Zwischenspiel

Story by elpoyodiabolo on SoFurry

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Nachdem die Schulklasse tiefer in den Tempel geführt wurde, kommen sie zu einer Gedenkstätte, wo der vielen Opfer gedacht wird, die für die Gesellschaft im Ganzen ihr Leben ließen, allerdings wird deutlich, dass die Jungend von heute sich nicht mehr wirklich für ihre Gesichte interessiert und die alten Riten, die einst die den Zusammenhalt der Gemeinschaft verstärkten, geraten immer mehr in Vergessenheit.

Das Zwischenspiel bildet das Bindglied zwischen dem ersten Buch: Für das Höhere Wohl und dem zweiten: Alte Fehden, neue Kriege

Dieses komplette Rework einer meiner älteren Geschichten, wird im Laufe der nächsten Monate auf dieser Plattform erscheinen.


Nachdem die Priesterin den Kindern die Geschichte nahegebracht hatte, wie die Pflanzenfresser und die Fleischfresser ihren Uralten Konflikt beigelegt hatten, um für das höhere Wohl zusammenzuarbeiten, geleitete sie sie nun tiefer in den Tempel. Ihr Weg ins Herz des Labyrinths, führte sie durch einen langen Korridor, dessen Wände mit Bildnissen jedes einzelnen Großen Khans geschmückt waren. Von anfänglichen recht groben Zeichnungen, die nur mit einiger Fantasie als Tiger zu erkennen waren, entwickelten sich die Darstellungen langsam weiter und zeigten schließlich große, mächtige Herrscher, deren Aussehen sich langsam von in Leder und Pelzen gekleideten Kriegern, über Feudalherren in langen geschmückten Gewändern, hin zu den modernen, hochgewachsenen Raubkatzen in Designeranzügen veränderten. Man konnte die Epochen und Generationen, die in diesen Porträts dargestellt wurden, gut erkennen, wenn man die Bildnisse etwas genauer betrachtete. Jedes dieser Bilder war mit einer Plakette versehen, die den Namen und die Abstammung des jeweiligen Khans aufzeigte.

Wobei die meisten Kinder den Bildern nicht allzu viel Aufmerksamkeit schenkten, die Geschichte ihrer Gesellschaft interessierte die meisten nicht mehr. Die meisten von ihnen bekamen Teile dieser Geschichte jeden Tag aufs neue Präsentiert und waren im Laufe ihrer Kindheit abgestumpft gegenüber den ständigen Erinnerungen ihrer Klassenkameraden, Eltern und Politikern, wer sie waren und wo sie standen. Dadurch, dass es nun schon seit einigen Jahren keine Tribute mehr gab, und dass die traditionelle Opferung nur noch symbolisch zu jedem Voll- und Neumond abgehalten wurde, war dieser essentielle Teil ihrer Geschichte fast vollständig aus dem Alltag der Tiere verschwunden. Der Pfad stand nicht mehr im Mittelpunkt ihrer Gesellschaft, sondern wurde von vielen, selbst unter den Fleischfressern, als althergebracht und aus der Zeit gefallen betrachtet. Die Jugend hatte schon längst ihre Aufmerksamkeit anderen, wichtigeren Dingen zugewandt: Sportler, Prominente, Schauspieler, sie alle hatten einen höheren Stellenwert als diejenigen, die im Laufe vieler Generationen dafür gesorgt hatten, dass es diese Dinge überhaupt gab.

Schließlich passierte die Gruppe eine große Doppeltür, deren Holz in einem dunklen Rot lackiert worden war und deren verwitterte Dekorationen einen stilisierten Tigerschädel darstellten. Hinter diesem Portal erstreckte sich eine weitere Große Halle, deren Wände mit deckenhohen Vitrinen gesäumt waren, in denen riesige Steintafeln ausgestellt waren, deren Beschriftung heutzutage niemand mehr lesen konnte. Die Priesterin trat in die Mitte des Raumes und wandte sich erneut an die Schüler, die sich gelangweilt umsahen. Sie wartete einen Moment, bis sich auch die letzten Kindern zu ihnen gesellt hatten, bevor sie ihre Stimme wieder erhob.

„Willkommen in der Halle der Erinnerung.“

eröffnete sie ihren nächsten Vortrag und drehte sich einmal um sich selbst.

„In dieser Halle gedenken wir den unzähligen Tributen, die für die Aufrechterhaltung unseres Paktes ihr Leben gelassen haben. Sie alle haben freiwillig den Weg allen Fleisches beschritten und sich für das Höhere Wohl und den Fortbestand der Gesellschaft geopfert.“

fuhr sie fort und deutete auf mehrere Bildschirme, die einen fortwährenden Lauftext mit all den Namen zeigten, die auf den vielen Steintafeln verewigt worden waren. Einige der Kinder folgten ihrem Hinweis und sahen hinüber zu den einzelnen Monitoren, aber das Interesse blieb nicht lange dort, sondern wanderte wieder zurück zu ihr. Sie ärgerte sich darüber, dass selbst dies den Kindern mittlerweile egal zu sein schien. Allerdings war ihr bewusst, dass diese Listen noch vor ein paar Jahren eine ganz andere Wirkung auf die jüngeren Besucher des Tempels hatten, denn damals hatte noch so ziemlich jeder von ihnen eine Tante, einen Opa oder zumindest ein Familienmitglied eines Freundes, die über den Pfad gewandelt waren; wohingegen die Jugendlichen jetzt zumeist niemanden mehr im näheren Umfeld hatten, die den Weg allen Fleisches gegangen waren und daher fehlte ihnen der direkte Bezug zu der Tragweite, die dieser Raum für ihre Gesellschaft hatte.

Sie schob die Gedanken beiseite, als sie bemerkte, dass sich die Kinder wieder ihr zuwandten und auf die nächste Geschichte warteten. Die Priesterin setzte wieder ihr sanftes Lächeln auf und breitete ihre Arme aus.

„Noch heute sprechen die meisten Tiger vor jeder Mahlzeit das rituelle Gebet, das der Seele des Tieres, dessen Fleisch sie nun verzehren werden, den Übergang in das Jenseits erleichtern soll. Ich sehe, wir haben heute auch eine kleine Streifenträgerin unter euch. Sprecht ihr zuhause noch die Gebete vor jeder Mahlzeit?“

fragte die Priesterin die junge Tigerin, die bis gerade eben noch lässig auf ihrem Kaugummi herumgekaut hatte und sich urplötzlich im Zentrum der Aufmerksamkeit wiederfand. Die Frage traf sie so unvorbereitet, dass sie die Führerin erst einmal völlig entgeistert ansah. Erst als ihr der junge Jaguar hinter ihr die Hand auf die Schulter legte und für sie antworten wollte, schien sie das aus ihrer Schockstarre zu reißen. Sie warf ihren Klassenkameraden einen geradezu eisigen Blick zu, bevor sie sich an die Priesterin wandte.

„Sorry, aber die Frage hat mich gerade völlig kalt erwischt. anders geisteskrank geflasht. Aber real talk, meine Eltern zwingen uns, vor dem Essen dieses cringe Gebet zu kicken, auch wenn das einfach nur Fake-Fleisch ist.“

antwortete das Mädchen ohne auch nur den Versuch zu unternehmen, sich gewählter auszudrücken. Die Priesterin zog leicht ihre Augenbrauen hoch und schüttelte dann den Kopf, während eine der Lehrerinnen sich bereits ihren Weg zu der jungen Tigerin bahnte. Noch bevor die Pädagogin allerdings ihre Standpauke über Benehmen und Etikette anbringen konnte, hob die Priesterin beschwichtigend ihre Hand.

„Es ist erschreckend, wie geringschätzig selbst junge Tigerinnen heutzutage durchs Leben gehen, aber ich kann verstehen, dass diese Rituale, nun, da die Grundlage dafür nicht mehr besteht, nicht mehr denselben Stellenwert haben. Würdest du uns trotzdem die Ehre erweisen, und das Gebet einmal für deine Pflanzenfresser-Mitschüler rezitieren?“

fragte die Priesterin und ihre grünlichen Augen schienen sich regelrecht in die noch teilweise blauen Augen der Schülerin zu bohren. Sie war sich durchaus bewusst, dass diese Aufforderung eine viel schlimmere und peinlichere Strafe für das Mädchen war, als alles, was die Lehrerin ihr hätte androhen können. Die Schülerin konnte jetzt nicht einfach nein sagen, sie würde ihr Gesicht verlieren und wenn sie das Gebet falsch wiedergab, würden die anderen Schüler sie damit wahrscheinlich auf ewig aufziehen. Der Schülerin schien sich dessen durchaus bewusst, denn sie schluckte schwer, bevor sie schließlich nickte.

„Wenn’s sein muss … aber ohne Witz, das ist bodenloser Cringe.“

erwiderte die Schülerin und stieß ihren Jaguar-Mitschüler von sich weg, der sie gerade grinsend von hinten umarmen wollte. Die Priesterin hingegen nickte und machte eine auffordernde Geste. Nun ruhten wirklich alle Blicke auf der jungen Tigerin und man merkte ihr an, wie sehr sie das stresste, sie presste ihre Lippen zusammen und ballte ihre Fäuste, während sie tief durchatmen.

„Hetz mich nich’ … ich fang’ ja schon an …“

blaffte sie und begann dann ihr Zitat:

„Ich ehre dein Opfer. Das Opfer, das du bereitwillig für die Gemeinschaft gebracht hast. Dein Edelmut soll mich Demut lehren. Ich verzehre deinen Körper, damit deine Seele im Jenseits Frieden finden kann. Dein Fleisch wird meinen Körper stärken, damit ich auch deine Familie beschützen kann. Kein Opfer wird ungesühnt bleiben …“

Es fiel ihr sichtlich schwer, das Gebet sauber vorzutragen und nicht in ihre Jugendsprache abzudriften, aber sie schaffte es schließlich, was ihre Lehrerinnen stolz lächeln und nicken ließ.

„Da habt ihr es, seid ihr jetzt endlich zufrieden?“

platzte es aus ihr heraus, während sie ihre Arme vor der Brust verschränkte und ihren Unterkiefer herausfordernd vorschob, aber die Priesterin nickte wiederum gefällig.

„Vielen Dank, und ja, ich bin nun zufrieden. Es freut mich, dass du, trotz dessen, dass du es offensichtlich als völlig übertrieben und nutzlos erachtest, das Gebet vollkommen Fehlerfrei rezitieren kannst. Deine Eltern können stolz auf dich sein.“

antwortete die Tigerin und adressierte die anderen Kinder, ohne weiter auf die agitierte Schülerin zu achten.

„Nun, wie ihr nun alle gehört habt, ehrten und ehren die Tiger das Opfer, das uns von den Pflanzenfressern erbracht wurde, um nicht nur zu überleben, sondern auch um die Gemeinschaft als Ganzes vor Bedrohungen schützen zu können. Denn nur ein satter Tiger ist auch ein starker Tiger, der sein Territorium und die Tiere unter seiner Ägide schützen kann.“

erklärte sie mit einem kleinen Augenzwinkern und wandte sich zu einem kleinen Alkoven um, in dem einige weitere Tafeln ausgestellt waren. Sie wartete bis die Kinder sich umorientiert hatten und sahen wie viele Namen auch über diesen Bildschirm liefen, bevor sie fortfuhr.

„Und beschützen mussten die Tiger dieses, ihr Territorium viele, viele Male in der Vergangenheit, Angriffe von Außen, Revolten und Bedrohungen, deren Ausmaße erst im Nachhinein wirklich begutachtet werden konnten. Das alles führte dazu, dass nicht nur Pflanzenfresser für diesen Pakt und das, wofür er steht, gestorben sind. Bei der Verteidigung unseres Territoriums und seiner Bewohner gaben viele Tiger ihr Leben.“

erklärte sie und ihr Blick wurde fast wehmütig, als sie den einzelnen Bildschirm betrachtete, dessen Inhalt die Namen der Tiger und Jaguare zeigte, die im Dienst der Gemeinschaft gefallen waren. Anschließend deutete sie auf ein Relief an der hinteren Wand des Raums, dessen stark verwitterte Oberfläche gerade von einem Stuckateur restauriert wurde.

„Etwa 200 Jahre nach der Unterzeichnung des ursprünglichen Abkommens kam es zu einem der schwersten Konflikte der Nachkriegszeit, die bisher in den Archiven aufgezeichnet wurden. Dieser Konflikt hat wahrscheinlich einen ähnlich großen Einfluss auf unsere Gesellschaft gehabt wie schon das Abkommen und der Krieg vor diesem. Er stellte eine Zerreißprobe, nicht nur für das Bündnis zwischen den Pflanzenfressern und uns Tigern, sondern für die Bewohner des gesamten Dschungel dar.“

fuhr sie fort, wobei ihre Stimme leiser und leiser wurde und allmählich einen verschwörerischen Unterton annahm. Mit einer Geste bedeutete sie den Kindern, ihr zu folgen, als sie näher an das Relief herantrat und auf eine Figur zeigte, die selbst für diese primitiven Zeichnungen grotesk aussah.

„Heute wissen wir, dass die Erbauer dieses Tempels noch viele weitere Tempel auf diesem Kontinent errichtet haben, und dass sie in periodischen Abständen zwischen diesen Tempeln hin- und hergezogen sind. Sie sind dabei immer so lange geblieben, bis sie die Jagdgründe erschöpft haben und sind dann wieder weitergezogen. Zu der damaligen Zeit sind sie einmal mehr auf dem Weg zu diesem Tempel gewesen, und was dann passierte, veränderte unsere Gesellschaft und den Dschungel noch einmal grundlegend.“