The Dragonwash Files (ger)

Story by elpoyodiabolo on SoFurry

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Veenja hat ein empfindliches Problem.

Ihre Häutung läuft so ganz und gar nicht wie sie sollte und ihre einzige Hoffnung ist die Drachenwaschanlage von Grumpert. Vielleicht können die findigen Kobolde ihr mit ihrem peinlichen Problem helfen.

Natürlich läuft nicht alles nach Plan, und es wäre keine Geschichte aus der Draconischen Seifenoper, wenn es nicht Humor und Drama in gleichen Teilen gäbe.


Es war Frühling im westlichen Grenzwald und die Bäume waren gerade dabei, ihre Zweige mit neuem Grün zu schmücken. Die Luft war noch immer recht kühl aber der süße Duft der Frühblüher schwängerte die frische Brise und ihre Blüten zogen sich wie ein bunter Flickenteppich über die weiten Wiesen rund um die Drachenwaschanlage.

Die Frühlingssonne stand bereits hoch am Himmel und wärmte Grumperts Kobolde, die im Außenbereich der Waschanlage schufteten. Sie alle waren froh, dass die kalte und dunkle Jahreszeit nun hinter ihnen lag. Traditionell war der Winter die Saison, die mit der meisten Arbeit aufwartete und die Angestellten des cholerischen Kobolds fühlten die letzten Monate in ihren Knochen.

Nicht nur war es im Winter kalt, und das Arbeiten mit Wasser in der Eiseskälte war eine ganz eigene Herausforderung, im Winter war das Areal der Waschanlage eine einzige Schlammwüste. Ständig mussten sie neue Sägespäne und ähnliche Materialien ausbringen, damit ihre Kundschaft am Ende eines Waschgangs nicht schmutziger war als zu Beginn. Noch dazu war die ständige Dunkelheit ein Problem und sie hatten noch keine Lösung für diesen Umstand gefunden. Higs arbeitete zwar fieberhaft an verschiedenen Lösungsansätzen, hatte aber bisher noch keinen zur Serienreife bringen können.

Insofern waren alle froh, dass es nun wieder deutlich sauberer, wärmer und heller wurde. Selbst ihre Kunden schienen deutlich entspannter zu sein. Die meisten Drachen, die ihren Service nutzten, waren hochzufrieden und bei vielen hatte sich der Besuch bei der Drachwaschanlage zu einem festen Ritual entwickelt, dem sie nur zu gerne nachgingen.

Auch an diesem Tag waren bereits einige Drachen zugegen und wurden von den immer fleißigen Kobolden betreut.

Laamri, die einmal mehr ihren Dienst an der Rezeption der Waschanlage bestritt, hatte gerade erst einen Stammkunden in die fähigen Hände ihrer Kollegen übergeben, als sie eine Bewegung hinter den Bäumen des nahen Waldes wahrnahm. Sofort wurde ihr ein wenig mulmig, denn auch wenn ein Überfall der Magier auf ihr Unternehmen, nicht zuletzt wegen der oftmals hohen Anzahl an anwesenden Drachen, eher unwahrscheinlich war, so waren sie nah genug am Feindesland, und diesen Verrückten war alles zuzutrauen. Die Koboldin war kurz davor, den Alarm auszulösen, um den Anderen eine Chance zur Flucht zu geben. Doch noch bevor sie handeln konnte, stellten sich ihre Befürchtungen als unbegründet heraus, denn eine Drachin streckte ihren Kopf durch das Dickicht und sah offensichtlich gestresst zu Laamri hinüber. Für einen kurzen Moment schien die Welt still zu stehen, während die Rezeptionistin und die Drachin sich gegenseitig überrascht ansahen und keine in der Lage war, ein Wort zu sagen. Schließlich war es Laamri, die zuerst wieder aus der Schockstarre erwachte und den Neuankömmling zu sich heran winkte.

Es war, als würde eine tonnenschwere Last von ihren Schultern genommen, als ihr Gegenüber sich durch das dichte Gestrüpp schob, aber die Erleichterung währte nur kurz, denn die Flugechse war noch nicht ganz auf der Wiese, da machte sich bereits eine neue Sorge in der Koboldin bemerkbar.

Normalerweise kam die Kundschaft der Drachenwaschanlage aus der Luft zu ihnen. Fast alle ihrer Besucher waren geflügelte Drachen und die kamen, wie auch nicht anders zu erwarten, angeflogen und landeten dann nahe der Rezeption, um sich anzumelden. Es gab auch den ein oder anderen flugunfähigen Drachen unter ihren Kunden, aber die waren dann doch eher selten.

Diese Drachin war geflügelt, aber sie kam “zu Fuß” zur Waschanlage, die bläulichen Flügel ganz eng um ihren Leib gewickelt und den Kopf in geduckter Haltung, was Laamri automatisch das Schlimmste befürchten ließ.

“Oh, bei den Himmeln, sie wird sich doch nicht die Flügel gebrochen haben …”

murmelte sie und ihre Augen suchten fieberhaft nach Anzeichen von Verletzungen bei der sich vorsichtig nähernden Flugechse. Je näher die Drachin kam, desto deutlicher wurde jedoch das eigentliche Problem sichtbar. Sie befand sich ganz eindeutig in einer für Drachen zwar völlig normalen, aber immer mit vielen Unannehmlichkeiten verbundenen Mischung aus Mauser und Häutung.

Diese Erneuerung der gepanzerten Schuppen und der darunterliegenden Lederhaut durchlief jeder Drache mehrmals im Laufe seines Lebens, wobei sie in jüngeren Jahren, während denen der Drache noch schneller wuchs, häufiger stattfanden als im späteren Verlauf. Meist gingen diese Prozeduren mit großen Wachstumsschüben einher, immer dann, wenn nach dem Schub der Schutz durch die Schuppen nicht mehr gegeben war.

Die junge Drachin, die sich ihrem kleinen Tresen näherte, sah aus wie ein gerupftes Huhn. An vielen Stellen waren ihr die Schuppen bereits ausgefallen und die Haut darunter war gerötet, geschwollen und die Spuren ihrer Krallen waren allgegenwärtig. Selbst auf dem kurzen Stück vom Wald hinüber zu Laamri, hatte sie bereits wieder einige ihrer Panzerplatten verloren. Die Schamesröte glühte auf den Wangen der Unglücklichen und ihre Augen zuckten wild hin und her, während sie sich immer kleiner zusammen zog, bevor sie die letzten Meter zum Empfang zurücklegte.

Die Koboldin war sich sehr wohl bewusst, dass ihr Starren mehr als nur ein wenig unhöflich war, aber die morbide Faszination über den Zustand des Neuankömmlings war zu stark. Die Drachin sah sie mit weit aufgerissenen Augen an und schlang ihre Flügel noch enger um sich.

“Um der hohen Himmel Willen, starr mich nicht so an, ich fühle mich sowieso schon wie ein Nacktmull!”

Es war ein Befehl, der keine Widerrede zuließ, aber es war gleichzeitig auch ein herzzerreißendes Wimmern. Auf ihr ungebührliches Verhalten angesprochen, riss Laamri ihre Augen von den aufgekratzten, teilweise blutigen Rötungen und sah beschämt auf ihren Tresen.

“Bitte entschuldigt meine Unverschämtheit, aber es sieht wirklich drastisch aus. Was ist Euch widerfahren?”

entschuldigte sich die Koboldin und verbeugte sich zusätzlich, woraufhin ihr Gegenüber anerkennend, aber nervös nickte. Noch bevor sie antworten konnte, überkam die Drachin jedoch erneut der Juckreiz und sie begann fieberhaft ihre Schnauze an einem der harten Knöchel ihres Flügels zu reiben. Das kratzende Geräusch, das dadurch ausgelöst wurde, hatte eine, für einen Drachen, seltsam weiche, fast schon feuchte Qualität, während ihr verzweifeltes Wimmern die Aktivität untermalte.

“Es ist … es ist meine Häutung. Es … es war noch nie so schlimm. Hmmm … es juckt … überall …”

Die junge Flugechse heulte ihre Antwort regelrecht und die Pein war deutlich in ihrer Stimme wahrnehmbar. Laamri sah zu ihr auf und sah die neu aufgekratzte Stelle knapp unterhalb der schmalen, geschuppten Lippen und sah die Verzweiflung im Gesicht der Drachin.

“Bitte … bitte helft mir. Ich halte es nicht mehr aus … Kratzen hilft nicht mehr, alles tut weh, alles ist schon roh.”

setzte sie nach und die Koboldin hinter dem Empfang konnte dem nur zustimmen, allerdings war sie sich nicht ganz sicher, wie gut sie ihr würden helfen können. Sie nahm ihr Klemmbrett zur Hand und versuchte, ihre Stimme so einfühlsam wie möglich zu modulieren.

“Herrin …”

“Mein Name ist Veenja.”

korrigierte die Drachin, wobei ihre Stimme für einen klitzekleinen Moment eine erstaunliche Schärfe besaß, verlor diese aber sofort wieder, denn die Tränen in ihren Augen sprachen eine ganz andere Sprache.

“Sehr wohl, Herrin Veenja. Wir werden natürlich unser Möglichstes tun, um Euch Erleichterung zu verschaffen. Damit wir allerdings wissen können, welche Maßnahmen erforderlich sind, ist es notwendig, dass ich mir ein Bild von der Gesamtsituation verschaffe.”

erklärte Laamri in einem ruhigen Tonfall. Veenja sah sie für einen Augenblick stumm an, dann fiel der Groschen.

“Oh … oh bei den Ahnen. Du meinst, ich soll …”

Sie deutete an, ihre Flügel zu öffnen und der Koboldin den Blick auf ihren Körper zu gewähren.

“… in aller Öffentlichkeit?”

Eine nicht zu überhörende Panik schwang in der Aussage mit, die der Drachin wieder die Schamesröte in die Wangen trieb. Laamri nickte sanft.

“Es tut mir leid, Herrin Veenja, aber es ist notwendig.”

antwortete sie und versuchte dabei, verständnisvoll zu klingen. Es dauerte einen kurzen Moment, bis die Angesprochene den Mut gesammelt hatte und ihre vor der Brust verschränkten Flügel zitternd zu öffnen begann.

Laamri, die nun wirklich schon viel erlebt hatte, seit sie für Grumpert arbeitete, schnappte nach Luft, denn der Anblick, der sich ihr nun offenbarte, übertraf alles, was sie bisher gesehen hatte.

Veenjas Brust, die bei Drachen ihrer Art normalerweise mit dicken, sich überlappenden Panzerplatten geschützt war, lag bar jeglichen Schutzes vor ihr. Die Schuppen waren entweder ausgefallen, oder die Drachin hatte sich so dermaßen intensiv gekratzt, dass sie diese gleich mit entfernt hatte, die tiefen, entzündeten Kratzer sprachen jedoch eher für Letzteres. Ihre lederartige, wohl normalerweise lilafarbene Haut war aufgedunsen und verschorft und überall dort, wo mehr Bewegung zu erwarten war, wie an ihrem Hals oder ihren Schultern, war der Bast, der sich über den Wunden gebildet hatte, teilweise eingerissen und blutete. Die wenigen blass-blauen Schuppen die ihren Vorderkörper, Nacken und ihre Schultern noch bedeckten, wirkten auch schon so, als wollten sie jeden Moment ausfallen und es war Veenja nicht möglich auch nur einen Moment nicht irgendetwas gegen einander zu reiben oder sich zu kratzen.

Laamri fühlte ein tiefes Mitleid, denn sie konnte nur erahnen, wie sehr die noch junge Drachin gerade litt.

“Bei den Himmeln, es ist schlimmer als ich befürchtet hatte. Wir werden Euch sofort ein Bad einlassen.”

brachte sie hervor und griff nach der Glocke, die auf dem Tresen stand. Nachdem sie energisch geläutet hatte, begann sie fieberhaft Dinge auf ihrem Klemmbrett zu notieren. Ihre Kundin beobachtete das Geschehen zugleich geschockt und überrascht.

“Einer meiner Kollegen wird Euch sogleich zu einem unserer Becken begleiten, wo man Euch sogleich Abhilfe verschaffen wird.”

erklärte Laamri ohne aufzusehen.

“Und ihr seid euch sicher, dass ein einfaches Bad mir helfen wird?”

Die Frage war nicht ganz unberechtigt und die Unsicherheit war der Drachin durchaus anzumerken. Die Koboldin schüttelte leicht mit dem Kopf, bevor sie ihn hob.

“Es ist kein einfaches Bad. Wir werden es mit beruhigenden und entzündungshemmenden Kräutern versetzen.”

erklärte sie ruhig, aber als den skeptischen Blick ihrer Kundin bemerkte, lächelte sie sanft.

“Es wird helfen.”

versicherte die Rezeptionistin, während hinter ihr, Hrun, von der Glocke gerufen, um die Ecke kam.

Als er die Drachin und ihren Zustand sah, stockte er jedoch und stolperte fast im vollen Lauf. Mit weit aufgerissenen Augen starrte er Veenja an und kam neben seiner Kollegin zum Stehen, während die Wangen besagter Drachin noch tiefer erröteten.

“Bei den Ahnen …”

keuchte der Kobold kurz bevor Laamri ihren Ellbogen in seine Magengrube rammte.

“Halt die Klappe du Grobian!”

fauchte sie mit gebleckten Reißzähnen und angelegten Ohren, als der Vorarbeiter in die Knie ging und nach Luft rang. Veenja verfolgte das kurze Schauspiel neugierig und sog scharf die Luft ein, als die Koboldin ihren Mitarbeiter züchtigte, musste aber durchaus zugeben, dass sie mit ihrer Reaktion durchaus zufrieden war. Langsam und vorsichtig, um nicht wieder die bereits verkrusteten Wunden aufzureißen, faltete sie ihre Flügel zurück um ihren Körper, um so viel ihres peinlichen Aussehens zu verbergen wie möglich.

Auf der anderen Seite des Tresens schimpfte derweil Laamri in deutlichen Worten mit Hrun, während sie mit einer Hand an dessen übergroßen Ohren zog.

“Die arme Herrin steckt offensichtlich in ihrer Häutung und braucht vorsichtige und umsichtige ‘bolde, die ihr helfen, den Juckreiz zu zähmen und die Schmerzen zu lindern. Also, sei nicht so ein Grobian und zeig dich ausnahmsweise mal von deiner besten Seite.”

Es war genug Vitriol in ihrer Stimme, um gleich zwei Drachen zu töten, während Hrun sich hustend wieder aufrappelte.

“Grobian? Ich? Hrrrrmmm … ich würde sagen der Grobian hier bist d… Auuu!”

Weiter kam er nicht, bevor Laamri ihm ihr Klemmbrett über die Rübe zog und danach ein weiteres Mal ausholte.

“Sei still jetzt, du …”

Sie ließ den Rest des Satzes unausgesprochen in der Luft hängen, als sie den schon fast schockierten Blick der Drachin bemerkte und sich schnell wieder aufrichtete. Es war erstaunlich, wie schnell sie wieder umschalten konnte und wieder vollkommen professionell wirkte.

“Bring unsere geschätzte Kundin zu den Bädern!”

fügte die Koboldin nach einem Räuspern mit deutlich milderer Stimme hinzu und überreichte Hrun, der sich noch immer den Kopf rieb, das Klemmbrett. Er nahm es vorsichtig und überflog die Informationen auf dem Formular, bevor er sich mit einer Verbeugung an Veenja wandte.

“Bitte entschuldigt mein ungehobeltes Auftreten, Herrin Veenja. Ich versichere Euch, es wird nicht wieder vorkommen. Wenn Ihr mir dann bitte folgen mögt, ich geleite Euch zu den Bädern.”

Es klang zwar etwas einstudiert, aber der Tonfall und die Gestik wirkten professionell, als Hrun sich umwandte und ihr bedeutete, ihm zu folgen. Die Angesprochene nickte elegant, auch wenn die Bewegung nicht ganz so flüssig und graziös aussah, wie sie es sich gewünscht hätte und folgte mit vorsichtigen Schritten dem Vorarbeiter.

Er konnte schrecklich charmant und professionell klingen, wenn er es wollte, und das war es auch, was Laamri durchaus anziehend fand, an dem ansonsten doch eher einfach gestrickten Kobold, der gerade mit der jungen Drachin an ihr vorbei in Richtung der Waschanlage ging.

Erst als die beiden hinter einem der Gebäude verschwunden waren und sie auf die verlorenen Schuppen starrte, die Veenja auf dem Weg verloren hatte, wurde ihr siedend heiß bewusst, dass die Drachin gar nicht gezahlt hatte.

Sie folgte ihm dicht auf, behielt die Umgebung allerdings immer ganz genau im Blick, immer auf der Hut, Ausschau haltend, ob nicht doch einer der anderen Kunden sie sehen konnte. Hrun führte die Drachin vorbei an der eigentlichen Drachenwaschanlage, hin zu einer Handvoll großer Becken. Auf dem Weg dorthin wollte Veenja am liebsten im Boden versinken. Sie zog ihren Kopf so weit wie möglich ein, hielt ihren Schwanz so knapp über dem Boden wie irgend möglich und zog ihre Flügel noch enger um sich, in einem Versuch, sich für die anderen Drachen hier unsichtbar zu machen.

In der Tat waren noch ein paar andere Drachen zugegen, aber sie waren zu sehr damit beschäftigt, ihre eigenen Schuppen gereinigt und poliert zu bekommen, als dass sie von den beiden auch nur Notiz nahmen.

“Müssen wir unbedingt hier entlang gehen?”

fragte Veenja kleinlaut, während ihre Augen immer wieder hinüber zu den anderen Drachen zuckten, die es sich sichtlich gut gehen ließen. Hrun gab keine direkte Antwort, sondern zeigte auf eines der Becken.

“Ihr habt es fast geschafft, Herrin Veenja, dort ist Euer Becken.”

Er klang gut gelaunt, freundlich und voller Tatendrang, während Veenja seinem ausgestreckten Finger folgend zu dem ihr zugewiesenen Becken sah und nickte. Es war ein wirklich enormes Konstrukt, und würde wahrscheinlich selbst die größten Drachen problemlos beherbergen können. Der hölzerne Rahmen wirkte stabil und anhand der vielen Krallenspuren konnte man erahnen, wie häufig es im Gebrauch war. Eine Handvoll Kobolde lungerte neben dem Bassin und spielte eine Art Kartenspiel, das ihnen eine Menge Spaß zu bereiten schien. Hrun, der noch immer vorausging, rief seinen Artgenossen bereits aus einiger Entfernung zu.

“Hey, ihr faulen Hunde, sitzt da nicht einfach rum. Es gibt Arbeit! Heizt den Kessel an und besorgt einen Sack von der guten Kräutermischung, aber zack zack!”

Seine feste, laute Stimme zeigte sofortige Wirkung, denn die kleinen Kerlchen sprangen sofort auf, um seine Anweisungen in die Tat umzusetzen. Die junge Drachin war fast beeindruckt, dass sie so arbeitswillig waren, gleichzeitig jedoch war sie von der Lautstärke geschockt. Verstohlen sah sie sich um, ob nicht einer der anderen Drachen sie anstarrte, aber bisher schien ihre Anwesenheit noch keine Aufmerksamkeit auf sich gezogen zu haben, was ihr doch eine deutliche Erleichterung verschaffte. Bald würde sie in dem Becken liegen und vor den neugierigen Blicken anderer geschützt sein.

“Und dieses Bad wird mir sicher helfen?”

fragte sie den Vorarbeiter leise, der gerade die letzten Meter bis zum Becken zurücklegte und eine kleine Leiter emporstieg, um über den Rand der überdimensionierten Badewanne zu blicken. Mit einem gewinnenden Lächeln sah er über seine Schulter.

“Es wird eure Haut beruhigen und helfen, die Entzündungen zu bekämpfen, Herrin, aber es ist nur ein Teil der Behandlung. In der Tat werden wir die übrigen Schuppen entfernen müssen …”

Weiter kam er nicht, denn Veenja schnappte keuchend nach Luft und beugte sich zu ihm nach unten. Ihre Augen funkelten und ihre elfenbeinfarbenen Zähne blitzten auf, als sie ihn anknurrte.

“Ihr wollt was? Die wenigen Schuppen, die mir noch verblieben sind, wollt ihr mir auch noch nehmen? Ihr Vandalen, Vagabunden, Beutelschneider …”

zischte sie, bemüht ihre Stimme nicht zu sehr zu erheben, aber die geringe Lautstärke nahm ihrer Stimme nichts von ihrer Schärfe. Hrun, der mittlerweile auf dem Beckenrand stand, machte eine beschwichtigende Geste.

“Bitte, bitte Herrin Veenja, zieht keine voreiligen Schlüsse, ich werde es Euch erklären.”

begann er in einem für seine Verhältnisse sehr ruhigen, empathischen Tonfall.

“Die Schuppen werden in den nächsten Tagen sowieso ausfallen. Das ist ein ganz natürlicher Vorgang, der mit eurer Häutung einhergeht. Es lässt sich gar nicht vermeiden.”

erklärte er und wartete auf eine Reaktion seines Gegenübers. Veenja nickte vorsichtig, er hatte recht, die Schuppen fielen aus, sie waren begehrte Sammlerstücke unter den anderen Rassen dieser Welt, sie fertigten Waffen, Schilde, Rüstungen und Werkzeuge aus dem zähen Material. Die Schuppen verschiedener wirklich kleiner Rassen wurden auch als Schmuckstücke verwendet.

Veenja hatte Drachen mit besonders schönen oder schillernden Schuppen dafür immer beneidet. Ihre Schuppen waren von einem durchaus schönen Blau, das von einem blasseren hellblau zu einem fast indigo-gleichen Blau am Ende ihres Schwanzes verlief, aber sie waren stumpf. Ihre raue Oberfläche sorgte dafür, dass ihre Schuppen nicht schillerten, sie wirkten wie Kreide, schön in der Farbe, aber matt.

Vielleicht würde es nach dieser Häutung besser werden, sie wollte daran glauben.

Sie sah zu Hrun, der sie immer noch erwartungsvoll ansah.

“Das ist richtig, aber sie gewaltsam zu entfernen ist immer sehr schmerzhaft.”

erwiderte sie schließlich kleinlaut.

“Und ich habe in der letzten Zeit schon genug Pein durchgehalten.”

fügte die junge Drachin hinzu und trat endlich an das Becken heran, dessen Rand ihr bis zur Brust reichte. Die kleine Treppe zu ihrer Rechten würde den Einstieg vereinfachen, was sie sehr begrüßte. Hrun nickte und vollführte eine einladende Geste.

“Wir werden mit äußerster Vorsicht vorgehen, aber Ihr dürft mir Vertrauen, wenn ich Euch versichere, dass die Schuppen während des Bades fast von selbst ausfallen werden. Sobald die Haut abzuschwellen beginnt, werden sie wahrscheinlich einfach abfallen.”

Setzte der Kobold seine Erläuterung fort, während Veenja vorsichtig die Treppe zuerst hinauf und danach im Becken wieder hinunter stieg.

Auch wenn es bis jetzt nur klares Wasser war, so war es angenehm temperiert und die Tatsache, dass es ihr augenblicklich das Gewicht von den Beinen nahm, sorgte dafür, dass sie sich fast augenblicklich zu entspannen begann. Nicht zuletzt half auch, dass sie sich, nun da sie unter Wasser war, vor den Blicken der anderen geschützt wähnte.

“Sehr gut, entspannt Euch. Meine Mitarbeiter werden gleich wieder da sein und dann können wir richtig anfangen.”

gab der Kobold zu verstehen, während er sich nach seinen Kollegen umsah.

“Mhm.”

brummte die Drachin, von der nur noch die Nüstern, Augen, Ohren und Hörner oberhalb der Wasserlinie lagen, der Rest verschwamm im Wasser. Sie schloss die Augen und versuchte, sich zu entspannen. Währenddessen sah Hrun mit einem Lächeln auf den Lippen zu, wie sich der Wasserspiegel mit jedem ihrer tiefen Atemzüge leicht hob und nickte zufrieden.

Alsbald hörte er die eiligen Schritte seiner Kollegen, die schwer bepackt auf dem Weg zurück zum Becken waren. Als sie sich näherten, verlangsamten sie ihre Schritte und blieben schließlich neben dem Becken stehen.

“Der Kessel ist angeheizt, Werkzeug und Putzzeug, die weichen Bürsten und die Kräuter haben wir auch mitgebracht.”

berichtete einer der Kobolde, der einen großen Sack über die Schulter gelegt hatte und Hrun nickte anerkennend.

“Sehr gut, bringt die Kräuter.”

befahl er und hörte hinter sich, wie Veenja sich bewegte. Sie hatte die Augen wieder geöffnet und kam mit ihrem Kopf näher an den Rand des Beckens, so dass sie über die Brüstung schauen konnte.

“Was ist da alles drin?”

fragte sie und beäugte den Sack, den der Kobold gerade die Treppen hinauf schaffte. Hrun nahm ihn entgegen und öffnete die Naht am oberen Ende. Nahezu augenblicklich verbreitete sich der würzige Duft getrockneter Kräuter am Beckenrand. Ohne zu zögern entnahm er eine Handvoll des Inhalts und präsentierte ihn der Drachin.

“Es ist eine Spezialmischung, die wir von einer Kräuterhexe aus dem Osten beziehen …”

Es war erstaunlich, wie schnell Veenja reagierte, als sie das Wort Hexe hörte. Ihre Nase, die gerade noch and Hruns Hand geschnuppert hatte war mitsamt dem Rest ihres Kopfes am anderen Ende des Beckens, noch ehe er ein weiteres Wort ausgesprochen hatte. Er sah ihr nach und lächelte sanft, bevor er die Kräuter zurück in den Sack stopfte.

“Ist alles in Ordnung, Herrin Veenja?”

fragte er vorsichtig, als er ihren Gesichtsausdruck sah, der mit Schock, Eckel und Verachtung am ehesten zu beschreiben war.

“Ihr … ihr wollt mich baden, mit den Kräutern, die eine Hexe für euch gesammelt hat?”

rief sie in einem gezwungen leisen, gepressten Ton und klang dabei völlig entgeistert; und wenn sie sich nicht den Blicken der anderen preisgegeben hätte, so wäre sie wahrscheinlich aus dem Becken geklettert und geflohen. Der Kobold atmete vorsichtig durch und drehte sich zu ihr um.

“Nicht alle Menschen sind schlecht, Herrin Veenja.”

Begann er und verschloss den Sack provisorisch, während die Drachin sich tiefer in das Wasser sinken ließ.

“Nicht alle, das ist wohl richtig, aber Zauberern, Hexen und der gleichen kann man nicht trauen!”

antwortete sie mit einer Überzeugung, die kaum Widerrede duldete. Hrun nickte, dem konnte er nicht wirklich widersprechen, aber er wollte noch nicht aufgeben.

“Ja, diese Kräuter werden von zwei Kräuterhexen im östlichen Königreich gesammelt, gereinigt und verarbeitet. Sie entsprechen den höchsten Standards und wir benutzen sie seit Jahren. Es besteht keinerlei Grund zur Sorge, denn wir kontrollieren natürlich jede Lieferung, bevor wir sie verwenden.”

erklärte Hrun ruhig und sachlich, während er sich auf den Rand des Beckens setzte, aber Veenja wirkte noch nicht überzeugt. Zu tief saß das Misstrauen gegenüber den Menschen, insbesondere wenn es sich um Magiebegabte handelte.

“Was ist mit magischer Kontamination? Es könnten noch Reste irgendwelcher tritscher Magie daran hängen.”

konterte die junge Drachin unsicher und ließ dabei den Sack nicht aus den Augen. Hrun hörte zu und nickte erneut besonnen.

“Nun, der Begriff Kräuterhexe ist vielleicht ein wenig irreführend. Diese beiden Frauen beherrschen keinerlei Magie. Man nennt sie nur so, weil ihre Tinkturen und Salbe oftmals wirksamer sind, als die der Heiler und Medikae. Die Kräuter werden von Hand gesammelt und danach mit reinem Quellwasser gewaschen, sorgfältig getrocknet und schließlich von Hand geschnitten, bevor unsere Mitarbeiter sie erwerben.”

erläuterte der Vorarbeiter in einem lehrerhaften Ton und zählte dabei mit den Fingern ab. Sein Gegenüber blieb dabei weiterhin am anderen Ende des Beckens.

“Herrin Veenja, wie kann ich euch beweisen, dass diese Kräuter völlig harmlos sind?”

fragte er schließlich sanft und legte seinen Kopf leicht schief, währenddessen musterte ihn Veenja genau. Sie war sich nicht ganz sicher ob, und wenn ja, wie weit sie dem Kobold trauen wollte. Kobolde waren zwar seit jeher als treue Untergebene bekannt, gleichzeitig halten sie als hinterlistig, durchtrieben, gierig und es gab genügend Beispiele, in denen sie an der Seite der Menschen gekämpft hatten. Ihr fiel zwar im Moment keines ein, aber sie war sich sicher, dass sie welche gehört hatte.

Auf der anderen Seite konnte sie nicht so weitermachen, sie brauchte Hilfe, sonst würde sie sich noch zu Tode kratzen.

Vorsichtig ließ sie sich näher treiben, behielt aber Hrun und vor allem den Sack mit den Kräutern genau im Auge.

“Und du garantierst mir, dass dieses Grünzeug mich nicht in einen Frosch verwandelt?”

fragte sie, wohl wissend, dass dies mit Sicherheit nicht passieren würde, aber eine Vergiftung wäre durchaus im Bereich des möglichen. Auf dem Gesicht des Vorarbeiters zeichnete sich ein leichtes Lächeln ab und dann nickte er.

“Herrin Veenja, ich versichere Euch, diese Kräuter sind völlig harmlos.”

antwortete Hrun gewissenhaft, bevor er mit einem verschmitzten Grinsen hinzufügte:

“Aber selbst wenn, Ihr wäret ein ganz besonders hinreißender Frosch.”

Woraufhin ihn fast eine Flutwelle vom Beckenrand spülte. Einmal mehr war Veenja fast schon echauffiert über das Benehmen des kleinen Widerlings, versuchte sich jedoch einzureden, dass er es wirklich nur als Scherz gemeint hatte.

Derweil rappelte sich Hrun hustend und lachend zugleich wieder auf.

“Das habe ich verdient …”

brachte er hervor und als er das Lachen seiner Kollegen im Hintergrund hörte, stieg ihm die Schamesröte ins Gesicht. Die Drachin brodelte derweil unter der Wasseroberfläche vor sich hin, sie hatte die Brauen zornig zusammengezogen und funkelte ihn an.

Hruns Verlegenheit hielt jedoch nicht lange an und sogleich nahm er den feuchten Kräutersack, zeigte auf das Becken und wartete auf eine Reaktion, woraufhin er nur ein knappes Nicken als Antwort bekam. Zufrieden damit, öffnete der Kobold den Sack wieder und streute den Inhalt großzügig in das warme Wasser.

Augenblicklich verbreitete sich ein würzig herber Duft und das Wasser begann sich erst gelblich und schließlich grünlich zu verfärben, aber es würde noch eine Weile dauern, bis sich die Mischung im ganzen Becken verteilte. Veenja beobachtete die Verfärbungen des Wassers, die sich langsam auch zu ihr ausbreitete, skeptisch. Hoffentlich würde diese grüne Farbe nicht auf sie abfärben. Auch wenn Grün neben Rot eine der klassischen Drachenfarben war, so mochte sie sie nicht besonders gerne; Blau war ihre Farbe, Blau und all seine verschiedenen Abstufungen.

Je weiter sich die Kräuter im Becken verteilten, desto intensiver wurde der Geruch und auch sie musste zugeben, dass die Mischung wirklich gut roch. Schließlich ertappte sie sich selbst dabei, wie sie das Wasser vorsichtig mit ihrem Schwanz umrührte und damit die Verteilung der Kräuter beschleunigte.

“Das Wasser sollte gleich auch noch etwas wärmer werden.”

erklärte Hrun ruhig, als er bemerkte, wie die Drachin sich unter der Oberfläche bewegte. Sie nickte sanft und hob ihren Kopf ein wenig weiter aus dem Wasser um ihm antworten zu können.

“Ja, ich kann es schon spüren, es ist sehr angenehm.”

gab sie kleinlaut zu, bevor sie wieder fast vollständig versank.

“Wir werden eure Haut nun ein wenig einweichen lassen, damit sich die restlichen Schuppen lösen und all diese Verschorfungen ein wenig weicher werden können. Entspannt Euch und genießt das Bad. Ich werde dann gleich wieder da sein, und dann können wir beginnen.”

erklärte der Kobold gelassen und erhob sich. Veenja blinzelte langsam und ließ sich treiben. Sie bemerkte nur peripher, wie Hrun sich vom Becken entfernte, ihr Hauptaugenmerk lag für den Moment darauf, sich vollends der Wärme und der beruhigenden Wirkung der Kräuter hinzugeben.

Es war erstaunlich, aber der Juckreiz ließ tatsächlich mit jeder verstrichenen Minute mehr nach. Er war nicht wirklich weg, aber sie verspürte nicht mehr diesen unbändigen Drang sich ständig zu kratzen und zu reiben. Mehrmals tauchte sie ganz unter und hielt ihren Kopf so lange wie möglich unter der Wasseroberfläche, damit die Tinktur auch auf ihrem Kopf wirken konnte.

Sie war bisher nie wirklich wasseraffin gewesen. Schwimmen, Baden, Planschen, das alles waren Dinge, für die sie sich nie wirklich hatte erwärmen können. Sie war in einer der trockeneren Regionen aufgewachsen. Sandbäder waren bisher immer ihr Mittel der Wahl gewesen und es hatte auch immer gut funktioniert, bis jetzt. Dies war die erste Häutung, die ihr wirklich Probleme bereitete und sie musste zugeben, dass bei dieser Häutung Sandbäder mit Sicherheit keine gute Idee waren. Sand und Dreck in die Wunden zu reiben, würde wahrscheinlich den Reiz eher verstärken als ihn zu lindern und weil sie sich nicht anders zu helfen gewusst hatte, war sie hierher gekommen.

Nun lag sie in dieser Badewanne voller Kräutertee und marinierte vor sich hin. Hätte ihr das jemand noch vor einem Monat gesagt, hätte sie ihn für verrückt erklärt, aber jetzt, jetzt musste sie sich, zu ihrer eigenen Schande, eingestehen, dass diese Kobolde Recht hatten.

Ganz allmählich nahm auch die Spannung ihrer Haut ab und sie hatte das Gefühl, sich besser, schmerzfreier bewegen zu können. Die unzähligen, kleinen Wunden waren nicht verheilt, aber jetzt wo der Schorf weicher wurde, zerrte er nicht mehr so an den Rändern, was es fast erträglich machte. Veenja war versucht sich zu streckten und lang verkrampfte Glieder zu bewegen, aber noch traute sie sich nicht ganz.

In Gedanken versunken war sie sich nicht sicher, wie lange sie bereits im Bad weichte, aber je länger sie im Becken lag, desto schwerer wurden ihre Augenlider. Mehr als einmal erwischte sie sich dabei, wie sie weg dämmerte und nur als ihr das Badewasser in die Nüstern lief, wurde sie jäh wieder aus ihrem Schlummer gerissen. Diese Phasen der Wachsamkeit hielten jedoch nie lange an und die Entspannung, nach Tagen der Pein, forderte schnell wieder ihren Tribut von der jungen Drachin, die langsam, einem leckgeschlagenen Schiff gleich, wieder unterging.

Sie bemerkte gar nicht, wie Hrun wieder auf den Rand des Beckens geklettert kam und prüfend seine kleine Hand ins Wasser steckte. Sie sah sein schelmisches Grinsen nicht, als er mit ansah, wie sie einmal mehr ganz langsam versank.

“Mir scheint, Ihr seid mittlerweile völlig entspannt, Herrin Veenja.”

stellte der Kobold schmunzelnd fest und die angesprochene Drachin brummelte nur gelassen, zu faul, zu entspannt um sich über die kleine Spitze zu ärgern, oder den kleinen Störenfried noch einmal mit einer Flutwelle vom Rand ihrer Badewanne zu spülen.

“Gut, ich denke, wir können dann beginnen. Wenn Ihr so freundlich wärt, euren Kopf hier auf den Rand zu legen, dann werden meine Mitarbeiter damit beginnen, die restlichen Schuppen zu entfernen und die Verschorfungen abzutragen, danach werden wir die Wunden versorgen und eure Haut salben.”

erklärte Hrun in einem professionell ruhigen Ton und auf einen Wink hin gesellten sich die anderen Kobolde seines Teams zu ihm. Veenja betrachtete die kleine Truppe sorgfältig, die einer nach dem Anderen den Rand des Beckens erklommen. Sie alle trugen dieselben Lederschürzen, in deren zahlreichen Schlaufen verschiedene Werkzeuge, Zangen, Messer, Spatel, aber auch Bürsten hingen. Einer von ihnen trug ein großes Kissen bei sich, das er demonstrativ auf die Brüstung legte und mit seiner kleinen, feingliedrigen Hand darauf klopfte. Für einen Moment machte sich bei dem Anblick der Werkzeuge ein mulmiges Gefühl in ihrer Magengrube breit, aber fast augenblicklich wurde es von dem rational denkenden Teil ihres Geistes verdrängt, der ihr sagte:

“Du brauchst dir keine Sorgen zu machen, sie können dir eigentlich gar nicht wehtun. Lass sie mal machen, das Kräuterbad hat schließlich auch geholfen.”

Leise murrend drehte sie sich im Becken um und ließ sich zu Hrun und seinen Kollegen treiben.

Vorsichtig hob sie ihren Kopf aus dem Wasser und wartete einen Moment, bis das Tropfen fast gänzlich aufgehört hatte, bevor sie ihr Haupt auf das weiche Kissen bettete. Es duftet auch nach Kräutern und es war wirklich gemütlich. Sie hatte sich noch nicht wirklich entspannt und tief durchgeatmet, als sie bereits von Hruns arbeitswütigen Helfern umzingelt wurde. Was für einen kurzen Moment erschreckend wirkte, stellte sich jedoch als ein Segen heraus.

“Du hast nicht übertrieben Hrun, die Herrin braucht dringend Hilfe.”

Kam die leicht quietschige Stimme eines der Kobolde direkt neben ihrem Ohr, woraufhin sie erst eine Bemerkung abgeben wollte, dass ein Drache ihres Kalibers nicht auf die Hilfe von Seinesgleichen angewiesen war, aber dann spürte sie bereits die zarte Berührung einer kleinen Hand direkt hinter ihrem linken Horn, die sanft an einer Stelle rieb, an die sie nie selbst kam. Die Erleichterung und das Wohlgefühl, das allein diese simple Geste auslöste, war fast überwältigend für die junge Drachin.

“Dort ist es besonders schlimm, nicht wahr?”

fragte die gleiche Stimme, zu der wohl die Hand gehörte, die ihr gerade Befriedigung verschaffte. Sie murrte genüsslich und deutete ein Nicken an.

“Jaaaa …”

seufzte sie, um ihrer Geste Nachdruck zu verleihen.

“Ja, die Schuppen hier an der Basis eures Horns haben sich verkantet und reizen somit die empfindliche Haut. Einen Moment, wir werden sie entfernen, danach wird es sofort besser werden.”

Kam die Erklärung und tatsächlich, noch ehe sie protestieren konnte, gab es ein ganz kurzes Zucken und auf einmal war der Druck zwar nicht weg, aber er ebbte fast augenblicklich ab. Veenja war noch dabei, die Implikationen zu verarbeiten, die die Aussage des Kobolds mit sich brachte, als man ihr eine kleine, seltsam verfärbte, blutige Schuppe präsentierte. Angewidert sah sie auf das kleine, verbogene Stück Keratin, das noch immer im Maul der Zange steckte.

“Ooooh …”

War alles, was sie herausbrachte, während sie noch immer nicht ganz sicher war, was sie von all dem halten sollte.

“Keine Sorge, Herrin, wir werden uns um alles kümmern.”

Versicherte ihr der Kobold und ließ die Schuppe in einen Behälter fallen.

Ab diesem Moment begann eine Tortur, in deren Verlauf die junge Drachin lernte, dass es Schmerzen gab, die am Ende eine Wohltat waren und dass es manchmal nötig war einfach anderen zu Vertrauen, selbst dann, wenn alles in einem sich dagegen ausspricht.

Die Kobolde arbeiten zügig, aber gewissenhaft, während sie eine nach der anderen die letzten Schuppen entfernten, die sich noch auf und an Veenjas Kopf befanden.

Jede einzelne Operation war begleitet von einem kleinen, kurzen Schmerzmoment, als die Schuppe gezogen wurde. Eine kleine Erinnerung daran, dass diese Panzerplatten eigentlich nicht dafür gedacht waren, gewaltsam entfernt zu werden.

Manche waren in der Tat so lose, dass sie, wie vorher angekündigt, praktisch von ganz alleine ausfielen, andere brauchten ein wenig mehr Überredung, um sich von ihrer Haut zu lösen. Der Schmerz war nicht schlimm, sie hatte deutlich Schlimmeres überlebt, aber es ein sehr intimer Schmerz, einer von der Sorte, die man nicht ignorieren oder unterdrücken konnte.

Drachen waren hart im Nehmen. Jahrtausende, in denen sie wild gelebt hatten, mit ihren Artgenossen und ihrer Beute gekämpft hatten, hatten sie abgehärtet. Sie waren imstande, selbst schwere Wunden zu überleben und sie kamen in so ziemlich jedem Klima zurecht. Sie ertrugen schlimmste Schmerzen mit stoischer Ruhe, aber dies hier, diese Schmerzen trieben Veenja die Tränen in die Augen. Auch wenn die Kobolde sie jedes Mal vorwarnten und sich vielmals und ehrlich entschuldigten, so verspürte sie immer häufiger den Drang, ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen.

“Aau …”

Presste sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, als einer der Mitarbeiter ihr eine besonders hartnäckige Schuppe hinter ihrem Ohr entfernte. Dieses Mal rollte die dicke Träne über ihre Wange und sie konnte ein Seufzen nicht unterdrücken.

Die Koboldin, die für diese Folter zuständig war, trat vor sie und verbeugte sich tief.

“Es tut mir sehr leid, Herrin Veenja. Es war keine Absicht, euch über Gebühr zu drangsalieren.”

Die Entschuldigung klang ehrlich und die Haltung der jungen Koboldin sprach eine vergleichbare Sprache. Das zustimmende Brummen, das die Drachin von sich gab, klang wie das Eingeständnis einer Niederlage.

“Nun reiß dich gefälligst Mal zusammen, du kleine Heulsuse. Du wirst doch wohl nicht etwa vor einer Handvoll Kolbolden in die Knie gehen! Wer bist du denn?”

schrie sie ihr Ego hinter ihren Augen an und sie versuchte dagegen zu halten, dass diese Kobolde anscheinend Foltermethoden entwickelt hatten, mit denen man selbst die Mächtigsten unter ihnen in die Knie zwingen konnte.

Hrun, der ein wenig abseits stand und das Procedere aus der Ferne beobachtete, nickte knapp und kam näher.

“Sobald wir mit eurem Haupt fertig sind, wird es, ich will jetzt nicht sagen, angenehmer, das wäre gelogen, aber es wird weniger schmerzhaft. Die Haut am Rest eures Körpers hatte mehr Zeit zum Einweichen und die Schuppen sollten sich deutlich einfacher lösen lassen.”

erklärte er ruhig und die Überzeugung in seiner Stimme gab ihr tatsächlich Zuversicht, dass der Rest dieser Tortur vielleicht doch erträglicher werden würde.

Es dauerte noch eine kleine Weile, aber dann wurden die Schmerzspitzen seltener und hörten schließlich ganz auf, sie wurden ersetzt durch vielen kleine Hände die zusammen und im Einklang miteinander damit beschäftigt waren ihre Haut mit Salben und Tinkturen einzureiben, deren fast schon augenblicklicher Effekt eine Linderung der Reizung und damit der Schmerzen und des Juckreizes war.

“Hmmmmmm …”

murrte Veenja wohlig und schloss ihre Augen. Sie sah sich außer Stande die Wohltat in Worte zu fassen, die ihr gerade zuteil wurde. Aber wie alle guten Dinge, war auch dieses viel zu schnell wieder vorbei und die Kobolde traten von ihrem Kopf und oberen Nacken zurück.

“Werte Herrin, die erste Behandlung eures Hauptes ist abgeschlossen, wir würden nun gerne an eurem Hals und Rücken fortfahren.”

verkündete die piepsige Stimme eines der Kobolde und die Drachin öffnete missmutig eines ihrer Augen und suchte damit nach dem kleinen Schuppenträger, der sie aufgefordert hatte.

“Mhm, wenn es sein muss …”

Ihr Grummeln klang unmotiviert.

“… was soll ich tun?”

fragte sie schließlich leise und bereitete sich mental schon einmal darauf vor, das Becken verlassen zu müssen, aber der Wicht vollführte nur eine einladende Geste, die sie ein wenig weiter auf den Rand des Beckens bringen würde.

“Wir würden euch bitten, euch ein wenig weiter aus dem Wasser zu bewegen, so dass euer ganzer Hals und Teile eures Rückens oberhalb des Wasserspiegels liegen. Wir empfehlen, dass ihr euch einfach auf die Stufen legt, das sollte vollkommen ausreichen. So könnt ihr weiterhin das warme Wasser genießen, während wir uns um den nächsten Bereich eurer Schuppen kümmern können.”

erläuterte der Kobold und war bemüht, seine Anforderungen so respektvoll wie möglich vorzutragen. Die Drachin seufzte daraufhin leise und zog ihre Vorderläufe unter sich. Sie würde der Bitte nachkommen, natürlich würde sie das, wie sonst würden sie sonst mit ihr fertig werden, aber gleichzeitig würde es sie wieder sichtbarer machen, würde ihren Körper wieder den Blicken der anderen preisgeben. Glücklich war sie nicht darüber, aber sie kam auch nicht umhin zuzugeben, dass das, was sie mit ihr taten half.

Langsam drückte sie sich hoch und aus dem Wasser. Ihr Körper, der gerade noch quasi schwerelos im Kräutertee getrieben war, fühlte sich auf einmal tonnenschwer an. Veenja ächzte leise, woraufhin Hrun sich ein Schmunzeln nicht verkneifen konnte. Die Belohnung, in Form eines scharfen Fauchens und einer Handvoll Wasser ins Gesicht traf ihn zwar voll, aber nicht unvorbereitet.

“Bitte entschuldigt, Herrin Veenja, es war weder bösartig noch als Herabstufung gemeint, es war eher das Eingeständnis, dass es uns allen so geht, wenn wir aus dem Bad steigen.”

entschuldigte er sich und verbeugte sich tief, während die Flugechse sich halb auf den Rand des Becken schob, den Rest ihres Körpers jedoch weiter unter Wasser drückte.

Einer der Kobolde hatte ihr das Kissen weiter nach vorne gezogen, sodass sie ihren Kopf wieder bequem darauf betten konnte, während der Rest der Mannschaft sich um ihren Hals tummelte.

Was Veenja nicht bemerkt hatte, da sie ihre Augen überall sonst gehabt hatte, war, dass tatsächlich bereits eine nicht zu unterschätzende Anzahl ihrer restlichen, noch verbliebenen Schuppen am Boden des Becken lagen, ausgefallen, nachdem ihre Haut sich ein wenig beruhigt hatte. Alles, was von ihrem schützenden Panzer noch übrig war, waren einige wenige Einzelkämpfer, die sich noch verzweifelt an ihre Haut klammerten.

“Versucht Euch zu entspannen, diese Schuppen sollten deutlich einfacher zu entfernen sein.”

erklärte Hrun und nickte seinem Team zu, das sich wieder behutsam ans Werk machte. Die junge Drachin murmelte etwas Unverständliches und versuchte seiner Bitte nachzukommen, während sie ihre Augen über den Rest der Waschanlage schweifen ließ.

Es waren zur Zeit drei andere Drachen in den verschiedenen Stadien des Reinigungsprozesses der Waschanlage und einer fiel ihr ganz besonders ins Auge. Es war ein großer, majestätischer Drache, dessen Schuppen ein schillerndes, dunkles Blau hatten und dessen Schwanz in einem auffälligen Hornschwert endete.

“Hmmm na da, schau her …”

murmelte sie und drehte ihren Kopf leicht zur Seite, um besser sehen zu können.

“… du bist mir ja ein ganz süßer Leckerbissen.”

Hrun folgte ihrem Blick und erkannte den Drachen, den sie anvisiert hatte, sofort wieder.

“Oh ja, das ist Makaro, er ist ein Stammkunde bei uns. Er kommt mehr oder weniger jede zweite Woche vorbei.”

Er klang amüsiert und beobachtete die Reaktionen der Drachin genau. Ihm entging nicht, wie sich ihre Pupillen weiteten und sich ihre Ohren nach vorne drehten.

“Er ist ein netter Drache, charmant, ruhig, meistens gut gelaunt und, so sagte man mir, die Damen sind sehr angetan von seinen … Vorzügen.”

fügte der Vorarbeiter mit einem vielsagendem Zwinkern hinzu und Veenja spürte augenblicklich, wie ihr das Blut in die Wangen schoss. Am liebsten wäre sie direkt wieder im Becken versunken, so peinlich war es ihr, gleichzeitig wollte sie den frechen Kobold für sein Benehmen ins Wasser tunken und so lange unten halten, bis er es lernte, die feinen Grenzen der Etikette nicht nicht mehr zu überschreiten. Leider war Letzteres, zumindest im Moment, keine Option, und so begnügte sie sich damit, ihn finster aus den Augenwinkeln anzustarren und zu knurren.

“Vorsicht, Kobold, du übertrittst deine Befugnisse nur allzu gerne.”

Der Angesprochene hob entschuldigend seine Hände und trat einen Schritt zurück, ganz nah an die Kante des Beckens, woraufhin die Drachin die Augen verdrehte und sich wieder auf den indigo-blauen Drachen konzentrierte, der gerade dabei war seinen eleganten, muskulösen, majestätischen …

Sie ertappte sich dabei, wie sie zu schmachten begann, während der Drache sich den rotierenden Bürsten der Waschanlage hingab und es sichtlich genoss. Die Krallen ihrer Vorderläufe krallten sich in das Holz der Treppe, auf der sie lag.

Jetzt wo er nass war, schillerten seine Schuppen noch mehr in der Frühlingssonne und die Lichtreflexe ließen erahnen, wie seine stahlharten Muskeln sich unter seinen Schuppen bewegten. Veenja wurde heiß, die Kobolde, die sich um ihren Hals und Rücken kümmerten, waren fast vergessen.

Veenja war hin und weg, hatte nur noch Augen für Makaro, der am anderen Ende der Anlage gerade mit einem der Kobolde sprach. Seine Worte waren nicht zu verstehen, aber der sanfte Bass seiner Stimme schwang bis zu ihr hinüber und ließ die junge Drachin erschaudern.

“Hmmmm …”

summte sie leise und verfolgte die Konversation aus der Ferne. Hrun hatte recht, der blaue Drache wirkte wirklich nett, hatte ein gewinnendes Lächeln, und auch wenn sie nicht verstehen konnte, was die beiden dort drüben sprachen, dass sie beide herzhaft lachten, konnte sie durchaus sehen.

Ihr Schwanz begann damit, unter der Wasseroberfläche hin und her zu zucken, erst langsam und mit kleinen Bewegungen, aber je länger sie dem hübschen Gesellen zusah, desto schneller wurden die Bewegungen ihres Anhängsels. Das Kichern der Kobolde, denen ihre Reaktion natürlich nicht verborgen blieb, bemerkte Veenja nicht, zu sehr waren ihre Sinne auf das andere Ende der Anlage konzentriert.

“Hmmm, ja, dich würde ich gerne einmal treffen, so ganz privat.”

murmelte die junge Drachin, ohne dass sie sich dessen bewusst war.

“Nur was, wenn er mich so sieht? Bei den Himmeln, ich will im Boden versinken …”

fuhr sie fort und Hruns Team hatte große Mühe nicht lauter zu kichern.

Einmal mehr war es der Vorarbeiter, der todesmutig in das Fettnäpfchen sprang, als er neben Veenjas Kopf trat und leise flüsterte:

“Ich könnte ihn fragen, ob er gleich mal 'rüberkommen möchte.”

Er meinte es todernst und sprach mit einer solchen Ruhe, dass es die Drachin tatsächlich aus ihrem Tagtraum zerrte. Ihre Augen drehten sich in ihren Höhlen, bis sie ihn mit einem Ausdruck nackter Panik anstarrte.

“Wa … was?”

brachte sie stotternd hervor und hob ihren Kopf an, um dem Kobold in die Augen sehen zu können. Der lächelte nur schief und deutete mit seiner Nase auf Makaro, der gerade zum Polieren geführt wurde und seine mächtigen Flügel schwang, damit sie schneller trockneten. Mit offenem Maul und aufgerissenen Augen schüttelte die Drachin ihren schuppenlosen, hoch geröteten Kopf.

“Das … das würdest du nicht wagen.”

keuchte sie tonlos, während ihre Augen immer wieder zu dem anderen Drachen zuckten.

“Versprich mir, dass du das nicht tun wirst!”

Ihre Stimme nahm fast schon einen flehenden Ton an, während ihr Gegenüber seinen Kopf leicht zur Seite neigte, lächelte und schließlich nickte. Hrun wusste, dass er seine Späße nicht zu weit treiben durfte, irgendwann würde er sonst doch an einen Drachen geraten, der ihn wirklich einfach so auffressen würde.

Veenja allerdings würde nicht diese Drachin sein. Sie war sich ihrer Überlegenheit zwar durchaus bewusst, gleichzeitig war sie jedoch so dermaßen unsicher in Bezug auf ihre momentane Situation, dass sie niemals eine solche Szene riskieren würde, selbst wenn man ihr am Schluss keine Schuld geben würde. Zu peinlich waren ihr, ihr Aufzug und ihre momentane Abhängigkeit von der Hilfe der Mitarbeiter dieses Unternehmens.

Beide wussten das, und beide wussten auch, dass Hrun ein gefährliches Spiel spielte, das er aber dieses Mal nicht verlieren würde. Er würde es nicht gewinnen, aber er würde es auch nicht verlieren.

Grummelnd schüttelte die junge Drachin noch einmal den Kopf.

“Nein, du wirst ihn nicht fragen, zumindest nicht heute. Ich werde mich mit damit begnügen, ihn aus der Ferne zu beobachten, und nun zurück an die Arbeit, Kobold!”

zischte sie schließlich und die letzten Worte waren so kalt, dass sie in Hruns Ohren brannten. Während er nickte und sich wieder zurückzog, legte Veenja, zwar nicht befriedigt, aber zumindest zufrieden mit seiner Reaktion, ihren Kopf wieder auf das Kissen.

Nun, da dieser kleine Widerling sie aus ihrer Fantasie gerissen hatte, wurde es ihr wieder bewusst, was die Kobolde mit ihr taten. Tatsächlich spürte sie kaum, wie die kleinen Helferlein ihr die wenigen noch übrigen Schuppen entfernten, es war sogar eher ein befreiendes Gefühl, auch wenn sie das nie zugeben würde. Ein paar von ihnen hatten sogar schon damit begonnen, ihre Haut zu salben und auf ihrer linken Seite spürte sie, wie einer von ihnen ihre Verschorfungen mit einer weichen Bürste bearbeitete, es war ein göttliches Gefühl.

Sie wollte es ihnen nicht zeigen, denn das würde heißen, dass sie zugeben müsste, dass es ihr gut tat und diesen Triumph wollte sie ihnen nicht gönnen, noch nicht. Es war eine Herausforderung, sich nicht gegen die Bürste zu drücken und wohlig zu murren, eine der sie sich mit aller Vehemenz stellte. Über den Verlauf der nächsten Minuten bröckelte ihr Widerstand jedoch Stück für Stück dahin und fast hätte es einer dieser kleinen Fieslinge geschafft, ihre Beherrschung zu untergraben, aber gerade als sie sich nicht mehr zurückhalten konnte, hörte die Bürstenmassage auf und Veenja durfte durchatmen. Eine Anspannung, die sie unmerklich während der Tortur aufgebaut hatte, fiel von ihr ab und sie sank merklich auf den Rand des Beckens zurück.

“Hrrrmmmpfffff …”

Der Seufzer kam aus tiefstem Herzen und wurde von einer Gänsehaut begleitet, wie sie die junge Drachin schon lange nicht mehr gehabt hatte. Die Kobolde, die um sie herum versammelt waren und das Spektakel im wahrsten Sinne des Wortes ‘hautnah’ miterlebten, tauschten wissende Blicke aus, die glücklicherweise nicht von ihrer Kundin gesehen wurden. Sie ließen ihr einen Moment, damit sie sich wieder entspannte, bevor sie mit dem nächsten Schritt fortfahren konnten.

Alsbald waren auch die letzten Schuppen entfernt und alle Kobolde waren damit beschäftigt, ihre Haut mit den beruhigenden Tinkturen zu salben und einmal mehr dauerte es nicht lange, bis Veenja die Wirkung der Salbe spürte. Die Spannung in ihrer Haut ließ nach und der Juckreiz wurde deutlich schwächer.

Was jedoch eine Erleichterung für ihren Kopf, Nacken und ihren oberen Rücken war, machte ihr nun den Juckreiz am Rest ihres Körpers nur um so bewusster.

Das erste was die Drachin bemerkte war, dass sie ihre Hinterläufe an der Kante einer der Stufen schubberte, langsam, um nicht zu viele Wellen zu machen, dann fiel ihr auf, dass sie unbewusst ihren Bauch mit ihren Vorderpfoten kratzte.

Es ärgerte sie, dass sie es nicht lassen konnte, und je länger die Kobolde an ihrem Rücken beschäftigt waren, desto intensiver wurde das Bedürfnis, sich mit ihren scharfen Krallen und Zähnen Abhilfe zu schaffen.

“Hnnng …”

presste sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, während sie sich zwang, ruhig liegen zu bleiben, um ihnen die Arbeit nicht noch komplizierter zu machen. Es fühlte sich wie eine Ewigkeit an, wobei es in Wirklichkeit wahrscheinlich nur ein paar Augenblicke waren, bevor einer der Kobolde in ihr Sichtfeld trat.

“Herrin Veenja, wir haben euren Hals, Nacken und oberen Rücken fertig. Es wird Zeit, dass Ihr das Becken verlasst, damit wir uns auch um den Rest eures Körpers kümmern können.”

Die Aussage wurde mit einer ruhigen, sachlichen Tonlage vorgetragen und von einer tiefen Verbeugung unterstrichen. Die Angesprochene sah den Kobold skeptisch an und ließ ihren Blick dann zu Hrun schweifen, oder besser gesagt, sie wollte ihn zu Hrun schweifen lassen, aber dieser Halunke war nicht zu sehen. Die Brauen hochgezogen, hob sie den Kopf vom Kissen und sah sich genauer um, konnte den gesuchten Kobold jedoch nirgends entdecken. Eine leichte Panik begann sich in ihren Eingeweiden zu regen, der Vorarbeiter würde doch nicht gegen ihren explizit geäußerten Willen handeln, oder?

“Wo ist euer Vorgesetzter?”

fragte sie zischend und fixierte dabei wieder den Kobold, der noch immer vor ihr stand. Dieser zuckte mit den Schultern und sah über seine Schulter in Richtung der restlichen Anlage.

“Ich weiß es nicht, werte Herrin, er ist eben gegangen, aber er wird sicherlich gleich wieder da sein.”

Es klang entschuldigend, unsicher, aber ehrlich und die Aussage wurde mit einer weiteren Verbeugung kombiniert. Veenja, uneins mit sich selbst, verzog ihr Gesicht zu einer Fratze und beobachtete den Rest der Anlage. Sie konnte den findigen Kobold nirgends sehen, aber auch der stattliche blaue Drache war nirgends zu sehen. Nervosität machte sich in ihr breit, aber sie konnte im Moment nicht viel dagegen tun.

Nachdem sie sich eindeutig zu viel Zeit damit gelassen hatte, die Umgebung abzusuchen, schnaufte sie kräftig aus und die Anspannung fiel regelrecht von ihr ab.

“Nun, ich denke, ich kann für den Moment nichts daran ändern, nicht wahr?”

Es war mehr eine Feststellung als eine Frage, aber der Kobold, den sie fast umgeblasen hätte, nickte eifrig, bevor er auf eine Wiese zwischen den Becken deutete.

“Wollen wir, Herrin?”

fragte er mehr als höflich und mit einem gewinnenden Lächeln. Eigentlich wollte sie sich lieber wieder unter die Wasseroberfläche zurückziehen, aber das war, zumindest für den Moment, leider keine Option. Seinem Fingerzeig folgend, sah die Drachin zur Wiese hinüber, deren saftiges, frühlingshaftes Grün wirklich einladend wirkte. Es war keine Matschlandschaft, wie man es hätte vermuten können, der Rasen wirkte gepflegt, trocken und durch die Becken wäre sie vor den neugierigen Blicken der Anderen geschützt. Langsam, mühsamer als ihr lieb war, drehte sie sich der Wiese zu und drückte sich hoch auf die Stufen der Treppe.

Nun, da ihr Körper und ihre empfindlichen Flügel wieder außerhalb des wohlig warmen Wassers waren, fühlte sich die leichte Brise doch merklich kühl an. Nicht, dass es ihr wirklich etwas ausgemacht hätte, aber sie fröstelte doch ein wenig. Die fehlenden Schuppen, auch wenn sie nicht wirklich isolierend wirkten, so hielten sie normalerweise doch den Wind ab. Für einen langen, peinlichen Moment bildete sich an ihrem ganzen Körper das Drachenäquivalent einer Gänsehaut, bis sie sich schüttelte und damit das meiste des Wassers von sich warf. Die Reaktion der Kobolde auf diese ungeplante Dusche amüsierte sie dagegen schon ein wenig, denn die sprangen quiekend und lachend aus dem Weg, damit sie nicht zu viel der warmen Brühe abbekamen.

“Hrmpf …”

grummelte Veenja und schnaubte ihr Amüsement in die Welt, bevor sie mit etwas ungelenken Schritten, über den Rand des Beckens und die Treppe hinunter kletterte, um sich zu dem ihr zugewiesenen Platz zu begeben, wobei ihr die Kobolde folgten. Mitten auf der Wiese blieb sie schließlich stehen, während sie den Drang unterdrückte, sich noch einmal zu schütteln und ihre Flügel ein paar Mal zu schlagen, um auch das letzte bisschen Wasser und damit den Kältereiz loszuwerden.

“Was jetzt?”

Die Frage klang ein wenig schärfer, als sie es gewollt hatte, aber damit würden diese kleinen Tunichtgute leben müssen. Der Kobold, mit dem sie vorher gesprochen hatte, verbeugte sich vor ihr.

“Herrin Veenja, wenn Ihr euch einfach hier hinlegen wollt, dann können wir mit dem Rest der Behandlung fortfahren.”

bat er und machte eine einladende Geste, der dir junge Drachin zögerlich nachkam. Vorsichtig beugte sie ihre Glieder und bettete ihren Körper auf das Gras, und obwohl die Luft angenehm war und die Sonne schon sehr viel Kraft hatte, war das saftige Grün noch so kalt, dass sie kurz erschauderte. Das Gefühl währte nur kurz, aber es entging den kleinen Helfern nicht.

“Keine Sorge, Herrin, es geht gleich vorbei, und bald werden eure Schuppen nachwachsen, dann wird die Kälte euch wieder nichts mehr ausmachen.”

Hörte sie einen der Kobolde neben sich und nickte nur leise grummelnd, während sie versuchte, sich zu entspannen. Sobald sie halbwegs lag, drängten sie bereits wieder an sie heran und begannen von neuem, sich um ihre Schuppen, die wenigen, die noch an ihr hafteten und ihre Haut zu kümmern.

Tatsächlich waren diese auch schnell entfernt und nun wurde ihre ledrige, aber empfindliche Haut mit weichen Bürsten und Koboldhänden liebevoll umsorgt.

Veenja murrte ihre Zustimmung während Hruns Truppe sich um die Verschorfungen und Entzündungen kümmerte und so ihren Juckreiz milderten. Es war fast perfekt.

Die einzige Möglichkeit, so dachte die junge Drachin, wie dies im Moment noch besser sein konnte, wäre, wenn es nicht die Kobolde, sondern Makaro wäre, der sie verwöhnte. Sie hatte den Gedanken noch nicht ganz zu Ende gedacht, da spürte sie bereits, wie die Hitze ihr in die Wangen stieg. Sie war sich nicht ganz sicher, welche Emotion gerade überwog, auf der einen Seite war der Gedanke, von einem Artgenossen und potentiellen Partner so intim berührt zu werden, unglaublich erregend, auf der anderen war sie ihres Zustandes natürlich bewusst und es war ihr ebenso peinlich. Dann wiederum, und dies trieb ihr die Schamesröte nun endgültig ins Gesicht, wäre gerade diese Peinlichkeit irgendwie auch extrem erregend.

Er würde der erste Drache sein, der sie jemals so verletzlich sehen würde. Der einzige, bei dem sie sich nicht hinter zentimeterdicken Panzerplatten verstecken konnte.

“Oh, bei den Himmeln …”

murmelte sie leise in sich hinein, als sie bemerkte, wie sehr sie diese Fantasie erregte. Sie wollte sich dem jetzt nicht hingeben, aber die fortwährende Liebkosung ihres Körpers durch die fleißigen Helfer machte es ihr schwer. Besonders als zwei der Kobolde sich langsam aber sicher ihren Rücken entlang zum Ansatz ihre langen Schwanzes vorarbeiteten.

Es geschah vollkommen unwillkürlich, und es war ihr auch so noch nie passiert, aber als die erste von Koboldhand geführte Bürste über die Basis ihres Schwanzes strich, drückte sie ihr Becken hoch gegen die Bürste. Der Reiz war stark und das Gefühl intensiv. Instinktiv krallte sie ihre Finger und Zehen in den Boden und hob ihren Schwanz.

Es geschah so schnell und so unerwartet, dass sie es selbst erst gar nicht bemerkte, sondern einfach wohlig murrend den Moment genoss. Während sie sich - zugegeben unbewusst - schamlos vor den Kobolden entblößte, wagte es einer der Kobolde unter das nun gehobene Körperteil zu blicken, schließlich würden sie auch den Bauch der Drachin bearbeiten müssen.

Während er frech unter den erhobenen Schwanz sah, erblickte er wie gereizt und gerötet Veenjas Schlitz war. Das schon von Natur aus sensible Areal war durch die konstante Reizung deutlich geschwollen und nässte stark. Die Reste der feinen Schuppen, die diesen Bereich normalerweise mit einer glatten, weichen Schutzschicht überzogen, standen in alle Richtungen ab. Die empfindliche, dünne Haut, die dort für Flexibilität und Dehnbarkeit sorgte, war von den vorangegangenen Tagen gezeichnet, denn sie war überzogen mit verkrusteten Kratzern.

“Bei den Himmeln, sieh dir das an.”

flüsterte der Kobold entsetzt und stieß seinen Kollegen an, der noch immer amüsiert die Basis von Veenjas Schwanz bearbeitete.

“Hmmm…?”

brummte der Angestoßene und beugte sich zum anderen hinunter. Als er sah, worauf er hingewiesen wurde, weiteten sich seine Pupillen.

“Himmel … das muss ja furchtbar jucken.”

entfuhr es ihm ebenso geschockt wie seinem Kompagnon und der nickte zustimmend. Mitleid wallte in ihnen auf, denn ihnen beiden war klar, welch Folter die Drachin ausgesetzt war, aber gleichzeitig konnten beide ihren Hang zum Schabernack nicht verleugnen.

“Ich wette, du traust dich nicht.”

stichelte der zweite Kobold und grinste durchtrieben, was ihm einen finsteren Seitenblick einbrachte.

“Ach, wirklich?”

konterte der andere Kobold, wobei sein Flüstern herausfordernd klang.

“Was soll ich mich nicht trauen?”

Mit seiner freien Hand deutete der Zweite auf den geschwollenen Schlitz der jungen Drachin, die weiterhin wohlig knurrte.

“Ich wette, du traust dich nicht ihre …uff!”

Weiter kam er nicht, bevor der andere ihm den Ellbogen kräftig in die Rippen gerammt hatte.

“Du bist unmöglich, aber sieh zu und lerne vom Meister.”

behauptete er selbstsicher und schob vorsichtig seine Bürste zwischen Veenjas Beine. Die Drachin rührte sich nicht sofort, als die Bürste zuerst Kontakt mit ihrer Haut aufnahm. Der Kobold war nicht dumm, er wusste genau, dass, wenn er zu forsch an die Sache heranging, konnte dies empfindliche Konsequenzen nach sich ziehen, also bearbeitete er zuerst die Haut um sein Ziel herum, bevor er sich ganz langsam Veenjas Schlitz näherte.

Er hielt die ganze Zeit über die Luft an und übte so wenig Druck wie nur irgend möglich auf die Haut der Drachin aus, während er sein Werkzeug mit kleinen kreisenden Bewegungen führte. Sein Kollege, der das Spektakel beobachtete, versuchte seinerseits, die ihm zugewiesene Aufgabe trotzdem fortzuführen. Es genügte, wenn einer von ihnen Ärger bekam. Er schrubbte vorsichtig am Hinterteil der Drachin und begann, zwischenzeitlich Salbe auf die wunden Stellen aufzutragen.

Für eine Zeit lang passierte nicht viel, denn die Drachin war zu sehr damit beschäftigt die Ministrationen der kleinen Schuppenträger zu genießen und sich der Fantasie hinzugeben, dass der hübsche indigofarbene Drache es war, der ihr gerade Erleichterung verschaffte. Erst als der tapfere, kleine Kobold seine Bürste schließlich über den Rand dieses hoch sensiblen Areals führte, kam Bewegung in den Körper der Flugechse.

Sie rollte ihr Becken nach vorne und bog ihren Schwanz zur Seite, wodurch sie den Kobolden noch besseren Zugang zu ihrem Intimbereich gewährte. Begleitet wurde diese Veränderung ihrer Haltung von einem wohligen Knurren, während sie ihre Krallen tiefer in den weichen Boden grub.

Angespornt von Veenjas Reaktion, fuhr der Kobold damit fort, die empfindliche Haut um den geröteten Schlitz zu bürsten, wobei er sich große Mühe gab, es nicht zu überreizen. Gleichzeitig verlagerte sein Kollege seine Aufmerksamkeit auf die Oberschenkel der Drachin und massierte die geschundene Haut seinerseits mit seiner Bürste. Sie blieben beide vorsichtig, denn selbst wenn die Drachin vielleicht nichts gegen das, was sie dort taten, hatte, so würde ein unbewusst ausgelöstes Austreten sie teuer zu stehen kommen. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Kobold aus Versehen ausgeweidet wurde, was es tunlichst zu vermeiden galt.

All das blieb ihren Kollegen nicht verborgen und ein paar der anderen Kobolde warfen ihnen eindeutige Blicke zu, aber niemand ergriff das Wort und tadelte den Frechdachs für seine Torheit, denn sie alle wussten, dass dies wahrscheinlich nur noch mehr Ärger für sie alle bedeuten würde.

Tatsächlich kam es jedoch ganz anders, als die kleinen Tunichtgute es jemals gedacht hätten, denn während sie langsam aber sicher kühner wurden, begann Veenja damit leise zu brummen und drückte ihren Schlitz gegen die Bürste des ersten Kobolds und zwang ihn damit mehr Druck aufzubauen.

Für einen Moment stockte der Bürsten-Bold unsicher, ob er es nicht übertrieben hatte, aber als die Drachin sich nicht weiter bewegte, schöpfte er neuen Mut. Vorsichtig fuhr er mit seiner frechen Arbeit fort und bearbeitete das geschwollene, entzündete Gewebe am Eingang ihres Schlitzes. Auch er bemerkte es nicht sofort, erst als sich das Geräusch, das die Borsten erzeugten, als sie über die Haut der Drachin schrubbten veränderte, schaute er genauer hin. Mit aufgerissenen Augen sah er, wie sehr das Gewebe schimmerte. War die Drachin etwas feucht? Gefiel ihr womöglich, was er da tat?

“Hey Smirgul, sieh dir das an.”

flüsterte er zu seinem Kollegen, der sich vorsichtig zu ihm herüber beugte, um besser sehen zu können. Als Smirgul sah, auf was er aufmerksam gemacht worden war, hätte er fast laut gelacht, konnte es jedoch gerade noch so zurückhalten.

“Bei den Himmeln, Grendel, das ist jetzt nicht dein Ernst.”

antwortete der Kobold mit einem heiseren Flüstern und grinste breit. Der Angesprochene zeigte seine Zähne und nickte schelmisch.

“Warte ab, es wird noch besser …”

prahlte Grendel und konzentrierte sich wieder darauf, wie er Veenja weiter necken konnte. Mit der Zunge zwischen den Zähnen begann er wieder, seine Bürste über ihren Schlitz zu bewegen. Er fokussierte sich darauf, die weichen Borsten dazu zu benutzen, ihr entzündetes Fleisch zu streicheln.

Es dauerte nur einen kurzen Moment, bevor er mit einer Reaktion der jungen Drachin belohnt wurde. Das Erste, was passierte, war, dass sie anfing, wohlig zu murren, gefolgt von einer eher unbewussten Bewegung, als sie ihre Hinterbeine weiter spreizte.

Veenja nahm den Eingriff in ihre Intimsphäre tatsächlich nur unterbewusst wahr. Nachdem sie sich damit abgefunden hatte, dass die Behandlung eigentlich doch recht angenehm war, gab sie sich dem komplett hin. Zu allem Überfluss war sie noch immer so in ihrem Tagtraum vertieft, dass sie dieses Gefühl eher ihrer Fantasie zuordnete, als einem frechen Kobold mit einer Bürste.

“Oh ja, Makaro, genau da … Hmmm …”

murrte sie genüsslich und grub ihre Krallen tiefer in den Boden. Die unwillkürlichen Kontraktionen ihrer Muskulatur und die Tatsache, dass die junge Drachin mittlerweile nicht nur feucht sondern regelrecht nass war, sprachen für sich und auch die anderen Kobolde könnten das, was dort eindeutig vor sich ging nicht weiter ignorieren, aber sie konnten nicht eingreifen, denn das hätte zur Folge, dass die Kundin darauf aufmerksam gemacht würde, was dort wirklich vor sich ging und das hätte nicht nur einen deutlich negativen Einfluss auf ihren Ruf, sondern vermutlich auch empfindliche Konsequenzen für einen Kobold, der nicht wusste, wann er es gut sein lassen sollte.

Alles was sie tun konnten war, den Schein zu wahren, weiter zu arbeiten und so zu tun, als hätten sie nichts mitbekommen, während Grendel immer mutiger wurde. Nach einer von Veenjas Kontrakturen nutzte er den Moment der Entspannung und schob seine Bürste zwischen die geschwollenen Falten ihres Schlitzes. Da die Drachin freundlicherweise eine Menge an Gleitmittel bereitstellte, flutschte er nahezu ohne jeden Widerstand in ihre Kloake. Das feuchte Schmatzen, das mit seinem Eindringen einherging, wurde von ihrem lustvollen Seufzen übertönt, während sie sich fast auf seine Hand setzte.

“Oh, hmmmm … ja … das fühlt sich so gut an …”

brachte Veenja keuchend hervor und streckte unwillkürlich ihre Zunge heraus. Ihre Vorderläufe zogen sich krampfhaft unter ihren Körper und hinterließen dabei tiefe Furchen in der Wiese und der Geruch frischer Erde mischte sich in den allgegenwärtigen Duft des Kräuterbads. Ihr Schwanz begann hin und her zu peitschen und zwang Smirgul von ihr Abstand zu nehmen, nicht jedoch sein Kollege, der von der erneuten Zurschaustellung ihrer Lust angespornt, sich zwischen ihre Beine hockte, und damit begann seine Bürste zu den sensibelsten Stellen seiner Kundin zu führen.

Jetzt gab es kein Zurück mehr, wenn sie jetzt erwischt würden, wäre alles aus, dessen war sich auch Grendel bewusst, aber aus seiner Sicht war es das wert, selbst wenn die Drachin ihn in winzig kleine Stücke zerpflückte, so würde er in die Analen der Geschichte eingehen, als der Kobold, der eine Drachin mit einer Bürste zum Höhepunkt gebracht hatte. Auf Ewig unvergessen und gehuldigt von Seinesgleichen, die über Generationen hinweg Drachen als billige Diener gedient hatten, als derjenige, der es gewagt hatte, sich zu erheben.

Es war eine kühne Fantasie, die einer genaueren Überprüfung nicht standhalten würde, aber er wollte sich dennoch daran klammern.

Seine Kollegen waren da mittlerweile anderer Meinung, und Smirgul, der immer wieder dem wild peitschenden Schwanz der Drachin auswich zischte ihm zu, dass er es endlich sein lassen solle und sich zurückziehen, bevor er sie noch alle einem Ende als Drachensnack preisgab.

“Ich kann jetzt nicht aufhören, das würde noch viel mehr auffallen und …”

Weiter kam er nicht, denn er spürte, wie Veenja ihre Muskeln anspannte und seine Hand mitsamt der Bürste in ihrer Passage einklemmte. Seine Pupillen weiteten sich und er sah panisch zum Kopf der jungen Drachin, die ihre Zähne gebleckt hatte.

“Fuck …”

entfuhr es seinem Kollegen, der sich nach einem günstigen Fluchtweg umsah, während auch die anderen Kobolde von ihrer Kundin zurücktraten.

Allerdings hatte sie alle ihre Reaktion falsch gedeutet, Veenja war weder Böse, noch hatte sie überhaupt den Rückschluss gezogen, dass sie sich nicht mehr in ihrer eigenen kleinen Fantasiewelt befand, ganz im Gegenteil; In ihrem Kopf hatte Makaro das Äquivalent ihres G-Punktes gefunden hat ihn zärtlich gestreichelt. Die daraus resultierende Welle aus Wollust, die sich wie ein Stromschlag in ihrem Körper ausgebreitet hatte, hatte dazu geführt, dass sie unwillkürlich ihre Muskulatur verkrampft hatte und damit den Druck von Grendels Bürste auf jenen Punkt nur noch verstärkt. Sie befand sich gerade in einer Teufelsspirale, die durch die unwillkürlichen Bewegungen und Reaktionen ihres eigenen Körpers nur noch mehr angetrieben und verstärkt wurde. Sie schnappte nach Luft, biss die Zähne zusammen und presste ein lustvolles Stöhnen zwischen ihren Lippen hervor.

Unter ihr geriet der Kobold immer mehr in Panik und begann verzweifelt seinen nun gefangenen Arm in dem Versuch, ihn herauszuziehen, zu drehen und zu wenden. Ihm war in diesem Moment nicht bewusst, dass er seine Situation dadurch nur noch verschlimmerte, denn jede seiner Bewegungen sandte neue Impulse durch den Körper der jungen Drachin und alsbald begannen ihre Beine zu zittern und das hektische Peitschen ihres Schwanzes ließ nach.

“Hnnnnggrrrr …”

knurrte Veenja, während sie ihren Rücken durchdrückte und ihre Flügel aufspannte. Ihr ganzer Körper wurde steif und sie sog einen scharfen Atemzug ein.

Für einen unendlich langen Moment schien gar nichts zu passieren, doch dann ging ein Ruck durch die Flugechse, dann ein zweiter und ein dritter, gefolgt von krampfhaften Zuckungen, die von einem gutturalen Aufschrei begleitet wurden.

“Hnnrrrrruaaaarrrgh …”

Noch während ihr Ruf zwischen den Hütten verklang, verließ sie ihre Körperspannung und sie sackte einfach über dem Kobold zusammen.

Mit einem schrillen Quicken wurde Grendel unter der Drachin begraben. Smirgul, der nur wenige Schritte daneben gestanden hatte, und den Blick in seines Kollegen Augen gesehen hatte, wusste nicht, ob er lachen oder besorgt sein sollte. Auf der einen Seite war es zu komisch, wie ein Moment, der nicht länger als ein Wimpernschlag andauerte, so viele Emotionen übertragen konnte, von “Oh shit!”, über “Okay, das war’s!”, zu “Räche mich Bruder!”. Auf der anderen Seite, auch wenn Veenja keine besonders große oder schwere Drachin war, so würde sie ihn sicherlich zerquetschen, wenn sie zu lange auf ihm lag.

Ein kurzer Blick auf seine Kollegen verriet ihm, dass es ihnen ähnlich ging, wobei deren Sorgen wahrscheinlich eher ihrer eigenen Haut galten als Grendels. Nichtsdestotrotz, würden sie die schwer atmende Drachin alsbald dazu motivieren müssen, sich wieder zu erheben.

Veenja selbst, brauchte noch einen Moment länger, um wieder von der Wolke, auf der sie ihr Bewusstsein geparkt hatte, herunter zu kommen. Gerade schwebte sie im Nachglühen ihres Höhepunktes und genoss die totale Abwesenheit jeglichen Schmerzes oder Juckreizes. Ihr gesamter Körper fühlte sich wunderbar kribbelig an und dieses wohlig warme Gefühl, das sie von ihrem Innersten aus durchflutete, blendete alle anderen Wahrnehmungen für den Augenblick aus. Gerne hätte die Drachin sich dieser Empfindung noch länger hingegeben, aber wie so häufig hielten diese Zustände immer nur sehr kurz an und die Wirklichkeit holte einen nur allzu schnell wieder ein.

Auch bei Veenja war dies keine Ausnahme. Sobald sie sich wieder ein wenig beruhigt hatte, traf es sie wie ein Blitzschlag. Hatte sie sich wirklich vor den Augen dieser kleinen Wichte so dermaßen gehen lassen? Hatte sie wirklich allen Anstand hinter sich gelassen und war vor deren gierigen Augen gekommen?

“Oh, bei den Himmeln, wie peinlich!”

flüsterte sie heiser und die Schamesröte schoss ihr wieder in die Wangen. Sie riss ihre Bernsteinfarbenen Augen auf und sah sich um. Die Kobolde waren alle von ihr zurückgetreten und sahen sie mit einem Ausdruck, der wohl am ehesten als Entsetzt beschrieben werden konnte, an. Sie wollte am liebsten im Boden versinken und zog reflexartig ihre Flügel enger um sich, was ihr einen kurzen Schmerzlaut entlockte.

“Argh …!”

keuchte sie und hielt inne. Die wunden Stellen überall an ihren Gelenken und dort wo ihre Haut bei bewegung gedehnt wurde, ließen noch immer keine größeren oder schnelleren Bewegungen zu, ohne dass sie wieder aufrissen. Vorsichtig entspannte sie ihre Muskeln wieder und atmete durch. So sehr sie sich auch verstecken wollte, sie konnte es im Moment nicht.

Die Kobolde, die allesamt um sie herum standen, hatten das Spektakel mitangesehen, miterlebt, wie die Drachin tiefrot angelaufen war, eindeutig beschämt von dem, was passiert war. Gerne hätten sie ihr noch ein wenig mehr Zeit gelassen, aber ihr Kollege wurde langsam aber sicher unter ihr erstickt, wenn nicht sogar Schlimmeres; und so trat einer von ihnen vor, hob seine Hände entschuldigend und sprach sie an.

“Hochverehrte Herrin Veenja, würdet Ihr uns den Gefallen tun aufzustehen. Einer der unsrigen liegt unter Euch begraben.”

erklärte der Kobold und versuchte dabei, so respektvoll wie möglich zu klingen. Die Angesprochene sah ihn fragend an, blinzelte und sah dann auf den Boden, auf dem sie kauerte. Es dauerte einen Augenblick, in dem sie sich nur unwesentlich bewegte, aber dann riss sie ihre Augen auf und schnappte nach Luft.

“Moment, was zum …? Oh, bei den Himmeln …!”

Veenjas Stimmung, die bis zu diesem Augenblick noch irgendwo zwischen peinlich berührt und bestürzt geschwankt war, schlug augenblicklich um, als sie bemerkte wo sich der gesuchte Kobold befand, und was ihren Höhepunkt ausgelöst hatte.

Ihren Schmerz ignorierend, stemmte sie sich hoch und griff mit einer ihrer Pranken nach dem halb bewusstlosen Grendel, dessen Unterarm noch immer in ihrer Kloake steckte.

Die Drachin war versucht, ihn einfach zu packen, von sich loszureißen und ungespitzt in den Boden zu rammen; sollte dieser schmierige Waschanlagenbesitzer ruhig toben. Die Scham und die Wut über ihre eigene Zügellosigkeit, aber auch die ungehobelte Frechheit dieses kleinen, unbedeutenden Wichts brannten heiß in ihr, befeuert durch ihre Schmerzen und die Tatsache, dass die anderen es gesehen haben mussten und nicht eingeschritten waren.

Als sie den Kobold jedoch in ihrer Pranke hielt, fiel ihr auf, dass er sich nicht bewegte und auch keinen Widerstand leistete.

Wahrscheinlich war er bereits tot, dann wäre es den Ärger nicht wert, ihn noch einmal zu töten. Sie biss die Zähne zusammen und versuchte, sich zu beruhigen, während die Kobolde, die um sie herum standen, sie gebangt anstarrten.

“Für deine Frechheit gegenüber einer Drachin, gebührt dir der Tod!”

knurrte sie und schloss ihre Klauenbewehrte Pranke fester um Grendel, der noch immer keinen Mucks von sich gab. Schließlich atmete die Drachin aber tief durch und zog ihn vorsichtig unter sich hervor, wobei sie kurz die Miene verzog, als sie seinen Arm mitsamt der Bürste aus ihrem Schlitz evakuierte.

Grendel hing mit halb geschlossenen Augen in ihrer Pranke, sein Arm, überzogen mit Sekret, hing schlaff herunter und ließ die Bürste schließlich fallen. Er atmete, so viel konnte sie feststellen, aber ob er er sonst irgendwelche Verletzungen erlitten hatte, vermochte Veenja nicht festzustellen. Am Ende kümmerte es sie auch nicht, zumindest nicht wirklich. Dieser kleine Bastard hatte jede Qual verdient, dafür dass er ihr ungefragt, ungebeten und völlig wider ihren Willens einen wirklich himmlischen Orgasmus geschenkt hatte, der so wunderbar mit ihrer Fantasie im Einklang gewesen war.

Irgendwie konnte sie ihm gar nicht wirklich böse sein. Natürlich hatte er Grenzen überschritten, natürlich hatte er seine Kompetenzen missbräuchlich verwendet und natürlich hatte er sie in eine wirklich peinliche Situation gebracht, aber war sie nicht sowieso schon in einer beschämenden Situation gewesen?

Außerdem sah er eigentlich ganz niedlich aus, so völlig wehrlos, völlig mit ihren eigenen Säften beschmiert. Er war tollkühn gewesen, hatte wider besseres Wissen die Etikette verletzt, dem gebührte zumindest ein gewisser Respekt, nicht jeder hätte sich das getraut.

Veenja betrachtete ihn noch einen Moment und mahlte mit ihren Kiefern, während sie darüber nachdachte, ob sie ihn einfach in das Becken werfen sollte, in dem sie gebadet hatte.

“Hmmm …”

brummte sie und drehte sich zum Becken.

“… Strafe muss sein.”

verkündete sie und warf den Kobold über den Rand des Beckens. Das laute Platschen, mit dem er die Wasseroberfläche durchschlug, klang nicht ganz so befriedigend, wie sie es sich erhofft hatte, aber die völlig entgeisterten Gesichter seiner Kollegen machten das wett. Sie genoss den Anblick noch für einen Moment und sah zu, wie die anderen immer nervöser wurden. Schließlich winkte sie ab und wandte sich wieder um.

“Nun geht schon und holt ihn da raus, bevor er noch ertrinkt!”

Es klang schon ein wenig abschätziger und beiläufiger, als sie es gewollt hatte, aber es zeigte die gewünschte Wirkung, denn die anderen Kobolde sprinteten zurück zum Becken und sprangen die Stufen hinauf.

Veenja kümmerte sich nicht weiter darum, Kobolde waren zähe kleine Biester, er würde es überleben, stattdessen machte sie es sich wieder auf der Wiese bequem.

Als er die Wasseroberfläche durchschlug, riss ihn das gnadenlos zurück ins Hier und Jetzt, aber noch bevor er reagieren konnte, schlug die Flüssigkeit über ihm wieder zusammen und er befand sich unter Wasser. Panik ergriff ihn, da seine Gliedmaßen ihm nicht wirklich gehorchten und er nicht genau wusste, wo er war. Das Einzige, was er mit Sicherheit sagen konnte, war, er war im Begriff zu sinken und er hatte nicht genug Luft in den Lungen, um zu warten, bis sein Körper sich entschied, wieder mit ihm zusammen zu arbeiten.

Grendel schrie seinen Körper an, endlich zu sich zu kommen und zurück an die Wasseroberfläche zu schwimmen. Es fühlte sich an wie eine Ewigkeit, während der seine Lungen brannten, sein Hirn verzweifelt nach Luft schrie und seine Muskeln ihn eher weiter nach unten zogen, als dass sie ihn seiner Rettung näher brachten. Alles an ihm schrie, er solle endlich atmen, aber er wusste nur zu gut, dass dies sein Untergang wäre.

Doch dann geschah etwas seltsames. Eine unglaubliche Ruhe überkam ihn und die Panik fiel von ihm ab. Er erinnerte sich, was er getan hatte, und warum er wahrscheinlich gerade dem Boden dieses Beckens entgegen sank. Alles um ihn herum wurde still und der Kobold entspannte sich. Es war nicht die Art, die er sich gewünscht hatte, aber es gab schlimmere Wege zu gehen.

Er nahm den dumpfen Schlag nur unbewusst wahr, als sein Kollege ins Becken sprang. Erst als er die Hände an seiner Lederschürze spürte, öffnete er die Augen wieder. Smirgul war dabei, ihn an die Oberfläche zu zerren und strampelte wild mit seinen Beinen und benutzte seinen Schwanz wie eine zusätzliche Flosse, während er Grendel mit beiden Händen am Saum seiner Schürze gepackt hielt und nach oben wuchtete.

Der noch immer benommene Kobold sah die anderen am Beckenrand knien, ihre Hände bereits ins Wasser gestreckt, darauf wartend, dass sie endlich in Reichweite kamen. Es war in diesem Moment, in dem Grendel den einen Fehler beging, den man unter Wasser nie tun sollte, er schrie seinen Triumph hinaus.

Ein Fehler, der ihm sogleich bewusst wurde, als seine Lunge nun nach neuer Luft verlangte, die er ihr nicht geben konnte. Erneut wallte Panik in dem kleinen Kobold auf, dessen Gliedmaßen noch immer nicht seinen Befehlen folgten.

Sein einziges Glück war, dass sein Kollege es geschafft hatte, ihn weit genug nach oben zu bringen, dass die anderen ihn greifen und aus dem Wasser zerren konnten.

Hustend und gierig, neue Luft einsaugend, durchbrach Grendel die Wasseroberfläche und wurde auf den Rand des Beckens gezogen, wo er erst einmal weiter hustete und das in Panik verschluckte Wasser wieder herauswürgte. Die Anderen ließen ihn erst einmal in Ruhe und wandten sich wieder dem Becken zu, wo Smirgul nur Momente später an die Oberfläche kam und die Hilfe seiner Kollegen dankbar annahm.

Während die Kobolde sich um ihresgleichen kümmerten, entspannte sich Veenja wieder. Sie war noch immer hin und hergerissen, zwischen der Erniedrigung, die ihre Gesamtsituation mit sich brachte, der peinlichen Bloßstellung, die sich durch die Ereignisse der letzten viertel Stunde ergab und dem Zorn, der aus all dem resultierte. Noch immer würde sie am liebsten im Boden versinken, aber erst nachdem sie hier alles niedergebrannt und keinerlei Zeugen hinterlassen hatte.

Natürlich wusste sie, dass dies nicht wirklich eine Option war, schon gar nicht mit den anderen Drachen, die noch immer auf dem Gelände zugegen waren. Apropos die anderen Drachen, siedend heiß wurde ihr bewusst, dass ihre Schreie, und vor allem auch ihr letzter Ausbruch, mit Sicherheit die Aufmerksamkeit der anderen Kundschaft auf sie gezogen hatte, auch Makaros, und wieder schoss ihr die Schamesröte in die Wangen. Wenn das so weiterging, dann würde sie tatsächlich noch ein Opfer von spontaner Selbstentzündung werden. Vorsichtig legte sie ihre rechte Vorderpfote auf ihre Wange. Es fühlte sich noch immer seltsam an, ihre ledrige Haut unter ihren Fingern zu spüren und nicht die harten, glatten Schuppen. Ihre Haut war weich, trocken, hatte eine gewisse Elastizität und sie war warm, nein, nicht warm, sie war heiß. Es fühlte sich wirklich an, als würde sie brennen und ihre Finger, auch wenn sie nicht wirklich kalt waren, fühlten sich angenehm kühl auf ihrem Gesicht an.

Veenja schloss ihre Augen und atmete tief durch, in dem Versuch, sich wieder zu beruhigen und ihren Zorn herunterzuschlucken. Es gelang ihr nur zum Teil, zu tief saß die Scham, aber dagegen würde sie wohl jetzt nichts tun können.

“Oh, ich sehe, die Kollegen sind fast fertig.”

Es war Hruns Stimme, die an ihr Ohr drang, während sie noch damit beschäftigt war, ihre Fassung wieder zu erlangen. Natürlich musste dieser freche, kleine Bastard gerade jetzt wieder auftauchen. Wo war er überhaupt gewesen und welche neuen Peinlichkeiten hatte er sich jetzt für sie einfallen lassen?

Genervt öffnete sie die Augen und sah den lächelnden Vorarbeiter nur wenige Schritte von ihr entfernt stehen, presste ihre Lippen aufeinander und verkniff sich einen beißenden Kommentar, der sich dringend Gehör verschaffen wollte. Währenddessen kam der Kobold freudestrahlend auf sie zu.

“Herrin Veenja, ich bringe gute Neuigkeiten.”

plapperte er vor sich hin und betrachtete das Werk seines Team und stellte fest, dass diese noch ganz und gar nicht fertig waren, denn es waren noch einige Schuppen an Veenjas Brust und Beinen vorhanden und ihre Haut benötigte noch einiges an Zuwendung. Sein Lächeln trübte sich zusehends ein und Veenja, der dies natürlich nicht entging, nickte.

“Warum machen meine Kollegen Pause, wenn die Arbeit noch nicht vollendet ist?”

fragte Hrun noch bevor Veenja nach den guten Neuigkeiten fragen konnte und der Unbill in seiner Stimme war deutlich wahrnehmbar. Veenja drehte ihren Kopf gerade genug, um zum Becken sehen zu können, bevor sie ihm antwortete.

“Nun, wahrscheinlich weil sie gewisse Grenzen überschritten haben und froh sein können, dass sie mit dem Leben davongekommen sind.”

knurrte die Drachin und sah wieder zum Vorarbeiter, dessen Gesichtsausdruck seine Bestürzung verriet.

“Vielleicht wäre es nicht passiert, wenn ein gewisser Vorarbeiter nicht mitten während der Arbeit einfach verschwunden wäre.”

fügte Veenja hinzu, wobei ihre Stimme kalt wie Eis wurde, und sich ihre Auge zu schmallen Schlitzen verengte.

“Wa … hrm … Bitte verzeiht, Herrin, ich … ich werde das später erklären, aber zuerst, was haben sie angestellt? Ist eine Bestrafung vonnöten?“

stotterte ihr Gegenüber und rang mit seinen Händen, während er ihr Starren förmlich auf seinen Schuppen spüren konnte. Veenja hingegen wusste nicht genau, was sie auf diese Frage antworten sollte, zumal sie den betreffenden Kobold ja auch schon bestraft hatte und sie nicht wusste, welche Strafe ihn zusätzlich erwarten würde, wenn sie Hrun nun alles erzählen würde. Andererseits musste es gesagt werden, sonst würden diese kleinen Missetäter womöglich bei der nächsten unschuldigen Drachin wieder genauso verfahren und das würde sie nie mit ihrem Gewissen vereinbaren können. Schließlich legte sie den Kopf leicht schief und seufzte.

“Nun, ihr solltet euer Personal vielleicht noch einmal instruieren, dass sexuelle Nötigung einer Kundin, insbesondere einer, die sich in einer solch verletzlichen Lage befindet, Konsequenzen nach sich zieht.”

erklärte sie schließlich mit beißendem Sarkasmus, wobei sich der Kobold nicht ganz sicher war, ob er den Tonfall seiner Kundin richtig deutete.

Ein sexueller Übergriff, gleichwohl es sicherlich fraglich war, ob selbst eine ganze Horde Kobolde eine Drachin von Veenjas Größe überwältigen konnte, wenn diese sich wirklich wehrte, war ein äußerst schwerwiegender Zwischenfall. Wenn einer oder mehrere seiner Mitarbeiter, was wahrscheinlicher war, sich wirklich an der jungen Flugechse vergangen hatten, dann war es wahrlich ein Wunder, dass sie noch lebten.

Vorsichtig verbeugte sich der Vorarbeiter und blieb einen Moment lang gebeugt, um seinen Respekt zu zollen, bevor er sich wieder erhob.

“Ich werde mich persönlich um eine entsprechende Bestrafung kümmern. Bei solcherlei Zwischenfällen herrscht bei uns eine null Toleranz Politik.”

erwiderte Hrun mit fester Stimme, während Veenja leicht nickte, aber nicht wirklich zufrieden wirkte. Sie wirkte eher so, als ob sie ihm widersprechen wollte, tat es aber am Ende aber nicht.

“Gut, ich werde diese Angelegenheit in deine Hände geben, aber …”

Ihre Worte verloren sich, als sie wieder daran dachte, wie gut es sich eigentlich angefühlt hatte. Hrun hörte ihr zu, war sich jedoch nicht ganz sicher, ob noch etwas von der Drachin vor ihm kam, deren Blick in weite Ferne zu schweifen schien, schließlich nickte er nochmals und zog ein kleines Pergament aus der Tasche seiner Lederschürze.

“Wie gesagt, ich werde mich darum kümmern, aber bis dahin, lasst mich Euch noch die frohe Kunde überbringen.”

Er klang aufgeregt und lächelte breit, was seine scharfen Zähnchen zum Vorschein brachte. Stolz präsentierte er die Notiz, die er Veenja reichte. Sie nahm sie blinzelnd an und sah auf die krakelige Handschrift darauf. Es war nicht schwer sie zu entziffern, aber dennoch hätte sie gedacht, dass ein Wesen, so klein wie Hrun, eine schönere Handschrift haben würde.

Sie drehte den Zettel einmal um, aber außer der kleinen Notiz: Erster Tag nach Neumond und erster Tag nach Vollmond, stand nichts auf dem Pergament.

“Was soll das heißen?”

fragte sie, noch bevor Hrun fortfahren konnte. Der kleine Kobold nickte eifrig.

“Makaro kommt an diesen Tagen zur Wäsche vorbei, er würde sich sehr freuen, Euch kennen zu lernen, sobald Euch danach ist …”

Weiter kam er jedoch nicht, bevor ihn die schiere Druckwelle von Veenjas Schrei von den Füßen riss.

“WAS hast du getan? Hast du ihm etwa erzählt, was mit mir los ist? Bist du kleiner Nichtsnutz noch zu retten?”

Die junge Drachin war schier außer sich und holte zu einem Schlag mit ihrer Pranke aus, der den Kobold wahrscheinlich entzwei teilen würde, aber Hrun blieb einfach liegen und hielt seine kleinen Hände schützend vor sich.

“Nein, nein, Herrin Veenja, ich habe ihm nichts gesagt. Zumindest nichts zu Eurem Zustand.”

Seine Worte überschlugen sich regelrecht, während er versuchte, die Situation zu entschärfen, aber Veenja war bereits wieder auf den Beinen und war einen Schritt auf ihn zugekommen. Ihre Klaue landete nur Zentimeter neben seinem Kopf und grub sich tief in den weichen Boden.

“Rede … und zwar schnell … es wird über dein Leben entscheiden … Wicht!”

Zischte sie zwischen gebleckten Zähnen hindurch, ihr Schwanz peitschte derweil hinter ihr so heftig hin und her, dass die Wunden daran wieder aufrissen und ein blutiges Muster auf den Rasen und die nahen Hütten sprenkelte. Hrun, dessen aufgerissene Augen auf die Pranke der Drachin starrten, versuchte verzweifelt, seine Gedanken zu ordnen.

“Also … ich habe ihn gefragt … ob er … naja … ob er gerne eine nette, junge … hübsche Drachin kennenlernen wollte … und …“

stotterte er schnell und quiekte erschrocken, als Veenja ihre Pfote wieder aus dem Boden riss und erneut zum Schlag ausholte.

“Ich höre …”

knurrte sie und der Kobold versuchte panisch, rückwärts zu kriechen.

“… und … er war einverstanden … er hat gefragt, wo denn die Drachin ist … und … ich habe ihm gesagt, dass Ihr gerade unpässlich seid. Haaah …”

Veenjas Pranke landete genau zwischen seinen Beinen, er spürte den Einschlag in den Boden an sehr empfindlichen Stellen und quietschte laut auf.

“… ich bin doch schon dabei …”

warf er krächzend ein, bevor er noch einmal schluckte, um seine Stimme wieder zu normalisieren, Veenja zog nur ihre Brauen hoch und öffnete langsam ihr Maul.

“… ich habe mit keinem Wort erwähnt, dass Ihr euch gerade in einer misslichen Lage befindet, sondern nur, dass ihr im Moment nicht in der Lage wärt ihn zu treffen. Er hat daraufhin gesagt, dass er an diesen Tagen hier ist und wenn Ihr möchtet, dann könnt Ihr ihn dann hier treffen.”

Hrun sprach so schnell, dass er Angst hatte, die Drachin würde nur die Hälfte davon wirklich verstehen, aber die zog nur langsam ihre Pranke zurück und hinterließ dabei tiefe Furchen im Rasen. Anschließend betrachtete sie den Dreck, der nun an ihren Klauen klebte, ihr Gesicht hatte derweil bereits wieder das meiste der Härte verloren.

“Du hast mehr Glück als Verstand, Kobold. Normalerweise sollte ich dich schon allein weil du deinen Posten einfach so verlassen hast bestrafen lassen, aber damit nicht genug, du hast noch dazu meine direkte Anweisung missachtet und Makaro gefragt. Wenn du immer so handelst, wundert es mich ehrlich, dass du noch am Leben bist.”

erklärte Veenja grummelnd und pulte sich einige Lehmklumpen von den Krallen, bevor sie sich wieder an Hrun wandte.

“So langsam glaube ich, dass der gute Ruf dieses Unternehmens nicht gerechtfertigt ist. Wenn es nicht so wäre, dass ich eine so gutmütige Drachin wäre und so nachsichtig sowohl mit deinen Mitarbeitern, als auch mit dir, dann würde diese ganze Anlage jetzt in Flammen stehen. So wie die Dinge im Moment stehen, werde ich jedoch davon absehen, auch weil ich wirklich neugierig auf diesen Makaro bin und er mir netterweise bereits ein Datum und einen Treffpunkt gegeben hat, aber ihr werdet euch anstrengen müssen, diese Fauxpas’ wieder gut zu machen!”

fuhr die Flugechse fort und schnickte einen der Lehmbrocken in Hruns Richtung, welcher nur knapp ausweichen konnte.

Es war nicht falsch, was die junge Drachin da über ihn gesagt hatte. Er war schon des Öfteren in das ein oder andere Fettnäpfchen getreten und mehr als einmal hatte er schon dem Tod ins Auge gesehen. Er war sich nicht ganz sicher, ob es nun Glück, Schicksal oder einfach nur die Gutmütigkeit ihrer Kunden war, die ihn ein ums andere Mal gerettet hatte. Fakt war, dass es sein Naturell war, dass er anderen helfen wollte, dass er immer und immer wieder Grenzen übertrat, weil er der felsenfesten Überzeugung war, das Richtige zu tun, und bisher hatte es sich am Ende auch meist als solches herausgestellt.

Natürlich hatte er auch eine gehörige Portion Glück gehabt, dass all die Drachen, denen er bisher auf den Schwanz getreten war, doch deutlich mehr Geduld mit ihm gehabt hatten, als man ihnen gemeinhin zugestand.

Er rappelte sich vom Boden auf, sortierte schnell seine Schürze und verbeugte sich dann tief vor Veenja.

“Herrin Veenja, ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um diese Missgeschicke wieder wettzumachen. Wärt Ihr mit einem Snack einverstanden, während mein Team unter meiner Aufsicht die Arbeit zu Ende bringt?”

Fragte der Kobold untertänig und gestikulierte seinen Mitarbeitern, die sich das erneute Spektakel vom Becken aus angesehen hatten und nicht unbedingt erpicht darauf zu sein schienen, ihren vermeintlich sicheren Abstand aufzugeben.

Veenja mahlte mit ihren Kiefern, in dem Versuch, sich erneut zu beruhigen. Es gelang ihr bedingt, der Schmerz war wieder aufgeflammt und einige Bereiche, allen voran die, die noch nicht behandelt worden waren, hatten auch wieder angefangen zu jucken. Das war mit Sicherheit auch zu einem Teil ihre eigene Schuld, sie hätte sich ja nicht so bewegen müssen, sie hätte sich nicht so aufregen müssen. Sie überdachte diesen Gedankengang noch einmal. Ja, sie hätte dies alles nicht tun müssen, und hätte diese verdammten Kobolde auch einfach ihre Arbeit gemacht, anstatt sie zu ärgern, dann wären sie jetzt vielleicht auch schon fertig.

“Genau … es war alles ihre Schuld.”

murrte sie leise und wandte sich wieder an den Vorarbeiter, der sie fragend ansah und räusperte sich.

“Hrmm … ja, ein Snack würde mir vielleicht helfen, meine Nerven ein wenig zu beruhigen und seht zu, dass ihr fertig werdet; das alles hier dauert schon viel zu lange.”

Die Stimme der jungen Drachin klang schon wirklich genervt und Hrun konnte ihr nicht wirklich widersprechen, andererseits hatte die Drachin selbst auch eine gewisse Teilschuld an dieser Misere, aber er entschloss sich dazu, die Sache nicht weiter zu eskalieren.

Die Waschanlage würde ihr ein paar Snacks als Kompensation spendieren und man würde ihr eine Gutschrift für eine weitere Reinigung überreichen, wenn sie fertig waren.

“Wir werden uns sogleich darum kümmern.”

Seine Antwort wurde halb von seiner wilden Gestik verschluckt, mit der er seine Kollegen motivieren wollte, sich wieder um ihre Aufgabe zu kümmern. Er wirkte wie ein wütender kleiner Troll, während er Zeichen und Gesten verwendete, um wortlos mit den Seinen zu kommunizieren, die Veenja nicht verstand, aber sie musste zugeben, dass es durchaus amüsant war.

Es dauerte noch einen Augenblick bis sie endlich Bewegung hinter sich wahrnahm, von der sie ausging, dass es die anderen Kobolde waren, die wieder zurückkamen, um ihr Werk zu vollenden. Tatsächlich umringten die kleinen Biester sie kurze Zeit später wieder und Hrun gab ihnen Anweisungen, wie sie möglichst effizient fortfahren sollten, während er Grendel damit beauftragte, die Snacks für sie zu besorgen.

“… Herrin Veenja, meine Mitarbeiter werden zuerst die restlichen Problemstellen bearbeiten, an die wir jetzt herankommen, also eure Flanken, Schwanz und Flügel, danach möchte ich Euch bitten Euch auf die Seite zu legen, sodass wir uns um eure Beine und euren Bauch kümmern können.”

erklärte der Vorarbeiter und winkte die übrigen Kobolde heran. Die Drachin nickte knapp und versuchte, sich zu entspannen, aber es fiel ihr nicht leicht, das Misstrauen, dass diese Aktion hervorgerufen hatte, steckte noch zu tief in ihr, als dass sie es einfach so vergessen konnte.

Dieses Mal begaben sich die Kobolde deutlich vorsichtiger ans Werk, nicht zuletzt auch, weil ihre Kundin ein wachsames Auge auf sie hielt. An den jetzt für die Kobolde zu erreichenden Stellen waren praktisch keine Schuppen mehr vorhanden und sie konnten sich ganz auf die Hautirritationen konzentrieren. Mit vereinten Kräften wurden die Verschorfungen von Veenjas Haut abgetragen, die Wunden gereinigt und desinfiziert und im Anschluss mit Salben und Tinkturen behandelt. Mit jeder Stelle, die auf diese Weise verarztet wurde, ging ein kurzer Moment des Schmerzes einher, der aber alsbald durch abebbte und den Weg für ein entspanntes Wohlgefühl frei machte. So sehr sie es auch verneinen wollte, so musste sie letzten Endes doch zugeben, dass es sich sehr gut anfühlte, wenn diese kleinen Tunnichtgute ihre Wunden versorgten.

Die Drachin wusste nicht, was die Kräuterhexen da zusammengemischt hatten, aber es nahm ihr die Schmerzen und den Juckreiz und zu allem Überfluss kühlte es auch noch.

Es dauerte nicht lange und sie fing wieder an, wohlig zu knurren und genoss sichtlich, wie die Kobolde an ihr arbeiteten.

“Ah, da bist du ja wieder.”

Es war Hruns Stimme, die sie dazu veranlasste, ihren Kopf zu heben und sich umzusehen. Der Vorarbeiter sah zufrieden aus und als sie ihren Kopf weiter drehte, um zu sehen, wen er angesprochen hatte, wusste sie auch warum. Dieser Grendel, dieser kleine Frechdachs, kam wieder zu ihnen und zog einen kleinen Wagen hinter sich her, der regelrecht überquoll mit irgendwelchen Leckereien. Leider konnte sie es noch nicht riechen, der scharfe Geruch der Salben und das Miasma des Kräuterbades verhinderten dies, aber der Anblick allein ließ ihr das Wasser im Maul zusammenlaufen. Als er nur wenige Schritte vor ihr stehen blieb, präsentierte Grendel ihr den Wagen mit einer tiefen Verbeugung, wobei man bemerkte, dass er sich noch nicht ganz frei bewegen konnte. Wahrscheinlich hatte er sich doch ein wenig mehr wehgetan, als er es offen zugeben wollte, was die Drachin jedoch nicht im geringsten störte. Der Kobold hatte, ihrer Meinung nach, jedes seiner Hämatome mehr als verdient.

“Mit besten Grüßen aus unserer Küche.”

erklärte besagter Kobold und zog sich ein wenig zurück, während Veenja sich ein wenig weiter nach vorne lehnte und das Angebot in Augenschein nahm.

Neben verschiedenen marinierten Fleischsorten befanden sich einige Früchte und ein kleines Fass mit einer dunkelroten Flüssigkeit darin auf dem Wagen. Ein breites Lächeln malte sich auf die Lippen der jungen Drachin und sie nickte anerkennend. Ja, so ließ es sich leben. Sie nahm einen tiefen Atemzug und ließ die erlesenen Gerüche der ihr dargebotenen Speisen auf sich wirken.

“Hmmmmm … aah … ja. Sehr gut.”

kommentierte sie und ihre Stimme trug das Lob mit, das ihre Worte zum Ausdruck brachten, bevor sie vorsichtig eines der Fleischstücke vom Wagen nahm und in ihr Maul steckte. Sie ließ sich Zeit mit dem Kauen und ließ die Aromen auf ihrer Zunge verweilen.

“Mhm … wirklich sehr gut.”

gab sie schließlich zu, als sie die kleine Delikatesse herunterschluckte. Hrun konnte sich das Grinsen nicht verkneifen, er wusste, dass ihre Köche Spitzenklasse waren, denn sie aßen jeden Tag in der Kantine und so sehr man Grumpert auch wegen seiner vielen Fehler verabscheuen mochte, er liebte gutes Essen, also hatten sie eine der besten Kantinen, die es auf diesem Kontinent gab. Sie hatte sich gerade das nächste Stück vom Wagen genommen, da hörte sie die quietschige Stimme eines Kobolds hinter sich.

“Wir sind hier fertig.”

War die stolze Aussage, die bedeutete, dass Veenja sich nun umpositionieren musste. Die Drachin ließ sich Zeit, schob genüsslich den nächsten Leckerbissen in ihr Maul und erhob sich dann gemächlich. Demonstrativ streckte sie sich, nur um noch einmal zu zeigen, wie lange das alles jetzt schon dauerte, während sie sich den Happen schmecken ließ. Erst als sie sich, einer Katze gleich, ausgiebig gestreckt und den zweiten Bissen heruntergeschluckt hatte, ließ sie sich wieder nieder. Sie achtete beiläufig darauf, sich nicht gerade wieder auf einen der Kobolde zu legen und drehte sich auf die Seite, womit sie den Wasch-Bolden den Zugang zu ihrem Bauch und ihren Beinen ermöglichte.

Es amüsierte Veenja den Kobolden dabei zuzusehen, wie sie sich vorsichtig näherten und ihren Rumpf untereinander aufteilten, immer darauf bedacht, die junge Drachin nicht wieder zu verärgern. Währenddessen angelte sich besagte Drachin einen weiteren Snack und bewies dabei ein erstaunliches Geschick mit ihrer langen, gespaltenen Zunge. Sie wickelte den flexiblen Muskel um eine Haxe und zog sie mit einem ‘Schlupp’ in ihr Maul. Sie kümmerte sich nicht darum, dass der dicke Knochen noch im Fleisch steckte, als sie zubiss, sondern genoss es offensichtlich, wie die Kobolde bei dem lauten Krachen zusammen zuckten.

Noch während sie weiter kaute, fing sie an zu grinsen und ihre Beine zuckten unwillkürlich. Diese kleinen Biester hatten, wenn auch unwissentlich, herausgefunden, wo sie kitzelig war, und in ihrem Arbeitswahn ließen sie auch nicht locker. Hrun, der noch immer an ihrem Kopf stand und die Arbeiten wieder persönlich überwachte, bemerkte die Reaktion der Drachin natürlich und sah sie fragend an. Veenja, die versuchte, nicht zu zucken, biss sich derweil auf die Lippe.

“Ist alles in Ordnung, Herrin?”

Die Frage war, gerade in Hinsicht auf die vorangegangenen Vorkommnisse berechtigt und so viel wollte sie ihm auch zugestehen.

“Es ist nichts, ich … ich bin nur so … so kitzelig.”

gluckste die Drachin und ihr Schwanz schlug mit einem dumpfen Pochen auf dem weichen Boden auf, was die Kobolde erneut zusammenzucken ließ. Derweil nickte Hrun und begutachtete, woran sein Team gerade arbeitete.

“Oi, seid vorsichtig, die Herrin ist empfindlich, nicht dass sie aus Versehen noch jemandem weh tut.”

Die Antwort seines Team kam unisono, aber was konnten sie tun? Die Schuppen mussten runter und die Wunden versorgt werden, daran führte kein Weg vorbei. Die junge Flugechse würde die Zähne zusammenbeißen und durchhalten müssen. Dessen war sich auch Veenja bewusst und legte ihren Kopf ins Gras, in der Hoffnung, so ein wenig besser entspannen zu können.

Als die Prozedur schließlich erfolgreich beendet war, hatte Veenja tatsächlich durchgehalten und keine weiteren Kobolde waren zu Schaden gekommen. Das einzige, was im Laufe des Tages gelitten hatte, war das Ego der jungen Drachin, die sich ihrer Situation, nun da sie quasi ‘nackt’ war, nur noch mehr bewusst war. Sie hatte sich noch nie so verletzbar gefühlt, wie jetzt, ohne ihre Panzerschuppen, hinter denen sie sich sonst so gerne versteckte.

Nachdem die Kobolde auch die letzten Schuppen, die noch ihren Körper zierten, von ihrer Haut geschält und ihre Wunden gesäubert und versorgt hatten, blieb von der einst farbenfrohen Drachin nur noch eine lila-pinke Eidechse mit blass-blauen Flügeln übrig. Eine Eidechse, der ihre Scham ins Gesicht geschrieben stand und die sich kaum hinter den Hütten der Waschanlage hervor traute.

Sie hatte ihre Flügel so eng um ihren Körper geschlungen, wie es ging. Auch wenn ihre Schuppen sie nicht wirklich gegenüber der Außenwelt isolierten, so fühlte sich die frische Frühlingsbrise doch empfindlich kalt auf ihrer Haut an, außerdem fühlte es sich falsch an, ihre Haut allem und jedem zu zeigen. Nicht nur weil die schützende Schicht aus Schuppen fehlte, was in den gefährlichen Zeiten, in denen sie lebten ein großes Risiko darstellte, sondern besonders auch, weil es sich einfach unanständig anfühlte. Sie wusste nicht genau warum, denn es war nicht so, dass ihre Schuppen irgendetwas verstecken würden, aber dennoch fühlte sie sich auf eine Art entblößt, die sie sonst nicht fühlte.

Selbst wenn sie mit einem anderen Drachen intim war, ihm alles an ihr offenbarte, sich ihm willentlich und vollkommen unterwarf, selbst dann hatte sie sich noch nie so … so ‘nackt’ und ‘wehrlos’ gefühlt. Natürlich war sie nicht wirklich wehrlos, sie war noch immer ein Drache, noch immer das mächtigste, stärkste Lebewesen, das je auf dieser Welt gelebt hatte, aber es fühlte sich so an. Sie fühlte sich ungeschützt, den Elementen ausgesetzt, selbst die Sonne war nun ihr Feind.

Die Kobolde hatten sie von der Schnauze bis zur Schwanzspitze mit einer speziellen, zähen Salbe balsamiert, weil die Sonne sie sonst verbrennen würde.

Sie hatte gelacht und diese kleinen Freaks für verrückt erklärt, wie sollte die Sonne einen Drachen verbrennen können. Kein Feuer, außer dem eines anderen Drachen, würde jemals einem Drachen etwas anhaben können! Das war ein weithin anerkannter Fakt. Wie also sollte die Sonne mit ihrem schwachen Feuer ihr etwas antun können?

Es half nichts, die Kobolde hatten darauf bestanden, dass, wenn sie sich ungeschützt, zu lange der Sonne aussetzen, sich ihre Haut entzünden und ihr große Schmerzen über eine lange Zeit bereiten würde. Widerwillig hatte sie schließlich zugestimmt und diese kleinen Widerlinge hatten ein kleines Fass von diesem Zeug auf ihr verteilt. Es war klebrig, es roch seltsam, und ihre Haut hatte jetzt diesen kränklichen Glanz, der ihr absolut nicht zusagte, und außerdem war ihre Haut jetzt schon fast rosa.

“Es dauert nur einen Moment, dann zieht es ein und ist weg.”

Hatte Hrun gesagt, aber wie lange dieser Moment dauern würde, hatte er nicht gesagt. Er hatte sie mit ihren Gedanken allein gelassen, war mit seinen Mannen abgezogen, um ihren Arbeitsplatz aufzuräumen und für den nächsten Kunden vorzubereiten.

Sie stand allein zwischen den Hütten, den Rücken zum Rest der Anlage gekehrt.

Noch einmal zog sie ihre Flügel enger um sich und überlegte, ob sie wohl fliegen konnte. Natürlich würde sie nicht direkt vom Gelände aus abfliegen, die Wahrscheinlichkeit, dass ein anderer Drache sie sah, war zu groß, sie würde sich wieder durch den Wald schleichen und irgendwo weiter weg starten und auf dem schnellsten Weg zu ihrem Hort fliegen, sofern es denn überhaupt funktionierte. Dort würde sie sich verkriechen, bis … ja bis …

“Wie lange wird es wohl dauern, bis die neuen Schuppen nachwachsen?”

Die Frage war an niemanden direkt gestellt, aber sie bekam trotzdem eine Antwort.

“Es wird wohl zwei bis drei Wochen dauern, bis die neuen Schuppen kommen. Dadurch, dass eure Haut so sehr angegriffen ist, wird die Regeneration länger dauern. Erst wenn sie abgeheilt ist, wird euer Körper die nötige Energie haben, um die neuen Schuppen zu produzieren.”

Die junge Drachin zuckte erschrocken zusammen und als sich Veenja nach der Stimme umdrehte, sah sie eine Koboldin, die gerade dabei war, dünne Lederriemen zu einem dünen, aber stabil wirkenden Riemen zu flechten. Wo war sie her gekommen, wie hatte sie sich so absolut lautlos an sie anschleichen können?

Die Flugechse sah die Koboldin völlig entgeistert an und versuchte, sie irgendwo einzuordnen. Sie kam ihr überhaupt nicht bekannt vor und gehörte ganz sicher nicht zu dem Team, das sie betreut hatte. Die Koboldin wirkte sehr konzentriert und sah nicht zu ihr auf, sondern werkelte weiter an dem Riemen herum, den sie gerade anfertigte.

Es kam nur selten vor, dass etwas wichtiger war, als dem Drachen, dem man gerade eine Lehrstunde in Physiologie gehalten hatte, ins Gesicht zu sehen, oder sich zumindest tief zu verbeugen, und so war ihre Neugier geweckt.

Drachen waren in so vielerlei Hinsicht wie Katzen.

Sie waren verspielt, auch wenn ihre Spiele oftmals, und auch hier war die Ähnlichkeit zu Katzen wiedergegeben, brutal und grausam waren. Nun, zumindest für die Beute, die gerade Spielball für einen von ihnen war. Sie mochten funkelnde Dinge und waren eifersüchtig, wenn jemand anders eine größeren Schatz hatte, oder auch nur ein ganz besonderes Schmuckstück besaß, dass sie selbst nicht ihr eigen nennen konnten.

Und ja, Drachen waren neugierig, oftmals sogar deutlich neugieriger, als es für sie gut war. Viele Drachen waren im Laufe der Geschichte einfachen Fallen anheim gefallen, weil sie der Versuchung nicht widerstehen konnten.

Veenja starrte weiter unentwegt auf die geschickten Bewegungen der flinken Koboldin, in deren Händen der Riemen schnell an Länge gewann.

“Was … was machst du da?”

fragte sie schließlich und senkte ihren Kopf, um besser sehen zu können. Noch immer hob die Koboldin ihren Kopf nicht, sondern fuhr fort, kompliziert aussehende Knoten in den Riemen zu knüpfen.

“Ich fertige einen Talisman an.”

antwortete die kleine Koboldin fast schon beiläufig und zog eine Panzerschuppe aus einer Tasche, die sie umgehängt hatte. Veenjas Augen weiteten sich, als sie die Schuppe sah, es war eine von ihren. Wahrscheinlich eine von ihrem Rücken, wenn man die Größe, Form und Farbe berücksichtigte. Für einen Moment kochte Wut in der Drachin hoch, wie konnte sie es wagen, aus ihren Schuppen Talismane zu machen, aber dann ebbte das Gefühl auch schon wieder ab. Sie hatte die Schuppen verloren, sie waren ihr nicht gestohlen worden und sie hatte keinerlei Verwendung dafür.

Ein kleines Detail auf der Schuppe fiel ihr ins Auge und sie beugte ihren Kopf näher an die Koboldin heran.

“Hast du die Schuppe graviert?”

Veenja kniff die Augen zusammen, um die feinen Linien besser sehen zu können. Sie kannte diese Runen, konnte den Sinn jedoch nicht ganz deuten. Endlich sah die Koboldin zu ihr auf und der jungen Drachin stockte der Atem. Man hatte der Koboldin die Augen zugenäht und krude Augen auf ihre Lieder gemalt, des Weiteren fehlte ihr ein nicht unwesentlicher Teil ihrer Lippen, was sie dazu zwang, praktisch unentwegt zu grinsen.

“Ja, Herrin Veenja, es ist ein uralter Schutzzauber, der den Träger vor Unheil bewahren soll.”

Ihre Stimme war klar, man bemerkte das Fehlen der Lippen gar nicht und obwohl sie sie nicht sehen konnte, so fixierte sie Veenjas Augen haargenau. Tausend Gedanken rasten durch den Kopf der Flugechse, während sie die bizarre Gestalt vor sich betrachtete und sie war für den Moment ganz und gar unfähig zu reagieren oder zu antworten. Die Koboldin hielt den ‘Augenkontakt’ aufrecht während ihre Hände den Riemen durch ein Loch in der Schuppe fädelten und danach verknoteten.

“Kümmert Euch nicht darum, Herrin, die Götter haben mir das Augenlicht genommen, damit ich mich ganz meiner Aufgabe widmen kann.”

erklärte die Koboldin völlig gelassen noch bevor die Angesprochene reagieren konnte und dann hob sie den fertigen Talisman hoch.

“Senkt euer Haupt, Herrin Veenja, lasst mich euch diesen Talisman umhängen, Ihr werdet ihn vielleicht noch brauchen.”

Die Stimme der Koboldin klang bedeutungsschwanger und sie wusste nicht, was es war, was sie dazu veranlasste, ihren Kopf tatsächlich zu senken, aber Veenja beugte ihr Haupt gegenüber der Blinden. Die Koboldin reckte sich nach oben und schob den Riemen über den Kopf der Drachin und ließ ihre Hände über das geflochtene Leder wieder nach unten gleiten.

“Es wird Euch schützen, bis euer natürlicher Schutz wieder nachgewachsen ist.”

flüsterte die Koboldin, während die Drachin ihren Kopf langsam wieder hob und noch immer hielt die kleine, blinde Echse den Blickkontakt aufrecht. Es jagte Veenja einen Schauer über den Rücken, dass sie in der Lage war, ihr immer in die Augen zu sehen, obwohl sie offensichtlich nicht sehen konnte. Derweil wurde das schräge Grinsen auf dem Gesicht der Koboldin breiter.

“Nun geht Herrin, die Zeit ist reif und es wird Euch niemand sehen.”

Die Alte zeigte mit einem ausgestreckten Finger zwischen den Hütten hindurch zum nahen Wald, aus dem sie gekommen war. Die Angesprochene schüttelte ungläubig ihren Kopf, folgte aber dem Fingerzeig der Koboldin und sah zu den Bäumen, die sie vor den neugierigen Blicken der anderen verbergen würden.

“Wie …?”

War das einzige Wort, das sie heraus bekam, aber die Koboldin schüttelte nur ganz langsam ihren Kopf.

“Hinterfragt nicht die Wege der Götter, und nun geht.”

Die Drachin wollte widersprechen, aber irgendetwas in ihr hinderte sie daran, sie setzte mehrmals zu einer Antwort an, ließ ihr Maul jedoch jedes Mal wieder unverrichteter Dinge zuschnappen.

Schließlich blinzelte sie nur und wandte sich zum Gehen. Sie schlich sich zwischen den Hütten hindurch und über den schmalen Grünstreifen hinüber zur Baumgrenze. Sie lief tief geduckt und hielt sowohl Kopf als auch Schwanz tief am Boden und brach ungebremst durch das Dickischt, das den dichten Wald von der Lichtung abgrenzte.

Mit einem kurzen Rascheln war sie verschwunden.

Hrun trat neben die alte Koboldin, die noch immer grinste.

“Hast du es einmal mehr geschafft eine Kundin zu verscheuchen?”

fragte er und seine Stimme nahm einen tadelnden Unterton an. Die Alte sah ihn nicht einmal an, sondern hielt ihre ‘Augen’ auf den Wald gerichtet.

“Wie könnte eine alte, blinde Koboldin den eine mächtige Drachin verscheuchen?”

Der Sarkasmus in ihrer Stimme war beißend, aber Hrun ließ sich nicht einschüchtern.

“Du bist nicht blind.”

Nun drehte sie sich tatsächlich zu ihm um und musterte ihn genau.

“Das ist nicht dasselbe.”

Ihr Gegenüber verschränkte die Arme vor der Brust und legte den Kopf schief.

“Oh doch, ist es. Außerdem hat sie noch nicht bezahlt.”

stellte der Vorarbeiter trocken fest und schob sein Kinn vor. Nun fing die Alte an laut zu lachen und schüttelte ihren alten, hässlichen Kopf.

“Nun, dann wirst du aber schnell rennen müssen, wenn du sie noch einholen willst.”

Ende

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