Kapitel 44
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Kapitel 44
das Blatt wendet sich
<„Theseus hier“>, begann der Widder.
<„Sehr schön, hier Norad, General Zoran Grain. Ist Major Altarion Rogers auf der Brücke?“>
<„Ja. Ich gebe ihn den Major“>, kam die knappe Antwort.
<„Hier Rogers. Ich höre“>, erschien der Gewünschte.
<„Ich habe erfahren, dass sie ein System entdeckt haben, was uns einen Vorteil verschaffen könnte“>, hub der Mensch-Geparden-Hybrid an.
<„Das ist korrekt. Allerdings steht ein Test noch aus.“>
<„Um was handelt es sich?“>
Der schwarz geflügelte Säbelzahntiger im Rang eines Majors erklärte ausführlich, um was es sich handelte und erntete dafür einen deutlich aufhorchenden Stabschef.
<„Hervorragend“>, begann Grain seine Antwort. <„Wo genau steuert die Osiris jetzt hin? Ich habe nur erfahren, dass es das Staatsgebiet von Polen sein soll.“>
<„Da kann ihnen Captain Theseus eine genauere Antwort geben“>, gab Rogers ab.
<„Theseus hier. Wir steuern ein Gebiet an, welches sich Masuren nennt, genauer gesagt die Masurische Seenplatte, Koordinaten sind 54° 0' Nord zu 22° 0' Ost.“>
<„Gut. Aber ich gebe ihnen eine neue Order. Sie fliegen nach Berlin. Dort geht es heftig zur Sache. Die historischen Museen wurden angegriffen und total zerstört, ebenso sind ganze Straßenzüge nicht mehr vorhanden. Plünderer ziehen durch die Gegend und rauben was das Zeug hält. Sehen sie zu, dass da wieder Ruhe einzieht und unterstützen sie Polizei, Militär und andere Ordnungskräfte“, ordnete der Stabschef an.
Der Captain der Osiris schaute zu Rogers und bekam nur ein entschiedenes Nicken.
„Verstanden, General! Wir setzen Kurs. Sonst noch etwas?“, bestätigte der Widder.
„Nein. Im Moment ist das alles und ein gutes Testgebiet für ihren Dimensionsverzerrer. Grain, Ende!“
„Navigator, Steuermann. Kurs berechnen und setzen. Maximale Geschwindigkeit. Ziehen wir ein paar nette Wirbel in die Atmosphäre“, befahl Theseus und setzte sich in seinen Sessel.
In Berlin war derweil die Hölle auf Erden ausgebrochen.
Dreißigtausend Angriffsdrohnen bewegten sich durch die Stadt, schossen auf alles was lebendig war. Die Museumsinsel existierte nicht mehr, war in unförmige Gesteinsbrocken zerlegt, in der Spree gelandet. Berlin-Marzahn und Berlin-Kreuzberg glichen einem Schlachtfeld.
Dort machen die Drohnen der abtrünnigen Antermerianer jagt auf Menschen, Plünderer jagten friedliche Menschen, die Polizei jagte die Plünderer, Plünderer flohen vor dieser und den Drohnen, das Militär jagte die Drohnen und Plünderer und diese flohen vor eben jenen. Es jagte jeder jeden in einem unüberschaubaren Chaos.
Die autonomen Roboter von Boston Dynamics machten derweil Boston und seine Stadtteile unsicher und bereinigten nach und nach Salem vom Feind, rückten weiter gen Süden vor, machten den Weg frei für Rettungskräfte. Unzählige Brände konnten unter Kontrolle gebracht und teilweise gelöscht, Überlebende und noch geradeso Lebende, konnten gerettet und in Krankenhäuser gebracht werden. Es wurden Notunterkünfte eingerichtet und die Leichtverletzten notdürftig untergebracht und medizinisch versorgt.
Die Gleiter der Re-harachte hatten Kairo erreicht, überflogen die Stadt, registrierten die Anzahl der feindlichen Drohnen, welche sich auf zwanzigtausend belief, und gingen zum Tiefflug über.
<„Hier Alphaführer“>, rief ein Anthro-Wolf in den Helmfunk. <„Staffeln aufteilen und in Zehnergruppen angreifen. Machen wir sie heiß.“>
<„Verstanden Staffelführer Alpha!“>, kam die Antwort.
Kurze Zeit später waren rund ein Dutzend der Jäger in den Straßenzügen unterwegs, nahmen die Drohnen unter Beschuss und vermeldeten erste kleinere Erfolge. Merkwürdigerweise war in Kairo das ägyptische Museum das erste Ziel was angegriffen und vernichtet worden war. Es wurde weitergemeldet und sorgte an entsprechender Stelle für Verwunderung.
<„Staffelführer Alpha, hier Delta-Flanke. Wir ziehen in nördlicher Richtung.“>
<„Verstanden und genehmigt! Dreht am Rand auf drei Uhr und überfliegt so tief ihr könnt den Museumskomplex. Sollte sich was rühren, dann sofort feuern. Da ist keiner von uns.“>
<„Verstanden und Ausführung!“>
In Norad nahm man die Nachrichten mit Interesse auf und sinnierte über den Sinn dieser bestimmten Angriffsziele.
„Was soll das?“, hinterfragte Grain.
„Die vernichten alle Museen und Sammlungen die mit den alten historischen Religionen und Glaubensrichtungen zu tun haben“, fasste Grandner zusammen.
„Ja, das sehe ich auch. Aber warum?“, polterte Grain.
Smithers spitzte die Lippen und fuhr auf. „Es scheint so, als ob die alles vernichten was mit alten Göttern zu tun hat.“
„Aber warum?“, wiederholte sich Grain.
„Ganz einfach“, setzte Smithers fort. „Vernichte jeden Glauben an altertümliche Götter, wenn du selbst ein solcher bist und baue unter deiner Herrschaft ein neues System auf.“
„Sie meinen also. Ich räume den alten Glauben und damit auch das Aussehen der alten Götter weg und baue mit dem gleichen Aussehen was ganz Neues auf?“
„Richtig!“
„Wie perfide“, entfuhr es Isis. Sie war regelrecht angeknabbert und breitete die Flügel aus, so als ob sie damit etwas ausrichten könnte.
Die Cyborgs, welche in Australien unterwegs waren und den Uluru-Airport absicherten, verzeichneten keinerlei weitere Feindaktivitäten. Die auf dem Weg nach Alice Springs befindlichen Waffenträger jedoch registrierten erhebliche Aktivitäten am Rande der Stadt, welche definitiv nicht normal waren.
Was sie nicht bemerkten war, dass es sich nicht um einen Angriff handelte, sondern eher um Begrüßungsaufläufe der Bewohner, die, nach Ankunft der vorausgeeilten Jäger der Horem-hab, spontan zum Stadtrand gepilgert waren, um die Fremden zu empfangen.
Als die überdimensionierten Skorpione eintrafen, erstarrte der menschliche Teil der Feierlichkeiten und sah panisch und blass aus. Erst als die Gleiterpiloten die Massen beruhigt hatten, lösten sich alle wieder und dem Schock wich Erstaunen. Einige setzten die Willkommensfeier fort, andere diskutierten miteinander und ließen die Waffenträger nicht mehr aus den Augen. Die Mutigsten jedoch näherten sich langsam und stellten fest, dass man sich mit den Cyborgs vorzüglich unterhalten konnte, wenn man halt kein Problem mit computergenerierten Stimmen hatte.
Die Gleiter und bodengebundenen Fahrzeuge, welche die Anthros und Menschen der Ra-em aus der Salt Lake Ebene heraus in Richtung der größeren Städte brachten, hatten seit geraumer Zeit feste Straßen erreicht und beschleunigten in Richtung der Orte Gary und Chicago.
„Zoya ist etwas unruhig geworden“, merkte Jody an.
„Ich weiß, sie spürt, dass etwas nicht stimmt und wir alle in Gefahr sind“, entgegnete Apophis.
„Im Moment ist hier alles ruhig und ich kann nicht erkennen, dass sich das so schnell ändern wird“, intonierte Cyron und versuchte die Stimmung zu heben.
„Halt mal an“, rief Andreas dem Fahrer des Jeeps zu. „Hier stimmt was nicht.“
„Was sollte hier nicht stimmen?“, fragte Shana irritiert und schaute sich um, dann zu Cayla.
Die Greifin lächelte die Frau an und griff nach ihrer Hand. „Es ist schön, dass wir uns getroffen haben.“
„Das finde ich auch“, entgegnete Shana. „Ich fühle mich nicht mehr so allein.“
„Es ist schön, dass ihr beide turtelt, aber ich habe gerade ein ganz mieses Gefühl“, fuhr Andreas in ernstem Ton fort.
„Was meinst du damit? Füchsische Anwandlungen? Oder ist es etwa das frische Wolfsblut in dir?“, bemerkte Shana zynisch.
„Bitte lass diese Bemerkungen. Ich meine es ernst und mein Bauchgefühl trügt mich selten.“
„Woran machst du das fest?“, fragte Bernhard, welcher hinter ihm saß und als furry-Charakter ein Schaf war.
„Frag mich was lei...“, weiter kam er nicht.
Wie aus dem Nichts hörte man ein schnell lauter werdendes Fauchen und plötzlich brach die Hölle los. Tausende Angriffsdrohnen des Feindes schossen mit mehrfacher Schallgeschwindigkeit und im Tiefflug über ihre Köpfe hinweg, waren auf dem Weg in weitere Entfernung.
„Was liegt in direkter Richtung?“, fragte Cayla arglos.
„Chicago“, entglitt es Shana entgeistert. „Die verdammten Miststücke greifen meine Heimatstadt an.“
Die Chafra neben ihr griff ihre Hand fester und seufzte.
Jedoch tat sich noch etwas ganz anderes, denn kurze Zeit später, als der Pulk von Fahr- und Flugzeugen immer noch wie versteinert stand, rasten weitere Kampfgleiter über sie hinweg.
„Großer Gott“, schrie Bernhard. „Was ist das denn jetzt?“
„Das sind keine Angriffsdrohnen“, murmelte Shana.
Ein Teil der furries stieg aus, stellte sich auf und beobachtete das Spektakel, als plötzlich Andreas' Mobiltelefon klingelte.
„Wuff! Was gibt es?“, fragte er barsch.
„Wie? Was? Was bedeutet Wuff?“, kam die irritierte Frage einer männlichen Stimme.
„Huch, Entschuldigung. Andreas Simons hier. Wen habe ich denn in der Leitung?“
„Smithers hier. Sie sind leicht zu erreichen, ganz im Gegensatz zu den anderen. Vielleicht geben sie ihrer bunten Meute mal Bescheid, dass man ein Mobiltelefon auch einschalten kann oder haben die Angst, dass man sie orten würde. So wichtig seid ihr lustigen Typen auch nicht.“
„Oh, der Verteidigungsminister höchst persönlich. Was liegt an, Chef?“
Smithers fühlte sich am anderen Ende der Funkübertragung mehr als veralbert und gab dies deutlich kund.
Andreas entschuldigte sich etwas gedämpft. „Verstanden, Sir. Was gibt es denn wichtiges?“
„Wie ich laut den GPS-Daten sehe, bewegen sie sich in Richtung Chicago.“
„Das ist korrekt, Sir.“
„Fahren sie nicht weiter. Halten sie sich aus dem Gebiet raus.“
„Ja. Wir haben die feindlichen Drohnen gerade gesehen. Das heißt, sie sind vor einigen Minuten durch gerauscht.“
„Ich weiß das auch. Wir haben sie in Norad klar und deutlich auf dem Schirm. Haben sie auch etwas anderes bemerkt?“
„Ja, da kam eine Unzahl von anderen Flugobjekten hinterher. Es schien geradeso, dass sie die Feinde jagen würden.“
„Das ist korrekt. Im Orbit sind überraschend zehn Transporter aus dem Subraum aufgetaucht. Es handelt sich um eine außerirdische Rasse namens Haldoraner. Die sind auf unserer Seite und greifen den Feind großflächig an“, verkündete Smithers.
Andreas nahm das Telefon vom Ohr und schaute es ungläubig an.
„Sind sie noch dran?“, krähte Smithers.
„Ja, jetzt bin ich wieder dran. Ich musste mich nur gerade davon überzeugen, dass ich das wirklich gehört habe und nicht träume.“
„Nein, es passiert wirklich. Warum auch immer ist unser Planet zum Schauplatz eines intergalaktischen und interuniversalen Krieges geworden. Daher wünsche ich ihnen und allen anderen viel Glück“, schloss Smithers das Telefonat ab.
„Was ist los?“, fragte Kim, welche aus einem anderen Gleiter ausgestiegen war. Ebenso schauten Cyron, Stella, Apophis, Chiron, Tarja und Jody zu ihm und machten fragende Gesichter.
„Ihr werdet es kaum glauben, aber das war gerade der Verteidigungsminister. Wir sind gerade mitten in einem Krieg“, sprach Andreas vor sich hin.
„In einem Krieg?“ konstatierte Shana. „Welch eine Neuigkeit. Ob Wolf oder Fuchs. Du bist echt langsam.“
„Ne ne, es ist noch ganz anders.“ Andreas wirkte verwirrt.
„Ach ja?“, mischte sich Tarja ein.
„Ja. Oh man, die Tigerinnen die ich kenne sind ja meist sehr misstrauisch, aber du scheinst da ja mächtig raus zu stechen.“
„Vorsicht! Ich bin echt und kein Kostüm“, fauchte sie bedrohlich.
„Fursuit bitte, ja! Aber okay, okay. Bloß keinen Streit vermeiden. Also weiter... Der Feind wird von Haldoranern gejagt. Das war der Pulk an Jägern die in kurzem Abstand hinter den Drohnen flogen.“
„Haldoraner? Soll das heißen, dass wir Hilfe bekommen haben?“, fragte Cayla aufgeregt.
„Wie es aussieht ja. Sie sollen wohl vor wenigen Minuten aus dem Subraum aufgetaucht sein.“
„Fantastisch“, flüsterte Tarja. „Das ist geradezu perfekt.“
„Gibt es sonst noch was?“, hakte Shana nach.
„Ja, wir sollen uns von Chicago fernhalten.“
„Klingt plausibel. Da möchte ich jetzt auch nicht mehr hin.“
Die Ra-em umkreiste die Erde auf einer stabilen Umlaufbahn und war in einer Entfernung von 1.200 Kilometern unterwegs, als plötzlich der rote Alarm ausgelöst wurde. Die Sensoren des Kreuzers hatten mehrere Subraumkorridore er-fasst und automatisch die Schilde hochgefahren, auf rotierende Polarisation gestellt.
„Zehn Korridore, Captain“, rief Sitral über die Brücke, welche an der taktischen Konsole stand.
„Betätigt“, warf Selestral von der Waffentechnik her, ein. „Obacht! Wir kriegen Besuch.“
Aus den Wirbeln traten mehrere Schiffe hervor und näherten sich langsam den Kampfinseln Byblon und Atikon sowie der Ra-em, stoppten in respektabler Entfernung.
„Wir werden gerufen. Es wird eine Kreuzverbindung gewünscht“, vermeldete Sitral.
„Auf den Schirm!“, gab Drekal den entscheidenden Befehl. Ich brauche jetzt Informationen und egal wer sie mir gibt, ich wäre mit jedem Satz zufrieden.“
„Aye, Captain! Verbindung kommt.“
Sekunden später erschien das Gesicht von Administrator Osiris und das eines … Drekal musste überlegen..., aber Osiris gab ihr die Antwort. <„Hallo Commander Shar'tark!“>, grüßte der freundlich.
<„Ehre, Administrator Osiris!“>, entgegnete der Fremde.
<„Shar'tark, darf ich ihnen Captain Drekal vorstellen. Sie ist der Kommandant des Cherit-Kreuzers Ra-em.“>
<„Ehre, Captain Drekal. Wie ich sehe, sind sie die Nachkommen der Chettim.“>
Die Wölfin verneigte sich etwas und grüßte respektvoll zurück. „Nicht ganz, Commander, aber das ist eine lange Geschichte. Wenn wir lange genug leben, dann würde ich sie ihnen gerne erzählen.“
„Ja, Captain. Deshalb sind wir hier. Wie ich sehe haben wir einen gemeinsamen Feind und sie benötigen dringend Hilfe.“
„Wir brauchen Hilfe?“, bemerkte Drekal mit einem sarkastischen Unterton. „Wie kommen sie denn darauf? Wir haben hier alles bestens im Griff.“
Der Commander fing an zu lachen und schüttelte den Kopf. „Guter Versuch, Captain. Aber im Ernst. Wir entsenden unsere Jäger und werden versuchen das Problem mit ihnen gemeinsam zu lösen.“
„Ich hoffe, dass sie auf das, was sie erwartet, auch gefasst sind.“
„Bestimmt. Wir hatten in der Vergangenheit schon Besuch dieser Abtrünnigen, wenn auch in schwächerer Form. Shar'tark, Ende!“
Der Haldoraner verschwand vom Bildschirm und ließ Administrator Osiris und Captain Drekal allein.
„Captain Drekal. Bei allem Respekt“, begann Osiris etwas anklagend. „Auch, wenn die Haldoraner wie eine überdimensionale Kreuzung aus Küchenschabe und Ameise aussehen und nicht unbedingt auf der Beliebtheitsskala oben rangieren sollten, sind sie eine sehr stolze und starke Spezies. Und ihre Hilfe ist gerade jetzt immens wichtig, da wir uns in der Kampfkraft und der Stärke der Angriffe wohl doch etwas verschätzt haben. Leider unterlagen wir auch dem Fehler zu glauben, dass die Abwehrfähigkeit der Menschen einer solchen Invasion gewachsen wäre.“
Die Wölfin seufzte. „Ich muss mich entschuldigen.“
„Schon gut. Er hat zuweilen auch einen merkwürdigen Humor und sie haben seine Art dessen wohl genau getroffen.“
„Das beruhigt mich. Aber wie geht es jetzt weiter?“
„Die Jägerstaffeln der Haldoraner sollten bereits unterwegs, die Ziele erfasst und entsprechend in ihrer Vernichtung begriffen sein.“
„Das klingt in der Tat nach dringend benötigter Hilfe.“
„So ist es. Unser Ziel ist es jetzt den anfliegenden Systemvernichter zur Strecke zu bringen. Die Auswertung der Daten aus der ehemaligen Basis aus Genro ist fast abgeschlossen und es scheint eine Schwachstelle zu geben. Mehr dazu später. Osiris, Ende!“
Der Cherit-Kreuzer Osiris unter Captain Theseus hatte derweil Berlin erreicht, schwebte über dem Kurfürstendamm, setzte aber nicht zur Landung an, sondern hielt sich bei einer Höhe von zehn Metern. Mehrere Bäume links und rechts der Chaussee waren umgeknickt, lagen am Boden, die Siegessäule, ebenso das Brandenburger Tor hatten auch bessere Zeiten erlebt, waren durch tieffliegende Angriffsdrohnen in Mitleidenschaft gezogen worden.
„Wir sind dann auf Absetzhöhe“, verkündete der Steuermann, drehte sich um und nickte dem Captain bestätigend zu.
„Frachtschotten öffnen und die Cyborgs absetzen. Die Gleiter raus und angreifen.“
In diesem Moment verkündete ein kurzes Pfeifen den Eingang eines externen Rufes.
„Captain, wir werden gerufen. Gesprächsteilnehmer unbekannt.“
„Auf den Schirm. Mal sehen was er will“, ordnete der Widder kurz und knapp an.
„Aye! Verbindung steht.“
<„Ehre, Captain Theseus. Ich bin Commander Shar'tark, vom Planeten Haldor.“>
<„Ich grüße sie Commander. Womit kann ich ihnen helfen?“>
Der fremde Kommandant lächelte, wobei er seine Mandibeln seitlich abspreizte und damit leicht wackelte. <„Vielmehr ist es wohl so, dass wir ihnen helfen können und es auch tun werden. Wir haben einen gemeinsamen Feind, es sind die abtrünnigen Antermerianer.“>
<„Oh, das trifft sich gut. Und wir haben Glück, dass ausgerechnet die auch hier sind und uns mächtig Ärger machen.“>
<„Wie ich merke, haben sie den gleichen Humor wie dieser Captain Drekal und das amüsiert mich.“>
<„Ach herrje, da kennen sie Captain Melina noch nicht“>, murmelte der Widder versonnen.
<„Wie meinen?“>
<„Nichts, nichts. Aber zurück zum Thema. Was gedenken sie zu tun?“>
<„Wir haben bereits gehandelt. Unsere zehn Schlachtschiffe sind bestens aus-gerüstet und es sind mittlerweile 500.000 Kampfgleiter im Bereich der irdischen Atmosphäre unterwegs, haben die feindlichen Drohnen aufgespürt und mit dem Angriff begonnen.“>
<„Hmmm... das klingt gut, wird aber etwas unübersichtlich.“>
<„Genau aus diesem Grund rufe ich sie. Halten sie sich einfach zurück und aus den weiteren Kampfhandlungen raus. Unsere Gleiter sind bereits in Chicago und in Boston unterwegs. Kairo wird das nächste Ziel sein. Unsere taktischen Stationen haben ihre Angriffsstrategien überprüft und festgestellt, dass sie nicht effektiv genug sind, was die Schnelligkeit und Wendigkeit der Jäger betrifft.“>
<„Gut. Ich gebe das Kommando zur Rückkehr der Gleiter, allerdings würde ich empfehlen die Cyborg-Waffenträger und einige Bodentruppen abzusetzen um verbliebene Drohnen zu jagen und zu eliminieren.“>
<„Einverstanden! Machen sie es so, aber halten sie den Luftraum frei von ihren Truppen. Wir brauchen dort keinerlei Störungen. Bei einem momentanen Verhältnis von 200.000 Feinddrohnen zu 500.000 unserer Gleiter sollten wir den Luftraum sehr schnell unter Kontrolle haben. Den Boden überlassen wir ihnen.“>
<„So machen wir es. Gibt es sonst noch etwas?“>
<„Nein. Im Moment nicht. Außer, dass ich uns allen maximale Erfolge wünsche.“>
<„Ausgezeichnet! Viel Erfolg!“>
Die Verbindung wurde beendet und Theseus drehte sich zu seinem taktischen Offizier um. „Hol´ unsere Staffeln zurück und informiere Major Altarion Rogers darüber. Er soll die Mechs und seine Bodentruppen mit diesem ominösen Dimensionsverzerrer absetzen. Wie es aussieht haben wir die Aufgabe einen Stellungskampf auszufechten.“
„Aye, Captain! Ich gebe es weiter.“
Captain Seth saß in seinem Sessel, hatte ein Datenpad in der linken Hand und las sich die letzten Berichte durch. „Com! Gib mir Captain Melina.“
„Aye! Verbindung steht.“
<„Hallo Captain Seth!“>, flötete die Stute, nachdem sie auf dem Wandschirm auftauchte.
<„Ja, ich weiß. Immer wieder eine Augenweide dich zu sehen“>, entgegnete der Eselhengst beiläufig und fuhr fort, <„Wie sieht es bei euch in Australien aus? Habt ihr schon die neuesten Meldungen bekommen?“>
Cebal, der neben Melina saß, schnaubte fragend in Richtung des Wandschirms der Horem-hab, worauf er vom Captain einen mürrischen Seitenblick erntete.
<„Worauf spielst du an?“>
<„Laut dem was sich in anderen Bereichen der angegriffenen Städte tut, scheinen wir Hilfe bekommen zu haben.“>
<„Oh, einen Moment“>, sagte sie, griff nach ihrem Datenpad und überflog die letzten Meldungen. <„Ah. In der Tat. Wie nachlässig von mir.“>
<„Das bin ich von dir gar nicht gewohnt“>, entfuhr es Seth ungläubig.
<„Muss wohl am rötlichen Sand liegen“>, versuchte sich die Stute rauszureden.
<„Ich glaube eher, dass du nicht so oft mit fremden Mähnen spielen solltest“>, mahnte Seth an.
<„Tzzzz. Jetzt werde mal nicht frech. Aber, du hast recht, hier steht in der Info, dass die Haldoraner den Luftkampf übernommen haben und wir unser Jäger zurückholen sollen.“>
<„Genau so ist es.“>
<„Warum werde ich darüber nicht direkt informiert?“>, schnaubte die Stute und schaute ihren ersten Offizier mahnend über die linke Schulter an.
Der zuckte nur mit den Schultern und war sich keiner Schuld bewusst.
<„Darum sage ich es dir ja“>, rettete Seth die Situation.
<„Wie gütig von Dir“>, erwiderte Melina und wandte den Kopf zur anderen Seite. „Taktik! Ruf unsere Jäger zurück. Der Luftraum ist nicht länger der unsere.“ Und wieder zum Wandschirm gewandt: <„Sonst noch etwas?“>
<„Ja. Die Cyborgs bleiben am Boden und übernehmen den Rest der vielleicht noch funktionsfähigen Drohnen.“>
<„Alles klar.“>
<„Perfekt! Re-harachte, Ende!“>
Captain Seth schaute etwas beklemmt drein und zu seinem ersten Offizier. „Althais. Sollten wir eine Kreuzverbindung zu allen Schiffen herstellen, zur Byblon und diesen Haldoranern?“, fragte der Esel.
„Wenn alle so beschäftigt sind wie Melina, dann wäre es vielleicht eine gute Idee, zur Abstimmung der Strategie.“
„Mich beschleicht das Gefühl, dass wir alle zu nachlässig sind und es irgendwie nicht ernst genug nehmen.“
„Wie meinst du das?“, fragte Althais entrüstet.
„Na ja. Sieh es dir doch an. Überall wo wir gelandet sind und der Feind herumschwirrt sind wir nicht wirklich bei der Sache.“
„Ich empfinde das anders. Was sollten wir denn anders machen? Es läuft doch. Mehr als die Cyborgs abzusetzen hatten wir nicht zu tun. Gut, dann kamen unsere Jäger ins Spiel. Aber mehr ging nicht.“
„Hmmm... vielleicht hast du recht. Stell die Verbindungen her.“
Wenige Minuten später waren die Videobilder von Captain Melina, Maahes, Ramos, Theseus und Drekal erschienen, ebenso die von Administrator Osiris und Commander Shar'tark.
Nach einer sehr kurzen Vorstellungsrunde kam Captain Seth zur Sache. <„Wir sollten unsere Strategie abstimmen. Eins ist klar. Der Luftraum wird von den Haldoranern frei gemacht, am Boden werden die Cyborgs und einige Bodentruppen den Rest erledigen. Aber was ist mit der Zivilbevölkerung?“>
<„Die haben sich in ihren Häusern verschanzt oder sind in den Untergrund geflüchtet. Hier in Berlin gibt es ein vorzüglich ausgebautes und extrem verzeigtes U-Bahnnetz“>, antwortete Maahes prompt.
Melina konnte sich eine bissige Bemerkung nicht verkneifen: <„Kein Wunder bei deinem wüsten Auftreten. Bei unseren Truppen waren sie ganz lieb und haben mit unseren Piloten gefeiert.“>
<„Na toll“>, entfuhr es Drekal. <„Karneval der Tiere. Hoffentlich waren da nicht auch noch diese furries unterwegs.“>
<„Wie meinen?“>, fragte die Stute, an die Wölfin gerichtet.
<„Nichts von Bedeutung.“>
<„Gut so“>, schnaubte Melina schnippisch.
Der Commander der Haldoraner fing an zu lachen. <„Sie beide sind ein prächtiges Pärchen als Captains. Sie treffen genau meine Art von Humor und das ist extrem selten.“>
Die Stute schüttelte den Kopf und ließ provokatorisch die Mähne wehen. <„Wenn der nicht so groß wäre und wir nicht so dringend auf den angewiesen, dann wäre der in der Bratpfanne ein echter Leckerbissen“>, murmelte sie, aber es war laut genug, dass es fast alle hören konnten.
Osiris wurde plötzlich etwas blass im Gesicht und schloss die Augen.
Der Haldoraner hingegen begann noch lauter zu lachen. <„Das könnte ihnen so passen. So große Bratpfannen gibt es nicht. Aber jetzt zur Sache.“>
<„Ja, es geht hier wirklich zur Sache“>, mischte sich Theseus ein. <„In Berlin ist die Hölle los und das reinste Chaos ausgebrochen. Es wird sehr schwer die friedlichen Menschen von den unangenehmen zu unterscheiden.“>
<„Tja, die spinnen, die Deutschen“>, hörte man aus dem Hintergrund die Stimme von Rogers.
<„Mag sein“>, fuhr Shar'tark fort. <„Gerade dort müssen wir uns auf einen Häuserkampf einstellen.“>
Jetzt trat Altarion zum ersten Mal für alle sichtbar ins Bild und breitete demonstrativ die schwarzen Flügel aus.
Drekal nickte anerkennend, wie auch die anderen. <„Schön sie zu sehen, Major“>, grüßte sie.
<„Ganz meinerseits. Wir werden nicht nur die drei Waffenträger raus schicken, sondern auch zweihundert Soldaten. Wir haben da etwas, was wir gerne testen würden.“>
<„Machen sie das“>, ordnete Shar'tark an.
Altarion reagierte prompt und gab den Befehl.
In der Osiris wurde es einmal mehr hektisch, es wurden Befehle durch die Hangare gebrüllt.
Drei Wölfe und ein Luchs standen in einem der Frachträume beisammen, hatten unüblicherweise Papiere in der Hand, welche Einzelteilzeichnungen und Baupläne der Waffenträger beinhalteten und diskutierten über den korrekten Einbau der Dimensionsverzerrer und hegten Zweifel an derer korrekten Funktion.
In der Waffentechnik lagen neuartige Stunnergewehre, welche, ebenso wie die drei Mechs, mit dem Verzerrermodul ausgerüstet waren. Der säbelzähnige Major Altarion Rogers schaute leicht zweifelnd und nervös auf die zweihundert in Reih und Glied aufgebahrten Waffen und kratzte sich hinter dem rechten Ohr. Captain Theseus stand neben ihm und tat exakt das gleiche, allerdings bevorzugte er sein eigenes.
„Meinst du, dass das gut geht?“, brach der Widder das Schweigen.
„Es muss gelingen. Die Ankunft der Haldoraner konnte nicht besser in den Zeitplan passen. Der Luftraum ist nicht länger unser Problem, nicht solange deren Staffeln da oben alles kontrollieren. Viel wichtiger ist, dass wir die bodenläufigen Drohnen beseitigen und vor allem sollten wir vorsichtig sein, was die plündernden Horden angeht. Die könnten uns vielleicht mehr Probleme machen als der eigentliche Feind“, gab Rogers zu bedenken.
„Das heißt also, dass der Feind auch unter den Menschen zu finden ist.“
„Genau! Und das blöde dabei ist, dass man es den meisten nicht sofort ansieht.“
„Das wird nicht lustig“, seufzte Theseus.
„Im Krieg und den haben wir gerade, gibt es leider immer Colateralschäden und Opfer unter der unschuldigen Zivilbevölkerung. Ein Ärgernis, was es so gering wie möglich zu halten gilt. Daher müssen wir so schnell wie möglich und so präzise wie es nur geht arbeiten.“
„Das ist korrekt“, erwiderte Theseus und ging zum internen Com. „Captain an die Besatzung. Alarmstufe gelb wird auf orange heraufgestuft. Alle einsatzbereiten Soldaten sofort in die Waffentechnik und ausrüsten. Die drei Mech-Piloten sofort in Frachtraum sechs und bemannen. Es geht los.“
Das Chaos auf den Berliner Straßen war grenzenlos. Die immensen Zerstörungen an markanten Gebäuden nicht zu übersehen oder die einstigen Ziele des Gegners existierten nach dem Angriff gar nicht mehr, lagen als Schutthaufen am Boden oder im Wasser. In mehreren Straßenzügen waren Rohrleitungen geborsten und das Wasser schoss in meterhohen Fontänen in die Luft, teilweise waren es auch Gasleitungen die leckgeschlagen waren und aus denen das austretende, entzündete Gas als Brandfackel sichtbar war.
Viel schlimmer waren allerdings die Gasaustritte, die man nicht sah und in deren Umkreis sich das entzündliche Gemisch im Bodenbereich ausgebreitet hatte, darauf lauerte beim kleinsten Funken zu explodieren.
In vielen Stadtteilen, welche seit gefühlten Ewigkeiten immer schon soziale Brennpunkte gewesen waren, zogen marodierende Horden entlang, hatten sich mit Steinen bewaffnet, warfen Fensterscheiben ein, drangen in Gebäude ein, schlugen die Geschäftsinhaber, oftmals auch vorbei hetzende, private Personen regelrecht Krankenhaus reif, raubten und plünderten sie aus.
Zuweilen wurde dieser Mob auch selbst zum Opfer, wenn die Konzentration des Gases einer lecken Leitung hoch genug war und es sich durch einen elektrischen Funken entzündete. Das Ergebnis war dann immer das Gleiche. Es gab einen ohrenbetäubenden Knall, dann einen Glutball und die Bande bestehend aus zehn bis vereinzelt dreißig Menschen flog durch die Luft, endete gegrillt in einem Stück am Boden oder war teilweise in Einzelteilen herunter geregnet.
In der Luft hörte man das zornige Fauchen der teilweise noch fliegenden Angriffsdrohnen des Feindes, welche erbittert versuchten den angekommenen Haldoranern paroli zu bieten. Von den zwanzigtausend eingefallenen Feindrobotern war geschätzt die Hälfte am Boden, hatte sich zu bodengebundenen Kampfgeräten aufgebaut und durchstreifte jedes Gebiet, schoss auf jedes Lebewesen.
Exakt in diese Szenerie wurden zweihundert, gut gepanzerte, bestens bewaffnete anthropomorphe Wölfe, Tiger, Luchse, Stiere und Löwen abgesetzt. Gefolgt von den drei Waffenträgern mit Syrgon, Dana und Phil als Piloten begannen sie die fremdbesetzten Gebiete zu untersuchen.
„Und was machen wir jetzt?“, fragte Andreas in die Runde, welche aus unzähli-gen Anthros und furries bestand.
„Wir... ähm... wir...“, hub Bernhard an.
Cyron schaute das furry-Schaf schief an. „Sprich dich ruhig aus.“
Der schwieg lieber und ihm schien nichts weiter einzufallen, außer der Versuch ein halbwegs intelligentes Gesicht zu machen.
„Sehr schön“, fuhr Cyron fort, „hat jemand eine wirklich konstruktive Idee?“
„Na ja“, hub Shana an. „die Ra-em ist wieder im Orbit. Da können wir nicht hin. Chicago und Gary sind noch Meilen entfernt und nur durch die verdammten Angriffe am Horizont sichtbar.“
„Tja, aber liegt irgendetwas dazwischen. Irgendetwas wo wir erstmal unterkommen können?“, fragte Apophis.
„Hmmm... Ich hole mal eine Karte. Ich glaube nicht, dass wir den GPS-Geräten trauen können“, intonierte Andreas.
„Was?“, fuhr Stella auf.
„Die GPS-Geräte. Ach so, ihr könnt das ja nicht wissen“, mischte sich Jody ein. „Im Falle eines Krieges oder einer größeren Kampfhandlung hat das Militär den vorrangigen Zugriff auf das globale Navigationssystem. Das war in den Anfangszeiten so und ist es auch noch heute, zumal die GPS-Satelliten ja einen militärischen Ursprung hatten.“
„Ah... danke für die Erklärung.“
Andreas begab sich zum Gleiter und kehrte wenige Augenblicke später mit einem Bündel von Karten zurück. „Jetzt muss ich nur noch die richtige finden“, verkündete er und lächelte dabei. „Ich wusste immer, warum ich mich an den alten Schätzchen festhalte“, gab er zu Protokoll.
Shana sah erst zu Cayla, zwinkerte der Greifin zu und rollte mit den Augen. Die verstand und bekam einen sanften Blick, öffnete leicht den Schnabel.
Dann wandte sie sich an Andreas. „Ich glaube nicht, dass du unbedingt an den Karten hängst. Vielmehr habe ich noch in Erinnerung, dass du den Verschwörungstheorien hinterher hängst.“
Der furry-Fuchs sah sie zweideutig an. „Verschwörungstheorien? Meine liebe Greifin, sieh dich mal um und erkläre mir dann, was eine Verschwörung ist? Sieht das alles, was hier gerade passiert nach einer von der Regierung angezettelten Verschwörung aus?“
„Das nicht gerade, aber du musst auch bedenken, dass wir Menschen und gerade unsere Regierung sowie andere dubiose Stellen den Grundstein für einige Eskalationen gelegt haben“, raunzte ihn Shana an.
„Das mag sein. Aber was du vergisst ist, dass es vor Jahrmillionen anfing und da gab es noch nicht mal dominante Säugetiere auf der Erde.“
„Gut, der Punkt geht an dich.“
„Und all das wäre auch passiert, wenn es keine Menschen gäbe“, fügte er an.
„Nein! Da widerspreche ich“, mischte sich Apophis ein. „Es ist so, weil es hier Menschen gibt. Die Abtrünnigen würden niemals hier herum wüten, wenn es nicht eine intelligente Spezies gäbe, die in ihren frühen Formen und auch heute noch an Götter glauben würde. Oder vielleicht erst recht, wenn sie es nicht täte. Egal wie, es brauchte einer Spezies die man lenken kann, die man beeinflussen kann, deren Religiösitäten man auszunutzen kann.“
„Definiere die Beziehung Mensch zu Intelligenz und die Schnittmenge ist extrem klein“, entfuhr es Bernhard.
Die Meute erstarrte, jeder fixierte plötzlich einen unbekannten Punkt und dann drehten sich alle Köpfe bedächtig in seine Richtung. Andreas beugte sich dabei vor, hatte sich mit der Linken auf der Front des Gleiters abgestützt, während er in der Rechten die passende Karte hielt.
Der etwas beleibtere, vollbärtige und zottelhaarige furry ging in seiner Rolle ganz auf und zuckte zusammen, fühlte sich sprichwörtlich wie das Schaf vor dem Wolfsrudel.
„Würdest du das bitte wiederholen?“, fragte Tarja langsam.
„Na ja“ stotterte er. „Wirklich intelligent hat sich die Menschheit in der Vergangenheit nicht gerade benommen.“
„Ooooookay. Und ich dachte, ich hätte mich verhört“, schloss die Tigerin ihre Gedanken ab.
Andreas hingegen schaute ihn weiterhin an und vermeinte lediglich, dass er ihn besser im Auge behalten sollte, nur für den Fall, dass das Schaf nochmals eine lichte Phase habe. Er breitete die Karte aus, schaute nochmals streng zu Bernhard und konzentrierte sich dann auf das eigentliche Ansinnen.
„So“, hub er an, „dann schauen wir mal.“
Shana und Cyron beugte sich links und rechts von ihm mit über die Karte, dann zeigte er auf einen Punkt. „Denver!“
„Gute Idee. Wo sind wir?“, fragte Shana.
„In etwa hier. Chicago ist da hinten am Arschende.“ Er deutete auf zwei Bereiche der Karte.
„Eh. Das ist meine Heimatstadt. Darf ja wohl mal bitten“, grummelte die Frau entrüstet.
„Liebelein, es geht nicht gerade um Sensibilitäten. Denver wäre jetzt das einzige in Reichweite“, grantelte Andreas.
„Wie weit?“, fragte Cayla knapp dazwischen.
„Geschätzte sechzig Meilen. In maximal zwei Stunden sollten wir dort sein“, beantwortete Andreas die Frage.
„Das ist bequem zu erreichen“, stimmte Cyron zu. „Gibt es einen speziellen Anlaufpunkt?“
Shana überlegte und kniff die Augen zusammen. Plötzlich fuhr sie hoch. „Ich hätte da was. Der Professor erzählte mal etwas über einen Theologieprofessor, mit dem er befreundet war.“
„Die Universität. Eine sehr schöne Idee“, entfuhr es Jody.
„Geht ein furry zur Uni und diese hat nichts mit IT zu tun“, entfuhr es Bernhard.
Andreas sah in mit aufgerissenen Augen an. „Jetzt, mein liebes Schaf, wirst du mir unheimlich.“
„Lange Rede und wenig Sinn. Brechen wir auf, ein Ziel haben wir ja“, ließ sich Apophis vernehmen.
Einhellige Zustimmung.
Während es bei der Horem-hab unter Captain Melina, in der Nähe von Alice Springs, ruhig blieb und nur in der Ferne, genauer gesagt um die Stadt Darwin herum, einige Kampfhandlungen zwischen den Angriffsdrohnen der Abtrünni-gen und den Jägern der Haldoraner gab, in Alaska sich Captain Maahes die Mähne pflegte, waren bei Captain Ramos mit der Amun-Re, in Bagdad, die Kämpfe teils erbittert.
Die Cyborg-Skorpione waren von Westen kommend in die Stadt vorgedrungen und lagen unter Dauerbeschuss der sich wesentlich schneller bewegenden Feindeinheiten, welche mit zehntausend auch zahlenmäßig überlegen waren.
Desto trotz schlugen sich die Verbände der antermerianischen Waffenträger zuverlässig und hatten nur kleinere Probleme zu vermelden, als einem durch mehrere Granateinschläge an gleicher Stelle ein Bein mittig und zur Linken ab-getrennt wurde. Der Skorpion registrierte den Verlust, verspürte den Schmerz und feuerte als Dank dafür mit allen Waffen seiner Phalanx gleichzeitig auf das vor ihm befindliche Nest des Feindes.
Die Vernichtung war verheerend und gänzlich. In einem gigantischen, sich schnell ausbreitenden Feuerball von mehr als 1.800°C schmolz und barst und verdampfte alles was sich nicht retten konnte. Die Waffen hatten ihre extreme Vernichtungskraft bei gleichzeitigem Einsatz gezeigt und bereinigten die Umgebung im Umkreis von zwei Kilometern vollständig. Die befürchteten Colateralschäden traten somit auch von Freundesseite ein und waren in weiterer Folge nicht mehr rückgängig zu machen.
Der erfolgreiche Einsatz des Kombinationsfeuers wurde unter den Cyborgs in Windeseile weitergegeben, die Daten ausgewertet und umgesetzt.
Innerhalb von zwanzig Minuten war ein kompletter Bezirk, des westlich vom Tigris gelegenen Teils Karch, am Boden und dem unmittelbar darüber liegenden Raum geradezu klinisch sauber. Weiter oben fegten die Kampfgleiter der Haldoraner eine Feinddrohne nach der anderen vom Himmel, waren ihnen taktisch und technisch weit überlegen.
Unter der menschlichen Bevölkerung selbst hielten sich die Verluste glücklicherweise in hinnehmbaren Grenzen. Die überwiegende Zahl der Toten ging auf das Konto des Feindes. Ansonsten hatte sich alles was noch halbwegs krabbeln konnte in die Katakomben und die U-Bahn, welche im Jahre 2027 errichtet worden war, zurückgezogen und verschanzt.
In Kairo sah es nicht anders aus. Die Gefechte waren hart und es gab hier leider wesentlich mehr Opfer unter der Zivilbevölkerung zu beklagen als in anderen Städten. Das lag einerseits daran, dass es für den Feind deutlich größere Primärziele zu geben schien und andererseits daran, dass sich die Stadt, wie auch schon tausend Jahre zuvor, als Touristenmagnet darstellte. Diese Besucher waren zum größten Teil der einheimischen Sprachen und Dialekte nicht mächtig, waren zu sehr auf ihr Vergnügen bedacht, hatten das normale Leben in der Umgebung ausgesperrt und dabei zu spät registriert, dass sich plötzlich mehrere Einschläge ereigneten und im Anschluss einer Armee von Drohnen gegenüber sahen.
Allein die erste Angriffswelle mit Granatbeschuss aus der Luft, welche dem ägyptischen Museum und der näheren Umgebung galt, forderte siebentausend Leben.
Aber das änderte sich, denn die Angriffswellen der Haldoraner fegten eine Drohne nach der anderen vom Himmel, ließen ihre Trümmer auf die Straßen und Plätze regnen, vereinzelt gelandete Aggressoren standen unvermittelt dem einen oder anderen Waffenträger-Skorpion gegenüber und wurde auch am Boden vernichtend geschlagen.
Die Straßenkämpfe dauerten innerhalb der Stadt und des Kerngebietes nicht einmal eine Woche und Antermerianer und Haldoraner hatten die Stadt bereinigt, blieben die Cyborgs einstweilen noch sicherheitshalber stationiert, wenn auch außerhalb der Stadt.
An Bord der Ra-em sowie der haldoranischen Subraumkreuzer machte man sich derweil auf das Erscheinen des Systemvernichters gefasst. Auf den Sensoren war er schon lange sichtbar, allein die sichtbare Präsenz fehlte noch.
Allerdings sollte die nicht mehr lange auf sich warten lassen, denn die nieder-schmetternden Verluste unter den Angriffsdrohnen blieben weder dem Fenrir-Klon Wargol, noch dem Marduk-Klon Cratoul und Commander des Vernichters Sohn des Königs, verborgen.
Die anfänglichen Kommentare wie: „Was? Was wollen die denn hier?“ und „Was meinen die, was die da machen?“, wichen schließlich derben Flüchen und einer Eskalation der Situation.
„Du bescheuerter Wolf. Verdammt, du bist nicht mal ein Wolf, du bist ein räudiges Abziehbild!“, schrie Cratoul seinen Waffenoffizier an.
Der rutschte etwas hin und her, fasste sich aber schnell. „Commander, mit den Haldoranern konnte keiner rechnen. Du zielst auf den Falschen!“
„Falle mir nicht ins Wort du unwürdiger Wurm!“, schrie der Mardukableger.
Der Cathulu-Klon Darough mischte sich ein: „Es konnte wirklich keiner ahnen, dass unsere Drohnen so miserabel gegen einen scheinbar wesentlich überlegeneren Feind abschneiden würden.“
Cratoul sah die beiden scharf an, stand auf und umschlich sie. „Ich bin der Commander und scheinbar wirklich der einzig wahre Gott hier und im ganzen Universum.“
Wargol schüttelte den Kopf, nur unmerklich, aber deutlich genug, dass es Cratoul bemerkte.
Der blieb plötzlich hinter ihm stehen, starrte auf dessen Kopf, zog einen langen Degen, welcher ihm als Commander ehrenhalber zu stand und holte aus.
Wargol bemerkte nur einen kühlen Luftzug und kurzen Schlag, mehr nicht. Cratoul ging weiter um ihn herum und baute sich vor ihm auf, beugte sich zu ihm vor.
„Ich bin ein Gott. Ich bin der einzig wahre und lebende“, flüsterte er ihm ins Ohr, „Ist das klar?“
Wargol war erstarrt und sagte nichts.
„Na also. Geht doch“, sagte Cratoul noch, streckte sich und tippte dem Fenrir-Klon schließlich fast liebevoll auf die Nase. Wargols Kopf schien kurz zu nicken und kippte schließlich unter einem kurzen schmatzenden Geräusch nach hinten über und fiel zu Boden.
Darough schrie entsetzt auf und wedelte wild mit seinen Fangarmen. „Nein!“
„Du bist der nächste“, zischte der Commander scharf. „wenn du auch nochmals versagen solltest.“
„Was erwartet der Gott der Götter?“, fragte er ängstlich.
„Lade die primäre Vernichtungswaffe und der Vernichter soll mit maximaler Geschwindigkeit zur Erde. Informiere die beiden anderen Schiffe. Sie sollen Kurs auf Balgar und Haldoran setzen. Für diese Schmach sollen ihre Zivilisationen bluten. Totale Vernichtung, ab jetzt.“
In Berlin und seinen Stadtbezirken dauerten die Bodenkämpfe wesentlich länger. Die Hundertschaften von schwer bewaffneten Cherit durchstreiften die Straßen, schauten in jedes offenstehende Gebäude. Es war immer die gleiche erschreckende Feststellung. Die Bewohner waren tot, zerstückelt, erschossen und teilweise durch hohes Gewicht körperlich deformiert.
Die Plünderer stellten sich in der Tat als nicht zu unterschätzendes Problem dar. Waren die Drohnen eh schon eine Gefahr, so konnte man die marodieren-den Banden von den Flüchtenden nur in sofern unterscheiden, dass diese in erster Linie bewaffnet waren und sich den Cherit in aggressiver Weise näherten, sie regelrecht attackierten.
Der Befehl, die Colateralschäden von eigener Seite so gering wie möglich zu halten, war oftmals nicht mehr umsetzbar, ohne selbst Opfer zu werden.
Die Dimensionsverzerrer hatten ihre ersten Einsätze hervorragend durchlau-fen und funktionierten ohne Tadel. So gelang es vierzig Cherit, welche sich gerade die Perleberger Straße in Berlin-Moabit in Richtung des Sprengelkiez vor kämpften, die auftauchende feindliche Mauer zu hinterwandern und achtzig Aggressoren, mit geringsten Verlusten, zu eliminieren.
An anderer Stelle trafen nur zehn Cherit innerhalb eines Gebäudes auf sechs Angreifer, setzten den Verzerrer ein, landeten acht Soldaten hinter den Drohnen und zerstörten sie. So retteten sie das Leben einer kleinen Familie. Leider schafften es zwei der Verteidiger nicht, da beide sich verschätzten. Einer von ihnen tauchte mitten in der Drohnengruppe aus der Verzerrung heraus auf und verlor den Kopf und damit sein Leben, der andere kam zu weit hinter der Gruppe zum Vorschein und stürzte außerhalb des Gebäudes zwölf Meter in die Tiefe.
Das allein kostete ihn jedoch nicht das Leben, vielmehr war es die Tatsache, dass er unglücklicherweise in eine entstandene Grube fiel, in der ein geborstenes Trinkwasserrohr senkrecht nach oben stand und ihn aufspießte.
Der Systemvernichter erreichte innerhalb der verstrichenen Zeit die Erdumlaufbahn und stoppte vollständig.
Die Schiffe der Haldoraner, ebenso die Ra-em nahmen die Herausforderung an und umzingelten ihn.
„Kreuzverbindung!“, schrie Drekal quer über die Brücke.
„Verbindung steht!“, bestätigte Sitral.
<„Commander Shar'tark! Was schlagen sie vor?“>, begann die Wölfin.
<„Wir versuchen gerade zu analysieren. Bisher wissen wir nur, dass sie eine ihrer Primärwaffen aktiviert haben“>, antwortete der Insektoid.
Plötzlich piepte das externe Intercom.
„Captain“, hub Sitral an. „Ich habe hier Norad.“
„Auf den Schirm“, kam die Order.
<„Hallo Captain und hallo Commander“>, begann Isis, welche sich neben Zoran Grain befand.
<„Hallo. Was verschafft uns die Ehre?“>, fragte Drekal.
<„Wir haben die Art der Waffe analysiert und vor allem auch die Struktur des Vernichters.“>
<„Ah, wir sind ganz Ohr“>, warf Shar'tark ein.
<„Erstmal, wir haben eine Schwachstelle gefunden. Es ist eine andere wie sie der Prototyp hatte, aber gut genug um ihn zu zerstören. Es handelt sich um eine Nahtstelle, im hinteren Teil des Schiffes. Es scheint sich bei diesem neueren Typus um eine Art Baukasten zu handeln. Um Module, welche im Raum entkoppelt und wieder zusammen gefügt werden können.“>
<„Das klingt sehr gut“>, warf Shar'tark ein, <„aber wo können wir ansetzen?“>
<„Sie müssen das hintere Modul so schwer beschädigen, dass es abgekoppelt wird. Nachdem wir die Systemdaten ausgewertet hatten, kam die Schwachstelle zum Vorschein.
Die Abkopplung ist abhängig von der schwere des Schadens. Ist er so gravierend, dass Sektionen überwiegend unbrauchbar sind, dann wird das Modul vom System als Ballast angesehen, evakuiert und automatisch abgetrennt. Dazu muss er aber die Schilde, egal ob positiv oder negativ geladen zunächst neutralisieren.
Diese Neutralität bleibt für zwanzig Minuten erhalten und an der Abkopplungsstelle sind alle Daten- und Versorgungsleitung frei liegend. Ein Angriff an dieser Stelle hätte eine Kettenreaktion zur Folge, welche den Vernichter ins All blasen würde.“>
<„Klingt verlockend“>, hub Drekal an, <„Was ist mit der Waffe?“>
<„Uns bleibt nicht viel Zeit. Sie müssen unbedingt erfolgreich sein und das schnell. Bei der Waffe handelt es sich um einen gigantischen Magnetresonanzfeldgenerator. Gezielt auf die Erde gerichtet, schwächt er das planetare Magnetfeld und löst zusätzlich einen EMP aus. Es werden nicht nur alle elektronischen Geräte und auch Datentransfers gestört, sondern auch alles Leben aus-gelöscht, da der Planet fast ungeschützt der komischen Strahlung und dem Sonnenwind ausgesetzt wäre.“>
<„Verstanden, Isis!“>, sagte Drekal. <„Wir kümmern uns darum. Ende!“>
Sie ließ die Verbindung beenden und schaute sich um, schien nach einem Plan zu suchen. „Sicherlich haben die Abtrünnigen den Kontakt abgehört und können sich denken, was wir jetzt zu tun gedenken“, sinnierte sie laut.
„Mit Sicherheit“, entgegnete Colras, an der Navigation.
„Sitral? Würde ein Kombinationsfeuer aller Schiffe einen ausreichend großen Schaden am hinteren Modul hervorrufen?“
„Kann ich nicht ausschließen, aber auch nicht bestätigen“, antwortete die Schneeleopardin.
Die Wölfin schloss die Augen und setzte sich langsam in ihren Captainsessel, überlegte intensiv und schien einen Plan zu schmieden, einen Plan, welcher der schnellen Ausführung bedurfte.
„Sitral! Gib Alarmcode violett. Räumt das Schiff!“
„Captain?“
„Sofort“, brüllte die Wölfin. „Wenn ich sofort sage, dann meine ich das auch so. Violetter Alarm. Alles verlässt das Schiff! DAS IST EIN BEFEHL!“
Die Schneeleopardin nickte nicht einmal, betätigte den entsprechenden Taster. Die Schiffbeleuchtung erlosch und lediglich hellviolettes Licht erleuchtete die Räume und Gänge der Ra-em.
Phil, Dana und Syrgon durchstreiften in der Nähe des Brandenburger Tors den Potsdamer Platz, als sie auf eine größere Ansammlung von Menschen trafen.
Diese schienen zunächst verwirrt zu sein, stellten sich aber nach und nach als eher aufgebracht heraus.
Das Ziel ihrer Aggression war anfangs nicht näher zu definieren, aber es zog gerade Syrgon aus einem unerfindlichen Grund zum Ort des Geschehens.
Als er, mit den anderen beiden Waffenträgern im Schlepptau, eintraf, wusste er was geschehen war. Der aufgebrachte Mob hatte sich zweier Cherit-Soldaten bemächtigt, diese umringt und schlug mit Steinen und Knüppeln bewaffnet auf sie ein.
Entgegen der Warnungen von Phil und Dana, verließ er seinen Mech um den beiden Unglücklichen zu helfen, war sich jedoch nicht bewusst was das Motiv jener Meute war.
Auf der Ra-em hatten derweil alle die Rettungskapseln besetzt, den Abwurftaster betätigt und stürzten kontrolliert der Erdoberfläche entgegen. Einen präzisen Aufschlagspunkt gab es nicht, ebenso würde es eine unsanfte Landung werden, aber wenigstens lebend.
Drekal derweil wartete die Ausführung ihres Befehls ab, saß im Sessel auf der Brücke und schaute unbeweglich auf den Wandschirm.
Als der Computer bestätigt hatte, dass sich außer ihr keiner mehr an Bord des Kreuzers befand, begann sie ihren Plan in die Tat umzusetzen.
Die verrinnende Zeit ließ ihr keine Wahl als einen schwerwiegenden und finalen Schritt einzuschlagen.
„Computer“, sagte sie laut und entschlossen. „Alle Steuerungen übernehmen. Zielpunkt sind die Koordinaten Null, Null, tausend zu Null, zehn, zwanzig. Bei Annäherung unter hundert stillen Countdown zur Selbstzerstörung auf 10 Sekunden einleiten. Direkter Kurs auf Kollision mit maximaler Geschwindigkeit, jetzt.“
„Bestätigt! Bitte, Code für Automatische Selbstzerstörung eingeben.“
„Drekal, Ra-em tse maat cha, vollständige Zerstörung, Inpu ne-ba.“
„Automatische Zerstörung bestätigt bei Annäherung an Koordinaten Null, Null, Tausend zu Null, Zehn, Zwanzig unter hundert. Stiller Countdown bei Zehn.“
Die Wölfin erhob sich und beobachtete wie ihr Kreuzer sich von der Erde abwandte, der Planet aus der Sicht verschwand und der Systemvernichter auf-tauchte. Unspürbar beschleunigte das Schiff und ließ den Feind immer größer werden.
An Bord der haldoranischen Flotte bemerkte man die Vorgänge, konnte sich zunächst keinen Reim drauf machen, analysierte aber Geschwindigkeit und Kurs der Ra-em und begriff, was Drekal vor hatte.
Shar'tark stand auf der Brücke seines Schiffes und schüttelte den Kopf, zitterte mit den Mandibeln. „Was hat sie vor?“, fragte der Haldoraner ungläubig.
„Es hat den Anschein, dass sie den Systemvernichter rammen will, um ihn zu schwächen und angreifbar zu machen. Diese Chera scheint vollkommen verrückt geworden zu sein!“, schrie der erste Offizier Tar'las und sprang auf.
„Nein!“, entgegnete Shar'tark ruhig, „Sie ist bestimmt nicht verrückt. Sie ist eine Heldin. Nehmt euch alle ein Beispiel an ihr. Sprecht ihren Namen mit Ehrung und in Würde aus. Ab sofort soll sie in unseren Geschichtsbüchern einen besonderen Platz finden, sie ist Drekal von Festrid. Viel Glück, verrückte Chera.“
Der Commander drehte sich zum Waffenoffizier um: „Alle Waffen auf den Zerstörer ausrichten und aufladen. Wir feuern sobald die Ra-em ein Loch in die Schilde gesprengt hat. Viel Zeit bleibt uns nicht, bis die begriffen haben was passiert ist.“
Syrgon hatte seinen Mech verlassen und eilte den beiden am Boden liegenden Cherit zu Hilfe, aber er kam nicht mal in die Nähe.
Der Wolfsrüde kannte keine Begriffe wie Fremdenhass, Rassismus, sinnlose Wut auf alles was man nicht begreift und blinden Zerstörungswahn.
Er war friedlich aufgewachsen, wollte Frieden stiften und den Frieden bewahren, ihn notfalls zurückerobern.
Der Mob der ihn jetzt jedoch anstarrte und bewaffnet war, wollte all das nicht.
Geprägt von Stumpfsinn, geistig zurückgeblieben und nur von alles umfassenden blinden Hass, stand der Haufen Syrgon zunächst gegenüber, Sekunden später, ohne eine Spur eines Anlasses zu geben, rannten sie schreiend auf ihn zu, holten mit Knüppel und Baseballschlägern aus.
Das letzte was der Wolfsrüde spürte war ein dumpfer Schlag gegen seinen Kopf, dass er zu Boden ging und nochmals geschlagen wurde.
Das sein lebloser Körper getreten, förmlich zerschlagen und letztendlich mit mehreren Messerstichen vergewaltigt wurde, spürte er glücklicherweise nicht mehr.
Das Leben hatte den Körper des starken, unbeugsamen, gerechten und trotz-dem sanften und weichen Gemütes verlassen.
Dana und Phil, die tatenlos alles mit ansehen mussten, stockte der Atem. Bei Dana bildete sich ein Klos im Hals, ihre Augen wurden glasig, die ersten Tränen liefen ihr die Lefzen hinab und eine unbändige Wut kochte in ihr hoch. Eine Wut auf diesen geistlosen Mob, auf diese ehrlose Zusammenrottung. Das richtige Wort wäre Nationalisten gewesen, aber in ihrem Vokabular existierte diese widerwärtige Gemeinschaft nicht.
Sie aktivierte das Verbundfeuer aller Waffen des Mechs, wohl wissend, dass sie damit ein Inferno auslösen würde.
Selbst Phil, der sie warnte und ihr per Funk den Gedanken daran ausreden wollte, hatte keine Chance es zu verhindern.
Die Wölfin drückte auf den Auslöser und unter einer gewaltigen Explosion wurde der Potsdamer Platz in ein flammendes Inferno gehüllt, welches sich rasch ausbreitete und den Park einäscherte. Innerhalb der Mechs waren die beiden Wölfe geschützt, aber der Mob begriff viel zu spät was geschah und wurde buchstäblich in lebende Fackeln verwandelt, rannte schreiend auseinander, aber nur um wenige Schritte weiter unter der achthundert Grad heißen Hitze der Flammen zusammenzubrechen.
„Das war für dich Syrgon. Brennen sollt ihr dafür. Ich hasse euch, ich hasse euch alle“, schrie sie im Zorn, durch ihre Tränen hindurch.
„Dana! DANA! Es ist vorbei. Sie sind alle tot!“, holte sie Phil in die Realität zurück.
„Vorbei? Vorbei! Die haben Syrgon getötet und er hatte nichts getan. Wie lebensverachtend und respektlos muss man sein, um einen Lebensretter umzubringen? Sind Menschen es überhaupt wert, dass man sie rettet? Wäre es nicht einfacher gewesen sie alle sterben zu lassen?“
„Es sind nicht alle gleich! Die meisten haben es verdient, dass man ihnen hilft.“
„Ich zweifel gerade an allem.“
„Nein! Das war jetzt ein wirklich tragischer Fall und hat einem Freund das Leben gekostet. Lass uns weitergehen und den nächsten Straßenzug kontrollieren. Hier können wir nichts mehr tun. Lass seinen Tod nicht umsonst gewesen sein.“
Zur gleichen Zeit, als Syrgons Blick verlosch, hatte die Ra-em den Systemvernichter erreicht.
„Ich liebe dich Syrgon. Du hast mich zu einer besseren Wölfin gemacht und mir das Leben gezeigt. Meine Liebe wird alles überdauern. Leb' wohl und bleib stark“, schrie sie noch, fing dabei laut an zu lachen.
Auf den haldoranischen Schiffen wurde es sehr ruhig, die Brückenbesatzungen starrten gebannt auf die Frontbildschirme und hatten sich von ihren Sitzen erhoben, kreuzten das erste Armpaar vor dem flachen, glänzenden Chitinbrustpanzer, spreizten die Mandibeln weit vom Kopf ab und begannen laut zu brummen.
Cratoul und Darough befanden sich gerade auf der Brücke, unterhielten sich angeregt, wollten das auslösen der Primärwaffe befehlen, als der Cherit-Kreuzer unter deren ungläubigem Erstaunen auf die Schilde traf, diese ansatzweise durchschlug, ein Loch hinein riss und beim Auftreffen auf das hintere Modul explodierte.
Wie vorhergesagt, schrillte in diesem der Räumungsalarm auf, packte das Chaos alle Anwesenden des Vernichters, spürten alle einen gigantischen Ruck im Schiffsrumpf, welcher durch die Wucht zu brechen drohte.
Die Explosion hatte das automatische Programm aus dem Konzept gebracht, es waren nicht nur unzähligen Sektionen beschädigt, sondern die Außenhülle so schwer in Mitleidenschaft gezogen, dass es mehrere Kurzschlüsse und Rückkopplungen gab. Die Computersysteme waren überlastet und im betroffenen Modul brachen mehrere Feuer aus.
Cratoul war regelrecht in Panik geraten, schaute sich um und fand keinen dem er in diesem Moment die Schuld geben konnte.
„Verdammt!“, schrie er. „Was ist hier los?“
„Das Schiff; wir wurden erwischt.“, schrie Darough zurück.
„Wie ist das möglich?“
„Die Explosion. Es war eine Kombination aus mehreren Energieformen, massiv auf die Kopplungsstelle zum Heckmodul ausgerichtet. Die Abkopplung funk-tioniert nicht mehr. Das Modul drei ist außer Betrieb und gibt keine Rückmeldung mehr. Die Feuer sind außer Kontrolle“, brüllte der Cathulu-Klon.
„WAS? Es ist aus? Alles aus?“, wurde der Commander kleinlaut.
„Wir haben keine Möglichkeit uns abzutrennen und die Waffensysteme sind ausgefallen, ebenso die Lebenserhaltung.“
„Setz den Kurs auf Null, Null, Eins zu Eins, Null, Null. Kollision mit der Erde. Jetzt nehme ich alles mit“, befahl Cratoul mit ersterbender Stimme.
„Aye, Commander!“ Darough wollte den Befehl gerade weiterleiten, aber er kam nicht weiter.
Die zehn Haldoraner-Kreuzer hatten die Sohn des Königs ins Kreuzfeuer genommen und mehrere Explosionen erfassten den Vernichter, rissen Löcher in die Außenhaut. Das gewaltige Schiff vibrierte, die Körper der getöteten Besatzungsmitglieder, die Klone der unzähligen ehemaligen irdischen Götter wurden in den luftleeren Raum hinausgeschleudert und entfernten sich vom sterbenden Schiff.
Das hintere Modul wurde vom restlichen Rumpf gerissen, driftete unkontrolliert in Richtung der äußeren Planeten des Sonnensystems, gab dem Rest des Vernichters einen Kurs vorbei an der Erde in Richtung der Sonne.
Wenige Minuten später explodierten alle Teile des Schiffes in einem gigantischen Gleißen, zerstob der Angriff der abtrünnigen Antermerianer zu Staub und Asche, verteilt im All.
Im gleichen Moment ging das Brummen der Haldoraner in ein schrilles und markerschütterndes Fauchen über. „Ehre, Captain Drekal von Festrid.“
„Scannt sofort den umliegenden Raum. Alles was vom Systemvernichter noch übrig ist muss zerstört werden. Tiefenscan auf die Antarktis, macht das Wrack aus und feuert direkt. Tilgt jede Spur des Feindes“, befahl Tar'las.
Auf der Erde endeten die Kampfhandlungen abrupt. Bar jedes Signals, jeder Steuerung und Kommunikation mit dem vernichteten Systemvernichter, stürzten die in der Luft befindlichen Angriffsdrohnen ab, schlugen auf den Boden und lagen reglos herum. Die am Boden aktiven Roboter erstarrten in der Bewegung, fielen teilweise der Schwerkraft folgend um, blieben teilweise wie Salzsäulen stehen.
<„Ähm... Einsatzteams. Hier LDWC1“>, hub Dana mit belegter Stimme an und wischte sich die Tränen ab. <„Hier geschieht gerade etwas merkwürdiges.“>
<„Beschreiben!“>, kam eine barsche Stimme.
<„Die Drohnen, sie sind erstarrt.“>
<„Positiv. Hier auch. Wissen nicht, was es zu bedeuten hat. Weiterhin Vorsicht!“>
<„Bestätigt!“>, vermeldete Phil.
<„Hier spricht General Zoran Grain!“>, kam plötzlich die Stimme über alle Funkfrequenzen. <„Die Kampfhandlungen sind beendet. Der Feind ist vernichtet. Der Systemvernichter wurde zerstört.“>
<„Major Altarion Rogers hier! Wie ist das möglich?“>
<„Hallo Altarion! Drekal hat sich geopfert. Sie hat mit der Ra-em den Vernichter gerammt und ihn verwundbar gemacht. Danach trat eine Kettenreaktion ein und das Feindschiff pulverisierte sich selbst.“>
<„Verstanden! Wie steht es bei den anderen?“>, antwortete und fragte der Säbelzahntiger und man merkte deutlich, dass ihm trotz Sachlichkeit die Stimme stockte.
<„Hier LDWC3! Wir haben LDWC5 verloren. Syrgon ist gefallen“>, flüsterte Phil ins Headset.
<„Was?“>, schrie plötzlich Hadron in die Frequenz.
<„Wir haben Syrgon verloren. Er ….“>, begann Phil erneut.
<„... er wurde ermordet. Getötet in sinnloser Weise von sinnlosen Menschen“>, schrie Dana von Sinnen ins Mikro.
Hadron stockte der Atem. `Drekal und Syrgon sind tot? Wie kann das nur sein? Warum sie? Warum nicht ich? Das ist nicht fair. Das darf nicht geschehen sein!´
Der Löwe stand sprachlos da und sah Ariana aus glasigen Augen an. Die Löwin umarmte ihn fest. „Sie sind nicht nutzlos gestorben. Sie haben das Leben eines jeden einzelnen gerettet.“
Die Gleiter und Fahrzeuge mit furries, Cherit und Chafren an Bord hatten Denver erreicht und ahnten nichts von den Neuigkeiten, wussten nicht, dass der Krieg vorbei war und dass es tragische Verluste gab.
Sie erreichten das Universitätsgelände und stiegen aus.
„Hat man Worte?“, begann Bernhard. „Eine echte Uni und ich bin hier und das sogar ohne Abitur.“
„Hör auf mit diesen Sprüchen“, schnauzte Andreas. „Wir haben was zu erledigen und suchen eine Unterkunft. Mich wundert es nur, dass es hier so ruhig ist.“
„Du hast recht“, hub Jody an und Zoya plapperte unverständliches Zeug, während sie sich an ihrer Hand festhielt.
„Suchen wir den Professor“, forderte Cyron auf und schritt auf das Gebäude und den Haupteingang zu.
Nachdem sie eingetreten waren, durchstreiften sie die Flure des historischen Gebäudes, schauten auf die Beschriftungen neben jeder Tür und wurden schließlich fündig.
„Volltreffer“, intonierte Stella. „Hier ist sein Büro.“
„Sehr schön! Und jetzt?“, fragte Kim.
„Wie wäre es mit anklopfen?“, entgegnete Andrew, hob seine Faust und holte etwas aus.
Weiter kam er nicht, denn plötzlich wurde die Tür aufgerissen. Ohne ein weiteres Wort wechseln zu müssen, hatten sie Kontakt zum gesuchten Theologieprofessor hergestellt und stellten schnell fest, dass er und Professor Skort sich sehr ähnlich waren. Er war genauso überbordend in seiner Art wie dieser, hatte die gleichen Zipperlein und sprang gedanklich von einer Ecke des Universums zu einer anderen und fluchte all zu oft in Richtung aller möglichen Götter, welche dieses Chaos zugelassen hatten.
Nebenher hatten zwischenzeitlich alle eine Tasse Kaffee in der Hand, schlürften hingebungsvoll das belebende Getränk, unterhielten sich über die zurückliegenden Erlebnisse und wie es dazu kam, als ohne Vorankündigung das Radioprogramm, welches im Hintergrund lief, unterbrochen wurde und die Lautstärke sich deutlich erhöhte.
Die Runde schwieg von einer Sekunde zur anderen, als aus Norad heraus eine offizielle Botschaft über alle Frequenzen verkündet wurde:
„An alle Menschen der Erde!
Der Krieg ist vorbei. Der Aggressor ist geschlagen und komplett vernichtet. Wir wollen unseren Helfern danken und sie willkommen heißen. Ein Willkommen, dass ihnen gebührt, welches bisher aber zu kurz kam.
Begrüßen wir sie mit Respekt und Ehre, mit Toleranz und Vertrauen. Hass und Feindseligkeit sind fehl am Platz und werden nicht hingenommen.
Wir verdanken allein den Antermerianern, den Cherit, den Chafren und am Ende vor allem den Haldoranern, dass wir und unser Planet noch am Leben sind.
Es ist nicht akzeptabel das sie angefeindet werden. Wir alle haben ihnen unsere Existenz zu verdanken. Ohne sie wären wir vernichtet worden.
Besonderer Dank gilt hierbei zwei Wölfen.
Einem Wolfspaar wie es unterschiedlicher und doch gleicher nicht sein konnte. Sie war der Captain der Ra-em und hat maßgeblich den Systemvernichter zerstört, ihr Name war Drekal.
Er war ein Waffenträgerpilot und starb in Ehre, sein Name war Syrgon. Allerdings starb er durch die Hand von Ehrlosen.
Eins sollte uns aber immer im Gedächtnis bleiben. Sie und alle anderen sind Helden. Sie sind Helden in der Geschichte der Menschheit und des Planeten Erde, für immer in den Geschichtsbüchern verewigt.
Die Gesichter der Anwesenden sprachen Bände.
Cyron und Stella waren die ersten, die reagierten und ihren Tränen freien Lauf ließen. Weniger, weil der Krieg vorbei war, vielmehr, weil die Botschaft von Drekals und Syrgons Tod zu ihnen vorgedrungen war, während die anderen noch mit der Information zu kämpfen hatten.
„Wer waren die beiden?“, fragte Andreas frei heraus.
Andrew schaute ihn traurig an und atmete tief durch. „Lass mich dir von den beiden berichten“, begann der Säbelzahnlöwe. „Lass mich berichten wie alles begann und was im weiteren geschah.“
So saßen sie vereint im Kreise und gedachten in Anekdoten und Ereignissen der Lebenden und der Toten. Wie überall auf der Erde, wo sich Cherit, Antermerianer, Chafren, Menschen und auch mehrere Haldoraner trafen, in Frieden und beginnender Freundschaft miteinander redeten, diskutierten und eine weitere gemeinsame Zukunft planten.
Epilog
Zehn Jahre später.
Die Menschheit hatte sich von den Kriegswirren des Jahres 3048 erholt.
Entstandene Schäden waren entweder behoben oder noch im Wiederaufbaustadium begriffen. Die Opfer waren begraben.
Die Cherit, welche auf der Erde waren, wurden in das tägliche Leben eingebunden und als Gleichberechtigte behandelt. Es gab keinerlei Feindseligkeiten unter Menschen und den Anthros.
Cyron, Stella, Chiron, Tarja, Apophis und Jody hatten ein großes Generationenhaus bezogen und zogen Zoya, welche nunmehr elf Jahre alt war, gemeinsam groß. Sie hatte sich als Klassenbeste an ihrer Schule einen Namen gemacht und einige Freunde gefunden. Das anfangs kleine Mädchen war größer und kräftiger wie ihre Klassenkameradinnen und entwickelte sich so, wie es Isis vorausgesagt hatte. Sie zickte zuweilen herum, war aber trotzdem freundlich, zuvorkommend und sensibel, wirbelte zu gerne mit ihren langen roten Haaren durch die Luft, hatte lange Säbelzähne und ein breites, gewinnendes Lächeln.
Shana war in ihr Haus nach Chicago zurückgekehrt und die Greifin Cayla war bei ihr eingezogen, hatte beschlossen das Leben mit ihr zu teilen.
Regar und Sirius hatten zueinander gefunden und waren unzertrennlich geworden, blieben auf dem Kreuzer Horem-hab und machten unter dem Kommando von Captain Melina die Galaxis unsicher.
Zeus sowie Hadron und Ariana waren an Bord der Nephtys nach Genro geflogen und hatte sich dort ein neues, wenn auch ansatzweise altes Leben aufgebaut, während Zeus mit Erfolg Sandra umworben hatte.
Die Antermerianer waren in der Erdumlaufbahn geblieben und sicherten den umgebenden Raum ab, trotz gewisser Einwände Osiris', welcher wieder mehr Interesse an seiner Partnerin Isis zeigte und der Klonierung entsagte und sich auf die natürliche Art und Weise konzentrierte. Wer wollte es ihm auch nach 22 Millionen Jahren versagen?
Die Haldoraner waren in ihr Sternensystem zurückgekehrt, während die verbliebenen drei Subraumkreuzer der Cherit den Mars umkreisten und mit der Urbanisierung begonnen hatten. Ein reger Verkehr zwischen Mars und Erde entstand, wenig später kamen die ersten Handelskreuzer der Cherit aus Richtung Festrid hinzu und stellten zusätzlich noch eine Verbindung zwischen Genro und erwähnten Planeten her.
Viele gingen wieder zur Tagesordnung über, man verzockte sich an der Börse, ergab sich in Casinos seiner Spielsucht, feierte im großen und kleinen, plante für die Zukunft, welche jetzt mehr Möglichkeiten bot als je zuvor. Aber eines blieb.
Was blieb war die Erinnerung, die Erinnerung im Gedächtnis, im Herzen und in den Geschichtsbüchern an eben diese schweren Wochen. An die Wochen, in denen die Menschheit kurz vor der Auslöschung stand.
Und die Ehrung zweier besonderer Helden, deren Statuen auf Säulen hoch über den Köpfen der Menschen in Berlin in den Himmel ragten. Die Statuen zwei Wölfe.
Zwölf Meter hoch und aus schwarzem Granit bestehend, blickten sie milde und gütig auf die vorüberziehenden Einwohner der Stadt und derer Touristen hin-ab, gedachten Inschriften am Sockel an Drekal von Festrid und Syrgon von Genro.
Das Universum in seiner Vielfalt. Es bringt viele Spezies hervor. Es gibt friedliche und weniger friedliche, denen aber eines gemein ist. Der Wunsch nach einem gemeinschaftlichen Leben in Ruhe und Würde.
Während sich auf der eine Seite des bekannten Universums mehrere Zivilisationen aufmachten eine gemeinsame Zukunft zu gestalten, geschah weit, weit entfernt etwas ganz anderes.
„Vo-wa!“, sprachs der Erste zum Zweiten.
„Ich höre, E-lo!“
„Erblickest du den Frieden und die Eintracht in jenem fremden Teil der Dunkelheit?“
„Oh ja, E-lo! Vo-wa sieht es.“
„Ich möchte, dass wir uns dorthin begeben und ihnen Licht bringen.“
„Oh ja, E-lo! Tu-sa und Wi-be werden sich erhaben erfreuen.“
„Dann wohl an. Beginnen wir die Reise und bringen Licht ins Dunkel. Das Licht der Göttlichkeit. Das einzig wahre Licht, denn wir sind das Licht und überall wo wir erscheinen, erstrahlen wir als die einzig wahre Quelle der Wahrheit und der Güte. So wollen wir ihnen die Wärme und die Barmherzigkeit bringen, damit sie uns Dienen können.“
„So soll es sein, denn wir sind die Bringer des Lichtes der Wahrheit.“