Kapitel 1: Puzzleteile
#2 of Drachenkrieg
Im Eilschritt hastete Kerr über die dunklen und verregneten Straßen der Stadt, vorbei an all den anderen Passanten während neben ihm Autos über die Straße fuhren, Wasser aus den Pfützen in den Gossen manchmal zu ihm und den anderen Fußgängern hinauf spritzten. Von überall brannten die Lichter der Leuchtreklamen, Straßenlaternen und Geschäfte, vor denen fast jeder mindestens einmal stehen blieb, während sich der Wyvern durch die Menge arbeitete, auf dem Weg zu dem kleinem Reihenhaus, welches er zur Zeit mit einem Freund bewohnte.
Während sich das Gewicht seines Regenmantels durch den starken Regenfall ein wenig veränderte musste er auch feststellen, dass ein kalter Wind zur Zeit in der Stadt wehte. „Ausgerechnet im Herbst musste er mich zurückrufen.", dachte er sich nur grimmig, setzte seine Reise fort, bis er vor besagtem Reihenhaus inmitten der Stadt Van im Königreich Ilé stand. So schnell wie möglich schloss er die Haustür auf, betrat das Haus und wurde direkt von einer etwas trockeneren, staubig schmeckenden Luft begrüßt. Im Flur nahm er die Kapuze runter, öffnete er die Knöpfe seines Mantels und zog ihn sich aus, wodurch er seine leicht ockerfarbenen Schuppen sowie ein himmelblaues Augenpaar enthüllte, sah dann, wie das Wasser sich am unteren Saum begann zu sammeln und hängte sie auch gleich an den nächsten Haken, unter welchen er dann noch einen kleinen Eimer der das Wasser auffangen sollte stellte.
Erleichtert zog er dann auch noch seine nassen Stiefel und den teilweise nass gewordenen Pullover aus und begab sich dann in Richtung Wohnzimmer. „Surasshu, bist du Zuhause?!", war seine erste Frage nachdem er das leere Wohnzimmer vorfand; der Kamin brannte, auf dem Tisch stand auch ein Teller mit einem zur Hälfte aufgegessenem Abendessen, ebenso wie eine Zeitung, welche Kerr sich für einen Moment genauer ansah, sie dann aber wieder auf den Tisch zurücklegte um dann die kleine Treppe in den ersten Stock hinaufzugehen.
Auch hier hörte er zunächst nichts von seinem Mitbewohner, bis er vor dessen Zimmertür stand und klopfte. „Herein.", hörte er jemanden gedämpft sagen und betrat dann langsam das Schlafzimmer Surasshus, welches einer kleinen Bibliothek ähnelte: überall standen und lagen Bücher herum, fast jedes hatte Unmengen von kleinen Lesezeichen zwischen den Seiten hängen, lagen offen übereinander oder lagen zerfleddert in der Ecke, denn Surasshu hatte manchmal die Angewohnheit, sich aus einem Buch nur die interessanten Seiten einfach herauszureißen, während ihn der Rest des Buches nicht weiter interessierte. Das ganze Szenario wurde dann noch von einem einfachen Deckenleuchter sowie einer kleinen Schreibtischlampe, die neben Surasshu leuchtete abgerundet.
Im Türrahmen stehend sah der normal große Wyvern in den Raum hinein, suchte zunächst nach Surasshu, welchen er dann an seinem Schreibtisch vor einem kleinen Computer sitzend fand; auch wenn sie nicht die neuste Technologie war Surasshu die einzige Person die er persönlich kannte, die eine solche Kiste überhaupt besaß. „Hättest ja wenigstens mal „Hallo" sagen können oder?", meinte der noch leicht durchnässte Wyvern als er ins Zimmer hineinging, sich einen Stuhl nahm und neben den Drachen setzte, welcher sich scheinbar gerade durch ein paar digitalisierte Bücher arbeitete; für Kerr war das ja nichts, generell war die einzige Technologie, die er wirklich benutzte das Steuer eines Luftschiffes, alles andere konnte ihm ruhig gestohlen bleiben.
Auf einmal lehnte Surasshu sich zurück, schaute zu seinem Gast hinüber und erkundigte sich zum einem nach dessen Befinden und zum anderen, wie der Besuch zu seinen Eltern verlief.
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„Nun....", fing Kerr an und begann zu grinsen. „Es war wirklich schön, die beiden wiederzusehen, vor allem nachdem ich sie seit einer Weile nicht mehr gesehen hatte." Langatmig und sehr detailliert erzählte Kerr dann von seinem Besuch in Sommerhafen, seinem Geburtsort, was eine Stadt hoch oben auf in den Bergen des nördlichen Teil Armorias war.
„Zu gerne...", meinte er in seinen Erinnerungen schwelgend. „Wäre ich dort oben im warmen geblieben." Zustimmend nickte Surasshu nur, erinnerte sich selbst an seinen recht kurzen Aufenthalt in Sommerhafen, wo er auch Kerr kennenlernte, wischte sich dann einige Haare aus dem Gesicht und gähnte zudem auch noch, wobei sich Kerr direkt ansteckte und ebenfalls gähnte; die Rückreise aus dem Norden war fast genauso unangenehm wie die Hinreise, denn er wurde beim Grenzübergang mindestens dreimal kontrolliert, was auch bei der Ausreise der Fall war. Kopfschüttelnd saß Kerr da, erzählte noch etwas weiter, bevor er Surasshu fragte, wie er mit seinen Nachforschungen bezüglich des Schattenherzens vorangekommen sei; die Rede war von einem Edelstein oder Artefakt, von welchem die beiden zu Beginn ihrer gemeinsamen Reise vor drei Jahren hörten und welche sie, Surasshu vor allem, mit einem großen Ehrgeiz suchten.
Jedenfalls zeigte Surasshu Kerr dann, was er während seiner Abwesenheit herausgefunden hatte: auf einer Landkarte hatte er den ungefähren Ort, an dem sich das Schattenherz womöglich befinden würde mit einem roten Kreis markiert und fügte hinzu, dass er sich zu hundert Prozent sicher sei, dass es sich dort befinden müsste, was Kerr zwar glauben wollte, doch entging seinem besorgten Blick nicht, dass die markierte Insel sich in einer Meerenge zwischen den Staaten Sekal, Athena und dem nördlichen Teil von Armoria befand, was ein gewisses Unbehagen bei ihm auslöste, denn er war nun wirklich nicht erpicht darauf, dort noch einmal hinzugehen.
„Dir ist doch hoffentlich klar das sich wenigstens Sekal und der Norden seit fast zwanzig Jahren um diese Insel streiten oder?", hakte er eindringlich nach, wobei er auch meinte, dass es dort immer wieder zu kleineren Scharmützeln zwischen Land- und Bodenstreitkräften beider Länder kam. Außer einem zustimmenden Nicken und der anerkannten Sorge Kerrs musste Surasshu jedoch anmerken, dass er ihn wegen eben dieser Fakten brauchen würde:"Zu Fuß würde ich es wohl niemals rechtzeitig dorthin schaffen! Und ich könnte es mir im Leben nicht verzeihen, wenn jemand anderes als ich mit diesem Artefakt von dieser Insel geht."
Ehrgeizig wie immer, dachte Kerr sich nur als er den blauen Drachen mit den weiß-roten Haaren vor sich sprechen hörte; sie beide hatten schon viel zusammen erlebt und erreicht, weswegen der Wyvern auch gut verstehen konnte, weswegen er auch hier so vernarrt drin war, was auch ihn mit der Zeit ansteckte, wenn auch mit einem ungutem Gefühl im Hinterkopf. „Sowieso, wie gedenkst du da überhaupt hinzukommen?" Irgendwie wusste Kerr schon beim beenden seines Satzes, dass ihm die Antwort nicht ganz gefallen wird, denn schon allein der verschmitzte Blick, welchen Surasshu da schon wieder im Gesicht hatte reichte ihm voll und ganz um zu wissen, worum er ihn gleich als nächstes bitten würde. „Oh nein, das kannst du vergessen!"
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Schon am nächsten Tag, nachdem die beiden fast den ganzen Tag mit schlafen verbracht hatten, machten sie sich schon abmarschbereit: Kerr nahm sich seine übliche Reisekleidung bestehend aus einem roten Halstuch, weißem Hemd mit einer kupfernen Weste darüber, einer braunen Hose und einem paar schwarzer Lederstiefel mit eisernen Knieschonern, während Surasshu sich einfach ein schwarzes Hemd, darüber eine braune Jacke, dazu noch eine schwarze Arbeiterhose und braune Wanderstiefel nahm und dann noch mit einer gepackten Reisetasche an der Tür auf Kerr wartete.
Mit einem leicht scheppernden Geräusch, welches von seinen Knieschonern kam ging der Wyvern die Treppen herunter und konnte sich ein amüsiertes grinsen beim Anblick von Surasshus eher spärlichen Bekleidung nicht verkneifen. „Für diesen Ausflug wird es reichen oder?", erwiderte dieser nur scharf und beendete damit das Gespräch über die „empfohlene" Reisekleidung des jeweils anderen. Beide gingen aus dem Haus heraus, schloss die Haustür hinter sich ab und warf dann seine Tasche auf den Rücken bevor er Kerr in Richtung städtischem Landeplatz folgte.
Inmitten eines groß angelegten, nach Motoröl, Abgasen und Schweißbrennern riechenden Gebietes standen diverse kleine, mittelgroße und große Luftschiffe, welche hier zur Zeit entweder repariert, beladen, ver- oder gekauft wurden. „Ziemlich beeindruckend.", meinte Surasshu kurz und knapp als er die ganzen Schiffe ansah, wobei sich auch Kerr nicht den ein oder anderen neidischen Blick verkneifen konnte. Vorbei an all den anderen Piloten, welche sich über die Flugrouten, Schiffe und Abenteuer austauschten erreichten die beiden auch schon bald den Landeplatz, auf welchem das kleine, wenn auch äußerst eindrucksvoll aussehende Schiff von Kerr, die „Vindicus" startbereit vor den beiden.
„Das ist also das Schiff, dass du dir von unserem letzten Beutezug gekauft hast? Ziemlich schick wenn auch....etwas alt oder?", meinte Surasshu bei einem genaueren Blick auf das Schiff, denn an vielen Stellen schien der grau-schwarze Lack des Schiffes entweder abzublättern oder dem Rost zu wichen. „Natürlich konnte ich mir kein brandneues Schiff von dem Geld kaufen, deswegen hab ich mir halt das hier geholt. Laut dem Verkäufer hat es aber auch schon seine fünfzehn Jahre hinter sich und gehört daher auch nicht mehr zu den schnellsten seiner Klasse."
Während der Wyvern weiter von der Geschichte des Schiffes erzählte musste der Drache feststellen, dass er rein garnichts mit solchen Schiffen anfangen konnte, während Kerr scheinbar einen ganzen Hörsaal unterhalten könnte. Kerr lies eine kleine Luke zum betreten des Schiffes herunter und nahm sich dann auch das Recht heraus, als erster das Schiff zu betreten, während Surasshu ihm still und leise folgte.
„Fühl dich wie Zuhause.", lud Kerr ihn ein als er mit seinen Sachen in Richtung Cockpit ging, während Surasshu sich an die kühle Luft, die leicht abgestandene Luft und die leichte Dunkelheit, welche im Inneren des Schiffes vorherrschte gewöhnte; für ihn war es das erste Mal, dass er im Inneren eines Luftschiffes war und er fand es, trotz des hier herrschenden Zustandes, doch recht zufriedenstellend. Alleine machte er dann einen kurzen Rundgang durch das Schiff und stellte fest, dass die meisten Räume, bis auf den Gemeinschaftsraum, relativ klein gehalten waren und nicht wirklich viel Platz gönnten.
„Design dient der Funktionalität.", dachte er sich beim Blick in die beiden Schlafquartiere, welche aus zwei Stockbetten und einem kleinem Tisch bestanden. Der Gemeinschaftsraum bestand aus einem großen, zweiteiligen, runden Sitzbank, in dessen Mitte ein ebenfalls kreisförmiger Tisch stand, dazu befanden sich dort noch ein Kühlschrank sowie ein paar Kisten mit Ersatzteilen. Nachdem er nun das gesamte Schiff durchforstet hatte ging Surasshu zum Cockpit, wobei er noch einen kleinen Nebenraum, wahrscheinlich die Krankenstation, fand und auch dort einen kleinen Blick hineinwarf, ehe er sich dann zu seinem Freund ins Cockpit begab. Hier fanden sich drei Stühle, von denen einer wahrscheinlich für den Piloten, einer für den Co-Piloten und ein weiterer für einen möglichen zweiten Co-Piloten gedacht, was auch irgendwie Sinn machte, denn Kerr saß auf einem der Stühle und schien gerade alles für den Start vorzubereiten.
„Na, wie gefiel dir die kleine Tour durch mein Schiff?" In Kerrs Stimme konnte man dessen Stolz und Freude über dieses Schiff deutlich heraus hören, weswegen Surasshu es garnicht erst wagte, sich negativ über dieses zu äußern sondern sich einfach nur auf den Stuhl neben ihn zu setzen und zu sagen:"Nun es hat seine....Besonderheiten..."
Als er die letzten Vorbereitungen getroffen hatte, starte Kerr voller Freude den Antrieb des Schiffes, woraufhin erst einmal sämtliche Lichter im Cockpit hell aufleuchteten. „Hauptenergie, check. Antrieb, check." Als nächstes zündete er die Manövrierdüsen um das Schiff während des einfahren der Landestützen in der Luft zu halten, woraufhin er als nächstes die beiden primären Triebwerke warmlaufen lies um dann, mit einem viertel der Minimalgeschwindigkeit abzuheben. „Soweit so gut..." Je mehr sie sich von der Stadt entfernten, desto mehr beschleunigte Kerr das Schiff, bis er es dann bei einer Geschwindigkeit von etwa 600 km/h einen Kurs in Richtung Insel setzte.
Während die Vindicus scheinbar ohne große Probleme durch den Luftraum von Ilé und Athena flog, erzählte Kerr noch etwas von seinem Ausflug nach Sommerhafen, bevor er sich bei Surasshu noch einmal über die Genauigkeit seiner Informationen erkundigte, welche sie dann jedoch viel mehr als „wage und spekulativ" bezeichnete, was er aufgrund einer erneuten, genaueren Lesung des Textes belegte. Unruhig sah Kerr zu Surasshu und machte seinem Unmut direkt Luft, beklagte sich bei Surasshu über dessen Zwang, ihn ständig in gefährliche Situationen zu bringen und das seit er ihn damals auf einem Berg vor einer wilden Bestie rettete! Hierbei erinnerte der Drache den Wyvern direkt daran, dass er es war, der sich ihm damals bei dessen Rückreise angeschlossen hatte und er sich damit im Grunde genommen für nichts schuldig ist.
„Hast ja recht, nur wäre es mir manchmal lieber, du würdest mir so etwas erzählen bevor wir in ein Krisengebiet fliegen.", erwiderte Kerr schließlich, woraufhin Surasshu die markante Gegenfrage stellte:"Könnte ich machen, nur dann würde ich dem ganzen doch den Reiz nehmen oder?" Seufzend und mit einem sehr skeptischen Blick starrte der Wyvern Surasshu an, konzentrierte sich dann wieder auf das Steuer während sein Co-Pilot sich auf die übrigen Anzeigen konzentrierte; ein kurzes Grinsen von Kerr verriet Surasshu dann aber, dass er sich genauso wie er darauf freute, diesen Ort zu erforschen.
Vier Stunden später war die Vindicus in der Nähe der Insel. Laut Surasshu gab es hier zur Zeit weder andere Schiffe, noch irgendwelche Aktivitäten auf dem Festland weswegen er vorschlug, in der nächst besten Lichtung zu landen, damit sie sich dann zu der Ruine begeben konnten. „Etwa zehn Kilometer vor uns ist eine Waldstück mit einer Lichtung, in welcher wir das Schiff perfekt verstecken können.", empfahl Surasshu bei einem kurzen Blick auf die Übersichtskarte, woraufhin Kerr das Schiff in die dafür geeignete Position lenkte, es dann über der Lichtung positionierte und dann langsam, nur mit den Manövrierdüsen landete. Sie beide spürten die leichte Erschütterung, welche durch das Schiff beim aufsetzen der Landestützen gingen, ehe Kerr dann noch einmal prüfte, ob sie auch gerade standen, ehe er die Hauptenergie herunterfuhr, sie abschnallte und grünes Licht zur erfolgreichen Landung gab.
Neugierig erkundigte Surasshu sich, ob sein Begleiter eventuell schon früher einmal ein Luftschiff gesteuert hatte, denn diese Landung kam ihm viel zu perfekt vor, als das er sie nicht vorher schon mal geübt hatte. „Bevor ich zu dir kam habe ich ein paar Runden mit dem Schiff gedreht und glaub mir wenn ich dir sage, dass du da lieber nicht neben mir gesessen hättest.", erklärte er nur mit einem eher ungemütlichen Gesichtsausdruck, woraufhin Surasshu keine weiteren Details hören wollte.
Beim Weg zur Rampe zum verlassen des Schiffes nahm Kerr zusätzlich zu seiner Tasche ein Schwert, welches er sich auf den Rücken schnallte, mit. „Ich denke nicht, dass wir das brauchen.", meinte Surasshu skeptisch zu seinem Freund, welcher sicherheitshalber meinte, dass es wahrscheinlich besser wäre, wenn man bewaffnet ist, als wenn man es nicht ist. „Lieber ein Schwert haben und keins brauchen als ein Schwert brauchen und keins haben." In einigen Punkten hatte Kerr ja recht, weswegen Surasshu auch nicht weiter nachhakte sondern sich viel mehr dafür interessierte, diese Ruine zu finden und dessen Geheimnis zu lüften.
Kerr betätigte den Schalter, welcher die Rampe langsam herunterlies, verlies dann nach Surasshu das Schiff und verschloss das Schiff dann auch wieder und wurde dann, ebenso wie der Drache, von warmer Sommerluft, frischer Luft, dem rascheln der Bäume im Wind sowie dem Gezwitscher der Vögel begrüßt. Der Boden unter ihren Stiefeln war weich und etwas warm, was für Kerr ein sichtlich angenehmes Gefühl war, während Surasshu sich etwas unwohl fühlte; jetzt bereute er es, nicht genau zu wissen, wo die Ruine war denn dadurch hätten sie näher daran landen können.
Aus seiner Tasche holte Surasshu eine Karte der Insel, auf welcher er den theoretischen Weg zur Ruine eingezeichnet hatte und versuchte sich anhand seiner Umgebund zurechtzufinden. Derweil machte Kerr einen Kontrollgang um das Schiff herum, sah das an einigen Stelle der Lack deutlich abgefallen war und das die Turbinen völlig schwarz durch den Ruß waren und es dort auch noch immer ziemlich warm war, weswegen er sich schon bald wieder zu Surasshu begab, welcher scheinbar einen Weg gefunden hatte. „Von dieser Position müssten wir....in Richtung Osten gehen.", sagte er zuversichtlich und lies sich dann auch nicht davon abbringen, einfach so loszugehen.
Still und wachsam folgte Kerr seinem Freund durch den Wald hinaus über eine grüne Wiese. Auf dieser Insel schien es, obwohl sie der Streitgrund für gleich drei Länder war, sehr friedlich zu sein, was man auch an der fast vollständig erhaltenen Natur hier bestens erkennen konnte, aber wahrscheinlich lag das daran, dass dieser Teil der Insel nicht so sehr von Kämpfen berührt wurde wie andere Teile es vermutlich eher taten.
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Ein Wasserfall, welcher an einer kleinen Hügelgruppe herunterlief war der Endpunkt auf Surasshus Karte. „Hier soll die Ruine sein?","Laut der Karte schon aber...hier ist nichts!" Sowohl Drache als auch Wyvern standen vor einem Rätsel, denn hiermit hatten sie nicht gerechnet. „Vielleicht hast du einfach den falschen Weg eingezeichnet, schließlich meintest du ja selber vorhin, dass deine Route sich auf eine eher spekulative Information bezieht.", meinte Kerr beruhigend als er die Wassermassen beim herunterlaufen beobachtete und während er sich damit die Zeit vertrieb, prüfte Surasshu noch einmal die mitgenommenen Texte und die Karte genau, konnte aber trotz mehrerem durchlesen keinen Fehler in seiner gezeichneten Strecke finden.
„Okay, was ist hier los?!", fragte er sich verärgert und sah sich schnaubend um, den Blick zum Wasserfall und dessen Umgebung bis er nocheinmal zum Wasserfall blickte und sich fragte, ob er nicht vielleicht an der falschen Stelle gesucht hatte. Am Blick, welchen der Drache in den Augen hatte konnte Kerr gut erkennen, dass dieser etwas ausgefressen hatte, was es jedoch genau war, konnte er jedoch nicht erahnen, nur das es womöglich mit dem Wasserfall zu tun hatte.
Zunächst einmal untersuchte Surasshu die Felswände links und rechts vom Wasserfall bis er einen schmalen Vorsprung, man gerade passend für eine Person entdeckte und ohne Vorwarnung dorthin sprang; zwar war die Landung einigermaßen sicher, doch war der Vorsprung dermaßen nass und rutschig, das Surasshu sich anstellen musste, nicht hinunter ins Wasser zu fallen. „Hey, was hast du denn vor?!", wollte der sichtlich überraschte Kerr wissen, woraufhin Surasshu meinte, dass er etwas ausprobieren wollte. Kaum hatte Surasshu seine Antwort beendet, kletterte er an der Felswand entlang zum Wasserfall, bis er plötzlich im Wasser verschwand!
„Surasshu!", schrie Kerr so laut er konnte, schaute ins Becken vor sich und hoffte, der Drache würde gleich angespült kommen. Seine Hoffnung wurde jedoch bald schwächer, denn nachdem schon fünf Minuten vergangen waren konnte er seinen Freund noch immer nicht im Wasser finden weswegen er kurzerhand beschloss, ihm entlang der Felswand zu folgen. Gerade wollte er zu dem Felsvorsprung hinüberspringen, da flog plötzlich ein Stein durch das Wasser in das Becken, danach noch einer und dann noch einer.
„Surasshu?!", schrie Kerr nocheinmal, wartete einen Moment und wollte gerade zum dem Felsvorsprung springen, als er jemanden plötzlich schreien hörte:"Kommst du bald oder willst du das draußen Wurzeln schlagen?!" Da er trotz des Geräusches des Wasserfalls Surasshus Stimme deutlich erkennen konnte, sprang er sogleich auf den Vorsprung, kletterte dann auch an der Felswand entlang, kam dabei auch nicht um die kurze „Dusche" welche ihm der Wasserfall gönnte bis er sich schließlich in einer kleinen Höhle, welcher hinter der Wasserwand lag wiederfand.
Auch Surasshu war dort und schien, ebenso wie er, komplett durchnässt zu sein, was ihn aber nicht davon abhielt, sich mit merkwürdig leuchtenden Zeichen an den Wänden zu beschäftigen. „Du hättest dich ruhig früher melden können!", mahnte der Wyvern ihn dann eindringlich. „Tut mir leid aber...als ich hier drinnen war musste ich mich selber erstmal zurechtfinden und da hatte ich dich völlig vergessen.", entschuldigte sich der Drache und wandte sich ihm dann auch wieder zu.
Nachdem sich beide das Wasser aus ihren Klamotten gewrungen hatten wollte Kerr wissen, wo sie denn nun waren. „Das ist vermutlich der Eingang zu der Ruine.", vermutete Surasshu und zeigte dabei auf einen Teil der Zeichen, welche an der Wand in einem sanften grün schimmerten. Zuerst konnte Kerr mit den Zeichen überhaupt nichts anfangen, doch als er sie sich etwas genauer ansah staunte er nicht schlecht über das, was er entdeckt hatte:"Das ist Méha!" Hiermit meinte er die Sprache Meháken, einem großgewachsenen, rabenähnlichem Volk, welches zusammen mit den Wyvern die Gebirge des nördlichen Teils Armorias bevölkerten.
Fasziniert schaute Surasshu drein; es war komisch, hier unten, fernab ihres üblichen Lebensraumes, Schriftzeichen in der Sprache der Meháken zu finden. „Vermutlich ist das hier so etwas wie eine alte Kolonie oder irgendwas in der Art.", spekulierte Surasshu daraufhin und wollte dann weiterlesen, wobei er auf eine andere Sprache, verbinden mit den vorherigen Zeichen traf. Auch Kerr konnte nur noch wenige Worte erkennen, mit Ausnahme eines einzelnen:"Tiefe."
„Tiefe? Klingt so, als würde man uns einladen, weiter nach unten zu gehen.", meinte Surasshu lediglich, deutete dabei in Richtung eines nach unten führenden Weges, welchen Kerr zugleich mit großen Interesse als auch Vorsicht beäugte. „Denk bitte daran, dass wir keine Ahnung haben, was uns da unten erwartet.", mahnte er ihn erneut zur Vorsicht und bekam auch eine positive Rückmeldung. Bevor sie weiter nach unten gingen, holte Kerr zwei Fackeln aus seiner Tasche, welche glücklicherweise nicht nass geworden waren, zündete sie an, gab eine dann an Surasshu weiter, behielt die andere und wagte sich dann zusammen mit ihm tiefer in die Höhle hinunter.
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Fortsetzung folgt.....