Die Drakonische Seifenoper

Story by elpoyodiabolo on SoFurry

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Drachen gibt es wirklich!

Lasst euch von niemandem etwas anderes erzählen. Es gibt sie wirklich und sie sind gefährlich. Diese großen geschuppten Biester sind eine Bedrohung für unsere Gesellschaft und wir sollten alles in unserer Macht stehende tun, um sie auszurotten.

Erhebt euch, Leute von Arnor. Erhebt euch und kämpft für eure Freiheit.

Tod den fliegenden Schrecken!

So steht es auf dem Propagandaplakat, das die Fürsten auf den Marktplätzen aller Dörfer, Städte und Ortschaften aufgehängt haben. Es wühlt die Bevölkerung auf, und mehr als einmal hat sich ein Mob, bewaffnet mit allem, was er auftreiben konnte, in die Berge gewagt, um die Drachen zu töten. Keiner ist je zurückgekehrt.

Aber sind sie wirklich Bestien? Sind sie wirklich die Bedrohung für unsere Gesellschaft, als die sie von den Fürsten dargestellt werden?

Finden wir es in fünf Kurzgeschichten heraus, die sich um diese schwer fassbaren Kreaturen aus Mythos und Fantasie drehen.

Geschrieben von El Poyo Diabolo & Freunde


Vorwort

Nachtisch vor dem Hauptgang

Akzeptanz

Aller Anfang ist Schwer

Working at the Dragonwash

A Moonlight Bath

Das Biest, Die Schöne und Die Kobolde

Von El Poyo Diabolo

2023 war also das Jahr, in dem ich wieder mit dem Schreiben von Kurzgeschichten begann.

Dank einiger großartiger Leute in der Gemeinschaft, die meine Fantasie angeregt haben, konnte ich mich wieder einer meiner Lieblingsbeschäftigungen widmen. Das Schreiben von Kurzgeschichten. Ich muss zugeben, dass ich dieses Gefühl schon vermisst habe: Nur noch ein Absatz. Lass mich nur noch diese Seite fertig schreiben. Und wenn man dann am Ende einen Blick auf die Uhr wirft, ist es schon wieder Morgen.

Um fair zu sein. Der Wiedereinstieg war schwieriger, als ich anfangs dachte, und der Mangel an Qualität zeigt das ziemlich deutlich. Aber dank Maxie the Wolf, alias Zephyr, und Fire15q habe ich einen Rhythmus gefunden, der es mir ermöglichte, einige wirklich lustige Geschichten zu schreiben. Einige davon waren ziemlich düster und einige hatten ernste Untertöne.

Nichtsdestotrotz war 2023 in dieser Hinsicht eine sehr schöne Erfahrung, und ich hoffe, dass ich in den nächsten Jahren weiter daran arbeiten kann.

I diesem Buch sammele ich all meine kürzeren Geschichten, die für sich genommen keine eigene Veröffentlichung bekommen. Die Varianz zwischen den einzelnen Geschichten ist groß und somit dürfte für jeden was dabei sein.

Von prickelnder Erotik, bis hin zu beißender Satire ist von allem was dabei.

Bis dahin, viel Spaß beim Lesen.

Aufrichtig

El Poyo Diabolo

Prolog

Er stand in der Küche, wo er gerade das Abendessen vorbereitete, und war damit beschäftigt, Gemüse zu schneiden, wobei er zufrieden vor sich hin summte. Er war so sehr auf seine Aufgabe konzentriert, dass er nicht einmal hörte, wie sie sich leise von hinten näherte, aber als sie ihn so konzentriert schnippeln sah, lächelte sie. Vorsichtig, um ihn nicht zu erschrecken, schmiegte sie sich an ihn an, und als sie das tat, zogen sich auch seine Lippen zu einem Lächeln nach oben, bevor sie die Klinge weglegte und sich ihr zuwandte.

„Wie war dein Bad?“

fragte er und schaute über seine Schulter, um zu sehen, wie sie ihn anstrahlte und ihren Kopf an seine Schulter lehnte.

„Es war himmlisch. Die Kräuter sind fantastisch.“

schnurrte sie, und er nickte sanft als Antwort. Sie hatten schon früh in ihrer Beziehung vereinbart, dass er sie jedes Mal, wenn er von einer seiner langen Reisen zurückkehrte, so richtig verwöhnen würde, weil sie sich so lange allein um ihr Zuhause kümmern musste; so wie heute hatte er sein Wort gehalten und ihr einige exquisite Kräuter für ein entspannendes Bad mitgebracht, hatte dafür gesorgt, dass das Wasser wohltemperiert war, und bereitete nun ein fürstliches Abendessen zu.

Neugierig blickte sie an ihm vorbei auf die große Schüssel voller Pilze, Zwiebeln und Karotten.

„Was soll denn das ganze Grünzeug?“

Die Skepsis war deutlich hörbar, als sie ihre Bedenken äußerte. Er folgte ihrem Blick und grinste.

„Ich habe es in den südlichen Königreichen gesehen. Sie verwenden es, um den Braten zu füllen. Es schmeckt köstlich.“

erklärte er, woraufhin sie den Kopf ein wenig schief legte. Was war falsch an einem Ochsenbraten ohne den ganzen Schnickschnack? Aber sie war bereit, es zu probieren. Was er zubereitete, schmeckte normalerweise köstlich.

„Gut, mach es, wie du willst. Ich vertraue dir.“

sagte sie gut gelaunt und schmiegte sich enger an ihn, was ihn zum Lachen brachte, als er die letzte Zwiebel in die Schüssel warf und begann, alles miteinander zu vermischen. Sie beobachtete ihn genau und knabberte spielerisch an seinem Hals, was ihrem Partner ein leichtes Kichern entlockte. Er wusste genau, was sie wollte. Sie hatten beide vereinbart, dass sie ein Geschenk bekommen würde, wenn er zurückkam, aber erst zum Abendessen.

Geduld war noch nie ihre Stärke gewesen, aber es nützte nichts. Er würde sich an ihre Abmachung halten. Die anderen Geschenke hatte er ihr bereits überreicht.

„Mir gefällt, was du aus der Höhle gemacht hast.“

Er versuchte, sie vom Thema abzulenken, indem er stattdessen auf einige neue dekorative Elemente anspielte.

„Du weißt ja, dass ich Hausierer nicht besonders mag, aber manchmal haben sie so schöne Sachen. Ich konnte einfach nicht widerstehen.“

gab sie kleinlaut zu und betrachtete einige der Plattenrüstungen, die sie sorgfältig an der hinteren Wand aufgestellt hatte. Er nickte und lächelte, während er begann, den Braten zu füllen.

Vor einiger Zeit waren sie weiter in den Norden gezogen, weil ihnen die lästigen Hausierer an ihrer alten Adresse zu sehr auf die Pelle gerückt waren. Es war mühsam gewesen, all ihr Hab und Gut hierher zu transportieren, aber ihr neues Zuhause hatte einige Vorteile. Es war deutlich geräumiger, bot eine wunderbare Aussicht, es kamen viel weniger dieser Störenfriede vorbei, und die Nachbarschaft war im Allgemeinen viel ruhiger. Vielleicht lag es daran, dass es weit oben in den Bergen lag.

Als sie wieder ihrem Partner dabei zusah, was er tat, rieb sie ihren Kopf entlang seines Hales und schnurrte leicht. Er lehnte sich leicht in ihre Liebkosung, spürte ihre Liebe zu ihm und dachte an den Tag zurück, an dem er sie zum ersten Mal gesehen hatte.

Sie hatten sich kennengelernt, als sie beide ausgerechnet dieselbe Burg weit unten im Süden plündern wollten. Sie hatte die Burg als Erste beansprucht, und er war zu spät zur Party gekommen. Normalerweise hätte er die deutlich kleinere, schwächere Drachin zurückgeschlagen und vertrieben, aber als er sah, mit welcher Eleganz sie den Angriffen auswich und trotzdem die Verteidiger einen nach dem anderen aus dem Weg räumte, hinterließ das einen bleibenden Eindruck bei ihm. Und die Art und Weise, wie das Sonnenlicht von ihren glänzenden Schuppen reflektiert wurde und sie wie einen feuerspeienden grünen Smaragd aussehen ließ, ließ ihn sich unsterblich in sie verlieben.

Als er sich schließlich zu erkennen gegeben hatte, hatte sie ihn natürlich angegriffen, da sie Anspruch auf die Burg und ihre Schätze erhoben hatte und er nur ein weiterer Konkurrent für sie war. Als er ihre Angriffe einfach abwehrte, gestand er ihr völlig überraschend seine Liebe, und zu seiner Überraschung war sie damit einverstanden. Nachdem sie die Burg dann gemeinsam geplündert und mit einer hübschen Beute verlassen hatten, waren sie so ziemlich immer zusammen geblieben.

„Faff, Liebling, kannst du mir jetzt nicht mein Geschenk geben?“

fragte sie mit engelsgleicher Stimme, aber er lachte nur leicht und schob den Braten auf den Spieß. Wann hatte sie eigentlich angefangen, ihn Faff zu nennen? Er erinnerte sich nicht mehr so genau. Sie mochte seinen vollen Namen nicht. Fafnir.

Obwohl er seinen Namen mochte, bestand sie darauf, dass er zu hart, zu germanisch klang, und obwohl er nicht einverstanden war, hatte er ihrem Wunsch aus tiefer Liebe zu ihr nachgegeben.

Von diesem Tag an hatte sie ihn Faff genannt. Nur wenn sie wütend auf ihn war oder wenn er Mist gebaut hatte, nannte sie ihn bei seinem vollen Namen. Aus demselben Grund wollte sie, dass er sie Emmy nannte, denn sie wollte nicht, dass er sie bei dem Namen nannte, den ihre Mutter für sie ausgesucht hatte: Esmeralda.

„Meine Mutter dachte, das würde zu mir passen, weil ich wie ein kleiner Smaragd ausgesehen habe, als ich geschlüpft bin.“

hatte sie erklärt. Faff hatte zugestimmt, sie Emmy zu nennen, da er ihren vollen Namen auch nicht mochte.

„Meine liebste Emmy, lass mich dir ein Angebot machen. Ich werde den Braten fertig machen - es dauert sowieso ein paar Stunden, bis er gar ist - und in der Zwischenzeit werden wir uns anderweitig vergnügen. Und wenn das Essen fertig ist, bekommst du auch dein Geschenk.“

schlug Fafnir vor und legte den Spieß auf den Rost. Als er sich wieder zu Emmy umdrehte, sah sie ihn mit ihren schönen, dunklen, blaugrünen Augen an und lächelte.

Während er tief in sie blickte, verlor er sich fast in ihrer Tiefe. Sie leuchteten vor Intelligenz, aber es lag auch ein gewisser Schalk in ihnen.

Beim Anblick seiner geliebten Emmy wurde Fafnir einmal mehr bewusst, dass er alles an ihr liebte. Ihr schlanker, aerodynamischer Körperbau, ihre geschwungene Krone, ihre schmale Schnauze. Jede ihrer Bewegungen war von geschmeidiger Eleganz, und bei den Älteren war sie schnell. Er liebte diese geschmeidigen Linien, die von ebenso geschmeidigen Schuppen bedeckt waren, die in einem intensiven Dunkelgrün schimmerten, zumindest damit hatte ihre Mutter recht gehabt.

Fafnir hingegen war das komplette Gegenteil von ihr. Wo Emmys Körper vor Schnelligkeit und Eleganz strotzte, schrie seiner vor Brutalität und Kraft. Er hatte schon fast vier Jahrhunderte gelebt, bevor sie überhaupt aus ihrem Ei geschlüpft war. Diese Jahre hatten ihn ein gutes Stück größer werden lassen als sie, und sein massiger Körperbau ließ Emmy fast zwergenhaft erscheinen, wenn sie nebeneinander standen.

Seine Schuppen waren bei weitem nicht so leuchtend wie die ihren, sie hatten eine matte, schwarze Farbe. Sie waren rau und hart, wie geschaffen, um Schaden abzuwehren. Seine Gliedmaßen waren wie Baumstämme, die seinen massigen Körper mit der tiefen Brust stützten. Auf diesem Körper saß sein breiter Hals, der seinen großen Kopf stützte, gekrönt von großen Hörnern, die ihn fast wie einen Rammbock aussehen ließen. Seine tiefliegenden Augen leuchteten in einem dunklen Rot.

Wie Fafnir es geschafft hatte, dass sie überhaupt daran dachte, ihn als Partner zu wählen, war ihm immer noch ein Rätsel. Aber das störte ihn nicht, er war einfach froh, dass sie ihn gewählt hatte.


Nachttisch vor . . .

Ein Feuer machte sich in ihm bemerkbar; eines, das er immer spürte, wenn sie ihn so ansah. In den vielen Jahren ihrer Beziehung hatte er erkannt, dass Emmy genau wusste, wie sie ihn manipulieren konnte, um genau das zu bekommen, was sie wollte. Sie ließ ihren Schwanz langsam hin und her pendeln, neigte ihren Kopf leicht und senkte ihn gerade so weit, dass es aussah, als würde sie sich ihm unterwerfen, was ihn vor Verlangen verrückt werden ließ. Er lächelte, zeigte ihr seine glänzenden Zähne und schmiegte seine Schnauze an ihre. Es hatte auch dieses Mal wieder funktioniert.

Emmy erwiderte seine Liebkosung, rückte näher an ihn heran und ließ ihren Kopf an seiner Schnauze entlang über seinen Hals hinuntergleiten. Währenddessen knabberte sie spielerisch an seinen Schuppen, die sich auf ihrem Weg befanden. Sie war in dieser Hinsicht wie eine Katze, die ihren Kopf an seinen rauen Schuppen rieb, um sich damit den schwer fassbaren Juckreiz zu kratzen. Faff tat es ihr gleich und ließ seinen massigen Kopf entlang ihrer glatten Schuppen gleiten, wobei er die ausgeprägtere Textur an seinem Kopf und Hals geschickt nutzte, um sie zu stimulieren. Er knabberte zärtlich an ihrer Schulter und ihren Flügeln und brachte sie zum Kichern, als sie langsam begannen, einander zu umkreisen. Nach und nach wurden ihre Neckereien zielgerichteter. In dem letzten Jahrhundert, das Emmy und Faff miteinander verbracht hatten, hatten sie genau gelernt, welche Knöpfe sie drücken und welche Hebel sie aneinander ziehen mussten.

„Hmmm Faff ... lass mich nicht noch länger warten ...“

fauchte die kleinere Drachin schließlich, nachdem sie sich seit einer gefühlten Ewigkeit umkreist hatten. Sie waren beide ziemlich angeheizt und Emmy atmete schnell. Der Widerschein des Feuers in ihren Augen passte ziemlich gut zu ihrem Gemütszustand. Sie ordnete ihre Flügel ungeduldig neu, etwas was sie immer tat, wenn sie aufgeregt war und nicht wusste wohin mit ihrer Engergie, und schnappte spielerisch nach ihrem Gefährten. Faff grinste diebisch, wisch dem Biss aus und fauchte sein Verlangen als Antwort. Er trat einen Schritt zurück, wedelte aufgeregt mit dem Schwanz und stieß die große Schüssel von dem Granitblock, der ihnen als Tisch diente. Er ignorierte das Scheppern hinter sich und ging auf Emmy zu, die sich bereitwillig bückte und ihren Schwanz aus dem Weg schob, damit er Zugang hatte. Er zitterte vor Erregung und senkte den Kopf, um einen Blick auf sie zu werfen, während sein eigener Schwanz wie eine Peitsche hin und her schnippte. Ihr Schlitz, unter normalen Umständen praktisch unsichtbar zwischen ihren dunkelgrünen Schuppen verborgen, war geschwollen und glühte rosa, und dieser schimmernde Glanz von Nässe war überall auf ihrem zarten Fleisch.

*Diese schlanke Drachin ist mehr als bereit.*

dachte der größere Drache und atmete tief ein und blähte seine Nasenflügel, als er ihren Duft aufnahm. Ja, sie war mehr als bereit, und so erregt wie er war, ragte sein langes, schlankes Glied bereits vollständig aus seinem Schlitz hervor. Emmy knurrte und fauchte und stampfte ungeduldig mit ihren Hinterbeinen auf den Boden. Sie brauchte es dringend.

Auch Fafnir konnte und wollte sie nicht länger hinhalten. Er gab ihrem Flehen und seinem eigenen Wunsch, mit ihr vereint zu sein, nach und bestieg sie energisch. Sein Glied zuckte, als er sich auf den Schlitz der schlankeren Drachin ausrichtete und in sie eindrang. Das Brüllen der beiden Drachen, als sie sich vereinigten, ließ die Wände ihrer Höhle erbeben. Faff schob sich ganz in Emmy hinein und genoss das Gefühl ihres engen und doch einladenden Liebestunnels, der um ihn herum pulsierte. Sie selbst genoss das Gefühl, dass seine mächtige Lanze sie ordentlich dehnte. Zu Beginn bewegte sich Faff langsam und fühlte sich vorsichtig in sie hinein. Emmy krümmte sich unter ihm, fauchte und schnurrte, als sie spürte, wie er sich in ihr bewegte und ihre Eingeweide aufwühlte. Ihre Vorderklauen schabten über den Granitboden, und sie bog ihren Hals zurück und versuchte, an der Kehle ihres Gefährten zu knabbern, während er über ihr thronte und sie mit seinem Gewicht und seiner Länge, die tief in ihr steckte, auf den Boden zwang.

Fafnir knurrte vor Vergnügen und begann, sich zielstrebiger zu bewegen, indem er seinen Schaft in aufreizend langen und sanften Bewegungen in sie hinein- und wieder herausschob. Sie wand sich, als sie sich dem intensiven Gefühl hingab, das seine Stöße in ihr auslösten. Ihr Schwanz schlug bei jeder Bewegung ihres Partners heftiger hin und her, was ihn dazu brachte, seinen Schwanz um den ihren zu wickeln, um ihn daran zu hindern, zu wild herumzuschlagen. Die Einschränkung ihrer Bewegungen trieb ihre Erregung nur noch weiter in die Höhe, bis sich ihre inneren Muskeln um seine Länge zu kräuseln begannen und sich anspannten. Sie stieß ein lautes Stöhnen aus und hörte, wie Faff aufstöhnte, als sein Glied dieser Behandlung unterzogen wurde.

„Ohhh bei den Ältesten, Emmy ... willst du mich diesmal bis auf den letzten Tropfen ausmelken ...“

knurrte Faff und beugte seinen Hals hinunter, um in die Spitzen ihrer nach hinten reichenden Krone zu knabbern. Diese Schuppen waren glatt und dennoch widerstandsfähig. Andererseits waren die Zähne eines Drachens dazu gemacht, Stahl zu zerreißen, sauber durch Plattenrüstungen zu schneiden und Schlachtrösser in Stücke zu reißen. Er musste vorsichtig sein, um nicht zu viel Schaden anzurichten. Emmys Fauchen, das zwischen Vergnügen und Schmerz lag, als er zubiss, verriet ihm jedoch, dass er genau den richtigen Druck ausübte, und das spornte ihn noch mehr an. Mit ihrer beträchtlichen Kraft drückte sich die schlanke Drachin mit aller Kraft gegen den Rohling über ihr, denn sie brauchte ihn tief in sich. Sie wollte jeden Zentimeter von ihm spüren, der sie bis an ihre Grenzen dehnte. Faff war ein großer Drache, viel massiver als sie, aber Emmy wollte es nicht anders haben. Sie brauchte es, dass er grob war, dass er sie bis an den Rand des Abgrunds brachte, wo ein gewisser Schmerz ihr Vergnügen nur noch verstärken würde.

Sie fauchte vor Vergnügen, während sie ihre meisterhaften Fähigkeiten einsetzte, um sein Vergnügen genau richtig zu dosieren, so dass er verleitet wurde, noch härter vorzugehen, aber noch nicht zu sehr, so dass er nicht zu früh kommen würde. Sie knirschte mit den Zähnen, als er erneut zubiss und dabei einige ihrer Schuppen durchbohrte und Blut vergoss.

„Ja... jaaaa... gib's mir... zeig mir deine wilde Seite...“

verlangte Emmy in ihrer Lust, hob ihren Hintern noch ein wenig mehr an und drückte mit ihren kräftigen Hinterbeinen gegen Fafnirs Hüften. Er ließ sie los, brüllte seine Zustimmung, verlagerte seine Position und drückte sich bis zum Anschlag in ihr Innerstes. Diese erneute Anstrengung stimulierte Emmy zutiefst. Sie hob ihren Kopf, um sich seinem Gebrüll anzuschließen, und ihr gemeinsames Donnern erschütterte das Fundament ihrer Höhle, während er mit seinen tiefen Stößen genau die richtigen Stellen traf.

Da er genau wusste, wonach sie sich sehnte, begann er hart und schnell in sie einzudringen. Er stieß in sie hinein und wieder heraus, während die Rippen seines Gliedes sie an allen richtigen Stellen rieben, und sie verkündete ihr Vergnügen, indem sie quietschte während er knurrte in seinem Bemühen, sie zu befriedigen. Sein Speichel tropfte auf sie herab, während er sich darauf konzentrierte, seine Intensität aufrechtzuerhalten, und sie neigte ihren Kopf und spannte ihre Muskeln an, um ihn so tiefgreifend zu melken, wie es für einen Drachen nur möglich war.

Faffs Krallen schabten über den harten Granit des Höhlenbodens, um ihm Halt zu geben, während er hart und tief in sie eindrang. Er hielt nichts zurück, er gab ihr alles, und langsam verwandelte sich sein Knurren in ein Brüllen, als er spürte, wie der Druck in ihm aufstieg. Emmy spürte die Anspannung ihres Gefährten und machte sich auf ihre Belohnung gefasst. Sie spannte ihre Beine an, bereit, so hart wie möglich zurückzustoßen, während ihre eigene Lust sie zu überwältigen drohte. Ihre Schreie wurden immer lauter, als sie den Kopf hob und ihm ihre Kehle zum Beißen präsentierte, wie es üblich war.

Als sich der Höhepunkt seinen Weg durch Fafnir bahnte, gab er ihr noch ein paar harte und tiefe Stöße, bevor sein Brüllen in einem einzigen ohrenbetäubenden Triumphschrei gipfelte. Er breitete seine Flügel aus, spannte seinen ganzen Körper an, reckte den Kopf so weit wie möglich in die Höhe und nahm das Ziel ins Visier, woraufhin er seine Kiefer fest um ihre Kehle schloss und seine Lanze ganz in ihren heiligsten aller Tempel versenkte. Als Emmy seinen mächtigen, letzten Stoß spürte, stieß sie sich mit aller Kraft gegen ihn, ihr eigener Schrei wurde von seinem kraftvollen Biss erstickt.

Gerade als er sie mit seinem brennend heißen Samen überschwemmte, erlebte auch sie ihren eigenen Höhepunkt, verkrampfte sich fest um ihn, dass sie ihn fast vorzeitig aus ihrem Schlitz drückte. Nur seine brachiale Kraft und Entschlossenheit hielten ihn fest in ihr und ließen nicht einen einzigen Tropfen seines Samens aus ihrer Höhle entweichen. Sie krümmte sich unter ihm und bockte, gefangen in den Wogen ihres Orgasmus. Ihre Beine traten nach hinten aus und schließlich riss sich ihr Schwanz aus seiner Verstrickung los.

Es dauerte eine heiße Minute, bis sich die beiden Drachen wieder beruhigt hatten, als der intensivste Höhepunkt ihres gemeinsamen Höhepunkts langsam abebbte. Nach der ersten Minute ließ Faff Emmys Kehle langsam los, um sie nicht völlig zu ersticken. Faff leckte sich über die Lippen, schmeckte ihr Blut daran und stieß ein leises Knurren aus, als er seinen Kopf an den ihren schmiegte.

Emmy kam langsam von ihrem Hochgefühl herunter und lehnte sich gegen seinen Kopf, wobei sie mit einem tiefen Knurren in ihrer Kehle ihre Zufriedenheit und Zustimmung zu seinen Bemühungen zum Ausdruck brachte.

Sie blieben noch eine Weile so und genossen ihre Verbindung, während er ihr hin und wieder einen kleinen, trägen Stoß gab, während sie ab und zu mit ihrem Hintern wackelte, einfach um sich gegenseitig zu verwöhnen.


Zwischenspiel . . .

Normalerweise konnten diese Sessions stundenlang andauern, aber sie hatten einen Braten auf dem Feuer, und es wäre schade gewesen, wenn er verbrannt wäre. Nach einiger Zeit zog sich Faff langsam aus ihrem Inneren zurück, was sie dazu brachte, scharf einzuatmen, als sein langes und dickes Glied herausglitt, und Emmy atmete mit einem schweren Grunzen aus. Sie drehte den Kopf und sah ihm nach, als er von ihr abstieg und ein paar Schritte zurückging, wobei er seine Gliedmaßen nacheinander streckte und seine Schwingen ausbreitete.

Es war ein beeindruckender Anblick, den er bot. All die rohe Kraft, über die Legenden geschrieben wurden, und er gehörte ihr, ihr ganz allein. Er sah sie ebenfalls an und beobachtete, wie sie sich so fließend wie Wasser bewegte, nie stillstand, ihre Bewegungen mühelos ineinander übergingen und ihn mit dem Spiel von Licht und Schatten auf ihren schimmernden Schuppen in ihren Bann zog. Er legte den Kopf leicht schief und blies ihr einen kleinen Rauchring zu, was sie leise kichern ließ.

Emmy liebte ihn genauso sehr wie er sie. Er war das Gegenstück zu ihr, ihr Seelenverwandter. Sie war das Licht zu seinem Schatten, die ruhige Brise zu seinem Temperament, auch wenn ihr Wind manchmal irrte und er sie wieder auf Kurs bringen musste.

Sie lächelte ihn an. Er hatte sie stolz gemacht, und er wusste es. Faffs Lächeln trug eine gewisse Selbstgefälligkeit in sich, aber er hatte es sich verdient. Sie legte den Kopf schief, ihre Lippen zuckten leicht vor Schmerz, denn sie würde seine Bisse vorerst noch spüren, aber ein Drache zu sein bedeutete auch, dass Wunden schnell heilten und die Blutung der Bisswunden, die er ihr so liebevoll verpasst hatte, bereits gestoppt hatte. Freudig blickte sie zwischen die mächtigen Beine ihres Gefährten und sah ihre Beute... Er hatte sein Glied noch immer nicht wieder eingezogen, sondern präsentierte es ihr stattdessen stolz.

Oh, sie würde ihn nach dem Abendessen auf jeden Fall noch einmal in die Mangel nehmen; sie würde dafür sorgen, dass ihr Geliebter rundum befriedigt war und nicht so unverhohlen damit angeben musste. Er hatte ein ausgezeichnetes Stehvermögen, wie es sich gehörte, aber diesmal würde sie ihn zu Fall bringen.

Mit einem entschlossenen Funkeln in den Augen trat Emmy an ihn heran und schwang dabei verführerisch ihre schönen Hüften und ihren langen, glatten Schwanz. Liebevoll strich sie mit ihrem Kopf an den rauen Schuppen seines Halses entlang, wobei sie einige von ihnen mit ihren Zähnen erwischte und ihnen weitere Kratzer zufügte, und knurrte zufrieden. Sie schob sich vorwärts, bis ihr Kopf unter seinem Kinn war, wo sie ihn sanft mit den spitzen Enden ihres Kammes kratzte, was Faff ein leises Grummeln entlockte.

„Hmmm... das war gut investierte Zeit, mein Liebster... wollen wir das fortsetzen, was wir angefangen haben... nach dem Abendessen?“

flüsterte Emmy leise, während ihr Knurren darauf hindeutete, dass sie das Abendessen am liebsten gleich ausfallen lassen würde. Faff bemerkte das natürlich, legte aber nur seinen Kopf sanft auf Emmys, ließ sie sein Gewicht ein wenig spüren und grummelte tief und zufrieden. Vielleicht reichte das, um sie für den Moment abzulenken.

„Oh, meine geliebte Emmy, natürlich machen wir nach dem Essen weiter. Wann habe ich jemals nein dazu sagen können?“

Er antwortete leise, schlang seine mächtigen Flügel um sie und verbarg sie in seinem Mantel der Dunkelheit. Freudig trat sie näher, schmiegte sich an ihn und fühlte sich in seiner Umarmung so sicher wie nur irgend möglich. Emmy lehnte ihren Kopf an seine starke Schulter, schloss für einen Moment die Augen und lauschte Faffs langsamem Atem und seinem gleichmäßigen Herzschlag. Sie erlaubte sich, sich an der größeren Gestalt ihres geliebten Partners zu entspannen, während er sie mit seinen mächtigen Flügeln festhielt.

Sie hatte ihn schmerzlich vermisst. Es war keine seiner längeren Reisen gewesen, denn manchmal war er jahrelang am Stück weg gewesen. Dieses Mal waren es nur ein paar Monate gewesen. Trotzdem waren sie für immer verbunden, und immer, wenn ihn das Fernweh packte, fürchtete sie, er würde nie mehr zurückkommen.

Sicher, Fafnir war ein mächtiger Drache. Groß und stark, in der Lage, ganze Armeen im Alleingang abzuwehren, aber noch größere und stärkere Drachen waren in der Vergangenheit diesen lästigen Menschen zum Opfer gefallen.

„Bleibst du dieses Mal eine Weile?“

fragte sie schließlich leise flüsternd. Er legte seinen Hals um den ihren und drückte sie fest an sich.

„Darüber wollte ich eigentlich mit dir beim Abendessen sprechen. Es gibt da etwas ... ich ... ja, ich glaube, ich bleibe dieses Mal eine Weile, aber lass uns beim Essen darüber reden, ja?“

antwortete der mächtige Drache so leise, wie es seine raue Stimme zuließ. Emmy freute sich über diese Worte, aber die Art, wie er sie sagte, beunruhigte sie. Da war etwas, das sie nicht ganz fassen konnte; etwas, das sie später aus ihm herauspressen musste. Aber im Moment war sie einfach nur froh, dass ihr Gefährte bei ihr bleiben würde. Sie ließ ihr Glück erkennen, indem sie sich näher an ihn schmiegte und ihren Kopf und Hals an seine Schultern drückte; dabei knabberte Emmy an den Schuppen zwischen seinen Schultern und legte schließlich ihren Kopf und Hals mit ihrem ganzen Gewicht auf ihn, um ihm zu zeigen, wie sehr sie sich auf seine Stärke und Liebe verließ. Fafnir spürte, wie sie sich an ihn lehnte, und reagierte entsprechend, froh, ihr die nötige Unterstützung zu geben; nicht, dass sie überhaupt schwer gewesen wäre. Ein Mensch hätte sie vielleicht für riesig gehalten, aber für ihn war sie nur eine Feder.

„Lass uns einen Blick auf den Braten werfen. Ich kann ihn schon riechen. Das wird ein guter Braten werden.“

sagte er schließlich mit etwas Heiterkeit in der Stimme, als er sie wieder losließ, und sie musste zustimmen. Der Braten roch köstlich. Sie hob ihren Kopf und strich ihm noch einmal über den Nacken, bevor sie mit einer fließenden Bewegung an ihm vorbeiging um sich den Braten anzuschauen.

Er war perfekt. Der Saft tropfte von ihm und die bronzefarbene Kruste hatte im Licht des Feuers genau den richtigen Schimmer. Das Fett des Fleisches brutzelte in der Hitze der Flamme und erfüllte die Luft mit seinem lieblichen Geruch. Emmy schnupperte noch einmal die geruchsbeladene Luft; es roch betörend und ihr lief das Wasser im Mund zusammen bei dem Gedanken, ihre Zähne darin zu versenken. Fafnir drehte sich viel langsamer nach ihr um, denn sein massiger Körperbau machte ihn viel schwerfälliger. Der schwarze Drache schnupperte an der Luft und kam lächelnd näher an die Feuerstelle in der Küche heran. Mit einer seiner scharfen Krallen stupste Fafnir den Braten an. Er war fast fertig, die Haut war schön knusprig, aber das Fleisch war noch zart und saftig. Er brauchte nur noch ein wenig mehr Zeit und Wärme, auch wenn es furchtbar verlockend war, ihn jetzt vom Feuer zu nehmen und sofort zu verzehren. Er widerstand dem Hunger, denn das Fleisch würde noch besser werden, wenn sie ihm noch ein wenig mehr Zeit ließen. Er senkte den Kopf und fachte die Flammen sanft wieder an, indem er etwas von seinem Drachenfeuer dazu gab. Nicht viel, nur so viel, dass der Braten den letzten Kick bekam.

Als er endlich fertig war, nahm Faff den heißen Spieß vom Gestell und legte ihn auf den großen Granitblock, den sie als Tisch und Arbeitsfläche in ihrer Küche benutzten. Obwohl er heiß war, griff er mit einer Klaue nach dem Spieß und hielt den Braten mit der anderen fest. Er zog ihn aus dem Fleisch und legte ihn auf den Boden neben der Arbeitsplatte. Beim Anblick ihrer Mahlzeit lief ihm das Wasser im Mund zusammen und er konnte es kaum erwarten, seine Zähne in diesen köstlichen Braten zu schlagen. Allerdings würde er noch ein wenig warten müssen, bis sie beide essen konnten. Er nahm das Messer - nun ja, es ein Messer zu nennen, war für ein Messer dieser Größe etwas untertrieben - und schnitt den Braten entlang des Rückgrats sauber in zwei Hälften. Der Geruch des Bratens, aus dem die Füllung quoll, erfüllte die Küche. Als er sah, wie sich die Füllung und der Saft auf dem Granitblock verteilten, war er versucht, die Klinge einfach abzulecken, verzichtete dann aber doch darauf. Stattdessen nahm er einen tiefen Atemzug und seufzte zufrieden.


. . . dem Hauptgang

„Hmm, perfekt...“

knurrte er leise, als Emmy sich neben ihn stellte, und er konnte nicht leugnen, dass ein gewisser Stolz in seiner Brust anschwoll, als er sah, wie auch sie den Geruch in sich aufnahm und sich über die Lippen leckte.

„Ja, ich hätte nie gedacht, dass dieses Grünzeug jemals zu etwas gut sein würde, aber ich habe mich wohl geirrt... Essen wir das auch?“

fragte sie und stocherte in einem der Pilze herum. Ihre niedlichen Faxen brachten ihn zum Schmunzeln, als er die Klinge weglegte, einen auf eine Klaue aufspießte und ihn ihr reichte.

„Sicher, sie schmecken köstlich.“

Die schlanke grüne Drachin schloss die Augen, öffnete den Mund und nahm den kleinen Leckerbissen von ihm entgegen, schloss ihre Lippen um seine Kralle und saugte sanft daran, als er sie herauszog. Er lächelte und dachte über die Möglichkeiten nach, während sie den Pilz kostete, der nun mit all diesen herrlichen Aromen durchtränkt und gründlich gegart worden war. Es war ein unbekannter Geschmack für sie, aber sie mochte ihn. Er war etwas Besonderes, etwas Außergewöhnliches, und obwohl sie ihn nicht jeden Tag brauchen würde, war er für eine Gelegenheit wie diese ein netter kleiner Genuss. Emmy kaute darauf herum und genoss den Geschmack, bevor sie schluckte und ihren geliebten Gefährten anlächelte.

„Das hat in der Tat sehr gut geschmeckt. Daran könnte ich mich gewöhnen.“

schwärmte sie und betrachtete den Braten mit wachsendem Appetit, was ihn zu einem sanften Lächeln und Nicken veranlasste.

„Wollen wir dann essen, meine Liebste?“

fragte Faff und umrundete langsam ihren Tisch. Emmy nickte und nahm ihren Platz auf der ihm gegenüberliegenden Seite ein. Nachdem sie sich niedergelassen hatte, gab er ihr ein Zeichen, mit dem Schmaus zu beginnen, und als sie es tat, tat auch er es.

Ein ganzer Ochse, einschließlich der Füllung, für nur zwei Drachen würde für einen Menschen viel erscheinen, aber für sie war es genau richtig für ein nettes Abendmahl. Sie aßen langsam, teilten sich hier und da ein kleines Stück und fütterten sich gegenseitig mit kleinen Leckereien.

Seine Augen waren immer auf sie gerichtet. Er konnte gar nicht genug von ihr bekommen. Selbst wenn ihre Schnauze mit Saft, Fleischstücken und Grünzeug bekleckert war, war sie immer noch das schönste Lebewesen, dem er je begegnet war. Und er hatte schon alles gesehen... Nicht einmal die sagenumwobenen Einhörner kamen an sie heran, bei weitem nicht.

Während seine geliebte Partnerin das Hinterbein des Ochsen festhielt und herzhaft hineinbiss, holte Fafnir ein kleines Säckchen hervor, das er vorhin neben dem Tisch versteckt hatte, und legte es zwischen ihnen auf den Granit.

Als sie es bemerkte, ließ Emmy das Bein los und schaute ihn mit großen Augen an. Vorsichtig leckte sie ihre Krallen und ihre Schnauze sauber, bevor sie nach dem kleinen Bündel griff.

„Wie ich versprochen habe, werde ich jedes Mal, wenn ich von einer meiner Reisen nach Hause komme, eine besondere Kleinigkeit mitbringen, für dich, und nur für dich.“

Sagte er mit leiser Stimme und lächelte sanft, als sie das Bündel zu sich zog und es öffnete. Sie warf einen Blick hinein, und was sie sah, ließ ihre Augen ehrfürchtig funkeln, bevor sie ihn wieder ansah und breit lächelte.

„Oh, das wäre doch nicht nötig gewesen...“

rief sie ihm zu und ordnete aufgeregt ihre Flügeln neu, während Faff grinste und den Kopf schief legte. Er nickte sanft und gab ihr ein Zeichen, das kleine Etwas aus dem Sack zu nehmen.

„Ich weiß, aber für dich, meine Liebe, ist nur das Beste gerade gut genug.“

erklärte er in einem liebevollen Ton und hauchte ihr einen kleinen Kuss zu. Sie fing ihn auf und brachte ihn an ihr Herz, um ihn sicher aufzubewahren, dann schaute sie wieder in das kleine Säckchen. Vorsichtig nahm sie, was darin war, und zog es aus dem Beutel: eine Krone, von der Größe her für einen menschlichen Kopf, aus Gold und Silber. Das kostbare Accessoire war am Rand mit Edelsteinen und anderen wertvollen Steinen besetzt. Die Drachin nahm sie zwischen ihre großen Klauenfinger und drehte sie, um sie von allen Seiten zu betrachten. Bei jeder ihrer Bewegungen reflektierten und funkelten die Edelsteine im schwachen Licht der Höhle, und sie konnte nicht anders als herzhaft zu lächeln.

„Oh, er ist so hübsch. Er wird so gut zu den anderen passen.“

sagte Emmy und steckte sie vorsichtig zurück in den Sack, bevor sie um den Tisch herumging und sich an ihren geliebten Gefährten schmiegte. Sie knabberte an seinem Kinn und lehnte sich schwer an ihn. Er lächelte und erwiderte das Knabbern an ihrem Hals.

„Das dachte ich mir auch... er hat sie auch ziemlich gut festgehalten...“

Fafnir stimmte mit einem leichten Grinsen zu und er konnte ihr Kichern spüren, noch bevor er es hörte. Langsam löste sie sich von ihm und sah zu ihm auf, und ihr Lächeln war so ansteckend wie immer.

„Diese lästigen Menschen, nie wollen sie teilen. Die ganze Zeit wollen sie ihre Schätze für sich behalten... tsk tsk tsk...“

erwiderte die kleinere Drachin, ihre Stimme triefte vor Sarkasmus, und ihre Augen leuchteten hell, als sie ihren Krallenfinger hob und mit ihm in der für die Menschen so typischen schimpfenden Weise wedelte. Er nickte sanft und erwiderte ihr Lächeln, bevor er seinen Kopf senkte und seine Schnauze sanft an ihre schmiegte. Während sie seine Berührung genoss, schloss Emmy ihre Augen und gab sich noch ein wenig länger diesem Gefühl hin. Als sie sich schließlich sanft von ihm zurückzog und schnell auf ihre Seite des „Tisches“ zurückkehrte, hob sie mit einer Kralle etwas von der Füllung auf, genau wie Faff es zuvor getan hatte, und steckte sie genüsslich in ihr Maul. Ein gekrümmtes Lächeln umspielte ihre Schnauze, als sie sinnlich an ihrer Kralle saugte und sie zum Abschluss mit einem lauten Ploppen wieder aus dem Mund zog. Er knurrte leise, denn er spürte diese Erregung in sich, die er immer verspürte, wenn Emmy solche Dinge tat, und grinste zu ihr hinüber. Es ließ kaum einen Zweifel daran, was er vorhatte.

„Oh, du bist unersättlich ... meine liebe Emmy.“

Sagte er als Antwort auf ihre Machenschaften. Sie senkte den Kopf und sah ihn aus den Winkeln ihrer schönen Augen mit einem schelmischen Lächeln an.

„Das weißt du doch. Ich kann gar nicht genug von meinem Faff bekommen.“

sagte Emmy und pföttelte scherzhaft nach ihm. Als er ihre spielerische Reaktion sah, lachte er ein raues und tiefes, aber herzliches Lachen.

Sie aßen weiter ihr Abendessen, um nichts von der Köstlichkeit verkommen zu lassen. Faff spießte den letzten Rest der Füllung auf seine Kralle auf und reichte sie ihr. Wieder nahm sie sanft seine Kralle in den Mund, diesmal sogar fast den ganzen Finger, und zog die Leckerei mit ihrer Zunge ab, bevor sie an Finger und Kralle saugte und leckte. Er ließ sie gewähren und genoss die Aufmerksamkeit. Einem Gedanken folgend begann er, seinen Finger sanft in ihren Schlund hinein und wieder heraus zu bewegen. Sie brummte zustimmend, saugte fester daran und ließ ihre Zunge an seinem Finger entlang spielen. Er lächelte und neigte seinen Kopf zur Seite.

„Willst du das in der Höhle fortsetzen, vor dem Kamin?“

fragte Fafnir leise und zog seine Klaue vorsichtig aus ihrem Mund, aber sie ließ es fast nicht zu und wickelte ihre Zunge fest um seinen Finger. Er grinste und ließ sie noch ein wenig länger gewähren, während er ihr zusah, wie sie an seinem Finger saugte und spürte, wie seine Erregung von Sekunde zu Sekunde stieg. Oh, er wollte sie in diesem Moment so sehr. Schließlich ließ Emmy ihn los und mit einem hörbaren Plopp schnappte sein Finger von ihren Lippen los. Mit einem verschlagenen Grinsen führte er ihn an seine Lippen und leckte ihr den Speichel ab, was sie vor Verlangen schnaufen ließ. Der große Drache kam langsam auf ihre Seite herüber. Er überragte im wahrsten Sinne des Wortes ihre vergleichsweise kleine Statur und blickte auf sie herab. Emmys Atmung beschleunigte sich.

Fafnir strahlte von Natur aus diese Art von Autorität aus, die völlige Unterwerfung verlangte, und auch wenn Emmy eigenwillig und freigeistig war, liebte sie es, wenn er die Führung übernahm und von ihr verlangte, seinem Befehl zu gehorchen. Als er tief schnupperte, weiteten sich seine Nasenlöcher und nahmen ihren animalischen Duft auf. Er schmeckte ihn gründlich und roch ihre Erregung. Ein tiefes, gutturales Grollen entrang sich seiner Kehle, als er sich in Richtung der Höhle drehte und ihr ein Zeichen gab, ihm zu folgen. Sie holte scharf Luft und musste ihre Schenkel zusammenpressen, als sie den ersten Schritt machte um ihm zu folgen. Sie zitterte vor Erwartung, und ihre Flügel bewegten sich unaufhörlich, während sie versuchte, die aufkommende Spannung zu bekämpfen. Emmy erschauderte bei seinem Anblick, während ihr Schwanz unwillkürlich hin und her peitschte.


Nachschlag irgendwer . . . ?

Fafnir betrat die Höhle, ihren Wohn- und Schlafbereich. Sie hatte sich große Mühe gegeben, sie schön zu dekorieren. Sie hatte eine große Feuerstelle, ein Muss für jede Höhle, die diesen Titel verdiente, und davor hatte sie einige schöne und gemütliche Felle und Häute drapiert. An der Rückwand hatte sie einige der schönsten Rüstungen und Waffen jener lästigen Abenteurer und Söldner ausgestellt, die halbwegs regelmäßig ausgesandt wurden, um sie zu jagen und zu erschlagen. Bis jetzt hatten sie ihr nie auch nur annähernd etwas zuleide tun können, geschweige denn ihm, aber sie brachten Geschenke und dekorative Gegenstände mit, zumindest meistens... wenn nicht, waren sie zumindest immer für einen kleinen Snack gut.

An der anderen Wand hatte sie einige ausgewählte Stücke aus ihrem Schatz dekoriert. Sie hatten im Laufe der Jahre eine ziemliche Schatzkammer angehäuft, was sie zu einem bevorzugten Ziel für diejenigen machte, die auf schnellen Ruhm und Reichtum aus waren, oder eher auf einen meist schnellen, aber definitiv nicht schmerzlosen Tod.

Während Faff vor ihr ging, ließ er seinen Schwanz absichtlich nach links und rechts schwingen, gerade so viel, dass sie einen Blick darunter werfen konnte. Emmy erhaschte einen Blick auf seinen Schlitz und sein langsam hervortretendes Glied und kicherte mädchenhaft vor Erregung, denn sie wusste, dass er das mit Absicht tat. Ihr Atem beschleunigte sich und ihre Nasenflügel zuckten, als sie die Luft hinter ihm schnupperte und seinen moschusartigen Geruch wahrnahm, der mit dem würzigen Geruch seiner Erregung versetzt war. Er kicherte, als er das bemerkte, und setzte seinen Weg langsam in Richtung der Feuerstelle fort. Ein kurzer Stoß seines Drachenfeuers genügte, um die großen Holzscheite in der Grube zu entzünden, bevor er sich auf die Felle legte, sich auf die Seite rollte und ihr ihren Preis präsentierte.

Emmys Augen weiteten sich, als sie seinen mächtigen Phallus vollständig entblößt und bereits teilweise erigiert sah. Sein zwei Fuß langer, spitz zulaufender Schaft war leicht nach unten gebogen, und seine glatte Oberfläche war noch nicht mit den üblichen Rippen verziert, die ein voll erigierter Drachenphallus aufwies. Während sie ihn bewunderte, bemerkte sie, wie die Adern mehr Blut in ihn hineinpumpten und ihn so sanft pochen ließen. Die schlanke Drachin spürte, wie ihr Herzschlag anstieg, als sie ihren Blick von seiner Lanze abwandte und zu seinem Gesicht sah.

„Da du so begierig bist, an Dingen zu saugen, warum schlingst du nicht deine schöne Zunge um das hier?“

knurrte er in einem autoritären Ton, aber der Blick in seinen Augen, wie er sie näher zu sich winkte, auf sein Glied deutete und die Art, wie er grinste, während er knurrte, zeigte, wie sehr er sie wirklich liebte. Sie kam zu ihm, und mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen senkte sie unterwürfig den Kopf. Sie schmiegte sich an ihn, rieb ihren Kopf an seinem und murmelte leise ihr Verlangen nach ihm. Faff antwortete mit einem zufriedenen Knurren und leckte über ihre Krone und ihren Hals.

„Hmmm ... vielleicht will der Herr erst ein bisschen Kuscheln ...?“

flüsterte sie, wobei die Heiterkeit in ihrer Stimme deutlich zu hören war. Der größere Drache schnaufte leise und hob den Kopf ein wenig, ohne ihr in dieser Hinsicht zu widersprechen, also knabberte sie weiter an seinem Kinn, bevor sie sich langsam seinen Hals hinunterarbeitete, an seinen dicken Schuppen leckte und knabberte und die Schrammen und Kratzer vergrößerte, während sie weiter nach unten arbeitete.

„Hrrnnn... oh, du bist so eine Verführerin.“

Murmelte Faff, während er ihre Machenschaften sichtlich genoss. Er konnte sie leise kichern hören.

„Natürlich, oh mächtiger Fafnir, ich werde alles tun, um meinem geliebten Gefährten zu gefallen.“

flüsterte Emmy und konnte ihr Kichern kaum unterdrücken, als sie sich langsam an seinem muskulösen Hals hinunterarbeitete, ihre Schnauze an seinen gehärteten Schuppen entlangstreichelte und an ihnen knabberte, um die empfindlichsten Stellen zu finden. Sie ließ seinen Hals hinter sich und wanderte hinunter zu seiner mächtigen Brust. Faffs starke Muskulatur, die sich unter dicken, ineinander greifenden Platten aus gehärteten Schuppen verbarg, hatte eine breite und doch flexible Brust geformt, die unter seiner Atmung wogte.

In ihrem erregten Zustand durchdrang Emmys Duft die Luft und machte sie schwer mit diesem primitiven, moschusartigen Geruch, da sie von seinem dominanten Verhalten so angetan war. Faff atmete ihn gierig tief ein und trank sich an dem berauschenden Duft satt. In diesem erregten Zustand musste er aufpassen, dass er sie nicht einfach auf den Boden zerrte und sie gleich wieder gewaltsam bestieg, denn er wollte dies noch weiter auskosten, wollte, dass sie ihm diente, sich ihm unterordnete, wie sie es nie bei einem anderen tun würde.

Und das tat sie auch, denn sie liebkoste fleißig seine Brust und arbeitete sich langsam zu seinem Bauch hinunter. Trotz seiner dicken Panzerung war er an manchen Stellen immer noch recht empfindlich, und im Laufe der vielen Jahre hatte Emmy herausgefunden, wie sie ihren Gefährten necken konnte und wo sie knabbern musste, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Fafnir knurrte und schnaufte vor Vergnügen, während sie ihre Zähne, Zunge und Krallen an ihm einsetzte und sich seinem inzwischen steinharten Glied immer weiter näherte. Dass sie sich ihrem ultimativen Ziel näherte, blieb nicht unbemerkt, und so hob Faff mit einem leisen, zufriedenen Knurren sein Hinterbein, um ihr einen besseren Zugang zu ihrer Beute zu ermöglichen. Er atmete tief durch, als sie schließlich ihre Schnauze direkt vor seiner Spitze schweben ließ. Ihr glühend heißer Atem strich über seine leicht zuckende Lanze und ließ ihn vor Vorfreude murren. Sie leckte sich über die Lippen, während ihr Mund bei dem Gedanken an das, was kommen würde, wässerig wurde.

Obwohl er verzweifelt darauf wartete, dass sie anfing und alles in ihm danach schrie, sie einfach zu zwingen, endlich zu beginnen, schaffte es Faff kaum, sich zurückzuhalten. Emmy war unterdessen wie hypnotisiert von den leichten Bewegungen seines Gliedes, die durch das Blut verursacht wurden, das durch die nun dicken Adern floss und sich über die Oberfläche seines Gliedes schlängelten. Langsam öffnete sie ihren Mund und leckte leicht über seine Spitze, wobei sie den kleinen Tropfen schmeckte, der sich bereits an der Spitze seines Phallus gebildet hatte.

Der mächtige Drache zitterte und knurrte tief. Ihre Zunge war noch heißer als sein Glied, und selbst diese kleine Berührung fühlte sich für ihn wie der Himmel an. Offenbar zufrieden mit ihm, streckte Emmy ihre gespaltene Zunge noch einmal aus und leckte seinen Schaft noch einmal sorgfältig ab. Sie hatte seinen Geschmack schon immer gemocht, und es war bei weitem nicht das erste Mal, dass sie dies mit ihm tat, aber jedes Mal war es für ihn eine besondere Herausforderung, denn er wusste, dass ihre Kiefer in der Lage waren, Plattenpanzer zu zerreißen, und sein Glied war bei weitem der empfindlichste Teil von ihm. Er erinnerte sich an das erste Mal, als sie es mit ihm tat. Sie waren damals noch nicht lange zusammen, und so war er bis in die Schwanzspitze angespannt gewesen, da er ihr noch nicht ganz vertraute. Damals war es eine große Sache für ihn gewesen, ihre mächtigen Kiefer um seinen Phallus zu haben und ihr völlig ausgeliefert zu sein. Damals hatte er es noch nicht richtig genießen können, aber heute war es für ihn nur noch erregender.

Emmy schaute zu ihm hinüber und sah, dass er bereits nach Luft schnappte. Sie grinste breit und neckte ihn, indem sie ihn noch ein bisschen mehr leckte. Sein leises, zufriedenes Knurren gefiel ihr sehr, denn sie wusste, dass er zwar die dominante Rolle spielte - und er war sehr wohl in der Lage, sie zu zwingen, wenn er wollte -, aber dass er ihr im Moment so ziemlich die Kontrolle über sein Vergnügen überließ. Sie dachte einen Moment lang über diesen Gedanken nach und schaute wieder auf sein Glied hinunter, das leicht zuckte und darauf wartete, dass sie fortfuhr.

„Nyooaah...“

stöhnte sie schließlich leise, während sie ihren Schlund weit öffnete, hinuntertauchte und ihre Lippen vorsichtig um sein heißes und hartes Glied schloss. Sie legte ihre Zunge an die Unterseite und begann rhythmisch zu saugen. Zuerst saugte sie nur sanft und bewegte ihren Kopf langsam an seinem Schaft entlang, wobei sie spürte, wie seine Rippen an der oberen Wand ihres Mundes rieben.

„Hmmpf... slrp... hnnnf...“

murrte Emmy leise. Faff schloss unterdessen die Augen, und seine Krallen gruben sich in die Felle, auf denen sie lagen, während er leise stöhnte und tief atmete, während sie langsam ihre Bewegungen vertiefte. Die Rippen auf der Rückseite seines Gliedes waren hochsensibel, und es war erregend, sie gegen die harte und raue Decke ihres Schlundes reiben und kratzen zu lassen. Emmy legte sich hin und massierte mit der krallenbewehrten Pranke ihres Vorderbeins sanft den Ansatz seines Glieds, wobei sie ihre messerscharfen Krallen so sanft über seine zarte Haut gleiten ließ, dass er vor Lust erschauderte. Sie genoss es, ihn erbarmungslos zu necken, denn sie wusste, dass er ganz und gar darauf abfuhr. Er stöhnte laut auf und sah zu ihr hinunter.

„Hrmm ... ja ... das machst du gut ...“

sagte Fafnir leise, streckte seine Pfote zu ihr hinunter und streichelte ihre Wange. Sie schloss die Augen und lehnte sich in die zärtliche Berührung, so gut sie konnte, während sie ihre Zärtlichkeiten aufrechterhielt. Angespornt durch sein Lob und seine Streicheleinheiten an ihrer Wange, saugte sie etwas fester und umspielte mit ihrer Zunge sein Glied genau zwischen zwei seiner Rippen, was ihm ein weiteres Stöhnen entlockte, während sein Hinterbein leicht zu zucken begann. Sie blinzelte auf den Ansatz seines Gliedes hinunter, und ihre Pranke glitt sanft ein Stück nach oben, während sie mit einem Krallenfinger auf seinen Schlitz zeigte. Ganz sanft glitt sie mit ihrer Pranke an seinem Schaft hinunter, begleitet von ihrer Schnauze, und schob ihren Finger in einer einzigen, gleichmäßigen Bewegung bis zum Knöchel in seinen Schlitz, wobei sie die Basis seines Gliedes neckte.

Als sie spürte, wie ihr krallenbewehrter Finger ihn so tief unten kitzelte, holte der mächtige Drache scharf Luft und knurrte sein Vergnügen in einem tiefen Grollen heraus. Emmy konnte hören, wie die Felle unter seinen Krallen zerrissen, als er sich dagegen stemmte und seinen Körper anspannte, während sie ihren Kopf weiter auf und ab wippte. Sie knurrte vergnügt gegen sein Glied und ließ ihren Schwanz nach links und rechts wippen, um ihre Freude an seinen schönen Qualen zu zeigen.

Faff stieß ein heulendes Knurren aus und sein ganzer Körper erbebte. Sein Schwanz peitschte herum und schlug auf den Boden ihrer Höhle, während der große, mächtige Drache verzweifelt versuchte, seinen Höhepunkt zu unterdrücken. Er wollte nicht, dass diese Erfahrung zu Ende ging; noch nicht.

Auf der anderen Seite lag Emmy und vergnügte sich damit, ihren Partner gnadenlos zu reizen. Sie hatte, zugegebenermaßen im letzten Jahrhundert, die Kunst gemeistert, ihn an den äußersten Rand zu bringen und dort zu halten, bis er es nicht mehr aushielt; sie wusste genau, wie sie ihre Zunge, ihre rasiermesserscharfen Zähne und ihre Klauen wirkungsvoll einsetzen konnte. Inzwischen steckte er fast ganz in ihrem Schlund, so dass sein langer, spitz zulaufender Schaft in ihrer Kehle eindrang, während sie beim Ausstoßen nur noch durch die Nase atmete. Sie hatte gelernt, lange die Luft anzuhalten, um sein Vergnügen zu maximieren. Aber ihm Freude zu bereiten, bedeutete ja nicht, dass sie selbst keinen Spaß haben konnte. Sie genoss es nicht nur, ihn zu sehen und zu spüren, wie er sich unter ihren Berührungen wand, auch ihr eigener Schlitz war geschwollen und drückte gegen den kalten Granit, während ihr immer energischer peitschender Schwanz ihre Hüften dazu zwang, sich von einer Seite zur anderen zu bewegen, was der schlanken Drachendame einiges an Vergnügen bereitete.

„Bei den Ältesten, Emmy ... ich weiß nicht, wie lange ich es noch aushalten kann ...“

presste Fafnir zwischen Stöhnen von höchstem Vergnügen hervor. Er fühlte sich, als würde er jeden Moment platzen, als er sich anspannte und seine Flügel ausbreitete, während seine Muskeln sich verkrampften und seinen Körper schüttelten. Er spürte, wie sein Glied in ihrem Schlund zuckte und pulsierte, und er fühlte das vertraute Gefühl, wie es sich erhitzte, während sein Körper sich darauf vorbereitete, seinen kostbaren Samen noch einmal zu vergießen.

Er krümmte sich in einer engen Sichelform um sie, seine Muskeln zitterten unter der Anstrengung. Er biss die Zähne zusammen und stieß ein schmerzhaftes Grunzen aus, bevor er sich aufrichtete wie eine Feder, die ihre Spannung freigab. Es war mehr ein Keuchen als ein Brüllen, mehr ein Fauchen als ein Knurren, als er sich schließlich seinem Höhepunkt hingab. Emmy reagierte rechtzeitig, packte sein Glied am Ansatz und steckte es bis zum Anschlag in ihren Mund, wobei sie darauf achtete, nicht zuzubeißen. Sie benutzte ihre Zunge, um sein brennend heißes Sperma direkt in ihre Kehle zu leiten, und tat ihr Bestes, um es ganz zu schlucken. Zwar war sie noch nie ein großer Fan davon gewesen, seinen Samen zu trinken, aber sie wusste genau, dass es ihm einen gewaltigen Kick verschaffte, und so ging sie über diese Brücke, denn sie wusste, dass er es ihr später mit gleicher Münze heimzahlen würde.

Er zitterte, seine Muskeln spannten sich an und verkrampften sich, während er in der Heftigkeit seines Orgasmus gefangen war. Faff war ein großer und kräftiger Drache, dessen Ausbruch seinen Kräften entsprach, und manchmal, wenn er von langen Reisen nach Hause kam, fand sich Emmy am Ende eines voll aufgedrehten Schlauchs wieder, der sie fast ertränkte. Zum Glück war heute kein solcher Tag, aber seine Ladung war trotzdem beträchtlich, und sie musste sich anstrengen, nichts zu verschütten. Immer noch zuckend und zitternd, da sich seine Muskeln noch nicht wieder beruhigt hatten, kam der mächtige, schwarze Drache langsam von seinem Hoch herunter. Seine unregelmäßigen Atemzüge bebten, als er sich über die Lippen leckte und auf seine schöne Gefährtin herabblickte. Keuchend versuchte er, seine Muskeln langsam wieder zu entspannen, aber das Adrenalin floss noch immer heiß in seinen Adern.

„ Bei allen Himmeln Emmy...hrnnnn... du hast dich selbst übertroffen...hfff...“

keuchte er und versuchte, wieder zu Atem zu kommen, während sie immer noch schlürfte und den letzten Rest seines Spermas von seinem mächtigen, pulsierenden Glied schluckte. Langsam zog sie ihre schlanke Schnauze zurück, umschloss sein Glied fest mit ihren Lippen, umspielte es fieberhaft mit ihrer Zunge und reinigte es gründlich. Als es schließlich aus ihrem Mund herausploppte, leckte sich Emmy ausgiebig über die Lippen und sah verführerisch zu ihm hinüber. Der große, dunkle Drache schnaufte noch einmal und gewann schließlich die Kontrolle über seine Atmung zurück. Jetzt, da er seine Belohnung bekommen hatte, war es an der Zeit, sich bei seiner geliebten Gefährtin zu revanchieren. Auch wenn er sich jetzt am liebsten an sie kuscheln und den Rest des Abends vor dem Kamin dösen würde, um die Wärme der Flammen auf sich wirken zu lassen, hatte sie ihre Sache gut gemacht und ihre Belohnung verdient. Fafnir rollte sich mit einem leisen Stöhnen auf den Bauch und richtete sich langsam auf, während Emmy jede seiner Bewegungen beobachtete und gespannt darauf wartete, was als Nächstes geschah. Er streckte eine nach der anderen seine Gliedmaßen, um die verkrampften Muskeln zu lockern; er reckte seinen knackenden Hals und seinen Schwanz, bevor er seine Flügel ausbreitete und damit fast das gesamte Licht der Feuerstelle hinter ihm verdeckte. Die dicke, lederartige Haut auf seinen Flügeln war fast völlig undurchsichtig, ganz im Gegensatz zu der halbdurchsichtigen Membran ihrer Flügel. Schritt für Schritt schob er sich vor ihrer immer noch kauernden Gestalt zu seiner vollen Größe empor. Er blickte auf sie herab und blies dichte Rauchwolken wie Dampf aus seinen Nasenlöchern. In seiner Erregung hätte ihn das Feuer fast übermannt und er musste sich ein wenig zurückhalten. Nicht, dass er ihr mit seiner Flamme wehgetan hätte, aber es hätte sicherlich die Felle in Mitleidenschaft gezogen.

„Auf den Rücken.“

befahl er in einem strengen Ton, während er beobachtete, wie die schlanke, geschmeidige Drachin elegant ihre Flügel um ihren kurvenreichen Körper faltete und sich gehorsam umdrehte. Als Emmy auf dem Rücken lag, breitete sie ihre Flügel leicht aus, um sich zu stabilisieren, und zog ihre Beine an, als wollte sie schüchtern ihren verletzlichen Bauch bedecken. Sie sah mit einem unschuldigen Lächeln zu ihm auf, während ihr Schwanz hin und her wedelte. Faff lächelte, als er sie von oben bis unten betrachtete.

„So begierig, zu gefallen.“

stellte er in einem liebevollen Ton fest.

„Und ich bin erfreut. Du warst eine gute kleine Drachin ... eine sehr gute Drachin sogar ...“

fügte er hinzu und beugte seinen Kopf hinunter, bis er nur noch knapp über ihrem schwebte. Emmy lächelte und hob ihren Kopf, um seine Schnauze liebevoll zu liebkosen, wobei sie ihre Vorderpfoten benutzte, um ihn festzuhalten, damit er sich nicht einfach zurückziehen konnte.

„Willst du mich dafür belohnen, dass ich so brav bin?“

fragte sie leise und knabberte an seinem Kinn. Einige seiner Schuppen waren schon ziemlich angefressen, aber das machte Faff nichts aus. Er blickte auf seine schöne Gefährtin hinunter. Natürlich würde er sie belohnen. Wie könnte er das nicht, nachdem sie gerade etwas für ihn getan hatte?

„Natürlich wirst du eine gerechte Belohnung für deine Bemühungen erhalten...“

schnurrte er und lächelte, als Emmys Augen vor Freude funkelten.

„Zeig es mir ... lass mich dein Innerstes, deinen heiligsten aller Tempel sehen.“

forderte seine grollende Stimme leise, und Emmy spreizte schüchtern ihre Hinterbeine und ließ ihn alles von ihr sehen. Ihr Atem beschleunigte sich und sie fühlte ihr Herz rasen. Sie fühlte sich wieder wie beim ersten Mal, als er auf sie herabblickte. Sie zitterte. Ihre Vulva pochte heftig. Unter diesem durchdringenden Blick war sie nicht mehr feucht, noch war sie nass. Sie tropfte.

„Du bist so wunderschön...“

flüsterte er. Es war nur ein Hauch, doch sie fing ihn auf und er machte sie unendlich glücklich. Ihre Liebe zu ihm, die bereits unsterblich und unendlich war, vertiefte sich nur noch mehr. Sie war mit ihm auf eine Weise gesegnet, die sich niemand sonst vorstellen konnte.

Als sie zusammenkamen, war ihre Familie wegen seines Aussehens und des großen Altersunterschieds verstört gewesen. Sie hatten nie verstanden, warum sie sich nicht für einen Drachen entschieden hatte, der ihr ähnlich war, jung, schlank, schön. Stattdessen hatte sie sich einen kampferprobten Krieger ausgesucht, der eine Vorliebe dafür hatte, monatelang, wenn nicht sogar jahrelang, umherzuziehen und ganze Königreiche zu plündern, nur um kleine Schmuckstücke mit nach Hause zu bringen. Sie hatten nie verstanden, dass sie ihn nicht wegen seines Aussehens oder seiner Sammelleidenschaft liebte.

Emmys Schwanz peitschte nach links und rechts. Zu diesem Zeitpunkt hechelte sie fast vor Erwartung, und dennoch hatte Fafnir nicht die Absicht, seine geliebte Gefährtin jetzt zu erlösen, da er sich für ihren früheren Unfug ein wenig rächen wollte, sondern senkte seinen Kopf und blies sanft über ihren geschwollenen Schlitz.

„Haaannnnrrrrr...“

stöhnte die schlanke Drachin unter ihm. Sie erschauderte zutiefst, ihre Flügel zuckten, und sie musste sich anstrengen, ihre Schenkel nicht zusammenzupressen, jetzt, wo ein großer, massiger Drachenkopf im Weg war. Faff atmete tief ihren Duft ein. Diesen wilden, süßen und würzigen Duft, den er so sehr zu lieben gelernt hatte. Aus den Augenwinkeln heraus sah er, wie sich ihr schönes Gesicht vor Verlangen verzog. Ihre Augen flehten ihn an, endlich zu beginnen, ihr Leiden zu beenden und sie in den Himmel zu erheben, aber ihre Lippen blieben versiegelt, bis auf das leise Stöhnen, das jedes Ausatmen begleitete. Er ließ seine lange, biegsame, gespaltene Zunge aus seinem tödlichen Schlund herausgleiten. Ihre beiden Enden strichen sanft über ihr hellrosa geschwollenes Fleisch und taten kaum mehr als sie zu kitzeln, dennoch spannten sich Emmys Muskeln stark an und sie schnappte nach Luft und stieß ein bedürftiges Stöhnen aus, das ihn anflehte, sie nicht länger zu necken. Faff kam ihrer Bitte nach, ihre Lust zu befriedigen, und senkte schließlich seinen Kopf zwischen ihre Schenkel, leckte sanft über ihren Schlitz, schob seine Zunge zwischen ihre Falten und nahm ihre Nässe auf. Während er mit seiner langen Zunge an ihrem zarten Fleisch entlangfuhr, kostete er ihre Säfte und schwelgte in ihrem süßen und doch würzigen Geschmack.

Gierig wie er war, wartete er nicht lange und schob seine Zunge tiefer zwischen ihre Falten und in ihre Höhle. Während er jeden Winkel erforschte, rieb der männliche Drache den kräftigen Muskel an ihren Innenwänden und stimulierte die junge Drachin unermesslich.

„Oh ja, um Himmels willen...“

Emmy schrie auf, als ihr Gefährte eine bestimmte kleine und raue Stelle an der oberen Wand ihrer Vulva fand und begann, sie fieberhaft zu kitzeln. Sie begann zu bocken und sich zu winden, so dass Faff beschloss, sich wieder hinzulegen und ihren Schwanz unter seinen Bauch zu klemmen, wo seine unberechenbaren Bewegungen seine eigene Erregung nur noch mehr steigern würden. Fafnir verlagerte den Großteil seines Gewichts auf die Hinterbeine und benutzte seine Vorderbeine, um die schlanke, grüne Drachin auf den Boden zu drücken und ihre Beine weiter zu spreizen.

„...eeep...“

Sie quiekte, als das größere Männchen sie erst völlig bewegungsunfähig machte und dann vorsichtig an ihren empfindlichsten Stellen knabberte. Sie rollte ihre Augen zurück in den Kopf und stöhnte laut auf.

„Aaaahnn... fuuuuck... das fühlt sich so gut an...“

Als sie laut aufschrie, spürte Fafnir, wie ihre Passage plötzlich viel feuchter wurde und ihr Schlitz sich unwillkürlich zusammenzuziehen begann. Er wusste, dass er es richtig machte, wenn ihr Körper so auf seine Manipulationen reagierte. Faff grinste und zog sich ein wenig zurück, um den Moment auszukosten. Ihr Atem kam in kurzen, heißen Stößen und ihr Körper zuckte sichtbar mit den Kontraktionen ihrer Vulva, während sie regelrecht überlief. Bevor Emmy protestieren konnte, streckte er seine Zunge noch einmal aus und leckte sie lange und gründlich, vom Ansatz ihres Schwanzes bis hinauf zu und über ihren Schlitz, wobei er all das aufnahm, was sie bereits vergossen hatte, und dann schob er seine Zunge wieder so tief hinein, wie es nur ging, bis seine Lippen ihren Schlitz verschlossen.

„Oh bei den Ältesten... hrnnnn... oh fuck... hnn... du wirst...“

stotterte Emmy, als sie spürte, wie seine Zunge fast den tiefsten Punkt erreichte und seine Lippen sich an ihren zarten, geschwollenen Schlitz festsaugten. Faff grummelte ein tiefes, gutturales Knurren, bevor er sie weiter ausleckte. Während er seine Zunge in ihrer Höhle tanzen ließ und an allen Wänden rieb, spürte er, wie sie sich immer mehr anspannte. Ihr Stöhnen wurde immer lauter und lauter, bis sie sich schließlich nicht mehr zurückhalten konnte. Sie krümmte sich zusammen, umklammerte seine Hörner mit den Vorderpfoten und zog ihn noch weiter hinein, während sie ein schmerzhaftes Grunzen ausstieß. Fafnirs Zunge wurde von ihren inneren Wänden gepackt und umschlungen, während Emmy sich so stark zusammenzog, dass er befürchtete, sie würde seine Zunge zerquetschen. Als die Spannung ihrem Höhepunkt wich, spritzte sie heftig ab, begleitet von einem Schrei des erlösenden Schmerzes. Nach einer gefühlten Ewigkeit konnte sie sich endlich den Zuckungen und Spasmen ihres Orgasmus hingeben. Fafnir versuchte, sie mit seinem beträchtlichen Gewicht zu halten, aber ein guter Teil seiner Kraft war nötig, um sie daran zu hindern, mit ihren kräftigen Beinen auszuschlagen.

Emmy war in diesem Moment in ihrer eigenen Welt. Ihr zweiter Höhepunkt an diesem Tag - nach monatelanger Abstinenz - stieß sie über eine weitere Kante und in den Abgrund der reinen Glückseligkeit, die die Zärtlichkeiten ihres Gefährten waren. Sie hatte das Gefühl zu schweben und zu fallen. Es war ein herrliches Gefühl, das sich auf keine andere Art und Weise reproduzieren ließ. Ihr ganzer Körper kribbelte und ihr fehlten die Worte, um zu beschreiben, wie sich ihr Innerstes in diesem Moment anfühlte. Irgendwo zwischen Taubheit und tausend kleinen Nadeln, die sich durch die kraftvollen Kontraktionen in ihre Innenwände bohrten. Sie brannte innerlich, und doch lief es ihr eiskalt den Rücken hinunter. Sie wollte so sehr schreien, aber ihr Körper war kaum in der Lage, durch die Intensität ihrer Zuckungen hindurch zu stöhnen. Sie umklammerte immer noch seine Hörner und hielt ihn an sich gedrückt, unfähig, ihre Pfoten zu öffnen. Tief in ihrem Inneren wusste sie, dass sie ihm nicht wehtun konnte, nicht auf diese Weise.

„Hrrrrrrrk...“

presste sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, als ihre Lunge sie zum Atmen zwang. Währenddessen trank Faff sich an den Säften satt, die sie so freizügig zur Verfügung stellte.

Als sie ihn schließlich losließ und ihr Körper in sich zusammensank, hob er seinen Kopf zwischen ihren Schenkeln heraus. Er sah furchtbar aus, aber er fühlte sich großartig. Langsam setzte er sich auf und streckte seinen Hals. Er blickte auf die dunkelgrüne Göttin herab, die schwer hechelnd vor seinen Pranken lag und versuchte, die Kontrolle über ihren Körper wiederzuerlangen. Ihre Beine zuckten noch immer, ebenso wie ihre Flügel. Er spürte, wie ihr Schwanz zwischen seinen Beinen zitterte, und gluckste leise. Ausgiebig leckte er sich über die Lippen und brummte, da er nicht gewillt war, auch nur einen Tropfen von ihr zu vergeuden. Als er langsam aufstand und zur Seite trat, musste er aufpassen, dass er nicht auf ihre Flügel trat. Der massige Drachen umrundete sie und senkte seinen Kopf auf ihre Höhe. Sanft stupste er ihren schlanken, vergleichsweise kleinen Kopf an.

„Hmmm ... hat sich deine Gefährtin gut geschlagen?“

fragte er scherzhaft, wohl wissend, dass sie zweifellos mit seinen Diensten zufrieden war. Ihr Kopf drehte sich langsam zu ihm und lächelte ein wenig albern, wobei sie ihre schmale Schnauze an sein massiges Maul schmiegte.

„Oh, mein geliebter Faff, du hast mich so stolz gemacht ... mehr als das ...“

flüsterte sie, während sie langsam ihre Flügel an ihren Körper faltete und versuchte, sich auf die Seite zu rollen, aber es gelang ihr nicht, ihre Beine zusammenzubringen, da jede Bewegung in diesem Bereich ihren empfindlichen Schlitz wieder reizte und sie zu überreizen drohte. Sie wimmerte leise, während sie immer wieder versuchte, ihre Beine zu schließen, während ihr Gefährte geduldig darauf wartete, dass sie sich aus eigenem Antrieb bewegte. Als es ihr schließlich gelang, sich ein wenig zusammenzurollen, bewegte sich Fafnir langsam hinter sie und legte sich hin, um sich sanft an seine geliebte Partnerin zu schmiegen. Emmy murrte leise, als er seine massige Gestalt vorsichtig gegen ihren Rücken drückte und sein Vorderbein um ihren Körper schlang, um sie ganz leicht an sich zu ziehen. Er schmiegte sich an die viel kleinere smaragdgrüne Drachin und vergrub seine Schnauze knapp unter ihrer nach hinten geschwungenen Krone. Behutsam entfaltete Faff einen seiner riesigen Flügel und deckte sie zu, um sie von der Welt abzuschirmen.

Emmy lächelte sanft und stieß einen leisen Seufzer der Erleichterung aus, denn sie hatte das Gefühl, dass ihr nichts passieren konnte, wenn sie von ihrem mächtigen Beschützer umarmt wurde.


Epilog

„Meine liebste aller Drachinnen...“

flüsterte Fafnir und kraulte sie noch ein wenig mehr, was ihr ein leises Kichern entlockte.

„... Ich habe dir gesagt, dass ich für eine lange Zeit bleiben möchte...“

fügte er hinzu und wickelte seinen langen Schwanz um sie. Emmy nickte leise.

„Mmmhmmm, das hast du, mein Schatz...“

antwortete sie mit ihrer sanften Stimme, die kaum zu hören war. Fafnir lächelte und benutzte sein Vorderbein und seine Pfote, um sie noch näher an sich zu ziehen und sie in seiner Wärme und Liebe zu verwöhnen.

„... was hältst du von Nachwuchs?“

fragte er, seine Stimme war voller Liebe und Verlangen.

Emmy riss die Augen auf...


Konzept und Idee von

El Poyo Diabolo

Geschrieben von

El Poyo Diabolo

Charaktere von

El Poyo Diabolo

Editiert von

Bordox

Fawkesish

&

El Poyo Diabolo

Veröffentlicht von

El Poyo Diabolo

Sterngucker

Fafnir saß hoch oben auf dem Berg, auf dem höchsten Gipfel, seine Flügel und seinen Schwanz fest um seinen Körper geschlungen. Er blickte nach Norden und wartete darauf, dass die Sonne unterging. Es war bereits später Nachmittag und die Sonne kroch langsam dem Horizont entgegen und färbte den Himmel feuerrot. Das orange-rote Licht der untergehenden Sonne warf scharfe Schatten in die kristallklare Luft der Berggipfel. Die linke Hälfte seines Gesichts und Körpers schien im Licht zu glühen, während die andere Hälfte völlig im Schatten lag und seine kohlschwarzen Schuppen jedes Licht zu verschlucken schienen.

Der Wind hier oben war eisig kalt und wehte fast ununterbrochen. Die dünnen Kondensationswolken, die sein Atem in der kalten Luft hinterließ, wurden fast augenblicklich vom Wind weggefegt und lösten sich schon nach wenigen Metern in der kristallklaren Luft auf. Ein eisiger Schauer lief ihm über den Rücken und er zog seine Flügel fester um sich. Es war nicht so sehr die Kälte, die ihm zu schaffen machte. Kälte und Hitze machten einem Drachen wie ihm nicht viel aus.

Es war das, worauf er wartete, das ihn frösteln ließ.

Seit ihrem Tod war er jeden Tag hier heraufgekommen und hatte auf den Sonnenuntergang gewartet. Er hatte schweigend zugesehen, bis sie hinter dem Horizont verschwunden war, und dann darauf gewartet, dass der Sonnenuntergang so weit verblasste, dass er sie sehen konnte. Es war ein kleiner Trost, aber er brauchte ihn, um nicht völlig aufzugeben.

Er war nicht da gewesen, als die Menschen gekommen waren und ihr Zuhause angegriffen hatten. Er war auf der Jagd gewesen, um Abendessen für seine Emmy und sich selbst zu besorgen.

Die Menschen waren klug genug, um zu wissen, dass sie es niemals mit zwei Drachen hätten aufnehmen können, also hatten sie gewartet, bis der größere und stärkere Drache die Höhle verlassen hatte, bevor sie angriffen. Sie hatten gelernt. In den Jahrhunderten, in denen Menschen und Drachen im Konflikt miteinander gelebt hatten, hatten sie gelernt, wo die Schwachstellen der Drachen lagen und wie sie diese ausnutzen konnten, um einen übermächtigen Gegner zu besiegen.

Er hatte ihre Schreie gehört und war zur Höhle zurück geeilt, aber da war es schon zu spät gewesen. Emmy hatte tapfer gekämpft und ihre Höhle und ihre Brut gegen die trotzigen Angreifer verteidigt. Als er sie fand, waren ihre Verletzungen zu schwer und er sah, wie ihr Leben aus ihrem Körper wich und den Boden der Höhle rot färbte. Da er wusste, dass er nichts mehr für Emmy tun konnte, hatte er sich zu ihr gelegt und die letzten Augenblicke mit ihr verbracht. Als sie schließlich zum letzten Mal ihre Augen schloss, war es, als ob etwas in ihm zerbrach.

Fafnir war aus ihrer Höhle getreten und hatte seine Wut und seinen Verlust in einem mächtigen Brüllen ausgedrückt, bevor er seinen Blick auf das Tal am Fuße des Berges richtete.

In seinem Zorn hatte er gewütet und jede Siedlung in der weiten Umgebung buchstäblich dem Erdboden gleichgemacht, so dass nichts als Asche und Schlacke zurückblieb. Kein Stein war auf dem anderen geblieben, und keine Seele war seiner Rache entgangen.

Wie ein tödlicher, schwarzer Schatten war er über das Land gekommen und hatte Tod und Zerstörung hinterlassen.

Als er nach fast einem Monat endlich zur Besinnung kam, glich das Land einer verbrannten Einöde, beherrscht von einem schwarzen Dämon, der mitten in der Asche stand, seine mächtigen Schwingen ausbreitete und sein Leid in den Nachthimmel brüllte, zusammen mit einer Feuersäule, die viele Meilen weit zu sehen war.

Er war erschöpft und erschüttert in ihren Bau zurückgekehrt und hatte sich um ihr Nest zusammengerollt. Emmy hatte die Brut verteidigt, die Eier waren unangetastet geblieben. Sie waren das Einzige, was für ihn jetzt noch zählte.

Dracheneier waren zäh, aber der Monat, den er sie in der Kälte allein gelassen hatte, war selbst für sie eine lange Zeit.

Am Ende war von den drei Eiern, die Emmy gelegt hatte, eines geschlüpft.

Er konnte sie durch den Schnee hüpfen hören, das Knirschen, das jeden ihrer Schritte begleitete. Sie traute sich noch nicht, bei den manchmal starken Winden auf dem Gipfel zu fliegen. Der Schlüpfling war noch jung, noch klein; gerade groß genug, dass sie bequem auf seinen großen Pfoten sitzen konnte.

Fafnir entspannte sich ein wenig und schaute auf sie herab.

Er hatte sie Tyria genannt, nach ihrer Urgroßmutter. Ein starker Name für eine starke kleine Drachin.

Sie sah aus wie ihre Mutter, war genauso aerodynamisch gebaut wie Emmy, und ihre glatten Schuppen waren von demselben satten Dunkelgrün wie die ihrer Mutter. Aber sie konnte ihren Vater nicht verleugnen. Ein breiter Streifen schwarzer, gehärteter Schuppen erstreckte sich von ihrem Kopf über den ganzen Rücken bis zur Schwanzspitze. Doch selbst diese Schuppen hatten noch eine glatte Oberfläche und waren noch nicht so stumpf wie seine. Das würde noch einige hundert Jahre dauern.

Tyria hatte ihre Flügel eng an ihren Körper gefaltet und sah mit ihren großen blauen Augen zu ihm auf, und er konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.

„Was machst du immer hier oben, Papa?“

fragte sie, als Fafnir seine großen Flügel öffnete, um sie zwischen seine Pfoten zu nehmen. Mit einem entzückten Quieken hüpfte sie um ihn herum und setzte sich schließlich zwischen seine riesigen Pfoten, neben denen sie immer noch so winzig wirkte. Fafnir zog seine Flügel wieder enger zusammen, um sich und Tyria vor dem eisigen Wind zu schützen, ließ aber einen Spalt frei, damit sie hinaussehen konnte.

„Ich warte darauf, dass der Stern deiner Mutter aufgeht.“

antwortete der große, schwarze Drache und blies warme Luft nach unten zu Tyria, die sich an sein Vorderbein schmiegte. Sie wickelte ihren Schwanz so weit wie möglich um sein Bein, schaute zu ihm auf und strahlte ihn an.

„Mami hat einen Stern?“

fragte sie interessiert und ihre Stimme klang freudig aufgeregt. Fafnir kraulte seine Tochter vorsichtig mit einer Kralle seines anderen Vorderbeins und nickte.

„Ja, mein Schatz, Mama hat einen Stern. Wenn ein Drache stirbt, bekommt er einen Stern, also hat deine Mutter auch einen.“

Sagte er sanft. Seine Stimme war voller Wärme und Liebe, als er zu seiner Tochter sprach.

Die Sonne war inzwischen fast hinter dem Horizont verschwunden, und die ersten wirklich hellen Sterne funkelten bereits durch das Rotviolett des Himmels.

Sie hatten Glück, der Himmel war wolkenlos und sie hatten eine klare Sicht.

Tyria lehnte sich in seine Streicheleinheiten.

„Welcher Stern ist der von Mami?“

fragte sie, während sie neugierig zwischen seinen Flügeln hervorlugte und den Himmel beobachtete; auch Fafnir richtete seinen Blick auf den Horizont. Als das Licht schwächer wurde, tauchten mehr und mehr Sterne auf. Er betrachtete den Horizont und schließlich verzogen sich seine Lippen für einen Moment zu einem Lächeln, bevor sich ein melancholischer Ausdruck auf seinem Gesicht ausbreitete.

Vorsichtig schob er seine große Pfote unter seine Tochter und löste sie sanft aus ihrer Umarmung. Tyria quietschte vor Überraschung und Aufregung, während sie sich an einen seiner starken Finger klammerte und leicht mit den Flügeln schlug, um das Gleichgewicht zu halten. Schließlich zog er seine Flügel langsam zurück und hob seine Tochter auf Schulterhöhe.

Als sie in Reichweite seiner Schnauze war, streckte sie sich ihm entgegen und schmiegte ihren kleinen Kopf an sein Kinn. Fafnir schnaubte mit einem leisen Lachen und erwiderte die Geste. Er rieb seine riesige Schnauze zärtlich an ihrem Kopf und stieß sie dabei fast um. Tyria hatte Mühe, nicht hinzufallen, genoss aber die Aufmerksamkeit und Zuneigung in vollen Zügen. Fafnir zog seine Schnauze ein wenig zurück und blies ihr heiße Luft zu. Tyria breitete ihre Flügel aus und versuchte, so viel von der heißen Luft aufzufangen, wie sie konnte, bevor sie versuchte, ebenfalls heiße Luft zu blasen. Sie kam jedoch nicht über ein paar Rauchringe hinaus. Fafnir lachte leise und rieb seine Nasenspitze wieder am Kopf seiner Tochter.

„Das müssen wir noch ein bisschen üben.“

gab er liebevoll zu und gab ihr ein Zeichen, sich umzudrehen.

„Schau, da drüben ...“

begann Fafnir und hob sein zweites Vorderbein, um es in Richtung Horizont zu strecken. Er zeigte mit einer Klaue auf einen hellblauen Stern, der zu funkeln schien. Tyria schaute aufmerksam auf die Stelle, auf die er zeigte, aber zu ihrer offensichtlichen Enttäuschung erkannte sie nicht, was er meinte.

„... siehst du den Stern dort, den blassblauen, der so schön funkelt?“

fragte Fafnir sanft und hob seinen Flügel, um Tyria ein wenig mehr vor dem starken Wind zu schützen. Die kleine Drachin folgte seiner erneuten Beschreibung und schaute in den nun fast völlig dunklen Himmel. Sie schien angestrengt zu suchen, und ihr kleiner Schwanz bewegte sich unablässig hin und her. Fafnir spürte, wie sich ihre Krallen um seinen Finger schlossen. Schließlich, als sie ihr Ziel gefunden zu haben schien, nickte sie und drehte ihren Kopf zu ihm.

„Es ist wunderschön.“

flüsterte sie und blickte wieder nach vorne. Fafnir nickte und zog sein Vorderbein zurück, um es wieder auf den Boden zu stellen. Er senkte seine Pfote leicht mit Tyria, woraufhin seine Tochter aufgeregt quiekte und sich an seine Pfote schmiegte, um nicht umzufallen. Der mächtige Drache grinste über die Aufregung des kleinen Schlüpflings an seiner großen Pfote und zog seine mächtigen Flügel wieder enger um sie beide. Der Wind wurde nun, da die Sonne vollständig untergegangen war, schnell noch kälter, und er wollte seine Tochter davor schützen.

Tyria, die nun wieder in einem Kokon aus Drachenflügeln gefangen war, schaute durch die kleine Öffnung, die ihr Vater hinterlassen hatte, nach oben. Sie sah und hörte, wie er tief einatmete und seufzte, als er seinen Blick wieder auf den Horizont richtete. Sie konnte nur vermuten, dass er wieder auf den Stern ihrer Mutter blickte. Sie konnte noch nicht ganz begreifen, wie groß der Verlust ihres Vaters war, aber sie merkte, dass er schwer auf ihm lastete.

„Vermisst du Mami sehr?“

fragte sie nach einer Weile und wickelte ihren Schwanz um einen seiner Finger, fast so, als wollte sie ihn trösten. Fafnir riss sich von dem Stern los und erwiderte den weiten Blick der kleinen Drachin auf seiner Pfote. Seine Lippen begannen zu zittern, aber es dauerte nur einen kurzen Moment, bevor er nickte.

„Ja, mein Schatz, ich vermisse sie wirklich. Es tut weh, sie nicht mehr um sich zu haben.“

Sagte er leise und sein Schmerz war deutlich in seiner Stimme zu hören. Tyria schmiegte ihren Kopf an seinen Finger, um sein Leiden zu lindern, und gab leise Quietschlaute von sich. Fafnir erschauderte und zog seine Flügel fester um sich und Tyria. Er sah zu ihr hinunter und ein sanftes Grinsen schlich sich auf seine Lippen.

„Aber ich bin froh, dass du hier bist, mein kleiner Sonnenschein. Du schaffst es immer, mich auf andere Gedanken zu bringen.“

sagte er, drückte seinen Kopf zu ihr herunter und rieb seine Nasenspitze an ihrer. Er wurde mit einem freudigen Quietschen belohnt und Tyria hielt sich mit ihren kleinen Krallen an seinen Nasenlöchern fest, um den Kontakt etwas länger aufrechtzuerhalten. Er musste sich zurückhalten, um nicht zu schnauben und sie womöglich von seiner Pfote zu stoßen oder sie zu verbrennen.

Sie richtete sich auf ihren Hinterbeinen auf, so dass sie ihm über die Schnauze schauen konnte, und ihre Augen strahlten ihn förmlich an. Fafnir musste schielen, um sie richtig zu sehen. Tyria begann zu kichern, als sie sah, wie ihr Vater die Augen zusammenkniff. Sie steckte ihren Kopf zwischen seine Nasenlöcher und rieb ihn sanft an seinen rauen Schuppen.

Fafnirs Gesichtszüge wurden weicher. Er musste traurig an Emmy denken, als er seine Tochter beobachtete, die ihr so sehr ähnelte und viele der gleichen Verhaltensweisen an den Tag legte. Er musste lachen, und das Schütteln seines Kopfes bereitete Tyria große Schwierigkeiten. Sie klammerte sich an seine Nasenlöcher und quietschte überrascht auf, während sie darum kämpfte, das Gleichgewicht zu halten.

„Papaaa...“

beschwerte sie sich, während sie ihren Schwanz wieder um einen seiner Finger wickelte. Fafnir verzog seine Lippen zu einem Grinsen und fletschte die Zähne, hielt aber still, damit sie wieder sicher stehen konnte. Als Tyria sich wieder stabilisiert hatte, ließ sie ihn los und setzte sich wieder auf seine Tatze.

Der große Drache erschauderte. Der Wind und die beißende Kälte krochen langsam durch seine Schuppen. Auf seinem Rücken hatte sich bereits eine dünne Eisschicht gebildet. Noch war es nichts, was ihm gefährlich werden konnte, aber angenehm war es trotzdem nicht. Er zog seinen Kopf zwischen den Flügeln hervor und sah noch einmal nach Emmys Stern.

Nach einem Moment sah er wieder zu ihr hinunter. Sein Blick wirkte ungewöhnlich sanft.

„Lass uns nach Hause gehen, es wird kalt und ich bin sicher, du bist hungrig und müde.“

schlug Fafnir vor, aber Tyria schüttelte energisch den Kopf.

„Aber ich bin doch noch gar nicht müde und hier ist es doch gemütlich...“

protestierte sie vehement und verstärkte ihren Einwand, indem sie mit dem Vorderbein aufstampfte. Fafnir nickte sanft.

„Oh ja, ich sehe es ganz deutlich. Für kleine Drachen wie dich ist es schon viel zu spät. Sieh nur, wie klein deine kleinen Augen schon sind. Es wird Zeit, dass du in dein Nest krabbelst.“

beharrte Fafnir mit immer noch sanfter Stimme. Er konnte sehen, wie Tyria buchstäblich in sich zusammensackte. Ihr wurde klar, dass sie ihrem Vater nicht wirklich widersprechen konnte, aber sie musste es zumindest versuchen.

Zärtlich stupste er sie mit seiner Schnauze an.

„Lass mich dir einen Vorschlag machen, hmm. Wie wäre es, wenn Papa uns nach Hause fliegt? Wäre das was für dich?“

fragte er aufmunternd und gab ihr einen kleinen Schnaufer. Tyrias Augen begannen zu funkeln, als sie ihn ansah und energisch nickte.

„Oh ja, Papa. Flieg uns nach Hause.“

forderte sie und schlug aufgeregt mit den Flügeln. Tyria konnte fliegen. Jeder geflügelte Drache konnte natürlich fliegen, aber sie traute sich noch nicht, wirklich hoch zu fliegen, und auch nicht wirklich schnell. Das war anders, als Fafnir flog und sie mitnahm. Ihr Vater war ein erfahrener Flieger, er konnte hoch und weit fliegen. Wind und Wetter machten ihm nichts aus, und selbst die Dunkelheit war kein Problem für den mächtigen Drachen.

Ihr Vater nickte leicht und stupste sie erneut mit seiner Schnauze an.

„Gut, wir werden fliegen, aber du weißt ja...“

begann er, wurde aber von Tyria unterbrochen, die aufgeregt auf seiner Pfote hin und her rutschte.

„... ich muss mich immer gut festhalten und meine Flügel eng an meinen Körper legen. Ich weiß, Papa.“

Sie vollendete seinen Satz. Sie klang weniger genervt als vielmehr begeistert, dass sie wieder mit ihm fliegen durfte.

Fafnir lachte leicht über den Eifer seiner Tochter und begann, seine Flügel zu entfalten.

Obwohl der Wind dort oben auf dem Gipfel stark wehte, hatte Fafnir keine Mühe, seine Flügel voll auszubreiten. Er stand auf, entrollte seinen Schwanz und streckte sich in den Wind.

Seine riesigen Flügel sahen wie ein dunkler Schatten gegen den Sternenhimmel aus.

Tyria klammerte sich an seinen Finger und drückte sich flach an die Oberfläche von Fafnirs Pfote, während sie auf den Moment wartete, in dem ihr Vater endlich mit den Flügeln schlagen würde.

Fafnir zog sein Vorderbein mit Tyria ganz nah an seinen Körper und drehte seine Flügel in den Wind. Er spürte, wie sein Körper leichter wurde, als der Wind sich in seinen Flügeln fing.

„Bereit?“

fragte er und Tyria nickte energisch.

„Flieg, Papa, flieg!“

rief sie aufgeregt, und Fafnir tat ihr den Gefallen. Mit einem kräftigen Flügelschlag hob er vom Gipfel ab und ließ sich vom Wind davon tragen. Sobald seine Beine den Boden nicht mehr berührten, hob er seine Hinterbeine zurück in Richtung Schwanz und sein zweites Vorderbein in Richtung Tyria, um sie etwas besser vor dem Wind und der Kälte zu schützen.

Er folgte dem Wind und flog ein paar Runden um den Gipfel, während Tyria unter seiner Brust aufjauchzte. Fafnir war weder ein eleganter noch ein schneller Flieger. Er war zu schwerfällig, um wirklich elegante oder gar schnelle Manöver zu fliegen, aber das machte Tyria nichts aus. Für seine Tochter war er der großartigste und beeindruckendste Flieger, den es gab. Nicht, dass sie irgendeinen Vergleich gehabt hätte. Bei jeder neuen Runde jubelte sie laut und spornte ihren Vater an, noch waghalsiger zu fliegen.

„Schneller, Papa ...!“

schrie sie gegen den Wind an, der durch die gezackten Schuppen ihres Vaters pfiff. Fafnir lachte laut auf und wirbelte herum, so dass Tyria kurz das Gefühl hatte, frei zu fallen. Der kleine Drache quittierte dieses Gefühl mit verzückten Schreien.

Während Tyria ihren Vater für seine Flugkünste feierte, machte sich Fafnir langsam auf den Weg zu ihrer Höhle.


Willkommen bei: Wähle dein gewünschtes Ende

  • Wenn du es vorziehst, dass diese Geschichte schön und ruhig endet, lies einfach im nächsten Abschnitt weiter.

  • Wenn du ein etwas pikanteres Ende magst, solltest du vielleicht den nächsten Abschnitt überspringen, um zu erfahren, was Fafnir darüber denkt, dass ungebetene Gäste in sein Haus eingedrungen sind.


Das Happy End:

Fafnir ließ sich von den Aufwinden nahe an den Hang des Berges tragen und landete sanft in der Nähe des Höhleneingangs. Langsam faltete er seine riesigen Flügel wieder an seinen Körper und entließ Tyria aus seinem Griff. Die kleine Drachin sprang von seiner Pfote und breitete ihre eigenen Flügel aus. Sie hüpfte fröhlich vor ihrem Vater herum, wobei sie leicht mit den Flügeln flatterte und ihren Sprüngen etwas mehr Höhe und Weite verlieh.

„Das war toll, Papa!“

rief sie aufgeregt und probierte bei ihren Sprüngen noch ein paar kleinere Manöver aus. Fafnir sah ihr amüsiert zu und folgte ihr langsam zum Eingang der Höhle.

„Ja, es hat viel Spaß gemacht, vor allem, weil du dabei warst.“

kommentierte er mit leiser Stimme und sah sich noch einmal um. Tyria lief voraus und bog in die Höhle ein, wobei ihre junge Stimme von den Wänden widerhallte. Der große Drache betrat kurz nach ihr ihr Zuhause und sah sich um. Alles war noch so, wie er es verlassen hatte. Das Feuer war inzwischen erloschen, er würde es wieder entfachen, bevor sie schliefen.

Tyria war auf den großen Granitblock geklettert, der ihnen als Küchentisch diente. Sie breitete ihre Flügel aus und sprang. Sie schlug mit ihren kleinen, smaragdgrünen Flügeln und flog enge Kreise in der Höhle, wobei sie vor Freude lachte. Fafnir sah ihr zu und lachte mit ihr, auch wenn er sie manchmal ermahnen wollte, nicht zu nahe an den Wänden der Höhle zu fliegen. Er hielt sich jedoch zurück, da er wusste, dass eine zu große Ablenkung nur die Wahrscheinlichkeit einer Bruchlandung erhöhen würde. Tyria segelte auf ihn zu und schaffte es, halbwegs anmutig zu landen. Ihr Atem ging vor Aufregung schnell und sie strahlte ihn an.

„Hast du das gesehen, Papa? Hast du gesehen, wie gut ich schon fliegen kann? Und die Landung ist fast so gut wie deine.“

plapperte sie stolz und wedelte wild mit dem Schwanz hin und her, während sie ihre Flügel neu anordnete. Fafnir nickte eifrig und beugte seinen Kopf zu ihr hinunter.

„Ja, mein Schatz. Du bist ein Naturtalent.“

bestätigte ihr Vater, und in seiner Stimme lag väterlicher Stolz, aber auch Belustigung, denn er wusste, wie viel sie noch zu lernen hatte. Tyria streckte sich und leckte Fafnirs Schnauze ab.

„Papa, ich möchte mit dir fliegen. Wirklich fliegen. Nicht getragen werden.“

forderte sie. Fafnirs Zunge warf sie fast um, als er ihre Geste erwiderte. Sie stolperte zwei Schritte zurück und wischte sich die Schnauze mit ihrer kleinen Pfote ab.

„Papaaa... das ist eklig...“

beschwerte sie sich, als sie ihre angesabberte Pfote betrachtete. Ihr Vater gluckste und hob den Kopf.

„Wenn der Frühling kommt und die Luft wärmer wird, werden wir zusammen fliegen. Das verspreche ich dir. Aber bis dahin musst du noch ein bisschen wachsen.“

Erwiderte er und sah zu, wie Tyria ihre Pfote schüttelte. Sie sah ihn mit einer Mischung aus Angst und Hoffnung an.

„Wirklich?!“

Es war sowohl eine Frage als auch eine Feststellung. Sie schnippte ein letztes Mal mit der Pfote, um den letzten Speichel loszuwerden. Fafnir grinste und nickte.

„Ja, mein Schatz, wirklich. Aber jetzt ist es Zeit zu schlafen.“

sagte er leise und deutete auf eine Art Nest aus Fellen, das vor der großen Feuerstelle in der Mitte der Höhle aufgebaut war. Tyria ließ den Kopf ein wenig hängen und schaute ihn von unten aus dem Augenwinkel an.

„Aber ich bin noch nicht müde...“

erwiderte sie kleinlaut, während ihr Schwanz langsam hin und her schwang. Ihr Vater blickte sanft von oben auf sie herab, schüttelte aber den Kopf.

„Tyria, ich weiß, dass du müde bist, du willst es nur nicht zugeben, und das ist in Ordnung. Aber wir werden jetzt schlafen gehen. Wir beide.“

Fafnirs Stimme blieb sanft, aber sein Tonfall und der Blick in seinen roten Augen ließen keinen Einspruch zu. Tyria ließ ihren kleinen Kopf hängen. Sie wusste, wann sie verloren hatte, und drehte sich zum Nest um. Ihr Schwanz schleifte über den Boden der Höhle, als sie ganz langsam zu ihrem Schlafplatz schlurfte.

„Ist schon gut, Papa...“

sagte sie so leise, dass Fafnir es fast nicht hörte. Er sah zu, wie sie wie ein Häufchen Elend die wenigen Meter zum Nest ging. Er erinnerte sich nicht mehr genau an seine Kindheit, es war schließlich schon viel zu lange her, aber er war sich sicher, dass er jeden Abend dieselbe Diskussion mit seinem Vater geführt hatte. Er ging zu der Stelle in der Nähe des Höhleneingangs, wo er etwas Holz gelagert hatte, und nahm ein paar der größeren Stämme, die er mit einer Pfote und in seinem Maul tragen konnte, bevor er seiner Tochter folgte.

Sie hatte es bis zu ihrem Nest geschafft, war hinaufgeklettert und knetete gerade wie eine Katze mit ihren Vorderbeinen die Felle, bis sie ihren Vorstellungen entsprachen. Dabei stieß sie einen ständigen Strom von leisem Quietschen und Knurren aus. Sie hatte die Augen geschlossen und drehte sich langsam um die eigene Achse, um sicherzustellen, dass jeder Teil ihres Bettchens gründlich und sorgfältig durchgeknetet worden war.

Fafnir beobachtete das alltägliche Spektakel aus dem Augenwinkel, während er das Holz in die Feuergrube legte. Er sah ihr noch einen Moment lang zu, wie sie sich im Kreis drehte und sich schließlich zu einem engen Kringel aus Schuppen, Flügeln und einer niedlichen Nase zusammenrollte. Sie holte noch einmal tief Luft und atmete aus, bevor ihr Körper zur Ruhe kam.

Ihr Vater lächelte sanft und wandte sich dem Holz zu, das er zu einem kleinen Scheiterhaufen aufgeschichtet hatte. Er benutzte sein Drachenfeuer, um ihn anzuzünden. Das trockene Holz fing sofort Feuer, und schon nach wenigen Augenblicken erhellte der orange-rote Schein der Flammen und das Knistern und Knacken des brennenden Holzes die Höhle. Zufrieden nickte Fafnir und wandte sich dem Nest seiner Tochter zu.

Er näherte sich vorsichtig und legte sich neben Tyrias Schlafplatz. Er rollte seinen massigen Körper und seinen Schwanz um das Nest und stützte seinen Kopf auf den breiten Rand. Er war wie eine Burgmauer, die das Wichtigste und Wertvollste in seinem Leben umschloss. Er beobachtete seine Tochter noch ein wenig länger, wie sich ihr Brustkorb im Rhythmus ihrer Atmung sanft hob und senkte und wie sich ihre Augen in ihren Träumen hinter ihren Lidern bewegten, bevor er seine Augen schloss und sich den Verlockungen der Träume hingab.


Das nicht ganz so Happy End:

Als Fafnir eine letzte Runde um den Berg flog, bemerkte er einen Lichtschimmer in ihrer Höhle. Seine Augen verengten sich und er zog Tyria näher an seine Brust.

„Liebling, als du die Höhle verlassen hast, war das Feuer schon aus, nicht wahr?“

Seine Stimme war eindringlich und ernst, so wie Tyria es selten von ihm hörte. Sie nickte.

„Ja, Papa. Das Feuer war aus und es war dunkel in der Höhle.“

rief sie ihm unsicher zu. Die ausgelassene Stimmung, in der sie eben noch gewesen war, hatte sich völlig verändert. Der große, schwarze Drache flog eine enge Kurve und landete sanft ein wenig oberhalb der Höhle. Er setzte Tyria vorsichtig ab, während er seine Flügel ausbreitete und sich vorsichtig umsah.

„Versteck dich und komm nicht heraus, bis ich dich rufe.“

befahl Fafnir streng. Tyrian nickte und versteckte sich zwischen den Felsen des Abhangs. So hatte sie ihren Vater noch nie gesehen.

Bis jetzt war er immer freundlich, wenn auch manchmal traurig gewesen; er hatte immer mit ihr gescherzt und keine Gelegenheit ausgelassen, ihr kleine Streiche zu spielen. Der Drache, der jetzt vor ihr am Hang stand, dessen gedrungene Haltung Gefahr und Gewalt ausstrahlte, dessen Augen rot zu glühen schienen, war nicht der Vater, den sie kannte.

Fafnir blickte hinunter zum Höhleneingang und fletschte die Zähne. Ein tiefes, guturales Knurren entrang sich seiner Kehle, als er sich zum Sprung bereit machte.

„Ich habe Angst, Papa...“

sagte Tyria leise und riss ihren Vater buchstäblich aus seinen Gedanken. Es durchfuhr ihn wie ein Ruck und er blickte noch einmal zu ihr hinunter. Er versuchte, seine Gesichtszüge zu entspannen, was ihm aber nur teilweise gelang.

„Es ist alles in Ordnung, mein Schatz. Papa will nur sichergehen, dass keine bösen Männer in unserer Höhle sind.“

sagte er mit gezwungen ruhiger Stimme. Tyria sah ihn ängstlich an. Er hatte ihr klugerweise erzählt, was mit Emmy geschehen war, dass die bösen Männer gekommen waren, als er nicht da war, um sie zu beschützen. Dass die bösen Männer ihre Mutter aus Gier und Rachsucht getötet hatten. Und dass man sich immer vor ihnen in Acht nehmen müsse, weil sie jederzeit zurückkommen könnten.

Tyria nickte und zog sich weiter zwischen die Steine zurück.

„Bleib hier. Papa wird nach dem Rechten sehen und dich holen kommen.“

fügte Fafnir hinzu und wandte sich ab. Sein gewaltiger Sprung und der Schlag seiner riesigen Flügel ließen die Felsen erzittern. Tyria sah ihm nach und drückte sich dann ängstlich an den Boden.

Fafnir flog tief und schnell. Er nutzte die Eigenschaften seiner Schuppen, um den Wind durch seine Schuppen heulen zu lassen. Dieses Geräusch hatte er schon oft benutzt, um Feinde einzuschüchtern und seine Ankunft anzukündigen. Das Plateau vor der Höhle, das er zum Starten und Landen nutzte, war nicht besonders groß, aber es bot genug Platz für einen dramatischen Auftritt. Während er normalerweise versuchte, sanft zu landen, vor allem, wenn er mit Tyria flog, schlug er diesmal wie ein Meteorit auf dem Boden auf. Sein Aufprall auf dem Plateau erschütterte den Boden, und er verband ihn mit einem lauten Brüllen, das weithin zu hören war. Sein massiver Körper und seine riesigen Flügel verdeckten den Eingang der Höhle fast vollständig.

Er konnte bereits sehen, wie das Licht in der Höhle zu flackern begann. Langsam faltete er seine Flügel an seinen Körper, ließ sie aber immer ein wenig von seinem Körper abstehen, um noch größer zu wirken. Er hörte die Rufe der Menschen in der Höhle. Sie waren aufgeregt, aber nicht verängstigt. Sie wussten, worauf sie sich eingelassen hatten, als sie die Höhle des schwarzen Dämons, wie die Menschen ihn nannten, betreten hatten.

Er senkte den Kopf und knurrte. Es war ein dunkles, tiefes Knurren, das seinen ganzen Hass auf die kleinen zweibeinigen Kreaturen verkörperte. Langsam betrat er die Höhle und setzte einen Fuß vor den anderen, während er die Umgebung sorgfältig beobachtete. In der Höhle gab es nur wenige Ecken, in denen man sich verstecken konnte, so dass ein Hinterhalt unwahrscheinlich war, aber er hatte auch keine Lust auf einen Armbrustbolzen in seinem Auge.

Weiter vorne sah er die Fackel, die die Menschen achtlos auf den Boden geworfen hatten, als sie sich tiefer in die Höhle zurückgezogen hatten. Das Feuer der Menschen war schwach. Sie konnten es nicht selbst erzeugen, sondern waren auf Steine angewiesen um es zu entfachen, und es brannte selten heiß genug, um wirklichen Schaden anzurichten. Sein Feuer hingegen brannte mit einer Kraft, die Granit zu Glas schmelzen ließ. Er trat auf die Fackel und löschte ihr Feuer. Er konnte in fast völliger Dunkelheit sehen.

„Ich weiß, dass ihr da seid, ihr mickrigen Parasiten. Kommt heraus und stellt euch eurem Untergang!“

Er mochte die Sprache der Menschen nicht. Sie war so primitiv, und alles, was sie kannten, war Hass und Gier. Er hörte sie, oder besser gesagt, ihre Rüstungen und Waffen, als sie sich bewegten. Sie waren in ihren Hort vorgedrungen. Wahrscheinlich hatten sie gehofft, ihn schlafend oder gar nicht vorzufinden.

Als sie schließlich auftauchten, wusste Fafnir wieder einmal, warum er die Menschen so sehr hasste. Sie hatten ihre Rüstung mit Drachenhaut überzogen. Sie wussten um die isolierende Wirkung der Schuppen. Sein Feuer würde keinen Schaden anrichten, zumindest nicht kurzfristig. Und sie trugen lange, spitze Waffen, mit denen sie seine Schuppen durchbohren konnten.

„Professionelle Drachentöter? Hat der Fürst euch angeheuert, um die Arbeit zu vollenden, die seine Ritter begonnen haben?“

fauchte Fafnir, und die Hitze seines Atems ließ die Luft im Raum flimmern. Die sechs Menschen verteilten sich und bereiteten sich vor. Der Größte unter ihnen machte einen Schritt nach vorne.

„Bestie. Schwarzer Dämon. Deine Schreckensherrschaft über dieses Land endet heute Nacht!“

rief er und hob eine schwere Lanze und einen Schild. Fafnir wusste genug über die Taktik der Menschen, um sich nicht auf die offensichtliche Gefahr zu konzentrieren, sondern auf die Kämpfer, die sich immer weiter in seine Flanken bewegten. Er ließ keinen von ihnen aus den Augen, sondern trat einen Schritt zurück.

Er wusste, dass, sobald er einen von ihnen angriff, die anderen zuschlagen würden. Er sah sich um, der Raum in der Höhle war eng, er würde seine größere Reichweite und Geschwindigkeit hier nicht ausnutzen können, aber gleichzeitig würden die Menschen ihm auch nicht entkommen können.

Mit einem Fauchen ließ er das zähflüssige Sekret aus seinem Mund fließen, das sich bei Kontakt mit der Luft entzündete und sein Drachenfeuer bildete. Es war, als ob flüssiges Feuer von seinen Lippen sickerte. Es sammelte sich in einer Pfütze auf dem Boden und begann sofort hell zu brennen. Die Temperatur in der Höhle begann zu steigen. Fafnir wusste, dass die Temperatur für ihn kein Problem darstellte, aber die Menschen würden empfindlich darauf reagieren.

„Hrhrhrhr... was ist denn jetzt... Drachentöter... komm und hol dir deinen Preis.“

lachte Fafnir, es war ein raues, bösartiges Lachen, und er spuckte einen Mundvoll des Sekrets gegen den Schild des Söldners. Die Drachenhaut auf dem Schild würde zwar verhindern, dass der Schild sofort verbrannte, und sie isolierte den Menschen dahinter vor der direkten Hitzestrahlung, aber dennoch würde der Drachentöter den Schild nicht lange halten können.

Tatsächlich warf der Söldner den Schild weg und umklammerte die Lanze mit beiden Händen. Der Angriff stand unmittelbar bevor.

Nun ging alles sehr schnell.

Die Drachentöter an Fafnirs Flanken stürzten sich auf ihn und versuchten, ihn mit ihren Lanzen anzugreifen, der große, schwere Söldner direkt vor ihm stieß mit seiner Lanze nach ihm und die anderen erhoben ihre Schwerter und Armbrüste. Fafnir holte tief Luft und wirbelte so schnell er konnte herum, fegte den Söldner zu seiner Rechten mit seinem Schwanz von den Füßen und schlug dem Söldner zu seiner Linken mit seinem Flügel die Lanze aus der Hand, bevor er einen Arm zwischen seine kräftigen Kiefer bekam. Die Wucht seiner Drehung riss den Arm glatt vom Körper des Drachentöters und zerrte ihn zu Boden. Er spürte, wie die Bolzen in seinen Rücken einschlugen, aber harmlos in seinen Schuppen stecken blieben. Als er seine Drehung fortsetzte, wichen zwei der übrigen Drachentöter aus, und der dritte wurde von Fafnirs Schwanz voll in die Seite getroffen. Sein schmerzerfüllter Schrei, als er durch den Aufprall gegen die Höhlenwand geschleudert wurde, begleitete die Schreie des Amputierten. Fafnirs Kopf drehte sich wieder in Richtung der Söldner und er spuckte sein Drachenfeuer mit aller Kraft auf sie. Es nahm ihnen die Sicht und die schiere Hitze brachte den Granit zum Glühen. Der erste Söldner begann zu schreien, aber seine Schreie erstarben fast augenblicklich, als das Feuer seine Lungen verbrannte. Der Anführer hatte Fafnir den Rücken zugewandt und wartete darauf, dass der Feuerstrom endete. Fafnir gönnte ihm diesen Luxus nicht, sondern sprang auf ihn zu und landete mit erdrückender Kraft auf dem Mann, dessen Rüstung an den Rändern rot glühte. Er spürte, wie das Metall des Plattenpanzers nachgab.

Dann spürte er den Stich in seiner Seite. Er hatte den sechsten Drachentöter übersehen, der soeben seinen Speer zwischen zwei Schuppen unter seinem Flügel gerammt hatte. Fafnir zischte und rammte seine Pranke in den Rücken des Anführers und brach ihm das Rückgrat, bevor er den Kopf zur Seite drehte und den Söldner mit rot glühenden Augen ansah.

„Großer Fehler...“

Der mächtige Drache fauchte und ließ den keuchenden Anführer los. Der Mann, dessen speer ihn in die Seite lanziert hatte, zerrte an seiner Waffe, aber da Fafnir sich bereits bewegte, verkeilte sich die Klinge in seinen Schuppen. Er ließ die Waffe los und sah sich verzweifelt nach einer anderen um. Fafnir drehte sich langsam zu ihm um und fauchte ihn erneut an. Aus den Augenwinkeln sah er, wie der Söldner, der ihn ursprünglich zu seiner Rechten flankiert hatte, wieder auf die Beine kam. Er ließ seinen Schwanz ein weiteres Mal von links nach rechts peitschen und holte den armen Teufel erneut brutal von den Füßen. Der Drachentöter vor ihm hob ein Schwert auf, das dem Mann gehörte, den Fafnir gegen die Wand geworfen hatte. Fafnir hörte das Schaben von Metall auf dem Steinboden und konzentrierte sich wieder auf die Gefahr. Er schwang es ein paar Mal, aber der Drache zeigte sich unbeeindruckt.

„Was willst du mit dem Zahnstocher ...?“

fragte er zynisch und pustete sein Drachenfeuer gegen den Stahl. Sofort begann das Schwert zu glühen und der Mann ließ es fallen.

„Flieh, du Narr!“

schrie der Mann, dem Fafnir den Arm abgerissen hatte, doch es war bereits zu spät. Der große Drache hatte sein Maul geöffnet und der Kopf des Söldners verschwand darin. Er schlug noch ein- oder zweimal mit den Fäusten auf die Schnauze, bevor Fafnir einfach zubiss.

Der leblose Körper des Söldners sackte unter ihm zusammen. Er blickte sich um. Der Mann, den er gegen die Wand geschleudert hatte, war immer noch bewusstlos. Der Amputierte wimmerte und kroch langsam zum Höhleneingang, der Anführer atmete noch, war aber keine Gefahr mehr. Blieb noch der Drachentöter, den er bereits zweimal von den Füßen gerissen hatte. Er drehte sich zu ihm um. Der Mann stand nun wieder und hob seinen Speer. Fafnir spuckte ihm den Kopf seines Gefährten entgegen und bewegte sich knurrend auf den Mann zu, der mit dem Rücken zur Wand stand.

„Wähle... kurz und schmerzhaft, oder lang und qualvoll...“

murmelte der Drache und sah ihn aus zusammengekniffenen Augen an. Der Mann fletschte die Zähne und umklammerte seinen Speer fester.

„Deine Wahl war... schlecht...“

Der Drache zischte, wich dem Stoß des Mannes aus und war sofort über ihm. Er drückte ihn mit einer Pfote gegen die Wand und erhöhte langsam den Druck. Er konnte hören, wie das Metall der Rüstung unter dem Gewicht ächzte, während der Mann ihn anschrie.

„Du wirst nie verstehen, warum die Menschen dich hassen!“

In seiner Stimme lag purer Hass, und in seinen Augen konnte Fafnir die Erkenntnis sehen, dass er jetzt sterben würde. Er beugte seinen Kopf zu dem Mann hinunter, bis nur noch wenige Zentimeter ihre Gesichter trennten.

„Oh, ich weiß, warum ihr uns hasst. Ich kenne die Gründe nur zu gut.“

flüsterte der Drache, während der Brustpanzer unter seiner Pfote langsam nachgab.

„Und ihr würdet gut daran tun, die Drachen zu hassen, denn wir hassen euch noch mehr...“

fügte Fafnir hinzu, und der Mensch begann zu stöhnen, als er den Druck auf seine Rippen spürte.

„Ihr Menschen denkt, ihr seid besser als wir. Zivilisiert, nennt ihr das. Bah! Wir waren schon Teil dieser Welt, als eure Vorfahren noch auf den Bäumen lebten...“

fauchte er und spürte, wie die ersten Rippen unter dem Plattenpanzer knackten. Der Mann schrie auf. Der Drache grinste finster und erhöhte den Druck weiter.

„Ihr seid nichts... Frischlinge. Nicht einmal den Atem wert, um euch zu verfluchen.“

schloss der Drache und beobachtete, wie der Mann unter seiner Pranke hilflos keuchte, und er konnte den rasenden Puls des Mannes in der Ader an seinem Hals sehen. Fafnir sah völlig ruhig aus, als er das Herz des Mannes in seiner Brust zerdrückte und beobachtete, wie das Leben in den Augen des Drachentöters erlosch. Gefühlslos nahm der Drache seine Pranke vom Körper des Toten und ließ ihn zu Boden sinken. Er holte tief Luft und drehte sich um. Es gab immer noch den bewusstlosen Mann, um den er sich kümmern musste. Er betrachtete den Anführer im Vorbeigehen, er würde wahrscheinlich bald sterben, genau wie der Amputierte, der Blutverlust war einfach zu groß.

Er näherte sich dem Söldner, der an die Wand zusammengesackt war. Er betrachtete den Mann einen Moment lang, um zu sehen, ob er nicht schon tot war. Aber er atmete noch. Wahrscheinlich war er mit dem Kopf hart gegen die Wand geschlagen und hatte das Bewusstsein verloren.

Fafnir seufzte und hob sein Vorderbein, um dem Ganzen ein schnelles Ende zu setzen.

„Papa?!“

Als er Tyrias Stimme hörte, erstarrte der mächtige Drache augenblicklich. Er schloss die Augen und fluchte innerlich.

„Papa?!“

Seine Tochter rief erneut und Fafnir setzte eine seiner Krallen an die Kehle des Mannes. Ein kleiner Schnitt würde ausreichen. Wenn er schnell war, würde der Mann tot sein, bevor...

„Hiiiiieee...!“

kreischte Tyria, die vermutlich den Amputierten gefunden hatte. Fafnir erschauderte. Er hatte ihr den Anblick ersparen wollen. Er drehte sich um, schnitt dem Mann die Kehle durch und wandte sich dem Eingang zu.

„Komm nicht herein, Liebling...“

rief er und sah sich um. Er wollte nicht, dass sie das alles sah, dieses Trauma würde sie noch früh genug ereilen. Doch bevor er zu ihr eilen konnte, sah er sie am Eingang zum Hauptbereich der Höhle stehen. Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie ihn an, und ihre Lippen begannen zu zittern. Fafnir holte tief Luft und näherte sich ihr vorsichtig.

„Beruhige dich, mein Schatz ... es ist nichts. Es ist alles in Ordnung.“

sagte er ruhig und achtete darauf, nicht auf etwas zu treten. Sie schüttelte den Kopf.

„Papa... dein... Flügel...“

stammelte sie und man konnte hören, wie sehr sie mit ihren Gefühlen kämpfte.

„Flügel...?“

Er murmelte und schaute auf seinen Flügel.

„Oh... stimmt ja...“

In seiner Aufregung und dem Adrenalin hatte er den Speer in seiner Schulter völlig verdrängt. Vorsichtig reckte er den Hals und nahm den Schaft des Speers zwischen seine Zähne. Er wusste bereits, dass er sich dafür hassen würde, aber die Klinge musste entfernt werden, damit die Wunde heilen konnte. Mit einem Ruck riss er den Speer aus seiner Schulter und unterdrückte den Schmerz. Die Waffe fiel mit einem Klirren zu Boden und Fafnir spürte, wie sein warmes Blut über seine Schulter lief. Tyria schaute ihn entsetzt an.

„Papa...!“

rief sie und rannte zu ihm hin. Doch er schüttelte den Kopf.

„Bleib, wo du bist, mein Schatz. Ich werde zu dir kommen.“

Seine Stimme klang vielleicht ein wenig zu streng, aber das konnte er jetzt nicht mehr ändern. Er beeilte sich und eilte zu seiner Tochter, die immer noch völlig schockiert schien.

„Waren das die bösen Männer?“

fragte sie kleinlaut und sah sich nach dem leblosen Körper des Mannes um, dem ihr Vater den Arm abgerissen hatte. Fafnir trat neben Tyria und nickte sanft.

„Ja. Das waren die bösen Männer. Aber ich habe mich um sie gekümmert. Sie werden uns nicht mehr belästigen.“

Seine Stimme klang müde und er beugte seinen Kopf hinunter, um sie sanft zu stupsen.

„Ich wollte nicht, dass du das siehst.“

fügte er hinzu und war froh, als sie ihren Kopf an seiner Schnauze rieb. Sie stemmte sich auf ihre Hinterbeine und hielt ihn mit ihren kleinen Pfoten fest, um den Kontakt länger aufrechtzuerhalten.

„Es ist alles in Ordnung, Papa. Ich habe mich nur erschrocken.“

erwiderte die kleine Drachin und schaute auf seine Schulter.

„Tut es sehr weh?“

Fragte sie und schaute ihm in die Augen. Fafnir nickte leicht.

„Es tut weh, aber dein Vater ist zäh. Es wird in ein paar Tagen verheilt sein.“

erwiderte er leise und schloss die Augen. Er fühlte sich plötzlich furchtbar müde. Tyria schmiegte ihren Kopf weiter an seine Nase und gurrte leise. Fafnir atmete vorsichtig, um sie nicht umzustoßen, und als er die Augen wieder öffnete, blickte er direkt in ihre großen, blauen Augen. Im Angesicht der bedingungslosen Liebe und Zuneigung seiner Tochter entspannte sich der große Drache. Seine Lippen verzogen sich langsam zu einem Lächeln und er stupste sie leicht an.

„Lass deinen Daddy sich schnell sauber machen, dann können wir schlafen gehen.“

schlug er vor und Tyria nickte eifrig, bevor sie ihn losließ. Fafnir hob wieder den Kopf und atmete tief ein. Vorsichtig drehte er sich um und ging zurück in den Hauptbereich der großen Höhle.

Einen nach dem anderen sammelte er die Leichen der getöteten Söldner ein, indem er sie mit seinem Maul an den Beinen packte und einfach mitschleppte. Als er die ersten vier Drachentöter eingesammelt hatte, kam er zu dem Anführer der Truppe. Er bemerkte, dass er noch atmete, und brach ihm schnell das Genick. Eigentlich wollte Fafnir ihn lieber leiden lassen, aber er wollte Tyria nicht noch mehr traumatisieren. Mit allen Fünfen im Maul ging er an der kleinen Drachin vorbei, die ihn die ganze Zeit über beobachtet hatte. Am Eingang der Höhle sammelte er schließlich den letzten der Männer ein. Schnell würde er ein Stück den Berg hinunterfliegen und sie einfach als abschreckendes Beispiel über die verkohlten Bäume verstreuen.

„'ch b'nn gl'ch w'd'r 'a.“

murmelte er, weil er die Männer nicht wieder absetzen wollte.

„Ist schon gut, Papa...“

Kam Tyrias Ruf aus der Höhle und Fafnir breitete seine Flügel aus. Seine linke Schulter schmerzte ein wenig mehr, als er erwartet hatte. Wahrscheinlich hatten sie eine Art Gift auf die Klinge geschmiert. Es würde schon gehen. Er sprang von dem kleinen Plateau ab und ließ sich von den Aufwinden tragen.

Er flog nicht weit den Abhang hinunter, gerade genug, um die Drachentöter einen nach dem anderen fallen zu lassen. Er tat sein Bestes, um sie schön in den Bäumen zu drapieren, bevor er umdrehte und zur Höhle zurückflog.

Als er sich dem Plateau näherte, konnte er sehen, wie Tyria die restlichen Waffen und anderen Gegenstände der Söldner nach und nach aus der Höhle trug. Hoch erhobenen Hauptes trug sie den Speer im Mund, der noch vor wenigen Minuten in der Schulter ihres Vaters gesteckt hatte.

Er war so stolz auf sie.

Tyria ließ den Speer fallen und blickte zu ihm auf. Ihre Augen funkelten, als sie ihren Vater auf sich zukommen sah. Sie breitete ihre Flügel aus und schlug mit ihnen. Fafnir landete vorsichtig in ihrer Nähe, und sie nutzte den Wind, den seine Flügel bei der Landung erzeugten, um sich selbst einen Schub zu geben. Sie wurde wie ein Blatt hochgehoben und segelte auf ihn zu.

„Papaaa...“

rief der kleine Drache fröhlich und landete auf seinem Rücken. Fafnir grinste breit und faltete seine Flügel vorsichtig zusammen, um sie nicht aus der Bahn zu werfen.

„Oh nein... Tyria, die Mächtige ringt mich nieder...“

rief er amüsiert aus und ging zu Boden. Seine Tochter quiekte und balancierte auf seinem Rücken, während er sich langsam abrollte, erst auf die Seite und dann auf den Rücken. Währenddessen hüpfte Tyria auf ihm herum, um oben zu bleiben, und landete auf seinem dicken Bauch.

„Hahahhahaha... Papa ... du bist albern ...“

rief sie und stampfte weiter auf ihm herum. Fafnir musste auch lachen.

„Ja... manchmal ist dein Papa albern, aber nur, weil er dich so gerne lachen hört.“

gab Fafnir zurück und benutzte seine Pfoten, um sie zu streicheln. Tyria lehnte sich gegen seine Liebkosungen und schloss ihre Augen. Der große Drache hob seinen Kopf und sah sie an, als sie auf seinem Bauch saß und sich seiner Zuneigung hingab. Eine Mischung aus Traurigkeit und Liebe durchflutete ihn.

Sie erinnerte ihn so sehr an Emmy, und gleichzeitig war sie so viel mehr. Er blies ihr heiße Luft zu und forderte ihre Aufmerksamkeit.

„Komm, wir gehen schlafen. Morgen wird dir dein Papa zeigen, wie man Frühstück fängt.“

Sagte er leise und Tyria riss die Augen auf. Sie löste sich von seinen Pfoten und kletterte über die dicken Schuppen auf seiner Brust, um näher an seinen Kopf zu kommen.

„Wirklich? Wir gehen auf die Jagd?“

fragte sie aufgeregt, und die Vorfreude spiegelte sich in ihren Augen wider. Fafnir grinste und leckte ihr das Gesicht ab.

„Iiih... Papaaa...“

beschwerte sich der kleine Drache und begann, sich das Gesicht zu waschen. Fafnir kicherte nur und bestätigte.

„Ja, morgen früh werden wir zusammen jagen gehen. Es wird Zeit, dass du lernst, wie man an Nahrung kommt.“

Seine Stimme klang entspannt und liebevoll. Er wälzte sich ein wenig hin und her, und Tyria kicherte, als sie versuchte, das Gleichgewicht zu halten, während sie sich weiterhin das Gesicht vom Speichel ihres Vaters reinigte.

„Komm schon, husch husch ins Nest mit dir.“

sagte der große Drache leise, nachdem er sich am Lachen und der Freude seiner Tochter satt gesehen hatte. Tyria lachte laut auf und nahm Anlauf. Sie breitete ihre Flügel aus und sprang vom Bauch ihres Vaters.

„Aaaahahahahaha... aber ich bin noch nicht müde...“

rief sie übermütig, während sie eine Schleife um ihren Vater flog. Fafnir sah ihr nach und schüttelte den Kopf.

„Doch... doch du bist müde...“

sagte er scherzhaft und rollte sich langsam auf den Bauch, um wieder aufzustehen.

„Nein... ich bin viel zu aufgeregt, um zu schlafen...“

Die kleine Drachin wagte es, ihm zu widersprechen und drehte eine weitere Runde um ihren Vater. Er wartete, bis sie wieder vor ihm war, breitete seine mächtigen Schwingen aus und schnitt ihr den Weg ab. Mit einem dunklen Kichern drängte er sie vorsichtig in Richtung der Höhle, bis sie keine andere Wahl mehr hatte, als hineinzufliegen.

„...oooh gemein...“

protestierte Tyria und machte ihrer Frustration mit einem kleinen Flammenausbruch Luft. Fafnir antwortete mit einem Schnauben aus heißer Luft, das die kleine Flugechse fast aus dem Gleichgewicht brachte.

„Ja, gemein...“

Sagte Fafnir.

„... Du bist vielleicht nicht müde, aber dein Papa ist müde. Und wenn dein Papa müde ist, schläfst du auch.“

fügte er hinzu. Sein Ton war immer noch ruhig, aber Tyria konnte den ganz leichten Unterton in seiner Stimme hören. Sie landete im Hauptbereich der Höhle und drehte sich zu ihm um.

„Es ist in Ordnung, Papa ... aber ich bin so aufgeregt. Ich freue mich so sehr auf morgen.“

Sagte sie kleinlaut und senkte den Kopf, um sich zu fügen. Ihr Vater kam zu ihr. Sein massiver Körperbau ließ den ihren noch kleiner erscheinen, als er vor ihr aufragte. Er blickte mit seinen roten Augen auf sie herab und für einen kurzen Moment sah es so aus, als wäre er wütend, doch dann zogen sich seine Lippen zurück und er lachte leise. Er beugte seinen Kopf zu ihr hinunter.

„Mein kleiner Schatz... hebe deinen Kopf.“

flüsterte er und Tyria sah ihn mit großen Augen an.

„Meine Tochter unterwirft sich niemandem. Sie geht mit Stolz durchs Leben.“

fügte er hinzu und beobachtete, wie seine Tochter langsam ihren Kopf hob, bis sie ihn hoch und stolz trug. Fafnir nickte.

„Ein Drache ist das höchste Lebewesen. Er ist ein Symbol für Stärke, Adel und Stolz. Wir sind niemandem Rechenschaft schuldig außer uns selbst.“

kommentierte er und ging an ihr vorbei zu ihrem Nest. Tyria sah ihm nach und übte ihre Haltung, während ihr Vater das Feuer in der Grube wieder entfachte. Dann bemerkte sie etwas und lief ihrem Vater schnell hinterher.

„Aber Papa... wenn wir nur uns selbst Rechenschaft ablegen... heißt das nicht auch, dass ich nicht auf dich hören muss?“

fragte sie, wobei sich die Flammen des Feuers in ihren Augen spiegelten. Fafnir, der von hinten durch das Feuer beleuchtet wurde und noch dunkler und bedrohlicher aussah, grinste sie breit an.

„Ja, das bedeutet, dass du nicht auf mich hören musst. Aber wenn du nicht auf mich hörst, nehme ich dich nicht mit auf die Jagd und fliege nicht mit dir. So einfach ist das.“

Tyria brauchte einen Moment, um wirklich zu begreifen, was er sagte, aber dann verstand sie und nickte.

„Ist schon gut, Papa.“

Sagte sie und kletterte in ihr Nest. Ein großer Ring aus Fellen, der vor der Feuerstelle lag. Sie drehte sich ein paar Mal herum und legte sich dann hin. Sie rollte sich zu einem engen Ball aus Schuppen zusammen und nahm einen tiefen Atemzug. Fafnir grinste weiter und rollte sich um das Nest zusammen, wobei er seinen Kopf auf den Rand des Nestes legte.

Es dauerte nicht lange, bis sie beide ihren Schlaf fanden.


Konzept und Idee von

El Poyo Diabolo

Geschrieben von

El Poyo Diabolo

Charaktere von

El Poyo Diabolo

Editiert von

Bordox

&

El Poyo Diabolo

Veröffentlicht von

El Poyo Diabolo

Das Küken wird flügge

Es war Herbst, die Bäume hatten ihr sattes Grün bereits für ein goldenes Gelb ausgetauscht und die Nächte wurden bereits empfindlich kalt. Am Himmel konnte man die Zugvögel gen Süden fliegen sehen, während die heimischen Vögel sich so langsam auf den Winter vorbereiteten.

Er hatte den Herbst schon immer gemocht, auch wenn die anderen den Herbst wegen der Implikationen von Alter und nahendem Tod, die seit jeher mit ihm verbunden wurden, nicht mochten. Er liebte die sich verändernden Farben und für ihn war der Tod nichts schlimmes, er gehörte zum Leben, und nach dem Winter kam wieder der Frühling, und mit ihm die Wiedergeburt.

Er war von seinem Lehnsherren damit beauftragt worden, die Wälder rund um dessen Jagdschloss zu pflegen und dafür zu sorgen, dass immer genug Jagdbeute vorhanden war. Der Lord war ein passionierter Jäger und seine Jagden waren oftmals lange das Thema in den Tavernen der umliegenden Dörfer. Die Gelage, die er nach seinen Jagden veranstaltete, bei denen seine Erfolge nicht nur gefeiert, sondern auch gleichzeitig verspeist wurden, waren ebenso legendär. Er war durchaus beliebt beim Volk, allerdings verlangte sein extravaganter Lebensstil nach hohen Steuern, was ihn auch hin und wieder in die Kritik seiner Untergebenen zog.

Die diesjährige Jagdsaison versprach, einmal mehr üppig zu werden. Das ganze Jahr hindurch hatte es keine Unwetter gegeben, und das Wild war in der Lage gewesen, seine Nachkommen in Überfluss aufzuziehen. Die Jagdgründe waren reich gefüllt mit Rotwild, Schwarzwild und sogar die Fuchspopulation hatte sich nach den letzten Jahren exzessiver Jagd wieder erholt. Sein Lord würde zufrieden sein.

Es war bereits später Nachmittag an einem verregneten Tag, als er durch den Wald stapfte, um wie immer nach dem Rechten zu sehen. Er tat dies jeden Tag, denn die Wälder auf den Ländereien seines Herren waren weitläufig und er konnte unmöglich alles an einem Tag begehen. Es war einfacher, den Wald in einzelne Abschnitte zu unterteilen und diese an den unterschiedlichen Tagen abzulaufen, wie er es bereits früh von seinem Vorgänger gelernt hatte. Die versteckten Pfade durch das Unterholz waren über die Jahre so fest in seinem Gedächtnis verankert, dass er sie wahrscheinlich nachts und mit geschlossenen Augen ablaufen konnte.

In Jahren wie diesem, in denen es keine Unwetter gegeben hatte und auch sonst keine größeren Katastrophen, gab es für ihn nicht so viel zu tun. Keine umgestürzten Bäume, keine neuen Biberdämme, die Teile der Jagdgründe überfluteten, keine Waldbrände, nach denen man den Wald mühsam wieder aufforsten musste.

Nur ein junger Drache, der anscheinend abgestürzt war…

“Moment…”

sagte er zu sich selbst und ging die drei Schritte zurück, die er schon wieder weitergegangen war. Mit weit aufgerissenen Augen sah er auf das geflügelte Reptil, das dort zwischen zerbrochenen Ästen und umgeknickten Sträuchern lag. Er selbst hatte noch nie einen Drachen gesehen, er hatte nur Beschreibungen gehört und die Bilder in der Kirche gesehen. Es gab einige Abbildungen in den großen Glasfenstern. Sie zeigten große, geflügelte Monster, die allerlei Unheil anrichteten. Überall wurde vor ihnen gewarnt, aber hier in dieser Gegend hatte es schon sehr lange keine Drachen mehr gegeben; und nun, nun lag einer vor ihm.

Der Drache war eindeutig bewusstlos, aber er atmete. Der Wildhüter kämpfte mit sich, denn seine Instinkte schrien ihn förmlich an sofort die Flucht zu ergreifen, solange es noch ging und den Lord und seine Schergen zu holen. Sie würden dem Drachen sicherlich den Garaus machen. Sie hatten Waffen, waren Söldner, waren Kampferprobt.

Gleichzeitig schlug in seiner Brust aber ein Herz, das Mitgefühl für alle Lebewesen empfand, und was konnte ein Drache, der offensichtlich noch jung war, nicht viel größer als einer der größeren Jagdhunde, die der Lord für die Wildschweinjagd einsetzte, schon anrichten?

Er sah sich um, lauschte den Geräuschen des Waldes, die normalerweise ein sehr gutes Indiz für Gefahr waren, aber alles war ruhig. Die Vögel zwitscherten gelassen und die Atmosphäre war völlig entspannt. Er vertraute seinem Bauchgefühl, auch wenn seine Knie sich doch arg weich anfühlten. Er blieb, wo er war, zumindest für den Moment.

Mit wachsendem Interesse betrachtete er das bewusstlose Reptil.

Es entsprach den Beschreibungen und Abbildungen, die er kannte. Vier Beine, zwei Flügel, langer Schwanz, langer Hals und ein verhältnismäßig kleiner Kopf. Es war von Kopf bis Schwanzspitze mit Schuppen bedeckt, deren Farbe nicht mit den Abbildungen übereinstimmten. Die Bilder in den Kirchenfenstern zeigten meist große, rote Ungetüme, die manchmal gelb oder orange angesetzt waren, aber dieser Drache hier war von einer satten grünen Farbe, abgesehen von dem breiten schwarzen Streifen, der über den Rücken lief.

Er tat es ab, als eine Variante, oder vielleicht eine andere Gattung. Er kannte sich recht gut mit allerlei Tieren aus und wusste, dass nicht alle Eidechsen gleich aussahen, auch wenn sie technisch gesehen zur gleichen Familie gehörten. Wahrscheinlich war es mit Drachen genauso.

Er blinzelte, da etwas nicht ganz richtig zu sein schien. Bei genauerer Betrachtung erkannte der Wildhüter, dass einer der Flügel in einem recht unnatürlichen Winkel abgeknickt war. Er wusste im Grunde genommen nichts von Drachen, aber ein Flügel sollte nicht so aussehen. Im Grunde erinnerte der Aufbau der Flügel an den von Fledermäusen, und mit denen kannte er sich gut genug aus, um zu wissen, dass dieser Flügel gebrochen war.

Er schluckte, denn er wusste, dass wenn ein Tier, dass auf seine Flugfähigkeit angewiesen war, nicht fliegen konnte, war es ziemlich aufgeschmissen.

“Wie ist das nur passiert?”

fragte er sich laut und hielt sofort die Luft an. Er wollte den Drachen jetzt nicht aufwecken. Verletzte Tiere neigten gerne dazu aggressiv zu sein, und eine Konfrontation mit einem wilden Tier von der Größe eines großen Jagdhundes, das gegebenenfalls Feuer speien konnte stand nicht auf seiner Wunschliste für den heutigen Tag. Allerdings schien seine Sorge unbegründet zu sein, denn das Reptil blieb weiterhin einfach liegen und atmete ruhig.

Da ihm niemand seine Frage beantworten würde, versuchte er, sich den Hergang selbst herzuleiten.

“So, wie es da liegt, muss es von dort abgestürzt sein.”

flüsterte er und drehte sich in die Richtung, aus der der Drache gekommen sein musste, und wahrlich in den Baumkronen konnte man die Schneise erkennen, die der Drache bei seiner Bruchlandung hinterlassen hatte.

“Nun, das ist geklärt… aber warum?”

grübelte der Wildhüter und versuchte, sich einen Reim darauf zu machen, was einen Drachen dazu gezwungen haben könnte, solch eine Landung hinzulegen. Ihm fiel kein Raubvogel ein, der groß genug war, um eine Gefahr für solch ein Reptil zu sein, noch hatte es in den letzten Tagen ein Unwetter gegeben, das vielleicht für einen solchen Unfall verantwortlich sein mochte. Es blieb rätselhaft, und so schüttelte er den Kopf.

“Was mache ich jetzt nur?”

entfuhr es ihm erneut lauter als geplant. Seine Unvernunft wurde mit einem Murren des Reptils belohnt. Seine Augen weiteten sich und schnell zog er sich, Deckung suchend, hinter einen der umstehenden Bäume zurück.

*Oh nein…*

Furcht wallte auf in ihm, aber die Neugier und das Verlangen zu sehen was auf der anderen Seite des Baumstammes passierte gewann schnell wieder die Oberhand, und als er nichts weiter hörte, schob er sich wieder hinter dem Baumstamm hervor und sah zu dem abgestürzten Drachen hinüber, dessen Atmung sich ein wenig beschleunigt hatte, während er versuchte sich zu bewegen.

Sowohl die Flügel als auch die Beine der Flugechse zitterten leicht, und hin und wieder waren leise Schmerzenslaute zu hören. Erst jetzt fiel ihm auf, das auch mindestens einer der Vorderläufe gebrochen sein musste, da er kein Tier kannte, dessen Beine an dieser Stelle ein Gelenk vorwiesen. Er schüttelte seinen Kopf.

“Ich sollte Hilfe holen…”

murmelte er und wagte sich weiter hinter dem Baum hervor.

“... aber wofür? Dieses Geschöpf zu töten? Niemand wird mir helfen, es zu retten…”

fuhr er fort und strich sich durch die Haare, etwas, das der Wildhüter immer tat, wenn er angestrengt nachdachte.

Sein Lord würde den Drachen einfach töten und seinem Kirschner übergeben, um ihn Auszustopfen. Nur eine weitere Trophäe, mit der er prahlen konnte und zeigen, was für ein toller Hecht er doch war. Die Dörfler würden das wahrscheinlich sogar noch begrüßen. Ein Drache, auch wenn man Seinesgleichen seit vielen, vielen Jahren nicht mehr hier gesehen hatte, war eine zu große Gefahr, man durfte ihn nicht am Leben lassen, auf gar keinen Fall.

“Aber was, wenn ich den Flügel schiene, und das Bein, ihn aufpäppel und ihn dann wieder in die Freiheit entlasse. Wird er dann nicht wahrscheinlich einfach weiterfliegen? Fort von hier?”

Er sah sich um, als ob jemand da wäre, der ihm beipflichten konnte. Aber da war niemand, nur ein Drache, der ihn aus einem halb geöffneten Auge ansah.

Sie hatte den Hort ihres Vaters verlassen, so wie es die Traditionen und ihre Instinkte verlangten. Schon von klein auf hatte ihr Fafnir, ihr Vater, die uralten Traditionen ihrer Art kleinlich genau erklärt; sie die Regeln und Gesetze, nach denen die Drachen lebten und überlebten, gelehrt. Er war ein strenger, aber liebevoller Lehrmeister gewesen, und hatte immer wieder wiederholt, dass nur wenn sie sich an diese Regeln halten würde, sie eine große, starke Drachin werden würde und so lange leben würde wie er.

Eine dieser Regeln war, dass sie, sobald sie den Ruf hören würde, den elterlichen Hort verlassen und sich auf die Suche nach einem eigenen Hort machen müsse. Sie würde die Höhle, die bis zu diesem Zeitpunkt ihr zu Hause, der sicherste Ort auf dieser Welt gewesen war, zurücklassen, ohne sich ein weiteres Mal umzudrehen.

Fafnir hatte ihr gesagt, dass dies das einzige war, vor dem er sich jetzt noch fürchten würde. Ihr Vater, ein mächtiger Drache, über fünfhundert Jahre alt, Überlebender unzähliger Kämpfe und Kriege, der Ruin zahlloser Königreiche und Albtraum aller Drachentöter, hatte zitternd vor ihr gestanden, als er ihr dies gebeichtet hatte. Er hatte ihr gestanden, dass es für ihn genauso sein würde, wie als Emmy, ihre Mutter und seine Gefährtin, gestorben war.

Gestorben war der falsche Ausdruck.

Die Menschen hatten sie ihm in ihrer Rachsucht und Habgier genommen. Er hatte ihr lange nicht erzählt wie es passiert war, aber als sie älter wurde, und er sich sicher war, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis sie den Ruf hören würde, war er ein weiteres Mal mit ihr auf den Gipfel des Berges gegangen, wo er jede Nacht darauf wartete ihren Stern zu sehen. Er hatte sie zwischen seine Vorderpfoten genommen, hatte seine Flügel um sie beide geschlungen, so wie er es immer tat, und hatte mit melancholischem Blick in den Nachthimmel gestarrt. Sie hatte es immer genossen, dort mit ihm zu sitzen. Es war seltsam, dass sie sich mit ihrem Vater in seiner Trauer um eine Mutter, die sie nie kennengelernt hatte, verbundener fühlte, als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt.

Aber an diesem Abend war es anders gewesen, sie hatte die Anspannung in ihm gespürt, hatte gefühlt, dass ihm etwas auf dem Herzen lag, mehr als sonst, und eine unidentifizierbare Angst hatte Besitz von ihr ergriffen. Sie erinnerte sich, wie sie zu ihm aufgesehen hatte, wie sie bemerkte hatte, dass seine Lippen zitterten und wie er seine Flügel immer enger um sie beide gezogen hatte. Sie erinnerte sich, wie er leise angefangen hatte, ihr von ihrer Mutter zu erzählen, wie er es oft getan hatte, aber dieses Mal war seine Stimme nicht von Liebe erfüllt gewesen, sondern von Schmerz und Angst. Sie hatte sich fest um seine Vorderpfote geklammert, in der Hoffnung, ihm Halt zu geben, Zuversicht für die Zukunft, aber es hatte nicht geholfen. Am Ende hatte er sie hochgehoben und eng gegen seine Brust gedrückt. Seine Stimme war ein heiseres Flüstern gewesen, als seine Trauer und sein Schmerz überhand nahmen und in puren Hass umschlungen, während er ihr erzählte, wie er zur Jagd ausgeflogen war, und ihre Mutter mit ihr und ihren Geschwistern zurück gelassen hatte. Wie er ihren Hilfeschrei gehört hatte und zu ihrer Höhle zurückgelegt war, wo er ihre Mutter bereits am Boden vorgefunden hatte. Die Menschen hatten sie ihm genommen, ihr genommen.

Er hatte ihr geschildert, wie kaltherzig die Menschen gewesen waren, eine Mutter, die ihr Gelege verteidigt hatte, zu töten und ihre Zukunft auf’s Spiel zu setzen. Er hatte ihr dann erzählt, wie er einen Monat lang gewütet hatte, das ganze Königreich den Flammen geopfert hatte und seinen eigenen Willen zu leben verloren hatte, was ihm den Namen Schwarzer Dämon eingebracht hatte.

“Du wirst bald den Ruf hören Tyria, und dann wirst auch du mich verlassen.”

hatte er gesagt und sie hatte versucht, ihm zu widersprechen, aber ihr Vater hatte es verneint. Jeder Drache hörte irgendwann den Ruf. Es war etwas, dass so unabdingbar war wie der Sonnenuntergang. Er wusste es und sie wusste es auch. Es war ein Instinkt, den jeder Drache hatte. Eine innere Uhr, deren Alarm irgendwann schrillte und einen Drachen in die Ferne zog.

Er war eine Tradition, so alt, dass sie bereits als Instinkt in das Bewusstsein eines jeden Drachen eingeprägt war, und auch sie würde sich nicht dagegen wehren können.

Und sie hatte sich nicht dagegen gewehrt.

Als sie eines Morgens aufgewacht war, hatte sie dieses unbändige Verlangen gespürt, ihre Flügel zu spreizen und einfach davon zu fliegen. Wohin? Wen interessierte das schon! Einfach weg!

Sie erinnerte sich, wie sie vorsichtig und unter Tränen ihren Vater geweckt hatte, der noch immer, wie jede Nacht seinen massigen Körper, wie eine Festungsmauer um sie herum gelegt hatte. Auch erinnerte sie sich, wie sich der Blick in seinen Augen verändert hatte, als sie ihm gestand, dass sie den Ruf verspürte. Es war gewesen, als ob etwas in ihm zerbrochen war. Er war ruhig geblieben, hatte sie fest an sich gedrückt und sachte genickt. Sie waren zusammen in die Schatzkammer gegangen.

“Die Tradition gebietet, dass du etwas aus diesem Hort mitnimmst, damit du deinen eigenen gründen kannst.”

Die Worte waren ihrem Vater damals fast im Halse stecken geblieben. Er hatte ihr gesagt, sie solle sich Zeit lassen und das Schmuckstück finden, das zu ihr spreche. Sie hatte damals nicht genau gewusst, was er damit gemeint hatte und war ziellos in der Höhle umher gewandert. Alles was dort gelagert war, war wertvoll, begehrenswert und sprach sie an, auf eine Art und Weise, die wahrscheinlich nur Drachen verstehen konnten, aber nichts davon “sprach” mit ihr. Am Ende hatte sie mit leeren Pfoten vor ihrem Vater gestanden und er hatte genickt. Wortlos hatte er sie in eine kleine Höhle hinter ihrer Schatzkammer geführt.

In diesem kleinen Raum waren noch einmal Schätze untergebracht, aber sie waren anders als die, die in der großen Schatzkammer lagen. Sie waren nicht “einfach” auf einen Haufen gepackt, sondern fein säuberlich präsentiert. Jedes einzelne Objekt hatte sein eigenes kleines Podest, seinen eigenen Platz. Sie waren nicht unbedingt schöner oder glanzvoller, als all das Gold und die Juwelen, die in der Hauptkammer lagen, aber etwas besonderes ging von ihnen aus.

Tyrias Augen hatten sich geweitet. Sie hatte diese Höhle zwar zuvor betreten, und hatte sich über die Schmuckstücke gewundert, aber jetzt war alles anders.

“Dies sind die Geschenke, die ich Emmy von meinen Reisen mitgebracht habe. Jedes einzelne von ihnen habe ich speziell für deine Mutter ausgesucht.”

Hatte ihr Vater gemurmelt und seine Stimme war fast erstickt. Die kleine Drachin war an den Podesten vorbeigegangen und hatte sich jedes einzelne Kleinod genau angesehen. Jedes von ihnen hatte eine besondere Anziehung auf sie ausgeübt. Sie hatte nicht gewusst, wieso, oder wie dies sein konnte, da es im Grunde nur leblose Objekte waren. Natürlich hatte jedes seinen eigenen Wert, sie waren nach wie vor Schmuckstücke, gefertigt aus Edelmetallen und wertvollen Steinen, aber wie konnte ein lebloses Objekt solche Emotionen in ihr auslösen?

Schlussendlich war sie von einem eher unscheinbaren Reif stehen geblieben und hatte ihn genau betrachtet. Er war gefertigt aus einem Metall, das zwar glänzte, aber es war kein Gold, sein silbriger Glanz hatte die Wärme von Gold, aber die Farbe stimmte nicht. Er war einfach geformt, hatte keinerlei Schnörkel oder andere Verzierungen.

Sie hatte gezögert, aber etwas in ihr hatte sie dazu gedrängt, dass sie ihre Pfote danach ausstreckte. Tyria war so vollkommen vereinnahmt von diesem Schmuckstückgewesen, dass sie nicht bemerkt hatte, wie Fafnir zu ihr gekommen war und seinen Flügel um sie gelegt hatte.

“Dies war mein erstes Geschenk an deine Mutter. Rein für sich betrachtet nichts besonderes, aber es hängen sehr viele Emotionen an diesem Reif.”

Hatte er geflüstert und die kleine Drachin aus ihrem Bann befreit. Sie war zusammengezuckt und hatte leicht gequäkt, bevor sie sich schließlich an seine Flanke gekuschelt hatte. Sie hatte zu ihm aufgesehen und in seine roten Augen geblickt.

“Dann… dann kann ich es nicht mitnehmen… es wäre falsch, es dir wegzunehmen.”

Hatte sie festgestellt, nur um von seiner Nase angestupst zu werden. Zärtlich hatte er seine Nasenspitze an ihrem Kopf gerieben und dabei liebevoll gegrummelt.

“Es ist in Ordnung, mein kleiner Engel. Wenn dies das Schmuckstück ist, das mit dir spricht, dann ist es das Schmuckstück, das du mitnehmen wirst. Die Traditionen verlangen es und ich habe noch genug andere Schmuckstücke, die mich an Emmy erinnern. Außerdem soll es dich an dein Zuhause erinnern, und was könnte das besser, als dieses Geschenk?”

Seine Stimme war leise gewesen, fast tonlos, aber sie hatte die Liebe und die Wärme in ihr gespürt, die sie so an ihrem Vater liebte. Sie hatte sich weiter an ihn geschmiegt, hatte den Kontakt genossen, da sie wusste, wenn sie den Hort erst einmal verlassen hatte, würde sie so schnell nicht mehr dorthin zurückkehren.

Es war zwar nicht unüblich, dass Drachen ihre Geburtsstätten in ihrem späteren Leben noch einmal besuchten, aber es war nie gesagt, dass sie dann noch dort willkommen waren. Drachen waren sehr territorial, und selbst wenn es sich um Familienmitglieder handelte, so war es nicht selten, dass sie später verjagt wurden, wenn sie sich wieder näherten. Auch war es nie unmöglich, dass ein Drache in der Zwischenzeit gestorben oder selbst vertrieben worden war. Im besten Falle von Artgenossen, im schlimmsten Falle von den verhassten Menschen.

Es würde ein Abschied auf unbestimmte Zeit sein, vielleicht für immer, auch wenn sie sich dies nicht eingestehen wollte.

Sie hatte tief eingeatmet und sich gegen ihren Vater gelehnt, der ihr die Unterstützung bot, die sie gebraucht hatte.

“Nimm es mit, ich möchte, dass du es bekommst; dann weiß ich, dass etwas von deiner Mutter bei dir ist.”

Hatte Fafnir schließlich gesagt und die Sache damit entschieden.

Sie erinnerte sich, wie sie ehrfürchtig nach dem Reif gegriffen hatte und sofort eine Verbindung mit dem einfachen Schmuckstück gespürt hatte. Danach hatte ihr Vater sie durch den Hort zu ihrem Essplatz begleitet, wo sie ein letztes gemeinsames Mahl eingenommen hatten.

“Wenn du diesen Hort verlässt und dich auf die Suche nach einem eigenen machst, so darfst du nie vergessen, dass die Menschen uns nicht wohlgesonnen sind, ebenso die Elfen. Finde eine Gegend, in der nur wenige von ihnen zugegen sind. Du kannst lange Strecken fliegen, um zu jagen oder um Schätze zu finden, aber die Menschen dürfen dich nicht finden.”

Hatte der große schwarze Drache ihr geraten, und erinnerte sie noch einmal daran, dass es die Menschen gewesen waren, die ihre Mutter getötet hatten. Sie hatte ihm versichert, vorsichtig zu sein, sich immer versteckt zu halten, zumindest bis sie noch etwas größer war, und sich von diesen schrecklichen Zweibeinern fernzuhalten, die nur Tod und Zerstörung brachten.

Als die Zeit für den Abschied gekommen war, hatte eine schwere Last auf ihrem Herzen gelegen. Sie hatten beide auf dem kleinen Plateau vor der heimischen Höhle gestanden; ihr Vater, Fafnir, unendlich viel älter, erfahrener, größer und stärker; und sie, Tyria, jung, unerfahren, klein und schwach. Sie hatten in den Sonnenaufgang gestarrt, das Symbol für Geburt, Anfang, Hoffnung und Leben; und in vielerlei Hinsicht traf das für sie zu. Mit ihrem Abschied von Zuhause würde ihr eigentliches Leben starten. Sie würde von nun an selbstständig sein, die Geburt, der Anfang eines neuen Lebensabschnittes, voller Hoffnung auf die Zukunft und voller neuer Abenteuer. Ein ganzes, langes Leben lag vor ihr.

Gleichzeitig lag die Düsternis der Nacht noch in den langen Schatten, die die aufgehende Sonne in die Täler zwischen den Berggipfeln warf; diese Dunkelheit war wie die Last, die auf ihrer Seele, ihrem Herz lag. Sie würde den heimischen Hort verlassen, wenn nicht für immer, dann zumindest für eine lange Zeit. Sie würde ihren Vater für eine ebenso lange Zeit nicht wiedersehen.

Auch wenn er ihr immer wieder und wieder versichert hatte, dass sie eine starke Drachin war, dass sie die Intelligenz ihrer Mutter und die Resilienz ihres Vaters geerbt hatte; auch wenn er ihr versprochen hatte, ein ums andere Mal, dass er ihr alles beigebracht hatte, was eine Drachin wissen musste und konnte, um dort draußen zu überleben; so fühlte sich trotzdem nicht bereit dafür, alleine in die Welt hinaus zu ziehen.

In einer Welt, die ihresgleichen zu hassen schien, in der Drachen als die Wurzel allen Übels angesehen wurden, und in der sie beim ersten Kontakt bereits mit einem Kampf rechnen musste.

Ein letztes Mal hatte sie sich an ihren Vater angeschmiegt und er hatte sie mit seinen großen Flügeln umhüllt, um sie vor der Welt abzuschirmen. Er hatte ununterbrochen auf sie eingeredet, ihr Mut gemacht und ihr versichert, dass alles gut werden würde. Sie hatte damals schon gewusst, dass dies ein Kompensationsmechanismus war, der eher ihm helfen sollte, mit dem Abschied zurechtzukommen als ihr.

Sie waren schon hunderte Male zusammen von dem Plateau gestartet, waren auf die Jagd gegangen oder hatten Erkundungsflüge unternommen. Sie waren tagsüber und nachts, bei gutem, wie bei schlechtem Wetter geflogen; damit sie die Chance hatte sich in allen Wetterlagen zurechtzufinden. Dieses Mal jedoch, war Tyria allein gestartet, denn die Traditionen verlangten, dass dem Jungdrachen bei seinem Aufbruch nicht geholfen werden durfte. Fafnir war allein auf dem Plateau zurückgeblieben und hatte zugesehen, wie seine Tochter, den Reif zwischen den Vorderpfoten ihre Reise ins ungewisse antrat.

Sie war stark geblieben, hatte nicht geweint, auch wenn es ihr unendlich schwer gefallen war, für ihren Vater, der bittere Tränen vergossen hatte, als er seine einzige Tochter einer grausamen Welt übergab, nicht sicher, ob er sie je wiedersehen würde.

Sie war den ganzen Tag geflogen, immer gen Osten. Sie hatte ein Gefühl gehabt, dass dies die richtige Richtung für sie war. Sie war den Bergen gefolgt, hatte weite Eisfelder überflogen und die ganze Zeit über nichts und niemanden gesehen. Sie hatte gewusst, dass so hoch in den Bergen die Wahrscheinlichkeit einem Menschen oder Elfen zu begegnen gleich null war, aber ebenso konnte sie dort wenig bis gar keine Nahrung finden. Ein paar Tage war sie in der Lage, so zu fliegen, aber am Ende musste sie in eines der Täler fliegen, um sich etwas zu jagen.

Sie hatte diesen Zyklus einige Male wiederholt, war so lange geflogen wie sie konnte, hatte sich Nahrung besorgt und danach wieder geflogen. Sie hatte auf den hohen Gipfeln geschlafen, hatte sich in den Schnee eingegraben und den Tagesanbruch abgewartet, um weiterzufliegen.

Bald hatte sie das Ende der gewaltigen Gebirgskette erreicht, in der sich auch ihr ehemaliges Zuhause befand. Die Gipfel der Berge lagen nicht mehr über den Wolken und es lag weniger Schnee auf den Hängen. Die Luft war wärmer und Tyria fand, dass sie mehr Leben in den Bergen sah. Sie hatte beschlossen noch ein wenig weiter zu fliegen und sich umzusehen. Es wäre töricht gewesen, sich einfach so irgendwo niederzulassen. Ein Drache brauchte schließlich eine Höhle oder etwas Ähnliches, in der man einen Hort einrichten konnte. Dieser Ort sollte wenn möglich schwer zugänglich sein, damit niemand einfach so dorthin gelangen konnte und sich am Eigentum des Drachens gütlich zu tun. Die meisten Drachen wählten deswegen Höhlen in den Bergen, das machte es schwieriger für die Menschen und die Elfen.

Gleichzeitig sollte ein Hort allerdings auch trotzdem in der Nähe einer Nahrungsquelle sein, mal wollte nicht ewig fliegen müssen, nur um etwas zu essen.

Tagelang war sie umher geflogen auf der Suche nach einer geeigneten Höhle, aber auch um zu sehen, ob sich hier nicht schon ein anderer Drache niedergelassen hatte. Es wäre ein großer Affront gewesen, sich einfach im Territorium eines anderen Drachen niederzulassen. Fafnir hatte ihr erzählt, dass manche Drachen da sehr empfindlich reagierten, selbst wenn man nur auf der Durchreise war. Sie hatte nach den üblichen Anzeichen Ausschau gehalten, aber nicht gefunden. Wenn es hier einmal einen Drachen gegeben hatte, so war er schon sehr lange nicht mehr hier.

Was Tyria jedoch gefunden hatte, waren Spuren menschlicher Zivilisation. Überall wo sie hingesehen hatte, hatte sie die Anzeichen dafür gefunden, dass es in dieser Gegend Menschen gab. Sie hatte sich entschieden, weiterzuziehen. Sie wollte ihren ersten Hort nicht in einem Gebiet einrichten, in dem sie direkt Gefahr lief, den Menschen in die Arme zu fliegen.

Je weiter sie flogen war, desto mehr hatten sich jedoch die Anzeichen gehäuft, dass es dort Menschen gab. Sie war über kleine Dörfer hinweg geflogen, die sie erst zu spät bemerkt hatte, hat säuberlich angelegte Felder gesehen und auch die ein oder andere Burg, denen sie jedoch so weit wie möglich aus dem Weg geflogen war.

Sie war sich ziemlich sicher, dass sie niemand direkt gesehen hatten, da sie keine Schreie oder Glocken gehört hatte, wie ihr Vater es ihr gesagt hatte. Die Menschen würden Alarm schlagen, wenn sie einen Drachen sahen. Die kleine Drachin hatte Angst gehabt, sich hier irgendwo für die Nacht niederzulassen. Entgegen jedes bessere Wissen hatte sie sich entschlossen, die Nacht durch zu fliegen und nicht irgendwo halt zu machen.

Sie hatte gegen ihre Erschöpfung gekämpft und war weiter geflogen in der Hoffnung, vielleicht eine Gegend zu finden, in der es weniger Menschen gab. Mehrmals hatte sie sich dabei ertappt, wie sie für einen Augenblick den Kampf verlor und ihre Augen sich einfach nicht wieder öffneten, aber jedes Mal war sie noch hoch genug gewesen, um sich zu fangen, bevor sie abstürzte.

Jedes Mal, bis auf das letzte Mal. Nyx, der Gott der Träume, hatte sie umgarnt und sie hatte ihre Augen geschlossen, die Flügel im Gleitflug und dann war es passiert. In dem Moment, in dem sie durch die Baumkrone des ersten Baumes gebrochen war, hatte Tyria ihre Augen wieder aufgerissen, aber es war schon zu spät. Sie hatte zu viel Höhe und Geschwindigkeit verloren und war nicht mehr in der Lage gewesen, dem nächsten Baum auszuweichen.

Mit einem Schrei war sie in die nächste Baumkrone eingeschlagen, hatte die dünneren Äste durchbrochen und hatte sich in den Dickeren verfangen. Ihre delikaten Flügel waren dieser Belastung nicht gewachsen gewesen und der Schmerz, als die Knochen in ihrem linken Flügel brachen, hatten ihr fast den Verstand geraubt. Unfähig auch nur irgendwie ihren Fall zu bremsen, war sie mit voller Wucht zu Boden gegangen, wobei sie sich noch einen ihrer Vorderläufe gebrochen hatte und sie war sich nicht sicher gewesen ob nicht noch einiges anderes bei der Bruchlandung in Mitleidenschaft gezogen worden war.

Sie hatte versucht, sich zu bewegen, versucht, sich zu verstecken, aber die Schmerzen waren überwältigend gewesen. Am Ende war sie zu erschöpft gewesen und hatte sich ihrem Schicksal ergeben.

Als sie wieder zu sich kam, hatte sie seine Stimme gehört. Er sprach in einem Dialekt, den sie nicht kannte, aber sie wusste sehr wohl, dass er die Sprache der Menschen sprach.

Sie verstand nicht alles, was er sagte, die Worte ergaben keinen Sinn. Es war so, als sprach er nur halbe Sätze aus; aber sie erkannte die Angst in seiner Stimme.

Augenblicklich war sie hellwach gewesen, aber die kleine Drachin hatte sich nicht getraut, ihre Augen zu öffnen. Sie hatte ihm zugehört, seine Bewegungen verfolgt, und erst als sie sich sicher gewesen war, dass zumindest für diesen Moment keine unmittelbare Gefahr von diesem Menschen ausging, hatte sie die Augen geöffnet.

Sie starrte ihn an, wie er dort vor ihr stand. Er trug seltsame Kleidung, wie sie sie nicht von den Menschen in ihrer Gegend kannte. Wenn Fafnir sie mit auf die Jagd genommen hatte, so hatte sie manchmal die Überreste der Menschen gesehen, die versucht hatten, sich in ihrem Gebiet niederzulassen. Ihr Vater hatte diese Menschen jedes Mal wieder vertrieben.

Dieser Mensch trug eine Tracht aus grünem und braunem Stoff, trug leichte Stiefel und hatte eine Axt und einen leichten Bogen bei sich. Er war verängstigt, so viel war sicher, also war er kein Krieger, wie diese Menschen, die ihr Vater aus ihrer Höhle vertrieben hatte.

Als er bemerkte, dass sie ihn ansah, erschrak er und wich einige Schritte zurück, bis er mit dem Rücken an einem Baum stand.

“Verdammt…”

entfuhr es ihm, während er weiter versuchte, den Abstand zwischen sich und ihr zu vergrößern. Tyria seufzte und ließ den Kopf sinken. Dieser Mensch war keine Gefahr, aber er konnte zu einer werden, wenn er sich Verstärkung holen würde. Sie versuchte erneut, sich zu bewegen, aber augenblicklich schoss der Schmerz durch ihren ganzen Körper.

Das Wimmern, das sie von sich gab, ehe sie es zurückhalten konnte, ließ keinerlei Zweifel offen, dass sie ihrerseits keine Gefahr darstellte. Selbst wenn sie es gewollt hätte, hätte sie diesen Menschen nicht töten können.

Alles, was sie tun konnte, war ihre Augen zu schließen und zu warten. Sie versuchte ruhig zu atmen und herauszufinden, was alles bei ihrem Absturz in Mitleidenschaft gezogen worden war. Beide Flügel taten einfach nur weh, während sie bereits wusste, dass einer völlig bewegungsunfähig war; mindestens zwei der zwar stabilen, aber nichts desto trotz, delikaten Knochen waren gebrochen. Auch war sie nicht fähig, ihre Vorderläufe zu bewegen. Ob sie auch gebrochen waren, konnte sie nicht genau bestimmen, was sie jedoch bestimmen konnte, war, dass ihr rechter Hinterlauf definitiv gebrochen war. Sie würde noch nicht einmal fliehen können, von Kämpfen war gar nicht erst die Rede. Sie würde hier sterben, sie war sich sicher.

Sie presste die Lippen zusammen. Was würde ihr Vater davon halten? Sie hatte es noch nicht einmal bis zu ihrem eigenen Hort geschafft.

Tyria, Fafnirs Tochter, die Nachkommin des schwarzen Dämons, des Ruins der Königreiche, und sie hatte es nicht einmal geschafft, sich einen eigenen Hort zu suchen. Welch eine Schande!

Wut stieg in ihr auf, Wut und Scham. Wut über ihre eigene Unfähigkeit und ihre Überheblichkeit und Scham über die Art und Weise, wie es mit ihr zu Ende gehen würde. Bittere Tränen sammelten sich in ihren Augen.

Erst jetzt bemerkte sie, dass sie den Reif ihrer Mutter nicht mehr in ihren Krallen hielt.

Oh nein. Nein, nein, nein, nein! Das darf nicht sein. Wo…?

Ihre Wut schlug in Panik um. Sie durfte ihn nicht verlieren. Er war der Grundstock für ihren Hort, die Erinnerung an ihre Heimat, an ihren Vater und die Mutter, die sie nie kennengelernt hatte.

“Wo ist er?”

entfuhr es ihr, bevor sie sich selbst stoppen konnte, während sie ihre Augen aufriss. Der Mensch, der mittlerweile hinter dem Baum stand, sah sie mit großen, erschrockenen Augen an. Es wirkte so, als hätte er zum allerersten Mal seine eigene Sprache gehört und war völlig verängstigt. Tyria fletschte die Zähne und kämpfte gegen den Schmerz an, als sie ein weiteres Mal versuchte, ihren Kopf zu heben.

“Wo ist er?”

Ihre ansonsten eher weiche, leise Stimme nahm einen kratzigen, rauen Ton an, als es gerade so schaffte ihren Kopf in seine Richtung zu drehen, bevor der Schmerz sie überwältigte und sie ihren Kopf auf den Waldboden fallen lassen musste. Das schmerzerfüllte Wimmern, das danach ihrer Kehle entkam, zeugte von der Anstrengung, die selbst diese einfache Bewegung ihr abverlangt hatte. Der Mensch sah sie weiterhin nur mit aufgerissenen Augen an, während die junge Drachin fast verzweifelte.

“Er darf nicht weg sein…”

flüsterte sie. Es war egal, ob er sie verstand oder nicht, es spielte keine Rolle mehr. Sie hatte das eine verloren, dass sie noch mit ihrer Heimat verband. Mit einem Seufzen, das ihre Pein und Verzweiflung ausdrückte, schloss sie ihre Augen wieder. Sie wollte ihre Flügel so gerne um sich ziehen und die Welt aussperren, aber sie konnte noch nicht einmal das.

“Was… was suchst du?”

Die Frage traf sie völlig unvorbereitet und für einen Moment war Tyria nicht in der Lage zu reagieren. Erst als sie hörte, wie der Mensch sich wieder auf sie zubewegte und seine Frage wiederholte, öffnete sie ihre Augen wieder. Er stand noch immer einige Schritte entfernt von ihr und die Angst war ihm noch immer ins Gesicht geschrieben, aber er schien sich wirklich für ihr Problem zu interessieren. Sie zog die Lippen zurück und fletschte die Zähne, wobei sie wusste, dass sie im Moment wahrscheinlich keine sonderlich große Gefahr darstellte. Natürlich konnte sie ihr Feuer einsetzen und den Mensch töten, aber was dann? Im eigenen Feuer umkommen? Nein, das war keine Option.

Der Mensch stand noch immer vor ihr, langsam hob er die Hände und hielt sie vor sich.

“Ich will dir nichts tun…”

flüsterte er langsam und nickte dabei.

“Ich… ich will dir helfen…”

fügte er hinzu und schluckte. Tyria sah ihn lange an, musterte den Mann, der sich nicht weiter bewegte. Was hatte sie für eine Wahl?

“Wo ist er?”

fragte sie ihn, ihre Stimme fast tonlos, während die Anspannung aus ihrem Gesicht wich und der Verzweiflung mehr Raum gab.

“Wo ist mein Reif?”

setzte sie nach und sah ihn flehend an, aber der Mensch vor ihr schüttelte nur den Kopf.

“Welcher Reif?”

fragte er und sah sich um. Er sah wirklich bemüht aus, als ob er etwas suchte, die Anstrengung war ihm auf die Stirn geschrieben und er bewegte sich vorsichtig hin und her.

“Mein Reif, meine Erinnerung an zu Hause… das einzige was geblieben ist…”

fügte Tyria hinzu und wollte sich bewegen, aber der Schmerz war zu stark; sie wollte dem Mensch nicht zeigen, wie hilflos sie war, aber das schmerzerfüllte Stöhnen entkam ihren Lippen noch bevor sie etwas dagegen tun konnte. Der Mann hielt sofort inne und sah sie mit großen Augen an. Vorsichtig kam er näher und es regte sich etwas in ihm.

Hatte sie zu viel verraten? Hatte sie ihm zu sehr gezeigt, dass sie hilflos war?

“Bewege dich nicht zu viel, dein Flügel ist gebrochen, und wahrscheinlich auch dein Bein…”

sagte der Mann vorsichtig und kam noch einen Schritt näher.

“... wir werden das schienen müssen, wenn es jemals wieder heilen soll.”

Seine Stimme klang ruhig und sanft, aber Tyria zeigte ihm ihre Zähne.

“Bleib weg… fass mich nicht an…”

fauchte sie und noch während sie ihre Muskeln anspannte um ihren Kopf zu heben, schoss der Schmerz durch ihren Körper wie weißglühendes Eisen.

“Arrnnnn…”

entfuhr es ihr unwillkürlich und ihre Muskelspannung brach zusammen. Die junge Drachin begann zu schluchzen, es gab nichts, was sie tun konnte, sie würde sich ihrem Schicksal ergeben.

Der Wildhüter sah das Häufchen Elend vor sich liegen und konnte den Schmerz nachempfinden. Vorsichtig näherte er sich, die Versuchung, einen Drachen zu berühren, war sehr groß. Seine Neugier und ein geradezu kindlicher Entdeckerdrang kämpften in ihm mit seiner Vernunft, die ihn regelrecht anschrie, dass der Drache vor ihm ein gefährliches Raubtier sei, und dass er gefälligst Hilfe holen sollte.

Als er wirklich nur noch eine Armlänge von dem geflügelten Reptil entfernt war, konnte er sich nicht mehr zurückhalten.

Er atmete tief durch und legte sanft seine Hand auf den Rumpf des Drachen. Die Schuppen waren glatt, erstaunlich hart, und sie waren kalt, entsetzlich kalt.

Natürlich sind sie kalt, es ist im Grunde eine Eidechse, eine überdimensionale, feuerspeiende Eidechse.

Erklärte er sich selbst, aber weiter kam er nicht, denn sobald seine Hand auf der Haut des Drachens ruhte, zuckte dieser zusammen. Er nahm seinen ganzen Mut zusammen und ignorierte das Knurren und ließ seine Hand, wo sie war, wenn der Drache es gewollt oder gekonnt hätte, dann hätte er ihn schon angegriffen.

“Fass mich nicht an…”

faucht der Drache, aber es fehlte die Kraft dahinter, um es glaubwürdig klingen zu lassen. Er schüttelte den Kopf.

“Ich muss dich aber anfassen, wenn ich dir helfen soll.”

sagte er ruhig und ließ die Wärme seiner Hand ganz langsam in die Schuppen sickern. Der Drache knurrte weiter, aber es folgte keine weitere Reaktion.

Vorsichtig näherte er sich weiter, bis er ganz dicht bei ihr stand und seine zweite Hand neben die andere legen konnte. Wieder zuckte das Reptil zusammen, begleitet von einem schmerzerfüllten Zischen.

“Sscchhh… beruhige dich. Ich werde dir nichts tun.”

flüsterte er leise und versuchte, sich in den Drachen hineinzufühlen. Aber er selbst war so aufgeregt, dass es schwierig war, ein verletztes, verängstigtes Tier zu beruhigen. Der Drache zitterte beim Atmen, entweder machte die Kälte ihm mittlerweile zu schaffen, oder der Schmerz, oder etwas anderes.

“Hast du einen Namen?”

fragte er ruhig, in der Hoffnung, sich selbst und den Drachen ein wenig abzulenken.

“T-Tyria… mein Vater nannte mich Tyria…”

Die Stimme des Drachens war leise, heiser und kraftlos. Der Wildhüter brummte seine Zustimmung, auch wenn er sich sicher war, dass der Drache ihn sehen konnte.

“Ein sehr schöner Name für einen mächtigen Drachen, aber ist Tyria nicht ein weiblicher Name?”

Er hielt seine Stimme ruhig und legte so viel Wärme und Zuneigung hinein, wie er konnte. Der Drache nickte leicht.

Es war also ein weiblicher Drache, eine Drachin sozusagen. Vorsichtig streichelte er ihre Schulter. Langsam konnte er merken, wie sie sich unter seinen Händen zumindest ein wenig entspannte.

“Du kannst mich Artem nennen.”

flüsterte er und ließ seine Hände ein wenig weiter kreisen. Tyria knurrte leise und versuchte, ihren Kopf ein wenig zu drehen. Die langsame Bewegung wurde von Knurren und Zischen begleitet, bis sie ihn auf halber Strecke wieder liegen ließ.

“Artem? Diesen Namen habe ich noch nie gehört…”

gab sie zu und sah ihn von der Seite an. Der Wildhüter lächelte leicht und drehte sich zu ihrem Kopf um. Er ging leicht in die Hocke und reichte ihr eine Hand, um daran riechen zu können, wie einem Hund.

“Dieser Name ist in diesen Gefilden recht geläufig. Von wo kommst du?”

fragte er und wartete geduldig, bis die kleine Drachin mit Schnuppern fertig war. Ihr Atem war erstaunlich warm und ihr Auge blieb die ganze Zeit auf ihn fixiert.

“Von dort, wo die Sonne untergeht. Ich bin immer der Sonne entgegengeflogen…"

erklärte sie leise und seufzte.

“Ich sollte meinen eigenen Hort suchen, mein eigenes Territorium abstecken, nun bin ich noch nicht einmal so weit gekommen…”

fügte Tyria flüsternd hinzu und Artem nickte. Sie schloss ihre Augen und atmete zitternd durch. Der Wildhüter konnte sich nicht zurückhalten und strich ihr sanft mit der Hand über die Nase und von dort über den Kopf. Die Drachin unter seiner Hand spannte sich kurz an, gab dann aber seiner Streicheleinheit nach und er konnte regelrecht spüren, wie sie ihren Kopf gegen seine Hand drückte.

“Wir werden deinen Flügel richten und deine Beine schienen, und sobald sie geheilt sind, wirst du deine Suche nach einem eigenen Hort fortsetzen können.”

sagte er leise und spürte ein leichtes Vibrieren unter seiner Hand. Schnurrte sie? Oder war es ein Zittern?

“Aber zuerst müssen wir dich zu mir nach Hause bringen, und zwar so, dass dich niemand sieht.”

fügte er hinzu.

Sie konnte nicht allzu schwer sein, schließlich musste sie fliegen können. Er wusste, dass die meisten flugfähigen Tiere recht leicht waren, da sonst die Flügel ihre Last nicht tragen würden und ihre Muskeln sie nicht bewegen konnten. Aber dennoch, sie war etwa so groß wie einer der großen Jagdhunde seines Lehnsherren, und die wogen gerne mal um die siebzig Kilo. Das würde er nicht bis zu seinem Haus tragen können. Aber vielleicht würde er Tyria ja gar nicht so weit tragen müssen. Nicht weit von dort, wo er sich jetzt befand, war einer der Handkarren, die er benutzte, um Holz zu transportieren, wenn er einen der Bäume fällen musste. Wenn er den Karren so nah wie möglich an diese Stelle brachte, würde er dir kleine Drachin vielleicht nur auf den Karren heben müssen.

Während er darüber nachdachte und sich verlegen am Kinn kratzte, sah ihn Tyria unentwegt an.

Sie war sich nicht ganz sicher, was der Mensch vorhatte, aber er schien, zumindest auf den ersten Blick, ehrlich zu sein. Es war ja auch nicht so, als ob sie eine Wahl hätte. Sie sah ihm zu, wie er immer wieder ein paar Schritte von ihr weg ging, nur um dann umzudrehen und wieder zu ihr zurückzukehren.

Immer wieder setzte er zu einem Satz an, nur um sich dann doch anders zu entscheiden. Sie versuchte noch einmal tief durchzuatmen, aber ihr Brustkorb verhinderte das. Sie brachte nur ein halbherziges Knurren zustande und ächzte.

“E…egal was du tun willst, Artem, tu es, aber mach schnell…”

knurrte die junge Drachin und sah ihn mit flehenden Augen an.

“Ich kann und will hier nicht länger liegen…”

fügte sie hinzu und schloss die Augen. Sie hörte, wie der Wildhüter näher kam und dann spürte sie seine warme Hand auf ihrem Kopf.

“Du hast recht. Ich werde schnell einen Wagen holen, damit wir dich zu mir bringen können, bevor dich ein anderer findet. Dann werde ich mich um deine Verletzungen kümmern…”

Seine Stimme klang so ruhig, so warm. Sie wollte sich darin verlieren, nur für einen Augenblick. Er klang ganz anders als ihr Vater, weniger Volumen, weicher, und trotzdem schwang in seiner Stimme die gleiche Wärme und Zuneigung. Sie wollte sich selbst loslassen und einfach eine Weile zuhören, seine Stimme hören, seine Hand spüren, wie sie über ihren Kopf streichelte. Aber Artem nahm sie recht schnell wieder weg, sehr zum Missfallen der kleinen Drachin.

Der Wildhüter sah sich um und schien nach etwas zu suchen, bevor er sich in eine Tyria unbekannte Richtung orientierte.

“Du wartest hier.”

sagte er leise und als Tyria das hörte, rollte sie leicht mit den Augen, als ob sie im Augenblick irgendwohin flüchten könnte, aber Artem schien das nicht mitzubekommen. Er wies in die Ferne.

“Dort hinten steht einer meiner Karren. Ich werde ihn schnell holen.”

fügte er hinzu und drehte ihr den Rücken zu. Ohne ein weiteres Wort oder eine Reaktion der kleinen Drachin abzuwarten, stapfte er davon. Tyria sah ihm hinterher und beobachtete, wie er sich erstaunlich schnell und gewandt durch den Wald bewegte. Er entfernte sich so schnell von ihr, das innerhalb kürzester Zeit erst seine Gestalt hinter den Bäumen verschwand und kurz danach hörte sie ihn auch nicht mehr.

Nun war sie wieder allein.

Allein mit sich und ihrem Versagen.

Sie ächzte, als sie versuchte, ihren geschundenen Körper in eine zumindest etwas bequemere Lage zu bringen.

“Bei den Ältesten…”

knurrte die kleine Drachin, als der Schmerz in ihren Gliedmaßen, allen voran ihrem Flügel, wieder aufflammte.

“... aaarnnn… hmmmmrrrr… Vater würde jetzt wieder mit mir schimpfen. ‘Tyria, habe ich dir nicht hundert Mal gesagt, du sollst nicht schlafen UND fliegen.’”

Murmelte sie und konzentrierte sich auf die strenge aber liebevolle Stimme ihres Vaters in ihrer Erinnerung, in der Hoffnung, so zumindest einen Teil der Schmerzen auszublenden.

Ihr Vater, Fafnir, war ein strenger Lehrmeister gewesen. Er hatte immer wieder darauf verwiesen, dass ein Drache, gleich welcher Rasse oder Geschlecht, in der Lage sein musste stets auf sich allein gestellt zu überleben.

“‘Drachen haben keine Verbündete. Drachen sind der absolute Höhepunkt der Evolution.’”

äffte sie den Tonfall ihres Vaters nach, wie er seine Lieblingslektion herunterbetete.

“‘Nie… niemand hrnnnnn-hilft einem Draaarrrrrchen, denn wirrrrrr sind der Fff–feind.’”

fuhr sie ächzend fort und brachte zumindest einen ihrer Vorderläufe unter ihrem Körper hervor. Er sah schrecklich verformt aus. Nicht zwingend gebrochen, aber geschwollen, und an einigen Stellen, so stellte sie fest, hatten die Einschläge Teile ihrer Schuppen zersplittert oder gar ganz ausgerissen.

“Hhnnnn… ver…verdammt…”

fluchte Tyria und versuchte ihre Krallen bewehrten Finger zu bewegen. Es gelang ihr nicht.

Alles, was sie erreichte, war, dass sie spürte, wie ihr Kiefer sich verkrampfte.

“Das ist nicht gut…”

stellte sie grimmig fest, aber wenigstens war die Extremität nun frei. Sie konzentrierte sich auf ihre Atmung und versuchte, den Kiefer wieder zu entspannen. Es dauerte ein wenig, bis der Schmerz sich langsam wieder zu einem dumpfen Pochen dämpfte. Sie wollte sich nicht vollkommen auf den Menschen verlassen, sondern sehen, ob sie nicht zumindest noch eine oder zwei weitere Extremitäten zu befreien. Sie biss die Zähne zusammen und versuchte, sich auf den Hinterlauf und den Vorderlauf, die sie bereits frei hatten, zu stützen, um eine weitere Extremität unter ihrem geschundenen Körper hervorzuziehen.

“Aarrrrrnnnnnnn…”

knurrte die kleine Drachin und biss sich durch den Schmerz, der wie Elektrizität durch ihren Körper schoss. Sie schaffte es, sich ein wenig hoch zu stützen, aber es reichte nicht, um ein weiteres Bein unter sich herauszuziehen. Ihre Muskeln fingen an zu zittern und dann brach sie zusammen.

“Uuuurnnnng…”

keuchte Tyria und ergab sich ihrem Schmerz. Sie wollte schreien, ihren Zorn und ihre Verzweiflung der Welt kund tun, aber sie wusste zum einen, dass dies eine schlechte Idee war, zum anderen, dass sie wahrscheinlich gar nicht tief genug einatmen konnte, um wirklich schreien zu können. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als still zu liegen.

Tränen rannen über ihre Wangen. Sie fühlte sich so schwach, so verletzlich und völlig hilflos. Sie spürte wie die Wut in ihr aufstieg und sie musste den Drang unterdrücken, ihrer Rage freien Lauf zu lassen. Den Wald jetzt abzubrennen würde ihr nicht helfen, ganz im Gegenteil, aber ihre unbändige, wilde Art, die allen Drachen gemein war, lauerte hinter dem hauchdünnen Schleier der Vernunft und flüsterte ihr zu sich ihrer Wut zu ergeben und das heilige, das reinigende Feuer alles verzehren zu lassen, das zu tun, wofür Drachen nun einmal erschaffen worden waren.

Sie schloss die Augen und versuchte, sich zu beruhigen, aber das Feuer brannte tief. Sie presste die Lippen zusammen und ihre Gesichtszüge verzogen sich zu einer ernsten Miene. Die Atmung der jungen Drachin kam in kurzen, zitternden Zügen, begleitet von leisem Stöhnen und Seufzern.

Sie wusste nicht wie lange sie so dort lag, es kam ihr wie eine kleine Ewigkeit vor, in der sie ihre Atemzüge und Herzschläge zählte, da sie nichts anderes tun konnte.

Tyria bemerkte erst gar nicht, das Artem sich ihr wieder näherte, erst als er sie leise ansprach, öffnete sie wieder ihre Augen und sah ihn verzweifelt an.

“Tyria?... Tyria? Bist du noch da?”

flüsterte Artem und wurde mit einem leisen Murren belohnt. Die kleine Drachin öffnete ihre Augen und sah ihn an. Deutlich konnte er ihren Schmerz und ihre Verzweiflung sehen. Er hatte den Handkarren so nah wie möglich an sie herangezogen, aber es waren trotzdem noch etwa ein Dutzend Meter bis dorthin. Er würde sie hochheben und tragen müssen, zumindest das kurze Stück bis zu seiner Transportgelegenheit. Vorsichtig kam er näher und legte seine Hand wieder auf ihren Kopf. Sie fühlte sich deutlich wärmer an, er wusste nicht genau warum, aber er dachte, es wäre wahrscheinlich, weil sie jetzt wieder wacher und aktiver war. Sachte streichelte er über ihre glatten Schuppen und sah sich ihren Körper noch einmal genauer an.

“Ich werde dich tragen müssen.”

flüsterte er und spürte, wie sie langsam unter seiner Hand nickte.

“Wenn ich dich anhebe, wird es wahrscheinlich zumindest kurz sehr weh tun.”

fügte er hinzu und abermals nickte die kleine Drachin.

“Ich… ich weiß. Ich habe versucht aufzustehen…”

gab sie mit fast tonloser Stimme zurück und schloss die Augen wieder.

“... es ging nicht…”

Nun war es Artem, der nickte.

“Mmmhmmm, das kann ich mir lebhaft vorstellen. Werden wir das schaffen, ohne dass du mich beißt?”

fragte er leise und ließ seine Hand ganz langsam ihren Hals hinab gleiten. Tyria reagierte nicht sofort, es war so, als würde sie darüber nachdenken müssen.

“Ich will dich nicht beissen, aber es könnte passieren, wenn der Schmerz zu stark wird.”

räumte sie beschämt ein, aber Artem nickte nur. Wie ein Hund, oder eine Katze, die selbst ihren Herren beißt, wenn der Schmerz zu stark wird.

Er kniete sich neben die kleine Drachin und versuchte herauszufinden, wie er das Reptil am besten anheben konnte, so dass er Tyria nicht nur sicher tragen konnte, sondern auch nicht unnötig mehr Schmerzen verursachte als unbedingt notwendig. Sie ächzte, als sie versuchte, ihren Kopf weiter zu ihm zu drehen, um besser sehen zu können, was er tat.

“Wa…hrnnnnssss… was tust du da?”

fragte sie, die Neugier klang trotz der Schmerzen eindeutig in ihrer Stimme mit. Artem drehte ihr seinen Kopf zu, er lächelte angestrengt.

“Ich versuche, mir einen Plan zurecht zu legen, wie ich dich am besten hochheben kann, ohne dir mehr weh zu tun als nötig.”

antwortete er und zeigte auf ihre Brust und ihr Becken.

“Normalerweise würde ich ein Tier deiner Größe hier und hier, entweder vor oder hinter den Beinen nehmen, aber ich fürchte, dein Flügel ist im Weg.”

erklärte er und noch bevor er etwas hinzufügen konnte, sah er, wie Tyria versuchte, ihren gebrochenen Flügel zu bewegen. Natürlich scheiterte sie und fauchte ihren Schmerz und ihre Frustration in die kalte Luft des Waldes. Artem schloss seine Augen und wartete einen Moment, um Tyria zumindest die Chance zu lassen, wieder zu Atem zu kommen.

“Sch…schon gut…”

keuchte die junge Drachin und der Wildhüter nickte grimmig.

“L…la…lass es uns einfach tun…”

stotterte sie und kniff die Augen zusammen. Artem hasste sich dafür, aber er konnte ihr nur zustimmen. Es würde nicht helfen länger zu warten, es würde nicht besser werden, nicht so und vor allem nicht hier. Vorsichtig und mit angehaltenem Atem schob er seine Hände unter ihren Körper. Sie war heiß, sie glühte förmlich an ihrer Unterseite. Während er seine Hände weiter schob sog die Drachin scharf die Luft ein und hielt ebenfalls den Atem an.

“Grrrrrnnnniii…”

presste sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, als er seine Arme schließlich ganz unter sie schob und sie vorsichtig anhob. Sie war leichter, als er befürchtet hatte, was positiv war, aber ihr geknurrter Schmerzensschrei hätte fast dazu geführt, dass er sie fallen gelassen hätte. Er beeilte sich, denn er wollte sie nicht zu lange tragen müssen, wer konnte schon wissen, wann sie gegen ihre Instinkte verlieren würde und ihn biss, oder noch schlimmer, verbrannte.

Er drehte sich in die Richtung, in der sein Karren stand und stapfte los. Es dauerte nur einen kurzen Moment, bis er die Strecke zurückgelegt hatte, und erst als er Tyria so vorsichtig wie es nur ging auf den Wagen legte, bemerkte er, dass er noch immer die Luft anhielt.

Auch Tyria hatte noch immer die Luft angehalten, das Knurren und Zischen zeugte von ihren Schmerzen und erst als er sie wieder ablegte, entfuhr ihr ein weiterer Schmerzenslaut und zwang sie wieder zu atmen. Sie konnte ihm nicht böse sein, er hatte sich wirklich Mühe gegeben, sie möglichst sanft abzulegen und dafür zu sorgen, dass all ihre Gliedmaßen so lagen, dass sie nicht versehentlich auf einer lag, aber es tat trotzdem höllisch weh.

Ihre Sicht war verschwommen und ihre Tränen liefen in kleinen Sturzbächen über ihre Wangen. Ihre Atmung ging in kurzen zitternden Zügen und sie fühlte sich nicht in der Lage, ihren Kopf zu bewegen. Artem stand schwer atmend vor ihr. Die kurze Anstrengung schien ihm alles abverlangt zu haben. Er sah sie an und rang um Atem.

“Bist… bist du in Ordnung?”

fragte er und suchte ihren Körper mit den Augen ab. Tyria schaffte ein kurzes, steifes Nicken.

“Gut wäre geprahlt…”

presste sie hervor, aber sie schaffte es nicht, den Scherz rüberzubringen, Artem nickte trotzdem. Er zeigte noch einmal an die Stelle, wo sie abgestürzt war.

“Ich werde noch einmal kurz nach da drüben gehen, vielleicht finde ich deinen Reif noch."

keuchte er und drehte sich um. Während er davon stapfte, sah Tyria ihm nach. Sie konnte nicht viel erkennen, da ihre Augen noch immer mit Tränen überquollen und ihr die Schmerzen fast den Verstand raubten. Sie beschloss, dass es besser war, zu versuchen, einfach zu entspannen. Sie ließ ihren Kopf auf den Planken des Wagens ruhen und schloss die Augen. Es gab nichts zu tun für sie, für den Moment war sie auf die Gnade und die Hilfe des Menschen angewiesen.

Nach einer Weile hörte sie, wie sich Artem wieder näherte. Seine Schritte hörten sich ein wenig hektisch an, aber es war seine Stimme, die sie wirklich aufschrecken ließ.

“Ich glaube, ich habe gefunden, was du verloren hast…”

Rief er ihr schon zu, als er noch einige Schritte entfernt war. Teils aus Schreck, teils aus Freude, aber vor allem aus Ungeduld, wollte Tyria ihren Kopf heben und sich nach ihm umsehen, aber so weit kam sie gar nicht erst, denn ihre Muskeln verhinderten schnelle und unbedachte Bewegungen.

Also öffnete sie nur ihre Augen und sah zu dem Wildhüter, der mit etwas in seiner Hand winkte, dass nach Silber aussah. Sie konnte es nicht recht erkennen und musste warten, bis er bei ihr war, aber als Artem endlich vor den Karren stand und ihr stolz seinen Fund präsentierte, machte ihr Herz einen Satz.

Sie schnappte nach Luft, als sie erkannte, was er in seinen Händen hielt.

“Das… bei den Ältesten… das ist mein Reif…”

keuchte Tyria und betrachtete den verbogenen Silberreif in Artems Händen.

“... aber… was ist damit passiert?”

fragte sie, obwohl sie sich sehr wohl ausmalen konnte, was bei ihrem Absturz mit dem fragilen Schmuckstück passiert war. Artem drehte und wendete den Reifen in seinen Händen. Die Kratzer, Macken und Dellen sowie die völlig verbogene Form deuteten darauf hin, dass der Reif mehrmals mit ihr zusammen gegen stabile Hindernisse geprallt war. Er sah zu ihr auf und presste seine Lippen zusammen.

“Nun, ich denke, dein Absturz hat mehr Schaden angerichtet als gedacht. Wenn du möchtest, kann ich den Reifen bei einem der Schmiede richten lassen… aber ich weiß nicht, ob sie ihn wieder ganz hinbekommen.”

bot der Wildhüter an und hielt ihr das Schmuckstück hin. Tyria legte ihren Kopf leicht zur Seite und schloss die Augen wieder.

“Nein.”

erwiderte sie und seufzte leise.

“Ich kann das nicht von dir erwarten. Du tust schon jetzt zu viel für mich und begibst dich in Gefahr für mein Wohlergehen."

fügte sie vorsichtig hinzu und öffnete ihre Augen wieder. Ruhig sah sie in seine braunen Augen und sah, wie er zu lächeln begann. Er legte den Reif auf den Wagen und begann zärtlich ihren Kopf mit beiden Händen zu streicheln.

“Alles gut, kleine Tyria, solange wir ein wenig vorsichtig sind, wird nichts passieren, und schließlich ist es meine Aufgabe, mich um die Tiere in diesen Wäldern zu kümmern, und zumindest für eine Zeit lang gehörst du da auch dazu.”

Seine Stimme klang ruhig und liebevoll, während er über ihre glatten Schuppen streichelte und sie unter ihrem Kinn kratzte. Die kleine Drachin schloss ihre Augen erneut und genoss die Streicheleinheiten. Leise murrte sie ihre Zustimmung und lehnte ihren Kopf gegen seine Hände.

Wie konnten sich seine Berührungen nur so gut anfühlen? Es fühlte sich fast so gut an, wie wenn ihr Vater ihr seine Zuneigung zeigte, aber da war es nicht nur die Berührung, sondern die Verbindung, die das Gefühl noch verstärkte. Mit Artem jedoch verband sie nichts, zumindest noch nichts, und trotzdem war das Gefühl, das sie gerade empfand, fast genauso stark. Die Wärme, die seine Hände ausstrahlten, war eine so völlig andere. als die, die sie von ihrem Vater oder auch sich selbst kannte.

Die Wärme, die Drachen erzeugten, stammte von ihrem Feuer, eine urtümliche, rohe, zerstörerische Wärme. Nicht unbedingt unangenehm und durchaus dazu geeignet, die Liebe eines Drachen zu einem anderen zu unterstreichen, aber trotzdem etwas völlig anderes als die Wärme, die Artem in sich trug.

Menschen besaßen kein eigenes Feuer, das hatte ihr Vater sie gelehrt. Menschen waren darauf angewiesen, ihr Feuer künstlich zu erzeugen. Es konnte also kein Feuer sein, dass seine Hände so ungemein angenehm erwärmte.

Tyria verlor sich in dem Gedanken und genoss die Zuwendung, bis Artem seine Hände wieder entfernte. Sie konnte nicht anders, als zu murren und ihren Unmut über das Beenden der Streicheleinheiten kundzutun, aber Artem verneinte.

“Wie sollte zusehen, dass ich dich nach Hause bekomme, bevor der Herr uns vielleicht doch noch sieht.”

sagte er und nahm den Reif wieder an sich.

“Keine Sorge, ich bewahre ihn nur auf, da du ihn nicht festhalten kannst im Moment.”

fügte er hinzu, als sie ihn etwas verstört ansah. Er drehte sich um und nahm die Handgriffe des Karrens. Vorsichtig begann er den Wagen durch den Wald zu schieben. Die übergroßen Holzräder, gedacht um besser über die Unebenheiten des Waldweges zu rollen, boten leider keinen zusätzlichen Komfort, und jede Erschütterung, jede Wurzel über die Artem den Wagen bugsieren musste, wurde ungedämpft and Tyria weitergegeben und sorgte für eine erneute schmerzhafte Sensation. Die kleine Drachin ächzte leise und presste die Augen zusammen in dem Versuch, sich von dem Schmerz abzulenken.

Sie wusste nicht, wie lange sie unterwegs gewesen war, irgendwann während der holprigen Fahrt, hatte sie das Bewusstsein verloren. All der Schmerz und die Erschöpfung hatten ihren Tribut gefordert und ihr Körper hatte einfach abgeschaltet.

Alles woran sie sich noch erinnern konnte, war der stetige Strom aus Entschuldigungen, die Artem immer und immer wieder gemurmelt hatte, wenn der Wagen wieder über irgendeinen Stein oder eine Wurzel geholpert war.


Konzept und Idee von

El Poyo Diabolo

Geschrieben von

El Poyo Diabolo

Charaktere von

El Poyo Diabolo

Editiert von

El Poyo Diabolo

Veröffentlicht von

El Poyo Diabolo

Der Krieg zwischen den altehrwürdigen Drachen und den Magiern des Reiches wütete nun schon seit fünf Jahren. Niemand war sich sicher, wer genau den Konflikt ausgelöst hatte; man wusste nur, dass die Drachen, die einst die einzigen Wesen gewesen waren, die in der Lage waren, die Kräfte des Warp zu nutzen, darauf erpicht waren, diesen Status wiederzuerlangen. Die Magier, einige Menschen, aber vor allem Elfen, hatten erst vor kurzem gelernt, Magie zu benutzen, und hatten kein Interesse daran, sie jetzt aufzugeben.

Die Feindseligkeiten hatten klein angefangen, gerieten aber schnell außer Kontrolle, und nun war fast jeder Drache an der Front, um die immer stärker werdende Streitmacht der Magier zurückzuschlagen.

Es war ein blutiger Krieg, ein schmutziger Krieg, der mit allen zur Verfügung stehenden Waffen geführt wurde. Auf der Seite der Drachen waren es Feuer, Eis und unermessliche Kraft, während die Magier mit Waffen aus schwarzem Stahl und ihrer Magie konterten, um die Kräfteverhältnisse auszugleichen.

Mit den Kämpfen kamen der Dreck, die magischen Verschmutzungen, die Rückstände von magischem Feuer und giftigen Pfeilen. Die Drachen waren zwar zu großen Taten fähig, konnten sich aber nicht immer vollständig reinigen. Da traf es sich gut, dass die Drachen seit jeher über eine beeindruckende Anzahl von Untergebenen verfügten. Sie konnten sich darauf verlassen, dass sie nicht nur ihre Horte in Ordnung hielten.

Die Kobolde waren praktisch seit jeher die Untergebenen der Drachen. Seit jeher waren sie Handlanger, Buchhalter, Baumeister, Ingenieure, Häppchen und was sonst noch gebraucht wurde, für ihre Herren.

Sie zählten das Gold, katalogisierten jeden Gegenstand in deren Besitz, hielten aber auch den Hort sauber und frei von lästigen Abenteurern.

Mit dem anhaltenden Krieg kam eine neue Aufgabe für die Diener hinzu. Die wichtigste Aufgabe von allen: die Kampfbereitschaft der Drachen aufrechtzuerhalten, was nicht nur bedeutete, ihre Wunden zu versorgen, sondern sie auch sauber zu halten und all die lästigen Überreste menschlicher und elfischer Magie und Waffen zu beseitigen.


Irgendwo auf dem Lande hatten ein paar geschäftstüchtige Kobolde ein kleines Unternehmen gegründet. Anfangs waren sie nur ein paar Kobolde gewesen, die ihren Herrn im Krieg verloren hatten und lediglich mit ein paar Eimern und Bürsten bewaffnet waren, mit denen sie den Drachen, die direkt von der Front kamen, Reinigungsarbeiten anboten. Niemals hätten sie in ihren kühnsten Träumen gehofft, dass dieses Projekt so einschlagen würde, wie es nun der Fall war.

In weniger als einem Monat hatten sie Warteschlangen für die Drachen, die von ihren Diensten gehört hatten und bereit waren, ein hübsches Sümmchen dafür zu zahlen, dass sie den ganzen Schmutz und Dreck der Kämpfe loswurden, damit sie so schnell wie möglich an die Front zurückkehren konnten. Es war nicht so, dass die meisten Drachen keine eigenen Diener in ihren Horten hatten, aber es war viel bequemer, einfach bei den Kobolden in der Drachenwaschanlage anzuhalten, sich reinigen zu lassen und wieder aufzubrechen, um sich den Weg zurück zu ihrem eigenen Hort zu sparen. Sie mussten expandieren, um schneller und effizienter arbeiten zu können.

Kobolde sind durchaus in der Lage, schnell zu denken, und sie sind sehr fleißig, wenn sie freie Hand über die vorhandenen Ressourcen haben. Es dauerte nicht lange, bis sie die ersten Hütten bauten und den wartenden Drachen Getränke und Snacks anboten, während andere Gerüste benutzten, um schnell auf die Drachen auf- und absteigen zu können. Ein ganzes Heer von Kobolden hatte ein System von Rohren und Pumpen gebaut, um Wasser aus einem nahe gelegenen Bach zu holen, und einen Kessel, um es zu erhitzen.

Es begann eine glorreiche Zeit des Profits und des Reichtums für die unermüdlichen kleinen Kreaturen, die sich einen Namen gemacht hatten.

Sie waren die einzig wahre Dragonwash.

Sie hatten große Schilder aufgestellt und in der ganzen Gegend verteilt, die jeden Drachen in Not zu ihnen führten und den vollen Reinigungsservice versprachen; für jeden Drachen, der in der Lage war, das nötige Geld für diesen Service aufzubringen.

...


Ja, hier ist die Dragonwash... Ja, ich habe schon mal angerufen... Klar habe ich eine Kundennummer... 0800-verpiss dich... Jetzt gib mir Dave vom Versandhandel... Nein, ich werde nicht mit dir reden... Hör mir zu du kleiner Scheißer. Es gibt andere Lieferanten für Seife und Wachs. Ich bin nicht auf deine Dienste angewiesen... Ja, ich weiß... Jetzt sei ein Schatz und bring Dave auf die Kugel, ich habe keine Zeit zu verlieren...“

Der Kobold blickte grinsend in die große Kristallkugel auf seinem Schreibtisch. Er stand auf seinem viel zu großen Stuhl und lehnte sich über den für Menschen gemachten Schreibtisch. Er hätte leicht einen für seine Rasse besorgen können, aber er war der Chef in diesem Laden, und das musste zum Ausdruck kommen. Also musste der größte und bequemste Stuhl angeschafft werden, und ein passender Schreibtisch zum Stuhl war auch angemessen. Er kaute auf seiner Zigarre und wartete ungeduldig darauf, dass sich der ihm zugewiesene Vertreter seines Lieblingslieferanten bei ihm meldete.

Es dauerte einen Moment, aber dann veränderte sich das Gesicht in der Kristallkugel und zeigte schließlich einen hageren Menschen, der leicht gestresst aussah.

„Dave!... Ja, hier ist Grumpard... Hör zu, diese Preise sind lächerlich... Ich werde das nicht bezahlen... Nein, nicht einmal, wenn du das Pferd des Königs benutzt hättest, um diese Seife herzustellen... Ich weiß, dass du das beste Zeug hast, aber ich werde diese Preise nicht bezahlen... Hey, komm mir nicht mit diesem Scheiß; du weißt, dass wir deine besten Kunden sind, und wir sind diejenigen, die dir die Drachen vom Hals halten... also mach mir ein gutes Angebot, ja?... Nein... Nein, ich werde nicht mit deinem Boss reden. Du bist mein Agent. Du bist mir zugewiesen, nicht dein Boss... Weißt du was? Scheiß drauf, scheiß auf deinen Laden, ich werde meine Vorräte bei Jay's bestellen... Ja, du hast richtig gehört... Und ich werde meinen Kunden sagen, dass du, vor allem du, uns verarscht hast... Ja, denk mal darüber nach...“

Und damit warf er die Decke über die Kristallkugel. Es brodelte in ihm, kochte, brannte weiß glühend...

Grumpard kaute noch etwas auf seiner Zigarre, bevor er sich auf seinem Stuhl umdrehte und das Fenster seines Büros öffnete. Draußen war seine Mannschaft in vollem Gange. Seit dem frühen Morgen wurde ein Drache nach dem anderen geputzt und gewartet, um dann wieder an die Front zu fliegen. Er sah sich um, bis er denjenigen fand, den er suchte.

„Hrun ... Hrun ... du kleiner Mistkerl! Komm hierher!“

Einer seiner Vorarbeiter, ein drahtiger Kobold mit einem bösartigen Irokesenschnitt und einer Lederschürze, kam vom Empfangstresen herübergerannt.

„Ja, Boss?“

Seine piepsige Stimme passte nicht im Geringsten zu seinem Aussehen, aber Grumpard wusste, warum er sein bester Vor-Bold war. Niemand war in der Lage, diese Armee von nervösen Kobolden so zu hüten wie Hrun.

„Wir haben ein Problem. Die Preise für Seife und Wachs gehen durch die Decke; wir müssen mehr Gewinn machen! Können wir mehr für den Service verlangen?“

fragte der Chef, aber Hrun schüttelte den Kopf.

„Nicht ohne bessere Ausrüstung. Wir brauchen diese rotierenden Bürsten, und wir brauchen diese Sprühdüsen für die Schläuche, sonst können wir die Preise nicht erhöhen.“

erwiderte Hrun und zählte an den Fingern ab, was noch gebraucht wurde. Grumpard drehte die Zigarre, die er nie angezündet hatte, immer wieder zwischen seinen Lippen. Er hasste Rauch, und er hasste das Rauchen noch mehr, aber in seinen Augen musste ein Chef eine Zigarre haben. Sie war Pflicht!

„Aber Higgry hat gesagt, dass er noch einen Monat brauchen wird, um das zu erledigen.“

beschwerte er sich und Hrun nickte.

„Ich werde mit ihm reden und sehen, ob er etwas zusammenschustern kann.“

Grumpard lächelte, er wusste genau, warum er Hrun mit dieser Aufgabe betraut hatte. Nicht zufrieden, aber zumindest ein wenig erleichtert, schloss er das Fenster und ließ sich auf seinen Stuhl sinken. Zeit für ein Nickerchen.

...


Hrun lief auf eine Hütte am Rande ihres Geländes zu. Sie war mit vielen Schildern versehen, die jeden vor den Gefahren warnten, die in der Werkstatt ihres besten Ingenieurs lauerten. Vorsichtig näherte er sich der Hütte, aus der laute, hämmernde Geräusche zu hören waren.

Higgry, oder Higs für seine Freunde, war ein ehrgeiziger kleiner Kobold. Schon in jungen Jahren hatte er sein Interesse an der Technik gezeigt und schon immer mit allerlei Schrott herumgetüftelt. Im Moment hatte er die Aufgabe, eine neue Art von Bürste zu bauen, mit der die Drachen schneller und effizienter gereinigt werden konnten, als es bisher der Fall war.

Er hatte sie „rotierende Bürste“ genannt, und wie der Name schon andeutete, bestand sie aus einer rotierenden Welle, an der ein Bündel von Bürsten befestigt war. Angetrieben würde sie zunächst von einem Haufen Kobolde an einer großen Kurbel, aber sobald Higs dazu in der Lage war, würde er etwas bauen, das es ihnen ermöglichte, eine der Wasserpumpen als Antrieb zu benutzen.

Hrun kam zu den großen Türen und schlug mit seiner kleinen Faust dagegen.

„Hey Higs ... bist du da?“

schrie er und riss die Tür auf. Drinnen herrschte ein Durcheinander aus Schrott, verschiedenen Erfindungen, die nie richtig funktioniert hatten, allerlei Müll und Essen und ein Kobold, der fieberhaft auf irgendetwas einhämmerte, das zum größten Teil von einer Plane oder ähnlichem verdeckt war. Vorsichtig bahnte sich Hrun einen Weg durch das Durcheinander, hin zu dem Kobold mit dem Hammer.

„Hey Higs ... was machst du da?“

brüllte Hrun, doch Higs reagierte nicht und machte mit seinem Lieblingswerkzeug weiter. Erst als Hrun dem Ingenieur einen Tritt in den Hintern verpasste, jaulte dieser auf und drehte sich mit erhobenem Hammer zum Angriff bereit um.

„Hey, vorsichtig mit dem Ding...“

rief Hrun und hob abwehrend die Hände. Higs sah ihn mit großen Augen an.

„Hrun? Was zum Teufel machst du denn hier? Es ist noch nicht Mittag!“

Higs' Stimme war etwas weniger piepsig als Hruns, aber trotzdem klang er immer noch so, als hätte jemand einem Ferkel mit Helium befüllt. Hrun grinste. Nein, es war noch nicht Mittagszeit, und selbst wenn es so wäre, würde er Higs nicht sein Mittagessen bringen. Diese Ehre würde Jirray zukommen.

„Der Chef schickt mich. Ich bin hier, um zu sehen, wie du vorankommst. Wir brauchen diese Bürsten, und zwar schon gestern.“

Der Ingenieur schüttelte energisch den Kopf.

„Ich habe dir doch schon erklärt, dass ich noch mindestens einen Monat brauche ... Es ist noch nicht getestet ... so viele Dinge könnten schief gehen ... und ich habe noch nicht herausgefunden, wie ich sie mit einer der Pumpen betreiben kann.“

verweigerte Higs und versuchte, sein aktuelles Projekt vor Hruns neugierigen Blicken abzuschirmen. Hrun sah an ihm vorbei, und langsam nahm das Ding unter der Plane in seinem Kopf Gestalt an.

„Du hinterhältiger kleiner Bastard! Du hast es schon gebaut?“

Es war mehr eine Feststellung als eine Frage, und Higs, der sich ertappt fühlte, versuchte fieberhaft, es weiter zu verbergen.

„Nnnnnnooo...“

Hrun schüttelte den Kopf und trat einen Schritt vor.

„Doch, das hast du, ich kann es sehen...“

Higs legte seine Schlappohren an und knirschte mit den Zähnen.

„Nein, ich habe nicht... ich... es... es ist noch nicht fertig... nein, du kannst es nicht haben...“

Hrun machte einen weiteren Schritt nach vorne und griff nach der Plane.

„Nein, Hrun... es ist noch nicht fertig... es wird nicht...“

Hrun ignorierte den Protest seines besten Ingenieurs und zog an der Plane. Als die schwere Plane herunterfiel und Higs unter sich begrub, kam die rotierende Bürste zum Vorschein. Higs beschwerte sich immer wieder unter der Plane, dass sie mehr Arbeit benötigte und dass sie nicht funktionieren würde, wenn er sie jetzt benutzen würde, aber Hrun ignorierte das alles. Er wusste, dass Higs übermäßig vorsichtig war; das war er schon immer gewesen. Die Bürste war ein Wunderwerk der Technik. All das polierte Metall und all die Schrubber, die er sich nur wünschen konnte. Vorsichtig berührte er die Borsten und ließ das Gerät rotieren. Es drehte sich fast ohne jeden Widerstand.

„Wir werden es benutzen. Es wird funktionieren, und es wird standhalten. Dessen bin ich mir sicher.“

erklärte Hrun und blickte auf die sich bewegende Plane zu seinen Füßen, unter der sich Higs immer noch abmühte, herauszukommen.

„Neeeiiiin... nicht schon wieder... immer nimmst du mir meine Erfindungen weg, wenn sie noch nicht fertig sind!“

Heulte der Kobold unter der Plane und Hrun nickte. Das taten sie wirklich. Immer wieder nahmen sie ihm sein Spielzeug weg, und immer wieder funktionierten sie besser, als sie es sich erhofft hatten. Sicher, Higs würde an den Bürsten arbeiten, bis sie perfekt waren, fast magisch, aber das mussten sie nicht sein, solange sie funktionierten und ihre Aufgabe erfüllten, war alles in Ordnung. Er würde sie später perfektionieren... wie er es immer tat.

Hrun warf noch einen Blick auf die Vorrichtung und nickte, bevor er sich umdrehte, um die anderen dazu zu bringen, ihm mit diesem Ding zu helfen. Währenddessen konnte der arme Higs nichts anderes tun, als dazusitzen und in seinem Elend zu schmollen.

...


Am nächsten Morgen wurde die neue Rotationsbürste installiert und mit einem großen Laufrad versehen, in dem eine Schar Kobolde rennen würde, um die Bürsten mit moderater Geschwindigkeit rotieren zu lassen. Higs hatte die Nacht durchgearbeitet, und es funktionierte hervorragend.

Mit den ersten Sonnenstrahlen trafen dann die ersten Drachen für ihren Service ein. Es war ein großer alter Drache, der mit einem mächtigen Aufprall landete, der den Boden erschütterte. Seine Schuppen waren kohlrabenschwarz und zeigten die Abnutzung von Hunderten von Jahren des Kämpfens und Überlebens. Er sah sich um und stieß ein leises Knurren aus, bevor er sich dem Empfangsschalter näherte;

Hinter diesem stand Laamri, einer der weiblichen Kobolde, die in der Drachenwaschanlage arbeiteten, und lächelte ihn an.

„Willkommen in der Drachenwaschanlage. Wir reinigen, damit du glänzen kannst. Wie können wir Euch heute zu Diensten sein, Meister ...?“

trällerte sie die gut einstudierte Begrüßungsformel, und der Drache vor ihrem Schreibtisch blickte mit einem reservierten, aber wohlwollenden Blick auf sie herab. Als er schließlich sein Maul öffnete, war seine Stimme ein leises Grummeln.

„Mein Name ist Fafnir. Man nennt mich den schwarzen Dämon, aber du und deine Kollegen dürfen mich Faff nennen. Das heißt, wenn euer Service den Versprechungen eurer Werbespots gerecht wird.“

sagte er, und Laamri nickte eifrig.

„Meister Fafnir. Wir sind stolz auf unsere hervorragende Kundenzufriedenheit. Immerhin sind wir der führende Anbieter von Reinigungsdiensten für Drachen. Es gibt niemanden, der auch nur annähernd so gute Ergebnisse erzielt wie wir.“

Sie ratterte ihr Serviceversprechen herunter. Faff nickte nur und beugte seinen Kopf zu ihr hinunter.

„Was bietet euer Service denn an?“

fragte er, und Laamri konnte den Tod in seinem Atem riechen; für einen kurzen Moment spürte sie, wie ihr Frühstück ihr noch einmal durch den Kopf gehen wollte, aber sie konnte das Gefühl gerade noch niederkämpfen und behielt ihr gut trainiertes Lächeln bei. Sie zückte ein Klemmbrett und begann, ihre Angebote aufzuzählen:

„Meister Fafnir, wir können Ihnen einen kompletten Service anbieten, der Folgendes umfasst:

  • Eine vollständige Reinigung Eures Körpers mit einer Tiefenreinigung Eurer Schuppen, Flügel, Hörner und Krallen.

  • Eine gründliche Pflege eurer Schuppen, Klauen und Hörner, einschließlich der Entfernung von Schutt, Waffenresten oder Resten magischer Geschosse

  • Eine Reparatur aller rissigen oder anderweitig beschädigten Schuppen, Hörner und Klauen mit unserem patentierten, schnell trocknenden Chitin-Zement

  • Vollständiges Wachsen aller harten Schuppen, Hörner und Klauen, gefolgt von

  • Eine vollständige Politur aller Außenflächen

  • Krallen und Hörner werden gefeilt und geschärft

  • Wir bieten eine vollständige Zahn- und Zungenreinigung an, einschließlich der Entfernung von Fremdkörpern und der Reparatur von beschädigten Zähnen, falls erforderlich.

  • Unser Super-Spezial-Angebot umfasst eine vollständige Reinigung Ihrer Kloake

  • Die Anwendung von Duftölen ist optional, aber im Gesamtpaket enthalten.

Also, was können wir heute für Euch tun, ehrenwerter Meister Fafnir?“

Laamri lächelte und blickte in die tiefen, roten Augen des mächtigen Drachen, der vor ihrem Schreibtisch stand. Faff lehnte sich zurück und kratzte sich an seinem Kinn, wo einige seiner Schuppen rissig und gebrochen waren; dabei löste sich die erste der zerbrochenen Schuppen und klapperte auf den Boden, untermalt von seinem nachdenklichen Brummen, das wie ein altes, knarrendes Scheunentor klang.

„Hmmm, das Full-Service-Paket klingt fast verlockend. Ich muss mich heute Abend von meiner besten Seite zeigen. Schließlich habe ich eine Verabredung mit einer gewissen Drachin, die ich beeindrucken muss, wenn du verstehst, worauf ich hinaus will...“

sagte er in einem sanften Ton, und der Kobold nickte eifrig.

„Eure Gefährtin wird mit eurem Aussehen sehr zufrieden sein, das kann ich euch versichern. Das macht vierhundert Unzen Gold, verehrter Meister Fafnir.“

erklärte Laamri und deutete auf eine Waage neben dem Schreibtisch, hinter dem sie stand. Faff sah sie an und grinste. Er griff nach einem Beutel, der mit einem breiten Ledergürtel an seinem Hinterbein befestigt war.

„Vierhundert Unzen? Für diesen Preis sollten eure Dienste besser erstklassig sein.“

knurrte der mächtige Drache und nahm etwas aus dem Beutel.

„Ich konnte es noch nicht säubern, aber das sollte mehr als genug sein.“

Sagte er und ließ einen Kopf auf die Waage fallen, der noch immer eine riesige Krone trug, die teilweise mit seinem Schädel verschmolzen war. Laamri kreischte auf, als sie den Kopf und die Krone sah, und trat ein paar Schritte zurück.

Faff sah sie nur verwirrt an und wartete, bis sich der kleine Kobold wieder beruhigt hatte. Es dauerte ein oder zwei Augenblicke, bis Laamri sich wieder gefangen hatte. Von ihrem Schrei angelockt, waren ein paar der anderen gekommen, neugierig, was sie so erschreckt hatte. Hrun gehörte zu den ersten, die am Tatort eintrafen. Er schaute erst zu Faff, dann zu Laamri und schließlich wanderte sein Blick zu der Waage. Als er den abgetrennten, verbrannten Kopf auf der Waage liegen sah, weiteten sich seine Augen kurz, aber er blieb größtenteils ganz ruhig. Mit einem wissenden Lächeln wandte er sich an Faff.

„Ich schätze, das bedeutet, dass Ihr das volle Servicepaket bekommt.“

erklärte Hrun und nahm Laamri das Klemmbrett aus der Hand, die immer noch unter Schock stand und nicht reagierte; stattdessen starrte sie einfach weiter auf den abgetrennten, verbrannten Kopf und strahlte pure Panik aus. Schnell überflog er die Notizen und sah wieder zu Fafnir, der nur nickte und ein breites, zahnbewehrtes Lächeln aufsetzte.

„Meister Fafnir, würdet Ihr so freundlich sein und mir folgen, dann werde ich Euch durch den Prozess führen, Euch vollständig zu reinigen und...“

Er blickte auf die matte, kohlschwarze Farbe des mächtigen Drachen, der neben ihm stand. Ohne auch nur nach irgendwelchen Schäden zu suchen, konnte er sehen, dass sie dieses Mal viel Arbeit vor sich hatten.

„... komplett wieder aufzupolieren.“

Die letzten Worte kamen mit einiger Verzögerung, und Hrun war sich nicht sicher, ob sie es wirklich schaffen würden, Fafnir auf Hochglanz zu polieren. Manche Drachen waren einfach nicht dafür gemacht, zu glänzen. Faff hingegen gluckste leise; ein Geräusch, das an eine Steinlawine in der Ferne erinnerte.

„Nun, wenn du es schaffst, mich wieder zum Glänzen zu bringen, bin ich bereit, das Doppelte zu zahlen.“

Sagte er in einem amüsierten Ton und schritt vorsichtig um den Tresen herum und an Laamri vorbei, die immer noch nur atmete, weil sie sich dazu zwang.

„Es ist eine Ewigkeit her, dass ich auch nur einen leichten Schimmer auf meinen Schuppen hatte.“

Hrun nickte bei dieser Aussage. Die Schuppen dieses Drachens waren so stumpf und abgenutzt, dass sie wahrscheinlich nie wieder glänzen würden, aber es war eine Herausforderung, und er war bereit, sie anzunehmen.

Währenddessen blickte Faff wieder zu Laamri und lächelte.

„Und es tut mir ein wenig leid, dass ich deine Empfangsdame so erschreckt habe, aber ich hätte gedacht, dass ihr an solche Dinge gewöhnt seid, mit dem Krieg und allem.“

Seine Stimme war ein leises Grollen, und der Kobold, der vor ihm ging, kicherte leise.

„Nun, sie ist noch jung, und normalerweise zahlen die meisten Drachen eher mit Münzen als mit... wie soll ich sagen... Trophäen?“

Faff nickte, kam aber zu dem Schluss, dass er sich beim nächsten Mal eine noch hässlichere aussuchen müsste.

Hrun führte ihn zur eigentlichen Drachenwaschanlage, und als Faff den Apparat sah, weiteten sich seine Augen.

„Was, bei den Ältesten, ist das?“

fragte er, und zum ersten Mal klang er nicht völlig von sich eingenommen, und nun war es an Hrun, ein wenig sarkastisch zu sein.

„Das ist die neueste Hightech in Sachen Drachenreinigung. Mit diesen Bürsten können wir den gröbsten Schmutz und Dreck in einem Zug entfernen, viel schneller und effizienter, als wir es von Hand könnten. Wir müssen dann zwar noch ein zweites Mal alles kontrollieren, um in alle Ecken und Winkel zu kommen, aber so geht es viel schneller, und es wird sich auch ziemlich gut anfühlen.“

erklärte er ruhig und sachlich, während Fafnir sich das Durcheinander aus Stahl, Borsten, Drähten und Kobolden ansah.

„Nun, das werden wir ja sehen.“

antwortete er, während Hrun ihn zu einer Art Podest führte, das aus großen und stabilen Holzbohlen bestand und auf einem Schienenpaar stand, das sich durch die gesamte Drachenwaschanlage zog.

„Bitte stellt euch auf diese Plattform und haltet euch daran fest. Wir machen den Rest.“

Vorsichtig trat Faff auf die Planken, und das Material ächzte unter seinem Gewicht, gab aber nicht nach. Als er sich niedergelassen hatte, griff er mit seinen kräftigen Krallen nach der Plattform, hielt sich daran fest und schaute zu Hrun, der nickte und zu einem großen Hebel ging, der sich neben dem Apparat befand. Der Kobold ergriff ihn, zog die Bremse und stellte den Hebel in die EIN-Stellung.

In diesem Moment begannen die Kobolde im Hintergrund, im großen Rad zu stapfen, das sich mit den Zahnrädern und Riemenscheiben zu drehen begann. Mit einem leichten Ruck bewegte sich die Plattform mit Fafnir vorwärts in Richtung der rotierenden Bürsten. Fafnir fächerte für einen Moment seine Flügel auf, um das Gleichgewicht zu halten, und quakte kurz. Auf einem Gerüst, das über der Drachenwaschanlage verlief, begannen einige Kobolde, ihn mit heißem Wasser zu übergießen und dafür zu sorgen, dass er richtig nass war. Als er die Piktogramme an der Seite des Gerüsts betrachtete, entfaltete er seine Flügel und ließ die Kobolde auch sie durchnässen. Hrun ging neben dem Drachen her, immer auf der Hut vor Anzeichen von Problemen oder technischen Defekten an der neuen Vorrichtung.

Als sie sich dem ersten Satz rotierender Bürsten näherten, faltete Fafnir seine Flügel wieder fest an seinen Körper und zog sie ein wenig zurück. Er schloss die Augen und ließ die Borsten über seinen Kopf und seine Hörner kratzen. Es fühlte sich wirklich gut an, viel besser, als er es erwartet hatte. Er murrte genüsslich und drückte seinen Kopf fest gegen die Bürsten. Die Plattform schob sich langsam weiter und durch den großen Bogen, der die erste Reihe von horizontal rotierenden Wellen und Bürsten darstellte. Sehr zu Fafnirs Vergnügen folgten die Bürsten seinem Nacken bis hinunter zu seinen Schultern und streichelten ihn weiterhin mit ihrer sanften Massage. Er drückte sich mit dem Rücken an sie wie eine übergroße Katze und murrte laut. Der zweite Satz Bürsten, der vertikal angeordnet war, traf den mächtigen Drachen überraschend, da er seine Augen noch geschlossen hatte. Von beiden Seiten schmiegten sie sich an sein Gesicht und begannen, erst seine Schnauze, dann seine Wangen zu schrubben. Immer weiter schoben sie sich schließlich an seine Hörner und die Seiten seines Halses heran. Fafnir grummelte tief in seiner Kehle und genoss das subtile Kratzen der steifen Borsten. Er wollte die Augen öffnen, aber der Seifenschaum brannte und er musste sie geschlossen halten.

Inzwischen erreichte die erste Bürste seinen Hintern, und er musste sich anstrengen, seine Hüften fest dagegen zu drücken, weil es sich so gut anfühlte. Gleichzeitig schrubbten sich die anderen Bürsten ihren Weg hinunter zu seinen Schultern und weiter zu seinen Flügeln und Flanken. Fafnir wusste nicht, wo er dagegen drücken sollte, weil sich alles so gut anfühlte; es kitzelte genau an den richtigen Stellen.

Er sah nicht, wie sich die nächste Brücke über die Drachenwaschanlage näherte, und deshalb sah er auch nicht, wie die nächste Gruppe Kobolde ihre Schläuche bereithielt, um den ganzen Schaum und die Seife von seinem Körper abzuspülen.

Es war wirklich eine Erleichterung, als der nächste Schwall heißen Wassers endlich seinen Kopf traf und die Seife aus seinen Augen spülte. Er wartete, bis die Kobolde ihre Schläuche auf seinen Hals richteten, bevor er seine Augen öffnete und das letzte Wasser wegblinzelte.

Währenddessen wickelte sich sein Schwanz um die erste rotierende Bürste, und er genoss das Gefühl, wie sie die Schuppen auf seinem langen Anhängsel abrieb und schrubbte. Der zweite Satz Bürsten reichte gerade bis zu seinen Hüften, und der mächtige Drache stieß einen entspannten Seufzer aus, während er seine Hüften an den rotierenden Borsten des Geräts auf und ab rieb.

Wenn sie so weitermachen würden, wäre er mehr als bereit gewesen, diese Behandlung noch eine ganze Weile zu ertragen, aber die Plattform bewegte sich unerbittlich auf das Ende der Schienen zu. Die Kobolde auf dem Gerüst spülten den Schaum von seinem Körper und seinen gefalteten Flügeln, und als das letzte Stück davon unter der Plattform heruntertropfte, war auch sie am Ende ihrer Reise angelangt.

Hrun zog einen weiteren großen Hebel, und die Kupplung trennte die gesamte Maschine vom Antriebsmechanismus, so dass die Plattform sanft am Endpunkt zum Stehen kam. Fafnir hatte den Halt bereits vorausgesehen, und diesmal gelang es ihm viel eleganter, sein Gleichgewicht auf der Plattform zu halten. Fast traurig blickte er zu Hrun hinunter, der neben der großen Plattform stand und auf eine andere deutete, die nur ein paar Schritte entfernt war.

„Verehrter Meister Fafnir, würdet Ihr so freundlich sein, mir zum nächsten Schritt der Reinigung zu folgen?“

schlug das kleinwüchsige Reptil vor und schritt auf die nächste Plattform zu. Faff schüttelte sich kurz und streckte seine Flügel aus, als wolle er das überschüssige Wasser abschütteln. Dann stieg er von der Plattform herunter und folgte Hrun zur nächsten, wo bereits eine kleine Armee von Kobolden auf ihn wartete. Bewaffnet mit Eimern, Bürsten, Schabern, Drahtbürsten und einem ganzen Werkzeuggürtel voller Zangen, Meißeln, Hämmern und was sonst noch nötig war, um die rauen Schuppen eines alten, kampferprobten Drachen gründlich zu reinigen.

Da er sich bereits engagiert hatte, blickte der Drache auf die versammelte Truppe und lächelte.

„So viele ... keiner würde den einen oder anderen vermissen ...“

murmelte er mit einem raubtierhaften Lächeln, und der Vor-Bold neben ihm kicherte.

„Nun, Meister Fafnir, so sehr wir die Verlockung dieser Gelegenheit auch verstehen können, wäre es uns lieber, wenn Ihr dem Drang widerstehen würdet, unser Personal zu verspeisen, da es heutzutage nicht einfach ist, professionelles Personal zu finden, und die Gewerkschaft bereits unzufrieden mit den Bedingungen ist, denen wir unsere Arbeiter aussetzen müssen.“

erklärte Hrun und führte den Drachen auf die Plattform.

„Ihr könnt euch hier hinsetzen. Die Plattform wird dafür sorgen, dass das Wasser gut abfließt und Ihr nicht im Schlamm sitzen müsst.“

fügte der Kobold hinzu und Fafnir nickte, bevor er vorsichtig auf das Podest kletterte und sich setzte. Er sah sich um und fixierte Hrun wieder mit seinem durchdringenden Blick.

„Ihr habt bereits eine Gewerkschaft? Ich muss zugeben, ihr seid ziemlich gut organisiert.“

In der rauen, polternden Stimme war die Belustigung deutlich zu hören, und das Lächeln des schwarzgeschuppten Tieres sagte mehr als tausend Worte. Hrun nickte; die Gewerkschaft war sowohl ein Segen als auch ein Fluch. Sie half, für gute Lebens- und Arbeitsbedingungen zu kämpfen, aber gleichzeitig bekämpfte sie die Effizienz und machte schnelle und einfache Veränderungen fast unmöglich.

„Ja, in der Tat. Wir haben einen Chef, der nichts anderes zu tun hat, als auf seinen Zigarren zu kauen und Befehle herauszubrüllen, wir haben eine Gewerkschaft, die uns hin und wieder auf die Füße tritt, und wir haben als Bonus eine Zahnbehandlung. Wir sind schon fast Menschen...“

zählte Hrun mit seinen Fingern ab.

„... tsk, tsk, tsk... wo sind die guten alten Zeiten geblieben, als wir einen Drachen-Overlord hatten, der uns einfach getreten hat, wenn wir nicht schnell genug waren.“

fügte er in einem höchst sarkastischen Unterton hinzu, und Fafnir lachte ein lautes, herzhaftes, aber ehrliches Lachen.

„Also mit dem Treten könnte ich aushelfen, wenn du das möchtest. Ich habe schon lange keinen mehr getreten.“

sagte der Drache mit einem breiten Lächeln, aber Hrun winkte ab.

„Nein, mein verehrter Meister Fafnir. Heute wird nicht getreten, zumindest nicht, wenn Ihr mit dem Ergebnis zufrieden seid.“

erklärte der Kobold und nickte seinen Kollegen zu.

„Mein Team wird nun mit der Tiefenreinigung beginnen, bei der wir uns um alles kümmern werden, was die rotierenden Bürsten nicht entfernen konnten. Das erfordert, dass einige von ihnen auf Euch hinaufklettern, was bei festsitzenden Trümmern etwas schmerzhaft sein kann. Daran lässt sich nichts ändern, also bitte ich Euch, diese kleinen Unannehmlichkeiten zu tolerieren, denn sie sind absolut notwendig, um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen.“

fuhr Hrun fort, während sich sein Team von allen Seiten näherte. Fafnir betrachtete die herannahenden Kobolde. Sie trugen alle Lederschürzen, genau wie Hrun, und einer nach dem anderen verbeugte sich tief, als er sie ansah. Er kicherte leise, aber was seine Kehle verließ, klang eher wie ein entferntes Donnern als ein kleines Lachen. Trotzdem nickte er und beugte sich noch ein wenig tiefer, um ihnen die Arbeit zu erleichtern.

„Diese kleinen Unannehmlichkeiten werden mich nicht allzu sehr stören... aber ich glaube, ich entwickle ein wenig Appetit, wenn ich ständig von Snacks umgeben bin. Ihr habt nicht zufällig etwas Essbares zur Verfügung, oder?“

fragte Faff, als der erste der Kobolde auf seinen Rücken gehoben wurde und zu seinem Hals hinaufkletterte, um dort seine Schuppen zu schrubben. Hrun hob beschwichtigend die Hände.

„Ich werde Euch etwas Ordentliches besorgen. Möchtet ihr etwas zu diesem Snack trinken?“

Seine Stimme klang ein wenig beunruhigt, aber das Angebot klang aufrichtig genug, und so nickte der Drache. Hrun drehte sich auf den Fersen um und eilte davon, während der Kobold auf Faffs Hals ihn bat, seinen Kopf etwas weiter nach vorne zu beugen, damit er etwas entfernen konnte, das zwischen zwei der panzerplattenähnlichen Schuppen steckte. Der Drache kam der Aufforderung nach, aber der kleine Helfer brauchte trotzdem ein oder zwei Minuten, um die mit Widerhaken versehene Pfeilspitze herauszuziehen. Als sie endlich entfernt war, war das Gefühl der Erleichterung für Fafnir eine ziemliche Überraschung, da er ihre Anwesenheit zunächst nicht bemerkt hatte.

„Was war das?“

fragte er den Kobold, der ihm den verrosteten und verbogenen Gegenstand zeigte. Der Drache schnitt eine Grimasse als er das kleine Ding sah. Vorsichtig bewegte er seinen Hals herum. Ein Widerstand in seinen Bewegungen, den er gar nicht bemerkt hatte, war verschwunden, und er fühlte sich plötzlich viel freier.

„Wie lange mag das da drin gewesen sein?“

Er überlegte, und der Kobold auf seinem Hals zuckte mit den Schultern.

„Es sieht aus wie eine Pfeilspitze, wie sie in den südlichen Königreichen verwendet wird, und nach ihrem Zustand zu urteilen, muss sie schon seit mindestens fünf Jahren da drin sein. Ich werde die Kerbe, die sie verursacht hat, reparieren.“

Die piepsige Stimme des 'Bolds ließ Faff grinsen, aber er nickte und neigte den Kopf zurück, um wieder nach vorne zu schauen. Während sie damit fortfuhren, seine Schuppen mit Seifenwasser und verschiedenen Bürsten zu schrubben, wanderten seine Gedanken zurück zu Hrun und seinem Vorratslauf.

*Welche Leckereien wird mir der kleine Zwerg wohl bringen?*

grübelte er, und zu seiner großen Erheiterung griff seine Fantasie eifrig die Idee auf. Eine davon war besonders verlockend: Sie zeigte Hrun, wie er zu ihm zurückkam und einen kleinen Wagen mit einem großen Silberteller zog, auf dem eine schöne, saftige Koboldin lag, mit einem Apfel im Mund und einer Gurke in der... Er beendete den Gedanken nicht, sondern musste bei dem Bild herzhaft lachen.

„Nein. Leider würde er mir das nie als Snack servieren. Hmmm... wenn einer von ihnen ernsthaft über die Stränge schlagen würde, könnte ich allerdings....“

murmelte er vor sich hin und leckte sich erwartungsvoll über die Lippen. Er war fast enttäuscht, als Hrun tatsächlich mit einem kleinen Karren zurückkam, auf dem aber nur ein Teller mit einem Haufen frisch gebratenem Fleisch stand. Außerdem stand dort ein kleines Fässchen mit einer Flüssigkeit, die stark nach Met roch. Er zog es direkt an Faffs Vorderbeine heran und verbeugte sich tief.

„Bitte entschuldigt die Wartezeit, wir hatten kleinere Schwierigkeiten mit unserem Ofen.“

Der Drache nickte, erfreut über die Respektsbekundung und die angebotenen Snacks. Vorsichtig hob er etwas von dem Fleisch auf und führte es zum Mund. Es roch gut, fühlte sich schön saftig an, aber bevor er es genießen konnte, spürte er ein unangenehmes Stechen im Rücken. Mit einem leisen Knurren blickte er über seine Schulter. Einer der Helfer hatte eine völlig zertrümmerte Schuppe entfernt und hielt nun die zersplitterten Reste der Rüstungsplatte in seinen Händen.

„Au.“

beschwerte sich Fafnir und spürte, wie ihm Tränen in die Augen stiegen, aber er kämpfte sie zurück; es passte nicht zu einem Drachen seiner Größe, ausgerechnet vor Kobolden Schwäche zu zeigen.

„Verzeiht mir, Meister Fafnir, aber diese muss ersetzt werden. Für die Zeit, bis die neue nachgewachsen ist, werden wir eine Prothese anfertigen.“

quiekte der kleine Kobold und reichte die Schuppe an einen anderen weiter, der in eine Art Werkstatt eilte.

„Hrnnn... Prothese?“

fragte er und widerstand dem Drang, an der Stelle zu kratzen, an der die Schuppe entfernt worden war. Da es schon viele Jahre her war, dass er eine der größeren, härteren Schuppen verloren hatte, war er überrascht, wie sehr es schmerzte und juckte. Er konnte sich nicht wirklich daran erinnern, was dort passiert war, aber es musste ein gewaltiger Schlag gewesen sein, um eine dieser großen Schuppen vollständig zu zerschlagen.

„Ja, wir können eine Ersatzschuppe herstellen. Wir werden sie dort einpassen, won die alte nun fehlt; sie wird nicht so stark sein wie das Original, aber sie wird ausreichen, um Euren Rücken vorläufig zu panzern.“

erklärte Hrun und Faff grunzte.

„Meister Fafnir, könntet Ihr bitte Eure Flügel ausbreiten? Wir müssen die Membranen reinigen.“

bat ein anderer Kobold, und der mächtige Drache willigte widerwillig ein. Er musste zugeben, dass er ein wenig besorgt war. Nicht einmal die Menschen hatten ihm seit langem so viel Schmerz bereitet. Diese lästigen kleinen Wichte wussten genau, wo sie ihn verletzen konnten, und seine Flügel waren einigermaßen empfindlich. Auf der anderen Seite, wenn sie ihm nicht weh taten, fühlte sich die Reinigung ziemlich gut an. Das Wasser war warm, die Seife roch gut und blumig, und die Bürsten, die sie benutzten, waren schön steif. Außerdem war es eine himmlische Mischung aus Kitzeln, Schrubben und Kratzen, die sich erstaunlich gut anfühlte, wenn sie die richtigen Stellen trafen. Immer wieder ertappte er sich dabei, wie er vor Vergnügen schnurrte und stöhnte und seinen Körper beugte und verdrehte, um ihnen noch mehr Zugang zu diesen Stellen zu verschaffen.

„Vorsichtig mit den Flügeln ...“

murmelte er, als sich eine Horde von 'Bolden mit Wasser, Seife und Bürsten auf sie stürzte. Seine Bedenken waren jedoch unbegründet, als er spürte, wie vorsichtig sie mit diesen empfindlichen Membranen umgingen. Die Bürsten, mit denen sie seine Flügel reinigten, waren überraschend weich. Zufrieden mit ihrer Arbeit nickte er Hrun zu und nahm den Bissen, den er schon die ganze Zeit vor sein Maul gehalten hatte. Das Fleisch war tatsächlich schön saftig, und die Gewürze, die sie verwendet hatten, waren exquisit. Fröhlich kaute der Drache auf dem Bissen herum und genoss den Geschmack noch ein wenig länger, wobei er vor Freude über den ganzen Vorgang summte.

Er war ein Einzelgänger, seit er seine Gefährtin verloren hatte, und bis jetzt hatte sein einziger Nachkomme die Höhle auf der Suche nach einem eigenen Hort verlassen. Er hatte sich nicht die Mühe gemacht, sich eine neue Gefährtin zu suchen, und er hatte auch nicht mit dem Gedanken gespielt, sich eine zu suchen. Sein Hort war sicherlich riesig, denn er hatte ihn seit Jahrhunderten immer weiter aufgestockt, und bis jetzt war es niemandem gelungen, ihm etwas davon zu entreißen. Nun, das stimmte nicht ganz, denn seine Tochter hatte ein kleines Schmuckstück aus seinem Schatz genommen, so wie es für ihre Jungen üblich war, als Grundlage für ihren eigenen Hort. Und vielleicht als Erinnerung an ihr Zuhause, wenn er Glück hatte... Aber trotz all seiner Besitztümer fühlte es sich leer und hohl an, ohne jemanden, wirklich irgendjemanden, mit dem er es teilen konnte. Nur aus Angst und Furcht, noch jemanden zu verlieren, hatte er sich nie nach einer neuen Gefährtin umgesehen.

Bis er sie vor ein paar Tagen auf dem Feld der Ehre getroffen hatte. Sie war eine elegante Drachin, schnell und geschmeidig, und er bewunderte die Art, wie sie sich in der Luft drehen und wenden konnte. Wie eine grausame Laune des Schicksals erinnerte ihn das alles an seine lange verlorene Gefährtin. Sie zu sehen, hatte das Feuer in seinem Herzen neu entfacht, denn als er sie kämpfen sah, spürte er die Wärme in seiner Brust wieder aufsteigen, aber dieses Mal würde es anders sein; er würde nicht noch einmal die gleichen Fehler machen. Fafnir hatte sich dann ein Herz gefasst, sie nach den Kämpfen anzusprechen, und sie hatte es ihm nicht direkt übel genommen, was ihn angespornt hatte. Sie hatten vereinbart, sich in dieser Nacht zu treffen, um im kalten Mondlicht zu baden; einfach um zu sehen, was dabei herauskommen würde.

Das war der einzige Grund, warum er diese Dienstleistung in Anspruch genommen hatte, denn er wollte einen bleibenden, möglichst guten Eindruck bei besagter Drachin hinterlassen. Und bisher musste er zugeben, dass diese Kobolde gute Arbeit bei der Pflege seiner Schuppen geleistet hatten. Er griff nach einem weiteren Bissen, als er einen von denen hörte, die leider nicht auf der Speisekarte standen.

„Meister Fafnir, da ist ein Loch in Eurem rechten Flügel, sollen wir es wieder zunähen?“

Er ließ das Fleisch auf dem Teller liegen und schaute über seine Schulter, um einen besonders kleinen Kobold zu sehen, der auf dem Rücken neben der Stelle kniete, an der die Membran mit seinem Körper verbunden war. Faff hob seinen Flügel und betrachtete die Membran, die viel zu zart aussah, um ein riesiges Tier wie ihn in der Luft zu halten. Tatsächlich befand sich ein Loch in seinem Flügel. Eine alte Wunde, die er sich in seiner Jugend zugezogen hatte. Er hatte die Ältesten herausgefordert und war durch ein Gewitter geflogen. Im Nachhinein betrachtet hatte er einen formidablen Gegner dargestellt, doch die Alten waren an diesem Tag nicht in bester Laune gewesen. Ein Blitz war eingeschlagen und hatte ein Loch in seinen Flügel gebrannt. Es war nie ganz verheilt, aber es hatte ihn auch nie sonderlich beeinträchtigt.

„Wir könnten die alten Narben öffnen und es zunähen...“

Sagte der Kobold auf seinem Rücken und schaute durch die Öffnung. Fafnir presste die Lippen zusammen, als er erneut an dieses schmerzhafte Ereignis erinnert wurde, bevor er langsam den Kopf schüttelte und widersprach.

„Nein. Lasst es so, wie es ist, es ist eine Erinnerung daran, die Ältesten niemals herauszufordern.“

Erwiderte er in gedämpftem Ton, bevor er den Kopf in die andere Richtung drehte, ohne die Antwort des Kobolds abzuwarten. Faff unterdrückte ein Glucksen, als er ein Kitzeln unter seinem anderen Flügel spürte.

„Seid vorsichtig, ihr kleinen Unholde.“

sagte er in einem vielleicht etwas zu harschen Ton, und die Kobolde, die mit der Reinigung seines anderen Flügels beauftragt waren, verbeugten sich tief. Der Drache grummelte leise und konzentrierte sich wieder auf den Wagen vor ihm. Er wollte nichts von dem Fleisch verkommen lassen.

Auf seinem Rücken arbeiteten die Kobolde fieberhaft. Schließlich hatten sie alle Hände voll zu tun. Da Fafnir inzwischen ein alter Drache war, hatten die meisten seiner widerstandsfähigeren Schuppen im Laufe der Jahre große Schäden davongetragen. Sie bildeten einen breiten Kamm aus ineinandergreifenden Panzerplatten auf seinem Rücken, der am Kopf begann und bis zur Spitze seines langen Schwanzes hinunterlief. Obwohl ein Drache nie wirklich aufhörte zu wachsen, verlangsamte sich sein Wachstum mit zunehmendem Alter, so dass die Notwendigkeit, sie zu erneuern, immer geringer wurde und sich die Schäden immer mehr summieren konnten.

Das Alter einiger dieser Schuppen konnte fast wie die Ringe eines Baumes gezählt werden, denn die Hornschichten hatten begonnen, sich an den Rändern abzulösen. Auch das schiere Ausmaß der Schäden, die einige von ihnen erlitten hatten, verriet ihr Alter nur zu deutlich. Auf einigen war der Schmutz und der Ruß so dick, dass selbst die Drahtbürsten Schwierigkeiten hatten, den ganzen Dreck loszuwerden. Aber trotzdem war Fafnir voll und ganz dafür. Wann immer sie eine besonders empfindliche Stelle fanden oder einen Juckreiz kratzen konnten, murmelte er und lehnte sich fast spielerisch gegen ihre Bemühungen. Mehr und mehr hatte er das Gefühl, dass es eine gute Ergänzung wäre, seinen Hort wieder in Ordnung zu bringen und einige dieser kleinen Diener anzuschaffen. Sie könnten sich um den Hort kümmern, und wenn er nach Hause käme, hätten sie bereits das Feuer angezündet und ihm seine Lieblingssnacks gebracht, das heißt, wenn sie nicht als Snacks enden wollten.

„Hmmm, vielleicht wäre das eine ganz feine Sache... ein paar ‘Bolde und vielleicht, nur vielleicht...“

murmelte er und dachte an die Drachin, die heute Nacht auf ihn warten würde. In Gedanken versunken steckte er sich ein weiteres Stück Fleisch in den Schlund und saugte den Saft von seiner Klaue.

Nachdem sie seine Schuppen gründlich gereinigt hatten, konnte Hruns Team endlich damit beginnen, den Schaden zu beheben. Interessiert beobachtete der mächtige Drache, wie ein großer Trog zu ihm gekarrt wurde, der mit einer kohleschwarzen, zähflüssigen Masse gefüllt war, von der jeder einzelne Kobold eine Portion bekam und zu ihm zurückflitzte. Fafnir zeigte auf den großen Bottich und fragte:

„Was ist das?“

Seine Stimme war erfüllt von echtem Interesse, und er zuckte ein wenig zögerlich mit den Flügeln. Hrun kam zu dem Trog und begann mit einem breiten Grinsen zu erklären.

„Das ist unser Chitin-Zement. Wir haben diesen Füllstoff entwickelt, um kleine bis mittlere Schäden an Drachenschuppen zu reparieren, aber wir verwenden ihn auch als Modelliermasse und er kann auch als Klebstoff verwendet werden, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Er härtet nach ein oder zwei Stunden vollständig aus, je nachdem, wie dick wir ihn auftragen müssen, aber dann ist er in Härte und Haltbarkeit mit den meisten Drachenschuppen vergleichbar. Wir werden auch Eure Ersatzschuppe daraus anfertigen.“

Während seiner Erklärung ahmte er die Bewegungen seiner Koboldgefährten nach, die die Löcher und Risse in seinen Schuppen füllten, um dem Drachen zu zeigen, was geschah. Fafnir hörte aufmerksam zu und atmete tief ein, wobei er seine Nasenlöcher weit aufblähte. Der Zement hatte einen beißenden Geruch. Das blieb Hrun nicht verborgen, und er hob beschwichtigend seine winzigen Pfoten.

„Keine Sorge, Meister Fafnir. Sobald der Zement ausgehärtet ist, wird er völlig geruchlos sein.“

erklärte der Kobold und zog ein kleines Schmuckstück aus einer Tasche an seiner Schürze. Er zeigte es Fafnir, und der Drache schnupperte aufmerksam daran und saugte es fast aus den kleinen Pfoten des Kobolds. Es roch tatsächlich nach fast nichts, und der Rest war seinen eigenen Schuppen nicht unähnlich. Zögernd nickte er und spürte schon, wie die Kobolde über ihn herfielen.

„Was ist mit der Farbe?“

fragte er in leisem Ton und Hrun nickte eifrig.

„Wir haben die Farbe an die beschädigte Schuppe angepasst, die wir vorhin abgenommen haben.“

erklärte er.

„Sie wird dunkler werden, wenn sie aushärtet, so dass der Farbton kaum von Euren eigenen Schuppen zu unterscheiden sein wird.“

fügte er hinzu, und Fafnir lächelte sanft, nun ja, so sanft, wie es ein kampferprobter, vernarbter, alter Drache eben konnte. Hinter Hrun kam ein weiterer Kobold aus einer der Werkstätten. Der kleine Diener trug etwas, das wie eine seiner größeren Schuppen aussah, und wenn er nicht gewusst hätte, dass es sich um eine künstliche Schuppe handelte, hätte er gedacht, dass es eine seiner eigenen war.

„Hrun. Hier habe ich dieSchuppenprothese.“

Die piepsige Stimme des Neuankömmlings rief den Vor-Bold des Teams, und Hrun deutete Faff mit einem Finger an, einen Moment zu warten. Mit Blick auf die künstliche Schuppe lächelte Hrun und gab seinem Kollegen ein Zeichen, sie ihm zu geben. Mit dem Ersatzteil in der Hand wandte er sich wieder dem schwarzen Drachen zu, der auf der Plattform saß und aus dem Trinkgefäß nippte, das sie ihm zur Verfügung gestellt hatten.

„Wie Ihr sehen könnt, passt die Farbe perfekt und...“

Er klopfte auf die Oberfläche und erzeugte nur ein dumpfes Klopfen, nicht den hohlen Ton, den Fafnir erwartet hatte.

„... es ist knallhart.“

verkündete der Kobold. Fafnir betrachtete die Schuppe, hob seine rasiermesserscharfen Krallen und kratzte über die Schuppe. Zu seinem Erstaunen, aber auch zu seiner Freude, konnte er weder eine Beschädigung des Materials spüren noch sehen. Er musste zugeben, dass dies beeindruckend war.

„Sehr schön. Wirklich sehr schön. Das hätte ich nicht erwartet. Wird dein Team in der Lage sein, die meisten der Schäden zu beheben?“

fragte er und kratzte sich am Kinn, wobei sich einige weitere Splitter lösten. Hrun nickte noch einmal.

„In der Tat. Das ist es, was wir zu tun gedenken. Ihr werdet gut aussehen, wenn wir fertig sind.“

„Das klingt zufriedenstellend. Nun gut, dann macht weiter.“

stimmte der Drache zu und nahm einen weiteren Schluck aus dem Fass, während Hrun die Ersatzschuppe einem seiner Arbeiter übergab, der flink auf Fafnirs Rücken kletterte und mit seiner Arbeit begann.

Sie brauchten eine ganze Weile, um all die Schäden zu füllen und zu reparieren, die er im Laufe der Jahre angesammelt hatte. Als schwer gepanzerter Drache machte er sich nicht die Mühe, Schäden zu vermeiden, sondern preschte einfach durch die Angriffe hindurch, und das zeigte sich.

Langsam aber sicher gelang es den Kobolden, zumindest die meisten der offensichtlichen Schäden zu reparieren. Der Rest war für Faff nicht so sehr ein Problem, denn es war Teil seines Charmes, dass er so zerschunden war. Als er mit dem Fleisch und dem Fass fertig war, hatten die Kobolde ihre Arbeit an seinem Rücken bereits beendet. Ihre Stärke lag in ihrer Anzahl, und deshalb konnten sie erstaunlich schnell arbeiten, aber vielleicht lag es auch daran, dass sie so gut geübt waren in dem, was sie taten.


Als sie ihre Aufgaben erledigt hatten, begannen die Kobolde, einer nach dem anderen von seinem Rücken zu springen, und warteten darauf, dass auch der letzte von ihnen fertig war. Es dauerte nicht lange, und schließlich kletterte sie von Fafnirs Rücken herunter und verneigte sich tief vor dem großen Drachen.

„Alles fertig, Meister Fafnir. Die Ersatzschuppe passt wie angegossen.“

berichtete sie mit einer weiteren Verbeugung, und Fafnir nickte ihre Worte mit einem aufrichtigen Lächeln ab.

„Meister Fafnir, würdet Ihr Euch bitte auf die Seite drehen, damit wir Euren Bauch reinigen können?“

wies Hrun ihn an, während die anderen Kobolde ihre Ausrüstung austauschten und wieder zu Bürsten und Eimern griffen. Fafnir hob die Augenbrauen, kam aber der Aufforderung des Vor-Bolds nach und rollte sich langsam auf die Flanke, so dass die Kobolde seine Unterseite sehen konnten.

Er wollte sich gerade entspannen, als er das charakteristische Zischen von Drachenflügeln am Himmel hörte. Sofort versteifte er sich und blickte in das weite Blau hinauf, auf der Suche nach der verräterischen Silhouette eines anderen Drachen. Er brauchte nicht lange zu suchen, denn der Drache flog direkt über ihn hinweg, aber da er die Sonne im Rücken hatte, konnte Fafnir den anderen Drachen nicht so leicht identifizieren.

Der andere Drache flog eine Schleife und landete dann irgendwo in der Nähe des Empfangs. Es war eine elegante Landung, nicht der Aufprall, den Fafnir vollführt hatte; eher ein sanftes Aufsetzen, begleitet von ein paar Flügelschlägen und dem richtigen Einsatz des Ground Effects.

Fafnir hob den Kopf, um sich das Ganze genauer anzusehen, und auch Hrun spähte zur Rezeption hinüber.

„Laamri wird sich um sie kümmern. Sie ist eine Stammkundin hier. Normalerweise kommt sie einmal pro Woche.“

erklärte der Kobold und lächelte breit, als er den Gesichtsausdruck des alten Drachen sah. In diesem Blick steckte eindeutig mehr als nur beiläufiges Interesse.

„Wer ist diese Drachin? Ich habe sie ... noch nie zuvor ... gesehen.“

sagte Fafnir und hatte einige Schwierigkeiten, seinen Blick von der schlanken Drachin loszureißen, die inzwischen mit Laamri sprach. Er war zu weit weg, um irgendetwas zu verstehen, aber die beiden amüsierten sich offensichtlich prächtig. Es war verlockend, einfach aufzustehen und hinüberzugehen, um seine Neugier zu stillen und die Drachin kennenzulernen, aber Hrun schüttelte den Kopf.

„Leider kann ich Euch ihren Namen nicht sagen. Das würde gegen die Datenschutzbestimmungen verstoßen, die uns von der Gewerkschaft auferlegt wurden. Aber sie wird höchstwahrscheinlich mehr oder weniger zur gleichen Zeit fertig sein wie Ihr, also könnt Ihr sie vielleicht selbst fragen.“

erklärte der Vor-Bold, und Fafnir stieß enttäuscht einen dicken Rauchring aus.

„Bitte, Meister Fafnir, kein Drachenfeuer in der Drachenwaschanlage. Wir Kobolde sind gern bereit, zu gefallen und zu dienen, aber wir sind nicht feuerfest, genauso wenig wie die Drachenwaschanlage selbst. Alles hier ist leicht entflammbar.“

sagte er mit erhobenem Finger, und Fafnir stieß einen schweren Seufzer aus, wobei er darauf achtete, nicht noch einen zu blasen.

„Vorschriften ... hm? Man sollte meinen, ein Drache zu sein, die Krönung der Schöpfung, würde einen über alle Regeln stellen, die wir nicht selbst aufstellen..."

murmelte er und hob eines seiner Vorderbeine an, um ein paar Kobolden besseren Zugang zu seiner Brust und, in Ermangelung eines besseren Wortes, zu seinen Achselhöhlen zu gewähren. Hrun zuckte mit den Schultern.

„Es tut mir leid, Meister Fafnir, aber das sind die Regeln, die ich befolgen muss.“

Der alte Drache nickte und begann leise zu kichern.

„Hrhrhrrhrr... ich bin da kitzelig... vorsichtig...“

Er bewegte seine krallenbewehrten Pfoten, um nicht zu sehr zusammenzuzucken, aber er konnte seinen Schwanz einfach nicht stillhalten, das Anhängsel zuckte nach links und rechts und zwang die Kobolde, die sich darum kümmerten, sich mit ihm zu bewegen. Die Kobolde arbeiteten jedoch schnell, und es dauerte nicht allzu lange, bis sie mit dem größten Teil seiner Unterseite fertig waren. Nur seine Brust und sein Hals brauchten noch eine Weile, da er mit ihnenn so viele Angriffe eingesteckt hatte.

„Meister Fafnir, würdet Ihr so freundlich sein und mich Euer Kinn sehen lassen?“

fragte einer der weiblichen Kobolde und trat an seinen Kopf heran. Sie war so klein, nur ein winzig kleiner Snack, wenn Fafnir so wollte, aber er konnte sich zurückhalten, sie einfach aufzuschlürfen und zu verschlingen. Stattdessen drehte er seinen massigen Kopf zu ihr und schielte, um sie richtig ansehen zu können.

„Ich fürchte, dieses Kinn ist ein hoffnungsloser Fall, Kleine.“

grummelte er leise, lächelte und hob sein Kinn leicht an, damit sie es sehen konnte.

„Ich heiße Loomny, verehrter Meister, und bezeichnet niemals ein charismatisches Kinn wie das Eure als hoffnungslosen Fall, nicht bevor ich nicht mit ihm fertig bin.“

quietschte das kleine Weibchen und begutachtete die Schuppen sorgfältig. Sie waren rissig, zerkaut, zerkratzt und abgesplittert, wie sie es noch nie bei einem Drachen gesehen hatte. Diese Schuppen waren gehärtet, dick und starr. Im Gegensatz zu den Schuppen am Rest seines Körpers lagen sie nicht flach an ihm an und bildeten einen ineinander greifenden Panzer. Stattdessen standen sie an ihren Rändern ab, fast so, als würden sie eine Art Bart bilden. Es war ein einzigartiges Aussehen, das sie bis jetzt noch bei keinem anderen Drachen gesehen hatte.

Vorsichtig fuhr sie mit dem Finger an den Rändern entlang und betrachtete sie aus jedem Winkel. Obwohl sie nicht mehr so gut mit seinem Kinn verbunden waren, saßen sie immer noch fest an ihrem Platz.

„Lasst mich raten. Ihr kratzt sie oft, nicht wahr, Meister Fafnir?“

fragte Loomny, und der fragliche Drache schnaubte sie kichernd an.

„Ich fürchte, das ist zu einer Gewohnheit geworden.“

gab er zu und grunzte leise, als Loomny den Juckreiz hinter einer von ihnen kratzte.

„Es scheint so...“

murmelte sie leise und tastete noch ein wenig um sie herum, bevor sie einen Schritt zurücktrat, um sein Gesicht noch einmal in seiner Gesamtheit zu betrachten.

„... Ich glaube, ich habe eine Idee, wenn Ihr bereit wärt, mir in dieser Angelegenheit zu vertrauen, Meister Fafnir.“

erklärte die kleine Koboldin, und Faff musterte sie von oben bis unten, verzog seine Lippen zu einem raubtierhaften Lächeln und zeigte seine dolchartigen Zähne.

„Dir vertrauen?“

fragte er mit seiner tiefen, rauen Stimme, die in seiner Kehle rumpelte, aber er musste ihr Respekt zollen, weil sie weder zuckte noch sich auch nur im Geringsten rührte. Er senkte seine Schnauze, um sie besser sehen zu können, und hob eine Braue.

„Was hast du vor?“

Seine Stimme bekam eine neue Qualität, viel weicher und voller, mit einem Akzent, der eher in den südlichen Königreichen verwendet wurde. Loomny, die wusste, dass sie das Eis zwischen dem großen alten Biest, das vor ihr lag, und sich selbst gebrochen hatte, trat einen Schritt vor und legte ihre kleinen Pfoten auf seine Schnauze.

„Die Art und Weise, wie sie von Eurem Kinn abstehen und ihre Struktur; das ist wirklich einzigartig. Ich würde diese Einzigartigkeit gerne noch ein bisschen mehr betonen und ihnen ein bisschen mehr Form geben, sie mit dieser Unterkieferlinie hier verschmelzen lassen...“

erklärte sie, während sie an seinem Unterkiefer entlang tastete.

„...diese gebrochenen Schuppen ein wenig verlängern. Es wird etwas länger dauern, aber am Ende könntet ihr dadurch noch markanter und weiser aussehen. Wir könnten sogar versuchen, ein wenig Farbe hinzuzufügen, die zu Euren Augen passt, nur an den Rändern.“

Ihre piepsige Stimme wurde immer lauter und kräftiger, je länger sie sprach und dem Drachen ihren Plan erklärte. Sie klang sehr aufgeregt darüber, dass er ihre Ideen zumindest in Betracht ziehen würde. Tatsächlich dachte Fafnir über die Idee nach und ertappte sich dabei, wie er mit einer Krallenpfote nach seinem Kinn griff, konnte sich aber gerade noch rechtzeitig zurückhalten. Mit einem Grinsen zog er sie von seinem Kinn weg.

„Gewohnheiten...“

stellte er amüsiert fest und zog seine Schnauze vorsichtig von Loomny zurück, die nur kicherte. Noch einmal sah er sie von oben bis unten an und erwog ihr Angebot.

„Gute kleine Loomny, du kannst versuchen, was du vorhast. Wir werden sehen, was dabei herauskommt.“

sagte der Drache und senkte seinen Kopf wieder. Loomnys Pupillen weiteten sich und sie nickte eifrig.

„Ich danke Euch, Meister Fafnir. Ihr werdet diese Entscheidung nicht bereuen, da bin ich mir sicher.“

sprudelte es förmlich aus ihr heraus, bevor sie sich auf den Fersen umdrehte und begann, ihre Ausrüstung für das umfangreiche Projekt zusammenzusuchen. Fafnir sah ihr nach und kicherte leise, bevor er an seinem Körper entlang nach unten blickte. Überall arbeiteten die Kobolde eifrig. Sie schienen den größten Teil der Reinigungsarbeiten abgeschlossen zu haben und reparierten die Schäden seines langen Lebens. Fafnir nickte leise und drehte seinen Kopf zu Hrun.

„Wie lange wird das noch dauern?“

fragte er in leisem, entspanntem Ton, und der Vor-Bold hob den Kopf und verbeugte sich noch einmal.

„Der größte Teil der groben Arbeit wird bald erledigt sein. Dann beginnt die Feinarbeit mit dem Polieren Eurer Schuppen. In Anbetracht der Farbe und der Beschaffenheit werden wir Euch wahrscheinlich nicht wie einen Diamanten zum Glänzen bringen, aber es wird helfen, Eure Schuppen sauber zu halten und den Widerstand zu verringern, den Ihr spürt. Außerdem feilen und schärfen wir Eure Krallen und versiegeln sie mit einem Härtemittel, das es Euch ermöglicht, selbst die härteste menschliche Rüstung zu zerreißen, und die Abnutzung wird verringert. Und schließlich werden wir Eure Zähne und Eure Kloake gründlich reinigen. Ihr werdet euch erfrischt fühlen, wie ihr es vielleicht noch nie erlebt habt.“

ratterte der Kobold die folgenden Prozeduren herunter, während Loomny bereits damit begann, die Schuppen an seinem Kinn und seinen Wangen zu modellieren. Sie verwendete die gleiche Mischung, mit der sie schon seine anderen Schuppen repariert hatten. Da er stillhalten musste, damit Loomny sein Gesicht bearbeiten konnte, brummte er nur sein Einverständnis, aber er musste sich eingestehen, dass ihm einige Zweifel an der Reinigung seiner Kloake blieben. Faffs Phantasie spielte ihm schon wieder Streiche und ließ vor seinem inneren Auge einige ziemlich verstörende Szenen erscheinen.

Als Loomny den gesamten Zement auf ihrem Tablett auf sein Gesicht aufgetragen hatte, sprach er vorsichtig seine Bedenken an.

„Sag mir, welche Methoden würdest du anwenden, um den Schlot eines Drachen zu reinigen? Du weißt hoffentlich, dass dieser Teil meines Körpers viel empfindlicher ist als der Rest, und ich möchte nicht, dass er irgendwie verletzt wird…“

murmelte er, wobei er seinen Mund nicht zu sehr bewegen wollte, um Loomnys Arbeit nicht schon zu ruinieren. Hrun grinste und nickte. Diese Frage wurde oft gestellt, wenn die Kunden diese Möglichkeit in Betracht zogen. Es war immer verlockend, die Kunden ein wenig auf den Arm zu nehmen, wenn es darum ging, den Prozess zu erklären, und er zog die Möglichkeit in Betracht, dass Faff ein Drache war, der diese gewisse Portion Humor besaß. Mit einem Lächeln öffnete er seine Arme.

„Meister Fafnir, es gibt keine einfache Antwort auf Eure Frage, es hängt alles von der Größe des Drachens, seinem Geschlecht und davon ab, wie gründlich wir die Kloake reinigen sollen. Bei einem Drachen Eurer Größe wählen wir normalerweise die gründlichste Lösung, das heißt, wir schicken Frodo mit einem Schutzanzug hinein, und er geht von innen vor...“

Fafnirs Augen weiteten sich, als Hrun die Bewegungen des Schrubbens mit einem Besen und einem Schlauch nachahmte. Er war kurz davor, zu protestieren, als er das breite, diebische Grinsen auf dem Gesicht des Kobolds sah, aber bevor er etwas sagen konnte, fuhr Hrun fort.

„... Spaß beiseite, mein verehrter Meister Fafnir, da Ihr ein männlicher Drache seid, würden wir uns freuen, wenn Ihr Eure Lanze herausgleiten lassen würdet, damit sich zwei unserer fähigsten Mitarbeiter professionell darum kümmern können, bevor wir uns mit einem speziellen Reinigungsmittel und weichen Schwämmen um den Rest Eures Schlotes kümmern, soweit Ihr das zulasst. Wir garantieren Ihnen absolute Kundenzufriedenheit und sorgen auf Wunsch sogar für das Happy End.“

Seine Stimme klang immer noch sehr geschäftsmäßig, aber sein diebisches Grinsen hatte sich soweit abgeschwächt, dass er nun zwar ernst, aber für den Geschmack des Drachen immer noch ein wenig zu schelmisch aussah. Fafnir sah ihn an, musterte seine Aussage und Haltung und brauchte einen Moment, bevor er langsam nickte.

„Nun, wir werden das mit der Zufriedenheit sehen, die du versprichst.“

Er gab ein leises Knurren von sich, und es schien, als ob seine Augen in einem helleren Rot zu glühen begannen. Jetzt war es an Hrun, zu beurteilen, ob sein Kunde es ernst meinte oder nicht. Der Blickkontakt dauerte fast fünf Sekunden, bevor beide fast gleichzeitig in schallendes Gelächter ausbrachen, wobei Fafnir es nicht ganz so weit treiben konnte wie Hrun, da er immer noch im Gesicht bearbeitet wurde.

„Oh Meister Fafnir, da hättet Ihr mich fast gehabt!“

gab der Vor-Bold zu und wischte sich über die Stirn.

„Bitte, bewegt Euch nicht so viel...“

warf Loomny ein, die immer noch versuchte, die zerbrochenen Schuppen am Kinn des Drachens neu zu formen. Sie hatte bereits einen Großteil der Schuppen entlang des Unterkiefers geformt und benutzte nun ihre geschickten Pfoten, um die Schuppen wie versprochen zu verlängern, um die bartähnliche Struktur hervorzuheben und zu betonen. Zu ihrem Glück hatte der Zement bereits zu trocknen begonnen und war nun viel steifer, fast wie eine Knetmasse, die sie zuerst mit ihren kleinen Pfoten formen und dann an den Schuppen anbringen konnte. Es nahm bereits Form an, gab seinem brachialen Kopf ein scharfsinnigeres Aussehen und veränderte langsam sein Aussehen.

Fafnir grinste, versteifte sich aber und stellte alle Bewegungen ein, damit das kleine Weibchen in Ruhe arbeiten konnte.

In der Zwischenzeit hatten die anderen ihre Arbeit so gut wie beendet und warteten auf eine Gelegenheit, den Drachen wieder auf alle Viere zu bringen, damit sie mit dem Polieren der Schuppen auf seinem Rücken beginnen konnten.


Am anderen Ende der Drachenwaschanlage arbeitete ein zweites Team von Kobolden fieberhaft an der Drachin, die nach Fafnir eingetroffen war. Sie hatte sich gegen die rotierenden Bürsten entschieden und zog es vor, auf die altmodische Art gereinigt zu werden, was bedeutete, dass sie noch eine ganze Weile an ihr arbeiten würden, wie Fafnir von Hrun erfahren hatte. Er würde höchstwahrscheinlich die Gelegenheit bekommen, mit ihr zu plaudern, wenn sie dazu bereit war. Hrun konnte sehr gut sehen, wie die Augen des großen Drachen kurz aufleuchteten, bevor Faff sich wieder auf Loomny konzentrierte, der seinem „Bart“ den letzten Schliff verpasste. Er würde noch einige Zeit brauchen, um vollständig zu trocknen, aber in ein oder zwei Augenblicken würde er stabil genug sein, um wieder auf alle Viere zu gelangen.

Ein letztes Mal kontrollierte sie den Sitz und die Anordnung dessen, was sie geschaffen hatte, und gab einen Daumen hoch. Fafnir nickte und hielt sich an der Plattform fest, um sich wieder aufzurichten, damit die Kobolde damit beginnen konnten, seine Schuppen zu polieren und dem Äußeren den letzten Schliff zu geben. Er richtete sich auf und streckte großzügig Glied um Glied und breitete seine Flügel in vollem Umfang aus. Er verdunkelte mit seinem imposanten Auftritt fast die Sonne und warf einen Schatten auf das gesamte Team. Mit einem tiefen Knurren, das allmählich in ein leises Stöhnen überging, ließ er sich wieder nieder und faltete seine Flügel an seinem massigen Körper zusammen, bevor er sich wieder auf die Plattform kauerte. Mit einem zufriedenen Lächeln blickte er zu den staunenden Kobolden.

„Ihr könnt weitermachen.“

sagte er und legte seinen Kopf vorsichtig auf das Fass, um den Boden nicht mit seinen noch halbtrockenen neuen Schuppen zu berühren. Sofort wurde er von den Kobolden umschwärmt, die auf ihm herumkletterten und begannen, seine Schuppen und Hörner zu polieren. Sie benutzten eine Art Polierpaste, die fast angenehm roch, und die speziellen Bürsten, die sie verwendeten, hatten viel steifere und kürzere Borsten. Es kitzelte fast, als sie seine glatteren, weniger dicken Schuppen an der Seite seines Halses und um seine Flügel herum bearbeiteten - Bereiche, in denen viel mehr Bewegung stattfinden würde. Auf den dicken Schuppenpanzern auf seinem Rücken hingegen spürte er nichts. Sicher, der Druck verriet ihm ungefähr, wo sich ein Kobold befand, aber das war auch schon alles, was er davon spürte.

Es dauerte jedoch nicht lange, bis sie feststellten, dass der Versuch, die starren, rauen Schuppen seines schwer gepanzerten Rückens zu polieren, zwecklos war, denn es gab keine Möglichkeit, auf ihnen in absehbarer Zeit ein vorzeigbares Ergebnis zu erzielen, also konzentrierten sie sich auf die kleineren, flexibleren Schuppen, die nach dem Polieren tatsächlich einen dezenten, aber schönen Glanz bekamen. Der Kontrast zwischen den matten Schuppen auf seinem Rücken und seiner Brust und den Schuppen an seinen Flanken, seinem Hals und seinem Schwanz war wirklich beeindruckend. Letztere fingen das Licht ein und reflektierten es wie schwarzer Marmor oder ein ruhiger, tiefer See in einer mondlosen Nacht, ließen ihn markant wirken und gaben ihm ein besonderes Aussehen. Sie hatten viel Zeit damit verbracht, seine Hörner zu polieren und ihnen eine schöne, satinierte Oberfläche zu geben. Jetzt sahen sie aus, als wären sie aus Onyx, und die schwachen elfenbeinfarbenen Adern, die sie durchzogen, verliehen ihnen eine Tiefe, die vorher nicht sichtbar war.

Als sie über seine Krallen fuhren, musste er sich beherrschen, nicht zusammenzuzucken. Was auch immer sie mit seinen Pfoten und Krallen anstellten, es kitzelte so sehr, und er hatte Angst, dass er einen der Kobolde, die an ihnen arbeiteten, verletzen würde, wenn er auch nur im Geringsten dem Reiz zu zucken nachgab. Am Ende sahen sie aus, als hätten sie sie aus geschwärztem Stahl gemacht. Vorsichtig beugte er sie, betrachtete die komplizierte Struktur und stellte sich vor, wie er irgendwelche Magier oder Ritter damit zerreißen würde, und er konnte nicht verhindern, dass sich ein breites Lächeln auf seine Lippen schlich. Erst die piepsige Stimme des Vor-Bolds riss ihn aus seinen Grübeleien:

„Wie ich sehe, gefällt Euch unsere Arbeit bis jetzt. Wir würden jetzt mit der Arbeit an Euren Zähnen beginnen und...“

Hrun räusperte sich und deutete nach unten, in Richtung seines eigenen Schrittes.

„... empfindlicheren Stellen.“

schloss er in einem gedämpfteren Ton und fügte den letzten Worten ein verschmitztes Lächeln hinzu. Faff verzog seine Lippen zu einem wissenden Grinsen und senkte seinen Kopf auf Hruns Höhe.

„Oh, du frecher kleiner Kobold. Ich sollte dich schon allein wegen deines Verhaltens vernaschen, aber ich muss gestehen, dass ich deine Art von Humor mag, also bist du sicher...“

schnurrte der Drache.

„... vorerst.“

fügte er hinzu und klappte spielerisch sein Maul zu; nur wenige Zentimeter vor Hrun. Der Kobold zuckte nicht einmal zurück, und Fafnir musste zugeben, dass ihn das beeindruckte. So viel Mut hatte er dem Kobold gar nicht erst zugetraut.

Der Kobold war davon alles andere als unbeeindruckt, aber er wollte es sich nicht anmerken lassen. Er wusste nur zu gut, dass, wenn ein Drache es wollte, man nicht viel tun konnte, um den Drachen davon abzuhalten, einen einfach zu fressen.

Als Fafnir seinen Kopf wieder hob und auf ihn herabblickte, seufzte Hrun innerlich erleichtert und leckte sich über die Lippen. Sein Mund fühlte sich plötzlich ganz trocken an.

„Meister Fafnir, darf ich Euch bitten, Euch ein letztes Mal auf die Seite zu legen, damit mein Team beenden kann, was wir begonnen haben?“

Er schaffte es, den Satz mit fester Stimme zu sprechen und seinem Auftraggeber direkt in die Augen zu sehen. Der besagte Drache lächelte nur breit und nickte.

„Wie du wünschst.“

sagte er leise und ließ seinen Körper wieder auf die Seite sinken. Mit einem Stöhnen, das fast zufrieden klang, streckte er seine Beine aus, um Zugang zu seinen empfindlichsten Stellen zu ermöglichen, und legte seinen Kopf zurück auf das Fass.

„Hhrmm... Was hast du noch mal gesagt? Brauchst du mich jetzt entblößt?“

fragte Fafnir amüsiert und ließ sich langsam frei gleiten. Aus dem Augenwinkel sah und hörte er erst ihre Reaktion. Er war nicht der größte Drache in der Gegend, bei weitem nicht, aber da Drachen nie wirklich aufhörten zu wachsen und er inzwischen ziemlich alt war, hatte er schon eine beachtliche Größe. Er grinste vor sich hin und wartete, bis sie sich wieder gefangen hatten. Wie üblich war es Hrun, der seine Stimme am schnellsten wiederfand.

„Nun, verehrter Meister Fafnir, das ist ein großartiges Exemplar, wenn ich je eines gesehen habe. Bitte entspannt Euch und lasst unser Team seine Arbeit tun. Wir werden dafür sorgen, dass es so angenehm wie möglich wird.“

Der Kobold lächelte und machte sich auf den Weg zu Fafnirs Kopf, während sich ein Team von Kobolden mit angenehm temperiertem Wasser, weichen Schwämmen und etwas, das sich wie etwas sehr Glitschiges anfühlte, an die Arbeit an den Familienjuwelen machte. Faff erschauderte, als sie ihn das erste Mal berührten. Obwohl er es erwartet hatte, war es immer noch ein so seltsames und fremdes Gefühl für ihn. Hrun blieb neben seinem Kopf stehen und schenkte ihm sein bestes Dienstleisterlächeln.

„Wir werden gleichzeitig an Eurem Maul arbeiten, wenn es Euch nichts ausmacht. Um besonders gründlich zu sein, wird einer unserer Kobolde hineinklettern, während ein kleines Team von außen arbeiten wird. Auf diese Weise geht es viel schneller und ist weniger anstrengend für Euch, denn Ihr könnt Euren Schlund wieder schließen, sobald er drin ist, und das Team kann parallel arbeiten.“

erklärte Hrun und ein Trupp von fünf kleineren Kobolden kam zu ihm. Sie trugen alle die gleichen Schürzen und hatten einen Werkzeuggürtel um die Hüften geschnallt. Fafnir sah sie an und hob die Brauen.

„Ihr wollt euch auf meine Zunge setzen ... in meinen Mund ... während meine Kiefer geschlossen sind?“

fragte er und sah den kleinsten der Kobolde an, der nur noch mehr zu schrumpfen schien, bevor er seinen Blick wieder auf Hrun richtete.

„Ich bin hier wirklich in Versuchung, so lange einen kleinen Snack auf der Zunge zu haben, und ich muss nur schlucken, dann ist der Kleine weg.“

fügte er in einem fast ernsten Tonfall hinzu und Hrun grinste nur und nickte.

„Es ist so etwas wie ein Initiationsritus. Wenn er überlebt, wird er in der Kloake Dienst tun.“

antwortete der Vor-Bold in einem sachlichen Ton. Der Ausdruck auf seinem Gesicht hielt nur fünf Sekunden an, bevor er in Gelächter ausbrach, und der große Drache stimmte mit einem eigenen Kichern ein.

„Oh, da hätte ich dich fast erwischt, Meister Fafnir, aber Spaß beiseite, Gimini hier ist von Kopf bis Fuß in einen speziellen Wirkstoff gehüllt. Du würdest dich übergeben, wenn er sich nicht auf sein kleines Kissen setzen würde.“

erklärte Hrun ruhig und Fafnir sah den Kobold an, auf den der Vorbote hingewiesen hatte.

Er hob den Kopf und schnupperte an Gimini, bevor er die Lippen zu einem angewiderten Knurren verzog. Der Wirkstoff hatte einen stechenden Gestank, der allein schon den Magen des Drachen umzudrehen drohte.

„Ooh, keine Sorge. Das werde ich nicht schlucken.“

sagte Fafnir und schreckte bei dem Gedanken zurück, den Kobold auf seiner Zunge sitzen zu haben. Sowohl Gimini als auch Hrun konnten sich ein breites Grinsen nicht verkneifen bei dieser Bemerkung. Schließlich legte Fafnir seinen Kopf wieder ab und öffnete zögernd sein Maul weit, damit Gimini in Position gehen konnte.

Der Kobold holte sein Kissen und sein Werkzeug und trat vorsichtig in das Maul des großen Drachen. Er legte das Kissen auf Fafnirs Zunge und nahm Platz, um sich darin einzurichten. Sobald er Platz genommen hatte, gab er Hrun einen Daumen hoch.

„Ihr könnt jetzt eure Kiefer schließen, Meister Fafnir.“

verkündete der Vor-Bold und sah, wie sich der tödliche Rachen des Drachen langsam um seinen Kollegen schloss. Er konnte sehen, wie sehr Faff gegen seinen Drang ankämpfen musste, Gemini wieder auszuspucken, während er gleichzeitig am anderen Ende seines Körpers viel angenehmer stimuliert wurde.

„Ihr macht das großartig, Meister Fafnir. Bitte haltet Eure Lippen nach hinten gezogen, damit mein Team mit der Arbeit an Euren Zähnen von außen beginnen kann.“

erklärte Hrun und dachte,

*Nicht zu vergessen, damit der arme Gimini nicht erstickt.*

Fafnir fixierte ihn mit einem Auge und knurrte.

„Oh, 'ach' 'hon hi'!“

erwiderte er etwas verärgert, während sich der Rest des Teams nach einem Wink von Hrun an die Arbeit machte. Sie benutzten eine Reihe von Werkzeugen, Schabern, Feilen, Meißeln und ein paar Bürsten und Schwämme, um seine Zähne wieder wie Elfenbein aussehen zu lassen. Dabei riefen sie sich fast ununterbrochen Codes zu, die für Fafnir überhaupt keinen Sinn ergaben. Der Drache hob eine Augenbraue und sah Hrun an, der nur nickte und ihm eine beschwichtigende Geste zeigte.

„Ich werde es Euch erklären, wenn sie fertig sind, Meister Fafnir.“

lächelte der Vor-Bold und sah zu, wie sein Team fieberhaft an beiden Enden des großen schwarzen Ungetüms arbeitete. Irgendwann hörte er, wie Gimini ein paar Codes rief, die ihn zum Kichern und dann zum lauten Lachen brachten, was ihm einen Blick von Fafnir einbrachte.

„Oh, er hat gerade gesagt, dass er herausgefunden hat, warum Euer Maul noch schlimmer riecht als das Mittel, mit dem wir ihn zugedeckt haben. Aber das wird er ganz schnell in Ordnung bringen.“

Erklärte Hrun, und Fafnir seufzte nur.

Als er zu seinem anderen Team hinübersah, das sich liebevoll um die empfindlicheren Teile des Drachens kümmerte, sah er, wie er unter der Fürsorge seiner Arbeiter zuckte und wie Fafnirs Hinterbeine hin und wieder fast austraten.

Es war ein beeindruckender Anblick, wie der mächtige Drache tapfer darum kämpfte, nicht den Machenschaften der kleinen, sorgfältig arbeitenden Kobolde nachzugeben. Doch das Gefühl, seine empfindlichste Stelle so gründlich gereinigt zu bekommen, machte ihm zu schaffen.

Währenddessen arbeiteten die Kobolde fieberhaft an seiner Schnauze. Mit kleinen Meißeln und Feilen befreiten sie ihn von harten Belägen, und mit Zangen entfernten sie die restlichen losen Ablagerungen, wobei sie zuerst die offensichtlichen Dinge entfernten und sozusagen aufräumten. Danach bürsteten sie seine dolchartigen Zähne, damit sie wieder elfenbeinfarben und glänzend wurden.

„Keine Sorge, Meister Fafnir, wir arbeiten sehr sorgfältig. Etwaige Schmerzen werden nur von kurzer Dauer sein und höchstwahrscheinlich von Fremdkörpern herrühren, die sich zwischen Euren Zähnen und Eurem Zahnfleisch befinden. Wir werden einen Balsam aus Kräuteressenzen verwenden, um die Entzündung zu lindern und den Schmerz zu betäuben.“

Erklärte Hrun ruhig, woraufhin Faff mit den Augen rollte. Der Vor-Bold schnaubte nur leicht, lächelte dann, zuckte mit den Schultern und wandte sich wieder seinem Team zu. Während ihres Gesprächs beendeten sie die Arbeit an Fafnirs Zähnen und wechselten zu weicheren Bürsten, um sein Zahnfleisch zu massieren und zu reinigen. Als sie begannen, auch den Balsam aufzutragen, roch er nach Alkohol und Kräutern und fühlte sich auf seinem Zahnfleisch kalt an, aber bald schien sich der Drache wieder etwas zu entspannen.

Mit so vielen helfenden Händen dauerte es nicht lange, bis das Reinigungsteam seine Arbeit für beendet erklärte und von seiner Schnauze zurücktrat, wobei Fafnir seine Augen öffnete und Hrun fixierte. Der Vor-Bold warf einen kurzen Blick auf die Zähne, trat dann selbst zurück und nickte Fafnir zu, damit dieser sein Maul wieder öffnete, um Gimini den Weg freizugeben. Fafnir sah den Kobold an und zögerte einen Moment. Es würde nur ein kurzes Schlucken sein, und der kleine Wicht auf seiner Zunge wäre einfach weg, aber dann war da noch dieses Mittel, mit dem sie Gemini präpariert hatten, und Erbrechen stand für heute nicht auf seiner Liste. Also kam er Hruns Bitte nach und öffnete den Mund.

Als der tapfere Kobold wieder auftauchte, hatte er jedoch einen ganzen Haufen teilweise verrotteter Körperteile, verrosteter Rüstungsteile und anderer Trümmer dabei, die er aus dem Maul des Drachen warf, bevor er über die Reihe tödlicher Zähne trat und sein Kissen mitnahm. Als er vor Fafnir stand, verbeugte er sich tief.

„Danke, dass Ihr nicht auf mir herumgekaut habt, Meister Fafnir. Ich denke, ich habe alles aus Eurem Schlund entfernt, was dort nicht hingehört.“

Sagte er, und Faff schloss langsam wieder seine Kiefer, bewegte sie ein wenig und grunzte.

„Hrrmm... da' i' gu'...“

murmelte der Drache, während er immer noch seine Zunge bewegte und sie gegen die Decke seines Mauls schlug, um sein Zahnfleisch und seine Zunge wieder zu spüren. Hrun nickte. Er kannte diese Reaktion nur zu gut, denn die meisten Drachen hatten nach der Reinigung leichte Schwierigkeiten, aber die würden schnell vorübergehen.

„Wie fühlt es sich an, Meister Fafnir?“

fragte er und wurde mit einem leisen Stöhnen belohnt, als der Drache seinen Kopf in Richtung des Vor-Bolds drehte.

„Immer noch ein bisschen seltsam, und der Geschmack von diesem Zeug liegt mir immer noch auf der Zunge. Dafür müsst ihr eine bessere Lösung finden.“

sagte Fafnir und fuhr sich mit seiner großen Zunge über die Lippen und die Schnauze, bevor er kurz zitterte und zu seinem Unterleib hinunterschaute.

„Vorsichtig da unten...“

Er knurrte und beugte sein Hinterbein herunter, um einen der Kobolde sanft anzustupsen, der etwas zu eifrig dabei war, seinen Schlot zu reinigen. Hrun folgte seinem Blick und sah, dass der fragliche Kobold fast bis zur Hüfte zwischen der Basis von Faffs Schaft und den Schuppen um seinen Schlitz steckte. Einer seiner Kollegen zog ihn da heraus, sehr zum Ärger des Kobolds.

„Hey Jenna, ich bin noch nicht fertig. Es gibt noch so viele...“

Weiter kam er nicht, bevor die Blicke von Hrun und Fafnir ihn unterbrachen. Was auch immer er gerade seinem Kollegen zurufen wollte, blieb ihm tief im Hals stecken, und er verschluckte sich fast an seinen Worten. Der Kobold schrak zusammen, verbeugte sich tief vor dem schwarzen Drachen und sprach seine Entschuldigung aus.

„Es tut mir so leid, Meister Fafnir, wenn ich zu sehr in die Erfüllung meiner Pflichten vertieft war, aber es gibt noch einige Rückstände, die beseitigt werden sollten, damit Ihr und Eure Gefährtin das, was Ihr tun wollt, in vollen Zügen genießen könnt.“

Seine Stimme stolperte beim Sprechen fast über sich selbst. Fafnir beugte sein Bein weiter nach unten und stupste den Kobold damit sanft an. Nun, sanft für einen Drachen war immer noch mehr als genug, um das kleine und dürre Wesen umzuwerfen.


Doch während der Kobold sich wieder vom Boden erhob, hörten sie das drakonische Äquivalent eines Wolfspfiffs. Sofort riss Fafnirs Kopf herum, und sein Blick fixierte die schlanke Drachin, die mit ihrem Dienst so gut wie fertig war, und zu ihnen hinüberschaute. Fafnir, der immer noch auf der Seite lag und sein Glied zur Schau stellte, war ein beeindruckender Anblick, und es war ganz offensichtlich, wohin die Drachin schaute, denn ihr Schwanz schnellte aufgeregt hinter ihr her und sie lächelte ihn hochmütig an.

Fafnir war sich nicht ganz sicher, ob er sich schämen oder stolz sein sollte, aber mit gespreizten Beinen auf der Seite zu liegen, war nicht gerade die Pose, die er einnehmen würde, um eine Drachin zu beeindrucken. Langsam senkte er die Beine, zog sein Glied zurück in die Scheide und rollte sich auf den Bauch, um aufzustehen. Es genügte ein kurzer Blick zu Hrun und seinem Team, um ihnen zu sagen, dass sie noch nicht fertig waren. Der Vor-Bold nickte, während Fafnir von der Plattform aufstand und sich zu seiner vollen Größe aufrichtete.

Der große, böse, schwarze Drache streckte sich und breitete seine Flügel leicht aus, bevor er sie wieder an seinen Körper anlegte. Er neigte den Kopf leicht zur Seite und lächelte die andere Drachin an. Sie war mit Sicherheit elegant, fast so groß wie Fafnir, aber viel schlanker gebaut. Ihre Schuppen waren von einer seltsamen, schwer zu beschreibenden Farbe. Sie schillerte leicht und veränderte ihren Farbton, fast wie Perlmutt, und ließ ihre Linien mit der Umgebung verschwimmen. Es war schwer, sie im hellen Sonnenlicht zu lange zu betrachten, aber andererseits war es verlockend, es zu tun, denn ihr ganzer Körper schien in Pastellfarben zu leuchten, sich ständig zu verändern, niemals zu ruhen.

„Wie eine Perle...“

Er wiederholte seinen Gedanken leise, und erst jetzt fiel der sprichwörtliche Groschen und er erkannte sie. Die Aufregung traf ihn unvorbereitet, aber er konnte sie gerade noch verbergen. Langsam kam sie zu Fafnir und den Kobolden hinüber, die schnell davonhuschten und die plötzliche Pause nutzten, um ihre Eimer und Schwämme zu säubern, während sie auf ihren Kunden warteten, damit sie fortfahren konnten. Bei jedem ihrer selbstbewussten Schritte wippte sie mit den Hüften, und ihr langer Schwanz schwang links und rechts hinter ihr her. Sie war sichtlich aufgeregt, denn das eifrige Anhängsel peitschte manchmal sogar auf die andere Seite und schickte Lichtreflexe in Faffs Richtung. Ihre eisblauen Augen funkelten, als sie ihn von oben bis unten musterte, und je mehr sie ihn musterte, desto breiter wurde ihr Lächeln.

Faff hingegen schien die Ruhe in Person zu sein, denn er stand da und schwoll mit jedem Schritt, den sie auf ihn zu machte, geradezu an. Er richtete sich zu seiner vollen Größe auf und präsentierte seine imposante Statur, während sein Lächeln Zuversicht ausstrahlte und seine Haltung vor Stolz fast platzte. Erst als sie fast direkt vor ihm stand, ihren Kopf auf gleicher Höhe mit dem seinen, durchfuhr ihn so etwas wie ein Ruck.

„Lange nicht gesehen, Fafnir, Zerstörer von Königreichen, Todbringer und, wenn ich richtig gehört habe, Schwarzer Dämon.“

schnurrte die Drachin mit einer sanften Stimme, die sich so sehr von der rauen und ruppigen Äußerung ihres schwarzen Artgenossen unterschied.

„In der Tat, Iria, Königin des Eises, Prinzessin der Nordwinde und Wächterin der Aurora.“

erwiderte er leise. Eine Weile starrten sie sich durch den unsichtbaren Nebel einer fast greifbaren Spannung an, als ob sie ihre Kräfte gegeneinander ausspielten, ohne es der Welt zu zeigen.

Schließlich war es Fafnir, dessen Gesichtszüge sich als erstes aufhellten und der sich der perlmuttfarbenen Drachin beugte. Nur einen Augenblick später gab auch sie ihm nach. In einem überraschenden Anflug von Zuneigung drückte sie sich an ihn, strich mit ihrer Schnauze an seiner entlang und beließ sie für den Moment dort.

„Es ist schön, dich lebendig und gesund zu sehen. Ich habe in letzter Zeit so viele schlechte Nachrichten gehört.“

flüsterte sie, während Fafnir leicht nickte, seinen Kopf weiter an dem ihren entlang schob und ihn leicht um ihren Hals legte. Dennoch machte er nicht den letzten Schritt zu einer vollen Kontaktaufnahme mit ihr.

„Das ist es in der Tat. Ich habe von Amun gehört, es tut mir sehr leid.“

antwortete er in einem ebenso sanften Ton. Sie war es, die schließlich den Schritt nach vorne machte und sich an den schwarzen Drachen drückte, ihren Kopf an seinem Hals entlang strich und ihn auf seinem breiten Rücken ablegte. Er entfaltete seine Flügel und schlang sie sanft um sie, umschloss sie mit seiner Version einer herzlichen Umarmung und ließ ihr Gewicht bequemer auf seinen Schultern und seinem Rücken ruhen.

Amun war viele Jahrhunderte lang ihr Gefährte gewesen, und er war in den letzten Kämpfen gefallen. Es hatte sich schnell herumgesprochen, da es nicht viele Drachen gegeben hatte, die seiner Beschreibung entsprachen. Der Verlust eines langjährigen Gefährten war für jeden Drachen ein verheerender Schlag, erst recht in diesen schwierigen Zeiten.

Iria seufzte schwer, bevor sie sich langsam aus Faffs Umarmung löste. Vorsichtig ließ er sie wieder los und zog seine Flügel wieder an seinen Körper. Als sie wieder voreinander standen, war es Fafnir, der sie von oben bis unten musterte.

„Du siehst immer noch so umwerfend aus wie vor fast fünfhundert Jahren, wenn überhaupt, haben die Jahre dich nur noch schöner gemacht.“

sagte er mit einem Lächeln, und Iria winkte ihn mit einem Flügel ab.

„Oh, und du bist immer noch furchtbar im Flirten; aber ich habe gehört, dass du in letzter Zeit viele Schlachten in anderen Domänen mitgemacht hast und dich immer mit dem Kopf voran in die Schlacht stürzt.“

Diese Aussage entlockte dem schwarzen Drachen ein breites Lächeln.

„Du kennst mich, ich bin kein Taktiker. Aber genug davon. Ich hätte nie erwartet, dich so weit im Süden zu sehen.“

„Nun, seit Amuns Tod sind die Nordländer übermütig geworden. Im Norden ist es nicht mehr sicher. Es gab noch nie besonders viele Drachen im Norden, aber jetzt sind wir so gut wie aus den nördlichen Königreichen vertrieben.“

erklärte Iria und blickte auf den Boden, wo sie mit ihren Krallen unruhige Kreise in den Schmutz kratzte. Fafnir schnaufte und legte vorsichtig seine Pfote auf ihre.

„Nicht ... halte sie scharf. Du wirst sie im Kampf brauchen, um sie zu zerfetzen und zu zerreißen, bis es vorbei ist. Aber ja, ich weiß, die Menschen und Elfen verlassen sich auf ihre Überzahl. Sie sind Legion, während unsere Zahl mit der Zeit schrumpft. Wirst du dir einen neuen Gefährten suchen?“

Die Frage kam für sie völlig unerwartet, und so sah sie ihn nur an, ohne Worte. Er nickte sanft.

„Es ist in Ordnung, Iria, ich suche auch nach einer neuen Gefährtin. Wir müssen unsere Reihen wieder auffüllen, wenn wir jemals ... hmmm ... nun, diesen Krieg überleben wollen.“

Er beharrte darauf, aber Iria schüttelte ihren schlanken und schönen Kopf. Es hatte fast etwas von einer Schelte.

„Nein, nein ... mein lieber Fafnir, so funktioniert das nicht. Sicher, unsere Zahl schrumpft, aber du kannst nicht einfach so auf eine Drachin zugehen und dich an sie ranmachen. Wie hat sich Emmy damals nur in dich verliebt?“

begann sie, aber in ihrer Stimme lag kein Zorn, sondern nur Belustigung über einen alten Drachen, der es nie geschafft hatte, ein Mädchen zu umwerben. Das Lächeln auf ihrem Gesicht war von Wohlwollen und Zuneigung gegenüber einem Freund, einem anderen ihrer Artgenossen, geprägt.

„Eine Drachin wie ich braucht einen Gefährten, der beständig ist, einen Gefährten, der nicht monatelang in ferne Länder davonläuft. Eine Drachin wie ich braucht einen Drachen, der fähig und willens ist, immer an meiner Seite zu stehen. Wie viele Nachkommen hast du gezeugt, Fafnir? Eine? Vielleicht noch einen, ohne es zu wissen? Amun und ich haben praktisch Hunderte von Nachkommen gezeugt, und er war immer an meiner Seite, half mir bei der Aufzucht, nährte mich und unsere Schlüpflinge mit seiner Liebe und Präsenz.“

fuhr sie in sanftem Tonfall fort. Sie trat wieder vor und strich mit ihrem Kopf über seine Wange, als sie sah, dass sie einen wunden Punkt getroffen hatte.

„Verzeih mir. Ich hätte nicht...“

fügte Iria hinzu, spürte aber, wie er sanft den Kopf schüttelte.

„Es ist in Ordnung, Iria. Du hast ja recht. Ich war nie zuverlässig, immer unterwegs, auf der Flucht. Wovor, das weiß ich nicht einmal selbst. Als ich endlich einen Grund hatte, mich niederzulassen, haben sie mir Emmy weggenommen, als ob die Ältesten es verboten hätten.“

Fafnir flüsterte und lehnte sich in die Liebkosungen der Drachin, genoss die Berührung. Schließlich holte er tief Luft und seufzte.

„Vielleicht bin ich einfach nicht für ein stabiles Leben geschaffen, nicht dazu bestimmt, eine Partnerin fürs Leben zu finden und eine Familie zu gründen, ein Erbe aufzubauen. Nun, abgesehen davon, dass ich der Ruin von Königreichen bin.“

fügte er hinzu und knabberte vorsichtig an ihrem Hals, was sie erschaudern ließ.

„Mmhmm... vielleicht, vielleicht... es gibt nur einen Weg, das herauszufinden.“

antwortete sie und hielt den Kontakt zu ihm.

„Wer wird die Drachin deiner Wahl sein?“

fragte sie leise, erwiderte das Knabbern und entlockte dem schwarzen Drachen ein verspieltes Knurren.

„Nellja, vom Klingenschwingen-Clan.“

Iria nestelte mit ihrer Schnauze unter seinem Kinn und lächelte über seine recht selbstbewusste Aussage.

„ Hmmm, du hast dir eine Menge Arbeit eingehandelt; die Klingenschwingen sind ein anspruchsvolles Pack, aber deine Fähigkeiten auf diesem Gebiet standen nie in Frage.“

Mit einem wissenden Grinsen zog sie den Kopf zurück und sah ihn an, ihre eisblauen Augen voller Heiterkeit. Fafnir nickte; er wusste, dass Nellja ihn auf die Probe stellen würde, aber er freute sich darauf. Er erwiderte ihr Grinsen und legte den Kopf leicht schief.

„Mein Angebot steht...“

sagte er und seine Augen wanderten für den Bruchteil einer Sekunde nach unten, und als sie zurückkehrten, wurde sein Grinsen breiter, was wiederum Iria dazu brachte, mit den Flügeln zu schütteln und mit dem Schwanz zu zucken. Sie brauchte allerdings ein bisschen zu lange, um zu antworten.

„Es war schön, dich wiederzusehen, Fafnir, aber so verlockend es auch ist, ich werde ablehnen müssen ... zumindest für den Moment.“

sagte sie schließlich und nickte sanft, während Fafnir lächelte. Diesmal hatte sie zwar abgelehnt, aber sie hatte es in Erwägung gezogen, also war es in seinen Augen ein Gewinn. Außerdem hatte er bereits eine Verabredung mit einer anderen reizenden Drachin.

*Nun, 'reizend' passt nicht ganz...*

fügte er in seinem Kopf hinzu, aber die Anwesenheit von Iria vor ihm hielt ihn davon ab, sein Gewissen auf das bevorstehende Treffen zu lenken, während sein Lächeln einen ernsteren Ton annahm. Es war an der Zeit, sich wieder zu trennen, in der Hoffnung auf ein Wiedersehen unter anderen Umständen.

„Das Vergnügen war ganz meinerseits, Iria. Mögen die Winde dich immer tragen, damit wir uns wiedersehen.“

erwiderte er leise und trat einen Schritt vor, um sanft seine Nase unter ihr Kinn zu nesteln; eine Geste, die mit Nachdruck erwidert wurde. Die perlmuttfarbene Drachin schloss ihre Augen und genoss die kurze, aber intensive Berührung, bevor sie sich sanft zurückzog.

„Wir werden uns wiedersehen, Schwarzer Dämon. Vielleicht werde ich dann auf dein Angebot eingehen.“

antwortete sie, und es lag mehr als nur Humor in ihrer Stimme, vielleicht ein Versprechen, aber bevor er etwas unglaublich Dummes antworten konnte, drehte sie sich auf den Hacken, entfaltete ihre Flügel und sprang mit einem schnellen Schnalzen ihres langen Schwanzes ab.

Ihre mächtigen Flügel hoben sie mit unglaublicher Leichtigkeit in die Luft, und sie gewann schnell an Höhe. Fafnir konnte nur zusehen, wie ihre schlanke Silhouette mit dem Himmel verschmolz.

„Hmmm, oh ja, meine schöne Iria, wir werden uns wiedersehen...“

murmelte er mit einem breiten und aufgeregten Grinsen auf den Lippen und ordnete seine Flügel neu um etwas aufgestaute Energie loszuwerden. Irgendwie war er von dieser kurzen Begegnung ganz hibbelig geworden, und er konnte sich kaum zurückhalten, als er schaudernd noch ein wenig länger in den klaren Himmel starrte. Dann hörte er, wie sich jemand räusperte, es hörte sich fast lustig an.

„Meister Fafnir, wir müssen unseren Service beenden.“

Fafnir war etwas verärgert, denn es riss ihn aus seinen Grübeleien, und er blickte auf die Mannschaft hinunter, die darauf wartete, dass er sich wieder hinlegte und sie ihre Arbeit beenden ließ. Es dauerte einen Moment, aber dann durchfuhr ihn so etwas wie ein kleiner Ruck, er behielt sein Lächeln bei und nickte, wenn auch nur, um Hruns ungeduldiges Klopfen auf sein Handgelenk zu stoppen.

„Natürlich; ihr sollt beenden, was ihr begonnen habt.“

sagte er und drehte sich um, um zur Plattform zurückzukehren. Vorsichtig, um keinen der Kobolde niederzutrampeln oder mit seinem Schwanz umzuwerfen, nahm er die letzten paar Schritte und legte sich langsam wieder hin. Mit einem genussvollen Knurren entspannte er sich und entblößte sein Glied erneut. Geduldig wartete er auf die unvermeidliche Reaktion des Putzteams, und sie kam fast so schnell, wie er es erwartet hatte. Das Gespräch mit Iria und die Gedanken an die Paarung hatten eine tiefgreifende Wirkung auf sein Begattungsorgan gehabt, und als es zum Vorschein kam, war es von der Spitze bis in die tiefsten Tiefen seines Schlundes glitschig. Der Drache musste hart kämpfen, um sich ein Kichern zu verkneifen, als er ihren leisen Protest und ihre Seufzer hörte. Sie würden ihn noch einmal reinigen müssen. Fafnir schnaufte leise und sah Hrun an.

„Ich werde dir und deinem Team ein nettes Trinkgeld geben, keine Sorge.“

schnurrte er und wartete darauf, dass sie loslegten. Hrun nickte nur, dann gab er den Befehl zum Weitermachen.

Als sie mit der Reinigung fortfuhren, erschauderte er. Es fühlte sich wunderbar an, wenn sein Glied in diesem Zustand berührt wurde, selbst wenn es sich nur um putzende Kobolde handelte, die ihre Pflicht taten. Er atmete bewusst langsam und tief und versuchte, sich nicht noch mehr zu erregen.

Ab und zu knurrte oder murrte er, während sein Bein zuckte und sein Schwanz hin und her zuckte.

„Wer hätte gedacht, dass es sich so gut anfühlt, sauber zu werden, hm?“

Es war offensichtlich eine rhetorische Frage, so viel war klar, aber der große Drache nickte trotzdem.

„Es fühlt sich wirklich sehr gut an, sogar wunderbar. Aber dein Team muss vorsichtig sein, sonst mache ich vielleicht wieder eine Sauerei.“

Flüsterte Faff und streckte sein Hinterbein ganz nach hinten. Hrun gluckste und nickte.

„Keine Sorge, Meister Fafnir, meine Leute sind Profis; sie wissen, wann sie aufhören müssen.“

versicherte er dem großen Drachen und sah zu seinem Team mit einer gewissen Erleichterung stellte er fest, dass das Team bald fertig sein würde. Sie waren gerade dabei, die Innenseite von Faffs Scheide zu säubern, während einige bereits fertig waren und ihre Werkzeuge und Eimer einsammelten.

Fafnir knurrte noch einmal, als einer der Reiniger einen tiefen Atemzug nahm und bis zu seiner Hüfte eindrang, um das letzte Stück zu reinigen. Während der Kobold die eine Seite säuberte, zuckte der Drache leicht, und als der Kobold sich darin bewegte, um das letzte Stück auf der anderen Seite zu erreichen, stöhnte die Plattform auf, als Faff seine Krallen in das Holz grub und fauchend die Zähne zusammenbiss. Der große Drache begann sich anzuspannen und seine roten Augen fixierten Hrun, gerade als der Kobold seinen Angestellten aufforderte, fertig zu werden.

„Es ist an der Zeit ... hrnnnn ...“

stöhnte Fafnir und erschauderte zutiefst, als sie den Kobold aus seinen empfindlichsten Stellen herauszogen. Es dauerte einen Moment, bis Faff sich wieder entspannte, aber schon bald beruhigte er sich wieder und atmete tief durch.

„Glückwunsch, Meister Fafnir, wir sind fertig; Ihr seid so sauber, wie ein Drache nur sein kann.“

stellte Hrun fest und trat einen Schritt zurück, um Fafnir Platz zum Aufstehen zu machen. Die schwarze Bestie auf der Plattform stöhnte, rollte sich langsam auf den Bauch und richtete sich auf allen Vieren auf.

Wieder einmal streckte sich Fafnir lang und gründlich, Glied für Glied. Er entfaltete seine gewaltigen Flügel und gähnte, um seine Kiefer zu lockern.

Die Schuppen auf seinem Kopf und seinen Flanken fingen das Licht ein und schimmerten in einem gesunden Glanz, während die raueren Schuppen auf seinem Rücken ein dunkles Kohleschwarz blieben, was ihn noch bedrohlicher aussehen ließ. Er wedelte mit dem Schwanz hin und her, genoss das Pfeifen des Windes auf seinen Schuppen und grinste. Er fühlte sich großartig. Als er seine Flügel langsam und großzügig wieder an seine Flanken faltete, blickte er auf die kleine Versammlung von Kobolden hinunter. Obwohl er ein wenig Hunger verspürte, würde er in seiner unendlichen Großzügigkeit vorerst davon absehen, sich an ihnen zu laben. Vorsichtig griff er nach dem Beutel an seinem Hinterbein, und nachdem er eine Weile darin herumgewühlt hatte, zog er etwas heraus, das wie ein Stein aussah. Es war in der Tat ein Stein, aber zumindest ein besonders runder, wie Hrun feststellen musste. Der Drache hielt seine Pfote an sein Gesicht und betrachtete den Stein einen Moment lang, bevor er nickte.

„Das ist eine Geode, die ich drüben an der Westküste gefunden habe. Sie sollte einen ausreichenden Schatz in sich tragen, um euch für den verlängerten Aufenthalt zu entschädigen.“

sagte Fafnir und legte sie vor Hrun hin.

„Ihr müsst sie vorsichtig öffnen.“

fügte er hinzu, bevor er von der Plattform stieg und erneut seine Flügel ausbreitete. Mit einem fast heftigen Schwanzschlag machte er ein paar Schritte ins Freie und ging dann leicht in die Hocke.

Mit einem Schlag seiner mächtigen Flügel sprang er ab und raste in den Himmel, während die Kobolde allein in ihrem Drachenwaschanlage zurückblieben. Es war ein wahrlich beeindruckender Anblick, wie er in der späten Morgensonne glitzerte; ihr Werk, natürlich. Der Drache war auch irgendwie interessant. Schließlich blickte Hrun auf die Geode hinunter. Sie sah massiv und damit wertvoll aus.

„Also, was machen wir jetzt damit?“


Koncept und Idee von

El Poyo Diabolo

Charaktere von

El Poyo Diabolo

Geschrieben von

El Poyo Diabolo

Editiert von

El Poyo Diabolo

mit der sehr geschätzten Hilfe von

Bordox

Veröffentlich von

El Poyo Diabolo

Übergänge

Nachdem Fafnir seinen Zwischenstop im Spa beendet hatte, flog er hoch in den Wolken gen Norden. Die Sonne im Rücken und die flauschigen, weißen Wolken unter sich fühlte er sich entspannt wie schon lange nicht mehr.

Es war nicht nur, weil er regelrecht porentief sauber war – das half, da gab es gar keinen Zweifel – nein, es war, weil es sich richtig anfühlte. Er war auf seinem Weg zu Nellja, zu seiner Verabredung, zu seiner Mondscheinserenade.

Hier oben war es immer ruhig. Die Vögel konnten nicht so hoch fliegen und die wenigen Magier, die es konnten, würden es nicht wagen, einen Drachen in seiner Domäne anzugreifen. Er war wahrlich allein und er genoss es. Träge schloss er die Augen und segelte durch die eiskalte Luft, schwelgte in dem Gefühl, wie sie durch seine Schuppen pfiff, denn er hatte Zeit. Alle Zeit der Welt. Natürlich war der Weg zu seinem Treffpunkt mit Nellja weit, allerdings würde er mehr als schnell genug sein, um pünktlich anzukommen. Zwar geziemte es sich nicht für eine Dame, ganz zu schweigen von einer Drachin, Andere warten zu lassen, aber wenn er deutlich zu früh ankäme, würde ihn das wie ein verzweifelter Jungdrache wirken, der zum ersten Mal eine solche Chance bekam.

Nein, das pünktliche Erscheinen zu dieser Verabredung war wichtig!

Er würde warten, bis die Zeit reif war, erst dann hätte er seinen Auftritt, so wie es sich gehörte.

Sein langsamer Flug nahm ihm den Zeitdruck, sorgte aber gleichzeitig dafür, dass er Zeit hatte, darüber nachzudenken, was diese Verabredung bedeutete. Er gehörte einem alten Clan an, wobei „Clan” zu viel des Guten war. Er gehörte einer Drachengattung an, das traf es eher, die seit jeher sehr konservativ eingestellt war und seine Eltern, eigentlich nur seine Mutter, seinen Vater hatte er nie kennengelernt, hatte ihn nach den alten Sitten erzogen.

„Ha, erzogen …”

lachte er; es war ein kaltes, freudloses Lachen.

„… sie hat dich nicht erzogen, alter Lurch, sie hat dir die Regeln, nach denen du lebst, nur so dermaßen eingebläut, dass es schwer fällt, sie zu brechen.”

tadelte er sich selbst, während er einer Wolke auswich, die sich weit nach oben in den Himmel türmte.

Es stimmte schon, seine Mutter war eine strenge Lehrmeisterin gewesen. Er und seine vier Geschwister waren von ihr von Anfang an in den „alten Weisen”, wie sie es genannt hatte, unterwiesen worden. Er erinnerte sich noch, als wäre es erst gestern gewesen.

„Ein Drache ist das höchste aller Lebewesen!”

Das war die erste Regel, die sie gelernt hatten und so ziemlich die einzige, der er uneingeschränkt zustimmen konnte.

„Ein Drache beugt sein Haupt vor niemandem!”

Und wie seine Mutter ihr Haupt nie gebeugt hatte, vor nichts und niemandem. Er hingegen hatte sein Haupt gebeugt, genau wie seine Geschwister. Sie alle hatten ihr Haupt gebeugt, sonst hätte ihre Mutter sie wahrscheinlich getötet.

„Ein Drache nimmt sich, was er will!”

Nach diesem Grundsatz hatte er Jahrhunderte gelebt. Er hatte Königreiche geplündert, Schätze angehäuft und das Leben eines Drachen geführt. Es war ein freies Leben, ein wildes Leben! Ein Leben, bevor er Emmy traf. Seine Emmy.

Ein Gefühl der Schwere überkam ihn jetzt, da er an seine Partnerin dachte. Nicht er hatte sich Emmy genommen, sondern sie hatte sein Herz gestohlen und es nicht wieder rausgerückt.

Er hatte damals, nachdem er sie kennengelernt hatte, das erste Mal wirklich über die Regeln nachgedacht, die seine Mutter ihn gelehrt hatte.

Ja, Drachen waren die höchsten Lebewesen, aber selbst unter den Drachen gab es auch einige, die höher standen als andere. Emmy war eine von ihnen gewesen. In seinen Augen hatte sie höher gestanden als er es je gekonnt hätte. Sie war sein Augenstern gewesen. Vor ihr hatte er sein Haupt gebeugt, doch nicht unter Zwang, wie bei seiner Mutter. Freiwillig. Ihr hatte er erlaubt, sein Herz zu stehlen. Ihr hatte er die Treue geschworen.

„Ein Drache bindet sich für die Ewigkeit.”

Die Ewigkeit. Ein Jahrhundert waren sie zusammen gewesen, hatten Freud und Leid miteinander geteilt, hatten einander geliebt, wie er es nie zuvor für möglich gehalten hatte. Für Emmy hatte er seinen ruhelosen Geist gezähmt und war sesshaft geworden. Mit ihr hatte er seinen einzigen Nachkommen gezeugt, und nach ihrem Tod hatte er ein ganzes Königreich in Schutt und Asche gelegt; und hätte sich fast selbst in diesem Prozess verloren.

Keine Ewigkeit, dafür ganze einhundert Jahre. An der Seite einer Göttin.

Bis die Menschen sie ihm weggenommen hatten.

Er musste zugeben, dass er noch immer nicht darüber hinweg war, und nun, da Tyria ausgeflogen war, fand er sich wieder alleine mit seinen Gedanken wieder.

Düstere Gedanken, ungebührliche Gedanken. Solche, die ein Drache nicht haben sollte.

So sehr er seiner Mutter auch recht geben wollte, dass ein Drache sich für die Ewigkeit binden sollte, so lebten Drachen doch allzu lange, um all diese Zeit allein zu verbringen. Nicht, nachdem er von der süßen Frucht gekostet hatte.

Zugegeben, er war alt, ein erfahrener Drache, aber er hatte noch gut und gerne fünfhundert bis achthundert Jahre vor sich, sofern nichts Ungelegenes dazwischen kam.

„Emmy …”

flüsterte er in den Wind, fast schon in der Hoffnung auf eine Eingebung, ob das, was er tat, das Richtige war.

Er würde sich mit Nellja treffen und anders als er gehörte sie einem richtigen Clan an. Ihre Art lebte nicht allein oder mit einem einzelnen Partner, stattdessen lebten Klingenflügeldrachen in Gemeinschaften. Sie blieben aber die meiste Zeit unter sich und nur selten wurden Drachen von außen aufgenommen.

Er war sich auch nicht unbedingt sicher, ob er Teil dieses Clans und seiner Einschränkungen werden wollte, denn eigentlich mochte er seine Freiheiten; dennoch wollte er es mit Nellja versuchen. Danach konnte man sich immer noch entscheiden.

In der Ferne konnte er inzwischen die Gipfel der Berge sehen, wo er sich mit ihr treffen wollte. Die hohen, selbst im Sommer mit Schnee bedeckten Spitzen der Drakensberge, wie die Menschen sie in ihrem unerklärlichen Zwang alles und jedem einen Namen zu geben getauft hatten, stellten die natürliche Grenze zu den nördlichen Königreichen dar. Die Menschen waren erst unlängst hier eingefallen. Früher war es die Heimat der Drachen gewesen und nur wenige andere Lebewesen hatten es in den harschen Hochebenen geschafft, Fuß zu fassen. Doch seit die Menschen sich dort immer mehr breit machten, hatte die Zahl der Drachen auch in den nördlichen Gefilden immer mehr abgenommen.

Eine gute Stelle für eine Verabredung, denn die Berge hatten ihre ganz eigene Magie und Schönheit. Vielleicht würde es seine Entscheidung über Nellja erleichtern.

Fafnir hatte sie auf dem Schlachtfeld getroffen, ähnlich wie er auch Emmy getroffen hatte, all diese Jahre zuvor.

Ihre blutroten Schuppen waren ihm sofort aufgefallen. Sie hatte geradezu schillernd aus dem Schlachtengetümmel herausgestochen, in das sie sich mit dem Kopf voran gestürzt hatte. Denn anders, als die meisten anderen Drachen ihrer Größe nutzte sie jedoch nicht ihr Feuer im Kampf, sondern bevorzugte die direkte, körperliche Konfrontation mit dem Gegner, was ihm einigen Respekt für die jüngere Drachin abgerungen hatte.

Nach dem Kampf hatte er sich ihr genähert und ihr seine Bewunderung für ihre Leistung in der Schlacht bekundet. Sie hatte gelächelt und sich bedankt, bevor sie ihm im Gegenzug den ihr typischen Respekt entgegengebracht hatte.

„Du hast auch gut gekämpft – für einen Drachen deines Alters.”

Er hatte den Humor in ihrer Stimme wohl bemerkt, trotzdem hatte die Spitze gesessen und sein Ego mehr geknickt als er es sich hatte eingestehen wollen. So hatte er sich zu seiner vollen Größe aufgebaut und versucht, sie einzuschüchtern, sie damit aber eher belustigt als erschreckt. Sie war kleiner als er, deutlich kleiner, aber das störte ihn nicht weiter, denn sie hatte einen starken, unbändigen Charakter. Aber nicht nur ihr Charakter fand Anklang bei ihm: ihre gedrungene Statur, ihr kleiner runder Kopf mit den widderartigen Hörnern, die von den vielen Kämpfen gesprungen waren und deren Risse durch goldene Ringe stabilisiert waren, gefielen ihm. Sie passten zu ihrem Charakter.

Er hatte sie als attraktiv empfunden, aber nicht weiter darüber nachgedacht, denn er wusste, dass ihr Clan Außenseiter nicht wirklich tolerierte. Auch deshalb hatte er die Begegnung schon als einen harmlosen Flirt abgetan, bis Nellja auf ihn zugekommen war und gefragt hatte, ob er nicht interessiert sei …

„Was …?”

Hatte er fassungslos gefragt, als sie ihn daraufhin noch auf dem Schlachtfeld gefragt hatte, ob er sich mit ihr paaren wolle. Sie hatte ihn einfach nur angelächelt, ihr kurzer Schwanz hatte regelrecht hinter ihr gewedelt und ihre roten Augen leuchteten fast.

„Der Frühling kommt bald, und mit ihm die Zeit für ein weiteres Gelege. Ich habe für diese Saison nur noch keinen Partner gefunden.”

Es hatte so zwanglos geklungen, dass es ihn komplett auf dem falschen Fuß erwischt hatte. Er hatte gestammelt, rumgedruckst und sich fast lächerlich gemacht vor einer Drachin, die nicht einmal halb so alt war wie er. Doch sie hatte einfach nur ihren Kopf gesenkt und ihn von unten herauf angesehen, ihre mit Klingen versehenen Flügel aufgefächert und sich unterwürfig gezeigt. Ein solches Verhalten hätte er eher von Jüngeren erwartet, aber nicht von einer Drachin, die einen Partner suchte.

„Es ist nichts dabei, ich brauche nur deinen Samen …”

Wieder hatte ihre Stimme diesen fast schon beiläufigen Tonfall. Für sie war es vielleicht nichts Besonderes, da sie in der Gemeinschaft ihres Clans keinen festen Partner hatte, aber für ihn war es das.

Natürlich hatte er sich mit anderen gepaart, bevor er mit Emmy zusammengekommen war, aber nie zu „Paarungs-Zwecken”, es ging nie darum, Nachkommen zu zeugen. Es war einfach zur Entspannung, zum Spaß gewesen, und vielleicht um bei den Anderen prahlen zu können, auch wenn er das nie zugeben würde.

Er hatte versucht, es ihr zu erklären, hatte ihr gesagt, dass er sich nicht mit ihr paaren würde, wenn sie nicht bereit war, aus dieser Affäre eine echte Beziehung werden zu lassen. Sie war dem ausgewichen, hatte nach Ausreden gesucht, nur um am Ende zuzustimmen, dass sie sich mit ihm an einem neutralen Ort treffen würde, dann würde sie sehen, wohin es sie führe. Nicht wirklich zufrieden mit der Antwort aber unfähig, einen anderen Kompromiss für sie zu finden, hatte Faff diesem Vorschlag zugestimmt und sie waren ihrer Wege geflogen.

Fafnir, ein Drache der alten Schule, war direkt vom Schlachtfeld zur Drachenwaschanlage geflogen und hatte sich für seinen großen Abend in Schale geworfen. Beim Gedanken daran musste er wieder kichern. Ja, er würde sich auch ein paar Kobolde besorgen, ganz sicher. Sie waren amüsant, arbeitsam und gaben einen netten kleinen Happen ab, wenn es mal eng wurde. Sein lautes Lachen hallte durch die dünne Höhenluft.

Die Sonne versank langsam hinter den fernen Bergen, während Fafnir über die ersten Gipfel der ausladenden Gebirgskette flog. Der Schnee auf den Bergkuppen funkelte golden im Licht der untergehenden Sonne und die Schatten in den Tälern waren tief. Hier wurde es schnell Nacht. Sobald die Sonne erst einmal hinter dem nächsten Gipfel versank, hüllten die Schatten alles ein. Einem Drachen machte das nicht viel aus, sie hatten eine hervorragende Nachtsicht und obwohl die meisten von ihnen das Licht des Tages bevorzugten, so wussten doch alle, dass Drachen besonders nachts gefährlich waren.

Der große, kohlenschwarze Drache flog derweil eine lange Schleife und orientierte sich an den uralten Gipfeln der Berge, die ihn nun umgaben. Er war früh dran, selbst für seine Verhältnisse, fand aber schnell einen schönen Gipfel in der Nähe, der seinen Ansprüchen genügte, und mit einigen kraftvollen Flügelschlägen flog er die kurze Distanz, um dort zu landen. Der lockere Schnee, der den Gipfel bedeckte, wurde vom Abwind seiner gewaltigen Schwingen aufgewirbelt und sofort vom eisigen Wind, der in diesen Höhen ständig wehte, davongetragen. Fafnir sah der sich schnell zerstreuenden Wolke aus Schneekristallen noch kurz nach, bevor er in den sich schnell verdunkelnden Himmel sah, so wie er es immer tat. Unfähig etwas anderes zu tun, schlang er seine Flügel eng um sich und wartete.

„Emmy …”

flüsterte er leise und wartete auf eine Antwort, die nie kam. Fafnirs Lippen zuckten leicht nach hinten, formten fast ein Lächeln, aber die eigentliche Miene kam am Ende nicht zu Stande. Emmy hatte ihm noch nie geantwortet, nicht seit jenem schicksalhaften Tag. Vielleicht war es wirklich an der Zeit, weiterzuziehen, im übertragenen wie im wörtlichen Sinne. Es gab keinen Grund mehr, auf ein Zeichen zu hoffen. Noch einmal sah sich Fafnir um, beobachtete wie das letzte Licht des Tages die höchsten Gipfel von hinten anstrahlte und zum Leuchten brachte, während die Schatten sie aussehen ließen wie die scharfen Zähne eines Drachens. Als er seinen Blick gen Himmel richtete, funkelten nun aucch schon die Sterne, es war in der Tat Zeit. Sie würde nicht ewig auf ihn warten..

Langsam entfaltete er seine Schwingen wieder und streckte sich in die Höhe, woraufhin ihn der eisige Wind mit offenen Armen empfing und ihn fast vom Gipfel hob. Es war ein gutes Gefühl, ein Gefühl der Schwerelosigkeit, des Auftriebs.

Er sah dem Treffen mit Nellja freudig entgegen, egal wie es am Ende ausgehen würde. Langsam sog er die eisige, dünne Luft in seine Lungen und zusammen mit einen gewaltigen Feuerstoß, der den Gipfel erhellte und die Schatten von den Hängen verbannte, stieß er einen donnernden Schrei aus, der noch in den Tälern ringsum widerhallte.

Noch ehe dieser verklungen war, sprang er, begleitet von einem Schlag seiner Schwingen vom Gipfel ab und flog weiter in Richtung Norden. Er flog nun schneller, es zog ihn zu diesem Treffen. Nicht nur körperlich, sondern auch, oder gerade, psychisch. Er wollte Nellja treffen, und ja, er wollte sich mit ihr paaren. Er würde sich mit ihr paaren.

Die Zweifel, die ihn noch bis vor wenigen Augenblicken geplagt hatten, waren fast vollständig in den Hintergrund getreten. Natürlich wusste er, dass Emmy nicht hätte antworten, nicht widersprechen können, wie denn auch, aber er hatte ihr diese letzte Chance geben müssen; für sein Gewissen. Und sie hatte es nicht getan.

Mit neuem Elan flog er über die Gipfel, schneller, dichter an den Hängen. Wagemutiger und kühner traute er sich an Manöver, die er sonst nur nutzen würde, wenn ihm die wilde Jagd höchstpersönlich im Nacken säße. Es kam ihm vor, als wäre es eine Ewigkeit her, dass er sich so voller Energie gefühlt hatte.

Der schwarze Drache, der sich mittlerweile kaum noch vom dunklen Hintergrund des Himmel abhob, flog teilweise so knapp über die Kuppen der schneebedeckten Gipfel, dass er das Gefühl hatte, er könnte im Vorbeiflug nach unten greifen und eine Lawine auslösen. Anders als zuvor passte er seine Flugbahn nun der Geographie der Gipfel an und tauchte hinab in die Täler, bevor er wieder aufstieg und knapp über die Pässe rauschte. Mehr als einmal erwischte er sich selbst dabei, wie er seine Manöver mit Geräuschen untermalte.

Er stürzte nach einem der Gipfel in eine Schlucht und seine raue Stimme hallte von den Wänden der engen Klamm wieder.

„Ooouuuuuuhhhmmmm …”

Der Ton wurde tiefer, je tiefer er vordrang. Angestrengt folgte er den Windungen, die sich im Laufe der Epochen gierig in den Fels gefressen hatten, während das Pfeifen seiner Schuppen im Gegenwind weiter anschwoll. Erst als die Wände der Schlucht so eng wurden, dass sie bald die Spitzen seiner Schwingen berührten, brach er den Sturzflug ab und stieg mit halsbrecherischer Geschwindigkeit wieder empor.

„Uuuuhuuummmoooooaaaahahahahaa …”

Er brauchte ein paar Flügelschläge, um die letzte Kuppe zu überwinden und sein Lachen war laut und befreit. Inzwischen lagen auch die letzten Gipfel vor ihm, bevor er den See erreichen würde, an dem er sich mit Nellja verabredet hatte.

Er atmete tief durch und versuchte, sich zu beruhigen. Schließlich wollte er gelassen und souverän wirken, wenn er am See ankam, nicht aufgewühlt wie ein Jungdrache auf der Balz. Es dauerte ein paar Minuten, in denen er ruhig über die Dächer der Welt glitt und den eiskalten Wind genoss, der half, sein Gemüt zu kühlen.

Fafnir kannte diese Berge, in seiner Jugend war er viele Male über die Gipfel geflogen, hatte fremde Länder und die nördlichen Drachen besucht. Sie hatten hier früher Eisriesen gejagt, bis diese eines Tages einfach verschwanden, dann hatten sie Bergtrolle gejagt, bis auch diese alle verschwunden waren; wahrscheinlich hatten sie einfach alle erlegt. Ausgerottet, wie die Menschen es nannten. Heute gab es in diesen Höhen nicht mehr viel, einige wenige Spezies, die sich auf das Leben an den schroffen Berghängen und im ewigen Eis spezialisiert hatten, aber nichts, was eine Jagd rechtfertigte.

In einem der tieferen Täler schimmerten lediglich die schwachen Lichter einer Menschensiedlung. Bald würden sie auch die Gipfel der Berge erobern und dann würden die Drachen keinerlei Rückzugsorte mehr haben.

„Wie ironisch …”

murmelte Fafnir, während er überlegte, wie viele der alten Rassen schon durch die Drachen ausgerottet worden waren. Im Laufe der Geschichte würden so vermutlich irgendwann auch die Drachen nur noch eine Randnotiz sein; in einem Buch, das von Menschenhand geschrieben werden würde.

„… irgendwann, aber noch nicht jetzt …”

murmelte er grimmig und schlug mit seinen mächtigen Flügeln, um einem schneebedeckten Hügel auszuweichen. Schnell weiter, damit er diese verdammte Siedlung nicht mehr sehen musste.


Sichtungen

Wenig später passierte er den letzten Pass, wobei „Pass” der falsche Ausdruck war – vielmehr der Rand eines gewaltigen Kraters. In der Mitte schimmerte sanft das Wasser ebendes Sees, an dem Faff sich mit Nellja treffen wollte. Der Krater gehörte zu einem uralten Vulkan. Schon seit Urzeiten hatte dieser See Drachen angezogen, denn ihre Verbundenheit zum Feuer locke sie auch zu diesem Ort hin. Auch wenn der Vulkan schon lange kein Feuer und keine Asche mehr gespien hatte, so war die Macht des Feuers der Erde hier noch immer deutlich zu spüren. Die Wärme, die aus dem Erdinneren aufstieg, hatte im Krater eine fruchtbare, grüne Oase geschaffen, die ganzjährig frei von Eis und Schnee war. Der See selbst war fast kreisrund und lag tief im Kessel des Vulkans, die Hänge des Kraters, die erst steil abfielen, dann jedoch schnell immer flacher wurden, waren bereits kurz unterhalb des Rands dicht mit allerlei Bäumen und Sträuchern bewachsen.

Der große, schwarze Drache überflog den Rand des Kraters und richtete seinen Blick in die Tiefe. Für einen Moment lang sah er nur die dichte Vegetation und den See, auf dessen glatter Oberfläche sich der Mond spiegelte, aber dann entdeckte er sie, am Ufer entlang gehend, den Blick fest auf den Boden zu ihren Vorderläufen gerichtet. Ihre dunkelroten Schuppen hoben sich im fahlen Mondlicht nur wenig von der Umgebung ab, einzig die gelegentlichen Reflektionen von den Klingen an den Vorderseiten ihrer Flügel verrieten ihre Position aus der Ferne.

Augenscheinlich hatte sie ihn noch nicht bemerkt, so sehr war sie mit dem beschäftigt, was sie gerade tat, und so entschied sich Fafnir, noch eine Schleife zu drehen und die Drachin am Seeufer ein wenig länger zu beobachten. Er konnte nicht genau erkennen, was Nellja zwischen ihren Klauen hatte und es weckte seine Neugier. Was konnte so interessant sein, dass sie sich so davon einnehmen ließ, denn er war kein lautloser Flieger, ganz und gar nicht.

Faff flog eine weite Schleife und schraubte sich langsam tiefer in den Kessel. Es schien, als würde sie etwas begutachten, immer wieder nahm sie Dinge vom Boden auf, betrachtete sie und warf sie dann achtlos in den See. Ein Lächeln schlich sich auf seine Lippen. Wahrscheinlich hatte sie einfach Langeweile. Er blickte auf und sah zum Mond, als sich ein leiser Zweifel in ihm bemerkbar machte. Hatte er sich nicht vielleicht doch zu viel Zeit gelassen, aber nein, er war pünktlich. Nellja war einfach zu früh dran gewesen.

„Ungeduldiges, junges Ding …”

schmunzelte er in sich hinein und sog die kalte Nachtluft in seine Lungen. Als er wieder ausatmete, trug die Luft seinen Gruß in Form eines lauten, aber wohlwollenden, Brüllens in den Krater und ließ die Drachin leicht zusammenschrecken, bevor sie sich in seine Richtung umwandte. Sie schien ihn einen Moment lang am dunklen Himmel zu suchen, aber dann breitete sich solch ein breites Lächeln auf ihren Lippen aus, dass er es selbst aus der Entfernung gut sehen konnte. Fafnir war noch nie ein besonders eleganter Flieger gewesen, und auch dieses Mal setzte er zwar zu einer sanften Landung an, schlug dann aber eher wie ein Meteor in die Sandbank neben dem See ein. Der dumpfe Aufprall schickte kleine Wellen über den See und wirbelte den Sand um ihn herum auf. Natürlich war es nicht der Auftritt eines Gentledrakes, aber er mochte seine eher brachiale Art, denn sie schindete Eindruck bei den Menschen und sorgte in aller Regel dafür, dass er nach der Landung erst einmal ein wenig Luft zum Atmen hatte, bevor diese auf ihn eindrangen. Nellja jedoch, die ein gutes Stück weg von ihm stand und deren Schwanz lässig Muster in den losen Untergrund zog, blieb eher unbeeindruckt. Sie saß nur ruhig da, ordnete kurz ihre Flügel neu und nickte ihm zu, würdigte seine Darbietung allerdings mit keiner weiteren Regung.

Fafnir schlug noch ein letztes Mal mit den Flügeln und faltete sie dann gegen seinen massigen Körper, bevor er ebenfalls nickte und langsam auf seine Verabredung zuging.


Jemanden kennenlernen

„Es tut gut, dich zu sehen, Nellja.”

rief Faff ihr zu, während er krampfhaft versuchte, ungezwungen zu wirken, aber die Aufregung und die Spannung färbten seine Stimme und ließen seine Bewegungen doch eher steif und angespannt aussehen. Nellja nickte dennoch abermals und senkte ihren Kopf respektvoll.

„Auch ich bin froh, dass du hier bist, Fafnir, oder bevorzugst du dieser Tage ‘Schwarzer Dämon’?”

gab die jüngere Drachin zurück, wobei der Sarkasmus in ihrer Stimme nicht zu überhören war. Er kümmerte sich nicht darum. Diese Titel bedeuteten im Grunde nur den Menschen etwas, die Drachen brauchten sie nicht. Schwarzer Dämon, Zerstörer von Königreichen, Todbringer, das alles waren Namen, die die Menschen ihm gegeben hatten, und so schmeichelhaft sie auch sein mochten, er war nicht der erste seiner Art, der sie wie Trophäen anhäufte.

Er blieb ein paar Schritte von ihr entfernt stehen und wartete, bis sie ihren Kopf wieder hob. Normalerweise war es gut und richtig, dass sie ihm Respekt zollte – er war schließlich der ältere und erfahrenere von ihnen – aber in dieser Nacht wollte er ihr auf Augenhöhe begegnen, so wie er es auch immer mit Emmy getan hatte. Als sie ihm schließlich wieder den Blick zuwandte und ihn etwas unsicher anlächelte, machte er den letzten Schritt, schob seinen Kopf vor und wollte ihn an ihrem reiben, doch Nellja zuckte zurück und wich seinem offenkundigen Annäherungsversuch aus.

Auch Fafnir zog seinen Kopf vorsichtig zurück, war aber überrascht, dass die Drachin dieser Geste der Zuneigung auswich. Andererseits mochte es natürlich sein, dass sie nach den Kämpfen Prellungen hatte und Berührungen schmerzten, stattdessen richtete er sich also auf und betrachtete sein Gegenüber lächelnd.

Ihre blutroten Schuppen schimmerten im fahlen Mondschein und die goldenen Ringe, die sie um ihre Hörner trug, fingen das Licht ein und setzten ihr markantes Gesicht beindruckend in Szene. Sein Starren blieb natürlich nicht unbemerkt und die kleinere Drachin grinste ihn unverhohlen an.

„Gefällt dir, was du siehst?”

fragte sie und richtete sich auf, leicht ihre Flügel entfaltend, sodass er ihren Körper besser sehen konnte und stellte gleichzeitig sicher, dass er nur ihre beste Seite sah. Nicht, dass es weniger gegeben hätte. Es fehlte nur noch, dass sie ihm direkt ihr Becken zu drehte und den Schwanz hob. Fafnirs Lächeln wurde breiter. Natürlich war es eine wirklich oberflächliche und geradezu aufdringliche Form der Balz, aber er konnte ihre Wirkung auch nicht dementieren. Ja, ihm gefiel, was er sah, mehr als er zugeben wollte.

„Oh, aber natürlich gefällt mir, was ich sehe. Du bist ein Juwel in der Nacht fahlen Licht. Wirklich wunderhübsch.”

antwortete er und versuchte, seine dunkle, raue Stimme ein wenig weicher klingen zu lassen, während sein Schwanz schneller hin und her zuckte. Nellja schien von seinem Kommentar angetan zu sein, denn ihre Augen leuchteten kurz auf. Woraufhin Fafnir seinen Kopf leicht schief legte und wieder auf sie zuging. Er wollte einmal mehr Körperkontakt aufbauen, aber noch bevor seine Schnauze ihren Hals berühren konnte, wich Nellja erneut zurück. Dieses Mal ließ der schwarze Drache es aber nicht auf sich beruhen, sondern verlieh seiner Besorgnis Ausdruck:

„Was ist los, Nellja? Stimmt etwas nicht? Hast du Schmerzen?”

fragte er leise und betrachtete sie nochmals, auf der Suche nach Anzeichen einer Verletzung, aber die junge Drachin verneinte. Stattdessen drehte sie ihm ohne weitere Umschweife ihre Rückseite zu, hob ihren Schwanz und gab so den Blick auf ihren Schlitz frei.

Bis jetzt war Fafnir nur ein wenig erstaunt darüber gewesen, dass sich Nellja sich ihm so einfach angeboten hatte, aber dieses Verhalten verwirrte ihn nun komplett. Er war es einfach nicht gewohnt, dass eine Drachin einfach so ihren Schwanz hob, aber er musste sich auch eingestehen, dass er mit den Gepflogenheiten der Klingenflügel nicht vertraut war.

Bisher hatte er potentielle Sexualpartner immer erst umwerben müssen, hatte sich selbst beweisen müssen, bevor es zu einer Vereinigung gekommen war.

Er zögerte erst, fasste sich dann jedoch ein Herz und schüttelte seinen Kopf.

„Warte, Nellja, das … das geht zu schnell.”

sagte er leise und setzte sich neben sie. Er ließ ein wenig Abstand, um sie nicht zu bedrängen, und raschelte nervös mit den Flügeln. Die Drachin neben ihm allerdings reagierte fassungslos, ließ ihren Schwanz sinken und sah ihn völlig verwundert an. Es dauerte einen Moment, aber dann stieg der Zorn in ihr auf. Sie wirbelte zu ihm herum und schrie fast:

„Was ist los mit dir, warum besteigst du mich nicht?”

Die Frustration war greifbar in ihrer Stimme und in ihrem Zorn schnappte sie nach ihm. Das Geräusch, als ihre Kiefer aufeinanderschlugen, klang furchtbar endgültig.

Fafnir schüttelte nur den Kopf. Er wusste, sie würde ihn nicht wirklich im Zorn beißen. Es war eine Übersprungshandlung, geboren aus Wut und Frustration und weil sie sich in diesem Moment nicht anders zu helfen wusste. Er drehte ihr langsam den Kopf zu und hob seine Brauen.

„Ich bin nicht hierhergekommen, um mich mit dir zu paaren … naja, zumindest nicht nur. Ich bin hier, um eine Drachin zu treffen, mit der ich mir vorstellen könnte, den Rest meines Lebens zu verbringen, oder zumindest um herauszufinden, ob sie überhaupt eine Gefährtin für mich sein könnte. Natürlich war unsere Vereinigung ein Teil dieses Treffens … nein, falsch … Es wäre eine schöne Sache, wenn es so weit käme …”

begann Faff und er bemühte sich nach Kräften, jede Form der Anklage aus seiner Stimme fernzuhalten.

„Aber ich werde dich nicht einfach nur begatten und danach wieder meiner Wege gehen. Ganz sicher nicht!”

Der letzte Satz kam mit genug Nachdruck, um Nellja für einen Moment innehalten zu lassen, aber dann schnappte sie erneut nach ihm. Dieses Mal kam sie seiner Schnauze sogar gefährlich nahe. Auch wenn sie nicht mit voller Kraft biss, so würden ihre scharfen Zähne selbst bei einem solch beiläufigen Schnapper erheblichen Schaden anrichten können.

„Ach komm schon, Fafnir …”

fing sie an und ihre Stimme vibrierte mit Argwohn und Sarkasmus.

„… du weißt doch, wie es läuft. Der Clan braucht mehr Drachen, keine Kuschel-Salamander. Gerade du, von all den Drachen auf der Welt, solltest es am besten wissen!”

Der schwarze Drache wich zurück, diese Sicht der Dinge widerte ihn geradezu an, aber er wollte noch nicht aufgeben.

„Was meinst du damit, der Clan braucht mehr ‘Drachen’?”

fragte er, aber er konnte sich schon fast denken, was jetzt kam. Nellja fing an laut zu lachen, kalt und freudlos, aber als sie sah, dass es ihm ernst war, fing sie sich wieder. Erst hörte sie auf zu lachen, dann wurde sie still, sie schluckte, presste ihre Lippen zusammen und atmete langsam und tief durch.

„Oh Fafnir, bitte entschuldige meinen Ausbruch, aber ich vergesse immer wieder, dass ihr frei-lebenden Drachen ja anders funktioniert als wir.”

Es klang wirklich ernst gemeint und sie senkte ihren Kopf zum Boden, während sie gleichzeitig ihre Flügel ausbreitete und neben sich auf den Sand legte; eine sehr deutliche Zurschaustellung von Unterwerfung. Fafnir seufzte leise und hob vorsichtig ihren Kopf wieder an.

„Es gibt keinen Grund dich jetzt zu erniedrigen.”

sagte er sanft und lächelte sie an. Seine glutroten Augen wirken unglaublich weich und es lag keinerlei Aggression in seiner Haltung. Natürlich war er ihr überlegen, natürlich war er größer, stärker, älter; und wenn es so etwas wie eine Rangfolge unter Drachen gab, so stand er klar über ihr. All dies spielte jedoch für den Moment keine Rolle, zumindest nicht für ihn. Er sah nur in ihre völlig verwirrten Augen, sah die Zweifel und die Angst in ihnen. Vorsichtig zog er seine Pranke zurück, wobei er ihren Kiefer sanft streichelte.

„Ich möchte lernen, ich möchte verstehen.”

begann er und klopfte einladend auf den weichen Boden neben sich.

„Erzähle mir von deinem Clan, von der Art, wie ihr lebt.”

forderte er sie auf, wobei er seine Stimme weiterhin frei von jeder Autorität hielt. Nellja sah ihn einen Moment lang schweigend an, bevor sie bemerkte, dass ihre eigene, krallenbewehrte Pranke ihr Kinn fühlte, wo noch vor wenigen Augenblicken Fafnirs Pranke gelegen hatte. Peinlich berührt nahm sie ihre Pfote herunter und setzte sich dort, wo sie war.

„Nun … wie du sicherlich weißt … wir Klingenflügel, wir leben in großen Gemeinschaften, Brutstöcke könnte man sie nennen. Viele Drachen, zusammen, unter der Leitung eines Ältesten. Es gibt strikte Hierarchien, das ist notwendig, sonst herrscht das Chaos. Wir alle kämpfen für die Gemeinschaft, während die Weibchen dafür da sind, mehr Nachkommen zu zeugen, um die Ränge zu füllen, damit wir den Kampf fortsetzen können. Damit wir überleben können.”

erklärte sie, wobei ihre Stimme mit jedem Satz leiser wurde, und wo sie ihm am Anfang noch in die Augen sah, so hatte sich ihr Blick zum Ende hin auf den Boden verlagert.

„Allenthalben braucht der Clan neues Blut, damit das unsrige gesund bleibt. Deshalb werden die Weibchen ausgeschickt; um gute, neue Drachen zu finden, damit wir stark bleiben.”

fügte sie hinzu, während ihre Krallen einzelne Steine aus dem Sand gruben und umdrehten. Dann sah sie ihn wieder an, ihre Miene spiegelte Besorgnis wider.

„Und das ist der Punkt, wo du ins Spiel kommst, Fafnir …”

Der letzte Satz hing praktisch in der Luft, und sie sah ihn mit einer Mischung aus Hoffnung und Angst an, während Fafnir seine Brauen entsetzt hochzog und tief einatmete.

„Also bin ich nichts weiter als ein Samenspender für dich.”

Es war weniger eine Frage als vielmehr eine Feststellung, ein Begreifen, dessen Aussprache so viel Enttäuschung mit sich trug, dass es fast ein Schlag in Nelljas Gesicht war. Die junge Drachin schüttelte vehement ihren Kopf.

„Nein, nein, sag das nicht so. Du bist ein hoch-respektierter Drache. Ich hätte dich niemals als einen möglichen Partner in Betracht gezogen, wenn ich dich nicht so sehr respektieren würde.”

Sie versuchte verzweifelt, zurück zu rudern, mit den Vorderläufen zu gestikulieren und zuckte nervös mit ihren Flügeln, während ihr Schwanz nervös hinter ihr peitschte, aber Fafnir kaufte es ihr nicht ab.

„Nun, das macht es aber nicht besser. So wäre ich eben ein hochrespektabler Samenspender, aber nicht mehr. Eine schnelle, kleine Affäre, ein kurzer Spaß, nur um danach erfolgreich in den Brutstock zurückzukehren.”

Der Versuch, seine Missbilligung über diese Tatsache nicht offen vor sich her zu tragen, scheiterte kläglich, während seine frisch polierten Krallen sich in den Sand des Ufers gruben, dennoch bemüht, seinen Ärger nicht die Oberhand gewinnen zu lassen.


Verständnis

Nellja presste die Lippen zusammen, aber man sah ihr an, dass sie kurz davor war zu platzen. Sie baute sich auf, reckte ihren Hals und versuchte, größer zu wirken, was ihrem Gegenüber allerdings nur wenig mehr als ein verächtliches Schnauben abrang.

„Das hat nichts mit Spaß zu tun. Nichts daran macht Spaß!”

Sie spukte es regelrecht aus und stampfte mit ihrer Pranke auf den Boden, wobei sie einen beachtlichen Abdruck hinterließ, während sich ihre Flügel reflexartig aufspannten und ihr Schwanz zornig hinter ihr peitschte. Faff seufzte laut und schüttelte den Kopf.

„Du willst mir also sagen, dass du keinerlei Spaß oder Befriedigung bei unserer Paarung empfinden würdest? Dass das hier rein geschäftlich ist? Ein in deinen Augen würdiger Partner kommt, ‘besteigt’ dich einmal und ihr geht danach wieder eurer Wege? Ist es das, was du mir sagen willst?”

Fafnir war erschüttert, so etwas war ihm völlig fremd. Nie hatte er darüber nachgedacht, dass jemand während der Paarung keinen Spaß oder keine Erfüllung empfinden konnte. Ihm gegenüber sank Nelljas Blick ein weiteres Mal zu Boden und ihre Haltung brach endgültig in sich zusammen.

„Also …”

murmelte sie kleinlaut und auf einmal wirkte sie immer kleiner. Fafnir wollte sich an sie anlehnen, sie stützen, aber er zögerte.

„Aber … du verpasst so vieles …”

sagte er schließlich, als die blutrote Klingenflügel-Drachin ihren Satz nicht vollendete. Stattdessen seufzte sie tief.

„Ich … ich hatte nie die Chance dazu … Ich lebe für den Clan … Mein Spaß stand nie zur Debatte.”

antwortete sie kleinlaut und ihr Gegenüber schüttelte ungläubig den Kopf.

"Unsinn!"

rief Fafnir barsch, aber Nellja verneinte.

"Du verstehst das nicht."

Trauer und Resignation färbten ihre Stimme, während sie zu Boden sah. Der große schwarze Drache schüttelte wieder den Kopf.

Ja er verstand es nicht, vielleicht wollte er es auch nicht verstehen, aber vielleicht konnte er einen ersten Schritt in eine bessere Zukunft anbieten. Langsam entfaltete er seine mächtigen Flügel und wandte sie ihr zu. Einen Moment lang sah er sie nur an, bevor er sanft das Wort ergriff.

„Vertraust du mir?”

Nellja hob ihren Kopf und ihre Augen fixierten seine, fragend, unsicher, was sie darauf antworten sollte. Sie zog nervös ihre Flügel um sich und ihr Schwanz, der noch vor wenigen Momenten scharf hin und her gepeitscht hatte, war eng um sie geschlungen. Fafnir legte seinen Kopf leicht schief und hob seine Brauen. Seine roten Augen, die sonst so gefährlich wirkten, waren voller Ruhe, dennoch zögerte Nellja.

„Traust du mir …?”

flüsterte er noch einmal, während er sanft nickte. Nelljas Lippen bebten, während sie mit sich selbst zu kämpfen schien. Er drängte sie nicht, sondern wartete still ab, bis sie schließlich schwach nickte. Das war alles, was er brauchte, bevor er seine großen Schwingen vorsichtig um sie schloss und sie an seine Seite zog. Sie wehrte sich für einen kurzen Moment, aber als Faff sie einfach nur festhielt, ließ ihr Drängen schnell nach.

„Sch sch sch … entspann dich Mädchen, lass es passieren …”

flüsterte er und versuchte Ruhe auszustrahlen.

„… vertrau mir … alles ist gut …”

fügte er hinzu und die junge Drachin, die sich noch immer ein wenig in seiner Umarmung wandte, fing ganz langsam an, sich zu entspannen und sich gegen seinen massigen Körper zu lehnen. Fafnir nickte sanft und schloss die Augen.

„Ein Partner ist da, um ihn zu genießen. Die Wärme, die Präsenz, die Zärtlichkeit … all das sind Dinge, die du zusammen mit deinem Partner genießen darfst. Sich mit einem Partner zu verbinden ist dabei so viel mehr als einfach nur eine Paarung.”

erklärte er ruhig und lehnte sich ein wenig mehr gegen sie, nur ein kleines bisschen, und er begann zu spüren, wie sein Körper langsam wärmer wurde.

„Ich durfte niemals …”

„Mhm … ich weiß … lass dich einfach fallen, heute Nacht bist du keine Klingenflügel, heute Nacht bist du einfach nur eine hübsche, junge Drachin, die den Vollmond zusammen mit einem Freund am See genießt.”

flüsterte er leise und schmiegte seinen Kopf an den ihren. Zuerst wich sie zurück, aber als er den Kontakt aufrecht erhielt, begann sie langsam, die Geste zu erwidern. Sie schloss ihre Augen und seufzte tief, während sie langsam gegen seine Flanke sank. Fafnir schloss seinen Flügel ein wenig enger um sie, schirmte sie gegen die Umwelt ab und spendete ihr seine Wärme.

„Gutes Mädchen … siehst du, ist doch gar nicht so schlimm …”

Seine Stimme war inzwischen nur noch ein warmer Hauch und trotzdem trug sie so viel Liebe und Zuneigung mit sich, dass Nellja erschauderte und sich fester gegen ihn drückte. Vorsichtig bog er seinen Hals um ihren und legte seinen Kopf auf ihre Schulter. Wieder zuckte Nellja leicht zusammen, aber bereits weniger als zuvor.

„Ich … ich bin das hier nicht gewohnt …”

gab sie kleinlaut zu, legte dann aber ihren Kopf auf seine Schulter, in einer Imitation seiner Geste und Fafnir lächelte, bevor er leicht nickte, wobei er ihren Hals absichtlich mit seinen Hörnern streifte. Nallja kicherte; es war ein schönes, leichtes Lachen, das sich so anders anhörte als sein raues, rauchiges Grummeln.

„Die einzigen, die jemals mit mir … gekuschelt haben, waren meine Schlüpflinge …”

erklärte sie, wobei Reumut ihre Stimme tränkte.

„… und selbst die wurden mir weggenommen, sobald sie groß genug waren, um in die Trainingskader eingegliedert zu werden.”

Fafnir versuchte sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr es ihn verstörte. Natürlich waren Drachen, selbst wenn sie frisch geschlüpft waren, bereits alleine lebensfähig. Es gab genügend Beispiele für solche, die alleine in der Wildnis geschlüpft waren und sich ohne weitere Probleme durchgeschlagen hatten. Schlüpflinge waren geschickte Jäger und intelligent genug, um zu wissen, welche Beute man angreifen konnte und von welcher man besser die Pfoten ließ, aber über die Zeit hatte es sich als sinnvoller erwiesen Schlüpflinge in der Obhut der Eltern aufwachsen zu lassen, damit sie schneller lernen konnten.

Es war grausam, kleine Drachen, die noch nicht einmal trocken hinter den Ohren waren, für den Krieg auszubilden. Schlüpflinge mussten spielen, Vorräte aus der Speisekammer klauen und jede Menge Unfug machen; das mit dem Kämpfen kam später von ganz allein, meist sogar früher, als es einem lieb war.

„Mhm … was würdest du gerne tun?”

fragte er, um sie von diesem Thema abzulenken und griff nach ihrer Pfote, die noch immer im losen Sand herumscharrte. Er spürte, wie die Anspannung aus ihrem Vorderlauf wich und wie sie seine Pranke ergriff. Faff lächelte zufrieden und wartete auf Nelljas Antwort.

„Was meinst du damit?”

Es klang so, als wollte sie auf das Offensichtliche anspielen, das, weswegen sie beide hier waren, aber das war ebenso offensichtlich nicht, was Fafnir mit seiner Frage gemeint hatte.

„Ich meine, was machst du gerne, wenn gerade keine Kämpfe oder Paarungen auf dem Programm stehen? Was tust du, um dir die Zeit zu vertreiben?”

Als Nellja das hörte, zog sie ihren Kopf zurück und sah ihn fragend an. Fafnir reagierte etwas langsamer, lächelte nur, öffnete dann aber seine Flügel vorsichtig, damit sie sich aus seiner Umarmung lösen konnte. Nellja trat ein, zwei Schritte zurück und war immer noch sichtlich verwirrt von seiner Frage. Nervös ordnete sie ihre Flügel neu und ihr Schwanz zuckte hin und her. Fafnir wartete einen Moment, aber es war eindeutig, dass sie einen kleinen Schubs brauchte; also richtete er sich auf, seine Brust schwoll stolz und seine Flügel plusterten sich ein wenig, bevor er sprach:

„Ich zum Beispiel liebe es, seltsame und außergewöhnliche Stücke für einen Hort zu sammeln. Wann immer ich etwas außergewöhnliches finde, dann behalte ich es. Es mag gegebenenfalls nicht so wertvoll sein, oder so glänzend wie andere Dinge, aber ich mag es einfach, Ungewöhnliches zu sammeln. Ich habe unter anderem eine – wie die Menschen es nennen – Kuckucksuhr in meinem Hort. Leider scheine ich sie während des Transports beschädigt zu haben, denn außer schön zu klimpern, tut sie nicht mehr viel, aber ich habe sie dennoch auf einem kleinen Podest in meiner Höhle ausgestellt, da sie lustig aussieht.”

beichtete er mit einem entwaffnenden Grinsen und wurde mit einem ebenso seltsamen, wie verwirrten Grinsen seitens Nellja belohnt.

„Eine Kuck … was?”

„Eine Kuckucksuhr. Ja, ich weiß, ich bin manchmal ein wenig seltsam …”

antwortete er und sein Grinsen wurde breiter, während sein Schwanz, den er um sich geschlungen hatte, anfing, leicht hin und her zu zucken.

„… also Nellja, was machst du so, wenn du einfach mal Spaß haben willst?”

setzte er nach und sah, wie sie ihre Brauen hob. Sie wirkte zwar amüsiert, andererseits aber auch nachdenklich. Ihr zuzusehen, wie sie nervös immer wieder ihre Flügel ordnete, wie ihre Schwanz von einem halbwegs entspannten Hin- und Herschwingen zu einem rasanten Zucken und wieder zurück zu einer entspannteren Bewegung wechselte, wie sie eindeutig mit sich selbst kämpfte, darum ob sie sich ihm nun anvertraute oder nicht, war irgendwie niedlich, aber auch beunruhigend. Fafnir allerdings gab ihr die Zeit, die sie brauchte, und drängte sie nicht weiter; und als sie schließlich einen Schritt auf ihn zukam, ihren Kopf leicht zur Seite drehte und ihre Braue hob, so als würde sie ihn sehr skeptisch betrachten, fühlte es sich an wie eine Belohnung.

„Und … und du wirst nicht lachen?”

fragte sie, noch immer unsicher, ob sie es ihm wirklich sagen sollte.

„Natürlich werde ich nicht lachen.”

versprach er und bemühte sich, ein vertrauenswürdiges Lächeln aufzusetzen, während er mit seiner Klaue ein Kreuz auf seiner Brust nachahmte. Es dauerte einen Moment, aber dann steckte sein Lächeln auch sie an.

„Ich suche Steine und versuche dann, sie springen zu lassen.”

Sagte sie leise, es war fast ein Flüstern, so als ob es ihr immer noch peinlich war. Er blinzelte und war sich nicht ganz sicher, ob er sie richtig verstanden hatte.

„Steine … um sie springen zu lassen?”

Fafnir legte seinen Kopf schief und sah sie fragend an. Er war wirklich neugierig, er hatte keine Ahnung, wie man Steine springen lassen konnte. Sie würde sie wohl kaum einfach auf den Boden werfen und sehen, ob sie vom Boden abprallten. Aber Nellja fasste seine Frage wohl falsch auf und trat zurück. Der Blick in ihren Augen hatte etwas von Verrat, und er fürchtete, dass sie sich ihm wieder verschloss, wenn er nicht schnell handelte.

„Kannst … kannst du es mir zeigen?”

setzte der schwarze Drache deshalb hastig nach, wobei er versuchte, seine Neugier durchscheinen zu lassen. Nellja sah ihn einen Moment lang prüfend an, als ob sie abwägen musste, ob sie sich ihm noch weiter offenbaren sollte, oder ob er sich nur weiter über sie lustig machen würde. Fafnir senkte seinen Kopf und seine Schwanzspitze wedelte regelrecht, als er zu ihr aufsah.

„Lass mich nicht betteln … Bitte …”

Es klang unglaublich, fast schon lächerlich, und er packte sogar seine Version des Welpenblicks dazu, was dazu führte, dass Nellja wirklich kichern musste, aber sie fing sich schnell wieder.

„Ich kann es versuchen …”

war ihre kleinlaute Antwort, während sie zu Boden sah. Fafnir beobachtete sie und dachte für einen Moment, dass sie sich wieder unterwürfig zeigte, begriff dann aber, dass sie nach einem Stein suchte, indem sie im losen Boden herumstocherte und nach und nach einen nach dem dem anderen heraus zog, begutachtete und dann achtlos in den See warf. Mit wachsendem Interesse sah er ihr zu und bemerkte, wie sie sich langsam zu entspannen schien. Es war für den älteren Drachen völlig unersichtlich, nach welchen Kriterien die Jüngere die Steine begutachtete, nur dass sie bisher nicht gefunden hatte, wonach sie suchte.

Er senkte seinen Kopf auf ihre Höhe und sah sich ebenfalls die Steine an, die zum größten Teil halb im Sand vergraben waren. Sie sah ihn nicht an, sondern suchte einfach weiter während Fafnir sie beobachtete.

„Was für einen Stein brauchen wir denn?”

fragte er nach einer Weile und Nellja fand endlich wieder ihr Lächeln. Sie hatte ein schönes Lächeln. Es ließ ihre ansonsten sehr markanten Gesichtszüge auf einmal viel weicher erscheinen, machte sie jünger, attraktiver und es passte so unendlich viel besser zu ihr, als diese ernste, verbissene Miene, die sonst ihr Antlitz zierte. Es war nicht so, dass sie sonst nicht ansehnlich war, aber diese erste ehrliche Leichtigkeit machte sie nur noch schöner, und zusammen mit ihren dunkelroten Schuppen und den goldenen Zierringen an ihren Hörnern musste Fafnir wirklich aufpassen, sich nicht Hals über Kopf in sie zu verlieben.

„Fafnir? … Hallo …?”

Nelljas leicht verwunderte Stimme riss ihn aus seinem Stupor und er zuckte leicht zusammen. Sie hatte ihn beim Starren erwischt und es war ihm sichtlich peinlich.

Die jüngere Drachin schüttelte amüsiert den Kopf.

„Hast du mir überhaupt zugehört?”

fragte sie ihn mit einem doch leicht genervten Tonfall, während sie den Kopf schief legte. Fafnir konnte nur verlegen grinsen

„Bitte entschuldige, aber ich war ganz verzaubert von deiner Schönheit.”

versuchte der alte, schwarze Drache sich zu retten. Sein Gegenüber schüttelte ungläubig den Kopf, behielt aber ihr Lächeln bei.

„Typisch Drache, unfähig, sich länger als einen Augenblick zu konzentrieren.”

mokierte Nellja und Fafnir sah sich außer Stande ihr zu widersprechen.

„Aber ich will ja gar nicht so sein und erkläre es dir noch einmal.”

Sie konnte nur schwer ein Lachen unterdrücken, als Fafnir sich mit weit aufgerissenen Augen vor sie setzte und wirklich sehr aufmerksam wirkte. Beide hielten nur kurz durch, bevor zuerst Fafnir und kurz darauf auch Nellja zu lachen begann.

Erst als sie sich beide beruhigt hatten, setzte sie zu einem neuen Erklärungsversuch an.

„Ich … wir brauchen einen flachen Stein … mit runden Kanten … so wie diese Discus-Dinger, mit denen die Menschen manchmal spielen.”

erklärte sie und der Enthusiasmus in ihrer Stimme war deutlich wahrnehmbar, während sie einen weiteren Stein untersuchte, nur um herauszufinden, dass er nicht ihren Vorstellungen entsprach. Sie warf ihn achtlos in den See und setzte ihre Suche fort. Das Platschen, als der Stein die Wasseroberfläche durchschlug, war laut und hallte von den Kraterwänden, die sie umgaben, wider.


Der springende Punkt

Schlussendlich war es Fafnir, der eine passenden Stein fand. Er war nicht sehr groß, aber er war ziemlich rund, sehr flach und hatte ausreichend runde Kanten. Als er ihn aber an Nellja reichte, hielt er ihre Pfote einen Moment fest, gerade lange genug, um zu sehen, wie die Röte unter ihren Schuppen aufstieg. Vorsichtig zog er seinen Vorderlauf zurück und beobachtete, wie Nellja ihre Krallen um den kleinen Kiesel schloss und ihre Pfote danach an ihre Brust führte. Es war nur ein kurzer Moment, aber einer, der ihm unendlich viel bedeutete. Nellja lächelte und drehte den Stein, Nellja sah auf ihre Pfote und den Stein, der im Vergleich so winzig wirkte. Sie lächelte und drehte ihn hin und her, begutachtete seine Form und nickte dabei, bevor sie ihn zwischen ihre Finger nahm und sich dem Wasser zuwandte. Fafnir beobachtete sie genau, und als sie ihm zeigte, wie er den Stein zu werfen hatte, war er ehrlich neugierig.

Dann passierte alles ganz schnell. Nellja holte aus und warf den kleinen Stein mit Effet flach über die Wasseroberfläche. Fafnir beobachtete gespannt, wie sich der drehende, dunkle Stein gegen das reflektierte Mondlicht abhob und als er das spiegelglatte Nass das erste mal berührte, sprang er tatsächlich. Dann ein weiteres Mal. Und noch einmal. Und noch einige weitere Male, bevor er, nachdem er etwa die Hälfte der Strecke zum anderen Ufer zurückgelegt hatte, endlich mit einem lauten „Ploff” im See versank.

Fafnir hatte mit offenem Maul zugesehen und mit jedem weiteren Hüpfer hatte er seine Flügel weiter aufgespannt. Es hatte fast so ausgesehen, als hätte er dem Stein hinterherspringen wollen, bis der Stein schließlich versank, dann sprang Fafnir tatsächlich und rief seine Freude hinaus in die Nachtluft.

„Das war der Wahnsinn!”

rief der schwarze Drache und stampfte aufgeregt mit den Vorderbeinen. Seine Aufregung schien ansteckend zu sein, denn auch Nellja stimmte schließlich mit in seine Rufe ein. Fafnir sah sie an, immer noch mit noch immer offenem Maul.

„Wir brauchen mehr Steine!”

forderte er und Nellja stimmte freudig zu.

Endlich —so schien es— hatte Nellja ihre Inhibitionen ihm gegenüber wirklich abgelegt und war in der Lage, ihm ihren wahren Charakter zu zeigen.

Aufgeregt wie zwei Jungdrachen liefen sie am Ufer des Sees entlang und suchten nach weiteren Kieselsteinen. Jedes Mal, wenn sie einen fanden, jubelten sie und Fafnir spornte Nellja aufs Neue dazu an, ihn übers Wasser hüpfen zu lassen. Nach ein paar Würfen schließlich bestand Nellja sogar darauf, dass auch Fafnir es versuchte, und als sie einen geeigneten Stein fanden, warf er ihn über das Wasser. Der Stein trudelte in einem viel zu hohen Bogen über die spiegelnde Oberfläche und schlug mit einer hohen Fontäne in den See ein.

„Ooooooh …”

Die Enttäuschung in beider Stimmen war greifbar, aber Nellja jubelte dann trotzdem.

„Sie dir nur an, wie hoch das Wasser gespritzt ist!”

schrie sie fast und nahm einen wirklich großen, unförmigen Stein und warf ihn hinterher, noch bevor sich die Oberfläche wieder beruhigt hatte. Der Aufprall erzeugte einen gewaltigen Einschlag und das Wasser spritzte diesmal fast bis zum Ufer. Die Wellen, die der Stein verursacht hatte, rollten langsam auf das Ufer zu und würden die Oberfläche des ansonsten ruhigen Sees wohl noch eine Zeit lang stören.

„Der war aber auch nicht schlecht.”

gab Fafnir zu und ohne darüber nachzudenken, schmiegte er seinen Kopf gegen ihren Hals. Für einen Moment passierte gar nichts, nur das Gefühl von den weichen Schuppen seiner Schnauze gegen die ihren. Erst als beide bemerkten, dass Nellja nicht zurückgezuckt war, hielten sie inne.

Da standen sie nun, am Ufer des Kratersees, und sahen zu, wie die Wellen sich ringförmig ausbreiteten, während Fafnir einfach nur dem aufgeregten Pochen ihres Herzens lauschte. Nelljas Atem stockte, aber Fafnir traute sich nicht, sich weiter zu bewegen. Ehrlicherweise wollte er seinen Kopf auch nicht zurückziehen. Es fühlte sich richtig an, nein, es war richtig. Jetzt. Hier.

Es dauerte einen Moment länger, aber dann spürte er, wie die Spannung in der jungen Drachin nachließ, wie sie ihren Kopf zu seinem neigte und ihre Schnauze auf seinen Kopf legte. Leise brummte Nellja ihre Zustimmung und lehnte sich ein wenig stärker gegen Fafnir, der den Kontakt sichtlich genoss.

„Gar nicht so schlecht, hmm?”

flüsterte der schwarze Drache und spürte das Nicken auf seinem Kopf. Sein Lächeln wurde breiter.

„Man könnte sich daran gewöhnen.”

gab die Drachin an seiner Seite zurück, das Amüsement in ihrer Stimme war deutlich zu hören, wenn auch Seite an Seite mit einer leichten Restunsicherheit.

„Wenn du mit mir kämst, könntest du das jeden Tag haben.”

bot Faff an, obwohl er wusste, dass er dabei eine Grenze überschritt. Es konnte ihm eine Menge Ärger einbringen, aber er hatte es loswerden müssen. Nelljas ihrerseits wurde still und ihr Kopf lastete schwerer auf dem seinen. Die jüngere Drachin dachte nach, so viel war sicher. Er konnte spüren, wie sie sich mehrmals anspannte, aber dann wieder entspannte, bevor sie schließlich ihren Kopf hob.

„Das ist etwas, das ich nicht so einfach tun kann. Ich bin eine Klingenflügel. Ich lebe für den Clan.”

ihre Stimme war leise, aber fest, auch wenn er den Zweifel in ihr hören konnte. Vorsichtig zog er seinen Kopf zurück, und dieses Mal zuckte sie zusammen. Fafnir blinzelte langsam, ließ seine Augen einen Moment zu lange geschlossen, um es einfach zufällig wirken zu lassen, nickte dann jedoch.

„Lassen wir das erst einmal so stehen. Wir wollen nicht die Stimmung verderben.”

sagte er schließlich und stupste sie mit seiner Nase an.

„Komm, lass uns noch ein Stück gehen …”

lockte er, während er schon ein paar Schritte voran ging. Nellja folgte ihm einen Moment später. Als sie wieder neben ihm war, schmiegte er sich ein weiteres Mal an sie an und dieses Mal erwiderte sie die Geste, genoss den Kontakt sogar sichtlich. Für eine Weile lang liefen sie wortlos am Ufer entlang, während jeder die Nähe zum anderen auf seine Weise genoss.

Es war wieder Fafnir, der einen Schritt weiterging und seinen Kopf gegen Nalljas Hals schmiegte.

„Weisst du, Nellja, das alles ist gut und schön … aber …”

flüsterte er, wobei er seinen Tonfall so gleichmäßig wie möglich hielt und gedultig auf ihre Reaktion wartete. DIese ließ auch nicht lang auf sich waren, als die jüngere Drachin sich anspannte, Unsicherheit und Zweifel ließen ihren Atem stocken. Fafnir grinste über ihre Ahnungslosigkeit und grub seine Krallen in den Sand des Ufers.

Dann ging es schnell.

Er nippte die Drachin zu seiner Rechten leicht in den Hals und rannte los.

„Du bist!”

rief er noch und weg war er. Sein lautes, raues Lachen hallte über den See, dochNellja stand da wie vom Blitz getroffen. Der Schock währte jedoch nicht lange und mit einem kämpferischen Brüllen nahm sie die Verfolgung auf.

„Du niederträchtiger … bleib gefälligst stehen!”

schrie sie dem schweren, schwarzen Ungetüm hinterher, das sich erstaunlich schnell fortzubewegen vermochte.

„Aaaahahahahahahaha … Nein … wenn du mich willst, dann wirst du mich schon fangen müssen!”

rief Fafnir über die Schulter und lachte weiter. Er breitete seine Flügel leicht aus, um das Gleichgewicht während des Sprints besser halten zu können, und sein Schwanz peitschte bei jedem seiner Galoppsprünge hin und her. Nelljas Lachen vermischte sie mit Faffs, als sie langsam aber sicher den Abstand verringerte.

Es wäre ein Leichtes gewesen, sich einfach in die Luft zu schwingen und ihn einzufangen, aber darum ging es gar nicht, die Jagd als solches war das Ziel.

„Oh, ich krieg dich schon … du alter Lustmolch …”

schrie die Drachin ihm hinterher, untermalte die Beleidigung jedoch nur mit weiterem Lachen. Sie klang wirklich ausgelassen, während sie ihm nachjagte. In einem Versuch den Abstand zu ihr aufrecht zu erhalten steuerte Fafnirnäher an den See und sprang über einen Felsen, der auf seinem Weg lag, und erst, als er weiter rannte, bemerkte er, dass er sie nicht mehr hörte. Er kam aber nicht mehr dazu, sich genauer darüber Gedanken zu machen, als sie mit dem Schrei einer Banshee in seiner Seite einschlug und sie beide in den See katapultierte.

Mit gewaltigem Getöse und einer ebenso beeindruckenden Fontäne landeten die beiden Drachen im kühlen Nass des Sees. Das Wasser war hier bereits erstaunlich tief, und als sie wieder an die Oberfläche kamen, lachten sie beide laut und ausgelassen. Nellja war die erste, die damit anfing ihrem Gegenüber Wasser entgegen zu spritzen, aber Fafnir ließ auch nicht lange auf sich warten. Er schirmte sich mit einem Vorderlauf gegen die jüngere Drachin ab, während er mit dem anderen seinerseits versuchte, Nellja zu treffen.

„Lustmolch, ja?”

kicherte Faff und tauchte leicht unter, sodass nur noch seine Augen und Hörner zu sehen waren. Nellja lachte laut.

„Ja, Lustmolch … einer jungen, unschuldigen Drachin nachzusteigen …”

Ihre gespielte Empörung war leicht zu durchschauen. Auch wenn sie das Grinsen auf seinen Lippen nicht sehen konnte, so erreichte es doch seine Augen, und als er sich langsam unter Wasser näherte, quietschte Nellja aufgeregt. In dem Moment, in dem sie seine Pranke ihren Vorderlauf streicheln spürte, sprang sie fast aus dem Wasser.

„Aah!”

entfuhr es ihr unfreiwillig und in diesem Moment verlor sie das Gleichgewicht. Sie landete neben Faff im Wasser und funkelte ihn aus ihren roten Augen an, sobald sie nicht mehr bemüht war, ihre Beine unter ihren Körper zu bekommen. Sie hob den Kopf gerade weit genug aus dem See, um sprechen zu können.

„Perversling …”

Er nickte nur und berührte sie wieder unter der Oberfläche, dieses Mal war sie allerdings darauf vorbereitet und erschrak nicht mehr, stattdessen schien sie es zu genießen. Ganz langsam hob auch er seinen Kopf über das Wasser.

„Es ist jetzt nicht so, als dass du etwas gegen einen findigen, leicht durchtriebenen Drachen hättest, oder?”

fragte er und musste sein Lachen unterdrücken, als Nellja vehement den Kopf schüttelte.

„So lange er sich gegenüber einer schüchternen Drachin zu benehmen weiß.”

gab sie zurück und ihr schelmisches Grinsen zeigte ihre Zähne.

Wenn Fafnir jetzt einer dieser fernöstlichen Drachen gewesen wäre, hätte er sich jetzt den Schnurrbart gezwirbelt; so musste ein Zwinkern, ein leises Knurren und ein angedeutetes Schnappen reichen.

Nellja quiekte erneut und spritzte mit Wasser nach ihm. Beide lachten laut und Faff zog sie vorsichtig zu sich heran, bevor er abermals seine Flügel um sie schloss.

„Ich werde ganz zärtlich sein …”

flüsterte er und knabberte an ihrem Hals. Sie schnappte kurz nach Luft und biss sich dann auf die Lippe, griff dann aber nach seinen Pranken und zog sie enger um sich.

„Mhm …”

brummte sie leise und schmiegte sie gegen seinen massigen Körper. Angespornt von ihrer Reaktion fuhr er damit fort, an ihrem Hals zu knabbern, wobei er langsam immer weiter in Richtung ihres Kopfes wanderte. Nellja streckte ihren Hals und keuchte sanft, während ihre Krallen sich in seine Pranken bohrten. Fafnir ließ sich nicht beirren, sondern fuhr fort, die junge Drachin in seiner Umarmung zu liebkosen und nach und nach spürte er, selbst durch die Kälte des Wassers hindurch, wie Nelljas Körper sich aufheitzte und auch er fühlte, wie sein inneres Feuer geschürt wurde. Sie blieben noch eine kleine Weile so, genossen die Wärme, die sie. Sie blieben noch eine kleine Weile so, genossen die Wärme, die sie sich gegenseitig spendeten, und die jüngere Drachin ließ sich von ihm verwöhnen.

„Wollen wir uns ein lauschiges Plätzchen suchen …?”

flüsterte er schließlich in ihr Ohr und rieb sich dabei genüsslich an ihr, woraufhin sie leicht erzitterte und mit einem lüsternen Schnaufen antwortete. Fafnir lächelte und drehte sie beide wieder in Richtung des Ufers, bevor er seine Flügel wieder öffnete. Für einen kurzen Moment fröstelte Nellja, als das kalte Wasser von außerhalb Fafnirs Umarmung gegen ihren Körper strömte, doch dann löste sie sich von ihm und schwamm das kurze Stück zum Ufer. Fafnir beobachtete ihre eleganten Bewegungen und spürte ein wohlbekanntes Prickeln in seinem Unterleib.

Oh ja, es wurde Zeit. Er wollte diese Drachin um sich spüren.

Etwas weiter vorne stieg Nellja aus dem Wasser. Ihre nassen Schuppen schimmerten im Mondlicht und in der kalten Luft schien ihr heißer Körper regelrecht zu dampfen. Während sie langsam und mit weit schwingenden Hüften aus dem See stieg, hob sie ihren Schwanz für ihn und warf ihm einen kecken Blick zu.

„Komm und hol mich …”

schien sie zu sagen und es fehlte nicht viel, dann würde das Wasser um ihn herum anfangen zu kochen. Fafnir leckte sich über die Lippen und kam ihr nach. Es kostete ihn immense Kraft, sich genug zurückzuhalten, um ihr nicht unverhohlen hinterher zu laufen.

Ihre blutrote Schönheit wartete am Ufer des Kratersees auf ihn. Sie hatte sich aufgerichtet und in Pose geworfen, ihre Flügel leicht entfaltet und mit jedem Atemzug stieß sie dichte Dampfwolken aus.

Fafnir war entzückt und als er langsam, wie ein schwarzer Schatten, aus dem See auftauchte, begann das von ihm triefende Wasser zu kochen. Sobald nur noch seine Pranken im kühlen Nass standen, peitschte er seinen Schwanz aggressiv hinter ihm hin und her. Er schüttelte sich kurz und entfaltete seine mächtigen Schwingen schlagartig, wobei er den letzten Rest des Sees von ihnen abwarf.

So aufgebauscht stand er da, der schwarze Dämon, der er war, nur wenige Schritte von Nellja am Ufer entfernt. Ihr schien zu gefallen, was sie sah, denn ihre weit aufgerissenen Augen leuchteten und sie grinste geradezu raubtierhaft. Ohne weiteres Zögern drehte sie ihm ihre Rückseite zu und kauerte vor ihm nieder.

Sie war mehr als bereit und Fafnir stand ihr in nichts nach.


Nachglühen

Einige Zeit später lagen sie eng umschlungen am Ufer des Kratersees. Fafnir hatte sich nach ihrer Vereinigung neben sie gelegt und sie sanft an seine Brust gezogen, sein rechter Flügel wie eine überdimensionale, schwarze Decke über ihr. Er grummelte leise und zufrieden und schmiegte seine Schnauze zärtlich an ihren Nacken, während Nellja noch damit beschäftigt war, das Erlebnis zu verarbeiten.

Ihre Paarung hatte länger gedauert als sie es erwartet, aber weniger lange, als Fafnir es sich gewünscht hatte. Nellja war einfach noch nicht bereit gewesen, sich voll und ganz auf Fafnirs Art einzulassen. Er hatte all die kleinen Dinge versucht, die er immer mit Emmy getan hatte, hatte an ihrem Nacken geknabbert, ihren Rücken und ihre Schultern sanft gestreichelt, hatte seine Krallen vorsichtig zum Einsatz gebracht, um sie weiter zu stimulieren, und ihren Hals mit seiner Zunge liebkost.

Es war nicht so, dass Nellja all dies nicht genossen hatte, ganz im Gegenteil, aber sie hatte nicht dieselbe Befriedigung und Lust daraus ziehen können, wie es Emmy getan hatte. Fafnir hatte sich schließlich eingestehen müssen, dass er mit Emmy einhundert Jahre Zeit gehabt hatte, um herauszufinden, welche Knöpfe er drücken musste, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten. Es war unfair, Nellja gegenüber zu erwarten, dass sie auf die gleichen Reize reagieren würde.

Am Ende hatten sie aber beide ihren Spaß gehabt, und der große, alte, schwarze Drache war in der Lage gewesen, seinem jüngeren Gegenpart zu zeigen, dass es bei einer Paarung auch um mehr gehen konnte, als darum, nur seinen Zweck zu erfüllen. Wobei sich Fafnir sehr sicher war, dass er seinen Zweck mehr als erfüllt hatte. Während der ganzen Zeit, in der die beiden Drachen stillschweigend am Ufer lagen, hörte er nicht auf, seinem kleinen Löffelchen Streicheleinheiten zu schenken und wurde dafür belohnt, indem sie immer wieder leise murrte und sich mit der Zeit immer weiter gegen seinen Brust kuschelte.

Faff lächelte, es fühlte sich so gut, so richtig an. Zärtlich zog er sie ein wenig fester gegen sich und atmete tief ein. Er spürte, wie sich Nellja leicht anspannte.

„Ich würde das gerne wiederholen.”

murmelte er leise und unterstrich seinen Wunsch, indem er zum wiederholten Male heute Nacht vorsichtig an ihrem Hals knabberte. So langsam glaubte er, die richtige Stelle gefunden zu haben, denn Nellja erschauderte und ihre Beine zuckten unwillkürlich.

„Hnnnn … ich auch …”

stimmte die blutrote Drachin zu und entspannte sich wieder. Sie nahm seine Pranken in ihre deutlich zierlicheren Pfoten und begann verlegen, an seinen Krallen zu spielen.

„Aber … aber du weißt, dass das nicht geht … nicht wahr?”

fragte sie schließlich leise, wobei ihre Stimme leicht zitterte und die Angst und die Zweifel darin deutlich hörbar waren.

„Hrrmmmpf …”

Fafnir schnaufte angestrengt und zog seine Vorderläufe enger um die jüngere Drachin. Sein Flügel schien sie nun wie ein Schutzschild vor der Welt abzuschirmen. Natürlich wusste er, dass er die Traditionen und Regeln der Klingenflügel nicht ändern konnte, und er konnte sie auch nicht einfach brechen. Er war alleine, und selbst wenn Nellja zu ihm halten würde — was alles andere als sicher war, denn immerhin war sie ein Teil dieses Clans — waren die Klingenflügel weit über einhundert Drachen. Eine Bestrafung würde schnell und sehr einseitig ablaufen.

„Natürlich weiss ich das.”

grummelte er schließlich in ihren Nacken, während er seine Umarmung wieder etwas löste.

„Was aber nicht heißt, dass ich damit einverstanden bin …”

fügte er flüsternd hinzu, während er mit seiner Pranke vorsichtig ihre Brust hinunter zu ihrem Bauch fuhr, wo sich wahrscheinlich bald ihre Nachkommen entwickeln würden.

Seine Nachkommen, die wahrscheinlich schon bald nach ihrem Schlüpfen zu Kriegern in den Reihen des Clans ausgebildet werden würden. Nellja schien seine Geste nicht entgangen zu sein, denn ihre Pfote legte sich sanft auf seine.

„Denk nicht zu viel darüber nach …”

gab sie leise zurück, wobei ihre Stimme ihren Unmut nicht zu verbergen vermochte. Fafnir nickte leicht und rieb dabei seine Schnauze an ihren Hörnern. Beide blieben noch eine Weile so zusammen liegen und genossen die Präsenz des jeweils anderen, bis Nellja sich schließlich ganz langsam in seiner Umarmung herumdrehte. Nun, da sie ihm zugewandt war, wirkte Fafnirs massiger Körper noch viel größer und sie würde ihren Hals recken müssen, um an seinen Kopf zu kommen. Stattdessen begann sie an den dicken, überlappenden Schuppen seines Halses zu nibbeln. Faff genoss die Zuwendung sichtlich und schmunzelte leise. Sein Hals reckte sich, je weiter Nelljas scharfe Zähne seine Kehle hinauf kletterten. So zog sich die jüngere Drachin, sichtlich befeuert, am Hals des älteren Drachen entlang, bis sie schließlich auch seinen Unterkiefer der Länge nach erreichen konnte. Sie kicherte wie ein Jungdrache, während sie sich Schuppe für Schuppe zu seiner Schnauze vorarbeitete und Fafnir wohlig knurrte.

Am Ende lagen sie Auge in Auge gegenüber und grinsten sich gegenseitig an.

„Du lernst schnell, mein kleiner Schmetterling.”

brummelte Fafnir und schielte seine Schnauze entlang in ihre roten Augen. Kleine Fältchen bildeten sich an ihren Augenwinkeln, als ihr Grinsen sich verbreiterte.

„Kleiner Schmetterling?”

fragte sie überrascht und Fafnir nickte.

„Du bist so flatterhaft.”

scherzte er und verdiente sich damit einen kleinen Nasenstüber von Nellja.

„Hmmm … lass uns eine Runde zusammen fliegen … ich möchte mich ein wenig bewegen.”

forderte sie in einem amüsierten Tonfall und drückte sich vorsichtig von ihm weg. Widerwillig ließ der große Drache sie gewähren und befreite sie aus seiner Umklammerung. Langsam entzog sich die blutrote Drachin Fafnirs Klauen und stand auf.

Sie ließ sich Zeit damit, sich ausgiebig und lasziv zu strecken. Ein Flügel nach dem anderen und ein Bein nach dem nächsten, bis sie schließlich — einer Katze gleich — ihren Rücken lang streckte und sowohl Hals als auch Schwanz so weit wie sie nur konnte reckte. All dies wurde durch ein entspanntes Stöhnen begleitet, mit dem die Drachin fast die gleiche Wonne auszudrücken vermochte wie mit dem, was sie noch vor kurzem während ihrer Paarung von sich gegeben hatte.

Fafnir hatte sich währenddessen auf seinen Ellbogen gestützt und beobachtete Nellja mit mehr als nur beiläufigem Interesse. Mit jeder ihrer geschmeidigen Bewegungen zuckte sein Schwanz schneller hin und her, während die Begierde in ihm zu neuen Höhenflügen ansetzte. Als sie sich schließlich zu ihm umdrehte und keck ihre Hüfte seitlich ausstellte, knurrte er sich freudig an. Sie grinste nur und kam die wenigen Schritte auf ihn zu.

„Ich weiß, dass dir das gefällt.”

eröffnete sie und schmiegte die Spitze ihrer Schnauze gegen seine.

„Aber wenn du es auch haben willst …”

fuhr sie fort und es lag ein Leuchten in ihren Augen, das Fafnir vorher noch nicht gesehen hatte. Beide fingen an zu grinsen.

„… dann musst du es erst fangen!”

beendete sie ihren Satz und leckte über seine Nase, bevor sie herumwirbelte und lauthals lachend davon rannte. Fafnir starrte ihr mit offenem Maul für einen Augenblick nach, regte sich aber nicht, der Schock saß zu tief. Nellja, die bereits einige Längen zwischen ihn und sich gebracht hatte, drehte sich nochmals um und streckte ihm ihre lange Zunge heraus.

„Was ist los, du alter Lurch, wird dir kalt oder was?”

neckte die flinke Drachin und als Fafnir laut knurrte und sich vom Boden erhob, quiekte sie laut und vergnügt, bevor sie wieder die Flucht ergriff und sich nach einigen weiteren Sprüngen in die Luft schwang.

Fafnir sah ihr nach und streckte sich. Sie würde jetzt nicht einfach davon fliegen, sie war noch nicht fertig mit spielen, dessen war er sich sicher. Er beobachtete ihre mühelosen Flügelschläge und wie sie enge Kurven um die Wipfel der Bäume flog. Sie war eine geschickte, elegante Fliegerin, wenn auch nicht so mühelos, wie Emmy es gewesen war.

Einmal mehr ertappte er sich bei dem Gedanken und tadelte sich selbst dafür, dass er immernoch dazu neigte, in der Vergangenheit zu leben.

Während er noch so mit sich selbst haderte, bemerkte er, dass der Mond mittlerweile auf seiner Bahn schon ein ganzes Stück weiter gezogen war und so langsam hinter dem Rand des Kraters versank. Die Schatten hier unten wurden dunkler und die Luft wurde merklich kälter. Er sah über den See, wo die junge Drachin ihre Kreise zog, und den dünnen Nebel, der sich in der Zwischenzeit über dem spiegelglatten Wasser gebildet hatte, aufwirbelte.

Das Lächeln auf Fafnirs Lippen wurde breiter, und er breitete entspannt seine Flügel aus. Seine Augen verfolgten seine ‘Beute’ und nachdem er tief Luft geholt hatte, kündigte er seine Jagd mit einem lauten, freudigen Brüllen an, in das Nellja kurze Zeit später einstimmte.

Der große, rabenschwarze Drache sprang vom Boden ab und mit einem Schlag seiner riesigen, ledernen Schwingen nahm der die Verfolgung auf.

Nellja, die noch immer dicht über der Wasseroberfläche ihre Schleifen zog, drehte mit einem erregten Schrei ab und begann hektisch an Geschwindigkeit zu gewinnen. Fafnir hetzte hinter ihr her und das für seinen Flug so charakteristische Pfeifen gewann an Lautstärke und Höhe, je schneller er wurde.

Es war wie eine Fortsetzung dessen, was sie zuerst gespielt hatten, nur dass die Geschwindigkeiten dieses Mal deutlich höher waren.

Die jüngere Drachin flog über die Bäume, die die Hänge des Kraters bedeckten und lachte dabei vergnügt. Sie wich den einzelnen, höheren Kronen aus und flog enge Manöver, damit der deutlich schwerere und ungelenke Drache hinter ihr sie nicht so schnell fangen konnte.

Fafnir war ihr dicht auf den Fersen und nutzte den Vorteil, dass er hinter ihr flog und somit besser auf ihre Eskapaden reagieren konnte. Auch er lachte, aber sein Lachen war rauer, dunkler und irgendwie durchtriebener. Es hörte sich an, als wäre er wirklich auf der Jagd und seine Beute war fast in Reichweite.

„Gleich habe ich dich, kleiner Schmetterling!”

rief er laut und schnappte verspielt nach Nelljas Schwanz, verfehlte ihn jedoch. Absichtlich wie er sich selbst einredete. Die blutrote Drachin quietschte aufgeregt und schlug hektisch mit ihren Flügeln, flog enge Schleifen und versuchte an Höhe zu gewinnen. Ihr Verfolger, nicht in der Lage, ihr direkt zu folgen, war gezwungen, einen weiten Bogen zu fliegen und seine Verfolgung aufs Neue zu beginnen.

„Gut geflogen!”

rief er laut und wurde mit schallendem, nur leicht verletzenden Gelächter belohnt, das hoch über ihm von den Kraterwänden wiederhallte.

„Danke, aber ich würde meine Flügel an einen Kobold abgeben, wenn du mich in der Luft fangen könntest!”

rief Nellja zurück, deren Silhouette über ihm in den dünnen Wolken ihre Kreise zog. Fafnir knirschte mit den Zähnen. Die Spitze hatte gesessen, und für einen Moment lang dachte er darüber nach, ob er sie wirklich fangen wollte, oder ob es tatsächlich nur ein Spiel war. Ein Spiel, das er zum zweiten Mal in dieser Nacht verlor.

„Hast du schon aufgegeben, alter Lurch?”

Die Frage wurde mit einem etwas zu spöttischen Lachen untermalt und Fafnir schüttelte den Kopf. Nein, er hatte noch nicht aufgegeben, ganz und gar nicht.

Mit einem lauten Brüllen, dessen gutturale Qualität seine Frustration in die kalte Nachtluft trug, nahm der kohlenschwarze Drache die Verfolgung erneut auf. Mit mächtigen Flügelschlägen beschleunigte er und stieg in die dünnen Nebelschwaden auf, in denen sich sein Ziel versteckte. Ihr aufgeregtes Quietschen spornte Fafnir nur weiter an. Während er an Höhe und Geschwindigkeit gewann, schwoll das -für seinen Flug so charakteristische- Pfeifen wieder an und er folgte dem hysterischen Lachen der jungen Klingenflügel-Drachin.

Sie umkreisten einander in einer engen Spirale, bei der Nellja immer in der Lage war, den älteren, erfahreneren Drachen auszumanövrieren. Wann immer Fafnir eine enge Kurve flog um ihr den Weg abzuschneiden, schlug sie einen schnellen Haken, wann immer er glaubte, in ihrem Windschatten zu sein, ließ sie ihn ins Leere laufen. Sie schien so sicher in ihrer Überlegenheit, dass sie sich auf leichtsinnige Manöver einließ, die Fafnir nur zu einfach durchschaute. Sie flog dicht über die Wipfel der Bäume, wo sie nur nach oben ausweichen konnte, näherte sich so nah der Kraterwand, dass sie nur noch eine Richtung hatte in der sie fliehen konnte.

„Du kriegst mich nie!”

grinste sie über ihre Schulter hinweg, nur um zu sehen, dass er einmal mehr ganz dicht zu ihr aufgeschlossen hatte, woraufhin sie überrascht kreischte und hart nach oben zog. Fafnir hatte das jedoch vorhergesehen und gleichzeitig den Kurs gewechselt. Er schaffte es, sie geradeso am Schwanz zu berühren und lachte seinen Triumph in die Nacht hinaus.

„Hab ich dich, mein Schmetterling.”

rief er, während er versuchte, mit der geschickteren Fliegerin mitzuhalten, deren Frust sich in einem kurzen Feuerstoß entlud. Die Flamme verzehrte sich in der dünnen Luft allerdings schnell selbst und abgesehen von einem Schwall heißer Luft und ein wenig Gestank blieb nichts übrig.

Nelljas Frust hingegen war sichtlich beständiger. Sie war noch etwas weiter in die Höhe gestiegen und dann in einen ruhigeren Gleitflug übergegangen, während Fafnir eine Position neben ihr einnahm. Als er zu ihr herüber sah, konnte er ihren verbissenen Gesichtsausdruck erkennen und den stetigen Strom aus gemurmelten Flüchten hören, den sie von sich gab und der nur teilweise vom Wind weggerissen wurde.

„Also, nur damit wir uns da einig sind: meinetwegen musst du deine Flügel jetzt nicht an einen Kobold abgeben.”

neckte der schwarze Drache, aber Nellja sah ihn nur mit einer Mischung aus Zorn und Frustration an. Also atmete Fafnir tief durch und lächelte einfach nur zurück

„Nun sei nicht traurig, man kann nicht immer gewinnen.”

Sein Kommentar wurde nicht wirklich gut aufgenommen, denn die junge Drachin ballte ihre Pfoten und ihr ganzer Körper schien vor Zorn und Anspannung zu beben.

„Nicht zu gewinnen, heißt zu verlieren. Zu verlieren heißt zu sterben. Und ich darf nicht verlieren!”

schrie sie, wobei er sich nicht sicher war, ob ihr Zorn sich gegen ihn oder vielleicht doch eher gegen sie selbst richtete. Faff wollte gerade etwas sagen, als sie noch einmal zu ihm hinüber sah. Ihre Augen funkelten in der Dunkelheit und ihre Zähne waren gefletscht.

„Gerade du, von allen Drachen, solltest es am besten wissen. Wer verliert, stirbt!”

knurrte sie und er hörte ihre Worte weniger, als er sie spürte. Das, was sie sagte, schmerzte mehr, als er zugeben wollte. Er wollte zurück brüllen, wollte ihr an ihren Kopf werfen, dass er sehr wohl wusste, dass einen Kampf zu verlieren unter bestimmten Umständen den Tod nach sich zog. Als er ansetzte, wusste er jedoch, dass dies nicht bringen würde, denn Nellja war sehr wahrscheinlich von klein auf so erzogen worden. Ihre Lehrer hatten es ihr so lange eingebläut, bis sie es nicht mehr in Frage stellte.

Stattdessen schluckte er seinen Stolz herunter, schloss kurz die Augen und versuchte, sich zu beruhigen. Als er sie wieder öffnete, war seine Empörung einer eher väterlichen Resignation gewichen und er flog ein wenig dichter an Nellja heran.

"Ja, ich weiß was es heißt, zu verlieren. Ich habe mein ganzes Leben lang immer nur verloren; und wenn ich mal etwas gewonnen habe, so hat man es mir wieder weggenommen.”

begann er und seine Stimme war ruhig, leise und gelassen. Als Nellja schon antworten wollte, setzte er jedoch nach.

„Aber jedes Mal, wenn ich verloren habe, habe ich etwas gelernt. Ich habe gelernt, dass meine Mutter nicht immer Recht hatte. Ich habe gelernt, dass sein Herz zu verlieren der größte Gewinn sein kann, den es gibt. Ich habe gelernt, dass meine Freiheit aufzugeben die beste Entscheidung war. Und ich habe gelernt, dass zu lieben auch bedeutet, dass man loslassen können muss.”

erklärte er ruhig und sah, wie Nellja wieder zu einer Antwort ansetzte, dann aber abbrach. Sie drehte ab und flog über den See, während Fafnir einen Moment lang nachsah, unsicher, ob er ihr ein wenig Zeit lassen sollte, oder ob es vielleicht besser war, ihr nachzufliegen. Er schloss die Augen und fluchte in sich hinein, bevor er schließlich doch abdrehte und ihr folgte. Die jüngere Drachin flog langsam und tief über die spiegelglatte, dunkle Wasseroberfläche. Hin und wieder nahm sie Schleifen, aber es wirkte unmotiviert und freudlos. Er näherte sich langsam, hielt einen Moment lang Abstand, bevor er sich wieder neben ihr positionierte. Er sah, wie verbissen sie die Lippen aufeinander presste und er glaubte, den feuchten Hauch von Tränen auf ihren Schuppen zu sehen.

„Nellja …?”

fragte er leise und flog näher an sie heran, aber sie explodierte förmlich, noch bevor er weiterkam.

„Denkst du, das weiß ich nicht? Denkst du, es tut nicht jedes Mal aufs Neue weh, wenn sie mir meine Schlüpflinge wegnehmen?”

Dieses Mal schrie sie wirklich und die Lautstärke ihres Ausbruchs schockierte ihn regelrecht. Seine empfindlichen Ohren schmerzten und er wich ein gutes Stück zurück, aber er wollte es nicht darauf beruhen lassen.

„Natürlich weiß ich das Nellja.”

gab er vorsichtig zurück, während er nach Anzeichen eines weiteren Ausbruchs Ausschau hielt.

„Schon allein deswegen darf ich nicht verlieren!”

antwortete Nellja, zwar immer noch laut, aber längst schon nicht mehr so ohrenbetäubend, woraufhin Fafnir nickte.

„Das verstehe ich, aber du hast doch gar nicht verloren.”

erwiderte er leise und sah mit hochgezogenen Brauen zu ihr hinüber, während sie eine weitere Schleife flogen. Nellja ballte ihre Pfoten, aber sie sah ihn nicht an. Das Einzige, was er vernahm, war das frustrierte Mahlen ihrer Kiefer.

„Doch, ich habe verloren, du hast mich gefangen. Ich war nicht gut genug.”

presste sie schließlich zwischen ihren Zähnen hervor und steuerte den Rand des Kessels an. Faff schüttelte derweil ungläubig den Kopf.

„Ja, du hast gegen mich in einem freundschaftlichen Spiel verloren. Ich habe dich einmal erwischt. Und jetzt? Ich habe nur gewonnen, weil ich deutlich erfahrener bin als du, und weil ich eine gewisse, recht würmelige Jungdrachin zum üben hatte.”

rief er ihr nach, während er zusah, wie sie die Distanz zwischen ihnen vergrößerte. Dieses Mal war er sich nicht ganz so sicher, ob er ihr folgen sollte. Vielleicht war es besser, ihr ein wenig Zeit zu lassen, damit sie ihrem Frust Luft verschaffen konnte. Ihm half das meistens.


Gedankenspiele

Er gab einen leisen, frustrierten Laut von sich und drehte ab. Während Nellja die Hänge zum Kraterrand erklomm, flog Fafnir weiter enge Kreise über dem See und jedes Mal, wenn er wieder in ihre Richtung kam, sah er nach ihr.

Die junge Drachin war inzwischen ganz oben auf dem Rand gelandet und saß nun da, mit dem Rücken zu ihm. Mit jeder neuen Runde wurde das Verlangen, zu ihr zu fliegen, größer. Er hasste es, so etwas Wichtiges ungeklärt zu lassen.

„Man sollte sich nie im Streit trennen, denn man weiß nie, ob man sich noch einmal lebend wiedersieht.”

Das hatte ihm mal ein deutlich intelligenterer Drache gesagt und nachdem er darüber nachgedacht hatte, hatte er ihm zugestimmt. Gleichzeitig durfte er ihr nicht zu früh folgen, denn sonst hätte sie nicht genug Zeit, selbst nachzudenken. Andererseits durfte er auch nicht zu lange warten, sonst würde sie vielleicht einfach davonfliegen.

Widerwillig flog Fafnir noch zwei Schleifen, wobei er die letzte bereits deutlich schneller nahm, bevor er schließlich in Nelljas Richtung aufbrach.

Sie saß noch immer hoch oben auf dem Rand des Kraters, ihre Flügel so eng um ihren Körper geschlungen, dass sie kleiner aussah, als sie eigentlich war. Außerdem hatte sie zusätzlich ihren Kopf zwischen ihre Schultern gezogen und den kurzen Schwanz fest um sich gewickelt. In dieser Position wirkte sie wie eine dieser Gargoyle-Statuen, die die Menschen auf ihre Prunkbauten setzten. Sie rührte sich auch dann nicht, als Fafnir vorsichtig und langsam näher kam und für seine Verhältnisse behutsam und einige Schritte von ihre entfernt landete. Erst blieb er stehen und faltete dann seine Flügel langsam gegen seinen Rumpf, bevor er einen vorsichtigen Schritt auf die blutrote Drachin zuging.

„Was ist? Willst du noch mehr Salz in die Wunde streuen?”

knurrte Nellja leise, sah ihn jedoch nicht an. Faff schüttelte langsam den Kopf und legte ihn dann ein wenig schief.

„Es war nie meine Absicht, dich in irgendeiner Form zu verletzen.”

antwortete er, bevor er sich mit genügend Abstand – um sie nicht direkt zu bedrängen – hinsetzte und in die Ferne sah.

„Hör mal …”

begann er leise, wobei er sich selbst nicht wirklich sicher war, ob der väterliche Ton, den er anschlug, wirklich der richtige für diese Situation war.

„… wir haben gespielt; was hätte ich denn tun sollen? Hätte ich dich entkommen lassen, wäre es auch falsch gewesen. Wenn du es wirklich hättest verhindern wollen, dann hätte ich dich nie fangen können, meinst du nicht auch?”

erklärte er leise und wartete auf eine Reaktion von Nellja. Als diese nicht kam, fuhr er fort.

„Wenn ich dich nicht gefangen hätte, dann hätte ich wiederum verloren. Dann wäre ich in deinen Augen schwächer gewesen. In deinem Clan, in deiner Gesellschaft zählt Stärke mehr als alles andere, ist es nicht so?”

Er hörte das leise Rascheln, als die jüngere Drachin nickte.

„Wenn ich also verloren hätte, schwächer gewesen wäre, dann wäre ich in deinen Augen nicht mehr so respektabel gewesen, kein guter Fang.”

Dieses Mal blickte er zu ihr hinüber und sah, wie sie nickte. Er lächelte leicht, bevor er weitersprach.

„Ich verstehe voll und ganz, dass du nicht verlieren willst, und ich verstehe, dass zu verlieren oftmals den Tod bedeutet, aber du hast nicht in einem Kampf verloren, nicht gegen Menschen. Du hast bei einem Spiel zwischen Liebenden verloren, gegen einen Drachen, den du nur kurz zuvor bei exakt demselben Spiel geschlagen hast.”

erklärte er in demselben leisen, fürsorglichen Ton, den er immer genutzt hatte, wenn er Tyria etwas erklärt hatte. Neben ihm zog Nellja ihre Flügel enger um sich und er konnte die tiefen, kontrollierten Atemzüge hören, als sie verzweifelt versuchte, keine Regung zu zeigen.

„In einem Spiel mit deinem Partner heißt zu verlieren nicht zwingend, dass man wirklich verliert, oftmals ist genau das Gegenteil der Fall. Ich habe auch verloren und danach hatten wir eine Menge Spaß, oder nicht?”

fragte er und drehte sich langsam zu ihr um. Es dauerte einen Moment, aber dann nickte Nellja; einmal, aber die Bewegung war deutlich zu sehen. Gleichzeitig erwischte er sie, wie sie ihn aus dem Augenwinkel ansah. Fafnir lächelte, öffnete seine Flügel leicht und hob seine Vorderläufe in einer einladenden Geste.

„Nun komm schon her.”

lud Fafnir sie ein und nachdem sie ihn noch einen Moment lang angesehen hatte, stand Nellja tatsächlich auf und kam die wenigen Schritte zu ihm hinüber. Der schwarze Drache empfing sie in seiner warmen Umarmung und als er seine Flügel um sie beide schloss, wirkte es fast, als würde ein Schatten die kleinere, blutrote Drachin verschlucken.

Er hatte seine Flügel noch nicht ganz geschlossen, als Nellja sich bereits fest an seine Brust gekuschelt hatte. Sie war heiß und die Art und Weise, wie sie sich an ihn klammerte, erinnerte ihn an seine Tochter. Sie atmete schwer und ließ sich ebenso schwer gegen ihn sinken. Fafnir hielt sie fest, legte vorsichtig seinen Kopf auf ihre Schulter und lauschte ihrer Atmung.

„Es ist in Ordnung.”

flüsterte er leise und wartete auf das unausweichliche Seufzen. Er musste nicht lange warten, bis Nellja zitternd einatmete, während er zärtlich ihren Rücken streichelte.

„Lass es raus, du musst dich mir gegenüber nicht zurückhalten. Mir gegenüber darfst du ehrlich sein, darfst du schwach sein, denn ich bin für dich da.”

fügte er leise grummelnd hinzu und spürte, wie Nellja sich fester an ihn klammerte und ihren Kopf in seiner Brust vergrub. Fafnir konnte nicht anders, als zu lächeln. Sie war jünger als er, ja, aber sie war mit Sicherheit schon drei oder vierhundert Jahre alt.Trotzdem war die Drachin, die er in seiner Umarmung hielt, nicht viel mehr als ein Schlüpfling. Sie musste noch so viel lernen. Die Indoktrination ihres Clans hatte eine fähige Kämpferin hervorgebracht, die sich in jeder Schlacht behaupten konnte, die überlebte, wo andere scheiterten. Dennoch war sie auch eine Drachin, bei der es an so vielen anderen Fronten mangelte. Iria hatte Recht behalten: mit Nellja hatte er sich ganz schön was vorgenommen, wenn er sie wirklich als seine Gefährtin haben wollte.

„Ich … ich sollte gehen …”

murmelte Nellja schließlich in seine Brust, aber Fafnir war sich nicht sicher, ob er sie wirklich jetzt gehen lassen wollte. Sie hielt sich noch einen Moment länger an ihm fest, hob dann aber ihren Kopf; langsam, bis sie ihn auf seine Schulter legen konnte. Sie seufzte noch einmal tief und ließ dann los, aber er zögerte, unwillig seine Umarmung zu lösen oder seine Flügel zu öffnen. Der große Drache grummelte und zog zärtlich seine Flügel enger um sie.

„Hey …”

protestierte sie mit einem unwillkürlichen Lächeln, bevor sie sich dann dennoch sachte, aber mit Nachdruck von ihm wegschob. Faff ließ sie gewähren. Er wusste, dass es keinen Sinn hatte, sie gegen ihren Willen festzuhalten, es würde sie im Zweifelsfall nur weiter von ihm wegdrängen. Sie verließ den Schutz seiner Flügel und blieb ein paar Schritte von ihm entfernt stehen, ihre Augen feucht, aber das Lächeln auf ihren Lippen wirkte echt. Fafnir seinerseits blieb sitzen und legte den Kopf leicht schief.

„Besser?”

fragte er leise und wurde mit einem Nicken belohnt. Ein entspanntes, erleichtertes Lächeln schlich sich auf seine Lippen, während Nellja ihre Flügel neu ordnete und ihr Schwanz leicht hin und her wedelte. Als sie damit fertig war, sich neu zu sortieren, trat sie noch einmal an ihn heran.

„Erm … es ist nicht so, dass ich nicht lieber bleiben würde …”

begann sie und Faff nickte.

„… aber ich bin schon viel zu lange weg. Die anderen werden Fragen stellen.”

fuhr sie fort und scharrte verlegen mit ihren Krallen im harten Untergrund.

„Soll ich mit dir kommen? Ich könnte versuchen, es zu erklären.”

bot Fafnir an, aber Nellja schüttelte energisch den Kopf.

„Bei den hohen Himmeln, nein!”

sagte sie und unterstrich ihre Aussage mit einem weiteren Kopfschütteln.

„Wenn du jetzt einfach mitkämst, würden sie dich wahrscheinlich angreifen. Kein fremder Drache sollte sich einfach so dem Clan nähern, das wäre lebensmüde.”

erklärte sie und sah ihn ernst an. Fafnir nickte langsam. Er wusste bereits, dass die Klingenflügel nicht immer ‘gastfreundlich’ waren. Also schob er seinen Kopf langsam nach vorne, bis seine Nasenspitze ihre berührte.

„Dann versprich mir, dass du vorsichtig bist, denn ich würde dich gerne wiedersehen.”

brummelte er und sah ihr tief in die roten Augen. Nellja grinste und stupste seine Nase.

„Ich werde vorsichtig sein. Immerhin werde ich wieder Mama.”

sagte sie und bemühte sich, fröhlich zu klingen.

„Wenn ich zurückkehre, werde ich auch mit den Ältesten sprechen. Vielleicht kann ich einen Besuch arrangieren.”

fügte sie hinzu, trat näher und schmiegte sich noch einmal entlang seines Halses und Nackens. Fafnir murrte genüsslich und erwiderte die Geste.

„Ich werde hier auf dich warten.”

murmelte er leise, aber die junge Drachin lehnte das Angebot ab.

„Nein, ich will sehen, wie du lebst. Ich werde dich in deinem Hort besuchen. Nein, keine Widerrede, ich bestehe darauf.”

bestimmte sie mit erstaunlich fester Stimme und um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, biss sie ihm in die Schulter. Der große, schwarze Drache zuckte nicht einmal, sondern lachte nur.

„Sehr gut, so gefällst du mir.”

gab Fafnir zurück und löste sich wieder von ihr. Nellja ließ ihn gewähren und zog ihrerseits den Kopf zurück. Ihre Augen leuchteten mit neuem Elan und Fafnir nickte anerkennend.

„So sei es denn, Nellja von den Klingenflügeln. Ich muss zugeben, der Abschied fällt mir schwer, aber ich hoffe auf ein baldiges Wiedersehen.”

Es klang selbst für seine Ohren geschwollen, aber es war die Wahrheit. Nellja ihrerseits beugte schließlich ihr Haupt dem größeren Gegenüber.

„Es war mir eine Ehre, Fafnir, Ruin der Königreiche, und auch ich hoffe auf ein Wiedersehen.”

antwortete sie mit einem Lächeln, das Fafnirs Herz stolpern ließ. Nun war es an ihm sein Haupt zu senken, allerdings nicht so tief, wie es Nellja getan hatte.

„Mögen die Winde dich schnell nach Hause tragen und noch schneller wieder zu mir.”

sagte er, als beide ihre aufrechte Position wieder eingenommen hatten.

„Mögen deine Schwingen stets Aufwind haben.”

antwortete sie und noch bevor er etwas sagen oder tun konnte, hatte sie ihm neckisch über die Schnauze geleckt und war lauthals lachend wieder davon gesprungen.

„Dieses Mal kriegst du mich nicht!”

rief sie, während sie ihre Flügel aufspannte und sich hinauf in die Luft schwang. Fafnir blinzelte, einmal, zweimal, und brach dann selbst in lautes, freudiges Lachen aus.

„Nein, dieses Mal werde ich dich nicht kriegen, aber das nächste Mal, da wirst du mir nicht mehr entkommen!”

rief er ihr nach und schickte ein lautes Brüllen hinterher, dessen Echo sich mit ihrem Ruf vermischte.

Er sah ihr noch eine Weile nach, bis ihre dunkle Silhouette hinter dem nächsten Gipfel verschwand, dann atmete er tief durch. Etwas regte sich in ihm und es fühlte sich gut an. Vielleicht war es Hoffnung, vielleicht auch der Glaube an eine bessere Zukunft, aber vor allem war es Freude! So sehr ihn ihre kleine Auseinandersetzung auch aufgeregt hatte, so glücklich war er, dass er sich auf dieses Treffen eingelassen hatte. Auch wenn es vielleicht wirklich nie zu einer langfristigen Verbindung zwischen ihnen kommen würde, so würde er doch jedes ihrer Treffen in seinem Herzen behalten.


Der Weg in eine (bessere) Zukunft

„Auf, auf, alter Lurch …”

spornte er sich selbst an. Es gab hier nichts mehr zu tun für ihn und der Flug nach Hause war weit. Wenn er nicht hierbleiben wollte, so würde er sich jetzt auf den Weg machen müssen. Langsam drehte er sich um, orientierte sich anhand der ihn umgebenden Berggipfel, und als er seine Richtung gefunden hatte, entfaltete er seine Flügel und streckte sich noch einmal genüsslich. Es gab keinen Grund zur Eile.

Wie um zu prüfen ob sie noch funktionierten, schlug er ein paar mal mit den Flügeln, bevor er schließlich mit einem Satz vom Kraterrand abhob und sich auf den Weg in Richtung seines Heimatberges machte. Er eilte sich nicht besonders, aber er wollte auch nicht trödeln, weswegen er auch das Dorf in dem Tal, über das er schon auf dem Hinweg geflogen war, nicht dem Erdboden gleich machte. Er redete sich ein, dass sie sowieso wiederkommen würden und dass er das Unvermeidliche nur ein wenig hinausschöbe. Außerdem war er müde und wollte seine selten gute Laune nicht unbedingt mit Menschen verderben.

So flog er still über die Gipfel der Drakensberge und genoss die eisige Nachtluft, die durch seine Schuppen pfiff. Immer wieder erwischte er sich, wie er laut kicherte, während er an Nellja dachte. Sie hatte einen bleibenden Eindruck bei ihm hinterlassen, und das war gut so.

Der Himmel über ihm war sternenklar, eigentlich eine perfekte Nacht, aber zum ersten Mal seit Emmys Tod, verspürte er nicht den Drang, zu ihr zu sprechen. Er sah auf zu den Sternen, die am Firmament funkelten, und er fand Emmys Stern fast auf Anhieb. Er lächelte leise in sich hinein, denn nun musste er sie nicht mehr um Erlaubnis fragen oder sich ihren Segen holen, für das, was er tat.

„Nicht mehr …”

flüsterte er und der Wind trug seine Worte davon.

Fafnir fühlte sich leicht, beschwingt sogar. Diese Nacht, auch wenn sie nicht so gelaufen war, wie er es sich vielleicht gewünscht hatte, hatte eine Last von ihm genommen, von der er vorher gar nicht gewusst hatte, dass sie überhaupt auf seinen Schultern gelastet hatte. Wobei, das war nicht ganz richtig. Er war sich sehr wohl bewusst gewesen, dass er so sehr an ihr gehangen hatte, dass er nicht wirklich in der Lage gewesen war, sich weiterzuentwickeln. Es war das erste Mal seit einer – gefühlten – Ewigkeit, dass es ihm so vorkam, als hätte er einen entscheidenden Schritt in die richtige Richtung getan.

Nach einer Weile des Fliegens erkannte er weiter vorne schon die Ausläufer der Gebirgskette, in denen er seine Höhle bezogen hatte. Bald würde sein Tag ein Ende finden und irgendwie freute er sich darauf, es sich in seinem Hort gemütlich zu machen. Natürlich wäre es schöner gewesen, nicht allein zu seinem Hort zurückzukehren, aber was nicht war, konnte ja noch werden.

„Bald …”

versuchte er sich einzureden und dachte an Nelljas Versprechen, mit ihren Ältesten zu sprechen. Es kribbelte in seinem Bauch bei dem Gedanken daran, dass vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft wieder mehr als ein Drache diese Höhle bewohnen würde. Dieses schöne, warme Gefühl beflügelte den schwarzen Drachen und er ertappte sich dabei, wie er schneller flog.

Je früher er zu Hause war, desto früher würde er schlafen und desto schneller würde es Morgen werden.

So schlugen seine Flügel schneller und der Wind pfiff schriller durch seine Schuppen, während Fafnir die letzten schneebedeckten Gipfel überflog, die ihn noch von ‘seinem’ Berg trennten.

Sein Blick schweifte nach unten, in das weitläufige Tal mit seiner fruchtbaren Ebene und den saftigen Wiesen. Sie hatten sich nach seiner Verwüstung schnell wieder erholt. Wie nach einem großen Waldbrand hatte die Natur ihren Vorteil aus der Zerstörung gezogen und war gestärkt daraus hervorgegangen.

Andererseits waren sie schon immer fruchtbar gewesen; es war einer der Gründe gewesen, warum Emmy und er mit ihrem Hort hierher gezogen waren. Nicht nur hatten die Menschen den Weg noch nicht bis in dieses Tal gefunden, sondern hatten die Wälder und Wiesen auch ein reichhaltiges Angebot an Beute bereitgehalten.

Aber so, wie es überall sonst auch war, hatte die Idylle keinen Bestand gehabt, denn die Menschen waren ihnen alsbald gefolgt, und mit ihnen der Tod.

Er hatte damals in seiner unbändigen Wut beinahe das ganze Königreich in Schutt und Asche gelegt, hatte die Siedlungen der Menschen niedergebrannt und diese Emporkömmlinge nahezu ausgerottet. Nur die, die es über die Grenzen des Reiches geschafft hatten, waren entkommen.

Er war gnadenlos gewesen, und das hatte ihm einige seiner weniger schmeichelhaften Titel eingebracht.

Aber so wie die Natur, die sich schon bald nach dieser Zerstörung die Ebenen zurückerobert hatte, so waren auch die Menschen nicht lange ferngeblieben.

Während er über die Ebene flog, sah er die kleinen Dörfer und Siedlungen, die Aussiedlerhöfe und Felder, die sie wieder angelegt hatten. Noch war es nichts, was Nellja oder ihm in irgendeiner Form gefährlich werden konnte, aber wer konnte schon wissen, wie lange das noch so bleiben würde.

Dennoch ging ihm der Gedanke durch den Kopf, dass er sich vielleicht noch einmal darum würde kümmern müssen, bevor er ein weiteres Mal versuchte, eine Familie zu gründen.

„Wahrscheinlich. Aber nicht jetzt.”

brummelte er und richtete seinen Blick auf seinen Berg. Bald war er daheim, wo ein bequemes Nest auf ihn wartete, das zwar noch kalt war, aber vielleicht würde sich das bald ändern. Er gähnte ausgiebig, während er das letzte Stück des Weges flog. Völlig unbemerkt blieb dabei jedoch das flackernde, schwache Licht, das sich langsam den Berghang hinauf zu seiner Höhle bewegte.

Am Plateau vor dem großen Höhlenportal ging der schwarze Dämon mit einem dumpfen Aufprall nieder und schlug noch zweimal mit den Flügeln, bevor er sie schließlich gegen seinen massigen Körper faltete. Er grinste und rief scherzhaft:

„Schatz, ich bin wieder da.”

und als wie erwartet keine Antwort kam, setzte er nach,

„Nun schmoll nicht, ich habe dir gesagt, ich bleibe länger weg.”

Und brach dann in entspanntes Lachen aus. Fafnir schüttelte seinen Kopf und betrat langsam seine Höhle. Auch wenn er immer noch Augen und Ohren offen hielt und die Luft seines Zuhauses schnupperte, falls sich in der Zwischenzeit jemand hier breit gemacht hatte, so war er dieses Mal nicht so gründlich wie sonst. Sein Nest rief nach ihm und er folgte diesem Sirenengesang bereitwillig.

Im Vorbeigehen schob er noch eben zwei große Holzscheite in die Feuergrube und entzündete sie mit seinem Drachenfeuer. Die Flammen erhellten die zentrale Höhle mit ihrem lustigen Tanz und fast augenblicklich wurde es deutlich wärmer in dem großen Raum. Zufrieden nickend legte sich der große, schwarze Drache neben der Feuerstelle hin und rollte sich eng zusammen. Im Schein der Flammen leuchteten Fafnirs Schuppen kupfern, und nachdem er dem Flackern des Feuers ein wenig zugesehen hatte, schloss er seine Augen.

Es dauerte nicht lange, dann war das ruhige, tiefe Atmen eines schlafenden Drachen zu hören.


Konzept und Idee von

El Poyo Diabolo

Geschrieben von

El Poyo Diabolo

Charaktere von

El Poyo Diabolo

Editiert von

Bordox

&

El Poyo Diabolo

Veröffentlicht von

El Poyo Diabolo

Ungeladene Gäste

Es war dunkel in der Höhle, deren einzige Lichtquelle ein bereits fast vollständig herunter gebranntes Feuer war und einzig dessen Glut warf noch ein schwaches, rotes Leuchten in den großen, offenen Raum, wo es die Umrisse eines schlafenden Riesen beleuchtete. Die Stille in dieser Höhle wurde nur durch das Geräusch seines langsamen, aber stetigen Atmens unterbrochen.

Fafnir, der schwarze Dämon, der Todbringer, der Ruin der Königreiche, lag eng in seinem Nest zusammengerollt, die Gliedmaßen an den Körper herangezogen und den Schwanz fest um sich gelegt. Seine Flügel hatte er wie eine Decke über sich ausgebreitet und über seine Augen gezogen, schirmte sich damit vor dem Chaos ab, das um ihn herum herrschte. Ein Chaos, das im schwachen Licht zwar kaum zu sehen war, von dem der Schlafende aber sehr wohl wusste, dass es existierte. Jahre des Neglects und der Ignoranz, hatte die einst wohnliche Höhle zu einem Hort verkommen lassen, dem sich der große Drache eher früher als später einmal annehmen sollte, aber es gab noch keine Eile, noch nicht. Seine zukünftige Gefährtin, wenn es denn überhaupt soweit kam, würde noch nicht am nächsten Tag vor seiner Höhle landen. Er hatte also noch Zeit, sein Domizil wieder vorzeigbar zu machen. Für den Moment schlief er den Schlaf der Gerechten.

Draußen, vor der Höhle, war es noch dunkel, die Nächte waren lang und kalt in dieser Jahreszeit. Die Sonne versank schnell hinter den hohen Bergkuppen und sie blieb lange hinter ihnen verborgen, bevor sie sich wieder auf der anderen Seite hervor traute. Der Schnee war noch nicht gefallen, zumindest im Tal, aber er würde nicht mehr lange auf sich warten lassen. Nicht, dass ihm dies etwas ausmachte; er war größtenteils immun gegen die Kälte und die Dunkelheit störte einen Drachen sowieso nicht, allerdings war das alles für den Moment irrelevant; seinem Körper verlangte es nach Schlaf und Erholung. Die vorhergehende Nacht hatte ihn doch ziemlich ausgelaugt und er war doch nicht mehr ganz so jung und ausdauernd, wie er dachte.

Das Treffen mit der Klingenflügel-Drachin Nellja, hatte ihn doch ziemlich gefordert, auf eine gute Art und Weise. Fafnir hätte sie gerne mitgenommen, hätte ihr ein neues Zuhause gegeben, eines, in dem sie so viel mehr war, als nur eine unter Vielen, aber die junge Drachin hatte abgelehnt, hatte Pflichten gegenüber ihrem Clan. Er hatte widerwillig klein beigegeben, sie aber erst ziehen lassen, nachdem sie ihm versprochen hatte, ihre Ältesten um Erlaubnis zu bitten, ihn zu besuchen.

So lag er nun vorerst noch allein in seinem Nest, das sich – spätestens seit Tyrias Auszug – wieder schrecklich groß und furchtbar einsam anfühlte. Trotzdem schlief er das erste Mal seit langem wieder gut. Es plagten ihn keine Albträume und er wurde auch nicht einfach so immer wieder wach, weil sein Unterbewusstsein ihm sagte, dass da irgendeine Gefahr auf ihn lauerte. Fafnir schlief ruhig, entspannt und summte sogar hin und wieder zufrieden in seinen Träumen, die sich um die letzte Nacht und seine potentielle neue Gefährtin drehten.

Ein Drache überlebte allerdings keine Jahrhunderte, indem er tief und fest schlief. Die meisten Drachen – so auch Fafnir – hatten sich im Laufe der Zeit einen sehr leichten Schlaf angewöhnt und so riss ihn das leise, aber charakteristische Knirschen von losem Split unter schweren Stiefeln aus seinen Träumen. Noch ehe er ganz wach war, war er bereits auf den Beinen und seine Nase und Ohren arbeiteten auf Hochtouren. Er drehte sich so lautlos wie möglich in Richtung des Höhleneingangs, richtete seine Augen und Ohren in die Richtung, aus der die Geräusche gekommen sein mussten und lauschte mit angehaltenem Atem in die Stille.

Und tatsächlich hörte er wieder die schweren Schritte vom Eingang her hallen. Als die Geräusche einen Augenblick später wieder verstummten, musste sich Fafnir zurückhalten, um nicht einfach nach vorne zu stürmen und den Eindringling zu konfrontieren, denn er wusste nur zu gut, dass es immer ein großer Fehler war, die Menschen zu unterschätzen.. Es mochte sich für den Moment nur nach einem dieser zerbrechlichen Emporkömmlinge anhören, das hieß aber nicht, dass da nicht noch mehr waren, die nur darauf warteten, dass er auf einen Hinterhalt hereinfiel. Hier, in seiner Höhle, konnten sie ihn nur von einer Seite aus angreifen, draußen war das anders.

“Drache!”

rief eine Stimme vom Eingang her. Sie klang kräftig, eindeutig männlich und er konnte keine Angst in ihr erkennen. Er blieb still, sollte dieser Eindringling doch zu ihm kommen.

“Schwarzer Dämon, ich weiß, dass Ihr hier seid. Trettet hervor und zeigt Euch!”

erklang die Stimme ein weiteres Mal. Sie klang stolz und ein wenig zu sehr von sich selbst überzeugt für Fafnirs Geschmack. Er konnte abwarten bis der Krieger vor seiner Tür sich anders entschied, oder vielleicht aufgab, aber er hatte das Gefühl, dass der Mensch ihn vielleicht bei seiner Rückkunft gesehen hatte. Es half nichts, er würde den Eindringling schon selbst vertreiben müssen. Mürrisch setzte sich der große, schwarze Drache in Bewegung und trat langsam zum Eingang der Höhle vor. Er gab darauf Acht sich richtig zu positionieren, sodass er, sofern er sich verteidigen musste und sein Drachenfeuer vonnöten sein, es ohne Rücksichtnahme auf seine Höhle einsetzen konnte. Je näher er dem Eingang kam, desto stärker wurde die Witterung dessen, der vor seiner Höhle auf ihn wartete. Seine Nüstern blähten sich, als Fafnir tief einatmete um den Geruch aufzunehmen und er rümpfte seine Nase.

“Magier …”

knurrte Fafnir und der Hass stieg säuerlich, ätzend in ihm auf.

“Ich bin hier … Mensch!”

rief er schließlich, unterstrichen von einem gutturalen Knurren, und wartete auf die Reaktion des Eindringlings. Es dauerte nicht lange, dann hörte er die knirschenden Schritte des Magiers wieder, wie er langsam tiefer in Faffs Höhle eindrang. Während die unbeholfenen Tappser langsam lauter wurden, spannte sich Fafnir unwillkürlich an und sein Feuer stieg langsam in seiner Kehle auf, denn er wusste, wozu diese Krieger fähig waren. Er würde diesen Wicht bei lebendigem Leib rösten, wenn es sein musste. Als der Mensch allerdings endlich in Sicht kam, hatte er die Hände in einer beschwichtigenden Geste gehoben und blieb stehen sobald er den riesigen, schwarzen Drachen sah, der nur wenige Meter entfernt von ihm saß und dessen Maul bereits von innen heraus zu glühen begonnen hatte. Er selbst war einer dieser Kampfmagier, ein Warlock, nach seiner Rüstung und seinen runenähnlichen Tätowierungen zu urteilen. Die mit Metall beschlagene Lederrüstung bot ausreichend Schutz gegen die meisten Angriffe mit Hieb- und Stichwaffen, aber einem ordentlichen Stoß Drachenfeuer würde auch diese zweite Haut nicht viel entgegenzusetzen haben.

Fafnir beäugte den Magier argwöhnisch, aber als dieser sich nicht weiter rührte, ließ er vorerst sein Feuer langsam in seiner Kehle abklingen. Er würde dem Menschen zumindest eine Chance geben, sich zu erklären, bevor er ihn zu seinen Ahnen schickte.

“Was willst du hier, abgesehen davon, einen schnellen, aber ganz sicher nicht schmerzlosen Tod zu finden?”

knurrte der Drache und zeigte seine dolchartigen Zähne, aber der Magier schien nur wenig beeindruckt und nickte nur langsam.

“Ich komme in Frieden.”

antwortete er leise, wobei seine Stimme angestrengt ruhig klang, so als würde der Mensch versuchen, jede Emotion aus seiner Stimme herauszuhalten, was Fafnirs Skepsis nur noch weiter antrieb. Er legte den Kopf leicht schief und erwiderte knurrend:

"An Frieden hatte deine Spezies noch nie Interesse. Aber ich bin bereit, ihn dir zu zeigen, den ewigen Frieden. Er folgt direkt auf das ewige Feuer."

Die Vorurteile, die Fafnir gegenüber den Menschen und insbesondere den Magiern hegte, ließen seine Stimme zu einem dunklen Grollen werden, in dem Drohung eines qualvollen Todes mitschwang. Sein Gegenüber hielt dem jedoch stand und rang dem Drachen zumindest einen gewissen Respekt ab.

"Nun sprich, Zauberer, was führst du wirklich im Schilde? Was führt dich mitten in der Nacht zu mir?"

Verlangte die Echse zu wissen und fixierte den Menschen mit ihrem rot glühendem Blick.

“Meine Herren schicken mich, denn sie möchten einen Nicht-Angriffs-Pakt für ihr kleines Königreich aushandeln.”

erklärte der Warlock und seine Stimme war erfüllt von der Überzeugung, das Richtige zu tun, während er seine Position gegenüber dem Drachen verteidigte. Dieser zog seine Lippen zu einem freudlosen, raubtierhaften Grinsen zurück, bevor er seinen Kopf ein wenig senkte.

“Einen Pakt, ein Friedensabkommen … was du nicht sagst … so, so … die Eindringlinge, die Invasoren kommen zu mir gekrochen. Von all den Drachen auf diesem Kontinent, kommt ihr ausgerechnet zu mir, um über den Frieden zu verhandeln.”

Der Sarkasmus war regelrecht beißend in Fafnirs Stimme, als er dem Magier seine Antwort vor die Füße spuckte, aber dieser nickte nur knapp, während sich der Speichel zu seinen Stiefeln an der Luft entzündete.

“Tatsächlich sind meine Herren der Meinung, dass genug Blut vergossen worden ist, dass wir alle, selbst der mächtige und schreckliche schwarze Dämon, eine Pause gebrauchen können. Sollen doch die Zauberer des Westens ihre Kriege weiterführen, so lange, bis nichts mehr übrig ist, um das zu kämpfen sich lohnt. Meine Herren hingegen sind der Meinung, dass dieses Königreich und seine Bürger genug gelitten haben. Wir sind des Kämpfens überdrüssig, wir sind müde.”

verkündete der Krieger so laut und deutlich, dass selbst Fafnir zugeben musste, keinerlei Lüge oder üble Hintergedanken in der Aussage feststellen zu können. Der Drache richtete sich langsam und bedrohlich auf, bevor er sich mit einem schweren Schritt dem Menschen näherte. Sein durch Jahrhunderte des Hasses und des Zorns befeuerten Flammen loderten in seiner Kehle, als er einen tiefen Atemzug nahm, und noch immer wich der Magier nicht einen einzigen Schritt zurück oder zeigte irgendeine andere Reaktion.

"Nach allem, was ihr Menschen mit angetan habt, meiner Familie, meinen Geliebten ... ist die Forderung nach Vergeben und Vergessen wirklich mutig ... um nicht zu sagen eine unverfrorene Frechheit. Allein dafür verdienen deine Herren eine Bestrafung."

Seine Stimme klang rau und das Feuer loderte heller in seinem Rachen, aber er entschied sich trotz des Affronts, seinen Zorn vorerst herunter zu schlucken. Ihn jetzt zu töten würde keinen weiteren Zweck erfüllen, außer seine Rachsucht für einen Moment zu befriedigen; und außerdem wollte er sich das Angebot des Magiers zumindest angehört haben, bevor er ihn tötete. Sein Gegenüber nickte langsam.

“Wir wissen sehr wohl um die Missetaten der Vergangenheit und dass sowohl die Bürger als auch die Herrscher dieses Königreichs nicht immer ehrenhaft oder mit Voraussicht gehandelt haben. Deswegen erbitten meine Herren auch keine Vergebung, denn wir wissen, dass diese erst einmal verdient sein will. Meine Herren erbitten daher vielmehr eine Chance, dies zu tun, denn sie fürchten um die Zukunft ihres Volkes und des Landes. Das Ackerland liegt noch immer zum größten Teil brach, zudem werden die Ernten, auch wenn sie reichlich sind, kaum ausreichen und der Winter steht bevor.”

Der Magier sprach leise, seine Stimme hatte diesen ruhigen, beschwichtigungen Tonfall angenommen und seine Körpersprache zeigte Unterwürfigkeit vor dem schwarzen Biest, das sich noch immer über ihm auftürmte. Fafnir beobachtete den Eindringling aufmerksam, nahm jede noch so kleine Bewegung wahr, während er über das Gesagte nachdachte. Sein Argwohn, sein Zorn und vielleicht auch sein Stolz verhinderten, dass er sich vollends auf ein solches Angebot einlassen konnte, und wenn er ehrlich war zu sich selbst, dann wollte er es auch gar nicht. Der Hass auf die Menschen und alles, was sie darstellten, hatte sein ganzes bisheriges Leben bestimmt. Wo immer er sie gesehen hatte, hatte er sie verflucht, gejagt, getötet und vertrieben; und im Gegenzug hatten die Menschen ihn, wo immer sie ihn gefunden hatten, bekämpft.

Ausgetretene Pfade zu verlassen war nicht einfach, seine eigene Weltanschauung zu verändern war nicht einfach, aber er wusste auch, dass ihm eines Tages ein Gegner gegenüberstehen würde, den er nicht mehr besiegen konnte. Wenn die Himmel es so wollten, würde dies noch viele Jahre entfernt sein, aber es würde passieren, irgendwann.

Das Credo seiner Spezies war immer gewesen, dass es glorreich war, im Kampf gegen den Feind zu sterben, dass es eine Schande war alt und gebrechlich dahin zu scheiden. Auch Fafnir hatte es immer so gesehen, aber dann, dann hätte er seine Liebe gefunden und alles war anders geworden.

Zwei Seiten kämpften in ihm. Auf der einen Seite der Drache, der seit Jahrhunderten kämpfte und darin seine Erfüllung fand, auf der anderen ein immer stärker werdender Drache, der ihm sanft zu flüsterte: Denk an Nellja, denk an die Familie, die du gründen willst.

Und er kam nicht umhin zuzugeben, dass es ganz schön wäre, sich nicht jedes Mal Gedanken machen zu müssen, ob sein Hort sicher war, wenn er nach einem langen Tag nach Hause zurückkam, oder ob die Menschen nicht einen Hinterhalt vorbereitet hatten.

Nicht, dass Nellja nicht in der Lage war, sich sehr wohl um sich selbst zu kümmern.

Allerdings hatte er das auch von Emmy gedacht.

Mehrere Male verzogen sich seine Lippen ganz kurz zu so etwas wie einem Lächeln, aber es war kein freudiges, es war eher eine Karikatur, die irgendwo zwischen Abscheu und Zweifel lag. Er wusste jetzt schon, dass er seine Entscheidung bereuen würde.

“Ihr habt gesehen, wozu ich fähig bin, und ich werde nicht davor zurückschrecken, es wieder zu tun, sollte es denn nötig werden. Ich werde töten! Ich werde verstümmeln! Ich werde verbrennen und das gesamte Königreich noch einmal in Asche verwandeln, wenn die Menschen mich verraten, oder auch nur daran denken, mich zu hintergehen. Nur dieses Mal werde ich dafür sorgen, dass nichts und niemand entkommt.”

knurrte Fafnir, während flüssiges Feuer von seinen Lippen troff. Noch immer wich der Magier nicht zurück, auch wenn sich das Feuer zu seinen Füßen langsam ausbreitete und die Luft in der Höhle heiß und stickig machte. Er hob den Kopf, sah dem großen, schwarzen Drachen in die roten Augen, aber er kam nicht dazu, etwas zu antworten, denn Faff schnitt ihm das Wort ab.

“Ich werde jagen … ich werde töten … und wenn ich auch nur einen einzigen Menschen irgendwo in der Nähe meines Berges finde, dann werde ich ihn bei lebendigem Leib langsam und genüsslich rösten.”

fügte der Drache hinzu, seine Stimme ein heiseres Flüstern. Der Magier nickte.

“Habe ich mich klar ausgedrückt?”

fragte die Flugechse und zog ihre Brauen enger zusammen. Abermals nickte der Magier.

“Kristallklar. Ihr habt Euch verständlich gemacht.”

versicherte ihm der Krieger und Fafnir bließ ihm die heiße Luft aus seinen Nüstern entgegen,

wobei er den Menschen fast von den Füßen riss.

“Gut. Ich verlange Garantien!”

erwiderte Fafnir mit einer solchen Selbstverständlichkeit, dass es dem Magier erst einmal die Sprache verschlug. Als im ersten Moment keine Antwort kam, zog die Flugechse ihre Brauen hoch, sah ihr Gegenüber fragend an und zum ersten Mal seit Beginn der Konversation schien es so, als sei der Magier in der Defensive. Er suchte offensichtlich nach den richtigen Worten, denn sein Mund bewegte sich, ohne dass er sprach und als der Drache seinen Kopf ein wenig neigte und seine Schnauze näher an den Eindringling brachte, wich dieser einen Schritt zurück und stammelte.

“Ga … Garantien? Was für Garantien?”

stotterte er mit brechender Stimme, wich einen weiteren Schritt zurück und versuchte in die kalte Nachtluft zu gelangen, die vom Höhleneingang hereinzog, aber der riesige, schwarze Drache folgte ihm einfach, Schritt für Schritt; wobei er das Feuer, das noch immer auf dem Boden brannte, einfach ignorierte.

“Oh, du weißt schon, Garantien, Rückversicherungen, dass eure lächerliche Armee nichts irgendetwas Dummes versucht, was mich am Ende dazu zwingen würde, meinem Namen alle Ehre zu machen. Ich bin sicher, dass deine … Herren das verstehen.”

erläuterte Fafnir in einem fast schon beiläufigen Tonfall, der allerdings zum Ende seiner Erklärung deutlich düsterer wurde. Der Mensch, der es mittlerweile in den Luftzug geschafft hatte, sog gierig die frische Brise ein.

“Euer … euer Name?”

stotterte er schließlich, als der Sauerstoff durch seinen Körper rauschte und ihm das Denken vereinfachte. Der Drache grinste breit, zeigte erneut seine tödlichen Zähne und senkte seinen Kopf langsam weit genug herab, um seinem Gegenüber direkt in die Augen sehen zu können. Sein Atem stank nach Drachenfeuer, Tod und Verderben, aber der Magier – erfrischt von der kalten Nachtluft – blieb standhaft.

“Richtig, mein Name … Ihr Menschen nennt mich ‘Schwarzer Dämon’, ‘Todbringer’ und ‘Ruin der Königreiche’. Lächerliche Namen, die mir von lächerlichen Kreaturen gegeben wurden. Nichts desto trotz passen sie recht gut, denn all das habe ich bereits getan. Ich bringe den Tod, ich habe Königreiche verwüstet, nicht nur dieses hier, nebenbei bemerkt, und ich werde es wieder tun!”

knurrte der Drache, und um seiner Aussage Nachdruck zu verleihen, rieß er sein Maul auf. In seinem Schlund loderte sein Feuer, dessen unbarmherzige Hitze dem Magier nun ungehindert entgegenschlug. Fafnir heizte es weiter an und drückte die Flammen weiter nach vorne in sein Maul, wo sie auf seiner Zunge tanzten und schließlich um seine Schnauze züngelten. Er ließ den Magier einen Moment in das Inferno starren, bevor er sein Maul mit einem lauten Knall zuschnappen ließ und das Lodern darin erstickte. Der Magier schluckte und wischte sich den Schweiß von der Stirn, während er einen weiteren Schritt zurückwich.

“Aber dies sind nicht eure richtigen Namen, nicht wahr?”

Es war weniger eine Frage, als vielmehr eine Feststellung von Tatsachen, mit der der Mensch versuchte, wieder etwas Selbstsicherheit auszudrücken, aber die Hitze forderte klar ihren Tribut von ihm. Fafnir lachte leise, es war ein raues, böses Lachen, das sich fast so anhörte, als würde man große Steine aneinander reiben.

“Sehr richtig, kleiner Mensch, ein mächtiger Drache wird nur seinem echten Namen Folge leisten, welcher dir – hinterlistiger kleiner Zauberling – aber verborgen bleiben wird.”

stimmte der große Drache ihm zu und seine Lippen zogen sich weiter nach hinten zu einem bösartigen Lächeln. Der Krieger hingegen nickte hingegen nur schwach.

“Nun denn, welche Garantien fordert Ihr? Was können meine Herren euch anbieten, damit Ihr das Angebot überdenkt?"

fragte er und sah zum Eingang der Höhle, eine gewisse Sehnsucht war in seinen Zügen zu erkennen. Fafnir schnaubte erneut verächtlich, zog aber seinen Kopf ein wenig zurück.

“Nun, es muss etwas von Wert sein, damit sich deine Meister auch an die Abmachung halten, nicht wahr? Ich dachte, wir ehren die Traditionen …”

begann der Drache in einem sehr selbstgefälligen Tonfall und der Magier sah ihn mit großen Augen an. Es war weithin bekannt, dass Drachen mitunter großen Wert auf Althergebrachtes legten. Allerdings waren einige dieser Traditionen, wie Fafnir es genannt hatte, sehr archaisch. Es gab Legenden von entführten Jungfrauen, unglaublichen Schätzen und Opfergaben. Nichts davon klang wünschenswert, aber er musste sich nicht weiter den Kopf zerbrechen, denn Fafnir fuhr fort, während er geistesabwesend seine Krallen begutachtete.

“... Ich denke, das erstgeborene Kind eures Königs würde eine hervorragende Geisel darstellen, und sag mir jetzt nicht, dass euer Regent keine Nachkommen hat.”

Als der Magier die Forderung hörte, schnappte er hörbar nach Luft. Er war mittlerweile heftig am Schwitzen und die gesamte Situation setzte ihm sichtlich zu. Wahrscheinlich hatte er nicht damit gerechnet, dass der Drache ihn derart unter Druck setzen würde, auch wenn es vorherzusehen gewesen wäre. Besagter Drache behielt sein sardonisches Lächeln bei, während er ein weiteres Mal Luft holte.

“Ist ein bisschen heiß hier drin.”

erwähnte er beiläufig, bevor er sich langsam aufrichtete und nach draußen blickte, wo die ersten Sonnenstrahlen den nahenden Morgen ankündigten.

“Sorge dich nicht, ich werde mich rührend um meinen Gast kümmern. Der Geisel soll es an nichts Essentiellem fehlen. Ich bin ein hervorragender Gastgeber, es hat sich noch nie jemand über meine Gastfreundschaft beschwert ..."

führte Fafnir aus und sah dem Magier in die Augen, bevor er hinzufügte:

"... und es überlebt."

Der Drache klang sehr von sich selbst überzeugt, während der sich langsam und gemütlich streckte, bevor er schließlich an dem Magier vorüberging, dem nichts anderes mehr einfiel, als ihn mit offenem Mund anzustarren. Der Zorn und die Fassungslosigkeit standen dem Menschen ins Gesicht geschrieben, aber Fafnir kümmerte sich nicht darum. Er wusste, dass er dem einzelnen Krieger haushoch überlegen war, selbst wenn dieser seine Magie einzusetzen versuchte.

“Aber … aber …”

stotterte der Mensch, der sich langsam nach ihm umdrehte und ihm auf das Plateau vor der Höhle folgte. Mit jedem Schritt, den der Mensch weiter aus Fafnirs Domizil machte, sah er wieder besser aus. Mehr Sauerstoff, kühlere Luft, mehr Freiraum zum Atmen.

“Nein, nicht aber, sondern ‘zu Diensten’ und ’Wie du es wünschst’. Wenn ihr Frieden wollt, dann müsst ihr euch unterwerfen. Ihr seid nicht die Herrscher auf dieser Welt. Noch nicht, nicht in meinem Gebiet. Und solange das so ist, werdet ihr euch mir unterordnen.”

Der große schwarze Drache erklärte es so ruhig und mit einer solchen Bestimmtheit, dass es gar keinen Zweifel an seiner Ansicht gab, während er in die Ferne über das Tal blickte. Am Horizont zeichnete sich bereits deutlich das Morgengrauen ab.

“Du wirst mir diese Geisel bringen, ich werde mich um sie kümmern und ihr lasst mich in Frieden. Wenn es besondere Anlässe gibt, zu denen die Anwesenheit der Geisel am Hofe notwendig ist, werdet ihr mir vorher einen Boten schicken, und dann werde ich sie euch gnädigerweise ausleihen, sofern der Anlass meinen Zuspruch findet. Wehe euch, wenn die Geisel danach nicht wieder zu mir gebracht wird.”

fuhr Fafnir fort, während er weiter in die Ferne sah. Gelegentlich richteten sie seine roten Augen auf den Magier, der nun etwas abseits stand und dessen Gesicht langsam die Farbe wechselte. Wo es anfangs noch rot gewesen war von der Hitze in der Höhle, hatte es an der frischen Morgenluft wieder eine deutlich blassere Farbe angenommen. Nachdem er aber den Vorschlag des Drachens angehört hatte, schoss ihm das Blut wieder ins Gesicht. Einmal mehr stand ihm die gleiche Fassungslosigkeit und Wut in die Miene geschrieben, die ihn schon in der Höhle geziert hatte, nur dieses Mal konnte er sich nicht mehr beherrschen.

“Mit allem gebührlichen Respekt, Dämon, aber wir können des Königs Tochter nicht als Pfand an einen Drachen liefern, nicht einmal wenn der Frieden des Königreichs davon abhängt.”

begann er und seine Stimme überschlug sich fast, gleichzeitig begann er, mit den Armen zu gestikulieren. Fafnir schenkte dem wenig Beachtung, sondern wartete ruhig darauf, die Morgensonne begrüßen zu dürfen.

“Die Prinzessin wird alsbald mit dem Prinzen des Nachbarlandes vermählt. Diese Liaison wird den Frieden zwischen unseren Reichen sichern und die Bande zwischen den Ländern stärken. Sie kann nicht auf unbestimmte Zeit als Gei … Gast eines Drachen, ganz zu schweigen, des schwarzen Dämons herhalten. Diese Verbindung zu vereiteln, könnte den Untergang des Reiches bedeuten!”

Er schrie den letzten Satz fast schon gegen den gepanzerten Rücken der mächtigen Flugechse, die seinerseits leise zu lachen begann, wobei die Lautstärke mit jedem weiteren Gluckser lauter zu werden schien. Schließlich sah Fafnir zu dem Magier hinunter, der hinter ihm stand und dessen verschwitzte Haare ihm am Kopf klebten. Der kleine Mensch tat ihm fast leid, wie er da stand und schwer atmete in dem Versuch, ruhig zu bleiben.

“Und du denkst wirklich, dass dieses andere Königreich zu verärgern schlimmer sein könnte, als …”

fragte Faff vergnügt und zeigt auf sich selbst, während er fragend die Brauen hochzog.

“... mich zu verärgern? Wirklich?”

Der Sarkasmus gab seiner Stimme fast etwas Melodisches und es war ihm ein diebisches Vergnügen, zuzusehen, wie der Magier mit sich selbst rang. Der Mensch ballte seine Fäuste und für einen Moment wirkte es so, als wollte er einen Zauber wirken, aber er fing sich wieder, bevor die Magie sich manifestieren konnte. Fafnir nickte fast unmerklich.

“Gibt es keine andere Lösung? Eine andere Garantie? Eine andere Geisel?”

fragte der Warlock mit zitternder Stimme und seine Augen suchten verzweifelt nach so etwas wie Mitgefühl oder Verständnis in ihren roten Gegenstücken. Fafnir ordnete seine Flügel neu und wickelte seinen Schwanz langsam um seine Füße, während er seinen Blick wieder zum Horizont schweifen ließ.

“Ich gebe diese Frage zurück an euch. Hätte es keine andere Möglichkeit gegeben, als mir die Liebe meines langen Lebens zu nehmen? Hätte es keine andere Möglichkeit gegeben, als mich dazu zu zwingen, dieses Land den Flammen zu opfern?”

In seiner Stimme schwang Schmerz und Wut mit, als er den Kopf wieder zum Magier drehte und ihn mit seinen leuchtend roten Augen anstarrte.

“Hätte es keine andere Möglichkeit gegeben, als diese sinnlose Fehde aufrecht zu erhalten?”

Die Anklage in seinen Worten war scharf und seine Stimme, wenn auch leise, war wie eine Klinge, die durch die Stille des frühen Morgens schnitt. Der Magier wollte antworten, aber Fafnir schnitt ihm das Wort ab.

“Wenn euer Königreich Frieden will, dann muss der Friede zuerst mit mir geschlossen werden. Mich interessieren eure kleinen Streitereien nicht. Die Kriege der Menschen sind nicht meine Kriege. Du kennst meine Forderung, nun geh und bring mir das Mündel!”

Der Magier wollte widersprechen, wollte protestieren, aber Fafnir sah wieder in die Ferne und atmete tief durch. Es würde keinen Sinn haben, jetzt zu versuchen, ihn umzustimmen.

Der Mann seufzte tief und es hörte sich an, als hätte er allen Mut verloren.

“So sei es. Ich werde an den Hof zurückkehren und meinen Herren eure Forderung kundtun; danach werde ich Euch deren mitteilen.”

sagte er schließlich und seine Stimme klang ziemlich niedergeschlagen. Fafnir nickte leicht, während sich am Horizont die Sonne ganz langsam über den Rand der Welt schob.

“Gut, aber beeil dich, unsere Abmachung wird davon abhängen.”

Er sah ihn nicht einmal an, während er die ersten echten Sonnenstrahlen des Tages auf seinem Gesicht spürte, deren Licht seine kohlenschwarzen Schuppen matt leuchten ließen. Der Magier stimmte stumm zu und wandte sich zum Gehen. Kurz darauf hörte Fafnir die knirschenden Schritte des Menschen, als dieser sich schnell von seiner Höhle entfernte. Er blieb noch eine Weile vor der Höhle sitzen und genoss die wärmenden Strahlen der Morgensonne. Nachzudenken hatte er auch noch genug.

Erst als er sich wirklich sicher war, dass der Mensch außer Hörweite war, atmete der große Drache tief durch und seufzte. Es klang fast schon mühsam, als er sich erhob und streckte, ein Bein nach dem anderen wurde ausgiebig gedehnt, bevor er seinen Kopf und Schwanz lang reckte und dabei ächzte. Er schüttelte sich kurz und schmatzte mehrmals. Das Gebräu aus mehreren Substanzen, das mit Hilfe von wilder Magie stabilisiert und entzündet wurde und dabei das – für seine Gattung so typische – Drachenfeuer bildete, schmeckte nicht sonderlich gut. Auch wenn der Effekt, den es jedes Mal aufs neue auf seine Feinde hatte, wenn er sein Feuer träge aus seinem Maul tropfen ließ, außerordentlich amüsant war, so verklebte das unverbrannte Gemisch seine Zunge und Zähne, und es war immer eine Qual es wieder zu entfernen. Schließlich spuckte er einen Klumpen des Gemischs auf den Boden, wo er sich direkt entzündete. Fafnir verzog angewidert sein Gesicht, drehte sich dann aber in Richtung seiner Höhle. Mit langsamen, bedächtigen Schritten kehrte er in sein Nest zurück, vorbei an der Stelle, wo bis vor wenigen Minuten noch der Boden gebrannt hatte. Jetzt war er verrußt und der Gestank des Sekrets lag schwer und süßlich in der stickigen Luft. Der Drache murrte missmutig und schnaubte verächtlich. Er war eigentlich noch müde, aber wie sollte er jetzt noch schlafen nach all dem Terz?

“Immer dasselbe …”

grummelte er halblaut und sah sich um.

“... erst wecken sie einen, dann zwingen sie einen, dumme Dinge zu tun, dann schwatzen sie einem ihren Tant auf und am Ende sitzt man dann da, hat eine Prinzessin an der Backe, eine Höhle die im Chaos versinkt, niemanden zum Kuscheln …”

er wurde mit jedem Punkt, den er aufzählte lauter,

“... niemand da, der das Chaos aufräumt, und dann … dann darf man zu allem Überfluss noch nicht einmal irgendein Dorf platt machen … RRRRrrraaaaaargh!”

entfuhr es ihm am Schluss frustriert. Er stampfte demonstrativ um die Feuerstelle, in deren Senke die Glut des nächtlichen Feuers nur noch schwach glimmte und ließ sich auf sein Nest fallen. Er rollte sich nicht zusammen, wie er es eigentlich immer tat, sondern lag einfach quer auf der grob ringförmigen Ansammlung aus Fellen, Stöcken und Decken, die ihm und Tyria seit Emmys Tod als Nest gedient hatte. Sein Hintern und Schwanz hingen über der einen Seite, während sein Kopf und Hals auf der anderen Seite den erhöhten Rand des Nests überragten. Er war frustriert, ja geradezu deprimiert.

“Einsam …”

flüsterte er schließlich. Seine Augen suchten den großen Hauptraum der Höhle ab. Fast wünschte er sich, dass die Schergen des Menschenkönigs ihn nun doch angriffen, es wäre eine willkommene Ablenkung und ein mehr als willkommener Grund, sich nicht an die Abmachung halten zu müssen. Gleichzeitig wusste Fafnir aber auch, dass es langfristig mehr Probleme bereiten würde, als das Abkommen zumindest zu respektieren. Er mahlte mit den Kiefern, schnaubte in die Glut der Feuerstelle und bereute es sofort wieder, als die Glut auseinander stob und sich weiträumig in der Höhle verteilte.

“Ooooohrrrrrrrnnnn …”

es folgte eine Tirade an alten Flüchen, während er sich eng zusammenrollte und seinen Flügel über seinen Kopf zog.


Einer zieht aus zu finden einen Kobold

Es dauerte eine Weile, bis er schließlich seinen Kopf wieder unter seinem Flügel hervorschob und sich umsah; nichts hatte Feuer gefangen, doch war er sich nicht ganz sicher, ob das gut oder schlecht war. Der große Drache knurrte mürrisch, genervt von seiner Unfähigkeit abzuschalten und noch immer aufgebracht von der Dreistigkeit der Menschen.

“Es hilft nichts, ich kann nicht schlafen!”

protestierte er schlussendlich und erhob sich langsam wieder von seinem Nest. Es war dieser lästige Gedanke, der ihm nicht mehr aus dem Kopf ging.

Er hatte eine Geisel gefordert, eine menschliche, zu allem Überdruss. Er hatte nicht die leiseste Ahnung, wie er sich um einen Menschen kümmern sollte. Natürlich war ihm klar, dass einer dieser Emporkömmlinge auch nur ein Tier war. Ein – wie sie es nannten – zivilisiertes Tier, aber nichts desto trotz, ein Tier.

“Naja, nennen wir es nicht Tier, nennen wir es Lebewesen, Haustier vielleicht …”

grummelte er vor sich hin und schlich langsam durch seine Höhle. Ein solches Ding brauchte jedenfalls Nahrung, einen Unterschlupf, einen Schlafplatz, eine …

“Wie nennen die das noch gleich?”

murmelte er und sah sich um.

“... ja genau, Latrine. Sie können ja nicht einfach während des Flugs … naja sie könnten schon, aber es würde schon am Fliegen scheitern.”

schmunzelte er und sein raues Lachen erfüllte den Raum, als er eine der hinteren Kammern seiner Höhle betrat. Es gab hier jedenfalls mehr als genug Platz. Emmy und er hatten nicht einmal die Hälfte der Fläche wirklich genutzt, die hinteren Kammern waren immer leer geblieben. Dort würde sich die Prinzessin einrichten können mit dem wenigen, was sie wohl brauchen würde.

“Aber was soll sie essen? Sie wird sich wohl nicht mit rohem Fleisch zufriedengeben.”

stellte er fest. Er hatte über die Jahrhunderte viel von den Menschen gelernt und einige der Gerichte, die sie zubereiteten, waren durchaus schmackhaft. Er selbst hatte schon einige davon zubereitet, aber er war sich nicht sicher, ob er in der Lage war, einem Menschen eine adäquate Ernährung zu bieten.

Langsam dämmerte es ihm, dass er sich mit dieser Aufgabe vielleicht etwas zu viel vorgenommen hatte, zumal er auch darauf hoffte, dass Nellja ihn alsbald besuchen würde.

“Wenigstens sollte diese Prinzessin kein Kind mehr sein. Wenn sie einem Bengel aus dem Nachbarreich versprochen ist, dann wird sie wohl hoffentlich ein wenig älter sein. Bei den Himmeln, ich wüsste nicht im Traum, wie man sich um eines ihrer Jungen kümmert!”

murmelte er und sah besorgt in die Richtung des Höhleneingangs. Würde man das junge Ding hier festhalten müssen, gar ein Gatter einbauen? In Gedanken versunken, kaute er eine Weile auf seiner Lippe herum und schüttelte schließlich den Kopf.

“Vielleicht ist es an der Zeit, mir ein paar Kobolde anzuschaffen.”

sprach er leise den Gedanken aus. Er hatte in der Vergangenheit schon öfter mit der Idee gespielt, war aber nie wirklich dazu gekommen. Bevor er Emmy getroffen hatte, war er nur bedingt sesshaft gewesen – natürlich hatter er einen Hort gehabt, jeder Drache der etwas auf sich hielt hatte einen, aber seiner war klein gewesen, überschaubar –, und er war so oft umgezogen, dass es ein Riesenaufwand gewesen wäre, jedes Mal auch noch die Kobolde mitzunehmen. Erst später war er ansatzweise sesshaft geworden, war aber dennoch zeitweise monatelang unterwegs gewesen, während sich Emmy um alles gekümmert hatte. Erst viele Jahre später hatte er gelernt, wie egoistisch er all die Zeit gewesen war, aber da war es schon zu spät gewesen, um es wieder gut zu machen. Mt Tyria wieder allein hatte er sich selbst um alles gekümmert, und so hatte keine Notwendigkeit mehr für Kobolde bestanden.

Nun hatte sich die Situation erneut geändert. Noch war Fafnir allein, aber bald würde ein Mensch mit ihm zusammenleben, ein Mensch, der gegen seinen Willen bei ihm war, den er wahrscheinlich würde beaufsichtigen müssen und dessen Angehörigen er versprochen hatte, dass er sich um alles kümmerte.

Er konnte nicht tagelang unterwegs sein, wenn die Königsbrut in seiner Höhle saß, selbst Jagen und Vorräte herbeischaffen würde unter diesen Umständen schwierig werden.

Er würde Hilfe brauchen, das war klar, und zwar schnell. Eine Handvoll Kobolde konnte zumindest auf die Prinzessin aufpassen, während er unterwegs war. Er würde ihnen schon beibringen, dass man diesen einen Menschen nicht …

Er wollte sich nicht näher mit diesem Gedanken befassen, zumindest nicht jetzt.

Außerdem würde irgendwann in naher Zukunft Nellja zu Besuch kommen, und – so hoffte er – vielleicht auch für immer bleiben.

“Oh nein … daran habe ich gar nicht gedacht …”

schoss es ihm brennend heiß durch den Kopf. Die Klingenflügel hassten Menschen mit einer Inbrunst, die schon fast legendär war. Natürlich war auch er nicht besonders gut auf diese haarlosen Affen zu sprechen, aber er war nicht im Ansatz so fixiert darauf wie die Drachen von Nelljas Clan. Fafnir war der Meinung, dass solange die Menschen sich von ihm fernhielten und ihn einfach ignorierten, er sie auch ziemlich gut ignorieren konnte. Natürlich war es immer sehr frustrierend, dass sie so sehr an ihrem Gold hingen und es ihm nicht einfach aushändigten, wenn er vorbeikam, aber damit konnte er leben. Immerhin konnte er auch ihr, wenn auch irrelevantes Bedürfnis nach Würde, nachempfinden.

Er grummelte in sich hinein, das mit Nellja war ein Problem, mit dem er sich würde befassen müssen, eher früher als später. Es gab keine wirkliche Möglichkeit, sie vorher zu kontaktieren, bevor sie buchstäblich vor seiner Höhle stehen würde. Er würde sie dann und dort über die Umstände informieren müssen und hoffen, dass sie die Prinzessin nicht an Ort und Stelle flambieren würde, ganz zu schweigen vom Rest des Königreichs.

Andererseits, auch Nellja hatte gewirkt, als wäre sie des Kämpfens überdrüssig, vielleicht gab es also eine Chance. Erfüllt mit neuem Elan, beschloss Fafnir, sich an dieser Hoffnung festzuhalten.

Er begab sich in seine Schatzkammer, den Teil der Höhle, der für viele Drachen das Heiligste war. Auch für ihn war diese Ansammlung an Kostbarkeiten lange Zeit der Mittelpunkt seines Lebens gewesen, aber jetzt hing er nicht mehr so sehr an jedem einzelnen Gegenstand in seinem Hort. Andere Werte, Erlebnisse und Begegnungen, hatten diesen Platz eingenommen und hatten den Glanz des Goldes dumpf und matt erscheinen lassen. Natürlich hatten die Juwelen nichts an realem Wert verloren, aber sie waren ersetzbar, beliebig. Jede Schatzkammer hatte eine Auswahl davon, aber nirgends würde man jemanden wie Emmy finden.

Nichts desto trotz nahm er einen der Lederbeutel, die er für solche Angelegenheiten hatte, und befüllte ihn mit einer ansehnlichen Menge seines Schatzes. Wer Kobolde anheuern wollte, würde einen Lohn in Aussicht stellen müssen, denn so gerne sich Kobolde auch in den Dienst von Drachen begaben, es musste etwas für sie herausspringen, oder zumindest für denjenigen, dem er sie abkaufte. Er zerrte den Beutel an seinem Hinterlauf fest und überprüfte dessen Sitz und Halt, bevor er seinen Hort verließ.

Er trat langsam vor seine Höhle und sah in den morgendlichen Himmel, wo sich die Sonne bereits deutlich weiter über den Horizont geschoben hatte. Der Ausblick vom Plateau war majestätisch, die Berge zur einen Seite, deren Gipfel von den frühen Sonnenstrahlen zum Leuchten gebracht wurden und die saftigen Ebenen zur anderen, deren fruchtbare Böden noch vom morgendlichen Nebel bedeckt waren. Bald würde die Sonne hoch genug stehen, um den Dunst wegzubrennen und die Menschen des Königreichs aus ihren Häusern zu locken.

Der schwarze Drache sog die kalte Bergluft gierig in seine Lungen und ließ sie ganz langsam wieder entweichen. Er liebte diese schneidend klare Luft, gerade im Winter war sie wirklich herrlich. Sie lud mit ihrer Reinheit zum Fliegen ein, und so konnte er das Nützliche mit dem Schönen verbinden, als er langsam seine Schwingen entfaltete und sich zum Absprung bereit machte.

“Nun, wo bekomme ich ein paar Kobolde her?”

fragte er schmunzelnd und stieß sich dann vom Plateau ab. Seine Flügel fingen den Wind ein und er segelte auf ihm in Richtung Tal. Dennoch war er sich noch nicht ganz sicher, wohin er fliegen sollte.

Im Grunde genommen konnte man Kobolde ja überall finden, es war nicht so, dass sie selten waren. Früher hatte er diese kleinen Quälgeister zum Spaß gejagt, weil die wilden einfach besser schmeckten als diese Massenzucht-Exemplare, die es auf den Märkten gab. Die freien Kobolde waren muskulöser, hatten weniger Fett, waren dafür aber auch weniger kultiviert. Sie taugten für einen kleinen Happen, und für ein wenig Spaß, aber wenn es um das Bewältigen von komplexeren Aufgaben ging, waren sie ziemlich ungeeignet.

Er würde also keine 'wilden' Kobolde nehmen können, er brauchte fertig konfektionierte Knechte, die nicht nur loyal und fleißig waren, sondern auch intelligent und fähig.

Loyalität und Fleiß war bei Kobolden – zumindest soweit er das wusste – nicht das Problem. Der Eifer der Kobolde war legendär und sie gaben keine Ruhe, bis die Aufgabe vollbracht war, das war schon immer so gewesen. Loyalität war in aller Regel ebenso leicht zu bekommen, denn die meisten von ihnen sehnten sich regelrecht danach, im Dienst eines Drachen zu stehen, es lag in ihrer Natur. Fähigkeit und Intelligenz hingegen, das war eine ganz andere Herausforderung. Es gab durchaus intelligente Kobolde, richtige Genies, Grumperts Kobolde bewiesen das, die Waschanlage hatte einen Ruf dafür.

“Grumpert, genau…”

entfuhr es Fafnir. Wer, wenn nicht der Besitzer und Betreiber der Drachenwaschanlage, würde wissen, wo man ein paar wirklich gute Kobolde auftreiben konnte. Mit einem begeisterten Peitschen seines Schwanzes drehte der Drache ab und beschleunigte mit kräftigen Flügelschlägen in Richtung Westen, wo die Waschanlage zu finden war.

Er flog nicht besonders hoch, sondern hielt sich zwischen den Wolken, die träge am Himmel segelten. Tief unter ihm hingen auch noch die Nebenschwaden auf den Feldern und warteten geduldig darauf, von der Sonne vertrieben zu werden.

Mit der Sonne im Rücken flog der schwarze Drache über das Land und lauschte dem Pfeifen des Windes und den gelegentlichen Schreckensschreien der Menschen, die schon recht früh auf den Beinen waren und seine dunkle Silhouette durch den dünner werdenden Nebel sahen. Bald erreichte er die ausgedehnten Wälder, die sein Territorium nach Westen hin begrenzten und an deren anderen Ende die westlichen Reiche begannen, wo die Magier die Vorherrschaft hatten, und wo die schlimmsten Kämpfe tobten. Dort würde er auch die Waschanlage finden.

Der Herbst hatte den Wald bereits fest in seinem Griff und die sonst grünen, sich mit dem Wind wiegenden Baumkronen des Waldes bildeten ein gold-gelbes Meer mit sanften, rollenden Wellen, denen er für eine ganze Weile lang folgte.

Das Gold des Blätterdaches wurde nur hier und da mal unterbrochen, wenn Bäche, oder kleine Flüsse sich von den fernen Bergen herab schlängelten und auf ihrem weiten Weg zum Meer Schneisen durch den Wald trieben. Viele der Flüsse trugen Namen, manche so alt, dass selbst die Drachen nicht mehr wussten, wer sie ursprünglich einmal benannt hatte. Einer davon aber, der die Zeit überdauert hatte, war der blaue Eisfloss, den einst die Trolle so benannt hatten, weil er sich aus einem Gletscher hoch oben in den Bergen speiste und sein Wasser dort eine tiefblaue Farbe hatte. Sie waren nicht besonders kreativ gewesen, aber es hatte sich nun einmal durchgesetzt.

Diesem Fluss würde Fafnir folgen, denn er führte direkt zur Drachenwaschanlage. Er sank tiefer und flog einen Bogen entlang einer der trägen Schleifen, die der Fluss durch den ewigen Wald zog. Es machte fast Spaß und Fafnir ertappte sich dabei, wie er die Kurven immer ein wenig überzog, damit er nachkorrigieren musste und so eine Ausrede hatte, um weitere Manöver fliegen zu müssen. Wenn die Schneise nicht so eng gewesen wäre, dann wäre er wahrscheinlich noch tiefer geflogen, vielleicht sogar direkt über der Wasseroberfläche, aber die Vegetation drängte sich eng an den Wasserlauf und einige der Bäume wuchsen bereits bis weit über das Ufer hinaus. Außerdem hätte er dann den Überblick über seine Umgebung verloren.

Es war zwar äußerst unwahrscheinlich, dass sich in diesen Wäldern Angehörige der Magiergilden herumtrieben, aber eben nicht unmöglich; und dann wäre es unvorteilhaft, sich in seiner Beweglichkeit einzuschränken.

Also hielt er sich über den Wipfeln der Bäume, bis er in der Ferne die große Lichtung sah, auf der sich die Kobolde mit ihrer Waschanlage eingerichtet hatten. Natürlich war das ein Risiko, denn so nah am Feindesland war es immer möglich, dass die Zauberer einen Überfall starteten. Manche Drachen hatten die Waschanlage anfangs auch genau deshalb gemieden, aber über die Dauer hatten sich die Kobolde als unabhängige Unternemer bewiesen.

Fafnir fragte sich noch immer, welche Abwehrmechanismen sie verwendeten, um sich die Magier von Hals zu halten, denn er hatte bisher keinerlei nahegelegene Machinerie oder Außenposten finden können.

Es war noch früh am Tage, aber aus der Ferne konnte er bereits den einen oder anderen Drachen sehen, der sich von den kleinen Helfern verwöhnen ließ. Mit ein paar Flügelschlägen gewann Fafnir an Höhe und flog eine weite Schleife über das Gelände, um zu sehen, wo er am besten landen konnte. Währenddessen beobachtete er das rege Treiben am Boden mit großem Interesse, musste aber feststellen, dass er keinen der Anderen kannte. Sie stammten wohl von weiter weg. Vielleicht, wenn die Zeit es zuließ und er gute Laune hatte, würde er versuchen, ihre Bekanntschaft zu machen, aber zuerst würde er seine Angelegenheiten hier regeln. Er hatte gerade Wichtigeres zu tun und so steuerte der schwarze Drache die Wiese nahe der Rezeption an und setzte zur Landung an.. Mit ausgebreiteten Flügeln schlug er schließlich auf der freien Fläche auf und ließ seine Schwingen noch einmal niedergehen, um den Aufprall abzufedern, bevor er sich langsam mit einem zufriedenen Knurren wieder aufrichtete.

Seine Augen fielen auf Laamri, die auch an diesem Tag Dienst am Empfang hatte. Sie hatte seine imposante Landung mitangesehen und sah ihn jetzt mit großen Augen und einem breiten Lächeln an.

“Meister Fafnir, es ist uns eine außerordentliche Freude, euch so schnell wiederzusehen."

begrüßte die Koboldin den herannahenden Drachen und ordnete schnell einige Papiere, die sich auf ihrem Pult angesammelt hatten. Fafnir grinste und schüttelte langsam den Kopf, denn so sehr er die Prozedur des gestrigen Tages auch genossen hatte, er war nicht hier, um ihre Dienste schon wieder zu beanspruchen.

“Seid gegrüßt.”

brummte er ruhig, als er an das Pult der Koboldin herantrat und Laamri fast einen Schritt zurücktreten musste, um dem großen Drachen ins Gesicht sehen zu können.

“Wir hoffen, Ihr wart mit unserem Service zufrieden.”

Die implizite Frage war eher unnötig, denn Drachen tendierten dazu, ihren Unmut rasch und unverblümt zu äußern, aber die Etiquette verlangte danach. Doch Faff nickte nur besonnen und beugte ganz langsam seinen Kopf zu der kleinen Koboldin herunter.

“Oh ja, ich bin sehr zufrieden mit eurer Arbeit.”

Seine Stimme klang rau, aber freundlich und sein Schwanz schwenkte entspannt hinter ihm hin und her. Es schien sein Gegenüber zufrieden zu stellen, denn Laamri nickte eifrig und zog ihr Klemmbrett unterm Pult hervor.

“Das freut uns außerordentlich. Was können wir heute für Euch tun?”

Sie war vollkommen in ihrem Element und hatte ihren Stift bereits gezückt, während sie mit geschultem Blick nach Verschmutzungen und Schäden Ausschau hielt, die sie dem Wasch-Team mitteilen konnte. Der schwarze Drache beobachtete amüsiert, wie ihre Augen ständig nach links und rechts zuckten und ihr Blick sich ganz langsam senkte, dann schüttelte er den Kopf.

"Ihr könnt nichts für mich tun, aber ich würde gerne mit dem Besitzer dieser Anlage sprechen."

antwortete er und ließ seine Augen zu einer der Hütten gleiten, die über das Gelände verstreut waren. Als er keine Antwort hörte, brachte er seinen Blick zurück auf Laamri, die ihn ansah, als hätte er etwas wirklich Frevelhaftes verlangt. Ihre großen Augen starrten ihn mit einem Ausdruck völligen Entsetzens an und er war sich durchaus Grumperts Ruf bewusst. Er galt als jähzornig und man sagte ihm nach, dass er sehr nachtragend war, aber es war nun einmal ihre Aufgabe, nach einer Audienz zu fragen, auch wenn es Ärger bedeutete.

Im Grunde genommen war es dem Drachen egal, denn ihm würde dieser kleine Giftzwerg sicherlich keinen Ärger machen. Er sah auf Laamri hinunter und hob seine Brauen, als wollte er ausdrücken: was dauert da so lange? Sie zögerte nur kurz, dann hob ihre kleinen Hände, die noch immer Stift und Klemmbrett hielten, in einer beschwichtigenden Geste und trat ein paar Schritte zurück.

“Ich werde sehen, ob er zu sprechen ist. Bitte wartet hier.”

Sie wirkte leicht gestresst, während sie sich kurz umsah und dann davonlief. Auf der anderen Seite des Tresens nickte Fafnir lediglich und sah ihr nach, wie sie hurtig zu einer der Holzhütten lief. Sie rannte zwar nicht, aber es fehlte nicht viel. Kichernd setzte sich der Drache und wickelte seinen langen Schwanz um seine Füße. Es würde mit Sicherheit nicht allzu lange dauern, bis das kleine Ding wieder zurückkehrte, schließlich waren die Hütten alle nicht zu weit weg und wie lange konnte es schon dauern, den Chef um eine kleine Unterredung zu bitten.

Das gedämpfte, aber dennoch gut wahrnehmbare Geschrei, das aus der Hütte kam, zu der Laamri gelaufen war, ließ ihn fast zusammenzucken. Der Besitzer der Waschanlage schien überhaupt nicht gut gelaunt zu sein und obwohl Fafnir nicht jedes Wort verstand – er hatte einen wirklich grauenhaften Dialekt –, aber es war offensichtlich, dass er nicht glücklich war.

So dauerte es nicht sehr lange, bis die Koboldin wieder aus der Hütte und mit strammen Schritten und einem entschlossenen Blick auf den Wartenden zukam. An ihrem Pult angekommen, stützte Laamri sich erst einmal ab und atmete tief durch. Die Zornesröte stand ihr noch immer im Gesicht, aber sie schaffte es irgendwie trotzdem, dass wenigstens das Zittern aufhörte. Nachdem sie lange und tief ausgeatmet hatte und ihr Gesicht ganz langsam wieder seine normale Farbe annahm, sah sie wieder deutlich entspannter zu Fafnir auf. Das antrainierte Lächeln auf ihren Lippen wirkte zwar noch immer ein klein wenig gezwungen, aber sie schaffte es zumindest, professionell zu wirken, als sie auf den freien Platz hinter der Hütte deutete.

“Grumpert wird Euch dort empfangen, aber seid gewarnt, Meister Fafnir, er ist heute ein wenig aufbrausend.”

erklärte die Angestellte in geschult freundlichem Ton, woraufhin der Drache grinste und nickte.

“Was du nicht sagst, er war nicht zu überhören, aber ich denke …”

antwortete Fafnir und bog seinen Kopf zu ihr nach unten und fuhr sich mit seiner Zunge über die geschuppten Lippen.

“... ich werde ihn schon zu bändigen wissen.”

Laamri riss ihre Augen auf und schnappte leicht nach Luft, während sich der Drache vorsichtig erhob.

“Im schlimmsten Fall braucht ihr einen neuen Besitzer. Nicht, dass das ein größeres Problem wäre, oder?”

fügte er grinsend hinzu und Laamri wusste nicht ganz, was sie darauf antworten sollte.

“Sei’s drum …”

murmelte der schwarze Drache und schritt an ihr vorüber, während sein Schwanz über ihren Kopf hinweg schwang und Laamri sich hinter das Pult duckte.

Für einen Drachen von Fafnirs Größe waren es nur ein paar wenige Schritte, bis er hinter der Hütte stand. Das Gebäude war vielleicht für einen Kobold relativ geräumig, für den schwarzen Drachen war es nicht viel mehr als eine Hundehütte, deren Dach ihm noch nicht einmal bis zur Schulter reichte.

Mit einer Mischung aus Belustigung und Mitleid sah er auf die einfache Holzkonstruktion der Behausung herab. Unwillkürlich musste er an diese alte Legende denken, die er einmal von einem anderen Drachen gehört hatte, in der drei Menschen verschiedene Häuser aus Stroh, Holz und schließlich Stein gebaut hatten, um sich vor einem Drachen zu schützen.

“Ich huste und pruste und dein Haus stürzt dir ein …”

So oder so ähnlich hatte damals die Drohung des Drachen gelautet, bevor er jedes Haus dem Erdboden gleich gemacht hatte.

Fafnir konnte jedoch nicht länger in Erinnerungen schwelgen, denn die kleine Tür der Hütte öffnete sich und ein erstaunlich rundlicher Kobold trat aus dem Haus. Er hatte eine Zigarre zwischen seine Kiefer geklemmt, die allerdings nicht angezündet war, und eine gewisse Aura der Autorität umgab ihn. Er wirkte völlig unbeeindruckt, als er zu Fafnir aufsah.

“Also, sag was du willst, aber mach schnell. Ich habe noch viel zu tun.”

spuckte das freche Ding regelrecht in Fafnirs Richtung und der große Drache kam nicht umhin, sich in seiner Ehre gekränkt zu fühlen. Er hatte mit Sicherheit keine Speichelleckerei von jemandem wie dem Besitzer der Waschanlage erwartet, aber gewisse Umgangsformen und ein zumindest grundlegender Respekt waren mindestens angebracht, wenn man bedachte, wie mickrig der gute Grumpert doch war. So etwas wie Verachtung spiegelte sich in seinen roten Augen wider.

“Weißt du, mit wem du es zu tun hast, Kobold?”

knurrte er schließlich und ließ keinen Zweifel an seiner Missgunst, aber Grumpert nahm nur seine Zigarre aus dem Mund und stemmte seine kleinen Fäuste in seine deutlich voluminöseren Flanken.

“Mit einem ausgewachsenen Ärgernis, das mich Zeit und Nerven kostet. Jetzt komm endlich zum Punkt!”

antwortete er, ohne dass sich auch nur eine Spur Vernunft in seiner Stimme blicken ließ. Fafnirs Lippen kräuselten sich, als er seinen Kopf leicht zu Grumpert herunter beugte.

“Ich bin Fafnir, der schwarze Dämon, der Ruin der Königreiche, der Todbringer. Zeig ein wenig Respekt …”

zischte Fafnir böse und hob seinen Vorderfuß leicht an, um den Kobold mit seiner scharfen Kralle anzutippen. Grumpert rollte mit seinen Augen und schob die rasiermesserscharfe Kralle achtlos von sich weg.

“Und ich bin Grumpert, Besitzer und Betreiber der besten und größten Drachenwaschanlage dieses Kontinents. Dass ich mit dir spreche, ist Respekt genug …”

Weiter kam er nicht, denn Fafnirs Kiefer klappten nur Zentimeter vor seinem Gesicht gewaltsam zu. Der Kobold hatte die Bewegung nicht kommen sehen und fiel rückwärts gegen die Tür seiner Hütte, während der Drache mit einem rauen Knurren seinen Kopf wieder zurückzog und dabei eine feurige Spur auf dem Boden hinterließ.

“Hör zu, Wicht. Du magst hier, unter deines erbärmlichen Gleichen, vielleicht der große Meister sein, aber du bist und bleibst nur ein Kobold …”

begann Fafnir, aus dessen Nüstern bereits dichter Qualm quoll. Grumpert, währenddessen, rappelte sich wieder auf und wollte etwas sagen, aber Fafnir schnitt ihm das Wort mit einer kurzen Geste seiner Krallen ab.

“... SCHWEIG! Von nun an sprichst du nur, wenn ich es dir erlaube! Ich bin hier hergekommen, habe dir allen gebührlichen Respekt erwiesen, indem ich mir nicht einfach genommen habe, was ich wollte. Ich habe mehr als höflich um ein Gespräch gebeten und nun besitzt Du die Frechheit, mir – von allen Drachen – so gegenüberzutreten. Eigentlich sollte ich hier einfach alles niederbrennen und ein Exempel an dir und deinen Untergebenen statuieren, damit Deinesgleichen daran erinnert werden, wo ihr Platz ist!”

Die Worte des Drachen hallten über das Gelände und zogen die Blicke der Anwesenden auf die beiden Streitenden. Grumpert, der allen Anschein nach doch ganz schnell zur Besinnung gekommen war, hob entschuldigend die Hände und drückte sich gegen die Wand der Hütte.

“Also …”

versuchte er zu antworten, aber das Feuer, das weiterhin aus Fafnirs Maul triefte ließ ihn stocken.

“Ich höre …?”

knurrte der Drache und senkte seinen Kopf ein wenig mehr, bis er fast auf der Höhe des Kobolds war.

“Es … es … war ein anstrengender Tag, die Nerven …”

stotterte Grumpert, aber Fafnir schüttelte nur knapp sein Haupt und verteilte damit sein Feuer in einem größeren Radius.

“Es ist noch recht früh, Grumpert, lass dir etwas Besseres einfallen.”

Es war nicht viel mehr als ein heiseres Flüstern, dessen Hitze gegen Grumpert blies und ihm die Schweißperlen auf die Stirn trieb. Im Hintergrund kamen einige von Grumperts Kobolden angelaufen, um zu sehen, ob sie die Situation entschärfen konnten, aber keiner getraute sich, etwas zu sagen oder zu tun. Sie alle wussten, wer da mit ihrem Vorgesetzten diskutierte, und niemand wollte sich hier zwischen die Fronten drängen.

Der Waschanlagenbetreiber schluckte schwer und knickte schließlich ein.

“Bitte verzeih meine harsche und völlig unangebrachte Ansprache, mein Temperament ist mit mir durchgegangen. Lass Gnade vor Recht walten.”

murmelte er leise und obwohl Fafnir ihn sehr wohl bestens verstanden hatte, zog er die Augenbrauen zusammen.

“Was war das? Ich glaube ich habe dich nicht verstanden …”

gab der schwarze Drache zurück und tippte mit einer Klaue an das Grumpert zugewandte Ohr, um seiner Aussage etwas mehr Nachdruck zu verleihen.

“... kannst du das noch einmal wiederholen?”

fragte er in einem übertrieben höflichen Ton, aber der Kobold schien verstanden zu haben, worum es ging und holte tief Luft.

“Ich sagte: Bitte verzeih meine ungestüme und unangebrachte Ansprache, ich habe mich von meinem Temperament mitreißen lassen. Bitte lass Gnade vor Recht walten.”

Er sprach laut genug, dass seine Mannschaft ihn hören und verstehen konnte. Ihr Kichern schien eine schlimmere Demütigung zu sein, als gegenüber dem Drachen seine Schuld einzugestehen. Fafnir nickte langsam und richtete sich wieder auf, ließ sein Feuer verlöschen und setzte sich schließlich vor dem Kobold hin. Er blieb dabei so dicht an seinem Gegenüber, dass dieser dazu gezwungen war, steil nach oben zu sehen, um mit dem Drachen sprechen zu können.

“Nun gut, ich will über diese Respektlosigkeit hinwegsehen, dieses Mal zumindest, denn ich benötige deine Dienste.”

begann der Drache und klang dabei so jovial, dass es fast schon abstoßend war. Grumpert, der immer noch gegen die Wand seiner Hütte gedrängt stand, sah zu ihm auf und gestikulierte dabei etwas verzweifelt in die Richtung seiner Waschanlage.

“Da … das hättest d… hättet Ihr auch einfacher haben können. Laamri …”

antwortete Grumpert, aber Fafnir schüttelte den Kopf.

“Nein, diesen Dienst meinte ich nicht, obwohl ich zugeben muss, …”

erwiderte der große Drache sanft und sah an sich hinunter, wo trotz der Aktivitäten der letzten vierundzwanzig Stunden noch immer klar zu sehen war, dass die Kobolde der Waschanlage gute Arbeit geleistet hatten.

“... dass ich positiv überrascht bin, von der Leistung, die deine Angestellten vollbracht haben; aber, ich bin aus einem anderen Grund hier.”

fügte Fafnir hinzu und beugte seinen Kopf nun doch ein wenig zu dem kleinen Kerl hinunter.

“Ich brauche ein paar Kobolde, für … haushaltsnahe Aktivitäten.”

Er versuchte beiläufig zu klingen, aber er sah bereits wieder die Röte in Grumperts Gesicht aufsteigen.

“Und dann kommst du …”

entfuhr es dem aufgebrachten Kobold, bevor er sich selbst stoppen konnte, aber er hielt sich die Hände vor die Schnauze und der Rest seines Ausbruchs blieb unverständlich. Der Drache grinste und nickte leicht.

“Nun, da du es ansprichst, ja. Ja, ich würde durchaus einige ‘deiner’ Kobolde nehmen, denn bei ihnen kann ich mir zumindest sicher sein, dass sie fähig sind.”

gab er schelmisch zurück und sah zu der Gruppe schaulustiger Angestellter hinüber. Nun konnte der Kobold nicht länger an sich halten und es brach aus ihm hervor.

“So eine Frechheit, nur weil du es kannst, heißt das noch lange nicht, dass du dir einfach nehmen darfst, was du willst! Zoll DU auch MIR Respekt. Immerhin habe ich all das hier aus dem Nichts erschaffen, damit ihr Tischfeuerzeuge euren Arsch nicht selber waschen müsst!"

schrie Grumpert erzürnt, sah dann jedoch Fafnirs Blick und fügte kleinlaut hinzu:

"Meine Angestellten sind nicht zu deiner freien Verfügung!”

Der Drache, mehr ein Schatten schwarz wie die Nacht, der weit über den Kobold aufragte sah ihn mit leuchtend roten Augen an, in denen die Boshaftigkeit funkelte.

“Du lebst noch, oder?”

Grumpert nickte.

“Das ist Respekt genug.”

knurrte Fafnir und sah zu wie der Kobold, der sich kurzfristig noch einmal aufgeplustert hatte, wie ein Souffle wieder in sich zusammenfiel.

Fafnir wartete noch einen klitzekleinen Moment länger, bevor er plötzlich in schallendes Gelächter ausbrach. Das raue, heisere Lachen wurde weit über das Gelände getragen, so dass auch der letzte Anwesende sich zu ihnen umdrehte. Es dauerte ein wenig, bis der Drache sich wieder so weit gefangen hatte, dass er sich wieder dem Kobold widmen konnte. Wie er ihn so entsetzt ansah, erinnerte Grumpert ihn irgendwie an einen Frosch mit Blähungen.

“Bei den Himmeln, du hättest gerade dein Gesicht sehen sollen. Einfach köstlich.”

Er kicherte noch immer ein wenig, fasste sich dann aber doch recht schnell, als sein Gegenüber überhaupt nicht glücklich aussah.

“Also, noch einmal: Ich benötige einige Kobolde, die sich bei mir um einige Dinge kümmern sollen. Immerhin werde ich in naher Zukunft einen Dauergast bei mir begrüßen dürfen, und da ich nicht immer zu Hause bleiben kann, brauche ich jemanden, der für die Sicherheit und den Komfort meines Gastes – und natürlich auch meines Horts – sorgen kann. Ich würde natürlich gut ausgebildete, fähige Kobolde bevorzugen. Da ich aber ein wenig unter Zeitdruck stehe, bin ich bereit, auch Personal zu akzeptieren, das nicht ganz meinen hohen Standards entspricht.”

erklärte Fafnir ruhig und gelassen, woraufhin auch Grumpert sich sogar langsam zu beruhigen schien.

“Also kommt ihr zum guten, alten Grumpert, um ihn um Hilfe zu bitten.”

stellte der Kobold fest und der große Drache nickte anerkennend mit geschlossenen Augen.

“So ist es. Ich dachte, ich frage dich, denn du hast augenscheinlich ein Pfötchen dafür, gute Diener zu finden. Es soll auch nicht dein Schaden sein.”

antwortete Faff und griff nach dem Lederbeutel an seinem Hinterlauf. Er entnahm eine großzügige Menge an Goldmünzen und ließ sie in Grumperts ausgestreckte Hände fallen.

“Man könnte es als Vorschusslorbeeren bezeichnen. Besorge mir eine kleine Truppe fähiger Kobolde. Sie müssen putzen, kochen und den Hort beschützen können und es gibt einen Zuschlag, wenn sie über Manieren verfügen; dann muss ich sie ihnen nicht erst noch beibringen.”

erklärte er dem Kobold, dessen Hände noch immer zitterten und der bemüht war, keine der Münzen fallen zu lassen. Die Augen des aufgedunsenen Reptils traten sichtbar aus ihren Höhlen hervor, als er das Gold in seinen Händen betrachtete. Es war nicht überragend viel des kostbaren Edelmetalls und noch viel weniger als das, was Fafnir in der Lage wäre, zu zahlen, aber er würde auch nicht übermäßig viel dafür tun müssen. Ein paar Anrufe, ein paar Gespräche, nichts, was ihn sonderlich beanspruchen würde, so zumindest dachte Fafnir.

Grumpert ließ die Münzen in einer seiner geräumigen Taschen verschwinden und grinste verstohlen zum großen Drachen hinauf.

“Warum habt ihr das denn nicht gleich gesagt? Nichts leichter als das. Ich werde mich sofort und höchstpersönlich darum kümmern.”

Der Enthusiasmus in des Kobolds Stimme war verklärt von der Gier nach mehr und dem intrinsischen Instinkt, dem Drachen gefallen zu wollen. Fafnir lächelte schmallippig und betrachtete den Wicht.

“Ich hätte es früher erwähnt, wenn ein gewisser Kobold seine Manieren nicht vollständig vergessen hätte, aber sei’s drum. Ich bin mir sicher, dass du dir große Mühe geben wirst, mir gutes Personal zu besorgen, denn du willst nicht, dass ich noch einmal wiederkommen muss, nicht wahr?”

Es war eine rein rhetorische Frage und trotzdem nickte Grumpert eifrig, zu versunken in seinen Träumereien.

“Gut, dann sind wir hier fertig. Schick die Knechte zu mir, sobald sie verfügbar sind, ich bin ein sehr ungeduldiger Drache, wenn ich etwas unbedingt haben möchte.”

fügte Fafnir mit gerade genügend Nachdruck hinzu, um sicher zu sein, dass sein Gesuch auch ernst genommen wurde. Als der Kobold ihm versicherte, dass er sich um alles kümmern würde, blinzelte der schwarze Drache langsam und stand dann gemächlich auf. Er entrollte seinen langen Schwanz, den er in seiner typischen Manier um sich gelegt hatte, und ließ ihn zischend durch die Luft peitschen.

“Ich verlasse mich auf dich, Kobold. Sorge dafür, dass ich nicht verlassen bin.”

knurrte Fafnir, während er sich umdrehte, um sich ein paar Schritte von der Hütte zu entfernen, bevor er seine gewaltigen Flügel ausbreitete und leicht in die Hacke ging.

“Gewiss, Ihr könnt euch auf mich verlassen.”

versicherte Grumpert und Fafnir schwang sich in die Luft. Das Rauschen seiner kraftvollen Flügelschläge wurde von einem triumphalen Brüllen untermalt, als er schnell an Höhe und Geschwindigkeit gewann.


Gelegenheit macht Beute

Der Rückflug gestaltete sich als schrecklich ereignislos, denn Fafnir flog schnell und hoch zurück zu seinem Hort. Angetrieben von der Vorfreude auf seine ‘Gäste’, aber auch in dem Wissen, dass seine Höhle zu relevanten Teilen einer Junggesellenbude glich: ziemlich unaufgeräumt. Er würde Ordnung schaffen müssen, bevor seine Geisel oder seine zukünftige Gefährtin ankamen.

Er wusste nicht, wann die einzelnen Parteien eintreffen würden, aber er war sich ziemlich sicher, dass die Prinzessin einige Tage unterwegs sein würde, bis sie an seiner Höhle ankommen würde; gesetzt den Fall, dass sie sofort aufbrechen würden, nachdem der Magier zurück am Hofe war.

"Hmmmm, das ist wohl eher unwahrscheinlich. Es wird einige Diskussionen geben, sowohl die Majestäten als auch die Magier der Gilde werden nicht zufrieden sein.”

brummelte er und fing dann laut an zu lachen.

“Oh, ich würde so gerne Mäuschen spielen …”

fügte er hinzu, während er den Bereich der Wälder wieder verließ und über die weiten Ebenen seines Territoriums flog.

Er würde den Menschen ein paar Tage, vielleicht zwei Wochen Zeit geben, bevor er sie ‘freundlich’ an ihre Abmachung würde erinnern müssen. Bis dahin dürfte er genügend Zeit haben, sein Domizil vorzubereiten und vielleicht könnten die Kobolde bis dahin auch schon angekommen sein und ihm dabei zur Hand gehen.

Beim Gedanken daran, wo er wen in seiner Höhle unterbringen konnte, welche Veränderungen er vornehmen musste und woher er die Materialien dafür nehmen konnte, kräuselten sich ihm aber jetzt schon die Klauen. Natürlich konnte er sich einfach nehmen, was er brauchte – wer sollte ihn denn aufhalten –, andererseits konnte er, sobald die Prinzessin bei ihm war, nicht mehr einfach so die Dörfer plündern. Er hatte schließlich versprochen, den Frieden zu wahren. Er würde also anderweitig an Ressourcen kommen müssen, sie wahrscheinlich also kaufen oder andere Königreiche überfallen.

Er verzog sein Gesicht bei dem Gedanken, den Menschen ihr Gold zurückzugeben.

In seinen Gedanken versunken sah er nach unten auf die Ebene, wo sich eine große Herde um einen Tümpel versammelt hatte, und instinktiv begann sein Magen zu rebellieren, dass er schon seit geraumer Zeit nichts mehr gegessen hatte. Fafnir grinste. Noch hatte er das Abkommen nicht geschlossen; noch konnte er sich einfach nehmen, was er wollte, und zumindest ein paar kleine Viecher hier und da sollten es auch nicht gefährden.

Er legte die Flügel an und ging in einen steilen Sturzflug über. Mit einem schrillen Kreischen fiel er regelrecht aus dem Himmel und wartete bis zum letzten Moment, bevor er seine Flügel wieder öffnete und seinen Sturz in einem pfeilschnellen Gleitflug abfing. Vor ihm stoben die Rinder auseinander, in einem Versuch dem Drachen zu entgehen, aber nicht alle waren intelligent genug, um nicht einfach voraus zu rennen.

Auch wenn Rindviecher erstaunlich schnell rennen konnten, wenn es um das nackte Überleben ging, so waren sie keinerlei Herausforderung für einen Drachen. Die panischen Schreie der Tiere, die im vollen Galopp vor ihm weg rannten, spornten Fafnir nur noch weiter an. Es war fast schon zu einfach, als er seine Krallen einfach nach vorne streckte und das Rind abpasste, über das er gerade hinweg flog.

Der gewaltige Schlag mit der krallenbewehrten Pranke des Drachens ließ die Kuh straucheln und schließlich aus dem vollen Galopp stürzen. Während das Tier sich mehrfach überschlug und ein paar Meter weiter liegen blieb, drehte Fafnir eine enge Schleife, verlangsamte seinen Flug und landete schließlich mit einem dumpfen Schlag unweit seiner Beute.

Es war zwar noch nicht tot, aber es war offensichtlich, dass es nicht überleben würde, selbst wenn Fafnir sich nicht an ihr weiden würde. Das Rind sah ihn mit weit aufgerissenen Augen an, seine Atmung ging in kurzes, abgehackten Stößen über, während der große, schwarze Drache seine Flügel langsam und genüsslich gegen seinen massigen Leib faltete und über seiner Beute thronte. Langsam zog er die Lippen zurück und entblößte seine dolchartigen Zähne. Die Kuh versuchte zu schreien, zu fliehen, aber die Verletzungen machten eine Flucht unmöglich und ihre Schreie taten wenig um den Drachen von seinem Mahl abzuhalten. Als sich Fafnirs Kopf senkte und sich seine Kiefer um ihren Hals schlossen, Bäumte sie sich ein letztes Mal auf, danach erschlaffte ihr Körper völlig. Der Drache wartete noch einen Moment länger, bevor er seine Beute wieder losließ und seinen Kopf noch einmal ein wenig anhob, um den Fang ein wenig genauer zu betrachten. Es war eine wohlgenährte Kuh und sie schien auf den ersten Blick gesund zu sein. Ein Festmahl. Sein Maul aufreißend schlug er zu und verschlang das Tier gleich hier und jetzt, denn es gab keinen Grund das Rind erst irgendwo anders hin zu bringen; erst, wenn er nicht mehr allein war, würde es mehr Sinn ergeben seine Beute nach Hause zu bringen, bevor er sie verzehrte.

Dennoch ließ er sich keine Zeit, sondern riss große Stücke aus dem noch warmen Körper und schlang sie unzerkaut herunter. Fafnir fraß etwa die Hälfte des Tiers sofort, den Rest hielt er in seinen Pranken und entschied sich dafür, ihn mitzunehmen, als er seine Flügel wieder aufspannte und sich erneut in die Lüfte erhob. Alles, was am Ende blieb, war ein großer, blutiger Fleck aufgewühlter Erde und eine Herde, die einen großen Bogen um diese Stelle machte. Wenn der Bauer nach seinen Rindern sah, wäre Fafnir bereits zu weit entfernt, als dass dieser ihn noch hätte sehen können. Alles, was er wissen würde, war, dass eine seiner Kühe fehlte und der Rest der Herde völlig verstört war.


Einsichten

Die Sonne hatte gerade ihren Zenit überschritten, als Fafnir wieder zu seiner Höhle zurückkehrte. Mit kräftigen Flügelschlägen schraubte er sich den Hang des Berges hinauf, bis er das Plateau vor seinem Hort erreichte. Kurz bevor er landete, ließ er den Rest seiner Mahlzeit fallen, um besser landen zu können. Mit einem letzten Flügelschlag ließ er sich auf den Landeplatz nieder und faltete anschließend seine Schwingen sorgfältig gegen seinen massigen Körper. Es war still hier oben in den Bergen. Einzig der Wind, der hier fast ohne Unterlass wehte, ließ die spärlichen Bäume und Sträucher rascheln. Der Drache sah sich um, suchte nach Anzeichen für Eindringlinge, die sich in der Zeit seiner Abwesenheit hier eingerichtet haben könnten, aber es gab keine Spuren, keine Anzeichen dafür, dass, abgesehen von ihm selbst, noch jemand anderes hier war.

Zufrieden nickend senkte der Drache sein Haupt, um seine Beute wieder aufzunehmen, bevor er seinen Hort betrat. Direkt hinter dem Eingang begann der Hauptraum seiner Höhle, wo sich auch seine – in Ermangelung eines besseren Wortes – Küche befand, wobei man den großen Granitblock, der ihm als Arbeitstisch diente und die sich daneben befindliche Feuerstelle, nur schwerlich als vollwertige Küche bezeichnen konnte.

Bevor er jedoch sein Mitbringsel dort ablegen konnte, musste der Drache erst einmal die Reste einer anderen Mahlzeit entsorgen. Angewidert sah Fafnir auf die bereits verwesenden Überreste eines Hirsches, den er vor einigen Tagen gefangen hatte. Auch dieses majestätische Tier hatte er nur zum größten Teil gefressen und den Rest für eine spätere Mahlzeit aufbewahrt, die dann aber nie stattgefunden hatte. Der süßliche Geruch, den dieser Kadaver verbreitete, ließ ihn die Nase rümpfen, aber wahrscheinlich würde er ihn eigentlich noch essen können – der Magen eines Drachens war durchaus in der Lage, mit so ziemlich allem fertig zu werden –, aber warum sollte er? Er hatte schließlich Frischfleisch mitgebracht.

Fafnir schnaubte verächtlich und schob die kümmerlichen Reste in die Feuergrube, bevor er den frischen Kadaver auf den Granitblock fallen ließ und sich danach ebenfalls dorthin wandte. Ein ordentlicher Schwall seines Drachenfeuers machte kurzen Prozess mit dem, was er dort gerade entsorgt hatte, als heiße Flammen hell aufloderten und alles verzehrten, was sich in der Grube befand.

“Was für eine Verschwendung …”

tadelte Fafnir sich selbst und nahm sich vor, in Zukunft wieder sorgfältiger darauf zu achten, nur so viel zu jagen, wie er wirklich brauchte, oder aber das Erlegte zügig zu verbrauchen.

“... Menschen haben einen deutlich empfindlicheren Magen …”

sinnierte er vor sich hin, aber eigentlich wusste er es nicht genau. Er wusste nur, dass die Menschen Schwächlinge waren – und deutlich pingeliger, was ihre Nahrung anging. Die Flammen flackerten wild und der Drache beobachtete ihren hypnotischen Tanz noch für einen Moment, konnte sich dann jedoch von ihnen losreißen und sah sich in der Höhle um. Es gab so viel zu tun.

Seit Emmys Tod hatte er wieder wie ein Jungdrache gelebt, hatte nur das Nötigste getan um eine grundlegende Ordnung aufrecht zu erhalten, zumindest solange Tyria noch da gewesen war; aber nun war er wieder ganz allein und das hatte seine Spuren in der großen Höhle hinterlassen. Reichlich Platz, um Dinge vor sich her zu schieben.

Sein Nest, einst ein kleines Kunstwerk, das er zusammen mit Emmy in tagelanger, mühevoller Arbeit geflochten hatte und danach mit exquisiten Pelzen gepolstert hatte, war zerwühlt und die Schäden immer nur notdürftig geflickt worden.

Die Dekorationen, die über fast ein Jahrhundert zusammengetragen und anschließend in ebenso langer Zeit immer wieder neu arrangiert worden waren, bis sie wirklich perfekt aussahen, waren von einer tobenden Jungdrachin umgerissen, verschoben, zerstört worden, aber nie wieder richtig platziert oder ersetzt worden.

Ebenso taten Brandflecken, Flecken deren Herkunft er sich nicht erklären konnte, Unrat, Rüstungs- und Waffenteile ihr Übriges, um seine Behausung zu zieren und es störte ihn.

Es störte ihn wirklich. Und zu seiner Schande musste er zugeben, dass es ihn nicht erst seit diesem Tag störte, aber er hatte bisher seine Lethargie nicht überwinden können, um etwas dagegen zu tun.

“Das endet jetzt und hier …”

befahl Fafnir sich selbst und begann damit, einzelne verstreute Gegenstände aufzusammeln und auf einen Haufen zu legen. Wahrscheinlich würde er fast alles entsorgen, aber er wollte es erst einmal alles sammeln und dann entscheiden, was er damit tun würde.

Er verbrachte letztendlich fast den gesamten Rest des Tages damit, in Rat und Unrat zu trennen. Es war erstaunlich, wie viel Unrat sich über die Zeit angesammelt hatte und im Laufe des Tages hatte er begreifen müssen, dass es gar nicht so einfach war, all die zum Teil sehr kleinen Dinge aufzuheben und auf einen Haufen zu legen, da er die meiste Zeit nur sein Maul benutzen konnte. Nach einer Weile hatte er also damit angefangen, Gegenstände erst einmal in die grobe Richtung zu werfen, bevor er sie schließlich auf den Stapel packte.

“Wo kommt das alles eigentlich her?”

murmelte Fafnir, während er die Ansammlung an Gegenständen betrachtete, die sich im vorderen Bereich seiner Haupthöhle befand. Natürlich war ihm bewusst, dass das Meiste davon Dinge waren, die Abenteurer ‘verloren’ hatten, aber er hatte nicht gedacht, dass es so viel war.

Früher hatte Emmy sich darum gekümmert und dafür gesorgt, dass die Höhle sauber blieb, dass alles aufgeräumt und ordentlich war. Er hatte immer nur für Chaos gesorgt, hatte neues Zeug angeschleppt, Trophäen, Mitbringsel, Souvenirs, die er einfach irgendwo liegen ließ, damit seine Gefährtin einen Platz für das Gerümpel finden konnte.

Das würde sich ab jetzt aber ändern, nein, es 'musste' sich ab jetzt ändern. Er konnte nicht mehr einfach so Dinge hier in der Höhle abladen, in der Hoffnung, dass sich irgendwer darum kümmern würde. Im schlimmsten Fall würde sich dieses Menschlein, das er sich da ans Bein gebunden hatte, an irgendetwas verletzen und dann krank werden, so wie sie es immer taten, dies galt es auf jeden Fall zu verhindern..

“Wir wollen ja nicht, dass sich diese Göre weh tut. Nachher beschwert sich noch ihr lieber Herr Papa; und das geht ja mal gar nicht.”

brabbelte er vor sich hin und richtete seine Ansprache an niemanden spezifisch, sondern ließ seiner Geringschätzung einfach freien Lauf. Seine Lippen verzogen sich zu einem sardonischen Grinsen.

“Nun, wenn wir mal ehrlich sind, dann wäre sie ja eigentlich selbst schuld …”

fügte er hinzu und hob ein verbogenes, angerostetes Schwert auf und betrachtete es neugierig, warf es dann aber achtlos auf den Haufen.

“... wenn sie sich an irgendetwas verletzt. Sie wird ihr eigenes kleines Reich bekommen, in dem sie ‘residieren’ darf …”

Sein Ton wurde regelrecht verächtlich bei den letzten Worten.

“... und wenn sie diesen Bereich verlässt, braucht sie sich nicht wundern, wenn da mal was rumliegt.”

schloss er seinen Monolog und widerstand nur knapp dem Drang, den ganzen Haufen wieder in der Höhle zu verteilen, einfach aus Trotz. Das Einzige, was ihn wirklich davon abhielt, war die Tatsache, dass die Unordnung ihn selbst auch störte und dass Nellja seine Höhle nicht im absoluten Chaos vorfinden sollte. Die Meinung der Zweibeiner war ihm eigentlich egal. Schließlich riss er seine Augen von der Ansammlung los und sah sich in seinem Hort um. Es sah bereits deutlich besser aus, natürlich immer noch nicht wirklich ordentlich, aber wenigstens nicht mehr völlig desolat. Während er seinen Blick weiter schweifen ließ, fiel ihm auf, dass das Licht von draußen bereits deutlich schwächer geworden war.

Wie viel Zeit hatte er wohl damit verbracht dieses Gerümpel aufzuklauben? Ungläubig schüttelte er den Kopf und ging langsam zum Höhleneingang. Tatsächlich war die Sonne bereits wieder im Begriff, sich hinter den Bergen zu verstecken. Der Himmel war bereits blassrot verfärbt und die Umrisse der Gipfel leuchteten gülden, wie sie von hinten beleuchtet wurden.

Fafnir trat vor bis zur Kante des Plateaus und setzte sich so hin, dass seine Front zur Sonne ausgerichtet war. Die letzten, orange-roten Sonnenstrahlen, ließen die Schuppen seines Gesichts matt erstrahlen und seine sonst rabenschwarzen Schuppen nahmen einen kupferfarbenen Ton an. Nach einem Moment, den er dem majestätischen Schauspiel zugesehen hatte, schloss er seine roten Augen und genoss nur noch die Wärme auf seinem Panzer.


Zwischenspiel

Die Nacht fiel schnell in den Bergen, die Schatten wuchsen rasant und mit ihnen die Dunkelheit und die Angst.

Der gewaltige Schatten, der sich kaum noch von seiner Umgebung abhob, saß still und starr auf seinem Plateau. Die Flügel eng um seinen Leib geschlungen und den langen Schwanz wie eine Fessel um seine Füße gelegt, war er wie die Statue eines Mahnmals. Ein stummer Wächter hoch über dem Tal, dessen Augen geschlossen waren, aber dessen Geist nie schlief.

Es war eine dunkle Nacht. Eine kalte Nacht. Wolken verdeckten den Mond und die Sterne funkelten nicht am Firmament.

Anders als in früheren Nächten zog es den Schatten jedoch nicht mehr auf die Gipfel und über die Wolken. Er fühlte einen seltsamen Frieden in sich, den er schon sehr lange nicht mehr gespürt hatte. Ganz langsam öffnete er seine Augen und ihr schwaches, rotes Glühen stach hervor in der Dunkelheit der Nacht. Ohne Hast bewegten sie sich und betrachteten die Welt, die sich – aller Farbe beraubt – grau in grau um ihn herum ausbreitete.

“Hmmmm …”

brummelte er sanft und sein Blick wandte sich ins Tal, wo die Schatten noch dichter, noch dunkler waren, als auf seinem Berg. Die perfekte Nacht, um ein Dorf auszulöschen.

“Nein alter Knabe, das darfst du nun nicht mehr tun …”

murmelte der Schatten und so etwas wie Enttäuschung schwang in seiner Stimme mit. Wie um seinem Gemüt mehr Ausdruck zu verleihen, atmete er tief durch und als sein Atmen seine Nüstern verließ, formte er dichte Wolken, die, vom Wind hinfort gerissen, sich alsbald auflösten. Er sah dem sich schnell verflüchtigenden Dunst nach und schüttelte schließlich den Kopf.

“Zeit zum Schlafen.”

seufzte er und erhob sich mühsam von seinem Aussichtspunkt, streckte sich ausgiebig und wandte sich schließlich zu seiner Höhle um. In der Dunkelheit der Nacht war er nur ein Schemen, ein nahezu schwarzer Umriss vor einem ebenso düsteren Hintergrund. Einzig das Rot seiner Augen und der gelegentliche Nebel seiner Atemzüge hoben sich vor der Kulisse ab. Seine langsamen, trägen Bewegungen täuschten jedoch über seine Stärke hinweg und ließen ihn erschöpft und ausgelaugt wirken; und hätte ihn jemand jetzt gefragt, so hätte er sicherlich auch zugegeben, müde zu sein, schläfrig sogar, aber nie hätte einem anderen gegenüber eingeräumt sich erschöpft oder gar ausgelaugt zu fühlen. Diese Blöße gab sich ein Drache seines Kalibers nicht.

Sein langer Schwanz schlängelte sich in langsamen Ondulationen hinter ihm her, während er das Maul der Höhle passierte und die Außenwelt und ihre Konflikte hinter sich ließ.

In der Höhle empfing ihn ein ihm wohlbekannter Geruch und die Luft war wärmer als draußen, wenn auch nicht viel. Mit behäbigen Schritten umrundete er die Feuerstelle und schob einige weitere Holzscheite in die bereits mit Asche gefüllte Vertiefung, bevor er sie vorsichtig mit seinem Feuer entzündete.

Das trockene Holz brannte sofort und der Schein der Flammen erhellte das schwarz gepanzerte Antlitz des Schattens, dessen Lippen sich zu einem sanften Lächeln zurückzogen, während der lustige Tanz ebenjener Flammen seine Silhouette unstet an die Wände warf. Mit einem dumpfen Brummen nickte der Schatten sein Werk ab und schob sich weiter zu dem ringförmigen Gebilde, das ihm als Nest taugte.

Vorsichtig kletterte er über den Rand und drehte sich einmal um sich selbst, bevor er sich im Inneren seiner Lagerstatt so zusammenrollte, dass sein Kopf weiterhin zum Feuer zeigte.

“Bald …”

seufzte er leise und beobachtete das Flackern des Feuers noch für einen Moment, bevor er seine roten Augen schloss.


Ein Kobold kommt selten allein

Die nächsten Tage vergingen ziemlich ereignislos, aber das hatte Fafnir schon so erwartet, seine Höhle lag buchstäblich am anderen Ende des Königreiches. Was für ihn ein gemütlicher Tagesausflug war, würde für die Menschen eine Reise sein, die gleich mehrere in Anspruch nehmen würde. Fürderhin hatte er auch nicht damit gerechnet, dass die Kobolde innerhalb der nächsten Tage bei ihm eintrafen.

“Kurze Beine …”

schmunzelte er, als er sich das typische Bild eines Kobolds von Augen hielt.

“... flinke, kleine Biester.”

fügte der Drache hinzu, während er daran dachte, wie schwer es manchmal war, sie zu fangen. Ihre kleine Statur, schnelle Reflexe und durchtriebene Natur hatte Kobolde über die Jahrhunderte zu gewieften kleinen Kreaturen weiterentwickelt; aber all das half nur bedingt dabei, wenn man schnell größere Entfernungen zurücklegen wollte.

Tatsächlich sollte es noch ein paar Tage dauern, bis die kleine Karavane sich ihren Weg bis zu seiner Höhle gebahnt hatte. Fafnir hatte ihr lautes und ausgelassenes Geschnatter schon gehört, bevor sie ankamen. Langsam kam der Drache aus seiner Höhle und sah gerade wie die Truppe die letzten Meter zu seinem Landeplatz überwanden. Es waren zehn von ihnen und sie trugen lange Kapuzenmäntel, unter denen sich ihre großen Ohren abzeichneten. Jeder hatte ein Bündel bei sich, das sie an Stöcken gebunden über ihre Schultern trugen.

Der Drache grinste, als ihm ganz kurz ein Gedanke durch den Kopf ging.

"Hmmm, Snacks frei Haus, das ist Hingabe der Respekt gebührt.”

rief er gut gelaunt und für einen kurzen Augenblick konnte man die Gesichter der Kobolde entgleisen sehen, bis sie verstanden, dass Fafnir es nicht wirklich ernst gemeint hatte.

Der größte unter den Kobolden, der auch an der Spitze ihrer kleinen Kolonne lief, schob seine Kapuze nach hinten und entfaltete seine Ohren. Seine Schuppen trugen einen warmen, orangefarbenen Ton und seine Augen waren von einem leuchtenden Grün. Wie ein guter Untergebener trat er auch gleich vor und sank vor dem großen Drachen auf ein Knie und beugte sein Haupt.

“Seid gegrüßt, Meister Fafnir, man nennt mich Grendel. Es ist uns eine Ehre, Eure Bekanntschaft zu machen. Wir sind gekommen, um in Eure Diensten zu treten.”

Seine leicht piepsige Stimme passte irgendwie gar nicht zu seiner Erscheinung, aber er zeigte den zu erwartenden Respekt, und als Fafnir seinen Blick von dem Knienden zum Rest seiner Truppe schweifen ließ, gingen auch diese auf die Knie und senkten ihren Blick.

“Erhebe dich, Grendel.”

erwiderte der Drache leise und sein warmes Lächeln zeigte sein Wohlwollen deutlich. Es dauerte einen Moment, aber dann erhob sich der kleine Kobold und mit ihm der Rest seiner Mannschaft. Während er sie musterte, brummte Fafnir sanft seine Zustimmung. Es war eine kleine, aber feine Truppe, die Grumpert für ihn angeheuert hatte. Wie für diese kleinen Schuppenträger üblich, war keiner wie der Nächste, jeder war besonders auf seine eigene Weise, aber sie hatten alle gemeinsam, dass sie deutlich kleiner waren als der durchschnittliche Mensch. Sie hatten alle erstaunlich große Ohren und Augen und keiner von ihnen konnte auch nur einen Moment lang stillstehen.

“Grumpert schickt euch?”

fragte der Drache, obwohl er sich ziemlich sicher war, die Antwort bereits zu kennen und Grendel nickte eifrig.

“Gewiss. Er hat uns in eurem Namen angeheuert. Er sagte, der mächtige, schwarze Dämon benötige fähige Handlanger, die nicht nur loyal, sondern auch schlau seien.”

bestätigte der Kobold in seiner unnachahmlichen Stimme, die ein Lächeln auf des Drachen Lippen zauberte, bevor er nickte.

“Gut, gut. Deine Truppe, sind das alle?”

Die Frage war berechtigt, denn Fafnir hatte eine Menge Gold bei Grumpert gelassen. Wenn er dafür nur zehn dieser kleinen Fieslinge bekam – selbst wenn sie seinen Ansprüchen genügten –, dann war das eine ziemliche üppige Provision für den fetten Waschstrassen-Besitzer. Zu seiner Erleichterung schüttelte Grendel allerdings seinen Kopf, was seine Ohren regelrecht herumflattern ließ. Irgendwie sah der Kobold damit auf eine niedliche Art dämlich aus, die Fafnir gefiel.

“Nein Meister Fafnir, es kommen noch ein paar Kobolde nach, sobald sie verfügbar sind. Ihr habt hohe Anforderungen an eure Handlanger gestellt, es ist nicht einfach, diese zu erfüllen.”

antwortete der Rädelsführer und der Drache brummte zustimmend.

“In der Tat brauche ich fähiges Personal. Ich erwarte wichtige Gäste, deren Wohlergehen ich garantiert habe. Eure vorrangige Aufgabe wird es sein, euch darum zu kümmern, dass es ihnen an nichts fehlt.”

erklärte die Flugechse ruhig und drehte sich langsam zum Eingang seiner Höhle, einer ihrer Flügel bedeutete den Neuankömmlingen zu folgen. Grendel sah kurz zu seinen Kumpanen, bevor sie sich dem Drachen anschlossen.

Innen war es dunkler, aber deutlich wärmer als draußen, und während sie den kurzen Gang entlang gingen, der zum Hauptraum des Horts führte, fuhr Fafnir fort.

“Bevor meine Gäste jedoch hier ankommen, gibt es noch ein paar andere Dinge zu tun. Mein Hort ist in einem … hmmm …”

brummelte er nachdenklich.

“... wie soll ich es sagen … hmmm … unansehnlichen Zustand.”

schloss er, als sie die Haupthöhle erreichten und das Licht, das von draußen herein schien, seine Silhouette als großen Schatten an die hintere Wand des Areals projizierte. Der Drache blieb stehen und ließ die Eindrücke auf seine neuen Untergebenen wirken, die nach und nach den Raum betraten.

Die Haupthöhle hatte eine hohe Decke und die Fläche war erstaunlich groß. Auf mehreren Zwischenebenen fanden sich nicht nur seine Küche, neben der er schon vor einiger Zeit seine Schlafstatt eingerichtet hatte, sondern auch eine Art Wohnbereich, wo Fafnir sich früher hauptsächlich mit Emmy aufgehalten hatte. Dieser hatte eine eigene Feuerstelle, die nicht nur als Licht-, sondern auch als Wärmequelle genutzt wurde und an den Wänden waren die kümmerlichen Reste diverser Dekorationen aufgereiht, die notdürftig Repariert oder neu geordnet worden waren, während der steinerne Boden einmal mit einer Art Teppich ausgelegt gewesen war. Fafnir hatte den Bodenbelag jedoch entsorgt, da er im Laufe der Zeit so sehr unter Tyrias ersten Versuchen, ihr Feuer zu kontrollieren, gelitten hatte. Noch weiter hinten in der Höhle befanden sich einige Gänge, die zu den weiteren Abschnitten seines Horts führten: der Schatzkammer, seinem ehemaliges Schlafgemach, sowie einigen anderen Räume, die sie bisher nicht gebraucht hatten.

Grendel und die anderen Kobolde sahen sich um. Es war nicht unbedingt unordentlich, der Drache hatte die Zeit bis zu ihrer Ankunft produktiv genutzt und das meiste, der eindeutig als Unrat zu erkennenden Dinge bereits aus der Höhle geschafft. Das hieß allerdings nicht, dass es in der Höhle auch nur ansatzweise wohnlich war. Alles wirkte verwahrlost, verbraucht, dreckig.

“Meister Fafnir …”

begann Grendel und bemühte sich, einen angemessenen Tonfall zu treffen.

“... wenn Ihr mir diese Frage gestattet, wer werden die Gäste sein, die Ihr hier zu empfangen wünscht?”

Die Frage klang ehrlich interessiert und sie war angebracht, denn für einen anderen Drachen würde man einen ganz anderen Aufwand betreiben als für einen Menschen. Fafnir sah zu dem kleinen Teufel an seiner Seite und atmete tief durch.

“Nun, irgendwann in den nächsten Tagen sollte die Prinzessin dieses Königreiches hier eintreffen. Sie wird als meine Geisel, also auf unbestimmte Zeit, hier residieren. Es soll ihr an nichts essentiellen fehlen, aber ich denke, so ein Mensch wird doch recht einfach in der Haltung sein, nicht wahr?”

antwortete der Drache, doch er klang nicht wirklich überzeugt davon. Grendel kratzte sich am Kinn, bevor er zu ihm aufsah.

“Ihr bekommt eure Geiseln geliefert, Meister Fafnir?”

Es schwang eine Menge Belustigung in der Frage des Kobolds und auch der Drache kam nicht umhin zu schmunzeln. Er fing sich jedoch schnell wieder.

“Nun, es ist ein Entgegenkommen der Bürger dieses Reichs. Sie wünschen sich Frieden und sind bereit, ihren Teil dazu beizutragen, dass ich ihr Land nicht noch einmal den Flammen opfern muss.”

erklärte Fafnir mit ruhiger Stimme und sah sich in der Höhle um.

“Sie werden sie irgendwann in den nächsten Tagen hier absetzen, bis dahin muss diese Höhle auf Vordermann gebracht sein und ich fürchte, wir werden dieser Göre noch eine Unterkunft kreieren müssen. Darüber hinaus hoffe ich, dass ebenfalls in nicht allzu ferner Zukunft noch eine Drachin der Klingenflügel hier eintrifft, also werdet ihr vorerst genügend Arbeit haben.”

Fuhr er fort und Grendels Gesichtsausdruck veränderte sich mehrmals; erst von Neugier zu Belustigung und schließlich zu Schock. Der Kobold setzte mehrfach zu einer Frage an, brach jedoch jedes Mal wieder ab, noch bevor er ein Wort gesagt hatte. Schließlich nickte Fafnir leicht und übernahm für ihn.

“Ich weiß, Grendel. Ich bin mir des Dilemmas sehr wohl bewusst, aber ich hege die Hoffnung, dass es trotzdem funktionieren wird, Nellja ist Argumenten zugänglich, sie wird nicht einfach so meine Geisel töten … hoffe ich.”

Der Drache klang durchaus unsicher, aber der Kobold an seiner Seite nickte nur und sah sich weiter um.

“Nun gut, Meister Fafnir, wir werden einiges an Baumaterial brauchen, damit wir eine Gemach für eure Geisel bauen können und euer Nest wieder in einen Zustand versetzen, dass sich darin zwei große Drachen wohlfühlen können.”

“Ihr sollt bekommen, was ihr benötigt. Kommt, lasst mich euch zeigen, wen ich gerne wo ungebracht wissen möchte.”

sagte der Drache gutmütig und erhob sich langsam wieder, Grendel nickte und blieb an seiner Seite, während er den anderen bedeutete zu warten. Fafnir ging langsam durch den Hauptraum seines Horts und ließ seinen langen Schwanz gemütlich hinter sich schwingen.

“Dies hier ist der eigentliche Wohn- und Empfangsbereich der Höhle, aber es gibt noch einige andere Räume in den hinteren Arealen dieses Domizils.”

eröffnete der Drache und zeigte kurz auf eine der Öffnungen in der Wand.

“Dort geht es in den Hort. Ich weiß, wie sehr ihr kleinen Räuber das Funkeln liebt, und es soll euch gestattet sein, euch darin aufzuhalten, aber wehe dem Kobold, den ich dabei erwische, dass er sich daran unerlaubt bedient."

Aus dem Maul seines Herrn klang diese Drochung einschüchternd und das verschmitzte Grinsen des Drachen ließ den Kobold frösteln.

“Keine Sorge, Meister Fafnir. Mit uns an eurer Seite wird der Hort nur weiter wachsen.”

entgegnete der Kobold und nickte eifrig. Fafnir sah nach unten, entdeckte das breite Grinsen auf den Lippen seines Untergebenen und gluckste leise.

“Wir werden sehen, aber ich mache mir da wenig Sorgen.”

antwortete der Drache und führte seinen Begleiter durch den anderen Durchgang, in die hinteren Bereiche der Höhle. Sie betraten nun den Teil der Höhle, den Fafnir früher mit Emmy als Nest genutzt hatte. Sie hatten ihn sich gemütlich eingerichtet, doch im Grunde genommen war der ganze Bereich eher zu einer großen Spielwiese geworden, überall waren Felle und andere Polster gewesen, aber nun wirkte er trostlos, kalt und leer. Der Drache wurde stiller, seine Bewegungen langsamer und bedächtiger, als er sich in dem verlassenen Raum umsah. Er hatte den größten Teil der Einrichtung noch bevor Tyria geschlüpft war, zusammen mit ihrem Ei in den Hauptraum gebracht, was zurück geblieben war, waren nur ein paar zerlumpte Überreste. Während seine Augen durch die Dunkelheit glitten, überkamen ihn die Erinnerungen und er atmete tief durch.

“Hier war einst uns- … mein Nest gewesen, aber ich habe es schon lange nicht mehr verwendet. Vielleicht, wenn Nellja sich zu bleiben entschließt … vielleicht …”

murmelte er leise und sah zur hinteren Wand, wo ein weiterer Durchgang in die Bereiche der Höhle führte, die sie noch nie benutzt hatten. Emmy hatte sie einst ausgekundschaftet und Tyria hatte dort in der fackellosen Dunkelheit an ihren Jagdfähigkeiten gefeilt, aber Fafnir hatte nie einen Grund gehabt, sich dort hinein zu begeben. Grendel enthielt sich des Kommentars, blieb aber an des Drachen Seite.

“Dort hinten gibt es weitere Höhlenabschnitte. Dort könnt ihr die Unterbringung für die Geisel und natürlich auch euer Lager aufschlagen. Nehmt euch soviel Platz wie ihr benötigt, solange es nicht mit meinen Ansprüchen kollidiert, soll es mir recht sein. Seht euch um, macht Pläne und teilt mir mit, was ihr braucht. Ich werde dafür sorgen, dass ihr bekommt, wonach ihr verlangt.”

wiederholte der Drache mit rauer Stimme und wies auf den Durchgang. Grendel folgte der Weisung und sah zu dem ominösen Pfad herüber, ging aber für den Moment noch nicht hindurch. Fafnir wusste, dass diese kleinen Schuppenträger eine nicht ganz so ausgeprägte Nachsicht besaßen. Er schätzte, dass der schwache Lichtschein, der noch von der Haupthöhle zu ihnen drang, diesen Bereich nur gerade noch genug erhellte, dass die Nachsicht des Kobolds ihn grob die Größe Raums erahnen ließ. Wenn sie hier hinten arbeiten wollten, würden sie Fackeln oder Feuerschalen brauchen. Er machte sich keine großen Sorgen darüber, Kobolde waren erfinderisch, sie würden sich zu helfen wissen.

“Verstanden, Meister Fafnir. Die anderen und ich werden uns die Möglichkeiten in den hinteren Bereichen ansehen und entsprechende Pläne erstellen. Für die erste Nacht würden wir einen Platz am Feuer bevorzugen, natürlich nur, wenn es Euch genehm ist, Meister Fafnir.”

Der Kobold klang aufgeregt und voller Tatendrang, was Fafnir sehr begrüßte und er beschloss es ihnen erlauben, sich für die ersten Nächte, an seinem Feuer zu wärmen, bis sie ihr eigenes Lager aufgeschlagen hatten, aber sie kamen nicht ins Nest. Damit würde er gar nicht erst anfangen. Damit würde er gar nicht erst anfangen. Haustiere hatten nichts auf seinen Fellen verloren, außer vielleicht, um sie zu reinigen, er war ja sehr tolerant, aber es gab Grenzen. Sein Nest würde er nur mit Nellja teilen, da gab es gar nichts dran zu rütteln.

“Der Platz soll euch gewährt sein, bis eure Lagerstatt fertiggestellt ist. Ich werde jagen und genügend Nahrung herbeischaffen, damit wir uns daran laben können. Nun geh und hole deine Kumpanen. Beginnt mit der Arbeit, es gibt viel zu tun und nur wenig Zeit.”

wies er den Kobold mit fester, aber wohlwollender Stimme an, bevor er auf der Stelle kehrt machte und sich erstaunlich zügig wieder in den vorderen Teil der Höhle begab, wo sich die übrigen neun Kobolde bereits in einen Kreis gesetzt hatten und auf Grendels Rückkehr warteten. Fafnir sah sie nur an und grinste dann.

“Ene, meine, muh …”

zählte er leise und schelmisch ab, hielt aber mitten im Satz inne, als er ein Räuspern neben sich vernahm. Er wollte gerade mürrisch raunen und seinen Untergebenen zurecht weisen, aber als er den Kopf in Richtung des Geräuschs drehte, sah er einen breit grinsenden Kobold, der ihn mit erhobenem Finger tadelte.

“Nein, nein, nein, Meister Fafnir, DIESE Kobolde sind nicht zum Verzehr gedacht.”

erklärte Grendel mit – gespielt – ernster Stimme, konnte sich jedoch ein Lachen nicht ganz verkneifen, als er Fafnirs entgleiste Gesichtszüge sah. Der Drache schaltete schnell und begriff, dass sein Lakai seinen Scherz verstanden hatte. Als sie sein Lachen hörten, spitzten die anderen Kobolde die Ohren und sahen sich nach den Beiden um. Neugierde spiegelte sich auf ihren Gesichtern wider, während der Drache in Begleitung ihres Anführers langsam zu ihnen kam.

“... aber sie schmecken echt vorzüglich, wenn man sie langsam über offenem Feuer röstet und vorher mit Pilzen und Zwiebeln füllt.”

führte Fafnir seinen Scherz trocken fort und versuchte den Kobold zu überzeugen, aber der schüttelte immer noch seinen Kopf und blieb hart.

“Ich weiß, und wenn man sie während des Garens mit Bier übergießt, werden sie noch schmackhafter. Nichtsdestotrotz, diese Kobolde sind nicht für den Verzehr bestimmt.”

korrigierte Grendel seinen Lehnsherren, aber das unterdrückte Lachen war trotzdem in seiner Stimme zu hören, woraufhin Fafnir seinen Kopf in den Nacken warf, enttäuscht knurrte und mit seiner Pranke auf den Boden stampfte, um den Schein zu waren.

“Du gönnst mir aber auch gar nichts!”

murrte der schwarze Dämon, während sich die anderen Kobolde erhoben und vorsichtig vor ihm zurückwichen.

Sowohl Fafnir als auch Grendel sahen sich das Schauspiel kurz an, hielten die Spannung aufrecht und genossen die Unsicherheit auf den Gesichtern der Anderen, bevor sie beide in schallendes Gelächter ausbrachen.

Es verging ein peinlicher Moment, bis die Beiden sich wieder genug gefangen hatten, um die anderen Kobolde zu beruhigen.

“In Ordnung, in Ordnung, es war nur ein Scherz.”

begann Grendel und wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel, während der Drache noch ein wenig weiter gluckste.

“He, he, he, ihr hättet mal eure Gesichter sehen sollen. Hi hi hi, zu köstlich.”

prustete Fafnir und schüttelte amüsiert den Kopf. Ungläubig sahen sich seine kleinen Handlanger an, noch immer angespannt und unsicher bezüglich der Aussage ihres Herrn, dem durchaus zuzutrauen war, dass er den ein oder anderen Kobold mal eben verschlingen konnte, während besagter Drache an ihnen vorüber zum Höhlenausgang ging.

“Ich lasse meinen Hort in eurer Obhut. Grendel, ihr habt einen Auftrag, fangt an!”

rief er über seine Schulter hinweg, bevor er im Gang verschwand.


Eine ganze Horde füttern

Auf dem Weg zum Plateau vor seiner Höhle lachte Fafnir noch immer in sich hinein. Schon allein für diesen Spaß hatte es sich schon gelohnt, die Kobolde zu engagieren. Seine Stimmung war beschwingt, selbst wenn er an das kurze Tief in seinem alten Nest zurück dachte. Er würde sich überlegen, ob er nicht wirklich das Nest zurück in diesen Abschnitt der Höhle verlegte. Es war dort immer gemütlicher gewesen als in der Haupthalle und spätestens wenn Nellja wirklich blieb, war es sinnvoller, einen Rückzugsort zu haben, an dem es ruhiger, abgeschlossener war, als im Empfangsbereich. Nicht, dass er sich zieren würde, mit seiner Gefährtin vor seinen Untergebenen intim zu werden, aber es hatte doch etwas mit Privatsphäre zu tun.

Als er schließlich ins Licht trat, streckte er seine Flügel und genoss die Kälte auf seinen Schuppen. Er atmete tief ein, schmeckte die kristallklare Luft und ließ sie dann ganz langsam wieder entweichen.

“Aaaaah … wundervoll.”

seufzte er und streckte sich genüsslich. Er würde jagen gehen, einen ordentlichen Schmaus für sich und seine Untergebenen besorgen, während sie sich einen Überblick verschafften. Er sah die Hänge seines Berges hinab, dorthin, wo sich die Wälder und Wiesen trafen, dort würde er den ein oder anderen Hirsch finden, den er erhaschen konnte.

Vorsichtig schlug er ein paar Mal mit seinen Flügeln, spürte, wie der Wind sich in den Membranen fing und ihn fast vom Boden hob. Die Lust zu fliegen und zu jagen stieg in ihm auf und er brüllte sie in die kalte Bergluft, bevor er sich von der Kante stürzte und den Hang hinab segelte.

Mit steigender Geschwindigkeit pfiff er über die Bäume hinweg in Richtung des Tals. Er hoffte, dass er das Wild aus dem Wald auf die Wiese treiben konnte, wo sie dann einfach zu erlegen waren. Unter den Bäumen konnte er sie immer nur bedingt jagen. Zwar war er in der Lage, die Wipfel zu durchbrechen, aber wenn er dann seine Beute verfehlte, was durchaus manchmal vorkam, dann musste er erst wieder mühsam zwischen dem ruinierten Blätterdach hervor klettern, bevor er die Jagd fortsetzen konnte. Es war ihm wirklich deutlich lieber, das Abendessen auf offenem Feld zu erlegen. So segelte er über die dicht bewachsenen Hänge nah am Fuße seines Berges und stieß immer wieder kurze Schreie aus, von denen er wusste, dass sie die Tiere in Panik versetzen würden und vor ihm her trieben. Zwischen seinen Rufen brauchte er nur in den Wald zu lauschen und darauf zu warten, dass er etwas aufscheuchte.

Es dauerte nicht lange, bis er etwas förmlich explodieren hörte und kurz darauf sprintete auch ein großer Schatten vor ihm durch den Wald.

Fafnir lachte laut, änderte seinen Kurs und nahm die Verfolgung auf.

“Ja … renn … lauf um dein Leben … ha ha ha haaa … schneller, schneller …”

rief er durch die Wipfel, die zwischen ihm und seiner Beute vorbei rauschten. Er hörte die panischen Schreie des Tieres, als es durch das Dickicht stürmte, in der Hoffnung, seinem Verfolger zu entfliehen, aber beide wussten, dass es jetzt kein Entkommen mehr gab. Einmal im Visier des Drachens, war der Tod der einzige Ausweg.

Weiter vorne kam die Grenze zum freien Feld schnell näher und damit die Chance, seine Beute zu erlegen. Kurz bevor Fafnir die Grenze erreichte, brach das Wildschwein durch die letzten Büsche, die es noch von der Wiese trennten. Im Schweinsgalopp raste der Keiler schnurgerade davon und der ihn verfolgende Drache stieß einen triumphalen Schrei aus, als er sein Ziel zum ersten Mal richtig sah. Er beschleunigte spielend leicht und schloss die Lücke zwischen ihnen, griff nach unten und schnappte sich die quiekende Mahlzeit. Als es die langen Klauen an seinen Flanken spürte, zappelte und wehrte sich das Wildschwein noch einen Moment länger, bevor Fafnir sein Genick brach. Noch während das Zucken in seinen Krallen erschlaffte, schlug der Drache mit den Flügeln, um wieder an Geschwindigkeit und Höhe zu gewinnen. Im Zuge dieses Manövers sah er sich noch einmal in der Hoffnung um, vielleicht noch ein oder zwei weitere Beutetiere zu sehen, was die Verpflegung seiner neuen Untergebenen deutlich vereinfachen würde.

Er musste jedoch zu seiner Schande gestehen, dass er nicht die geringste Ahnung hatte, wie viel so ein Kobold für den täglichen Bedarf bräuchte, er wusste nur, dass er so ein Wildschwein in einer Sitzung verzehren konnte, doch nun gab es noch zehn weitere Mäuler zu stopfen und egal, wie genügsam sie waren, mit den paar Moosen und Flechten in seiner Höhle würden sie sich wohl kaum begnügen.

Am Ende hatte er sich dann doch noch einen zweiten Keiler geholt und als er mit der Nachmittagssonne im Rücken auf dem Plateau vor seiner Höhle landete, wurde er dort bereits von einem der Kobolde erwartet. Er hielt mit – einem Speer bewaffnet – vor dem Eingang zum Hort Wache und als er seinen Herrn herannahen sah, verbeugte er sich tief und begrüßte ihn respektvoll.

“Willkommen zurück, Herr.”

Die Ehrfurcht, die mit der Begrüßung mitschwang, verzückte Fafnir. Generell war er sehr angetan von der Unterwürfigkeit seiner Untergebenen und ihrem Bedürfnis, ihm zu gefallen, und einmal mehr stellte er fest, dass es ein großes Versäumnis gewesen war, dass er sich nicht doch früher dazu entschieden hatte, Kobolde anzuschaffen.

Nachdem er seine Flügel geordnet und seine Beute auf dem Plateau abgelegt hatte, näherte er sich gut gelaunt der Wache und berührte deren Kopf vorsichtig mit seiner Pranke.

“Erhebe dich und hol die Anderen, ich habe Abendessen mitgebracht.”

brummte er wohlwollend und sah zu, wie der kleine Kobold unter seiner Pranke regelrecht zu wachsen schien.

“Habt dank, Meister. Ich werde sofort den Anderen Bescheid geben.”

antwortete sein Lakai und trollte sich in die Höhle unter Fafnirs leicht belustigtem Blick.

“So pflichtbewusst …”

murmelte er in sich hinein, bevor er sich langsam in die Richtung seines Horts drehte, aus dem er bereits das aufgeregte Geschnatter der anderen Kobolde hörte. Grendel war der Erste, der ihm aus dem Inneren entgegenkam, gefolgt von sechs weiteren und der Wache. Als sie ihren Hernn erblickten gingen sie alle sofort auf die Knie und begrüßten ihn. Fafnir badete einen Moment länger als nötig in ihrer Zuschaustellung von Ehrfurcht und Loyalität, bevor er auch ihnen erlaubte sich wieder zu erheben.

“Ich habe Abendessen mitgebracht, kümmert euch darum.”

befahl Fafnir ruhig und schlenderte an der Truppe vorbei zur Höhle, während er hinter sich Grendel Anweisung geben hörte.

Als er den Hauptraum betrat, musste er feststellen, dass seine Lakaien in der kurzen Zeit seiner Abwesenheit schon sehr fleißig gewesen waren.

Sie hatten den letzten Rest Unrat und einiges der beschädigten Dekorationen fein säuberlich zu kleinen Haufen zusammengetragen und je nach Nutzbarkeit sortiert, hatten angefangen, die Feuerstelle von der Asche der letzten Monate zu befreien und sein Nest sah auch bereits deutlich ordentlicher aus.

Fafnir grinste breit und nickte; er war sehr zufrieden. Wenn die Kobolde so weitermachten, dann war es durchaus möglich, dass seine Höhle schon in einem vorzeigbaren Zustand war, bevor seine Gäste bei ihm eintrafen. Es würde einen deutlich besseren Eindruck bei seinen Gästen hinterlassen, vor allem bei Nellja, und es war ihm wichtig, dass sie sich von Anfang an bei ihm wohlfühlte. Schließlich würde es ihr die Entscheidung, dauerhaft bei ihm zu bleiben, vereinfachen. Zumindest malte er sich so in seinen Gedanken aus.

Vorher trafen jedoch seine kleinen Schergen ein und trugen – sehr zum Erstaunen des Drachen – die Wildschweine zur Feuerstelle. Beeindruckt davon, dass diese Biester in der Lage waren, den schweren Keiler auf ihren Schultern in seine Küche zu tragen, wich er einen Schritt zurück und ließ sie passieren. Gemeinsam wuchteten sie das erste Tier auf den Granitblock und begannen sofort damit, es auszunehmen und für die Zubereitung vorzubereiten. Es war recht interessant, ihnen dabei zuzusehen, wie sie schnell, sauber und geschickt die essbaren Innereien von den – zumindest für Nicht-Drachen – ungenießbaren Anteilen trennten.

“Meister Fafnir, wie wünscht Ihr das Abendessen?”

fragte einer der Kobolde, der damit beschäftigt war, die Haut des Kellers abzuziehen. Einmal mehr vom Verhalten und der Einstellung der Kobolde angenehm überrascht, nickte Fafnir langsam.

“Normalerweise würde ich das Fleisch ja einfach roh verschlingen, aber da wir in naher Zukunft die Mahlzeiten auf eine Art zubereiten sollten, die auch für einen Menschen geeignet ist …”

gab der Drache zu, wobei er sich nicht ganz sicher war, was das alles beinhalten würde, jedoch nickte der Kobold einfach und wandte sich wieder dem Häutungsmesser zu.

"Überlasst das getrost uns, Meister Fafnir, wir werden uns angemessen darum kümmern. Ihr werdet sehen, dass es allen, sogar diesen Menschen munden wird.”

versicherte der kleine Teufel ihm und widmete sich wieder ganz seiner Aufgabe. Mit der Aussage seines Handlangers zufrieden, sah sich Fafnir nach Grendel um.

Der Anführer der kleinen Truppe stand ein wenig abseits und hatte einige Papiere bei sich. Als er sah, dass Fafnir ihn anstarrte, kam er, so schnell seine kurzen Beinchen ihn trugen, zu ihm gelaufen und verbeugte sich abermals vor dem Drachen.

“Meister Fafnir, wir haben eine Liste an Materialien zusammengetragen, die wir für die vorrangigen Bauvorhaben benötigen. Es werden im Laufe der nächsten Tage und Wochen zwar noch weitere Vorräte benötigt, aber für den Anfang sollten die hier aufgelisteten Baustoffe genügen.”

erklärte der Kobold eifrig und zeigte dem Drachen das Pergament, auf dem eine ganze Reihe an Posten aufgelistet waren. Fafnir schmunzelte, als er die fein säuberliche Handschrift bemerkte, die so gar nicht zu einer Kreatur wie dem Kobold passte. Sorgfältig las er sich die Liste durch und machte sich im Geiste Notizen, was er sofort und was er erst später erledigen konnte.

“Sehr gut, sehr gut. Ich werde mich darum kümmern. Ihr sollt alles bekommen, was ihr braucht, immerhin will ich, dass alles vorbereitet ist …”

begann er, machte dann allerdings eine Pause und seufzte laute.

“... wenn es soweit ist. Ich hoffe ja nur, dass dieses Gör Manieren hat.”

Es klang wie eine Mischung aus Hoffnung und Resignation, wobei die Resignation ganz klar den größeren Anteil einnahm. Wie es sich für einen guten Handlanger gehörte, hörte sich Grendel die Sorgen seines Arbeitgebers an und nickte eifrig, fing allerdings zum Ende hin an zu grinsen. Schließlich rollte er das Pergament auf, klemmte es unter den Arm und wandte sich an Fafnir.

“Meister Fafnir, Ihr macht euch zu viele Sorgen. Selbst wenn diese Prinzessin ein ausgesprochen widerborstiges Mündel sein sollte, werdet Ihr sicherlich in der Lage sein, ihr die notwendigen Manieren beizubringen.”

versicherte der kleine Kobold seinem Herrn.

“Im Zweifelsfall legt Ihr sie übers Knie und …”

Grendel ahmte die typischen Bewegungen nach, mit der man jemanden den Hintern versohlt und sah dabei breit grinsend zu seinem Gebieter auf. Der sah ihn für einen Moment lang stumm an und hob dann eine seiner gewaltigen Pranken an, die groß genug waren, um einen Menschen komplett zu umschließen. Beide sahen die mit langen, scharfen Klauen bewehrte Pranke einen stillen Moment lang an, bevor Fafnir die Bewegung Grendels nachahmte und beide brachen in lautes Gelächter aus.

Der Kobold fing sich zuerst wieder, wischte sich Tränen aus den Augenwinkeln und räusperte sich.

“Vielleicht … nur vielleicht, überdenken wir das noch einmal.”

gluckste er mit einem breiten Grinsen, während sein Meister langsam den Kopf schief legte und vorsichtig seine Finger aneinander rieb.

“Hmmm, ich weiß nicht, der Gedanke gefällt mir eigentlich recht gut …”

sinnierte der Drache in einem etwas losgelösten Tonfall, bei dem ihn sein Untergebener für einen Augenblick doch schockiert ansah, aber dann zogen sich seine Mundwinkel wieder zu einem Grinsen zurück.

“Fast hättet Ihr mich gehabt, Meister Fafnir. Ich muss schon sagen, Ihr seid ein ganz schön Durchtriebener.”

erwiderte Grendel und gab sich Mühe, seinen Tonfall respektvoll zu halten; er wurde mit einem langsamen Nicken belohnt, bevor sich Fafnir wieder den Kobolden zuwandte, die das Wildschwein für die Zubereitung präparierten.

Die kleine Gruppe hatte mittlerweile das Schwein vollständig gehäutet, ausgenommen, teilweise zerlegt und war gerade dabei, die einzelnen Stücke auf Spieße zu stecken, um sie später zu grillen. Einer der kleinen Wichte war auch schon dabei, die Feuerstelle vorzubereiten, während ein weiterer in einem der Haufen, die sie aufgeschichtet hatten, nach weiteren Metallstücken suchte, die sie als Spieße verwenden konnten. Fafnir beobachtete seine Untergebenen interessiert und überlegte, ob er anbieten sollte, die Feuerstelle anzufeuern, entschied sich aber dagegen; er wollte, dass sie ihn darum baten.

Als die kleinen Monster das Feuer schließlich mit Hilfe zweier Feuersteine entzündeten, fühlte er sich fast ein wenig gekränkt, aber auf der anderen Seite war er zufrieden, dass sie in der Lage sein würden, es auch ohne ihn zu entfachen.

Der Drache nickte besonnen und wandte sich nochmals an Grendel.

“Gib mir diese Liste, ich werde sehen, was ich heute noch besorgen kann.”

verlangte er und hielt seine Pranke offen, während der Kobold das Pergament hervorholte und es seinem Meister überreichte.

“Wolltet Ihr nicht erst etwas essen, Meister Fafnir?”

Die Frage war durchaus berechtigt, aber der Gefragte schüttelte nur den Kopf.

“Dies wird noch eine Weile dauern, ich kann die Zeit also sinnvoll nutzen und schon einmal sehen, was ich beschaffen kann, damit du und die Deinen morgen in der Früh mit der Arbeit beginnen könnt.”

gab der Drache gutmütig zurück und schloss seine Krallen um die Liste.

“Wie Ihr wünscht, Meister Fafnir.”

erwiderte Grendel und verbeugte sich respektvoll vor seinem Herrn, der leicht lächelte und sich dem Höhleneingang zuwandte.


Besorgungen

Auf dem Weg nach draußen vernahm er die Kobolde hinter sich diskutieren, ob sie ihn verärgert hatten, doch sehr zu seiner Zufriedenheit konnte er ihren Anführer hören, wie er die Angelegenheit erklärte.

Zum zweiten Mal an diesem Tag, machte er sich zum Abflug bereit, indem er seine Schwingen ausbreitete und sich streckte, während er die Sonne auf seinen schwarzen Schuppen genoss. Der Wind aus dem Tal blies um seine Nase und trug die Gerüche von weit her zu ihm herauf. Tief atmete Fafnir die Melanche aus frischer, kalter Bergluft und den Gerüchen des Tales ein, schmeckte sie und ließ sie ganz langsam wieder entweichen. Was er roch, ließ etwas altes, animalisches in ihm erwachen und er zog seine Lippen zurück und entblößten seine tödlichen Fänge, bevor er sich leicht bückte und in die Luft sprang. Sobald seine Flügel den Aufwind einfingen und die gewaltige Flugechse auf einem Kissen aus Luft ins Tal segeln ließen, brach ein lautes Lachen aus ihm hervor und begleitete das Pfeifen des Windes, als er knapp über den Wipfeln der Bäume flog und Kurs auf eine kleine Siedlung nahm, von der er wusste, dass er dort vor allem Bauern und Forstarbeiter finden würde.

Auf der Liste, die Grendel ihm gegeben hatte, stand unter Anderem eine Menge Holz, Stroh, einiges an Stoff, Hanfseil und Werkzeuge, sowie diverses Anderes, von dem der Drachen nicht die leiseste Ahnung hatte, wo er es überhaupt herholen sollte. Das war allerdings etwas , worum er sich später kümmern konnte. Er würde Eins nach dem Anderen erledigen und zuerst die Dinge besorgen, von denen er wusste, wo er sie bekommen konnte, und den Rest, den würde er diese Bauern besorgen lassen. Ein Grinsen breitete sich auf seinen Lippen aus.

"Genau, sollen die sich darum kümmern mir den Kram zu beschaffen, ist schließlich deren Prinzessin, nicht meine!"

murmelte er, während das Tal schnell näher kam, und in der Ferne konnte er die Rauchfahnen der einzelnen Schornsteine sehen, die das kleine Dorf markierten. Er erinnerte sich noch sehr genau an die alte Siedlung, die nicht weit von dieser entfernt gestanden hatte und die er in seiner Rage damals dem Erdboden gleichgemacht hatte. Bis zum heutigen Tag waren die Menschen nicht dorthin zurückgekehrt, um die kümmerlichen Reste zu bergen.

Es bereitete ihm eine diebische Freude, sich vorzustellen, welchen Aufruhr seine Ankunft jetzt verursachen würde, da bisher die Menschen dieses Königreichs gewohnt waren, dass, wenn sein Schatten am Himmel zu sehen war, dies immer Tod und Verderben bedeutete.

“Es wird eine gewisse Umstellung sein, auch für mich …”

murmelte er leise, während im Dorf bereits die Alarmglocken zu läuten begannen. Spielverderber. Nun, da er sowieso schon gesichtet worden war, entschied Fafnir sich aber dafür, seinen Anflug zu verlangsamen und nach einem geeigneten Landeplatz Ausschau zu halten. Er würde es erst einmal mit Diplomatie versuchen, aber sollte sich ihm der Pöbel wider Erwarten widersetzen, nun, er hatte dem Friedensabkommen ja auch eigentlich noch nicht zugestimmt.

Die Siedlung war um einen größeren Platz herum aufgebaut worden, in dessen Mitte sich ein Brunnen befand. Dieser bot sich hervorragend als Landeplatz an und so entschied er sich dafür, dort seinen Auftritt zu haben. Kurz bevor er jedoch die Siedlung erreichte, brüllte er seinen Gruß heraus und schlug nur Momente später mit einem mächtigen Rumms auf.

Der Platz war wie leergefegt, und noch während Fafnir seine Flügel wieder gegen seinen massigen Leib faltete, sah er sich um. Alle Häuser waren verrammelt und niemand war zu sehen. Selbst die sonst allgegenwärtigen Streuner hatten sich vor dem Drachen versteckt, zu feige, um sich dem schwarzen Dämon zu stellen. Er lachte in sich hinein, als er sich aufrichtete und langsam um seine eigene Achse drehte.

“Eckstein, Eckstein, alles muss versteckt sein …”

rief er amüsiert und betrachtete die einzelnen Gebäude der Siedlung genau. Sie würden doch nicht etwa glauben, dass ihre mickrigen Häuser einem Angriff standhielten, schon gar nicht, wenn ein Drache seines Kalibers vor der Tür stand.

“Nun kommt schon raus, ich weiß, dass ihr euch in euren Häusern versteckt.”

Seine Stimme war laut, aber nicht zornig, vielleicht ein wenig ungeduldig. Für einen Moment passierte nichts, dann aber öffnete sich die Tür des größten Hauses und ein älterer Mann wurde regelrecht aus der Öffnung geschoben, bevor die Tür hinter ihm wieder lautstark verriegelt wurde. Er drehte sich sofort um und hämmerte mit den blanken Fäusten an das dicke Holz, aber die Bewohner des Gebäudes hatten keine Gnade mit ihm und erst als sich die Tür auch nach mehrmaligem Rütteln und Flehen nicht öffnete, drehte der Mann sich wieder zum Drachen um und presste sich mit dem Rücken gegen die Pforte. Die Panik war ihm deutlich anzusehen und als Fafnir sich ihm ganz zuwandte, schien der Mensch fast völlig die Fassung zu verlieren.

“Hast du hier das Sagen?”

fragte der schwarze Dämon mit einer Stimme, die an fernes Donnergrollen erinnerte, während er seine Flügel neu ordnete und ganz langsam auf den bebenden Mann zukam. Der angesprochene stand weiterhin stumm wie ein Fisch vor der Tür und war unfähig, irgendetwas zu tun, außer um Atem zu ringen. Das ungeduldige Knurren der Bestie, die keine zehn Meter von ihm entfernt stand, schien dabei auch nicht zu helfen.

Als keine adäquate Antwort von seinem Gegenüber kam, rollte der Drachen schließlich seine roten Augen und schnaufte tief aus.

“Kannst du mich verstehen?”

versuchte Fafnir es noch einmal, in einem gezwungen ruhigen Tonfall, während er den Drang niederrang, den armen Tropf einfach zu töten und sich den nächsten Bewohner zu schnappen, solange, bis er bekam, wofür er hierher gekommen war. Der Mensch sah ihn weiterhin mit aufgerissenen Augen an und schlotterte am ganzen Körper, aber immerhin schien er ihn wirklich zu verstehen, denn er schaffte es leicht zu nicken. Das brachte ihm ein leichtes, beinahe zufriedenes Nicken vonseiten des Drachen ein, der sich nun hinsetzte und seinen Kopf ein wenig weiter zu ihm herab beugte.

“Sehr schön, das macht es einfacher.”

sagte Fafnir selbstgefällig und lächelte, wobei er dem Dörfler seine Zähne zeigte. Das schien zu genügen, um den armen Mann vollends in Panik zu versetzen: er verlor die Kontrolle über Blase und Enddarm. Als der Drache den sich schnell ausbreitenden, dunklen Fleck auf der Hose des Alten sah, rümpfte er die Nase und zog seinen Kopf zurück.

“Wirklich? Ist das dein Ernst?”

Er meinte diese Fragen nicht wirklich ernst, aber die Abscheu und der Ekel in seinen Worten war deutlich wahrnehmbar, als er sich von dem Mann abwandte und in die Runde der Häuser rief.

“Ist das alles? Ist das wirklich das Beste, was ihr mir zu bieten habt? Einen alten Mann, der sich beim ersten Anblick eines Drachen in die Hosen scheißt?”

seine Stimme hallte über den Platz und von den Wänden der umliegenden Häuser wieder, während der Drache sich langsam umdrehte und jedes der Häuser noch einmal in Augenschein nahm, solange, bis er sich wieder dem Opferlamm gegenüber sah, dass die Dörfler vor die Tür gesetzt hatten.

“Da kommt man einmal von seinem Berg herunter und hat ausnahmsweise nicht vor, das Dorf in Schutt und Asche zu legen, und dann verstecken sich diese Duckmäuser in ihren Löchern, zu feige, um sich ihrem Untergang zu stellen.”

monologierte er vor sich hin, während er die Zähne fletschte und seinen Kopf ganz langsam auf das Niveau des Mannes senkte, der mittlerweile nur noch wimmerte.

“Und dabei bin ich nur gekommen, um Material für EURE …”

er schrie das letzte Wort förmlich in die Runde.

"... Prinzessin zu holen, oder gibt es da irgendwelche Einwände?"

schloss er ab und schnaubte seine Abscheu dem Dörfler direkt ins Gesicht, bevor er sich wieder aufrichtete, und sein Gegenüber langsam an der Tür hinab rutschte.

"Dachte ich mir."

fügte er abschätzig hinzu und starrte zu dem Häufchen Elend hinunter.

Es dauerte einen weiteren Moment, bevor sich eine weitere Tür an einem anderen Gebäude öffnete. Das quietschende Geräusch vernehmend, drehte Fafnir seinen Kopf langsam und leicht knurrend in dessen Richtung.

Auf der anderen Seite des Dorfplatzes stand ein kleines Mädchen in einer offenen Tür und sah ihn mit großen, blauen Augen an. Es konnte noch nicht sehr alt sein und ihre krausen Haare standen wild von ihrem Kopf ab. Sie trug ein einfaches Kleid aus beigem Sackleinen, das notdürftig mit einem groben Strick an ihrer Hüfte zusammengebunden war.

Langsam drehte sich der große, schwarze Drache um und kümmerte sich nicht weiter darum, dass sein Schwanz den alten Mann endgültig umwarf. Er hatte das Mädchen mit seinem Blick fixiert und grinste bei dem Gedanken, dass die Kleine im besten Fall einen klitzekleinen Happen darstellen würde. Er legte den Kopf leicht schief und machte ein paar Schritte auf die junge Dorfbewohnerin zu.

“Wer bist du? Wo ist die Prinzessin?”

fragte das Mädchen mit ihrer fiepsigen Stimme neugierig, wobei sie mit ihren kleinen Fingern auf ihn zeigte.

“Hast du keine Angst?”

Die Stimme des Drachens war rau wie Granit, aber es lag keine Aggression in ihr, als er ihre Frage mit seiner eigenen beantwortete. Die Kleine schüttelte so heftig ihren Kopf, dass ihre Locken wild hin und her geworfen wurden und noch einen Moment nachwippten, nachdem sie ihn bereits wieder ansah.

“Nein. Aber du hast meine Frage nicht beantwortet. Wer bist du, und wo ist die Prinzessin?”

Wiederholte sie ihre Frage etwas forscher und Fafnir fing laut an zu lachen. Er fand es erfrischend, wie dieses kleine Ding in der Lage war, ihm die Stirn zu bieten, während ihre Eltern und Ältesten sich hinter den Mauern ihrer Häuser verkrochen. Mit einem letzten Glucksen fing er sich wieder und beugte seinen Kopf weit herunter, um das Mädchen besser inspizieren zu können.

“Ich bin der schwarze Dämon, der Todbringer, der Ruin der Königreiche.”

erklärte er ruhig und wartete auf die Erkenntnis in den Augen seines Gegenübers, die aber nie kam. Stattdessen legte das Mädchen ihren eigenen Lockenkopf schief und sah ihn prüfend an.

“Du siehst gar nicht aus wie der Teufel.”

stellte sie dann fest und stemmte ihre Fäuste in ihre Hüften, während der Drachen nur amüsiert lächelte.

“Du siehst aus wie die Eidechse von Frodo, nur größer.”

fügte sie hinzu und nun wusste Fafnir nicht, ob er sich gekränkt fühlen sollte, oder ob die Dörfler womöglich einen kleinen Drachen gefangen hielten.

“Ach, wie die Eidechse von Frodo? Und wer ist dieser Frodo?”

fragte er, aber das Mädchen schüttelte den Kopf.

“Das sag’ ich dir nicht! Du hast mir noch nicht gesagt, wo die Prinzessin ist!”

erwiderte die Kleine und reckte ihr Kinn trotzig vor, woraufhin der Drache zu lachen begann.

“Ha, ha, ha, haaa … ich sollte dich einfach fressen, dafür, dass du so frech bist, du ungezogenes, kleines Gör, aber ich habe versprochen, dass ich den Bürgern dieses Königreichs kein Haar mehr krümme.”

sagte er ihr und blies ihr heiße Luft entgegen, die sie fast umwarf; aber das Dorfkind stemmte sich gegen den Wind und blieb trotzig stehen. Es rang Fafnir doch ein wenig Respekt ab, dass sie im Vergleich zu den anderen standhaft blieb.

“Seht, ihr feigen Hunde, die ihr eure Kinder und alten Männer vorschickt, weil ihr selbst kein Rückgrat habt. Kommt raus, ihr Parasiten, oder ich werde mir einfach nehmen, was ich brauche!”

rief er ungeduldig über den Kopf des Mädchens hinweg und richtete sich wieder auf, während unter ihm besagtes Mädchen fest auf den Boden stampfte und gerade etwas schreien wollte, als sich weiter hinten an den Häusern die Türen öffneten und sich langsam, nach und nach, die Bürger aus ihren Verstecken trauten. Vorsichtig und ängstlich kamen sie zum Brunnen und blieben dort in einer Traube aus Elend stehen. Ihnen allen stand die Angst ins Gesicht geschrieben, sie alle waren alt genug, um zu wissen, wer dort auf ihrem Platz stand und wem die Tochter des Förster gerade gegen die Pranke getreten hatte.

Es war nicht so, als dass es weh getan hätte oder dass sie auch nur den geringsten Schaden hätte anrichten können, im Grunde genommen, hatte es der Drache kaum gespürt, aber dennoch konnte er dieses Verhalten absolut nicht durchgehen lassen.

Zum Entsetzen der Dorfbewohner packte er das Mädchen mit zwei spitzen Krallen am Kragen ihres Kleids und hob sie völlig mühelos vom Boden hoch. Die Förstertochter schrie und zappelte, aber aus dem Griff des Biestes gab es kein Entkommen. Langsam hob er es auf seine Augenhöhe und als es sich schließlich dem schwarzen Dämon Angesicht zu Angesicht gegenüber sah, stellte das Mädchen ihr Gezappel ein und klammerte sich stattdessen an seinen Krallen fest, während Fafnir einfach nur knurrte.

“Einfältiges, nichtsnutziges, dummes Gör. Der einzige Grund, warum ich ein völlig wertloses Leben, wie deines und das deiner Angehörigen verschone, ist, weil ich es dem Abgesandten DEINES Königs versprochen habe.”

erklärte er mit rauchiger Stimme und ließ dabei dichten Qualm aus seinen Nüstern aufsteigen, der der Kleinen die Tränen in die Augen steigen ließ und ihre Lunge reizte. Hinkend legte der Drache die zwei Schritte zum Brunnen zurück und schielte in das tiefe, gemauerte Loch.

“Normalerweise würde ich für die Frevel, die du allein heute vollbracht hast, das ganze Dorf niederreißen und alles und jeden, den ich finde, bei lebendigem Leib verbrennen, aber weil ich versprochen habe, genau das nicht zu tun, werde ich mich mit einem Exempel begnügen.”

fügte er knurrend hinzu, während das Mädchen hustete, wimmerte und ihr dicke Tränen über die Wangen liefen. Auf der anderen Seite des Brunnens mussten derweil mehrere Dörfler einen stämmigen, bärtigen Mann zurückhalten, der sich nach Kräften von ihnen loszureißen versuchte und unartikuliert schrie. Fafnir hob das Mädchen über den Brunnenschacht und sah zu den Menschlein hinüber, sein sardonisches Grinsen ließ ihn noch brutaler aussehen als sonst.

“Ist das hier deine Tochter?”

fragte er hämisch und fixierte den muskulösen Hünen. Dieser biss gerade in die Hand eines anderen und konnte sich dann endlich losreißen. Zwei Schritte strauchelte er auf den Drachen zu und zeigte dann aber nur bemitleidenswert mit der Faust in Richtung des Drachen.

“Lass sie los, du Monster.”

schrie der Mann heiser und Fafnir nickte nur.

“Dein Wunsch ist mir Befehl …”

flüsterte er und ließ das Kind – noch immer lächelnd – in den Brunnen fallen. Der schrille Schrei des Mädchens währte nur kurz, bevor ein lautes Klatschen anzeigte, dass ihr kleiner Körper die Wasseroberfläche etwa vier Meter tiefer durchschlug. Ein Schock ging durch die versammelte Gemeinde, während Fafnir zufrieden grinsend seine Pranke wieder auf den Boden setzte. Allen voran, fiel der Vater auf der anderen Seite des Brunnens schreiend auf die Knie und zwang den Drachen förmlich dazu, die Augen zu verdrehen.

“Jetzt beruhig dich mal.”

knurrte er und sah in den Schacht, wo das Mädchen sich an den Steinen der Mauer festhielt und ihn mit zornig funkelnden Augen anstarrte.

“Deinem Balg geht es gut, ich habe nur ihr Gemüt ein wenig abgekühlt, das sie eindeutig von ihrem Vater zu geerbt zu haben scheint.”

fügte der Drache hinzu und sah die Dörfler mit leuchtend roten Augen an. Er wandte sich ganz den Anwesenden zu und atmete tief durch, um sich zu beruhigen, bevor er das Wort an sie richtete.

“Also, wie ich schon sagte, ich benötige einige Ressourcen …”

Sein Tonfall war noch immer schroff und ließ keinerlei Widerspruch zu, während er die Liste hervor holte, die Grendel ihm gegeben hatte.

“... damit die Prinzessin sich in ihrem neuen Zuhause wohlfühlt. Meine Untergebenen besaßen die außerordentliche Güte, euch eine Liste mit den Materialien anzufertigen, die fürs Erste benötigt werden.”

erklärte Fafnir und streckte seine Pranke nach vorne, in der er die Liste hielt, aber keiner der Dörfler reagierte. Wieder verdrehte der Drache seine Augen und stöhnte genervt.

“Ist das jetzt wirklich euer Ernst? Meint ihr haarlosen Affen nicht, dass, wenn ich euch hätte töten wollen, ich das nicht schon längst getan hätte?”

Dieses Mal klang er wirklich genervt und seine sowieso schon raue Stimme gewann eine ganz neue Qualität, als er die vorderste Reihe anstarrte und noch einmal mit der Liste wackelte. Einer der Anwesenden, der vorher geholfen hatte, den Förster festzuhalten, wurde nun regelrecht von den anderen nach vorne geschoben, und noch ehe er etwas dagegen tun konnte, stand der Mann allein, zwischen dem Drachen und den Dörflern. Fafnir, der ganz allmählich auch den letzten Rest seiner Geduld verlor, sah sich das Schauspiel an und legte leicht seinen Kopf schräg. Nach einer Weile zog er seine Brauen hoch, bevor er dem Unfreiwilligen die Liste hinstreckte.

“Nun nimm sie schon, Büttel. Ich bin mir bewusst, dass ihr nicht alles haben werdet, was auf dieser Liste steht. Daher nehme ich jetzt mit, was ihr habt, und schicke später mein Personal, um den Rest zu holen.”

erklärte Fafnir mit einer fauchenden Stimme, und als der Dörfler ihm endlich zwei Schritte entgegenkam, drückte er ihm die Liste mit solcher Wucht entgegen, dass er die vier zurück in die Reihen der Seinen fiel.

“Nun geht, bringt mir, was ich verlange und lasst mich nicht warten!”

fügte er mit einem Knurren hinzu, das den Boden unter ihren Füßen vibrieren ließ. Als die Dörfler ihn aber weiterhin nur wie erstarrt ansahen, verlor er endgültig die Geduld. Wütend stampfte er hart mit seinen Pranken auf den Boden und spie ihnen seinen Hass mit einem solchen Brüllen entgegen, dass die Dörfler geschockt zusammenfuhren. Nun schien der Bann gebrochen zu sein, und während die Menschen – kopflosen Hühnern gleich – davonrannten, nickte der Drache zufrieden.

Nachdem die Dörfler sich endlich von dannen trollten sah er auch wieder in den Brunnenschacht,

wo das Mädchen langsam den Kampf gegen die Kälte verlor. Seine Lippen zogen sich angewidert zurück, aber dennoch hob er sein Vorderbein an, schob es in das gemauerte Loch und angelte nach dem Kind. Es dauerte einen Moment, in dem er blind in der Tiefe herumfischte, aber dann bekam er es zu fassen und zog es zurück ans Tageslicht. Mit einer Mischung aus Neugier und Abscheu betrachtete der Drache das Häufchen Elend, das er zwischen seinen Klauen hielt.

Die Lippen des Mädchens waren blau und es zitterte so stark, dass es nur mit Mühe seine Atmung kontrollieren konnte. Ihr Kleid klebte vom kalten Wasser durchtränkt an ihrem zierlichen Körper und ihre roten Haare umrahmten das leichenblasse Gesicht. Sie hatte einen Schuh im Brunnen verloren und die Zehen an ihrem nackten Fuß waren verschrumpelt und blau.

Für einen winzigen Moment regte sich so etwas wie Mitleid in Fafnir, aber dann erinnerte er sich daran, wie frech dieses kleine Scheusal gewesen war.

“Ich hoffe, du hast deine Lektion gelernt, Kind.”

knurrte Fafnir und musterte jede Regung des Kindes, das ihn nur mit großen, panischen Augen ansah, unfähig zu sprechen oder auch nur zu nicken, so sehr wurde ihr Körper von ihren eigenen Muskeln durchgeschüttelt. Er hielt sie dabei weiter in seiner Pranke, die immerhin wärmer war als die Umgebung und das Mädchen vor dem Wind schützte.

“Wie konnte eure mitleiderregende Spezies nur überleben und gedeihen, wenn schon dieses bisschen Kälte eure mickrigen Körper überfordert?”

Er erwartete keine Antwort, ihm war klar, dass dieses kleine Kind mit solch philosophischen Fragen nichts anfangen konnte und wahrscheinlich war sie nicht einmal imstande zu lesen, geschweige denn schreiben oder gar Magie anwenden, auch wenn den Rothaarigen nachgesagt wurde, dass sie eine Affinität zur Magie hatten.

Der Drache sah sich wieder um, zu den Dörflern, die verzweifelt versuchten, die Gegenstände und Materialien zusammenzutragen, die er gefordert hatte. Niemand von ihnen war in der Lage, sich um das frierende Kind in seiner Pranke zu kümmern. Auf der einen Seite war er zufrieden, dass dieses Pack sich hektisch um seine Liste bemühte, auf der anderen Seite fand er es abscheulich, dass sie das Kind regelrecht vergessen zu haben schienen. Ein Drache würde niemals seine Brut in den Klauen des Feindes zurücklassen. Eher würde er sterben und so viele von ihnen mit in den Tod reißen wie möglich. Er seufzte tief und richtete seine Aufmerksamkeit zurück auf sie.

“Alles muss man selber machen …”

Grummelte er und begann vorsichtig, heiße Luft in ihre Richtung zu pusten. Es war nicht einfach, die richtige Temperatur zu finden, denn es würde auch nicht helfen, das Kind nun zu allem Überfluss auch noch zu verbrennen. Als sein Atem sie das erste Mal traf, war dem Mädchen der Schock deutlich anzusehen, aber sie war noch immer nicht in der Verfassung, sich in irgendeiner Form zu wehren und so ließ sie es über sich ergehen.

Es dauerte eine kurze Weile, bis die ersten Dorfbewohner wieder zum Brunnen geeilt kamen, um Teile seiner ‘Bestellung’ abzuliefern. Das Poltern der Balken, die neben dem Brunnen abgeworfen wurden, ließen Fafnir innehalten und sich zu den Menschen umsehen. Abschätzig betrachtete er die magere Ausbeute, die ihm zur Verfügung gestellt wurde.

“Ist das alles?”

fragte er mürrisch und richtete sich auf, wobei er seine, mit einem nun nicht mehr ganz so heftig schlotternden Kind beladene, Pranke zu den Menschen schob und die Kleine aus seiner Umklammerung entließ. Zwei der anwesenden Frauen fingen sie auf und brachten sie zügig fort, während die Männer stehen blieben.

“Die Anderen bringen noch weiteres Material, aber wir können – selbst für die Prinzessin – nicht allzu viel von unseren eigenen Vorräten erübrigen. Wir müssen auch sehen, wie wir über den Winter kommen.”

erklärte einer von ihnen, wobei seine Stimme leicht zitterte und er sich die ganze Zeit über leicht gebeugt hielt. Seine ganze Ausstrahlung schrie förmlich nach Unterwürfigkeit.. Fafnir konnte diese Haltung zumindest zum Teil nachvollziehen – schließlich drehte es sich ‘nur’ um ihre Prinzessin –, allerdings war es nicht die Monarchin, die diese Forderung stellte, sondern er, und seine Forderungen waren um jeden noch so harten Preis zu erfüllen.

“Es kümmert mich nicht, wie ihr den Rest dieser Liste besorgt, lasst sie euch meinetwegen von den anderen Dörfern liefern oder fragt euren König um Hilfe, aber wenn meine Untergebenen hier eintreffen, um den Rest zu holen, habt ihr ihn bereits fein säuberlich hier aufgebahrt, sonst Gnade euch, welchen Gott auch immer ihr heutzutage anzubeten pflegt, denn ich werde es nicht.”

gab der schwarze Drache zu verstehen und ließ seinen Blick über den Platz schweifen, wo der Rest der Einwohner mit weiteren Gegenständen beladen auf sie zukamen. Der Mann, der zu ihm gesprochen hatte, wollte widersprechen, aber ein anderer hielt ihn wohlweislich davon ab. Es würde sinnlos sein, jetzt zu diskutieren. Widerwillig beugte der Mann sein Haupt und während die Anderen den Rest des Wenigen, was sie jetzt entbehren konnten, auf den Stapel legten, antwortete er.

"Wir werden unser Möglichstes tun, um die geforderten Materialien zu beschaffen, aber bitte gebt uns ein paar Tage Zeit.”

Der Drache verdrehte die Augen und schnaubte verächtlich, musste aber anerkennen, dass die Bitte nicht gänzlich unvernünftig war.

“Da meine Untergebenen eine gewisse Zeit für die Anreise brauchen werden, werdet ihr einige Tage Zeit haben, um die fehlenden Gegenstände zu besorgen. Das heißt allerdings nicht, dass ihr trödeln könnt. Wenn meine Diener hier ankommen und die Lieferung ist nicht bereit, werde ich einer Naturgewalt gleich über dieses Dorf hereinbrechen und es von der Erdoberfläche tilgen.”

wiederholte der Drache seine Drohung in verheißungsvollem Ton und den anwesenden Menschen war die Angst anzusehen.

“Wir werden sofort Boten aussenden.”

antwortete der Mann und bekräftigte seine Aussage durch eifriges Nicken.

“So sei es denn.”

knurrte Fafnir und beäugte den Haufen Material. Es war bereits erfreulich viel dessen, was er auf seiner Einkaufsliste stehen hatte, aber natürlich nicht alles. Er würde die Balken und größeren Gegenstände gut tragen können, aber der restliche Kleinkram würde er wohl in einem Bündel tragen müssen.

“Schnürt es zusammen, dann will ich euch bald wieder eurer Arbeit überlassen.”

verlangte er nahezu beiläufig und gestikulierte dabei auf die Ansammlung, die ihm vorgesetzt worden war.

Am Ende hatten die Dörfler schnelle Arbeit geleistet und ihm ein nettes Paket geschnürt, das sich jetzt unter seinem massigen Körper befand, während er zum zweiten Mal an diesem Tag den Weg zurück zu seinem Domizil antrat. Er hielt es mit seinen starken Pranken fest an sich gepresst und schraubte sich langsam den Berghang hinauf. Das zusätzliche Gewicht und die nicht gerade windschlüpfige Form seiner Ladung half nicht besonders bei dieser Aufgabe, aber der Drache war schon mit ganz anderem Ballast klargekommen. Es würde ein wenig länger dauern, bis er seine Höhle erreichte und seine Flügel würden vielleicht ein wenig müde sein, aber alles in allem war es kein Problem.

So überwand Fafnir schließlich die letzten Höhenmeter mit gewaltigen Flügelschlägen und hievte das Paket auf das Plateau vor seinem Hort. Der laute, dumpfe Schlag, als die schweren Holzbalken auf dem Granit der Landeplattform aufschlugen, schallte weit in der klaren Bergluft, bevor die Flugechse sich mit einem deutlich weicheren Aufprall direkt daneben niederließ.

Er hatte noch nicht ganz seine Schwingen gegen seinen Rumpf gefaltet, als die Kobolde, angelockt durch den Krach, bereits aus der Höhle gestürmt kamen, um zu sehen, was hier draußen los war. Noch während der Drache sich langsam aufrichtete, beugten die Kobolde vor ihm ihr Knie und senkten ihre Häupter. Er ließ sie eine Weile so verharren, nickte dann anerkennend und zeigte auf sein Mitbringsel.

“Erhebt euch, es gibt viel zu tun. Dies ist die erste Lieferung. Bringt sie rein und seht nach, was ihr damit anfangen könnt. Ach ja, Grendel ...”

er fixierte den Anführer der Schar mit einem ernsten Blick.

"... ich gehe davon aus, dass es ein Versehen war, dass sich keine Wache am Plateau befand. Dies wird nicht mehr vorkommen."

befahl Fafnir und nahm die tiefe Verbeugung Grendels im Augenwinkel war.

"Gewiss Meister Fafnir, ich werde Sorge dafür tragen, dass das Plateau Tag und Nacht bewacht wird."

Der Drache nickte die Versicherung seines Untergebenen ab und schritt an ihnen vorbei in Richtung seiner Höhle. Er wollte sehen, ob diese kleinen Widerlinge ihn etwas vom Abendessen übrig gelassen hatten.

Sehr zu seiner Zufriedenheit fand er jedoch ein komplettes Wildschwein, fix und fertig zubereitet zum Verzehr, das nur auf ihn wartete. Den köstlichen Geruch des Bratens einatmend, trat er an seinen Küchenblock heran und ertappte sich selbst dabei, wie er sich vor Vorfreude über die Lippen leckte. Genüsslich zog er einen Streifen Fleisch von der Flanke des Bratens ab und schob ihn sich ins Maul.

“Mmmmm … ich hatte fast vergessen, wie gut es schmecken kann, wenn man sich die Zeit nimmt, es richtig zuzubereiten.”

brummte er, während er sich das Fleisch auf der Zunge zergehen ließ.

“Ja, Shmiie ist ein guter Koch, er hat, auf dem Weg hierher, unsere Verpflegung übernommen. Der Gute hat ein natürliches Gespür für die Zutaten.”

erklärte Grendel, als er hinter ihm die Haupthöhle betrat und einige Werkzeuge ablegte. Sein Herr nickte anerkennend und zog einen weiteren Streifen ab.

“Meister Fafnir, ich bedaure, aber das ist nicht alles an Material, was wir benötigen.”

fügte der Kobold vorsichtig hinzu und Fafnir drehte seinen Kopf langsam zu ihm um, während er auf seinem Happen herumkaute.

“Was du nicht sagst, aber die Bauern hatten nicht mehr, was sie mir überlassen konnten und sie waren auch so schon nicht sehr hilfsbereit. Ein geradezu unhöfliches Pack.”

knurrte er, sein Unbill über die neunmal kluge Aussage seines Untergebenen deutlich spürbar. Grendel sank sofort auf sein Knie, als er die Verschiebung in der Stimmung seines Meisters bemerkte, und senkte sein Haupt.

“Entschuldigt meinen Fauxpas, Meister Fafnir.”

Der Angesprochene nickte knapp.

“Schon gut. Ihr werdet daher allerdings in den nächsten Tagen noch einmal ins Tal steigen und den Rest holen müssen, sobald diese Bauerntrampel es besorgt haben.”

orderte der Drache gelassen und schluckte den Happen herunter, bevor er dem Kobold signalisierte, dass er sich wieder erheben durfte. Einmal mehr durft er feststellen, dass Grendel seinen Anweisungen – manchmal nur ein wenig langsam – ohne jegliches Zögern nachkam. Er würde ihn irgendwann einmal für diese Folgsamkeit vor seinen Kumpanen loben, wenn er es nicht vergaß.

“Habt ihr die Waren bereits bezahlt, Meister Fafnir?”

fragte Grendel, immer noch vorsichtig, um nicht direkt wieder in ein Fettnäpfchen zu treten, doch sein Herr zog die Brauen hoch und sah ihn verwirrt an.

“Bezahlt? Was meinst du mit bezahlt? Wieso sollte ich …”

entfuhr es dem Drachen, aber schnell verlor sich seine Stimme in ein schwer verständliches Gemurmel, als ihm wieder einfiel, dass er den Menschen, wenn sie nun in Frieden miteinander leben sollten, eine Gegenleistung für die enthaltenen Materialien schuldig war. Sie einfach nur am Leben zu lassen würde auf lange Sicht nicht genügen, und er musste tatsächlich neidlos anerkennen, dass es mit einigem Aufwand verbunden war, die geforderten Materialien und Werkzeuge zur Verfügung zu stellen.

“... Aber diese Dinge sind doch gar nicht für mich, sie sind für die Prinzessin. Immerhin erwarte ich ja auch nicht, dass sie mir mein ... nein, das stimmt so nicht ganz. Wenn sie mich zu sich einlüden, dann würde ich erwarten, dass sie mir ein Nest bauen und zur Verfügung stellen. So viel kann ich von ihnen erwarten!"

fügte er schließlich trotzig hinzu, aber Grendel schüttelte langsam den Kopf.

“Ich fürchte, dass die Bauern das ein klein wenig anders sehen werden, Meister Fafnir. Sie sind es zwar gewohnt, von ihren Adligen unterjocht zu werden, aber selbst von denen bekommen sie einen Gegenwert für ihre Mühen. Sei es nun bare Münze oder nur die Gewissheit, dass kein anderer daherkommt und ihre Dörfer plündert. Ihr dürft euch nicht mehr einfach so alles nehmen, was Ihr begehrt, auch wenn Ihr rein theoretisch dazu in der Lage seid.”

erklärte der Kobold, aber Fafnir verneinte entschieden.

“Erzähl du mir nicht, was ich darf und was nicht.”

knurrte der Drache schärfer, als er es eigentlich wollte, aber er sah auch nicht ein, sich dafür zu entschuldigen, als Grendel wieder zusammenzuckte.

“So, wie ich das sehe, stehen die Menschen hier noch immer in meiner Schuld für das, was sie mir angetan haben. Sie können froh sein, dass ich es bei Rohstoffen belasse und nicht auch Anspruch auf ihr Leben erhebe.”

wetterte Fafnir und bemerkte, wie seine Atmung und Puls sich beschleunigten.

Oh, wie gerne würde er nun ins Tal fliegen und die ein oder andere Siedlung vom Angesicht der Erde tilgen, aber das würde ihm auch nur einen kurzen Moment der Befriedigung einbringen und langfristig mehr Ärger verursachen, als besagter Moment jetzt wert war. So hielt er sich zurück und begnügte sich stattdessen damit, seine Krallen in den Wildschweinbraten zu schlagen und einen großen Fetzen herauszureißen. Grendel schluckte, während er zusah, wie das Fett von den Klauen seines Herrn triefte als dieser den Brocken kurz beäugte und ihn dann mitsamt den herausgerissenen Knochen verschlang. Der Kobold zuckte zusammen, als der Drache zubiss und die Rippen des Ebers zwischen seinen Zähnen krachend barsten.

“Vielleicht … vielleicht wollt Ihr diese Angelegenheit noch einmal mit der Prinzessin erörtern, sobald sie eingetroffen ist, Meister Fafnir. Ihre Perspektive dazu könnte vielleicht eine schöne Diskussionsgrundlage bilden, da es sich schließlich um ihr Volk dreht."

bot Grendel an und verbeugte sich untertänigst vor seinem Herr, der ihn argwöhnisch ansah und weiter auf seinem Happen kaute.

"Wir werden sehen."


Hochherrschaftlicher Besuch

Es vergingen in der Tat noch einige Tage, in denen Fafnirs Lakaien fieberhaft an den ihnen aufgetragenen Aufgaben arbeiteten, bevor der Spähbold vor der Höhle Alarm schlug und eine Karawane ankündigte, die sich vom Tal aus näherte.

Grendel war der Erste, der auf dem Plateau nach dem Rechten sah, dicht gefolgt von seinem Herrn, der den Späher direkt adressierte.

“Wie lange werden sie noch brauchen, bis sie uns erreichen?”

fragte der Drache leise und spähte den Hang hinunter, wo sich in der Tat in einiger Entfernung ein Tross aus Menschen und Maultieren die Steigung hinauf mühten. Der angesprochene Ausguck dachte kurz nach und wandte sich dann an Fafnir.

“Herr, wenn sie in diesem Tempo weitersteigen, werden sie in weniger als fünfzehn Minuten hier eintreffen.”

gab der Kobold pflichtbewusst zurück und der Drache an seiner Seite nickte leicht. Er hatte eine ähnliche Zeitspanne geschätzt und wandte sich an Grendel.

“Gut; geht und bereitet alles vor. Entzündet die Fackeln und seht zu, dass alles an seinem Platz ist. Eigentlich spielt es zwar keine Rolle, aber ich möchte trotzdem einen guten Eindruck hinterlassen.”

befahl er seinem Untergebenen, der sich verbeugte und dann geschwind in die Höhle zurückzog, während Fafnir beim Ausguck auf dem Plateau blieb.

Sehr zu seinem Frust näherte sich die Karawane aber nur langsam dem Plateau, da das Gelände unwegsam und der Aufstieg steil war. Es gab dem Drachen aber ausreichend Zeit, sich den Tross genauer anzusehen, und so kauerte er nieder und stierte nach unten.

An der Spitze stapfte der Magier, mit dem er bereits dieses Abkommen ausgehandelt hatte, direkt dahinter führte ein weiterer Mann ein Maultier den Berg hinauf, das mit einem zweiten über eine Art Sänfte verbunden war. Hinter diesem Gespann folgte ein weiterer Mann, der seinerseits ein Pony führte und auf dem Rücken des Tieres saß eine wohlgenährte Frau im mittleren Alter. Sie war eher unansehnlich und starrte auch nur missmutig in die Gegend.

“Ob dies wohl die Prinzessin ist?”

fragte der Ausguck leise und Fafnir dachte einen Moment lang über diese etwas beunruhigende Möglichkeit nach, schüttelte dann aber langsam seinen Kopf.

“Nein, ich denke nicht. Dieser selbsternannte Magier hat gesagt, dass die Prinzessin gerade erst einem anderen Königreich versprochen wurde, sie wird also deutlich jünger sein. Aber ich frage mich, wer diese Frau wohl sein wird.”

entgegnete der Drache, ohne die Augen von den Menschen zu lassen. Sein Ausguck zuckte ob der Aussage mit den Schultern.

"Das weiß ich nicht Herr, vielleicht war sie lange krank und ist deswegen jetzt so häßlich."

Nun blickte Fafnir doch kurz zu seinem Handlanger und zog die Brauen hoch, schüttelte dann jedoch den Kopf und konzentrierte sich weiter auf die Kolonne, wo gerade die letzte Paarung hinter einem Felsen auftauchte. Es war ein weiterer Mann, der ein weiteres Maultier führte, das dieses Mal aber über und über mit Gepäck beladen war.

“Es sieht aus, als brächten sie Tribut, Meister Fafnir.”

vermutete der Kobold und umklammerte seinen Speer fester. Der Drache schmunzelte und schüttelte seinen Kopf ein weiteres Mal. So schön der Gedanke auch war, dass die Menschen ihm Schätze oder andere Kostbarkeiten für seine Mühen brachten, so war er sich ziemlich sicher, dass dies nicht der Fall war.

“Ich glaube nicht, dass dies ein Tribut ist. Ich gehe vielmehr davon aus, dass es die Habseligkeiten unseres Gastes sind, auch wenn ich nicht angenommen hätte, dass sie ihr halbes Schloss mitnähme.”

widersprach er seinem Untergebenen und fügte still hinzu: ‘Das kann ja heiter werden.’

Als die Karawane noch etwa zweihundert Schritte vom Plateau entfernt war, fingen die Pferde bereits an zu scheuen und weigerten sich, sich dem Hort des Drachen weiter zu nähern. Ihr panisches Wiehern und das aufgeregte Schnauben, das ihren Schreien folgte, war Musik in Fafnirs Ohren und er verspürte den intensiven Drang, sich den Hang hinunter zu stürzen und sich an den angsterfüllten Tieren zu laben, aber er widerstand seinem Verlangen und zog sich sogar ein Stück von der Kante zurück, um die Pferde nicht noch mehr zu verängstigen. Während die Lastentiere weiter ihren Unmut kundtaten, mischten sich weitere Stimmen unter ihre Laute. Es mussten die Führer sein, die verzweifelt versuchten, die ihnen anvertrauten Maultiere zu beruhigen.

Oben auf dem Vorplatz zur Höhle schüttelte der Drache nur amüsiert den Kopf.

“Sie haben mich also gesehen und wahrscheinlich können sie mich auch riechen. Sie werden sich nicht mehr beruhigen; nicht solange ihr nicht viel weiter weg seid.”

murmelte er in seiner rauen Stimme und sah zu seinem Ausguck, der nur kichernd grinste.

“Ihr habt es richtig erkannt, Meister Fafnir, die Viecher werden nur noch panischer, je länger sie es versuchen.”

bestätigte der Spähbold, während Fafnir nur schelmisch nickte und überlegte,, ob er den Menschen etwas zurufen sollte, oder ob er sich den Scherz erlauben wollte, sich noch einmal in seiner ganzen Pracht zu zeigen und die Pferde damit völlig in Panik zu versetzen. Bevor er sich jedoch entscheiden konnte, hörte er seinen Untergebenen kichern.

“Guckt, jetzt laden sie ihre Lastentiere ab und da ist eine weitere Person.”

berichtete der Kobold und unterdrückte ein weiteres Kichern, als die ersten zornerfüllten Schreie die Beiden erreichten.

“Oh, das muss die Prinzessin sein. So wie sie den Mann an der Spitze anschreit, scheint sie überhaupt nicht glücklich zu sein.”

fügte er hinzu und sein Herr schmunzelte. Der Drache hatte gute Ohren, aber der Wind trug einen Großteil der Worte ungehört hinfort und ließ nur kurze Fetzen der hitzigen Debatte bei ihm ankommen.

“... unfähig … dumm … Viecher … zum Teufel … Heim … “

Sie klang wirklich aufgebracht. Leider konnte Fafnir keine der Antworten hören, aber er konnte sich lebhaft vorstellen, wie der Magier versuchte sie zu beruhigen, ihr erklärte, dass sie sich in seiner Gegenwart nicht so verhalten konnte und dass sie jetzt aber dringlich weiter mussten und dass sie die letzten Höhenmeter tatsächlich selbst würde laufen müssen.

Das fortgesetzte Geschrei, das sie von weiter unten am Hang erreichte, bestätigte seinen Verdacht nur weiter.

“... nicht … Ernst … keinen Fall … Sklave … niemals … Hölle … aaaAAAAaaargh …”

Der Drache konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen und sah zu seinem Untergebenen, der sich ebenso prächtig zu amüsieren schien und bis über beide Ohren grinste.

“Oh.”

entfuhr es dem Kobold und Fafnir spitzte die Ohren.

“Was ist passiert?”

fragte er neugierig und widerstand dem Drang, selbst über die Kante zu spähen.

“Sie hat den Anführer gerade geohrfeigt!”

berichtete der Ausguck und zog sich leicht zurück, während sein Herr sich aufrichtete und mit einem selbstgefälligen Lächeln auf die Ankunft ihrer Hoheit wartete. Es würde auf jeden Fall interessant werden.

Scheinbar hatte es der Magier auf den letzten Metern doch noch geschafft, die Prinzessin wieder zu überholen, denn er war der erste Mensch, der Fafnir auf dem Plateau unter die Augen kam. Dichtauf folgte eine junge Frau mit dunklen Haaren und feurigen Blick, deren Gemütslage mit ‘brodelnd’ wohl gut zu beschreiben war. Der Rest der Karawane kam erst mit einigem Abstand hinterher.

Der schwarze Drache saß ruhig mitten auf dem Vorplatz zu seiner Höhle und betrachtete schweigend die Menschen, die sich nach und nach vor ihm versammelten. Er wirkte wie ein Vulkan, von dem man nie ganz sicher sein konnte, ob er nicht doch ausbrach, auf den ersten Blick still und friedlich, aber unter seiner Oberfläche brodelte es unaufhörlich. Seine roten, stechenden Augen wanderten von einem zum nächsten und immer so fort, bis sie schließlich wieder auf dem Magier ruhten, dessen Gesicht ein noch immer leicht rötlicher Handabdruck zierte.

“Willkommen zurück, Mensch.”

grüßte er die Neuankömmlinge knapp und versuchte dabei, seine Abscheu für deren Rasse so weit wie möglich aus seiner Stimme zu verbannen, aber ein leichter Hauch althergebrachter Überlegenheit wallte dennoch über ihre kleinen Köpfe. Der Mann deutete seinerseits eine knappe Verbeugung an, der die anderen Menschen folgten, bis auf die junge Frau allerdings, die ihn nur unentwegt anstarrte.

“Seid gegrüßt, schwarzer Dämon. Ich habe mein Wort gehalten und bin, so schnell es mir möglich war, zurückgekehrt.”

entgegnete der Krieger, dessen Stimme erfüllt war mit dem Respekt, den sich der Drache von ihm erwünschte. Fafnir nickte langsam und richtete schließlich seine Aufmerksamkeit auf die Prinzessin, die weiterhin trotzig ihr Kinn vorreckte, während sich die Pupillen des Drachen verengten.

“Und du wirst die Erstgeborene sein, nicht wahr?”

Die Frage war rein rhetorisch, aber die Thronfolgerin ließ es sich dennoch nicht nehmen, ihm zu antworten.

“Für dich bin ich Eure Hoheit, Prinzessin Vallerie Puretia Victualia Hawthorn die vierte, Herzogin über die Sieben Provinzen, Gräfin von und zur Sternenbucht, Erbin des Throns von Tervindt und ich gebiete dir, mir den gebührenden Respekt zu erweisen, der mir aufgrund meiner Herkunft und meines Standes zusteht!”

Fafnir war kurz beeindruckt, wie sie das Ganze, ohne auch nur einmal Luft zu holen, heruntergebetet hatte und tatsächlich ertappte er sich dabei, wie er den Namen und die Titel der Prinzessin im Kopf noch einmal durchging.

“Ich glaube, ich werde dich Püppi nennen.”

gab er schließlich zurück, als er beschlossen hatte, dass er zu alt, und zu mächtig war, um sich diesem Spiel kleingeistiger Eitelkeit hinzugeben. Sein Kommentar traf bei der jungen Dame jedoch auf keinerlei Gegenliebe und ihr Gesicht begann sehr schnell die Farbe zu wechseln. Amüsiert sah der Drache zu, wie die schiere Wut in ihr aufstieg, aber noch bevor sie explodieren konnte, zerrte die zweite Frau sie zurück und hielt ihr verzweifelt den Mund zu.

“Bitte entschuldigt ihre Hoheit, sie hat eine lange, teils schwierige Reise hinter sich.”

presste die Frau hervor, während sie weiterhin versuchte, die wild zappelnde und zeternde Prinzessin zu bändigen. Fafnir kicherte und senkte seinen Kopf ein wenig.

“Und du bist?”

fragte er und schien sich köstlich zu amüsieren.

“Das ist die Kammerzofe der Prinzessin, seine Majestäten, der König und die Königin, bestanden darauf, dass die Zofe ihre Tochter begleitet und ihr Gesellschaft leistet. Es ist eine Bedingung, die sie an den Aufenthalt der Prinzessin in eurer Obhut knüpfen.”

erklärte der Magier schnell und sah den Drachen flehentlich an. Fafnir nickte, es war ihm recht, dass die Zofe dabei war. Es würde es deutlich einfacher machen, sich um die Prinzessin zu kümmern, insbesondere wenn er sah, wie sie das widerborstige Ding im Griff hatte.

“So soll es sein, ein weiteres Maul zu stopfen, wird meine Vorräte nicht übermäßig belasten.”

entgegnete er dem Kampfzauberer, der sichtlich erleichtert war und dankbar nickte. Seine Neugierde für den Moment gestillt, wollte der Drache sich gerade wieder der Prinzessin zuwenden, als diese sich von ihrer Kammerzofe losriss und sich ihm entgegenstellte.

Wenn ihre Blicke in der Lage gewesen wären zu töten, dann hätten sowohl Fafnir als auch der Magier wohl kaum mehr den Abend erlebt, als sie – mit wilder Entschlossenheit in ihren Augen – einen weiteren Schritt auf den Drachen zuging und mit ihrem schlanken Finger auf ihn zeigte.

“Wie kannst du es wagen, mich nicht mit meinem vollen Namen und Titel anzusprechen! Ich weiß, wir sind weit weg von der Hauptstadt, aber dies entbehrt jeglicher Zivilisation! Und überhaupt, wie kommst du auf die glorreiche Idee, mich von meiner Hochzeit fernzuhalten, du überdimensionale Eidechse?”

steigerte sich die Prinzessin in ihre Rage und als sie etwas hinter sich hörte war ihr Blick genug, um ihre Zofe auf Abstand zu halten. Dann fuhr sie fort:

“Diese Hochzeit war mein Weg heraus aus diesem Hinterhof, den mein Vater Königreich nennt, und hin zu einer besseren Zukunft, UND DU HAST ES RUINIERT!”

Im letzten Satz hob sie schon etwas die Stimme, es fehlte nicht mehr viel und sie würde den Drachen regelrecht anschreien, während dem Krieger alle Farbe aus dem Gesicht wich. So kam Fafnir auch gar nicht dazu, sie der Länge nach zu teilen, ja noch nicht einmal zum Antworten fand er die Zeit, denn die Prinzessin hatte schneller wieder Atmen gefasst und setzte ihre Tirade fort.

“Und sieh dir dieses Loch nur mal an! Was soll das überhaupt sein? Willst du allen Ernstes von mir verlangen, dass ich in einer Höhle lebe? ICH BIN EINE PRINZESSIN, ICH HABE STANDARDS!”

Mittlerweile schrie sie ihm ihre Ungemach ungebremst ins Gesicht, während sie an ihn herantrat und jedes Wort ihres letzten Satzes mit ihrem Finger in seine Brust hämmerte. Fafnir blieb derweil völlig ungerührt und ließ die Prinzessin ihren Zorn ausleben. Stattdessen sah er zum Magier hinüber und ein breites Grinsen begann sich auf seinen Lippen zu formen. Als die Prinzessin dies sah, schien es sie noch einmal mehr anzuspornen.

“Was ist so verdammt lustig? Hörst du mir überhaupt zu? Hey, Kröte, deine Prinzessin spricht mit dir, hör gefälligst zu! ICH VERLANGE EINE BESSERE UNTERKUNFT!”

Wieder hämmerte sie jedes einzelne Wort mit ihrem Zeigefinger in die Brust des Drachen, während ihr Kopf langsam die Farbe reifer Tomaten annahm.

Der Drache schmunzelte ob des furiosen Angriffs und beugte seinen Kopf sanft knurrend zu ihr hinunter, wobei er sein Maul leicht öffnete und ihr seine dolchartigen Zähne zeigte. Diese offene Zurschaustellung mangelnden Respekts schien etwas in ihr auszulösen, denn die Prinzessin spannte sich an und atmete tief ein. Bevor sie allerdings richtig reagieren konnte, schnupperte er nur tief an ihr und begann zu kichern.

“He he he … Du hast Esprit, ich glaube, das gefällt mir.”

stellte er mit rauer Stimme fest, während sich seine Lippen weiter zurückzogen und ein regelrecht raubtierhaftes Grinsen zeigten.

“Du hast großes Glück, dass es mir verboten ist, dir auch nur ein Haar zu krümmen, sonst wärst du bereits Teil meines Mittagessens geworden.”

fügte er knurrend hinzu, aber anstatt dass seine nicht ganz ernst gemeinte Aussge seiner trotzigen Geisel Angst einjagte, schien sie ihren Widerstand nur noch mehr zu befeuern. Sie bebte vor nur spärlich zurückgehaltener Rage.

“Du bist wirklich abscheulich! Du widerwärtige, alte Kröte, du bist wahrlich ein Fluch für diese Welt! Wie kannst du es nur wagen, so mit mir zu sprechen! Wenn es nicht zum Wohle meines Volkes wäre, hätte ich befohlen, dich bis zur Mittagszeit zu töten und zu häuten und deine kümmerlichen Überreste auf der großen Brücke zur Schau zu stellen, damit alle sie sehen können!”

erwiderte sie und das Vitriol in ihrer Stimme biss scharf, aber Fafnir schmunzelte nur erneut, während die Prinzessin ihrem Frust freien Lauf ließ.

“Nun, es mir zwar nicht erlaubt ‘dir’ ein Haar zu krümmen, deiner Kammerzofe andererseits …”

brummelte er, wobei in seiner Stimme mehr Humor innewohnte als Drohung, was ihr aber offenbar fern blieb. Noch bevor Vallerie reagieren konnte, wurde die ältere Frau, die hinter ihr stand, augenblicklich sehr blass, als der Drache seine leuchtend roten Augen auf sie richtete. Hektisch stellte sich die Prinzessin vor ihre Zofe und verweigerte dem Drachen so den Zugriff.

“Wage es nicht, Rosie auch nur schief anzusehen, oder ich schwöre dir, dass ich dich persönlich zur Strecke bringen werde, du niederträchtiger Dämon!”

Es fehlte nicht viel und sie hätte Feuer und Schwefel gespien.

“Ach wirklich? Du und welche Armee?”

fragte der Drache sichtlich amüsiert und schnaubte ihr einen Schwall heißer Luft entgegen, der sie einen Schritt zurück in die Arme ihrer Kammerzofe taumeln ließ. Während die Prinzessin noch damit beschäftigt war, sich wieder zu sammeln, richtete Fafnir seine Aufmerksamkeit wieder auf den Krieger, der sich die ganze Zeit selbst zurückgehalten hatte, in der Hoffnung, die Situation nicht weiter zu eskalieren.

“Du hättest mich vorwarnen können.”

tadelte der Drache und der Magier sah ihn mit großen Augen fragend an.

“Du hättest mir sagen können, dass deine kleine Prinzessin ein solches Temperament hat.”

fügte er mit einem Kichern hinzu, woraufhin der Krieger nickte und sich entschuldigend verbeugte.

“Ich hatte befürchtet, dass sie sich nicht würde zurückhalten können. Bitte nehme meine ehrliche Entschuldigung dafür an, es Euch nicht früher gesagt zu haben. Unser König war auch schon so glücklich, endlich einen passenden Prinzen für sie gefunden zu haben, der ihren … individuellen Ansprüchen …”

Weiter kam er nicht, bevor die behandschuhte Hand der Prinzessin ihm die zweite, schallende Ohrfeige des Tages verpasste, deren scharfes Klatschen noch von der Bergwand zurückhallte.

“Wie kannst du es nur wagen, so von deiner Prinzessin zu sprechen? Ich werde dich dafür hängen lassen, unverschämter Knecht! Du bist des Ritterstitels unwürdig, wenn du die Ehre der Thronfolgerin dieses Reiches nicht vor den Anschuldigungen dieses … dieses Biests verteidigst!”

schrie sie dem Anführer der Karawane ins Gesicht und wieder unterstrich sie jedes einzelne Wort indem sie ihren Finger gegen seine Brust hämmerte, so wie sie es nur Augenblicke vorher bereits mit Fafnir getan hatte; im Gegensatz zu dem Drachen zeigte es beim Magier jedoch die erwünschte Wirkung, als dieser zurückwich und sich tief verbeugte.

“Ich bitte untertänigst um Verzeihung, eure Hoheit.”

erwiderte er unterwürfig, was ihn in den Augen des Drachen augenblicklich eine unglaubliche Menge an Respekt kostete. Sichtlich befriedigt drehte sich Vallerie anschließend wieder zu Fafnir um und presste ihre Lippen fest zusammen. Der Blick in ihren Augen hatte nichts von seinem Feuer und der Herausforderung dem Drachen gegenüber eingebüßt, aber ihre Haltung war nun eine Spur ruhiger, gefasster. Sie richtete sich auf, reckte ihr Kinn vor und adressierte die schwarze Flugechse ihr gegenüber in einem ruhigen, aber autoritären Tonfall.

“Da ich meiner Pflicht gegenüber meinem Volk nicht entkommen kann und will, werde ich dieser nachkommen und hier bleiben, da es meinem Volk den Frieden bringen wird, den es verdient. Allerdings werde ich diesen Aufenthalt ganz sicher nicht genießen! Nun bringt mich auf meine Gemächer, ich muss mich ein wenig frisch machen!”

verlangte sie in ihrem höchst kultivierten und befehlsgewohnten Ton. Als der Drache dies hörte, ordnete kurz seine Flügel neu und nickte knapp, erhob sich aber nicht aus seiner sitzenden Position, stattdessen trat ein Kobold hinter ihm hervor.

Der kleine Wicht grüßte die Prinzessin mit seiner – sehr zu Fafnirs Leidwesen – eher quietschigen Stimme und verbeugte sich tief vor den Gästen seines Meisters.

“Wäret Ihr so freundlich mir zu folgen, eure Hoheit?”

bat Grendel mit einer einladenden Geste, aber die Prinzessin bedachte ihn nur mit einem vernichtenden Blick absoluter Abscheu.

“Was soll das denn bitte sein? Ich verlange, dass du mich in meine Gemächer bringst, nicht deine dreckigen, verabscheuungswürdigen Lakaien!”

schrie sie und gestikulierte wild in Richtung des Kobolds, aber Fafnir schnaubte einfach nur ein weiteres Lachen.

“Oho, ho, ho, hoo, ich merke schon, wir werden sehr viel Spaß miteinander haben, kleine Prinzessin. Du lernst besser schnell, dass du nicht mehr an deines Vaters Hof bist.”

begann er und senkte sein Haupt ein weiteres Mal auf ihr Niveau herab.

“Die Tatsache, dass ich dir nichts tun darf, bedeutet in keinster Weise, dass du mir übergeordnet bist, das genaue Gegenteil ist hier der Fall. Du bist nicht mein Gast, du bist meine Gefangene, meine Geisel, meine Garantie dafür, dass dein Volk nicht auf dumme Gedanken kommt.”

fügte er in einem derart zuckersüßen Tonfall hinzu, dass selbst der Kobold erschauderte. Noch während er seine Contenance wiedererlangte, tauchten die anderen aus der Höhle auf, um das Gepäck der Prinzessin entgegen zu nehmen.

“Du wirst lernen, dich zu benehmen. Du wirst meinen Anweisungen Folge leisten oder du wirst miterleben, dass es gar nicht nötig sein wird, dich anzurühren.”

wieder zuckte sein Blick für den Bruchteil einer Sekunde zu Rosie, bevor er wieder auf der Prinzessin ruhte, während sich seine Pupillen für einen ebenso kurzen Moment erweiterten. Vallerie schnappte nach Luft und wollte dem Drachen etwas entgegnen, aber die Zofe war dieses Mal schneller, packte die aufgebrachte Thronfolgerin und hielt ihr entschlossen den Mund zu.

“Ihre Majestät, die Prinzessin, ist müde von der langen Reise. Sie wird sich in ihre bestimmt standesgemäßen Gemächer zurückziehen. Bitte entschuldigt uns, aber kommt doch unbedingt später vorbei und seht nach dem Rechten, hochgeschätzter Herr Drache.”

sagte die Kammerzofe schnell, aber laut genug um die gedämpften Schreie ihrer Herrin zu übertönen, während sie die junge Frau regelrecht an Fafnir vorbei und hinter den Kobolden her zerrte.

Der Drache sah ihr stumm nickend hinterher und als sie in der Höhle verschwanden, brach er in schallendes Gelächter aus und auch der Krieger schien auf einmal deutlich entspannter.

“Oh, bei den hohen Himmeln, das wird sicherlich ein Riesenspaß. In was bin ich da nur wieder hineingeraten?”

fragte er niemanden bestimmtes, aber der Magier grinste nur peinlich berührt.

“Sie ist des Königs einziges Kind und ich muss zu meiner Schande zugeben, dass er des öfteren wohl ein wenig zu viel Nachsicht mit ihr hatte.”

antwortete der Mann kleinlaut und Fafnir hatte keine andere Wahl, als dem zuzustimmen.

“Oh, ich mag ihr Temperament. Sie wird mir eine Menge Unterhaltung bieten.”

gab der Drache zurück und noch bevor der Andere ihm antworten konnte, drang ein weiterer gellender Schrei von der Höhle her zu ihnen.

Sie konnten nicht alles verstehen, was dort geschrien wurde, aber das, was von diesem fast schon urzeitlichen Geschrei zu entziffern war, ließ Fafnir nur noch lauter Lachen.

“... HÖHLE … PRIMITIV … MONSTER … NEST … NIEMALS … AAAAAAAAARGH!”

Zwischen den einzelnen halbwegs verständlichen Wörtern fiel eine Vielzahl von Flüchen und Beleidigungen, die der Drache niemals einer Prinzessin zugetraut hätte, aber er musste zugeben, dass diese Widerborstigkeit ihn doch ein wenig Respekt abrang, auch wenn ihr gegenüber dies niemals einräumen würde.

Es dauerte eine ganze Weile, bis die Schreie und das Gezeter in der Höhle langsam nachließen und der Magier entschuldigte sich im Namen der Prinzessin noch mehrere Male bei Fafnir. Der Drache nickte dies jedes Mal ab und amüsierte sich prächtig. Natürlich würde ihm die Art dieser kleinen Diva mächtig auf die Nerven gehen, aber er war sich ziemlich sicher, dass sie sich recht schnell eingewöhnen würde. Nicht zuletzt – da war er sich ziemlich sicher – würde die Zofe ihr Einhalt gebieten. Ein Grinsen breitete sich auf seinen Lippen aus. Das hatte er jetzt wohl länger am Hals.

Ende


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El Poyo Diabolo

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