Achievement unlocked - 1 - Die Schatten holten mich ein
Damit diejenigen, für die diese Geschichte als Geschenk gedacht ist, fürs erste Ruhe geben, habe ich mich dazu entschlossen, zumindest die ersten Zeilen zu veröffentlichen. Den Plot nach vorne bringen tun sie nicht und es geht fürs erste eigentlich nur darum, die Obsession eines Freundes zu Papier zu bringen.
Im diesem Sinne... Ein großes Sorry an die RL Versionen von Anna und Andre, dass es so lange dauert und ein großes Danke für euer Verständnis.
P.S. Gaming forever!!
I'm a dumb move guy.
"Hey Max, we'll drive onto the runway."
"No thanks. I'll walk into the main entrance."
I'd put a big shit-eating grin on my face and let these assholes take turns trying to kill me. That's my style and it's too late in the day to hope for change.
Unter normalen Umständen hätte Andre den Monolog mit seiner eigenen Stimme begleitet, um das anstehende Finale noch mehr zu zelebrieren, doch diesmal war es anders. Angespannt saß der Fuchs nur einen halben Meter von dem Fernseher entfernt und starrte auf Max Payne, den Protagonisten des gleichnamigen Spiels, der sich gerade schleichend in einer Zwischensequenz den Weg durch eine übermächtige Soldatengruppe bahnte. Selbst das nervöse Zucken seiner Rute, welches ihn sonst in solchen Situationen in den Wahnsinn trieb, wurde von ihm nicht mehr wahrgenommen.
...but then I wanted this. Was it redemption? Not really, it was pathetic desperation and not much else.
"Sicher", ging es ihm durch den Kopf, als er sich den Schweiß von den Pfoten und dem X-Box Controller wusch. "Das hier ist erbärmliche Verzweiflung."
Ehe sich der Gedanke auf eine unvermeidliche Art in ihm ausbreiten konnte, wurde die Zimmertür aufgerissen und ein junger Husky kam schnaufend hinein. Überrascht blickte er den Fuchs an, als hätte er seinen Zimmergenossen gerade beim Onanieren erwischt. Allerdings wich die Überraschung schnell einem feixen Grinsen auf seiner Schnauze.
"Verdammt! Schon wieder?"
Andre wusste wie er die Belustigung seines Freundes zu nehmen hatte. Er konnte sogar ganz gut nachvollziehen, dass sein Verhalten auf andere durchaus amüsierend wirkte und es wäre eine Lüge zu behaupten, dass er sich noch nie gefragt hatte, ob er sich das wirklich weiterhin antun sollte. Doch in diesem Moment war er weit weg von diesem Punkt und im Hier und Jetzt war er nicht dazu bereit, seine Konzentration zu verlieren. So warf er dem Husky, der gerade von seinen Runden über den Sportplatz zurück kam, nur einen kurzen Blick zu und erklärte ihm knapp seine Situation.
„Ich bin gerade am Hangar, Marc.“
Das Klischee hätte sicher gewollt, dass sein Zimmergenosse nun in eine Triade von Erklärungen und Vorschlägen ausbrach, deren Grundaussage im großen und ganzen _"Da draußen gibt es auch noch ein richtiges Leben" _war, doch Marc verstand nur zu gut. So schloss er mit einem leisen „Oh“ die Tür hinter sich und stellte sich in einem respektvollen Abstand hinter seinen Freund, um ihn nicht zu stören, aber trotzdem noch freie Sicht auf dem Bildschirm zu haben.
The mission was screaming suicide but I didn't give a damn, at least I'd die...
"…being a pain in the ass“ Trotz der Anspannung konnte Andre es nicht verhindern, die letzten Worte zu begleiten. In diesem Moment sah er es als sein Manifest, welches seine Vernarrtheit in dieses Spiel am besten Verkünden konnte. Seinem Zimmergenossen entlockte es allerdings nur ein kurzes Kichern, welches Andre mit störrischer Ruhe ignorierte, da sich die Sequenz gerade ihrem Ende entgegen bewegte. Max erreichte den besagten Hangar und dem Spieler wurde die Situation präsentiert, in der er sich in wenigen Augenblicken befinden sollte. Alleine gegen eine Überzahl von schwer bewaffneten Feinden, einzig getrennt durch einen Gepäckwagen, welcher Max als Deckung diente. Es war das letzte große Gefecht und auch wenn das Spiel viele Stellen für ein plötzliches Ableben bereithielt, war die Chance, hier zu sterben, am höchsten. Ein letztes Mal atmete er tief durch, ehe die Hölle ausbrach und die ersten Kugeln flogen.
Andre hatte sich nie für einen professionellen Spieler gehalten. Natürlich suchte er die Herausforderung, doch der Spaß an der Sache stand für ihn immer an erster Stelle. Momente der vollen Konzentration in der er vollends in einem Spiel aufging und jeglichen Kontakt zur Außenwelt verlor, gab es so gut wie nie. Doch der Augenblick, als er die Kontrolle über Max erhielt, war ein solcher. Sein Instinkt nahm das Ruder in die Hand und alles um ihn herum verschwand in der Bedeutungslosigkeit. Sein Freund, der ihm über die Schulter schaute. Der Schweiß an seinen Pfoten. Die Gewissheit, dass ein erneuter Fehlschlag die letzten 4 Stunden in verschwendete Zeit verwandeln würden. Selbst die Gründe warum er sich das antat. All dies wurde in diesem Moment von dem Geschehen auf dem Bildschirm verdrängt und er wurde zum Zuschauer seines eigenen Handelns degradiert. Er sah, wie Max sich aus seiner Deckung rollte und das aufgenommene Gewehr zu Boden fallen ließ, um die beiden automatischen 9 Millimeter Pistolen zu ziehen. Ihre erhöhte Feuerrate und Zielgenauigkeit, machten sie zu dem perfekten Werkzeug dieser Aufgabe. Gegner um Gegner ging zu Boden, als er Ihre Magazine leerschoss. Mit einer weiteren Rolle warf sich Max hinter den Gepäckwagen um nachzuladen, doch die Pause war nur von kurzer Dauer, denn sofort erhob er sich wieder aus seiner Deckung und hüllte den Hangar in ein Geflecht aus Kugeln, die mit tödlicher Präzession ihre Ziele fanden. Doch trotz seiner Dominanz, war Max nicht davon gefeit, ebenfalls ein paar Treffer einzustecken. Allerdings waren die erlittenen Verletzungen nur von geringer Bedeutung. So kam es, dass nach einem kurzen, aber harten Gefecht, an dessen genauen Ablauf sich Andre später nie im Detail erinnern würde, die erste sehnlichst erhoffte Sequenz eintrat. In Nahaufnahme wand sich der letzte Soldat im Kugelhagel, der seinen Körper regelrecht durchlöcherte. Unzählige Blutfontänen traten aus seinem Rücken und mit einem letzten lauten Röcheln ging er zu Boden. Es war die makabre Art des Spiels mitzuteilen, dass alle Gegner besiegt wurden.
Andre hörte nicht, wie der Husky hinter ihm laut ausatmete. Kaum hatte die Sequenz ihren Anfang genommen, musste Andre dem Drang widerstehen aufzuspringen und den Sieg vor Augen lauthals hinauszubrüllen. Er wusste, dass es noch nicht gänzlich vorbei war und auch wenn es ihn einiges an Überwindung kostete, blieb er konzentriert, als eine weitere Sequenz ablief, die darin endete, dass er in Zeitlupe eine Granate abschießen musste, um so seinen Gegner in Stücke zu reißen. Obwohl keine große Herausforderung, wollte er nicht daran denken, was passieren würde, wenn seine mögliche Unvorsichtigkeit ihm in diesem Moment doch noch scheitern ließ. Mit Genugtuung beobachtete er kurz darauf den verstümmelten Antagonisten des Spiels, wie er versuchte vor Max in Sicherheit zu kriechen. Der von der Explosion abgerissene Arm und von Verbrennungen übersäte Körper ließen allerdings wenig Hoffnung auf Erfolg. Die Sinnlosigkeit dieses Unterfangen begleitete Max mit einem Monolog, der in diesem Moment für Andre mehr als passend war.
So I guess I'd become what they wanted me to be, a killer. Some rent-a-clown with a gun who puts holes in other bad guys. Well that's what they had paid for, so in the end that's what they got.
Dem Spieler wurde in diesem Moment die Möglichkeit gegeben, den sterbenden mit einer Kugel von seinem Leid zu erlösen, auch wenn es sicher die Absicht hatte, die ruchlose Brutalität von Max in den Vordergrund zu stellen. Doch auch dies war in diesem Moment unwichtig. Kaum bot sich ihm die Möglichkeit, ließ er Max den Abzug drücken, damit er seinem Feind eine Kugel in den Kopf jagte.
„Eiskalt abgeknallt“, kicherte Marc. „Wie viel Frust wohl in dieser Kugel steckte?“
„So ziemlich hundert Prozent.“, erwiderte Andre trocken, ohne den Blick vom Bildschirm zu nehmen.
Unweigerlich musste er an die vergangenen Durchgänge denken, die ihr vorzeitiges Ende im plötzlichen, und häufig grässlichen, Ableben von Max fanden. Unter normalen Umständen hätte man das Spiel einfach am letzten Speicherpunkt wieder aufgenommen, doch wenn man, wie er, im *New York Minute Hardcore * Modus ** ** spielte, in dem jedes Ableben unweigerlich zum Ende des Spiels führte, wäre es eine Untertreibung, wenn man behauptete, dass es nur etwas frustrieren würde.
Doch auch diesen Gedanken schob Andre beiseite, als das Spiel ihm die letzte Aufgabe stellte. Bewaffnet mit einem Granatwerfer schaute Max durch das Dachfenster eines Autos und verfolgte einen startenden Düsenjet. Einige feindliche Fahrzeuge versuchten ihn aufzuhalten, doch sie endeten alle in einer Explosion und wurden als rauchende Wracks zurückgelassen. Als das Flugzeug endlich in Reichweite kam, musste Andre nur noch ein Triebwerk zerstören um das Spiel zu beenden, doch in diesem Moment schienen ihm plötzlich seine Nerven einzuholen und die ersten Schüsse verfehlten ihr Ziel. Etwas, was ihm noch nie zuvor passiert war.
„Andre?“, fragte der Husky mahnend und Andre spürte, wie ihn die Panik zu übermannen drohte, als das Flugzeug zum Abheben ansetzte.
Doch dies ließ seinen Ausbruch nur noch heftiger werden, als das Ziel in einer Explosion aufging und das zerstörte Flugzeug in einer Sequenz über den Runway schlitterte.
"SCHEIßE JA MANN!!“
Mit einem Schrei, den man sicherlich im gesamten Wohnheim hören konnte, sprang er auf. Mit einem Schlag fiel die ganze Anspannung von ihm ab und eine Welle der Erleichterung übermannte ihn. Vierzehn Anläufe waren notwendig gewesen, um das Spiel an einem Stück durchzuspielen. Für einen kurzen Moment flammte in ihm das Verlangen auf, den Controller wie einen Football nach einem Touchdown auf den Boden zu schleudern, doch sein Instinkt ergriff wieder die Oberhand. Stattdessen drehte er sich um und blickte Marc an. Mit einem dicken Grinsen auf der Schnauze streckte der Husky ihm die Pfote entgegen, in die er sofort einschlug.
„Glückwunsch, Alter.“
"Danke Mann.“
Andre atmete einmal tief durch und wandte sich wieder dem Fernseher zu, der ihm das Ergebnis seiner Leistung präsentierte.
[center]Eine Minute in New York (Hardcore)
117:23.00
Glückwunsch[/center]
„Gottseidank ist das jetzt endlich vorbei“, seufzte Marc.
Sein Freund war bei mehr als einem von Andres Fehlschlägen anwesend gewesen und musste dann mit seiner schlechten Laune fertig werden, wenn er ihn nicht irgendwie loswerden konnte.
„Tut mir leid, wenn ich dir auf den Sack ging“, erwiderte Andre. „Allerdings ist mir deine Schadenfreude nicht entgangen, wenn es in die Hose ging.“
„Hey, irgendetwas Gutes muss ich ja daraus ziehen“, verteidigte sich Marc. „Immerhin bist du der Bekloppte, der so eine Nummer wegen einem lächerlichen Erfolg abzieht.“
„Du darfst die 10 Gamescore Punkte nicht vergessen.“ Mit diesen Worten zog Andre sein Handy aus seiner Hosentasche, um den Bildschirm zu fotografieren. „Außerdem ignoriere ich deine Beleidigung jetzt einfach mal. Mag sein, dass ich in deinen Augen einen an der Klatsche habe aber das ist nun mal mein Style!“
„Und dein Style wird dich sicher noch weit nach vorne bringen", witzelte der Husky erneut. „Aber hey. Es ist noch alles im grünen Bereich.“
„Da bin ich jetzt aber erleichtert.“ Der Blick des Fuchses wanderte auf sein Handy und er fing an darauf herum zu tippen. „Und immerhin hat mir mein Style zumindest schon eine gratis Pizza eingebracht.“
„Euer Date steht also noch?“
Andres Blick hob sich und er hoffte, dass die Art wie er den Husky anschaute, zeigen würde, dass er sich mit nur einem Schritt geradewegs in sehr ungemütliches Territorium begab.
„Es ist kein Date.“
Zu seiner Erleichterung deutete er es auf die richtige Weiße, obwohl ihm anzusehen war, dass ihm eine entsprechende Antwort bereits auf der Zunge lag.
„Sehr gut. Also genug Ruhe zum Arbeiten.“ Der Husky wandte sich seiner Kommode zu und fing an, einige Waschutensilien heraus zu kramen. „Ich geh jetzt erst mal duschen. Ich hätte aber noch ein paar Animationen fertig. Kannst du sie dir noch anschauen, bevor du die Biege machst?“
„Klar.“
In diesem Moment gab das Handy in Andres Pfoten das Geräusch einer eingehenden WhatsApp Nachricht von sich. Der Kommentar seines Freundes hatte es geschafft, dass seine Stimmung einen leichten Dämpfer erlitt doch die Nachricht ließ ihn das sofort wieder vergessen.
„DU VERDAMMTER BASTARD ;)“