Die Sakura Chroniken Teil 8
Warum haben die Wissenschaftler Kapitän Ordin und Gouverneur Balutin zu später Stunde zu einer Video-Konferenz geladen.
Es muss was wichtiges sein.
Die Sakura Chroniken Teil 8
Autor: Gendori Kabashi
12.03.2017 ? 02.09.2017
Die Enthüllung
Man wächst mit seinen Aufgaben, oder scheitert daran spektakulär. Nach Ordins Meinung wollte Balutin wachsen und das respektierte sie.
„Guten Abend Kapitän Ordin.“
„Guten Abend Herr Gouverneur.“
„Nun gibt es also Nachrichten von da unten!“ er nickte zum Fenster. Am Horizont des Mondes war Sakura zu sehen. Ein wunderbares blau, grün und weiß gesprenkeltes Juwel in der Dunkelheit des Weltraumes. Fast so wie die Erde.
„Nehmen Sie doch bitte Platz.“
Balutin, der Aufgrund der späten Stunde nur lässig bekleidet war und seinen Morgenmantel trug, ließ sich in eine der Stühle fallen, die vor Ordins Schreibtisch verankert waren. Erleichtert hatte er festgestellt, dass auch Ordin für dieses Treffen auf formelle Kleidung verzichtet hatte. Allerdings machte es das Treffen fast zu einem konspirativen Treffen von Verschwörern.
„Kapitän Ordin, Herr Gouverneur, da Sie nun beide da sind, soll ich die Verbindung zum Labor herstellen?“
„Sei so gut Laila. Und bitte zeichne alles auf, ich will alles sicher in deinen Speichgerbänken abgelegt wissen. Verstanden?“
„Natürlich Kapitän Ordin, wenn der Gouverneur auch einverstanden ist?“
„Das bin ich!“ stimmte Balutin zu.
Laila nahm die Zustimmung zur Kenntnis und auf einem kleinen Kontrollmonitor erschien ein Symbol für die Aufzeichnung. Einzig der Kapitän und der Gouverneur würden wissen das diese Aufnahme gemacht wurde.
„Die Verbindung wird hergestellt und alle Streams werden wie gewünscht aufgezeichnet.“
Die Ki aktivierte einen Monitor und wenige Augenblicke später erschien Doktor Biggles nervös lächelndes Gesicht.
„Dr. Biggles? Uns war eine Nachricht von Dr. Schmidt angekündigt worden. Wo ist er?“ fragte Balutin.
„Sie sind direkt wie immer, Herr Gouverneur. Ich wünsche Ihnen einen guten Abend und Ihnen natürlich auch Frau Kapitän.“
„Guten Abend? Wie ich sehe arbeiten Sie im Sonnenlicht Dr Biggels. Also dann wünsche ich Ihnen einen guten Tag!“
Biggles lachte.
„Sie haben recht! Hier ist gerade helllichter Tag. Doch zuerst muss ich, nein, müssen wir uns entschuldigen, Sie beide zu so später Stunde zusammengerufen zu haben.“
„Eine Erklärung wäre schon praktisch.“ stimmte Balutin zu.
„Besonders möchte ich als Erstes wissen, warum nur der Gouverneur und ich eingeladen wurden? Sollten nicht alle Verantwortlichen informiert werden? Immerhin geht es um unser aller Zukunft. Wir haben doch eine Zukunft, oder?“
„Drei sehr gute Fragen.“ Biggles lehnte sich zurück und lächelte zuversichtlich in die Kamera. „Die dritte Frage werde ich als Erstes beantworten. Ja, Kapitän Ordin. Ein ganz bestimmtes ja. Wir haben eine Zukunft.“
Sie hob Ihre Hand und schnitt so jeden möglichen Kommentar ab.
„Wir wollten erst Sie beide informieren, bevor wir die Neuigkeiten an die große Glocke hängen, denn es gibt da noch etwas, das Sie beide als Anführer unserer Gemeinschaft vorher erfahren müssen! Ich werde Dr. Schmidt nun hinzu schalten.“
„Das wird auch langsam Zeit.“ grummelte Balutin, „Immerhin ist er der Chef dort unten.“
Ein zweiter Monitor erwachte zum Leben und das Gesicht von Dr. Schmidt erschien. Ordin und Balutin schnappten nach Luft. Dr. Schmidts Gesicht war sonnengebräunt und sein Haar schien ausgebleicht zu sein.
„Schönen guten Abend Herr Gouverneur, guten Abend Kapitän Ordin.“
„Gu … guten Abend.“ antwortete Alexandra stotternd. Wann hatte Sie Dr. Schmidt zuletzt gesehen? Wie lange war das her?
„Dr. Schmidt?“ Balutin blickte, mit hochgezogenen Augenbrauen, erstaunt auf den Monitor.
„In Person. Und sogar frisch geduscht. Sie können sich ja gar nicht vorstellen, wie es ist, sich nicht duschen zu dürfen. Zwei Wochen lang nur Katzenwäsche! Da fängt man an zu müffeln.“
„Heino, das hat sicher Zeit für später!“ ermahnte ihn Biggles.
„Ja, verzeihen Sie. Es ist halt nur so lange her, dass ich mich wirklich sauber fühlen konnte. Doch zurück zum Geschäft, wie Stephanie Ihnen sicher schon gesagt hat haben wir eine Zukunft.“
„Dann haben Sie einen Impfstoff gefunden?“
„Einen Impfstoff?“
Schmidt verzog sein Gesicht zu einer Grimasse. Typisch Bürokraten. Die glauben immer nur, dass eine einzige Medizin ausreichen würde. Doch hier ging es um eine Beichte, nicht um einen Impfstoff.
„Nein, das haben wir nicht. Es gibt keinen Impfstoff und wird es auch nicht geben. Harpers Seuche ist auf Sakura nicht mit irgendeiner Art Impfstoff beizukommen, nicht mit einem so kleinen Team und in so kurzer Zeit. Wenn ich 200 Fachleute und ein voll ausgerüstetes Labor hätte. Ja dann, dann könnten wir in 4 Jahren vielleicht die Lösung haben. Wir haben da etwas anderes gefunden.“
Schmidt und Biggles Gesichtsausdruck wurde ernst und Ordin meinte in den Gesichtern der beiden Wissenschaftler so etwas wie ein Unwohlsein zu sehen. Was hatten die beiden auf Sakura ausgeheckt. Was? Was verdammt? Es machte sie wütend, im unklaren zu sein. Auf Ihrem Schiff waren noch über 2500 Schläfer, für die Sie die Verantwortung trug. Ordin schlug mit der Faust auf den Tisch.
Happy schrak aus seinem Dösen auf, der Krach war ungewohnt und er wurde wachsam. Seine Herrin schien sauer zu sein und sie hatte … Angst. Er konnte es riechen, bei beiden.
„Etwas anderes?“ zischte sie, „Was sollte es anderes geben, als die klassische Lösung der Gentherapie?“
„Ich, wir …“ Dr. Schmidt suchte scheinbar nach den richtigen Worten.
„Wir sind in einem Dilemma!“ sprang Biggles für ihn ein.
„In einem Dilemma? Was meinem Sie denn damit? Wir stehen vor einer Katastrophe. Und Sie sind wegen einer Dusche froh! Ich verstehe Sie nicht.“
„Eine Katastrophe. Sie haben recht Kapitän Ordin, wir stehen vor einer Katastrophe! Wir müssen ein uraltes Gesetz brechen. Und wenn jemals die Kolonialen uns finden werden wir alle zur Verantwortung gezogen, vielleicht werden wir alle ausgelöscht. Aber wir sehen keinen anderen Ausweg. Sehen Sie, das Verfahren, das wir verwenden wollen ist unkonventionell, aber wirksam. Aber zugleich verstößt es gegen so viele Gesetze der Erde und der kolonialen Behörde, dass die Zukunft unsere Nachkommen gefährdet sein könnte.“
„Mann, spannen Sie uns nicht auf die Folter! Die koloniale Behörde bin ich und die Erde ist weit, weit weg!“ schnaubte Balutin.
„Wir werden jeden mit Naniten impfen!“ stieß Schmidt aus.
Ordin starrte geschockt die Monitore an und Balutin erbleichte. Naniten!
Es war eine schockierende Enthüllung, denn die Entwicklung und Nutzung von autonomer Nano-Struktureller-Quanten-Mechanik oder Naniten, wie diese Maschinen auch stark vereinfacht genannt wurden, war seit über siebenhundert Jahren auf der Erde strengstens verboten. Die schrecklichen eugenischen Kriege in der Mitte des 21. Jahrhunderts, die in den Einsatz dieser Technik gegipfelt waren, hatten die Menschheit geläutert. Zu einem hohen Preis.7 Milliarden Tote, 15000 ausgestorbene Tier und Pflanzenarten. Nichts was vorher Bestand hatte, war danach unverändert gewesen. Es hatte mehr als einhundert Jahre gedauert, bis sich ein neues natürliches Gleichgewicht entwickelt hatte. Und nun sollte eine der fürchterlichsten Massenvernichtungswaffen der Menschheitsgeschichte die Siedler von Sakura retten?
Ordin gewann als erste von den beiden ihre Fassung zurück.
„Das kann nicht ihr Ernst sein?“
„Es ist unser voller Ernst! Und glauben Sie mir. Das war keine einfache Entscheidung gewesen.“
„Woher haben Sie die Informationen. Soweit es mir bekannt ist sollten alle Daten über Naniten vernichtet worden sein! Und zwar schon vor Jahrhunderten.“
„Sie erinnern sich doch sicher noch an das biologische Labor, das von der Aquarius zurückgelassen und von der Sakura Maru übernommen worden war.“
„Das Labor? Das sollte doch für eine Einrichtung des Militärs auf Karda Prime bestimmt sein?“
„So ist es! Es war bereits mit der notwendigen Technik ausgestattet und es waren auch alle nur erdenklichen Daten im Hauptrechner gespeichert. Es war alles, wirklich alles da. Entwicklungstagebücher, Handbücher, Testreihen, Berichte vom Einsatz, sogar einsatzfähige Prototypen waren vorhanden. Und zwar nicht nur eines Stammes, sondern von vier verschiedenen. Die haben wirklich an alles gedacht!“
Ordin kochte innerlich. Am liebsten wäre sie in ein Shuttle gesprungen und zum Labor geflogen um dann Schmidt eigenhändig zu erwürgen, nur um diesem die gute Laune auszutreiben. Wahnsinn, sind denn alle auf dem Planeten wahnsinnig geworden?
„Diese verdammten Arschlöcher!“ fluchte Ordin.
„Ich frage mich, warum diese Technik überhaupt noch existiert. Allein deswegen sollte man dem Militär nicht trauen, Geheimnistuerei und gefährliche Technologien. Das passt zu diesen Wichtigtuern!“
Sie wandte sich an Balutin. „Haben Sie irgendetwas davon gewusst?“
Balutins Gesicht sprach Bände, der Gouverneur war von dieser Enthüllung genauso überrascht und geschockt wie Ordin selber und schien noch immer nach einem passenden russischen Fluch zu suchen.
„Na, so wie Sie aussehen wohl eher nicht. Wir sind wohl alles nur Opfer.“ murmelte sie.
„Sind Sie fertig? Wir möchten nun fortfahren.“ erklang die heitere Stimme von Biggles.
Ordin versuchte sich zu beherrschen, die Wissenschaftlerin hatte es Platz zwei ihrer Liste geschafft.
„Ja das möchten Sie sicher, darauf verwette ich meinen Sold der letzten fünfzehn Jahre! Ihr Wissenschaftler habt ein neues Spielzeug gefunden und wollt es nun euren Eltern vorführen. Na dann zeigt mal Mama und Papa was Ihr da Feines ausgebrütet habt.“