# Wolfsblut - Extra 1 Kapitel 5: Gegenangriff

Author: silverstripe
Tags: Coyote, Demon, Fantasy, Fox, German Language, Story Series, Violence, Wolf, fight

   Extra
1: Schlacht
 Kapitel
05: Gegenangriff



Aus
dem Gebüsch sprang ein riesiges Monster mit dolchartigen Zähnen und
unnatürlich leuchtenden Augen. Speichel troff von seinen Lefzen und
ein wütendes Knurren entsprang seiner Kehle. 

„Ein
Säbelzahntiger", bemerkte Shayne und trat vor Loyee. Diese
riesigen Bestien waren unberechenbar und brutal. Mit ihren langen
Zähnen konnten sie sie durch Fleisch marschieren wie durch Butter.
Shayne rechnete mit dem Schlimmsten, doch plötzlich rief jemand:
„Schnell, ihr werdet gebraucht."
Verwundert
blickte Shayne auf. Auf dem Säbelzahntiger schien jemand zu sitzen.
Der Mann schwang sich von der Großkatze und sah zu den beiden.
„Sie?
Wieso sind Sie hier?", wagte sich Loyee vor.
Der
fremde Mann war niemand anderes als ihr Ausbilder. Der Tiger, der sie
in Teams gesteckt und die Aufgabenstellung verteilt hatte.
„Ihr
müsst mitkommen. Xyens Schloss wird angegriffen und wir brauchen
alle Krieger, die wir finden können. Einige sind bereits in die
Schlacht gezogen."
Shayne
riss die Augen auf. „Was ist mit Leila? Ist sie auch dort?"
„Und
Lance? Was ist mit meinem Bruder? Gegen wen kämpfen sie?", drängte
sich Loyee dazwischen.
„Keine
Zeit für Fragen, steigt auf."
Sofort
gehorchten die beiden und stiegen hinter ihren Ausbilder auf den
Säbelzahntiger.
Der
Tiger gab den Befehl und Großkatze sprang los. 

Loyee
klammerte sich an Shayne, um nicht den Halt zu verlieren. Es war ein
schneller Ritt und die Landschaft flog an ihnen vorbei. 

Shayne
hielt den Blick starr nach vorn gerichtet und dachte an Leila. Er
würde es sich nie verzeihen, wenn ihr etwas zustoßen würde.
Plötzlich klammerte sich Loyee enger an den Wolf und Shayne
überlegte, wie es mit dem Fuchs aussah. Auch für ihn würde er
kämpfen, doch was wäre, wenn beide in Gefahr wären und er sich
zwischen ihnen entscheiden müsste? Würde er Loyee oder Leila
retten? Würde er aus Verzweiflung nicht in der Lage sein, überhaupt
einen von ihnen zu retten?
Shayne
verdrängte die Gedanken und hoffte, dass dies nie passieren würde.
Vielleicht war Leila auch bereits auf dem Schlachtfeld.
Möglicherweise war sie sogar schon gefallen. Eine Vorstellung, die
Shayne nicht ertragen würde.

Die
Großkatze hielt auf einer großen Wiesenfläche, die von einem Fluss
durchzogen wurde und von einigen Bäumen geschmückt war. Im
Hintergrund konnte Shayne das Schloss sehen, von dem er bisher nur
gehört hatte. Nie hatte er den Besitzer des Schlosses getroffen,
doch er hatte die Geschichte oft gehört. Die Welt Xornia stand mit
dem Xyonit in einer Symbiose und dieser heilige Stein hatte einen
Hüter. Dieser Hüter konnte als einziger mit dem Xyonit umgehen und
seine Kraft nutzen.
Ein
Schrei riss Shayne aus den Gedanken. Es war Loyee, der nach vorn
deutete. Shayne folgte seinem Blick und entdeckte eine dunkle
Gestalt, die vor einem am Boden liegendem Kojoten stand.
„Der
da trägt keinen Kampfanzug. Das muss dieser Hüter sein. Er hat den
Xyonit und wenn der in falsche Hände gerät, sind wir verloren!",
rief Shayne seinen beiden Kollegen zu. Er sprang ab, Loyee folgte
ihm.
„Ich
werde mehr Leute zusammentrommeln", informierte der Ausbilder sie
und machte mit seiner Großkatze kehrt. 

Loyee
und Shayne nickten ihm zu und wollten der schwarzen Gestalt
entgegenrennen, doch dort lag nur noch der verwundete Hüter.
„Wo
ist er hin?!", brüllte Loyee und schaute sich verzweifelt um.
„Ich
kümmere mich um den da!", rief Shayne und deutete auf die weiße
Gestalt am Boden.
Loyee
sah dem Wolf hinterher und zog sein Schwert. 

„Lass
mich jetzt nicht im Stich, Destiny", flüsterte er und gab der
Klinge einen Kuss, die wie die Flammen eines Infernos gezackt war.
Blitze durchzogen die Klinge und über dem Griff glänzten
Eissplitter auf. 

Plötzlich
hörte Loyee einen Knall und drehte sich um. In der Ferne entdeckte
er noch seinen Ausbilder und den Säbelzahntiger. Sie blieben stehen
und gingen plötzlich zu Boden. Eine Blutlache breitete sich unter
ihnen aus. Neben ihnen stand die schwarze Gestalt.
„Er
hat sie getötet", bemerkte Loyee und hielt sein Schwert
kampfbereit. „Es ist ein Dämon. Und er beherrscht offenbar sehr
starke magische Fähigkeiten. Hoffentlich können wir da mithalten."
Loyee
warf einen Blick zu Shayne.
Der
Wolf hatte den am Boden liegenden Kojoten erreicht und ihm auf die
Beine geholfen. 

„Vielen
Dank, junger Krieger", röchelte der Kojote. Er stützte sich an
dem Wolf ab und starrte mit einem metallischem Blick zu dem Dämon.
„Wer
ist das?", drängte Shayne.
„Das
ist der Sohn des Dämonenkönigs. Er hat sich den Xyonit gekrallt. Er
will seine ganze Rasse nach Xornia bringen und uns unterwerfen. Wir
dürfen das nicht zulassen!"
Der
Kojote griff nach Shaynes Hand und sah ihm in die Augen.
„Normalerweise ist es mir als Hüter des Xyonits verboten, dies zu
tun, aber ich sehe keine andere Wahl. Ich bin nicht mehr stark genug,
um gegen Ez'quil zu kämpfen. Ich übertrage dir meine Fähigkeit,
den Xyonit zu kontrollieren. Du musst ihn Ez'quil wegnehmen und mit
seiner Hilfe einen Zauberbann sprechen, der den Dämon in ein Siegel
sperrt."
Shayne
sah den Kojoten ungläubig an. Wie sollte er das alles schaffen? Er
war doch nur ein einfacher Krieger aus einfachen Verhältnissen, der
keine Ahnung von der magischen Kraft des Xyonits hatte.
„Sag
mir deinen Namen", befahl der Kojote.
„Meinen
Namen? Ich bin ähh... Night. Shayne Night."
„Nun,
Shayne. Ich, Xyen der Hüter des Xyonits, lege das Schicksal dieser
Welt in deine Pfoten."
Shayne
schüttelte den Kopf und schritt zurück. „Aber ich kann das nicht.
Ich bin nur ein einfacher Magier. Nicht mal ein wirklich guter."
„Ich
vertraue dir. Jetzt schließe deine Augen."

„Wer
bist du?!", brüllte Loyee und sah in die dunklen Augen des Dämons.
Er hielt seine Klinge krampfhaft umklammert und erwiderte den kalten
Blick des Feindes, der ihm immer näher kam.
„Ez'quil.
Danke der Nachfrage. Und du willst deinen Freunden folgen?"
Loyee
hielt den Blick starr auf ihn gerichtet. Alle Muskeln seines Körpers
waren angespannt. Er wusste, dass er es hier mit keinem einfachen
Gegner zu tun hatte. Einige Krieger hatte er bereits ausgelöscht,
die nun übel zugerichtet am Boden lagen. Loyee war froh, seinen
Bruder noch nicht entdeckt zu haben. Der Fuchs zückte sein Schwert
und warf einen knappen Blick hinter sich. Shayne stand noch bei dem
Kojoten.
Als
sich Loyee zu dem Dämon drehte, wurde sein Blickfeld von Schwärze
erfüllt. Eine Kälte umgab ihn, die seinen Körper zu erdrücken
drohte. Er schrie auf und wurde gewaltsam zurückgeschleudert.
„Lass
einen Feind nicht aus den Augen", lachte Ez'quil.
Shayne
blickte sich um als er seinen Freund schreien hörte. „Loyee!",
brüllte er und wollte zu ihm rennen, doch Xyen hielt ihn am Arm
fest.
„Warte.
Du kannst sofort zu ihm. Nur noch einen Augenblick."
Shayne
war hin und hergerissen. Er musste seinem Freund helfen doch er
brauchte die Kraft von Xyen, um gegen Ez'quil kämpfen zu können.
Der Wolf zwang sich dazu, still stehen zu bleiben und sich auf Xyen
zu konzentrieren. Seine Gedanken hingen an dem Fuchs, doch er hielt
sich unter Kontrolle.
Loyee
prallte auf den Boden und rutschte über das Gras. Das Schwert glitt
ihm aus dem Pfoten und für einen Augenblick blieb er stumm liegen.
Der Schmerz zog sich wie ein Gift durch seinen Körper und lähmte
ihn. Vor Schmerz stöhnend rappelte er sich wieder auf und hielt nach
dem Dämon Ausschau. Er hatte ihn unterschätzt und ihn aus den Augen
gelassen. 

Er
stand auf und griff nach seinem Schwert. „Er ist verdammt schnell.
Ich kriege ihn so nicht zu fassen."
Loyee
atmete tief aus und konzentrierte sich auf seine Umgebung. Er hörte
nichts, doch spürte er die Präsens des Dämons und er war sich
sicher, dass bald ein Angriff folgen würde. Der Fuchs wusste, dass
Ez'quil nur mit ihm spielte und nicht damit rechnete, starke
Gegenwehr zu bekommen.
Loyee
spürte einen Lufthauch an seinem Nacken. Schreiend riss er sein
Schwert hoch und versuchte ungezielt zuzuschlagen. Völlig aus der
Puste sah er auf die leere Fläche und bemerkte, dass er nichts
getroffen hatte. 

„Zu
langsam", hauchte eine Stimme. Loyee fuhr ein kalter Schauer über
den Rücken und er sah hinter sich. Er fand sich in dem kalten
Graphit der Dämonenaugen wieder und wollte erneut zu einem
Schwerthieb ausholen, doch Ez'quil griff an sein Handgelenk, sodass
ihm das Schwert aus den Händen fiel.
Ez'quil
sah den Fuchs mit einem Gesicht an, das Loyees Körper zum Zittern
brachte. Viel zu leicht wäre es jetzt gewesen, ihm das Genick zu
brechen, doch es machte Ez'quil zu viel Spaß, ihn leiden zu sehen.
Zu spüren, wie groß die Furcht ist, die man vor ihm hatte.
Loyee
konzentrierte sich und versuchte seine Angst nicht Überhand gewinnen
zu lassen. Wenn er jetzt nachgab, wäre alles verloren. Es lag an
ihm, Ez'quil zu besiegen und er wollte niemanden enttäuschen. Er
würde sich nicht geschlagen geben. 

Der
Fuchs blickte zu Ez'quil auf. Shayne war noch immer bei dem Kojoten
und war im Moment keine Hilfe, doch Loyee vertraute auf seine eigene
Stärke. Mit einem Aufschrei schlug er mit der freien Hand gegen den
Brustkorb des Dämons. Ez'quil, der von dem Gegenangriff sichtlich
überrascht war, wurde zurückgestoßen und verlor das Gleichgewicht.
Die kurze Zeit nutzte Loyee, um sein Schwert zu greifen.
Ez'quil
trat einen Schritt zurück, um nicht zu fallen. Ihm fehlte die Luft.
Es war tatsächlich ein sehr kräftiger Schlag gewesen, der seine
Folgen nach sich zog. Der Dämon keuchte und blickte mit einem
wutverzerrtem Gesicht zu dem Fuchs, doch er schreckte zurück. Die
Schwertspitze war auf seinen Hals gerichtet. Nur ein kleiner Stoß
würde ausreichen, um ihn zu ermorden. Ez'quil konnte kaum glauben,
dass er in diese Lage gebracht werden konnte. Er hatte den
Schwertkämpfer unterschätzt, doch nochmal würde ihm das nicht
passieren. 

Loyee
schrie auf und wollte zustoßen, doch Ez'quil wich zur Seite aus und
bevor Loyee die Laufbahn seines Hiebes verändert konnte, schoss ein
Strahl aus Ez'quils Augen. Das Schwert wurde getroffen und einem
lauten Klirren zerbrach es. Von der Explosion wurde Loyee
zurückgeworfen. Die Klinge und deren Besatz flogen an ihm vorbei,
während der Griff in Ez'quils Richtung flog.
Der
Dämon fing das mit Eissplittern besetzte Metall und besah es sich
mit interessiertem Blick. „Ein ziemlich mächtiges Artefakt für
einen einfachen Schwertkämpfer."
Er
sah zu dem Fuchs am Boden, dann sah er weiter und entdeckte den Wolf,
der dem Kojoten auf die Beine geholfen hatte. „Dieser Kojote ist ja
noch immer am Leben. Wenn er endlich ausgeschaltet ist, wird mir kaum
noch jemand im Weg stehen können."

Shayne
stöhnte auf und ging in die Knie.
„Es
ist wirklich keine angenehme Erfahrung, ich weiß", flüsterte Xyen
und legte seine Pfote auf Shaynes Schulter.
„Aber
wenn es nötig ist, um Xornia zu retten", entgegnete Shayne und
blickte auf. Eine Explosion hatte seine Aufmerksamkeit erregt. Eine
feuerrote Klinge flog auf ihn zu und bohrte sich vor seinen Füßen
in den Boden. „Ist das nicht das Schwert von Loyee?", erinnerte
er sich und zog das rote Metall aus dem Boden.
Er
bemerkte, dass Xyen bereits fort war. Der Kojote war war zu einem
goldenen Objekt gelaufen, das ebenfalls durch die Luft geschleudert
wurde.
„Jetzt
weiß ich aber noch nicht, was ich mit den Xyonit machen soll. Wie
kann ich mit ihm Ez'quil besiegen?"
Plötzlich
schreckte er auf. Er spürte die Präsens des Dämons und eine kalte
Faust umklammerte sein Herz. Die Zeit schien stehen geblieben zu
sein, als Shayne den Dämon erkannte. Ein brennender Strahl ging von
ihm aus und flog direkt auf ihn zu. Shayne hatte keine Zeit mehr,
auszuweichen und sah sich seinem Schicksal entgegen. Er würde
getroffen werden und dann war alles umsonst. Dann konnte er Ez'quil
nicht mehr aufhalten. Dann konnte ihn vermutlich niemand mehr
aufhalten. 

„Shayne!",
hörte er eine Stimme brüllen und plötzlich trat Loyee in Shaynes
Blickfeld. Der Fuchs schrie auf und warf sich in die Schussbahn des
Strahles.
„Nein!",
rief Shayne, doch eine riesige Explosion erstickte seine Worte. Er
wurde zurückgeschleudert und auch Ez'quil wurde von der Druckwelle
erfasst.

Shayne
blinzelte und hustete. Staub hatte sich auf seiner Nase angesammelt
und blockierte seine Atemwege. Hustend rappelte er sich auf und
versuchte zu realisieren, was passiert war. 

Eine
Staubwolke hing noch in der Luft, doch Shayne konnte erkennen, dass
jemand nur wenige Schritte von ihm entfernt lag. Mit einem bitteren
Beigeschmack wurde sich Shayne bewusst, wer diese Person war. So
schnell es seine erschöpften Beine zuließen stolperte er zu dem
Fuchs und ließ sich vor ihm auf die Knie fallen. 

Loyee
lag auf der Seite. Blut quoll aus seiner Schnauze. Die Augen waren
geschlossen und er rührte sich nicht. 

Verzweifelt
suchte Shayne nach einem Puls und tastete den Fuchs ab. Seine Muskeln
schmerzten und ihm tat alles weh, doch Loyee war nun wichtiger. Er
gab die Hoffnung nicht auf und versuchte den Fuchs auf den Rücken zu
drehen. Shayne griff an Loyees Seite und zog ihn zu sich, sodass er
auf den Rücken rollte. Wenn es noch eine Chance für ihn gab, dann
musste er ihn wiederbeleben. 

Shayne
japste auf und ließ sich nach hinten fallen. Der Anblick war
grauenvoll. Die Brust war völlig zerfetzt und aufgerissen. Alles war
voller Blut.
Der
Wolf blieb einen Augenblick lang regungslos sitzen und starrte auf
den Körper des Fuchses. Er konnte nicht glauben, was er sah. Diesen
Anblick würde er nie vergessen. Tränen rannen über seine Wange und
er konnte sich nicht zurückhalten. Er fiel dem Fuchs um den Hals,
drückte sein Gesicht an seine Wange und ließ seinen Gefühlen
freien Lauf. Nichts konnte den Fuchs wieder zurückbringen, das wurde
ihm schmerzlich bewusst. Die Einsamkeit hüllte ihn ein und ein
Gefühl der Kälte umklammerte ihn. Er hatte ihn nicht beschützen
können und nun war Loyee verloren. Für immer. Shayne bereute, dass
er dem Fuchs zuvor so sehr wehgetan hatte und wünschte sich, alles
rückgängig machen zu können. Doch die Realität holte ihn ein.
Loyee war tot und nichts konnte er daran ändern.
Plötzlich
hörte er ein lautes Lachen. Er blickte auf und sah Ez'quil auf ihn
zustürmen. Nun war er schutzlos und angreifbar. Shayne drückte
Loyee fester an sich, schloss die Augen und bereitete sich auf das
Unvermeidliche vor. Wenn er starb, dann wollte er in Loyees Nähe
sein.
Mit
einem lauten Donnern schoss ein Blitz über die Landschaft, der den
Dämon traf und weit fort schleuderte. Der Xyonit flog aus seinen
Händen, während Ez'quil über den Boden schlitterte.
„Shayne!",
hörte der Wolf eine vertraute Stimme rufen. 

„Leila!
Ich bin hier", krächzte Shayne gebrochen und sah am Horizont die
Wölfin und den Bruder von Loyee.
„Was
ist denn hier passiert?!", rief Lance geschockt als er aus der
Ferne das Blut sah.
Shayne
senkte die Ohren und hielt Loyees Kopf fest. Wie würde Lance
reagieren, wenn er sah, dass sein Bruder tot war? 

Der
Fuchs kam auf sie zugerannt, während die Wölfin stehen blieb und
wohl etwas im Gras entdeckt hatte.
„Loyee!",
brüllte Lance und blieb vor Shayne stehen. Er ging in die Knie und
sah mit Tränen in den Augen auf den Fuchs.
„Es
tut mir leid", hauchte Shayne und eine Träne perlte von seiner
Nasenspitze ab. Sie fiel hinab auf Loyees Stirn. Im selben Moment
brach auch Lance in Tränen aus schrie seinen Verlust zum Himmel auf.
Ein Schmerzensschrei, der durchs Mark ging und Shayne wusste genau,
wie Lance sich fühlte. Auch er hatte jemanden verloren, der ihm
wichtig war. Der ihm sehr wichtig war. Ohne den er sich sein Leben
nicht mehr hätte vorstellen können.
Nachdem
der Schrei verhallt war und Lance langsam wieder zur Besinnung kam,
wollte er wissen: „Dieser Dämon hat das getan, nicht wahr? Er hat
meinen Bruder ermordet."
Shayne
nickte und griff neben sich. „Hier. Das ist von ihm. Ich möchte,
dass du es behältst", flüsterte er und drückte dem Fuchs die
Feuerklinge in die Pfote.
Bevor
Lance etwas erwidern konnte, rannte Leila zu den beiden und blickte
schockiert auf den Fuchs hinab. „Ist er...?"
„Ez'quil
hat ihn ermordet", sagte Shayne fest. Er gab den Fuchs in Lances
Hände und stand auf. 

„Tut
mir leid", flüsterte die Wölfin und legte ihre Hand auf Shaynes
Schulter. Leila erkannte den Schmerz in Shaynes Gesicht und spürte,
wie viel der Fuchs ihrem Mann bedeutet haben musste. Es traf sie wie
ein Schlag ins Gesicht, doch wusste sie, dass es nicht der richtige
Moment war, darüber zu sprechen. Leila schenkte Shayne ihren Trost
und fühlte mit ihm.
Shayne
zuckte mit den Ohren und hörte im Hintergrund, dass Ez'quil wieder
zu sich gekommen war. Der Blitz hatte ihn nur kurz betäubt und nun
würde er erneut angreifen. 

Leila
bemerkte dies ebenfalls und griff an Shaynes Hand. „Wir schaffen
das", flüsterte sie.
Shayne
sah sie an und bemerkte etwas in seiner Pfote. 

„Das
muss der Xyonit sein. Ez'quil hat ihn verloren als ihn angegriffen
habe."
Der
Wolf sah sich den Stein an und spürte die Energie, die sich durch
den Kristall zog. Es war ein mächtiger Gegenstand, das konnte er
spüren. Plötzlich strahlte ein blendendes Licht aus dem Stein und
ein Regenbogen zog sich über den Himmel.
Shayne
kniff die Augen zusammen, um nicht von dem Licht geblendet zu werden.
Noch einmal schossen ihm die Bilder der letzten Tage durch den Kopf.
Die schönen Momente, die er mit Loyee erlebt hatte. Auch wenn es nur
eine sehr kurze Zeit war, musste er sich eingestehen, sich sehr
verbunden zu dem Fuchs gefühlt zu haben. Eine Verbundenheit, die er
zuvor nicht gekannt hatte.
Das
Licht ließ nach und Shayne erkannte sechs Gestalten, die vor ihm
standen. Er riss die Augen weit auf und blickte durch die Reihe der
Wölfe. Shayne spürte, dass sie Wölfe wie er waren, doch
irgendetwas an ihnen war anders. Er konnte riechen, dass sie auch
Gestaltwandler waren, doch da war auch noch etwas anderes.
„Xornia
ist durch die Dämonen in großer Gefahr", sagte ein Wolf mit einem
hellblauem Pelz. 

Der
gelbe Wolf neben ihm nickte und verkündete: „Damals hat uns Xya
ein besseres Leben geschenkt und dafür möchten wir uns Erkenntlich
zeigen."
„Aber
wer seid ihr?", wollte Shayne wissen und konnte die Wölfe noch
immer nicht recht einschätzen. Sie waren allesamt in weiße Gewänder
gehüllt und hatten einen leuchtenden Pelz in je einer Farbe.
„Wir
sind nun die Wächter Xornias", verkündete die hellrote Wölfin.
„Wir
sind Federwölfe", erklärte der Wolf im orangenem Fell. „Wir
stammen aus der Welt Feather. Einer Welt, die für uns von der
ehemaligen Hütern Xya geschaffen wurde."
Shayne
erkannte, dass Ez'quil näher kam und sich zu einem Angriff bereit
machte. Er umklammerte den Xyonit mit einer Pfote und zitterte am
ganzen Körper.
„Schnell.
Wir müssen ihn in das Siegel sperren. Shayne, wir brauchen deine
Hilfe", drängte die olivfarbene Wölfin.
Shayne
wusste nicht recht, was er tun sollte, doch sein Instinkt sagte ihm,
dass er handeln musste. Er streckte seinen Arm aus und ließ das
Licht auf den Xyonit strahlen. 

Der
türkisfarbene Wolf nickte ihm zu und legte seine Hand auf den Stein.
Die anderen Wölfe taten es ihm gleich. 

Shayne
blickte zu Loyee hinab, der in Lances Armen lag und erneut wurde er
von Trauer erfüllt. Doch dann spürte er Leilas Hand auf seiner
Schulter und hörte die Worte: „Er hat dich geliebt. Lass ihn nicht
umsonst gestorben sein."
„Aber
Leila..."
Er
blickte in ihre tiefgrünen Augen und sah ihr Lächeln. Shayne
wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und erwiderte das Lächeln. 

„Das
Siegel des Xyonits wird ihn fortsperren!", sagte Shayne fest und
blickte auf den Dämon. Der Xyonit strahle in einem grellen Licht und
sowohl Shayne als auch die Wächter wurden von einem Schein umgeben.
Das Licht strahlte eine Wärme aus, die die Trauer für einen Moment
verdrängte. Ein Fluss aus reinem Licht schoss aus dem Kristall und
flog auf den Dämon zu. Ez'quil riss die Augen auf und krümmte sich.
Das Licht schien ihn zu verbrennen und man hörte seinen erstickten
Schrei. 

Shayne
kniff die Augen zusammen und versuchte mit aller Kraft den Fluss des
Lichts aufrecht zu erhalten, doch schließlich brach der Strahl ab
und der Xyonit fiel aus seinen Händen. Der Wolf brach zusammen und
Leila versuchte ihn zu halten.
„Er
hat es geschafft", verkündete einer der Wölfe.
„Ez'quil
ist im Siegel des Xyonits eingesperrt und Xornia ist gerettet."
Leila
hielt den bewusstlosen Wolf in ihren Armen und blickte über die
Lichtung zu den vielen Toten. Schließlich blieb sie bei Lance und
seinem toten Bruder stehen und kniff die Augen zusammen. Tränen
füllten ihre Augen und sie flüsterte: „Ja. Xornia ist gerettet,
aber zu welchem Preis?"

Source: https://sofurry.com/view/682379


