Sakura Chroniken Sidekicks
Die Sidekick Geschichten. Kurzgeschichten über die Protagonisten.
Die erste Geschichte handelt von Janice Egland.
Janice Egland Unteroffizier Sicherheitspersonal
Erde, 18. April 2814 koloniale Militärakademie Brüssel
„Jona? … Jona? Bist du da?“ Janice kam aufgeregt in das Zimmer gerannt, dass von ihrem Verlobten Jona Spills bewohnt wurde.
Jona war bereits im Offizierslehrgang und vor kurzem zum Leutnant befördert worden, während Janice sich im Unteroffiziers Lehrgang befand. Es war nicht ungewöhnlich, das es im kolonialen Dienst zur Fraternisierung zwischen unterschiedlichen Dienstgraden kam. Die Kolonialbehörde förderte es sogar. Der Dienst im Weltraum war schwer und die Einsatzzeiten waren so lang, dass normale Beziehungen zu scheitern verurteilt waren. Es ist diente der Förderung der allgemeinen Moral und stärkte die Effizienz der Truppen um ein vielfaches. Viele Paare dienten auf denselben Schiffen, wenn auch in unterschiedlichen Einheiten. Alle wussten von den Risiken, doch die wurden in Kauf genommen.
„Jona?“
„Janice, was ist Schatz?“ Jona blickte von seinem Bildschirm auf, an dem er seine Aufgaben abarbeitet. Der Mann war durchtrainiert und trug seine Uniform so leger wie einen Freizeitanzug.
„Ein Brief vom Oberkommando ist für dich gekommen!“
„Vom Oberkommando? Wie kommst du daran?“ Er widmete seine Aufmerksamkeit dem Umschlag zu, den ihm seine Verlobte entgegenstreckte.
Auf Papier geschriebene Briefe waren in diesen Zeiten nur noch selten und wurden nur wichtige Nachrichten benutzt, die nicht über das World-Net übermittelt werden durften. Das Siegel der Behörde prangte zudem auf dem Umschlag und nur der Empfänger konnte das Dokument aus der Hülle entnehmen ohne es zu zerstören.
„Major Müller ist mir begegnet und hat ihn mir gegeben. Du weist ja der alte Kauz hat so eine Art.“ Janice lacht und Jona stimmte mit ein. Doch sie machte keine Anstalten ihm die Nachricht zu geben.
„Na worauf wartest du noch?“
„Was?“
„Gib mir den Brief!“ Jona schnappte nach dem Umschlag, doch Janice's Reflexe waren schneller und der Brief aus seiner Reichweite.
„Nur wenn du mich für heute Abend einlädst!“
„Einladen? Wir waren doch gerade letzte Woche im Stardust!“
„Das war letzte Woche!“
„Ich könnte es dir befehlen!“
„Oh, der Herr Leutnant will seinen Rang ausspielen. Das funktioniert nicht, wir sind nicht im Dienst!“
„Janice du bist eine Erpresserin!“
„Dann lädst du mich also ein?“
„Bleibt mir wohl nichts anderes übrig.“ schmollte Jona, „Da geht der letzte Rest meines Soldes dahin.“ dachte er, während Janice ihn jubelnd umarmte. „Jihaaaaaa!“
Jason Usagani, einer seiner Kameraden, linste in Jona's Raum.
„Jojo? Was ist los?“
Doch Jona konnte ihm nur hilflos zuzwinkern. Frauen, Gott wer konnte schon Frauen verstehen. Jason schüttelte lachend seinen Kopf und trollte sich.
„Gibst du mir jetzt endlich den Brief.“
„Wie, oh, ja natürlich.“
Sie gab ihm endlich den Umschlag. Jona entsiegelte das Dokument und entnahm das gefaltete Blatt und einen Daten-Kristall, den er in seinen Rechner steckte. Die neuen Daten wurden auf seinem Bildschirm dargestellt, doch Jona nahm sich als erste den Brief vor. Das vergoldete Wappen des Oberkommandos prangte unübersehbar auf dem Briefkopf. Es war hochoffiziell und keiner der Scherze vom Major. Jona las das Schreiben und seine Laune verschlechterte sich zusehends.
„Jona, was ist los?“ fragte Janice besorgt. Eben war Jona gut gelaunt gewesen und nun war er so ernst.
„Hier lies selber. Ich kann Müller nun verstehen, warum er dich beauftragt hat den Brief zu übergeben.“
Er gab Ihr das Dokument und setzte sich an seinen Arbeitsplatz, um die Daten zu studieren, die im Kristall gespeichert waren.
„Keine Sorge es ist nicht geheim, nur sehr offiziell.“
Janice überflog das Blatt. Ihre Augen wurden größer. Sie verstand nun seinen Stimmungsumschwung. Der Brief entglitt ihren Händen und sank zu Boden.
„Versetzt! Du wirst schon Montag versetzt!“
„Auf den Mars, zur Aquarius!“
„Was? Die Aquarius? Aber, … die Aquarius fliegt ein halbes Jahr vor der Sakura Maru ab!“
„So ist es.“
„Das können die doch nicht machen.“
„Sie können und haben es gemacht.“
„Jona.“ Janice umarmte ihren Geliebten. „Nein!“
„Janice, ein halbes Jahr ist doch nicht so schlimm.“
„Wir sind verlobt! Wie konnte das Oberkommando nur.“
„Ich hatte so etwas schon geahnt.“
„Geahnt? Warum hast du das schon geahnt?“
„Es waren die Nachrichten, dass einige der Offiziere, die für die Aquarius-Mission ausersehen waren, Unfälle hatten. Das Oberkommando musste also für Ersatz sorgen. Man kann besser jemanden als Ersatz nehmen, der für die nachfolgende Mission gedacht war und dort wieder jemanden anderes nehmen.“
„Unfair, unfair, unfair!“
„Janice, ein halbes Jahr! Mehr nicht!“
„Wir werden Jahrzehnte voneinander getrennt sein!“
„In der Zeit schlafen wir, das zählt nicht.“
„Aber auf verschiedenen Schiffen und ob ich dann deiner Einheit zugewiesen werde …“
„Wenn du angekommen bist, werde ich dich anfordern! Versprochen und dann heiraten wir!“
„Heiraten wir doch schon jetzt!“
„Janice, die Zeit reicht dafür nicht aus. Das Aufgebot benötigt 3 Wochen und ich muss Montag schon zur Aquarius los. Da bleibt keine Zeit mehr. Das Schiff legt von Mars Central am nächsten Freitag ab, um Erprobungsflüge zu machen. Das Sicherheitspersonal der Kolonialbehörde ist dafür zwar nicht notwendig, aber die Offiziere müssen trotzdem an Bord sein. Wenn wir wiederkommen, wird das Schiff ausgerüstet, das dauert 3 Wochen. Dann geht es zur PB1, um Fracht und die Kolonisten aufzunehmen. Und dann heißt es, gute Nacht.“
„Wir werden uns also nur noch sehen, wenn Ihr zur Beladung zur Erde zurückkommt.“
„So sieht es wohl aus.“
Janice stürzte zu Jona und umarmte ihn.
„Halt mich, bitte!“
Seine Umarmung wurde fester und er drückte sie an sich. Nichts würde sie trennen! Nichts und niemand. Er hörte sie schluchzen. Das Leben war wirklich nicht fair.
Janice erwachte schweißgebadet in ihrem Zimmer. Sie hatte einen Traum gehabt. Er verschwamm bereits, doch sie wusste, dass er von Jona gehandelt hatte. Sie war vor einer Woche aus der Hibernitation erwacht und hatte erfahren müssen, dass die Sakura quasi gestrandet war. Jona! Liebster! Wir werden uns nie wiedersehen. Sie warf sich auf ihr Bett und weinte ins Kissen. Unfair, so schrecklich unfair.