Der Ruf des Nordsterns - Part 5

Story by LokiFox on SoFurry

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#5 of Der Ruf des Nordsterns

Ich weiß, ich habe euch viel zu lange warten lassen. Ich hoffe, ihr könnt mir dennoch vergeben; leider lässt meine Zeit meiner Muße wenig Platz. Nach dem guten Feedback konnte ich jedoch nicht umhin, ein wenig weiter zu schreiben. Dieser Part ist für alle, die mich genervt haben: Danke euch :D


Silvara sah ihn direkt an, schien ihn jedoch nicht zu erkennen, und ihr Blick flackerte immer noch. Sie runzelte die Stirn, und als sich ihr Sichtfeld klärte, wich sie erschrocken zurück.

„Ihr!" stieß sie hervor, und ihr Gesichtsausdruck wurde panisch. „Ich habe mich ferngehalten, ich habe getan, was ihr wolltet -" stotterte sie hastig und wich auf dem Bett zurück, doch Njall hob die Pfote und schüttelte leicht den Kopf.

„Ich mache euch keinen Vorwurf. Ich bin nur hier um nach euch zu sehen, bis die Tochter des Wirts mich ablöst." Bevor sie etwas erwidern konnte, deutete er auf ihre Verletzungen und schnalzte missbilligend mit der Zunge. „Das war dumm. Das Katzenreich führt mit den Wölfen Krieg. Warum habt ihr euch sehen lassen?"

Sie folgte seinem Blick unsicher, berührte die Kratzer zaghaft mit der Pfote. Dann sah sie ihn an und zog die Nase kraus, das Äquivalent der Katzen zum Schulterzucken. „Ich bemerkte sie erst, als sie mich ergriffen. Ich war... in Gedanken." schloß sie zögerlich, bevor sie fortfuhr. „Ich war mehr darauf bedacht, euch aus dem Weg zu gehen." Sie krauste noch einmal die Nase. Es sah hinreißend aus.

Die Tür öffnete sich, und die Tochter des Wirts, ein jungers Dachsmädchen, trat mit einer Decke und einer Schüssel Eintopf herein. Njall erhob sich.

„Ihr seid in guten Händen. Lebt wohl." Er nickte Silvara zu und wollte sich umdrehen, doch sie packte seinen Mantelsaum. Er sah sie an und zog eine Braue nach oben. Ihr Blick war furchtsam, doch eindringlich, und ein harter Zug lag um ihren Mund. „Wartet." Es schien sie Überwindung zu kosten, doch sie neigte ihr Haupt, bevor sie weitersprach. Sie sah ihn nicht an, sondern sprach zu seinen Stiefeln.

„Ihr habt mein Leben nun zweimal verschont. In meinem Land, nach unseren Gesetzen bedeutet dies 'Maguten'. Wisst ihr, was das bedeutet?" fragte sie, offensichtlich um eine feste Stimme bemüht. Njall nickte, bevor ihm aufging, dass sie das ja nicht sehen konnte. Er räusperte sich. „Ja. Nach euren Gesetzen steht ihr in meiner Schuld und müsst mir dienen, bis diese Schuld getilgt ist. Für gewöhnlich durch einen Dienst von 77 Tagen." erwiderte er leise. Sie nickte.

„So ist es. Ich stehe in eurer Schuld. Ich werde euch dienen." Sie sah immer noch nicht auf.

Njall verzog die Mundwinkel. Das Angebot war allzu verlockend, doch er konnte nicht annehmen. „Ich kann euch weder trauen, noch kann ich euch brauchen. Ich reise nur mit meinem Gefährten."

Er entzog ihr den Mantel und drehte sich um. Sie protestierte nicht und gab keinen Laut von sich. In der Tür verharrte er einen Augenblick und zögerte. Ohne sich umzudrehen, sagte er: „Ich war einst ein Sklave. Ich werde niemals wieder einer sein, noch jemanden dieses Schicksal aufbürden. Ihr seid jung. Lebt." Dann ging er, ohne sich nochmal um zu sehen.

Im Hauptraum stieß er auf Thane, der sein Bier und seinen Eintopf adoptiert hatte. Beides war leer.

„Ich hoffe, es stört dich nicht, dass ich dein Essen in meinem Bauch warmhalte." Raunte Thane, als Njall sich zu ihm setzte. Njalls feine Nase nahm den Geruch von Waffenöl und Stahl an Thane wahr und war beruhigt in dem Wissen, dass er sich gewappnet hatte.

Thane betrachtete ihn, drehte sich dann um und orderte beim Wirt neues Bier.Es war nach wie vor sehr laut, doch die Gäste schienen mit fortschreitender Stunde müde zu werden, und der Raum leerte sich, die Menge wurde überschaubarer. Sie sprachen nicht, bis das Bier kam. Thane hob seinen Krug. „ Dem Freunde die Brust." Njall stieß an und antwortete: „Dem Feinde die Stirn." Sie tranken, dann begann Njall zu erzählen, was vorgefallen war. Thane hört still und aufmerksam zu, sein Gesichtsausdruck schwankte lebhaft.

„'Maguten'? Meine Güte, ein Drecksbier hätte es doch auch getan..." antwortete er schließlich und grinste, bevor er weitersprach. „ Wir sollten uns das nochmal überlegen mit der Kleinen, denkst du nicht? Wir waren mal zu fünft, jetzt sind wir zu dreckszweit. Und wir haben seit Jahren nicht mehr rekrutiert." Er sah Njall fragend an, doch der schüttelte den Kopf.

„Das ist ein miserabler Zeitpunkt um den Trupp aufzustocken. Wir sind auf der Flucht, wir haben uns in einigen Ecken Elysiums ziemlich unbeliebt gemacht, und den letzten Auftrag haben wir ja gründlich vergeigt, da du ja mal wieder durch die Betten springen musstest -" „Nein, weil du neben dem Dokument auch noch die Monatseinnahmen des Hafenmeister hast mitgehen lassen!" warf Thane erbost ein, doch Njall fuhr unbeirrt fort.

„ -und das auch noch mit der Tochter unseres Auftraggebers, was erwartest du denn? Oh, daran ist es nicht gescheitert! Der Hafenmeister hatte den Verlust noch nichtmal bemerkt, als ich Oswin die Dokumente übergab - und als wir zum Anstoßen in den Keller gingen -"

„ - ja ja, ich weiß. War vielleicht doch keine so gute Idee da auf den Drecksweinfässern, aber hast du dir die Kleine mal angesehen? Ein Fell wie Samt, und bei Werak, diese-" führte Thane aus, doch Njall fuhr im wieder hitzig dazwischen. „- Unwichtig. Auftrag ist Auftrag!" Er atmete tief durch und fügte dann versöhnlicher hinzu.

„Nun ja, es war wirklich ein schönes Mädchen, und das Oswins Gesichtsausdruck war unbezahlbar, aber es sich mit dem Meister der Diebesgilde zu verscherzen war... kurzsichtig. Seis drum. Wir haben das Silber, und Oswin wird sich schon wieder beruhigen." Er lehnte sich zurück und trank, während Thane antwortete. „Drecksrichtig. Ich war übrigens nicht der Erste, Oswin kann sich also nicht beschweren. Sag mal, wollen die zu uns?" fragte er und deutete über Njalls Schulter. Der drehte sich um, und sah sich dem Anführer der Wölfe von vorhin gegenüber, die Silvara so zugesetzt hatten. Der Wolf funkelte ihn böse an, und seine Spießgesellen scharten sich hinter ihm. Njall sah dem Wolf unbeirrt ins Gesicht.

„Kann ich euch helfen?" fragte er unbefangen. Der Wolf schaute noch finsterer drein, und es war unschwer zu erkennen, dass er auf Streit aus war.

„Ihr habt der Spionin geholfennn... D's nennt man Kollia... Koilla... Kollola..." lallte der Wolf angestrengt.

„Kollaboration?" fragte Njall hilfsbereit. Der Wolf nickte und grinste. „Genauu! Ihr seid Kollaborationäre! Verdammtes Pack!" schnarrte er und sah sich um. Der Wirt war grade anderweitig beschäftigt, doch offenbar war der Anblick der Kriegskeule nicht vergessen.

Der Wolf beugte sich vor und zischte Njall zu: „Ich behalte euch im Auge..." Er drohte theatralisch mit dem Finger. „Und wenn ihr noch mehr Kollaborationieren tut..." Er fuhr mit dem Finger über seinen Hals, die typische Drohgebärde der sprachlich wenig Versierten.

„Ja, ich denke, das kann ich mir ausmalen, vielen Dank." Njall nickte höflich und drehte sich wieder Thane zu, das empörte Geraune hinter ihm ignorierend. Nach wenigen Sekunden wurde das Geraune leiser, ein Zeichen, dass die Meute abzog, denn der Wirt näherte sich ihrem Platz.

„Es scheint, wir sind heute sehr beliebt..." schmunzelte Njall, während sich der Wirt auf einen freien Stuhl setzte. Thane nickte ihm zu, Njall schaute ihn nur freundlich an und nippte an seinem Bier. „Meine Herren, mir ist aufgefallen, dass ihr... offenbar wisst, was ihr tut. Ich bin zwar schon lange nicht mehr in der Armee, doch meine Nasen vermag es immer noch, Waffenfett aus allen anderen Gerüchen herauszuhalten." Begann der Wirt und hob beschwichtigend die Arme, als Thane den Mund öffnete. „Keine Sorge, ich bin nicht hier, um euch hinaus zu werfen. Abgesehen davon, dass ich das nicht kann -" er deutete auf die zugeschneite Tür „- macht ihr mir einen vertrauenswürdigeren Eindruck als die Meute eben. Sie sind in dieser Gegend bekannt, es sind Unruhestifter..." Er zuckte die Achseln. Offenbar war er in Gedanken. Thane sprach ihn an.

„Was hat das mit uns zu tun, Herr Wirt?" fragte er mit seiner offenen Art, und der Wirt nickte. „Eine berechtige Frage. Nun, wisst ihr, wir haben da etwas gemeinsam. Ich kam nicht umhin, eure Brosche zu bemerken..." Er deutete mit dem Kinn auf Njalls Brosche, die seinen Mantel zusammenhielt. Dann musterter der alte Dachs die beiden mit strengem Blick, bevor er fragte:

„ 'Der Mond ist mein Bruder, die Nacht meine Schwester,-' ... wie endet der Vers?" Njall und Thane sahen sich an, mit ausdruckslosen Gesichtern, bevor sie sich umwandten und leise, aber deutlich wie aus einem Mund sagten: „-die Stille meine Geliebte und der Schatten mein Freund. Ich bin nie allein.'" Der alte Dachs lächelte und gab beiden die Hand. „Dann habe ich mich nicht geirrt; es ist gut, mal wieder auf Gildenbrüder zu treffen." Sein Gesicht wurde wieder ernst. „Ihr braucht natürlich nicht zu zahlen, sondern seid meine Gäste. Ich muss euch jedoch um einen Gefallen bitten: Geht mir ein wenig zur Hand, solange wir eingeschneit sind. Einige meiner Gäste haben etwas auf dem Kerbholz, und wenn sie sich zusammentun, habe ich ihnen alleine wenig entgegenzusetzen. Ich brauche eure Hilfe dabei." Er sah von einem zum anderen. „Was sagt ihr?" Njall und Thane sahen sich wieder kurz an, bevor Njall nickte. „In Ordnung. Zählt auf uns. Gildenbrüdern hilft man schließlich gern." Er lächelte. Bei sich dachte er, dass sie ohnehin keine Wahl hatten. Die Wölfe würden ihnen wohl kaum aufgeschlossen gegenüberstehen.

Der Abend neigte sich dem Ende zu. Njall und Thane besprachen noch einige Dinge, die für die nächsten Tage von Bedeutung waren, machten Passwörter aus, überlegten Taktiken. Njall würde bald zu Bett gehen, doch Thane würde noch ein wenig Würfeln und sich unters verbliebene Volk mischen, um ein wenig die Ohren aufzuhalten.

An seiner Zimmertür angekommen erwartete Thane eine Überraschung: Die Tür war unverschlossen, anders als sie es verlassen hatten. Das Schwert in der Rechten, öffnete er langsam die Tür, bereit, sofort zurück zu springen. Doch er fand nichts bedrohliches in dem Raum, außer einer ihm wohlbekannten Katze, die auf seinem Bett eingeschlafen war. Er seufzte und steckte das Schwert weg, und der Laut weckte sie auf. Sie war sofort hellwach, stand auf und warf sich vor ihm auf die Knie und reckte die aneinandergelegten Pfoten nach oben, der Blick auf seine Stiefel, ganz nach dem Ritual des Maguten. Er stand einfach nur im Türrahmen und starrte sie an, überrumpelt, obwohl er etwas in der Art geahnt hatte. Er sprach sie an.

„Habe ich euch nicht gesagt, dass ich euch nicht brauche?" sein Tonfall sollte verärgert klingen, doch er klang einfach nur müde. Er brauchte Schlaf. Sie schüttelte den Kopf und antwortete:

„Ich stehe in euer Schuld, Herr. Nehmt meine Dienste an!" sagte sie mit fester Stimme. Als er nicht antwortete, fuhr sie fort.

„Herr, ich bin im Kampf erprobt und weiß mich zu verteidigen! Ich kenne die Wege der Alchemie, der Verstohlenheit und des Heilens und werde euch von Nutzen sein!" sagte sie, ihre Stimme schwankte ein wenig. Als er immer noch nichts sagte, weil er hoffte, sie würde irgendwann einfach gehen, stieß sie hervor: „Herr, ich kann von Nutzen sein, und ihr könnt mir trauen! Meine Ehre bindet mein Schicksal an eures, und ich werde bei euch bleiben, bis meine Schuld bezahlt ist!" Nach kurzem Zögern setzte sie verbissen hinzu. „Ob ihr es wollt oder nicht!"

Aus irgendeinem Grund imponierte Njall ihr Trotz und ihre Verbissenheit, und sein Gespräch mit Thane kam ihm in den Sinn. Er seuzfte.

Hoffentlich bereue ich das nicht bald. Aber wenigstens habe ich dann jetzt meine Ruhe.

Er trat vor und schloß seine Pfoten um ihre, sprach die uralte Formel und half ihr auf die Beine.

Sie antwortete mit den vorgebenen Worten, und damit war der Pakt bindend.