Bruder Bär

Story by elpoyodiabolo on SoFurry

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Werwölfe gibt es nicht...

oder vielleicht doch? Und wenn es Werwölfe gibt, gibt es dann auch Werbären?


Es war einer dieser goldenen Herbsttage, die dieser Jahreszeit ihren Namen gegeben hatte. Indian Summer, wie sie geläufig genannt wurde. Die Sonne stand noch hoch am Himmel und ihre Strahlen wärmten jeden, der sich in der ansonsten bereits frischen Luft bewegte. Der Himmel war strahlend blau und die wenigen Wolken, die träge in Richtung Horizont segelten, waren weiß, wie frisch gefallener Schnee. Das Laub der Bäume war bereits kupferrot und goldgelb verfärbt und die ersten Blätter fielen auch schon von den Bäumen. Die Einheimischen waren sich einig, dies war die schönste Zeit des Jahres, nur leider waren sie nicht die Einzigen, die so dachten, und so fielen von September bis Ende Oktober immer wieder Horden an Touristen in diese Gegend ein, um sich die Farbenpracht des Herbstes anzusehen.

Sunnys Pump war eine der unzähligen Raststationen, die entlang des erweiterten Appalachian Trail zu finden waren. Tankstelle, Kiosk und Touristeninformation in einem kleinen Gebäude. Sie war bereits in vierter Generation im Familienbesitz und ihr momentaner Betreiber, Hugh, oder grauer Wolf, wie er von seinesgleichen genannt wurde, war ein stämmiger Mann in seinen Sechzigern, und auch wenn die Jahre gnädig mit ihm gewesen waren, so teilte er das Schicksal, das die meisten Natives mit ihm gemein hatten. Sein markantes Gesicht, das in einem ewig missmutigen Gesichtsausdruck gefangen zu sein schien, war von tiefen Falten zerfurcht und ließ ihn viel älter aussehen, als er eigentlich war. Auch verbarg sein stoisches Gesicht den eigentlich fröhlichen und gut gelaunten Charakter, für den er bei den Ortsansässigen bekannt war.

Er saß in seinem Schaukelstuhl auf der Veranda, die vor dem Eingang zu seiner Station angelegt war, und döste vor sich hin. Er machte sich keine größeren Sorgen, dass jemand sein Kiosk ausrauben würde, zum einen würde Fey, seine treue Begleiterin, ihn auf jeden aufmerksam machen, der sich der Station näherte, zum anderen stand sein Sohn Jimmy hinter dem Verkaufstresen im Kiosk.

Es war ein langsamer Tag, nur wenige Wanderer waren bisher über den Trail gekommen und es war noch zu früh für die Einheimischen, die ihr Feierabendbier mit Hugh auf seiner Veranda trinken würden. Normalerweise kamen die Wanderer in kleinen Grüppchen über den Pfad und machten hier Rast, bevor sie weiter zogen, um den letzten Stint bis zum Ende des Trails zu laufen. Es waren nur noch etwa einhundert Meilen bis die letzten Ausläufer des Appalachian Trail ihr Ende fanden, aber nur wenige schafften es so weit in den Norden. Die meisten drehten bereits deutlich früher wieder um, um wieder gen Süden zu pilgern, dort wo es Shuttles zu den nächsten Flughäfen oder Busdepots gab. Hierher kamen nur die, die entweder schon von hier gestartet waren, oder die irgendwo in der Nähe geparkt hatten und dieses kleine, idyllische Stück des etwa 2200 Meilen langen Weges zu gehen.

Ein idealer Tag, um einfach mal die Seele baumeln zu lassen.

Es war so am frühen Nachmittag, dann wenn die Sonne so ganz langsam weit genug über den Himmel gezogen war, dass das Vordach über Hughs Veranda ihm Schatten spendete, dass Fey ihm mit einem kaum hörbaren Fiepen ankündigte, dass jemand auf sie zukam. Er rührte sich nicht, denn um diese Zeit kamen meistens einige Grüppchen von Wanderern vorbei.

In der Tat war es ein Pärchen im mittleren Alter, die zügig den breiten Pfad aus dem Wald entlang gelaufen kamen. Sie wirkten leicht gehetzt, aber nicht in Panik, während sie von dem Pfad auf den Schotter des Parkplatzes traten. Ihre schnellen Schritte knirschten laut auf dem losen Material, das die Oberfläche eines -für die Größe der Raststation- großzügigen Parkplatzes bildete, auf dem nur einige wenige Fahrzeuge abgestellt waren.

Die raumgreifenden Schritte der offensichtlich geübten Wandersleute brachten sie schnell zur Tankstelle und damit auch zum Kiosk. Sie zollten Hugh und dem wirklich großen dunkelgrauen Hund, der neben ihm lag, keine Aufmerksamkeit, sondern betraten sofort das kleine Gebäude, das den Kiosk, die Touristeninformation und die Kasse für die Tankstelle beherbergte.

„Willkommen in Sunnys Pump, wie kann ich ihnen helfen?”

rief Jimmy den Neuankömmlingen den gut einstudierten Willkommensgruß entgegen. Erst als er deren ernste, wenn auch nicht panische Gesichter sah, trübte sich sein antrainiertes Lächeln leicht ein. Der Mann, der -geschätzt- Mitte vierzig war und eindeutig viel zu teure Ausrüstung trug, kam mit erhobenem Finger auf ihn zu.

„Sie müssen sofort den Ranger rufen, und den Sheriff…”

fing er mit erregter Stimme an, während seine Begleiterin, die etwa im selben Alter war und die exakt gleichen Kleider trug, sich nervös umsah.

„… es gibt hier ja keinen Handyempfang, sonst hätten wir das schon selbst erledigt.”

setzte der Mann nach und Jimmy nickte nur, wobei er versuchte Ruhe auszustrahlen.

„Aber natürlich, sofort. Was soll ich ihm denn sagen? Was ist passiert?”

antwortete Hughs Sohn und hob bereits den Hörer seines altmodischen Telefons ab. Der Mann, sichtlich beruhigt, dass man ihm so bereitwillig helfen wollte, holte tief Luft und gestikulierte in Richtung des Waldes, aus dem sie gerade erst gekommen waren.

„Dort hinten, etwa zwei Meilen von hier, an diesem See, da ist ein gewaltiger Bär. Ein Ungetüm, sag ich ihnen.”

begann er von neuem mit aufgeregter Stimme und fuchtelte wild mit den Armen, um Jimmy die Ausmaße des Bären begreiflich zu machen. Der Mann hinter dem Tresen fand auf einmal sein Lächeln wieder und legte den Hörer zurück auf die Gabel. Der Tourist sah ihn entsetzt an, so als würde Jimmy ihn womöglich noch für verrückt halten.

„Es stimmt. Soo ein riesen Bär.”

bestätigte der Mann noch einmal, während seine Begleiterin, vermutlich seine Frau, eifrig nickte, um die Aussage des Mannes zu bekräftigen. Jimmy hob beschwichtigend die Hände.

„Keine Sorge, ich glaube Ihnen ja. Jedes Wort, versprochen.”

sagte er in ruhigem Ton und wies auf ein Foto, das hinter ihm an der Wand hing und einen wahrhaft gigantischen Bären zeigte. Auf dem Rahmen war eine Plakette angebracht, auf der zu lesen war: „Papa Bear, do not feed the bear”

„Sie haben unser Lokalmaskottchen getroffen. Das war Papa Bear. Er mag riesig und einschüchternd sein, aber im Grunde ist er harmlos.”

fügte der Verkäufer hinzu, in dem Versuch, die Lage zu deeskalieren, aber sein Gegenüber schien sich nur noch mehr aufzuregen. Die Zornesröte stieg dem Mann ins Gesicht bevor es regelrecht aus ihm herausplatzte:

„Wollen Sie mich veräppeln? Sie kennen dieses Monster und lassen es frei hier herumlaufen? Was, wenn es jemanden anfällt? So ein blutrünstiges Monstrum gehört erschossen!”

Der Mann redete sich in Rage und die Adern auf seiner Stirn traten gefährlich hervor, so sehr, dass selbst seine Begleitung bereits versuchte, ihn zu beruhigen. Jimmy wich einen Schritt zurück, blieb aber standhaft und schüttelte den Kopf.

„Papa Bear lebt hier bereits seit vielen Jahren, es hat noch nie ein Problem gegeben. Solange Sie auf dem Pfad bleiben, sieht er sie nicht als eine Gefahr…”

weiter kam er nicht, da der Mann ihm das Wort abschnitt.

„Sie wollen mich doch verarschen. Sie rufen jetzt sofort den Ranger und den Sheriff an, oder ich werde es tun!”

Der Tourist schrie schon fast, während Jimmy einen weiteren Schritt zurück machte und auf das Telefon zeigte.

„Seien Sie mein Gast…”

Während drinnen der Tourist ausrastete, setzte sich Fey auf und gähnte ausgiebig. Die große Hündin legte die Ohren an und sah durch eines der großen Schaufenster auf das Spektakel im Inneren, bevor sie ihren Kopf sanft auf Hughs Schoß legte und leise wimmerte. Der alte Indianer nickte langsam und kraulte sie hinter dem Ohr.

„Ich weiß mein Mädchen. Ich habe sie gehört.”

brummelte er und genoss den Kontakt zu seiner Gefährtin, die ihren Kopf gegen seine Hand drückte.

„Vielleicht ist es besser, wenn du mal nach ihm siehst, und ihm Bescheid gibst.”

fügte er hinzu und erntete einen Blick, der wohl am ehesten mit „echt jetzt?” zu beschreiben war. Er beachtete den stummen Protest seiner Hündin nicht, sondern fuhr fort, sie hinter dem Ohr zu kraulen. Fey atmete tief durch und grummelte leise, was ein leichtes Lächeln ihres Besitzers zur Folge hatte.

„Du bist viel schneller als ich und außerdem hört Bruder Bär auf dich.”

sagte Hugh und hob seine Hand von Feys Kopf. Die Hündin hob ihren Kopf und sah ihn für einen Moment prüfend an. Die Art und Weise, wie sie ihren Kopf schief legte, schien zu sagen: „Gut, ich mach’s, aber du schuldest mir was!”

Hugh lächelte sanft und tätschelte ihren Kopf.

„Gutes Mädchen, und nun husch husch.”

Es war fast ein Lachen, aber nur fast. Fey stand langsam auf und streckte sie ausgiebig und orientierte sich Richtung Wald, bevor sie davon trottete.

Im Kiosk war der Tourist intensiv damit beschäftigt, mit dem County Sheriff über das Telefon zu diskutieren, der es auch nicht einsah, solch ein Aufheben wegen des Bären zu machen; zumindest nicht, wenn außer eines Schreckens, nichts weiter passiert war.

Jimmy ließ ihn machen, so musste er sich wenigstens nicht mit dem Touristen herumschlagen, stattdessen wandte er sich an dessen Begleiterin:

„Kann ich Ihnen etwas anbieten, Ma'am? Kaffee, Tee, oder lieber etwas kaltes?”

fragte er mit ruhiger Stimme und einem freundlichen Lächeln. Die Frau sah ihn einen Moment völlig verdutzt an, bevor ein Ruck durch sie ging und auch sie lächelte.

„Oh ein Kaffee wäre jetzt ein Traum, Danke.”

antwortete sie und die Erleichterung über die Ablenkung war ihr deutlich anzumerken.

Währenddessen knallte ihr Begleiter mit den Worten:

„Eine solche Inkompetenz ist mir noch nie untergekommen, Sie hören von meinem Anwalt!”

den Hörer auf die Gabel. Sein Gesicht war tiefrot angelaufen, als er sich zu ihnen umdrehte. Feuer loderte in seinen Augen.

„Was… macht… er… da…?”

fragte er, während er versuchte, die einzelnen Wörter betont ruhig auszusprechen, jedoch bevor seine Begleitung etwas sagen konnte, sprang Jimmy in die Bresche.

„Kaffee, Sir. Wollen Sie vielleicht auch einen? Gegen die Aufregung, geht aufs Haus.”

erklärte der Verkäufer und der Tourist sah ihn für einen Moment lang stumm an. Sein Blick wanderte wie in Zeitlupe zu seiner Begleiterin, die sich bereits mit Zucker und Milch bewaffnet hatte, bevor er langsam wieder zu Jimmy zurückkehrte, der gerade den Becher unter der Maschine entnahm, um ihn an die Dame zu übergeben.

„W… Was?”

stotterte er, während er allem Anschein nach nicht wusste, wie er mit der Situation umgehen sollte.

„Kaffee. Ich kann ihnen aber auch einen Tee machen, wenn sie möchten.”

bat Jimmy an und deutete auf den Regler für das heiße Wasser, an der kompliziert aussehenden Kaffeemaschine. Der Mann schüttelte den Kopf.

„Nein, nein, Kaffee ist in Ordnung.”

murmelte er, während Jimmy freundlich nickt und wieder damit begann die Maschine zu bedienen.

„Wo kommen Sie beide denn her?”

fragte er über die Schulter hinweg, stellte einen neuen Becher unter den Kaffeebereiter und drückte einige Knöpfe und Schalter.

„Colorado.”

bot die Frau an, noch bevor der Mann etwas sagen konnte und fügte dann hinzu:

„Wir sind das erste Mal auf dem Trail, es ist ja so aufregend.”

Nun wusste Jimmy auch, warum der Mann sich so aufgeregt hatte, er kannte das alles nicht. Klar, in Colorado gab es auch Bären, und wahrscheinlich war er deswegen auch so schreckhaft, aber Papa Bear war wirklich harmlos.

Fey rannte durch das Dickicht des Waldes, abseits des Pfades. Die große, fast schwarze Hündin streckte sich bei ihren Galoppsprüngen genüsslich. Viel zu selten hätte sie die Möglichkeit, richtig zu rennen. Sie hatte eine ziemlich gute Vorstellung, wo sie den übergroßen Teddybären finden würde. Die Hütte am See, wo sie im Sommer Kanus und Paddel-Boards an die Touristen verliehen, damit sie ein wenig auf dem See herumfahren konnten, war ihr Ziel.

Sie lief schnell und außer dem gelegentlichen Rascheln der Blätter und ihrem hechelden Atem war nichts zu hören, als sie durch das Unterholz des Waldes schoss. Kurz bevor sie die kleine Hütte erreichte, verlangsamte sie ihr Tempo und blieb schließlich stehen. Ihre Zunge hing seitlich aus ihrem Maul, während die Hündin sich umsah. Die Spuren des großen Bären waren allgegenwärtig, und als sie in der Luft schnupperte, konnte sie ihn sehr deutlich riechen.

Ihre Lippen zogen sich zurück zu einem Lächeln und sie Richtete sich auf, nahm ihre menschliche Gestalt an und trat auf den Pfad.

„Komm raus, Bruder Bär, ich weiß dass du hier bist.”

Sagte sie ruhig, wohl wissend, dass er sie sehr gut hören konnte, und es dauerte auch nur einen Moment, bis das charakteristische Brummen des Bären hinter der Hütte zu hören war. Langsam kam der Bär vom kleinen Anleger her in Sicht. Er war in der Tat gewaltig. Er sah fast aus wie ein großer Grizzly, aber das Fell war zu dunkel und die hervorstechenden, blauen Augen passten so gar nicht zu dem Bild des für diese Gegend typischen Schwarzbären. Mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen ging Fey auf den Bären zu, der seinen Kopf hob und seinerseits das Bären-equivalent eines Lächelns zeigte. Mit ihren im Vergleich zu seinem Kopf zierlichen Händen wuschelte sie durch sein langes, zotteliges Fell und massierte seine Ohren, während er seinen Kopf zärtlich gegen ihren nackten Bauch drückte.

„Hiiiii…”

Entfuhr es ihr, bevor sie laut zu lachen begann.

„… pass auf mit deiner kalten Nase.”

Es war kein Ärger oder Zorn in ihrer Stimme, als sie fortfuhr, den Kopf des großen Bären zu liebkosen.

„Hugh schickt mich…”

flüsterte sie und kraulte ihn kräftig hinter den Ohren. Ein wohliges Brummen gab ihr zu verstehen, dass er sie verstanden hatte.

„… du hast vorhin ein paar Wanderer aufgeschreckt.”

fügte sie hinzu und der Bär nickte leicht. Fey schmunzelte, es war fast so, als konnte sie sein Grinsen spüren.

„Du weißt, dass das nur wieder Ärger geben wird, nicht wahr?“

Es war eine rhetorische Frage, natürlich wusste er das, aber sie konnte ihm nicht böse sein, es war seine Natur, und er konnte nicht aus seiner Haut. Naja, zumindest nicht richtig.

Wie Fey, war Bruder Bär, ein Gestaltwandler, und wie sie auch, gehörte er seit vielen, vielen Jahren zur Gemeinde. Die Einheimischen wussten um ihre Existenz und hielten sie vor der Außenwelt geheim, im Gegenzug sorgten Bruder Bär, Fey und einige andere dafür, dass es hier nie zu Wildunfällen oder ähnlichen Zwischenfällen kam.

Fey hatte sich Hugh angeschlossen, während Bruder Bär, seiner Natur folgend, sich als Eremit hier am See niedergelassen hatte.

Fey brachte ihre Hände unter den Kopf des Bären und hob dessen schweres Kinn vorsichtig an, so dass sie in seine Augen sehen konnte. Sie liebte diese Azur-Blauen Augen, die so voller Leben steckten und in deren unendlicher Tiefe sie sich schon unzählige Male verloren hatte.

„Willst du wirklich in dieser Gestalt verweilen und mir das ganze Reden überlassen? Das sieht dir gar nicht ähnlich.”

flüsterte sie leise und streichelte über seine breite Schnauze. Ihr Gegenüber brummelte sanft und hob seinen Kopf ein wenig mehr. Es war nur ein klitzekleiner Moment, aber bevor Fey auch nur irgendwas tun konnte, hatte der Bär ihr über den Hals und das Kinn geleckt.

„Iiiiih…”

quietschte sie und wich zurück, während der Bär zu Lachen begann. Es war ein animalisches, raues und tiefes Lachen, das allmählich menschlicher wurde, während der Bär sich erst auf die Hinterbeine stellte und dann rapide seine Gestalt änderte, bis dort ein grobschlächtiger Mann stand, der herzhaft lachte. Fey wischte sich angeekelt den Speichel von Hals und Kinn, bevor sie sich zu ihrer vollen Größe aufrichtete und auf den Mann zukam. Das Temperament loderte in ihren Augen und sie war versucht zu einer Ohrfeige auszuholen, aber sie wusste, dass dies ihr Gegenüber nur zu noch mehr Schabernack anstiften würde.

„Du… Du bist unmöglich!”

warf sie ihm ins Gesicht und stocherte mit ihrem Finger gegen seine breite, behaarte Brust. Bruder Bär ließ es über sich ergehen, er hatte es verdient, aber das war es für ihn wert gewesen. Er hob seine grobe, vernarbte Hand und fuhr liebevoll durch ihr Haar.

„Ja, ich weiß, und deswegen liebst du mich.”

antwortete er selbstbewusst. Fey presste ihre Lippen zusammen, sie konnte ihm nicht widersprechen, sie liebte ihn für seine lockere Art und für seine Scherze, gleichzeitig hasste sie ihn für sein Ego und seine schier endlose Selbstgefälligkeit. Sie sah zu ihm auf, selbst jetzt überragte er sie um fast einen Kopf und obwohl sie durchaus muskulös war, wirkte sie fast schon zwergenhaft vor seinem massigen Körperbau.

„Ich sollte dich…”

begann sie, brach aber mitten im Satz ab, weil er sie einfach immer noch nur verträumt ansah und sie im Begriff war dahinzuschmelzen.

„… was solltest du mich?”

fragte Bruder Bär und zog sie sanft gegen seine Brust, bevor er sie zärtlich umarmte. Sie schmiegte sich an ihn, legte ihren Kopf gegen seine Schulter, ließ sich in seine starken Arme sinken.

„…übers Knie legen…”

flüsterte sie, wobei das Lächeln sehr deutlich in ihrer Stimme zu hören war. Er sah auf sie herab und streichelte ihren Rücken.

„Gleich hier? Oder willst du lieber vorher reingehen, bevor noch mehr Touristen kommen?”

konterte er und keuchte leicht, als er ihre Zähne in seiner Schulter spürte. Er wehrte sich nicht, auch das hatte er verdient. Sie wussten beide, dass sie, wenn es darauf ankam, keinerlei Chance gegen ihn hatte. Sie hatte es in der Vergangenheit mehrfach darauf ankommen lassen und er hatte, wie man so schön sagte, den Boden mit ihr aufgewischt, und sie hatte die Narben, die das bezeugten. Sie krallte sich in sein Brusthaar und zog sich auf die Zehenspitzen, damit sie ihm besser ins Gesicht sehen konnte.

„Mach mir keine Angebote, die du nachher nicht einzuhalten gedenkst.”

sagte sie leise und sah ihm tief in blauen Augen, die trotz ihrer Farbe so viel Wärme ausstrahlten. Sie könnte die kleinen Fältchen an seinen Augenwinkeln sehen, als sein Lächeln auch seine Augen erreichte, bevor er seine Hände ihren Rücken hinuntergleiten gleiten ließ. Sanft umschlossen seine Pranken ihren Hintern und hoben sie mühelos hoch.

„Oooohohoho…”

lachte Fey und schlang ihre Beine um seine Taille und ihre Arme um seinen Hals.

„Stürmisch…”

Sie war nun Auge in Auge mit Bruder Bär und er grinste sie unverhohlen an.

„Es ist schon eine Weile her…”

sagte er und drückte ihr einen kleinen Kuss auf die Nase. Fey schloss ihre Augen und erlaubte sich die Intimität des Moments zu genießen, bevor sie ihren Kopf leicht nach vorne neigte und ihre dunkelbraunen Augen wieder öffnete. Sie sah ihn leicht von unten an und ihr Lächeln versprach so viel mehr.

„Mhm…”

Er zögerte einen Moment, bevor er seine Lippen auf ihre presste. Fey erwiderte den Kuss und zog sich enger an seinen stämmigen Körper. Es war nur ein kurzer Moment, aber einer, der beiden zeigte, dass keiner von beiden mehr in der Lage war, das, was folgen würde, zu verhindern.

Als sich ihre Lippen wieder von einander trennten, hechelte Fey fast und sie spürte, wie ihr Körper schnell heißer wurde.

„Hol eins von den Kanus… wenn… wenn uns schon jemand sehen soll, dann… dann will ich ihnen auch eine Show bieten…”

keuchte sie und ließ ihn los, während Bruder Bär nickte und sie wieder auf dem Boden absetzte. Seine Erregung, ob des Versprechens in Feys Aussage, war mehr als offensichtlich.

Drüben in Sunnys Pump hatten sich die Gemüter derweil wieder beruhigt. Nachdem die beiden Touristen ihren Kaffee genossen hatten, hatte Jimmy ihnen noch anhand einer Karte gezeigt, wie sie dem Trail weiter folgen konnten und schlussendlich an ihr Ziel gelangen würden. Sie waren noch nicht ganz außer Sicht, als Jimmy das Kiosk verließ und zu seinem Vater auf die Veranda trat.

„Bruder Bär scheint noch nicht im Winterschlaf zu liegen.”

sagte er gelassen und reichte Hugh eine Tasse Kaffee. Der alte Indianer sah den beiden Wanderern nach und nahm das Getränk entgegen. Genüsslich roch er an dem heißen Gebräu, bevor er die Tasse zu seine Lippen führte.

„Mhm…”

brummte er und nahm einen Schluck.

„Ich habe Fey losgeschickt, um nach ihm zu sehen.”

erklärte er schließlich, nachdem er den Kaffee heruntergeschluckt hatte. Er drehte die Tasse einige Male in seinen Händen hin und her.

„Irgendwann wird er einmal an einen Wanderer kommen, der eine Waffe dabei hat.”

antwortete Jimmy und rieb seinen linken Arm, wie er es immer tat, wenn er über unangenehme Dinge nachdachte. Hugh nickte mit einem grimmigen Lächeln.

„Zum Glück haben nur die wenigsten Silberkugeln im Magazin.”

Jimmy brauchte einen Moment bis er den Witz verstand, aber dann lachten beide herzhaft.

„Ja… genau… Silber…”

Konzept und Idee von

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