ABENTEURER (3) - Ger
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TAGE IM JUNI
Abenteurer
- 3 -
NIKLAS SCHUPP
»Ein Kopf«, wiederholte der Luchs. »Der ist — das ist eine Person.«
»Ich weiß«, entgegnete Niklas. Er tastete nach seinem Fuß und verzog das Gesicht. Er tat noch immer weh und schien etwas geschwollen zu sein.
Jannik schien kaum Worte finden zu können und atmete schwer, als zwängte er sich gegen den Impuls, seinen Magen zu entleeren.
Ja, Niklas wusste es. Er kannte die Gläser. Es waren alles Personen. Der Marder, der Welpe. Es waren keine Wildtiere. Sondern Babys.
Zugegeben, es fiel schwer sie von jungen Wildtieren zu unterscheiden und doch waren sie keine bloßen Tiere. Der Körper mochte ähnlich aussehen, aber nicht die kleinen Hände. Und die winzigen Füße. Und die Gesichter.
»Warum?«, raunte Jannik zittrig. »Das ist furchtbar.«
Niklas zog sich am Regal nach oben. »Ich hab' doch gesagt, dass die Katzen an Hunden und Hundeähnlichen rumexperimentiert haben.«
»Das ist gestört«, grollte Jannik.
»Böse?«, fragte Niklas und sah ihn an. Der Luchs schwieg.
»Die Katzen sagen, Hunde seien böse. Und darum haben sie den Hunden im Gegenzug schlimme Dinge angetan. Und die haben sie dann gut genannt. Ich hab dir doch erzählt, dass die Katzen versucht haben in den Hundeköpfen etwas kaputt zu machen, damit sie ›geheilt‹ werden.«
Jannik antwortete nicht. Er schien Niklas noch immer kein Wort zu glauben. Oder er hörte ihm einfach nicht zu, da ihn der Kopf im Glas zu sehr ablenkte.
Der abgetrennte Kopf hatte alle Farbe verloren. Seine Haut schien fast durchsichtig und man konnte die schlaffen Muskeln und grauen Adern darunter erkennen. Die Augen waren nicht mehr als zwei weiße, klebrig glänzende Klumpen in eingesunkenen Höhlen.
Er war sauber entfernt worden. Nicht gerissen, wie von einem wilden Tier, sondern mit präzisem Werkzeug geschnitten.
Jannik schnaufte und verzog das Gesicht, als er den durchschnittenen Hals mit den Hohlräumen darin betrachtete, die einst Speiseröhre und Halsschlagader gewesen sein mussten. Wieder spuckte er Schleim aus.
»Du wusstest, dass hier der Kopf von irgendjemandem in einem Glas gelagert wird?«, fragte er entgeistert.
Niklas nickte.
»Und du hast niemandem davon erzählt?«
Er schüttelte den Kopf.
»Warum nicht?«
»Weil sie dann bestimmt kommen und das Haus absperren oder vielleicht sogar abreißen. Sie machen immer die alten Häuser kaputt und setzen irgendeinen blöden Spielplatz drauf oder einen Wohnblock. Du darfst niemanden davon erzählen.«
Jannik blickte ihn bestürzt an.
»Bitte«, fügte Niklas eindringlich an.
Der Luchs fuhr sich durch das Kopfhaar, rang mit sich und holte tief Luft. »Aber wir können doch nicht einfach — Leute müssen das hier erfahren.«
»Seit hundert Jahren hat sich niemand für Hagar interessiert.«
»Hagar?«
Niklas deutete auf die Wand hinter dem Glas. Jannik hob das Handy und holte einige Kritzeleien aus dem Schatten. Dort stand in schiefen Buchstaben »Hagar« mit der Skizze eines Canidenkopfes darunter, der die Zunge herausstreckte. Ein Zeichen, dass er über die Jahre hinweg Besuch gehabt hatte.
Jannik verzog das Gesicht und blickte abwechselnd den Kopf und Niklas an.
»Wie kannst du nur so ruhig bleiben?«, fragte der Luchs. »Hast du keine Angst?«
»Vor Hagar?«, entgegnete Niklas verwundert. »Er macht doch nichts. Ich hätte Angst vor ihm, wenn noch der Rest des Körpers dranhinge und er uns hinterherlaufen könnte.«
Er klopfte gegen das Glas. »Sieh«, sprach er, »Nichts.«
Er lächelte Jannik entgegen, bekam aber erneut nur einen leicht verwirrten und verängstigten Blick als Reaktion.
Scheinbar musste er etwas anderes versuchen, um den Luchs aus seiner Starre zu befreien.
»Es ist bloß ein lebloser Gegenstand«, fuhr er fort. »Wie ein Apfel, der vom Baum gefallen ist. Aber jemand hat ihn in ein Glas gesteckt, damit er nicht schlecht wird. Er ist gruselig, weil er total verschrumpelt ist und nicht, weil er irgendwas gruseliges machen könnte.«
»Mag ja sein. Bloß ist das hier nicht einfach ein Apfel, sondern ein Körperteil, das irgendjemandem mal gehört hat.«, wandte Jannik ein.
»Ich glaub' er wird’s nicht vermissen. Und wenn, hat er jetzt ohnehin anderes im Kopf« Niklas lächelte wieder. Jannik nicht. »Auf der Venus ginge das hier als ein Glas Kopfmarmelade durch.«
Noch immer nichts. So ein humorloser Luchs.
Jannik schüttelte sich und strich sich Staub aus dem Fell. Er wandte den Blick ab und begutachtete einige der anderen Graffitis auf der Wand.
»Hagar hat gesehen. Hagar hat gelitten«, stand dort. Daneben tauchte wieder das dreieckige Zeichen auf.
Der Anblick allein veranlasste die Kleinkatze, erneut seinen Nasenrücken in Falten zu legen.
»Leute nennen Hunde schlecht und böse«, sprach der Waschbär, »Und in Geschichtsbüchern steht, was für Mistkerle sie vor hundert Jahren waren. Und heute sitzen junge Hundetypen in einem Keller, essen Chips und sehen sich den abgehackten Kopf von einem ihrer Vorfahren an.« Auf der Wand schien ein ganzes Gedicht zu stehen. »Aber sie dürfen nicht wütend sein, weil man sie dann wieder böse nennt. Böse Hunde, die bloß Böses tun. Die aber still sein sollen und froh, dass die Katzen sich so gut um ihre Großeltern gekümmert haben.«
»Lehr' ihm eure guten Sitten.«
Niklas konnte erkennen, wie hinter Janniks Stirn Gedanken ratterten. In seinem Gesicht lag eine Mischung aus Ungläubigkeit und Aufmerksamkeit.
»Wenn sie zusammenhalten«, fuhr Niklas fort, »nennt man sie Bande oder Gang, die wieder irgendwas Böses macht. Wenn sie das Zeichen malen, um zu zeigen, dass sie zusammenhalten, nennt man es böses Zeichen und verbietet es. Weil es böse ist, weil sie böse sind, weil sie böse sein müssen, weil es ihre Großväter waren.«
»Poesie mit weißem Beil.«
Jannik schnaufte wieder. »Aber Hundegangs schlagen Scheiben ein und verwüsten Märkte. Wenn sie so unschuldig sind, dann sollten sie vielleicht damit aufhören. Leute glauben ja nicht einfach so, dass sie Fieslinge sind.«
»Das haben sie immer schon geglaubt. Was wäre, wenn dir jemand sagt, wie böse dein Großvater oder dein Vater gewesen ist? Dass sie schlecht waren und blöd und hinterhältig? Und dass du genauso bist wie sie? Genauso schlecht und blöd und hinterhältig? Bloß weil du dieselbe Spezies bist? Und sie sagen es immerzu und wenn du was dagegen sagst, dann schreien sie dich an, dass du nicht so ein Blödmann und Mistkerl sein sollst und dass du die Schnauze halten sollst und dass dein Gemecker bloß noch mehr zeigt, wie dämlich und mies du bist? Und dann kannst du es nicht mehr ertragen und du wirst wütend und willst am liebsten alles kaputt machen und 'ne Maus zerquetschen und —«
Niklas hielt inne. Seine Brust hob und senkte sich aufgebracht. Seine Hände zitterten. Jannik starrte ihn an. Seine Ohren senkten sich.
»Schneid' ihn auf und mach ihn heil.«
»Es tut mir leid«, sprach der kleine Luchs plötzlich. Niklas blickte verwundert zurück. Dann hatte er auf einmal beide Arme der Kleinkatze um sich geschlungen.
»Ich glaube nicht, dass du ein Mistkerl oder Blödmann bist, egal was andere über dich oder andere Waschbären sagen.«
Für einen Moment verharrten beide so, was Niklas ziemlich befremdlich vorkam. Die Umarmung fühlte sich warm und sanft an, aber auch unangenehm. Eindringlich. Gefährlich.
Er wand sich aus der Umarmung heraus und wäre weiter zurückgewichen, aber sein Fuß meldete sich zu Wort und er lehnte sich gegen das große Glas. Der schwimmende Kopf glotzte ihn blöd an.
»Hagar hat geträumt.«
»Ich hab' nicht mich gemeint sondern die Caniden«, entgegnete er.
Jannik nickte. Irgendwie hatte Niklas das Gefühl, der Luchs wollte etwas erwidern, ließ es aber bleiben. Stattdessen holte er tief Luft. »Okay. Aber Hunde sind — «, er schien nach den richtigen Worten zu suchen, »sie sind schon ein bisschen komisch, oder? Ich meine, dieser Wolfs-Rapper.« Er unternahm eine wegwerfende Geste auf die Niklas aber nicht reagierte. »Mit der gruseligen Musik.«
»Das ist kein Rap, sondern EBM«, berichtigte der Kleinbär, aber Janniks Gesichtsausdruck nach zu urteilen hätte er ihm wohl auch erzählen können, dass es kosmische Schwingungen vom Planeten Sternmull seien. »Hast du sie dir angehört?«, fragte er.
Jannik fuhr sich durch das Fell am Ellenbogen und wich mit dem Blick aus. Auf den schwimmenden Kopf. Verzog das Gesicht und blickte abermals woanders hin.
»Hast sein Hirn ausgeräumt.«
Niklas brummte. Warum sagte er nicht einfach was er dachte? Man konnte es ja eh an seinen Puschelohren erkennen. Der Waschbär zog sein Handy hervor und setzte dem verwunderten Luchs seine Kopfhörer auf die Ohren.
Er durchsuchte die Musikbibliothek. Sie war voll von »gruseliger« Musik.
Er überlegte. Runzelte die Stirn. Vielleicht was anderes. Er wollte den Luchs nicht in die nächste Schockstarre versetzen.
»Damit er artig schläft.«
Er fand einen passenden Song. Drückte Play. Wartete und beobachtete, wie die Luchsohren zuckten, wie sich Janniks Stirn in argwöhnische Falten legte und er Niklas einen fragenden Blick zuwarf.
Einige Sekunden später verwandelten sich die Falten jedoch von Argwohn zu Konzentration und sein Blick wanderte ins schattige Nichts, als seine Ohren die Musik inspizierten.
Ein kurzes Zucken huschte über das Luchsgesicht, als hätte er auf ein Pfefferkorn in seiner Salami gebissen. Das war sicher die Stelle, an der das erste »Fuck« im Text fiel.
»Schatten mit ihm schläft.«
In seinem Kopf konnte Niklas die Musik hören. Den stampfenden, elektronischen Beat. Das Schreien von Gitarren. Dann das Raunen von Violinen und irgendeinem Instrument, das er bis heute nicht enträtseln konnte. Tief und anmutig wie die Orgel einer Kathedrale bei Nacht.
Er sah den Text vor seinen Augen flimmern. Er spürte, wie sein Herz schneller zu schlagen begann im Takt der Musik. Sein Blick wanderte durch den hohen Raum, die Säulen entlang und zu den schmalen Fenstern, die nur einen Streifen Licht ins Dunkel warfen. Geigenbögen schlugen gegen Holz und verschmolzen mit den elektronischen Sounds zu einem prasselnden Klang, der kein Instrument mehr kannte. Als würden Licht und Schatten selbst singen, während der Staub in ihnen tanzte.
Staub, der nur tanzen konnte, weil Jannik und Niklas ihn aufgewirbelt hatten.
»Vergessen mit ihm schläft.«
Die Musik versiegte und Stille nahm ihren Platz ein.
Niklas' Augen kehrten zu Jannik zurück. Das Herz des kleinen Waschbären sprang noch immer aufgeregt in seiner Brust herum und er bemerkte, dass nicht die Musik schuld daran war.
Jannik zog die Kopfhörer von den Ohren, zupfte ein Haar von ihnen und reichte sie Niklas. Der Kleinbär nahm sie nervös und blickte den Luchs an. Ob es ihm gefallen hatte?
Jannik fuhr sich durch das Fell seiner Wangen, um es wieder aufzurichten. Niklas beobachtete seine Ohren. Sie hingen nicht herunter. Waren aber auch nicht gerade aufgestellt. Zuckten nicht.
Der Waschbär konnte nicht länger warten. »Und?«, fragte er.
Wieder legte Jannik seine Stirn in Falten. »Das war seltsam«, entgegnete er. »Ich habe was anderes erwartet.« Er schien kurz nachzugrübeln. Dann hoben sich seine Wangen und er lächelte. »Es ist besser, als ich gedacht habe.« Er zupfte sich am Kragen, als hätte er gerade zugegeben, jeden Morgen Babys auf seinem Toastbrot zu essen. »Ich hoffe, das macht mich nicht seltsam.«
Niklas hob die Augenbrauen. »Du bist schon längst seltsam. Aber von all den seltsamen Typen, die ich kenne, bist du immer noch der beste.«
Das Gesicht des Luchses leuchtete kurz freudig auf. Niklas wusste nicht genau, woher das so plötzlich kam. Seltsamer Luchs halt.
»Ist das von demselben Typen? Ich meine der, der nackt auf der Bühne steht?«, fragte Jannik.
Niklas musste kichern. »Ja. Den find’ ich total lustig. Viele Leute hassen es. Darum macht er's. Darüber regen sich dann die Presseleute auf und meckern. Er vergrault alle, die sich nicht für seine Musik interessieren und lieber rumschimpfen und sich bepinkeln. Am Ende sind nur noch die echten Fans übrig.«
»Das ist ziemlich gerissen«, meinte Jannik und blickte zurück auf das Glas. »Ich möchte aber immer noch hier raus.«
Niklas nickte. Er ließ seinen Blick suchend über den Boden wandern und fand im Staub ein Stück rote Kreide. Sie war feucht und bröckelig.
Er malte damit ein weiteres der dreieckigen Zeichen zu den anderen an die Wand. Die Kreide warf er zurück in den Staub, falls es irgendwann einmal neue Besucher geben sollte.
»Damit andere wissen, dass Hagar nicht alleine gelassen wurde«, antwortete er auf Janniks fragenden Blick.
Dann hakte er sich wieder beim Luchs ein und sie setzten ihren Weg fort.
Auf der anderen Seite des Lagerraumes führten die Schienen weiter. Die Szenerie blieb gewohnt karg und farblos.
Janniks Ohren waren wieder auf der Hut und lauschten angespannt der Stille.
Plötzlich warf er einen Blick über die Schulter und starrte in die Dunkelheit hinter sich.
»Da ist wer«, sprach er.
Niklas musste grinsen und schüttelte den Kopf. Der Luchs und seine Angstphantasien. Ob er je über sie hinwegkommen würde?
Wer sollte denn diesmal dort sein? Eine besonders hässliche Ratte? Der Schwarze Elch? Ein Marshäschen? Oder vielleicht hatte Hagar doch noch den Rest seines Körpers finden können und hinkte den beiden jetzt hinterher, um sie mit Kreide zu beschmieren.
Der Waschbär warf auch einen Blick zurück.
Dort war nichts. Weder Ratte noch Hinkehagar. Natürlich.
Die Ohren des Luchses zuckten und immer noch fixierte er das Schwarz als wäre es ein Untier. Niklas knuffte ihn in die Seite und amüsierte sich, aber Jannik ließ sich nicht ablenken. Er schluckte bloß und seine Ohren blieben starr.
Niklas' Ohren sprangen in die Höhe als sie etwas aufschnappten, das dort nicht sein konnte. Nicht sein sollte.
Schritte.
Er musste sich irren. Bestimmt. Jannik musste ihn mit seiner Paranoia angesteckt haben und er hörte nun auch Dinge, die es nicht gab.
Er versuchte die Schritte auszublenden. Erfolglos. Aus dem finsteren Tunnel drang leises Rascheln und Knacken. Eine Wahnvorstellung erzeugte keinen Lärm.
Dort hinten bewegte sich jemand. Dort kam jemand den Tunnel entlang.
Der Waschbär spürte, wie sein Herz einen nervösen Sprung machte und sein Nackenfell zu kribbeln begann. Er hörte Jannik angespannt einatmen.
Die Tatsache, dass Niklas es nun auch gehört hatte, schien den Luchs noch nervöser zu machen.
Beide blieben stehen, verharrten regungslos. Nur ihre Ohren und Nasen zitterten.
Die Schritte klangen schwerfällig und langsam. Oder heimlich und schleichend. Irgendetwas raschelte.
Dann war es plötzlich still.
Es war keine gute Stille. Wer immer dort schlich, hatte nun ebenfalls angehalten, nur ein paar Sekunden später als die Jungen. Als wollte er nicht ertappt werden. Und lauschte. Beobachtete sie aus der Finsternis, die von Janniks Handy nicht erreicht werden konnte.
Wer schlich durch pechschwarze Tunnel? Wer schlich hinter ihnen her und lauschte? Bestimmt niemand Gutes.
Der Luchs fauchte leise. Sein Nasenrücken legte sich in tiefe Falten und Niklas konnte sein Herz rasen hören, als machte es sich bereit, einen Marathon zu laufen. Niklas' ganzer Körper begann zu jucken. Jedes seiner Haare stellte sich auf. Er zitterte und drückte sich gegen den Luchs. Seine Finger gruben sich tief in sein Fell.
»Lauf«, raunte er.
Jannik gab keine Antwort. Er nickte nicht einmal sondern richtete seinen Blick blitzartig nach vorn und rannte los. Niklas sprang neben ihm her, so schnell es sein verstauchter Fuß zuließ.
Er schmerzte, aber es war dem Waschbären egal. Nach ein paar Metern hatte sein Fuß das scheinbar verstanden und er vergaß den Schmerz.
Wie zwei Angetrunkene wankten sie den Tunnel hinab. Für ihren Verfolger musste es sicher ziemlich komisch aussehen. Wahrscheinlich kam es ihm sogar gelegen, dass sie dabei so lahm waren wie ein dreibeiniger Hund.
Die Schritte waren wieder aufgetaucht. Sie wurden plötzlich schneller. Der Fremde rannte ihnen nach. Niklas' Muskeln brannten. Sie rissen an seinem Körper und wollten nur eins: Weg! Raus aus dem Tunnel! Raus aus dem Haus! Sofort!
Die beiden waren zu langsam. Stolperten fast über ihre eigenen Füße.
Der Tunnel teilte sich vor ihnen.
»Wo raus?«, wollte Jannik wissen.
Niklas' Blick sprang hektisch herum.
»Wo raus?!«
Der Waschbär hatte keine Ahnung. Er konnte sich nicht erinnern.
Im Tunnel hinter ihnen flüsterte jemand. Leise, aber zornig.
»Rechts«, knurrte Niklas. Hoffentlich.
Beide hechteten um die Ecke. Der Tunnel dahinter führte unbeirrt weiter durch die Finsternis.
Die Geräusche gaben keine Ruhe. Niklas befürchtete, jeden Moment eine Hand im Nacken zu spüren. Wie sie ihn nach hinten reißt und er Krallen über seinen Körper schnellen spürt.
Vielleicht hauste dort doch ein Monster.
Der Tunnel endete in einer grauen Wand. Die Schienen vor einem Prellbock.
Niklas' Herz tobte in seiner Brust. Neben ihm fauchte Jannik entgeistert.
Sackgasse. Ende. Tod.
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Update 2020-04-10