Abschied
Eines Wolfes letzte Worte
Mein Blick richtet sich zum letzten mal zur untergehenden Sonne. Ein letztes mal lasse ich mich von diesem Anblick verführen und befreie mich von all meinen Sorgen. Der angenehm kühle Wind weht wie ein Begleiter durch mein graues Fell. Je tiefer die Sonne sinkt, umso näher kommt mein Ende, doch ich fürchte mich nicht. Meine letzten Minuten will ich nicht in Angst verweilen, ich will sie in vollen Zügen genießen.
Zwei Schwalben die am Abendhimmel in einem Tanz ihre Anmut zeigen, lassen mich erneut Glück und Freude verspüren. Selbst im letzten Moment meines Lebens kann ich nicht trauern. Zu schön war mein leben, auch wenn es oft gepflastert war mit Schmerzen die mich zu Boden drückten. Es war nicht immer einfach, doch... was wäre ein Leben ohne Herausforderung. Das Gras unter meinen Pfoten scheint zu leben und einen eigenen Puls zu haben. Ich kann es fühlen, wenn auch nicht sehr stark. Die meisten machen sich nur darüber Gedanken was sie tun können um ihrem Tod zu entgehen, aber warum? Man sollte keine Angst davor haben, jedoch ihn auch nicht herbei sehnen. Man muss es so sehen, alles was einmal beginnt, endet auch und so ist es mit allem auf dieser und auch jeder anderen Welt. Für manche ist der Tod eine Qual, für die anderen eine Erlösung. Manchmal frage ich mich für wen der Tod wohl schlimmer ist... für den der stirbt... oder für die, die er zurück lässt. Die letzten Sonnenstrahlen an diesem Abend glitzern wundervoll an der Oberfläche des Meeres und bieten mir ein Farbenspiel das mir deutlich macht wie unbedeutend wir doch sind. Ob ich es überhaupt wert bin diesen Anblick genießen zu dürfen? Blütenblätter, die vom Wind hinfort getragen werden, wehen an meinem Körper entlang. Ein rosa farbenes Lilienblatt verfängt sich in meinem sonst so trist grauen Fell. Ich befreie es und schaue zu wie es wieder mit den anderen im Wind tanzt. All das was ich an diesem letzten Abend bemerke scheint so unbekannt, als wäre es das erste mal das sich ein solches Schauspiel vollzieht. Erst jetzt wird mir klar das wir in unserem Leben viel zu wenig auf die schönen Dinge achten und uns von Geld und Zeit viel zu beeinflussen lassen. Die Luft riecht nach Wald und die befreiende Stille macht deutlich das es endet, hier und jetzt. Ich bin dankbar aus tiefster Seele. Dankbar dafür gelebt zu haben, dankbar für all diejenigen mit denen ich mein Leben teilen durfte, dankbar für diesen letzten Augenblick in meinem Leben der mir gezeigt hat welch Schönheit sich auf dieser Erde verbirgt, wenn man sich nur die Zeit nimmt einmal genauer hinzusehen. Ich bin bereit zu gehen, ich fürchte mich nicht, im Gegenteil, nach alle dem was ich erlebt habe und erfahren durfte bin ich Glücklich... und daran kann sich auch nichts mehr ändern. Lebe wohl du erfülltes Leben, lebt wohl meine Freunde die ihr mir so oft beigestanden habt wenn ich am Boden lag, lebe wohl Anblick... den ich in den letzten Minuten meines Lebens genießen durfte. Die Sonne ist am Horizont erloschen und ich weiß das meine Zeit jetzt vorüber ist. Ein letztes mal schaue ich zum Himmel hinauf und trage ein lächeln im Herzen. Ich sinke auf die Knie und fühle wie ich immer schwächer werde. Das Atmen fällt schwer und mein Herz verlangsamt sich. Ich fühle es, dass ist das Ende. Jedoch, ich bin nicht allein... meine Freunde die mit mir mein Leben teilten werden immer bei mir sein, auch im Tode lassen sie mich nicht alleine zurück. Zu schwach um aufrecht zu bleiben sinkt mein gesamter Körper unter seinem eigenen Gewicht zu Boden. Ich schließe die Augen und atme ein letztes mal tief ein, dann bleibt mein Herz stehen. Meine Seele verlässt ihren leblosen Körper, doch sie verlässt ihn mit einem weichen funke der Freude. Mit einem lächeln im Gesicht liegt mein Körper dort im feuchten Gras und meine Seele schwebt zu den Sternen um einer der ihren zu werden. Zum Stern geworden wacht meine Seele nun über all diejenigen die ihr Leben noch vor sich haben, auf das sie ein genauso erfülltes Leben haben mögen wie das meine...