# Torrap und Sihproma 2 - Die Einöde

Author: Sturmfeder
Tags: Dragon, Fantasy, German Language, Raptor

#2 of Torrap und Sihproma

Copyright by Sturmfeder 2006  
  
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Teil 2 - Die Einöde  
  
  
Still verharrten sie beide nebeneinander am Fenster und spähten hinaus um den Untergang der  
Sonne abzuwarten. Torrap hatte seinen Freund geradezu gedrängt in dieser Nacht  
aufzubrechen um keine Zeit zu verlieren. Zeit die Sihproma eigentlich nichts bedeutete denn  
ihm schien die Aufgabe ihres Versteckes ein zu großes Risiko zu sein. Jedenfalls momentan.  
Zischend rieb er sich die Schnauze und wandte den Blick ab, als seine Augen im Zwielicht  
erneut ihre Schärfe verloren.  
Nach einer selbstgemachten Karte wollten sie sich richten. Viele Dinge eingezeichnet die  
sie nur aus Gesprächen und Gerüchten erfahren hatten. Gewiss, Torrap war sehr intelligent,  
verglich und studierte Tagelang darüber um alle Zweifel auszuräumen, doch ob ihm dies  
reichte? Er setzte sich neben ihre bescheidene Ausrüstung und blickte zu dem Anthroraptor  
hinauf. In gewisser Weise gab er stillschweigend zu dass er Angst hatte. Angst die Torrap  
nicht zu teilen schien, denn man sah ihm deutlich die Spannung und Vorfreude an hier  
wegzukommen. Wenigstens hielten seine Klauen so manchen Feind auf Abstand, nur war er  
im Gegensatz zu ihm völlig in Ordnung. Sihproma litt immer wieder unter kleineren  
Krämpfen und sein Sehproblem kam noch hinzu. All dies redete ihm fest ein dass er nicht für  
die Welt da draußen bereit war. Alleine schon gar nicht. Sein zischelndes Seufzen erweckte  
Aufmerksamkeit.  
  

&nbsp; »Ich kann genau sehen was du denkst, Sihproma«, warf sein Freund leise in den Raum und  
drehte den Kopf leicht um ein Auge auf den Anthrodrachen zu richten. »Ich wünschte du  
hättest etwas mehr Selbstvertrauen, so wie ich es in dich habe. Es wird kein Problem geben  
das wir nicht gemeinsam lösen können. Zusammen kann uns nichts passieren.« Seine  
aufrichtige Zuversicht heiterte die nachdenkliche Gestalt einwenig auf. Er hatte ja irgendwo  
recht. Bisher kamen sie gut aus mit dem was sie hatten und wie sie lebten, auch  
Schwierigkeiten hatten sie oft genug zusammen gemeistert. Der einzige Unterschied wäre das  
sie keine Behausung mehr hätten. Wirklich sicher waren sie selbst hier nicht wenn er sich das  
ehrlich eingestand. Sein Kopf legte sich leicht schräg und funkelte zu dem Anthroraptor  
hinüber.  
»Ich versuche etwas optimistisch zu sein, versprochen«, lächelte er und packte eine ihrer  
vollgestopften Taschen. Überwiegend hatten sie nur Verpflegung dabei. Etwas anderes  
besaßen sie nicht mehr. »Meine Augen sehen wieder problemlos, von mir aus können wir uns  
durch die Nacht schleichen Torrap.« Nickend deutete er auf die Türe und der Raptor  
schulterte sich den Rest der Ausrüstung.  
»Dann wollen wir los, je schneller wir die Stadt verlassen desto besser für uns. Außerdem  
werde ich trotzdem nach uns abschließen, wer weiß.« Sie öffneten leise die Türe und spähten  
hinaus. Ein kühler Luftzug strich durch den Spalt herein und lies sie kurz erschauern bis ihre  
Körper sich an den Unterschied gewöhnt hatten. Fest zogen sie die dunklen Umhänge um sich  
und verschwanden in die Schatten hinaus.  
Die Stadt würden sie ohne Probleme verlassen können, wohnten sie doch ohnehin schon in  
einem äußeren Bezirk und Torrap hatte die Route kurzerhand schlau geplant. Nicht weit von  
ihrer Wohnung verließen sie die Oberfläche und kletterten in ein stillgelegtes  
Abwassersystem hinab, welches sie bis an die Stadtgrenze führen würde. Hier lies Torrap  
klugerweise Sihproma vorausgehen. Als Drache verfügten seine Augen über die bessere  
Sehfähigkeit im dunklen, denn eine Lichtquelle hatte keiner dabei.  
  

&nbsp; Einige Stunden verstrichen in denen die Beiden still hintereinander gingen bis sie das Ende  
erreichten und wie erwartet an der Stadtgrenze herauskamen. Neugierig blickten sie in das  
offene Land hinaus. Von hier aus gab es nichts mehr dass sie jemals mit eigenen Augen  
gesehen hätten.  
»Es ist soweit Sihproma. Von hier aus wird uns die Karte leiten. In ein paar Tagen schon  
sind wir in einer freundlicheren Gegend, weit weg von allen großen Städten und deren  
Gefahren.« Eine dunkle Drachenpfote legte sich in einer anvertrauenden Geste auf die  
Schulter des Raptors. Keiner wollte zurücksehen denn es gab nichts zu vermissen hier. Rasch  
folgten sie einem kleinen Pfad etwas weg von einer verfallenen und aufgebrochenen Straße.  
Die Nacht schützte sie hier noch einwenig und sie mussten das ausnutzen so gut es ging.  
»Nach Westen, zu den Bergen mein Freund.« Ihre Krallen und Pfoten hinterließen jene  
typischen Abdrücke die recht leicht auf ihre Art schließen ließen, aber da Drachen und  
Raptoren Jäger waren würden nicht viele versuchen sie zu treffen.  
  

&nbsp; Bei Tagesanbruch rasteten sie ein einem kleinen Felsversteck welches gerade groß genug war  
um sich hinein zu zwängen. Sihproma beschloss diese für ihn ohnehin nicht nutzbare Zeit des  
Tages etwas zu schlafen während Torrap begann sich intensiver mit Karte und Kompass zu  
beschäftigen. Er lehnte ich an den warmen Rücken seines Freundes und warf aus der engen  
ffnung ihres Versteckes einen Blick über das heller werdende Land. Weit und breit war es  
eine teils felsige und sandige Einöde. Nur sehr wenig Bäume und Sträucher zierten die  
Landschaft und diese sahen nicht wesentlich gesund aus. Der Himmel hatte immer einen  
steten Grauschleier aber nichtsdestotrotz fühlten sie deutlich wie die Temperaturen auf ein  
durchaus angenehmes Maß anzusteigen begannen.  
Zufrieden schätzte Torrap die Entfernung. Seinen Informationen würden sie in wenigen  
Tagen eine kleine Oaseerreichen, ein Tal welches gut geschützt Wasser und Unterschlupf bot.  
Das war ihr erstes Ziel, aber zugleich auch ein sehr gefährliches denn alle Wesen der  
Umgebung würden sich dort versammeln. Nachdenklich sah er seinen Begleiter an und wurde  
sogleich wieder von dem Farbenspiel seiner Schuppen fasziniert. Das Rot hatte an Intensität  
noch zugenommen und harmonierte wundervoll mit dem jetzt eher tiefen Schwarz der glatten  
Schuppen dazwischen.  
»Bist du wach?« fragte er leise und musterte etwas überrascht die kleinen Erhebungen auf  
der Rückseite seiner Schultern die ihm vorher nicht aufgefallen waren. Sihproma funkelte ihn  
an.  
»Natürlich, in dieser kurzen Zeit döse ich eher als schlafen. Das wage ich hier nicht  
wirklich. Gehen wir also weiter wenn du die Richtung bestimmt hast?« Torrap hielt ihm die  
Karte vor die Nase und bewegte sie dann wieder etwas zur Seite damit er sie auch genau  
erkennen konnte. Seine Kralle fuhr langsam die geplante Strecke ab. Es sah wirklich nicht  
sehr weit aus wenn sie sich darauf verlassen konnte. »Dann los, essen wir unterwegs, das  
spart etwa Zeit«, schlug Sihproma vor und streckte sich so gut es ging. Seltsamerweise fühlte  
er sich verspannter an als er dachte.  
  

&nbsp; Die Sonne nahm an Kraft zu. Viel stärker als sie es zuerst angenommen hatten denn in der  
Stadt waren sie während des Tages meist nicht außerhalb ihrer sicheren Unterkunft gewesen.  
Etwas betroffen trafen sie immer wieder auf die vertrockneten Überreste von Tieren oder  
Anthrowesen wie sie, die hoffentlich eines natürlich Todes gestorben waren. Das hofften sie  
zumindest. Immerhin schien die Temperatur einen von ihnen nicht wesentlich zu stören.  
Sihproma schien immer gutgelaunter zu werden, je heißer seine Schuppen wurden. Am  
liebsten hätte er sich auf einen Stein in der Nähe gelegt und den Rest des Tages nur dagelegen  
und die Sonne genossen. Torrap warf ihm diesbezüglich auch einen warnenden Blick zu, nicht  
auf derartige Ideen kommen zu wollen. Ihm selbst gefiel die Wetterlage nicht sonderlich gut.  
Er konnte zwar gerade noch damit leben aber wäre über einen weniger heißen Tag nicht  
unglücklich.  
Wenigstens stand ihr Ziel fest vor Augen und die Zeit bis dahin konnte man leicht an den  
Krallen abzählen. Ungeplante Pausen durften sie trotzdem nicht einlegen denn ihre Vorräte  
würden durch derart unnötige Aktionen möglicherweise nicht ausreichen.  
In der größten Mittagshitze flüchteten sie schließlich doch in den schützenden Schatten  
eines rauen Felsens und ruhten sich etwas aus. Der Sand unter ihren Pfoten war angenehm zu  
spüren und das Gefühl von Freiheit motivierte ihre Gedanken.  
»Wir kommen sehr gut voran«, freute sich Torrap und warf seinem Freund etwas zu Essen  
zu der es geschickt mit einer Pfote auffing. »Nur sollten wir es nicht übertreiben und ich  
glaube es ist vernünftig wenn wir hier einwenig bleiben. Auch wenn dir die Hitze ja nichts  
auszumachen scheint, Drache.« Er grinste den Anthro freundlich an und freute sich das es ihm  
scheinbar einmal wirklich gut ging.  
»Ich mag die Wärme sehr«, zischte er und wollte noch etwas sagen, konnte die Worte aber  
nicht mehr formen und begann stattdessen zu essen. Torrap legte den Kopf fragend schief,  
ging darauf aber nicht näher ein.  
»Obwohl wir es nicht eilig haben würde ich heute gerne an der kleinen Hügelkette dort  
ankommen.« Seine Kralle reckte sich zum Horizont wo man die Erhebung gut ausmachen  
konnte. »Ich campe nicht gerne in freiem Gelände.« In stiller Übereinkunft döste jeder  
einwenig während der andere die Umgebung im Auge behielt. Sihproma reinigte seine  
Schuppen vom Sand um sich die Zeit zu vertreiben und begann zu ahnen wie lästig dies auf  
Dauer sein würde. Zwar waren Sandkörner unglaublich klein aber einmal zwischen seinen  
Schuppen gefangen scheuerte es ständig irgendwo.  
Zischend streckte er sein Bein aus und fuhr dann leicht schmerzhaft zusammen. Ächzend  
drückte er die Pfote auf sein Fußgelenk und rieb fest über jene Stelle, die sich einen Moment  
lang angefühlt hatte als ob jemand einen Nagel hineingestochen hätte. Verwundert bewegte er  
seine Zehenkrallen etwas und versuchte aufzustehen. Leicht hinkend machte er ein paar  
Schritte und zischte fragend auf als sein Bein ihm eine leicht andere Haltung aufzwang. Nicht  
sonderlich schlimm aber doch sehr überraschend für ihn und auf Dauer bestimmt nicht  
angenehm zu gehen.  
Torrap gähnte und sah zu ihm auf. »Ist es schon soweit? Ich stehe gleich auf.« Erleichtert  
drehte sich der Raptor noch einmal herum und Sihproma konnte sich rasch hinsetzen und  
machte eine Lockerungsübung, die ihm jedoch nur mäßig etwas brachte. Immerhin bot sich  
jetzt die Gelegenheit seine Sachen zu packen um nicht gleich dabei aufzufallen. Torrap sollte  
sich nicht schon wieder Sorgen um ihn machen müssen.  
  

&nbsp; Mit dem Kompass in der Pfote tappte Torrap sicher voraus. Sein Schwanz bewegte sich leicht  
pendelnd ein gutes Stück über dem Boden hin und her. Ganz anders als Sihpromas der  
aufgrund seiner Länge immer wieder etwas über den Sand streifte. Der Raptor bewies sich  
eindeutig als der bessere Läufer wie sich rasch heraus gestellt hatte. Daher übernahm er  
freiwillig die Spitze, ging aber nur wenige Meter voraus. Der Vorteil für den Drachen war  
dabei, dass sein Freund nicht erkennen konnte wenn er schmerzen beim gehen hatte. Tief in  
Gedanken versunken um Schritt zu halten prallte er fast auf seinen Freund der abrupt vor ihm  
stehen geblieben war. »Was ist los?« zischte er und folgte den Augen Torraps die sich starr  
auf den Boden gerichtet hatten.  
»Sie nur.« Eine deutliche und recht frische Spur kreuzte ihren Weg und verlief ebenfalls in  
Richtung der Hügelkette. Die Abdrücke waren nicht sonderlich tief, kamen ihnen aber auch  
nicht bekannt vor. Nachdenklich knieten sie sich davor hin und überlegten etwas. »Was  
meinst du? Das sagt mir nichts außer die Richtung.« Seine Augen fixierten einen Punkt an  
den Hügeln und er suchte nach einer Bewegung.  
»Ich kann nichts erkennen. Es scheint alles ruhig. Gehen wir ... trotzdem weiter?« fragte er  
vorsichtig. Die Frage war eigentlich überflüssig denn wollten sie nicht auf freiem Feld  
campieren gab es keine andere Wahl.  
»Nun, falls wir auf denjenigen stoßen ist ja nicht gesagt das er uns feindlich gesinnt wäre.  
Ich würde sagen wir gehen weiter, passen aber eben etwas mehr auf. Jetzt wissen wir ja das  
wir nicht mehr alleine sind.« Er schulterte seine Tasche wieder und richtete sich auf um  
weiter zu gehen als ihm ein schmerzhaftes aufzischen herumfahren ließ. Sihproma kniete im  
Sand und rieb sich mit zusammen gebissenen Zähnen ein Fußgelenk. Rasch warf Torrap seine  
Tasche zur Seite und nahm das Bein seines Freundes in die Pfoten. »Hast du dich verletzt?«  
fragte er erschrocken und suchte hektisch nach einer Verletzung.  
»Es ist nichts«, zischte er plötzlich wütend und stieß Torrap von sich. »Wahrscheinlich ist  
es die ungewohnte Anstrengung, mehr nicht.« Mühsam richtete er sich auf um zu  
demonstrieren das alles in Ordnung war. Der Anthroraptor musterte ihn zweifelnd.  
»Bei unserer Freundschaft, sag mir wenn etwas nicht stimmt. Das meine ich ernst. Mir liegt  
zuviel an dir um mich nicht zu sorgen.« Er richtete sich wieder auf und klopfte den Sand von  
seiner Haut. Seine Augen funkelten erwartungsvoll während Sihproma prüfend seine Beine  
streckte.  
»Es ist ... es hat schon seit heute morgen angefangen. Ein leichtes stechen im Gelenk, sonst  
nichts. Bestimmt überanstrengt oder ich bin versehentlich unglücklich aufgetreten«, meinte er  
leise und machte ein paar Schritte. »Siehst du, es geht schon wieder. Kein Grund zur Sorge.«  
Kommentarlos schnappte sich Torrap beide Taschen und schulterte sie.  
»Was es auch immer ist, ich trage deine Tasche bis wir dort sind und du passt auf dich auf.  
Heute Nacht kannst du dich etwas ausruhen und morgen sehen wir weiter.« Er deutete auf die  
Silhouette der Hügel. »Geh voraus Sihproma, ich will gleich sehen falls etwas passiert.«  
Unglücklich und zähneknirschend ging er an seinem abwartenden Freund vorbei und bemühte  
sich so gut es ging normal zu gehen, doch den jetzt wachsamen Augen des Raptors entging  
nicht der kleinste Fehltritt.  
  

&nbsp; »Ich habe gehört es gibt einen Anthrodrachen im Westen«, begann Torrap nachdenklich. »Er  
soll den Gerüchten zufolge einer der ersten gewesen sein die sich verwandelt hatten.  
Vielleicht kann er uns Auskunft geben warum es dir anders als den anderen ergeht.« Sofort  
zog er die griffbereite Karte aus einer Tasche und hantierte etwas damit umher bis er sie lesen  
konnte ohne ein Gepäckstück zu verlieren.  
»Ist das mit ein Grund warum du so erpicht darauf bist nach Westen zu gehen oder purer  
Zufall?« Sihproma blickte forschend über die Schulter. Torrap gab ihm keine Antwort  
sondern tat so als ob er die Frage überhört hatte und blickte weiter auf die Karte.  
»Ja, dort ist eine große Gebirgskette. Er muss dort irgendwo leben, wir könnten fragen ob  
ihn jemand kennt.« Ärgerlich blieb Sihproma stehen und drehte sich herum, seine Pfote  
krallte Torrap etwas fester als gewollt in die Schulter. Überrascht erkannte dieser etwas  
fremdes in den Augen seines Freundes, keine Spur seiner sonstigen Unsicherheit .  
»Sag mir schon, was ist der Grund für diese Richtung? Gäbe es nicht auch woanders ein  
näheres Ziel für uns?« Mit einem leisen knurren drehte der Raptor die spitzen Krallen aus  
seiner Schulter. War es ein Fehler von ihm an seinen einzigen Freund zu denken? Natürlich  
gab es andere Ziele aber gerade dort gab es eben einen der ältesten Anthrodrachen. Was lag  
also näher als ein neues Leben zu finden und dabei vielleicht dem Drachen zu helfen etwas  
über sich selbst zu erfahren?  
»Ja, das ist mit ein Grund. Ein sehr wichtiger Grund. Für mich, weil du mein Freund bist  
und ich nicht will dass dir vielleicht etwas schlimmes geschieht. Für dich, weil du dort ebenso  
frei leben könntest aber auch deinesgleichen hast, der dir mit Rat zur Seite stehen kann.  
Raptoren gibt es viele übertrieben gesagt aber Drachen? Würdest du dich nicht freuen  
zumindest in der Umgebung jemanden wie dich zu haben?« Sie schwiegen sich eine Weile an  
bis Sihproma schließlich verzeihend zischte und beschämt den Kopf senkte.  
»Es ist schon in Ordnung. Ich verstehe dich ja irgendwo. Lass uns aber jetzt nicht weiter  
anhalten. Wir sollten die Hügelkette erreichen und ein Versteck finden. Das Wetter riecht  
nicht sonderlich aufbauend.« Lächelnd legte er seine Pfote Sihproma an die Brust und deutete  
ihm an weiter zu gehen.  
  

&nbsp; Sie näherten sich den Hügeln weiter und konnten bald mehr und mehr Details ausmachen.  
Zumindest für die Nacht war der Platz gut geeignet und selbst die fremden Spuren verloren  
sich im Sand und schlugen eine andere Richtung ein. Ihre Sorge lies für einen Moment etwas  
nach doch sie wurden schnell eines besseren belehrt.  
Wind kam auf und begann den Sand über das Land zu treiben. Leise fluchend befürchteten  
sie dass es schlimmer kommen würde und beeilten sich etwas mehr. Still nahm Torrap zur  
Kenntnis das Sihproma dadurch merklich geschwächt wurde und sich langsam aber sicher  
mehr schleppte als ging. Sie hatten aber keine andere Wahl und er konnte nichts tun um  
seinem Freund zu helfen.  
Als sie endlich den ersten Ausläufer erreichten, konnte er kaum noch gehen und hechelte  
erschöpft. »Mach jetzt nicht schlapp, siehst du das? Dort ist etwas. Ein kleiner Überhang oder  
so. Da können wir bis morgen bleiben.« Sein Arm deutete auf eine höher gelegene Stelle die  
tatsächlich vielversprechend aussah. Müde blinzelte der Drache hinauf und zischte leise vor  
sich hin. Seine Beine schmerzten und seine Schultern drückten irgendwie. Seine Sinne  
schwammen einwenig aber sein Geruchsinn hatte in den letzten Stunden unglaublich  
zugenommen. Leider sagte ihm seine Nase deutlich etwas über das schlechter werdende  
Wetter aus. Sie brauchten rasch Schutz. Fragend sah Torrap ihn an und hielt ihm seine Pfote  
anbietend hin doch er schüttelte den Kopf und antwortete erneut in einem Zischton, den der  
Raptor nicht verstehen konnte. Seufzend tappte er dann einfach in die angegebene Richtung  
weiter um zu zeigen das es für ihn machbar war. Trotzdem hielt sich sein Freund dicht bei  
ihm um ihn notfalls stützen zu können.  
»Wir haben es geschafft, endlich«, freuten sie sich und ließen sich nebeneinander auf den  
Boden fallen. Der Sand vor Sihpromas Nüstern stieb auseinander als er erschöpft nach Luft  
schnappte und die Beine entlastend an seinen Körper zog. Seine Augen funkelten unglaublich  
hell, so als ob ein inneres Feuer in ihnen brannte und Torrap fragte sich insgeheim wie das  
möglich war. Ihm blieb nun nichts anderes mehr übrig als ein kleines Lager aufzubauen und  
zu warten. Sie drängten sich an die Rückwand des kleinen Überhanges und sahen dem  
windigen Treiben zu welches tatsächlich schlimmer wurde.  
Sihproma begann es wenigstens etwas später wieder besser zu gehen und der Drache rollte  
sich etwas ein, ein Auge wachsam offen und zum düsteren Himmel blickend. Torrap lehnte  
sich an seinen Freund und legte eine Pfote auf seine Seite. Unbewusst und in Gedanken  
versunken spielten seine Krallen mit einer kleinen Schuppe dort. Dabei fiel seine  
Aufmerksamkeit wieder auf den Rücken und die beiden Stellen, an denen die Schuppen  
inzwischen fast völlig verschwunden waren und sich stattdessen lederartige Haut wölbte. Mit  
einem mal erkannte er was mit ihm los war. Seine Verwandlung war eben noch nicht  
abgeschlossen! Etwas geschah noch mit ihm und er musste sich halb eingestehen das er Angst  
hatte was es sein könnte.  
»Ich passe auf, schlaf etwas ... Drache«, flüsterte er ihm in sein Ohr und wartete bis der  
helle Punkt seines Auges sich ebenfalls schloss. Dann zog er eine Decke heraus und legte sie  
über ihn. Was sollte er tun wenn dies tatsächlich geschah? Würden sie dann hier festsitzen?  
Konnte er morgen überhaupt noch gehen? Er schauerte leicht und kauerte sich etwas  
bequemer neben seinem Freund nieder. Die als verwaschener Punkt erkennbare Sonne begann  
ganz langsam zu versinken und er sah ihrem Untergang wie so oft zuvor alleine zu. Was sagt  
Sihproma immer? Die für ihn uninteressanteste Zeit des Tages, spielte er damit auf seinen  
Sehverlust während des Zwielichtes an und zog sich dann ebenfalls unter die Decke zurück.  
Was auch geschah. Sie konnten bisher trotzdem zufrieden sein.  
  

&nbsp; Von etwas weiter oben, aus einem kaum einsehbaren Platz, wurden die beiden währenddessen  
äußerst misstrauisch beobachtet. Ein leises fauchen erklang, aber der Wind trug es nicht hinab  
zu ihnen.  
  
  
Ende Teil 2 - Die Einöde

Source: https://sofurry.com/s/rn6brbEn
Part of the series Torrap und Sihproma
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