Kapitel 2: Entdeckungen
#3 of Drachenkrieg
Tiefe, so lautete die Einladung, welcher Surasshu und Kerr in die tieferen Ebenen der Höhle hinter einem Wasserfall nahezu bedingungslos folgten. Mit den brennenden Fackeln in ihren Händen folgten sie dem sinkenden Pfad in der Höhle, fühlten die kalte Luft durch ihre noch zum Teil nasse Kleidung ziehen, wobei Kerr jedes mal von einem leichten Schauer durchzogen wurde, während Surasshu davon schier unbehelligt voranging.
„Was meinst du, wie tief ist diese Höhle?", fragte Kerr nachdenklich, konnte außer seinem Freund und dem vor sich liegendem Weg kaum etwas erkennen, wobei dieser sich genau dieselbe Frage stellte: wie tief ist diese Höhle und vor allem, würden sie hier auch diese Ruine finden? Den vorhin gefundenen Runen würde er das schon gerne glauben, doch beschlich ihn auch die merkwürdige Angst, sich hiermit geirrt zu haben. „Lass das, du machst dich damit noch kaputt!", dachte sich der Drache kopfschüttelnd folgte weiterhin dem Weg, welcher ihm durch die Fackel gezeigt wurde.
Ein feuchter, fast schon modriger Geschmack lag den beiden dann auf der Zunge. Sie waren nun seit einer geraumen Zeit dem sinkenden Pfad gefolgt und mit der Zeit schien Kerrs Skepsis sich zu bestätigen, Surasshu blieb jedoch stur und ging weiter, woraufhin ihm der Wyvern ohne ein Wort der Widerrede zu sprechen folgte. „Hörst du das?", fragte Surasshu plötzlich; ihm war, als würde er plätscherndes Wasser hören. Verwundert sah Kerr ihn durch das flackern seiner Fackel an, wollte es zunächst verneinen als er dann auch das schwache, wenn auch deutlich vorhandene Wasser hörte.
Im Laufschritt folgten sie dann dem Geräusch, merkten wie es immer lauter wurde bis sie schließlich in eine größere Kammer gelangten. Anfangs konnten sie aufgrund eines grellen, grün-violettem Lichtes nichts erkennen, doch als sich ihre Augen daran gewöhnten konnten sie glauben, was sie da gerade entdeckt hatten!
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Im Eingang der Kammer standen links und rechts jeweils eine Statue in Form eines großen Raben, welche in einer begrüßenden Körperhaltung zu ihnen stand und sie mit leeren, steinernen Augen ansahen, nach diesem folgte eine fast vollständig erhaltene unterirdische Ruine, welche aus mehreren Schrift- und Bildtafeln an den Wänden, einem höhergelegenem Podium, auf welchem sich eine weitere Bild- und Schrifttafel befand.
„Das hier ist es: das finstere Eck!", sprach Surasshu mit ehrfürchtiger Stimme, ging langsam an den grüßenden Statuen vorbei und bestaunte die vor ihm liegenden Ruinen; die Zeit hatte hier bereits in Form von Moos und kleinen Wasserpfützen, welche wohl durch Wasser, welches durch Risse in der Decke kam ihre Spuren hinterlassen. Mit gezügelter, dennoch ehrfürchtiger Stimmung folgte Kerr dem Drachen ins Innere der Ruine. Einen Ort wie diesen kannte er nur aus Büchern oder Romanen, Mystik und alte Geheimnisse konnte er förmlich in der Luft schmecken, dass er sich beherrschen musste, nicht in derselben Euphorie wie sein Partner zu versinken.
„Hier sind dieselben Schriftzeichen wie vorhin, als wir hier reingekommen sind.", deutete Surasshu an, musste jedoch sehr schnell feststellen, dass er mit der Sprache und Grammatik in keinster Weise zurechtkam und auch Kerr sich schwer tat, auch nur einen vernünftigen Satz zu lesen, ohne sich zu fragen, was die einzelnen Zeichen im Zusammenhang bedeuten sollten. „Merkwürdig, es scheint als würde hier nicht nur in einer, sondern in gleich drei verschiedenen Sprachen geschrieben worden sein!", vermutete Surasshu schließlich, denn neben den beiden Sprachen, welche er am Eingang lies schien hier noch eine dritte, deutlich sanftere Sprache zu stehen; in der Art und Weise, wie die Zeichen geschrieben waren konnte man die Unterschiede erkennen, gleichzeitig aber auch eine gewisse Gemeinsamkeit feststellen. Es fiel jedoch auf, dass diese dritte Schrift in den anderen beiden förmlich unterging und sich nur in den wenigsten Textpassagen als dominant profilieren konnte, stattdessen hatten Méha und die andere, unbekannte Sprache ihren festen Platz in diesen Texten.
Vielmehr orientierten sich die zwei an den Bildern, welche vor allem eine lange Tafel in der Kammer verzierten. „Sieht wie eine Geschichte aus.", meinte Kerr kurz als er die Abbildung von links nach rechts ansah und auch von Surasshu Zustimmung mit seiner Vermutung bekam. Sowohl Drache als auch Wyvern verbrachten die kommenden Minuten stillschweigend damit, das Bild anzusehen um zu erkennen, worum es hier womöglich ging. Und auch hier konnte Surasshu man gerade einen Satz entziffern:"Am schwarzen Tag erheben wir uns gegen die weiße Nacht."
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„Was soll das denn wieder heißen?","Keine Ahnung, aber es könnte durchaus etwas mit diesem Bild zu tun haben." Nachdem sie mit der Bildtafel fertig waren, ging Surasshu die steinerne Treppe zu dem Podium, auf welchem sich eine weitere Tafel befand, hinauf um herauszufinden, worum es hier ging.
Obwohl es hier scheinbar einige interessante Dinge zu lesen gab, war Kerr schon bald mit seinem persönlichem Interesse am Ende, was er auch mit der Frage, ob dieser Ort wirklich der, nach dem Surasshu suchte, sei Nachdruck verleite. Oben auf dem Podium angekommen, sahen sich der Drache und der Wyvern die große Tafel an, staunten zunächst einmal über die enorme Feinarbeit, mit welcher die Bilder und Texte gemacht wurden bis Surasshu plötzlich etwas auffiel:"Siehst du das? Diese komischen Steine da oben in den Bildern?" Zuerst konnte er sie durch das schwache Licht nicht erkennen, doch konnte auch Kerr die beiden Steine, welche sehr auffällig in den Augen von zwei Figuren hingen erkennen.
„Ist das etwa?!-","Komm, hilf mir, da hochzukommen!" Für einen kleinen Augenblick verwirrt musste Kerr erst einmal kurz wieder hinunter zu Surasshu, welcher gerade versuchte, an der Wand hinaufzuklettern und scheinbar seine Hilfe benötigte. „Ich könnte in paar starke Schultern gebrauchen!" Der Wyvern kniete sich etwas hin sodass Surasshu sich auf seine Schultern stellen konnte, welcher Kerr sofort packte und auch nicht wieder los lies.
Zunächst taumelnd, musste sich der Wyvern stark konzentrieren, ebenso wie Surasshu sich keinen Zentimeter bewegen durfte, bis sein Freund gerade stand und er sich jetzt daran machen konnte, die Steine aus der Nähe zu betrachten. „Also gut, dann wollen wir uns die feinen Steinchen doch mal ansehen.", murmelte er vor sich hin als er vor dem ersten, einem kleinem, herzförmigen Edelstein war; man konnte ihn kaum von seiner steinernen Umrandung unterscheiden, denn er war so schwarz wie die Nacht und war dementsprechend auch gut getarnt. Es war ein Wunder, dass Surasshu ihn erkannte!
„Hast du ihn?!", erkundigte Kerr sich mit angestrengtem Klang in seiner Stimme. Er war zwar stark, aber er konnte Surasshu nicht ewig auf seinen Schultern tragen! „Einen Moment noch!", antwortete Surasshu, nachdem er den Edelstein begann, mit den Fingern aus seiner Umrandung zu reißen.
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Mühselig lockerte sich der Stein dann aus seiner Verankerung. „Hab ihn!", dachte Surasshu mit einem sichtbaren Grinsen im Gesicht, starrte den Stein dann noch für einen Moment an, als ihn Kerr wieder daran erinnerte, dass er auf wackeligen Beinen stand, welche ihn wohl nicht mehr lange halten könnten. „Verstanden!" Surasshu lies sich von dem Wyvern dann in eine geeignete Position zum entfernen des anderen Edelsteins bringen, welcher interessanterweise in einem auffällig hellem Licht strahlte, fast so, als würde er in die morgendliche Sonne blicken. Und auch hier war der Stein fest in seiner Verankerung, doch auch dieser konnte den gierigen Fingern des Drachen nicht ewig widerstehen. „Alles klar, du kannst mich jetzt runterlassen!", rief Surasshu zu dem zähneknirschendem Wyvern herunter, welcher diese Anordnung mit großer Freude ausführte.
Kaum stand Surasshu dann wieder neben ihm, bekam auch er die beiden Edelsteine zu Gesicht; noch nie zuvor hatte er solch prächtige Edelsteine gesehen. „Hier.", sagte Surasshu dann und gab Kerr den leuchtenden Stein. „Der ist für dich." Dankbar nahm er den Edelstein entgegen, wollte wissen, wieso er ausgerechnet den hier bekam, was Surasshu dann damit erklärte, dass er an diesem nicht so sehr interessiert war wie an dem, den er für sich behielt. „Also ist das hier sowas wie´n Trostpreis?","Kommt ganz drauf an, was du unter Trostpreis verstehst." Sie beide lachten, Surasshu wollte sich den Stein dann in die Hosentasche stecken als Kerr ihn fragte, ob er das wirklich für eine gute Idee hielt, schließlich handelte es sich hier wahrscheinlich um zwei sehr wertvolle Edelsteine. „Hättest du es lieber, dass jemand anders sie mitnimmt?", entgegnete der Drache ihm dann scharf, was der Wyvern nicht wirklich mit einem schlüssigem Gegenargument erwidern konnte, damit auch nachgab und auch seinen Stein in die Hosentasche steckte. Sie beide beschlossen, diesem Ort mit einem weiteren Rundgang durch die Kammer ihren Respekt zu zollen, ehe sie sie dann an den beiden Statuen vorbei wieder verließen.
Nun hieß es, die Höhle durch den Weg, durch den sie hereingekommen waren wieder zu verlassen. Mit einem gekonnten Sprung entkamen sie der dunklen, nassen Höhle in einen noch feuchteren, dafür umso helleren Teich. Schnell tauchten der Wyvern und der Drache dann auf, schwammen ans Ufer und lies sich dann völlig unbekümmert vom Sonnenlicht trocknen.
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Auf dem Rückweg zum Schiff wollte Kerr ganz neugierig wissen, ob der Stein, den Surasshu da in seiner Tasche hatte, auch dieses Schattenherz, von dem er so schwärmte, war. „Also von der Form, der Farbe und dem Gefühl her scheint es das Schattenherz zu sein.", meinte der Drache dann und bemerkte dabei den verwirrten Blick des Wyvern. „Gefühl? Was soll das denn jetzt heißen?","Keine Ahnung, das kann ich dir wirklich nicht sagen.","Naja, solange du nicht anfängst, wirres Zeug von dir zu geben oder nachts irgendwelche Rituale durchzuführen brauche ich mir ja keine Sorgen zu machen oder?" Achselzuckend kommentierte Surasshu dann diese Aussage, nahm den Stein dann noch einmal aus seiner Hosentasche und sah ihn sich an; völlig matt schien er das Licht der Nachmittagssonne über nicht zu reflektieren, was man von dem Stein, welchen Kerr hatte nicht sagen konnte, denn der schien förmlich zu strahlen, als dieser ihn herausholte. Erstaunt sah Surasshu Kerrs Stein an, runzelte dann kurz die Stirn und fragte Kerr dann, ob er ihn kurz halten könne.
Ohne irgendwelche Bedenken zu äußern übergab er seinem Freund den Stein, welcher dann zischend fragte, warum er denn so kalt sei. „Fühlt sich an, als würde ich meine Hand in Eiswasser halten!" Verwundert verzog Kerr dann das Gesicht, verstand nicht ganz, was der Drache damit meinte, denn bei ihm wäre der Stein angenehm warm gewesen. „Dann gib mir mal deinen kurz.", bat Kerr daraufhin und auch musste sich zusammenreißen nicht aufzuschreien, denn Surasshus Stein war, obwohl er eine gewisse Hitze gewohnt war, unglaublich heiß und es fühlte sich beinah so an, als würde er sich daran die Hand verbrühen! „Woah, ist das Ding heiß!", zischte er dann auch entsetzt. Schnell tauschten sie wieder die Steine und schienen erleichtert über das sanfte Gefühl, was dieser in ihren Handflächen auslöste, zu sein.
„Okay, das sollte, nehme ich mal an, nicht so sein oder?", erkundigte Kerr sich bei Surasshu, welcher ebenso planlos wie er dreinsah. „Vielleicht sollte ich mir das Zuhause noch einmal genauer ansehen.", meinte Surasshu dann nur und wollte deswegen auch so schnell wie möglich zurück zur Vindicus denn obwohl sie bei ihrer Hinreise ungestört waren, könnte sich das im Laufe des Tages doch geändert haben.
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Zurück im Schiff begab Kerr sich direkt zum Cockpit um das Schiff zu starten, während Surasshu noch etwas im Gemeinschaftsraum blieb. Dort machte er sich einige Notizen über das heutige Abenteuer sowie das eher unangenehme Erlebnis mit den beiden Edelsteinen, wobei seiner direkt neben ihm auf dem Tisch lag. Mit der Frage, wieso die beiden einen solch extremen Temperaturunterschied beim halten der Steine verspürten beschäftigt, konnte er hören, wie das Schiff langsam hochfuhr und sich zum Abflug vorbereitete.
„Und los!", rief Kerr und hob mit dem Schiff dann ab und setzte den Kurs in Richtung Ilé. Wenig später gesellte sich Surasshu dann zu Kerr ins Cockpit, gratulierte ihm zum gelungenen Start und machte es sich auf dem Sitz des Co-Piloten bequem. „So langsam kriege ich den Dreh raus.", lobte er sich glücklich. „Und jetzt sag mal, was hat es eigentlich mit diesem Schattenherz auf sich? Ich meine, du wärst bestimmt nicht hierhergekommen, nur wegen dieses kleinen Steines oder?"
Kerrs Interesse war geweckt, das konnte Surasshu direkt an der Betonung seiner Frage erkennen, weswegen er natürlich auch nicht zögerte und erzählte, was er erfahren konnte:"In der Tat wollte ich nicht nur diesen kleinen Stein bergen, vielmehr wollte ich auch wissen, weswegen er einen solch hohen Status in der Vergangenheit hatte." Surasshu fuhr fort und erzählte, dass das Schattenherz womöglich noch aus der Zeit, als die Meháken noch über größere Teile der Welt verteilt waren stammte und es scheinbar von diesen als ein heiliges Relikt von deren Oberhäuptern besessen wurde.
„Willst du damit sagen, wir sind in ein Grab eingebrochen und haben es geplündert?!", platzte es aus Kerr erschrocken heraus, welcher beinahe wieder umdrehen wollte, um seinen Schatz wieder dort hinzubringen, wo er ihn her hatte. „Das oder wir haben einfach nur einen alten Tempel oder so etwas in der Art gefunden. Ich weiß, dass das nicht gerade gut klingt aber es wäre wahrscheinlich wirklich schlimmer gewesen, wenn jemand anders dort gewesen wäre.", erwiderte Surasshu erneut und beharrte darauf, nach Ilé zurückzufliegen.
Mit einem mulmigen Gefühl blickte Kerr dann in die Augen seines Co-Piloten, kämpfte für einen Moment mit sich selbst und behielt dann den aktuellen Kurs bei, weil es so oder so geschehen war und er auch mit der Rückgabe es nicht ungeschehen machen könnte, also konnte er den Edelstein auch gleich behalten.
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Als sie dabei waren, eine schmale Gebirgskette nahe der Inselbucht zu überqueren, erschütterte eine heftige Explosion die beiden! Von überall im Cockpit kamen Alarmsignale, der kleine Raum war mit roten Leuchten überflutet, als Surasshu versuchte, den Grund für die Explosion zu finden. „Was war das?!" Kerr antwortete garnicht, sondern steuerte das Schiff direkt in Richtung des Gebirges. „Wir werden angegriffen, halt dich fest!"
Fortsetzung folgt.....