Der Preis den wir zahlen -Revisisted-

Story by elpoyodiabolo on SoFurry

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Nach den Ereignissen der letzten Geschichte, findet sich der Große Khan in einem Gewissenskonflikt, den zu lösen das empfindliche Gleichgewicht gefährden könnte, auf dem ihre Gesellschaft fußt.

Geht das Wohl vieler immer über das Wohl der wenigen, oder muss man manchmal auch den Willen aller anderen ignorieren, um am Ende das Richtige zu tun?

In einer Zeit, in der zu viele Dinge in zu kurzer Zeit geschehen, muss der mächtige Anführer der Tiger nicht nur mit sich selbst ins Reine kommen, sondern auch seine Nachfolge klären und eine Entscheidung treffen, die die Zukunft des gesamten Dschungels nachhaltig verändern könnte.

Dies ist die dritte und letzte Geschichte des ersten Buches aus dem Zyklus: Das Gesetz des Dschungels.

Die komplette Überarbeitung dieses ersten Buches wird im Laufe der nächsten Monate auf dieser Plattform erscheinen.

Das Original kann hier nachgelesen werden: https://sofurry.com/s/eNb5kVMe


Stille.

Absolute, ohrenbetäubende Stille.

Es war weniger, dass sie nichts hörte, es war eher, dass sie sich selbst hörte. Ihre Atmung, ruhig und entspannt, und ihr Herzschlag, ebenso langsam und rhythmisch. Beruhigend, und doch fühlte es sich seltsam an. Sie konnte sich nicht erinnern, jemals eine solche Stille wahrgenommen zu haben.

Sie öffnete ihre Augen und alles war weiß, aber es war nicht so sehr, dass es sie blendete, es war einfach alles weiß, es war die Abwesenheit jeglichen Schattens. Sie sah keinen Himmel, aber auch keine Decke, keine Wände, einfach nichts. Nicht zwingend beunruhigend, es war wie dichter Nebel, und doch fühlte es sich nicht richtig an, denn selbst im dichtesten Nebel konnte man noch immer Dinge wahrnehmen.

Sie nahm auch Dinge wahr, sie spürte den Boden unter ihrem Rücken und sie spürte sich selbst. Sie hob den Kopf und sah sich um. Sie sah sich selbst, ihren Körper, nackt und unversehrt, aber sonst nichts. Ihr war nicht kalt und ihre Nacktheit machte ihr nichts aus, was sich ein wenig seltsam anfühlte, aber nicht besorgniserregend.

Je mehr sie darüber nachdachte, desto mehr fiel ihr auf, dass, so sehr sie sich auch über diese Situation Sorgen machen wollte, sie es nicht konnte. Sie wollte sich Gedanken machen über diesen - ihr völlig fremden - Ort, wollte sich unsicher fühlen, aber das tat sie nicht. Im Gegenteil, sie fühlte sich sicher, in Sicherheit. Ein unglaubliches Gefühl von absoluter Sicherheit und Geborgenheit durchflutete sie. Es war, als wüsste sie instinktiv, dass ihr hier nichts zustoßen würde.

Es war dieses Gefühl der Sicherheit, das sich für sie so vollkommen falsch anfühlte.

„Zugestoßen …“

murmelte sie still vor sich hin. Ein gutes Stichwort. Sie schaute an sich herunter, irgendetwas war anders. Sie hob ihre Hände vor ihr Gesicht, und betrachtete sie, ihre Arme und dann ihre Beine und Füße, irgendetwas fehlte. Aber was? Sie versuchte, sich zu erinnern, aber es wollte ihr einfach nicht einfallen, es war, als würde sie ihre Hand danach ausstrecken, aber die Erinnerung wich weiter in den Nebel zurück, fast so, als wollte sie nicht, dass man sich an sie erinnerte.

„Warum kann ich mich nicht erinnern?“

flüsterte sie und rieb sich die Schläfen, während sie sich ganz langsam aufsetzte. Nun, da sie saß, sah sie sich noch einmal um. Sie befand sich in einem Raum, so viel war sicher, aber die Größe dieses Raumes konnte sie unmöglich abschätzen. Es gab keine Konturen, sie konnte nicht einmal sehen, wo der Boden anfing oder aufhörte, selbst als sie nach unten schaute, konnte sie noch nicht einmal ihren eigenen Schatten sehen.

„Wo … wo bin ich?“

flüsterte sie und ihre Stimme klang so, als wäre sie in dämpfende Baumwolle eingewickelt. Es gab kein Echo, der Schall verlor sich einfach im Nichts. Für einen Moment glaubte sie fast, dass sie die Worte gar nichts ausgesprochen hatte, weil ihre Gedanken so laut waren in dieser Stille.

Ganz langsam machte sich so etwas wie Sorge bemerkbar.

„Hallo?“

fragte sie, bereits ein wenig lauter, und dieses Mal war sie sicher, dass sie die Worte ausgesprochen hatte. Noch immer hatte ihre Stimme keinen Nachhall, was sich immer seltsamer anfühlte. Sie atmete tief durch und begann sich die Arme zu reiben, etwas, das sie bereits seit ihrer Kindheit tat, immer dann, wenn ihr etwas Sorgen bereitete, oder sie Angst hatte.

Sie bekam keine Antwort und es fühlte sich an, als würde diese Leere, die sie umgab langsam anfangen, sie zu erdrücken.

„Ha … hallo? Ist das jemand? Ich habe Angst.“

Wiederholte sie ihre Frage, wobei ihre Stimme ein wenig zitterte. Erneut sah sie sich um, konnte aber weiterhin nichts erkennen. Sie zog ihren Knie an ihren Körper und schlang ihre Arme um sie, während ihre Sorge langsam in Angst umschlug.

Als die Stimme wie aus dem Nichts kam, fuhr sie erschrocken zusammen.

„Hab keine Angst, Shirya, hier wird dir nichts geschehen.“

Die Stimme klang alt, verbraucht, aber es schwang eine Wärme in ihr, die sie direkt beruhigte.

„Shirya?“

murmelte sie. Ja genau, das war ihr Name, erinnerte sie sich. Es keimte so etwas wie Hoffnung in ihr auf und verdrängte sie Angst. Erneut sah sie sich um und versuchte, die Quelle der Stimme zu lokalisieren.

„Wer ist da? Wo bist du?“

fragte Shirya in das weiße Nichts, das sie umgab. Als sie Antwort erhielt, hörte sich die Stimme bereits viel näher an.

„Ich bin hier, bei dir.“

Die Stimme klang direkt hinter ihr und sie wollte sich bereits herumdrehen, als die Stimme sich erneut erhob.

„Nein, dreh dich noch nicht um, ich möchte nicht, dass du dich erschrickst.“

Sie klang sehr sanft, war voller Wärme und Zuneigung. Irgendwo kam Shirya die Art und Weise, wie die Stimme sprach, bekannt vor, aber sie konnte es nicht einordnen. Als sie schließlich merkte, wie sich jemand von hinten näherte, schrien uralte, tief verwurzelte Instinkte sie an, sich umzudrehen oder die Flucht zu ergreifen. Sie widerstand jedoch dem Drang, sich sofort umzudrehen, wollte demjenigen glauben, der sich von hinten näherte. Trotzdem beschleunigte sich ihr Atem in Erwartung dessen, was nun passieren würde. Hoffnung und Angst kämpften um die Vorherrschaft in ihr, während sie wartete.

„Gutes Kind, bitte erschrick jetzt nicht.“

sprach die fremde Stimme einfühlsam. Was dann geschah, traf Shirya völlig unvorbereitet, die Hand, die ihr nun vorsichtig von hinten auf die Schulter gelegt wurde, war mit gelbem Fell und schwarzen Streifen versehen. Ihre Augen weiteten sich und sie zuckte zusammen, aber die Hand hielt sie sanft aufrecht.

„Sssch mein Kind, ich werde dir nichts antun. Ich bin hier, um dich willkommen zu heißen.“

flüsterte der Tiger, der hinter ihr stand, und sie wollte ihm glauben. Ganz langsam drehte Shirya ihren Kopf, um über ihre Schulter zu blicken. Der Tiger, den sie hinter sich stehen sah, war alt, sein Fell war stumpf und ergraut, sein Gesicht zerfurcht von Falten und seine gelbgrünen Augen sahen müde aus, aber sich Lächeln strahlte eine unerwartete Wärme und Liebe aus. Er stand einfach da und machte keine Anstalten, sich zu bewegen. Es schien, als würde er auf das Unvermeidliche zu warten.

„Wer … wer bist du? Und wo sind wir hier?“

Kam die vorhersehbare Frage von Shirya, während sie sich ganz langsam zu ihm umdrehte. Neugierig betrachtete sie den alten Tiger, der im Nichts zu stehen schien. Er reagierte nicht sofort, sondern nahm erst einmal seine Hand herunter und legte seinen Kopf ein wenig schief.

„Zu meinen Lebzeiten wurde ich der Große Khan genannt, jetzt bin ich der Wächter dieses Raums. Ich war es, der mit deinen Vorfahren den Pakt schloss, der dich nun hierher geführt hat.“

erklärte er, wobei seine Stimme erstaunlich weich für ein Raubtier seines Alters klang. Shirya sah ihn fragend an, aber dann traf sie die Erinnerung wie ein Schlag in die Magengrube. Sie erinnerte sich daran, wie sie sich freiwillig als Tribut gemeldet hatte, wie sie über den Pfad gegangen und den Tempel der Tiger betreten hatte, wie sie mit Rayas die Vorbereitungen für das Ritual durchgeführt hatte und sie erinnerte sich an den traurigen Blick in Rayas Augen, kurz bevor sie ihren letzten Atemzug nahm. Unbewusst führte sie ihren Hände an ihr Brustbein und Tränen sammelten sich in ihren Augen, als alles auf sie einstürzte.

Der Große Khan schloss seine Augen und nickte langsam, als er die Erkenntnis in ihr sah, dann breitete er seine Arme aus und fing sie auf, bevor sie zusammensacken konnte. Er drückte sie sanft aber entschlossen an seine Brust, während sie zu schluchzen anfing und er spürte, wie ihr Gesicht heiß wurde.

„Sssch … es ist alles gut, Kind. Du hast es geschafft, hier wird dir kein Leid mehr geschehen. Du bist in Sicherheit, ich habe dafür gesorgt, dass niemand, der durch unseren Pakt hierher gelangt, irgendetwas zu befürchten hat.“

flüsterte er leise und streichelte ihr über den Rücken. Er wartete geduldig, bis sie sich beruhigte. Es dauerte eine ganze Weile, und ab und zu, wenn es schon so schien, als dass sie sich beruhigt hatte, fing sie doch wieder an zu weinen und ihr Körper wurde vom Schluchzen durchgeschüttelt. Der Tiger hielt sie weiter fest und drückte sie an seine Brust, zärtlich wiegte er sie hin und her und wartete.

„Sssch … mein Kind, es ist alles in Ordnung. Du brauchst keine Angst mehr zu haben.“

sagte er schließlich, als er sich sicher war, dass sie sich zumindest halbwegs wieder gefangen hatte, während er weiterhin sachte über ihren Rücken streichelte.

„Ich möchte, dass du ein paar Leute kennenlernst. Sollen wir mal dort ‘rübergehen?“

fragte er leise und löste seine Umarmung ein wenig, aber Shirya schüttelte langsam ihren Kopf und vergrub sich noch tiefer in seine Brust. Der Tiger akzeptierte ihre Entscheidung, nickte stumm und schloss seine Arme wieder fester um sie. Für den Moment schien sie die Sicherheit und den Halt, den er ihr bot, zu brauchen. Auch als er seinen Kopf hob, reagierte sie nicht, sondern hielt sich weiter an seinem Fell fest.

Erst als kurze Zeit später ihre Umarmung von weiteren Armen, Händen und Körpern geteilt wurde, hob sie ängstlich ihren Kopf und sah sich um. Sie waren umgeben von anderen Tapiren, die alle an sie heran drängten und die beiden in ihrer Mitte umarmten. Shirya erkannte einige von ihnen von Bildern, die die Wände in ihrem Zuhause geschmückt hatten. Es waren ihre Vorfahren, alle lang verstorben. Nach einem Moment der Unsicherheit ließ Shirya den Großen Khan los und der Tiger entließ sie aus seiner Umarmung, von der sie direkt in die nächste Umarmung gezogen wurde.

Unbemerkt von der jungen Tapirin, zog der alte Tiger sich mit einer leichten Verbeugung zurück und verschwand schließlich im Nichts der weißen Umgebung.

„Mein Kind, warum bist du denn schon hier? Deine Zeit war doch noch gar nicht gekommen.“

fragte eine alte Tapirin, die Shirya innig umarmte und nicht mehr loslassen wollte, doch bevor sie antworten konnte, fuhr die alte Tapirin fort.

„Nein. Nein, sag es nicht, ich weiß schon. Ich hätte diesen Pakt niemals schließen dürfen. Bei den Ahnen, schaut wer den Weg gegangen ist, dabei ist sie viel zu jung für sowas!“

rief Lima in die Runde der anwesenden Tapire. Sie war den Tränen nahe, während sie weinende Shirya in ihren Armen hielt. Nach und nach gesellten sich die anderen Tapire in die Umarmung und schenkten der jungen Artgenossin ihre Wärme und Zuneigung.

Diese hatte ihre Augen geschlossen und ließ sich einfach in ihren Gefühlen treiben. Sie fühlte sich sicher, geborgen und geliebt, und sie war sich sicher, hier würde ihr nichts mehr passieren…

dafür würde der Große Khan sorgen

Sie stand vor der großen, reich verzierten Tür, die zum Gemach des Großen Khans führte, hatte ihre Augen geschlossen und wartete auf den richtigen Moment, um die Tür zu öffnen. Selbst hier draußen im Gang konnte sie hören, wie ihr Gefährte sich drinnen mit den Priesterinnen vergnügte. Die dumpfen Geräusche, das Kichern der jungen Tigerinnen, die gerade mit ihm zusammen waren und Dinge taten, die ihr - zumindest für den Moment - versagt blieben, schürten ihre Eifersucht und ihre Erregung. Noch durfte sie das Gemach ihres Anführers und Partners nicht betreten, und es kostete sie viel Kraft, nicht einfach die Tür aufzureißen und ihren Anspruch auf den Großen Khan geltend zu machen.

Wie so vieles in ihrer Gesellschaft war auch der Akt der Paarung - zumindest wenn es darum ging, einen Nachkommen für den Großen Khan zu zeugen - ein von Ritualen und Traditionen geprägter Vorgang. Es gab Protokolle, die es zu befolgen galt, Zeitrahmen und Bedingungen, die erfüllt werden mussten.

Sie war Teil des persönlichen Harems des Großen Khans, eine große Ehre, die ihr bereits in jungen Jahren zuteilgeworden war und die ihrer Familie großes Ansehen und Privilegien in der Gesellschaft der Tiger eingebracht hatte. Nun war sie von der Hohepriesterin auserwählt worden, um den nächsten Großen Khan zu empfangen, ihn auszutragen und dann aufzuziehen. Eine außerordentliche Ehre, aber auch eine Verantwortung, von der sie noch nicht recht wusste, ob sie ihr gewachsen war.

Sie war furchtbar aufgeregt und versuchte ständig, sich selbst zu beruhigen, aber es gelang ihr nicht. Einerseits freute sie sich darauf, wieder allein Zeit mit ihrem Gefährten zu verbringen, andererseits war sie unglaublich nervös, immerhin würde sie zum ersten und äußerst wahrscheinlich einzigen Mal in ihrem Leben an dieser Zeremonie teilnehmen dürfen, und nicht zuletzt hatte sie auch Angst. Die Würde und Verantwortung, die diese Paarung mit sich bringen würde, waren eine große Herausforderung und würden eine nicht zu unterschätzende Belastung darstellen. Sie war noch jung, geradezu unerfahren im Vergleich zu einigen der anderen Konkubinen des Harems. Ébano zum Beispiel war eine Konkubine, die bereits unter dem vorherigen Großen Khan Teil des Harems gewesen war und Erfahrung in solchen Dingen hatte.

Es war zwar nicht so, dass sie noch nie den Akt mit dem Großen Khan vollzogen hatte, aber dies hier, dies war anders. Noch nie zuvor war sie derart intensiv auf etwas vorbereitet worden, wie auf diese Nacht. Eine ganze Horde Priesterinnen war über sie hergefallen und hatte sie für ihre Zusammenkunft mit dem Großen Khan zurechtgemacht.

Sie hatten sie gebadet, rituell gereinigt und Stunden damit zugebracht, ihr Fell zu kämmen. Sie betrachtete ihre Hände, die kunstvoll mit bunten Bändern umwickelt waren, sie zitterten leicht. Von dort ließ sie ihren Blick über ihre Arme schweifen, die aufwändig mit Runen der Fruchtbarkeit und des Glücks beschrieben worden waren. Dann sah sie an ihrem Körper herab, über ihre Brüste, die durch das geschickte Binden mit geflochtenen Bändern hervorgehoben und anschließend mit Runen in leuchtenden Farben akzentuiert worden waren. Sie konnte dem Drang, sie zu berühren, nur gerade so widerstehen und als ihr Blick weiter nach unten glitt, sah sie die aufwendige Rune, die die Hohepriesterin höchstselbst auf ihren Bauch aufgebracht hatte. Sie war schön und sollte den Erfolg dieser Vereinigung garantieren. Selbst ihren Intimbereich hatten die Priesterinnen nicht verschont. Nachdem sie ihn fast vollständig rasiert hatten, hatten sie ihn ebenfalls mit bunten Bändern in Szene gesetzt. Es war ein seltsames Gefühl, so völlig entblößt zu sein, denn auch wenn sie es gewohnt war, sich im Harem und auch in weiten Teilen des Tempels nackt zu zeigen, so trug sie doch ihren Pelz und war somit eigentlich immer bedeckt, zumal die anderen Tiger es ihr gleich taten, aber jetzt … sie fühlte sich seltsam nackt und verletzlich, was durch die Hervorhebung durch die kunstvoll geflochtenen und gebundenen Bänder nur noch verstärkt wurde. Am liebsten würde sie sich bedecken, aber das stand jetzt nicht zur Debatte. Schließlich wanderte ihr Blick zu ihren Beinen, die ebenfalls mit allerlei Bändern und Runen versehen worden waren.

Sie atmete tief ein und roch den betörenden Duft der gesegneten Öle, mit denen die Priesterinnen ihren gesamten Körper gesalbt hatten und deren Inhaltsstoffe ihren Zustand nur noch verstärkten. Sie waren ein Teil des Rituals und sollten - ähnlich wie die Runen, die sie überall auf ihrem Körper trug - sicherstellen, dass diese Paarung auch ganz sicher erfolgreich sein würde. Ihr ganzer Körper kribbelte und sie sehnte sich danach, berührt zu werden. Nur ihre außerordentliche Selbstbeherrschung hinderte sie daran, sich gleich hier und jetzt selbst zu befriedigen, aber sie wusste nicht, wie lange das noch so sein würde.

Ihr war unnatürlich heiß und kalt zugleich, aber da sie bereits nackt war, konnte sie nichts dagegen tun. Sie spürte ihren Herzschlag, der in einem schnellen Stakkato in ihren Ohren dröhnte und ihr heißer Atem ging in schnellen, abgehackten Zügen, während hinter ihr ihr Schwanz wie eine Peitsche links und rechts ausschlug. Schließlich ballte sie ihre Hände zu Fäusten und hörte die Bänder um ihre Knöchel knirschen. Sie konnte sich nicht länger zurückhalten, sie musste ihn jetzt sehen, oder sie würde wahnsinnig werden.

Als sie die Tür zum Gemach des Großen Khans aufschob, lag es im Dunkeln, so wie es immer war, aber dank ihrer ausgezeichneten Nachtsicht konnte sie ihn auf seinem Thron sitzen sehen. Er war noch umringt von Priesterinnen, die weiterhin an ihm arbeiteten und sie schienen alle großen Spaß zu haben. Es war wahr, der Anführer der Tiger war ein Freund der einfachen Freuden und umringt zu sein von jungen, hübschen und vor allem nackten Priesterinnen war ein Fest für ihn, aber als er bemerkte, dass seine auserwählte Partnerin sein Gemach betreten hatte, waren die Priesterinnen abgeschrieben. Er sah mit einem entspannten Lächeln zu ihr hinüber und nickte, bevor er einige geflüsterte Worte mit den Priesterinnen wechselte, die sofort von ihm abließen. Eine nach der anderen erhoben sie sich und verbeugten sich vor ihrem Anführer, bis nur noch die letzte vor ihm kniete und die Salbung seines Schaftes abschloss, aber auch sie erhob sich schließlich auf elegante Weise und verbeugte sich. Bevor sie sich jedoch abwenden und gehen konnte, hielt der Khan sie sanft zurück und sah ihr tief in die Augen.

„Es ist eine Schande, dass du eine der Priesterinnen bist, Rayas, sonst würde ich dich gleich hier und jetzt verschlingen.“

flüsterte er ihr ins Ohr und drückte ihr einen kleinen Kuss auf die Wange, dann ließ er die junge Priesterin gehen. Sie beobachtete die Interaktion mit einem angestrengten Lächeln. Eigentlich war sie es gewohnt, ihren Partner mit den anderen Konkubinen zu teilen und es machte ihr nichts aus, ihn mit anderen Frauen zu sehen, aber in ihrem momentanen Zustand schürte es ihre Eifersucht mächtig an. Eine nach der anderen kamen die Priesterinnen auch an ihr vorbei und verbeugten sich respektvoll, als Rayas sich näherte konnte sie genau sehen, wie es zwischen ihren Schenkeln feucht schimmerte und sie spürte Zorn in sich aufsteigen, aber auch bei der jungen Priesterin behielt sie die Nerven und bedankte sich für ihre Arbeit.

Als die Priesterinnen sich an ihr vorbei durch die Tür drückten, fiel es den jungen Tigerinnen sichtlich schwer, ein mädchenhaftes Kichern zu unterdrücken.

Nun, da sie endlich allein waren, drehte sie sich zum Großen Khan um und betrachtete ihn zum ersten Mal genau. Er saß zurückgelehnt auf seinem Thron und hatte eines seiner Beine auf der Sitzfläche abgestellt, während sein Arm entspannt auf dem Knie lag und er sah lächelnd zu ihr herüber. Auch er war von den Priesterinnen auf dieselbe Weise für diese Nacht vorbereitet worden wie sie selbst. Sein Körper war gewaschen und gereinigt worden und anschließend mit den gesegneten Ölen gesalbt worden, die Priesterinnen hatten die heiligen Runen gezogen, die seine Stärke, Ausdauer und seine Fruchtbarkeit steigern sollten. Sie hatten seinen Körper und seine Glieder mit bunten Bändern geschmückt, die seine Muskulatur betonten. Sie ließ ihren Blick über das Kunstwerk gleiten, dass ihr Partner und Anführer war.

Sie konnte sich ein Grinsen nicht ganz verkneifen, als sie sah, dass die gesegneten Öle ihre Wirkung auch beim Großen Khan nicht verfehlt hatten, sein halberegiertes Glied lag auf seinem Oberschenkel und er fuhr sich mit seiner Rechten über sein Kinn, bevor er sie mit einem geradezu mörderisches Grinsen ansah.

„Du siehst bezaubernd aus, liebste Pecada Dulce. Komm näher und lass dich einmal genauer ansehen.“

schnurrte der Große Khan mit funkelnden Augen, während er sich auf seinem Thron aufrichtete und sein Bein wieder auf den Boden stellte.

Pecada erwiderte den Blick ihres Partners, zögerte noch einen Moment, bevor sie sich schließlich in Bewegung setzte und mit lasziven Schritten langsam auf ihn zukam. Ihre Hüften wiegten sich bei jedem ihrer eleganten Schritte und ihr Schwanz zuckte aufgeregt hinter ihr hin und her. Sie hatte ihre Schultern nach hinten gezogen, präsentierte ihre Oberweite gekonnt und bleckte verspielt ihre Zähne. Sie konnte die Gier in seinen Augen sehen und wie er sie mit einer Geste weiter zu sich heran lockte, woraufhin sie sich verführerisch über ihre Lippen leckte.

Sein Anblick, die mit Drogen versetzten Öle und ihre eigene Erregung, taten ihr Übriges und sorgten dafür, dass Pecada nicht anders konnte, als ihm ihr Verlangen zu zeigen. Sie wollte ihn ganz und gar für sich alleine haben.

Als sie fast bei ihm war, beugte sich der Große Khan vor und fischte nach einem der zeremoniellen Bänder, das um ihren Körper gebunden war, und zog sie zu sich heran. Sie leistete keinen Widerstand und kam die letzten Schritte zum Thron, wo sie vor ihm stehen blieb. Ihre Hüfte war ein wenig zur Seite geneigt, ihre Arme hinter ihrem Rücken verschränkt, was ihre ohnehin schon üppigen Brüste noch einmal mehr hervorhob.

Der Große Khan, ansonsten selten um einen Kommentar verlegen, war offensichtlich sprachlos, denn alles was er in diesem Moment tun konnte, war die für ihn auserkorene Tigerin zu betrachten und ihre atemberaubende Schönheit mit allen Sinnen zu genießen. Er ließ seine Augen über ihren Körper schweifen, von ihren Füßen zu ihren schlanken, aber kräftigen Waden, zu ihren muskulösen Schenkeln, über ihren flachen Bauch mit seinem lieblichen kleine Nabel und ihren wohlgeformten Brüsten und schließlich über ihren schlanken Hals zu ihrem schönen Antlitz, das er so sehr liebte. Sie war mehr als perfekt und noch mehr als das, sie war bereit.

Jeder Khan bekam nur einmal eine Chance, einen Nachkommen zu zeugen. So lauten die Regeln, die seine Vorfahren aufgestellt hatten, um die Erbfolge zu regeln. Sollte es einem Khan nicht gelingen, in dieser einen Nacht einen Stammhalter zu zeugen, so wurde nach seinem Tod ein neuer Khan aus den Reihen seiner Krieger gewählt. Seine Blutlinie war eine der ältesten und längsten, die seit Beginn der Aufzeichnungen ununterbrochen bestand, und er würde sie nicht unterbrechen. Heute Nacht würde der derzeitige Khan seinen Nachkommen zeugen.

Er hielt noch immer das Band in seiner Hand, als er sich langsam und elegant von seinem Thron erhob und vor Pecada auftürmte. Auch wenn seine Auserwählte für ihre Rasse nicht gerade klein war, überragte der Khan sie um fast einen Kopf. Seine muskulöse Statur ließ ihre - eher athletische Figur - fast schlank erscheinen, auch wenn sie ihm in Sachen Kraft nicht allzu viel nachstand. Er kannte die Wirkung, die er auf die meisten anderen hatte und genoss es, das auszunutzen. Er war groß und mächtig, er war einschüchternd und er war die Verkörperung des Todes; kein Dschungelbewohner konnte es mit ihm aufnehmen.

Und nun stand er vor ihr in all seiner Pracht und sah auf sie herab. Sie erwiderte seinen Blick und ihr Verlangen nach ihm wuchs mit jedem weiteren Herzschlag, der verstrich. Zärtlich hob er seine starken Pranken an ihre Wangen, beugte sich zu ihr herunter und küsste sie inniglich.

Nun gab es kein Halten mehr und während beider Zungen den Mund des jeweils anderen erkundeten, fanden Pecadas Hände halt am Körper des Großen Khans. Sie ließ ihre zierlicheren Hände entlang seiner Flanken gleiten, folgte den Linien, die seine Muskulatur vorgab und spürte, wie sie sich unter seiner Haut bewegten. Er war warm, sein Fell war weich, und sein Duft, so ursprünglich und wild, zusammen mit den gesegneten Ölen erregte sie unendlich.

Ihr Partner hielt seinerseits eine seiner Hände weiterhin an ihrer Wange, während die andere langsam über ihren Hals fuhr. Ihr Puls beschleunigte sich und ihre Nackenhaare stellten sich auf, als ein angenehmer Schauer über ihren Rücken bis zu ihrer Schwanzspitze lief. Sie konnte nicht verhindern, dass sie zu schnurren begann, während seine Hand sich langsam über ihren Nacken zu ihrem Rücken schob und von dort nach unten, wobei der Große Khan gekonnt seine scharfen Krallen durch ihr dichtes Fell und über ihre Haut gleiten ließ. Sie reagierte auf diesen neuen Reiz, indem sie sich ihm entgegen streckte, stellte sich auf ihre Zehenspitzen und ihr Schnurren formte sich langsam zu einem wohligen Knurren. Schließlich erreichte seine geschickte, neugierige Hand den Ansatz ihres Schwanzes und ergriff das eigensinnige Anhängsel, was Pecada dazu veranlasste, sanft in seine Zunge zu beissen. Ihr Partner knurrte nun ebenfalls, ließ aber ihren Schwanz los und brachte seine Hand endlich zu ihrem straffen Po und packte beherzt zu.

„Rrrrrrrreowrrrr …“

protestierte sie, nachdem sie einmal tief Luft geholt hatte und ließ ihn ihre Krallen in seiner Flanke spüren. Wobei es auf beiden Seiten nicht wirklich schmerzhaft, sondern eher eine spielerische Zurechtweisung.

Als er sich schließlich langsam aus dem Kuss zurückzog, hing Pecada noch an seiner Unterlippe und weigerte sich loszulassen. Erst als er seine zweite Hand auch nach unten in Richtung ihres Hintern führte, ließ sie los und fing seinen Arm auf halbem Weg ab, um ihn an ihre Taille zu führen. Sie hielt ihn dort fest und sah ihm tief in seine grün-gelben Augen.

„Ich weiß genau was du vorhast, Khan, aber das läuft heute nicht, heute bin ich diejenige, die hier den Ton angibt.“

flüsterte sie und war von sich selbst überrascht, wie selbstsicher sie dabei klang, und als keine Widerrede von ihrem Partner kam, malte sich ein verschmitztes Grinsen auf ihre wunderschönen Lippen. Nun legte der Große Khan seinen Kopf leicht zur Seite und hob die Brauen, aber noch immer widersprach er nicht, stattdessen erwiderte er das Grinsen und nickte schließlich.

„Meine Königin, ich werde Euch zu Diensten sein, so wie Ihr es wünscht.“

erwiderte er, wobei seine Belustigung ganz klar in seinem Tonfall zu hören war, bevor er seine Augen schloss und nickte. Zufrieden mit seiner Antwort ließ sie ihre Hände von seinen Flanken zu seiner Brust gleiten, wo sie sich in den Hügeln und Tälern seiner Muskeln verlor und sich einmal mehr über die Lippen leckte. Eine Idee formte sich in ihren Gedanken und ihre Augen begannen zu funkeln, als sie ihre Hand von seiner Brust löste und auf die Bettstatt deutete, die den Raum dominierte.

„Aufs Bett mit dir, Sklave!“

befahl sie ihm mit einer unerschütterlichen Autorität in ihrer Stimme, die keinen Einspruch zuließ und sie selbst überraschte, aber einmal mehr widersprach der Große Khan ihr nicht, sondern löste sich von ihr und trat einen Schritt zurück. Er verbeugte sich respektvoll vor seiner Auserwählten und antwortete:

„Gewiss, meine Herrin.“

Es klang nicht wirklich unterwürfig, sie wussten beide, dass sie keine Chance hätte, wenn er nicht mitspielen wollte, aber für den Moment schien er nur zu willig bei der kleinen Scharade mitzumachen. Er wandte sich elegant um und ging mit entspannten, aber stark akzentuierten Schritten zu seiner Bettstatt. Bei jedem seiner Schritte schwang sein Schwanz elegant hin und her, eine Bewegung, die fast schon hypnotisch auf Pecada wirkte. Sie verschlang ihn mit ihren Blicken und es kostete sie all ihre Kraft, ihm nicht einfach hinterher zu springen und ihn einfach umzureißen. Als er das riesige Bett erreichte, ließ er sich elegant auf die Liegefläche gleiten und blieb auf der Seite liegen, zog sein oberes Bein an und gab ihr damit den uneingeschränkten Blick auf seinen Kleinen Khan frei. Er senkte leicht den Kopf und sah sie verführerisch von unten aus seinen Augenwinkeln an.

Pecada sah zu ihm herüber und der Wunsch, ihn endlich in sich zu spüren, die Vorfreude auf das Gefühl, von seiner Männlichkeit ausgefüllt zu werden, ließ sie erschaudern. Er war ein Verführer und er wusste genau, welche Knöpfe er bei ihr zu drücken hatte, um schließlich zu bekommen, was er wollte. Und nun lag er auf dem Bett, nackt, erigiert und köderte sie mit seinem Körper und seinen Blicken. Sie war so aufgeregt, dass sie zitterte und sie spürte, wie es ihr kochend heiß den Schenkel hinunterlief. Sie würde sich nicht mehr lange zurückhalten können, aber sie war sich sicher, dass es ihm genauso ging, wenn sie das Glitzern an der Spitze seines kleinen Khans richtig deutete.

Mit lasziven Schritten näherte sie sich dem Bett, während ihre Hände über ihren Körper fuhren und die Runen verwischten, die die Priesterinnen in stundenlanger Kleinarbeit auf ihr Fell gezeichnet hatten. Ihr war so unglaublich heiß und kalt zugleich.

„Gefällt Euch, was Ihr seht, meine Königin?“

fragte der Große Khan schnurrend und ließ seinen kleinen Khan für sie springen, woraufhin sich Pecadas Augen weiteten und sie ein kurzes Kichern nicht ganz unterdrücken konnte, aber sie fing sich schnell wieder und gewann ihre Haltung zurück. Sie legte die Ohren und klatschte sich mit der flachen Hand auf den Schenkel, um seine volle Aufmerksamkeit zu haben.

„Spiel dich nicht zu sehr auf, Sklave. Das geziemt sich nicht für deinesgleichen.“

zischte sie mit gespielter Kälte, die jeder sofort durchschaut hätte, aber sehr zu ihrer Zufriedenheit spielte der Große Khan weiterhin mit und nickte unterwürfig. Sie kam einen weiteren Schritt näher und zeigte auf das Bett.

„Auf den Rücken!“

befahl sie und legte all ihre Autorität in ihre Stimme. Der mächtige Tiger auf dem Bett reagierte sofort und ohne jede Form des Widerstands. Er rollte sich auf den Rücken und lag nun mit dem Kopf zu ihr auf seinem Lager und sah sie mit seinen gelb-grünen Augen hingebungsvoll an. Pecadas Lächeln wurde breiter, denn sie genoss es, ein gewisses Modikum an Macht über ihn zu haben. Es war ihr nur allzu sehr bewusst, dass er dies alles nur zuließ, weil dies eine besondere Nacht war und sie eine ganz besondere Rolle darin spielte; unter normalen Umständen würde er sich ihr gegenüber niemals so unterwürfig verhalten. Die einzige, die dieses Privileg genoss, war die Hohepriesterin, da sie die spirituelle Führerin ihres Clans war und rein theoretisch noch über ihm stand.

Pecada kam nun die letzten Schritte zum Bett und blieb so über ihrem Partner stehen, dass sein Kopf praktisch zwischen ihren Beinen lag. Sie bot ihm einen Anblick, dem selbst der Große Khan nicht lange widerstehen konnte, und sie wusste das. Es war ein Testament für seine Willensstärke, dass er sie nicht einfach nahm und zu sich aufs Bett zerrte, um dort mit ihr zu tun, wonach auch immer ihm der Sinn stand. Allein der Gedanke daran, zu was er fähig war, wenn sie ihm freie Hand ließ, erregte sie ungemein. Sie wartete einen unendlich langen Moment, bis sie das reißende Geräusch hörte, das von den Fellen ausging, in die der Große Khan seine Klauen geschlagen hatte und die nun seiner steigenden Ungeduld zum Opfer fielen. Pecada sah auf ihren Anführer … nein, ihren willigen Sklaven hinunter und sah, wie dessen Glied geradezu schmerzhaft erigiert war und im Takt mit dem Herzschlag seines Herrn pulsierte.

Auch sie konnte nicht mehr länger warten, oder sie würde endgültig die Beherrschung verlieren. Die Öle, sein ganz eigener Musk, seine offensichtliche Bereitschaft und ihre eigene Erregung drohten sie völlig zu überwältigen. Zitternd stieg sie auf das Bett und blieb über ihm stehen.

„Zeig … zeig mir, dass du mich auch wirklich verdienst …“

verlangte sie, wobei ihre Stimme vor Lust zitterte. Ohne auf seine Antwort oder seine Reaktion zu warten, ließ sie sich auf ihre Knie fallen. Nur ihre hervorragende Körperbeherrschung bewahrte den Großen Khan davor, dass sie ihm dabei die Nase brach, als ihr Geschlecht nur wenige Millimeter über seiner Nase zum Stehen kam.

„Wie Ihr befiehlt, Herrin.“

antwortete er und hob seine Hände an ihre Hüften, um sie in dieser Position zu stabilisieren. Sie spürte seinen heißen Atem auf ihrer Scham und das allein war bereits genug, um ihr eine Gänsehaut zu verschaffen. Worauf wartete er noch? Warum begann er nicht endlich?

Sie wollte ihn gerade zurechtweisen, als er seinen Kopf endlich hob und seine raue Zunge über ihre delikaten äußeren Lippen zog. Es kam so plötzlich und in ihrem erregten Zustand war das Gefühl so viel intensiver, dass sie intensiv nach Luft schnappte und dann laut aufstöhnte. Er begann, seinen Schritt von all der Feuchte zu reinigen, die bereits aus ihrem Innersten heraus gesickert war, und verfolgte es anschließend zurück zu seinem Ursprung. Er war dabei so unglaublich zärtlich und vorsichtig, während er die Spitze seiner langen und kraftvollen Zunge zwischen ihre Falten schob und sie der Länge nach an durch ihren Schlitz zog. Über ihm versuchte Pecada ihre Fassung zu bewahren, aber jede seiner gekonnten Bewegungen sandte neue Schauer über ihren Rücken und ließen ihren Schwanz wild hin und her peitschen, während sie sich mit ihren Händen auf seiner Brust abstützte.

Der Cunnilingus war nichts neues für sie, sowohl der Große Khan als auch die Konkubinen unter sich, frönten dieser Methode zur Befriedigung der fleischlichen Gelüste regelmäßig und sie war dieser Variante auch sehr zugetan, aber noch nie war es so intensiv gewesen wie dieses Mal. Jedes Mal, wenn seine Zunge ihre Reise von neuem begann, ganz hinten an ihrem Damm und dann durch ihr Tal der Geheimnisse, vorbei am Eingang zu ihrem geheimen Tempel und wieder hinauf zu ihrem Schrein der Wonne, brachte es sie an den Rand des Wahnsinns.

Er kannte keine Grenzen in seinem Bemühen, seine Auserwählte zu ihrem ersten Höhepunkt zu bringen. Bereitwillig saugte er an ihren Schamlippen, bahnte sich seinen Weg zu ihrem Kitzler und saugte und knabberte vorsichtig daran, während seine starken Pranken sie festhielten, damit sie nicht einfach umfallen konnte. Pecada untermalte die obszönen, schmatzenden Geräusche, die ihr Partner verursachte mit ihrem eigenen, perversen Seufzen und Stöhnen. Ihre Zehen krallten sich in die Pelze, auf denen sie lagen, und ihre Krallen hielten sich an seinem Brustkorb fest.

Als er schließlich seine Zunge in ihr Innerstes schob und begann, ihren Liebestunnel damit zu erforschen, war es um sie geschehen. Sie versuchte, das Unausweichliche noch ein wenig hinauszuzögern, aber mit jeder neuen Bewegung seines flexiblen Muskels, erklomm ihr Stöhnen neue Höhen. Die Tigerin wölbte ihren Rücken, verkrampfte ihre Bauchmuskeln und ihre Beine begannen wild zu zittern, während sie ein letztes Mal scharf die Luft einsog und den Atem anhielt.

Der Höhepunkt kam nicht unvorbereitet über sie, es war eine Welle aus purer Glückseligkeit, die sie schon lange bevor sie brach auf sich zukommen gesehen hatte, aber dennoch überrollte er sie mit seiner Intensität. Sie brach fast über dem Großen Khan zusammen, aber seine immense Kraft stabilisierte sie, sodass sie nicht vom Bett fallen konnte. Aber so schön und so intensiv er auch war, so schnell rollte ihr Höhepunkt über sie hinweg und sie ließ sich auf den Bauch des mächtigen Tigers fallen, der so instrumental daran mitgewirkt hatte. Schwer atmend kauerte sie auf ihrem Partner und genoss das Nachglühen ihres ersten Orgasmus’ für diese Nacht und sie war sich sicher, dass es nicht der letzte sein würde.

Es dauerte nicht lange, bis sie wieder zu Atem kam, sie besaß eine ausgezeichnete Ausdauer und als sie langsam wieder von ihrem High herunterkam, rollte sie sich von ihm herunter und blieb neben ihm sitzen. Sie betrachtete ihren Partner, dessen Gesicht völlig durchnässt war von ihrem Ejakulat, sein kurzes Fell klebte förmlich an ihm und er tat ihr fast leid, aber nur fast, denn sie wusste, wie viel Spaß auch er gerade gehabt hatte. Wohlwollend lächelte sie ihn an und lockte ihn zu sich.

„Komm zu mir, Sklave, lass mich dir helfen, dich zu reinigen.“

flüsterte sie heiser, eine Bitte, der er nur zu gerne nachkam. Er drückte sich hoch und kam auf allen Vieren zu ihr. Als er sich vor sie kniete, zögerte Pecada nicht einen Moment, sondern nahm sein Gesicht in ihre Hände und begann das Nass von seinen Wangen zu lecken. Sie war gierig, konnte sich aber gut genug zurückhalten, um zärtlich zu sein. Der Khan genoss die Aufmerksamkeit sichtlich, schloss seine Augen und ließ sie gewähren, während seine Hände ihre Flanken fanden und streichelten.

Als sie schließlich fertig war, lehnte er sich zurück und sah ihr tief in die Augen. Sie konnte das pure, heiße Verlangen in seinen Augen brennen sehen und sie musste sich selbst eingestehen, dass auch sie nicht mehr länger warten wollte, um ihn endlich in sich zu spüren.

„Hältst du mich deiner für würdig, Herrin?“

fragte er schließlich unterwürfig und Pecada konnte und wollte ihn diese Frage nicht verneinen. Sie leckte sich lasziv über ihre Lippen, und fuhr mit ihren Händen über ihren Körper, berührte sich dort, wo er noch vor wenigen Augenblicken seine Zunge zum Einsatz gebracht hatte. Die Tatsache, dass er sie dabei beobachtete, sie mit seinen Blicken verschlang und kurz davor war, seine Beherrschung zu verlieren, trieb sie fast schon wieder an den Abgrund.

Sie würde es nicht länger aufschieben können, und noch weniger wollte sie es weiter hinauszögern.

„Ja … ja, du bist meines Körpers würdig. Nimm mich. Schände mich!“

Es war weniger ein Befehl, als eine flehendliche Bitte, gerichtet an den einzigen Tiger, der ihrem Verlangen jetzt noch gerecht werden konnte, und der Große Khan war mehr als bereit, seiner Auserwählten diese Bitte auch zu erfüllen. Er packe sie und riss sie nieder.

„Komm her!“

knurrte er wild, Pecada war weder in der Lage sich zu wehren, noch mehr als ein kurzes:

„Eeeep …“

von sich zu geben, bevor sie auf dem Rücken genau vor ihm lag. Ihre Beine waren weit geöffnet und ihr innerster Tempel lag ebenso offen für den Großen Khan. Sie vergrub ihre Hände in den Pelzen, auf denen sie lag, und flehte ihn mit ihren Augen an, sie nicht länger warten zu lassen.

Er ließ sich auch nicht länger bitten, sondern packte sie mit beiden Händen an den Hüften und hob sie auf sein steinhartes Glied. Mühelos fand er den Eingang zu ihrem Tempel und mit einem triumphierenden Brüllen drang er in einer einzigen, glatten Bewegung in sie ein und machte erst halt, als er an der hinteren Wand ihres Tunnels ankam. Ein weiteres Mal sog Pecada einen tiefen Atemzug ein, nur um ihn dann mit einem lauten Stöhnen wieder auszustoßen. So gewaltsam penetriert zu werden, war eine Sensation für sich, aber eine, um die sie gebeten hatte, und sie konnte ihrem Partner vieles vorwerfen, aber nicht, dass er sie jemals enttäuscht hätte.

„Haaaarnnnnrrrrrrr …“

knurrte sie und fletschte ihre Zähne, während er sich über ihr auftürmte und ebenfalls die Ohren anlegte. Es war ein brutaler, schmerzhafter Einstieg in den Akt, der die Zukunft ihres Clans formen sollte, aber sie konnte und wollte sich nicht mehr mit den üblichen Nettigkeiten aufhalten.

„Nun mach schon …“

fauchte sie ihn an, als uralte Instinkte die Kontrolle übernahmen. Sie spürte seine Krallen in ihren Hüften und sah die Entschlossenheit in seinen Augen, während er sein Becken zurückzog, und machte sich bereit. Als er schließlich damit begann, sich mit aller Kraft in sie zu rammen, empfing sie ihn mit offenen Armen. Sie schlang ihre starken Beine um seine Taille und stemmte sich gegen den Ansturm seines Beckens, so gut sie es vermochte, während ihr Partner seine brutale Kraft einsetzte, um sie daran zu hindern, von ihm wegzurutschen. Jeder seiner Stöße wurde von einem wilden Knurren begleitet und von einem Schrei primitiver Lust kommentiert. Untermalt wurde diese Kakophonie vom schnellen, rhythmischen Klatschen seines Beckens, das bei jedem neuen Anlauf, gegen das ihre prallte und ihre Brüste in Wallung brachte.

Pecada spürte wie die Felle unter ihr einrissen, unfähig der hohen Belastung und ihren Krallen standzuhalten, aber sie schaffte es sich zumindest zum größten Teil gegen seine Wucht zu stemmen, und trotzdem wurde sie langsam aber sich von ihm über seine Bettstatt geschoben. Ihre Brüste wippten bei jedem Aufprall seines Beckens fast schon schmerzhaft auf und ab und mit jedem erneuten Stoß brachte er sie erneut ein kleines Stückchen näher an den Abgrund, sowohl im übertragenen als auch im wörtlichen Sinne. Sie bemühte sich, die Kontraktionen ihrer inneren Muskeln in Einklang mit seinem Rhythmus zu bringen, aber die schiere Menge an Stimulationen war überwältigend. Sie verlor sich in ihrer Glückseligkeit, stöhnte, seufzte und schrie ihre Lust, ihren Schmerz und ihre Geilheit in die Dunkelheit des Raumes, während Sterne vor ihren Augen tanzten und ihr langsam schwindelig wurde.

Schließlich ließ sie die Felle los, unfähig seinem ständigen Sturm weiter Widerstand zu leisten und streckte ihm ihre Arme entgegen. Der Große Khan verstand sie ohne Worte, griff nach ihren Armen und zog sie hoch auf seinen Schoß. Sie schlang ihre Arme um seinen Hals, während er eine seiner starken Hände auf ihren Rücken legte und die andere wieder an ihre Hüfte legte. Sobald sie halbwegs sicher auf seinen Oberschenkeln ruhte, setzte er seine Arbeit fort, hob sie mit seiner immensen Kraft an und ließ sie anschließend wieder auf seinen Schoß fallen.

Seine erneuten Mühen quittierte sie ihm, indem sie laut aufstöhnte. Sie war kurz vor ihrem nächsten Höhepunkt und ihre Muskeln begannen sich unwillkürlich anzuspannen.

„Hannnn … Liebster … bald … hrrrnnn …“

brachte sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und der Große Khan nickte. Seinem Gesichtsausdruck nach war auch er nicht mehr weit davon entfernt, ihr ein Geschenk zu machen.

„Du … wirst … rrrrr … meinen Sohn … rrRRRrr … empfangen …“

gab er knurrend zurück und fletschte die Zähne, bevor er noch einmal seine Kräfte mobilisierte, sie mit seinen Hüften hochhob und danach auf seine Männlichkeit fallen ließ, während sich seinen Krallen in ihre Hüfte gruben.

Mit einem gepressten Schmerzensschrei beugte sie sich vor und schlug ihre Zähne mit Nachdruck in seinen Hals, was temporär ihre Schreie dämpfte, aber der Große Khan ließ sich nicht beirren, während er sich seinen eigenen Weg zum Höhepunkt bahnte.

Sie kam kurze Zeit später und als die Welle ihres Höhepunktes ein zweites Mal über sie hereinbrach, schlug sie ihre Krallen in seine Rücken und riss ihn mit vier langen Schnitten an jeder Schulter auf, während ihre Reißzähne eine tiefe Bisswunde an seinem Hals hinterließen. Ihr Körper bäumte sich so heftig gegen ihren mächtigen Partner auf, dass sie fast beide umkippten. Gleichzeitig spannte sich ihre innere Muskulatur so stark an, dass wahrscheinlich nicht viel gefehlt hätte und sie hätte ihn in den Wehen ihres Höhepunktes entmannt.

Ihr Gegenüber kam fast gleichzeitig mit ihr und sein Höhepunkt war ihrem ebenbürtig. Sein letzter, triumphaler Stoß durch ihren verkrampften Liebestunnel war so kraftvoll, dass er dachte, er hätte gespürt, wie etwas in ihrer Hüfte nachgegeben hätte. Ähnlich seiner Auserwählten schlug er seine Krallen in ihr Fleisch und hinterließ auf jeder ihrer Pobacken vier lange und tiefe Furchen, bevor er seinen Höhepunkt mit einem wilden, gutturalen Schrei der Welt verkündete und gleichzeitig ihren Schoß mit seinem Samen flutete.

Beide brauchten eine kleine Weile, um wieder von ihrem Rausch herunterzukommen. Der Große Khan war der Erste, der wieder zu sich kam. Noch immer hielt er seine Auserwählte auf seinem Schoß, eng umschlungen und sicher. Es kostete ihn einiges an Überwindung, sich aus ihrer Umarmung zu befreien und sie vorsichtig vor sich auf dem Bett abzulegen. Sein Atmen ging schwer und mit dem langsam abklingenden Nachglühen seines Orgasmus’ begann er die kleinen Liebesbisse und die Kratzspuren, die ihr Liebesspiel auf ihm hinterlassen hatte, zu spüren. Er wollte sie ignorieren, sicherlich waren es keine Wunden, die man einfach so ignorieren sollte, aber er war sich sicher, dass sie später ohne weitere Probleme abheilen würden. Für den Moment gab es wichtigeres, seine Partnerin lag vor ihm und war noch immer vollkommen hin und weg. Sie hechelte heftig und schnell, ihr Brustkorb bebte mit ihren kurzen, flachen Atemzügen und ließ ihre Brüste im Takt wackeln, und ihre Muskeln an Armen und Beinen zuckten noch immer gelegentlich. Der Beweis dessen, was sie miteinander getrieben hatten, quoll träge aus ihrem Tempel und tropfte auf die zerrissenen Felle unter ihr. Er lächelte, sie war mehr, so viel mehr, als er sich je für diese Nacht erhofft hatte, und diese Nacht war mehr, als er sich je erhofft hatte … und das Beste war, sie war noch nicht vorbei …

Pecada lag auf dem Bett des Khans und war allein mit sich selbst in ihrem Kopf. Für den Moment nahm sich nichts anderes mehr wahr außer sich selbst und ihre Gedanken; und all ihre Gedanken, all ihre Sinne, ihr ganzes Sein drehte sich nur noch um eine einzige Sache:

„Er hat es getan … er hat es tatsächlich getan …“

Es war unmöglich, dass sie nach dieser Erfahrung nicht schwanger war. Sie musste schwanger sein, es war schier unmöglich, dass aus dieser Vereinigung nicht der nächste Große Khan hervorging.

In ihrer Vorstellung tanzte sie, sprang, lachte, rannte und kicherte, während in der realen Welt ihr Körper ganz langsam von der Wolke wieder herunterkam, auf die ihr Partner sie gehoben hatte. Aber auch bei ihr machten sich die Strapazen bemerkbar, die solch eine wilde Paarung mit sich brachte. Sie spürte ihre Beine nicht wirklich, während ihr Rücken heftig gegen jegliche Bewegung protestierte, und was hatte dieser Tiger mit ihrem Gesäß angestellt?

Als sie ganz langsam ihre Augen öffnete, blickte sie in das liebevolle Antlitz ihres Partners und Anführers. Vorsichtig und zitternd hob sie ihre Hand zu seinem Gesicht und streichelte über seine Wange.

„Du … du hast deine Herrin stolz gemacht, Sklave.“

flüsterte sie mit einem Grinsen, das von ihm erwidert wurde.

„Du hast dich selbst stolz gemacht, Herrin.“

antwortete er und streichelte seinerseits über ihre Wange, bevor er sich neben sie legte und seine Hand ganz langsam über ihre Flanke nach unten zu ihrem Bauch gleiten ließ, wo sich hoffentlich ein neues Leben entwickelte. Sie legte ihre Hände auf seine und verschränkte sie miteinander, bevor sie sich zu ihm hinüberbeugte und ihre Lippen auf die seinen presste.

Im Tempel der Tiger wurden seit jeher die Mahlzeiten gemeinsam eingenommen. Bereits in den Zeiten vor dem Abkommen, wurde die Jagdbeute zum Tempel geschafft und mit den anderen Tigern gemeinsam verzehrt. Dies stärkte die Gemeinschaft und ermöglichte es den Priesterinnen, sich voll und ganz auf ihre spirituellen Aufgaben zu konzentrieren, während die Krieger des Clans sich um die Nahrungsbeschaffung kümmerten. Heutzutage, wo es nicht mehr nötig war, dass die Krieger jagten, fungierten die mächtigen Kämpfer des Clans als Grenzpatrolie und sicherten das Territorium der Tiger gegen Eindringlinge von außen.

Die gemeinsamen Mahlzeiten waren jedoch geblieben. Jeder Tiger, der im Tempel war, fand sich gegen Sonnenauf- und -untergang in der großen Halle ein, um mit seinen Artgenossen sein Mahl einzunehmen. Es war noch immer ein wichtiger Teil ihrer Gemeinschaft und wurde von allen genossen.

Nun, das stimmte nicht ganz, ein Tiger genoss sein heutiges Mahl nicht, aber es lag nicht an seinen Verletzungen, die er sich in einer wilden Nacht mit seiner auserwählten Konkubine eingehandelt hatte. Nein, es lag an einer ganz anderen Ursache, einer Ursache, die ihn viel tiefer traf, als die Kratzer und die Bissspuren an seinem Hals.

Der Große Khan saß an seinem angestammten Platz am Kopf der großen Tafel, flankiert von seinen Konkubinen, und starrte auf seinen Teller. Wie es sein Rang in der Gemeinschaft verlangte, hatten die Diener ihm das beste Fleisch serviert. Das war es nicht, was ihm den Appetit verdorben hatte, die Qualität des Fleisches auf seinem Teller war über jeden Zweifel erhaben, und er war sich sicher, dass es absolut köstlich sein würde, aber er sah sich einfach außerstande, es zu verzehren.

Er sah sich in der Runde um. Seine Konkubinen, seine Krieger und Priester, sie alle labten sich genüsslich an der dargebotenen Speise, und er konnte es ihnen nicht verdenken, im Gegenteil, er war froh darüber, dass es ihnen schmeckte; aber als er wieder auf seinen eigenen Teller sah, wurde ihm fast schlecht.

Er wusste nur zu gut, wessen Fleisch, wessen Körper hier in perfekt portionierten Stücken auf den Tellern lag, und er brachte es einfach nicht übers Herz, es zu verschlingen. Er atmete tief durch und schob den Teller von sich weg, bevor er sich auf seinem Thron zurücklehnte und sich mit der Hand übers Kinn fuhr.

Er spürte es sofort, es war wie ein Brennen im Nacken, dieses Gefühl beobachtet zu werden. Als er sich erneut umsah, blieb sein Blick bei der Hohepriesterin hängen, deren blinde Augen sich in seine Seele bohrten. Ja, sie war blind, aber trotzdem entging ihr nichts, absolut gar nichts. Sie brauchte nichts zu sagen, um ihren Unmut auszudrücken, ihr Nicken genügte vollkommen und der Große Khan verstand.

Er erhob sich wortlos von der Tafel und verließ die große Halle. Auf dem Weg nach draußen spürte er nicht nur die Augen der alten Priesterin auf sich ruhen, sonder die des gesamten Clans, aber er ignorierte das nagende Gefühl und ging mit schnellen, sicheren Schritten durch das große Portal, das hinaus zu den Außenanlagen des Tempels führte. Jetzt, da alle anderen Tiger beim Essen saßen, waren die Gänge des Tempels leer und still, einzig das Knistern in den Feuerschalen bildete ein nahezu konstantes Hintergrundrauschen zu den schweren Schritten des mächtigen Tigers. Er bog in einen der Säulengänge ein, die ihn schließlich zum großen Innenhof führten.

Langsam trat er aus dem Gang in die kühle Nachtluft und atmete tief durch. Die Priesterinnen und Priester hatten den Hof bereits wieder aufgeräumt und nichts erinnerte mehr an die Öffnung des Pfads vor drei Tagen. Ruhig schritt er an den Rabatten vorbei, in denen die Priesterinnen Kräuter und Blumen züchteten, die sie für die verschiedenen Rituale brauchten, und ließ seine Hand über die zarten Blüten streichen. Seine Gedanken drifteten ungeordnet von einem zum nächsten und wieder zurück, aber schließlich drehte sich alles immer wieder um das eine.

In der Mitte des Innenhofes blieb der Große Khan schließlich stehen und sah in den sternenklaren, mondlosen Nachthimmel. Seine Hände ballten sich zu Fäusten und er konnte spüren, wie seine spitzen Krallen sich langsam in seine Handflächen bohrten. Er wollte schreien, wollte seinen Zorn, seinen Frust und seinen Schmerz in die Nacht brüllen, bis er heiser zusammenbrach, aber er wusste, dass dies nicht wirklich helfen würde, sondern wenn überhaupt nur einen kurzen Moment der Erleichterung brachte. Und so blieb er still und wartete auf das unvermeidliche.

Er musste tatsächlich nicht lange warten, denn er hörte die unverwechselbaren Schritte der Hohepriesterin, die den Hof nach ihm betrat und mit kleinen, langsamen Schritten zu ihm aufschloss. Sobald sie sich ihm näherte, kniete der Große Khan in tiefem Respekt neben seiner Ältesten nieder. Schließlich blieb sie mit geschlossenen Augen neben ihm stehen, die Nase hoch in die Luft gestreckt, um den Duft der Nacht zu erschnuppern. Sie ließ sich Zeit, aber schließlich legte sie ihre zierliche Hand auf seinen Kopf und seufzte.

„Erhebe dich, mein Sohn.“

sagte sie sanft, aber auch wenn ihre Stimme wie immer voller Liebe und Zuversicht war, so entging dem Großen Khan die Sorge in ihr nicht, dennoch erhob er sich anmutig und blieb neben ihr stehen.

„Eine wunderbare Nacht, nicht wahr?“

Es war eine rein rhetorische Frage, das wusste auch der Khan, aber mit irgendetwas musste sie das Gespräch ja beginnen, und er konnte ihr nicht widersprechen.

„In der Tat, eine wunderschöne Nacht. Sie wäre perfekt für eine Jagd.“

erwiderte er und sie sah zu ihm auf. Ihr Lächeln war voller Verständnis für den Anführer der Tiger, dann sah sie in die Ferne, über die Wipfel des Dschungels.

„Ich kann deinen Gemütszustand durchaus verstehen, mein Kind, aber es ist respektlos gegenüber dem Tribut, wenn du nicht isst.“

stellte die alte Tigerin fest, wobei sie nicht böse oder verärgert klang, es war eher wie eine Lehrerin, die einem Schüler eine besonders knifflige Aufgabe erklärte. In diesem Moment bohrten sich seine Krallen durch die dicke Haut seiner Handballen.

„Ich weiß, und ich möchte das ehrenhafte Opfer des Tributs respektieren, aber wie kann ich das Fleisch dieses Mädchens essen, wenn ich erst vor weniger als drei Tagen mit ihr geschlafen habe? Ich war derjenige, der ihr Opfer erst möglich gemacht hat. Ich war es, der sie letztlich in den Tod geschickt hat. Und ich war es, der ihr zuerst Hoffnung gab, nur um sie gleich darauf in die Hölle zu schicken.“

Er bemühte sich, seinen Ton ruhig und angemessen zu halten, aber seine Stimme zitterte vor Anspannung und als er auf seine Hände sah, klebte Blut daran, sowohl symbolisch als auch tatsächlich.

„Ihr Blut klebt an meinen Händen. Ihres und das von Hunderten von anderen Tieren!“

Er hätte fast geschrien. Auf der einen Seite war er außer sich vor Wut, auf der anderen war er so verzweifelt, dass er am liebsten schreiend davonlaufen wollte. Er bebte und versuchte, sich zwanghaft zu beruhigen, aber die Hohepriesterin spürte die innere Zerrissenheit ihre Häuptlings und legte ihre alten, zierlichen Hände in seine. Als der Große Khan das sah, wollte er seine Hände wegziehen, weil er ihre nicht beschmutzen wollte, aber sie hielt ihn mit erstaunlicher Entschlossenheit fest. Erschrocken sah er sie an und ihr Gesicht zeigte einen sehr ernsten Ausdruck.

„Nana?!“

fragte er leise und versuchte zu ergründen, ob die Hohepriesterin nun wütend oder besorgt war. Die alte Tigerin nahm einen tiefen Atemzug, bevor sie ihre Stimme erhob. Sie klang noch immer ruhig und liebevoll, aber der Khan konnte sehr wohl die Wut in ihre erkennen.

„Mein Kind, beruhige dich.“

begann sie und sah ihm tief in die Augen.

„Zunächst einmal warst nicht du es, der sie in den Tod geschickt hat, das waren ihre eigenen Leute. Ihr eigener Stamm erlaubte ihr, über den Pfad, den Weg allen Fleisches zu gehen. Für sie war es eine einfache und bequeme Lösung, die ihnen nur zu gut in den Kram gepasst hat. Sie ist aus freiem Willen zu uns gekommen, das hat sie mehrfach betont, und die Stämme wissen auch, was passiert, wenn sich herausstellt, dass einer der Tribute nicht freiwillig zu uns gekommen ist. Also lade diese Schuld nicht auf deine Schultern, diese Schuld ist eines anderen Last zu tragen. Und was das Blut an deinen Händen angeht, mein Sohn, wir sind Fleischfresser, wir sind Jäger. Wir sind die Versinnbildlichung des Todes. An unser aller Hände klebt Blut, denn damit wir leben können, muss ein anderer sterben, daran führt kein Weg vorbei. So hat es die Natur vorgesehen. Wir haben nur einen Weg gefunden, wie wir das Leid minimieren können.“

erklärte sie und er fühlte sich wie ein Kleinkind, dem man die fundamentalen Gesetze des Dschungels erklären musste. Er war nicht dumm, natürlich wusste er, dass damit sie Fleisch zu essen bekamen ein anderes Tier sterben musste, aber warum fühlte es sich bei ihr auf einmal so falsch an? Er wollte etwas erwidern, aber die Hohepriesterin kam ihm zuvor.

„Es ist etwas anderes, wenn man das Tier, dessen Fleisch man isst, nie kennengelernt hat. Es ist einfach ein anonymes Stück Fleisch zu verzehren, aber wenn man das Tier kennt, dessen Körper man verzehrt. Es gibt einen Grund, warum nur ausgewählte Priesterinnen und Priester direkt an den Ritualen teilnehmen. Wenn das Tier, das man isst, einen Namen, ein Gesicht, eine Geschichte hat, dann ist es eine ganz andere Herausforderung, am Mahl teilzunehmen.“

Ihre Stimme war voller Mitgefühl, als sie ihrem Anführer in die Augen sah, und der Große Khan konnte spüren, wie sie in ihm suchte.

„Du bist ein guter Anführer. Du zeigst Mitgefühl, sogar mit deinen Feinden. Du kümmerst dich um deine Familie und du hältst die alten Traditionen am Leben, die dafür gesorgt haben, dass alle, die hier im Dschungel leben, ein viel besseres Leben führen können als je zuvor.“

versicherte sie ihm und streckte ihre Hand nach oben, um ihm über seine Wange zu streichen.

„Was mit Shirya passiert ist, ist tragisch, und es war nie vorgesehen, dass so etwas passiert. Der Geist des Abkommens war immer gewesen, dass die Alten und die Schwachen über den Pfad gehen. Aber es ist nun einmal so geschehen und wir können es nicht ungeschehen machen. Und gerade weil du es warst, der ihr Opfer für die Gemeinschaft überhaupt erst möglich gemacht hat, solltest du ihr Fleisch verzehren. Dies ist deine Gelegenheit, dich für ihr Opfer zu bedanken, damit es nicht umsonst war.“

Der Große Khan lehnte seinen Kopf an die zierliche Hand der Hohepriesterin, es tat gut die Last für einen Moment lang zu teilen und als sie die Tränen spürte, die über ihre Hand rannen, lächelte die alte Tigerin.

„Es liegt an dir, ihr Opfer zu ehren und im Anschluss daran dafür zu sorgen, dass ein solches Opfer in Zukunft nicht mehr nötig sein wird. Beim nächsten Vollmond jährt sich die Unterzeichnung des Paktes wieder, vielleicht ist es an der Zeit, das Abkommen zu erneuern. Lade die Vertreter der Stämme zu einem Treffen ein, so wie es dein Vorfahr einst tat. Schließe einen neuen Pakt.“

forderte sie und ihre Stimme hatte nichts von ihrer Festigkeit verloren. Ihr Schützling nahm vorsichtig ihre Hand von seiner Wange und richtete sich wieder zu seiner vollen Größe auf. Sein Gesichtsausdruck war ernst und seine Ohren waren angelegt, als er über die Mauern seines Tempels hinaus in den grünen Ozean des nächtlichen Dschungels starrte.

„Du hast Recht, ich bin ein Narr. Natürlich werde ich ihr Opfer ehren, so wie es der Brauch ist, und ich werde den Pakt zwischen unseren Spezies erneuern. Und so wahr mir meine Ahnen helfen, werden sie diesen neuen Pakt akzeptieren, oder sie werden diesen Tempel nicht lebend verlassen.“

Es lag etwas Dunkles in seiner Stimme, als er sein Versprechen aussprach und die Hohepriesterin nickte besonnen.

„Ja, manchmal musst sogar du anerkennen, wer und was du bist, auch wenn ich ein Massaker in den heiligen Hallen nicht dulden werde.“

erklärte die alte Priesterin und der Große Khan knirschte mit den Zähnen, bevor er zu ihr herunterblickte.

„Ein Massaker wird nicht nötig sein, da bin ich mir absolut sicher, zu viele von ihnen haben noch immer Angst vor uns.“

Es war mehr ein Knurren, als dass er die Worte aussprach, aber sie nickte zufrieden, bevor sie sich mit einer einladenden Geste wieder dem Tempel zuwandte.

Sie gingen gemeinsam zurück in die große Halle. Die Gänge des Tempels waren noch immer wie leergefegt, wahrscheinlich warteten die anderen in der Halle, sie würden die Tafel erst verlassen, wenn ihr Anführer wieder da war und sein Mahl beendet hatte.

Sie waren eine große Familie, sie aßen zusammen.

Seine Anspannung war deutlich zu spüren, als er sich wieder an seinen Platz setzte. Er hatte sich noch nicht richtig hingesetzt, da spürte er die Hand von Pecada auf seinem Oberschenkel und sie nickte ihm verständnisvoll zu. Ein kurzes Lächeln huschte über seine Lippen, während er ihre Hand drückte und ihr einen kurzen Blick zuwarf, dann wanderte sein Blick nach unten auf seinen Teller. Das Fleisch der Tapirin, der er vor weniger als zweiundsiebzig Stunden die Unschuld genommen hatte, lag noch immer dort und wartete auf ihn. Er zögerte, aber er wusste, dass es wichtig war, das Opfer zu ehren, wenn er es jetzt nicht tat, dann wäre alles umsonst gewesen.

Die kleinen Muskeln in seinem Gesicht zuckten unter seiner Haut und seine Lippen bebten, als er seine Hand zum Teller hob. Wieder spürte er die Hand seiner Auserwählten, wie sie seinen Oberschenkel leicht drückte. Sie konnte ihn nicht offen unterstützen, aber so konnte sie zeigen, dass sie für ihn da war. Schließlich holte er tief Luft und nahm das Fleisch von seinem Teller.

„Ich ehre dein Opfer. Das Opfer, das du bereitwillig für die Gemeinschaft gebracht hast. Dein Edelmut soll mich Demut lehren. Ich verzehre deinen Körper, damit deine Seele im Jenseits Frieden finden kann. Dein Fleisch wird meinen Körper stärken, damit ich auch deine Familie beschützen kann. Kein Opfer wird ungesühnt bleiben.“

Seine Worte, die er in aller Stille sprach, wurden von allen im Saal geteilt.

Als er schließlich in das Fleisch biss liefe ihm Tränen über das Gesicht und er schwor erneut:

„Ich werde das beenden."

Bereits am nächsten Tag ließ er Boten aussenden, die jedem der Stämme unter seiner Ägide seine Vorladung überbrachten.

Der Große Khan lud zu einer Versammlung aller Tiere des Dschungels ein. Der Anlass war die Erneuerung des Paktes zwischen den Pflanzenfressern und den Fleischfressern.

Seine Boten machten dabei deutlich, dass es sich keineswegs um eine freundliche Einladung handelte, es war eine Vorladung, deren Missachtung schwere Konsequenzen nach sich ziehen würde. Der Khan machte unmissverständlich klar, dass er persönlich Sorge dafür tragen würde, dass diejenigen, die diesem Treffen fernbleiben würden, als nächstes auf seinem Teller landen würden. Die Abgesandten der Pflanzenfresser würden drei Tage vor der nächsten Öffnung des Pfades im Tempel erwartet werden.

„Der Große Khan legt großen Wert auf eure Anwesenheit. Besonders bei der nächsten Öffnung des Pfades … Nein, ich fürchte, ich muss darauf bestehen … Aber natürlich werden wir für Eure Sicherheit garantieren … Seien Sie unbesorgt … Ich darf Sie also auf die Gästeliste setzen, ja? Wie war noch gleich der werte Name?“

„Matari, Sohn von Lima.“

Es war der Abend des dritten Tages vor der Öffnung des Pfads.

Den ganzen Tag hatte der Clan sich und den Tempel für das Treffen an diesem Abend vorbereitet. Die Halle war für die Delegationen der Pflanzenfresser eingerichtet worden und die Krieger des Großen Khans hatten sich für ihre besondere Aufgabe zurechtgemacht und hatten den Tempel zusammen mit den Priesterinnen verlassen.

Sie säumten den Pfad, der hinauf zum Tempel führte, aber anders als sonst, trugen sie Heute nebst der obligatorischen Fackel, ihre volle Kriegsmontur, inklusiver ihrer Waffen und man hatte ihnen Streifen aus grell leuchtenden Farben auf ihr Fell aufgetragen.

Die Prozession des heutigen Abends würde eine ganz besondere sein und sich grundlegend von den sonst üblichen unterscheiden.

Man hatte die Abgesandten der Pflanzenfresser auf der kleinen Lichtung zusammengetrieben, wo sie sonst die Tribute empfingen, die freiwillig über den Weg allen Fleisches zu ihnen kamen, dann hatten die Tiger sie gezwungen die schwarzen Kapuzenmäntel überzuziehen. Als allesamt verhüllt waren, wurden sie unter Androhung von Strafen dazu genötigt, den Pfad schweigend zu beschreiten, so wie es die Tribute drei Tage später tun würden. Die Priesterin des Clans, eine hochgewachsene, energische Tigerin, schritt schweigend voran den Weg entlang, vorbei an dem Spalier ihrer Artgenossen. Es herrschte eine Atmosphäre der Spannung und der Angst, denn anders als sonst, wenn die Tiger in neutralen Gewändern in stillen Respekt den Weg säumten, so wirkten sie an diesem Abend aggressiv und verbreiteten eine Aura der nackten und unverhohlenen Bedrohung. Die Pflanzenfresser folgten der Priesterin dichtauf und die meisten von ihnen hatten ein sehr mulmiges Gefühl bei der Sache.

Man hatte ihnen zwar vorher versichert, dass ihnen nichts geschehen würde, aber jetzt, da sie von Tigern umringt waren, die keinen Hehl daraus machten, dass sie jederzeit angreifen konnten, waren sich die meisten unter ihnen nicht mehr so ganz sicher. Diese Gefühl wurde noch verstärkt durch die Tatsache, dass die Krieger nicht wie sonst der Prozession zum Tempel folgten, sondern ihre Fackeln löschten und sich knurrend in den Dschungel zurückzogen, sobald die Priesterin an ihnen vorübergezogen war. Der Anblick, der sich dabei den Pflanzenfressern bot, war gleichzeitig schön und beängstigend, denn die leuchtende Kriegsbemalung blieb durch den Schein der benachbarten Fackeln noch einen moment länger sichtbar, bis schließlich nur die reflektierenden Pupillen der Tiger im dunkeln Dschungel zu sehen waren, bevor auch diese verschwanden.

Zurück blieben verängstigte Pflanzenfresser, die sich näher an die Priesterin und das Licht drängten, während hinter ihnen der Dschungel in der Dunkelheit versank. Vor ihnen baute sich der Tempel der Tiger auf, dieses monumentale Bauwerk, das auch in dieser Nacht vollkommen im Schatten versank.

Als sie schließlich am Tempel ankamen, waren einige der Abgesandten bereits mit ihrem Nervenkostüm am Ende und nur der Druck der Gemeinschaft hielt sie davon ab, einfach zusammenzubrechen. An diesem Abend wurde die Prozession am Haupttor vom Hauptmann der Wache empfangen, einem gewaltigen Krieger, dessen Arme und Beine mit den Narben unzähliger Kämpfe bedeckt waren, dessen Ohren zerfranst und dessen linke wange durch eine Narbe so entstellt war, dass es wirkte, als würde er ständig seine Zähne fletschen. Er stand auf einem Vorsprung über dem Tor und sah aus blutunterlaufenen Augen auf die ankommenden Delegationen herab. Seine Missbilligung war deutlich zu sehen und auch zu hören, als er den Befehl zum Öffnen der Tore gab. Noch während die massiven Holztore des Tempels geöffnet wurden, drehte er sich schon wieder um und verschwand von der Plattform, ohne auf irgendeine Reaktion zu warten.

Alsbald wurden die Geladenen durch die Gänge des Tempels geführt, wobei die Priesterin weiterhin schwieg und die Korridore von den Kriegern des Khans flankiert wurden. Keiner der Krieger rührte sich, aber ihre bloße Anwesenheit und die Bedrohung, die ständig von ihnen ausging, genügte bereits, um die Pflanzenfresser durchgehend in einer Habacht-Stellung zu halten. Es war nervenaufreibend und sie fühlten sich unter ständiger Beobachtung, ganz zu Schweigen davon, dass sich im Hintergrund ständig etwas bewegte, das man nicht direkt fassen konnte. Es blieb immer geradeso außerhalb der Sichtweite, in den Schatten und hinter den Säulen, immer da und doch nicht sichtbar. Es war, als würde sie etwas jagen, sich an sie heranschleichen. Da waren diese unterschwelligen Geräusche, das Kratzen von Krallen auf Stein, die schnellen Schritte nackter Pfoten auf hartem Boden, das leise Knurren eines Jägers, der seine Beute im Visier hatte.

Als sie schließlich das große Portal erreichten, das sie noch von der Halle trennte, lagen bei vielen Pflanzenfressern die Nerven blank. Einige von ihnen zitterten sichtlich, während andere sich ständig umsahen und wieder andere versuchten, in der Herde Schutz zu suchen.

Die Priesterin, die sie den ganzen weg, von der kleinen Lichtung, auf der sie zusammengetrieben wurden, über den Pfad und durch den Tempel, bis hin zu dieser ominösen Doppeltür, geführt hatte, blieb einfach vor der verschlossenen Pforte stehen und rührte sich nicht weiter. Für einen unendlich langen Augenblick geschah nichts und die Pflanzenfresser wurden langsam unruhig. Kurz bevor die Stimmung endgültig zu kippen drohte, drehte sie sich jedoch endlich um und erhob ihre Stimme.

„Sehr geehrte Abgeordnete, wenn gleich die Tore zur Halle geöffnet werden, möchte ich Sie bitten, die Umhänge an eine der Priesterinnen abzugeben. In der Halle werden Sie eine Tafel vorfinden und Stühle, bitte nehmen Sie Platz, der Große Khan wird sich dann alsbald zu Ihnen gesellen.“

erklärte sie gelassen, während hinter ihr die Türen geöffnet wurden und zwei weitere Priesterinnen den Eingang in eine große Halle flankierten. Es dauerte eine Moment, in dem die Delegationen unsicher im Gang stehen blieben und auf den ersten Mutigen unter ihnen warteten, aber schließlich fasste sich einer von ihnen ein Herz und trat an eine der Priesterinnen heran und gab seinen Mantel ab. Anschließend betrat er unsicher den Saal hinter dem Portal, und ermutigt von seinem Beispiel kamen nach und nach auch die anderen vor, um ihre Mäntel abzulegen.

Die Halle, in der das Treffen abgehalten wurde, war groß, die Decken mindestens acht Meter hoch und die mehr als zwanzig Meter von Wand zu Wand. Säulen säumten die hohen Wände und zwischen ihnen waren Feuerschalen verteilt, um die Halle zu erleuchten. In der Mitte des Saals war ein großer Tisch aufgestellt worden, an dem mit Sicherheit alle Delegierten ihren Platz finden konnten und am anderen Ende des Raums stand auf einem Sockel ein steinerner Thron, der aus demselben Stein gehauen war wie der Tempel.

Des Weiteren lehnten riesige Steintafeln an den Säulen der Halle. Sie alle schienen mit roter Farbe bestrichen worden zu sein, bis auf eine, deren Beschichtung in weiß gehalten worden war. Neugierig näherte sich eins der Tapire den Tafeln. Erst bei genauerer Betrachtung konnte man erkennen, dass sie nicht einfach rot angemalt waren, sondern beschriftet. Nach einer kurzen Untersuchung stieß die Tapirin einen Schrei aus und stolperte von der Tafel zurück und gegen ihren Artgenossen. Was die Aufmerksamkeit der versammelten Abgesandten auf sich zog.

„Da … da steht ihr Name …!“

stammelte sie und zeigte auf die Steintafel, woraufhin ihr Artgenosse sich die Tafel auch genauer ansah. Er erkannte einige Namen, die ihm durchaus bekannt vorkamen, doch noch bevor er sich weiter damit beschäftigen konnte, wurde er von der lauten Stimme am anderen Ende der Halle aufgeschreckt.

„Willkommen in den Hallen der Erinnerung.“

Als die Tiere sich umdrehten, um zu sehen, wer sie gerade begrüßt hatte, sahen sie den Großen Khan neben seinem Thron stehen. Wie seine Krieger, trug auch er seine volle Kriegsrüstung, einschließlich der Kriegsbemalung und seiner Waffen. Er bot einen imposanten Anblick, und auch wenn er mitnichten der Größte unter seinen Kriegern war, so war er doch sicherlich der tödlichste unter ihnen. Seine grün-gelben Augen hoben sich stark von der mit schwarzer Farbe aufgetragenen Totenmaske ab, während er seinen Blick über die Anwesenden schweifen ließ. An seiner Seite standen drei seiner Konkubinen, die in einfache, aber elegante Roben gekleidet waren. Er genoss sichtlich die Wirkung, die er auf die anwesenden Pflanzenfresser hatte, bevor er seinen Speer an eine seiner Konkubinen abgab, einige Schritte auf die Delegation zuging und seine Hände in einer einladenden Geste öffnete.

„In diesen Hallen …“

eröffnete er feierlich und drehte sich einmal um sich selbst, um die Halle als Ganzes zu adressieren.

„… gedenken wir der Toten, nicht nur unseres Stammes, sondern aller Stämme, die in diesem Tempel ihr Leben gelassen haben.“

Er deutete auf die Tafeln, die in der Halle verteilt waren.

„Die Namen unserer Krieger, die im Kampf gefallen sind, um diesen Tempel und unsere Gemeinschaft zu schützen, stehen zusammen mit den Namen derer, die aus freien Stücken gestorben sind, um unseren Pakt zu bewahren.“

fuhr er fort und drehte sich wieder den anwesenden Pflanzenfressern zu.

„Sie alle werden nie vergessen werden. Sie alle werden geehrt und für alle Zeiten weitergegeben, von Generation zu Generation. In Stein gemeißelt und mit ihrem Blut besiegt, damit sie niemals in Vergessenheit geraten.“

Und obwohl er leise sprach, hallten seine eindringlichen Worte noch lange in der Halle nach. Langsam ging er ein paar weitere Schritte auf den Tisch in der Mitte des Raumes zu und lud die Delegierten mit einer Geste ein, sich an die Tafel zu setzen.

„Wir sind heute hier zusammengekommen, um den Pakt, den unsere Ahnen vor über zweihundert Jahren geschlossen haben, zu erneuern.“

schloss er und wartete, bis die Pflanzenfresser sich um den Tisch verteilt und ihre Plätze eingenommen hatten. Als schließlich alle ihre Plätze eingenommen hatten, wollte einer der Delegierten das Wort ergreifen, aber der Große Khan kam ihm zuvor.

„Sicherlich seid ihr alle aufgebracht über die Art und Weise, wie ich euch hierher bringen ließ, und seid verängstigt und schockiert. Dies geschah mit voller Absicht und auf meinen Befehl hin.“

erklärte der Anführer der Tiger, während er beobachtete, wie sich die ersten Delegierten sich echauffieren wollten, aber er schnitt ihnen allen das Wort ab.

„Es war mein Wunsch, euch allen das Gefühl der ständigen Angst zu vermitteln, mit dem all eure Vorfahren jeden Tag lebten. In einer Zeit zu leben, in der sie zu jeder Zeit von Jägern umgeben waren, die überall und ohne jede Vorwarnung zuschlagen können. Das Gefühl der vollkommenen Ohnmacht gegenüber einem überlegenen Gegner.“

fuhr er fort und verschränkte die Arme hinter dem Rücken.

„In der Zeit vor unserem Pakt, vor dem Krieg, der uns an den Rand des Abgrunds gedrängt hat, gab es nur diese Angst, sie bestimmte ihren Alltag und ihre Nächte. Wer damals von einem der vielen Fleischfresser auserwählt wurde, der wurde gnadenlos gejagt und verschlungen. Es gab dem Grunde nach kein Entkommen, bis unsere Ahnen, müde von all dem Tod und all dem Leid, diesen Pakt schlossen, der uns unsere Leben zurückgab.“

schloss er und näherte sich ganz langsam dem Tisch, aber noch bevor er ihn erreicht hatte, kam ein Zwischenruf.

„Das wissen wir alle, wir brauchen keinen Geschichtsunterricht, wir wissen sehr wohl, was dieser Pakt für uns bedeutet, immerhin bringen wir alle zwei Wochen ein Opfer. Dieses ganze Tamtam hätten wir nicht gebraucht.“

Der zornigen Stimme folgend, wirbelte der Große Khan herum und fixierte den Tapir, der noch immer anklagend mit dem Finger auf ihn zeigte. Ein raubtierhaftes Grinsen malte sich auf das Gesicht des mächtigen Tigers und er winkte eine seiner Konkubinen zu sich heran, die mit eleganten Schritten zu ihm kam und ihm ein dunkles Päckchen übergab. Das Paket vor sich her tragend ging der Große Khan auf den Tapir zu, der ihn gerade so unsanft unterbrochen hatte, wobei es war unübersehbar, dass er aufgebracht war.

Erst als er praktisch schon vor dem Tapir stand, konnte dieser erkennen, was der Tiger in seinen Pranken hielt. Seine Augen weiteten sich und er schnappte nach Luft. Wenn er hätte erbleichen können, hätte er es wahrscheinlich getan, während der Anführer der Tiger genüsslich langsam das sorgfältig zusammengelegte Fell, das er vor sich trug, entfaltete. Die Merkmale auf der Haut, die Flecken und Streifen im Fell und die Anordnung der Narben machten die Identifizierung denkbar einfach. Er fixierte den Tapir mit einem geradezu mörderischen Blick und hielt ihn das Fell vor Augen, bevor er tief Luft holte.

„Dies ist … war euer letzter Tribut. Ein junges, gesundes Kalb, noch unbegattet und völlig unerfahren. Es hätte ein langes, erfülltes Leben vor sich gehabt, hätte eine Familie gründen und Nachkommen zeugen können, wenn du es nicht in den Tod geschickt hättest.“

fuhr er den Pflanzenfresser an, der zwar momentan eingeschüchtert war, aber schon Luft holte, um ihm zu widersprechen.

„Oh nein, du kommst mir jetzt nicht mit, sie hat sich freiwillig dazu entschieden, natürlich hat sie das, sonst hätten wir sie nie als Tribut akzeptiert, aber es wäre deine Aufgabe gewesen, sie davon abzubringen und ein geeigneten Kandidaten zu finden. Der Pakt war nie dafür vorgesehen, dass die Jungen und Gesunden über den Pfad schreiten. Ganz im Gegenteil, die Alten, die Kranken und die Schwachen sollten über den Pfad zu uns kommen und mit ihrem Opfer für die Gemeinschaft den Pakt am Leben erhalten. Das war der Geist des Abkommens, so hat es die Natur vorgesehen, und ihr schickt eure Zukunft über den Pfad, damit wir sie verschlingen? Wie krank ist das denn?“

Mittlerweile brüllte der Große Khan dem Tapir seinen Hass entgegen, wobei seine Worte durch den Saal donnerten und der Tapir vor ihm immer kleiner wurde. Als er mit seiner ersten Tirade fertig war, schnaufte er verächtlich aus, wandte sich von dem Tapir ab und legte das Fell, das er noch immer in den Pranken hielt, sorgsam auf den Tisch und legte dann seine Pranke darauf.

Als er den Tapir hinter sich aufatmen hörte, zerriss etwas in ihm und er zog seinen Dolch mit einer solchen Geschwindigkeit, dass niemand reagieren konnte, bevor er sich wieder umgedreht und den Tapir von seinem Sitz gerissen und mit einem markerschütternden Krachen gegen die Säul hinter ihm geschleudert hatte. Noch während der Tapir zusammenbrach, war der mächtige Tiger bei ihm, zerrte ihn wieder aufrecht, hob ihn fast einen Fuß hoch vom Boden hoch und presste ihm die Klinge seines Dolches an die Kehle. Wilde, ungezähmte Rage brannte in seine Augen, während er seine Zähne fletschte und den wehrlos zappelnden Tapir anfauchte.

„Weißt du überhaupt, wie sie hieß? Wer sie war? Welche Ängste sie durchlebte, bis wir ihr den Frieden gewährten, den sie zweifellos für ihren Mut verdient hatte?“

knurrte der Große Khan und machte aus seinem Hass, den er gegenüber diesen Feiglingen empfand, die lieber ihre Kinder in den schickten, als selbst für die Gemeinschaft zu sterben. Der Tapir in seinen Klauen stammelte etwas Unverständliches, brachte jedoch nicht wirklich etwas über die Lippen.

„Sag ihren Namen!“

brüllte er, als er keine verständliche Antwort bekam und brachte sein Gesicht näher an das des Tapirs. Er spitzte seine Ohren und lauschte, während er spürte, wie sich sowohl seine Krallen als auch die Klinge seines Dolches langsam in die Haut seines Opfers bohrten.

„Sh … Shirya … ihr Name war Shirya …!“

stotterte der Tapir, sichtlich mit seine Nerven am Ende, aber der Anführer der Tiger nickte grimmig. Es kostete ihn einiges an Überwindung, nicht nur den Tapir hier und jetzt zu töten, sondern auch den Pakt gleich mit.

„Richtig … ihr Name was Shirya. Es wäre besser für dich, diesen Namen nie zu vergessen, denn er hat dir gerade dein mickriges Leben gerettet.“

knurrte er schließlich und ließ von dem Pflanzenfresser ab, der wie ein nasser Sack zu Boden ging. Er betrachtete das Häufchen Elend zu seinen Füßen noch einen Moment länger voller Abscheu, bevor er sich abwandte. Er wischte seine Klinge an seinem Arm ab und steckte sie wieder in ihre Scheide, dann ließ er seinen Blick über die versammelten, in Schockstarre verfallenen Delegierten schweifen.

„Ihr alle. Ihr alle, die ihr sitzt, seid des Paktes, den unsere Vorfahren gemeinsam geschlossen haben, zum Wohle aller, nicht würdig! Ihr alle habt den Sinn und Zweck dieses Abkommens entweder vergessen, oder was noch viel schlimmer ist, in ein perverses Spiel verdreht und seid auch noch stolz darauf.“

schrie er sie an und spuckte aus, als der Ekel ihm den Magen hob.

„Dieses Abkommen, diese Vereinbarung diente einst dazu, dass wir überleben können, ohne euch jagen zu müssen, und im Gegenzug haben wir die anderen Fleischfresser vertrieben und die Grenzen gesichert. Ihr lebt in einem Frieden und einem Wohlstand, den keine andere Pflanzenfressergemeinschaft je erleben durfte. Der Preis für diesen Frieden war und ist, dass jede Spezies zu jedem Voll- und Neumond je einen Tribut für uns stellt. Einen verdammten Tribut.“

fuhr er fort und trat erneut an den Tisch heran, wo er dann seine Fäusten so fest auf den Tisch schlug, dass sie Dellen im Holz hinterließen.

„Es war nie die verdammte Absicht dieses Paktes, dass ihr einen Schönheitswettbewerb daraus macht. Seit Jahren kommen immer jüngere Tiere über den Pfad, angelockt durch Annehmlichkeiten und Privilegien für die Familien derer, die sich für die Gemeinschaft aufopfern. Junge, starke und gesunde Tiere, die ihr Leben noch vor sich haben, springen über die Klinge, damit die alten, fetten und dekadenten unter Ihresgleichen weiter in ihrem Wohlstand schwelgen können? Ihr seid so ein elendes, rückgratloses, feiges Pack, ihr ekelt mich an!“

Der Khan redete sich in Rage und auf ein Zeichen seinerseits, traten seine Krieger hinter den Säulen hervor und umstellten die Halle. Seine Augen waren mittlerweile blutunterlaufen, und in seiner grenzenlosen Wut spie er eine Anschuldigung nach der Nächsten gegen die Anwesenden heraus.

„Es ist eine bodenlose Schande! Ihr seid eine Schande! Wenn eure Ahnen euch so sehen könnten …!“

schrie er, während die Adern an seinem Hals und auf seiner Stirn hervortreten, wobei selbst seine Konkubinen, zusammenzuckten. Er sah sich in der Halle um und holte noch einmal tief Luft, wobei er auf die Tafeln, die in der Halle verteilt standen, zeigte.

„Mein Respekt gilt den vielen Tributen, die diesen Pfad gegangen sind, und das obwohl sie wussten, was am Ende auf sie zukommt. Ausnahmslos alle haben diesen Weg mit Würde und zu Ehren ihrer Vorfahren beschritten.“

Er schien sich ein wenig zu beruhigen, zumindest schrie er nicht mehr ganz so laut.

„Wir können die Vergangenheit nicht mehr ändern, was geschehen ist, ist geschehen, aber ich werde die Zukunft dieses Paktes ändern.“

fügte er noch einmal in aller Deutlichkeit hinzu und unterstrich seine Aussage zusätzlich damit, dass er noch einmal mit aller Kraft auf den Tisch schlug, bevor er sich von den Pflanzenfressern abwandte und zu seinem Thron schritt. Sein Schwanz peitschte hinter ihm und seine schweren Schritte waren wie ominöse Paukenschläge, bevor er sich wieder den Delegierten zuwandte. Als er sich schließlich auf seinen Thron setzte und zurücklehnte, konnte man bereit sehen, wie sich ein gewisses Unbehagen unter den Anwesenden Pflanzenfressern breit machte. Seine Ellbogen auf die hohen Armlehnen seines Throns gestützt und die Finger von seinem Gesicht zu einer perfekten Scholars Cradle zusammengelegt, blickte er finster zu dem Tisch hinüber und wartete. Sollten sie doch ein wenig in ihrem eigenen Saft schmoren und über seine Anschuldigungen nachdenken.

Wie er es bereits erwartet hatte, dauerte es nicht lang, bis aus dem leisen Flüstern zwischen den Abgesandten, ein reges Getuschel und schließlich eine offene Diskussion wurde, bei der jeder Clan den anderen beschuldigte, an allem Schuld zu sein. Die Lage eskalierte zusehends und einige der Krieger wollten bereits eingreifen, wurden jedoch allein durch die Blicke des Khans zurückgehalten, erst als die ersten Delegierten bereits von ihren Stühlen aufstanden und ihre Kollegen offen des Verrats bezichtigten und zur Lynchjustiz aufriefen, hob der Khan seine Hand und einer seiner Krieger erhob seine donnernde Stimme:

„Silencium!“

Sein Gebrüll war wie ein Donnerschlag und brachte die Menge augenblicklich zum Schweigen, während es noch im Saal nachhallte. Alle Augen richteten sich zuerst auf den Krieger, dessen Lefzen noch immer zuckten, der sich aber langsam wieder in die Reihe der anderen Kämpfer einreihte, danach blickten die Anwesenden zum Großen Khan, der noch immer auf seinem Thron saß. Er hatte mittlerweile seine Hände herunter genommen und sah finster in die Runde, während neben ihm eine seiner Konkubinen stand, deren Körper mit allerlei Bändern und Schleifen geschmückt war. Sie trug eine Pergamentrolle und reichte sie ihrem Anführer, der sie mit einem stummen Dank entgegennahm und ihre Hände küsste, bevor sie sich wieder in die Schatten hinter dem Thron zurückzog.

Langsam erhob der mächtige Tiger sich wieder von seinem Thron und näherte sich mit langsamen, bemessenen Schritten wieder dem Tisch, an dem sich die Delegierten noch von wenigen Momenten gestritten hatten. Ihre Augen waren ausnahmslos auf ihn und die Schriftrolle gerichtet, die er repräsentativ vor seinem Körper trug.

„Dies ist der Pakt, den unsere Vorfahren geschlossen haben, den sie mit ihrem eigenen Blut unterzeichnet haben, weil sie sich der Ernsthaftigkeit und der Konsequenzen, die aus ihm hervorgingen, sehr wohl bewusst waren, und damit er für immer Bestand haben mochte. Nun stehe ich vor euch und ich bezweifle, dass er auch nur diese Stunde überdauern wird.“

erklärte er leise, wobei nichts von seiner Wut aus seiner Stimme gewichen war, während er die Schriftrolle ehrfürchtig auf dem Tisch ausrollte. Die Schriftzeichen verblasst aber noch immer lesbar und die Signaturen am Ende des wichtigen Dokuments gut zu entziffern.

„Seht euch nur an, selbst im Angesicht eures Feindes seid ihr noch uneins. Ihr würdet lieber euren Nächsten ans Messer liefern, als selbst ein Opfer zu bringen. Ihr wisst nicht einmal, wie ich den Pakt zu ändern gedenke, und schon streitet ihr euch darüber, wer denn nun die Schuld an dieser Misere trägt. Nun, ich kann euch sagen, wer. ER …“

rief der Große Khan und deutete auf den Tapir, den er vor wenigen Minuten an die Wand genagelt hatte und der sich Augenblicklich versuchte, hinter den anderen zu verkriechen.

„… Matari, Sohn von Lima, ist derjenige, der dieses Dilemma herbeigeführt hat, indem er seine eigene Tochter unser den Pfad hat wandeln lassen. Sein eigen Fleisch und Blut. Ein Kalb, gerade mal alt genug, um sich einen Gefährten zu suchen, unerfahren in jeder Hinsicht. Sie wusste nicht im Entferntesten, was genau sie auf dem Weg allen Fleisches erwarten würde, und trotzdem ist sie ihn tapfer und würdevoll gegangen. Ihretwegen sind wir hier versammelt. Sie war der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.“

erklärte er, wobei sich etwas anderes in seinen Zorn zu mischen schien. Während sich die Pflanzenfresser sich nun zu Matari umwandten und sich bereits eine gewisse Spannung aufbaute, atmete der Große Khan tief durch und schüttelte den Kopf.

„Bevor ihr anderen euch nun auf ihn stürzt; ich hätte genauso gut auf jeden anderen hier zeigen, denn wir haben von jedem eurer Stämme Tribute empfangen, die auf Shiryas Beschreibung zutreffen würde. Dies wird sich ab sofort ändern.“

fügte er hinzu, bevor einer der anderen Pflanzenfresser etwas einwerfen konnte, dann zog er erneut seinen Dolch und schnitt sich ohne zu zögern tief in den eigenen Unterarm. Er rammte den Dolch anschließend tief in die Tischplatte und zeigte die Wunde den geschockten Delegierten, von denen einige laut nach Luft schnappten. Sein Blut rann seinen Arm hinunter und hinterließ eine deutliche Blutspur auf dem Granit des Bodens, bevor er es in seiner Hand sammelte und sich demonstrativ zu dem Pergament auf dem Tisch umwandte. Ein Wasserbüffel stand von seinem Stuhl auf und streckte seine Hand nach ihm aus, sein Maul bereits aufgerissen, aber der Große Khan ließ sich nicht beeindrucken und besudelte das Dokument, das ihren Lebensstil besiegelte mit seinem Blut.

Noch während seine blutige Pranke auf dem Pergament ruhte, ging ein aufgeregtes Raunen durch die anwesenden Pflanzenfresser, während der Wasserbüffel sich - begleitet von einem schweren Seufzen - geschlagen auf seinen Stuhl fallen ließ.

„Wir alle sind dieses Paktes nicht würdig. Wir Tiger, die wir die Tribute angenommen haben, ohne zu hinterfragen, ob dies auch alles im Sinne des Abkommens ist, genauso wie ihr, die ihr eure eigene Zukunft ohne zu zögern über den Pfad laufen lasst. Keiner von uns kann diesen Pakt mehr retten, dafür ist es schon lange zu spät.“

verkündete er mit erstaunlicher Ruhe, nahm das blutgetränkte Dokument und warf es über den Tisch zu den Pflanzenfressern, die fast schon panisch davor zurückwichen, fast schon so, als wäre es vergiftet. Währenddessen sah der Khan auf seine Pranke, in der sich sein Blut sammelte und wartete, bis sie fast komplett gefüllt war, bevor er sich mit dem Blut sein Gesicht und das Fell seiner Brust rot färbte.

Die Augen aller waren auf ihn gerichtet und aus ihnen sprach der Schock, gleichzeitig waren sie so gebannt, dass keiner von ihnen seine Augen auch nur für einen Wimpernschlag von ihm abwenden konnte.

Zufrieden mit der Reaktion, die seine Tat hervorgerufen hatte, stützte sich der Große Khan mit seinen Händen auf dem Tisch ab und hinterließ dabei große, blutrote Abdrücke.

„Der neue Pakt, den wir alle heute Abend hier schließen werden, wird den ursprünglichen Geist des ersten Abkommens wiedererwecken.“

erklärte er mit verschwörerisch leiser Stimme, während er den Tisch entlang jeden einzelnen der Delegierten ansah.

„Vom heutigen Tage an werden nur diejenigen diesen Pfad beschreiten, die ihre Pflicht gegenüber ihrer Gemeinschaft bereits erfüllt haben. Das heißt, dass nur die Tiere, die mindestens einen Nachkommen gezeugt oder auf diese Welt gebracht haben, über den Weg allen Fleisches wandeln. Fürderhin ist das Tier aufgrund von Schwäche, Krankheit oder des Alters wegen nicht mehr in der Lage, seiner Gemeinschaft zu dienen, und zuletzt hat das Tier seinen Wunsch der Gemeinschaft im Vorhinein mitgeteilt und die Gemeinschaft hat diesem zugestimmt. Dann und nur dann werden wir einen Tribut als geeignet in unserem Tempel empfangen.“

fuhr er fort, während die reich geschmückte Konkubine mit einem weiteren Pergament an den Tisch herantrat.

„Sollten diese drei einfachen Regeln vorsätzlich missachtet oder anderweitig umgangen werden, werde ich die Anführer des jeweiligen Stammes höchstpersönlich in diesen Tempel schleifen und sie vor aller Augen hinrichten. Wir werden keine Tribute mehr annehmen, wenn diese den Regeln nicht entsprechen, aber seid gewiss, wir werden andere Tribute zu beschaffen wissen.“

Mittlerweile waren seine Worte nicht mehr als ein heiseres Flüstern, aber er war sich absolut sicher, dass jeder im Raum ihn bestens verstand.

„Wir mussten schon einmal ein Exempel an einem eurer Stämme statuieren, um euretwillen, lasst es nicht noch einmal so weit kommen.“

Die unverhohlene Drohung, die er damit aussprach, wurde von jedem der Anwesenden verstanden, aber für den Moment traute sich niemand etwas dagegen zu sagen.

Die Konkubine stand vor einem noch sauberen Teil des Tisches und entrollte das Pergament, auf dem der Wortlaut des neuen Paktes noch einmal sowohl in der Clansprace der Tiger, als auch in der offiziellen Sprache des Dschungels geschrieben stand. Der Große Khan wandte sich seiner Konkubine zu, tauchte eine seiner Krallen in sein Blut und unterzeichnete den Vertrag. Als er fertig war, lächelte er fast, bevor er vom Tisch zurücktrat und wieder in die Runde der Delegierten sah. Für einen Moment passierte nicht, dann räusperte sich einer der Wasserbüffel und erhob die Stimme.

„Also haben wir bei dieser Sache gar kein Mitspracherecht?“

Es war mehr eine Feststellung als eine Frage und der Große Khan drehte sich dem aufgebrachten Büffel zu. Selbst im Sitzen war der Büffel größer als der Khan, aber er war alt, fett und unbewaffnet, er würde wahrscheinlich noch nicht einmal aufgestanden sein, bevor der Tiger ihm bereits die Kehle herausgerissen hätte. Die weißen Zähne des Khans blitzten unter der blutverschmierten Maske auf, als er geradezu mörderisches Lächeln auf seine Lippen zog.

„Mitspracherecht? Mitspracherecht!? Euer Mitspracherecht beschränkt sich darauf, Ja und Amen zu sagen und zu hoffen, dass ich nicht beschließe, die alten Verhältnisse wiederherzustellen.“

Mit ausgestreckten Armen ging er langsam auf den Büffel zu und hinterließ dabei eine Spur aus Blutstropfen.

„Sag mir, mächtiger Büffel, wie viele eurer Kinder wurden von Raubtieren erlegt? Wie viele aus eurer Gemeinschaft wurden des Nachts im Schlaf von einem ungesehenen Mörder getötet? Und sag mir, wie viele deiner Artgenossen es geschafft haben, so fett und alt zu werden wie du?“

fragte er, während er den Tisch umrundete. Die Pflanzenfresser wichen einer nach dem anderen vor ihm zurück, bis er schließlich vor dem Büffel zu stehen kam, wo er dem riesigen Fleischfresser seine blutige Pranke auf die Brust legte und ihm intensiv in die Augen starrte. Der Büffel erstarrte kurz, bevor der Anführer der Tiger ihm dann mit der Antwort zuvor kam.

„Richtig!“

flüsterte er und stieß den Büffel mit seiner unbändigen Kraft rückwärts gegen eine der Säulen und zeigte auf die Tafel mit den Namen seines Stammes.

„Aber vielleicht willst du das ja ändern und als erster seit über zweihundert Jahren unten den Namen derer enden, die ab morgen wieder meinen Jägern zum Opfer fallen. Das wäre doch mal was, wollen doch mal sehen, wie schnell so ein Wasserbüffel rennen kann.“

knurrte er und ließ angewidert vom Büffel ab, bevor er sich, mit einem nicht weniger angriffslustigen Grinsen, wieder an die anderen wandte.

„Oder wollt ihr vielleicht, dass meine Krieger wieder zu dem zurückkehren, wofür die Natur sie einst geschaffen hat? Jagen und Töten, das Überleben des Stärkeren! Nichts leichter als das, kommt nach vorne und zerreißt das Pergament. Oder unterzeichnet den Pakt mit eurem Blut, so wie es eure Vorfahren getan haben.“

offerierte er und zeigte dabei auf das Dokument auf dem Tisch.

„Ich gebe euch exakt diese eine Chance, dem Pakt zuzustimmen. Tut es, und tut es alle, denn ihr sitzt alle in einem Boot, oder ab morgen werden meine Krieger wieder auf der Pirsch sein.“

drohte er und fletschte seine Zähne, bevor er sich mit einem letzten Blick auf das Pergament und seine mittlerweile getrocknete Unterschrift vom Tisch abwandte und zu seinem Thron stapfte. Seine Konkubine legte noch einige Federkiele neben das Dokument und folgte anschließend mit eleganten Schritten ihrem Herrn. Ihre Hüften wiegten bei jedem ihrer akzentuierten Schritte und sie ließ ihren Schwanz im takt hin und her pendeln, während der Große Khan sich auf seinem Thron niederließ. Sie trat zu ihm heran und setzte sich auf sein Knie, nahm seinen Arm und begann zärtlich damit, die Wunde sauber zu lecken.

Langsam schloss der mächtige Tiger seine Augen und legte den Kopf zurück gegen die Lehne, während er leise und genüsslich zu knurren begann. Es gab nicht viele Konkubinen, denen er erlauben würde, seine Wunden in aller Öffentlichkeit zu versorgen, aber Pecada genoss einen besonderen Status.

Am anderen Ende der Halle, am Tisch der Delegierten, herrschte helle Aufregung, einige der Pflanzenfresser, vor allem die Tapire und die Wasserbüffel, waren außer sich. Sie fühlten sich vor dem Rest der Gemeinschaft bloßgestellt und herabgewürdigt. Die angeregte Diskussion zwischen ihnen und dem Rest der Abgesandten zeigte nur einmal mehr deutlich, wie gespalten doch die Pflanzenfresser untereinander waren. Auch dieses Mal dauerte es nicht sehr lange, bis offene Anschuldigungen und Beleidigungen die Lager wechselten und die wenigen unter ihnen, die sich offen für die Unterzeichnung des Paktes, selbst in dieser Form aussprachen, wurden gnadenlos in Grund und Boden geredet. Innerhalb kürzester Zeit herrschte absolutes Chaos am Tisch der Delegierten und einer der Wasserbüffel hatte inzwischen mühevoll den Dolch des Khans aus dem Holz gehebelt und bedrohte damit ein Okapi, das sich offen und lautstark für die Unterzeichnung des Paktes aussprach.

Der Große Khan beobachtete das rege, chaotische Treiben am Tisch mit wachsender Verwirrung und schüttelte schließlich den Kopf, bevor er sich seiner Konkubine widmete, die noch immer damit beschäftigt war hingebungsvoll das Blut von seinem Fell zu lecken. Vorsichtig hob er ihr Kinn an und sah ihr in ihre wunderschönen Augen.

„Lass es gut sein, Pecada, wir werden später ein gemeinsames Bad nehmen. Wir wollen doch nicht, dass du dir noch den Magen mit den Farben verdirbst.“

flüsterte er leise und gab ihr einen kleinen Kuss auf die Nase. Ihr Lächeln half ihm, sich wieder ein wenig zu entspannen, und als er begann, zärtlich ihren Bauch zu streicheln, lehnte sie sich an seine starke Brust.

„Warum sind sie nur so dumm?“

fragte sie leise und schloss ihre Augen vor den tumultartigen Szenen am Tisch der Delegierten, wobei sie sich wünschte, sie wäre in der Lage, auch ihre Ohren vor dem Lärm zu verschließen. Der Große Khan atmete tief durch, strich ihr zärtlich über die Wange und schüttelte erneut den Kopf.

„Ich weiß es nicht, ich habe diese Pflanzenfresser nie verstanden. Sie sind so zahlreich, dass sie uns einfach überrennen würden, wenn sie sich wirklich einmal zusammenraffen würden und sich gegen uns verbünden, aber das wird nie wieder passieren. Das einzige Mal, wo sie es geschafft haben, ihre Differenzen und Animositäten miteinander beizulegen, war, als sie sich der vereinten Kraft aller Fleischfresser des Dschungels gegenüber sahen, und selbst da hat es nur bedingt funktioniert. Es fehlt ihnen an einer charismatischen Führungspersönlichkeit. Sie sind fett, faul und dekadent geworden. Nun, sei’s drum, ihre Uneinigkeit ist unser Gewinn und wir werden ihn nutzen.“

flüsterte er ihr schnurrend ins Ohr, aber eine Bewegung in seinem Augenwinkel erregte seine Aufmerksamkeit.

Als er daraufhin zum Tisch hinübersah, konnte er sehen, wie eines der Capybaras ehrfürchtig und mit gesenktem Haupt auf den Thron zukam. Es blieb einige Meter von seinem Thron entfernt stehen, sank auf die Knie und kauerte vor dem Herrscher. Es hatte seinen Kopf auf den harten Granitboden gesenkt und die Hände nach vorne gestreckt in einer Haltung absoluter Demut und Unterwürfigkeit. Pecada nickte ihrem Partner und Anführer leicht zu und stand auf, um ihren rechtmäßigen Platz an seiner Rechten einzunehmen. Derweil richtete sich der mächtige Tiger auf seinem Thron auf und betrachtete den vor ihm kauernden Abgesandten, der am ganzen Körper zitterte. Es schien, als hätte es ihn bereits all seinen Mut und seine Kraft gekostet, sich bis zum Throm vorzuwagen.

„Beruhige dich und sprich mit mir. Was willst du?“

Die Stimme des Khans war erstaunlich ruhig und er hörte sich fast verständnisvoll an, allerdings konnte er den genervten und erzürnten Unterton nicht ganz aus seiner Stimme heraushalten. Das Capybara schien sich ein wenig zu beruhigen, hob seinen Kopf und stotterte:

„He … Herr … bitte … t-tut etwas. D-das hier sollte nicht auf diese Weise zu Ende gehen. Ich flehe Euch an, beendet d-diesen Wahnsinn!“

Dem Hinweis des Abgesandten folgend, sah der Tiger zum Tisch hinüber und nickte grimmig. Auf ein Handzeichen trat sein gewaltiger Krieger wieder vor.

„Silencium!“

brüllte er abermals und erneut hatte sein donnergleicher Schrei die gewünschte Wirkung, die Pflanzenfresser hielten Augenblicklich inne und verstummten. Und das keinen Moment zu früh, denn der Büffel hatte bereits den Dolch hoch über seinem Kopf erhoben und drückte mit der anderen Hand den Okapi auf den Tisch. Die Mordlust war klar in seinen blutunterlaufenen Augen zu sehen, während seinem Gegenüber die schiere Panik ins Gesicht geschrieben war.

„Niemand, absolut niemand, tötet in meinem Haus, es sei denn ich erteile den expliziten Befehl dazu!“

gab der Große Khan zu verstehen und seine Worte fanden ihr Ziel, denn der Büffel senkte sofort den Dolch und ließ ihn klappernd auf den Tisch fallen. Mit geschlossenen Augen schüttelte der Tiger seinen Kopf, als wollte er das ganze nicht wahrhaben und atmete ein weiteres Mal tief durch, bevor er sich langsam von seinem Thron erhob.

„Seht euch nur einmal an. Was soll das werden? Was habt ihr da vor? Wollt ihr mir die Arbeit erleichtern, indem ihr euch bereits gegenseitig tötet, damit meine Krieger es nicht mehr tun müssen? Vielleicht sollte ich euch in die Ritualkammern bringen, damit wir es wenigstens gleich richtig machen können.“

Auf ein Nicken hin traten seine Krieger zwei Schritte vor, während er seine Speer von einer seiner Konkubinen entgegennahm und danach ebenfalls die Distanz zu den Delegierten verkürzte. Mit einem Mal war die Bewegungsfreiheit der Pflanzenfresser bedeutend eingeschränkter. Immer wieder schüttelte der Khan ganz leicht seinen Kopf, ungläubig bezüglich dem, was sich vor seinen Augen abspielte.

„Seid ihr wirklich so dumm? So dumm, dass ihr glaubt, ir könntet damit irgendetwas erreichen? Eure insignifikanten Zankereien interessieren mich nicht. Ihr könnt gerne nach draußen gehen und euch gegenseitig den Schädel einschlagen, wenn ihr das für richtig haltet. Wenn ihr mich fragt, dann könnt ihr euch gerne gegenseitig in den Schatten umbringen, nur weil irgendein Stamm ein Gebiet für sich beansprucht und ein anderer sich bereits dort niedergelassen hat, was liegt mir daran? Es stört mich nicht im Geringsten, nicht für eine Minute. Macht da draußen, was ihr wollt.“

Der Sarkasmus in seiner Stimme war beißend und mit jedem gesprochenen Satz wurde seine Stimme leiser.

„Aber ihr werdet diesen Pakt nun unterzeichnen, und zwar ohne zu murren oder zu streiten, denn meine Geduld ist am Ende. Wenn ich nicht die Unterschrift jedes Stammes auf diesem Dokument habe, bevor auch nur der erste von Euch daran denkt, diese Hallen zu verlassen, wird dieser Stamm der erste sein, dessen Leiber meine Vorratskammern füllen wird.“

Seine Stimme war mittlerweile nicht mehr als ein heiseres Flüstern, und jeder in diesem Saal, der den Khan gut genug kannte, wusste, dass er umso gefährlicher wurde, je leiser er wurde. Allerdings kannte ihn, abgesehen von seinen Kriegern und Konkubinen, keiner der Anwesenden auch nur annähernd gut genug, um das zu wissen. Pecada hatte sie kleinen Anzeichen eines bevorstehenden Ausbruchs, das leichte Zucken seiner Augenwinkel, das geradeso aufgestellte Nackenfell, das ständige Öffnen und Ballen seiner Faust und die betont ruhige Atmung, bereits gesehen und einem der Krieger ein Zeichen gegeben.

Von den anwesenden Pflanzenfressern wusste derweil keiner etwas von all diesen Anzeichen, sie hätten nicht einmal gewusst, worauf sie achten sollten. Auch der Tapir, der gerade im Begriff war, erneut die Stimme zu erheben, war sich der Gefahr, in der er schwebte, nicht bewusst.

Der einzige Grund, warum sein Speer ihn nicht direkt an die Steinsäule nagelte, war, dass einer der Krieger des Khans schneller war und seinen massigen Körper zwischen den Tapir und den Speer des Khans warf. Der Krieger wurde in die Schulter getroffen und wurde von der Waffe fast durchbohrt, aber er zuckte nicht einmal mit der Wimper, bevor er den Tapir wieder auf den Boden absetzte. Als er sich schließlich zu seinem Anführer umwandte, konnte man den Schmerz in seinen Augen sehen, aber nirgendwo sonst.

Der riesige Krieger verbeugte sich schweigend vor seinem Anführer und zog sich in die Reihen seiner Clanmitglieder zurück, wo er augenblicklich von einem anderen Krieger gestützt wurde. Währenddessen stand der Tapir still und regungslos da, wahrscheinlich war sein Hirn noch damit beschäftigt, das Geschehene zu verarbeiten.

Gleichzeitig stand der Anführer der Tiger mitten in der Halle, den Wurfarm noch immer leicht erhoben und atmete angestrengt. Pecada nutzte den Moment absoluter Stille und trat vorsichtig von hinten an ihren Partner heran und legte ihre Hand auf dessen Schulter. Als sie dann das Wort ergriff, war ihre Stimme leise, aber eindringlich.

„Wie ihr seht, nehmen unsere Krieger ihre Aufgabe so ernst, dass sie einen Pflanzenfresser sogar vor ihrem eigenen Anführer beschützen und dabei sogar ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen würden; sogar dann, wenn besagter Pflanzenfresser offensichtlich gerne Ärger macht. Auch wir Tiger haben unsere volatile Seiten, auch wenn wir uns große Mühe geben, diese euch gegenüber zu unterdrücken. Aber nun würde ich es wirklich vorziehen, dass ihr den Pakt unterzeichnet, damit weitere Demonstrationen wie diese nicht notwendig sind.“

forderte sie sanft, aber mit genug mit genügend Nachdruck, um einen Widerspruch bereits im Keim zu ersticken. Noch während ihre Stimme im Saal verhallte, drehte sie den Großen Khan langsam und vorsichtig zu sich um und sah ihm in die Augen. Der mächtige Tiger zitterte förmlich vor Wut und es dauerte einige Herzschläge, bis er sich genügend beruhigt hatte, um ihren zärtlichen, wohlwollenden Blick zu erwidern.

„Hast du gesehen, wozu sie mich gezwungen haben?“

flüsterte er gerade laut genug, dass seine Worte bis an den Tisch herangetragen wurden, wobei die Pflanzenfresser sich noch immer nicht rührten.

„Ich sollte sie einfach … alle …“

begann er, brach aber mitten im Satz ab, als sie ihm einen Finger auf die Lippen legte. Es lag eine Strenge in ihrem Blick, die ihn stocken ließ, bevor sie kurz nach den Kriegern sah. So lautlos, wie sie gekommen waren, so lautlos zogen sie sich wieder in die Schatten hinter den Säulen und schließlich aus der Halle zurück. Sie würden sich um Brutus kümmern, ihn zu den Priesterinnen bringen, er würde überleben. Als sie ihre Augen wieder auf die des Khans zurückbrachte, waren seine wieder deutlich ruhiger, aber sie wusste, es war jetzt an der Zeit, dieses Treffen diplomatisch zu beenden. Sie würde das typisch männliche Machogehabe unterbinden und den Pakt jetzt besiegeln.

Sie legte ihre Hände an die Wangen des Großen Khans und sah ihm tief in die Augen. Sie verstanden einander auch ohne Worte. Noch während sie ihn ansah, begann er leise zu knurren, ein unterschwelliges, kontinuierliches Knurren, das sich bis zu den Delegierten ausbreitete.

„Meine geschätzten Abgesandten, wenn ich sie nun bitten dürfte? Der Große Khan fühlt sich … ein wenig unpässlich und ich würde es nun wirklich vorziehen, wenn wir dieses Abkommen jetzt besiegeln könnten. Ich weiß nicht, wie lange ich ihn noch besänftigen kann.“

Nun klang ihre Stimme bereits deutlich energischer und ihre Augen funkelten, während ihr Lächeln ihre Reißzähne zeigte, untermalt von dem anhaltenden Knurren ihres Partners.

Die Pflanzenfresser zögerten noch einen Moment länger, aber dann begannen sie, einer nach dem anderen den Pakt zu unterzeichnen. Mit Hilfe des Dolches fügten sie sich eine kleine Wunde zu, nahmen dann einen der Federkiele, um anschließend mit ihrem Blut zu unterschreiben. Dies geschah in vollkommener Stille, die nur durch das Knurren des Khans und das gelegentliche unterdrückte Stöhnen eines der Delegierten, wenn sie sich schnitten. Am Ende standen dann auch Matari und der Wasserbüffel vor dem Pergament, das, bis auf ihre Namen, bereits die aller anderen trug. Als ihr Blick auf den Dolch und die Federkiele fiel, zögerten sie, doch schließlich nahmen auch sie die Klinge und setzten ihre Unterschrift unter den Vertrag, der auch in Zukunft ihr Zusammenleben in Frieden ermöglichen sollte.

Damit war der offizielle Teil der Versammlung beendet und Pecada löste sich vorsichtig von ihrem Partner, um zu den Delegierten zu sprechen. Sie bedankte sich mit allem gebührenden Respekt bei den Abgesandten für ihr Verständnis und auf einen Wink hin wurde das große Portal wieder geöffnet. Mit einer leichten Verbeugung verabschiedete sie die Pflanzenfresser und übergab sie in die fähigen Hände der Priesterin, die bereits am Portal auf sie wartete. Die Priesterin trug ein einfaches, weißes Gewand und wurde von zwei Tigern flankiert, deren Fell völlig geschwärzt worden war. Sie empfing die Delegationen mit einer leichten Verbeugung und machte mit einer einladenden Geste den Weg durch die Gänge des Tempels frei. Während die Pflanzenfresser ihr durch das Labyrinth des Amtssitzes der Tiger folgten, war die Atmosphäre nun eine vollkommen andere. Die Tiger, die nun die Gänge säumten, waren in beigefarbene Gewänder gekleidet und trugen nur noch die Fackeln, die den Gästen des Tempels den Weg erleuchteten. Die Waffen, die Kriegsbemalung, all das war verschwunden, genauso wie das ständige unterschwellige Gefühl, gejagt zu werden. Auch kam den meisten von ihnen der Weg aus dem Tempel viel kürzer vor, als noch der Weg hinein, aber das musste eine Illusion sein, oder?

Als sie schließlich den Haupteingang der Tempelanlage erreichten, war der Weg in den Dschungel und weg vom Tempel hell erleuchtet. Das Aufatmen der Delegierten brachte die Wachen am Haupttor zum Grinsen, aber sie konnten sich gerade noch beherrschen nicht loszulachen, während die Priesterin sich tief vor den Pflanzenfressern verbeugte und sie schließlich in die Nacht entließ.

Keiner von ihnen wusste, wie nahe sie der absoluten Katastrophe gekommen waren, denn als sie gerade außer Sichtweite waren, verschwanden die beiden schwarzen Tiger lautlos in die Schatten des Dschungels, um ihre Gefährten zurück zu rufen, die in den Lagern der Pflanzenfresser warteten, um die Familien der Anführer zu töten, falls die Verhandlungen gescheitert wären.

Der Große Khan stand hinter Pecada, an einem der großen Fenster, wenn man die Öffnungen hoch oben im Tempel so nennen konnte, und sie blickten über die Baumkronen des Dschungels hinweg zum Horizont, wo gerade das letzte Licht des Abendrots verschwand. Er schmiegte sich ganz eng an sie und streichelte liebevoll über ihre große Babykugel, die sich in den letzten Monaten entwickelt hatte. Voller Stolz fuhren seine starken Hände über ihre Rundungen und spürten die zarten Bewegungen des neuen Lebens, das in seiner Auserwählten heranwuchs. Er murrte leise, während er seine Schnauze ganz sanft an ihren Hals führte und liebevoll daran zu knabbern begann. Seine Mühen wurden mit einem leisen Kichern belohnt und sie legte ihren Kopf zur Seite, um ihm besseren Zugang zu gewähren. Seine Hände wanderten unter ihren Babybauch und er nutzte seine Kraft, um ihr die Last zumindest für den Moment zu nehmen, was ihr ein erleichtertes Seufzen entlockte.

Sie wussten beide, dass sie so kurz vor ihrer Niederkunft nicht mehr miteinander schlafen sollten, aber er konnte ihr seine Liebe auf so viele andere Weisen zeigen, und sie wusste es zu schätzen.

„Sie sind dabei, den Weg zu öffnen.“

Flüsterte Pecada, als sie die Lichtpunkte sah, die sich entlang des Pfades ausbreiteten. Der neue Pakt zwischen den Spezies hatte nach seiner Einführung kurzzeitig Wellen geschlagen, und bei der ersten Öffnung hatten sie ein wenig diskutieren müssen, da einige der Opfer nicht ganz dem entsprachen, was sie im Abkommen vereinbart hatten, aber auch diese Problematik war dankenswerterweise ohne weiteres Blutvergießen geklärt worden.

„Ich weiß …“

murmelte der Große Khan leise, dessen Hände sich nun langsam wieder nach oben bewegten und sich zärtlich um die geschwollenen Brüste seiner Geliebten legten. Vorsichtig begann er sie zu massieren, während er weiter an ihrem Hals knabberte. Pecada stöhnte leicht auf, als er ihren empfindlichen Busen knetete und gab sich seiner Liebkosung hin. Sie genoss die erhöhte Zuneigung, die sie von ihm erhielt, seit sie schwanger war. Wobei er nicht der einzige war, der sie mit Aufmerksamkeit überhäufte, die anderen Konkubinen des Harems kümmerten sich aufopferungsvoll um sie. Es gab keine Eifersucht im Harem des Khans, sie alle waren glücklich gewesen, als die Hohepriesterin sich für Pecada entschieden hatte. Seit dem Tag, an dem ihre Schwangerschaft als gesichert galt, überschlugen sich die anderen förmlich, wenn es darum ging, ihr zu helfen.

Da die Tiger versprochen hatten, sich nicht weiter zu vermehren, sondern ihre Zahl einfach nur aufrecht zu erhalten, waren Schwangerschaften und Geburten selten geworden, und nur wenige hatten das Glück, für eine ausgewählt zu werden. Selbst wenn eine der Tigerinnen von den Priesterinnen auserkoren wurde, so war es noch lange nicht die Garantie dafür, dass sie ihren Nachwuchs auch mit ihrem auserwählten Partner zeugen durfte. Da die Tiger eine strenge Eugenik verfolgten, die von ihnen verlangte, dass sich nur die Besten, Stärksten und Gesündesten unter ihnen miteinander paaren durften, wurde auf persönliche Präferenzen nur selten Rücksicht genommen. Dies bedeutete allerdings auch, das der Akt als solches oftmals unter keinem guten Stern stand und die daraus resultierenden Schwangerschaften meist psychisch sehr belastend waren.

Allerdings gab der Erfolg ihnen schlussendlich Recht, denn ihr Stamm war stärker, schneller, größer und gesünder, als es je ein anderer Stamm ihrer Art gewesen war.

Auch Pecadas Schwangerschaft war unter diesen Gesichtspunkten entschieden worden, auch wenn bei ihr der Partner bereits vorher feststand. Schließlich wurde dem Großen Khan nur eine Chance gewährt, einen Nachkommen zu zeugen. Sie war in jeder Hinsicht etwas besonderes.

Pecada lächelte und genoss die Gänsehaut, die sich langsam auf ihrem ganzen Körper ausbreitete, als sich ihr Partner allmählich immer weiter ihren Hals hinauf knabberte, bis er schließlich an ihrem Kiefer angelangt war. Sie erschauderte bei dem angenehm kitzligen Gefühl, das seine Zähne an dieser empfindlichen Stelle erzeugten und fing schließlich an zu kichern. Reflexartig zog sie den Kopf ein und drehte sich zu ihm um, nur um direkt von ihm umarmt zu werden. Noch eher sie ihm sagen konnte, was für ein Schelm er doch manchmal sein könnte, versiegelten seine Lippen ihren Mund und er küsste sie liebevoll. Sie wehrte sich nicht, sondern ergab sich in seine starken Arme und erwiderte den Kuss inniglich.

Es war zwei Wochen später, in einer sternenklaren Neumondnacht, als Pecada ihren Nachwuchs in ihren Gemächern zur Welt brachte. Der Große Khan war an ihrer Seite und stützte sie, so wie es Brauch war, während die Priesterinnen unter Aufsicht der Hohepriesterin die Geburt des nächsten Großen Khans überwachten.

Geburten waren, selbst unter den besten Umständen, immer mit einem gewissen Risiko verbunden. So viele Dinge könnten schief gehen, aber die Priesterinnen, zumindest die Hohepriesterin, waren erfahren in diesen Dingen, und alles, worauf sie sich vorbereiten konnten, hatten sie berücksichtigt.

Und so verlief die Geburt als solches zunächst auch ohne jegliche Komplikationen. Der nächste Khan würde lebend und offensichtlich gesund und munter geboren, und auch sein Geschwisterchen erblickte ohne weitere Probleme das Licht der Welt. Zwillingsgeburten waren bei den Tigern keine Seltenheit und wurden allgemein als gutes Omen angesehen, vor allem, wenn beide Kinder überlebten.

Doch dass der Anführer der Tiger zwei Töchter als seine Nachfolger gezeugt hatte, das war so nicht geplant gewesen. Seine Augen quollen über, vor Stolz und Glück, als man ihm seine Nachkommen präsentierte, und als Pecada ihre Töchter endlich in den Armen hielt, weinte sie Tränen der Freude.

Es bedeutete allerdings, dass er der letzte Große Khan seiner Blutlinie sein würde, denn seine älteste Tochter würde sich einen der Krieger zum Partner nehmen, der seine Nachfolge im Amt antreten würde. Damit würde eine der längsten ununterbrochenen Blutlinien ein Ende finden, aber das war ihm vollkommen egal, denn er war überglücklich.

Später, während Mutter und Töchter nach der Geburt und einem ersten Zungenbad der Kleinen selig schliefen, kletterte der Große Khan mit einer Fackel auf die höchste Spitze der Tempelpyramide und rief sein Glück in den Nachthimmel.

„Ich bin Vater!“

Manchmal ist der Preis, den wir für etwas Gutes zu zahlen bereit sind, sehr hoch.

Und manchmal scheint das, was wir für diesen Preis erhalten, nicht gut genug zu sein.

Wir haben nicht immer eine Wahl, sondern sind gezwungen, das zu nehmen, was uns angeboten wird.

Und wenn wir die Wahl haben, ist es nicht immer einfach zu entscheiden, was das Beste ist.

Nur eine Sache ist sicher:

Am Ende zahlen wir den Preis

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