidender Vorteil. Wenn’s ganz schlimm wird, sollten wir darauf zurückgreifen.“  
„Ich glaube nicht, dass wir jemals wieder hierherkommen. Außerdem sollte das am Ende meine Entscheidung sein.“  
„Da hast du vollkommen Recht. Du solltest dich aber an der nächsten Biegung absetzen und verschwinden. Versuche sie zu finden und Kontakt zu ihr aufzu-nehmen. Vielleicht bekommen wir zusätzliche Informationen. Du musst dich ja nicht mit ihr paaren, nur etwas nett sein.“  
 Apophis nickte, schaute sich nach allen Seiten um und ging hinter der nächs-ten Biegung einfach verloren.   
 Andrew und Cyron nickten sich bedeutungsvoll zu.   
 Er legte einen Schritt zu und tippte seiner Tochter auf die Schulter. „Dein Sohn hat sich abgesetzt um etwas herauszufinden. Mach dir aber keine Sorgen. Wir müssen uns nur ne gute Ausrede einfallen lassen, warum er plötzlich weg ist, falls es überhaupt auffallen sollte.“  
 Tarja nickte und zog unauffällig Chiron ins Vertrauen.  
 Sein Blick verriet alles andere, aber bestimmt keine Begeisterung für das Vor-haben seines Sohnes.   
 Die Gruppe bestieg eine kleine halbautomatische Fähre und tatsächlich schien Apophis' Verschwinden nicht aufzufallen. Zu sehr war Fletcher damit beschäf-tigt Andrew im Auge zu behalten. Er schien sich regelrecht auf den Säbelzahn-löwen eingeschossen zu haben und machte keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen ihn. Seine Augen verrieten abgrundtiefen Hass gegen sie alle.  
  
  
 Apophis schlich derweil durch die Gänge der Mondstation. Er drückte sich dicht an die Wände und versuchte sich so unauffällig wie möglich zu bewegen.   
 Wenn man ihn entdeckte, dann hatte er garantiert große Probleme. Kämpfen wollte er nicht, war aber bereit dazu, wenn man ihm keine andere Wahl ließ. Er bewegte sich geschmeidig an verschiedenen Türen vorbei und erreichte nach längerem Suchen tatsächlich die Mannschaftsquartiere. Soweit er überblicken konnte, waren genügend Quartiere vorhanden um eine Gruppe von zwanzig Menschen aufzunehmen.  
 Er versuchte die Schilder neben den Türen zu lesen und sich an den Namen des menschlichen Weibchens zu erinnern.   
‚Wie war ihr Name? Thorn? Ja, richtig. So hieß sie.’  
 Er ging von einer Tür zur nächsten, pendelte auf dem Gang hin und her und erreichte schließlich, am Ende des Flurs, das gesuchte Quartier. Er atmete tief durch und wollte anklopfen.  
 Plötzlich wurde eine andere Tür geöffnet und einer der männlichen Piloten betrat den Gang.  
 Er schloss die Tür hinter sich und entdeckte den Tiger. Beide schauten sich in-tensiv in die Augen. Zunächst geschah nichts. Beide fixierten sich lediglich.  
„Entschuldigung“, sagte Apophis, „ich suche die Toilette und kann leider die Schrift neben den Türen nicht lesen.“  
 Der Pilot antwortete nicht und ging auch nicht auf die Worte des Katers ein. Er versuchte stattdessen unverdächtig zu wirken und unauffällig seine Laser-waffe zu ziehen.   
 Aber er hatte nicht mit Apophis' empfindlichen Sinnen gerechnet. Der spürte schon im Voraus, was auf ihn zu kam. Noch ehe Ralf Warl feuern konnte, stand die große Katze vor ihm, hatte einen gewaltigen Sprung gemacht. Ohne einen Laut von sich zu geben streckte sie die rechte Hand aus, umschloss damit den Hals des Piloten, hob seinen Körper etwas an. „Lass bitte die Waffe fallen. Ich will dir wirklich nicht unnötig wehtun.“  
 Warl versuchte in Panik immer noch seine Waffe zu ziehen, aber es war zu spät.   
 Apophis drehte seine riesige Hand fast nicht erkennbar und nur sehr kurz nach rechts. Es gab ein unangenehmes Knacken im Hals des Menschen und sein Körper hing leblos in der Pranke des Raubtiers. Apophis sah sich rasch um, öffnete die Tür aus der Warl eben noch getreten war und legte die Leiche mit-ten in den Raum. Anschließend verließ er das Zimmer und trat zum zweiten Mal vor die Tür von Thorn.  
 Diesmal schaffte er es und klopfte an.   
„Herein“, ertönte die Stimme der Pilotin.  
 Der Tiger öffnete vorsichtig einen Spalt breit die Tür. „Darf ich hereinkom-men?“  
„Warl, wenn du es bist, dann verpiss dich lieber. Ich bin nicht in der Stimmung, mir deinen Schwachsinn anzuhören.“  
 Apophis öffnete die Tür etwas weiter und schaute vorsichtig ins Zimmer. Die Pilotin saß auf einem bequem wirkenden Stuhl und las ein Buch. Als die ihren Besucher erkannte, sprang sie auf und stellte sich hinter den Stuhl.   
„Verdammt, was machen SIE hier?“  
„Ich wiederhole meine Frage. Darf ich hereinkommen?“  
 Thorn nickte. „Aber keine Dummheiten, wenn ich bitten darf. Ich bin bewaff-net und schieße, wenn es drauf ankommt.“  
 Diesmal nickte Apophis. „Du brauchst deine Waffe nicht, weil ich dir nichts tun will. Bei deinem Kollegen war das anders, er hatte versucht seine Waffe zu ziehen und liegt jetzt mit gebrochenem Genick in seinem Quartier.“  
 Die Pilotin erstarrte und wurde kreidebleich. „Warl ist tot?“  
„Ja, er zog es vor mich anzugreifen. Leider war ich gezwungen mich zu weh-ren.“ Apophis schaute nicht besonders glücklich drein, ob dieses Umstands.  
 Thorn zuckte kurz mit den Schultern. „War ja klar, dass das irgendwann pas-sieren musste. Er war halt ein typisches Arschloch und es nur eine Frage der Zeit, dass sich einer findet und es ihm aufreißt.“  
 Jetzt schaute der Tiger mehr als verdutzt. Sein Blick musste wirklich drollig wirken, denn die Frau begann zu kichern. „So, jetzt aber mal im ernst. Was wol-len sie von mir?“, fragte sie.  
„Informationen.“  
„Informationen? Ausgerechnet von mir? Woher wollen sie wissen, dass ich ih-nen helfen könnte und es auch tue? Vielleicht verpfeife ich sie ja?“  
„Das wirst du nicht, da bin ich mir ganz sicher.“  
„Ha, dass ich nicht lache. Sie sind sich ihrer Sache aber verdammt sicher.“  
 Der Tiger nickte.  
 Thorn schaute ihn durchdringend an. „Ich würde mit ihnen über Informatio-nen verhandeln, wenn ich von ihnen das Versprechen bekomme, dass sie mich nicht auch töten.“  
„Irgendwie habt ihr Menschen ein Problem beim zuhören, oder? Ich sagte doch schon, dass ich nicht die Absicht habe dir etwas zu tun.“  
„Das glaube ich ihnen nicht. Am Ende liege ich genauso da wie Warl.“  
„Nein, das wird nicht passieren, denn du bist anders als die Anderen.“  
 Die Frau zuckte zusammen und starrte den Tiger neugierig an. „Woher wollen sie das wissen?“  
„Ich war schon als Welpe in der Lage Gefühle anderer Personen zu spüren. Meine Fähigkeit hat sich allerdings erweitert und ich erkenne mittlerweile Ge-dankenumrisse.“  
„Sie nehmen mich auf den Arm?“  
„Bestimmt nicht und außerdem heiße ich Apophis. Du brauchst mich nicht mit Sie anzusprechen. Wir sind alle Lebewesen aus Fleisch und Blut und das Sie empfinde ich als offene Beleidigung.“  
 Thorn nickte: „Okay, meinetwegen. Ich bin Jody.“  
 Der Kater deutete eine höfliche Verbeugung an.  
„Oh. Manieren scheinst du ja zu haben. Immerhin.“  
„Ich verstehe nicht warum ihr Menschen und vor allem du, dich hinter einer Fassade versteckst. Deine Gedanken bei unserer ersten Begegnung waren ganz anders, als du dich jetzt mir gegenüber verhältst.“  
„Ach so? Und die wären?“  
„Du hast daran gedacht, wie es wäre sich mit mir zu paaren.“  
 Jody Thorn fühlte sich ertappt und errötete. „Du bringst mich gerade in arge Verlegenheit, weißt du das?“  
 Er schüttelte den Kopf.   
„Die Gedanken und Gefühle sind zwar frei, aber die Handlungen streng regle-mentiert. Wenn ich mit einem Tier intim würde, dann wäre das mein Tod.“  
 Apophis seufzte und verdrehte die Augen. „Ich bin nicht hier um Sex von dir zu verlangen. Außerdem solltest du dich von dem Vorurteil verabschieden, dass ich ein Tier bin. Ich bin ein Chafre, das ist was ganz anderes. Ich beherr¬sche meine Instinkte und Triebe und nicht sie mich. Das ist es was mich und auch mein ganzes Volk von einem einfachen Tier unterscheidet.“  
 Sie seufzte und senkte den Kopf. „Entschuldige bitte. Die Situation ist nicht leicht für mich. Ich und auch viele andere die so denken und empfinden wie ich, haben immer den Traum gehabt, dass es Anthros gibt und jetzt steht mir einer direkt gegenüber und es ist keine Einbildung, sondern Realität. Im Mo-ment überschlagen sich meine Gefühle.“  
„Das verstehe ich nicht ganz, aber ich bin gerne bereit dir zuzuhören.“  
  
 Jody Thorn begann zu erzählen. Sie berichtete von den Furries, von ihren klei-nen Treffen, den großen Conventions und ihren Suits, die sie in jahrelanger, mühsamer Arbeit nähten und zusammenbauten. Apophis hörte interessiert zu und begann nach und nach zu begreifen, worauf sie hinaus wollte.  
„Tja und nun gibt es euch wirklich und euer Eintreffen ist wie eine Bestätigung für uns alle“, schloss sie ihre Ausführungen ab.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 40  
  
 Enttäuschung  
  
  
 Apophis holte tief Luft. „Das war wirklich sehr interessant und aufschlussreich. Aber jetzt mal zur Sache. Kannst du mir Informationen geben, die man uns un-ter Umständen verheimlichen würde?“  
 Sie nickte. „Ja, das dürfte kein Problem sein.“  
„Sollte ich jetzt sofort etwas Wichtiges erfahren?“  
 Wieder nickte sie. „Deine Freunde fliegen in diesem Moment zur Erde und da-mit in ihren sicheren Tod. Ich habe eine gute Freundin, die ist im wissenschaft-lichen Rat der UN. Sie hat mir geflüstert, dass man eure Ankunft ausnutzen will. Das Begrüßungskomitee ist bereits aufgestellt und besteht aus Mitarbeitern der verschiedenen Geheimdienste und unterschiedlichen Wissenschaftskreisen. Man will euch sezieren, eure DNA separieren und in streng geheimen Labora-torien erneut versuchen eine wirksame Waffe gegen die Cherit zu entwickeln. Man plant schon lange einen erneuten Angriff auf euren Heimatplaneten Fest-rid.“  
 Apophis erschrak und wurde blass um die Nase. Er legte die Ohren an und fletschte die Zähne. „Wir sind vom Planeten Genro und die Cherit sind uns noch nie begegnet. Wir wurden in einem Genlabor gezüchtet und sollten eine Waffe gegen die Cherit werden. Dann habt ihr einen Friedensvertrag mit den Cherit geschlossen und unsere Bestimmung wurde geändert. Wir sollten als in-telligente Jagdbeute auf einem Vergnügungsplaneten dienen. Deine Aussage bestätigt somit wiederholt unsere Vermutungen.“  
 Thorn wich drei Schritte zurück und hielt schützend ihre Hände vors Gesicht.   
 Der Säbelzahntiger spürte ihre Angst und versuchte sich zu beruhigen. „Ihr Menschen seid eine so verlogene, egoistische und selbstherrliche Spezies. Ihr seid technologisch so weit fortgeschritten, aber euer Geist ist klein und arm-selig geblieben. Ich frage mich wirklich, wie ihr es geschafft habt so lange zu überleben.“  
„Das ist in der Tat eine gute Frage, die ich mir selbst schon des Öfteren gestellt habe.“  
 Apophis sah sie schief an. „Kannst du mir helfen, meine Freunde zu retten?“  
 Die Frau überlegte kurz und kaute dabei auf ihrer Unterlippe. Apophis spürte, dass es in ihr kämpfte und sie das Für und Wider abzuwägen schien.  
„Okay, ich bin auf eurer Seite“, sagte sie schließlich. „Ich denke, dass ich einige Leute mobilisieren kann. Wir sollten zuerst dafür sorgen, dass deine Freunde ihr vorbestimmtes Ziel nicht erreichen. Wenn die Wissenschaftler sie erst mal in den Fingern haben, wird es extrem schwer werden sie zu retten. Ganz zu schweigen davon, dass wir sie dann zunächst finden müssten.“  
„Okay“, erwiderte Apophis, „tu was du für richtig hältst, es muss nur schnell ge-hen.“  
 Sie nickte und griff zum Telefon. „Hallo? Ja, hier ist Jody Thorn. Ich möchte bitte mit Shana Grant sprechen.“  
 Der Tiger verfolgte ihr Gespräch aufmerksam. Thorn hatte das Gerät auf Laut-sprecher gestellt, damit der Chafre alles mithören konnte und ihr vertraute.  
 „Grant“, meldete sich nach kurzer Zeit eine Stimme.  
„Hi, hier ist Jody.“  
„Oh, hallo. Wie geht’s dir?“  
„Danke, mir geht’s sehr gut, aber pass auf. Ich habe hier jemanden bei mir und dem möchte ich sehr gerne helfen.“  
„Oh ha. Lass mich raten. Du hast dich in ein kleines grünes Männchen mit sehr viel Fell verknallt und das möchte jetzt nach hause telefonieren, weiß aber nicht wie das geht.“  
 Apophis hob die Hände in die Luft und machte eine mehr als hilflose Geste.  
„Fast getroffen. Aber hören wir auf mit dem Quatsch, denn die Lage ist ver-dammt ernst. Ich habe einen Anthrotiger namens Apophis bei mir und der will seine Freunde retten.“  
„Anthrotiger? Habe ich dich gerade richtig verstanden?“  
„Ja, du hast dich nicht verhört.“  
„Au verdammt. Du sitzt jetzt mächtig im Dreck.“  
„Ja, das habe ich mir schon gedacht. Aber die Anthros sind jetzt auf dem Weg zur Erde und Fletcher ist bei ihnen. Ich sehe da eine Katastrophe auf uns alle zu kommen.“  
 Auf der anderen Seite des Apparates hörte man zunächst nur Schweigen, dann: „Pass auf. Ich strecke mal dezent meine Fühler aus und höre mich um. Ich werde schon herausfinden wo man sie hinbringen will. Ich werde sehen, was ich tun kann. Wartet zehn Minuten am Telefon. Ich rufe euch zurück.“  
„Gut, aber beeil dich. Es geht um Leben und Tod.“  
„Ich weiß.“  
Sie legten beide auf.   
 Jody Thorn schaute den Tiger traurig an und seufzte. „Verdammter Mist. Sha-na ist eine sehr gute Freundin von mir und war von Anfang an dagegen, be-stimmte Kreise bei eurer Ankunft mit einzubeziehen. Sie vertritt die Mei¬nung, dass die Natur extrem mannigfaltig ist und ein jedes Wesen ein Recht auf Le-ben hat. Leider sehen es bestimmte Leute anders und die haben im Mo¬ment das Sagen.“  
 Apophis schloss die Augen und seine Gedanken kreisten. ,Aus, alles aus. Wenn wir nicht schnell genug handeln, werde ich meine Freunde, Eltern und Großeltern nicht wiedersehen.'  
„Wir müssen was unternehmen, meine Eltern sind mit in der Gruppe“, hub er an.   
 Thorn erstarrte. Die Situation schien sich nochmals zuzuspitzen.  
 Da klingelte endlich das Telefon.   
„Ja?“  
„Jody, hör’ genau zu. Ich habe herausgefunden wo man sie hinbringt. Es han-delt sich um ein altes Gebäude in Gary, einem Ort in der Nähe von Chicago. Um den Rummel möglichst klein zu halten, hat man sich dafür entschieden. Da läuft nämlich gerade die Anthrocon. Außerdem ist es der Wohnsitz von Walter Krondal, der grauen Eminenz.   
 Der Plan sieht vor, die Anthros einer Kommission gegenüberzustellen. Die Mitglieder dieser Gruppe entscheiden dann über die weitere Vorgehensweise. Im Großen und Ganzen wird allen das gleiche Schicksal zuteil werden, sie wer-den der Forschung zur Verfügung gestellt. Man will unbedingt eine Waffe ge-gen die Cherit in den Händen halten, koste es was es wolle. Anschließend will man das Schiff in Besitz nehmen und die Koordinaten des Planeten ausfindig machen. Ein Truppentransporter ist so gut wie einsatzbereit und soll eine even-tuelle Bevölkerung auslöschen. Somit will man alle verbliebenen Spuren besei-tigen und seine Weste reinwaschen.“  
 Apophis holte mit der rechten Hand aus, fuhr die Krallen aus und zerschmet-terte einen der Tische im Quartier.  
„Was war das?“, fragte Shana besorgt.  
„Keine Sorge, das war nur der Säbelzahntiger in meinem Quartier. Seine Eltern sind in der Gruppe.“  
„Passt auf, ich mache jetzt folgendes: Ich werde meine Beziehungen spielen lassen und unsere Furry-Gruppe aktivieren. Wenn die von den Anthros hören, dann sind die garantiert nicht mehr zu bremsen. Wir werden uns mit Knüppeln und allem möglichen bewaffnen und das Gebäude umstellen. Entweder kom-men Fletcher und Konsorten erst gar nicht rein oder wenn sie schon drin sind, nicht mehr heraus. Ich hoffe nur, dass wir es noch rechtzeitig schaffen.   
 Abgesehen davon, meinen höchsten Respekt hast du schon. Nicht nur, dass du es von jetzt auf gleich schaffst mehrere Personen in den Alarmzustand zu versetzen, nein, du gehst gleich in die Vollen und lachst dir einen Säbelzahnti-geranthro an.“   
 Shana legte auf und beendete mit einem Knacken im Telefon das Gespräch.   
 Apophis war am Verzweifeln. „Verdammte Scheiße, ich habe noch nie von so-viel Falschheit gehört“, brüllte er.  
„Schrei bitte nicht so, du machst sonst Flint aufmerksam.“  
Aber es war schon zu spät.   
 Der hatte Apophis’ Ausbruch gehört und stand schon vor Thorns Tür. Er klopfte nicht einmal an. Die Tür wurde eingetreten und der Mann stand im Raum, sondierte kurz die Lage, sah den Tiger und schoss auf ihn.   
 Thorn reagierte schnell genug. Sie sprang Flint regelrecht ins Gesicht, riss ihn um und der Schuss ging daneben.   
 Apophis stieß einen markerschütternden Schrei aus und ging zwischen die beiden. Er packte Flint mit der rechten Hand am Schlafittchen, hob ihn in die Luft, erhob die linke Hand und ohrfeigte ihn. Sein Kopf wurde unter der Wucht der massiven Schläge hin und her geschleudert. Apophis schlug weiter zu und brach ihm das Nasenbein, ein weiterer Schlag brach ihm das linke Jochbein.   
 Flint schien aus dem ganzen Kopf zu bluten. Apophis holte wieder aus, legte seine ganze Wut in seinen nächsten Schlag, traf direkt auf den Schädel des Mannes und riss ihm die Schädeldecke ab. Mit einem dumpfen Geräusch knall-te der Schädelknochen gegen die Wand.   
 Jody schrie nur noch hysterisch. Flint war immer noch bei Bewusstsein und musste miterleben, wie der Tiger ihn zu Boden fallen ließ. Kurz bevor er starb, spürte er, wie sein Gehirn aus dem offenen Schädel riss.  
 Thorn war fassungslos, sank auf die Knie und weinte bitterlich.   
 Apophis besah sich sein Werk und kam wieder zur Besinnung. Er schämte sich für seinen Wutausbruch und verließ das Quartier.   
 Er ging zum Schiff und traf auf Syrgon. „Gut, das du noch hier bist“, sagte Apophis bitter.  
„Was ist passiert? Bei allen Göttern, deine Hände sind ja blutverschmiert.“  
„Ich hasse diese Menschen. Sie haben uns eine Falle gestellt. Alle sind auf dem Weg in ihren Tod.“  
 Syrgon riss die Augen auf. „Das ist nicht dein ernst?“  
„Doch. Ich meine es bitterernst. Ich habe zwei der Piloten der Basis getötet, nachdem sie mich angriffen. Eine Pilotin ist noch übrig, war auf unserer Seite, aber ich weiß jetzt nicht mehr, ob sie es immer noch tut. Sie halten uns alle für Cherit und wollen uns der Wissenschaft überantworten um weitere Experimen-te durchzuführen.“  
 Der Rüde war geschockt und schaute plötzlich über die linke Schulter des Ka-ters. „Ich glaube, da will uns jemand seine Hilfe anbieten“, sagte er.  
 Apophis wirbelte herum und schaute die Rampe hinab. An ihrem Ende stand Jody Thorn und sie hatte zwei leichte Lasergewehre dabei und streckte sie ih-nen entgegen. „Ich glaube, dass wir die Dinger gut gebrauchen können“, sagte sie und rang sich ein Lächeln ab.  
 Apophis ging auf sie zu, nahm ihr die Waffen ab, legte sie auf den Boden ne-ben sich.   
 Dann geschah etwas womit die Pilotin niemals gerechnet hätte. Der Tiger kniete sich vor ihr hin, nahm sie in seine Arme und drückte sie fest an sich. Die Frau roch an seinem Fell und begrub ihr Gesicht darin. So standen sie minuten-lang und Jody weinte ihren ganzen Schmerz und Schrecken heraus.   
 Schließlich wischte sie ihre Tränen im Tigerfell ab und befreite sich aus der Umarmung. „Ich kann deine Reaktion gut verstehen. Mich schockierte nur dei-ne unbändige Kraft. Dadurch, dass du vernunftbegabt bist, hatte ich ganz die Tatsache verdrängt, dass du nicht nur wie ein Tiger aussiehst, sondern auch seine Kraft und Energie hast.“  
„Das stimmt und ich wusste nicht wie empfindlich ihr seid. Es tut mir Leid. Ich wünschte du hättest es nicht mir ansehen müssen. Meine Wut hatte mich be-herrscht.“  
 Thorn lächelte: „Wäre mir in deiner Situation genauso gegangen. Aber jetzt kommt.“  
„Moment“, sagte Syrgon plötzlich, „Wir haben noch ne Überraschung mit.“   
 Er deutete hinter sich und Apophis schaute kurz zur Decke. „Natürlich. Der Mech. Den hätten wir beinahe vergessen.“  
„Den Mech? Moment mal. Ihr wollt doch wohl nicht behaupten, dass ihr einen gigantischen Kampfroboter an Bord habt, von dem alle nur munkeln, aber kei-ner so recht an seine Existenz glaubt.“  
„Oh doch. Er existiert. Sieh selbst.“ Apophis nahm Jody bei der Hand und führ¬te sie in den Frachtraum. Syrgon folgte ihnen dicht auf.  
„Das ist ja nicht zu glauben.“ Sie riss die Augen auf und strahlte über das ganze Gesicht.   
„Die schlagkräftigste Erfindung des Militärs die je gemacht wurde und sie ge-hört uns. Könnt ihr das Ding bedienen?“  
„Japp. Das ist mein Spezialgebiet“, entgegnete Syrgon.  
„Super.“ Sie klatschte in die Hände und freute sich wie ein kleines Kind. „Wir haben noch eine zweite größere Fähre, die eigentlich für Lasten vorgesehen ist. Da haben wir genügend Platz für alles. Folgt mir.“  
 Syrgon hangelte sich in den Waffenträger, fuhr die Computer und die Ener-gieversorgung hoch. Der Tiger und die Pilotin gingen voraus und unter dum-pfen Fußaufschlägen folgte der Wolf in der Kampfmaschine. Jeder Schritt ließ den Boden der Basis erzittern.  
„Da vorne nach links und anschließend gleich rechts, dann sind wir schon da“, sagte sie.  
 Nach fünf Minuten hatten sie den Hangar erreicht und Syrgon wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Ist gar nicht so leicht, das Teil durch die engen Flu-re zu steuern“, rief er den beiden zu.   
 Jody nickte und zeigte auf die Uhr und zur Fähre. „Mach hin, Junge. Sonst kommen wir zu spät“, rief sie zurück.  
  
 Wenig später verließ die Fähre die Mondbasis und raste in Richtung Erde. Die Pilotin nahm Kontakt zu Shana auf. &lt;„Shana, ich bin es. Hast du was er-reicht?“&gt;  
&lt;„Hallo. Ja, habe ich. Unsere Chicagoer Gruppe ist geschlossen auf dem Marsch in Richtung Gary.“&gt;  
&lt;„Sind sie etwa schon gelandet?“&gt;  
&lt;„Nein, soviel ich weiß noch nicht. Aber in den nächsten zwanzig Minuten sol-len sie dort eintreffen.“&gt;  
&lt;„Das wird verdammt knapp. Seid so gut und tut was ihr könnt um sie aufzu-halten, wir sind auf dem Weg zu euch.“&gt;  
&lt;„Okay, bis gleich.“&gt;  
 „Das wird mehr als nur knapp“, sagte Apophis, „Wie lange dauert unser Flug noch?“  
„Wir haben einen günstigeren Anflugvektor als die kleine Passagierfähre. Ich schätze mal, dass wir in spätestens dreißig Minuten am Gebäude des Konzils sind.“  
„Das dauert zu lange. Wir kommen zehn Minuten zu spät“, wetterte Syrgon.  
„Schneller geht’s nicht“, schnauzte Jody zurück. „Wenn du schneller sein willst, dann kannst du gerne aussteigen und schieben.“  
 Der Wolf winkte ab und sagte nichts mehr. Auf Apophis’ Stirn zeichneten sich Sorgenfalten ab.  
 Etwa fünfzehn Minuten später piepte das Interkom. &lt;„Jody, hier ist Shana. Das Empfangskomitee ist eingetroffen und wir sind vor Ort. Bisher halten wir die Stellung. Aber man droht uns mit Waffengewalt, wenn wir das Gelände nicht räumen. Ihr solltet langsam aber sicher eingreifen.“&gt;  
&lt;„Wir brauchen noch fünfzehn Minuten. Ich kann leider nicht hexen.“&gt;  
&lt;„Verdammt! Okay, dann wird’s jetzt ernst. Haltet euch ran. Ich lasse die Ver-bindung offen.“&gt;  
&lt;„Okay, danke.“&gt;  
 Man hörte über Lautsprecher eine herrische Stimme Anweisungen geben, woraufhin wüste Beschimpfungen aus einem großen Chor folgten. Dann hörte man das Summen von Triebwerken einer Fähre. Ihre Freunde waren am Rande des Verderbens angekommen. Die Verbindung brach abrupt ab.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 41  
  
 Rettung  
  
  
 Jetzt kam Bewegung in die Gruppe der Furries. Sie drängten in Richtung der Fähre und blockierten den Ausstieg.  
„Lasst sie gefälligst in Ruhe. Wir werden nicht zulassen, dass ihr ihnen etwas tut“, schrie jemand.  
 Die Unruhe wurde immer größer. Einige Soldaten zogen ihre Waffen und schickten sich an, das Feuer zu eröffnen. Die Situation drohte zu eskalieren.   
 Plötzlich geschah etwas Unerwartetes. Eine Meute von etwa hundert weiteren Furries tauchte hinter dem Gebäude auf und schlug ohne Vorwarnung auf die Soldaten ein. Sie hatten keine Chance zur Gegenwehr.   
 Innerhalb von wenigen Sekunden hatte sich das Blatt gewendet. Die Gruppen freuten sich über ihren Sieg, stürmten zur Fähre und erzwangen deren Öff-nung. Als einige von ihnen hinein sahen, erstarrten sie.   
„Scheiße! Da ist nur ein Roboterpilot drin“, schrie einer entsetzt. „Das Ganze ist nur ein Trick gewesen, um uns abzulenken.“  
 Shana rief die Fähre mit Jody, Apophis und Syrgon an Bord. &lt;„Man hat uns gelinkt. Die echte Fähre ist nicht am Konzilsgebäude. Da zieht noch jemand anderes die Fäden. Außerdem wissen wir nicht, wo wir suchen sollen.“&gt;  
 Jody sank in sich zusammen. „Alles aus. Wir werden sie verlieren“, sagte sie niedergeschlagen.  
„NEIN!“, schrie Apophis auf, „Sie sind nicht verloren. Wir werden sie finden. Sie müssen außerhalb der Stadt sein und zwar ziemlich in der Nähe des Gebietes, das Shana genannt hatte.“  
 Sie nickte und aktivierte den Scanner. „Wenn sie irgendwo in der Nähe sind, dann müssten wir ihre Lebenszeichen empfangen.“  
„Kannst du nicht einfach nach der Signatur der Passagierfähre scannen?“, frag-te Syrgon.  
 Sie schlug sich vor die Stirn. „Natürlich. Darauf hätte ich auch selbst kommen können. Ich programmiere die Signatur ein.“  
 Die Scanner überstrichen die Oberfläche der Erde im gefragten Gebiet und wurden schnell fündig.  
„Ich habe sie“, triumphierte die Frau. „Die Fähre ist noch nicht gelandet. Sie musste wohl eine Schleife fliegen, nachdem sie die neuen Landekoordinaten bekam. Wenn wir uns beeilen, dann sind wir fast zeitgleich unten.“  
„Sehr gut“, freute sich Apophis.  
&lt;„Shana. Wir haben sie gefunden und fangen die Fähre ab. Sie wird voraus-sichtlich fünf Kilometer östlich von eurer jetzigen Position landen, in der Nähe eines alten E-Werks.“&gt;  
&lt;„Shana hier. Ich kenne die Gegend. Wir machen uns auf den Weg dorthin, werden aber erst nach euch eintreffen. Viel Glück!“&gt;  
 Die Frachtfähre stürzte dem Erdboden förmlich entgegen und Jody fing sie kurz vor dem Zielgebiet geschickt ab. Die andere Fähre war nicht zu sehen.   
„Wir haben etwas Vorsprung und sie kommen von der anderen Seite. Wenn wir hinter dem alten E-Werk landen, haben wir vielleicht Glück und bleiben unent-deckt.“  
„Das wäre super. Dann hätten wir ein gutes Überraschungsmoment“, entgeg-nete Apophis.  
 Syrgon ging zum Mech und machte sich und sein Arbeitsgerät einsatzbereit, während die Pilotin landete. Unsanft setzte die Fähre auf und die Ladeluke öff-nete sich.  
 Syrgon hatte bei diesem unsanften Manöver das Gleichgewicht verloren und war gestürzt. „Es wäre wirklich nett von dir, wenn du mich nächstes Mal vor-warnen würdest. Oder warst du scharf drauf, dass dir mal ein Wolf zu Füßen liegt?“  
 Sie schüttelte den Kopf und zuckte entschuldigend mit den Schultern. Thorn und Apophis griffen nach den Lasergewehren und stürmten hinaus. Syrgon blieb mit dem Kampfroboter in der Ladeluke stehen. Sie versteckten sich so gut es ging hinter den Gebäuden.   
 Apophis schaute vorsichtig um die Ecke. „Da kommen sie und sie scheinen nicht zu wissen, dass wir da sind. Und die Gleiter des Empfangskomitees und der Soldaten sind auch erst im Anrücken. Das ist geradezu perfekt.“  
„Okay, was machen wir jetzt?“, fragte Thorn.  
„Wir beide übernehmen die Fähre, und Syrgon das Komitee und die Schützen, wenn sie dazwischen kommen. Ich möchte nicht, dass der Mech die Fähre zer-stückelt und alles was da drin ist.“   
 Apophis dreht sich zum Waffenträger um und deutete auf die Gleiter. Syrgon verstand die Andeutung und wartete auf das Startsignal. Der Tiger und die Frau schauten nochmals vorsichtig um die Ecke. Die Fähre war gelandet, die Luke geöffnet und ihre Freunde und Fletcher traten gerade ins Freie.  
  
„JETZT!“, schrie Apophis.  
 Beide sprangen aus ihrer Deckung. Der Tigerkater rannte direkt auf Fletcher zu und warf plötzlich sein Gewehr weg. Der staunte zunächst und zögerte, denn mit ihm hatte er überhaupt nicht gerechnet. Als er die Situation erfasste, war es schon fast zu spät. Er sah eine riesige braune, schwarzgestreifte Raub-katze auf sich zu rasen und zog seine Waffe.   
 Apophis wollte ihn nicht einfach erschießen, er wollte ihn persönlich zur Ver-antwortung ziehen. Fletcher hob seine Waffe und zielte. Jody begriff was der Tiger vor hatte und schoss dem Leutnant den Strahler aus der Hand. Der schrie schmerzvoll auf, aber dieser Schmerz sollte erst der Anfang sein und Fletcher eine qualvolle Hinrichtung erleben.  
 Der Säbelzähnige hatte ihn erreicht und stieß seinen Vater, der direkt neben Fletcher stand, beiseite. Die anderen Chafren waren verwirrt und versuchten die Lage zu erfassen. Aber sie waren nicht im Besitz aller Informationen und konnten sich keinen Reim auf die Geschehnisse machen. Sie machten daher das einzig Richtige und flüchteten zurück in den Schutz der Fähre.  
  
 Mittlerweile waren auch die Soldaten angekommen, sprangen aus den Glei-tern und eröffneten sofort das Feuer.   
Das war Syrgons Signal.   
 Der Mech nahm seine Arbeit auf, bewegte sich aus der Fähre und zielte auf die feindlichen Truppen. Der leitende Offizier, wie auch seine Untergebenen er-starrten als sie erkannten was sich da auf sie zu bewegte. Die Erstarrung hielt nicht lange an und ging fast synchron in einen ungeordneten Rückzug über.   
 Syrgon hatte genug von dem Spielchen und löste den Feuerknopf aus. Die Kampfmaschine spuckte hunderte tödlicher Geschosse über die fliehenden Truppen. Ein Söldner nach dem anderen wurde von den Kugeln durchsiebt und regelrecht zerrissen. Als der Wolf das Feuer einstellte, lagen überall Körperteile und Eingeweide verstreut. Die Vernichtungskraft des Roboters war verheerend und gänzlich.  
  
 Apophis baute sich vor dem Leutnant auf, welcher sich immer noch schmerz-verzerrt, die blutende Hand hielt. Er hatte den Tod seiner Soldaten erlebt und würde jetzt sein eigenes Ende erleben. Apophis fixierte ihn mit wütendem Blick und Fletcher zog ein Messer, holte plötzlich aus, versuchte dem Kater die Klin-ge in den Unterleib zu stoßen. Apophis fing jedoch seinen Schlag ab, ergriff dessen Hand und hielt sie fest. Er schaute auf die Hand des Menschen, schüt-telte den Kopf, schlug das Messer weg und begann ihm jeden Finger einzeln zu brechen.  
„Der Finger ist für meinen Vater. - Der Finger ist für meine Mutter. - Der ist für meinen Großvater und der für meine Großmutter.“  
 Das Krachen der Knochen und Gelenke war einfach widerwärtig.   
 Fletcher schrie wie am Spieß und fiel vorn über. Er hing an seinem Arm und im Schraubstockgriff der Raubkatze. Er hatte keine Chance.  
„Und der ist für deine miese Niedertracht, du heimtückischer Mistkerl.“  
 Der Leutnant schrie erstickt auf und fiel bewusstlos zu Boden. Apophis hatte ihm den Daumen aus der Hand gerissen und warf ihn ihm ins Gesicht.  
 Er schnappte sich den ohnmächtigen Menschen und schüttelte ihn. „Wach auf, mein Freund. Es ist Zeit vor deinen Gott zu treten und ihm in das dir eben-bürtige Angesicht zu blicken.“  
 Fletcher kam wieder zu sich. „Nein. Bitte, hör auf. Ich hatte meine Befehle.“  
„Ach so? Da habe ich aber ganz andere Sachen gehört. Selbst kurz vor deinem Tod bist du noch ein niederträchtiges Aas. Du wolltest uns eurer primitiven Wissenschaft ausliefern. Menschen wie du wollen, dass es wieder Krieg mit den Cherit gibt und uns als Waffe gegen sie missbrauchen.“  
 Fletcher riss die Augen auf und starrte seinem Henker panisch in die Augen. Sein Blick war irre, aber nichts desto trotz gemeingefährlich. „Selbst jetzt er-kennst du noch nicht die ganze Wahrheit, du dummes Vieh. Meine Order lau-tete ganz anders“, schrie ihn der Leutnant an.  
„Ach ja?“  
„Ja! Falls du es mit deinem primitiven Katzenhirn noch nicht registriert haben solltest, aber ihr seid zum Spielball mehrerer Parteien geworden.“  
„Was du nicht sagst? Dein Gott ruft nach dir, hörst du ihn?“  
„NEIN, ich sollte euch eliminieren und hatte meinen Auftrag von ganz hoher Stelle!“  
 Apophis hörte ihn nicht mehr.   
 Sein Hass auf diesen Menschen, der sie alle betrogen hatte, der verlogen war und seine Macht ausgenutzt hatte, der seine Freunde und sogar seine ganze Familie auslöschen wollte, machte ihn in diesem Augenblick blind und taub.   
 Unter den entsetzten Blicken von Syrgon, Jody, den anderen Chafren und den Furries, die just in diesem Moment eintrafen, fuhr er die Krallen aus, rammte seine ausgestreckte Hand brutal in den Unterleib des Leutnants und brach ihm das Rückgrat von innen. Er riss die in seiner Hand befindlichen Wirbelkörper heraus und hielt die halbe Wirbelsäule triumphierend in die Luft.  
 Das Bild war für alle Anwesenden entsetzlich. Apophis wirkte wie ein entfrem-deter, säbelzähniger Kriegsgott, der seine blutige Rache siegreich zu Ende ge-führt hatte. Schaurig und betörend schön zugleich.  
 Die Gruppe der Furries war einfach nur schockiert und einige mussten sich übergeben.   
 Jody eilte zu Shana, umarmte sie und wandte sich an alle Anwesenden. „Habt keine Angst. Er wird uns allen, nichts tun. Es war seine ganz persönliche Rache, für den Verrat von Fletcher.“  
 Shana nickte: „Wir können es ihm nicht verübeln und dürfen bei Anthros nicht in unseren strengen moralischen Maßstäben urteilen.“  
Zustimmendes Gemurmel erscholl.  
  
 Apophis hatte sich wieder unter Kontrolle und seine Hände an Fletchers Hemd abgewischt. Er hatte die Aussage von Shana gehört und ging auf die Gruppe der Furries zu.  
 „Moral? Was wisst ihr schon von Moral? Ihr Menschen.“ Er spuckte in den Sand. „Ihr versteckt euch nur hinter Formen und Regeln. Ihr behauptet immer, dass ihr von einem Gott nach seinem Bilde geformt wurdet. Hat euch euer Gott auch Verlogenheit, Vorurteile, Falschheit, Ignoranz, Egoismus und Arroganz be¬fohlen? Ihr bildet euch eine feste Meinung und rückt kein Stück davon ab. Ihr verurteilt alles was ihr nicht kennt und nicht begreift und versucht es zu zer¬stören, bevor ihr euch die Mühe macht es auch nur ansatzweise zu verstehen.“   
Er grollte verächtlich.  
 Tarja trat hinzu und küsste ihren Sohn liebevoll. „Er ist mein Sohn und egal was er tut, ich bin Stolz auf ihn. Aber wir alle“, sie zeigte auf die Gruppe der Chafren, „sind eure Kinder.“  
 Die Gruppe der Menschen verstand jetzt überhaupt nichts mehr.  
„Kann mir mal einer erklären, was diese Tigerin jetzt meinte?“, fragte einer aus dem Hintergrund.  
 „Ich gebe es mal kurz und knapp wieder“, begann sie. „Wir kommen vom Pla-neten Genro. Bis vor einigen Monaten lebten wir friedlich und unbeschwert. Dann wurden einige von uns von Kampfrobotern angegriffen und unsere bis dahin heile Welt zerbrach. Wir organisierten uns, stellten eine Kampfgruppe zusammen und gingen gegen verschiedene Basen auf unserem Planeten vor. Im Zuge dessen, stellten wir fest, dass wir vor etwa 600 Jahren auf dem Wege der Gentechnik künstlich erzeugt wurden, außerdem hatten wir Daten gefun-den, die uns auf die Spur der Cherit brachten.   
 Es handelt sich dabei ebenfalls um eine Anthrozivilisation, welche vor etwa tausend Jahren mit euch im Krieg lag. Es sollte als letzte Hoffnung eine Art bio-logische Waffe gezüchtet werden, um sie gegen die Cherit einzusetzen. Aber es klappte nicht und zweihundert Jahre später herrschte Frieden zwischen Menschen und Cherit.   
 Die Basen wurden aber nicht aufgegeben und an die Forschung überstellt. Die neue Aufgabe lag darin Genro in einen Vergnügungsplaneten umzuwan-deln.   
 Jagdlustige Menschen sollten intelligente Tiere jagen können, nur so und zum Spaß. Das ging aber auch schief und wir entstanden. Durch einen Fehler wurde in den Basen die Verteidigung aktiviert und alle Menschen eliminiert. Am Ende waren alle Menschen verschwunden und nur wir leben dort. Ihr seid also un-sere Erzeuger und wir eure Geschöpfe. Allerdings sind kurz vor unserem Abflug Ungereimtheiten aufgetaucht, auf die wir hier eine Antwort zu finden hoffen.   
 Urteilt selbst.   
 Geht man so mit seiner eigenen Schöpfung um? Begrüßt man so Lebewesen, die Fragen haben und zumal noch mit friedlichen Absichten kommen?“  
 Sie waren einhelliger Meinung und schüttelten die Köpfe.  
 Plötzlich hörte man ein Piepen.   
„Oh, das ist nur mein Pieper“, sagte Shana. Sie griff zu ihrem Mobiltelefon und rief die angezeigte Nummer an.  
 Zunächst hellten sich ihre Gesichtszüge auf, dann wurden sie wieder finster, um am Ende des Gesprächs zu erstarren. „Man vermisst Fletcher und hat mit-bekommen was hier passiert ist. Wir sollten alle schnellstmöglich ver-schwinden.“  
  
  
  
  
  
 Kapitel 42  
  
 Flucht  
  
  
 Shana wandte sich an die Gruppe der Furries. „Ihr geht wieder auf die Anthro-con. Verhaltet euch unauffällig, tut so, als wäre nichts passiert und hättet ihr nichts gesehen.“  
 Sie zogen nach und nach ab. Einige von ihnen warfen noch rasch einen Blick auf die Chafren und winkten freundlich zum Abschied.  
  
„So“, wandte sich Shana an den verbliebenen Rest, „wir machen uns jetzt auch auf den Weg. Ich werde versuchen, euch unauffällig in mein Haus zu bringen und dort zu verstecken. Man darf euch auf gar keinen Fall entdecken, denn das wäre unser aller Untergang.“  
 Andrew nickte.   
 Syrgon steuerte den Mech wieder in die Frachtfähre, die anderen stiegen ebenfalls ein und so flogen sie über die Dächer der Häuser hinweg, zur ande-ren Seite der Stadt. Dort hatte Shana ihr Haus. Jody setzte die Fähre weich hin-ter der Rückseite auf.   
Sie stieg aus und sondierte die Umgebung. „Niemand zu sehen.“  
 Geduckt betraten sie das Gebäude über den Hintereingang und sammelten sich im Erdgeschoss.  
„Und nun?“, fragte Sinja.  
„Ihr bleibt hier und ruht euch aus. Ihr dürft gerne die Dusche nutzen und auch alles andere steht zu eurer Verfügung. Ich fahre ins Institut. Man hat mich über interessante Neuigkeiten informiert, die ich überprüfen will.“  
 Cyron nickte und lächelte dankbar. Als Shana das Haus verlassen hatte, drehte er sich zu Apophis um. „So und du bist uns jetzt eine Erklärung schuldig. Was hatte dein Auftritt da draußen zu bedeuten? Dein Blutrausch war in meinen Augen vollkommen sinnlos.“  
 Der junge Kater sah seinen Großvater unbeeindruckt in die Augen. „Ihr ward auf dem Weg in euren Tod. Fletcher hatte ursprünglich den Auftrag uns der hiesigen Wissenschaft auszuliefern. Daher waren auch so viele Soldaten er-schienen und ein Komitee aus verschiedenen Entscheidungsträgern. Zunächst solltet ihr zu einem Haus gebracht werden, dass sich Konzilsgebäude nennt.   
 Aber plötzlich wurde der Plan geändert und Fletcher hatte wiederholt die Sei-ten gewechselt. Nicht das er irgendwann auch nur einmal auf der richtigen Sei-te gestanden hätte. Nein, weit gefehlt. Aber er bekam einen neuen Auftrag und der lautete, Exitus. Alle Anthros vernichten. Daher tauchten am alten E-Werk auch nur Soldaten auf. Die waren das Kommando für unseren Abgesang.“  
„Das ist also des Rätsels Lösung“, sagte Grey.   
„Man will aus unseren Genen neue Waffen herstellen und sie gegen die Cherit einsetzen“, ergänzte Apophis nachdrücklich.  
 Cyron pfiff leise.  
„Egal was ihr jetzt macht. Ich gehe duschen“, sagte Jody und verließ den Raum.   
 Die Chafren waren unter sich.  
„Können wir ihr vertrauen?“, fragte Grey an Apophis gewandt.  
„Ja, ich glaube schon. Sie hat uns geholfen, euch zu finden und zu retten. Ich denke nicht, dass sie uns täuschen will. Außerdem gehört sie einer Gruppe an, die sich Furries nennt. Diese Menschen treffen sich in regelmäßigen Abständen und frönen einer Art Anthrokult. Sie betrachten uns als göttliche Schöpfung und freuen sich über unsere Existenz. Wir sind eine Art Bestätigung für sie und ihre Wünsche, Träume und Sehnsüchte.“  
 Grey nickte.  
„Okay, dann scheinen wir mindestens zwei direkte Vertraute unter den Men-schen zu haben“, sagte Stella und schien etwas beruhigter zu sein.   
 Zumindest kam sie sich nicht mehr so hilflos vor, wie bei ihrer Landung auf der Erde.  
„Übrigens, das Puzzle vervollständigt sich langsam. Durch Jody habe ich erfah-ren, dass man uns für Cherit hält und möchte nicht nur das alte For-schungsprojekt wieder aufleben lassen. So und ich muss jetzt mal für kleine Sä-belzahntiger“, sagte Apophis und verschwand.  
„Ich habe es die ganze Zeit über geahnt“, grollte Andrew. „Was soll man von diesen Kreaturen halten? Die schließen Friedensverträge und halten sich nicht dran. Die pfuschen in unseren Genen herum und versuchen sich aus der Affäre zu ziehen. Zufälligerweise tauchen wir auf und man greift sofort die alten Vor-haben wieder auf.“  
 Cyron nickte bestätigend.  
  
 Apophis durchstreifte derweil das Haus und erreichte die gewünschte Lokali-tät. Er trat ins Badezimmer und verschaffte sich die ersehnte Erleichterung.   
 Plötzlich trat Jody hinter ihn und begann seinen Rücken zu streicheln.   
 Apophis fuhr erschrocken herum. Die Frau betrachtete den Tiger eingehend und sog jedes Detail seiner Anatomie in sich auf. Ihr Blick glitt über sein Ge-sicht, die muskulöse Brust, seinen Körper und landete auf der Höhe der Gürtel-linie. Dort ließ sie ihren Blick verharren und betrachtete die Region abschät-zend. Plötzlich ging sie in die Offensive. Sie warf sich an seine Brust, kuschelte sich an ihn und griff beherzt zu. Apophis wollte zurückschrecken, aber die Frau war schneller. Mit wenigen geschickten Griffen hatte sie den Kater da, wo sie ihn haben wollte. Langsam, aber stetig rührte sich da was.   
 Jody ließ erschrocken los und wich drei Schritte zurück. Sie hatte mit vielem gerechnet, aber das was sie erst spürte und jetzt sah, überforderte sie. Sie kniff die Augen zusammen und blinzelte vorsichtig.   
 Tatsächlich, sie hatte sich nicht getäuscht. „Oh, mein Gott. Ich glaube, ich ha-be gerade einen kleinen Fehler gemacht.“  
 Apophis sah an sich herunter, zuckte mit den Schultern und ließ alles wieder in der Dunkelheit seines Körpers verschwinden.   
 Jody pfiff bewundernd auf. „Es tut mir Leid. Ich hatte mir in diesem Augen-blick nichts sehnlicher gewünscht als dich zu spüren, aber an den Anblick muss ich mich erst gewöhnen. Es war nicht ganz das, was ich erwartet hatte.“  
 Apophis nickte und lächelte gütig.  
 Thorn kicherte und schüttelte den Kopf.  
„Was ist mir dir?“, fragte der Kater verwundert.  
„Nichts, nichts. Ist schon alles in Ordnung. Ich musste gerade nur an Warl den-ken. Der hatte in einem Gespräch, kurz nach eurer Ankunft, eine Andeutung gemacht, die genau diese Szene zum Inhalt hatte. Er war der Meinung, dass es kein Zurück mehr gäbe, wenn ich dich animieren würde. Du hast seine Theorie gerade begraben. Schade, dass er das nicht mehr erleben konnte.“  
 Apophis sah ihr tief und die Augen und sein Blick schien unendlich traurig zu sein. „Ihr haltet uns wirklich für Tiere und unterstellt uns unkontrollierte Trieb-haftigkeit.“  
„Es tut mir Leid.“  
„Hmhm. Ihr Menschen entschuldigt euch scheinbar sehr oft. Zumindest habe ich den Eindruck, dass es so ist.“  
„Wie kommst du darauf?“  
„Die Worte kommen euch sehr leicht von den Lippen und scheinen euch kei-nerlei weitere Gedanken wert zu sein.“  
 Thorn blickte zu Boden und dachte über seine Worte nach. „Vielleicht hast du recht und wir sind wirklich sehr oberflächlich geworden im Laufe der Zeit.“  
„Den Eindruck habe ich in der Tat.“  
 Sie biss sich auf die Unterlippe und schien betroffen, ging auf Apophis zu, blickte zu ihm auf, streckte sich und küsste ihn auf die Nase. „Du bist wirklich süß.“ Sie verließ das Badezimmer und ging zu den anderen Chafren.   
 Wenig später folgte er ihr und gesellte sich dazu.  
 Cyron sah erst zu Jody, dann zu Apophis. Als sich ihre Blicke begegneten, deutete er kurz auf die Frau. Apophis zuckte fragend mit den Schultern und Cyron schloss kurz die Augen und lächelte.  
 Der Tiger ging zu seinem Enkel. „Na, wie sieht’s aus?“  
„Gut, gut.“  
„Läuft da was?“  
„Hmmm … nicht direkt. Sie wollte erst, hat es sich aber dann anders überlegt. Ich habe sie, sagen wir mal, etwas überrascht.“ Apophis grinste zweideutig und hob eine Augenbraue hoch.  
„Ach so? Menschen kann man überraschen? Hätte ich nicht gedacht. Bisher haben sie nur uns überrascht.“ Cyron kicherte leise.  
  
 Jody Thorn war am grübeln.   
 Sie fand diesen Tiger einfach zu niedlich und er war traumhaft kuschelig. Seit Jahren träumte sie davon, einen Anthro als Begleiter zu haben und mit diesem Wunschdenken war sie nicht allein. Viele Furries wollten das. Aber ihr eigener Traum schien in Erfüllung zu gehen, in Gestalt von Apophis. Tief in ihrem In-nersten begehrte sie den Kater und wollte nicht nur eine Nacht mit ihm ver-bringen, wollte viel mehr.   
 Aber was war geschehen? Er stand vor ihr, sie machte ihn an und er reagierte gemäß ihrem Wunsch. Doch dann verblüffte er sie mit Etwas, das ihr den Atem verschlug. Sie bekam es mit der Angst zu tun und kniff. Warl hatte sie vor ge-nau diesem Moment gewarnt, aber es geschah genau das Gegenteil von dem was er prophezeit hatte, nämlich überhaupt nichts.   
 Dieser Anthro und wahrscheinlich auch die anderen waren wirklich ehrlich und zurückhaltend. Sie waren so anders als die ihr bekannten Menschen und das faszinierte sie noch mehr. Wenn sie Apophis das nächste Mal gegenüber-stehen sollte, würde sie nicht weglaufen, sondern sich ihrem Wunsch stellen und beiden Freude bereiten.  
  
 Nach mehreren Stunden kehrte Shana zurück. Sie betrat ihr Haus und trat zu den Chafren hinzu. Die hatten derweil Essen zubereitet und verschlangen gie-rig ihr Fleisch. Sie nahm einen Teller, packte sich einen ordentlichen Batzen drauf, nahm sich noch etwas Kartoffelsalat und setzte sich.  
„Hallo, Shana“, sagte Apophis.  
„Hallo zurück.“ Sie lächelte in die Runde.  
„Und?“  
„Was und?“  
„Gibt es Neuigkeiten?“  
„Ja. Man hat unsere Spur zunächst verloren. Es sind zu viele Finger- und Fußab-drücke in dem Gebiet verstreut um die Geschehnisse wasserdicht zu rekonstru-ieren. Zunächst hatte man Jody im Verdacht, verwarf es aber, weil man die Lei-che von Fletcher fand. Außerdem sind die Reste von Warl und Flint in der Mondbasis gefunden worden.   
 Man nimmt an, dass sie entführt wurde und ebenso die Anthros in der Gewalt der Entführer sind. Unsere Furry-Freunde haben ganze Arbeit geleistet und es sich nicht nehmen lassen saubere falsche Spuren zu legen. Zusätzlich hat man noch die Funksprüche von Fletcher eingesammelt und weiß, dass es jemanden gibt, der euch schnellstmöglich loswerden will. Daher auch die Idee mit der Entführung. Zusätzlich habe ich noch ein paar Gerüchte gestreut und die Ab-lenkung war perfekt.“  
 Das waren gute Nachrichten.  
„Da ist allerdings noch was anderes. Euer Schiff wurde auf der Mondbasis unter Überwachung gestellt. Somit kommt da keiner mehr ran.“  
 Apophis seufzte und starrte aus dem Fenster. „Wir sind also gestrandet, wie es aussieht.“  
 Shana wurde verlegen und seufzte: „Da ist aber noch ganz was anderes.“  
„Na, erzähl schon“, munterte Diana sie auf.  
„Tja, also, es ziehen scheinbar zwei Gruppen die Fäden. Die eine Gruppe will euch haben, um aus euch Waffen erzeugen zu können und die andere Gruppe hat einfach nur eine scheiß Angst um ihre Macht und will euch sofort tot se-hen. Und zu allem Überfluss muss ich eine Weltreise antreten und euch verlas-sen.“  
„Was? Warum das denn?“, fragte Jody enttäuscht, denn ihre beste Freundin konnte sich doch nicht gerade jetzt davonstehlen.  
„Ich muss einige Funde überprüfen, die an verschiedenen Ausgrabungsstätten zum Vorschein gekommen sind.“  
„Ach was und das ist so dringend?“, fragte Jody weiter.  
„Ja. Wie es aussieht, ist da einige Unruhe in unsere archäologischen Ausgra-bungen gekommen. Jedenfalls haben einige Funde zwei Bekannten eine Hei-denangst eingejagt.“  
„Können wir dich begleiten?“, fragte Tarja unverblümt.  
 Shana überlegte und kaute auf ihren Lippen. „Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee wäre. Ihr solltet besser hier bleiben oder noch besser zurück auf eu-ren Heimatplaneten fliegen, egal wie, ihr müsst einen Weg finden. Ihr seid auf der Erde eher Freiwild und zum Abschuss freigegeben.“  
 Andrew und Chiron grollten gleichzeitig und zeigten damit ihren Unmut über Shanas Äußerung.  
„Ich gebe nur meine persönliche Einschätzung der momentanen Situation wie-der“, beschwichtigte sie schnell und hielt die Hände nach oben.   
 Die Geste verfehlte nicht ihre Wirkung und Chiron setzte sich wieder hin, während Andrew finster dreinblickend zur Decke starrte.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 43  
  
 Walter Skort  
  
  
 Vor der Haustür hörte man unvermittelt Schritte und jemand klopfte an.  
„Bleibt hier und rührt euch nicht vom Fleck“, flüsterte Shana.   
 Sie ging zur Tür und öffnete sie.  
 Man hörte eine männliche Stimme: „Hallo, Dr. Grant.”  
„Oh. Hallo Walter. Was verschafft mir die Ehre deines Besuchs um diese Zeit?“  
„Ähm … darf ich reinkommen? An der Tür sollten wir besser nicht darüber sprechen. Hier gibt es zu viele Ohren.“ Den letzten Satz flüsterte er eher ver-schwörerisch.   
 Sie beugte sich nach draußen, sah sich auf der Straße um.   
 Es war niemand weiter zu sehen.  
„Okay, komm rein.“  
 Walter Skort war etwas über Sechzig und Professor der Ägyptologie. Er war ein glühender Verehrer der alten ägyptischen Götterwelt und fand die entspre-chenden Mythen und Legenden mehr als nur aufregend.  
„Okay. Was gibt es so Wichtiges, dass es um diese Uhrzeit und so dringend be-sprochen werden muss?“  
„Wollen wir uns nicht lieber setzen?“ Der Professor gab sich geheimnisvoll und schwenkte eine Fotomappe.   
 Shana war in der Zwickmühle. Einerseits konnte sie den Professor nicht auf die Straße setzen, andererseits durfte er auch nicht ins Wohnzimmer, weil dort eine ziemliche Überraschung warten würde. Außerdem war es viel zu gefährlich für alle.  
„Shana. Was ist mit ihnen? Sie benehmen sich so merkwürdig.“ Skort hatte et-was Väterliches an sich, gegen das sie einfach machtlos war.   
 Sie wusste nicht mehr weiter.   
 Da kam die Rettung in Gestalt Andrews.   
 Die Chafren hatten das Gespräch verfolgt und waren zu dem Entschluss ge-kommen, dass sie den Professor einweihen sollten.  
  
„Kommen sie doch herein“, sagte der Säbelzahnlöwe betont freundlich und lä-chelte gewinnend.  
 Skort bekam leuchtende Augen. „Habe ich es mir doch gedacht. Sie sind eine kleine Füchsin und haben mich nicht enttäuscht“, frohlockte der Professor.   
 Er nahm sich ein Herz und trat ins Wohnzimmer. Shana und Andrew folgten ihm.  
Skort erstarrte zur Salzsäule und bekam feuchte Augen als er die restlichen Chafren sah.   
„Ja. Ja. Ja. Ich habe es immer gewusst. Ich war felsenfest davon überzeugt, dass es sie gibt.“  
 Er freute sich und wurde regelrecht übermütig. Er schien plötzlich wie ein Gummiball von einem Chafren zum nächsten zu hüpfen und das war bei seiner leichten Arthrose gar nicht so einfach. Er schüttelte jedem die Hand. Als er bei Syrgon ankam schaute er zu ihm auf und nannte ihn Anubis. Der Wolf schüttel¬te den Kopf.   
„Das kann nicht sein. Ich bin kein Gott. Anubis ist einer unserer Götter.“  
 Der Professor ließ sich nicht beirren. „Nein, nein. Das ist schon vollkommen richtig so.“  
 Er dreht sich zu Tarja um und bezeichnete sie als Sachmet, trotz ihrer Fell-zeichnung. Diana war laut seiner Aussage Horus, wenn auch weiblich. Aber das alles störte ihn nicht. Andrew war nunmehr Maahes. Als er Apophis erblickte, erstarrte er in Ehrfurcht..   
„Apophis“, sagte er nur, „du bist wirklich hier. Ich hatte es nie für möglich ge-halten die Götter der alten Ägypter in einem Raum zu sehen und vor allem le-bend. Selbst der Apis-Stier ist anwesend.“  
„Tja und beinahe wären sie tot gewesen“, sagte Jody.   
„Oh, entschuldigen sie Miss Thorn. Ich habe sie zwischen den ganzen großen Gestalten glatt übersehen.“ Er ging zu ihr und küsste sie freundschaftlich.   
 Sie nahm die Entschuldigung an.  
„Was meinten sie eigentlich damit, dass sie fast tot gewesen wären? Shana? Was ist passiert?“  
„Fletcher hatte von jemandem, der uns leider nicht bekannt ist, den Auftrag unsere Gäste zu exekutieren.“  
„WAS?“, Beim Professor wechselte schlagartig die Stimmung. „Diese götter¬losen Bastarde. Das wäre ein Verbrechen an der ganzen Menschheit, wenn nicht sogar an der ganzen Geschichte des Universums gewesen.“ Er war außer sich, versuchte aber die Fassung zu wahren. „Nun gut. Wie ich sehe habt ihr aber Glück gehabt.“  
 Apophis nickte zur Bestätigung. Der Professor konzentrierte sich ganz auf ihn, warum auch immer.  
„Sehr schön. Ach, ich bin so aufgeregt. Shana, ich habe hier ein paar Bilder, die sie sich unbedingt anschauen sollten und unsere Freunde hier auch.“   
 Er öffnete die Mappe und breitete Farbfotos auf dem Tisch aus.  
 Shana nahm die erste Aufnahme unter die Lupe. Sie zeigte den Eingang in ein altes unterirdisches Grab. „Wo haben sie die Aufnahmen gemacht?“  
„Die stammen nicht von mir, muss ich gestehen. Ehre wem Ehre gebührt. Die Fotos stammen alle von Dr. Binder.“  
„Gregor? Der alte Haudegen. Wie ich sehe hat er tatsächlich mal was gefunden, außer Sand.“  
 Die beiden Wissenschaftler lachten, während die anderen nur herumstanden und zunächst nichts verstanden.  
„Wenn ich das also richtig kombiniere, dann stammen die Aufnahmen aus Ägypten?“  
„Ja. Richtig, meine Liebe und sie sollten sie gut anschauen. Vielleicht fällt ihnen etwas auf. Ich habe auch erst zweimal hinsehen müssen, bevor ich es begriff.“  
 Shana legte das Bild wieder auf den Tisch und überflog ihn, wie auch die an-deren. Plötzlich hielt sie inne und zuckte unwillkürlich zusammen.   
 Skort begann zu lächeln. Sie griff zielstrebig zwischen die Fotos und zog eins heraus, hielt es ins Licht der Deckenlampe. „Das ist nicht ihr ernst oder? Das ist doch wohl getürkt“, sagte sie ungläubig.  
„Sie haben sehr gute Augen. Ich dachte auch erst, dass mich Dr. Binder veral-bern will. Aber dann habe ich mit ihm telefoniert und er beschrieb noch mehr Merkwürdigkeiten. Ich denke, dass er noch mehr gefunden haben dürfte in der Zwischenzeit.“  
„Wie alt ist die Aufnahme jetzt?“  
„Sie ist vor circa zwei Wochen gemacht worden.“  
„Zwei Wochen? Dann kann ich verstehen, warum so viel Wert darauf gelegt wird, dass ich schon morgen aufbrechen soll.“  
 Skort nickt.  
„Auf welches Alter wird der Fund geschätzt?“  
„Zum Zeitpunkt der Aufnahme wusste man es noch nicht genau, vermutete aber, dass er etwa 15.000 Jahre alt sein muss.“  
„WIE ALT?“, Shana war sichtlich betroffen und musterte ihn scharf. „Professor. Ich hoffe, sie wissen was sie gerade gesagt haben.“  
„Ja. Ja. Aber natürlich. Deshalb ist es ja so unglaublich sensationell. Der Fund stammt aus einer Zeit in der die alten Ägypter noch nicht mal existierten. Ihre Kultur war in den Kinderschuhen, als dieses Wesen auf dem Foto lebte und das in genau der Region in der später das alte Theben stand.“  
 Shana Grant wippte unruhig auf und ab und schüttelte immer wieder den Kopf. Ihr Herz fing an zu rasen und sie glaubte den Bezug zur Realität zu verlie¬ren.  
 Apophis trat neben sie. „Was ist auf dem Foto zu sehen, Doktor?“  
 Sie schaute ihn an und reichte es ihm.   
Er starrte auf die Aufnahme und bekam strahlende Augen. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll.“  
„Was siehst du?“, fragte Diana neugierig und auch die anderen Chafren schie-nen auf eine Antwort zu drängen.   
 Er legte das Bild auf den Tisch, so dass es alle sehen konnten.  
 Auf ihren Gesichtern konnte man Entsetzen, ungläubiges Staunen und Freude erkennen.   
 Man sah eine Ausgrabungsstelle und im Zentrum ein anteilig freigelegtes Skelett. Es sah aus wie das eines Löwen oder Tigers. Der Kopf fehlte anteilig, jedoch waren kräftige Kieferknochen mit einem länglichen Schnauzenteil er-kennbar, Arme und Beine waren vollständig. Und – dieses Wesen hatte Hände und Hinterpfoten.   
 Sie alle sahen die Überreste einer Raubkatze die definitiv aufrecht ging und Hände besaß und das vor geschätzten 15.000 Jahren auf der Erde.  
„Irgendjemand muss eine gottverdammte Angst bekommen haben, als er von diesen Funden erfuhr und dann geriet er in Panik als unsere Freunde plötzlich auftauchten“, bemerkte Jody und hatte damit den Nagel auf den Kopf getrof-fen.  
 Der Professor strahlte über beide Ohren. „Das ist des Pudels Kern. Da lebte ei-ne vielleicht intelligente Raubtierspezies auf der Erde, weit bevor die ägyp¬tische Hochkultur überhaupt entstand und sie war dem Menschen vermutlich auch überlegen. Diese Theorie drängt sich geradezu auf. Und aus der Unend¬lichkeit tauchen mir nichts dir nichts genau diese Raubtiere auf.“  
 Er dreht sich zu Apophis um. „Nichts für ungut meine Lieben, aber ich versu-che nur den Faden zu spinnen. Bitte seid mir für die Bezeichnung des Tieres nicht böse.“ Er fuhr fort: „Ein gewisser Personenkreis bekommt Panik, sieht sein Weltbild und seine Macht bedroht und versucht wenigstens die lebenden Spu-ren zu beseitigen.“  
„Das hört sich logisch an“, bemerkte Syrgon.  
„Aber wer sollte so was tun?“, fragte Sinja.  
„Die Kirche“, sagte Shana trocken. „Sie war schon immer der Meinung, dass es nur einen Gott gibt und nur ein gottgleiches Wesen, nämlich den Menschen. Sobald diese Sekte ihre Vormachtstellung bedroht sah, hat sie barbarische Kriege angezettelt, bei denen am Ende so gut wie nichts Gescheites raus kam. Das einzige Ergebnis war immer nur, dass die Kirche ihre Macht stärkte, noch reicher und fetter wurde und die Ärmsten der Armen auch noch ihr letztes Hab und Gut verloren oder sogar das Leben.“ Sie verzog angewidert das Gesicht: „Hätte ich mir eigentlich auch denken können.“  
„Wie dem auch sei. Doktor Grant, sie fliegen morgen bitte nach Ägypten und anschließend nach Peru und sehen sich die Ausgrabungsstätten an.“  
„Au backe. Professor, sie jagen mich aber ganz schön durch die Gegend“, seufzte Shana.  
„Ich weiß, ich weiß, meine Liebe. Aber ich denke sie werden begeistert sein. Au-ßerdem werde ich ihnen den Privatgleiter unserer Akademie stellen und sie werden nicht allein fliegen, sondern in einer Reisegruppe.“  
 Sie schaute Skort fragend an.  
„Schauen sie mich nicht so an. Wollten sie unsere Besucher etwa allein zurück-lassen?“  
 Es kam Bewegung in den Raum. Alle sprachen plötzlich quer durcheinander und unterhielten sich über alles Mögliche. Man verstand sein eigenes Wort nicht mehr.  
„Ruhe, Ruhe, Ruhe. Bitte! Shana, sie sind so nett und bringen unsere Gäste morgen früh, noch vor Tagesanbruch aus der Stadt. Der Gleiter wird pünktlich um vier Uhr bereitstehen und ich persönlich habe den besten Piloten ausge-sucht der zur Verfügung steht.“  
„Ach? Und der wäre?“  
„Ihre Freundin. Oder dachten sie, dass ich das Risiko eingehe und noch mehr Leute in die Sache mit rein ziehe? Abgesehen davon traue ich im Moment sehr wenigen Menschen über den Weg und je weniger von unserer Extratour wis-sen, umso sicherer sind unsere Götterwesen.“ Der Professor kicherte wieder wie ein kleines Kind.   
 Er verabschiedete sich von allen überschwänglich, ließ die Bilder zurück und verschwand so überraschend wie er aufgetaucht war.  
  
„Das war ja mal ein interessanter Mensch“, bemerkte Finlay.  
„Ja. Er ist ein echtes Unikat und war mein Dekan in Ägyptologie auf der Uni. Er hatte vor zwanzig Jahren seine Frau bei einem Autounfall verloren und alle hatten damals die Befürchtung, dass er sich nicht mehr fangen würde.   
 Er verließ die Uni für drei Jahre und kam plötzlich wie ausgewechselt wieder. Keiner weiß, was in dieser Zeit geschehen war und er macht auch ein Geheim-nis draus. Irgendwie ist er leicht schräg geworden. Aber egal, er war wieder da und eine echte Vaterfigur für jeden Studenten.“  
 Apophis lächelte, wie auch die anderen.  
„Da wir alle schon gegessen haben, schlage ich vor, dass wir uns im Haus ver-teilen, sich jeder eine Ecke sucht und schlafen. Die Nacht ist kurz und wir müs-sen schnell und fit sein“, sagte Shana.  
 Sie stimmten alle zu und bald war aus den verschiedensten Bereichen im Haus ein gleichmäßiges Schnarchen zu hören.   
Na ja, aus fast allen Bereichen.   
  
 Jody war zu Shana gegangen um sie um einen Gefallen zu bitten. „Shana. Du hast doch noch die Tigersuit, die ich dir vor drei Jahren zur Aufbewahrung an-vertraut hatte.“  
„Ja. Die habe ich immer noch. Warum? Was hast du vor? Willst du jetzt als Ti-gerin verkleidet durch das Haus schleichen und die Anthros erschrecken?“   
Sie musste bei diesem Gedanken kichern.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 44  
  
 Annäherung  
  
  
„Nein. Natürlich nicht. Ich will zu Apophis. Er ist so süß und ich will ihm was Gutes tun. Er kommt mit so einsam vor.“  
„Oh, da hat wohl das Mitgefühl zugeschlagen.“  
„Nicht nur das Mitgefühl. Ich will ihm eine gute Tigerin sein und er soll sich wohl fühlen, sich fallen lassen können.“  
 Shana erschrak. „Ich hoffe du weißt, worauf du dich da einlässt. Er ist zwar kein Tier, aber er könnte sehr ungestüm reagieren.“  
„Ich weiß, Shana. Aber glaube mir. Wir beide standen schon mal kurz davor und er hat sich verschämt zurückgezogen, mich nicht bedrängt.“  
 Grant seufzte und nickte, ging an den Wandschrank und holte die Suit raus. „Na ja, dann kann ich euch beiden ja wohl nur noch viel Spaß wünschen, oder?“  
„Danke, das ist wirklich lieb von dir.“  
„Wobei ich das Gefühl nicht loswerde, dass du etwas sehr schnell bei der Sache bist.“  
„Warum? Ich habe ein anderes Gefühl. Schmetterlinge im Bauch und den Wunsch ihn zu spüren, zu riechen und mit ihm zu schnurren.“  
 Shana, verdrehte die Augen und zeigte auf die Tür. „Keine Details bitte.“   
 Die Suit-Delenquentin ward von der Gerichtsbarkeit entlassen.  
 Jody ging ins Badezimmer und zog sich um. Die Tigersuit passte perfekt. Es gab keine überflüssige Falte und sie lag hervorragend straff auf der Haut. Die Animatronik tat auch noch was sie sollte und Schwanz und Ohren bewegten sich entsprechend ihrer Stimmung. Sie setzte zu guter letzt den Kopf auf und verließ das Zimmer ihrer Freundin. Die sah kopfschüttelnd hinterher und ging zu Bett.  
‚Hoffentlich weiß sie wirklich was sie tut’, dachte sie noch und schlief ein.  
  
 Apophis hatte sich in eines der drei Gästezimmer verzogen und aufs Bett ge-legt. Kurze Zeit später öffnete Jody die Tür und trat ein.   
„Apophis? Bist du hier?“, fragte sie flüsternd.  
„Jody? Bist du das?“, fragte der Kater leise zurück.  
„Eine Frage beantwortet man nicht mit einer Gegenfrage. Aber ja. Ich bin’s. Psst! Wir wollen die anderen nicht wecken.“  
  
 Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, legte sie sich neben den Kater und ku-schelte sich an sein Fell. Sie begann ihn zu streicheln, tastete seine starken Oberarme und seine Brustmuskeln ab, während die andere Hand über seinen Bauch glitt. Sie legte ihren Kopf auf seine Brust und lauschte minutenlang sei-nem gleichmäßigen Herzschlag.  
 Er streichelte im Gegenzug ihre Haare und ihr Fell. --- Er stutzte!   
 Fell? Er setzte sich auf und erkannte im Halbdunkel tatsächlich die Gestalt ei-nes Tigers.  
„Wie ist das möglich?“, fragte er verwirrt.  
„Bleib ruhig und entspann dich. Genieße einfach die Nacht mit einer Tigerin.“   
 Sie erhob sich, setzte sich auf den Tiger und massierte ihm die Brust und die Flanken. Jede Muskelfaser wurde von ihren zarten Händen verwöhnt und Apo-phis schnurrte leise, aber deutlich hörbar.  
 Sie freute sich darüber und das leise Vibrieren seines Körpers stimulierte sie, regte sie an. Sie verspürte das unerträgliche Verlangen, ihrem Kater etwas Gu-tes tun zu wollen, ohne selbst etwas dafür zu verlangen.  
„Lass es sein. Du musst das nicht tun“, flüsterte er gedrückt. Aber sein Unterbe-wusstsein sagte etwas anderes.  
 Jody liebkoste jede Stelle, knabberte zärtlich daran herum und genoss es, dass sich der Tiger kaum mehr beherrschen konnte. Er schloss die Augen und ließ sie endgültig gewähren.   
 Schließlich hatte sie es geschafft, ließ von ihm ab, legte sich auf ihren Tiger, krallte sich in sein Brustfell und beide schliefen zufrieden ein.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 45  
  
 Ägypten  
  
  
 Es war zwei Uhr als Cyron erwachte und noch etwas benommen durch das Haus tapste. Er war auf der Suche nach der Toilette, der Dusche und einer Tas-se Kaffee. Die beiden ersteren Sachen fand er ziemlich schnell und ging er-frischt und halbwegs munter in die Küche. Jetzt galt es den Rest zu finden.  
 Die Kaffeemaschine entdeckte er sofort, aber wo war der Kaffee?  
Er öffnete einen Schrank nach dem anderen, wühlte in den Ablagefächern. Pol-ternd fiel eine Tasse zu Boden und zerbrach.   
 Der Lärm riss die Anderen aus dem Schlaf. Sie schreckten hoch und liefen in die Küche, wo sie jedoch nur auf Cyron trafen, der inzwischen das Gesuchte komplettiert hatte.  
„Guten Morgen, ihr Schlafmützen! Kaffee?“, trällerte er kurz und hielt die Pul-verdose vor die Brust, als wolle er Werbung dafür machen und setzte sein bes-tes Grinsen auf.  
 Diana winkte ab, Stella schüttelte den Kopf, Wotan und Sirius seufzten im Du-ett und Andrew rollte mit den Augen.  
„Du hättest uns auch etwas sanfter wecken können“, brummelte Sitara. „Aber das ist wieder typisch für dich. Hätte jetzt bloß gefehlt, dass du uns gefragt hättest, ob wir auch nicht mehr schlafen können.“  
 Cyrons Grinsen wich. „Entschuldigung. Aber es wird eh langsam Zeit. Wir ha-ben nur noch eine gute Stunde bis wir den Gleiter erreicht haben müssen.“  
„Au man. Stimmt ja“, sagte Finlay.  
„Wamanos“, warf Kira ein und gab Andrew einen Klaps auf den Hintern.  
 „Was hat es eigentlich mit diesem Wamanos auf sich?“, fragte Andrew, als er mit Kira ins Bad ging.  
„Ich weiß es nicht. Das habe ich irgendwann mal von meinen Eltern aufge-schnappt und beibehalten. Warum? Stört es dich und soll ich es abstellen?“  
 Andrew schüttelte den Kopf. „Nein, nein. Es würde mich stören, wenn du es nicht mehr sagen würdest. Ich finde es nur interessant und ich wollte wissen, wo du diesen Ausdruck her hast. Weißt du, seit wir gestern Abend diese Bilder gesehen haben, gehen mir die verschiedensten Gedanken durch den Kopf.“  
 Kira presste die Lippen aufeinander. „Hmhm. Das geht nicht nur dir so.“  
 Als sie in die Küche zurückkamen, saßen Cyron und Shana Grant am Tisch und tranken Kaffee. Die anderen hatten sich auch bedient und schlürften genüsslich an ihren Tassen.  
„Ah. Da sind ja die nächsten zwei“, sagte sie fröhlich. „Seid ihr auch so auf-geregt wie ich?“  
 Zustimmendes Nicken und Murmeln.   
„Das wird bestimmt faszinierend und das Beste daran ist, dass ihr mitkommt. Ach, ich freue mich so.“  
 Stella nahm ihre Tasse vom Mund, grinste und zwinkerte Shana zu. „Ganz ru-hig, meine Liebe. Wird schon schief gehen.“  
 Die Augen der Wissenschaftlerin leuchteten wie zwei kleine Feuer.   
 Stella sah sich um. „Hat eigentlich jemand Apophis gesehen? Abgesehen da-von, wo ist Jody geblieben?“  
 Shana trank gerade einen Schluck Kaffee und hustete plötzlich. Sie stellte ihre Tasse schnell ab, nahm ein Taschentuch und wischte sich ihren Mund ab. „Sor-ry, ich hatte mich verschluckt.“  
 Cyron sah ihr schief in die Augen. „Du weißt doch was und verschweigst es uns.“  
 Sie schüttelte den Kopf.   
 Das war nicht überzeugend und schürte Cyrons Argwohn. „Was ist los?“, frag-te er übermäßig langsam und betont.  
 Sie zuckte tapfer mit den Schultern.   
 Cyron ahnte was, aber war sich nicht sicher. Jedenfalls riss er plötzlich die Au-gen auf und seine Kinnlade klappte herunter. „Wenn es das ist was ich vermu-te, dann …“, er konnte den Satz nicht vollenden, denn zwischenzeitlich war Jody erwacht, hatte Apophis geweckt und beide waren schnellen Schrittes in die Küche gegangen und standen mitten im Raum, „ … was dann?“, fragte Apophis.  
 Cyron drehte sich um und schaute seinem Enkel erwartungsvoll ins Gesicht: „Dann, mein Lieber, musst du mir was erklären.“  
 Aber Apophis’ Auftritt, sein stellenweise zerlegenes Fell und vor allem Jody, die neben ihm stand, immer noch die Tigersuit trug und jetzt den Kopf ab-nahm, sagten genug.  
 Jody Thorn grinste breit, Apophis lächelte mild, Shana vergrub ihr Gesicht in der linken Hand, Cyron starrte zwischen den beiden hin und her und der Rest der Gruppe fing an zu kichern, als sie begriffen was geschehen war. Die ganze Szene wirkte skurril.  
„Das war es also was du wusstest, aber verschwiegen hast“, sagte Stella.  
 Shana nickte verschämt. „Ja. Jody kam gestern Abend noch in mein Zimmer und verlangte nach ihrer Tigersuit. Sie wollte Apophis damit eine Freude ma-chen.“  
„Nur damit?“  
„Na ja und sie meinte, dass er süß wäre und sie ihm eine willige Tigerin sein möchte. Er hätte es wohl verdient.“  
 Jodys Grinsen wurde noch breiter und sie nickte eifrig.   
 Cyron biss sich auf den kleinen Finger. „Hat es denn wenigstens geklappt und Spaß gemacht?“, fragte er schließlich direkt heraus, nicht ohne etwas Ironie in der Stimme.  
 Die beiden sahen sich an und küssten sich.  
„Danke. Das genügt schon. Mehr will gar keiner wissen“, sagte Shana. Sie stand auf und ging ins Badezimmer.  
  
 Dort traf sie auf Wotan und Sirius, die die Dusche in Besitz genommen hatten und sie gemeinsam ausgiebig nutzten.   
 Shana riss die Augen auf. „Das darf doch wohl nicht wahr sein“, schrie sie auf und rannte aus dem Bad.   
Sie ging zurück in die Küche und baute sich mit verschränkten Armen im Raum auf.  
 Ihr Blick war Funken sprühend. „Kann mir mal einer erklären was hier eigent-lich los ist?“  
 Tarja schaute sie verdutzt an. „Um was geht’s denn?“  
„Ich frage mich wo ich hier gelandet bin. Ich wollte gerade duschen, aber das wurde durch zwei Rüden verhindert die offensichtlich schwul sind und soeben an sich herummontiert haben. Ist gerade Frühling auf eurem Heimatplaneten?“  
 Cyron schaute Shana tiefgründig an. „Du überreagierst. Genau genommen stimmt weder das eine noch das andere. Es ist einfach so, dass Sex ein fester Bestandteil unseres Lebens ist und, wie auch bei euch, der Entspannung dient.   
 Außerdem haben wir sehr viele Pärchen in unserer Gruppe. Die beiden Rüden sind eins davon, dann kommen noch Stella und ich hinzu sowie Tarja und Chi-ron, Kira und Andrew, Sitara und Finlay, Sinja und Grey und nunmehr auch Jody und Apophis. Bei den beiden sieht es zumindest danach aus. Wenn man es eng sieht, darfst du dich nicht wundern.“  
 Shana starrte zur Decke. „Bei allen Göttern. Das darf einfach nicht wahr sein.“  
„Ah doch. Ist es aber. Aber, wenn es dir hilft, dann kann ich dir Diana oder Syr-gon empfehlen, entsprechend deiner Ausrichtung.“  
 Das war zu viel des Guten. Die Wissenschaftlerin stampfte wütend mit ihren Füßen auf. „Du, du, du...“  
„Ja bitte?“  
„... du bist ein ganz, ein ganz, ein ganz … ach, ich weiß auch nicht was du bist.“  
  
Wotan und Sirius betraten die Küche.   
 Shana drehte sich um. „Darf ich jetzt auch mal ins Bad?“  
Die beiden Wölfe sahen sich an und nickten.  
„Das ist wirklich zu gütig von euch.“   
 Sie entschwand ohne die anderen eines weiteren Blickes zu würdigen.  
„Wotan, ihr beide solltet euch etwas zurücknehmen. Unsere liebe Frau Doktor hat momentan etwas Probleme mit unseren Trieben.“  
 Sirius kicherte, sah seinen Partner an und nickte schließlich zustimmend.  
  
 Shana war inzwischen im Bad angekommen.   
‚Vielleicht hat Cyron ja Recht’, dachte sie, ‚Ich hätte nicht so krass reagieren dürfen. Ich sollte mich nachher bei ihnen entschuldigen.’  
 Sie duschte rasch und putzte sich gleichzeitig die Zähne. So war sie schneller, zog sich reisefertig an und eilte wieder in die Küche. Die Chafren hatten eben-falls ihre Sachen zusammengepackt und erwarteten sie.  
„Okay“, begann sie, „ich muss mich entschuldigen. Meine Reaktion vorhin war nicht gerechtfertigt.“  
„Doch, war sie. Wir sollten uns mehr zusammenreißen“, ging Cyron dazwi¬schen.  
„Nein, ihr müsst doch wegen mir nicht darben und euch verbiegen. Immerhin könnt ihr ja nichts dafür, dass ich keine Partnerin finde.“ Sie seufzte und sah zu Boden.  
„Partnerin?“, fragte Stella und machte ein erstauntes Gesicht.  
„Tja, nun ist es raus. Ich bin lesbisch. Und glaubt mir, unter den Furries ist es mehr als nur schwierig eine ebenfalls lesbische Partnerin zu finden. Der größte Teil von denen ist männlich und dann schwul oder hetero ausgeprägt. Der weibliche Anteil ist gering dagegen und eine lesbische Greifin findet dort ga-rantiert nichts Passendes.“ Sie ging zum Kühlschrank, holte sich einen Schoko-riegel heraus und kaute hektisch darauf herum.  
„Tja, das ist natürlich ein Ding“, sagte Diana, „Ich bin zwar eine Greifin, aber nicht lesbisch und außerdem gebunden.“  
„Ich weiß“, sagte Shana. „Das wollte ich damit auch nicht zum Ausdruck brin-gen. Ich wollte vielmehr meine Reaktion begründen und meine Aggressivität nicht im Raum stehen lassen.“  
„Entschuldigung angenommen, wenn du unsere annimmst“, sagte Tarja.   
 Shana nickte und lächelte hinreißend. Sie schaute auf die Uhr. „Verdammt, es ist schon Viertel vor vier. Wir müssen sofort los.“  
 Die Gruppe erhob sich und verließ das Haus. Sie schlichen durch die Straßen und bewegten sich dabei dicht an den Wänden entlang.  
„Ich habe gerade ein Déja vu“, sagte Chiron an Tarja gewandt.  
„Das haben wir, glaube ich, alle“, entgegnete sie leise.  
 Nach zehn Minuten erreichten sie den Stadtrand und wie durch ein Wunder hatte sie tatsächlich keiner gesehen. Nur ein Hofhund bellte kurz als er die An-thros sah. Syrgon knurrte daraufhin kurz und der Hund zog den Schwanz ein.   
 Der Wolf näherte sich ihm vorsichtig, streckte seine Hand aus und streichelte ihn. Jody schüttelte den Kopf und sie gingen weiter.  
 Der Gleiter war bereits in Sichtweite und wie angekündigt waren sie allein. Jody setzte sich auf den Pilotensitz und Shana nahm ebenfalls im Cockpit Platz. Die Chafrengruppe machte es sich derweil im Passagierraum bequem. Die Rei-se konnte beginnen. Jody startete die Maschine und sie hoben ab.   
 Shana hatte Unterlagen gefunden in denen ihr Zielgebiet eingetragen war. „Alle mal herhören“, kam ihre Stimme über die Lautsprecheranlage. „Wir wer-den jetzt fünf Stunden in der Luft bleiben. Danach müssen wir einen Zwi-schenstopp einlegen und tanken. Das wird etwa dreißig Minuten dauern. An-schließend fliegen wir weiter nach Ägypten und setzen in der Nähe des alten Theben auf. Auf dem Tisch liegen einige Unterlagen und Zeitschriften. Wenn ihr wollt, dann könnt ihr ja mal ein bisschen lesen. Dann wisst ihr schon mal et-was über die alten menschlichen Ägypter, die vor circa 8.000 Jahren zu einer grandiosen Zivilisation aufstiegen und bis zu ihrem Untergang beeindrucken-des leisteten. Alles andere wird sich dann vor Ort zeigen und am Ende die Hälf-te der Unterlagen überflüssig und wertlos machen.“  
Damit war die Durchsage beendet.  
  
 Kiras Interesse war geweckt.   
 Sie stand auf und schnappte sich eine der dicken Zeitschriften. Sie blätterte sie zunächst kurz durch und fing dann an zu lesen. Stella machte es ihr nach und versank sehr schnell im Stoff.  
 Cyron und Chiron machten sich Gedanken darüber, wie es weiter gehen sollte und was werden würde, wenn sich alle Vermutungen als Wahrheit herausstel-len sollten.  
 Tarja unterhielt sich mit Diana über Fell- und Gefiederpflege sowie über Er-nährung und tauschte Kochrezepte aus. Diese waren von Tarjas Seite nicht sehr ergiebig, denn sie war ein reiner Fleischesser. Von Diana kam da wesentlich mehr und sie überhäufte die Tigerin mit Ratschlägen und sich sehr lecker an¬hörenden Gerichten.   
 Der Rest setzte die so früh unterbrochene Nachtruhe fort und schöpfte Kräfte bei einem ausgiebigen Schläfchen.  
  
 „Eingelegtes Fleisch?“, fragte Tarja.  
„Ja. Du nimmst ganz normales Rindfleisch und legst es in einen Sud aus Blut-moos und Krealwurzeln. Den Sud kochst du kurz auf, lässt ihn ab¬kühlen und packst das Fleisch hinein. Das Ganze musst du dann eine Woche ziehen lassen. Danach nimmst du das Fleisch und brätst es völlig normal von beiden Seiten gut durch.“  
„Und was mache ich mit dem Sud?“  
„Den kannst du getrost weggießen. Den brauchst du nicht mehr. Das Fleisch wird super zart und außen herrlich knusprig. Du musst aber drauf achten, dass kein Teil mehr roh ist, denn der Anteil der Krealwurzeln verursacht eine unan-genehme Nebenwirkung in rohem Fleisch.“  
 Tarja staunte: „Und das wäre?“  
„Es wirkt ab einer bestimmten Konzentration extrem verdauungsfördernd. Glaub mir, ich habe es am eigenen Leib erfahren und wünsche diese Erfahrung meinem ärgsten Feind nicht.“  
  
„Das finde ich faszinierend“, sagte Kira an Stella gewandt.   
 Die legte ihre Zeitschrift beiseite und schenkte der Luchsin ihre ungeteilte Aufmerksamkeit.  
„Hier steht, dass in Ägypten in einer der sogenannten Zwischenzeiten ein Hyk-soskönig namens Apophis einfiel und als König von Ägypten in der fünfzehn¬ten Dynastie um 1560 vor Christi galt. Er unterjochte weite Teile des Landes für einen Zeitraum von zwölf Jahren und regierte mit blutiger Hand. Erst nach die-ser Zeit gelang es Tutmosis III. das Land von ihm zu befreien. In dieser Zwi-schenzeit ging es mit der Kunst und Kultur in Ägypten bergab. Es wurden keine neuen Kunstwerke erschaffen und altes zerfiel zusehends. Soweit dazu.   
 Weiter belegt ist, dass es zwischen Ramses II. und einem Hethiterregenten namens Muwatalli III. Krieg gab, welcher bei Kadesch um 1274 vor Christi in ei-ner gigantischen Schlacht seinen Höhepunkt fand. Später hatten die Hethiter Probleme mit den Assyrern und so schlossen Ramses II. und der Nachfolger von Muwatalli II. namens Hattusili III. einen Friedensvertrag, welcher sehr lange Zeit hielt und beiden Seiten zu Wohlstand gereichte. Der Vertrag wurde laut dem was hier steht um 1259 vor Christus geschlossen.“  
„Welch Zufall das mein Sohn Apophis heißt und dieser Skort ihn auch so nann-te.“  
 Kira nickte: „Ja, aber warum sollte er ihn gerade so bezeichnen?“  
„Ich weiß es nicht. Aber vielleicht ist der Professor mit seinen Vermutungen in ganz anderen Ebenen und hat inzwischen ein ganz anderes Bild von der Ge-schichte Ägyptens gewonnen“, gab Stella zu bedenken.  
„Mag durchaus sein. Vielleicht war dieser Apophis in Wirklichkeit ganz anders und weder Fürst noch Barbar. Vielleicht blühte Ägypten in der Zwischenzeit nicht auf, weil sich Apophis um die wichtigen Sachen kümmerte und nicht um Prunk.“  
„Ich glaube, wir sind auf einer interessanten Spur. Klären werden wir viele Fra-gen jedoch erst, wenn wir die Funde sehen und das Puzzle zusammensetzen können.“  
 Kira seufzte und sah auf die Uhr. „Die Zeit vergeht zwar, aber irgendwie viel zu langsam. Wir brauchen noch dreißig Minuten bis zur Zwischenlandung und dann wieder einige Stunden bis wir endlich da sind.“  
„Ich denke“, entgegnete Stella, „dass wir uns auch noch etwas aufs Ohr legen sollten. Dann sind wir fit, wenn wir ankommen.“  
 Sie räkelten sich in den Sitzen und schliefen wenige Minuten später ein.  
  
 Die Zwischenlandung verschliefen alle und die Betankung verlief ohne Zwi-schenfälle. Der Professor hatte gute Arbeit geleistet und wirklich an alles ge-dacht. Kaum war die Maschine gelandet, schon war der Tankwagen da und die Tanks füllten sich mit Brennstoff. Leider konnte sich die Uni einen der moder-nen Weitstreckengleiter nicht leisten, sonst wäre der Tankstopp unnötig gewe-sen. Aber, es ging auch so.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 46  
  
 das Konzil  
  
  
 Als sie nach und nach zu sich kamen, war der Gleiter längst wieder gestartet und nur noch zehn Minuten von seinem Ziel entfernt.  
 „Hallo, ihr Schlafmützen! Ihr solltet langsam aufwachen und euch den Schlaf aus den Augen reiben. Wir sind gleich da.“  
 Cyron reckte sich. „Gibt es denn bei der Zwischenlandung was interessantes zu sehen, dass du uns wecken musst?“  
„Zwischenlandung? Mein lieber Herr Kater. Die ist schon längst passé. Wir sind gleich am Ziel.“  
 Das erregte die Gemüter und plötzlich waren alle sehr munter. Sie eilten zu den Fenstern und schauten hinaus. Tief unter ihnen lagen gewaltige Bauwerke, die pyramidenförmig waren und in einem gleichschenkligen Dreieck lagen.  
„Die Bauwerke die ihr seht, stammen von den alten Ägyptern. Es handelt sich um die großen Pyramiden von Gizeh. Die Größte von ihnen ist die Cheopspyra-mide und ist das Grabmal des gleichnamigen Pharaos Cheops. Die beiden klei-neren gehören zu Chephren und Mykerinos.  
„Das ist überwältigend“, flüsterte Tarja.   
 Sie waren begeistert. So monumental hatten sie sich das Ganze nicht vorge-stellt.  
„Und das hat ein Pharao allein gebaut?“, fragte Cyron ahnungslos.  
 Stella und Kira mussten kichern. „Nein, natürlich nicht“, sagte die Tigerin. „Der Pharao war der regierende Herrscher. Ein sogenannter Gottkönig auf Erden. Gebaut haben diese Anlagen 100.000e von Arbeitern, von denen man an-nimmt, dass sie Sklaven waren.“  
„Sklaven?“  
„Ja, eine altertümliche Form der Menschenhaltung. Diese armen Kreaturen wa-ren genau genommen vollkommen rechtlos und hatten lediglich die Aufgabe der Herrscherkaste zu dienen und das ihr Leben lang.“   
 Kira schüttelte es allein schon bei dem Gedanken daran.  
„Seht mal da. Der verdrehte Anthro“, sagte Jody über die Lautsprecher. „Das ist der Sphinx.“  
„Wow, das ist ja ein Löwe mit einem Menschenhaupt“, bemerkte Andrew.  
 Sie kamen wirklich aus dem Staunen nicht heraus.  
„Wann wurde das alles erschaffen?“  
„In den einzelnen Blütezeiten der ägyptischen Reiche. Es gab die Vorzeit, dann die Frühzeit, später das alte Reich, das mittlere Reich und das neue Reich. Zwi-schendurch lagen die Bauten brach. In der sehr frühen Zeit wurden die in-teressantesten Bauten errichtet. Später ging man zu Veränderungen über und auch zum Bau der Pyramiden. Aber bald stellte man fest, dass die Gräber ge-plündert wurden, trotz dass man alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen hatte.   
 Daraufhin änderte man die Taktik und verlegte die Grabmale unter die Erde. Aber auch hier wurde munter weiter geplündert. Am Ende legte man mehrere Gräber zusammen und machte sich weniger Aufwand, außerdem wurde von bestehenden Bauten Material entwendet und an anderen Stellen eingesetzt.   
 Die Kultur die so fantastisch war und so viele technisch hochentwickelte Mo-numente baute, ging langsam unter und zerlegte sich nach und nach selbst, was vom immer stärker werdenden Einfluss des römischen Reiches und dessen Machtdrang entscheidend beschleunigt wurde“, erklärte Kira.  
  
 „Ihr solltet euch anschnallen. Wir landen gleich“, forderte Shana auf.  
Sie taten es, schauten aber trotzdem weiter aus den Fenstern. Keiner auf Genro würde ihnen das alles glauben.   
 Dreißig Kilometer von den Pyramiden entfernt setzte die Maschine weich auf dem Wüstenboden auf und kam zum Stillstand. Sie stiegen aus und in Sicht-weite sah man schon eine Sandwolke auf sie zu kommen.  
„Das muss Gregor Binder sein“, sagte Shana. „Er hat uns wohl kommen sehen und sich gleich auf den Weg gemacht.“  
 Sie starrten dem Fahrzeug entgegen, welches sich mit hoher Geschwindigkeit näherte. Und tatsächlich, es war Dr. Binder.  
 „Hallo, Shana und Jody“, sagte er überschwänglich erfreut.  
 „Hallo, Gregor“, erwiderten die beiden Frauen fast gleichzeitig.   
Sie küssten sich zur Begrüßung, dann wandte er sich den Chafren zu.   
„Seid gegrüßt, Freunde. Ihr seid also diejenigen, die viele Menschen so nervös machen, dass sie euch lieber tot als lebend hätten. Ich hoffe ihr habt starke Nerven und einen klaren Verstand, denn das was ich euch alles zeigen und er-klären werde, bedarf mehr als nur einer großen Phantasie.“  
„Nur zu“, sagte Chiron. „Wir haben schon Bilder gesehen und sind, denke ich mal, einigermaßen vorbereitet auf das was da auf uns zukommt.“  
 „Vergesst die Bilder, denn es wird noch besser. Wir haben innerhalb von zwei Wochen unglaubliche Sachen gefunden und sehr viele davon können wir uns nicht erklären oder besser gesagt, wir können damit nichts anfangen und sie nicht bedienen.“  
 Jetzt war die Neugier von allen auf dem Höhepunkt angelangt. Sie konnten es kaum erwarten die Funde zu sehen und saßen schon alle auf der Pritsche des Lkws.  
Gregor Binder kannte sich in der Gegend hervorragend aus, fuhr mit einer un-glaublichen Geschwindigkeit und umkurvte zielsicher alle Bodenunebenheiten. Die Fahrt dauerte somit auch nicht lange und sie erreichten ihr Ziel. Sie hatten das Basislager erreicht und staunten wieder einmal. Die Arbeit schien wirklich hochprofessionell zu sein.   
 Binder erklärte: „Damals sah es bei den Ausgrabungen streng genommen ge-nauso aus wie bei uns jetzt. Es gab nur einige Unterschiede. Früher haben die Arbeiter und Wissenschaftler in Zelten gelebt, die Funde mussten mühsam konserviert werden und zerfielen sehr oft schon nach kurzer Zeit, außerdem hatten sie nicht überall Strom und mussten oft mit offenem Feuer hantieren. Heute ist das alles etwas moderner. Wir können Funde sofort in die Rechner scannen, können Modelle erstellen, Beziehungen untereinander verifizieren, wir können den Zerfall aufhalten und tiefkühlen und wir haben Strom, wo wir ihn wollen und brauchen.“  
 Er grinste und man merkte, dass ihm seine Arbeit sehr viel Spaß machte.  
„Du bist unverbesserlich“, sagte Jody zu ihm, „Ein Idealist wie er im Buche steht.“  
„Mag sein, aber wart’s ab bist du alles gesehen hast.“ Er rollte verheißungsvoll mit den Augen und zwinkerte ihr zu. „So, dann kommt mal alle rein. Ich zeige euch erst mal ein paar der neuesten Bilder.“  
  
Sie nahmen in einer Art Besprechungsraum Platz und Binder dimmte das Licht. Die Bilder kamen von einem Diaprojektor der nicht mehr der neueste war, aber seiner Aufgabe treu ergeben.   
 Er zeigte das erste Bild. „Das dürftet ihr vielleicht schon kennen. Es ist ein Ske-lett, welches wir vor gut zwei Wochen entdeckten. Es liegt am Rande der Grundrisse des alten Thebens und ist nicht so spektakulär wie der Rest.“  
 Das nächste Bild wurde interessanter.   
„Das ist einer der weiteren Funde.“ Er trat vor und holte einen Zeigestock her-vor. „Wie man deutlich erkennt, handelt es sich hierbei um zwei Skelette.“  
 Er fuhr die Umrisse nach. „Man erkennt, dass das eine Fundstück zwei lange Arme hat, Beine, Füße, die auf einen Sohlengang hinweisen und die Wirbelsäu-le zeigt in ihrem Aufbau, dass es aufrecht ging. Außerdem ist der Schädel rundlich und zeigt den für einen Menschen typischen Kieferknochen und Un-terkiefer.   
 Das zweite Fundstück liegt an der Ausgrabungsstelle direkt daneben und et¬wa fünfzig Zentimeter entfernt. Auch hier sieht man, dass es aufrecht ging, es hat lange Arme, Hände, Beine, aber und das ist das Besondere, keine Füße. Es hat lange Fußwurzelknochen, die vom Boden ausgehend in einem weiteren Gelenk enden und zwar sitzt dieses Gelenk genau dort wo wir Menschen un¬sere Hacken haben. Das zweite Wesen war also ein Zehengänger.“  
 Chiron schaute auf seine Pfoten. Sie sahen genauso aus, wie die des zweiten Wesens auf dem Bild.  
„Allein schon das ist bemerkenswert, aber der Schädel reißt alles raus.“  
 Er zeigte das dritte Bild, welches eine Nahaufnahme des Schädels war. Ein Raunen ging durch den Reihen.  
„Ihr seht ganz recht. Dieser Schädel ist länglich, zeigt einen deutlichen Ge-sichtsschädel mit langen Kieferknochen und das Gebiss entspricht dem eines Raubtieres. Wir haben die Daten verglichen und die Computer spuckten das Ergebnis aus. Es handelt sich zweifelsfrei um ein Wolfsgebiss.“  
 Syrgon machte große Augen. „Du willst damit andeuten, dass an der Stelle ein Mensch und einer meiner Artgenossen nebeneinander liegen?“  
„Ich deute es nicht nur an, es ist so. Die Funde sind eindeutig.“  
 Er wechselte zum nächsten Bild. „Hier sieht man einen weiteren Fund. Er be-findet sich hundert Meter südlich vom eben gezeigten. Hierbei handelt es sich ebenfalls um zwei Skelette, allerdings ist nur eines ein Anthro. Bei dem einen handelt es sich um einen Anthrolöwen, bei dem leider die Beine fehlen, bei dem anderen um ein vierpfotiges Raubtier, vermutlich auch einen Löwen. Zu-mindest lassen die Größenverhältnisse darauf schließen. Während der erste Fund auf eine Kampfhandlung hinzuweisen scheint, die Knochen weisen ent-sprechende Spuren auf, weist der zweite Fund nicht direkt auf einen Kampf hin. Es sieht eher so aus, als ob die beiden ohne sich wehren zu können ermordet wurden. Der Schädel den wir fanden weist entsprechende Schlagspuren auf.“  
 Er wechselte auf das nächste Bild. „So! Und jetzt kommt etwas, an dem wir uns die Zähne ausgebissen haben. In einem unterirdischen Grabmal haben wir einen Zugang in eine Seitenkammer entdeckt. Dieser Zugang“, er deutete auf eine bestimmte Stelle des Bildes, „wird durch eine Tür blockiert, welche über einen Handscanner geöffnet wird. Die alten Ägypter hatten aber niemals Handscanner und vor allem, es passt keine unserer Handflächen. Die Tür bleibt verschlossen.“  
 Er beendete den Einleitungsvortrag abrupt. „So, wollen wir uns die Sachen mal direkt anschauen?“  
 Alle nickten eifrig und sie verließen den Raum.   
  
 Draußen brannte die Sonne unbarmherzig herunter.   
 Die Arbeiter schauten die Gruppe der Chafren verschüchtert an und machten ihnen weiträumig den Weg frei. Fast schien es so als hätten sie keine Angst vor ihnen, sondern würden eher in Ehrfurcht den Göttern den Weg ebnen.  
Sie kamen an den Eingang zur Ausgrabungsstelle und schauten die Zugangs-stufen hinab ins Dunkel.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 47  
  
 Ausgrabungen  
  
  
 Die Ausgrabungsstellen waren durch riesige Zelte abgeschirmt. Binder ging voraus und gab den Weg vor. Die anderen folgten ihm.  
„Tja, da wären wir“, sagte Gregor. „Den ersten Fund haben wir da hinten ge-macht.“  
 Er deutete in die Richtung und Apophis und Andrew gingen hin. Die anderen blieben bei Gregor Binder und ließen sich zur zweiten Fundstelle führen. Sie befand sich unter einem anderen Zelt.  
 Die beiden Säbelzahnkater hockten sich vor die Skelette. Die Archäologen, die bis jetzt mit Pinseln und kleinen Beiteln weitere Teile freilegten, rutschten et¬was beiseite.  
 „Huch, ich grüße die Säbelzahnfraktion. - Sieht aus, als würden hier ein paar von euch liegen“, sagte einer der Angestellten.  
„Du hast Recht. Sieht wirklich so aus. Die Frage ist nur, was sie hier gemacht haben? Und vor allem, wo kommen sie her?“  
„Das ist eine gute Frage und die Antwort ist ganz einfach. Es ist ihre Heimat.“  
 Apophis stutzte und Andrew hielt den Kopf schief.  
„Ich habe mich gerade verhört, oder?“, sagte der Säbelzahnlöwe.  
„Nein, das habt ihr nicht. Die Erde ist die Heimatwelt der Anthros. Zumindest sieht es danach aus. An welchem Fleck sie genau entstanden, wissen wir noch nicht. Aber eines ist sicher, der Planet von dem ihr kommt ist nicht eure Hei-mat. Hier liegen eure Vorfahren und eure Wurzeln.“  
 Andrew pfiff leise und Apophis musste sich beherrschen um nicht ein er-stauntes Gesicht zu machen. „Ich weiß nicht warum“, sagte er, „aber irgendwie habe ich die ganze Zeit geahnt, dass wir auf der Erde eine ganz andere Wahr-heit finden als die, die wir kennen.“  
„Woher hast du diese Vorahnung?“, fragte der Archäologe.  
„Wie gesagt, ich weiß es nicht. Aber alles scheint sich zu verdichten. Allein schon die Aussagen des Professors was meinen Namen betrifft waren ein wei-terer Hinweis.“  
„Aha. Inwiefern? Also, wie heißt du denn?“  
„Mein Name ist Apophis.“  
 Dem Angestellten des Teams entgleisten die Gesichtszüge und auch die an-deren drehten sich zu ihm um. „Das ist in der Tat mehr als ein Zufall.“  
„Okay. Was sagen denn die Knochen unseres Vorfahren?“, fragte Andrew da-zwischen und erhob sich.  
„Tja, eine ganze Menge. Er war etwas kleiner als ihr und wahrscheinlich extrem muskulös gebaut.“   
 Der Wissenschaftler hockte sich hin. „Seht hier“, sagte er und deutete auf fei-ne Umrisse die einige Zentimeter von den Knochen entfernt zu erkennen wa-ren, „diese feinen Linien sind die Spuren der ehemaligen Haut und anhand des Abstandes zu den Knochen können wir das Aussehen, besser gesagt die Ge¬stalt des Wesens ziemlich genau bestimmen. Allerdings sind die Rechner noch am auswerten der Daten. Ich hoffe aber, dass sie nicht mehr lange brauchen.“  
 Apophis nickte.  
 Plötzlich rief jemand von der anderen Seite des Zeltes herüber: „Die Rechner sind fertig.“  
„Perfektes timing. Lasst uns mal rüber gehen und einen Blick auf unseren Freund werfen.“  
 Die drei blickten auf den Monitor und sahen wie sich gerade Zeile für Zeile ein Schwarzweißbild aufbaute.  
„Aha, da haben wir es. Der Rechner spuckt noch zusätzliche Daten am linken Bildrand aus. Das Wesen war von der Grundstruktur her ein Löwe. Also ein in Ägypten einheimisches Tier. Allerdings ist es eindeutig, dass er aufrecht ging. Darauf weisen die langen Beine und das außen liegende Kniegelenk hin. Die Vordergliedmaßen sind definitiv Arme und enden in Händen und nicht in ein-fachen Pfoten. Es ist ganz klar ein anthropomorphes Lebewesen. Es gibt Hin-weise darauf, dass es in einer Region des nördlichen Peru geboren wurde.“  
 „Woran erkennst du das?“, fragte Andrew.  
 „Bestimmte Nahrungsmittel hinterlassen Einlagerungen in den Knochen. Alle Tier- und Pflanzenarten nehmen Stoffe aus der Umwelt auf, die abhängig sind vom Lebensraum. Wenn ein Raubtier ein anderes Tier frisst, dann nimmt es au-tomatisch die Substanzen, welche sich in dessen Fleisch und Knochen abgela-gert haben, auf. Diese Substanzen lagern sich nach und nach im Fleisch und auch in den Knochen des Raubtieres ab. Später kann man anhand einer Kno-chenanalyse ziemlich genau feststellen wo das Raubtier mal gelebt hat. Die Knochen unseres Freundes hier enthalten sehr viele Flavonoide und Terpenoi-de, diese Stoffe stammen von Pflanzen namens Ginkgoites und Baires und die-se existierten vor etwa 20.000 Jahren bis vor etwa 5.000 Jahren im nördlichen Peru.“  
 „Wow“, entfuhr es Apophis, „die Sache wird immer interessanter. Die Frage ist nur. Was hat er hier gemacht und warum war er hier?“  
„Was er hier gemacht hat, kann ich euch sagen. Er hat gegen Menschen ge-kämpft. Genauer gesagt, gegen die Armee von Ramses II. Und wenn das stimmt und ich die Zeitdaten korreliere, dann gehörte er zur Armee der Hethi-ter. Und daher auch dein Name und dass die Hyksos, wie auch die Hethiter in Überlieferungen der alten Ägpter oftmals als Horden wilder Tiere bezeichnet wurden.“  
„Cherit“, murmelte Apophis leise.  
„Was sagtest du gerade?“, fragte der Wissenschaftler  
„Hm? Ich weiß nicht genau, aber als du den Namen Hethiter sagtest, kam mir plötzlich der Begriff Cherit in den Sinn und wir sind Chafren.“  
 Der Wissenschaftler schaute ihn ungläubig und erstaunt an. „Kommt mal mit.“  
 Sie gingen zur anderen Gruppe. Die standen um den zweiten Fundort herum.  
„Und, habt ihr hier auch was nettes gefunden?“, fragte Apophis.  
„Na ja, was Neues nicht direkt“, entgegnete Helios. „Die Skelette wurden von den Menschen falsch interpretiert. Es handelt sich lediglich um ein Skelett. Es wurde zerrissen.   
 Das erste Skelett ist folgerichtig ein Löwenkörper. Er hatte allerdings vier Pfo-ten auf denen er sich bewegte. Der Rumpf, welcher etwas entfernt liegt, gehört eigentlich mit zum ersten Skelettteil. Es handelt sich somit um einen Löwen-taur. Aus welchen Gründen auch immer, sein anthropomorpher Oberkörper ist vom Rest des Leibes abgetrennt worden. Er wurde also umgebracht und das nicht gerade auf eine sanfte Art und Weise. Der Ärmste muss qualvoll zugrun-de gegangen sein.“  
„Wie meinst du das?“, fragte der Wissenschaftler.  
 Binder ergriff das Wort: „Der Hauptkörper eines Taur ist das vierpfotige, wie soll ich sagen, Untergestell, auf dem er sich fortbewegt. Nach der Trennung in zwei Hälften war dieser Teil sofort tot, weil er quasi enthauptet wurde. Der Tor-so jedoch, mit dem Kopf, stirbt nicht sofort und erst nach und nach, aufgrund des Blutverlustes.“  
 Binders Mitarbeiter schnürte es die Kehle zu. Er schaute betroffen zu Helios und bekam einen gequälten Gesichtsdruck. Man sah ihm geradezu an, dass er die Schmerzen nachvollziehen konnte.  
„Ich hoffe nur, dass mein Artgenosse schon tot war, als sie ihn auseinander ge-rissen haben“, sagte der Taur.  
 Die beiden Wissenschaftler nickten.   
„Dr. Binder. Der Säbelzahntiger hier“, er deutete auf Apophis, „sprach, nach¬dem ich den Namen Hethiter erwähnte hatte, von Cherit. Sie selbst nennen sich Chafren.“  
 Binder erstarrte. „Sie wollen mich veräppeln, oder?“  
„Nein, ganz bestimmt nicht Doktor.“  
„Hethiter, Chittim, Cherrim, Cherit? Wenn das nur ein Zufall ist, dann fresse ich einen Besen. Hmhm. Ich glaube wir sollten zum nächsten und damit neuesten Fund gehen. Er befindet sich in einem der Grabmale.“  
 Sie verließen die Zelte und liefen wieder durch den Wüstensand. Neunhun-dert Meter entfernt gingen sie in Untergrund.  
„Hier haben wir ein neues Grabmal gefunden“, erklärte Binder stolz. „Wir haben es das Grabmal der unbekannten Seelen getauft. Es gehört zu keiner uns be-kannten Form. Alle Pharaonen wurden im Tal der Könige beigesetzt, aber nie-mals hier, so dicht bei den Grundmauern Thebens.   
 Sie holten ihre Taschenlampen heraus und gingen tief in den Boden hinein. Der Gang schien fast kein Ende zu nehmen. Erst nach gut sechshundert Metern bogen sie nach rechts ab und ein weiterer Gang schloss sich an. Dieser war al-lerdings wesentlich breiter als der erstere.   
 Ein Ausruf des Erstaunens erfüllte die Dunkelheit. Die Wände waren reich ver-ziert mit Reliefs, die teilweise noch farbig waren. An einigen Stellen waren De-tails heraus gebrochen und am Boden zu Staub zerfallen.   
 Binder leuchtete die rechte Wand ab. „Hier ist eine Stelle, die solltet ihr euch dringend ansehen. Wir sind bisher nicht schlau daraus geworden.“  
 Die Chafren umringten den Doktor und leuchteten die Stelle mit ihren Ta-schenlampen aus.  
„Wenn ihr die Kampfszenen vergleicht fällt euch bestimmt auf, dass sich in je-dem Streitwagen nur zwei Personen befinden. Es sind Streitwagen der Hethiter, Chittim oder auch Cherit. Eine Person war der Wagenlenker und die andere Person der Schütze mit Pfeil und Bogen. Allerdings gibt es in diesem Relief mehrere Streitwagen die anscheinend drei Personen trugen. Zunächst dachten wir, dass es vielleicht ein Fehler in der Darstellung wäre und ein anderer Streit-wagen, der sich dahinter befindet, zufällig mit dem davor überlappt. Aber dann merkten wir, dass sich kein zweiter Streitwagen daneben befindet. Es fehlen zudem die Pferde.“  
 Cyron ging dicht an das Relief heran und schloss die Augen zu einem schma-len Spalt. Er sah fünfundzwanzig Minuten intensiv auf die genannten Stellen und holte Apophis dazu.   
 Beide schauten nochmals und überprüften auch die anderen Reliefs. Anschlie-ßend tuschelten sie miteinander und holten zusätzlich Andrew herbei. Nach weiteren zehn Minuten schienen sie zu einem Ergebnis gekommen zu sein. Alle schauten den dreien gespannt zu.  
  
 Schließlich wandte Cyron sich dem Doktor zu. „Das ist kein dritter Mensch auf dem Streitwagen. Der Oberkörper gehört zu dem Pferd, welches sich neben dem Wagen aufhält. Das ist ein Centaur.“  
„WAS? Das ist nicht möglich!“, entfuhr es Binder.  
„Doch, doch. Sieh, hier die Linien. Die sind nicht zufällig da. Im ersten Moment könnte man denken, dass dem Künstler ein Fehler unterlaufen wäre und er et-was falsch eingemeißelt hat oder das im Laufe der Zeit Material heraus gebro-chen ist. Das ist aber nicht der Fall und sieh mal hier. An dieser Stelle ist das Gleiche zu sehen und wieder ist eine klare Verbindung zwischen dem mensch-lichen Torso und dem Pferdekörper vorhanden. Es ist also tatsächlich kein Feh-ler, sondern Absicht. Wir haben es hier mit einer mehrfachen Darstellung von Centauren zu tun.“  
„Das ist ja faszinierend“, entfuhr es Binder. „Aber was zum Geier haben Centau-ren in Ägypten zu suchen? Die gehörten bisher ins Reich der Mythen und Le-genden und dann auch nur nach Griechenland. – Ach, verdammter Mist! – Das kauft mir doch keine Sau ab. Das mit dem Menschen- und Löwenskelett kann man ja noch anbieten, dass mit dem Löwentaur wird schon wesentlich schwe-rer, aber das jetzt ...“ Er schüttelte den Kopf und war der Verzweiflung nahe. „ ... Ich muss mit Skort telefonieren“, fügte er noch kurz an und verließ den Gang, um an die Oberfläche zu gelangen.  
 Draußen angekommen, stellte er die Verbindung her. &lt;„Professor Skort?“&gt;  
&lt;„Ja. Hallo Doktor! Was macht die Arbeit?“&gt;  
&lt;„Danke der Nachfrage. Die geht voran. Aber hören sie mal. Unsere Chafren-freunde bringen mich in arge Schwierigkeiten, mit ihren Annahmen und Be-hauptungen.“&gt;  
&lt;„Was sie nicht sagen?“&gt;, Skort kicherte.  
&lt;„Mir ist nicht zum Lachen, Professor.“&gt;  
&lt;„Was ist denn passiert?“&gt;, fragte Skort väterlich.  
&lt;„Ich habe die Gruppe zur letzten Ausgrabung geführt. Ich hatte sie ja schon darüber informiert, dass wir in den Reliefs auf Ungereimtheiten gestoßen wa-ren, bezüglich einer dritten Person in einigen Streitwagen.“&gt;  
&lt;„Ja, ich erinnere mich.“&gt;  
&lt;„Tja und wissen sie was diese Verrückten behaupten?“&gt;  
&lt;„Nein, aber ich denke, dass sie mir es gleich sagen werden.“&gt;  
&lt;„Ja, deshalb rufe ich auch an. Ich hatte zumindest nicht vor mich mit ihnen über das Wetter zu unterhalten. Die sind hier vollkommen verrückt geworden. Angeblich existieren keine Ungereimtheiten, es handelt sich schlichtweg um die Darstellung von Centauren. Aber wie bitte kommen die nach Ägypten und was hatten die in drei Gottes Namen hier zu suchen?“&gt; Binder pumpte wie ein Maikäfer und war außer sich.  
&lt;„Das ist ja besser als ich dachte. Ich glaube wir sind einem gigantischen Puzz-le auf der Spur und müssen die Teile nur richtig zusammenfügen.“&gt;  
 Binder schloss die Augen. &lt;„Mag ja sein, aber wenn das schief geht, dann sind wir offiziell so gut wie tot. Die Medien werden uns zerreißen.“&gt;  
&lt;„Bleiben sie ruhig, mein Guter. Vertrauen sie mir. Die Funde sind erst der An-fang und es wird garantiert noch verrückter werden. Sie müssen ihren Horizont fallen lassen und selbst an das Unmögliche glauben.“&gt;  
 Binder beruhigte sich wieder. Bisher hatte sich der Professor nie geirrt und beeindruckte immer wieder mit abstrusen Theorien und Gedanken.   
 Am Ende hatte er immer Recht behalten und das schaffte Vertrauen in Gre-gor. &lt;„Okay, sie haben mich überredet. Aber jaulen sie mir am Ende nicht die Ohren voll, wenn alles den Bach runter geht.“&gt;  
&lt;„Miau!“&gt;, sagte der Professor und legte auf.  
 Binder schaute das Telefon grimmig an. ‚Dieser Narr’, dachte er. Er atmete tief durch und ging wieder zu den Chafren.  
„Ah, Doktor. Da sind sie ja wieder“, begrüßte ihn Shana.  
„Ja, ja. Direkt zurück aus der Hölle“, murmelte er.  
„Okay. Das mit dem Relief ist der absolute Megakracher. Sollte aber noch unter uns bleiben. Es sollte niemand weiter erfahren, bis wir noch mehr Beweise ha-ben.“  
 Alle nickten zustimmend.   
 Binder war beruhigt und führte sie weiter in den Gang hinein. Nach dreihun-dert Metern endeten die Reliefs an beiden Wänden abrupt und der Gang mün-dete in eine Kammer.  
„So. hier ist jetzt eine Grabkammer. Zentral steht ein Granitsarkophag. Die Ägypter können das Ganze nicht gegraben haben, da steht der einfache Baustil entgegen. Die Reliefs an den Wänden weisen jedoch auf eine Kultur hin, die zumindest der ägyptischen entsprach. Die Steinmetzkunst ist sehr ähnlich und genauso filigran.“  
 „Was ist in dem Sarkophag?“, fragte Tarja.  
„Das wissen wir noch nicht. Die Ultraschalluntersuchung soll morgen früh durchgeführt werden. Dann werden wir wissen, ob und wer sich darin befin¬det.“  
„Ah“, bemerkte sie verstehend.  
„Tja und nachdem wir schon eine Menge unmögliche Dinge gesehen haben, kommt das absolute Highlight“, verkündete Binder und trat an die Kammer-rückwand.   
 Apophis stellte sich neben ihn und betrachtete das Gestein. Sekunden später standen auch Diana und Sitara neben ihm. Die anderen hielten sich im Hinter-grund.  
„Hier ist es“, sagte der Doktor und deutete auf eine Platte, welche in den Stein eingelassen war.  
„Das ist also der Handscanner von dem du sprachst?“, fragte Diana beiläufig.  
 Er nickte nur, trat etwas dichter heran und legte seine Hand auf die Scanner-fläche. Es geschah nichts.  
„Hmhm“, brummelte Sitara.   
 „Entweder ist das Ding defekt, hat keine Energie oder ich bin von der falschen Spezies“, erklärte Binder kurz.  
 Apophis schob ihn beiseite und legte seine Hand drauf. Aber auch jetzt ge-schah nichts. „Merkwürdig“, sinnierte er.  
 Sitara leuchtete derweil die Umgebung ab und auch den Boden zu ihren Fü-ßen und Pfoten. „Moment mal“, sagte sie plötzlich, „Gregor, gehst du bitte mal ein Stück beiseite?“  
 Er tat, worum er gebeten wurde.  
„Ja, jetzt verstehe ich.“  
„Was verstehst du?“, fragte er die Leopardin.  
„Seht mal auf den Boden und sagt mir dann, wofür ihr diese Abdrücke haltet?“  
 Apophis leuchtete ebenfalls nach unten und runzelte die Stirn. Er kniete sich hin und begann mit der Hand den Sand wegzuwischen. Nach und nach legte er Markierungen frei, welche keinen Zweifel an ihrer Funktion offen ließen.   
„Da haben wir den Grund warum Menschen diese Tür nicht öffnen können“, verkündete er. „Es handelt sich um Abdrücke, in welchen man stehen muss.“  
 Binder schaute genauer hin und erstarrte. „Ich glaube es nicht, aber das sind ja Pfotenabdrücke.“  
 Erregtes Gemurmel von den anderen.  
„Ich probiere es jetzt noch mal aus“, sagte Apophis, trat in die Aussparungen für die Pfoten und legte erneut seine Hand auf die Scannerfläche.   
 Es dauerte nur Bruchteile einer Sekunde und mit einem leisen Summen öffne-te sich die Tür.  
 Binder schluckte: „Die Technik stammt von euch. Menschen sind Unbefugte.“  
 Fasziniert schaute er vom einen zum anderen. Nachdem die Tür komplett of-fen stand, ging Apophis in den dahinterliegenden Raum. Zunächst war es stockfinster und man konnte die Hand nicht vor den Augen sehen. Das änderte sich aber plötzlich und der Tiger stand in grelles Licht getaucht.  
„Verdammt“, schrie er.  
„Ist was passiert?“, rief Tarja.  
„Nein, nein. Mir ist nichts passiert, nur das Licht ist sehr grell.“  
 Als hätte es jemand gehört, wurde das Licht gedimmt und der Raum hüllte sich in eine angenehme Beleuchtung.  
„Kira!“, rief er, „Komm schnell her. Das musst du dir ansehen!“  
 Die Luchsin flog förmlich in den Raum. „Bei Bastet“, sagte sie, „Das ist ja ein Kontrollraum.“  
 Jetzt hielt es niemanden mehr in der Grabkammer und alle gesellten sich zu Kira und Apophis.  
„Das ist ja nicht zu fassen“, entfuhr es Cyron, „Das sieht ja aus wie in unserem Raumschiff.“  
 Tatsächlich, er hatte sich nicht getäuscht. Die Kontrolltafeln, die Konsolen und auch die Bedienelemente glichen denen in der Anthros Voyage aufs Haar.   
 Kira trat einen Schritt auf einen der TFT-Monitore zu und schaute auf die Be-schriftung. „Tja, ein weiteres Teil des Puzzles ist gefunden. Die Beschriftung ist identisch mit der in unserem Schiff. Und da die Anthros Voyage als Cherit-kreuzer identifiziert wurde, muss dieser Kontrollraum ebenfalls den Cherit ge-hört haben.“  
„Ach du sch … Wir sollten diesen Raum verlassen und morgen hier wieder wei-ter machen“, sagte Binder. „Das ist jetzt definitiv etwas zu viel für mich.“  
 Sie drehten sich um und verließen das Grab.  
„Wie sehen denn eigentlich die typischen ägyptischen Gräber aus?“, fragte Grey neugierig.  
„Das werde ich euch gleich zeigen“, sagte Gregor und ging in Richtung des La-gers.   
 Sie folgten ihm alle und saßen zum Schluss wieder im Besprechungsraum. Er zeigte ihnen Skizzen von Pyramiden und Grabanlagen aus dem Tal der Könige. Dann zeigte er ihnen noch Inschriften und Kartuschen, die in den Gräbern ge-funden wurden.  
„Diese Schriftzeichen sehen genauso aus wie die, die wir in unserem Schiff auf den Steuerkonsolen haben und genauso wie die im gerade gefundenen Kon-trollraum“, sagte Kira nochmals und ganz selbstverständlich.  
 Binder schloss kurz die Augen. Das war genug. Er pfiff jetzt auf alles und holte alle Mitarbeiter zusammen.  
„Schön, dass ihr alle da seid. Wir müssen dringend über die Funde reden“, be-gann er.  
„Gibt es was Neues?“, fragte einer.  
„Und ob, außerdem möchte ich euch unsere Besucher vorstellen. Wie ihr un-schwer erkennen könnt, sind das keine Menschen, aber nichts desto trotz sehr nette, freundliche, fühlende und intelligente Lebewesen. Oder vielleicht gerade deshalb, weil sie keine Menschen sind. Und ich möchte gleich betonen, dass sie nicht zum kuscheln in einsamen Nächten gedacht sind, das gilt vor allem für unsere Plüschfraktion.“  
 Es kicherte in einigen Ecken und auch einige der Chafren mussten sich be-herrschen.  
„Nun aber mal zum Ernst der Sache. Einige der Merkwürdigkeiten scheinen sich geklärt zu haben, allerdings klingen die Erklärungen dafür etwas verrückt. Wer also keine Nerven hat, der sollte es gleich sagen und vor der Tür warten.“  
  
 Alle schüttelten gleichmäßig die Köpfe und Binder konnte zum großen Schlag ausholen. „Okay. Der erste Fund besteht definitiv aus einem menschlichen Ske-lett und dem eines anthropomorphen Löwen. Das entspricht eher unseren Ver-mutungen und reißt uns nicht besonders von den Hockern, wenn es auch zu-nächst unglaublich erschien.   
 Der zweite Fund sieht da schon anders aus. Wir dachten doch alle, dass es sich auch um zwei Lebewesen handelt. Unsere Vermutung war auf einen An-throlöwen ausgerichtet sowie eine vierpfotige Raubkatze. Wir haben uns geirrt und das aus gutem Grund. Wir konnten es nicht anders wissen, da wir versucht hatten das immerhin Wahrscheinlichste anzunehmen und nicht ins Reich der Mythen und Legenden abzudriften.“  
 „Dr. Binder!“, rief einer der Mitarbeiter dazwischen, „Sie drücken sich so zwie-spältig aus. Um was handelt es sich, wenn nicht um das was wir dachten?“  
 „Danke für die eingeworfene Frage, Jansen. Dazu komme ich jetzt. Und ihr solltet euch gut festhalten. Es handelt sich nämlich um …“, er ging zu Helios und legte dem Tigertaur eine Hand auf die rechte Schulter, „ … einen dieser netten Kerle oder ein Weibchen dieser Spezies.“  
Das war ein Schock und lautes, ungläubiges Gemurmel brandete auf.   
 „Woher nehmen sie die Gewissheit?“ Jansen wollte es gerne glauben, aber das fiel mächtig schwer.  
„Es handelt sich nicht um Gewissheit, sondern eher um eine sehr starke Vermu-tung. Unsere Chafrenfreunde kamen drauf als sie sich den Fund genauer ansa-hen. Also sollten wir alles, wirklich alles, woran wir glauben, hinten an stellen und unseren Geist von allen Grenzen befreien. Ich musste es auch. Wir sollten unsere Suche weiter fortsetzen und vor allem ausdehnen. Wir wissen nicht was hier passiert ist, aber wir sollten es dringend herausfinden. Wir sind, glaube ich, der größten Entdeckung auf der Spur die es in der Menschheitsgeschichte je gab. Und wenn wir fertig sind, dann werden viele Bücher neu geschrieben wer-den müssen.“  
„Sie haben doch bestimmt noch ein Ass im Ärmel oder?“, fragte Friggs, an Bin-der gewandt.  
„Aber natürlich. Unsere letzten Fundstätten hatten auch einige große Überra-schungen parat. Einige der Abbildungen im Zugang zur Grabkammer zeigen Centauren.“  
Das war jetzt definitiv zuviel des Guten.   
 Zwei Mitarbeiter standen auf und verließen mit dem Satz: „Den Mist glauben sie doch selbst nicht mehr“, den Raum.  
 Es trat genau die Situation ein, vor der sich Gregor gefürchtet hatte. „Leute, beruhigt euch bitte wieder. Wir haben es hier mit sehr vielen Mysterien zu tun und die gilt es zu klären.“  
„Okay“, sagte Jansen, „ich bin auf jeden Fall dabei. Das ist doch endlich mal ein Abenteuer.“  
 Die Anderen schlossen sich seiner Meinung an.  
„Gut. Das freut mich. Ich wäre jetzt für Vorschläge dankbar.“  
„Tja“, ergriff Jansen wiederholt das Wort, „wir sollten neue und präzisere Mes-sungen an den Skeletten durchführen. Vor allem sollten wir sie zunächst aus dem Boden komplett bergen und zusammenfügen. Wir müssen uns ein Bild machen. Bisher puzzlen wir doch nur herum. Wir sollten Arbeitsteams bilden, die aus je einem Wissenschaftler, einem Arbeiter und mindestens einem un-serer Besucher bestehen. Damit würden wir alle Vorurteile und Glaubensein-schränkungen ausschließen. Man würde die verschiedensten Betrachtungswei-sen auf diese Weise kombinieren und alle Fehleinschätzungen im Vorfeld ver-bannen.“  
 Binder nickte. „Sehr gut. Das ist eine ganz großartige Idee und genauso wer-den wir es auch machen. – Übrigens. Wir haben den Nebenraum in der Grab-kammer geöffnet. Und einer unserer Freunde hier meinte, nur so ganz neben-bei erwähnt, dass die Beschriftungen in diesem Raum genauso aussehen wie die Beschriftungen im Raumschiff mit dem sie herkamen.“  
„Oh nein, auch das noch“, seufzte Friggs.  
„Ja. Ja. Ich weiß, ich weiß. Aber! Die Schriftzeichen im gefundenen Nebenraum sind identisch mit den ägyptischen Hieroglyphen.“  
 Jansen und Friggs verdrehten die Augen.   
„Ich hasse Puzzle“, brummelte Friggs leise.  
  
 Große Ereignisse warfen ihre Schatten voraus und davon gab es im Bereich der Ausgrabungsstellen mehr als genug. Die beiden Skelette der ersten Fund-stelle waren schnell geborgen und wurden fein säuberlich auf einem Edelstahl-tisch aufgebahrt.   
 Jetzt ging es darum die Knochen zu einem ordentlichen Bild zu verbinden. Finlay war Mediziner und konnte sein Wissen in hervorragender Weise unter Beweis stellen. Innerhalb von wenigen Stunden war das Anthroskelett komplett zusammengesetzt, leider fehlte immer noch anteilig der Kopf.   
 Jansen hatte das menschliche Skelett zusammengefügt und jetzt standen sie davor und grübelten. „Was zum Henker haben die beiden gemacht, dass sie hier aufeinander trafen?“  
„Professor Skort sagte etwas davon, dass die Skelette etwa 15.000 Jahre alt wä-ren“, sagte Finlay.  
„Nein, nein. Das muss ein Verständigungsfehler gewesen sein. Die Skelette hier bei uns sind etwa 4.500 Jahre alt. Sie passen genau in den Zeitraum, in dem Ramses II. Probleme mit den Hethitern hatte. Daher liegt die Vermutung nahe, dass es sich um Kampfhandlungen gehandelt haben könnte. Allerdings wären dann die Aufzeichnungen falsch und Ramses II. und seine Schreiber hätten ge-logen. Die Hethiter wurden weit im Norden angeblich geschlagen und in die Knie gezwungen.   
 Die Funde hier belegen aber, dass sie bis an die Stadtmauern von Theben vorgedrungen waren und eine akute Bedrohung darstellten. Demnach hätte aber der Pharao nicht gesiegt. Er hätte allenfalls einen Waffenstillstand und da-mit ein Remis erreichen können. Oder aber, es handelt sich um den überlie-ferten Spähtrupp der Hethiter, der in den Schriften erwähnt wurde. Dann hät-ten sie die Wahrheit gesagt.“  
 „Aber warum sollte man die Nachwelt belügen?“  
„Keine Ahnung, aber das war durchaus üblich zur Zeit der Pharaonen. Der Pha-rao war die Person die von den Göttern persönlich auserwählt wurde, um über das ägyptische Land und die darin wohnenden Menschen zu herrschen. Er konnte keine Fehler machen, denn er war gottgleich. Daher wurden, wenn doch Fehler passierten, die Aufschreibungen manipuliert und der Gottkönig in ein besseres Licht gerückt. Die alten Ägypter waren fest dem Glauben verhaf¬tet, dass das Leben nach dem Tod wichtiger wäre, als das irdische Leben selbst.   
 Und das irdische Leben mit all dem was sie tun eine Vorbereitung für das Jen-seits sei. Daher wurde auch so viel Pomp um die Grabstätten gemacht. Und ge¬nau daher passt auch die Grabstätte da drüben“, er deutete in die entspre-chende Richtung, „nicht zum ägyptischen Glauben. Egal was in diesem Sarko-phag liegt, es ist garantiert kein Ägypter und schon gar kein Herrscher.“  
 Finlay nickte. „Das ist in der Tat alles sehr mysteriös.“  
„Gut, wir sollten die Knochen auf Spuren untersuchen. Vielleicht finden wir noch mehr heraus. Bisher waren wir der Meinung, dass es sich bei den Hethi-tern um Menschen handelte, auch wenn sie als wilden Bestien beschrieben wurden. Wie es aussieht, müssen wir uns wohl auch davon verabschieden.“  
  
  
  
  
  
 Kapitel 48  
  
 Entführung  
  
  
Walter Skort machte Feierabend in der Universität und verließ das Gebäude. Er war seit Tagen bester Laune, genauer gesagt, seit dem Treffen mit den Chaf-ren. Sein, seit dem Tod seiner Frau, so traurig und eintönig gewordenes Leben bekam neue Farbe.  
 Er rief ein Taxi, stieg ein und ließ sich heimfahren. Dort angekommen, stieg er aus, bezahlte den Fahrer und wollte gerade seine Haustür aufschließen, als plötzlich jemand seine schwere Hand auf seine Schulter legte. „Walter Skort?“  
 Er drehte sich um. „Wer möchte das wissen?“  
„Sind sie Mr. Walter Skort, leitender Dekan für Ägyptologie an der Universität Chicago?“  
„Da sie mich scheinbar kennen, kann ich mir eine Vorstellung wohl schenken. Aber wer sind sie und was wollen sie von mir?“  
„Wer ich bin ist unwichtig und spielt keine Rolle. Ich möchte sie bitten, mich und meinen Mitarbeiter zu begleiten.“  
„Warum sollte ich das tun?“  
„Stellen sie bitte keine unnötigen Fragen und steigen sie in den Gleiter. Sofort. Jemand möchte sich mit ihnen unterhalten. Dringend!“  
 Skort wurde es mulmig. War man jetzt doch dahintergekommen, dass er et-was mit den Besuchern zu tun hatte? „Und was ist, wenn ich nicht mitkommen will?“  
 Der Unbekannte sagte nichts und hob nur etwas das Jackett an. Es kam eine Waffe zum Vorschein.   
 Skort seufzte und nickte. Er musste dem Geheimdienst in die Hände geraten sein.   
 Aber was zum Teufel war so schlimm an der ganzen Sache, dass sich sogar der CIA einschaltete? Er würde es sehr bald herausfinden, da war er sich abso-lut sicher. Er wurde zwar vorsichtig, aber bestimmt, in den Gleiter gedrängt und die Fahrt begann.  
 Sie verließen die Stadt, flogen Kilometer weit über Verbindungsstraßen und erreichten einen kleinen Ort, namens Gary. Vor einer Zufahrt machten sie Halt. Ein Stahltor öffnete sich und der Gleiter bewegte sich langsam einen langen Privatweg entlang.   
 Links und rechts erhoben sich hohe Bäume und das ganze Grundstück er-weckte einen sehr gepflegten Eindruck. Das Gras war auf exakter Höhe ge-schnitten und nicht eine verwelkte Blume war in den Rabatten zu erkennen. Es schien das Paradies zu sein. Dann erreichten sie das Haus, wobei Haus nicht der richtige Ausdruck dafür war. Vielmehr handelte es sich um eine Villa, die ei-nen kirchenartigen Eindruck erweckte. Skort erkannte das Gebäude.  
 Es handelte sich um den Sitz des Konzils. Vor dem Eingang endete die Fahrt. Zwei weitere Männer in dunklen Anzügen erschienen und begleiteten Skort ins Gebäude und dann in die Bibliothek.  
 „Wir haben Mr. Skort für sie, Monsieur.“  
 „Danke, sie dürfen sich zurückziehen. Den Rest erledige ich selbst.“  
 Die dunklen Anzüge räumten das Feld und Skort stand mitten im Raum. Die Regale an den Wänden waren deckenhoch und das waren geschätzte sechs Meter. Die ganze Bibliothek schien, bis auf drei große Fenster nur aus Regalen zu bestehen. Wer immer der Unbekannte im Sessel war, er musste sehr viel Wissen besitzen und sehr belesen sein.  
 „Guten Tag, Mr. Skort“, sagte der Unbekannte.  
„Guten Tag. Darf ich erfahren, warum ich hier bin?“  
 „Natürlich dürfen sie das.“   
 Es folgte minutenlanges Schweigen.  
„Also schön, warum bin ich hier? Was wollen sie? Wer sind sie?“  
 Der Unbekannte drehte sich mit seinem Sessel abrupt um.  
„Krondal?“, rief Skort ungläubig aus.  
„Ja, mein Guter. Aber für sie bin ich immer noch, Exzellenz Krondal. So viel Zeit muss sein.“  
„Was soll der Unfug? Sie waren mein Dekan auf der Uni, bevor sie spurlos ver-schwanden. Alle dachten sie sind tot.“  
„Nein. Das bin ich nicht, noch nicht. Und ich habe auch nicht vor, das so schnell zu ändern. Aber ich möchte mich gerne mit ihnen unterhalten. Ich werde ihnen ein paar Fragen stellen und sie werden mir antworten. Sollten ihre Antworten meine Ohren streicheln, dann haben sie Glück, sollten sie mir jedoch einen Bä¬ren aufbinden wollen, dann werden sie es bitter bereuen.“  
 Skort schnürte es die Kehle zu.  
„Aber bitte, setzen sie sich doch.“ Krondal deutete auf einen Sessel, der seinem direkt gegenüber stand. „Möchten sie ein Glas Rotwein? Ich habe hier einen zweihundert Jahre alten, besonders wertvollen Jahrgang.“  
 Skort setzte sich und nickte zustimmend. Vielleicht lockerte der Wein etwas die Stimmung bei seinem Gastgeber auf, wenn er ablehnte könnte es die Fron-ten verhärten.  
 Skort nippte an seinem Glas, spitzte die Lippen und nickte anerkennend.  
„Schön. Die Nettigkeiten haben wir jetzt ausgetauscht, kommen wir zum Punkt.“  
„Gut, dann schießen mal los.“  
„Was in Gottes Namen haben sie sich eigentlich dabei gedacht?“  
„Wie meinen sie das?“  
„Ich meine damit, dass sie unter ihrem Namen, Ausgrabungen in Ägypten und Peru und wer weiß wo noch, durchführen lassen. Sie sind wohl komplett ver-rückt geworden? Wissen sie eigentlich was sie da tun?“ Krondals Stimme wur¬de scharf.  
„Ich weiß sehr wohl, was ich tue. Ich versuche die Wahrheit zu finden.“  
„Und stürzen damit unsere ganzen Erkenntnisse ins Chaos? So blöd kann man doch wohl nicht sein.“  
„Ich wüsste nicht warum die Wahrheit blöd sein sollte.“ Skort tat unschuldig, wusste aber worauf Krondal zielte.  
„Diese gottlosen Bastarde von Halbmenschen. Die tauchen hier auf, planen den gezielten Aufstand, ein Haufen Durchgeknallter, welcher sich Furries schimpft und in meinen Augen eine Ansammlung von Kindern ist, macht mit und jetzt drehen auch noch sie am gleichen Rad. Skort, sie haben mich wirklich bitter enttäuscht. Wissen sie, von ihnen hätte ich mehr Logik erwartet und nicht so ein kindliches, tagträumerisches Verhalten.“  
„Danke. Bisher haben sie mich nur beleidigt und heruntergemacht. Könnten sie bitte zum Kern der Sache kommen, ich habe auch noch andere Dinge zu tun.“  
„Das werde ich gern. Erstens. Haben sie bei ihren Ausgrabungen neue Erkennt-nisse gewonnen?“  
„Ja, haben wir.“  
„Zweitens. Haben sie Erkenntnisse gewonnen, die unsere bekannte Zeitlinie durchbrechen würden?“  
„Nein, die Zeitlinie wie wir sie kennen ist absolut nicht bedroht.“  
„Gut. Das freut mich zu hören. Drittens. Haben sie Erkenntnisse gewonnen, die nicht im Einklang mit der Religion stehen?“  
„Wie meinen sie das?“  
„Ich meine damit, dass vielleicht Sachen aufgetaucht sind, die daran Zweifel aufkommen lassen, dass der Mensch ein göttliches Wesen ist und das einzige Gottwesen.“  
„Was sollte diese These gefährden? War es in der Vergangenheit nicht immer so, dass die Gotteshäuser der Welt ihre Thesen, egal welcher Religion sie ange-hören mögen, immer gerettet haben und die Menschen immer wieder die strahlenden Sieger waren?“  
„Lassen sie diese blasphemischen Bemerkungen. Es handelt sich nicht um ir-gendeine Theorie, es handelt sich um die Wahrheit und zwar die einzige echte Wahrheit.“  
„Sie sind ja vollkommen verrückt. Wir haben die Wahrheit gefunden und die sagt etwas ganz anderes.“ Skort biss sich auf die Zunge. Hatte er jetzt zuviel verraten?   
 Krondal sah dem Professor in die Augen. „Sie wissen mehr, als sie zugeben wollen. Ich vermute sogar, dass sie Kontakt zu den Geschöpfen des Teufels hatten oder noch haben.“  
„Machen sie sich nicht lächerlich. Wie sollte ich das anstellen? Keiner weiß wo sie sind.“  
„Oh doch. Sie wissen es schon, sagen es aber nicht. Noch nicht.“ Er drückte auf einen Knopf an der Unterseite des Tisches und es traten drei schwarze Anzüge in die Bibliothek. „Bringen sie Mr. Skort in die untere Etage. Er zieht es vor un-ser Gast zu sein.“ Krondal hatte ein fanatisches Grinsen im Gesicht.  
„Sie sind total krank. Denken sie etwa, dass sie damit die Wahrheit zurück¬halten können? Ihr ganzer fanatischer Gottesglaube ist doch nur alberner Schwachsinn und wir werden es beweisen.“  
„Schafft ihn mir aus den Augen!“, plärrte Krondal, „Ich werde mich später aus-führlich mit ihm beschäftigen.“  
 Skort wurde in eine Zelle gesperrt und war damit außer Gefecht gesetzt.  
  
  
„Wie sieht es aus?“, fragte Binder.   
 Finlay zeigte auf die Knochen. „Sieht wirklich gut aus.“  
„Aber, was gibt es Neues?“  
„Wir haben die Daten neu aufgenommen“, sagte Jansen. „Die beiden Skelette sind definitiv 4.600 Jahre alt und weisen Spuren von Kampfhandlungen auf.“  
„Das bestätigt also unsere Annahmen“, sinnierte Binder.   
 Jansen nickte. „Japp. Wir sollten einen Tiefenscan der ganzen Region vorneh-men. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es nur diese Skelette gibt. Ich nehme stark an, dass es hier nur so wimmeln dürfte vor Knochen.“  
 Binder lächelte und nickte. „Die übliche Methode können wir aber nicht ein-setzen und mit Ultraschall brauchen wir Tage dafür.“  
„Dann sollten wir sofort damit beginnen und keine Zeit vergeuden.“ Jansen ging in eine Ecke des Raumes und fing an die nötigen Utensilien zusammenzu-suchen.   
 Er hatte sehr schnell alles beisammen, klopfte Finlay auf die Schulter und ver-ließ mit ihm und dem Arbeiter den Raum. Sie machten sich an die Arbeit und suchten akribisch Meter um Meter ab. Binder beobachtete die drei und schüt-telte den Kopf.   
‚Das ist die berühmte Suche nach der Nadel im Heuhaufen’, dachte er.  
 Plötzlich kam Shana auf ihn zu gerannt. „Es brennt“, rief sie schon von weitem.  
„Was brennt?“  
 Keuchend baute sie sich vor Binder auf. „Sie haben Skort verschleppt. Wie es aussieht, steckt Krondal dahinter.“  
„Scheiße! Die lassen nichts unversucht. Die halten ihn bestimmt als Geisel um uns zur Arbeitsniederlegung zu zwingen. Typisch, wenn alles nichts hilft, dann wird erstickt und gemeuchelt was das Zeug hält.“  
 Grant nickte.   
„Okay, ich trommle ein paar der Chafren zusammen und wir holen den Profes-sor da raus. Es wird Zeit zum Gegenschlag auszuholen und unsere Freunde der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dann bricht das Kartenhaus zusammen.“   
 Shana bekam leuchtende Augen. „Du hast hoffentlich auch an den Kultur-schock gedacht, dem viele möglicherweise erliegen werden“, gab sie zu beden-ken.  
„Daran habe ich sehr wohl gedacht. Ich glaube aber nicht, dass er relevant ist. Immerhin standen wir schon mit Außerirdischen im Krieg und wissen daher, dass wir nicht allein im Universum sind. Außerdem hat das vor tausend Jahren auch keinen interessiert, als man mit dem Seti-Programm gezielt nach extrater¬restrischem Leben suchte. Der Schaden dürfte also minimal sein, wenn über¬haupt.“  
 Shana nickte. Der Argumentation konnte sie sich nicht verschließen. Sie gin-gen zu Jody, welche sich mit den Chafren unterhielt.  
„Hallo, wir brauchen sofort zwei Freiwillige die uns begleiten.“  
„Um was geht’s denn?“, fragte Andrew.  
„Wir müssen Skort aus den Klauen des Konzils befreien. Die haben ihn ge¬kascht und verschleppt.“  
„Oh“, Andrew war sichtlich betroffen.   
 Er, Kira und Pedro erklärten sich spontan bereit, bei der Befreiungsaktion mit-zumachen.   
 Binder wandte sich an die Anderen und auch an sein Team, welches sich mitt-lerweile versammelt hatte. „Ihr macht weiter. Durchleuchtet den Boden mit Ul-traschall und vergesst keinen Zentimeter. Ein paar von euch sollten die Unter-suchung des Sarkophages und des Nebenraumes in Angriff nehmen. Wir soll-ten alle schnell und besonnen handeln. Da braut sich was zusammen und dem müssen wir entgegen wirken.“  
  
 Shana, Gregor, Kira, Pedro und Andrew machten sich auf den Weg zu einem der Gleiter. Es war mittlerweile später Nachmittag und die Sonne bewegte sich zielsicher in Richtung Horizont.  
 Die Wissenschaftler machten sich mit ihrer Ausrüstung an die Arbeit.  
 Das Quintett flog Richtung Nordwesten, um den Professor aus seiner unan-genehmen Lage zu befreien.  
„Habt ihr schon einen Plan?“, fragte die Luchsin neugierig.  
 Gregor schaute sie lächelnd an. „Einen Plan? Ich mache nie Pläne. Ich lasse die Dinge einfach auf mich zu kommen und entscheide spontan. Meistens klappt das sehr gut.“  
„Das ist ja wirklich aufbauend“, murmelte Andrew.  
„Also wieder mal ein Himmelfahrtskommando“, ergänzte Kira.  
 Shana wurde neugierig und fragte die beiden AnChafren nach ihrer Geschich-te und ihren Erlebnissen die sie hierher verschlagen hatten.  
 Kira ergriff das Wort und berichtete sehr detailliert. Als sie fertig war, waren fast zwei Stunden vergangen und Shana rieb sich die Augen.   
„Das ist heftig“, sagte sie. „Da habt ihr friedlich gelebt und so mir nichts dir nichts bricht alles um euch herum zusammen. Selbst euer ganzer Glaube und eure Geschichte scheinen nicht mehr zu stimmen. Das nenne ich wirklich mal einen Kulturschock. Wobei die Sachen die in den Computeraufzeichnungen standen wohl tatsächlich nicht zu stimmen scheinen.   
 Immerhin haben wir ja die Beweise gefunden, dass die Theorie zu stimmen scheint, dass ihr auf der Erde ward oder zumindest eure Urahnen“, schloss Shana ihre Gedanken ab.  
„Wenn das stimmt, dann müssen wir dringend nach Mesopotamien. Dort sollen Hethiter gelebt haben. Da müsste es nur so wimmeln vor Hinweisen da¬rauf, wer sie waren und wo sie herkamen. Vielleicht kann man ja auch nachvoll-ziehen wo sie hingingen. Es kann natürlich auch sein, dass ihr wirklich künst-lichen Ursprungs seid und die Hethiter eine andere Anthrorasse waren, die mit euch gar nichts zu tun hat“, ergänzte Binder.  
 Andrew nickte. „Das kann natürlich sein. Im Moment tappen wir alle noch im Dunkel. Es gibt noch zu viele Lücken im Puzzle, um ein Bild daraus werden zu-lassen. Aber trotzdem und das hast du selbst gesagt, wäre es mehr als ein Zu-fall, dass sich die Namen so sehr ähneln, also Hethiter, Hatti, Cherrim, Chittim, Chatti, Cheta und auch Cherit.“  
 Binder gab ihm Recht. „Oh, wir sind gleich da“, sagte er.  
„So schnell?“, fragte Kira.  
„Ja, der Gleiter der Universität ist nicht so modern. Er ist langsamer und hat ei-ne arg begrenzte Brennstoffzelle. Dieser hier ist einer der Neuesten und da-durch nicht nur wesentlich schneller, sondern auch mit einer größeren Reich-weite ausgestattet“, erklärte Shana.  
„Ich werde außerhalb von Gary landen. Dann haben wir eine größere Chance unentdeckt zu bleiben“, sagte Gregor.  
 Der Gleiter setzte zwei Kilometer vom Ortsrand entfernt auf.  
„Wir sollten uns bewaffnen. Ich bin fest überzeugt das Skort im Konferenzhaus des Konzils festgehalten wird. Es befindet sich am anderen Ende des Ortes. Wir müssen es also schaffen, so schnell wie möglich, hinzukommen und unent¬deckt zu bleiben.“  
„Das wird schwierig werden. Es ist zwar nicht mehr taghell, aber es sind noch etliche Menschen auf den Straßen“, gab Shana zu bedenken.  
„Stimmt. Gut, dann warten wir hier bis es dunkel geworden ist und schleichen uns dann zum Haus.“  
 Damit waren alle einverstanden. Es war eine günstige Gelegenheit um zu schlafen, denn die Nacht würde alles von ihnen abverlangen.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 49  
  
 Geschichte  
  
  
 Derweil wurde im Wüstensand nach weiteren Skeletten gesucht. Und man wurde auch fündig.   
 Bis der Erste laut schrie dauerte es zwar eine Weile, aber dann kamen die Fundmeldungen fast im Zehn-Minuten-Takt. Die Daten wurden sofort in die Rechner gespeist und nach drei Stunden konnte man sich schon ein ziemlich genaues Bild machen. Gespannt starrten alle auf den Monitor.  
„Und Action“, sagte Jansen.   
 Er drückte auf ein paar Tasten und es baute sich ein Lageplan auf. Er pfiff lei-se.   
 „Seht euch das an“, in seinen Worten schwang Begeisterung. „Da liegen noch mindestens hundertachtzig weitere Skelette rum. Die meisten sind menschlich. Die Schädel weisen eindeutig daraufhin, dass es sich bei hundertvierzig Skelet-ten um Menschen handelt. Ich fürchte, wir müssen die Geschichtsdaten stark überarbeiten. Die Cherit waren eindeutig hier und sie haben gekämpft. Und wie es aussieht tatsächlich gegen die Armee von Ramses. Die Geschichtsschrei-ber des Pharao haben gelogen.   
 Ramses war nicht der Sieger, er unterlag. Aber aus irgendeinem Grund sind nicht mehr Soldaten gefallen als unbedingt nötig. In allen anderen Schlachten wurden die Gefangenen im Nachhinein hingerichtet oder an andere Orte ver-schleppt. Hier ist das anders gelaufen. Es gab kein sinnloses Gemetzel.“  
„Das Bild wird langsam aber sicher vollständiger“, sinnierte Apophis.  
„Was meinst du damit?“, fragte Jansen.  
„Nun. Wir fanden auf unserem Heimatplaneten Aufzeichnungen. Darin stand, dass der Feind gegen den ihr vor tausend Jahren Krieg geführt habt eine große Ähnlichkeit mit den Hethitern hatte. Anhand der Funde und dem Vergleichen der Daten, sind die Hethiter keine Menschen gewesen, sondern Anthros. Wenn man jetzt alle Aussagen zusammenfügt, dann kommt man zu dem Schluss das Hethiter und Cherit ein und dieselben Lebewesen sind, nämlich Anthros, wie wir.“  
„Verdammt, du hast Recht“, sagte Jansen aufgeregt, „Aber wenn das stimmt, dann gab es Anthros schon vor wesentlich längerer Zeit auf der Erde. Vielleicht sogar schon zu einem Zeitpunkt, als die Menschheitsgeschichte noch in den Kinderschuhen steckte. Was mich nur verwirrt ist die Frage nach dem, wie konnte das sein? Sind sie hier entstanden?“  
„Gute Frage. Wie gesagt, das Bild fügt sich allmählich zusammen, aber es feh-len immer noch wichtige Teile um präzise Aussagen treffen zu können.“  
„Da fällt mir noch was anderes auf“, warf Jansen plötzlich ein. „Merkwürdiger-weise scheint sich alles auf einen Zeitraum vor tausend Jahren zu konzentrie-ren. Ich meine damit, dass das Seti-Programm, welches Außerirdische finden sollte, vor tausend Jahren eingestellt wurde und vor tausend Jahren sind die Cherit mit den Menschen in den Kriegszustand geraten. Vor tausend Jahren wurde das vermeintliche Zuchtprogramm auf eurem Heimatplaneten gestartet und vor tausend Jahren hat die Kirche Anhänger verloren, aber fast zeitgleich noch mehr zurück gewonnen.“  
 Apophis blickte ihn durchdringend an. „Das liegt wohl an der Raum-Zeit-Faltung.“  
„An was?“  
„An der Raumfaltung. Die Cherit benutzen einen Antrieb der Raum und Zeit rafft und faltet. Dem Universum sind in dem von dir genannten Zeitraum circa zweihundert Jahre, wenn nicht noch mehr verloren gegangen und das überall. Daher vermute ich, dass sich die Ereignisse in Wirklichkeit auf einen Zeitraum von einigen tausend Jahren erstrecken.“  
 Jansen rutschte in sich zusammen. „Das glaube ich einfach nicht. Man hat uns Zeit gestohlen?“  
„Ja. Aber nicht nur euch, auch uns. Und wir haben uns, auf unserem Herflug wiederholt des Zeitraubes schuldig gemacht.“  
 Jansen nickte, war aber nicht erbost, sondern fasste es ziemlich gelassen auf. „Na ja, wenn es alle betrifft, dann ist es halb so schlimm und gemerkt hat es eh keiner.   
Die meisten wissen mit ihrer Zeit eh nichts Gescheites anzufangen und somit ist der Schaden minimal. Das Einzige was irritiert ist, dass die Zeit mal normal lief und mal stark gerafft. Und da keiner genau nachvollziehen kann, wann die-se Raumfaltungen genutzt wurden, kann auch keiner genau sagen, wann wel-che Ereignisse wirklich in den Zeitspannen die wir vermuten stattfanden. Also, nehmen wir den normalen Zeitverlauf an und gut ist.“  
 Cyron schaute auf die Uhr. „Es ist schon spät. Wir sollten uns alle hinlegen und schlafen. Die Suche können wir auch noch morgen fortsetzen. Die Kno-chen werden schon nicht weglaufen.“  
 Zustimmendes Nicken von allen. Momentan hatte keiner so richtig die Mü-digkeit verspürt, aber kaum das sie lagen, waren sie schon eingeschlafen.  
  
 Während die einen nach Skeletten suchten, hatten sich der Wissenschaftler Friggs, zwei Arbeiter, Grey, Sinja und Syrgon zusammengetan und waren im Untergrund verschwunden. Sie wollten dem Sarkophag sein Geheimnis ent-locken. Bewaffnet mit Hämmern, Meißeln, Brecheisen, Haken, einem Flaschen-zug sowie einem Laptop und verschiedenen Sensoren und Scannern näherten sie sich ihrem Ziel.  
„Okay, lasst uns anfangen“, sagte Friggs leise.  
 Syrgon schnappte sich einen Hammer und schlug vier Haken in den ver-meintlichen Deckel des Sarkophages. Grey stand währenddessen darauf und schlug einen großen Haken in die Decke der Grabkammer.   
 Friggs reichte ihm den Flaschenzug hoch. „Häng ihn in den Haken ein“, sagte er.   
 Grey tat es und sprang wieder runter. Syrgon nahm die vier herabhängenden Haken und befestigte sie an der Granitabdeckung.  
„Okay, dann wollen wir mal schauen, was er verbirgt.“  
Die beiden Arbeiter begannen langsam am Seil zu ziehen.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 50  
  
 Wendungen  
  
  
„Ich habe das Konzil zusammengerufen, weil es wichtige Entscheidungen zu treffen gilt“, sagte Krondal.  
 Die Runde war wirklich erlesen.   
 Ihm gegenüber saßen, dass amtierende Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Leo 28., daneben der Präsident der UN, Hassan Johnson, der Chef des CIA, Frank Strong und der Minister für Wissenschaften der Vereinigten Staaten von Amerika, John Smither.  
„Um was genau geht es eigentlich?“, fragte der Wissenschaftsminister.  
„Das werde ich ihnen nicht sagen“, Krondal grinste dämonisch.  
„Was soll das dann hier werden?“  
„Ich werde nichts sagen, aber ein lieber Bekannter von mir.“   
 Krondal sah zur Tür und rief: „Bringt ihn herein.“  
 Die Tür zur Bibliothek wurde geöffnet und Cromwell trat ein, gefolgt von zwei Wachmännern, die Professor Skort trugen.  
„Was haben sie mit dem Mann gemacht?“, entrüstete sich der Papst.  
„Sie werden anders denken, wenn sie die ganze Wahrheit erfahren, eure Heilig-keit. Immerhin betrifft es gerade die Religionen der Welt und da dürfte ihnen im Anschluss der Zustand dieses Mannes recht egal sein.“  
 Er zeigte auf einen der Stühle. „Setzt den Professor dort hin.“  
 Skort war gefesselt und wirkte abwesend.  
Krondal trat auf ihn zu und hob seinen Kopf an. „Mister Skort, können sie mich hören? – Entschuldigen sie bitte meine Herren, aber die Manieren des Profes-sors ließen schon immer zu wünschen übrig.“  
„Ich glaube nicht, dass es an seinen schlechten Manieren liegt“, sagte Strong. „Es hat eher den Anschein, dass sie den Mann unter den Einfluss der Wahr-heitsdroge gesetzt haben.“  
„Aber, aber. Mister Strong. Sie müssen doch nicht immer gleich alles verraten. – Natürlich haben wir das oder denken sie, wir würden sonst irgendwas aus diesem Sturkopf herausbekommen?“  
 Skort schien zu reagieren und sah sich verwirrt um.  
„Ah, da ist er ja“, sagte Krondal übertrieben freundlich. „Professor, würden sie uns bitte erzählen, was sie alles in Ägypten gefunden haben und ob sie etwas über unsere Besucher wissen.“  
 Skort versuchte einen klaren Kopf zu bekommen, aber der Nebel vor seinen Augen und seinem Geist blieb.   
Die Droge zeigte ihre Wirkung und Skort konnte sich nicht wehren. „Meine Leute haben an vielen Stellen in Ägypten gegraben und Skelette gefunden, die nicht von Menschen stammen. Es handelt sich um anthropomorphe Lebewe-sen. Diese haben laut der Auswertungen der Radiokarbonmessungen, zur glei-chen Zeit gelebt wie die alten Ägypter unter Ramses II. Die Lage der Funde lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass Menschen und Anthros sich eine Schlacht geliefert haben. Das wiederum weist daraufhin, dass es sich bei den Anthros um die Hethiter gehandelt haben muss. Woher sie kamen kann ich nicht sagen, dazu fehlen uns die nötigen Daten.“  
 „Sehr schön Professor und weiter?“  
„Die Anthros die von Genro kamen, sind auf der Erde gelandet und Jody Thorn und Shana Grant stehen auf ihrer Seite und helfen ihnen. Sie befinden sich alle in Ägypten und helfen bei den Ausgrabungen.“  
 Krondals Gesicht entgleiste zu einer Fratze. „Ihr verdammten Narren. Ihr stürzt uns alle ins Chaos und das scheint euch egal zu sein.“ Er holte aus und schlug dem Professor mitten ins Gesicht.  
„Mr. Krondal“, ging Smithers dazwischen. „Egal was sie hier für eine Scharade abziehen, es interessiert uns nicht. Ich habe eher den Eindruck, dass ihnen die Fäden entglitten sind und sie jetzt Rückendeckung erhoffen.“  
„Die katholische Kirche distanziert sich von solchen Dingen und hält sich in Demut vor der Schöpfungskraft zurück“, gab der Papst salbungsvoll von sich.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 51  
  
 Befreiungen  
  
  
 Mittlerweile war das Quintett im Gleiter erwacht, hatte sein Fluggerät verlas-sen und schlich durch die Straßen des Ortes.   
 Hin und wieder trafen sie auf Menschen, welche stehen blieben, sehr interes-siert schauten, aber letztendlich abwinkten und weiter gingen.   
  
In Gary wurden in der Vergangenheit des Öfteren Anthrocons abgehalten und daher wunderte sich niemand mehr, wenn plötzlich ein aufrecht gehender Lö-we, Tiger oder auch Fuchs seinen Weg kreuzte. Lediglich die Perfektion ihrer Suits sorgte für Erstaunen.   
 Als jedoch ein Mädchen in Begleitung ihrer Eltern, unbedingt näher an Kira heran wollte, liefen sie Gefahr aufzufliegen.  
„Papa, darf ich die mal streicheln?“, rief die Kleine.  
„Warum willst du das denn? Das ist doch nur ein Mensch in einem Kostüm“, entgegnete ihr strenger Erzeuger.   
Aber das Mädchen hatte ihren eigenen Kopf schon durchgesetzt und hing Kira am linken Bein. „Das ist doch aber kein Kostüm, Papa“, rief sie auf einmal. „Die Katze ist ganz kuschelig und warm.“  
 Der Vater erschrak sichtlich. Weniger wegen der Äußerung seiner Tochter, vielmehr weil diese die Luchsin plötzlich mitnehmen wollte und das ging dann wirklich zu weit. Und als Kira sich hinhockte, der Kleinen den Sachverhalt er-klärte und nebenbei sanft schnurrte, überlegte die es sich nochmal und ließ von ihrer Idee ab.   
 Der Vater bedankte sich noch schnell und verschwand schleunigst von der Bildfläche, bevor sein Töchterchen noch auf die Idee kam den überproportio-nierten Andrew mitschleppen zu wollen.  
„Puh“, sagte Binder, „das war knapp.“  
  
 Im Schutze der Dunkelheit hatten sie nach weiteren zwanzig Minuten das Haus des Konzils erreicht. Sie sahen sich um, kein Mensch war weit und breit zu sehen. So vorsichtig sie konnten, kletterten sie über den Zaun und betraten das Grundstück. In Zickzacklinien und immer wieder in Deckung gehend, nä¬herten sie sich dem Gebäude.   
Im untersten Stockwerk brannte Licht.   
 Sie mieden die Lichtkegel und schlichen sich in einem weiten Bogen an die Fassade.  
„Ich will versuchen einen Blick hineinzuwerfen“, flüsterte Shana.   
 Sie hielt sich an den sehr starken Efeuranken, die das Haus umhüllten fest und zog sich daran hoch. Vorsichtig blickte sie durch das Fenster.  
 Sie schaute in die Bibliothek und erstarrte. Da saß der Professor und erzählte mehreren Personen irgendetwas. Was, dass konnte sie nicht hören. Aber die Gesichter der Zuhörer sagten alles. Sie mussten Skort die Wahrheitsdroge ge-spritzt haben und nun wussten alle was Sache war. Die Nummer war gelaufen. Genauso gut hätte alles in der Spätausgabe der Times stehen können.  
 Sie ließ sich wieder hinab. „Okay, aus der Nummer kommen wir nicht mehr raus. Sie haben Skort die Wahrheitsdroge gespritzt. Jetzt wissen alle Bescheid, auch über uns und unseren Aufenthaltsort sowie über die Funde. Wir mar-schieren da jetzt rein und schnappen uns den Professor. Schlimmer kann es eh nicht mehr werden. Außerdem werden wir sie bestimmt überraschen. Mit uns rechnet garantiert keiner.“  
 Gregor nickte und die beiden AnChafren hoben zustimmend die Waffen in die Luft.  
„Was ist eine Wahrheitsdroge?“, fragte Pedro.  
„Es ist eine künstliche Substanz, die in die Vene gespritzt wird. Ihr Fachaus¬druck lautet Natrium Penthotal. Einmal im Hirn angekommen, löst sie einen neurochemischen Prozess aus und trübt über Lähmung verschiedener Bereiche der Großhirnrinde die bewussten Wahrnehmungen. Das Hirn kann auf Fragen nicht mehr flexibel und ausweichend reagieren. Kurz gesagt, du kannst nicht mehr Lügen und sagst immer die Wahrheit. Daher auch der Name der Droge“, erklärte Binder.  
„Die Lage ist also sehr ernst“, stellte Andrew fest.   
 Binder nickte nur.  
„Also los“, sagte Kira.  
„Was ist mit Wamanos passiert?“, fragte Andrew.   
„Das hat gerade Urlaub“, entgegnete die Luchsin und grinste frech.  
 Wie eine Armee preschten sie zum Eingang, eröffneten das Feuer und traten die Eingangstür ein.   
In der Tat waren die Wachmänner und auch Cromwell mehr als überrascht.   
 Kira und Shana schossen gleichzeitig und töteten die Wachleute. Cromwell suchte sein Heil in der Flucht und verschwand, feige wie er war, durch die Hin-tertür. In der Bibliothek hatte man den Lärm und die Schüsse gehört und war aufgesprungen.   
 Krondal rannte zur Tür und wollte sie öffnen, aber Andrew kam ihm zuvor. Er wurde von der aufgestoßenen Tür am Kopf getroffen und ging zu Boden.  
„Guten Tag, meine Herren“, sagte Andrew betont freundlich.  
 Die vier angesprochenen Personen zuckten entsetzt zusammen.  
„Sie brauchen keine Angst zu haben, wir wollen ihnen nichts tun. Wir holen le-diglich einen Freund ab.“  
 Shana war an Andrew vorbei geeilt und machte Skort los. Gregor half ihr da-bei und sie nahmen den mittlerweile wieder bewusstlos gewordenen Professor in die Mitte und trugen ihn aus dem Haus.  
  
 „Wie ich sehe, haben sich hohe Gäste eingefunden“, wandte sich Andrew plötzlich wieder an die Anwesenden. „Das finde ich wirklich reizend und möch-te ein paar Fragen an euch richten. – Was ist euer Problem? Warum sucht ihr ständig Streit und vor allem, warum müsst ihr ständig ein Feindbild haben? Ich meine, was ist in der Entwicklung der Menschheit schief gegangen, dass sie nicht friedlich leben kann und immer wieder für Macht, Profit oder einfach nur aus Lust und Spaß den Kampf sucht? Und hinterher heulen alle rum, weil sie sich eine blutige Nase geholt haben, so wie ihr jetzt gerade und das wird sich auch nicht ändern.   
 Aber ich sehe schon an euren Gesichtern, dass ich wohl keine Antworten er-warten kann. Wo sollten die auch herkommen? Da ist ja nichts! – Wir werden euch jetzt wieder allein lassen, damit ihr nachdenken könnt. Einen schönen Abend noch“, sagte Andrew und verschwand zusammen mit Kira von der Bild-fläche.  
 Der Transport des Professors erwies sich schwieriger als gedacht. Unkontrol-liert schwang sein Kopf, der vorne über gefallen war, hin und her.  
  
 Krondal kam wieder auf die Beine und sah sich um.  
„Verrat!“, krähte er. „Sie sind alle samt unfähig. Sie hätten sie aufhalten müssen. Skort war unser Ass im Ärmel. Er war unser Pfand dafür, dass man die Ausgra-bungsarbeiten einstellt.“  
 Smither ergriff das Wort: „Entschuldigen sie bitte, aber ich glaube, dass ich ab jetzt im Namen von uns allen spreche und ich wiederhole mich, wenn ich sage, dass wir gar kein Interesse daran haben, dass diese Wesen sterben.“  
„Sie Narr! Sehen sie denn nicht, dass uns unsere Macht verloren geht, wenn wir die gewähren lassen?“  
„Es geht hier nicht um Macht. Es geht hier um die Geschichte und die sollte der Wahrheit entsprechen. Wenn wir in der Vergangenheit Fehler gemacht haben, dann sollten wir die nicht vertuschen oder schön reden und schon gar nicht wiederholen.“  
 Krondal stand da als wäre er vom Blitz getroffen worden.  
„Er hat vollkommen Recht, eure Exzellenz“, sagte Johnson. „Wenn sie ihren per-sönlichen Krieg führen wollen, dann tun sie das, aber lassen sie uns aus dem Spiel. Im Vertrauen sage ich ihnen jetzt noch etwas. Wir haben andere Pläne und sie sollten sich da nicht einmischen.“  
„Ihr seid allesamt Ratten und miese Verräter. Ihr verkauft unseren Planeten an diese Viecher. Ihr seid Schuld, wenn die Menschheit ausstirbt.“   
 Johnson schüttelte den Kopf und verließ das Gebäude, die anderen folgten ihm kurze Zeit später.   
 Krondal ging zu seinem Sessel und brach in sich zusammen. Seine Zukunft stand in den Sternen. Er hatte auf universelle Unterstützung gehofft und nur Spott geerntet. Aber er würde es ihnen allen zeigen. Er nahm die Sache ab jetzt selbst in die Hand.  
„Cromwell, kommen sie her!“, schrie er.  
  
  
 Langsam hob sich der Granitdeckel. Zentimeter um Zentimeter wurde der Spalt zwischen Abdeckung und Sarkophagkorpus größer und konnte man wei-ter hineinsehen. Als der Spalt etwa zwanzig Zentimeter breit war, drang ein bläuliches Leuchten durch diesen und man konnte einen deutlichen Brummton hören.  
„Stopp!“, schrie Friggs.  
 Die Arbeiter hielten inne.  
„Was ist das?“, fragte Sinja.  
„Keine Ahnung, aber das wissen wir gleich“, entgegnete der Wissenschaftler.   
 Er schloss einen der Scanner an den Laptop an und ließ ihn in den Sarkophag gleiten. „Uih“, entfuhr es ihm. „Das ist ja unglaublich. Es handelt sich um eine Art Schutzfeld. – Hebt den Deckel ganz an. Jalla, Jalla. – Die Strahlung ist nicht bedenklich und es gehen auch sonst keinerlei Gefahren von ihm aus.“  
 Die Arbeiter setzten ihr Werk fort und am Ende hing die Granitplatte dicht unter der Decke, schwang sanft wenige Zentimeter hin und her. Sie schauten ungläubig hinein.   
  
 Es handelte sich in der Tat um ein Stasisfeld, aber dieses umgab keine Mumie, sondern einen komplett erhaltenen Körper, welcher vor dem Verfall geschützt werden sollte. Der Körper des Wesens war nicht humanoid, sondern anthropo-morph. Sein Leib war von Fell umhüllt, welches große Rosetten trug, in deren Mittelpunkt sich ein schwarzer Fleck befand.   
 „Ein Jaguarweibchen“, dachte Grey laut.  
 „Das ist faszinierend“, sagte Friggs. „Aber warum liegt sie ausgerechnet hier? Wer hat das alles errichtet? Ägypter können es nicht sein, die kannten keine Stasisfelder. Aber die Reliefs im Eingangsbereich sind definitiv gleich mit den ägyptischen Grabreliefs im Inneren der großen Pyramiden. Wenn man von klei-nen Details absieht.“  
„Wir sollten eine Altersbestimmung vornehmen“, forderte Sinja.  
 Friggs nickte bestätigend. Er griff nach der Sonde und fuhr quer über den Körper der Jaguarin.   
 Danach schaute er gespannt auf das Display des Laptops. Plötzlich riss er die Augen auf und wiederholte den Vorgang ohne weitere Erklärung. „Das kann nicht sein. Das zweite Ergebnis ist identisch mit dem ersten.“  
„Was ist los?“, fragte Andrew nervös.  
„Dieser Jaguaranthro hier vor uns ist laut den Daten 5.700 Jahre alt.“  
 Grey pfiff. Sinja uns Syrgon schauten mehr als nur erstaunt. Die Arbeiter be-kreuzigten sich und sahen verängstigt auf die Chafren.  
„Wir sollten nichts anfassen und bis morgen warten. Lasst uns gehen und et¬was schlafen. Die Anderen müssen uns bei der weiteren Arbeit helfen“, begehr¬te Friggs auf.  
 Grey nickte. Sie gingen zurück ins Lager und versuchten zur Ruhe zu kom-men, was aber nur sehr schwer klappte. Selbst Sinja hatte der Fund aus der Bahn geworfen und sie schlief schlecht. Des Nachts kroch Grey zu ihr ins Zelt, nahm sie in seine Arme und schlief mit ihr gemeinsam ein.  
  
 Am nächsten Morgen wachten sie sehr zeitig auf, riefen alle zusammen und berichteten über ihre Entdeckungen. Eine große Unruhe bemächtigte sich aller. Es wurden weitere Zeltplanen aufgestellt und die zuvor gescannten Gebiete abgedeckt. Weitere Ausgrabungsfelder wurden markiert und die Ausgrabun¬gen damit intensiviert.   
 Diesmal gingen Apophis, Friggs und Tarja zum Grab um die Untersuchungen fortzusetzen. Der Granitdeckel schwebte immer noch in der Luft. Als sie am Sarkophag ankamen, erschraken sie. Das Stasisfeld war deaktiviert worden und das Jaguarweibchen verschwunden.  
 „Verdammt noch mal“, fluchte Friggs. „Da hat es aber jemand sehr eilig ge-habt und unseren Fund verschwinden lassen. Egal wer es war. Er muss noch im Lager sein und zu unserer Mannschaft gehören.“  
„Woher willst du das wissen?“, fragte Apophis.  
„Ich konnte nicht schlafen und habe fast die ganze Nacht wach gelegen und sinniert. Es war totenstill im Lager. Wenn es jemand von außerhalb gewesen wäre, hätte er zumindest bis in die Nähe unseres Lagers mit einem Fahrzeug oder einem Gleiter gelangen müssen. Das hätte ich gehört.“  
 Apophis nickte nachdenklich. „Damit scheidet diese Alternative aus. Und was jetzt?“  
„Uns ist ein entscheidender Bonuspunkt verlorengegangen. Die Skelette sind zwar sehr aussagekräftig, aber ein komplett erhaltener Körper wäre die Krö-nung gewesen.“  
 Ihre Geräte, die sie am Abend zuvor liegen gelassen hatten, lagen nach wie vor an ihren Plätzen und auch die Daten waren alle noch vorhanden.  
„Das ist merkwürdig“, sagte Friggs. „Wenn jemand dieses Fundstück beseitigen wollte, dann hat er aber sehr schlampig gearbeitet. Der Körper ist zwar ver-schwunden, aber die gewonnen Daten sind immer noch auf dem Rechner. Das ist wirklich sehr merkwürdig.“  
 Plötzlich schrie Tarja auf.   
 Apophis schaute sich irritiert um, konnte seine Mutter aber nirgendwo erbli-cken. Er leuchtete mit seiner Taschenlampe das Grabmal aus, fand sie schließ-lich in einer Ecke kauernd und ging zu ihr. „Was ist passiert? Ist dir nicht gut?“  
 Sie sagte nichts und zeigte nur in eine, auf der anderen Seite, liegenden Ni-sche.   
Apophis wirbelte herum und leuchtete in die angezeigte Richtung.   
Er erstarrte.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 52  
  
 die Wahrheit?  
  
  
 Der verloren geglaubte Inhalt des Sarkophages hatte sich wieder angefunden. Er hockte zitternd in der Nische und starrte dem Licht der Taschenlampe ent-gegen.  
„Oh, mein Gott“, entfuhr es Friggs.  
 Die Arbeiter sahen das Jaguarweibchen und flüchteten unter lautem Geschrei ins Freie.   
 Apophis löste sich aus seiner Starre und kroch auf seinen Knien langsam auf sie zu.  
„Hallo“, sagte er und senkte die Taschenlampe.   
 Die Jaguarin sah ihm direkt in die Augen, zitterte aber immer noch.  
„Mein Name ist Apophis und ich werde dir nichts tun. Auch die anderen sind Freunde.“ Er deutete mit einer ausladenden Geste durch das Grabmal.   
 Der Blick des Weibchens klärte sich allmählich und sie sah von Einem zum An-deren. Als sie Friggs sah, fletschte sie die Zähne.   
  
 Apophis drehte sich zu ihm um. „Es ist vielleicht besser, wenn du gehst. Ich glaube, dass sie etwas gegen Menschen hat.“  
„Hmhm. Es hat den Anschein.“ Er wandte sich dem Ausgang zu: „Wenn ihr Hilfe braucht, ich warte am Eingang.“  
 Der Tigerkater nickte und der Wissenschaftler verschwand.  
„Der Mensch ist weg und du brauchst dich vor nichts und niemandem zu fürchten“, sagte er sanft.  
 Apophis deutete auf sich und sagte nochmals: „Ich bin Apophis.“  
 Die Jaguarin schien zu verstehen, deutete auf sich und öffnete den Mund um etwas zu sagen. Aber es kam nur ein gequältes Hauchen dabei heraus.  
„Versuch nicht zu sprechen. Schone dich lieber. Kannst du aufstehen? Wir brin-gen dich dann hinaus.“  
 Das Weibchen schaute ihn an und Apophis merkte, dass sie nichts verstand.   
 Er drehte sich zu Tarja um. „Jetzt haben wir einen 5.700 Jahre alten Anthro ge-funden und der versteht uns nicht. Was schlägst du vor?“  
 Tarja erhob sich, ging geduckt auf die Jaguarin zu und hockte sich neben sie. Sie deutete mit dem Finger auf sie und dann auf den Ausgang. Nachdem Tarja diese Geste dreimal wiederholt hatte, schien das fremde Weibchen begriffen zu haben was sie vor hatten und nickte zustimmend. Sie erhob sich und stützte sich mit ihren Armen auf Apophis und seine Mutter. Schritt für Schritt verließen sie die Grabkammer und traten schließlich ins Sonnenlicht.   
Die Sonne stand im Zenit und das Jaguarweibchen riss schützend beide Hände vor's Gesicht.  
„Wir brauchen eine Decke und zwar schnell“, schrie Tarja.  
 Eilig kam einer der Arbeiter angerannt, trat direkt vor die drei und wollte die Decke der Jaguarin über den Kopf legen.   
 Die schien jedoch eine Gefahr zu wittern und fauchte ihn an.   
Erschrocken ließ er von seinem Tun ab. Apophis griff nach der Decke und nahm sie ihm ab. Behutsam legte er sie ihr über die Schultern, bedeckte damit ihren Körper und zog das freie Ende über ihr Haupt. Diesmal ließ sie es gesche¬hen und zeigte keinerlei Gegenwehr. Irritiert schaute der Arbeiter zu Apophis.  
 „Sie scheint ein Problem mit Menschen zu haben. Sag allen Bescheid, dass sie sich von ihr fernhalten sollen.“  
 Der Arbeiter nickte kurz und rannte quer über den Platz und ins nächstgele-gene Zelt.   
 Friggs hatte etwas abseits vom Eingang gewartet, rauchte eine Zigarette und hielt sich bisher im Hintergrund. „Ihr solltet sie in den Besprechungsraum brin-gen. Dort ist es ruhig und abgeschirmt.“  
 Tarja drehte sich zu ihm um. „Danke! Das ist eine gute Idee.“  
  
 Da saßen sie nun. Das fremde Weibchen trank nicht nur einfach ein Glas Was-ser nach dem anderen, sondern stürzte es literweise hinunter.  
„Sie ist total dehydriert“, flüsterte Tarja ihrem Sohn zu.  
„Wir sollten ihr noch etwas Zeit geben und sie mit unseren Fragen nicht zu sehr bedrängen“, raunte er zurück.  
 Die Jaguarin schien ihren Durst gestillt zu haben und machte sich jetzt über den Brocken rohen Fleisches her, der auf dem Teller zu ihrer Linken lag. Gierig schlug sie ihre Zähne hinein und riss ein Stück nach dem anderen heraus, um es anschließend hinunterzuschlucken. Nachdem auch das geschehen war, kon-zentrierte sie sich auf die beiden Tiger, die ihr direkt gegenüber saßen.  
 Es klopfte.   
„Ja?“, rief Tarja und sechs Raubkatzenaugen blickten zur Tür.   
 Sie wurde geöffnet und Sinja erschien. Man sah deutlich, dass sich die Jagua-rin wieder entspannte.  
„Komm rein“, forderte Apophis sie auf. „Sind noch mehr gekommen?“  
 Die Füchsin nickte und nach und nach traten Grey, Syrgon, Wotan, Sirius, Cy-ron und auch Stella ein. Die Tigerin schloss die Tür hinter sich und zeigte da¬mit an, dass nun alle Interessierten erschienen waren. Es herrschte eine bedrü-ckende Stille.   
 Etwa zehn Minuten später platzte Apophis der Kragen. „Okay. So wird das nichts. Wir gaffen uns doch nur gegenseitig an.“  
 Er deutete wieder auf sich. „Apophis.“   
 Dann zeigte er auf seine Mutter. „Tarja.“   
 Nacheinander stellte er auf diese Art und Weise die ganze anwesende Gruppe vor. Das Jaguarweibchen hob ihren Arm, zeigte auf sich und versuchte erneut zu sprechen. Auch diesmal gelang es ihr wieder nicht. Sie blickte traurig zu Bo-den.   
 Plötzlich hob sie den Kopf, blickte mit leuchtenden Augen zu Apophis und begann zu gestikulieren. Der sah ihr dabei aufmerksam zu und Begriff was sie wollte. Er sah sich um, fand das Gesuchte und legte Papier und Bleistift auf den Tisch vor ihr.   
 Sie nahm alles an sich und begann zu schreiben oder sollte man es eher ma-len nennen? Anschließend schob sie das Papier zu ihm zurück, deutete darauf und dann auf sich. Auf dem Papier standen Symbole.  
Die anderen standen auf und schauten ebenfalls auf die seltsamen Zeichen.  
Plötzlich stockte Stella der Atem.   
„Ich habe das schon mal gesehen“, sagte sie aufgeregt.  
„Wo?“, fragte Grey.   
„In den Zeitschriften die wir im Flugzeug gelesen haben, im Kontrollraum im Grab und auch im Raumschiff. Das sind Hieroglyphen in Kursivschrift.“  
 Apophis schloss die Augen und schien sich zu konzentrieren.  
 Stella und Tarja beobachteten ihn aufmerksam. So saß er ganze zwanzig Mi-nuten und auch die Jaguarin fixierte ihn aufmerksam.  
 Unvermittelt nahm er seine Hände vom Gesicht, schaute das Weibchen an, dann auf den Zettel und dann wieder auf das Weibchen. „Anch Djelestral! Ta seneb sechem pechti em set.”  
 Das Weibchen bekam ein unheimlich strahlendes Leuchten in den Augen und dem Rest der Gruppe fielen die Kinnladen runter, vor allem Tarja. „Verstehst du etwa, was sie uns sagen will?“  
„Ja“, entgegnete er. „Ich weiß auch nicht warum. Aber mir fielen plötzlich diese Hieroglyphen, die Schriftzeichen in unserem Schiff und die im Nebenraum der Grabkammer und all ihre Bedeutungen ein. Somit dürfte ich in der Lage sein, mich mit ihr zu verständigen.“  
 Stella grinste begeistert. „Was hast du ihr gesagt?“  
„Ich habe lediglich gesagt: „Leben Djelestral. Gesundheit, Kraft und Macht sei¬en mit dir.“  
 Tarja war außer sich vor Freude. „Sie heißt also Djelestral?“  
 Apophis nickte zustimmen.  
„Das ist fantastisch“, hauchte Sinja zu Grey.  
„Vielleicht finden wir jetzt endlich heraus, was alles zu bedeuten hat“, sagte er.  
 Apophis konzentrierte sich ganz auf Djelestral und sprach sie entsprechend an. Djelestral schüttelte den Kopf und malte weitere Hieroglyphen auf das Pa-pier. Der Tigerkater schaute kurz hin. „Selestral?“  
 Die Jaguarin nickte.  
„Ah. Da muss ein Übersetzungsfehler drin gewesen sein. Sie heißt Selestral.“  
 Die Jaguarin fing plötzlich an zu weinen.   
 Stella nahm ein Tuch, setzte sich neben sie und wischte ihr das Gesicht ab.   
 Da geschah etwas Überraschendes. Selestral drückte ihren Kopf gegen Stellas Schulter und hielt sie umschlungen. Stella war verdutzt und traute sich nicht, sich zu bewegen.  
„Mich würde interessieren was sie alles erlebt hat“, sinnierte Syrgon.  
„Das werden wir bald herausfinden“, entgegnete Apophis. „Aber zunächst soll-ten wir es dabei belassen und uns allen etwas Ruhe gönnen, vor allem ihr.“  
„Gut. Du solltest versuchen ihr klar zu machen, dass ihr keinerlei Gefahr von den Menschen droht, die hier im Lager sind. Ich will verhindern, dass sie wo-möglich jemanden angreift und tötet.“  
 Apophis sah Selestral an. „Selestral! Heri-tep aperu set ach ii sa maat.“  
 Die Jaguarin sah ihn schief und mit scharfem Blick an. Apophis streckte seine Hände vor und drehte zusätzlich, als Zeichen seiner Aufrichtigkeit, die Handflä-chen nach oben. Selestral verstand was er sagte und auch die Geste. Sie seufz-te vernehmbar und nickte schließlich.  
„Meinst du, sie hat dich verstanden?“, fragte Tarja unsicher.  
„Ich denke, ich konnte mich verständlich machen. Zumindest anteilig“, erwider-te er.  
 Sie standen alle auf und verließen den Raum. Selestral lauschte intensiv ihren Gesprächen und schien zu versuchen die ihr unbekannte Sprache aufzu-nehmen und zu verstehen.   
 Als sie ins Freie trat, wichen die Arbeiter furchtvoll zurück. Ihre offensichtliche Aggressivität gegenüber Menschen hatte sich schnell herumgesprochen.  
Als sie das Laborzelt betraten, trafen sie auf Friggs. Der sah die Chafren und ih-re neue Begleiterin. Ohne über seine Reaktion nachzudenken ging er drei Schritte zurück und hob die Hände hoch.  
„Hab keine Angst“, sagte Sinja. „Apophis hat ihr glaubhaft vermitteln können, dass die Menschen hier im Lager keine Feinde sind. Zumindest nehmen wir das an.“  
 Friggs staunte und sah fragend zu Apophis.   
„Wie hast du das angestellt? Spricht sie unsere Sprache?“  
 Der Kater antwortete nicht, sondern reichte nur Selestrals Zettel rüber. Der guckte kurz drauf und bekam große Augen.   
„Das sind ja Hieroglyphen! Wie bei allen verfluchten Göttern ist sie dazu in der Lage?“  
„Tja“, sagte Stella, „wie es aussieht sind die Hieroglyphen nicht nur eine alt-ägyptische Schrift, sondern auch die Urschriftform dieser Anthrospezies.“  
„Das kann nicht sein. Wir haben niemals etwas so genau übereinstimmendes gefunden. Es gab und gibt nichts identisches. Die anderen Schriften, egal ob hebräisch, Keilschrift oder frühes babylonisch, haben gravierende Abweichun-gen. Ganz zu schweigen von einer Form der noch früheren Keilschrift oder des koptischen.“  
  
„Dann gibt es nur wenige Möglichkeiten“, sagte Shana.  
Alle drehten sich ruckartig um.  
„Hallo, meine Lieben“, sagte sie.  
„Shana, Gregor“, rief Friggs erfreut. „Ihr seid wieder da. Und habt ihr den Pro-fessor befreien können?“  
„Ja. Wir sind vor fünfzehn Minuten eingetroffen und haben Skort unserem Arzt anvertraut.“  
„Welchem Arzt? Du meinst doch nicht etwa diesen Viehdoktor, der zu den Ar-beitern gehört?“  
„Nein, nein. Nicht doch den. Finlay kümmert sich wirklich rührend um ihn.“  
„Na, dann bin ich ja beruhigt“, Friggs atmete sichtlich auf.  
„Nachdem, was wir soeben mitbekommen haben, seid ihr scheinbar auf ein paar sehr interessante Dinge gestoßen.“  
„Und ob“, platzte Tarja heraus. „Ich freue mich, dir unseren Zuwachs vorstellen zu dürfen.“ Die Tigerin trat an die Seite der Jaguarin und schob sie sanft ein Stück in Shanas Richtung.  
 Die guckten sich beide ungläubig an.   
 Plötzlich trat Selestral einen Schritt auf die Wissenschaftlerin zu, die wich zu-rück. Aber das sollte das Jaguarweibchen nicht von seinem Vorhaben abhalten.   
 Sie trat wiederholt einen Schritt vor und wieder wich Grant zurück. Das Spiel hätte sich beliebig wiederholen können, wenn Shana nicht rückwärts gegen ei-ne Tischkante gestoßen und nun zwischen dieser und dem Raubkatzenweib-chen eingeklemmt gewesen wäre.   
 Selestral nutzte die Gelegenheit aus, näherte sich Shana auf Haaresbreite, schaute ihr intensiv in die Augen, schnupperte sehr auffällig an ihrem Hals und ihrem Gesicht. Der Wissenschaftlerin wurde es mehr als nur mulmig zu mute, immerhin wusste sie nicht woran sie war und rechnete sogar mit einem plötz-lichen Angriff.   
 Es geschah aber unerwartet etwas ganz anderes. Selestral ergriff Shanas Hand, streichelte sie und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Verblüffung machte sich breit. Wenn alle mit irgendwas gerechnet hatten, bestimmt nicht damit.  
  
 „Sieht aus, als ob sich die beiden kennen würden“, kicherte Gregor Binder.  
„Hör auf zu kichern du Maulwurf. Ich habe keine Ahnung was das gerade sollte und werde nicht schlau draus. Dieses Jaguarweibchen wirkt auf mich seltsam vertraut, obwohl ich es nie zuvor gesehen habe. Wo kommt sie eigentlich her?“  
„Sie lag im Sarkophag“, sagte Apophis und verzog keine Miene.  
„Dann haben wir jetzt einen lebenden Hethiter vor uns“, schlussfolgerte Andrew.  
 Apophis und Shana nickten gleichzeitig.  
„Vielleicht ist sie sogar einer der Cherit?“, warf Apophis in den Raum.  
 Selestral wirbelte zu ihm herum, ging auf ihn zu, machte den Mund auf und sagte laut und deutlich vernehmbar: „Selestral, tepi aa setepi scherit.“  
 Stella traute ihren Ohren kaum, genau wie die anderen.   
 Apophis grinste breit, Andrew starrte ungläubig, Shana saß glücklicherweise schon auf der Tischkante und Gregor musste sich erst mal festhalten. Leider dachte keiner an Friggs. Der verlor genau in diesem Moment kurz das Be-wusstsein und fiel ungebremst in den Wüstensand.  
„Verdammt“, entfuhr es Shana. „Schnell, helft mir mal. Wir müssen den Doc wieder auf die Beine bringen.“  
 Andrew stand direkt daneben, als Friggs stürzte. „Ich fürchte, das war etwas zu viel für den Guten“, sagte er und hob ihn hoch. „Wo soll ich ihn hinbrin-gen?“  
„Leg ihn erst mal auf den Tisch und bringt mir Wasser. Er scheint total ausge-trocknet zu sein.“  
„Wieso haben wir das nicht bemerkt?“, fragte Tarja in die Runde.  
„Wir waren zu sehr mit anderen Sachen beschäftigt und haben nicht drauf ge-achtet“, antwortete Sinja.  
 Friggs kam wieder zu sich.  
„Pscht. Bleib liegen. Du bist ohnmächtig geworden. Es ist aber nichts passiert.“  
„Ich hatte einen seltsamen Traum und darin sprach ein Jaguaranthro die alte Sprache.“  
 Shana lächelte. „Das war kein Traum. Selestral ist tatsächlich dieser frühen Sprachform mächtig.“   
 Friggs schob Shana beiseite und setzte sich auf. Er musterte Selestral. „Dann ist es also wahr. Die Cherit sind die Hethiter, nannten sich selbst scherit, die Ägypter chettim und waren vor 5.700 Jahren schon auf der Erde. Ich glaube, wir sollten die Jaguardame mal aushorchen. Da scheint sich etwas herauszu-kristallisieren. Nur werde ich im Moment nicht schlau daraus.“  
 Andrew betrat das Zelt und hielt ein Glas Wasser in der rechten Hand. Shana nahm es ihm ab und reichte es Friggs. Der trank es in einem Zug aus.   
 Apophis versuchte sich derweil mit Selestral zu unterhalten und es schien recht gut zu gelingen. „Selestral. Djed wen anch?“  
„Anch cheft djeba cha cha cha cha cha cha.“  
„Hat sie sich jetzt verschluckt oder stottert sie?“, fragte Grey.  
„Sie hat gezählt“, erwiderte Apophis. „Die altägyptische Sprache kannte nur das dezimale System. Wenn man also 16.000 sagen wollte, dann musste man zu-erst die 10.000 nennen und dann die 1000er Schritte sooft aufzählen bis die gewünschte Zahl erreicht war. Ihre Geschichte begann also vor 16.000 Jahren und zwar hier auf der Erde. Damit haben wir den lebenden Beweis, dass es Cherit auf der Erde gab und das noch vor den Ägyptern und den anderen Hochkulturen.“  
„Das wirft alle Geschichtsbücher über den Haufen“, sinnierte Binder. „Somit würde es auch stimmen, dass die Cherit und die Hethiter identisch sind und die Gegner von Ramses II waren. Allerdings lebten die schon Ewigkeiten vor den Pharaonen. Was ist da bloß passiert?“  
„Is in ii“, sagte Selestral plötzlich und verschwand aus dem Zelt. Die Anderen konnten sich nur wundern.  
„Was hat sie vor?“, fragte Andrew.  
„Keine Ahnung, aber ich denke mal, dass wir es gleich erfahren werden“, ant-wortete Gregor.  
 Und genauso war es.   
Keine fünf Minuten später tauchte die Jaguarin wieder auf und streckte Apo-phis eine Papyrusrolle entgegen. „Qenbet medjat ach imi.“  
 „Dieser Papyrus sollte für den Notfall sein. Wahrscheinlich für den Fall, dass das Stasisfeld versagt und sie stirbt“, erklärte Apophis kurz.   
  
Er entrollte das Papyrus und begann vorzulesen.  
  
„Ich bin Selestral vom Clan der Jaguare. Wir und noch viele andere Cherit ka-men vom Planeten Festrid. Wir waren ein Volk, welches vor 5.400.000 Jahren entstand und friedlich lebte. Wir kannten keine Kriege und keine Waffen, bis auf Speere und Pfeil und Bogen, die wir für die traditionelle Jagd einsetzten. Wir huldigten unseren Göttern, denen wir unsere Existenz verdankten.  
Ich möchte berichten was uns widerfuhr und gleichzeitig eine Warnung für alle Nachfolgenden aussprechen.   
 Nehmt euch in Acht vor vielen Menschen, auch wenn sie anfangs nett er-scheinen und freundlich sind, so kann ihr falscher Glaube zur Katastrophe füh-ren und sich gegen euch richten. So ist es uns widerfahren und wir haben teuer dafür bezahlt.  
  
 Unser Volk entwickelte sich sehr rasch. Wir konzentrierten uns auf Versorgung und Fortschritt. Niemand sollte Not erleiden müssen, das war unser oberstes Ziel. Innerhalb von 2.000.000 Jahren hatten wir einen technologischen Stan-dard erreicht, der seines gleichen suchte.   
Wir hatten die Fähigkeit erworben das Leben zu verlängern, Gene zu manipu-lieren, das Wetter zu kontrollieren und den Weltraum zu bereisen. Wir hatten alles erreicht, nur das All war die letzte große Herausforderung für uns.   
 Zunächst entwickelten wir einen lichtschnellen Antrieb und bereisten die nä-here Umgebung. Was wir fanden war erschütternd. Wir stießen fast nur auf Feindseligkeit und Machtgier, welche uns vollkommen fremd waren. Mehrere unserer Forschungsgruppen kehrten von ihren Reisen nicht zurück und die, die es schafften, waren angegriffen worden und berichteten erschreckendes.   
 Wir beschlossen daraufhin uns wohl oder übel bewaffnen zu müssen. Wir steckten unser ganzes Wissen in den Aufbau von Verteidigungssystemen und rüsteten damit unsere Schiffe aus. Wir wurden von fremden Rassen mehrfach angegriffen und schafften es die Aggressoren zurückzuschlagen. Wir nahmen eine feste Position in unserem Raumgebiet ein und trieben regen Handel mit den einstigen Feinden.   
 Innerhalb der nächsten 900.000 Jahre wuchs unsere Bevölkerung massiv an und es drohte der Kollaps durch eine Überbevölkerung. Wir entschlossen uns daher, ein gewaltiges Raumschiff zu bauen. Es war so gigantisch, dass wir es nicht auf Festrid montieren konnten, sondern in einer Umlaufbahn um unseren Planeten. 500 Jahre lang waren Generationen unserer besten Spezialisten mit dem Bau beschäftigt. Zeitgleich wurde an einer Lösung für das Problem der Geschwindigkeitsbegrenzung gearbeitet. Lichtgeschwindigkeit war einfach zu wenig, wenn man einen weiteren unbewohnten Planeten finden wollte, um ihn anschließend zu besiedeln.   
 Nach vierhundert Jahren und damit hundert Jahre vor der Fertigstellung des Schiffes, hatten unsere Wissenschaftler die Lösung gefunden. Sie hatten einen Generator entwickelt, der in der Lage war den Raum und die Zeit zu falten. Da-mit waren wir in der Lage die Lichtgeschwindigkeit zu überlisten und scheinbar dreißig mal schneller als das Licht zu reisen. Die nächsten fünfzig Jahre vergin-gen mit Tests. Der Generator erwies sich als die Alternative.  
 Allerdings stellten wir fest, dass bei jeder Nutzung Zeit verloren ging.   
 Durch die Faltung des Raumes wurde auch die Zeit gekürzt. Ein unangeneh-mer Nebeneffekt, aber da er sich auf das gesamte Universum auswirkte, kam es zu keinerlei Diskontinuität. Damit war das Problem zu vernachlässigen.   
 Der Generator wurde nachgebaut, extrem vergrößert und in das Schiff einge-baut. Zehn Jahre vor Fertigstellung des Schiffes wurden Freiwillige gesucht, die die Reise wagen wollten. Dabei kam es darauf an, dass es von jeder Art unserer Bevölkerung zwei Pärchen sein mussten. Nach einem Jahr war es soweit, die Besatzung war komplett. Es handelte sich um je zwei Pärchen der Tauren und der Anthros in den verschiedensten Fassetten. Wir richteten uns im Schiff ein und starteten.   
 Innerhalb von kürzester Zeit hatten wir zweihundert Welten entdeckt, aber alle waren schon besiedelt. Also flogen wir weiter und erreichten ein viel ver-sprechendes System, mit einem Stern vom Typ G und einem dritten Planeten, der in der Lage schien, Leben zu tragen. Wir scannten ihn und fanden sehr vie-le unbewohnte Gebiete. Leider existierte auch hier eine anthropomorphe Spe-zies, welche nackte Haut hatte und lediglich eine Kopfbehaarung besaß. Damit war auch dieser Planet ausgeschieden.  
  
 Wir wollten gerade abdrehen und weiter suchen, als wir von einem Meteori-tenschauer getroffen wurden. Er traf uns so unerwartet, dass wir keine Mög-lichkeit hatten die Schutzschilde des Schiffes auf volle Leistung zu bringen.   
 Mehrere Brocken trafen die Außenhülle und zerstörten einige Sektionen, auch der Generator wurde durch einen glatten Durchschlag beschädigt. Damit wa-ren alle Hoffnungen begraben. Wir entschlossen uns, das Risiko einzugehen, teilten uns auf mehrere Gruppen auf und landeten auf verschiedenen Konti-nenten des Planeten. Unsere Gruppe ging in der Nähe eines Urwalds runter, welcher sich auf einem Kontinent der westlichen Hemisphäre erstreckte. Wir verließen unser Schiff und versteckten uns im Urwald.  
 Die Lebensbedingungen hier waren ideal. Wir fühlten uns wie zuhause und wollten diesen Planeten eines Tages nicht mehr verlassen. Die einheimische Spezies, die sich selbst als Mensch bezeichnete, kam auf uns zu und erschien zunächst freundlich. Sie begriffen, dass wir nicht von ihrer Welt stammten und aus dem All kamen.   
 Dann geschah jedoch das Unfassbare. Um uns herum wurde ein Kult, eine Götterverehrung aufgebaut, in deren Mittelpunkt wir standen. Das kam uns gar nicht recht und wir versuchten uns dagegen zu wehren. Aber es war vergebens. Im Laufe der Jahrzehnte wuchs sich diese Verehrung immer weiter aus und nahm bizarre und oftmals brutale Züge an. Uns wurden blutige Menschenopfer dargebracht. Wir wussten nicht warum, waren unsere Sprachen doch zu unter-schiedlich. Später begriffen wir, um was es den Menschen ging.   
 Sie verlangten von uns sie vor bösem zu bewahren und das Wetter positiv zu beeinflussen. Wir wären dazu in der Lage gewesen, weigerten und jedoch strikt die Technologie anzuwenden.  
Das erzürnte das Volk der Maya und sie griffen uns an. Wir mussten uns ge-zwungenermaßen verteidigen und streckten viele von ihnen nieder. Die Reste derer zogen sich zurück und verschwanden für immer. Wir entschlossen uns den Kontinent zu verlassen und nach einem anderen Ort zu suchen, an dem es keine Menschen gab. Wir waren ihrer Gesellschaft überdrüssig geworden, zo-gen ostwärts und kamen an ein Meer.  
 Wir suchten nach einer Möglichkeit das Wasser zu überqueren und fanden schließlich mehrere primitive Boote, nahmen sie in Besitz und ließen uns von den Strömungen treiben.   
 Nach Monaten erreichten wir endlich wieder festen Boden und setzten unsere Suche per Pfoten fort. Nach Wochen erreichten wir ein Gebiet, in dem kein Mensch lebte. Es handelte sich um eine riesige Wüste, südlich eines Meeres gelegen. Es gab mehrere kleinere Oasen und einen großen Fluss. Hier wollten wir uns ansiedeln. Das Problem war lediglich die Versorgung mit Wasser.   
 Unsere Wissenschaftler fanden auch hier schnell eine Lösung. Sie leiteten den Fluss, den wir auf den Namen Nil tauften, um. Unsere Gruppe vergrößerte sich ständig, bedingt durch natürlichen Nachwuchs. Um das Problem der Inzucht in den Griff zu bekommen, kombinierten wir die natürliche Reproduktion mit un-serer Gentechnik. Außerdem nutzten wir die einheimischen Wildtiere um uns auch in ihnen fortzupflanzen.   
 Die anderen Gruppen hatten in der Zwischenzeit ähnliche Erfahrungen ge-macht wie wir und zogen ebenfalls aus ihren ausgesuchten Gebieten ab. Wie der Zufall es wollte, trafen alle wieder zusammen und wurden für die nächsten 7.000 Jahre sesshaft. In dieser Zeit beobachteten wir mir wachsender Sorge die Entstehung von Ober- und Unterägypten, die Fehden der Pharaonen, die wechselnden Herrscherkasten, die einfallenden Hyksos und Babylonier, die Streitigkeiten mit den Assyrern.   
 Wir wollten uns aus allem heraushalten, wurden aber entdeckt und man bau-te Handelsbeziehungen mit uns auf.  
Es entwickelte sich scheinbar zu unseren Gunsten. Die Ägypter schienen fried-liebender zu sein wie andere Völker. Man trat mit vielen Bitten an uns heran, besonders was die Unterstützung beim Bau von Monumenten anging.   
 Unsere Spezialisten halfen nach besten Kräften und nutzten unsere Technolo-gie. Es entstanden Tempel und Pyramiden von gigantischen Ausmaßen. Leider wurden wir auch hier nach und nach zu Göttern erhoben, allerdings verzichtete man auf Opfergaben. Die Ägypter versuchten uns gefällig zu sein und erlern¬ten unsere Sprache und unsere Schrift. Sie nannten sie Hieroglyphen. Somit hatten wir innerhalb kurzer Zeit eine gemeinsame Verständigungsbasis ge¬schaffen.  
 Dann kam Amenophis IV., nannte sich selbst Echnaton und verbannte uns als Götterwesen. Das war für uns kein großes Problem, denn man ließ uns gewäh-ren und in Ruhe. Jahrzehnte später trat Ramses in Erscheinung, besann sich auf die alten Götter, stufte uns jedoch als Götterlästerer ein. Wir bekamen die Na-men Hethiter und Chittim und wurden zu Feinden des ägyptischen Landes er-klärt. Ramses rückte mit seinen Truppen gegen uns vor, um unsere Technolo-gie zu erobern. Das gelang ihm nicht, er nahm jedoch Gefangene und kehrte nach Ägypten zurück. Er folterte unsere Artgenossen auf grauenhafte Weise und ermordete sie.   
 Unsere Kundschafter erfuhren davon und wir holten zum Gegenschlag aus. Wir mobilisierten all unsere Kräfte und rückten gegen Ägypten vor. Am Ende standen wir vor den Mauern Thebens, der Hauptstadt des Reiches. Ramses gab sich geschlagen, ließ unsere Freunde frei und es wurde ein Friedensvertrag ge-schlossen. Wir zogen wieder ab und beschlossen nunmehr die Erde, wie sie von den Menschen genannt wurde, für immer zu verlassen.   
 Dieser Planet war nur falsch, niederträchtig, zwiespältig und feindselig. Wir riefen alle Teile unserer Gruppen zusammen, errichteten unterirdische Anlagen und verschwanden von der Oberfläche.  
 Wir bauten aus widerstandsfähigen Materialien ein Schiff zusammen, welches uns von der Oberfläche bringen sollte. Der Bau dauerte lange und war erst mit dem Auftauchen eines Volkes namens Römer beendet.   
 Nun sitze ich hier, habe diese Zeilen geschrieben und meine Freunde werden am morgigen Tag diesen Planeten verlassen. Ich werde als Vermächtnis in Sta-sis versetzt und zurückgelassen. Mögen die Götter unseren Weg schützen und uns eines Tages einen für uns wirklich geeigneten Planeten finden lassen.“  
  
Das war genau das, was sie alle gesucht hatten. Damit waren alle ihre Fragen mit einem Schlag beantwortet und Andrew fasste die Informationen laut zu-sammen. Scheinbar wollte er sich auf diese Art und Weise selbst mit dem Un-fassbaren vertraut machen.  
  
„Okay, fassen wir jetzt mal alles zusammen. Auf dem Planeten Festrid ent-wickelt sich eine Bevölkerung und die besteht aus fast all den Arten die wir kennen. Diese Zivilisation expandiert und bevölkert am Ende jeden Winkel des Planeten. Es sind so viele, dass man nur einen Entschluss fassen kann, der da lautet, dass man in den Weltraum auswandert und eine neue Kolonie gründet.   
 Es wird ein Raumschiff gebaut und der Exodus beginnt. Sie treffen nach Jahr-zehnten auf die Erde, finden eine extrem primitive Bevölkerung vor und be-schließen weiter zu fliegen. Das Schiff jedoch wird beschädigt. An einen Wei-terflug ist nicht zu denken, nur noch an eine Landung auf der Erde. Die Besat-zung teilt sich auf die verschiedenen Regionen des Planeten auf und lebt ne-ben den Menschen, aber ohne Kontakt zu ihnen.   
 Die Menschen breiten sich aus und treffen auf die Cherit. Sie werden als Göt-ter verehrt und die Verehrung nimmt unangenehme Formen an. Die Cherit schreiten ein, werden aber vertrieben. Es kommt zum Kampf und zur anschlie-ßenden Flucht.   
 Nach und nach landen alle im nördlichen Teil des späteren Ägyptens. Sie lei-ten den Nil um und urbanisieren das Land. Aber auch hier entwickelt sich eine sehr schnell wachsende Bevölkerung. Es kommt zum Kontakt. Auch hier wer-den die Cherit zu Göttern erklärt, allerdings verläuft hier alles friedlich. Die Cherit erleben die gesamte ägyptische Geschichte und eines Tages taucht Echnaton auf und verbannt die Götter an ihren Ursprung. Sie ziehen sich zu-rück und beobachten aus der Ferne. Dann wird Echnaton entfernt und Ramses kommt an die Macht. Er lässt die alten Götter wieder auferstehen und versucht Kontakt herzustellen. Das gelingt aber nicht zu seiner Zufriedenheit und er be-schließt sich der Technik der Cherit zu bemächtigen. Er zieht in den Krieg, ver-liert und zieht sich zurück.   
 Die Cherit sind gewarnt und lassen Gruppen patrouillieren. Krieger von Ram-ses nehmen eine Patrouille gefangen und foltern sie. Sie sterben, was aber die Cherit nicht wissen. Eine weitere Patrouille findet es heraus und meldet es. Die Cherit nehmen die Herausforderung an und ziehen gegen Theben.   
 Sie überrennen die Truppen von Ramses und siegen. Da sie aber nicht rach-süchtig sind, wird ein Unentschieden ausgehandelt und sie ziehen sich zurück. Sie beschließen die Erde für immer zu verlassen. Selestral wird als Vermächtnis am Fuße der Grundmauern Thebens im Stasisfeld in ein Grabmal gelegt. Die restlichen Cherit verlassen den Planeten und das Volk der Hethiter ver-schwindet damit für immer, auf mysteriöse Weise von der Erde. Wohin weiß keiner.“  
  
„Tja“, überlegte Apophis, „und dann tausende Jahre später kreuzen sich die Wege von Menschen und Cherit im Weltraum. Die Menschen sehen sofort eine Bedrohung und schießen. Es kommt zum Krieg. Es gibt keine Waffe gegen die Übermacht der Cherit.   
 Die Menschen beschließen eine biologische Abwehr aufzubauen die aus ge-züchteten und konditionierten Cherit bestehen soll. Es klappt aber nicht und man gibt auf. Zeitgleich endet der Krieg und es wird ein Friedensvertrag unter-zeichnet. Der Planet auf dem die Forschungen stattfanden heißt Genro und er wird umfunktioniert. Er soll ein Vergnügungsplanet werden, auf dem man in-telligente Tiere jagen kann. Das Militär zieht sich aber nicht komplett zurück, behält zumindest eine Art Kontrollfunktion.   
 Die Wissenschaftler experimentieren mit Tieren von der Erde, verändern ihre Gene und erhalten als Resultat Andrew. Er schleust seine Intronenviren in wei-tere Wirte und unsere Spezies entstehen. Wir sind rekombiniert aus Zellen die schon lange vorhanden waren, nämlich durch die Geneinschleusungen der Cherit vor mehr als 15.000 Jahren. Damit sind wir kein Zufallsprodukt, sondern lediglich eine Rückzüchtung aus bereits vorhandenem Material.“  
 „Das bedeutet, dass wir keine Chafren sind sondern Cherit?“, fragte Sitara.  
 „Fast. Wir sind schon Chafren, aber direkte Nachfahren und Verwandte der Cherit. Wir haben die selben Gene.“ Cyrons Augen leuchteten. „Wir sind eine echte Spezies und sind nicht rein künstlich erzeugt. Wir haben durch unsere Cheritvorfahren eine Kultur die vor 5.400.000 Jahren entstand. Wir waren tech-nisch sogar weiter entwickelt als die Menschen es heute sind.“  
 Alle begriffen die Tragweite dieser Entdeckungen.  
„Unsere Götter sind keine Menschen, die alten Schriften sagen die Wahrheit. Vielmehr sind wir, egal ob Cherit oder Chafren, für die Menschen wie Götter“, triumphierte Helios.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 53  
  
 Angriff  
  
  
 Plötzlich hörte man draußen einen riesigen Aufstand. Es fielen Schüsse und Schreie ertönten.   
 Einer der Arbeiter kam hereingestürzt. „Wir werden angegriffen.“  
 Wie der Zufall es wollte, hatten Shana, Gregor, Andrew und Kira ihre Waffen noch bei sich und schauten aus dem Zelt. Tatsächlich rückten Soldaten ins La-ger vor, schossen um sich, und hatten leider schon drei der Arbeiter getötet.  
„Verdammter Mist!“, sagte Pedro.   
 Kira sah ihn scharf an. „Auch wenn du recht haben magst, aber so aussichtslos ist die Situation noch nicht.“   
 Sie wandte sich Andrew zu: „Wamanos!“  
 Die vier Bewaffneten rannten aus dem Zelt und gingen in Stellung. Zunächst hatten die Soldaten mit keinerlei Gegenwehr zu kämpfen, aber das änderte sich nunmehr schlagartig. Blaue Strahlen aus ihren Rubinlaserwaffen zuckten fauchend durch die Luft, trafen präzise ihre Ziele und streckten einen Soldaten nach dem anderen zu Boden. Aber der Kampf schien kein Ende nehmen zu wollen, immer mehr Soldaten tummelten sich im Wüstensand und die Götter allein wussten wo die alle her kamen. Chafren und Menschen leisteten erbitter-ten Widerstand, aber es war aussichtslos. Pedro sollte mit seiner Einschätzung der Situation Recht behalten. Die Ladung der Laserstrahler ging immer mehr zur Neige und am Ende waren sie unbewaffnet.  
 „Nehmen sie die Hände hoch und kommen sie mit erhobenen Händen raus“, brüllte einer der Soldaten.  
„Was sollen wir jetzt machen?“, fragte Andrew bitter.  
„Aufgeben und hoffen, dass sie uns nicht gleich erschießen“, antwortete Kira bedrückt.  
 Sie legten die nutzlosen Waffen auf den Boden und kamen aus ihren Stel-lungen heraus.  
„Schön langsam und keine falschen Bewegungen“, rief der Soldat.   
Dann griff er zum Funkgerät. &lt;„Wir haben sie.“&gt;  
  
 Mehrere Soldaten traten in das Zelt, in dem sich der Rest der Gruppe aufhielt und zwang sie ebenfalls auf den Platz zu gehen und sich zu den bereits festge-setzten Mitstreitern zu begeben.   
 Ein Gleiter erschien und setzte unmittelbar hinter den Soldaten auf. Eine Luke wurde geöffnet und zwei Personen stiegen aus.  
„Das war ja klar“, entfuhr es Shana, „wer sonst sollte die Niedertracht besitzen und uns hier angreifen.“  
 Die beiden Menschen schritten auf die Gruppe der Chafren zu.  
„Guten Abend!“, sagte einer der beiden. „Ich darf mich kurz vorstellen, auch wenn mich einige von ihnen bereits kennen dürften. Mein Name ist Krondal und der Herr neben mir ist mein Assistent, Mr. Cromwell.“  
„Was fällt ihnen ein Krondal? Wir sind hier nicht auf dem Gebiet der Vereinig-ten Staaten und dieser Angriff entbehrt jedweden Rechts“, schrie Shana.  
„Das glauben aber auch nur sie“, sagte Krondal scharf. „Ich habe jedes Recht und das auf der ganzen Erde. Ich habe das Recht zu tun und zulassen was ich will und für richtig halte.“  
„Sie sind aber ganz schön arrogant“, bemerkte Apophis.  
„Was du nicht sagst. Ich bin ein Geschöpf Gottes und er spricht durch mich zu dir. Von Gottes Mund in deinen kleinen Geist.“  
 Apophis konnte sich nicht mehr halten und fing laut an zu lachen.   
 Das passte Cromwell nicht. Er trat vor, zückte einen Dolch und stieß ihn dem Kater in den Unterleib. Apophis schrie vor Schmerz auf und sank auf die Knie.  
„Ah, schon besser“, sagte Krondal süffisant. „So mag ich es. Die Kreatur erkennt ihren Gott und huldigt ihm durch einen Kniefall.“  
„Du mieses Miststück“, schrie Tarja auf.  
„Tztztztztztz.“  
„Halt die Schnauze du Vieh“, bellte Cromwell dazwischen.  
 Krondal drehte sich zu ihm um. „Aber, aber. Dazu kommen wir doch erst spä-ter. Im Moment geht es mir eher darum, die Geschichte zu richten und alle Un¬gereimtheiten auszubügeln. Also. Wo sind die Funde, die ihr Verrückten ge-macht habt?“  
„Suchen sie sie doch.“ Binder funkelte Krondal wütend an.  
 Cromwell zog das Messer aus Apophis' Unterleib, welcher gekrümmt zu Bo-den ging und liegen blieb.   
 Tarja beugte sich über ihn. „Er lebt noch, aber wir müssen die Blutung stop-pen, sonst stirbt er.“  
 Krondal sah sie an. „Und wenn schon, ist doch nur ein Tier. Genau wie du und die anderen. Wenn wir euch töten, dann ist das Sachbeschädigung und wenn wir noch eine nette Geschichte erzählen, dann geht das glatt als Notstands-handlung durch und damit sind wir alle fein raus.“  
 Andrew konnte sich nicht mehr beherrschen. „Sie sind wirklich genauso verlo-gen wie die Menschen, die ich vor 600 Jahren kennengelernt habe. Ihr Primitiv-linge habt euch in der Tat kein Stück weiterentwickelt.“  
 Cromwell ging auf ihn zu und wollte auch ihm seinen Dolch zu spüren geben, aber das wusste Andrew zu verhindern.   
Er fiel ihm in die Hand und brach ihm ohne zu zögern den Arm. Cromwell schrie wie ein altes Waschweib auf und ließ das Messer fallen.  
„Von der Hand eines Gottes, direkt in deinen kleinen Arm“, flüsterte Andrew und spuckte ihn an.  
„Genug jetzt! Du bist ein Vieh und kein Gott! Hier gibt es für meinen Ge-schmack ein paar Götter zu viel, aber das werde ich schon ändern.   
 Den Fellachen und anderen armseligen Figuren könnt ihr vielleicht was vor-machen, aber mir bestimmt nicht. Ich habe die Nase voll von den Spielchen“, brüllte Krondal. „Es war so perfekt. Dann taucht ihr auf und alles dreht durch. Die hier“, er zeigte auf die Wissenschaftler, „fangen an im Wüstensand zu bud-deln und finden tatsächlich Skelette die belegen, dass ihr hier ward und das lange bevor wir mit einer richtigen Zivilisation anfingen. Das ganze Glaubens-gerüst der Menschheit gerät ins Wanken.   
 Dann werden treu ergebene Mitglieder meiner Truppe getötet, die Herren vom Wissenschaftsrat, der Kirche und der Politik kneifen und überlassen die Drecksarbeit mir. Derweil macht ihr verdammten Viecher euch auf meinem Pla-neten breit und krempelt die ganze Geschichte um. Aber ihr habt euch ge-täuscht, und den falschen Mann für euer Spiel ausgesucht. Ich werde nicht zu-lassen, dass ihr mir alles nehmt.“  
 „Aha. Das ist es also. Du befürchtest, dass du deine Macht verlierst. Es geht hier doch gar nicht um die Geschichte oder das Wohl der Menschheit. Es geht nur um dich“, entgegnete Syrgon.  
 Andrew nickte zustimmend.   
„Und da du zu klein und zu feige bist dir die Finger schmutzig zu machen, müssen andere deine Drecksarbeit erledigen. Dabei rede ich von den Soldaten und auch von deinem Assistenten“, ergänzte Stella.  
„Haltet eure Mäuler. Ich werde jetzt dafür sorgen, dass alles wieder dahin geht wo es hingehört.“  
„Was wollen sie tun?“, fragte Jody misstrauisch.  
„Zunächst werden wir euch eliminieren, dann werden wir das gesamte Gebiet sprengen und damit alle Funde vernichten. So einfach ist das.“  
„Das können sie nicht tun“, schrie Binder.  
„Oh doch, das kann und werde ich. Und ihnen, Herr Doktor Binder, rate ich die Füße still zu halten und zu beten, dass ich sie in der Öffentlichkeit nicht zer-reiße.   
 Ursprünglich wollte euch die Genetik in die Finger kriegen, aber da keiner von den Herren erschien, schließe ich daraus, dass deren Interesse erloschen ist. Wahrscheinlich haben sich ihre Präferenzen verschoben.“  
 Krondal und Cromwell drehten sich um, räumten die Schusslinie und verlie-ßen mit ihrem Gleiter den Ort des Geschehens.  
„Feuer frei, Kommandant“, rief Krondal noch, bevor er startete.  
 Die Soldaten legten an. Die Chafren kniffen die Augen zu und warteten auf die tödlichen Schüsse. Mehrere Lasersalven durchschnitten die Luft. Dann hör¬te man, wie leblose Körper auf den Boden aufschlugen.  
  
 Andrew und Stella waren die ersten, die die Augen wieder öffneten. Sie sahen sich um. Sie alle waren noch am Leben. Die Soldaten, eben noch als Hinrich-tungskommando vor ihnen gestanden, lagen tot am Boden.   
  
 Was war geschehen?  
Während die Chafren auf ihren sicheren Tod warteten, erschienen mehrere kleine Schiffe. Sie waren sehr dicht am Boden geflogen und konnten somit von keinem Radar entdeckt werden. Außerdem besaßen sie scheinbar einen sehr leisen Antrieb und bewegten sich auch sonst fast geräuschlos. So hatten sie sich, unbemerkt von allen, genähert.  
 Nur Bruchteile von Sekunden, vor den tödlichen Schüssen der Soldaten, hat-ten die Schiffe auf die Truppen gefeuert und somit den Chafren und Jody, Sha-na, Gregor und Friggs das Leben gerettet.  
  
 Jetzt standen die Schiffe direkt vor ihnen, die Luken wurden geöffnet und mehrere Personen stiegen aus. Gegen die tief stehende und blendende Sonne konnte man nur undeutliche Umrisse erkennen. Aber als sie sich näherten, er-kannte man immer klarere Umrisse und die waren definitiv nicht menschlich.   
 Selestral schrie plötzlich auf und rannte ihnen entgegen. Eine der Gestalten breitete die Arme aus und umschlang sie fest. Zwei der Gestalten kamen wei-terhin näher und bauten sich wenige Meter vor unseren Chafren auf.  
 „Habt keine Angst, wir sind Freunde“, sagte eine der Personen.  
Den Chafren klappten die Kinnladen herunter, als sie erkannten wer genau ihnen da gegenüber stand.  
 Cyron blinzelte und trat einen Schritt vor. „Pathenon?“, fragte er ungläubig. „Bist du es wirklich?“   
 Er schrie vor Freude auf, umarmte und knuddelte ihn fest.   
 Der Anthro, den Cyron für Pathenon hielt, umarmte ihn ebenfalls und klopfte ihm freundschaftlich auf die Schultern. „Moment, Moment. Nicht so schnell, mein Freund. Mein Name ist nicht Pathenon. Ich heiße Colras. Wir sind – Cherit.“  
 Cyron zuckte zurück und schämte sich sichtlich für seinen Gefühlsausbruch. „Entschuldige bitte. Ich habe dich mit jemandem verwechselt den ich kenne.“  
„Ist schon in Ordnung. Wir wissen, dass ihr auf Genro lebt und waren dort. Wir fanden die Landebasis leer vor, zogen die gewünschten Daten aus dem Proto-kollrechner, wussten daher, dass ihr zur Erde geflogen seid und rechneten mit dem Schlimmsten. Wie sich zeigt nicht zu Unrecht.“  
 Bei Colras' Begleitung handelte es sich um eine Schneeleopardin, die Sa-mantha nicht unähnlich war. Auch in den anderen Cherit erkannte man be-kannte Gesichter.  
 Tarja war wieder über Apophis gebeugt. „Hilfe!“, schluchzte sie. „Helft ihm. Er stirbt.“ Sie weinte.  
 Colras beugte sich zu ihr und hockte sich neben Apophis, zog ein Gerät aus einer seiner Taschen und legte es Apophis auf die Brust. Danach stach er meh-rere Nadeln in seine Arme und in die Brust. Zwei weitere Cherit eilten herbei, legten ihn auf eine Trage und brachten ihn in eines der kleinen Schiffe.  
„Was habt ihr jetzt vor?“, fragte Andrew.  
„Wir werden euren Verwundeten erstmal versorgen. Er wird bestimmt nicht sterben. Dafür ist die Verletzung zu klein. Anschließend sollten wir überlegen, was wir weiterhin tun sollten“, erklärte Colras. „Übrigens, das ist meine Partne-rin Sitral.“ Er deutete auf die Schneeleopardin.   
 Sie nickte allen freundlich zu.  
 Stella mischte sich ein. „Wir müssen was unternehmen. Die Menschen versu-chen wiederholt Cherit zu züchten um sie gegen euch einzusetzen.“  
„Aha“, entfuhr es Sitral. „Das wird genauso schief gehen, wie es damals bei euch der Fall war.“  
„Ihr wisst davon?“, fragte Andrew.  
„Ja. Wir haben den Funkverkehr zwischen Genro und der Erde sehr aufmerk¬sam verfolgt. Daher wussten wir um die Vorgänge auf eurer Welt.“  
„Und warum habt ihr uns nicht geholfen? Wir haben zwei Drachen und einen Pegasus verloren, außerdem hatten wir mehrere Verletzte.“  
 Sitral schaute Andrew scharf an. „Was wäre gewesen, wenn wir uns einge-mischt hätten?“  
„Wir hätten uns vieles erspart.“  
„Und dann? Ihr hättet nichts herausgefunden. Euch wäre alles in den Schoß ge¬fallen und die Zusammenhänge, welche ihr selbständig erkannt habt, wären euch unverständlich geblieben. Außerdem wärt ihr mit der ganzen Wahrheit überfordert gewesen, wenn wir plötzlich vor euch gestanden hätten. Durch un-sere Passivität musstet ihr alle Einzelheiten selbst finden und konntet euch Schritt für Schritt auf alles vorbereiten. Abgesehen davon ist einer unserer obersten Grundsätze, dass wir uns nicht in die Entwicklung anderer Welten ein-mischen und direkten Kontakt erst dann herstellen, wenn die Zeit und das ge-sellschaftlich Niveau reif dafür sind.“  
„Also waren wir für euch noch zu primitiv?“, fragte Torus entrüstet.  
„Das klingt jetzt etwas sehr drastisch, aber ich drücke es mal so aus: Ihr wart noch nicht bereit.“  
 „Genau das hat mir Chiron damals auch zu verstehen gegeben. Wir müssen unseren eigenen Weg finden und man sollte das Ergebnis nicht im Voraus ken-nen, denn das verfälscht am Ende den Weg und das Ziel geht verloren.“  
 Colras nickte zustimmend. „Wo wir gerade bei Zurückhaltung sind und du es ansprichst. - Wo ist Chiron? Ich habe ein paar ernste Worte mit ihm zu wech-seln.“  
 Der Tigerkater trat zwei Schritte auf Colras zu. „Hier bin ich.“  
„Du hattest einen Auftrag, mein Freund. Du hättest es niemals so weit kommen lassen dürfen“, grollte Sitral.  
 Tarja sah ihn und Sitral verwirrt an. „Was soll das heißen? Chiron? Was geht hier vor?“  
„Chiron. Es wird Zeit die Karten auf den Tisch zu legen“, sagte die Schneeleo-pardin und verließ die Gruppe.  
„Du bist uns jetzt eine Erklärung schuldig“, herrschte Stella ihn an.  
„Ihr habt Recht, das bin ich in der Tat. Also, das mit der Zeitreise stimmt schon, aber es ist nicht die ganze Wahrheit. Ich bin Agent der Cherit und wurde ein-geschleust um die Vorgänge zu beobachten. Allerdings hatte ich den Auftrag mich nicht einzumischen.“  
„Och. Das ist ja putzig.“ Tarja fletschte die Zähne. „Du hast mit uns gespielt und vor allem mit mir. Und was wird nun aus uns? Ich habe Apophis von dir em-pfangen, du bist sein Vater. Willst du jetzt verschwinden oder zu deiner Verant-wortung stehen?“  
„Ich stehe zu dem was ich getan habe, und gehöre zu euch und nach Genro. Meine Vergangenheit zählt nicht mehr. Sie ist unwichtig geworden, in dem Moment, in dem ich dich kennenlernte“, sagte Chiron und ergriff Tarjas Hand.  
 Die zog sie zurück. „Du musst dich mächtig ins Zeug legen, um unser Vertrau¬en zurück zu gewinnen. Das mit der Zeitreise lass ich ja noch gelten, aber dass du ein Spiel gespielt hast, ist zu viel des Guten.“  
 „Wo habe ich denn gespielt? Die Zukunft hatte sich in dem Moment verscho-ben, in dem ich durch das Tor ging. Alles was geschehen ist, konnte keiner vor-hersehen. Ich hatte den Auftrag mich aus allem rauszuhalten und nur zu be-richten.   
Was habe ich stattdessen getan? Noch mehr hätte ich wohl kaum eingreifen können und Berichte gab es von mir schon lange nicht mehr. Sonst wären die Cherit schon wesentlich früher aufgetaucht. Was denkst du, was geschehen wäre, wenn ich berichtet hätte, dass ihr mit modernen Waffen die mensch-lichen Stationen angreifen wollt? Was wäre geschehen, wenn ich von eurem Vorhaben berichtet hätte, zur Erde zu reisen? Die Cherit hätten auf Genro unter Umständen regulierend eingegriffen.“  
 „Na! So schlimm wäre es nicht geworden. Wir hätten zwar eingegriffen, aber Vorsicht walten lassen. Immerhin bist du ja auch nicht aufgefallen“, mischte sich Colras in Chirons Redefluss ein.  
 Die meisten senkten die Köpfe und schüttelten diese.   
Lediglich Andrew schien recht locker mit der Offenbarung umzugehen. Er ging auf Chiron zu und umarmte ihn. „Du hast uns wirklich geholfen und verdienst unseren Respekt. Aber trotzdem sitzt der Schock tief.“  
„Ich weiß. Das wäre ein Geheimnis geblieben, wenn dieser Krondal nicht so hartnäckig gewesen wäre und ein eingreifen der Cherit nötig gemacht hätte“, entgegnete Chiron.  
 „Das mag sein. Aber du hättest stets ein dunkles Geheimnis in dir getragen und das hätte dich und deine Familie auf Dauer vergiftet“, gab Andrew zu be-denken.  
 Chiron nickte, ging auf Tarja zu, kniete sich vor ihr hin und nahm ihre Hand. „Ich liebe dich mehr als mein Leben, und ich möchte mit dir und Apophis den Rest meines Lebens verbringen. Willst du mich heiraten?“  
 Tarja schaute ihn bestürzt an. „Also war das kein hohles Gerede damals?“  
„Nein, ich habe immer alles sehr ernst gemeint.“  
„Ja. Ja doch.“ Chiron lächelte sie hingebungsvoll an. Er erhob sich und drückte sie fest an sich.  
„Wie fühlst du dich?“, fragte Cyron.  
„Frei und unbeschwert“, antwortete er. „Es gibt keinerlei Geheimnisse mehr die mich belasten könnten. Außer einem...“  
„Was noch?“, fuhr Stella hoch.  
„ ... Hargot und Casandra gehören mit zur Agentengruppe.“  
„Das habe ich mir schon gedacht“, sagte Cyron. „Wann seid ihr eigentlich auf Genro gelandet?“  
„Vor dreihundert Jahren. Das Schiff im Hangar? Hm? Erinnert ihr euch an die Apparatur, welche Andrew in der Basis benutzte um sein Leben zu verlängern? Genau eine solche stand im Keller meines Hauses und Casandra und Hargot kamen regelmäßig zur Verjüngungskur zu mir. Wir drei sind in Wirklichkeit fast vierhundert Jahre alt.“  
„Wow. Ich sagte ja schon. Das Grünzeug im Wald hält fit und das hat man dir oft genug angemerkt.“ Cyron musste kichern.  
 Stella fand das nicht gerade amüsant. „Mein lieber Freund. Da hast du uns aber ganz mächtig reingelegt. Und was denkst du wie es jetzt weiter geht?“  
„Wir müssen zunächst Krondal und Cromwell ausschalten. Dann müssen wir dafür sorgen, dass die Genlaboratorien zerstört werden. Und dann sollten wir heimkehren, denn unsere Freunde werden uns schon erwarten.“  
 Ein Cherit namens Callisto trat zu ihnen. „Chiron, wir haben unangenehme Neuigkeiten. Dieser Krondal hat es geschafft einen Truppentransporter zu star-ten und nach Genro zu schicken. Er fliegt mit vierfacher Lichtgeschwindigkeit und ist daher recht langsam. Das Startdatum liegt jetzt fast eine Woche zu-rück.“  
„Verdammt. Das hat uns gerade noch gefehlt“, grollte Chiron. „Jetzt drängt die Zeit wirklich.“  
„Was machen wir als erstes?“, fragte Stella.  
„Wir müssen zurück in Shanas Haus und sehen was von unserer Ausrüstung noch übrig ist. Dann sollten wir das Genprogramm sabotieren und uns Krondal und seinen Assistenten schnappen. Wenn das geschehen ist, kümmern wir uns um den Transporter.   
 Vielleicht können wir Krondal davon überzeugen ihn zurückzurufen, wenn nicht, müssen wir uns eines der Cheritschiffe schnappen und versuchen eher auf Genro zu sein wie die Angreifer. Hoffentlich kommt es aber nicht so weit, denn das wird eine blutige Schlacht werden.“  
„Okay“, sagte Andrew aufmunternd, „wir haben ein Ziel und packen es jetzt an.“  
 Die anderen nickten zustimmend.  
 Sitral trat hinzu. „Freunde. Wir starten jetzt und kehren zum Hauptschiff zu-rück. Apophis muss erst mal zur Krankenstation. Die Verletzung ist ernster als zuerst angenommen. Die Klinge war vergiftet.“  
 „Wird er es schaffen? Bitte, ihr müsst ihm helfen. Er ist mein Sohn“, sagte Tarja und kämpfte mit ihren Tränen.  
 „Keine Angst, unsere Medizintechnik ist sehr weit fortgeschritten, da dürfte eine einfache Vergiftung wirklich kein Problem sein. Wenn ihr möchtet nehmen wir euch mit. Hier unten seid ihr nicht besonders sicher und ich glaube kaum, dass es sich mit Krondal und seinen Schergen erledigt hat. Die kommen garan-tiert wieder. Die Funde werden allerdings verloren gehen. Aber alle Antworten die ihr haben wolltet, habt ihr gefunden, den Rest könnt ihr von uns erfahren.“  
 Cyron klatschte in die Hände. „Du hast Recht. Wir sollten verschwinden. Die Erde ist in der Tat ein ungastlicher Ort.“  
 Sitral nickte und lächelte wieder einmal freundlich.  
 „Aber was ist mit uns?“, fragte Shana.  
 „Die Arbeiter bleiben hier. Es ist eh ihr Land und damit ihre Heimat. Wer von euch Lust hat, kann mitkommen. Ihr habt eure Hilfsbereitschaft ausreichend bewiesen und mehr als nur geholfen. Ihr habt gezeigt, dass ihr auf unserer Sei-te steht und euer Leben opfern würdet um der Wahrheit zu dienen.“  
 Shana freute sich ungemein. „Wir packen unsere Sachen, klemmen uns den Professor unter die Arme und gehen mit.“   
 Damit war alles geklärt.  
Shana, Jody, Friggs und Gregor gingen zum Sanitätszelt. Dort trafen sie auf Sitara und Finlay.  
„Packt eure Sachen, wir verschwinden hier“, sagte Jody.  
„Was ist passiert? Wir hatten Schüsse gehört.“  
„Während ihr euch um den Professor gekümmert habt. – Wie geht es Skort ei-gentlich? – Hatten wir überraschend Besuch bekommen. Krondal und Cromwell waren aufgetaucht und hatten ein paar nette Helfer mitgebracht. Euch hatte man wohl übersehen“, fing Jody an und Shana setzte fort: „Tja und dann soll-ten wir ins Jenseits geschickt werden. Aber in letzter Sekunde tauch¬ten ein paar kleine Cheritschiffe auf und retteten uns die Hintern. Jetzt hauen wir ab, da Krondal und Konsorten verschwunden sind, aber bestimmt zurück¬kehren wer-den, wenn sie erfahren was hier passiert ist.“  
„Dem Professor geht es den Umständen entsprechend gut. Er ist wieder fähig aktiv am Leben teilzunehmen. Aber was sagtest du gerade? Cherit? Hier? Auf der Erde?“  
„Japp, ist ein Ding, was? Los beeilt euch, wir haben nicht ewig Zeit. Apophis ist verwundet und muss auf die Krankenstation. Außerdem ist Chiron ein Agent der Cherit, ebenso Casandra und Hargot.“  
„WAS?“  
„Wir erklären euch später alles Weitere. Also hopp!“  
 Sie packten schnell ihre Sachen zusammen. Skort war nicht ganz so schnell und ließ sich von Shana gerne helfen. Als sie die kleine Notambulanz verließen, waren die meisten Schiffe schon weg und lediglich Chiron und Tarja waren noch da und warteten auf den Rest ihrer Gruppe.  
„Da seid ihr ja endlich“, sagte Tarja sichtlich entnervt. „Macht Tempo. Krondal weiß Bescheid und ist mit Verstärkung auf dem Weg hierher. Die Gleiter wer-den in nicht mal zehn Minuten hier eintreffen.“  
  
 Sie warfen ihre Sachen in den Frachtteil der Kabine, schlossen die Luke und schickten sich an einzusteigen. Aber die Informationen waren falsch. Krondal brauchte keine zehn Minuten mehr bis zum Ausgrabungslager, nein, vielmehr tauchte plötzlich sein Gleiter hinter einer der Dünen auf und eröffnete das Feu-er auf die Gruppe und das Cheritschiff.  
 „Verflucht noch mal. Der Kerl ist schnell, verdammt schnell sogar. Das muss man ihm lassen“, rief Chiron.   
 Der menschliche Teil der Gruppe saß bereits im Schiff, Tarja stieg ein und nahm Platz, als ein direkter Treffer den Antriebs- und Navigationscomputer au-ßer Gefecht setzte.  
„Na großartig. Jetzt haben wir ein dickes Problem“, sagte Chiron bitter. „Wir kommen nicht mehr weg.“  
„Und jetzt?“, fragte Binder besorgt.  
„Wir haben immer noch unsere Waffen. Versuchen wir uns erstmal unsere Ang-reifer vom Leibe zu halten.“ Er aktivierte die automatische Verteidigung und Laserstrahlen zuckten durch die mittlerweile eingetretene Dämmerung.   
 Zielgenau feuerten die Kanonen auf den Gleiter von Krondal und zwangen ihn hinter der Düne zu bleiben. Aber das sollte nicht so bleiben, denn die Verstär¬kung war im Anflug. Innerhalb von wenigen Minuten war das Schiff von sieben Gleitern umringt, welche ihre Waffen auf sie ausrichteten.  
 „Schach matt“, flüsterte Jody verbittert.  
„Das war’s wohl. Aus der Sache kommen wir nicht mehr raus“, Tarja seufzte.   
 Sie war aber trotzdem froh, denn ihr Sohn hatte es geschafft zu entkommen und war in den besten Händen. Außerdem würde sie, wenn es soweit war, mit ihrem geliebten Tigerkater sterben und somit nicht allein auf die andere Seite und zu ihren Göttern wechseln müssen.  
  
 Fauchend setzte der Gleiter der grauen Eminenz wenige Meter neben ihnen auf.   
„Ihr habt wohl gedacht, dass ihr mich hinters Licht führen könnt? Wolltet ein-fach so verschwinden, wie? Ich sagte euch doch schon, dass ihr euch den fal-schen Mann für euer Spiel ausgesucht habt“, keifte Krondal.   
 „Aussteigen!“, brüllte der kommandierende Offizier der Truppe.  
„Wenigstens haben wir die abtrünnigen Wissenschaftler festgesetzt und zwei der Chafren, Monsieur.“  
„Das sehe ich selbst Cromwell. Oder dachten sie, dass ich blind bin?“ Krondal war sichtlich ungehalten und Verachtung schlug aus seinen Worten herüber.  
 Cromwell senkte den Kopf und verharrte regungslos. „Darf ich Monsieur ei¬nen Vorschlag machen?“  
„Sie schlagen mir etwas vor? Dann schlagen sie mal.“  
„Wir sollten die Wissenschaftler hier lassen und ihnen Sprengstoff mit Fernzün-dung umschnallen. Damit hätten wir die Probleme mit ihnen und den Funden gelöst. Die Chafren sollten wir mitnehmen und sie der Gentechnik überantwor-ten. Außerdem haben wir, solange sie noch leben ein gutes Druckmittel gegen-über den Cherit.“  
 Krondal schien der Vorschlag zu gefallen. „Der Teil mit den Wissenschaftlern gefällt mir. Vor allem ist er sehr effektiv. Die Idee mit den Geiseln ist jämmer-lich. Als ob wir Geiseln bräuchten, um diese Dinger da im Griff zu haben.“  
 „Es war nur ein Vorschlag.“  
„Ihre Vorschläge waren schon immer typische Fehlentscheidungen, deshalb sind sie auch nur mein Assistent. Sie werden es nie zu etwas bringen“, herrsch-te Krondal Cromwell an.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 54  
  
 Meuterei  
  
  
„Monsieur, bitte beherrschen sie sich. Ich bin sonst gezwungen ihnen eine Lek-tion zu erteilen.“  
 Krondal stutzte, fing sich aber schnell. „Was wollen sie?“ Er musste lachen.  
 Doch, das war ein Fehler. Cromwell zog mit seinem unverletzten Arm seinen Dolch und rammte ihn Krondal ohne Vorwarnung direkt ins Herz. „Sie haben mich als Fußabtreter benutzt. Ich musste für ihre Unfähigkeiten stets herhalten und büßen. Ich bin es Leid mich ständig von ihnen gängeln und beleidigen zu lassen. Ich hatte sie gewarnt.“  
 Krondal fiel in seine Arme. „Warum haben sie das getan, und mir das alles nicht schon vorher gesagt?“  
„Sie haben nie zugehört und am Ende eh den Blick für das Wesentliche verlo-ren.“ Cromwell legte Krondal auf den Boden und zog die Klinge aus dessen Brust. Der Blutfleck vergrößerte sich rasch und der Blick brach.   
 Krondal war tot.  
„Ich habe ab sofort das Kommando“, schrie Cromwell.  
 Die Soldaten legten ihre Waffen nieder und verneigten sich vor ihm.   
„Wir folgen der neuen Eminenz und schwören Treue“, rief der leitende Offizier.  
 Cromwell schaute zum Himmel, schloss die Augen und genoss das Gefühl sei-ner neuen, unbegrenzten Macht.  
  
 Plötzlich hörte man Schreie und sie kamen von überall her.   
 Über die Dünen hinweg, brandeten Massen an Fellachen. Sie hatten sich mit Äxten, Mistgabeln und Knüppeln bewaffnet. Einige von ihnen besaßen sogar primitive Handfeuerwaffen.   
 Cromwell wollte seinen Augen nicht trauen. „Das glaube ich einfach nicht“, sagte er erschrocken.   
 Einen viel zu langen Augenblick zögerte er noch, bevor er schrie: „Feuer.“  
 Die Soldaten schossen blind in die Menge. Ein Arbeiter nach dem anderen fiel, aber es waren zu viele. Immer mehr strömten von hinten nach, rannten über die Gefallenen hinweg, kamen unaufhaltsam näher.   
 Chiron bedeutete der Gruppe in das Schiff zu steigen. Er selbst rannte ge-duckt auf Cromwell zu, welcher wie angewurzelt da stand.   
 Als er den Tiger bemerkte, war es schon zu spät. Chiron holte aus und schlug mit seiner rechten Faust wie ein Hammer auf dessen Schädel. Wie ein gefällter Baum ging Cromwell zu Boden. Der Tiger packte ihn an beiden Armen und schleifte ihn zum Schiff.   
 Tarja Begriff was er vor hatte, sprang aus der Kabine und wuchtete den be-wusstlosen Menschen mit hinein. Anschließend saßen alle auf ihren Plätzen und Chiron versuchte den Antriebscomputer zu reaktivieren.  
„Komm schon, komm schon! Verdammt!“   
 Er kroch unter die Steuerungskonsole, riss einen Teil der Verkleidung ab und holte einen ganzen Kabelbaum heraus. Nach zwei Minuten hatte er es ge-schafft. Der Computer war überbrückt und die Maschinen fuhren hoch.  
„Ich muss das Schiff direkt steuern und hoffe, dass es klappt. Ansonsten wird das der kürzeste Flug aller Zeiten“, erklärte er kurz und sie hoben ab.  
  
Shana, Jody und auch Skort drehten sich beim Abflug um. Die Fellachen hatten die Soldaten erreicht und machten einen nach dem anderen nieder. Die Arbei-ter in den hinteren Reihen sahen nach oben und winkten dem Schiff jubelnd hinterher.   
 Sie hatten es geschafft und waren entkommen.  
Cromwell war auf einem der Sitze festgeschnallt worden und vorsorglich gefes-selt. Das war auch gut so, denn Chirons Schnellnarkose hielt nicht lange vor.   
Er kam zu sich, sah sich um und stellte resigniert fest, dass er sich in den Hän-den seiner Todfeinde befand. „Fein gemacht. Und was habt ihr jetzt mit mir vor? Wollt ihr mich hinrichten, zu eurer Belustigung?“  
„Au ja, das wäre genau das Richtige für dich, du Arsch“, sagte Jody scharf.  
„Nein“, ging Chiron scharf dazwischen. „Dann wären wir nicht besser als er und auf ein solch primitives Niveau lasse ich mich nicht herab.“  
 Cromwell grinste dämonisch. „Ausgerechnet eine Kreatur des Bösen muss et-was von Moral predigen.“  
„Sie haben keine Moral, sie haben nur eine Religion und die ist bei ihnen ge-paart mit absoluter Arroganz. Dadurch werden sie unberechenbar und neigen zum Sadismus.“  
„Och. Das tut mir jetzt aber Leid für dich“, sagte Cromwell sarkastisch.  
„Fletcher war genauso, und hat seine gerechte Strafe dafür bekommen.“  
„WER? WER HAT MEINEN FREUND UMGEBRACHT?“, kreischte er plötzlich und wie von Sinnen.  
 „Mein geliebter Tiger Apophis hat ihn mit Genuss gerichtet“, entgegnete Jody süßlich.  
„Dieses verdammte Mistvieh. Am Ende bleibt mir trotzdem der Triumph.“  
„Freuen sie sich nicht zu früh. Er wird es überleben oder dachten sie, dass das Gift an ihrer Klinge unbemerkt bleibt?“, mischte sich Tarja ein.  
 Cromwell spuckte ihr ins Gesicht.  
 Shana die direkt neben ihm saß, packte ihn an den Haaren und drehte mit Gewalt seinen Kopf so, dass er ihr in die Augen sehen musste. „Du bist ein machtgeiles und verlogenes Arschgesicht. Sei froh, dass unsere Chafrenfreun¬de so friedliebend sind und dich sogar noch höflich behandeln. Wenn ich das Sagen hätte, dann würdest du miese kleine Drecksau jetzt schon am nächsten Baum und deinen Eiern hängen.“  
 Cromwell verstand die Andeutung und schluckte. Für den Rest des Fluges zog er es vor zu schweigen.  
 Das Schiff verließ die Atmosphäre des Planeten und Chiron sah sich um. Vor der hellen Silhouette des Mondes erkannte er die Umrisse des Cheritkreuzers. „Da ist unser Ziel“, sagte er freudig.  
 Ein leises Raunen ging durch die Kabine.   
Das Schiff näherte sich sehr schnell und Chiron drosselte die Geschwindig-keit.„Tarja. Würdest du bitte um Landeerlaubnis bitten und gleichzeitig einen be¬waffneten Trupp ordern, der unseren Gast in Empfang nimmt?“  
„Mach ich doch glatt, Liebster.“  
 Er sah sie kurz an und sah, dass sie ihn förmlich anstrahlte.  
  
&lt;„Landungsschiff Bast hier ist der Kreuzer Ra-em. Landeerlaubnis erteilt, dros-seln sie ihre Geschwindigkeit und gehen sie auf Autoanflugvektoren.“&gt;  
&lt;„Negativ“&gt;, antwortete Tarja, &lt;„Der Navigationsrechner ist ausgefallen. Wir sind unter Beschuss geraten und fliegen das Schiff manuell.“&gt;  
&lt;„Verstanden Bast. Wir leuchten euch heim.“&gt;  
„Was hat er denn damit gemeint?“, fragte Tarja verwirrt.  
 Jody fing an zu lachen. „Das kommt mir sehr bekannt vor.“  
 Der Kreuzer war bis jetzt nur eine relativ dunkle Masse gewesen, bis jetzt. We-nige Sekunden später leuchtete die Außenhülle in einem zarten Grün auf und der Landungshangar erstrahlte förmlich.   
&lt;„Gut Ra-em, wir haben das Ziel aufgefasst und setzen zur Landung an.“&gt;  
Minuten später schoss das Schiff in den Hangar hinein.   
 Es war definitiv zu schnell und Shana begann panisch aufzuschreien. Jody schloss die Augen und erwartete den Aufschlag am Ende der Landebahn. Aber es geschah nichts.   
 Das Schiff wurde von einem Magnetstrahl erfasst und drastisch herunterge-bremst. Ohne auch nur einen Meter zu weit in den Hangar einzufliegen, setz-ten sie auf.  
„Willkommen auf der Ra-em“, sagte Chiron feierlich.  
 Cromwell machte ein sichtlich beeindrucktes Gesicht. „Wow“, sagte er, „was habt ihr hier versteckt? Godzilla?“  
„Sparen sie sich die dummen Sprüche“, entgegnete der Tiger barsch.   
 Er öffnete die Luke und betrat den Hangar.   
Ein Schott wurde geöffnet und fünf bewaffnete Cherit mit Abzeichen, die sie als Angehörige der Sicherheitstruppen auswiesen, betraten das Deck.  
„Er ist da drin und als Paket verschnürt“, sagte Chiron trocken.  
 Was dann folgte war nicht gerade gastfreundlich. Einer der Cherit schaute kurz in die Kabine, sah Cromwell und packte ihn im Genick. Anschließend zerr¬te er ihn ohne Rücksicht auf Verluste aus dem Landungsschiff.   
 Cromwell schrie vor Schmerz auf. „Das ist gegen das Kriegsgefangenenrecht. Ihr dürft mich nicht Foltern oder mir unnötig Schmerzen zufügen.“  
„Sie haben Rechte?“, fragte Tarja bitter. „Sie hatten ihre Rechte spätestens in dem Moment verloren, als sie Apophis niedergestochen hatten.“  
 Cromwell ließ sich bewusst zu Boden fallen. Einer des Sicherheitspersonals sprang hinzu und wollte ihm auf die Beine helfen. Die Gelegenheit nutzte der Mensch aber aus. Er drehte sich zur Seite, zog beide Beine an den Körper und trat zu. Der Hieb traf den Cherit unvorbereitet und er wurde einige Meter weg-geschleudert.  
 „Genug gespielt!“, schrie Sitral. Sie war hinzugekommen, trat an Cromwell heran und hielt ihm ihre Waffe unter die Nase. „Geben sie mir einen Grund, ge¬ben sie mir nur einen Grund. Bitte, einen einzigen Grund.“  
 Cromwell zog es vor, sich seinem Schicksal zu fügen. Er konnte gut töten, aber selbst sterben wollte er nun doch nicht. Er rappelte sich auf die Beine.  
„Führt ihn ab. Wir beschäftigen uns später mit ihm“, befahl die Schneeleopar-din.  
 Die fünf Wachleute verschwanden mit dem Menschen.  
 Tarja war aus dem Schiff geklettert und ging auf Sitral zu.  
„Hallo Tarja“, sagte sie.   
„Hallo. Gibt es schon was Neues von meinem Sohn?“  
„Ja.“  
„Wie geht es ihm?“  
„Nun, frag ihn doch selbst.“  
 Durch das Schott trat ein stattlicher Tigerkater, gekleidet in leichter Uniform, aber ohne Rangabzeichen.   
„Mutter“, rief er und rannte auf Tarja zu.   
 Sie umarmten sich und kuschelten sich aneinander. Chiron trat hinzu und klopfte ihm sanft auf die Schulter.   
 Apophis löste sich von der Tigerin und schaute ihn an. „Ah, Vater. Ich habe schon gehört, dass du ein Cherit bist. Warum hast du es niemandem vorher gesagt?“  
„Das ist eine lange Geschichte, aber bei Gelegenheit erzähle ich sie dir.“   
 Beide lächelten sich an und fielen sich in die Arme.   
„Ich bin so froh, dass ihr alles gut überstanden habt“, sagte Apophis und kämpfte mit den Freudentränen.   
„Kommt, gehen wir. Ich will euch das Schiff zeigen“, sagte Sitral fröhlich.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 55  
  
 der Cheritkreuzer  
  
  
 Sie gingen durch die Ebenen und Flure des Schiffes. Von innen schien es noch größer zu sein, als man anhand seiner äußeren Abmessungen vermuten wollte.   
 Die Mannschaft bestand aus mehr als dreihundert Cherit, welche allesamt be-kleidet waren.   
 Die Cherit hatten im Laufe ihrer Entwicklung gelernt Stoffe zu bearbeiten, zu veredeln und den verschiedensten Ansprüchen anzupassen. Die Chafren stan-den erst am Anfang dieser Entwicklung und wandelten überwiegend Natur be-lassen durch die Gegend. Was auch bequemer war und zu frieren brauchte durch sein Fell niemand. Lediglich zum schlafen deckte man sich zu, da der Körper beim liegen gerne auskühlte.   
 Vor der Führung bestand Sitral somit darauf, dass alle Chafren, genauso wie Apophis sie schon trug, entsprechende Kleidung bekamen.  
 „Euer Schiff ist wirklich beeindruckend“, sagte Stella.  
„Es ist das modernste seiner Art“, erwiderte Sitral stolz. „Wenn es sich bewährt, sollen weitere zwanzig Stück folgen. Wir brauchen dringend größere Schiffe, um unseren Handel mit den verschiedensten Weltraumvölkern zu intensivie-ren.“  
 Die Tigerin nickte verstehend.  
„Habt ihr denn mittlerweile Frieden geschlossen oder euch zumindest mit den fremden Spezies arrangiert?“, fragte Cyron neugierig.  
„Wie meinst du das?“, fragte die Schneeleopardin.  
„Von Selestral haben wir erfahren, dass die ersten Ausflüge in den Raum nicht so toll waren und es überall nur Machtgier und Feindseligkeit gab.“  
„Ach so, darauf spielst du an. Nein, die Probleme haben wir mittlerweile ge¬klärt. Entweder auf friedliche Art und Weise oder, wenn es wirklich nicht anders ging, auf militärische. Bei den meisten half jedoch der Weg der Diplomatie. Es gab und gibt nur eine Spezies, die resistent gegen den guten Willen war und ist, und das sind die Menschen.   
 Daher kam es auch vor tausend Jahren zum Krieg. Wir wollten eigentlich nur handeln. Es gab Verständigungsprobleme die wir gerne beseitigt hätten, aber dann kamen uns gewisse Kreise in die Quere und verhinderten schon die An-fänge.   
 Die ersten unserer Schiffe kehrten planmäßig von der Erde zurück. Das siebte und achte Schiff ist bis heute verschwunden. Ein neuntes schickten wir erst gar nicht mehr.   
Dreißig Jahre später traf ein Schiff der Menschen in unserem Planetenorbit ein und setzte Truppen ab.   
 Sie schossen ohne Vorwarnung auf alles was sich bewegte. Wir waren somit gezwungen in den Krieg zu ziehen. Glücklicherweise hatten wir, bedingt durch unsere Erfahrungen mit anderen feindseligen Rassen, ein großes Arsenal an Waffen aufgebaut.   
Wir fegten die Aggressoren von unserer Oberfläche. Aber es folgten weitere und der Kampf wurde immer grotesker. Schließlich zogen sich die Menschen zurück, warum wissen wir nicht. Wir begannen die Kommunikation der Men-schen zu überwachen und stellten fest, dass sich auf Genro etwas abzuspielen schien, wurden aber nicht schlau draus.   
 Also hielten wir uns zurück und beschränkten uns auf die Beobachtung der Vorgänge. Als wir merkten, dass die Situation kritisch zu werden drohte, schickten wir einen kleinen Kreuzer nach Genro. Von der Besatzung erfuhren wir, dass die Menschen mehrere Basen errichtet hatten. Die Daten, die sie aus den Systemen abzapften waren alarmierend. Wir wussten, dass man ein Pro-gramm zur Zucht einer biologischen Waffe ins Leben gerufen hatte. Also setz-ten wir mehrere Computerviren an und verfälschten mit ihnen die Daten.   
 Die Wissenschaftler auf der Oberfläche taten schon das Richtige, aber die Da-ten die sie erhielten waren von uns manipuliert worden. Somit dachte man stets an Fehlschläge, obwohl es keine waren. Einen direkten Angriff konnten wir nicht riskieren, denn das hätte garantiert zu einem erneuten Krieg geführt. Also entschieden wir uns für die unauffällige Variante.   
 Tja und dann zog das Militär entnervt ab und Genro sollte ein Ausflugs- und Vergnügungsplanet werden. Auch hier taten wir, was wir konnten. Wir manipu-lierten die Daten so, dass die Wissenschaftler ein ständig mutierendes Intro-nenvirus erzeugen mussten. So entstand Andrew. Glücklicherweise verhielten sich die Menschen so wie wir es gehofft hatten. Sie waren neugierig, wie im-mer.   
 Eure Entstehung war nur eine Frage der Zeit. Eure Bevölkerung ist sehr klein und in wenigen Städten zusammengefasst. Habt ihr euch nie gefragt, wieso es zu keinerlei Inzuchterscheinungen kommt?“  
 Finlay schüttelte den Kopf. „Ihr dürft nicht vergessen, dass wir von Genetik keine Ahnung haben und euch gegenüber wie Primitivlinge erscheinen.“  
„Entschuldigt bitte. Du hast natürlich Recht. – Das Virus ist immer noch aktiv und mutiert von Generation zu Generation. Daher könnte sich theoretisch ein Sohn mit seiner Mutter paaren, aber es würde zu keinerlei Inzucht kommen. Der Virus sorgt bei der embryonalen Entwicklung für eine Mutation.“  
 „Apophis“, sagte Tarja.  
„Genau. Apophis ist dein Sohn, aber Chiron ist der Vater. Daher kommt das In-zuchtproblem zwar nicht in Frage, trotzdem wäre nichts negatives geschehen.   
Aber normalerweise müsste er so aussehen wie du oder zumindest dir sehr ähnlich sein. Aber sieh ihn dir an. Er hat Säbelzähne und ist imponierend männlich“, fuhr Sitral fort.  
 Tarja nickte.  
  
 Ein Löwe stellte sich plötzlich an Sitrals Seite, nahm sie beim Arm und flüster-te ihr etwas ins Ohr.   
Sitrals Gesicht verfinsterte sich unvermittelt. „Kommt bitte mit. Wir haben Neu-igkeiten die euch auch interessieren werden.“  
 Menschen und Chafren folgten ihr. Sie begaben sich in einen Lift und betra-ten vier Decks höher die Station.  
„Wir sind jetzt in einem sehr sensiblen Bereich“, erklärte Sitral. „Hier laufen alle Fäden der Kommunikation zusammen, außerdem gewinnen wir hier Daten aus fremden Rechnersystemen, um unsere zu vervollständigen. Normalerweise tun wir es nur mit Zustimmung, aber es liegt ein Krisenfall vor.“  
„Und wer bestimmt was eine Krise ist?“, fragte Jody.  
 Sitral schaute sie scharf an. „Das liegt an der Situation und wie sie sich uns darstellt. Ich denke mal, dass die zurückliegenden Ereignisse unsere Situation eindeutig zur Krise machen.“  
 Jody nickte verstehend.  
 Mit einem leichten Zischen öffnete sich die Tür zur Computerstation.  
„Was habt ihr denn auf dem Herzen?“, fragte Sitral den wachhabenden Offizier, einen kräftigen Hengst.   
 Binder pfiff anerkennend.   
 Der Cherit reagierte sichtlich irritiert.   
„Entschuldigung. Ich meinte nicht dich, sondern die Computer.“  
 Er entspannte sich wieder und wandte sich Sitral zu. „Wir haben die Daten-banken des Konzils gefunden, überspielt und ausgewertet. Was wir gefunden haben, hat uns nicht sonderlich gefallen.“  
„Was habt ihr gefunden?“, mischte sich Shana ein und zuckte zusammen, als Sitral leise knurrte.  
„Sie hat recht, mach’s nicht so spannend“, sagte sie schließlich.  
„Wir haben den Verbleib unserer Handelsschiffe ausfindig gemacht.“  
 Sitral erschrak. „Du meinst die beiden Schiffe die verschollen sind?“  
„Ja. Sie wurden abgeschossen und die Besatzungen gefangen genommen. Sie wurden inhaftiert und für die Gewinnung von Genmaterial missbraucht.“  
„Es gab also niemals Frieden, selbst vor dem Krieg hatte man uns schon ins Vi-sier genommen.“  
„Nicht nur das. Wir wissen auch wo das Material verwendet wurde.“  
„Was? Wo?“  
 Der Offizier sagte nichts und nickte nur in Richtung der genroischen Anthros. Alle bemerkten diese unauffällige Bewegung und waren wie vom Blitz getrof-fen.  
„Dann haben nicht nur eure Manipulationen zu unserer Entstehung geführt“, schlussfolgerte Sitara.  
 „Nein. Wie es aussieht nicht. Wie es aussieht hat das Militär mit eben diesem Material geforscht und wir konnten die Anticheritzucht verhindern. Das Materi-al schien daraufhin als minderwertig zu gelten und man überließ es den Wis-senschaftlern. Die wussten gar nicht was sie da hatten. Sie schnappten sich Tie-re von der Erde, mischten sie mit den Cheritgenen und voilá.“  
„Das klingt zwar einleuchtend, aber Andrew hat seine Gene auch mit hineinge-mischt und die Cherit, die vor Zehntausenden von Jahren auf der Erde waren berichteten, dass die Inzucht ein großes Problem gewesen wäre. Aus diesem Grund haben sie ihre Gene mit denen der irdischen Tiere kombiniert. Was ist damit?“, fragte Tarja.  
 Sitral schaute sie durchdringend an. „Das ist bemerkenswert, hat am Ende aber weniger damit zu tun. Es ist nur ein Schritt auf dem Weg. Das Entschei-dende war, dass unsere Gene im Original vorlagen und daraus direkt Andrew entstand. An bestimmten Stellen merkt man zwar den Einfluss der irdischen Tiere, aber es ist nicht dominierend. Unsere Gene sind die dominan¬ten und da-her seid ihr nicht rein durch Experimente erzeugt worden. Ihr seid nicht nur Verwandte von uns. Ihr seid echte Cherit. Ihr seid Nachfahren einer Cherit-gruppe, die von Menschen gefangen genommen wurde. Ihr seid nicht extern zu betrachten.“  
 Chiron bekam leuchtende Augen. Damit war sein Agentenspiel nicht mehr re-levant. Er hatte sich vollkommen richtig verhalten, als er sich einmischte. Und alle Chafren waren ab diesem Moment gleichbedeutend Cherit, da sie nicht mehr als Zufall gelten konnten.  
„Okay“, sagte Chiron, „wir sollten die Tour abbrechen und zum Wesentlichen kommen. Wir haben einen Gefangenen. Den werde ich mir jetzt vorknöpfen.“  
„Moment Vater. Ich komme mit. Mit Cromwell habe ich eine persönliche Rech-nung zu begleichen“, sagte Apophis schnell und beide verließen die Gruppe.  
„Okay, Sitral“, sprach Tarja die Schneeleopardin an.  
„Ja, meine Gute?“  
„Wir sollten uns zusammensetzen und zusehen, dass wir die Reste des Genma-terials finden und die Genlabors der Menschen zerstören. Danach sollten wir verschwinden und nach Genro fliegen. Wir müssen Vorbereitungen treffen um unseren Besuch würdig zu empfangen.“  
 Sitral nickte zustimmend. „Kommt mit. Ich rufe unsere besten Taktiker die wir haben zusammen. Die Neuigkeiten dürfen nicht geheim bleiben.“  
  
 Chiron und Apophis erreichten die Gefangenenzellen. Sie waren alle leer bis auf eine und in der saß Cromwell.  
„Hallo, Leutnant Tores! Wir würden gerne ein Gespräch mit den Gefangenen führen.“  
 Der Stier nickte und schaltete das Kraftfeld ab.  
„Ah, meine Gastgeber. Eines muss man euch lassen“, sagte Cromwell, „ihr ver-steht was von Essen und Trinken. Die Bewirtung ist wirklich vorzüglich.“  
 Die beiden traten näher und das Kraftfeld wurde reaktiviert.  
„Das freut mich, vor allem freut es mich, dass ich ihnen mitteilen kann, dass sie bald wieder auf die Erde zurückkehren dürfen“, verkündete Chiron.  
„Oh!“ Cromwells Pupillen weiteten sich.  
„Freuen sie sich nicht zu früh“, grollte Apophis. „Ich würde sie lieber töten, aber als Chafren-Chere will ich keinen Krieg provozieren.“  
 Chiron sah seinen Sohn an und grinste.  
 Cromwell sah den Kater schief an. „Wie meinen sie das?“  
„Wir haben alle verfügbaren Daten gesammelt und ausgewertet. Sie haben zwei unserer Handelsschiffe abgeschossen und das noch bevor sie einen Krieg gegen uns vom Zaun gebrochen haben. Sie haben die Anthros förmlich geern-tet und sie zu brauchbarem Genmaterial verarbeitet. Dann dachten sie eine Ar-mee aufstellen zu können, was aber schief ging.   
 Das Dumme daran ist nur, dass sie nicht wussten, dass es auf der Erde schon vor 15.000 Jahren Cherit gab und die hatten ihre Gene mit denen der irdischen Tierwelt kombiniert. Es gab also immer Cheritgene auf der Erde. Das wurde ih-nen am Ende zum Verhängnis. Sie spielten an Genen herum, um etwas Neues zu erschaffen, haben aber nur längst vorhandenes reaktiviert.“  
 Cromwell zuckte getroffen zusammen. „Wissen sie eigentlich, was sie da sa-gen?“, fragte er.  
„Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“, entgegnete Chiron.  
„Das ist ihre Version der Wahrheit, aber nicht meine.“  
„Na, dann erzählen sie doch mal ihre.“  
 „Der Planet Erde gehörte und gehört den Menschen. Vor 15.000 Jahren ent-wickelten sich verschiedene Völker. Die Cherit sind eingedrungen und haben sich als Götter aufgespielt. Das hat die Entwicklung nachhaltig beeinflusst und den Fortschritt ausgebremst. Die Cherit wurden vieler Orts vertrieben und sam-melten sich tatsächlich im nördlichen Teil Syriens. Allerdings hinterließen sie überall ihre Spuren, was man noch heute an Sagen, Legenden und Mythen sieht. Dann erwachte die Menschheit und in Ägypten entstand eine Hochkul-tur.   
 Leider fielen auch hier die Menschen falschen Göttern zum Opfer, wieder ein-mal hatten die Cherit ihre Finger im Spiel.   
Dann kam Echnaton und schwörte diesem Irrglauben ab. Erst Ramses ließ ihn wieder aufleben, aber tat das einzig Richtige, er wollte nicht die Götter haben, sondern ihre überlegene Technologie.   
 Leider klappte es nicht so ganz und es kam zum Krieg. Die Ägypter lebten weiter und euer Volk wurde getilgt. Ihr verschwandet gänzlich von der Bild-fläche. Tausende Jahre später taucht ihr wieder auf. Es kommt wieder zum Krieg, aber ihr seid stark geworden und wir mussten klein bei geben. Dann ka-men die Forschungen auf Genro und es entstanden Cherit. Auch hier waren wir machtlos und viele gute Menschen starben. Fällt euch eigentlich auf, dass es, egal wo ihr erscheint, zum Krieg kommt?   
 Nicht wir Menschen sind der ausschlaggebende Punkt sondern ihr. Ihr seid die Kriegstreiber und bezichtigt uns eines Verbrechens, dessen wir gar nicht schuldig sind.“  
 „Sehr nette Erklärung“, entgegnete Chiron. „Dann frage ich mich nur, wie es sein kann, dass wir mit zwölf verschiedenen, den Raum bereisenden Völkern handeln und friedlich leben, während ihr Menschen es bisher nicht Mal mit ei-nem geschafft habt. Wir hatten niemals Kriege auf unserem Planeten, daher haben wir einen höheren technologischen Stand als ihr. Den ersten Krieg führ-te unser Volk erst, als es auf die Menschen traf.   
 Wir haben nie Menschen entführt um sie als Spender für Genmaterial zu missbrauchen. Wir haben nie Götter gespielt, sondern versucht uns aus dem Schlamassel zuziehen, leider sind Menschen sehr anhänglich. Wir dehnten un-seren Handelsraum aus und trafen wieder auf Menschen. Keine Spezies hielt es für nötig uns anzugreifen, nur die Menschen machten wiederholt eine Ausnah-me.“  
 Cromwell kaute auf seiner Unterlippe. Hatte der Cherit etwa Recht? „Das lasse ich nicht gelten. Euer Schiff ist auf Genro gelandet und hat unsere Wissen-schaftler auf dem Gewissen.“  
„Falsch geraten. Sie scheinen echte Informationslücken zu haben.“  
„Ach ja? Dann erzählen sie mir doch mal was Neues“, polterte Cromwell.  
„Gerne“, mischte sich Chiron ein. „Eure Wissenschaftler sind von euren eigenen Waffen getötet worden.“  
„Das ist eine Lüge.“  
„Nein, ist es nicht. Ein kleiner Cheritkreuzer landete auf Genro, die Besatzung verließ aber die Landeplattform zu dieser Zeit gar nicht. Man fand lediglich heraus, was sich dort abspielt und griff in die Daten der Genmanipulation ein. Daher gab es zunächst nur Fehlschläge, welche später zu unerwünschten Ne-beneffekten führten, nämlich der Entstehung der Chafren. Als Andrew einige Anthros aus den Stasisröhren holte und auf der Plattform der Landebasis ein Cheritkreuzer stand, zählte der Computer der Forschungsstation nur eins und eins zusammen. Er aktivierte die Verteidigungssysteme und schoss auf alles was sich bewegte. Ihre eigenen Waffen hatten sich gegen ihre Erfinder gerich¬tet. Wir haben damit nichts zu tun.“  
„Tolle Geschichte. Vielleicht haben sie ja Recht, aber was ist mit der Besatzung des Cheritkreuzers geschehen, welcher auf Genro landete?“, fragte Cromwell neugierig.  
„Nachdem der Landestützpunkt in der Not geräumt war, stiegen die Cherit aus und betraten den Planeten unbehelligt. Mein Großvater war einer von ihnen“, antwortete Chiron.   
 Cromwell glotzte ihn ungläubig an.   
„Das war vor mehr als 600 Jahren. Sie wollen mich wohl zum Narren halten.“  
„Nein, wir haben eine Technik entwickelt mit der man den Zellzerfall stoppen kann. Das bedeutet so gut wie unendliches Leben. Wobei wir unser Leben ma-ximal um vier Zyklen verlängern. Mehr möchte dann wirklich keiner und sehnt sich nach der endgültigen Ruhe. Ich war vor 300 Jahren nach Genro gekom-men.“  
 Cromwell rieb sich die Augen. „Das darf alles nicht wahr. Wie konnte alles nur so weit kommen?“  
„Fragen sich nicht mich. Die Antwort müssen sie sich selbst geben. Immerhin haben sie sich selbst in diese Situation gebracht.“  
„Da gebe ich ihnen ausnahmsweise recht. Was meinten sie aber, als sie sagten, dass ich bald wieder auf die Erde dürfte.“  
„Ganz einfach. Sie werden uns helfen.“  
„Was soll ich? Da muss ich mal schnell lachen“, sagte Cromwell und spuckte auf den Boden.  
„Sie werden uns helfen die Genlaboratorien zu zerstören, in denen sich noch Cheritmaterial befindet. Sollten sie sich weigern, sehen sie ihren Planeten nicht mehr.“   
 Er atmete tief durch und überlegte.   
„Wir kommen später zurück und möchten dann ihre Entscheidung hören“, sag-te Apophis.  
 Sie verließen den Zellenblock und gingen in den Speisesaal. Auch dieser war, wie alles an dem Schiff, sehr groß und fasste locker die Hälfte der Besatzung. Die Bedienung war sehr freundlich und brachte Chiron das gewünschte Hirsch-gulasch und Apophis ein saftiges Steak.   
Wie sie beim essen waren, traten Sitral, Finlay, Tarja, Sitara, Stella und Cyron ein.  
„Hallo“, sagte Finlay, „da seid ihr ja.“  
„Jupp“, murmelte Apophis und mampfte weiter.  
„Na, erzählt schon. Habt ihr was aus diesem Cromwell heraus bekommen?“, bohrte Tarja neugierig.  
„Nein. Er war nicht mal im Besitz aller Informationen. Das Einzige was wir her-ausgefunden haben ist, dass er sehr verbohrt ist und uns die Schuld an allen Kriegen zuweist.“  
„Wow. Welch Wunder“, entfuhr es Sitral.  
„Wir haben ihm ein Ultimatum gestellt. Entweder er arbeitet mit uns zusam-men oder er sieht die Erde niemals wieder.“  
„Und was hat er gesagt?“, fragte Sitral.  
„Nichts. Er überlegt noch.“  
 Die Speisesaaltür öffnete sich und der Zellenwart trat ein, im Schlepptau hatte er den gefesselten Cromwell.   
Der Speisesaal versank schlagartig in Schweigen. Alle starrten nur auf den Menschen.   
 Chiron erhob sich und ging auf ihn zu. „Und haben sie eine Entscheidung ge-troffen?“  
„Ja, das habe ich. Ich werde ihnen helfen.“  
„Tatsächlich?“  
„Ja doch. Scheiß was drauf. Ein weiterer Krieg gegen euch dürfte eh flach fallen. Die Chancen sehen für uns sehr schlecht aus.“  
„Fein, das freut mich zu hören.“ Und abwechselnd an den Wärter und dann wieder an Cromwel gewandt: „Bringen sie unseren Gast in ein Quartier und stellen sie Sicherheitspersonal vor seine Tür. Wir wollen doch nicht, dass er uns verloren geht. – Sie bekommen ein Terminal mit stark eingeschränktem Zugriff gestellt. Da können sie ihre fehlerhaften Geschichtskenntnisse aufarbeiten und sich die Langeweile vertreiben. Wenn sie sich unser Schiff ansehen wollen, dann geben sie dem Sicherheitspersonal Bescheid, die werden ihnen alles zei¬gen.“  
 Cromwell nickte und wurde wieder hinausgeführt. ‚Du musst ihr Vertrauen gewinnen und die nächstbeste Gelegenheit nutzen um zu entkommen’, dachte er, als sich die Tür zu seinem Quartier hinter ihm schloss.  
  
Ich traue ihm nicht“, sagte Stella an Chiron gewandt.  
„Du hast recht und deshalb behalten wir ihn auch gut im Auge. Ich vermute mal, dass er nichts unversucht lassen wird um unser Vorhaben zu sabotieren.  
 Sitral nickte. „Das siehst du vollkommen richtig. Wir sollten alle Informationen von ihm mit Vorsicht genießen und lieber doppelt überprüfen.“  
 Sie verließen den Speisesaal und gingen getrennter Wege.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 56  
  
 Aggressoren  
  
  
 Plötzlich schrillten Alarmsirenen und die helle Beleuchtung des Schiffsinneren wechselte auf Rot.  
 „Alarm! Alarm! Wir werden angegriffen. Das ist keine Übung. Ich wiederhole. Wir werden angegriffen, alles auf Gefechtspositionen.“  
„Verdammt“, bellte Chiron. „Das hat uns gerade noch gefehlt.“  
„Was ist denn los?“, rief Sitara, die gerade angerannt kam, aufgeregt.  
„Wir werden von irgendjemandem angegriffen“, entgegnete der Tigerkater.  
„Mist“, rief sie, „und jetzt?“  
„Komm mit, wir müssen zur Brücke.“  
 Die beiden rannten was sie konnten, trafen unterwegs auf Apophis und Tarja und betraten gemeinsam die Brücke. Als sich die Tür öffnete, spürte man deut-lich eine Erschütterung.  
„Direkter Treffer an Backbord“, sagte Sitral. Sie hatte die Waffenkontrolle über-nommen. „Aber kein Grund zur Besorgnis, die Schutzschilde halten stand.“  
„Wie viele sind es?“, fragte Chiron.  
  
 Captain Drekal drehte sich um und sah ihn an. „Es sind zehn Kampfschiffe, mit mittelschweren Lasern. Je drei Geschütze pro Flügel.“  
 Die Wölfin war eine beeindruckende Erscheinung und hatte ihre Besatzung allem Anschein nach sehr gut im Griff.   
 Sie musterte kurz Tarja und versuchte sich ein Lächeln abzuringen.  
 Dann drehte sie sich zu Sitral. „Sind unsere Lasertürme aktiviert?“  
„Ja, Captain. Alle Waffensysteme sind vollständig aufgeladen und bereit.“  
„Sehr gut, dann machen wir denen mal Feuer unter den Hintern.“  
„Verstanden, Türme warten auf ihren Befehl.“  
„Feuer!“  
 Ein weiterer Treffer erschütterte den Kreuzer.  
„Das kann ja wohl nicht wahr sein“, stöhnte Sitral.  
„Wenn die so weiter machen, nehmen die mir noch mein Schiff auseinander“, sagte Drekal gepresst.  
„Ziele erfasst. Türme eins und zwei feuern.“  
 Man sah smaragdgrüne Strahlen durch den erdnahen Raum zucken, zunächst ihr Ziel suchend, aber dann fündig geworden, erbarmungslos sich durch die Hülle des ersten Kampfschiffes brennend.  
„Ziel vernichtet“, sagte Sitral beiläufig, „Türme drei und sieben haben Ziele er-fasst und feuern.“   
 Diesmal sah man nichts und hörte nur ein leises Brummen und spürte das Vi-brieren, als die Lasergeneratoren ihre tödliche Kraft entfalteten. Zwei weitere Kampfschiffe der Erdstreitkräfte waren zerstört.  
„Türme eins und zwei sind wieder aufgeladen und feuern. – Ein Schiff wurde durch einen seitlichen Treffer kampfunfähig geschossen, das Zweite trudelt und stürzt Richtung Erdoberfläche.“  
„Ausgezeichnete Arbeit Leutnant Sitral. Somit sind nur noch fünf Schiffe im An-griff.“  
„Nicht mehr lange, Captain“, frohlockte Sitral, „Türme drei und sieben sind wie-der bereit, haben Ziele erfasst und feuern mit Türmen vier, fünf und sechs in Kombination.“   
 Man sah jetzt mehrere Strahlen auf dem riesigen Ausblicksdisplay aufleuch-ten. Innerhalb kürzester Zeit waren drei der fünf verbliebenen Angreifer zer-stört. Die verbliebenen beiden flogen eine weit ausladende Schleife und for-mierten sich zum erneuten Angriff. Mehrere kurz hintereinander folgende Blit-ze durchzuckten den schwarzen Himmel. Der Kreuzer wurde schwer getroffen und von einer gewaltigen Erschütterung erfasst.  
 „Verdammt! Was war das denn jetzt?“, schrie Drekal.  
 „Keine Ahnung Captain. Aber egal was es auch war, wir wurden getroffen. Die Schilde wurden durchschlagen und wir haben ein Leck in der Außenhülle. Sek-tion drei auf Ebene zwei ist zerstört. Die Schotten zur Abteilung wurden versie-gelt. Der Druck ist stabil.“  
„WAS? Wie kann das sein? Was sind das für Waffen? Was ist außerdem mit dem Friedensvertrag geschehen?“  
  
„Captain, wenn ich ein Mensch wäre, würde es mich auch nicht gerade begeis-tern, wenn plötzlich ein Cheritkreuzer vor meiner Tür stünde“, sagte Apophis.  
„Soll das eine Kritik an meiner Vorgehensweise sein, Kater?“ Drekal fletschte die Zähne und legte die Ohren an.  
„Mitnichten. Ich habe nur versucht eine Erklärung für das Vorgehen der Men-schen abzugeben. Außerdem habe ich einen Namen und der lautet Apophis.“  
 „Und wenn schon, wen interessiert das?“, schnauzte die Wölfin.  
„Ich weiß nicht, ob du mich verstanden hast. Versetze dich doch einfach mal in deren Lage oder noch besser, wie würdest du reagieren, wenn plötzlich ein Schiff der Menschen im festridischen Orbit auftauchen würde. Würdest du dann auch sagen, dass es einen Friedensvertrag gibt und dass schon nichts passieren wird.“  
 Drekal schluckte und überlegte. Wieder wurde das Schiff durch die unbekann-te Waffe getroffen, diesmal war es jedoch nur ein Streifschuss und es traten keine nennenswerten Schäden ein.  
„Du hast Recht, Tiger … Apophis … Ich glaube, ich würde auch so handeln. Al-lerdings würde ich erst mal fragen was die Fremden denn wollen und nicht so-fort schießen.“  
 „Das ist die andere Seite der Medaille. Wenn man einen Friedensvertrag hat und sich an diesen hält, dann würde man einen Kreuzer der anderen Vertrags-partei nicht sofort angreifen. Allerdings haben wir da unten einiges durchein-ander gebracht und für mächtig viel Wirbel gesorgt. Ich bin der festen Über-zeugung, dass da eins zum anderen geführt hat.“  
 Die Wölfin verstand worauf er hinaus wollte und nickte. „Sitral, öffne bitte ei-nen Kommunikationskanal. Ich will mit den Angreifern reden.“  
„Aye, Captain! Verbindung kommt. Keine visuelle Übertragung, nur Audiokanal verfügbar.“  
&lt;„Cheritkreuzer Ra-em. Ich bin Offizier Drago von den Streitkräften der Verei-nigten Staaten. Stellen sie sofort jegliche Kampfhandlungen ein und ergeben sie sich, ansonsten werden wir sie vernichten.“&gt;  
&lt;„Offizier Drago. Ich bin Captain Drekal. Unsere Völker haben einen Friedens-vertrag und wir sind mit friedlichen Absichten gekommen. Erklären sie mir bit-te, warum sie uns angegriffen haben.“&gt;  
&lt;„Sie haben unser Raumterritorium verletzt und sich nicht zuerkennen gege-ben. Das werten wir als Akt der Aggression.“&gt;  
&lt;„Eine Aggression war es bestimmt nicht, außerdem sind wir hier um Angehö-rige unseres Volkes zu retten, die zu Unrecht auf ihrem Planeten festgehalten werden und sogar getötet werden sollten.“&gt;  
&lt;„Machen sie sich nicht lächerlich, Drekal“&gt;, brüllte der Offizier.  
&lt;„Ach so? Ich wusste gar nicht, dass ich etwas Lustiges gesagt habe.“&gt;  
&lt;„Was sollen diese Spitzfindigkeiten?“&gt;  
&lt;„Das sind keine Spitzfindigkeiten, mein guter Offizier.“&gt;  
&lt;„Halten sie die Klappe und hören sie auf Zeit zu schinden. Ergeben sie sich, sofort. Wir werden an Bord kommen, egal ob sie es wollen oder nicht.“&gt;  
 Die Wölfin schaute zu Boden. &lt;„Na gut, wenn sie so dringend darauf beste-hen. Sitral, deaktiviere die Lasertürme. – Drago. Wir heißen sie willkommen. Landen sie bitte im Hangar zwei. Drekal Ende!“&gt;  
 Sitral unterbrach die Verbindung. „Chiron, Apophis! Geht und bringt mir die-sen Cromwell zum Hangar zwei. Wir treffen uns dort.“  
  
 Nach fünfzehn Minuten setzten die beiden Schiffe im genannten Hangar auf. Apophis und Chiron hatten Cromwell aus seinem Quartier geholt und waren in Begleitung des Wachpersonals am Schott zum Hangar zwei erschienen.   
 Drekal persönlich öffnete das Schott und sie traten den beiden Piloten ge-genüber. „Willkommen. Sie dürfen ihre Helme gerne abnehmen. Ich schaue bei Verhandlungen meinem Gegenüber lieber in die Augen, dann weiß ich, woran ich bin.“  
 Die beiden Piloten sahen sich an und schienen unschlüssig zu sein.  
„Wir sind etwas verwirrt“, sagte Drago plötzlich sehr milde. „Wir hatten uns das Ganze irgendwie anders vorgestellt. Vor allem hatten wir von den Cherit eine andere Vorstellung.“  
„Was meinen sie damit? Jetzt verwirren sie mich“, entgegnete die Wölfin.  
 Der Offizier nickte kurz dem anderen Piloten zu und nahm seinen Helm ab.   
 Die Anwesenden schauten ungläubig. Sie hatten erwartet in das Gesicht eines Menschen zu sehen, aber das geschah nicht. Stattdessen blickten sie ins Antlitz eines Pumas, der sie mit geweiteten Pupillen anstarrte.  
  
„Das ist nicht ganz das, was ich erwartet habe“, versuchte Drekal ihre Reaktion zu erklären.  
„Glauben sie mir, uns geht es genauso“, antwortete der Puma. „Darf ich ihnen übrigens meinen Flügelmann vorstellen. Das ist Leutnant Tripal.“  
 Der Pilot nahm den Helm ab und eine Säbelzahntigerin kam zum Vorschein.   
 Drekal zuckte zusammen. Diese Tigerin war dem Tigerkater namens Apophis nicht unähnlich, nur mit dem Unterschied, dass sie kleiner war und circa 1,80 Meter groß. Tripal nickte und lächelte freundlich in die Runde, sah etwas länger zu Apophis und zwinkerte verschmitzt.  
  
„Mich würde wirklich mal interessieren, was man ihnen über uns erzählt hat. Und wie es aussieht sind die Menschen mit ihren Genforschungen wohl weiter fortgeschritten, als wir dachten.“  
„Wir sind psychologisch konditioniert und darauf ausgerichtet Cherit aus grö-ßerer Entfernung zu vernichten. Dass wir jetzt an Bord sind, war eigentlich nicht vorgesehen. Ich kann es mir selbst nicht erklären, aber irgendeine innere Stim-me sagte mir, dass wir an Bord des Kreuzers gehen sollten, weil wir dort etwas finden würden. Was, wusste ich nicht. Zumindest bis eben“, erklärte Drago.  
„Das ist gut so“, sagte Chiron sarkastisch. „So können sie uns wenigstens nicht mehr in Stücke schießen.“  
  
 Drekal warf ihm einen scharfen Blick zu.   
Alle schienen sich auf die beiden Piloten zu konzentrieren und ließen Cromwell für den Moment außer acht. Leider waren auch die beiden Sicherheitskräfte abgelenkt.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 57  
  
 Cromwells Flucht  
  
  
 Das war die Gelegenheit für die neue, selbsternannte Eminenz. Er musste sie nutzen, denn die Chance würde nie wieder kommen.  
 Plötzlich rannte Cromwell los. Er duckte sich zwischen Apophis und Chiron hindurch, warf sich auf den Boden und rutschte links an Drekal vorbei. Die blanken Stahlplatten des Hangars unterstützten ihn bei seinem Vorhaben und bremsten seine Gleitbewegung nur minimal. Als er bei Tripal ankam hob er sei-ne rechte Hand empor, erwischte im vorbeirutschen ihre Waffe, riss sie aus dem Holster, aktivierte sie und feuerte ohne bewusst zu zielen noch in der Be-wegung.   
 Er rappelte sich auf, lachte hysterisch und sprang in eines der Kampfschiffe. Als die Sicherheitskräfte begriffen was passierte, war es schon zu spät. Cromwell hatte die Antriebe des Schiffes aktiviert und raste aus dem Hangar.  
Seine Flucht war geglückt.  
  
 Hilflos mussten die anderen zu sehen, wie Cromwell auf die junge Säbelzahn-tigerin zu rutschte. Sie hatten gar keine Zeit zu reagieren und schon gar nicht die Gelegenheit sich um den flüchtenden Cromwell zu kümmern. Der riss näm-lich Tripals Waffe an sich und schoss.   
 Der Strahl traf Drago direkt in die Brust und er brach röchelnd zusammen. Als Cromwell mit dem Schiff verschwunden war, lösten sie sich aus ihrer Erstarrung und eilten zu dem am Boden liegenden Puma. An der Stelle, wo einst sein Herz war, befand sich nur noch ein großes Loch.  
Er war tot.  
  
 Drekal stand da, holte tief Luft und kniff die Augen zusammen. Tripal nahm den Kopf des Toten und begann ihn zu streicheln. „Von uns ist bisher noch nie¬mand ums Leben gekommen. Man hat uns so ausgebildet, dass wir den Tod nicht fürchten und uns regelrecht für unsterblich halten. Außerdem wurde uns ein Chip ins Gehirn implantiert, welcher zusätzlich eine Steuerung ermöglichen soll. – Jetzt liegt einer meiner Freunde tot vor mir und ich spüre eine Leere in mir aufziehen.“  
 Apophis kniete sich neben sie. „Hey“, flüsterte er, „du kannst uns helfen. Du und die anderen können uns unterstützen, in dem sie Menschen wie Cromwell das Handwerk legen.“  
 Tripal sah in traurig an. „Wir sind zu Feinden gemacht worden. Wir wussten nicht mal genau wie unsere Gegner aussehen und sollten es auch nie erfahren. Er und ich wissen, dass es falsch ist euch anzugreifen und dass die Menschen die wahren Feinde sind. Sie haben uns gezüchtet um ihre Feinde auf bequeme Art und Weise loszuwerden. Das wir ihnen in Wirklichkeit nichts Wert sind, zeigt mir Dragos Tod.“  
 Apophis drückte sie an sich und streichelte sie tröstend. „Die Erfahrung haben wir auch machen müssen. Ein Teil von uns sind nämlich keine echten reinen Cherit, sondern stammen aus einem Genlabor der Menschen, sind gezüchtet worden. Die Motive waren allerdings noch unehrenhafter als bei euch.   
 Denn während ihr noch einen kämpferischen Tod gestorben währet, sollten wir eigentlich einen Tod als billiges Jagdobjekt sterben und das nur um als Tro-phäe zu enden.“  
 „Das zeigt mir noch mehr, wer unsere wahren Feinde sind und das wir drin-gend gegen die Menschen vorgehen sollten. Bei uns brodelt es eh schon seit geraumer Zeit, aber bisher hatten wir nicht den Mut gefunden uns aufzulehnen und auch nie die Gelegenheit. Wisst ihr, dieser Chip in uns wird immer dann aktiviert, wenn das Versorgungsschiff in unserer Basis eintrifft und dadurch werden wir regelrecht paralysiert.   
 Wenn wir eine Möglichkeit hätten das zu beenden, dann könnten wir euch tatsächlich helfen“, sagte die Säbelzahntigerin fest entschlossen.  
„Moment, nicht so hastig“, ging Chiron dazwischen.   
 Apophis mischte sich ein. „Nicht alle Menschen sind so. Wir haben einige Freunde unter ihnen gefunden, die uns mehr als nur unterstützen. Ich selbst bin mit einer menschlichen Frau zusammen und genieße die Zeit mit ihr.“  
 Tripal sah ihn an und versuchte das Gehörte zu verarbeiten. „Vielleicht hast du recht. Aber was sollen wir tun?“  
„Wir müssen die Genlabore und die erzeugten Klone zerstören oder besser noch, retten und von der Erde fortschaffen. Wie dem auch sei, die Forschungen müssen beendet werden. Zuvor werden wir uns aber des Problems mit euren Implantaten annehmen.“  
 Die Säbelzahntigerin nickte und seufzte. „Okay, ich werde euch helfen. Wie es mit den Anderen aussieht weiß ich nicht genau.“  
„Wie viele seid ihr denn?“, fragte Drekal.  
 Tripal ließ Drago los und stand auf. „Momentan sind wir achtzig Anthros. Un-sere Basis befindet sich auf dem Mars. Wo sich unsere Zuchtstation befindet, wissen wir nicht. Aber einmal im Monat kommt ein Versorgungsschiff bei uns an und bringt zehn neue Klone sowie Nahrungsmittel und Betriebsstoffe. Die haben garantiert die Koordinaten.“  
„Das wäre immerhin eine Chance. Wobei wir nicht vergessen dürfen das Cromwell abgehauen ist und bestimmt alles mobilisiert und gegen uns wirft, was er kriegen kann“, sagte Apophis.  
„Wann ist das Versorgungsschiff das letzte Mal bei euch gewesen?“, fragte Chi-ron.  
 Tripal überlegte kurz. „Vor 28 Tagen.“  
„Das ist es. Wir müssen handeln und zwar sofort“, wetterte Drekal.  
„Wie lange braucht man von hier bis zum Mars?“, fragte Apophis.  
„Etwa zwanzig Stunden, wenn man unter voller Leistung und auf direktem Weg fliegt.“  
„Okay“, rief die Wölfin in die Runde, „Wir haben eine Aufgabe zu erledigen und sollten sofort unsere Ärsche bewegen.“  
 Sie ging an eine der Kommunikationskontrollen des Hangars. &lt;„Sitral!“&gt;  
&lt;„Aye, Captain!“&gt;, ertönte ihre Stimme aus dem Lautsprecher.  
&lt;„Informiere alle Stationen. Wir verlassen den Orbit und setzen Kurs auf den Mars.“&gt;  
&lt;„Captain?“&gt;  
&lt;„Du hast meine Weisung gehört?“&gt;  
&lt;„Ja, das habe ich.“&gt;  
&lt;„Dann tu was ich sage, wir haben keine Zeit. Wir kommen jetzt alle auf die Brücke.“&gt;  
  
  
  
  
  
 Kapitel 58  
  
 die Marsbasis  
  
  
 Die Türen des Lifts öffneten sich und die Gruppe betrat die Brücke.  
„Sitral, wie sieht es aus?“  
„Wir sind auf Kurs, alle Stationen sind besetzt, der Gefechtszustand wurde einstweilen aufgehoben. Und bei allem gebührenden Respekt, aber dürfte ich erfahren, was wir da wollen?“  
 Der Captain drehte sich nicht mal zur Schneeleopardin um und deutete nur auf die Säbelzahntigerin.   
Die verstand den Fingerzeig und erklärte. „Wir sind achtzig gezüchtete Kampf-anthros und unsere Basis liegt auf dem Mars. Wenn wir Glück haben, dann schließen sich euch noch weitere von uns an. Egal wie, in drei Tagen kommt wieder ein Versorgungsschiff dort an und wird weitere zehn Anthros bringen. Ihr wollt die Genlabors zerstören und braucht die Koordinaten dafür. Die befin-den sich auf jeden Fall in diesem Versorgungsschiff.“  
 Sitral riss die Augen auf. „Das klingt vernünftig. Auf jeden Fall erleichtert das unser Vorhaben erheblich.“  
 Drekal nickte leicht, zustimmend. „Und deshalb sind wir jetzt auf dem Weg dorthin.“  
 Sie ging zu ihrem Captainsessel und drückte auf die Com-Taste zur Kranken-station. &lt;„Parais?“&gt;  
&lt;„Ja, Captain.“&gt;  
&lt;„Ich schicke dir jemanden. Scanne mal bitte das Gehirn und versuche heraus-zufinden, ob man den implantierten Chip deaktivieren kann. Drekal Ende.“&gt;  
  
  
 Tripal verließ die Brücke und ließ sich vom Schiffscomputer zur Krankensta¬tion lotsen. Ebenso verließen Apophis und Chiron die Brücke und wollten schauen, was der Rest ihrer ursprünglichen Gruppe macht. Sie gingen kreuz und quer durch das Schiff und fanden schließlich die gesuchten Personen im Maschinenraum. Sie waren gerade damit beschäftigt den Chefingenieur mit Fragen zu belästigen.  
 „Ah!“, rief Tarja erfreut, „da seid ihr ja. Wir haben euch schon vermisst.“ Sie ging auf ihren Kater zu und küsste ihn hingebungsvoll.  
 Jody lächelte Apophis an, schaute zu Tarja und Chiron rüber, sah dann wieder zu Apophis und sprang ihm in die Arme.   
 Was dann folgte war eine Begrüßungsorgie und Jody vergaß alles um sich herum, konnte ihre Finger nicht mehr von ihrem geliebten Kater lassen.  
„Hey, hey“, rief Shana dazwischen, „kriegt euch mal wieder ein. Hebt euer Ge-turtel für später auf. Das ist immerhin ein Maschinenraum und kein Leichtüm-pel.“  
 Apophis setzte Jody wieder ab und küsste sie innig. Die Frau schien im sieb¬ten Himmel zu schweben und ihre Augen strahlten.  
 „Wohin fliegen wir eigentlich?“, fragte Andrew.  
„Wir sind auf dem Weg zum Mars“, erklärte Chiron knapp.  
„Aha. Und was gibt es da feines?“  
„Achtzig Anthros, die sich uns hoffentlich anschließen werden.“  
„Wie kommst du denn darauf?“  
„Unsere lieben Menschen sind weiter als wir dachten und haben auf dem Mars eine Kampfanthrobasis errichtet und jeden Monat kommen etwa zehn weitere Klonanthros hinzu.“  
 Kira erschrak. „Du meinst, die sind gerade dabei eine ganze Armee aufzubau-en?“  
„Ja“, entfuhr es Apophis.  
„Wann sind wir da?“, fragte die Luchsin.  
„In etwa fünfunddreißig Stunden. Die Kampfschiffe, die uns vorher angegriffen hatten, brauchten dafür nur zwanzig Stunden. Aber die waren kleiner, schneller und hatten einen besseren Anflugvektor.“  
 Kira nickte. „Ist schon bemerkenswert das alles. Ich hätte vor Jahren noch nicht mal davon geträumt, dass ich Genro verlasse, ganz zu schweigen davon, dass ich gegen Roboter kämpfen würde, unsere Vorfahren treffe und mit Men-schen Freundschaften schließe.“  
„Das hat keiner von uns“, sagte Gregor. „Weder auf der einen noch auf der an-deren Seite.“  
„Tja und nun spitzt sich die Lage wiederholt zu und alle Vermutungen die wir bisher angestellt haben erweisen sich als Wahrheit. Die Gegenwart hat die Phantasie überholt“, sinnierte Finlay. „Die werden mich auf Genro bestimmt schon vermissen. Hoffentlich läuft in der Praxis alles glatt.“  
 Sitara sah ihn an und streichelte ihm sanft über die Ohren. „Bestimmt haben die alles im Griff. Mach dir keine Sorgen.“  
 Finlay seufzte.   
 „Bei euch macht sich langsam Heimweh breit oder?“, fragte Shana.  
„Ich fürchte ja“, entgegnete Tarja. „Genro ist schließlich unsere Heimat, auch wenn hier alles aufregend und neu ist. Unser Leben dort war ruhig und fried-lich. Hier wirkt alles irgendwie überdreht und oftmals gewalttätig. Ich würde gerne wieder einmal auf einem Drache reiten oder im Tiglus schwimmen ge-hen. Aber das alles ist wohl leider vorbei und nicht mehr umkehrbar. Ich bin der festen Überzeugung, dass es dem einen oder anderen ähnlich geht und er sein altes Leben vermisst.“  
„Das leuchtet mir ein“, sagte Shana versöhnlich.  
„Okay, wir haben noch viel Zeit. Wir sollten uns noch etwas ausruhen. Im Mo-ment stehen wir so und so nur im Weg herum“, stellte Chiron fest.  
 Tarja und auch die anderen stimmten zu. Sie verließen den Maschinenraum und gingen in ihre Quartiere.  
 Der Cheftechniker schaute noch etwas hinterher, seufzte kurz und widmete sich, sichtlich entspannt, wieder seinen eigentlichen Aufgaben.  
  
  
 Chiron legte sich aufs Bett und Tarja machte es sich neben ihm bequem.  
„Werden wir langsam der Abenteuer überdrüssig?“, fragte Chiron in Gedanken versunken.  
 Tarja streichelte seine Hände. „Ich weiß es nicht. Aber die Ereignisse über-schlagen sich seit wir die Waffen und die Stationen auf Genro entdeckt hatten. Wir sehnen uns alle insgeheim nach etwas mehr Ruhe und vor allem nach et-was festem, einem ruhenden Pol in der Brandung. Aber den werden wir nicht so schnell finden, erst wenn das alles hier überstanden ist.“  
„Ja, ich hoffe nur, dass uns nicht auf halber Strecke der Mut verlässt und wir al-le gesund heimkehren.“  
 Die Tigerin beugte sich über ihren Kater und küsste ihn. Er griff nach ihr, zog sie zu sich und streichelte sie liebevoll. Sie gab sich seinen zärtlichen Händen hin und schnurrte wohlig. Nach wenigen Minuten hörte man das Aufbrüllen von zwei Tigern.  
  
  
 Jody und Apophis machten sich die gleichen Sorgen. Wobei Jody sich eher mit dem Gedanken quälte wie ihre Entscheidung ausfiele, wenn die Mission abgeschlossen war.  
„Was ist, wenn hier alles vorbei ist?“, fragte sie.  
„Wir werden einen Weg finden, um zusammenzubleiben. Ich werde mich nicht mehr von dir trennen.“  
 Sie lächelte traurig. „Du wirst zurückgehen und mich vergessen. Du bist ein Tiger und ich nur ein Mensch. Das darfst du nicht vergessen. Wie wäre es denn mit der Säbelzahntigerin, wie hieß sie gleich, Tripal? Ihr wärt ein zauberhaftes Pärchen.“  
 Apophis sah sie traurig an. „So denkst du also? Du meinst, dass da einfach ei-ne Artgenossin von mir auftaucht und ich lasse dich sitzen? Das betrübt mich. Unsere Freundschaft, wenn nicht sogar unsere Beziehung, ist etwas ganz be-sonderes und das werde ich niemals im Leben aufgeben.“  
 Die Frau fing an zu lächeln, diesmal aber nicht traurig und sie überschritt mit Apophis die letzte Grenze.   
 Zärtlich und zurückhaltend drang er in Jody ein.   
 Lustvoll vereinigten sich die beiden und jede Sekunde war ein Genuss für sie. Ihre Sinne trennten sich von ihren Körpern und explodierten gemeinsam, strahlten heller als jeder bekannte Stern.  
  
  
 Sitara und Finlay hatten sich auf die Krankenstation begeben und erkundeten die medizinischen Geräte.  
„Ich habe gehört, dass du Arzt bist“, sagte der Leiter der Station.  
 Finlay drehte sich zu dem Leopardentaur um.  
„Mein Name ist Parais“, stellte der sich vor.  
„Ah, hallo. Ich bin Finlay und das ist meine Gemahlin Sitara. Und du hast recht.“  
 „Es freut mich endlich mal einen Mediziner kennenzulernen, der nicht auf Festrid lebt.“ Er lächelte die beiden aufrichtig an. „Wie kann ich euch helfen?“  
„Nun ja. Wir wollten eigentlich nur mal gucken. Die Geräte die ihr habt sind wesentlich moderner als alles was ich kenne.“  
„Das glaube ich dir gerne. Wir haben für diese Entwicklung aber auch sehr lan-ge gebraucht. Früher haben wir genauso gearbeitet wie du es bestimmt kennst.“  
 Finlay nickte.  
„Entschuldigt bitte. Das sollte nicht herablassend klingen.“  
 Finlay lächelte. „Ist schon okay. Wir müssen auf euch ja wie Halbwilde wirken. Da kann ich deinen Stolz auf euren Fortschritt schon verstehen.“  
 „Hey“, sagte Parais, „ich habe eine prima Idee. Ihr könnt mir auf der Station helfen und ich erkläre euch wie alles funktioniert. Ich glaube, dass wir das eine oder andere Gerät mehrfach vorrätig haben. Die kannst du gerne haben und damit deine Praxis auf Genro aufwerten.“  
 Der Leopard bekam leuchtende Augen und auch Sitara war die Freude anzu-sehen.   
„Das würdest du tun?“  
„Ja“, sagte der Taur bestimmt.  
 Sie unterhielten sich die nächsten Stunden ausgiebig und Parais begann ih-nen alles zu erklären. Nebenbei halfen sie ihm bei der Auswertung der Daten, die er von Tripals Hirnscan hatte.  
  
 Stunden später erwachten Tarja und Chiron. Sie nutzten die Dusche ihres Quartiers und gingen erfrischt in den Speisesaal. Es war siebzehn Uhr und um diese Zeit befand sich nur sehr wenig Schiffspersonal hier. Ein paar Techniker saßen an einem der runden Tische, hatten ihre Tablets auf der Tischplatte lie-gen und aßen eine dunkle, cremige Masse.  
„Hallo“, sagte Tarja.  
 Die Hunde guckten sie schief an.   
„Hallo, junge Tigerin. Womit können wir denn helfen?“, entgegnete schließlich eine Hündin.  
„Ähm … ja. Das ist vielleicht jetzt ne blöde Frage. Aber was esst ihr da?“  
 Einer der Rüden musste lachen. „Entschuldigung, aber ich habe noch nieman-den gesehen der Eis nicht kennt.“  
 Tarja schaute den Rüden scharf an und dann auf das Eis. „Bei uns auf Genro kennen wir kein Eis, zumindest keines das man essen kann.“  
„Ach so. Du bist einer der Chafren die von Genro gekommen sind. Dann kann ich das verstehen.“  
„Was meinst du damit?“  
„Na ja. Man munkelt, dass ihr hinter dem Mond lebt und wie in der Urzeit.“  
„Ach, sagt man das? Nun ja, wir mögen nicht so hochtechnisiert sein wie ihr, aber wir sind trotzdem Stolz auf unsere Gesellschaft und auf das was wir er-reicht haben. Außerdem behandeln wir Andere die in der Entwicklung nicht so weit entwickelt sind nicht von oben herab und bezeichnen sie nicht als unter-entwickelt. Da haben wir euch definitiv etwas voraus.“ Tarjas Augen funkelten wütend.  
 Die Hunde merkten, dass sie drauf und dran waren in einen handfesten Streit zu geraten und lenkten ein. „Okay, okay. Du hast ja recht. Ich muss mich ent-schuldigen. – Bedienung! Zwei Eis, bitte. – Setzt euch doch zu uns und erzählt von euch.“  
  
 Es wurde das Eis serviert und Tarja nahm vorsichtig den ersten Löffel. Sie ließ die cremige, kalte Masse vorsichtig auf der Zunge zergehen, schloss die Augen, genoss den Geschmack und das Gefühl, das die Kälte auf ihrer Zunge hinter-ließ. Sie lächelte breit und leckte sich Eisreste genüsslich von den Lippen. Die Hunde schauten ihr dabei interessiert zu.   
 Einer der Rüden musste plötzlich husten.  
Das brachte Tarja wieder in die Realität zurück. „Entschuldigt bitte. Ich habe mich gehen lassen.“  
„Och, ist schon okay.“  
„Na gut. Dann werde ich mal erzählen“, sagte sie und begann ausführlich zu berichten.  
Der Türsummer ertönte.   
 Apophis schrak hoch, sortierte seine Gedanken und rief: „Herein!“  
 Shana stand in der Tür und trat ein. Jody schlief so fest, dass sie noch nicht einmal merkte, dass sie Besuch bekommen hatten.  
„Ah. Hallo, Shana“, sagte Apophis. „Jody schläft noch. Womit kann ich dir hel-fen?“  
„Nun ja“, stammelte Grant, „ich mache mir natürlich auch so meine Gedanken und vor allem darüber wie es denn weitergeht, wenn ihr eure Mission abge-schlossen habt.“  
„Oh“, entfuhr es Apophis.  
„Ja und ich frage mich, wie es denn wäre, wenn ich, wenn ihr hier fertig seid und zurück auf euren Planeten kehrt, mit euch kommen würde. Ich habe auf der Erde eher wenig zu verlieren. Und wenn ich euch beide so sehe, dann weiß ich, dass sich Jody bestimmt schon die gleiche Frage gestellt hat.“  
 Apophis machte ein nachdenkliches Gesicht. „Das stimmt. Jody hatte mir in der Tat die gleiche Frage gestellt und sie weiß auch, dass ich sie nicht verlassen will. Auf der Erde können wir auch nicht bleiben, da ist es zu unsicher. Außer-dem, was hätten wir Anthros auf der Erde schon zu erwarten?“  
 Shana nickte. „Ihr wäret weiterhin Spielball der Mächte, jeder würde versu-chen euch in die Finger zu bekommen, um vielleicht doch noch den entschei-denden Vorteil herauszuschlagen. Das wäre das Eine. Das Andere wäre die Tat-sache, dass es sehr schwer werden dürfte euch ungehindert unter Menschen zu bewegen. Ihr würdet unter den Furries die ganz großen Stars werden und von einer Convention zur nächsten gereicht werden und einige von ihnen würden alles drum geben den Einen oder Anderen von euch mal in die Kiste zu be-kommen.“  
„In die Kiste?“  
„Sex. Ich rede schlicht und einfach davon, dass es genug Notgeile gibt die zu gerne mal Sex mit einem Anthrotiger hätten.“  
 Apophis schüttelte den Kopf. „Das kann ich nicht glauben. Aber ich muss wohl deinem Urteil vertrauen. Ich hoffe nur, dass du mit deiner Aussage nicht an Jody gedacht hast.“  
„Nein. An Jody habe ich dabei nicht gedacht, wobei ihre Motive ähnlich liegen oder besser gesagt lagen.“  
„Wie meinst du das?“  
„Man könnte sie oberflächlich betrachtet, in die gleiche Schublade stecken wie viele Andere, aber bei ihr liegt der Fall anders. Sie hatte nie Interesse an einer Beziehung zu einem Menschen. Ihre Prioritäten lagen, so lange ich sie kenne, schon immer bei Anthros.“  
„Oh! Du willst damit aber nicht sagen, dass ich ihr erstes Männchen bin.“  
„Doch genau das.“  
 Apophis seufzte. „Wenn ich das gewusst hätte, dann wäre ich noch zärtlicher gewesen. Ich dachte, sie wüsste was auf sie zu kommt und was sie zu erwarten hat.“  
 Shana riss die Augen auf. „Willst du damit etwa sagen, dass ihr beide mitein-ander …?“  
„ … genau das und ich habe jede Sekunde mit meinem Kater genossen. Er ist extrem zärtlich und braucht sich keinerlei Vorwürfe zu machen. Eine sinnlichere Erfahrung hätte ich mir gar nicht vorstellen können“, sagte Jody.   
 Sie war schon eine geraume Zeit wach, hatte sich aber schlafend gestellt und dem Gespräch gelauscht.  
 Shana und Apophis drehten sich zu Jody um.  
„Es ist wirklich sehr lieb von dir, dass du dir solche Sorgen um mich machst, Shana. Aber ich bin erwachsen und denke, dass ich gut auf mich aufpassen kann. Du bist zwar meine beste Freundin, musst aber nicht auf alles acht ge-ben.“  
 Shana senkte den Kopf und nickte.  
„Und du mein lieber Tigerkater, bist das beste Männchen was sich eine Frau wie ich wünschen kann und ich werde mit dir kommen, nach Genro.“  
 Apophis sah sie scharf an. „Bist du dir sicher? Du wirst die Erde vermissen und zurück kannst du dann nicht mehr. Wir werden den Kontakt zur Erde abreißen lassen und einen großen Bogen um sie machen.“  
 Jody nickte.   
 Sie wusste was sie wollte und war von ihrem Vorhaben nicht mehr abzubrin-gen.  
„Auf der Erde würdest du einen Mann kennenlernen und vielleicht Kinder ha-ben. Du könntest ein gutes und glückliches Leben führen“, gab der Tiger zu bedenken.  
„Was ist auf Genro anders, so dass ich nicht auch dort glücklich Leben kann? Ihr seht nicht gerade traurig aus und wenn es dort so schlecht wäre, dann wür-det ihr doch wohl nicht zurückkehren wollen, sondern eher hier bleiben. Abge-sehen davon. Ich glaube das Finlay ein guter Arzt ist und dass es auf diesem Schiff eine Menge an Gerätschaften gibt, die er mitnehmen könnte. Und wenn die Zeit reif dafür ist, dann werde ich bestimmt auch ein Kind bekommen, aller-dings nicht von irgendjemanden, sondern nur von dir.“  
 Apophis zuckte zusammen. „Jody. Da muss ich dir allerdings noch was sagen. Ich sehe zwar erwachsen aus, bin es aber nicht.“  
„Was willst du denn damit sagen?“  
„Nun ja. Wenn meine Entwicklung normal laufen würde, dann wäre ich jetzt so …“, er machte eine Handbewegung in Richtung Boden, die zweifelsohne seine Körpergröße andeuten sollte.   
 Shana und Jody sahen sich verwirrt an, dann beide zu Apophis.  
„Würdest du uns das jetzt bitte mal erklären?“, fragte Shana neugierig.  
„Gerne. Ich bin eine Mutation. Wie wir schon erklärten, sind wir aufgrund der genetischen Auswahl und Rekombination entstanden. Es wurden durch Wis-senschaftler Intronenviren in unsere DNS eingeschleust, die unerwarteter Wei¬se ständig mutieren.   
 Ich müsste jetzt eigentlich erst drei Jahre alt sein und wäre auch entsprechend groß. Mein Äußeres entspräche dem meiner Eltern. Allerdings hat bei mir eine größere Mutation statt gefunden und ich bin vollkommen anders. Nur wenige Merkmale erinnern an meine Eltern. Diese Mutation hat dafür gesorgt, dass ich Gefühle spüren kann, extrem starke Gedanken lesen kann, dass ich Säbelzähne habe und dass ich zum Schnellwuchs neige. Daher hat man das Gefühl, dass ich schon zwanzig Jahre alt bin.“  
 Jody ließ ihren Atem hörbar entweichen. „Ich habe mich versündigt und eine Welpen verführt.“  
„Und wie du das hast“, sagte Shana leise und kicherte. „Schau ihn dir doch mal genauer an. Das ist kein Welpe. Das ist ein extrem gut aussehender Tiger“, er-gänzte sie.  
„Mach dir keine Sorgen, Jody“, sagte Apophis sanft. „Ich habe es gewollt und du hast dir nichts zu Schulden kommen lassen.“  
 Jody sah ihn aus glasigen Augen an. „Das alles hätte nicht passieren dürfen.“  
 Apophis lachte plötzlich auf.  
„Was ist daran so komisch“, knurrte Jody.  
„Nichts, nichts. Ich musste mich nur gerade an ein Gespräch mit meiner Mutter erinnern.“  
„Wie kommst du denn ausgerechnet jetzt darauf?“  
„Das Gleiche sagte Chiron auch zu ihr, nachdem sie ihn verführt hatte. Mein Vater war ihr erstes Männchen, aber das merkte man bei meiner Mutter auch nicht.“  
 Shana krümmte sich und fing an lauthals zu lachen, zeigte abwechselnd auf Apophis und Jody. Die beiden schauten sich an, dann scharf zu Shana.  
 Die spürte die Blicke und versuchte sich wieder zu beruhigen. „Okay. Sorry. Ihr habt ja recht. Ich fand es gerade nur zu komisch. Eure Situation ist fast iden-tisch mit der von Apophis' Eltern.“  
 Der Tiger kratzte sich am Kopf. „Du hast recht.“  
 Jody schaute Apophis lange an, dann stand sie auf. „Egal. An unserer Liebe hat sich nichts geändert und ich werde mit dir kommen.“  
 Apophis strahlte und nahm sie in seine Arme.  
„Na bitte. Wieder eine Beziehung gerettet“, sagte Shana und erhob sich eben-falls. „Macht euch frisch. Wir sind im Anflug auf den Mars.“  
„Was? Und das sagst du uns erst jetzt?“  
„Na ja. Die Prioritäten hatten sich im Laufe unseres Gesprächs verschoben. Der Mars rennt nicht weg, aber die Fragen mussten erst mal geklärt werden.“  
 Apophis nickte, nahm Jody bei der Hand und verschwand mit ihr in der Nass-zelle.  
 Shana ging zur Tür. „Wir sehen uns dann auf der Brücke.“   
 Keine Antwort. Sie verließ das Quartier und machte sich auf den Weg.  
  
 Nach fünfzehn Minuten traten Jody und Apophis in den Gang und überlegten in welche Richtung der Lift zur Brücke lag.   
Glücklicherweise kam gerade ein Crewmitglied vorbei. Jody nahm sich ein Herz und fragte.   
 Der Hengst schnaubte kurz, sah Jody missbilligend an, schaute dann zu Apo-phis, schien zu begreifen und zeigte in die gesuchte Richtung.  
„Danke“, sagte Jody freundlich.   
Das Pferd schüttelte nur den Kopf und verschwand hinter der nächsten Bie-gung.  
„Die sind aber wirklich echt freundlich“, sagte sie mit einem bitteren Anflug.  
„Man kann es ihnen nicht verübeln. Menschen sind halt nun mal der Feind und von freundlichen und netten Menschen scheinen die meisten nichts zu wissen.“  
 „Das muss es sein. Ich versuche es nicht persönlich zu nehmen.“ Sie lächelte ihn an. Als sie im Aufzug standen, fragte Jody: „Wie ist es eigentlich bei euch?“  
 „Hm. Es ist herrlich. Viel schöner als auf der Erde. Bei uns gibt es auch Gebir-ge, eine Wüste und einen Urwald. Das Klima ist ziemlich gleichmäßig in den einzelnen Zonen. Die Temperaturen schwanken zwischen kühl und angenehm warm. Es ist sehr grün. Es gibt viel Wild und die Chafren leben in Dörfern und Städten. Es ist gemütlich und nicht zu hektisch.“  
„Das klingt sehr schön. Ich habe bemerkt, dass es unterschiedliche Cherit gibt. Gibt es die bei euch auch? Ich meine, dass ich in eurer Gruppe nur einen Taur sehe, einen Stier, eine Greifin und ansonsten nur drei Wölfe, Leoparden und Tiger.“  
„Oh ja. Du hast Kira und Pedro vergessen.“  
„Stimmt, aber das sind auch Raubkatzen.“  
„Jetzt wo du es sagst, fällt es mir auch auf. Raubkatzen sind scheinbar sehr do-minant auf Genro. Aber es gibt noch viel mehr. Da gibt es Pegasi, Einhörner, Greife, Tauren, Drachen, Raubkatzen, Wölfe, Hunde. Es gibt Vierpfotler, das sind die QuChafren und Anthros, das sind die AnChafren.“  
„Wow. Das klingt ja wie im Märchen.“  
„Meinst du?“  
„Ja. Aber wie konnte es zu so einer Vielfalt kommen? Ich meine damit, wie konnte es passieren, dass es so viele unterschiedliche intelligente Arten auf ein und demselben Planeten gibt?“  
„Das liegt wohl daran, dass man sich an unseren Genen vergriffen hatte und die Mutationen unkontrolliert waren.“  
„Ja. Mag ja sein. Aber auf diesem Schiff habe ich keinerlei Vierpfotler gesehen. Vielleicht den einen oder anderen Taur, aber keine Einhörner und Pegasi etc.“  
„Du hast recht“, sagte Apophis und grübelte. „Das ist eine gute Frage, aber ich kann dir keine Antwort darauf gegen. Ich habe mir nie Gedanken darüber ge-macht.“  
„Komisch, du bist doch so ein helles Köpfchen, und machst dir immer und über alles Gedanken. Nur darüber nicht?“  
 Apophis zuckte mit den Schultern. „Ich habe es einfach als gegeben hinge-nommen. Wir sind Geschöpfe der Götter und jeder unserer Götter hat eine Art nach seinem Ebenbild erschaffen, daher kam es zu dieser Vielfalt.“  
 Jody lächelte. „Das klingt interessant und erinnert mich sehr stark an den Glauben der alten Ägypter.“  
 Apophis seufzte. „Ich glaube Chafren und Cherit haben sehr viel gemeinsam und die alten Ägypter haben sehr viel von den Cherit vor tausenden von Jahren übernommen.“  
„Ja. Man stolpert immer häufiger über Beweise, die das belegen.“  
  
 Der Lift war angekommen und sie betraten die Brücke.   
Drekal drehte sich abrupt um. „Ah, die nächsten beiden sind eingetroffen. Dei-ne Eltern und Shana sind auch schon hier.“  
 Apophis nickte Tarja und Chiron erfreut zu. Kurze Zeit später betraten auch Stella und Cyron die Brücke, sahen sich kurz um und gesellten sich hinzu.  
„Und, wie sieht es aus?“, fragte Cyron.  
„Nun, es ist kugelförmig und scheint fast rot zu sein. Man nennt es auch Mars“, entgegnete Jody.  
 Cyron runzelte die Stirn, sah Jody schief an und schüttelte den Kopf. „Ich glaube, ich sollte mal ein ernstes Wort mit Kira reden. Ihr Humor macht lang-sam aber sicher die Runde.“ Er bleckte kurz die Zähne.   
 Jody zuckte kurz mit den Schultern.  
„Na schön“, rief Drekal. „Sitral. Geh bitte in einen Orbit auf der Rückseite des Planeten. Wir sollten unsere Umlaufgeschwindigkeit so anpassen, dass wir stets im Schatten, auf der sonnenabgewandten Seite bleiben. So bleiben wir viel-leicht unentdeckt und man schlägt nicht sofort Alarm.“  
„Aye, Captain“, entgegnete Sitral trocken.  
 Das Schiff schwenkte in eine niedrige Umlaufbahn ein und schien stehen zu bleiben.  
 Drekal ging zu ihrem Sessel und rief die Krankenstation. &lt;„Parais? Wie sieht es mit dem Implantat bei Tripal aus?“&gt;  
&lt;„Hier Parais. Wir haben da ein kleines Problem. Die Implantate sitzen ziemlich tief in der Hirnsubstanz und sind vernetzt. Wenn wir sie entfernen würden, dann hätte das den Tod des Individuums zur Folge.“&gt;  
&lt;„Verdammt, das hat uns gerade noch gefehlt. Gibt es denn eine andere Mög-lichkeit sie zu umgehen?“&gt;  
&lt;„Ja, die gibt es. Wir haben die Sendefrequenz ausfindig gemacht und können sie blockieren. Damit sind die Implantate unbrauchbar.“&gt;  
&lt;„Super.“&gt;  
&lt;„Wir haben auch schon ein entsprechendes Gerät gebaut und können es ger-ne ausprobieren.“&gt;  
&lt;„Das ist noch besser. Bringe es bitte in den Hangar, wir treffen uns dann dort. Drekal, Ende.“&gt;  
&lt;„Verstanden, Ende.“&gt;  
  
„Gehen wir in den Hangar und statten den Kampfanthros einen Besuch ab“, sagte die Wölfin und betrat den Lift. „Sitral, du hast die Brücke.“  
 Sitral nickte knapp, setzte sich in den Kommandositz und tippte ihre ID ein. Jody, Apophis, Shana sowie Tarja und Chiron gesellten sich dazu. Im Hangar trafen sie auf Tripal und die Gruppe war vollzählig.  
„Wo ist Parais?“, fragte die Wölfin.   
„Er hat mir das Gerät übergeben und meinte, dass er dir nicht unbedingt über den Weg laufen müsste“, entgegnete die Säbelzahntigerin.  
„Das wird ja immer doller mit ihm. Seine Launen sind wirklich nicht zu über-bieten“, seufzte Drekal.  
  
 Kurze Zeit später schwebte das Shuttleschiff über der Planetenoberfläche und setzte neben der Basis auf.  
„Okay, raus jetzt. Nehmt die Waffen mit. Wir wissen nicht ob man besonders erfreut auf unsere Ankunft reagiert.“   
Dem stimmte sogar Tripal zu.   
 Sie schlossen ihre Schutzhelme und betraten den Marsboden. Er war weich und gab bei jedem Schritt nach. Etwa vierhundert Meter voraus befand sich der Eingang der Basis, dem sie sich mit einem unguten Gefühl näherten.   
„Hoffentlich geht das gut“, sagte Shana leise, aber der Helmfunk war sehr em-pfindlich und übertrug jedes Geräusch.  
„Keine Angst junge Greifin. Wird schon schief gehen“, witzelte Jody.  
 Shana sah sie scharf an. „Lass diese Sprüche und bete dafür, dass du recht hast.“  
 Jody schmollte und streckte Shana die Zunge raus.  
„Das habe ich gesehen“, sagte diese kurz.  
„Auch egal. Manchmal bis du einfach nur komisch“, schmollte Jody lauter.  
„Ach, vergiss es. Du benimmst dich manchmal wie ein Kind.“  
„Ach ja?“  
„Ja“, Shana wurde gereizter.  
 „Schluss jetzt!“, ging Drekal dazwischen. „Eure Sprüche könnt ihr euch sparen. Wir haben hier ne ernste Sache am Hals und die müssen wir erstmal erledigen. Danach ist immer noch Zeit sich gegenseitig aufzuziehen.“  
 Die beiden Frauen verstummten und sie setzten ihren Weg fort. Als sie sich nur noch fünfzig Meter vom Eingang entfernt befanden, öffnete sich dieser plötzlich und fünf Gestalten traten ins Freie. Sie hatten ihre Waffen feuerbereit gemacht und zielten auf die Cherit und die Menschen.  
„Deckung!“, schrie Drekal und sie warfen sich auf den Boden.   
 Allein Tripal blieb stehen und näherte sich weiterhin dem Eingang. „Es besteht keine Gefahr. Ich bin es, Tripal und ich bringe Freunde mit. Wir wollen rein-kommen und uns unterhalten.“  
 Die Kampfanthros standen unschlüssig herum. Einerseits fühlten sie sich durch die Menschen und die Cherit bedroht, andererseits vertrauten sie der Sä-belzahntigerin.  
&lt;„Truppenkommandant, hier Dremal. Unser Besuch bekundet friedliche Ab-sichten und bittet um ein Gespräch“&gt;, sagte einer der Kampfanthros.  
&lt;„Hier Kommandostelle. Bringt sie rein. Wir treffen uns im Lagezentrum.“&gt;  
  
 Sie betraten das Gebäude und legten, nachdem das Schott geschlossen und die Atmosphäre ausgeglichen war, die Helme ab.  
 Auch hier stutzten die Kampfanthros, als sie zum ersten Mal die Cherit sahen. Und es war überall das Gleiche. Nach kurzer Zeit hatten sich alle im Lagezen-trum versammelt und folgten den Ausführungen von Drekal und Chiron.   
 Nachdem die beiden fertig waren, spielten sich tumultartige Szenen ab. Eine heftige Diskussion entbrannte, welche am Ende einen Gedanken hervorbrach¬te: Wie soll es jetzt weitergehen?  
„Wir übernehmen das Versorgungsschiff und fliegen zur Erde, um die Labora-torien ausfindig zu machen und dem Treiben dort ein Ende zu setzen“, sagte Chiron.  
 Der Vorschlag traf auf einhellige Zustimmung. Ihr Plan war aufgegangen. Die Kampfanthros waren zwar auf die Kriegsführung konditioniert, aber hatten noch nie zuvor ihren Feind gesehen. Jetzt wo er selbst auftauchte, den Kontakt zu ihnen suchte, änderte sich alles.  
„Kann das Schiff überhaupt noch achtzig weitere Anthros aufnehmen?“, fragte Chiron an Drekal gerichtet.  
„Darüber machen wir uns Gedanken, wenn es soweit ist.“  
Chiron seufzte. „Wenn du meinst.“  
  
 Langsam schwenkte das Versorgungsschiff in den Marsorbit ein und ein Lan-dungsschiff trennte sich ab, schwebte in Richtung Oberfläche. Die Piloten und Versorgungssoldaten hatten keinen blassen Schimmer von dem, was in der Ba-sis vorgefallen war und wussten auch nicht, dass die Implantate zur Paralysie-rung nicht mehr funktionierten.  
 Tatsächlich hatte auch der andere Trick funktioniert und der Cheritkreuzer war im Schatten des Mars unentdeckt geblieben.   
 Die Soldaten luden Kisten mit Material aus, öffneten die Stationsschleuse und traten ein. Alles sah friedlich aus.   
 Plötzlich standen zwei Kampfanthros hinter den Piloten des Landungsschiffes und drückten ihre Waffen in deren Rücken.  
„Keine falsche Bewegung“, sagte Dremal. „Steht schön langsam auf.“  
Die Piloten folgten seiner Anweisung und erhoben sich von ihren Sitzen. Aber noch in der Drehung zog einer von ihnen seine Waffe und schoss auf einen der Anthros. Der Löwe reagierte zu spät.   
 Im selben Moment in dem der Laser des Piloten sein Ziel traf, wurde dieser von der Waffe Dremals getötet. Der Pilot brach sofort zusammen, kurze Zeit später lag auch Dremals Begleiter am Boden und bewegte sich nicht mehr.   
Der zweite Pilot wollte die Gunst des Augenblicks nutzen und ebenfalls auf den verbliebenen Anthro feuern, aber der war gewarnt und schoss sofort und ohne zu zögern. Dremal packte die beiden Leichen und schleifte sie aus dem Lan-dungsschiff. Anschließend ging er zur Basis, sah dass die Materialien im Lager verstaut waren und schloss die Ausgangstür. Vier weitere Anthros eilten herbei und postierten sich davor.  
„Lasst keinen lebend hinaus“, befahl er.   
Die Wachen nickten kurz.  
 Dremal ging weiter in die Station hinein und traf auf die Versorgungssolda-ten. Die waren mittlerweile den Kampfanthros in die Hände gelaufen und da-mit ihre Gefangenen.  
„Wie steht es mit dem Schiff?“  
„Es ist in unseren Händen“, antwortete Dremal.  
„Wunderbar. Wo ist eigentlich Krisal?“  
„Einer der Piloten zog ohne Warnung seine Waffe. Krisal hat es nicht ge¬schafft.“  
 „Du bist aber schnell mit deinen Urteilen“, sagte jemand von hinten.  
 Dremal drehte sich abrupt um. Da stand Krisal.  
„Was?“ Er starrte ungläubig. „Ich dachte, du wärst tot. Immerhin lagst du am Boden und hast dich nicht mehr gerührt.“  
„So schnell stirbt ein Löwe nicht. Ich war zwar am Boden, aber noch lange nicht ausgezählt.“   
 Krisal rang sich ein Lächeln ab und setzte sich auf einen Stuhl.  
„Ihr beide“, sagte Dremal und zeigte auf zwei seiner Mitstreiter, „bringt ihn auf die Krankenstation.“  
 Er wandte sich an die Soldaten: „Und ihr seid ab sofort unsere Gefangenen“, wandte sich wieder um: „Bringt sie weg. – Und der Rest der Truppe macht sich startklar. Wir haben ein Ziel und das heißt es jetzt zu nehmen.“  
 Ein scheinbar unkontrollierbares Chaos schien auszubrechen. Überall rannten Anthros durch die Basisgänge, verschwanden in ihren Kabinen und tauchten voll ausgerüstet wieder auf.  
„Okay, Helme schließen und Abmarsch in das Landungsschiff. Wir müssen schnell sein und das Transportschiff fast noch im gleichen Augenblick über-nehmen, in dem wir andocken.“  
  
Die Meute setzte sich in Bewegung.  
  
„Ach, verdammter Mist!“, schrie Dremal plötzlich. „Einer von euch kommt mit mir. Wir brauchen einen der Soldaten. Der muss den Köder spielen.“  
 Apophis und Dremal holten einen der Gefangenen und machten ihm unmiss-verständlich klar um was es ihnen ging. Er sah keine Möglichkeit zu widerspre-chen.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 59  
  
 das Geninstitut  
  
  
 Stunden später tauchte das Transportschiff in der Erdumlaufbahn auf. Seine Übernahme war leichter von statten gegangen als gedacht. Die Sicherheitsvor-kehrungen waren minimal, da es diesmal keine Kampfanthros transportierte. Somit befanden sich nur fünf weitere Soldaten an Bord und die waren sehr schnell davon überzeugt, sich nicht zur Wehr zu setzen. Das Transportschiff war bis auf den letzten Quadratzentimeter voll gepackt mit Anthros und ihren Waffen.  
 „Okay, alle mal herhören. Das Schiff landet direkt in einem Hangar des For-schungsinstituts. Wenn wir gelandet sind möchte ich, dass alle sofort aus-schwärmen und das Gelände sichern. Anschließend suchen wir das Labor mit den Genmaterialien und setzen dem Ganzen ein Ende. Danach räumen wir das Feld und jagen alles in die Luft. Es darf nichts übrig bleiben, auf das man wie-der aufbauen kann“, sagte Dremal.  
 Zustimmendes Gemurmel der Übrigen durchflutete die beengten Verhältnis-se. Mittlerweile war das Schiff angekommen und wie geplant im Hangar gelan-det.  
„Apophis!“  
„Ja, Dremal.“  
„Du, deine Eltern sowie die beiden Menschen bleiben hier bei mir. Der Rest der Truppe schaltet die Headsets und die Helmkameras ein. Auf geht’s Leute und macht ihnen Feuer unter den Arsch.“  
 Das Außenschott öffnete sich und 79 Anthros schwärmten aus, postierten sich vor allen Türen und sicherten den Hangar.  
 Plötzlich schrillte eine Alarmsirene: „Alarm, Eindringlinge, Alarm, Eindringlin¬ge. Alle Verteidigungskräfte sofort zum Hangar.“  
„Verdammt“, murmelte Dremal. „Das musste ja kommen.“  
 Im Hangardach öffneten sich mehrere Luken und es stürzten Dutzende von Messerdrohnen in die Tiefe.  
„Na toll“, entfuhr es Tarja. „Das kommt mir alles so bekannt vor.“  
 Man sah und hörte unzählige Laserstrahlen durch die Halle zischen, fauchen und leuchten.   
 Die Messerdrohnen waren aber wesentlich effektiver programmiert als die auf Genro und somit schneller. Es fielen bei weitem nicht so viele aus wie bei den vorangegangenen Kämpfen.   
 Tarja und Chiron wurde die Warterei zu bunt.   
Sie griffen ein, schnappten sich Waffen und rannten in den Hangar. Sie profi-tierten von ihren Erfahrungen und innerhalb von wenigen Sekunden lagen zwei der Drohnen zerstört am Boden.   
 Noch war die Gruppe vollzählig, aber das sollte sich jetzt schnell ändern. Mehrere Flugmesser stürzten sich im Pulk auf drei der Anthros, die dicht bei-einander standen und hatten Erfolg. Zwei der Drohnen fielen dem Laserfeuer zum Opfer, aber die dritte schaffte es und riss einen der Anthros in den Tod. Sie durchschlug den Körper des Opfers, stieg wieder empor und suchte sich das nächste Ziel.  
„Scheiße“, schrie Tarja. „Die sind zu schnell und auf Gruppenangriff program-miert. Das waren die, die wir kannten, nicht.“  
 Chiron bejahte ihre Bemerkung und schrie im gleichen Augenblick auf.   
Eine Messerdrohne hatte den Kampfanthro der neben ihm stand attackiert und den Kopf abgetrennt. Sein Blut durchtränkte Chirons Overall, als er zu Boden ging. Der Tiger war für einen kurzen Moment wie gelähmt, löste sich aber schnell wieder aus der Erstarrung als er merkte, dass sich eine der Drohnen an-schickte ihn als nächstes Ziel anzugreifen und Tarja laut schrie. Er riss die Waffe hoch und fegte den Angreifer aus der Luft. Die Drohne explodierte mit einem lauten Knall.   
 Mittlerweile lagen fünf Anthros tot am Boden, zwei weitere mussten ins Lan-dungsschiff gebracht werden, weil ihnen von den Drohnen entweder ein Arm oder ein halbes Bein amputiert worden war.  
„So, ein verdammter Mist“, schrie Dremal. „Wir fallen wie die Fliegen und es sind immer noch dreißig von diesen Dingern in der Luft.“  
 Die Anthros wehrten sich so gut sie konnten und nach dreißig Minuten war der Kampf beendet. Die Drohnen waren komplett vernichtet, aber auch die Truppe hatte starke Verluste erlitten. Von achtzig Kampfanthros waren nur noch dreißig einsatzfähig. Der Rest war entweder verwundet oder tot und auf dem Boden verstreut.  
„Noch so ein Angriff und wir können einpacken“, grollte Chiron.  
 Da öffnete sich plötzlich eine der Türen und fünf kleine Kampfroboter betra-ten den Hangar. Sie eröffneten sofort das Feuer.  
„JA“, schrie Chiron. „Das ist nach meinem Geschmack. Das wird jetzt immer besser.“ Der Zynismus war kaum zu überhören.  
 Ohne eine Einheit direkt anzuvisieren eröffnete er das Feuer und traf wie durch ein Wunder tatsächlich einen der Roboter. Der explodierte fast augen-blicklich. Metallteile flogen durch die Halle und eines traf Tarja am Oberschen-kel. Sie brüllte auf und ging zu Boden.  
 Chirons Herzschlag setzte für Sekunden aus, dann rannte er zu ihr, half ihr auf die Beine und schleppte sie in das Schiff. Er hatte Tränen in den Augen, als er ihr das Metallteil aus dem Oberschenkel zog und ihre Wunde verband.  
„Das Ganze ist doch ein blöder Bockmist. Wir sollten hier verschwinden und das Institut von außen angreifen. Die Verteidigung ist zu stark und wir befin¬den uns immer noch im Hangar. Bevor wir es schaffen, weiter in den Komplex einzudringen, sind wir alle schon tot“, presste Tarja hervor.  
 Chiron sah ihr in die Augen und dann zu Dremal. Der holte tief Luft und akti-vierte sein Headset. &lt;„Sofort alle ins Schiff. Wir ziehen uns zurück. Macht hin!“&gt;  
 Innerhalb von wenigen Sekunden waren alle die noch dazu in der Lage waren wieder im Inneren des Landungsschiffs und sie verließen den Hangar. Als sie die Atmosphäre verlassen hatten, resümierten sie über den zurückliegenden Kampf.  
 „Ich hätte nie gedacht, dass ich so viele meiner Leute sterben sehen würde“, begann Dremal und schluckte verbittert.  
 „Wir hatten mit Messerdrohnen und Kampfeinheiten schon auf Genro zu tun“, entgegnete Chiron. „Aber die, die wir kannten, waren eher stoisch und nicht so schnell und vor allem nicht flexibel in ihrer Angriffsstrategie.“  
„Wie meinst du das?“, fragte einer der Kampfanthros.  
„Ich denke mal, dass es am Alter der Programmierung lag. Jedenfalls reagierten sie immer sehr spät, griffen fast nie kombiniert an und waren leicht zu irritie¬ren. Die hier sind anders, ihre Programmierung ist scheinbar extrem fortschritt¬lich und den neuesten Bedürfnissen angepasst. Wir hätten keine Chance gegen die gehabt.“  
„So ein Mist. Das darf einfach nicht wahr sein.“  
„Was machen wir jetzt?“, fragte Jody.  
„Einen neuen Angriff“, sagte Shana. „Wir müssen da rein. Die würden das Insti-tut nicht so schwer bewaffnen, wenn die da nur Gummibärchen herstellen wür-den.“  
„Nochmal angreifen?“, fragte Dremal. „Garantiert nicht. Ich habe keine Lust noch mehr von meinen Leuten zu verlieren.“  
„Hast du ne bessere Idee?“, fragte sie aufgebracht.  
 Er schwieg.  
„Na toll. Keine Antwort, ist auch ne Antwort.“  
 „Ich schlage vor, dass wir uns aufteilen. Ein Teil von uns holt die Fähre der Mondbasis und damit den Waffenträger vor Shanas Haus ab. Der andere Teil fliegt mit dem Transportschiff zur Ra-em und liefert die Verwundeten ab“, sag-te Chiron.  
„Gute Idee“, entgegnete Apophis. „Aber den Mech kann von uns nur Syrgon bedienen und der ist auch auf dem Cheritkreuzer.“  
„Ausgezeichnet, dann bringen wir den gleich mit. Wir laden die Verwundeten ab und lassen sie medizinisch versorgen. Dann krallen wir uns Syrgon und flie-gen zum Mond. Ihr schnappt euch die Fähre inklusive des Mechs und kommt ebenfalls zum Mond.   
 Wir treffen uns dort und übernehmen wieder die Anthros Voyage. Anschlie-ßend landen wir mit unserem Schiff auf der Erde und dringen erneut in das In-stitut ein. Wir lassen den Waffenträger die gröbste Arbeit erledigen und alles was größer ist als ein Buch platt machen. Damit dürfte dann das Schlimmste überstanden sein. Den Rest erledigen wir auf die bekannte Art und Weise.“  
 Dremal biss sich auf die Unterlippe. Er sah sich im Schiff um und sein Blick fiel auf den Piloten. „Wir brauchen mehr Platz im Schiff.“  
 Er drängelte sich bis zum Pilotensitz durch, griff nach dem Menschen und zog ihn gewaltsam aus dem Sitz. Der schrie laut auf und versuchte sich zu wehren, aber es war zwecklos. Die Krallen des Löwen gruben sich tief in seinen Hals und er schleifte ihn gewaltsam hinter sich her.   
 Die Konditionierung auf Kampf zeigte sich in ihrer vollen Stärke und richtete sich gegen ihren Schöpfer. Dremal öffnete das Zwischenschott, warf den Men-schen hinein und schlug auf den Verriegelungstaster. Zischend schloss es sich wieder.   
„Will noch jemand was sagen?“   
 Keine Antwort, alle schauten nur zu und versuchten die bizarre Situation zu erfassen.  
„Keiner der zum Abschied winken will? Na gut, dann eben nicht. Mal sehen, ob der fliegen kann.“   
 Er schlug aus dem Handgelenk heraus auf den Auslöseschalter. Das Außen-schott öffnete sich und der ehemalige Pilot wurde mit dem Luftstrom in den freien Raum gerissen und in Richtung Erdoberfläche katapultiert.  
„Gute Landung, bestell schon mal schöne Grüße von uns und schreib bitte kei-ne Karte“, grollte Dremal zynisch.  
 Das Schott schloss sich wieder.  
„So genug gefeiert. Jemand sollte das Schiff steuern und uns zum Kreuzer brin-gen. Unsere Leute brauchen dringend medizinische Versorgung.“  
 Jody stand auf und war augenblicklich an den Steuerungskontrollen. Sie brachte den Antrieb auf Maximalleistung und programmierte den Navigations-rechner auf die Koordinaten des Cheritschiffs.  
„Wir sind auf Kurs 1,97 zu 2,800. Ankunft in etwa fünf Stunden. Bis dahin soll¬ten wir uns alle etwas ausruhen.“  
„Fein“, sagte Dremal. „Kira, Andrew, Shana, Apophis und Tarja gehen mit Krisal. – Tarja, wie steht es um deine Verwundung?“  
 Tarja nickte nur und bewegte das Bein. „Geht schon, halb so schlimm.“  
„Ausgezeichnet. – Krisal, stell dich nicht so an und sieh zu, dass du noch neun von unseren Katzen aktivierst bekommst. Trefft euch im Landungsschiff des Transporters.“  
 Der Löwe hielt den Kopf schief.  
„Jetzt mach schon, ihr habt wenig Zeit und müsst den Mech holen.“  
 Krisal nickte bestätigend und schnappte sich einen der Pumas, welcher etwas hilflos drein blickte, aber schließlich mitging. Die noch fehlenden Kampfanthros brauchte man nicht zu suchen und innerhalb weniger Minuten waren alle im Landungsschiff und flogen zurück in Richtung Erde.  
  
„Captain“, sagte Sitral, „Wir haben das Transportschiff auf unseren Sensoren. Es hat direkten Kurs auf uns.“  
„Was? Wie ist das möglich?“  
„Keine Ahnung Drekal, aber es ist so.“  
„Verdammt, da muss was schief gegangen sein.“  
 Stunden später befand sich das Schiff im Inneren des Kreuzers und die Ver-wundeten wurden auf der Krankenstation versorgt. Drekal hatte Chiron und Dremal zum Rapport gebeten.   
 Die beiden berichteten was vorgefallen war und die Wölfin machte ein sor-genvolles Gesicht. „Das ist sehr schlecht, mal ganz abgesehen von den Toten. Das Institut ist jetzt in erhöhter Alarmbereitschaft. Was schlagt ihr also vor, wie sollen wir jetzt noch vorgehen?“  
„Da gebe ich das Kommando an Chiron ab“, sagte Dremal offen.   
 Chiron zuckte zusammen und die Aufmerksamkeit des Captains ruhte ganz auf ihm. „Ich schätze, dass du eine Idee hast.“  
„Tja, also. Zunächst erst mal muss ich Parais lobend erwähnen. Die Blockierung der Paralysefrequenz funktioniert hervorragend. – Ja und nun, ich habe tat-sächlich eine Idee und sie auch schon mit Dremal besprochen. Tarja, Apophis, Kira, Shana und Andrew sind mit Krisal und neun weiteren Kampfanthros auf dem Weg zur Erde. Sie holen die Mondlandefähre mit dem Mech und fliegen anschließend zurück zum Mond.   
 Wir fliegen mit dem Versorgungsschiff jetzt auch zum Mond. Auf der Mond-basis steht noch das Schiff mit dem wir herkamen. Dann laden wir einfach alle Waffen und erwähnten Mech in unser Schiff und fliegen vor das Institut. Au-ßerdem müssen wir Syrgon mitnehmen. Er ist der einzige der den Waffenträger steuern kann.“  
„Das klingt ausgezeichnet. Macht es so. – Aber was bitte ist ein Mech, respekti-ve Waffenträger?“  
 Chiron erklärte es ihr und mit jedem Detail das er Preis gab, wurden die Au-gen der Wölfin größer. „Besser geht’s nicht. Das ist unsere Chance, außerdem werde ich noch zwanzig Leute aus meiner Besatzung auswählen, die euch ver-stärken werden. Vergesst aber das Transportschiff. Wir fliegen mit der Ra-em, denn sicher ist sicher.“  
 Dremal war begeistert und das merkte man ihm an. Der Löwe verließ zusam-men mit Chiron mehr als ausgelassen den Besprechungsraum des Captains.  
 Sie begaben sich beide auf die Technikebene des Schiffes und steuerten auf den Maschinenraum zu, denn da sollte sich Syrgon angeblich aufhalten.  
Aber soweit kamen sie erst gar nicht. Auf halbem Weg stolperte ihnen der Wolf direkt vor die Pfoten.  
„Oh, wenn man vom Teufel spricht“, sagte Chiron erfreut.  
 Syrgon stutzte und sah zu Dremal. „Wer ist das?“  
„Ach ja. Das ist Dremal er gehört zur Gruppe der Kampfanthros, die sich uns angeschlossen haben.“  
„Ahhh … so schauen die also aus.“  
 Dremal knurrte leise.  
„Das schockiert mich jetzt gar nicht“, entgegnete der Wolf frech.  
 Der Löwe kniff die Augen zusammen und atmete hörbar ein.  
„Ihr habt mich also gesucht?“, änderte Syrgon schnell das Thema.  
„In der Tat. Wir brauchen einen Mech-Administrator und hörten, dass sich hier in der Nähe einer rumtreiben soll. Würdest du uns beim suchen helfen?“, wit-zelte Chiron.  
„Suchen? Ich würde sagen, gefunden habt ihr einen und den Besten dazu.“  
 Dremal verdrehte die Augen. „Ein Hund mit Egoproblemen.“  
 Jetzt knurrte Syrgon.  
„Das wiederum beeindruckt mich jetzt nicht“, hielt Dremal dagegen.  
 Syrgon fletschte die Zähne.  
„Beruhige dich wieder. Mag sein, dass du der beste Mech-Admin bist“, beru-higte Chiron die beiden.  
 Der Wolf bekam sich wieder in den Griff.  
„Komm mit, die Ra-em ist schon auf dem Weg zum Mond, aber an deinem Ego solltest du trotzdem dringend arbeiten“, sagte Chiron noch und zerrte den Wolf mit sich.   
 Dremal folgte ihnen. „Der Beste? Pöh. Der Einzige und nur deshalb der Beste“, murmelte er.  
„Das habe ich gehört“, rief Syrgon über die Schulter und knurrte wiederholt.  
Als Dank hielt ihm Chiron die Schnauze zu, so dass ihm nur noch ein leises fie-pen zu entnehmen war.  
  
„Wir haben ihn gefunden. Er lief uns geradezu in die Fänge“, intonierte Chiron.  
„Ja und der Hund hat echte Egoprobleme, hält sich für den Besten“, fügte Dremal hinzu.  
„Könnt ihr das Thema endlich mal sein lassen“, grollte Chiron. „Das ist ja nicht mehr auszuhalten.“  
 Löwe und Wolf standen sich gegenüber und versuchten so Furcht einflößend zu knurren, wie sie nur konnten. Nach fünf Minuten war das Kräftemessen be-endet und die Konkurrenten beruhigten sich wieder.  
„Okay“, sagte Chiron, „ich glaube, dass wir jetzt soweit sind.“  
 Drekal schaute Syrgon durchdringend an. „Respekt, Rüde. Du steuerst also den Waffenträger und rettest damit unser ganzes Unternehmen.“  
 Syrgon schaute sich irritiert um. „Was soll ich?“  
„Du rettest sozusagen unsere Hintern“, übersetzte Dremal.   
 Chiron fing an zu kichern.  
„Na, das habt ihr euch ja fein ausgedacht.“  
„Bleib locker, Männchen. Du sollst nur deinen Mech steuern und das Institut von Waffen säubern.“  
„Nur?“  
„Ja. Ist ja nicht so, dass ich dich vernaschen will, ich dich zwingen würde mir stets zu Diensten zu sein.“  
 Syrgon fiel die Kinnlade runter.   
„So … soll …“, er schluckte heftig, „Sollte das jetzt ein Angebot sein?“  
„Vielleicht? Ich mag Rüden die stark sind und wissen was sie wollen. Ich liebe es, wenn ein Männchen geschmeidig eins wird mit seiner Waffe.“   
 Sie schlich um Syrgon, streichelte sanft über seinen Rücken, pustete ihm plötzlich in das linke Ohr und schlug aufmunternd auf den Hintern.   
 Syrgon machte einen Satz nach vorn und heulte auf. Er rannte wie von der Ta¬rantel gestochen aus dem Besprechungsraum und verschwand.  
„Was war das denn?“, fragte Dremal irritiert.  
„Ich glaube der Gute hat ein kleines Problem und muss kurz kalt duschen. - Al-so, Captain. Ich muss schon sagen. Du weißt wo ein Wolfsrüde seinen neural-gischen Punkt hat und gut motivierbar ist.“  
 Drekal kicherte, weil sie verstand worauf Chiron hinaus wollte. „Der ist ja schnell aus dem Gleichgewicht zu bringen“, stellte sie fest.  
„Ja und das wo er vor unserem Abflug noch ein Abenteuer mit einem Greif hat-te.“  
 Die Wölfin riss die Augen auf. „Hmhm“, sagte sie nur und grinste leicht.  
 Kurze Zeit später tauchte Syrgon wieder auf und war sichtlich erfrischt. „So, jetzt bin ich bereit für meine Aufgabe.“  
 Drekal sah ihn scharf an und fuhr sich mit ihrer Zunge über ihre Lippen.  
 Syrgon seufzte. „Dazu kommen wir später, meine Teure, ähm, Captain“, ent-gegnete er nur, woraufhin sie ihn anlächelte und nickte.  
„Wir gehen dann mal in den Speisesaal“, sagte Chiron und zog den Rüden hin-ter sich her, bevor er wieder abdrehte.  
„Wow“, sagte Syrgon, „was für ein Weibchen.“  
„Ich dachte, du hättest etwas mit Tristan am laufen?“  
„WAS?“, kreischte der Wolf schrill auf. „Woher weißt du davon?“, fragte er mit gesenkter Stimme.  
„Das hatte mir ein kleines Vögelchen gezwitschert“, antwortete Chiron verson-nen und starrte zur Decke.  
„Lass mich raten. Dieses kleine Vögelchen ist weiblich und hat Rosetten.“  
„Keine Ahnung wovon du sprichst.“  
 Sie setzten sich wieder in Bewegung und erreichten schließlich den Speise¬saal. Die Hälfte der Kampfanthrotruppe, die von Drekal hinzugeorderten Cherit und auch der Rest der Chafren sowie Jody und Gregor Binder waren schon an-wesend.  
„Oh“, rief Syrgon, „kommen wir wieder zu spät? Haben wir was verpasst?“  
 Cyron drängelte sich durch die Massen. „Schön, dass du auch auftauchst, Wolf.“  
 Syrgon sprang Cyron förmlich an den Hals und überrumpelte den Tiger mit dieser Aktion.  
„Ey!“, schrie Stella. „Lass die Finger von meinem Männchen.“  
 Alle Anwesenden drehten sich zu den beiden um und fingen an zu lachen. Der Raum schien unter dem Gelächter zu dröhnen und die zwei Menschen wa-ren sichtlich verloren in dem Meer, das aus fünfundsechzig Anthros bestand.   
 Komisch, der Raum konnte in der Tat zweihundert Personen fassen, aber wenn man den Saal betrat hatte man den Eindruck, dass es mindestens drei-hundert sein müssten. Irgendwie hatten es alle geschafft nur ein Viertel des Raumes in Beschlag zu nehmen und daher rührte das dichte Gedränge.   
 Wie dem auch sei, sie waren jetzt vollzählig und Captain Drekal, gefolgt von Sitral und Selestral betraten den Raum. Drekal räusperte sich, viele Augen rich-teten sich auf sie und es zog sehr schnell eine gespenstische Stille ein. Sie nah-men nunmehr auch den Rest des Raumes in Besitz und setzten sich.  
 „Okay. Leute. Alle mal herhören. Ich möchte kurz erklären um was es geht.“  
 „Hört, hört“, rief jemand dazwischen.   
Kurzes Gekicher tönte durch die Reihen.  
„Danke, sehr freundlich. Hoffentlich bleibt es dabei und ihr seid immer noch so erfreut und witzig, wenn es richtig losgeht. Ihr seid dazu auserkoren, ein Insti-tut auf der Erde nochmals anzugreifen. Eure Gruppe hatte es vor kurzer Zeit schonmal versucht und ist leider gescheitert. Ich muss die Zahlen nicht schön reden, aber als ihr eindrangt, wart ihr noch achtzig Kämpfer. Als ihr den Rück-zug antreten musstet, waren es nur noch dreißig Einsatzfähige und zwanzig Verletzte, die anderen dreißig sind innerhalb von fünfzig Minuten draufgegan-gen.   
 Die Verteidigung der Einrichtung ist sehr massiv. Das Gebäude sieht nach au-ßen hin vollkommen normal aus, hat es aber in sich. Ich will wie gesagt, nichts schön reden oder verheimlichen. Ihr habt nur den Hangar gesehen, wurdet von schätzungsweise dreißig Messerdrohnen angegriffen und als noch fünf kleine Kampfroboter dazu kamen, war es aus. Wie viele von den Waffensystemen im Gebäude noch aktiv sind, wissen wir nicht. Daher halten sich alle zunächst im Hintergrund.   
 Wir haben einen Wolfsrüden unter uns, der einen Mech steuern und im Kampf führen kann. Er wird mit seiner Maschine in das Gebäude eindringen und das Gröbste beseitigen. Wenn der Hangar sicher ist, rücken alle nach und sichern die Nebenräume. Der Mech rückt weiter in den Komplex vor und wird vermutlich das Feuer auf sich ziehen. Somit ist der Rest der Truppe unbehelligt und kann die Suche nach dem Großlabor fortsetzen. Dringt ein und zerstört alle Computer und technischen Anlagen die ihr findet. Es darf nichts übrig blei-ben. Sichert Papiere und holt sie raus. Wenn ihr euch zurückzieht, legen einige von euch Sprengladungen mit Zeitsteuerung. Stellt sie so ein, dass Syrgon auch noch raus kommt. Sollte dem irgendwas passieren, reiße ich euch den Arsch auf.“  
 Viele guckten zu Syrgon, dann zu Drekal und feixten. Der Captain hatte an-scheinend einen Liebhaber ins Auge gefasst und hielt seine schützende Hand über ihn.  
„Also Leute, ihr wisst worauf es ankommt. Bewegung!“  
 Die Anthros sprangen auf und verließen den Saal. Die zwei Menschen folgten.   
„Captain“, sagte Selestral, „ich will mitgehen. Ich fühle, dass ich gebraucht wer-de.“  
 Drekal schaute sie nachdenklich an. „Gut. Geh mit, wenn es dein Wunsch ist, aber pass auf dich auf.“  
 Selestral nickte kurz und verließ den Raum.  
„Ich brauche jetzt was herbes“, sagte Drekal daraufhin. „Bedienung, zwei Bier bitte.“  
 Sitral und die Wölfin prosteten sich zu, tranken die Gläser aus und gingen ebenfalls.  
Die Fähre und den Mech zu holen war einfacher als befürchtet. Scheinbar hatte niemand damit gerechnet, dass jemand auf die Idee käme, einfach aufzutau-chen und alles abzuholen. Shanas Haus war daher vollkommen unbewacht.  
  
„Das ist wirklich erniedrigend“, grollte Andrew. „Reicht es nicht schon, dass wir in einen richtigen Kampf ziehen? Nein, jetzt müssen wir auch noch dicht ge-drängt stehen und den Schweiß des anderen einatmen.“  
 Kira fand die Situation auch mehr als pikierend und gab Andrew Recht. Aller-dings trieben eher Andrews Ausdünstungen die Tiger neben ihm fast in den Wahnsinn und sie fingen an, sich gegenseitig begehrliche Blicke zuzuwerfen. Nach endlosen Stunden, aber keine Sekunde zu spät, erreichten sie den Mond und landeten.  
 Die Schotten waren noch nicht einmal richtig geöffnet, da rannten die Ersten schon aus der Fähre, quer durch den Hangar, eröffneten das Feuer auf die her-bei eilenden Wachen und verschwanden in der Station. Die Tiger, die direkt ne-ben Andrew gestanden hatten, taten das Gleiche, jedoch aus anderen Motiven. Sie schossen ebenfalls und töteten den Rest der Wachmannschaft, flitzten durch die Station, fanden die Quartiere und verschwanden in den einzelnen Zimmern.   
 Minuten später tauchten alle klatschnass wieder auf und man sah ihnen die Erleichterung förmlich an. Andrew schien zu ahnen was ihr Problem gewesen war und suchte ebenfalls eine Dusche auf. Nachdem sich alle wieder zusam-mengefunden hatten, marschierten sie zurück zum Hangar. Andrew und Kira nahmen sich bei der Hand und umkreisten das Schiff.  
„Es ist tatsächlich noch da“, freute sich Kira.  
„Ja, hoffentlich sind auch noch die Waffen an Bord“, murmelte Andrew vor sich hin.  
 Vier Kampfanthros überholten sie und stürmten in die offene Zugangsluke. Man hörte mehrere Schüsse, dann flogen die Leichen von acht Menschen auf den Boden der Station.  
„Hier ist alles sauber“, sagte einer der Anthros.  
 Kira verschlug es die Sprache. Soviel Rohheit und Kaltschnäuzigkeit hatte sie noch nie erlebt. Wobei sie den Anthros keine Schuld geben konnte. Sie waren so gezüchtet worden und entsprechend ausgebildet.  
„ALLE IN DAS SCHIFF, BEWEGT EUCH UND SEID NICHT SO LAHM“, brüllte Kri-sal.  
 Die Truppe beschleunigte die Schritte und war im Nu im Inneren der Anthros Voyage verschwunden. Die Chafren besetzten die Kommandobrücke und war-teten auf das Eintreffen der Ra-em. Vierzig Minuten später landete ein großer Cheritgleiter neben der Anthros Voyage und Syrgon, Dremal, Jody und dreißig weitere Anthros stiegen aus. Damit waren sie vollzählig.  
„Beweg deinen Hintern in die Landefähre und hol endlich den Mech“, brüllte Andrew zur Begrüßung.  
 Innerhalb von wenigen Minuten hörte man zuerst ein lautes Pfeifen und dann schwere stählerne Schritte. Der Mech verließ die Landefähre und steuerte di¬rekt auf das große Cheritschiff zu.   
 Der Gleiter hob ab und flog lediglich mit seinem Piloten bemannt zurück zur Ra-em, während Syrgon unter großem Staunen der anderen mit seinem Mech geräuschvoll das Schiff betrat.  
  
 Wenig später waren sie auf direktem Weg zum Institut. Es wurde Zeit aufzu-räumen. Sie durchstießen die Erdatmosphäre, stürzten förmlich dem Boden entgegen und setzten direkt vor dem Gebäude hart auf.  
&lt;„Okay, wir sind unten“&gt;, sagte Kira über das Intercom.  
 Syrgon hatte es sich in seinem Mech häuslich hergerichtet und startete die System erneut. Er hob die Daumen in Andrews Richtung, welcher sich an der Schleuse postiert hatte und diese nun öffnete.  
 „Viel Glück!“, rief er dem Wolf zu.  
 Syrgon hörte ihn nicht mehr und gab der Maschine die Sporen. Der Mech rannte quer über den Vorplatz, überrannte den Absperrzaun. Syrgon zündete den Raketenwerfer und feuerte eine Salve in das Zugangstor. Drei Raketen bohrten sich in den massiven Panzerstahl und explodierten zwischen den Stahlplatten. Das Tor wurde mit einer gewaltigen Explosion aufgerissen.  
&lt;„Hört ihr mich?“&gt;, kam Syrgons Stimme aus den kleinen Intercomlautspre-chern.  
 Andrew drückte auf den Wechselsprecher.   
&lt;„Ja, wir können dich laut und deutlich hören.“&gt;  
&lt;„Super. Ich habe mich ins Intercom eingeklinkt, damit ihr verfolgen könnt was passiert und ich euch warnen kann, falls es nötig sein sollte.“&gt;  
 Plötzlich hörte man Laserfeuer und das Surren von Messerdrohnen.  
&lt;„Ich kriege gerade Besuch“&gt;, rief Syrgon.  
 Danach hörte man wie der Mech seine tödliche Fracht im Hangar verteilte. Die Explosionen der Raketen und das Hämmern der Maschinenkanonen waren unüberhörbar.  
„Wow, das glaube ich einfach nicht“, sagte Dremal begeistert. „Hört euch das an. Das klingt wie eine ganze Armee die da reinmarschiert.“   
 Auch für die anderen Kampfanthros klangen die Geräusche des Mechs wie Musik.  
Nach zehn Minuten war Ruhe.   
&lt;„Ihr könnt jetzt rein kommen. Ich ziehe weiter.“&gt;  
 Die Anthros rannten aus dem Kreuzer und in den Hangar hinein. Der Mech war nicht mehr zu sehen, man hörte nur noch seine Schritte in einem der gro-ßen Gänge hallen. Die Zerstörung die Syrgon angerichtet hatte war katastro-phal. Der Hangar war nicht wiederzuerkennen. Keine der Türen, Tore oder De-ckenluken existierte noch. Metallschrott, der von mehreren Messerdrohnen und Kampfeinheiten stammte, bedeckte den gesamten Boden.  
„Okay, Leute. Wir gehen auch weiter. Ähm, wir nehmen das Loch in der Wand, das große Loch, da in der Mitte.“  
 Nacheinander tauchten sie in die Station ein. Tatsächlich erkannte man noch einen Gang, der sich hinter einer Tür befand. An seinem Ende klaffte ein weite-res Loch, welches von einer Rakete gerissen worden war.  
„Da hinten müssen wir links herum und dann weiter geradeaus, dann nach rechts und durch die nächste Tür. Dahinter muss eine Treppe nach unten füh-ren. An ihrem Ende liegt das Labor“, rief Dremal und ging voraus.  
„Na super und wieder Gänge, Türen und Treppen“, sagte Andrew an Kira ge-wandt.  
 Die Luchsin grinste verschmitzt. „Was beschwerst du dich? Ist doch fast wie zuhause.“  
 Andrew rollte mit den Augen. „Du hast zwar recht, aber ich hoffte wir hätten diesen Part unseres Unternehmens hinter uns gelassen. Na ja, er holt uns je-denfalls immer wieder ein.“  
  
  
  
  
  
 Kapitel 60  
  
 Entscheidungen  
  
  
 Wie Drekal gehofft hatte, zog Syrgon die gesamte Institutsverteidigung auf sich und seinen Mech. Er hatte keine ruhige Sekunde und lag praktisch unter Dauerbeschuss.   
 Leider zeigte der Waffenträger die ersten Ausfallerscheinungen. Nicht, dass nur die Munition zur Neige ging und er zum ersten Mal die Notabschaltung des Reaktorblocks überbrücken musste, was den Mechrechner zu einem ener-gischen Fluch veranlasste a la: „Notabschaltung überbrückt, bei zweimali¬ger Notüberbrückung des Systems steht statischer Schaden unmittelbar bevor“, nein, auch der rechte Waffenarm bewegte sich nur noch sehr widerwil¬lig und hakte ab und zu. Syrgon merkte, dass sein treuer Roboterfreund das Gebäude nicht mehr mit ihm verlassen würde.  
&lt;„Freunde, egal wo ihr seid. Ihr solltet euch beeilen. Mein Mech hat ernste Probleme“&gt;, rief er ins Headset.  
&lt;„Hier Andrew. Halte noch etwas durch. Wir sind fast da.“&gt;  
&lt;„Das freut mich, bringt mich aber nicht wirklich weiter.“&gt;  
  
 „Dremal“, schrie Andrew von hinten, „wir sollten einen Zahn zulegen. Syrgons Mech macht langsam die Hocke. Wenn er lebend rauskommen will, dann müs-sen wir uns sputen.“  
 Dremal verstand was Andrew meinte und rannte plötzlich los. Die Anderen folgten ihm und innerhalb kürzester Zeit standen sie vor der Tür zum Treppen-haus. Sie war offen.  
„Das sieht nicht gut aus“, murmelte der Löwe.   
„Passt auf. Hier scheint schon jemand zu sein“, ergänzte er laut.   
 Sie gingen die Treppe hinab und sicherten sich immer wieder nach allen Sei-ten ab. Etage für Etage arbeiteten sie sich nach unten vor.  
  
 Syrgon kämpfte derweil um sein Leben.   
Der rechte Waffenarm war seit Minuten nicht mehr ansprechbar und reagierte auch nach einem Neustart der autonomen Bewegungssteuerung nicht mehr. Der linke Waffenarm funktionierte noch makellos, aber die Munitionsanzeige neigte sich dem roten Teilbereich. Er hatte noch etwa sechshundert Schuss zur Verfügung, aber die Angreifer wurden und wurden nicht weniger. Er war ex-trem weit in die Station vorgedrungen.  
„Zu dumm, gerade jetzt muss ich mich von meinem Spielgefährten trennen. Aber man sollte gehen, wenn es am schönsten ist.“  
 Er verschoss seine restliche Munition und verteilte noch ein paar ordentliche Schläge gegen die Gebäudeverteidigung. Dann drehte er den Mech so, dass er den Gang vollständig ausfüllte und keine der Kampfeinheiten und Messerdroh-nen ihm folgen konnten. Er streichelte liebevoll das Cockpit und die Steu-erungsarmaturen, gab eine Kusshand in Richtung des Hauptrechners. Anschlie-ßend stellte er den Hauptreaktor auf Überlastung, öffnete die Kanzel, sprang aus dem Mech und rannte so schnell er konnte in die Richtung aus der er ge-kommen war.   
 Nach vier Minuten hatte er den Hangar erreicht, sah sich kurz um und sprin-tete durch den Zugang, den hoffentlich auch die Anderen genommen hatten. Er hatte Glück und tatsächlich das richtige Loch in der Wand erwischt. Nach weiteren Minuten hatte er die Gruppe erreicht.   
 „Alles auf den Boden legen“, schrie er.  
 Andrew und einige andere drehten sich erschrocken um, sahen Syrgon und warfen sich augenblicklich hin. Wenige Sekunden später erschütterte eine Ex-plosion das Gebäude, erfasste das Treppenhaus und brachte Teile dessen zum Einsturz. Eine dicke Staubwolke quälte sich durch die Gänge, drang ins Trep-penhaus vor und brachte alle zum husten.  
 „Verdammt, Syrgon. Was hast du getan?“, fragte Dremal.  
 „Das war mein Mech. Ich erwähnte ja schon, dass er Probleme hatte. Tja und der rechte Waffenarm war endgültig hin und für den linken fehlte mir die Mu-nition. Da habe ich den Fusionsreaktor auf Überladung geschaltet und damit vermutlich die Hälfte des Gebäudes eingeäschert.“  
 Apophis nickte ihm zu. „Gute Arbeit.“  
 Syrgon versuchte zu lächeln. „Ich habe mich aber nur ungern von meinem Schätzchen getrennt. Er war ein wirklich treuer Begleiter.“  
„Nicht schon wieder“, brummelte Dremal und schaute zur Decke. „Los machen wir weiter.“  
 Sie stiegen weiter hinab und kamen schließlich an die Hochsicherheitstür, die ins Labor führen sollte.  
„Sie ist verschlossen“, sagte der Löwe bitter.  
„Lass mich mal ran“, mischte sich ein weiterer Kampfanthro ein und hielt ihm ein kleines Päckchen Sprengstoff unter die Nase.   
 Er nickte. „Seht zu, dass ihr die Treppe wieder hoch kommt“, brüllte er. „Wir müssen mindestens drei Stockwerke wieder hoch. Hopp, hopp.“  
 Minuten später erfolgte wieder eine Detonation, aber diesmal waren alle da-rauf vorbereitet.   
 Die Tür war offen und das Labor lag vor ihnen. Sie drangen ein und verteilten sich im Raum. Er war riesig und man konnte schnell den Überblick verlieren.  
„Vernichtet alles und sichert die Aufzeichnungen.“  
 Sie durchsuchten die Schränke, die Schreibtische, kramten eine Kiste hervor und warfen alles was irgendwie nach Papieren aussah, hinein. Andere Anthros begannen mit brachialer Gewalt die leer geräumten Schränke und Tische zu zertrümmern.   
 Schließlich kamen sie bei den Computern an.   
Kira stürmte hervor und betrachtete alles ausgiebig. „Okay, das übernehme ich.“ Sie setzte sich vor eines der Terminals und begann zu programmieren.  
„Was hast du vor?“, fragte Andrew.  
„Ich verpasse ihnen einen echt ekligen Virus und vernichte damit alle Daten-sätze und zwar gründlich. Ihre Finger flogen förmlich über die Tastatur. Nach acht Minuten hatte sie es geschafft. „Und Action“, sagte sie süffisant.  
 Sie drückte die Eingabetaste und nach wenigen Sekunden brach ein System nach dem anderen zusammen. Die Beleuchtung erlosch und die Notfallbe-leuchtung ging an. In diesem Moment sprangen zwei Gestalten aus einer dunklen Ecke und rannten quer durch den Raum.   
  
 Die kamen aber nicht weit und prallten auf Stella und Cyron. Der Tigerkater erkannte, dass es sich um menschliche Gestalten handelte und schlug sofort zu. Sie gingen unter einem gedrückten Stöhnen zu Boden.  
„Ich brauche hier mal Licht“, rief er.  
 Andrew und Dremal kamen hinzu und leuchteten mit ihren Taschenlampen.  
„Ach ne. Wen haben wir denn da? Mr. Cromwell. Lange nicht gesehen und doch wieder erkannt“, sagte Andrew.  
„Steht auf ihr jämmerlichen Gestalten“, sagte Dremal scharf.  
 Zwei der Kampfanthros packten jeweils Cromwell und den noch unbekannten Menschen, hoben sie hoch und stellten sie auf den Beine.  
„Lasst uns mal hören. Was habt ihr hier zu suchen? Wolltet ihr alles zerstören oder in Sicherheit bringen?“   
 Cromwell spuckte Dremal ins Gesicht und erntete dafür nur eine Ohrfeige. „Wo sind die Materialien?“, fragte er. „Lüge mich nicht an. Ich warne dich. Du wirst lange und qualvoll leiden.“  
„Die haben wir bereits gesichert, es gibt hier nur noch die Aufzeichnungen.“  
„Das tut mir aber Leid“, sagte Kira zynisch.  
„Wieso?“, fragte Cromwell.  
„Eure Daten sind gerade einem ganz üblen Virus zum Opfer gefallen, fürchte ich“, die Luchsin zog dabei einen mitleidigen Schmollmund.  
 Cromwell lief rot an vor Wut. „Ihr seid doch vollkommen durchgeknallt. Ihr habt alles zerstört wofür wir Jahrhunderte gebraucht haben. Ihr seid total wahnsinnig.“  
„Das glaube ich dir aufs Wort. Wir sind sogar so wahnsinnig, dass wir euch jetzt mitnehmen.“  
„Was soll das? Wo bringt ihr uns hin?“  
„Das werdet ihr schon sehen. Weg mit ihnen“, sagte Dremal und wedelte mit einem seiner Finger.  
 Andrew, Kira, Stella und Cyron fesselten sie und begleiteten sie aus dem Ge-bäude.  
„Okay, egal was noch übrig ist. Wir sprengen jetzt das Gebäude.“  
„Aye.“  
„Verdammt. Die Zeitzünder sind hin.“  
„Was ist los?“, schrie der Löwe.  
„Die Zeitzünder. Sie müssen bei der Explosion des Mechs zerstört worden sein.“  
„Ein EMP! SCHEIßE! Das darf doch alles nicht wahr sein.“  
„Ist es aber!“  
„Okay“, seufzte Dremal und atmete tief durch. „Alle mal herhören.“   
 Die Kampfanthros sahen zu ihrem Anführer. „Seid ihr bereit für den letzten großen Schritt?“  
 Sie begriffen was er meinte. Es würde schwer werden und ihre Freiheit wäre in unerreichbare Ferne gerückt, wenn sie diesen Schritt gingen. Aber sie wussten um was es ging und waren bereit. Sie legten die Sprengladungen an allen zu-gänglichen Stellen, verbanden sie mit Handauslösern untereinander.  
„Ich bleibe hier“, sagte einer der Pumas.  
„Gut. Die anderen verlassen augenblicklich den Raum.“  
 Sie zogen sich zurück und von Etage zu Etage wurden es immer weniger Per-sonen die den Weg zurück antraten.  
„Ist das wirklich nötig?“, fragte Tarja, an Dremal gewandt.  
„Ja. Die Zeitzündung ist beschädigt und die Rückfallebene funktioniert nicht. Das Gebäude und der darin enthaltene Stahl schwächen die Funksignale der Zünder ab. Wir müssen die einzelnen Etagen und Räume von Hand sprengen. Es darf nichts übrig bleiben.“  
 Tarja nickte traurig. „So habe ich mir das nicht vorgestellt.“  
„Ich weiß, das haben wir auch nicht. Aber du darfst eines niemals vergessen. Wir Kampfanthros sind ein Teil der hier durchgeführten Experimente, wenn das alles hier enden soll, dann müssen wir auch hier enden. Einen anderen Weg gibt es nicht. Außerdem habt ihr noch zwanzig von uns auf der Krankenstation des Kreuzers liegen, die sollten Hilfe genug sein, wenn ihr den Transporter an-greift.“  
„Ja. Ich verstehe was du meinst. Trotzdem erfüllt es mich nicht mit Freude oder Hoffnung.“  
„Das sollte es aber.“ Er nahm Tarja bei der Hand und küsste sie vorsichtig, dann lächelte er. „Bring den Rest von euch hier raus. Ihr habt fünf Minuten, dann rummst es und zwar gewaltig.“  
 Tarja riss die Augen auf und schaute sich um. Sie entdeckte Chiron, Syrgon und die drei Menschen. „Wir verschwinden jetzt. Los, macht schon!“  
 Sie überlegten nicht lange. Nach drei Minuten hatten sie den Hangar erreicht und eine weitere Minute später waren sie in ihrem Schiff.  
„Starten!“, schrie Tarja.  
„Wo sind die Anderen?“, schrie Kira zurück.  
„Verdammt. Mach einmal, dass was ich dir sage und bring die scheiß Blechkiste in die Luft.“  
 Kira glotzte Tarja verwirrt an, wollte was erwidern, überlegte es sich aber an-ders.   
 Sie stürzte an die Steuerungskonsole und Sekunden später schwebte das Schiff in der Luft, gewann an Höhe. Alle schauten gebannt auf das Institutsge-bäude und verharrten der Dinge die da kommen mögen.   
 Plötzlich hörte man mehrere Explosionen. Das Gebäude schien zunächst zu erzittern, schließlich wankten die Mauern und brachen zusammen. Eine weitere Explosion zerriss die Bodenplatte und das Treppenhaus stürzte ein. Der letzte der Kampfanthros zündete die Ladungen im Labor.   
 Die Explosion ließ das gesamte Gelände erzittern und alles was noch übrig war stürzte in die Tiefe, begrub alles unter sich und hinterließ ein riesiges Loch im Boden. Es gab definitiv nichts mehr, was man noch hätte retten können.  
 „Wie ist das möglich? Wo sind die Kampfanthros?“, fragte Kira immer noch verwirrt.  
 „Entschuldige bitte, wenn ich dich angeschnauzt habe. Aber die Zeit drängte und ich konnte keine weiteren Erklärungen abgeben.“  
 Kira nickte. „Du weißt was passiert ist?“  
 „Ja. Die Zeitzünder waren durch die Explosion des Waffenträgers zerstört wor-den. Die Kampfanthros mussten die Ladungen von Hand zünden. Sie haben sich geopfert, um alles auszulöschen.“  
 Kira schaute Tarja betroffen an. „Deshalb mussten wir so schnell starten. Sie hatten keine Zeit mehr zu verlieren.“  
„Ja. Dremal hatte Angst, dass ihm und seinen Leuten der bevorstehende Tod die Kraft nimmt.“  
„Das kann ich verstehen. Wir hatten neue Freunde gefunden und verdammt schnell wieder verloren. Ich hätte, selbst nach dem Tod von Ikarus, niemals ge-dacht, dass der uns so schnell wieder einholen würde.“  
„Das hat keiner gedacht“, sagte Chiron und nahm Tarja in seine Arme.  
 „Wo sind eigentlich Cromwell und sein Scherge geblieben?“, fragte Tarja.  
„Die haben wir in eines der Quartiere gesperrt und holen sie erst raus, wenn wir beim Cheritkreuzer sind“, antwortete Chiron.  
 „Okay, dann machen wir uns jetzt auf den Weg. Wir dürfen nicht vergessen, dass sich immer noch ein Transportschiff mit Soldaten an Bord auf dem Weg nach Genro befindet.“  
 „Was?“, fragte Selestral.  
„Ja. Krondals letzte Rache, um die Brut des Teufels auszurotten“, sagte Apophis und vollführte einen angedeuteten Hexentanz.  
 Jody kicherte. „Lass es lieber. Ein Tiger macht beim tanzen eine urkomische Figur.“  
  
 Nach fünf Stunden hatten sie den Kreuzer erreicht und landeten im Hangar. Dort befanden sich schon zwanzig Cherit des Sicherheitspersonals, ebenso Sit-ral und Drekal und erwarteten die beiden Gefangenen sowie einen ausführ-lichen Bericht.  
 „Willkommen an Bord. Mit wem habe ich die Ehre?“, sagte Sitral zynisch, als die Gefangenen aus dem Landungsschiff geführt wurden.  
 „Mein Name ist Cromwell und mein Mitarbeiter ist Doktor Krings.“  
 „Ah so. Sie sind also dieser Cromwell, der uns so viel Kopfzerbrechen bereitet hat. Fein, dass sie uns nun doch Gesellschaft leisten wollen.“   
 Sitral deutete mit einer kurzen Kopfbewegung an, dass die beiden in die Zel-len geführt werden sollen.   
„Chiron, ich erwarte in zehn Minuten einen ausführlichen Bericht in meinem Besprechungsraum. – Ihr könnt wegtreten.“  
 Sie verließen den Hangar, auch Syrgon schickte sich an zu gehen.  
 „Moment noch, Syrgon“, rief Drekal. Sie ging auf ihn zu. „Ich freue mich zu se-hen, dass du es auch überlebt hast. Ich habe mir Sorgen gemacht um dich.“  
 Syrgon sah sie erstaunt an. „Aber Captain, du wirst doch nicht etwa Gefühle haben und diese zeigen?“  
„Siehst du, das ist mein Problem. Alle sehen mich nur als kommandierenden Offizier. Keiner sieht die Wölfin in mir.“ Sie ergriff plötzlich die Hand des Rüden und rieb ihren Kopf an ihr.  
„Ähm, wir könnten gesehen werden“, gab der Rüde zu bedenken.  
„Und wenn schon“, entgegnete sie und umarmte ihn.   
 So standen sie ganze zwei Minuten, bis Syrgon sich dafür entschied, sie wie-der auf Abstand zu bringen. Er stand da, sah sie an und lächelte verlegen.  
  
 Drekal hub an: „Ich bin es leid immer nur Befehle zu geben und für alles und jeden unnahbar zu sein. Als ich mich zum Dienst auf diesem Kreuzer meldete, war die Karriere für mich alles. Partnerschaft, Sexualität sowie das Großziehen von Welpen war Sache von anderen. Seitdem du mir so selbstbewusst, fast schon arrogant, frech und vor Lebensfreude und Kraft strotzend gegenüber standest, spürte ich, dass sich mein Leben falsch entwickelt hatte.   
 Ich werde auch nicht jünger, das spüre ich sehr deutlich und ich sollte mir langsam darüber Gedanken machen wie es weitergehen soll. So wie bisher je-denfalls nicht. Ich möchte eine radikale Wende.“  
 Syrgon lauschte interessiert.   
 Drekal zeigte eine völlig neue Seite an sich.   
„Komm mit, wir müssen zum Besprechungsraum und wollen die Anderen doch wohl nicht warten lassen“, ging sie schnell zur Tagesordnung über.  
 Sie gingen beide los und traten aus dem Hangar. „Erzähle mir von Genro“, bat sie den Wolf.  
 Der Rüde überlegte. „Hmmm … ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Erstmal ist es dort sehr gemütlich und nicht so hektisch wie bei euch. Wir haben alle klare Aufgabenteilungen. Ich lebe mit den anderen Caniden in Strongham. Das ist eine recht große Stadt. Die meisten von uns hüten Viehherden auf saftigen grünen Weiden. Ein geringer Teil von uns ist mit der Jagd auf Wild beschäftigt, der Hauptteil dessen obliegt den Raubkatzen, welche in Felgan leben.“  
 „Eure Arten leben getrennt?“  
„Ja, aber das war nicht immer so. Irgendwann entwickelten sich die Dörfer und Städte jedoch entsprechend den Bedürfnissen des Hauptanteils der Bevölke-rung.   
 Andere Arten die in diesen Städten lebten, drohten nicht genug berücksich-tigt zu werden. Daher trennten wir uns entsprechend auf. In letzter Zeit ent-scheiden sich aber immer mehr von uns ihr Leben unter anderen Umstän¬den gestalten zu wollen und ziehen in andere Städte. Außerdem ist es nicht so ein-fach eine geeignete Partnerin oder einen Partner zu finden.   
 Momentan sind wir zahlenmäßig noch so groß, dass eine Inzucht nicht zu-stande kommt. Aber das wird wohl nur noch eine Frage der Zeit sein.“  
 „Das klingt alles sehr schön, fast paradiesisch. Leider hat das Paradies einen Fehler und scheint dem Untergang geweiht zu sein. Was ihr braucht ist frisches Blut.“  
 Syrgon machte ein nachdenkliches Gesicht und nickte zustimmend.  
„Seid ihr eigentlich bewaffnet gewesen, also bevor das Chaos ausbrach?“, frag¬te Drekal weiter.  
„Wir hatten Waffen für die Jagd, aber immer nur Pfeil und Bogen sowie Speere. Die Waffen, die wir jetzt besitzen, haben wir aus den menschlichen Basen er-beutet.“  
„Hmhm …“  
„Warum hast du eigentlich danach gefragt?“  
„Nichts, nichts. Ich hatte da nur so eine Idee.“  
„Ach so? – Wie ist es denn bei euch auf Festrid?“  
„Na ja, unser Planet hat auch seine schönen Seiten. Früher, also sehr weit in der Vergangenheit, war es natürlich schöner als heute.   
 Festrid war dünn besiedelt und man konnte stets alle Monde sehen. Heute ist der Planet sehr stark bevölkert, die Technik hat uns in vielen Bereichen die Ar-beit erleichtert und uns sogar ersetzt. Leider ist auch sehr viel vom ursprüng-lichen Zauber verloren gegangen.   
 Sehr viele Städte sind regelrecht zugepflastert mit Bauwerken und man ist ständig von Artgenossen oder anderen Anthroarten umgeben. Manchmal ist man der Gesellschaft überdrüssig und dann flüchtet man in eines der wenigen Habitate die wir erhalten haben. Dabei handelt es sich um besondere Land-schaften und exotische Orte, die man um nichts in der Welt aufgeben will.“  
„Das hört sich einerseits sehr schön an, aber andererseits auch sehr trist und öde.“  
„Wenn man es nicht anders kennt, dann vermisst man auch nichts anderes.“  
 Syrgon nickte nachdenklich.  
  
 Mittlerweile hatten sie das Besprechungszimmer erreicht und die Tür öffnete sich. Drekal und Syrgon traten gemeinsam ein.   
 Chiron saß bereits am Tisch und erhob sich respektvoll.  
„Setz dich wieder hin und lass den Quatsch“, sagte Drekal barsch. „Schieß los.“  
 Chiron berichtete detailliert über die zurückliegenden Ereignisse. „… Ich hatte, um ehrlich zu sein, nicht gedacht, dass sich die Kampfanthros opfern würden. Immerhin ist es nicht ihr Kampf gewesen, sondern unser ...“, Chiron schloss die Augen, sah die Wölfin wieder an und fuhr fort: „Tripal deutete jedoch schon sehr früh an, dass sich die Kampfanthros nicht besonders verbunden mit den Menschen fühlten. Sie sagte, dass es brodeln würde und sie nur den richtigen Zeitpunkt abwarten wollten. Das Ergebnis sehen wir ja. Tja und nun?“  
 „Wir müssen das Transportschiff abfangen, wissen aber noch nicht wo es ist“, entgegnete Drekal.  
„Das ist das Handikap“, entgegnete Syrgon. „Ich denke, wir sollten mal mit un-seren Gefangenen reden. Vielleicht wissen die ja mehr.“  
„Super Idee“, entfuhr es Chiron.  
  
Als sie im Zellentrakt ankamen waren Apophis, Shana, Jody, Tarja und Selestral bereits mit einem Frage und Antwort Spiel beschäftigt. Cromwell und Krings schienen nicht sehr kooperativ zu sein.  
„Hallo“, sagte Drekal, „habt ihr schon was rausbekommen?“  
„Na ja, wie man es nimmt“, sagte Selestral. „Das Transportschiff von dem Krondal sprach, ist jetzt seit circa drei Wochen unterwegs und fliegt mit vier-facher Lichtgeschwindigkeit. Wo genau es ist, weiß keiner. Wir wären aber auf jeden Fall in der Lage eher auf Genro zu sein als die Soldaten.“  
 Drekal nickte. „Dann sollten wir das in Betracht ziehen. Sonst noch was?“  
 Apophis schüttelte den Kopf.  
„Na dann, los. Wir sind noch lange nicht fertig“, munterte Drekal die Anwesen-den auf.  
 Cromwell und Krings schienen plötzlich einen Disput zu haben, an dessen En-de Cromwell den Wissenschaftler nur scharf an sah und dieser beleidigt schwieg.  
 Drekal ging zum Intercom der Zellenebene. &lt;„Drekal an die gesamte Besat-zung der Ra-em. Unsere Aufgaben auf der Erde sind abgeschlossen. Allerdings ist es den Menschen geglückt ein Transportschiff nach Genro auszusenden. Dieses Problem müssen wir noch aus der Welt schaffen und den Bewohnern auf diesem Planeten helfen.   
 Wir setzen somit Kurs auf den eben genannten Planeten. Unterwegs werden wir das fremde Schiff überholen und haben dadurch genügend Zeit uns auf dessen Eintreffen vorzubereiten.“&gt;  
 Krings sagte plötzlich etwas zu Cromwell, worauf dieser leichenblass wurde, die Augen weit aufriss und ungläubig den Kopf schüttelte.  
 Drekal setzte ihre Ansprache fort: &lt;„Die Chafren auf Genro befinden sich, wie wir wissen auf einem niedrigeren technologischen Stand als wir, also sollten wir die nötige Sorgfalt walten lassen und unsere Freunde dort nicht zu extrem ins kalte Wasser werfen.   
 Außerdem ergeht von mir folgender Befehl. Ich werde den Planeten Genro nicht mehr verlassen und somit auch nicht nach Festrid zurückkehren. Wer die-se Entscheidung für sich persönlich teilt, der möge mir rechtzeitig Bescheid ge-ben. Auch nachdem wir den Planeten dort gesichert haben, werden wir drin-gend gebraucht. Wer möchte, kann also ebenfalls dort bleiben. Da ich als Cap-tain auf dem Flug nach Festrid nicht mehr zur Verfügung stehe, muss ein Nachfolger gefunden werden. Für entsprechende Vorschläge wäre ich sehr dankbar. Drekal, Ende.“&gt;  
 Selestral ließ hörbar die Luft entweichen. „Hast du dir das auch wirklich gut überlegt?“  
„Ja. Ich bin mir absolut sicher“, entgegnete die Wölfin, ging zu Syrgon und küsste ihn intensiv.  
 Apophis und Jody lächelten erfreut, Selestral verdrehte die Augen.   
 Die anderen schickten sich an, den Zellenblock zu verlassen.  
  
  
  
  
  
 Kapitel 61  
  
 Enthüllungen  
  
  
 „Moment noch“, rief Apophis. „Bevor wir fliegen und die beiden Gefangenen den Gerichtsbarkeiten überstellen, müssen sie mir noch ein paar Fragen beant-worten.“  
 Krings sah zu Boden und wandte sich dem Tiger zu. „Wird ja auch Zeit, dass ihr richtig fragt, dann schießt mal los.“  
„Das können sie nicht tun“, plärrte Cromwell.  
 Krings schaute ihn nur traurig an. „Sie werden wohl nie merken, wenn es aus ist. Die Wahrheit ist im Moment das Einzige was noch zu retten ist. Alles ande-re ist vollkommen sinnlos geworden.“  
„Sie Narr, sie können unseren Feinden doch nicht unser Vermächtnis in die Hände spielen“, Cromwell stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch.  
 „Schafft den hier bitte weg“, sagte Cyron und zeigte auf Cromwell, wandte sich dann Krings zu: „So und jetzt erzählen sie mal.“  
„Stell Fragen und ich gebe Antworten.“  
„Okay“, begann Apophis, „wie kommt es zu dieser Artenvielfalt unter den intel-ligenten Spezies? Wieso waren wir für euch von Anfang an Feinde? Warum gibt es auf Genro Lebewesen, die es auf Festrid nicht gibt?“  
„Das sind viele Fragen auf einmal“, stellte Krings fest, „aber ich fange einfach mal an.“  
  
„Auf Festrid liegt tatsächlich euer aller Ursprung. Die Cherit existieren schon seit fast 5,4 Millionen Jahren. Eine Überbevölkerung ihres Planeten zwang sie zum anteiligen Exodus. Jahre suchten sie nach einem Planeten um sich nieder-zulassen und neu anzufangen. Schließlich kamen sie zur Erde und stellten fest, dass es eine primitive Spezies namens Homo erectus gab. Das war vor etwa 2,6 Millionen Jahren.“  
  
„Das kann nicht sein. Unsere Daten sagen, dass es vor 50.000 Jahren dazu kam, dass ein Schiff mit Vertretern unserer Welt gestartet wurde“, mischte sich Chi-ron ein.  
  
„Dann sind eure Informationen nicht ganz vollständig. Fakt ist, dass es vor 2,6 Millionen Jahren Cherit auf der Erde gab. Diese Informationen haben wir be-wusst geheim gehalten. Diese Cherit bevölkerten nach und nach viele Teile der Erde. Ihre Technologie war extrem hoch entwickelt. Sie waren der Gentechnik mächtig und schafften es ihre DNA zu manipulieren.   
 Im Laufe der Jahrtausende manifestierten sich diese Änderungen in den Che-rit. Es traten gravierende Veränderungen ein. Die einheimische Tierwelt dürfte es nicht gerade leicht gemacht haben, denn fressen und gefressen werden stand auf der Tagesordnung. Die Cherit beschlossen einzugreifen und kombi-nierten ihre Erbmasse mit derer der hiesigen Tierwelt. Sie versuchten dadurch einen Konsens herbeizuführen. Das schlug aber fehl, denn die Gene der einhei-mischen Fauna waren extrem dominant. Viele Cherit starben durch Tierangriffe.   
  
 Die Überlebenden verließen teilweise die Erde und traten erneut die Suche nach einem neuen Zuhause an. Die Menschheit entwickelte sich weiter, machte Fortschritte und übernahm die Vormachtstellung auf dem Planeten, welches, wenn die Cherit nicht zum größten Teil gegangen wären, niemals passiert wäre. Sehr schnell füllten die Menschen alle Ecken aus. Es entwickelten sich erst we-sentlich später die Kulturen der Mayas, Inkas, Azteken, Babylonier, Kelten, Ger-manen, Römer, Ägypter.   
 Zuvor gab es aber die Ankunft eines zweiten Cheritschiffes, welches vor 50.000 Jahren ankam. Sie wurden später für die meisten dieser Kulturen zu Göttern. Allerdings kam es zu Konflikten und die Cherit wurden verdrängt.   
 Die letzten gesicherten Funde stammen aus der Zeit zu Ramses II. in Ägypten, danach versickern diese. Die Gruppe der Cherit die von der Erde floh um weiter zu suchen ist auf Genro gelandet. Sie entwickelte sich prächtig und hatte wie zuvor auf der Erde sehr schnell den ganzen Planeten in Besitz genommen. Auf der Erde fand man mittlerweile die ganze Wahrheit heraus und verfiel in Panik. Der ganze Glaube an die göttliche Vorsehung geriet ins Wanken. Also be-schloss man etwas zu unternehmen.  
 Im Jahre 1967 war es soweit. Ein lichtschnelles Raumschiff war fertig gestellt worden und startbereit.“  
  
„Stopp, Stopp“, sagte Shana. „Sie wollen uns doch wohl nicht weiß machen, dass es im Jahr der ersten Mondlandung bereits ein solches Schiff gab?“  
  
„Doch, das gab es. – Die erste Mondlandung war ein primitives Ablenkungsma-növer. Primitiv, aber effektiv. – Tatsächlich waren die offiziellen Kreise erst so-weit, dass man auf dem Mond landen konnte. Die geheimen Stellen waren schon viel weiter. Einer der federführenden Forscher war der Deutsche Werner von Braun.“  
  
„Der Erfinder der V2. Na toll. Für Geld haben die Deutschen scheinbar schon immer alles getan“, grollte Jody.  
  
„Da haben sie vielleicht nicht ganz Unrecht“, sagte Krings und fuhr fort. „Wir starteten also das Schiff und es gelang unentdeckt zu bleiben. Wir taten es als Wetterballons ab und viele glaubten an Ufos oder gar eine Verschwörung.   
 Über das Weitere können wir eher nur mutmaßen, aber so wie es sich uns darstellt, wird es wohl wie folgt gewesen sein. Das Schiff kam auf Genro an, landete und es kam zum Kampf. Die Cherit wurden mit List und Tücke überrollt und vernichtet. Gleichzeitig fanden wir aber Aufzeichnungen. Aus diesen konn-ten wir entnehmen, dass es einen weiteren Cheritplaneten gibt. Allerdings war der so weit entfernt, dass wir uns entschlossen ihn nicht anzugreifen. Der Plan schien auch aufzugehen und es blieb ruhig und friedlich.   
 Die Cherit auf Festrid aber dehnten ihren Handel unablässig aus und kamen schließlich zur Erde. Da wir zu diesem Zeitpunkt schon wussten wer die Cherit waren, schrillten hier die Alarmsirenen auf. Viele, die von unserer geheimen Vergangenheit wussten, wurden sehr nervös. Die ersten Schiffe ließen wir pas-sieren und merkten, dass die Cherit scheinbar nichts vom Verbleib der beiden Raumschiffe wussten. Zunächst war noch Stille.   
 Aber dann tauchten immer wieder Schiffe auf und plötzlich geschah das Dra-matische. Die Cherit fanden Überreste ihrer Spezies auf der Erde, genauso, wie ihr sie gefunden habt. Damit war klar, dass es zu einem offenen Kampf kom-men musste.   
 Wir schossen die beiden Schiffe im Orbit ab und bemächtigten uns der Lei-chen. Wir extrahierten die DNA und konservierten sie. Zu dieser Zeit mussten wir unsere Forschungen nach Genro verlagern, da die Cherit nach ihren beiden Schiffen suchten und dahinter kamen, dass wir sie abgeschossen hatten. Es kam zum Krieg.   
 Auf Genro wurden die Basen errichtet und die Forschungen begannen. Ur-sprünglich wollte man aus den vorhandenen Raubkatzengenen eine Krieger-elite generieren. Dem Militär gelang es aber nicht. Warum wissen wir nicht.“  
  
„Aber wir wissen es“, platzte Chiron heraus.  
„Ach so?“  
„Ja. Wir hatten ein Schiff im Orbit postiert und die gewonnen Daten in den Ba-sen sanft manipuliert. Egal was ihr Menschen auch tatet, es war immer falsch. Außerdem kamen ja noch die gestreuten Gene von uns dazu und die waren unberechenbar.“  
  
„Das ist sehr interessant und erklärt jetzt einiges. Clever, wirklich sehr clever. Tja, also misslangen die Experimente.   
 Die Cherit wurden des Krieges müde und ein Friedensvertrag wurde abge-schlossen. Die Basen blieben erhalten und wurden der Genforschung überstellt. Genro sollte ein Vergnügungs- und Ausflugsziel werden. Mittlerweile war die Menschheit in der Lage überlichtschnelle Raumschiffe in großen Stückzahlen zu bauen, welche eine solche Reise ermöglichten. Das Ergebnis dieser For-schungen kennt ihr ja.“  
  
„Das ist ja alles schön und gut, erklärt aber immer noch nicht, wie es zur Arten-vielfalt kommen konnte. Auf Festrid gibt es keine Vierpfotler, abgesehen von Tauren.“  
  
„Das liegt ganz einfach daran, dass es eure Vorfahren geschafft hatten ihre Ge-ne so ziemlich überall einzustreuen. Letztendlich kamen sie auch bei den Repti-lien an und diese wurden größer und größer und größer und es entstanden Drachen. Durch andere Mutationen entstanden dann wohl auch die Pegasi und Einhörner.   
 Die Cherit selbst bestanden ursprünglich fast ausschließlich aus Anthros. Ihr Chafren seid hundertprozentige Cherit. Ihr wurdet lediglich rückgezüchtet. Auf eurem Planeten Genro wart ihr die ersten und wir Menschen haben ihn euch genommen. Genauso wie wir euch vor über einer Millionen Jahren die Erde ge-nommen haben.“  
  
„Du meinst, wir sind nicht auf einem Planeten zuhause?“, fragte Tarja erstaunt.  
  
„Nein. Ihr seid ein Volk von vielen Planeten. Ihr seid die rechtmäßigen Bewoh-ner von Festrid, der euer eigentlicher Ursprung ist, aber auch der Erde und von Genro. Wir Menschen hatten nur Glück und verdanken unsere Existenz der Verknüpfung von Umständen. Was wir am Ende daraus gemacht haben, sieht man ja.“  
„Das sind schwerwiegende Antworten und unsere Existenz beruht somit ganz klar nicht auf menschlichen Experimenten.“  
  
„Nein, ganz klar nicht, denn wenn es nicht zum Angriff auf Genro gekommen wäre, dann würdet ihr heute wesentlich höher entwickelt leben als ihr es jetzt tut. Wir haben euch in eurer Entwicklung blockiert.“  
  
„Ihr verdammten Menschen. Ihr habt uns unsere Vergangenheit gestohlen, ihr habt uns massenweise ermordet und das nur um eure eingebildete gottgleiche Stellung zu bewahren. Was ist das bloß für ein Glaube der den Mord an ganzen Völkern sanktioniert?“, schnaubte Apophis wütend.  
  
 „Würdet ihr für euren Glauben nicht das Gleiche tun?“, fragte Krings.  
„Niemals. Wir sind in Frieden hergekommen und wollten nur Antworten. Wir hatten nie die Absicht euch die Erde streitig zu machen.“  
 „Das könntet ihr auch gar nicht“, sagte Krings überheblich.  
„Das glaubst du. Wenn die Cherit von Festrid und Genro sich zusammenschlie-ßen, dann hättet ihr keine Chance“, sagte Selestral scharf.  
 „Wer bist du überhaupt, dass du es wagst so etwas zu sagen?“, brüllte der Wissenschaftler auf einmal.  
„Ich bin Selestral vom Stamm der Jaguare und ich bin Einer der Nachkommen des Exodus vor 50.000 Jahren. Ich habe gegen die ägyptischen Armeen ge-kämpft, ich habe Ramses II. persönlich ins Gesicht geschaut und ich lebe noch heute.“  
 Krings schrak zurück. „Das ist nicht möglich.“  
„Doch, ist es“, sagte Apophis sarkastisch. „Ihr habt nicht alles auslöschen kön-nen, weil ihr blind seid in eurer Arroganz.“  
 Krings senkte den Kopf.  
„Ihr seid so unwissend und werdet irgendwann die Quittung dafür bekom¬men“, sagte Selestral.  
„Ich habe das Gefühl, dass du das gerade sehr genossen hast und es dir eine Genugtuung war“, sagte Apophis an die Jaguarin gewandt.  
„Ja, das war es in der Tat. Aber jetzt sollten wir gehen und diesen Planeten für immer verlassen. Er sollte unsere Heimat werden, ist es aber nie geworden. Meine neue Heimat liegt auf Genro, denn nach Festrid möchte ich nicht zu-rückkehren.“  
  
 Als sie die Brücke betraten, sah Sitral aufmerksam zu Drekal. „Captain! Die ge-samte Besatzung will dir folgen und auf Genro bleiben.“  
„Und was jetzt?“, fragte Chiron in die Runde.  
„Wissen Teile eurer Bevölkerung eigentlich schon von der ganzen Wahrheit?“, fragte Drekal.  
„Nein“, entgegnete Cyron, „wir wollten sie, nachdem wir auf bestimmte Sachen gestoßen waren nicht unnötig schocken und vor der Wahrheit verschonen. Wir wussten ja nicht, was noch alles auf uns zukommt.“  
„Wir alle sind intelligente und lernfähige Lebewesen. Sie werden es verstehen. Außerdem werden fast alle von ihnen zum ersten Mal in ihrem Leben einem Menschen gegenüberstehen“, sagte Shana.  
 Drekal schaute die Frau schief an und fing an zu lächeln. „Das glaube ich dir unbesehen und eure Existenz lässt sich nicht leugnen, warum auch. – Okay, lasst uns heim fliegen, nach Genro. Denn das soll unsere neue Heimat werden und unser Volk hat ein Recht darauf die Wahrheit zu erfahren. Wir haben nichts zu verbergen und eine Kultur, die älter ist als viele andere und das über-all im Universum.“   
  
Die Wölfin nahm ihre Rangabzeichen ab und legte sie auf den Tisch. „Es wird höchste Zeit für einen Neuanfang und Genro braucht uns.“  
  
Die Ra-em wandte sich langsam von der Erde ab, verließ die Umlaufbahn und beschleunigte. Kurze Zeit später öffnete sich der Subraumtunnel vor dem Kreu-zer und Schiff und Besatzung waren auf dem Weg nach Genro, um ihre Mission fortzuführen.

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