Prinz Mawus mit den blauen Bändern - Kapitel 2

Story by Schneewind on SoFurry

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#2 of Prinz Mawus mit den blauen Bändern


Bild ist von TwoKinds natürlich:D

Kapitel 2

Die Schlacht wogte, bis hinter ihnen die Mauer weiß wie ein Gespenst zwischen den Tannen erschien. Mit jeder Stunde war ein Mitglied der Garde gefallen und Fanchors Schnauze war so grimmig verzogen, dass seine Fänge daraus hervor leuchteten. Mawus verfiel in einen Zustand der Lethargie, in dem er nicht mehr wahrnahm, als den Schlägen gegen seinen Schwertarm und das Pochen im Anderen.

Und dann, als sie mit dem Rücken an den eisigen Stein getrieben wurden und Fanchor mit leerem Blick den Rückzug beordern wollte, bliesen die Siegeshörner am anderen Ende der Schlucht. Mawus schüttelte ungläubig den Kopf, viel zu Müde um sich Gedanken zu machen. Weitere Hörner fielen ein und die Korvaren vor ihnen hielten inne. Einer rief etwas Gehässiges in der fremden Sprache und lachte. Dann verschwanden sie zwischen den Bäumen und ließen Mahoffs Soldaten verblüfft am Waldrand stehen.

Der hohe Klang echote von der Mauer wieder, schön, königlich, und so falsch. Ein einzelner Ton von den Seiten des Feindes antwortete und da war ihnen allen klar, dass die Schlacht keineswegs gewonnen war. Tiefer, als alles was Mawus je gehört hatte, auf- und abschwellend und in sich vibrierend, bis er es nicht mehr ertrug und sich die Pfoten auf die Ohren presste. Die Bäume des Grenzwaldes schlugen gegeinander wie im Sturm, rissen der Länge nach auf und in einer rotglühenden Wolke barst ihnen eine Schar von Splittern entgegen.

Es tat einen Schlag, der Boden selbst erhob sich unter Mawus und schleuderte ihn zusammen mit Avery und sämtlichen Mitgliedern der Garde in den Wald. Mawus fragte sich, ob er nicht schon genug herumgeschubst worden war, da prallte er gegen einen Baum, der ihm den Sarkasmus buchstäblich austrieb. Er rappelte sich auf und spuckte aus. Alles was er sehen konnte, war ein großer, rotglühender Schatten vor der Mauer, der röhrte und Flammen spie.

Unmöglich. Es gab keine Titanen mehr. Nicht einmal in den dlanden.

Nicht weit stand Avery, vollkommen still, den Kopf in den Nachen gelegt und starrte über die Wipfel auf das Monster. Sein Schwert hing lose in seiner Pfote und er murmelte ungläubig: "Sie wollten nur die Mauer zerstören." Ein Krachen hallte von der Spitze wieder, Steinquader, groß wie Pferde, brachen herab und regneten in den Wald. Hinter ihnen schrie Fanchor vor Entsetzen auf.

Mawus Pfoten wurden flau, als sich das Ausmaß der Katastrophe vor ihm auftat. In der Mauer, die seit 300 Jahren den Süden von den dlanden trennte, klaffte ein Loch von der Größe eines Kirchturms. Darin wütete der Titan, spuckte Licht und Feuer und zerfloss vor ihren Augen. Titanen waren keine stabilen Schöpfungen, sie verzehrten sich selbst in ihrer Zerstörungswut. Dieser hier stand nun selbst lichterloh in Flammen stieß einen markerschütternden, wummernden Schrei aus.

"Macht, dass ihr da wegkommt!", brüllte Fanchor hinter ihnen und ein pfeifender Regen von Holz, Feuer und Steinblöcken ging nieder. Einen Moment stand Avery noch neben Mawus, schwer atmend und erschöpft, aber unversehrt. Im Nächsten flog er unter der Wucht eines Felsquaders durch die Luft und war in den Eisschwaden verschwunden. "Denk gar nicht dran!", knurrte ihm Fanchor ins Ohr und riss Mawus grob mit sich.

Der Prinz löste sich aus seiner Schreckensstarre, als er einmal mehr mit dem Gesicht voran durch den Schlamm rutschte. Er entschied, dass dies nun eindeutig das letzte Mal war und glitt aus seinem Handschuh. Fanchor fluchte wie er noch nie jemanden hatte fluchen hören, doch Mawus war bereits verschwunden. Weißes Licht schien von oben durch die Zweige und verschmolz mit dem rotglühenden Schein des Feuers, dem er entgegen rannte. Rauch und Nebel zogen durch die Büsche und überall stak weißer Stein aus dem Boden. Mawus hetzte weiter, hinter sich das Scheppern von Fanchors eisernen Solen und über sich das Heulen der fallenden Felsbrocken.

Er fand Avery ausgestreckt auf dem Rücken inmitten seines Mantels, die glänzende Rüstung zerschlagen und feucht von Blut. Er war nicht bei Bewusstsein, doch sein Helm war beschlagen von seinem Atem. Mawus war sich sicher, dass er selbst kein so schönes Bild im Schlamm abgegen hatte. Er griff nach Averys schlaffer Pfote und zog ihn aufwärts.

Der Titan fiel. Aus dem Wrack der Mauer, seitwärts in den Wald. Mawus war kaum zwei Schritte weit gekommen, da schlug ein Arm neben ihm auf und entwurzelte die umliegenden Bäume. Er kümmerte sich nicht darum, sondern zog verbissen weiter, bis ihn Fanchor eingeholt hatte. Den vernichtenden Blick verdiente er, das wusste Mawus, doch die Zeit war zu knapp für mehr.

Fanchor packte den Prinzen am Kragen, schleuderte ihn vorwärts und lief hinterher. In seinen schwarzen Armen sah Avery aus wie eine Puppe. Er würde ziemlich wütend sein, wenn er aufwachte, da war sich Mawus sicher und er konnte sich eines Anfluges von glücklichem Übermut nicht erwehren. Den Stamm, der auf ihn niederging, seine Schulter zerschlug und ihn in den Graben warf, sah er nicht.

So wurden die dlande wieder mit dem Süden vereint. Doch es kam kein finsterer König durch das Loch in der Mauer geritten. Nur die schwarze Leere des Grenzwaldes klaffte dahinter und in ihr all die finsteren Kreaturen, die aus 300 Jahren finsterer Isolation geboren waren.

Szene 5 - Im Palast -

Als Mawus erwachte, lag er ausgestreckt unter einem Baldachin, mit nichts bekleidet, als zwei frischen blauen Bändern und einem Verband von der Schulter bis zum Unterarm. Neben der Tür saß Melchior, Zweiter der königlichen Ärzte, den Kopf mit geschlossenen Augen ruhig zurückgelehnt. Sie waren nicht allein, denn von der Bettkante funkelte ihn Avery böse an.

"Wach, huh." Mawus spürte, wie sich sein graues Fell in Scham aufstellte, doch Avery schenkte ihm nur einen flüchtigen, wütenden Blick. "Endlich." Er wandte sich ab und knöpfte seinen Mantel zu, scheinbar im Begriff, aufzustehen. "Ich hätte nicht gedacht, dass du mich für einen solchen Schwächling hältst." Mawus stützte sich auf seinen Ellbogen. "Deine Garde hatte schon Pläne für den Fall gefasst. Ich habe gehört, wie sie darüber gesprochen haben. Sie konnten nicht verstehen, wie dich dein Vater als Repräsentant in den Kampf schicken wollte." Averys Miene blieb unbewegt und Mawus Stimme wurde leise. "Aber... Es ist nicht so, dass ich nur ein Mitläufer war. Ich wollte es ebenfalls nicht zulassen. Nur aus-" Er verstummte, in Gedanken bei dem unendlichen Gefühl der Erleichterung, das er verspürt hatte. "Deinen Bruder hat er nicht geschickt."

Avery hielt inne, die Pfoten zu Fäusten geballt. "Ich weiß. Warum kümmert es dich überhaupt so sehr?", platzte es aus ihm heraus. Mawus schwieg. Avery errötete.

Vor dem Fenster schlug die Abendglocke. "Na, dann geh." Der Helle schüttelte trotzig den Kopf. "Ich werde hierbleiben. Soll er doch gehen." Er zeigte mit dem Daumen auf Melchior, der aufgestanden war und sich wenig überzeugend die Augen rieb. Mit einem weiteren, bitterbösen Blick auf Mawus stapfte Avery zur anderen Seite des Bettes. Er machte sich nicht die Mühe, den Mantel abzulegen, sondern ließ sich einfach auf die Decke fallen und starrte an die Decke. "Was sollen eigentlich die Bänder. Es sieht doch jeder, dass du ein Königssohn bist, du musst nicht ´rumlaufen wie ein Segelschiff." Mawus spürte einen Klos im Hals und antwortete nicht.

  • - :3

Mawus dämmerte in blauem, weichen Dunkel. Einzig der Mond schien durchs Fenster und von fern drifteten die Geräusche der Stadt herbei. "Fanchor hat mir erzählt, was passiert ist." Averys Stimme war nicht mehr böse, nur sanft und bedrückt. "Wirst du in Ordnung kommen?" Ihm wurde heiß vor Scham. "Mhm."

Eine weiche Pfote fasste ihn am Arm und ein Hauch von kühlem Duft strich über ihn hinweg, als der Helle beiläufig näher rutschte. Mawus überkam das vertraute Gefühl des Fallens, so wunderbar war es, den leichten, schlanken Körper an sich zu spüren. "Meinst du, ich bekomm´ auch ein Paar von denen?", seufzte Avery und zog behutsam an seinem grauen Ohr.