Elvira und Seth - Kapitel 9
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Kapitel 9
Die Treppen emporgestiegen und wieder im Tageslicht stehend, sah Seth zu Isis. „Das war dann mal ein Satz mit X.“
„Immerhin habe ich Ammit getroffen“, wiegelte Elvira ab.
„Ja“, hub Anubis an, „sie hatte einen halbwegs guten Tag. Meistens ist sie nicht so umgänglich.“
„Und was machen wir jetzt?“, hakte Seth nach.
„Du gehst mit deiner Partnerin zu Maahes. Vielleicht hat er schon einen Auftrag für euch“, ordnete Isis an.
„Eine gute Idee. So lernt meine Wölfin in kürzester Zeit fast alle namhaften Gestalten aus der ägyptischen Mythologie kennen.“
„Maahes?“, grübelte Elvira, „Da war was.“
„Der Gott des Gemetzels. Ein großer mähniger Löwenkater, tiefe Stimme“, erklärte Seth in Kurzform.
„Ja, jetzt dämmert es wieder“, bestätigte die Wölfin.
„Hervorragend. Dann gehen wir jetzt zu ihm.“
Gesagt, getan, nahm er Elvira bei der Hand und marschierte quer über den Platz.
„Hältst du das wirklich für eine gute Idee?“, fragte Anubis an Isis gerichtet.
„Keine Ahnung. Hast du eine bessere?“
„So macht man eine Wölfin unsterblich und zu einer Halbgöttin“, murmelte Anubis und seufzte.
„Ich hätte auch nie gedacht, dass der Halb-Muli mal eine passende Partnerin findet.“
„Vor allem eine, die ihm gewachsen ist“, witzelte der Schakal-Gott.
„Das ist eine andere Frage, aber wie es scheint haben die beiden sich in der Tat gesucht und gefunden. Ein schöneres Pärchen kann man sich kaum wünschen“, konstatierte Isis.
„Ob sie von ihm Kinder empfangen kann?“, überlegte Anubis.
„Das wird sich zeigen. Als Muli ist sein Samen eigentlich fruchtlos. Wobei er ja zur Hälfte Schakal ist, vielleicht tut sich da etwas.“
„Oder der Nachwuchs sieht aus wie er mit Wolfsanteil.“
„Noch einer von seiner Sorte?“, entrüstete sich Isis.
„Noch schlimmer wird es schon nicht werden“, hielt Anubis gegen.
„Das sagte Prometheus auch als er mit Ketten an den Fels geschlagen wurde und dann kamen die Harpyien und holten seine Leber.“
„Wie melodramatisch“, seufzte Anubis und winkte ab.
Seth hatte in der Zwischenzeit mit Elvira den Platz überquert, waren den verschiedensten Göttern über den Weg gelaufen und standen schließlich vor einem hölzernen Tor.
„So, hier wohnt der Langmähnige“, hub Seth an.
„Und von ihm bekommst du deine Aufträge?“, hakte Elvira nach.
„Ja. Er macht sich nicht mehr den Aufwand sich selbst um Halbwesen zu kümmern.“
„Ach? Ich bin also ein Halbwesen?“, fragte die Wolfs-Frau etwas angeknabbert.
„So würde ich es nicht nennen, es ist ja auch keine Beleidigung.“
„Wäre ich nicht draufgekommen. Klopf an und lass uns reingehen“, forderte Elvira ihren Schakal-Muli auf.
Seth wollte gerade anklopfen, da wurde die Tür schon von innen aufgerissen.
Mitten im Rahmen stand ein Brocken wie ein Fels, jedoch mit gelben Fell überzogen, muskulös und einer Mähne die noch wilder hätte nicht sein können.
„Kommt rein. Wird ja auch Zeit, dass ihr bei mir auftaucht“, polterte der Löwengott.
Nachdem der die Tür wieder schloss, sah er beide streng an. „Was hast du dir eigentlich dabei gedacht?“, knurrte er.
„Was meinst du?“, fragte Seth.
„Ich meine, dass du Elvira hierher bringen solltest, dich in einen Kampf stürzt, von einer Klinge fast getötet wirst, welche mit den Wassern der Auslöschung benetzt wurde und damit alles so richtig schön aus dem Ruder läuft, sorgst du dafür, dass die Wolfs-Frau auch noch unsterblich wird.“
„Ich bin der Meinung, dass sie es verdient hat, denn immerhin hat sie mir das Leben gerettet.“
„Meinetwegen“, knurrte Maahes erneut und wandte sich an Elvira, „Hattest du wenigstens Spaß dabei?“
„Das geht dich wohl nichts an“, knurrte die Wolfs-Frau den Löwengott an.
Der zuckte unmerklich zusammen. „Du bist ganz schön frech, wagst es einem Gott zu widersprechen.“
„Jeder bekommt das was er braucht.“
„Nicht schlecht gekontert“, murmelte Maahes und zeigte auf zwei Stühle, „Setzen!“
Nachdem Seth und seine Partnerin Platz genommen hatten und der Löwe sich selbst gesetzt hatte, hub dieser erneut an. „Ich habe da was für euch beide.“
„Oh, für mich auch?“, fragte Elvira dazwischen und bekam von Maahes einen strengen Blick, worauf sie wieder schwieg.
„Seth! Ich habe Vertrauen in dich, verdammt großes Vertrauen und hoffe, dass du nicht nur mit deinem Schwanz denkst“, fuhr Maahes fort.
„Den habe ich sehr gut unter Kontrolle“, erwiderte Seth.
„Das will ich hoffen, denn du musst einen Verbindungsmann kontaktieren, der wird euch sagen woher das Wasser der Auslöschung stammt und wer es an diesen Räuber verkauft hat.“
„Klingt gefährlich. Hältst du es für ratsam, dass sie mit kommt?“
„Ich sehr wohl auf mich aufpassen“, platzte die Wolfs-Frau wiederholt dazwischen.
„Das merke ich“, grollte Maahes, „du schaffst es in diesem Moment nicht mal den richtigen Zeitpunkt abzuwarten.“
„Elvira! Bitte!“, mahnte Seth seine wölfische Göttin, „es ist wirklich ernst.“
„Pöh“, kam die kurze Antwort.
„Schön. Wer ist der Verbindungsmann?“
„Es handelt sich um den Sohn der Pasiphae.“
„Minotaurus?“, hakte Seth nach.
„Genau der. Er hockt im Labyrinth.“
„Darf ich eine Verständnisfrage stellen?“, platzte es aus Elvira heraus.
Maahes und Seth sahen die Wolfs-Frau neugierig an.
„Schieß los“, forderte der Löwe sie auf.
„Reden wir hier gerade über das Kind aus der Paarung einer menschlichen Frau mit einem Stier?“
„Genau. Pasiphae, die Gemahlin des Minos, die es mit einem Stier trieb“, antwortete Seth.
„Das wollte ich wissen. Aber wo finden wir das Labyrinth und wie kommen wir da wieder raus, ohne das uns der Minotaurus tötet?“
„Das muss dich nicht interessieren. Du bleibst mit dem roten Faden der Ariadne vor dem Eingang.“
„Und dann? Was ist, wenn der Minotaurus dich in die Finger bekommt?“
Maahes antwortete anstatt Seth. „Dann wird er ihm den Arsch versohlen.“
„Wortwörtlich oder ist das eine Umschreibung?“
„Es ist eine Umschreibung für …“, hub Seth an.
„… er wird dich besteigen“, vollendete Elvira den Satz.
„So kann man es ausdrücken. Er hatte schon lange keinen Sex mehr.“
„Ich habe gehört, dass es im Labyrinth nach Stiersperma riechen soll wie in einer übergroßen Rinderzucht“, witzelte Maahes.
„Danke. Das baut mich auf“, knurrte Seth.
„Entzückend“, murmelte Elvira.
„Ich werde alles daran setzen, dass er nicht tut.“
„Das will ich hoffen“, sagte Elvira und seufzte, „und wo fangen wir an?“
Maahes holte eine Karte und legte sie auf den Tisch. „Ihr reitet am Gebirge in Richtung Süden. Am Ende liegt ein Durchlass zur anderen Seite. Wenn ihr das Massiv verlasst, reitet ihr noch einige Stunden in Richtung Osten, dann trefft ihr auf den Zugang in der Nähe der Oase.“
„Klingt doch nach einem Plan“, frohlockte Seth und sah aufmunternd zu Elvira.
„Ja. Dann lass uns direkt starten“, erwiderte die Wolfs-Frau und stand auf.
„Meldet euch bei Anubis, eure Pferde werden in einer Stunde fertig sein und genug Proviant tragen.“
„Danke!“, sagte Seth noch und zog Elvira mit sich aus dem Haus.
„Sag mal, geht’s noch?“, grollte der Hybrid.
„Aber sowas von, aber bei dir scheint der Arsch sich wohl auf einen Rinderfick zu freuen“, schrie Elvira.
Auf dem Platz und damit um die beiden herum wurde es plötzlich still.
„Lasst mich raten“, rief Anubis quer hinüber, „Maahes schickt dich zu Minotaurus.“
„Ja“, schrie Elvira zurück, „und das gefällt mir gar nicht.“
„Was willst du sonst machen?“, hakte Seth nach.
„Ich gehe ins Labyrinth.“
„Klar, du kennst dich nicht mal in der Nähe aus, rennst dem unter vögelten Stier in die Arme und dann geht die Post ab.“
„Meinst du, dass ich das nicht aushalte? Ich halte dich ja auch aus.“
„Ach ja? Du vergisst, dass sich mein Schwanz an deine Pussy anpasst, weil ich dir gehöre und das freiwillig. Das Tier dort, nimmt dich, passt sich nicht an. Der passt dich seinen Bedürfnissen an und wenn das Ding hinten drin ist und oben wieder rauskommt, dann weist du, dass es eine schlechte Idee war.“
„Und du hältst das aus?“
„Er wird sich anpassen, aber ich sorge dafür, dass es soweit nicht kommen wird. Ich soll mit ihm reden, schon vergessen? Ich gehe da nicht hinein um zu kuscheln.“
„Eben. Es kann alles passieren.“
„Dann passiert eben irgendwas. Irgendwas passiert immer, kapier es“, knurrte Seth, „Wir können gerne auf uns gegenseitig aufpassen, aber auch nur solange es geht. Wir können uns nicht in Watte einpacken und abschotten. Wir haben einander, egal ob seelisch, geistig, emotional oder körperlich, aber es gibt eine verdammte Eigenverantwortung und trägt jeder selbst. Jeder von uns kann Entscheidungen für sich fällen, aber niemals für den anderen oder den Partner gar entmündigen.“
„So hatte ich das auch nicht gemeint, aber ich verliere meinen Geliebten nur sehr ungern an einen notgeilen Stier“, polterte Elvira zurück und knurrte bedrohlich.
„Es freut mich sehr, dass du dir so große Sorgen machst, aber vertraue mir. Nur ich kann das tun.“
Die Wolfs-Frau atmete tief durch und seufzte. „Meinetwegen.“
„Sehr gut und jetzt lass uns zu Anubis gehen.“