00 - Prolog
Der Mensch Charlie und sein Hund Komet haben ein fast schon kitschig schönes Leben. Doch dann passiert etwas, das Charlies Leben für immer verändern wird.
"Fang das Stöckchen, Komet!", rief Charlie und warf ein langes Stück Holz in einem hohen Bogen über die Wiese. Komet hechtete hinterher. Der Golden Retriever war ein Könner darin, jeden Stock, der nur lange genug in der Luft war, zu fangen, bevor er überhaupt den Boden berührte, und auch dieses Mal sollte ihm dieses Kunststück gelingen. Als der Stock langsam zu fallen begann, hechtete Komet noch ein paar Sprünge nach vorne, bevor er die Hinterbeine unter seinen Körper zog, den ganzen Körper anspannte und sich mit voller Kraft vom Boden abstieß. Komet hatte seine Vorderpfoten weit vorgestreckt, als er in etwa 2 Metern Höhe nach dem rotierenden Stück Holz schnappte. Hätte er den Stock beim ersten Versuch nicht erwischt, so wäre der Stock gegen seine Beine geflogen und er hätte möglicherweise noch eine zweite Chance gehabt, den Stock noch in der Luft zu erwischen.
Am Abgang musste Komet allerdings noch arbeiten. Wie fast jedes Mal konnte er sich mit den Vorderbeinen nicht stark genug abbremsen, sodass er sich zunächst seitlich abrollte. Nach einer vollständigen Rolle, richtete Komet sich wieder auf und spurtete pfeilschnell zu seinem Herrchen zurück. Er legte ihm seine 'Beute' vor die Füße, setzte sich auf seinen Hintern, hechelte, wedelte mit dem Schwanz und schaute seinem Menschen voller Erwartung in die Augen. Beim nächsten Wurf würde er eine noch bessere Landung schaffen, davon war er fest überzeugt.
Charlie schaute voller Stolz auf seinen Hund. Es war schon kaum zu glauben, dass ein Hund mit Komets Vergangenheit überhaupt wieder Vertrauen zu einem Menschen hatte aufbauen können. Noch schwerer war es aber zu glauben, dass ein solcher Hund im stolzen Alter von 12 Jahren noch immer so agil war wie Komet. Charlie griff mit einer Hand in seine Hosentasche und holte ein Leckerli für seinen Hund heraus, bevor er sich vor ihm hinkniete. "Du bist der tollste Wuffel, der mir je begegnet ist, weißt du das, Komet?" Charlie streichelte den Kopf des Retrievers und öffnete seine andere Hand, sodass der Hund an seine wohlverdiente Belohnung kam.
Noch bevor Komet das Leckerli heruntergeschluckt hatte, hatte Charlie den Stock wieder in der Hand und machte sich für einen zweiten Wurf bereit. Komet bewegte sich so, dass er in jedem Moment in jede Richtung lossprinten konnte, obwohl er genau wusste, dass sein Herrchen den Stock wieder in die gleiche Richtung werfen würde. "Und fang das Stöckchen!", rief Charlie erneut, als er den angesabberten und schon fast durchgebissenen Stock erneut auf die Reise schickte. 'Ein guter Wurf' dachte Charlie zufrieden und verfolgte nun nurnoch, wie sein Hund gleich durch die Luft segeln würde. Erstaunlicherweise nutzte Komet seine Vorderbeine nun mehr, um sich in der Luft stabil zu halten, statt nach dem Stock zu rudern.
Charlie hörte einen Knall, gerade als Komet den Stock erwischt hatte und musste zusehen, wie Komet leblos zurück auf die Erde fiel. "KOMET!!!", schrie Charlie und stürmte zu seinem Hund, "NEEIINN!!". Als er bei ihm ankam, sah er seinen besten Freund flach atmen, das Stück Holz immernoch sicher zwischen seinen Zähnen eingeklemmt. "Komet, du darfst jetzt nicht sterben! Bleib bei mir, mein Guter!", heulte Charlie los, als er die klaffende Wunde im Brustkorb des Hundes fand. Mit letzter Kraft richtete Komet sich auf, legte seinem Menschen den Stock vor die Füße und leckte ihm ein letztes mal übers Gesicht, bevor er bewusstlos zusammenbrach.
Charlie hob seinen verletzten Freund vorsichtig hoch, um ihm nicht mehr Schmerzen zuzufügen als unbedingt nötig. Er drehte sich herum und rannte so schnell wie möglich nach Volorin zurück. Vielleicht, so hoffte er, würde der Tierarzt Komet noch retten können. Komet wog bestimmt 40 Kilo, wodurch Charlies Arme und Beine schnell müde wurden und er eine kurze Verschnaufpause einlegen musste, noch bevor er in seinem Heimatort angekommen war. Er warf verzweifelt einen Blick in die Ferne. Seine Augen leuchteten auf, als er eine Polizeistreife erkannte, die gerade um die letzte Kurve vor Volorin bog und ihm nun direkt entgegen kam. "HILFE!" schrie er mit dem letzten funken Kraft, der ihm noch verblieben war, um die beiden Wachtmeister in ihrem Streifenwagen zum Anhalten zu bewegen.
Und tatsächlich: Die Polizisten hielten am Straßenrand an und der stiegen aus. "Guten Tag. Können wir Ihnen helfen?", fragte der Beifahrer.
"Ja,", keuchte Charlie, "mein Hund wurde im Wald von jemandem angeschossen. Er muss schnell zu einem Tierarzt. Könnten Sie mich dort hinbringen? Ich schaffe es sonst vielleicht nicht rechtzeitig."
"Hmmm, Angeschossen, sagen Sie? Wie, sagten Sie, war noch gleich ihr Name?", der Polizist schien die Ruhe selbst zu sein, was Charlie rasend machte.
"Charlie Taronson", entgegnete er. Charlie hatte dem Polizisten seinen Namen zuvor nicht gesagt, doch wenn es ihm half, Komet zu retten, sollte es ihm Recht sein, dass der Polizist erfuhr, wie er hieß.
Der Polizist tauschte einen Blick mit seinem Kollegen aus, dann nickten sie sich beide zu, bevor er sich wieder Charlie zuwandte. "In Ordnung. Warten Sie, ich nehme ihnen eben ihren Hund ab. Wir packen ihn besser hinten auf die Ladefläche." Er nahm den Hund in seine Arme, während sich der andere Polizist den beiden näherte.
Mit einem Griff hatte er Charlies Handgelenke gepackt und hinter seinem Rücken in Handschellen gelegt. "Charlie, Tarons Sohn, Sie sind wegen unzüchtigem Verhalten vorläufig festgenommen."