Kapitel 40

Story by SethGodofChaos on SoFurry

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Kapitel 40

Geplänkel und Misstrauen

Die Wölfin tippte auf das Intercom. „Drekal an Sicherheit.“

„Sicherheit, hier Alka“, ertönte eine weibliche Stimme aus dem Lautsprecher.

„Oh, hallo. Schön deine Stimme zu hören. Ist die Erkältung besser geworden?“, begann Drekal das eigentlich dienstliche Gespräch mit einer kurzen Erkundigung nach dem Befinden.

„Wie man es nimmt. Die Nase ist wieder trocken und kühl, körperlich bin ich noch nicht ganz auf dem Posten, aber das kommt wieder.“

„Na ja. Hoffentlich ist es dir eine Lehre und beim nächsten Training drehst du die Temperatur im Freizeitraum nicht wieder auf minus zwanzig Grad“, gab Drekal zu bedenken.

„Ja, Captain“, entgegnete die Wisentkuh etwas genervt.

„Gut. Aber das war jetzt nicht das Ansinnen meines Rufs.“

„Nicht?“, spielte Alka die Entrüstete.

„Nein. Es geht eher darum, dass wir die Anthros Voyage aktivieren und dann Isis mit einigen Ausgewählten zur Erdoberfläche will.“

„Oh, wen hat sie denn da ins Auge gefasst?“

„Da wären Cyron, Chiron, Tarja und Syrgon und von den Menschen braucht sie Shana Grant, Walter Skort und diesen Cromwell. Den bitte aus seinem Überwachungsquartier holen und hoffen, dass er vielleicht irgendwo einen Unfall hat und wir ihn endlich wieder los sind.“

„Oh, das ist ja eine sehr illustere Gesellschaft. Ich informiere meine Sicherheitsleute. Wo sollen die sich treffen?“

„Im Konferenzraum. Isis und ich werden dort warten.“

„Verstanden. Sonst noch etwas?“

„Nein. Erstmal nicht. Drekal, Ende.“

Die meist freundliche und kaum aus der Ruhe zubringende Wisentkuh war die Chefin des Sicherheitsdienstes, tippte jetzt auf die entsprechenden Tasten und schickte damit sechs Leute ihres Trupps zu den entsprechenden Quartieren, um diese anschließend im Pulk zum Konferenzraum begleiten zu lassen.

Die Chafren, ebenso Shana und der Professor nahmen das Auftauchen eines Sicherheitsmitarbeiters und die entsprechende Weisung gelassen auf, aber waren nicht sonderlich begeistert. Vor allem Stella fand es nicht berückend, dass ihr Ehekater ohne sie auf einen Ausflug ging.

Lediglich Cromwell bekam ein dämonisches Leuchten in den Augen, als er erfuhr, dass er zur Erdoberfläche soll und versuchte den ganzen Weg, von seinem Quartier zum Konferenzraum, mit Theras zu scherzen.

Der Stier hatte aber nicht gerade den Humor gepachtet und war nach den zurückliegenden Ereignissen mit Shiva und Samantha nicht gerade erbaut, hatte üble Erinnerungen an Unterleibsschmerzen und Eisbeutel.

Auf der Erde war man nicht mehr so ruhig, zumindest nicht innerhalb des Militärs und der Geheimdienste und auf DefCon3 war man eh schon. Zwei gigantische Raumschiffe, die eher halben Planeten glichen, waren das Eine, aber die Ankunft eines Kreuzers, welcher nur allzu bekannt war und vor wenigen Jahren schon einmal für viel Wirbel sorgte, etwas ganz Anderes.

Es hatte ein, salopp gesagt, Geschmäckle der unangenehmeren Sorte an sich. Zumal damals eine nicht gerade zu unterschätzende Anzahl an Soldaten das Zeitliche segnete, mehrere Personen spurlos verschwanden, Funde an die Öffentlichkeit gerieten, was nicht hätte sein dürfen, und dann auch noch achtzig Kampfanthros auf dem Mars eine Rebellion anzettelten, sich eben jenen auf diesem Kreuzer anschlossen und nichts als Chaos hinterließen. Es warf sich in gewissen Kreisen die Frage auf, was es denn diesmal sein würde und das verursachte Magenschmerzen.

So informierte man die Präsidenten über die Ankunft des Schiffes, nannte das Kind beim Namen und erhielt weltweit grünes Licht.

So starteten raumtaugliche Kampfgleiterstaffeln von den Vandenberg-, Sheppard-, Tyndall-, Langley-, Ellsworth-, Elemendorf Air Force Bases in den USA, des Weiteren von Ramstein, Geilenkirchen, Landsberg, Wiesbaden und Stuttgart in Deutschland sowie Yokota, Kunsan, Misawa in Fernost.

Dazu gesellten sich Staffeln von Ayn al-Arab, Tal Tamir in Syrien, Ostrow, Pitomnik, Smolensk, Balaschow in Russland und Riad, Turaif, in Saudi-Arabien so-wie Istanbul in der Türkei, um nur einige zu nennen.

Am Ende vereinten sich diese zu einem riesigen Pulk und strebten mit acht-tausend Gleitern in Richtung der beiden Kampfinseln Byblon und Atikon und nahmen auch Kurs auf die Ra-em.

An Bord der Inseln und des Cherit-Kreuzers gingen gleichzeitig die Alarmsirenen, die normale Beleuchtung wechselte auf feuerrot.

„Was ist los?“, schrie Drekal ins Intercom. Der Angriff überraschte sie mitten in der Unterredung mit den Chafren und Menschen, welche mit der Anthros Voyage auf der Erde landen sollten.

„Wir werden angegriffen, Captain“, antwortete Sitral.

„Von wem und wie viele?“

„Es sind Gleiter von der Erde. Sie nehmen direkten Kurs auf die Kampfinseln und uns. Es sind achttausend und die Waffensysteme sind aktiviert.“

Die Wölfin schaute ungläubig zu Cromwell und riss die Augen auf.

Ebenso ging es Osiris auf der Byblon. Er sprang im Administratorenstand auf, schaute auf die Monitore und gab den Befehl. „Alle Kampfstaffeln sofort auf Kurs. Keiner feuert, sie sollen nur eine saubere Linie bilden. Feuer nur auf meinen direkten Befehl. Schilde auf positive Feldrotation.“

Drekal gab exakt den gleichen Befehl, ließ die Schilde hochfahren und die Gleiter sich zwischen Kreuzer und die anfliegenden Angreifer setzen.

„Mr. Cromwell, wo wäre der beste Ansprechpartner um diese Situation zu entschärfen? Wir sind nicht der Feind! Der taucht vielleicht eher auf als uns lieb ist.“

Cromwell schaute etwas gelangweilt auf seine Hände, aber man merkte ihm auch an, dass er sich sichtlich unwohl fühlte und wieder nur eine Rolle spielte.

Schließlich gab er eine Antwort: „Landet in Norad. Das ist der Generalstab. Mindestens die Hälfte der Staffeln sollten von dort geleitet werden.“

„Danke!“ Sie wandte sich an die anwesenden Chafren und Menschen und letztendlich auch indirekt an drei Mitarbeiter der Sicherheit. „Die Zeit ist knapp. Setzt euch in Bewegung und programmiert einen Kurs. Egal was passiert, verteidigt euch nur im Notfall und sorgt schnellstens für Ruhe.“

Zwanzig Minuten später waren die entsprechenden Personen mit ihrem Schiff auf dem Weg zur Erdoberfläche, durchbrachen unbehelligt die Linie der anfliegenden Gleiter, drangen in die Atmosphäre ein, nahmen direkten Kurs auf Norad. Alles erschien ruhig, aber je näher sie ihrem Ziel kamen, umso mehr beschlich sie das Gefühl, dass irgendwas nicht stimmen konnte.

„Es geht mir zu einfach“, merkte Shana Grant an.

„Ich hoffe, dass du dich irrst. Wie es aussieht sind wir wohl die einzigen, die eine scheinbar ausweglose Situation ändern können“, entgegnete Tarja.

Das Schiff näherte sich unaufhaltsam dem Zielgebiet und war nur noch vierzig Kilometer entfernt, reduzierte die Geschwindigkeit von sechsfacher Schallgeschwindigkeit auf 400 km/h.

Plötzlich sollte Shana recht behalten. War die Anthros Voyage zuvor einfach zu schnell für jeden Abfanggleiter, selbst für Abfangraketen und Geschütze nicht zu erfassen, hatte es sich jetzt geändert. Dreißig Kilometer vor Norad strebten vier Gleiter dem schlanken Cheritschiff entgegen, versuchten es abzudrängen, umflogen es in einer Art Verwirrspiel. Die Waffensysteme waren zwar aktiviert, aber keiner der Piloten hatte scheinbar den Befehl erhalten ihren Anflug mit Gewalt zu beenden.

Ein Funkspruch durchbrach jäh die Stille. <„Fremdes Schiff. Wir haben sie bereits identifiziert und werden jeden Akt eines Angriffes sofort vereiteln. Wir haben den Auftrag sie nach Norad zu begleiten. Dort werden sie umgehend dem Generalstab vorgeführt und werden einige Sachen erklären müssen.“>

<„Hier ist die Anthros Voyage. Wir haben verstanden und können unsere Anwesenheit sehr wohl erklären. Alles weitere besprechen wir mit ihrem General-stab.“>

<„Verstanden! Reduzieren sie die Geschwindigkeit und folgen sie uns.“>

<„Aye!“>

„Was wird das denn?“, fragte der anwesende Stier, Rasal.

„Tja, so wie es aussieht, haben wohl alle im Moment nur die Zähne gezeigt und beißen nicht“, erwiderte Cyron.

„Zumindest noch nicht“, warf Tarja ein.

„Das wird auch so bleiben, wenn denen unsere Antworten gefallen“, mahnte Shana. „Also sollten wir uns auf einiges gefasst machen. Aber es ist schon mal tröstlich, dass das Schiff diesmal nicht als direkt feindlich eingestuft wurde. Vielleicht ist etwas passiert und in den letzten fünf Jahren hat man auf der Erde etwas gelernt.“

Wenige Minuten später landeten sie auf dem Militärstützpunkt, entstiegen ihrem Schiff und genossen die wärmenden Strahlen der Sonne. Shana schloss die Augen und streckte sich, während die Chafren sich umsahen und Isis ihre Schwingen zu voller Größe ausbreitete.

Die vier Gleiterpiloten verließen ebenfalls ihre Maschinen und umringten sie. Während die Chafren und Menschen einstweilen außer acht gelassen wurden, galt ihre Aufmerksamkeit ausschließlich der Antermerianerin.

„Da schau her. Isis. Wenn das mal kein Zeichen der Götter ist“, entfuhr es einem der Piloten.

Langsam nahmen sie ihre Helme ab.

Den Chafren, ebenso Shana, Skort und auch Cromwell entglitten die Gesichtszüge. Sie standen nicht vier Menschen gegenüber, wie sie ursprünglich erwartet hatten, sondern vier Wölfen.

„Willkommen auf der Erde und damit auf einer ihrer Heimatwelten. Bitte folgen sie uns.“

„Darf ich eine Frage stellen?“, begann Shana ein kleines Verhör.

„Ja. Das dürfen sie.“

„Ich hatte eigentlich eine menschliche Besatzung erwartet. Was ist in den letzten fünf Jahren geschehen?“

„Sehr viel. Ihr Besuch“, er deutete dabei auf die Chafren, „hatte eine heftige Welle ausgelöst. Die Geheimdienste und Regierungen blieben davon unberührt, aber der Rest der Menschheit hat sich in vielen Teilen geändert.“

„Inwiefern?“

„Vieles ist beim alten geblieben, also was die Machtverhältnisse betrifft, die Wirtschaft, die Forschung. Allerdings sind die Religionen im letzten Jahr, genauer gesagt seit sechs Monaten, moderater im Umgang miteinander geworden. Viele Dinge, bei denen vorher der Unterschied zählte, wurden beigelegt. Es ist insgesamt etwas friedlicher geworden.“

„Aber wie kam es dazu?“, setzte Shana fort.

„Sie hatten seinerzeit das Geninstitut mit anhängendem Labor zerstört. Das hat die Medien stutzig gemacht. Die gingen den Dingen auf den Grund, ebenso hatten breite Teile der Bevölkerung, welche ihren Besuch registriert hatten, immensen Druck ausgeübt und verlangten nach einer Aufklärung.“

„Und wie kam es dazu, dass sie hier arbeiten?“

„Es gab noch einige andere Werkstätten, um es mal salopp auszudrücken. Unter dem Druck der Öffentlichkeit, wurden diese schließlich bekannt und es fand unter massiven Protesten, gegen die Art und Weise der Behandlung uns gegenüber, ein Umdenken statt. Wir sind als Anthros mehr oder weniger ein Teil der Bevölkerung weltweit geworden und werden vor allem in Spezialgebieten eingesetzt. Wir Caniden halt überwiegend im Militär und die Feliden in der medizinischen Versorgung.“

„Oh. Das fasziniert mich“, entglitt es Chiron. „Vor allem, weil es so plötzlich kam und dann auch noch sehr frisch ist.“

„Ja und es ging glatt an mir vorbei“, murmelte Cromwell missmutig.

„Tja, Mr. Cromwell“, wandte sich der Wolf an den entsprechenden. „Für Menschen, wie sie es sind und mit ihrem Denkmuster, wird es sehr schwer werden. Aber lassen sie uns weiter gehen.“

„Was hat es mit dem Angriff auf die Kampfinseln und die Ra-em auf sich?“, platzte es endlich aus Tarja heraus.

„Das ist lediglich eine Sicherheitsmaßnahme. Immerhin haben wir so etwas wie diese Kampfinseln nie zuvor gesehen und der Anblick ihrer Begleiterin scheint diese Maßnahme zu bestätigen.“

„Dafür habe ich einiges zu berichten und das sollte sich die Menschheit gut anhören. Es handelt sich um Informationen, welche über Leben und Tod entscheiden können“, grollte Isis.

„Wie meinen sie das?“

„Ich meine damit, dass wir nicht der Feind sind. Aber ich kann mit Fug und Recht sagen, dass der nicht mehr lange auf sich warten lassen wird und dann müssen wir zusammenarbeiten oder getrennt untergehen.“

Der Wolf nickte, schaute die Antermerianerin durchdringend an und deutete in die Richtung, in der ihm alle folgen sollten. „Der General und ein Teil seines Stabes warten bereits.“

So folgten sie den Wölfen und erreichten, nach einer gefühlten Ewigkeit und unter den misstrauischen Blicken der Mitarbeiter des Stabes, einen Besprechungsraum, wurden freundlich gebeten sich zu setzen. Anschließend waren sie, bis auf einen Wolf der militärischen Einrichtung, allein.

„Was soll ich davon halten?“, hub Cyron an.

„Was meinst du damit?“, fragte Syrgon.

„Ganz einfach. Da oben fliegen tausende von Kampfschiffen, umkreisen einander und warten nur auf einen Fehler der Gegenseite und hier unten scheint man auf uns vorbereitet zu sein und es sieht mehr nach einem: „Hallo und Willkommen“ aus, als nach einem: „Betrachten sie sich als unsere Gefangenen“.

„Du meinst, dass das nicht passt.“

„Genau!“

„Immer mit der Ruhe. Immerhin wissen wir jetzt, dass sich irgendetwas ereignet hat und es wohl nicht zu einem Kampf kommen wird.“

In diesem Moment öffnete sich die Tür und drei der Piloten traten wieder ein, gefolgt von einem Major und dem Stabschef.

Wieder staunten die Chafren und Shana runzelte die Stirn, während Skort sich scheinbar nur noch zu amüsieren schien, jedenfalls war er der einzige der ständig am Grinsen war.

Der Stabschef setzte sich ohne ein weiteres Wort ihnen gegenüber hin. Die vier Wölfe standen verteilt im Raum und der Major blieb seitlich neben den Chafren stehen, musterte Isis.

Während der Stabschef ein Mensch war und ein sehr finster dreinblickender noch dazu, war der Major eine Überraschung, welche selbst Isis erstaunte und zum aufspringen veranlasste.

Es handelte sich bei ihm um einen Säbelzahntiger. Aber nicht genug, dass es so war als würde Apophis vor ihnen stehen, nein, bei weitem nicht. Er trug zwar die Hose des Militärs und eine untypische Schärpe, die ihn als Major auswies, aber ansonsten war sein Oberkörper unbedeckt. So näherte er sich der Antermerianerin, baute sich vor ihr auf, betrachtete sie von oben bis unten und breitete seine kohlrabenschwarzen Flügel aus.

„Bei allen Göttern“, entfuhr es Tarja. „Ob Zoya auch mal so aussehen wird?“

Isis schaute den Major scharf an. „So so. Ihr wusstest also, dass auch wir hier auftauchen würden.“

„Ich bin Major Altarion Rogers. Lass es mich mal so ausdrücken, wir haben es vermutet. Irgendwie war die Zeit reif, dass die alten Götter wieder zurückkehren.“

„Ihr zielt auf die Falschen. Wir sind nicht der Feind. Wir sind eher hier um euch zu helfen. Und als Götter betrachten wir uns nicht, dass haben wir nicht einmal in der Vergangenheit getan und wurden lediglich auf einen falschen Thorn gehoben.“

„Ach? Womit wollt ihr uns denn helfen? Ich bin überzeugt, dass wir hier alles im Griff haben.“

Der Stabschef rührte sich währenddessen keinen Millimeter und blickte einfach nur finster drein, behielt die Chafren im Auge, schien sie regelrecht zu sondieren.

„Das glaube ich nicht. Eher ist es so, dass ihr hier ein Theaterstück aufführt und wir drauf reinfallen sollen. - Ansonsten wüsstest gerade du, aufgrund deiner Gene und der ererbten Informationen, egal ob Klon oder natürlich entstanden, dass es so ist, wie es ist.“

„Du spielst auf die Abtrünnigen an?“

„Ah! Da kommt doch was ans Licht“, mischte sich Shana ein.

Der Säbelzahntiger drehte seinen Kopf in ihre Richtung und faltete die Flügel wieder zusammen. „Miss Grant, willkommen zurück auf der Erde. Sie wurden schon vermisst, ebenso der Professor und Jody Thorn. Leider kann ich sie hier nirgends erblicken.“

Shana runzelte daraufhin die Stirn, bekam einen stechenden Blick und zog es vor zu Schweigen.

Der Stabschef hingegen fing an zweideutig zu grinsen, zeigte auf Cromwell und auf einen seiner Wölfe. „Den schafft ihr hier mal weg, am besten in die Wüste. Diese Sorte können wir nicht mehr gebrauchen.“

Cromwell riss die Augen auf, wollte sich nach einem Fluchtweg umsehen, aber es war zu spät. Gleich zwei der Wölfe fühlten sich angesprochen und packten ihn an den Armen. Ebenso stand der Stabschef auf und wartete bis sich die Tür wieder geschlossen hatte.

Unverwandt sah er die Anwesenden an. „Na schön, es wird wohl Zeit mit offenen Karten zu spielen.“

„Da schau her“, entfuhr es Skort. „Was jetzt wohl kommen mag?“

Es kam keine verbale Antwort, stattdessen tippte der Stabschef auf einen Taster unterhalb des Schreibtisches, zog das Jackett aus, legte die Krawatte ab und öffnete das Hemd.

Zunächst verunsichert, ob dieses Umstandes, so standen jetzt alle sprachlos da und wollten nicht gewahren, was sich ihnen bot. Wenn alles schon eine Überraschung war, also die Anthro-Wölfe, dann der geflügelte Säbelzahntiger als Major, so war der Stabschef die Krönung. Zwar war sein Kopf menschlich, wie auch die Hände, aber der Oberkörper, welchen er entblößte, alles andere als das. Statt der typischen zart rosigen menschlichen Haut, setzte im Bereich der Brust kurzes, gelbliches Fell an, bedeckte ab da scheinbar den ganzen Körper und trug die, der Art entsprechenden, Gepardentupfen.

Chiron machte kurz ein irritiertes Gesicht, wie auch die anderen, fing sich aber schnell. „Das passt perfekt ins Bild“, sagte er lapidar.

„Wie meinst du das?“, fragte Cyron.

„Nun, ganz einfach. Rückkopplungen. Alles Rückkopplungen. Die einen sind Klone, aber andere sind auf natürlichem Wege entstanden, konnten es aber verbergen. Daher auch das plötzliche Umdenken, die weitgehende Befriedung unter den Religionen. Das unberührte Weitermachen bestimmter Kreise, da diese keinerlei Ahnung haben. Alles in Allem eine verdammt gute Tarnung, Respekt. Aber erinnert euch sein Aussehen an jemanden?“

Tarja überlegte angestrengt und riss die Augen auf. „Die Gepardinnen! Die beiden, die auf Ebene -7 den guten Cepheus in Panik versetzt hatten.“

Cyron schnippte kurz mit den Fingern und wedelte mit der Hand. „Richtig. Aber zurück zum Thema und damit zum Hier und Jetzt.“

„Korrekt“, ging der Stabschef dazwischen. „Ich bin zwar der General, aber mein Name ist Zoran Grain, kurz Zoran.“

„Hallo Zoran“, entgegnete Tarja. „Wenn ich es richtig sehe, dann gab es also die Rückkreuzungen, welche sich verstecken konnten. Dann wurden es immer mehr in den letzten Jahren, sie erkannten einander, besetzten durch gezieltes Vorgehen wichtige Schlüsselpositionen und sorgten letztendlich für den Umbruch und das offizielle Anerkennen der Klon-Anthros als Teil der Gesellschaft?“

„Genauso ist es. Es war ein erst schleichender Prozess und wir wussten nicht voneinander. Mehr als ein Zufall war es, dass ich von Zoran erfuhr. Er holte mich schließlich hierher nach Norad. Dass er nicht auffiel, war logisch und ich bin offiziell nie in Erscheinung getreten. Wisst ihr, es kommen normalerweise keine Besucher in den Stabsstützpunkt und wer hier einmal ist, der bleibt und hat eine extrem hohe Sicherheitsstufe zu erfüllen“, kam es vom Major.

„Schön“, mischte sich Isis ein. „Wie geht es jetzt weiter?“

„Das kommt ganz auf euch an. Ich meine damit, es kommt darauf an was ihr vor habt“, mischte sich der Stabschef wieder ein.

Die Antermerianerin hub an und startete ihre Ausführung. Sie begann in grauer Vorzeit und ließ keines der Details aus. Anschließend begannen Cyron, Chiron und Tarja von den Ereignissen auf Genro zu berichten und wie sie in diesen Kreislauf mit hinein gezogen wurden. Syrgon stand lediglich daneben und sagte nichts.

Erst als der Begriff des Mech fiel, horchte er auf und hob einen Zeigefinger, deutete auf sich selbst.

Diese Geste wurde allgemein zur Kenntnis genommen und man konzentrierte sich auf den Wolfsrüden. Die anwesenden drei Piloten taten es ebenfalls, wobei er sehr eingehend gemustert wurde.

„Der wäre genau der Richtige für unsere Spezialeinheit“, intonierte Zoran.

„Mein Name ist Syrgon, falls es interessieren sollte.“

„Sehr schön. Mein Name ist ja schon bekannt und der freundliche Major neben mir heißt Altarion. Die drei anwesenden Piloten sind Phil, Steve und die über-aus charmante Dana.“

„Ah, sehr angenehm. Warum tragen die drei normale menschliche Namen? Egal, vergessen sie die Frage. Von welcher Spezialeinheit sprachen sie?“, fragte Syrgon.

„Zur ersten Frage: Es geht um die komplizierte Frage des Miteinanders. Was schreckt einen Menschen mehr ab, als ein vollkommen ungewöhnlicher und schwer nachvollziehbarer Name, wenn man von der Spezies absieht?

Es ist doch für einen Humanoiden viel einfacher nach Phil oder Dana zu fragen oder sie so anzusprechen, als zum Beispiel, nach Zoran oder Altarion zu rufen. Das da ein Anthro-Wolf um die Ecke kommt, ist in diesem Moment ungewöhnlich, aber zweitrangig, da wenigstens ein Element Standard ist. Und zur zweiten Frage: Waffenträger. Sie entsprechen im Prinzip dem Mech, aber sind vierbeinig.“

„Überaus faszinierend“, sinnierte Chiron. „Die Antermerianer haben auch Waffenträger, allerdings in Form von Cyborg-Skorpionen. Da scheinen sich gewisse Gedanken und Vorstellungen zu überlappen. Das finde ich sehr bemerkenswert.“

„So. Jetzt aber zurück zum Thema. Was steht uns jetzt bevor?“, bohrte der Major entschieden.

„Haben wir eine Karte?“, fragte Isis.

„Natürlich.“ Zoran ging in eine Ecke des Raumes, öffnete einen Schrank, griff hinein und beförderte eine Karte ans Licht, legte diese auf den Tisch.

„Ausgezeichnet“, setzte Isis fort. „Die beiden Kampfinseln überstreichen jeweils die Hemisphären der Erde, von daher ist alles relativ abgesichert. Wir erwarten in den nächsten Tagen fünf weitere Cheritkreuzer, welche wir aufgerüstet haben.

Danach sollten wir uns an die Aufgabe heranwagen und der Antarktis einen Besuch abstatten. Dort liegt tief unter Eis und Gestein ein Wrackteil des zerstörten Systemvernichters der Abtrünnigen. Da müssen wir rein und weitere Informationen holen. Vor allem müssen wir sicherstellen, dass sich dort nichts mehr bewegt und uns von innen heraus bedrohen könnte. Klar ist es Millionen von Jahren her, dass er da abstürzte, aber Maschinen im Ruhezustand haben in der Regel eine lange Haltbarkeit.“

Der Stabschef nickte, lediglich der Major machte ein nachdenkliches Gesicht.

Plötzlich setzte er sich an einen der Rechner und schaute intensiv in die Akten und Meldungen.

Schließlich sah er auf und schüttelte kurz den Kopf. „Das mit der Sicherstellung können wir vergessen, denn wie es scheint ist nichts mehr sicher.“

„Wie meinst du das?“

„Lass es mich mal zusammenfügen. In der Antarktis war ein kleiner vierköpfiger Forschungstrupp aktiv, ging hinaus um ein neues Loch ins Eis zu bohren, fand auch etwas und brachte es in einem Probenbehälter ins Labor der Station.

Was immer es auch war, es stank wohl gewaltig, also wurde der Fund schnell analysiert und dann der Rest gut verpackt vor die Tür gestellt. Die letzte Meldung war, dass es sich um organische Reste handeln soll und diese ein Alter von 64 Millionen Jahren aufweisen. In der Außenstelle auf Kap Hoorn glaubte man ihnen natürlich nicht. Danach hörte man nur noch ein dumpfes Klopfen und Hämmern, dann Schreie und Schüsse. Anschließend war die Verbindung tot.

Wenn ich den nächsten Bericht anfüge, dann ergibt sich ein doch etwas beunruhigendes Bild. Da heißt es nämlich, dass man eine kleine Kampftruppe zu eben jenem Labor schickte und dort außer Blutspuren und Einschusslöchern nichts fand. Zudem waren wohl auch vier als FBI-Agenten getarnte CIA-Mitarbeiter vor Ort.“

„Aha und was haben die gefunden, außer der Analyse?“, fragte Cyron.

„Das wissen wir nicht. Sie sind verschwunden. Auf dem Weg von der Antarktis zur Außenstelle auf Kap Hoorn spurlos verschwunden. Es gab nur einen letzten kurzen Funkspruch, aber da ist nicht sonderlich viel zu entnehmen. Man versteht nur, dass es einen Tumult gab, einen Schusswechsel und dann hörte man Schreie und ein merkwürdiges Fauchen.“

Isis horchte auf und sah den Major an. „Fauchen? - Ich brauche sofort eine Verbindung mit der Ra-em. Sofort! Frag mich nicht, tue es, schnell. Hier hast du die Frequenz.“

Der Major war irritiert ob dieser barschen Forderung, tat es aber.

<„Norad – Stabseinheit ruft den Cheritkreuzer Ra-em. Könnt sie uns hören?“>

Einige Zeit später meldete sich eine weibliche Stimme. <„Hier ist der Cherit-Subraumkreuzer Ra-em, Captain Drekal. Mit wem habe ich die Ehre?“>

<„Hallo, Captain Drekal. Hier spricht Major Altarion Rogers.“>

<„Major Rogers. Sprechen sie.“>

Der Säbelzahntiger schaute Isis an. „Bitte!“

Die Antermerianerin nickte kurz. <„Drekal?! Hier ist Isis.“>

<„Oh! Ich grüße dich. Wie ich bemerke seid ihr gut gelandet und habt Kontakt aufgenommen.“>

<„Das kann man so sagen. Allerdings stellt sich alles etwas anders dar, als erwartet.“>

<„Berichte bitte.“>

<„Gerne! Der Stabschef hier in Norad ist ein Mensch-Geparden-Hybrid und der Major, mit dem du gerade sprachest, ist ein Säbelzahntiger, allerdings einer mit schwarzen Flügeln, ähnlich den meinen.“>

Am anderen Ende der Leitung schaute Drekal sich auf der Brücke um, sah Sitral an, dann Colras und Cernos. Ihr Blick verriet, dass sie sich gerade irgend-wie veralbert vor kam.

<„Nochmal bitte und gaaaaanz langsam.“>

Isis wiederholte ihre Aussagen.

<„Okay, dann habe ich mich nicht verhört. Aber wie kann das sein?“>

<„Das ist einfach. Es gibt die Hybriden, durch Rückkopplung im Erbgut, schon wesentlich länger, sie haben sich nur gut versteckt und so unbemerkt überlebt. Mittlerweile haben sie aber wichtige Schlüsselpositionen übernehmen können und Anthros sind in Anteilen Mitglieder der Gesellschaft geworden. Allerdings ist das Ganze noch relativ frisch.“>

<„Gut, das reicht schon als kurze Erklärung. Ergibt sogar einen Sinn, wenn man an Genro denkt. Aber um was genau geht es.“>

<„Ich brauche ganz kurz einer Verbindung mit Tripal und Ionos. Es geht da um einen Vorfall in der Antarktis, welcher mich stutzig macht.“>

<„Alles klar. Wir verbinden.> - Sitral, wärest du so nett.“

Die Schneeleopardin nickte lächelnd und die Verbindung stand.

<„Tripal hier“>, meldete sich die Säbelzahntigerin.

<„Hallo, hier ist Isis.“>

<„Oh, hallo. Wolltest du nicht zur Erdoberfläche?“>

<„Da bin ich schon längst und wir haben hier wohl Freunde gefunden.“>

<„Das hört sich sehr gut an.“>

<„Ja und Nein.“>

<„Das Nein mag ich nicht.“>

<„Ich auch nicht, aber die Lage scheint ernster als gedacht.“>

<„Schieß los.“>

<„Sagt dir der Begriff des Fauchens etwas, zumindest im Bezug auf unbekannte Waffensysteme?“>

<„Ja“>, sagte Tripal, mit belegter Stimme. <„Bei jedem Fauchen verloren wir anschließend ein Mitglied unserer Truppe. Innerhalb von Minuten waren vierzehn Anthros enthauptet, halbiert oder längs geteilt.“>

Isis sah Zoran an. <„Das habe ich befürchtet“>, sagte sie zu Tripal und dem Stabschef gleichzeitig.

Der schaute nicht sonderlich beglückt drein, aber nickte verstehend.

<„Danke, Tripal. Dann sind wir informiert. Isis, Ende!“>

Nachdem die Verbindung beendet war, schaute Zoran den Major an, zeigte kurz mit dem Zeigefinger auf ihn. „Alle Waffenträger in die Transporter verladen, einhundert Mann an die Waffen und dann ab ins Zielgebiet. Sofort! … Wie es scheint haben wir den Feind schon mitten unter uns.“

Der Säbelzahntiger nickte kurz, zeigte seinerseits auf den verbliebenen Piloten und verließ mit ihm den Raum.

„Okay. Was machen wir jetzt?“, fragte Tarja an den Mensch-Geparden-Hybrid gewandt.

„Was ihr macht, ist eure Entscheidung. Ich werde mit dem Präsidenten reden und notfalls auf DefCon2 gehen. Wir werden nochmals eine weltweite Ansprache halten müssen und hoffen, dass sich alles weiterhin ruhig verhält. Es wird Zeit endgültig an die Öffentlichkeit zu treten und euch auch vorzustellen. Wenn alles gut über die Bühne geht, dann soll die Ra-em in der Region um Salt Lake runter gehen. Was dann kommt, wird sich zeigen. Mehr geht im Moment nicht.“

„Ich hoffe, dass die anderen Kreuzer in Kürze auftauchen werden“, merkte Tarja sorgenvoll an.

„Das hoffen wir alle. Leider haben wir nur sehr begrenzte Optionen, genauer gesagt zwei. Die erste ist das totale Chaos, weil sich niemand mit der Wahrheit abfinden kann und will. Die zweite wäre, dass es alle mit Wohlwollen, zumindest aber mit einem Schulterzucken und leisem Knurren durch winken.“

„Ich tippe da mal auf eine Mischung aus beidem.“

„Auf jeden Fall dürfte es in weiten Teilen der normalen Bevölkerung einen Schock auslösen, wenn ich plötzlich mit Altarion die Hosen runter lasse, wenn auch nicht wortwörtlich.“

„Gut“, begehrte Isis auf, „wir sollten es sofort angehen.“

„Ich stelle mir da nur eine Frage“, hub Tarja an. „Wie konnte das Waffensystem aktiviert werden? Ich meine, es war seit Jahrmillionen da und hat sich niemals gerührt.“

„Ich kann es nur vermuten“, entgegnete Isis, „aber ein ähnliches Vorgehen hat-ten wir früher auch, zumindest als wir noch mehr Kontakt mit den Abtrünnigen hatten.“

„Und das wäre?“, fragte Syrgon.

„Jedem Besatzungsmitglied in fraglicher Zeit wurde ein spezieller Chip in der Herzgegend eingesetzt. Dieser Chip reagierte nur bei einer gewissen Temperatur und einer ganz bestimmten Spannung und Frequenz.“

„Was löste dieser Chip aus?“, fragte Zoran neugierig.

„Wenn ein Schiff unter Beschuss geriet und abstürzte, dann war es möglich, dass die Besatzung eine Überlebenschance in Richtung Null hatte. Um eine feindliche Übernahme des Wracks zu verhindern, waren grundsätzlich Eliminierungseinheiten an Bord. Es handelte sich damals um Vernichtungsroboter des Systemtypus Aprolon 20. Jedes Schiff hatte standardmäßig zehn Stück an Bord. Diese Roboter ruhten und wurden nur durch Verwesung eines Besatzungsmitgliedes aktiviert.“

„Durch Verwesung? Wie?“, bohrte der Stabschef.

„Bei der Verwesung entsteht durch den Zellzerfall ein schwacher bioelektrischer Strom, mit einer ganz bestimmten Frequenz. Tja, und wie es scheint haben die Forscher beim bohren wohl einen Körper der toten Abtrünnigen erwischt und genau die Stelle angebohrt und in den Probencontainer verfrachtet, welche diesen Chip enthielt.“

„Fantastisch! Das heißt also, dass sie organisches, durch die Kälte konserviertes und nicht verwestes Material mitnahmen. Dieses wurde im Labor warm, taute auf und die Verwesung setzte direkt ein. Der Chip erhielt den passenden Strom, mit der passenden Frequenz und sendete das Signal zur Aktivierung des Systems. Die Roboter wurden quasi eingeschaltet, folgten zielgerichtet zur Quelle, fanden die Station, drangen ein und eliminierten die Forschergruppe.“

„Ja, so muss es wohl gewesen sein“, bestätigte die Antermerianerin.

„Das heißt, dass es sich nicht nur um ein System handelt, was es bevorzugt, sei-ne Opfer effektvoll zu zerstückeln, sondern auch um eine unbekannte Anzahl von terminierungswütigen Robotern.“

„Das trifft zu.“

Zoran stand auf, seufzte laut und sah Syrgon an. „Wird Zeit unseren neuen Waffenträgerpiloten einzuarbeiten. Kommt alle mit. Ich will euch was zeigen.“

So durchstreiften sie zunächst einen langen, hell ausgeleuchteten Gang, dessen Wände mit Edelstahlplatten ausgekleidet waren und matt glänzten. Alle zwanzig Meter gab es rahmenförmige Spuntungen, die das darüber liegende Gestein abstützten. An dessen Ende traten sie an eine Hochdrucktür, welche vom Stabschef durch eine Code-Karte geöffnet wurde. Das Ambiente wechselte schlagartig. Keine Platten an den Wänden, nur der blanke Fels, lediglich die Spunte waren geblieben. Der Weg erstreckte sich auf einhundert Meter, führte leicht abwärts und endete ebenfalls vor einer weiteren Hochdrucktür. Hier war der Zugang jedoch höherwertig abgesichert und ließ sich nur mittels Retinascan und Stimmanalyse öffnen.

„So“, hub Zoran an, „dann mal rein und staunen.“

Sie traten nacheinander durch die Tür und rissen die Augen auf. Vor ihnen öffnete sich eine Halle von geschätzten fünfhundert Metern Länge und drei-hundert Metern Breite. Die Decke war ungefähr dreißig Meter über ihnen.

Das war der erste grobe Eindruck, der zweite wog jedoch wesentlich schwerer, denn es handelte sich um einen unterirdischen Hangar. Dutzende Techniker waren unterwegs, teils zu Fuß, teils auf Staplern. Einige fuhren mit schweren Kraftwagen durch weite Zwischengänge, hielten an Paletten, hoben diese mit zangenartigen Greifern auf die Pritschen, fuhren in einen Quergang und luden ihre Fracht ab. Dort stand ein anderer Techniker, bediente einen Kranarm und hob mittels dessen, Waffenausrüstungen an, bugsierte sie vorsichtig an ihre vorgesehene Stelle, wurden dort von bis zu vier anderen in Empfang genommen, passgenau an den Waffenträger positioniert, verschweißt und verschraubt.

Syrgon bekam leuchtende Augen. „Wow! Genau das was ich brauche.“

„Dann mal los. - Handsman!“, rief Zoran und deutete auf einen Menschen. „Dieser Wolf hier“, er deutete auf Syrgon, „ist ein Neuzugang. Bring ihn zu LDWC 5 und weise ihn kurz ein. Einen Ausbilder schicke ich hinterher, sobald er verfügbar ist.“

Der Techniker nickte kurz, sah den Wolf an, lächelte und deutete in die entsprechende Richtung. „Dann komm mal mit. Der Träger ist bereits fertig und wartet nur noch auf seinen Einsatz.“

„Fein. Ich freue mich schon.“

„Hast du schon Erfahrungen mit dieser Technik?“, fragte der Techniker neugierig.

„Mit diesen Waffenträgern nicht. Ich hatte auf Genro und dann auf der Erde schon mehrfach einen Mech gesteuert und im Kampfeinsatz bedient.“

„Du meinst DEN Mech? Der angeblich dieses ominöse Genforschungszentrum ausgelöscht haben soll?“

„Oh, du weißt davon?“

„Aber sicher. Das war vor Jahren die Riesenstory.“

„Freut mich zu hören. Hat sich der Einsatz ja doppelt gelohnt.“

„Oh ja. Aber es wird kein Vergleich sein, zu unseren Mechs. Die hier sind wesentlich fortschrittlicher. Durch ihre Vierbeinigkeit sind sie stabiler in der Fortbewegung und damit auch treffsicherer, da der Rumpf beim feuern mit den schweren Geschützen nicht mehr so stark ins Wanken gerät und die Waffenarme weniger verreißen.“

„Klingt faszinierend.“

Wenige Meter weiter standen sie an der vorgegebenen Position. „So, da sind wir. Viel Spaß“, sagte der Techniker noch und trollte sich.

Der Wolf grinste breit und kletterte schnell an seinem neuen Arbeitsgerät empor, setzte sich in die Pilotenkanzel und erkannte einige Steuerungselemente wieder. Er lehnte sich zurück und schloss die Augen.

„Hallo, Waffenträgerpilot.“

Syrgon sah erschrocken auf und Altarion ins Gesicht. „Oh, hallo Major.“

„Wie es aussieht, haben sie ihre neues Schätzchen schon gefunden. Dann wollen wir mal mit der Einweisung beginnen.“

„Ich bin ganz begierig.“

„Kann ich mir denken. Dann mal los.“

Tage der Vorbereitungen vergingen. Tage, in denen vereinzelt Gerüchte durch-sickerten, in denen Syrgon intensiv in die Details seines Waffenträgers eingewiesen wurde und an deren Ende sich ein sehr gut vorbereiteter Trupp auf den Weg in die Antarktis machte.

Unbehelligt landeten zehn schwere Transportgleiter am Rande der Eiswüste, öffneten sich die Luken der Fracht- und Passagierräume, spuckten diese eine Gruppe nach der anderen, nebst Unmengen an Material aus, bis am Ende drei vierbeinige Waffenträger, dem ursprünglich zweibeinigen Mech nicht unähnlich, sowie einhundert bestens bewaffnete Soldaten in der klirrenden Kälte standen.

Major Altarion Rogers persönlich ließ es sich nicht nehmen die Spitze zu führen.

„Sergeant, Bewegungsmelder aktivieren!“, wandte er sich zu seiner Linken.

„Aye, Sir! … Keine Bewegungen zu registrieren, wenn man von der Horde Pinguine absieht.“

„Ja, die sind ja nicht zu übersehen und zu überhören.“ Altarion drehte sich zur Rechten und zog eine Augenbraue hoch, was die Tiere nicht im geringsten störte und sie ihn frech anglotzten. Er drehte sich um, hob einen Arm und schwenkte diesen mehrfach in geplanter Marschrichtung. Die Menge setzte sich in Bewegung.

„Master Sergeant“, rief er in die Gruppe hinein. „Zu mir!“

„Aye, Sir. Ich komme!“

„Ein einfaches erscheinen reicht.“

„Ähm... ja, Sir.“

Auf einigen Gesichtern zeichnete sich ein Grinsen ab.

„Ich brauche eine taktische Karte.“

„Habe ich dabei.“ Er holte einen Tablet aus der Seitentasche, schaltete ihn ein und rief die Karte nebst GPS, speziellen geologischen Daten und dem aktuellen Wetterbericht, auf.

„Wo genau sind wir und wie weit ist es bis zum Zielpunkt?“

„Entfernung vierzig Kilometer. Bei der jetzigen Geschwindigkeit brauchen wir fast einen Tag. Allerdings sagt mir der Wetterfrosch, dass sich die Wind- und Sichtverhältnis gravierend verschlechtern sollen. Da zieht eine Schneefront auf und wir laufen direkt hinein.“

„Na entzückend. Liegt da irgendwo eine Zwischenbasis auf dem Weg?“

„Aber natürlich. Die Basis liegt etwas abseits, aber nicht zu weit entfernt vom eigentlichen Marschweg.“

„Hört sich gut an. Wie weit?“

„Nach den Angaben ist es eine verlassene Station, welche aber noch auf Automatik läuft. Sie liegt knapp vier Fußstunden entfernt. Dürfte alles reinpassen, laut den Daten war es eine Versorgungsbasis mit Hangar und ausreichend Raum für bis zu einhundert Personen.“

„Perfekt. Die nehmen wir als Quartier und sortieren uns dann. Notfalls bleiben wir erstmal dort und warten den Sturm ab. Hoffentlich dauert der nicht zu lange an.“

„Waffenträgerpiloten! Zwischenzieldaten kommen auf ihre Displays. Ansteuern und Vorhut bilden, Gelände absichern und Objekt untersuchen. Wir kommen mit Schneemobilen und Raupen nach. Falls ihr Feindkontakt habt, informiert uns und räumt uns den Weg frei.“

„Aye, Sir!“ Kam es nacheinander von den drei LDWC-Piloten.