Kapitel 7
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Kapitel 7
Waffen
Am nächsten Morgen, gegen zehn Uhr, waren auch die letzten erwacht und hatten sich ihren Partykater wegtrainiert, weggeduscht oder weggefrühstückt.
So trafen sich um die Mittagszeit herum alle auf dem Dorfplatz und machten sich über die Waffen und anderen Gegenstände her.
„Dann lasst uns mal sehen was man damit alles machen kann“, sagte Cyron an die anderen gewandt und fuhr fort: „Packt alles zusammen und bringt es auf die Wiese vor dem Dorf.“
Der Begriff Wiese war vielleicht etwas untertrieben. Vielmehr handelte es sich um eine Fläche von circa zwei Quadratkilometern, auf der kein Baum und kein Strauch stand. Sie wurde an ihren Rändern lediglich durch Wald begrenzt.
Sie stapelten alles um sich herum auf, und setzten sich in einem Halbkreis vor Cyron und Chiron. Ihre Gesichter verrieten eine gewisse Anspannung. Außer-dem hatten sich alle beim Fest damit abgefunden, dass die beiden Tigerkater die Anführer der Gruppe sind und akzeptierten es ohne zu murren, dass die beiden Befehle erteilten. Immerhin hatten sie schon Feindkontakt gehabt und wussten mehr als alle anderen, was sie erwartet.
„Okay Leute. Was wir erwarten ist kein Heldenmut und auch kein Draufgängertum. Wir möchten nicht, dass sich hier jemand als Held aufspielt und sich und die anderen unnötig in Gefahr bringt. Die Sache wird schon noch brenzlig genug werden“, begann Chiron.
Alle nickten und zustimmendes Gemurmel ertönte, aber auch ein Lächeln huschte über das eine oder andere Gesicht.
„Schön“, sagte Cyron, „dann fangen wir mal an.“
Er legte eine gewichtige Miene auf und öffnete die erste Kiste. Darin befanden sich nur Papiere. Er durchstöberte einen Packen davon, und sein Gesicht hellte sich auf. „Das sind Baupläne.“
„Baupläne?“, fragte der Pegasus.
„Ja, genauer gesagt sind es Baupläne und Bedienungsanleitungen für die Waffen, die wir vor uns liegen haben.“
Freude erfasste alle und ließ die Herzen schneller schlagen.
„Weiter, los, mach schon“, sagte einer der Wölfe.
„Langsam, du wirst es doch wohl noch erwarten können, oder?“, entgegnete ein anderer Wolf.
Alle mussten lachen.
Cyron grinste Chiron an, dann die anderen und schüttelte den Kopf. „Wunderbar. Ich habe eine Idee. Wir durchsuchen die Anleitungen, finden die pas-sende Waffe dazu, probieren sie aus, erklären sie kurz und derjenige, der sie unbedingt haben möchte, meldet sich einfach.“
Zustimmendes Nicken erfolgte.
„Superidee“, lobte Chiron, „Dann mal los.“
Cyron schnappte sich die erste Anleitung. „Okay, herhören.“
Er schaute sich unter den Waffen um und hob ein kleineres, fasst unscheinbares Gerät hoch. „Bei diesem Gerät handelt es sich um ein Funkgerät. Es sind insgesamt fünfzig Geräte vorhanden. Also kriegt jeder eins. Man kann mit ihnen über größere Entfernungen kommunizieren. Für den Sprechkontakt sind weder eine Sicht- noch eine direkte Hörverbindung notwendig. Man muss sich nicht mal im gleichen Gebäude oder am gleichen Ort aufhalten.“
Cyron hielt den Kopf schief und betrachtete das kleine unscheinbare Kästchen in seiner Hand. Er blickte Chiron an, und der verstand was er vorhatte.
Er wühlte kurz in den herumliegenden Gerätschaften und fand eine weitere Kiste, die schon halb geöffnet war, hob den Deckel ganz an und Bingo. Es waren die restlichen Funkgeräte. Er schaute es sich an, trat zu Cyron. Sie schauten auf die Anleitung und drehten an ein paar Knöpfen herum. Plötzlich ertönte eine kurze Tonfolge, dann war es wieder still. Beide schauten wieder auf die Anleitung und nickten sich kurz zu.
„Gut, wir probieren es jetzt mal aus.“
Chiron ging mit dem Funkgerät weg und verschwand hinter der nächsten Hausecke.
Plötzlich ertönte seine Stimme aus dem Gerät. <„Könnt ihr mich hören?“>
<„Ja, wir hören dich laut und deutlich.“>
<„Super. Die Dinger funktionieren scheinbar tadellos. Könnt ihr mich sehen?“>
<„Nein, können wir nicht. Wo bist du denn?“>
<„Hier.“>
<„Wo ist hier?“>
<„Na hier. Schaut mal nach oben.“> In diesem Augenblick schoss einer der Drachen über ihre Köpfe hinweg und Chiron winkte von seinem Rücken herunter.
<„Okay, lass den Unsinn und komm wieder her damit wir weiter machen können.“>
<„Ja, Papa.“>
Vereinzeltes Gelächter machte sich breit.
Stella, Tarja und Casandra, die am Rand saßen und alles miterlebten, verdreh-ten die Augen.
„Kerle“, murmelte Stella.
Cyron legte die Ohren zur Seite und schüttelte den Kopf. „Welpen.“
So nach und nach beruhigten sich alle wieder und Cyron teilte die Funkgeräte aus. Damit war einer der ersten Schritte erledigt, wenn auch der kleinste.
Chiron kam zurück und gesellte sich wieder zu seinem Schwiegervater. Der klopfte ihm anerkennend auf die Schulter und sie setzten die Vorführung fort.
Cyron nahm die nächsten Papiere zur Hand und las sie sich durch. Er zuckte plötzlich zusammen, fand aber sich aber schnell wieder.
Die anderen wurden unruhig, aufgrund seiner Reaktion auf das Gelesene. „Okay, Leute. Jetzt wird es ernst. Wir kommen zu den ersten Schusswaffen.“ Er schluckte kurz, gab Chiron die Anleitung, ging zielstrebig auf eine der Kisten zu und öffnete sie. Sein Nicken zeigte an, dass er gefunden hatte, wonach er suchte. Viele machten einen langen Hals um möglichst viel zu sehen.
Cyron brachte elf Waffen zum Vorschein und trug sie zu Chiron.
Chiron übernahm das Wort: „Tja, also. Hier haben wir elf Impulslaser-Handwaffen. Die Durchschlagskraft entspricht einem Megawatt, dass sind umgerechnet und grob geschätzt 10.000 Speere die gleichzeitig an einem Punkt auf ihr Ziel treffen.“
Ein Raunen ging durch die Reihen. Mit einer solchen Kraft hatte keiner gerechnet.
„Bleibt ruhig Leute. Das ist erst der Anfang, und das sind, wie es aussieht, die kleinsten Waffen.“
Stella war bestürzt und senkte ihren Kopf.
Der Fund dieser Waffen war mehr als Gold wert, und ihr wurde bewusst, dass sie ohne diese Waffen niemals eine Chance besessen hätten. Sie wären alle in den sicheren Tod gelaufen.
„Cyron, willst du weiter machen?“, fragte Chiron.
Der nickte, nahm die Anleitung an sich.
Chiron schnappte sich einen der Laser und betrachtete die Waffe.
„Diese Waffe wird über einen Schalter am hinteren Ende aktiviert“, erklärte Cyron.
Chiron fand den Schalter und betätigte ihn. Ein hohes Pfeifen ertönte, welches seine Frequenz immer mehr erhöhte und letztendlich ganz verschwand.
„An der linken Seite kann man den Ladezustand ablesen. Ist der Balken grün, ist die Waffe voll aufgeladen, ist er gelb, ist die Waffe halbvoll und ist er im roten Bereich, dann sind nur noch wenige Schüsse drin, bevor sie an die Ladestation muss. Diese Waffe ist im gelben Bereich, ist aber nicht schlimm, da eine Ladestation in einer der Kisten liegen muss. Zumindest steht das hier drin. So, nun wird Chiron die Waffe demonstrieren.“
Chiron drehte sich in Richtung des freien Feldes, hob die Hand, in der die Waffe lag und betätigte den Auslöser. Ein dumpfes Fauchen ertönte, mehr nicht. Außer einem Lichtstrahl der am vorderen Ende der Waffe austrat, tat sich nichts, aber da, wo der Lichtstrahl auf den Boden traf, schien dieser bersten zu wollen. Es gab einen ohrenbetäubenden Knall und Erdreich wurde mehrere Meter hoch aufgewirbelt. Die Chafren erschraken und standen auf. Unruhe bemächtigte sich ihrer und nachdem sich der Staub gelegt hatte, sahen alle ein Bild der Verwüstung. Der Laserstrahl hatte ein Loch von einem guten Meter Durchmesser in den Boden gebrannt und schwarzes teilweise geschmolzenes Erdreich hinterlassen.
Cyron schaute bedrückt und Chiron deaktivierte den Impulslaser wieder.
„Tja, würde sagen“, er räusperte sich, „dass das sehr beeindruckend war.“
Es nahmen so nach und nach alle wieder Platz, und es zog auch wieder Ruhe ein.
„So, es sind nur elf Waffen davon da. Ich würde vorschlagen, dass es am besten ist, wenn wir gleich mal Gruppen aufteilen würden. Die Gruppenführer bekommen eine solche Handwaffe, für die anderen finden wir auch noch was. Am Ende sollte jede Gruppe von jeder Waffenart mindestens eine haben, damit die Schlagkräfte der Gruppen entsprechend gleich sind und wir am Ende keine Probleme bekommen, wenn wir auf Schwierigkeiten treffen sollten.“
Chiron ergriff das Wort: „Also, wer meldet sich freiwillig als Gruppenanführer?“
Mäßige Anteilnahme.
Es schien sich keiner so recht zu trauen, alle hatten zu viel Respekt vor der Macht dieser Waffen.
„Also Leute, ich bitte euch. Wenn es euch beruhigt, dann nehme ich schon mal eine“, sagte Cyron.
Chiron ging zu einer der Kisten und wühlte darin. „Ach ja, hätte ich fast vergessen. Es gibt natürlich Trageschlaufen und Tragetaschen für alles.“
Er verteilte mit Cyron die Tragetaschen für die Funkgeräte und alle schnallten sie sich um die Hüften.
„Na, das sieht doch schon mal richtig toll aus, wenn jeder mit einem Gerät am Gürtel behangen ist. Jetzt brauchen wir noch Leute die sich eine Waffe um-schnallen würden, dafür gibt es diese formschönen Trageschlaufen, welche um den Oberschenkel geschnallt werden.“
Er fühlte sich wie auf einem Basar, bei dem Versuch eine wertvolle Ware an den Chafre und die Chafra zu bringen.
Schließlich stand die Luchsin auf und ging vor. „Ich nehme eine, wenn die Kater nicht genug Männchen sind, dann machen wir Weibchen das.“
„Gut, hier ist die Waffe und hier der Riemen.“
Er übergab die Sachen an das Weibchen. Die schnallte sich das Holster um den rechten Oberschenkel, zog es fest und steckte den Impulslaser mit einer lässigen Bewegung in die Schlaufe. Jetzt kam Bewegung in die Truppe.
Gruppe Eins war gebildet. Sie bestand aus der Luchsin als Anführer, ihrem vierpfotigen Säbelzahnfreund, des Weiteren einem Säbelzahntiger, einem Einhorn und einem Wolf. Sie hatten sich dem mutigen Weibchen spontan angeschlossen. Ihr vierpfotiger Freund war ihr eh verhaftet und hielt zu ihr wie Pech zu Schwefel.
„Die erste Gruppe bitte mal etwas abseits setzen“, bat Chiron, „dann verlieren wir nicht den Überblick. Aber bleibt bitte trotzdem dabei. Ihr erhaltet noch weitere Waffen.“
Die Luchsin nickte und scharrte ihre Getreuen um sich.
Die zweite Gruppe war auch schnell gefunden. Anführer wurde der einzige Tigertaur in der Truppe, ihm schlossen sich ein Stier, ein Wolf und zwei Greife an.
Gruppe drei wurde von einem Wolf angeführt und zu ihr gehörten die beiden Hyänen, ein Greif und ein Stier.
Gruppe vier wurde von einer Füchsin, zwei Stieren, einem Säbelzahntiger gebildet und von einem Greif angeführt.
Die fünfte Gruppe führte der Pegasus an und bestand zusätzlich aus zwei Greifen, einem Wolf und einem Fuchstaur.
Die sechste Gruppe bildete der Rest, also ein Fuchstaur und drei Wölfe, welche von Hylas angeführt wurden.
Die siebte und damit letzte und gesonderte Gruppe bestand aus Cyron als Anführer und aus Pathenon, Chiron, Tarja, Stella, Hadron und Casandra als Mitstreiter.
„Seid bitte so nett und sammelt euch in den gerade erstellten Gruppen. Bleibt aber hier, denn es geht noch weiter“, rief Cyron in die Unruhe hinein.
Vergeblich.
Schließlich schrie Chiron kurz in den Tumult: „Huhu! Hallo! Alle mal beruhigen und hier bleiben.“ Er fuchtelte dabei mit den Armen.
Die Chafren versammelten sich um ihren jeweiligen Anführer. Chiron und Cy-ron gingen herum und übergaben die Impulslaser sowie die entsprechenden Trageschlaufen.
Alle Gruppenführer waren jetzt deutlich erkennbar, da sie einen Gurt um den Oberschenkel geschnallt hatten, in welchem eine absolut tödliche Waffe steckte.
Chiron wühlte in den Papieren und Cyron setzte seine Ausführungen fort: „Die vier übrig gebliebenen Laserwaffen bleiben in Reserve und werden in besonderen Fällen verteilt.“
Stella sah ihren Kater an und bewunderte seine Professionalität. Chiron hatte derweil das nächste Schmuckstück gefunden und zeigte die Aufzeichnungen Cyron. Beide betrachteten die Zeichnungen und Erklärungen. Schließlich sah Cyron auf, sich um und zeigte auf die beiden Fuchstauren, den Tigertaur und den Pegasus.
„Okay, machen wir weiter. Der Fuchstaur, der jetzt gerade Gruppenführer ist, gibt seine Handwaffe bitte an den Stellvertreter ab. Der Pegasus hat das ja, in Ermangelung einer Hand, bereits getan. Wir müssen, wie wir gerade gemerkt haben, etwas abändern, aber das ändert nichts an der jetzigen Aufstellung innerhalb der Gruppen.“
Das geflügelte Ross und der Fuchstaur sahen sich schief an. Der Pegasus wieherte leise auf und der Fuchstaur zuckte mit den Schultern. Er übergab den Laser und dieser landete somit bei einem Greif.
„Fein. Es freut mich, wenn ich ehrlich sein soll, dass wir hier alle so gut miteinander auskommen und es tatsächlich schaffen gemeinsam etwas auf die Beine zustellen.“
Alle schauten sich gegenseitig an und nickten sich freundschaftlich zu.
‚Das ist das Wichtigste. Wir müssen eine Einheit bilden und uns untereinander blind vertrauen können’, sinnierte Cyron.
Chiron ging mit den Plänen zu einer weiteren Kiste, öffnete sie und sah hin-ein. Er packte etwas aus einer Verpackung, das sich aus Stirnband entpuppte.
An diesem Stirnband hing allerdings noch etwas dran. Auf der einen Seite war eine große Metallplatte erkennbar und auf der anderen eine Art Seil, welches sich aus verschiedensten Farben zusammensetzte. Chiron nahm das Stirnband, hob es hoch und zog an dem Seil. Das schien kein Ende zu nehmen und er fing an es um den Arm zu wickeln. Alle beobachteten gespannt was nun kommen würde. Nachdem der Tigerkater gute vier Meter des Seils auf dem Arm hatte, zog er die große Metallplatte aus der Kiste, welche offensichtlich mit mehreren Befestigungsriemen versehen war. Diese Riemen waren groß genug, dass der Körper eines Taur davon umschlossen werden konnte. Chiron trat mit dem Ganzen einen Schritt auf Cyron zu und bat ihn, ihm zu helfen. Cyron begriff was er vorhatte.
„Ich möchte den Tigertaur bitten mal zu uns zu kommen“, sagte er schließlich.
Der Genannte trat auf die beiden zu und stellte sich vor: „Mein Name ist Helios.“
„Helios? Hmhm. Ein schöner Name“, sagte Chiron und Cyron ergänzte: „Gut Helios. Wir schnallen dir jetzt mal eine Plattform um, das ist aber nur die Grundbasis. Am Ende wirst du dich selbst wahrscheinlich nicht wiedererkennen.“
Helios nickte kurz und sie fuhren fort.
Cyron nahm eine Decke und legte sie dem Taur auf den Rücken, dann nahm er die Basisplatte, legte sie darüber und hielt sie fest.
Chiron machte sich derweil an den Riemen zu schaffen. „Also, dieser Riemen kommt um die Brust und dieser hier um den Bauch“, sinnierte er laut.
Er zog die Riemen fest.
„Wenn sie zu straff sein sollten, sag Bescheid, dann lockern wir die etwas“, ergänzte er.
Der Tigertaur schüttelte den Kopf. „Nein, nein. Ihr macht das sehr gut. Passt bisher perfekt.“
„Noch besser.“
Er nahm einen noch übrig gebliebenen Riemen und betrachtete ihn und den Taur. „Ah. Der ist für die hintere Fixierung. Ähm … entschuldige bitte, wenn ich dich jetzt peinlich berühre.“
„Wieso peinlich berühren?“
Er hatte es gerade ausgesprochen, da war Chiron schon mit dem Riemen hinter Helios getreten, fasste unter dessen Schwanzansatz und zog den Riemen unter der Schwanzwurzel hindurch. Der Tigertaur war doch etwas überrascht und grummelte.
„Ich hatte dich gewarnt.“
Er nickte und beruhigte sich wieder.
„So, damit ist die Basis geschaffen.“
Der letzte Riemen war festgezogen und umspannte Helios Leib im hinteren Bereich.
Chiron befreite endlich seinen Arm vom vermeintlichen Seil und wandte sich an den Taur: „Bleib mal schön so stehen, wir holen jetzt den Rest deiner Ausrüstung.“
Gesagt, getan.
Die beiden Tigerkater gingen zu einer der kleineren Truhen und schauten hin-ein. Sie mussten beide pfeifen. Wieder erzeugte ihre Reaktion, dass einige Häl-se lang wurden, vor allem der von Helios.
„Das ist ja mal echt ein Ding“, sagte Cyron.
Chiron nickte und griff in die Truhe. Cyron packte mit zu und sie beförderten ein Teil zu tage, dass allen den Atem verschlug, schleppten es zu Helios und legten es vor ihm ab.
„Gut“, sagte Cyron laut genug, dass es alle verstehen konnten, „Bei dieser Waffe handelt es sich um eine leichte Laserkanone. Sie ist als Doppelwaffe konstruiert und entsprechend schwer. Daher wird sie von den Tauren getragen.“
Helios sah die vor ihm liegende Waffe an und legte die Ohren an.
„Keine Sorge, sie ist zwar schwer, wird dich aber nicht übermäßig belasten. Du wirst dich daran gewöhnen.“
Der Tigertaur murmelte etwas unverständliches, ergab sich aber in sein Schicksal. Besonders aufmerksam verfolgten alle anderen Tauren, was nun kam.
Die beiden Tiger hoben die Doppelwaffe auf, der Taur beugte seinen Oberkörper nach vorne, somit konnte das Gerät über ihn hinweg an seinen Platz gehievt werden. Anschließend setzten sie die Laserkanonen in die entsprechen-den Aussparungen und sie rasteten mit einem lauten Klicken in die Basisplatte ein. Der Rücken des Taur war nun auf der linken und rechten Seite, von je einer Laserkanone flankiert. Die Kanonen hingen mit den Läufen aber ziemlich traurig nach unten und das fiel jedem auf.
„Wie soll er das Ding denn bedienen?“, fragte einer der Fuchstauren, „Immerhin bekomme ich ja wohl auch so ein Teil auf den Rücken geschnallt.“
Chiron lächelte. „Das ist ja der Clou bei der Sache.“
Er entwirrte das Seil und gab das Stirnband dem Taur in die Hände. „Gut, passt auf. Diese leichten Doppelkanonen werden per Hirnstromsensorik gesteuert.“ Dabei zeigte er auf das bunte vermeintliche Seil. „Das hier ist nicht einfach ein Seil, sondern das ist das Verbindungskabel zwischen dem Stirn-band, das die Sensoren enthält und der Umsetzeinheit, welche die entnommenen Daten auswertet und in die Waffensteuerung einspeist.“
Chiron erklärte dem Tigertaur kurz wie er das Stirnband anzulegen hat und übergab ihm die Anleitung. „Lies sie dir durch und lerne gut damit umzugehen. Unser aller Leben hängt davon ab.“
Helios fühlte sich geehrt.
„Okay“, sagte Cyron laut, „Helios wird das Teil jetzt mal ausprobieren und demonstrieren.“
Der Tigertaur zuckte zusammen. „Was soll ich?“
Chiron nickte ihm aufmunternd zu. „Nur zu.“
Helios las in der Anleitung und Chiron half ihm dabei. „Da. Da steht’s. Okay, nun du.“
Der Taur nahm das Stirnband und setzte es auf.
Merkwürdig, aber es passte wunderbar. Er griff linksseitig an das Stirnband und betätigte einen kleinen Schalter. Zunächst passierte gar nichts. Plötzlich ertönte ein Brummen und die Motorik der Waffenführung wurde aktiv.
Die Laserkanonen hoben ihre Läufe und richteten sich parallel aus, führten links und rechts am Körper des Taur vorbei und er wirkte geradezu bedrohlich. Er betätigte einen weiteren kleinen Schalter diesmal auf der rechten Seite des Stirnbandes und die Laserkanonen erwachten zum Leben. Der Pfeifton den sie von sich gaben ähnelte dem der Handwaffen, war aber wesentlich lauter und schien die gesamte Luft zu erfüllen. Die Anzeige der Waffen war komplett im grünen Bereich.
Helios tippte mit einer Hand an das kleine Metallplättchen, welches vom Stirnband immer noch in die Luft und somit von seinem Kopf weg ragte. Dieses erwachte ebenfalls und dreht sich vor sein rechtes Auge.
„Es ist, es ist …“ Er suchte nach den passenden Worten. „Dieses Plättchen hier, mir fehlen die Worte um es zu beschreiben.“ Er schaute auf die Beschreibungsunterlagen.
„Ah!“, rief er, „Es ist ein taktischer Monitor.“
Viele machten großen Augen, aber alle blieben diszipliniert sitzen. Keiner wusste was passieren würde. Der Taur dachte nach, las sich die Beschreibung kurz und in einzelnen Abschnitten durch.
„Jetzt verstehe ich das System“, sagte er plötzlich, „Das ist wirklich interessant. Ich denke es und die Waffen tun es. Er drehte den Kopf nach links und die Waffen folgten mit einem leisen Brummen der Bewegung. Nach rechts geschah das Gleiche.
Unruhe erfasste sie alle.
Chiron und Cyron freuten sich, dass sie so schnell den Umgang mit den Waffen lernten.
Der Taur drehte den Kopf nach oben und auch hier folgten die Waffen. Als er jedoch den ganzen Oberkörper drehte und ins Schussfeld der linken oder rechten Kanone geriet, deaktivierte diese sich automatisch.
Damit war auch die Frage geklärt, ob man sich durch eine ungeschickte Körperbewegung selbst erschießen könnte. Man konnte es nicht, da die Waffen ihren Träger schützten und sich selbständig seiner Bewegung anpassten.
Helios schaute sich um. „Wow“, rief er aus, „Wenn ihr wüsstet was ich alles sehe.“
„Was siehst du denn“, rief der Pegasus.
„Wenn ich auf die nähere Umgebung schaue, dann sehe ich auf dem Monitor die Umgebung ganz normal. Schaue ich weiter in Ferne, dann werden entfernt liegende Objekte vergrößert und näher herangeholt.“ Er schaute auf die Beschreibung. „Der richtige Ausdruck hierfür ist, dass entfernte taktische Zielobjekte herangezoomt werden und automatisch nach ihrer Gefährlichkeit klassifiziert werden. Ungefährliche feststehende Objekte werden nicht markiert, bewegliche oder aktive hellgrün dargestellt, potenzielle Bedrohungen erscheinen dagegen rot.“
Er sah auf und schweifte mit seinem Blick über den entfernt liegenden Wald-rand. „Nichts. Alles im grünen Bereich“, sagte er. „Wenn ich auf lebende Objekte schaue, dann passiert aber nach wenigen Sekunden das Beeindruckendste. Der Blick ändert sich und der Monitor zeigt Personen im infraroten Bereich. Das heißt, dass ich euch nicht direkt sehe, wohl aber eure Umrisse und die aus-gehende Wärmestrahlung eurer Körper.“
Sie schauten fasziniert auf den Taur und lauschten seinen Beschreibungen.
Er ging ein Stück in Richtung der freien Wiese und visierte den Waldrand an. Die Anzeige bestätigte seine Vermutung, es bewegte sich nichts. Er stellte sich ein Zielobjekt vor, welches er zerstören will und die Waffen feuerten eine kurze Salve ab. Der Taur ging einen Schritt zurück und alle erschraken. Er deaktivierte seine Waffen und nahm das Stirnband ab.
Was war geschehen?
Es gab eine riesige Explosion und im Umkreis von zwanzig Metern gab es nur noch verkohltes Erdreich zu sehen. Alle hatten mit einer Wirkung gerechnet, aber nicht mit der, die sich ihnen jetzt bot. Der Taur war betroffen, aber auch stolz eine solche Waffe tragen zu dürfen.
Die anderen Tauren und auch der Pegasus waren ganz wild darauf jetzt ihre Waffen zu bekommen. Nach circa einer Stunde waren die beiden Fuchstauren auch ausgerüstet und hatten ihre erste Übung hinter sich gebracht.
Jetzt kam der Pegasus an die Reihe. Die beiden Tigerkater Chiron und Cyron gingen zu einer weiteren Kiste, schnappten sich die darin liegende Plattform und gingen genauso vor, wie bei den drei Tauren. Allerdings war diese Plattform wesentlich größer.
Als das geschehen war, öffneten beide eine der großen Truhen und pfiffen anerkennend. „Damit pustet er unsere Feinde ganz allein weg“, meinte Chiron und Cyron seufzte.
Die Kanonen waren so groß und schwer, dass sie eine davon gemeinsam tragen mussten. Am Ende lagen sie beide vor dem Pegasus und der schaute be-troffen drein.
„Tja, mein Bester. Das ist für dich.“
Das geflügelte Pferd, es hieß übrigens Ikarus, nickte kurz und war bereit für seine Aufgabe. Sie wuchteten erst die linke und dann die rechte Laserwaffe auf die Plattform und ließen sie einrasten. Der Kopf des Pegasus wurde ebenfalls mit einem Stirnband umhüllt. Anders als bei den anderen Waffen, wurde diese aber komplett über die Hirnströme gesteuert. Der Pegasus stand da und nichts passierte. Alle wirkten irgendwie ratlos.
Dann drehte er aus reiner Verzweiflung die Augen in Richtung des taktischen Monitors und plötzlich kam Bewegung rein. Die Waffen wurden mit Energie gespeist und bewegten sich in ihre Position, der Monitor drehte sich vor das rechte Auge und gab seine Informationen an das Pferd weiter.
„Wie sieht es eigentlich mit fliegen aus? Ich meine, dass die Last doch nicht gerade unerheblich ist“, merkte Chiron an.
Der Pegasus nahm dies zum Anlass, es auszuprobieren. Er breitete seine Flügel unterhalb der Kanonen aus und fing an mit ihnen zu schlagen. Binnen weniger Sekunden erhob er sich in die Luft, dreht eine Runde und gab eine Salve auf den Waldrand ab. Alle schrien vor Entsetzen geradezu panisch auf.
Der Waldrand schien explodiert zu sein und die Trümmer der getroffenen Bäume flogen fast bis vor ihre Füße.
„Ach du scheiße“, entfuhr es Tarja.
Stella sog die Luft hörbar ein. Cyron grinste und zwinkerte Chiron zu. Er schien genau in seinem Element zu sein. Überhaupt wirkte er so, als ob er nie etwas anderes getan hätte.
Ikarus war von der Wirkung seiner Waffen genauso überrascht wie alle Anderen und landete etwas unsicher auf dem Boden. Er drehte die Augen kurz nach links oben und der Monitor gab sein rechtes Auge wieder frei und die Waffen deaktivierten sich.
„Das nenne ich doch mal ne saubere Demonstration“, trumpfte Cyron auf.
Er gab dem Pegasus noch die Beschreibung zwischen die Zähne und der setzte sich zwischen seine Freunde. Einer der Greife nahm sie ihm ab und gemein-sam begannen sie zu lesen.
„Gut, mal schauen was wir noch schönes haben.“
In einer weiteren großen Kiste lagen kleinere Handfeuerwaffen. Es handelte sich dabei um sehr leichte Handlaser. Davon hatten sie gut hundert Stück und nach deren Verteilung besaß somit jeder eine Waffe.
Alle, bis auf das Einhorn. Alle schauten die QuChafra an. Die Stute kam sich komisch vor, so bar jeder Verteidigung.
„Keine Sorge, wir haben dich nicht vergessen“, mahnte Chiron alle zur Ruhe.
Er winkte dem Einhorn zu, näher zu treten.
„Mein Name ist Sandra“, sagte sie mit einer glockenhellen Stimme.
Cyron klopfte ihr zaghaft auf den Hals. „Hmhm und da du einen wunderbaren Namen hast, bekommst du jetzt auch ganz was Tolles.“
Stella schüttelte den Kopf und lächelte etwas. Eines musste sie ihrem Männchen lassen, er wusste wie man die Menge motivierte. Chiron schickte sich an, eine der letzten großen Truhen zu öffnen, tat dies auch und Cyron holte aus einer daneben stehenden Kiste die bekannte Plattform hervor.
Der Rest lief ab, wie gehabt.
Die Plattform wurde festgeschnallt und das Sensorenband über die Stirn gestreift. Jetzt fehlten nur noch die Waffen. Cyron trat zu Chiron, der vor der Truhe kniete, kniete sich ebenfalls hin und schaute mit hinein. Sie erhoben sich beide, schauten sich an und Chiron blickte über Cyrons Schulter hinweg verstohlen zur Einhornstute hinüber.
Sie standen eine ganze Weile da, unterhielten sich und schienen unschlüssig zu sein. Cyron ging zu Sandra und flüsterte ihr etwas ins Ohr. Sie folgte ihm daraufhin zur Truhe, vor der immer noch unschlüssig Chiron stand. Sie schaute hinein und staunte.
In der Truhe lagen zwei riesige Doppelkanonen. Allerdings sahen die anders aus als die Laserkanonen.
Diese hier hatten einen schmalen, schlanken Lauf und keinerlei Energieanzeigen, stattdessen befanden sich im hinteren Teil mehrere große Trommeln.
„Meinst du, dass du die Teile tragen kannst?“, fragte Chiron die Stute sorgen-voll.
Sie schaute die beiden Tiger an. „Ich denke schon. Versuchen wir es einfach mal, mit ein bisschen Übung werde ich es schon schaffen.“
Alle drei seufzten.
„Was ist denn los, Liebling?“, fragte Tarja, die unbemerkt hinter die drei getreten war. Sie beugte sich mit vor und maunzte leise.
„Was ist mit dir?“, fragte Chiron besorgt, „Fehlt dir was, ist dir nicht gut?“
„Doch, doch. Geht schon. Ich muss nur kurz ins Haus um was zu erledigen.“ Sie lächelte ihn an.
„Ah! Ja, alles klar. Beeil dich bitte. Ich möchte nicht auf dich verzichten.“
Sie nickte und küsste ihn kurz. Cyron verstand nicht worum es ging und fragte nach.
„Sie muss mal schnell ins Haus und etwas privates erledigen“, flüsterte Chiron ihm ins Ohr.
Cyron nickte bestätigend und sah seiner Tochter besorgt hinterher. Er dreht sich um und montierte mit seinem Schwiegersohn die Doppelgeschütze.
Das Einhorn schien die Last gut zu verkraften. Sandra ging ein paar Schritte und meinte dann, dass sie es schon schaffen würde und dass sie es sich schlimmer vorgestellt hatte. Auch sie probierte ihre Waffen aus und erntete wahre Beifallsstürme für die Vorführung.
„So, damit hätten wir fast alles durch“, sagte Cyron und trat vor die Gruppen.
„Jetzt haben wir hier noch drei leichte Maschinenkanonen für AnChafren und fünf Flammenwerfer, außerdem noch drei schwerere Maschinenkanonen für einen QuChafren.“
Damit waren die Waffen vergeben. Die leichten Maschinenkanonen wurden an drei der Wölfe übergeben. Sie legten sich den Trage- und Führungsring um die Hüften, rasteten diesen ein, setzten die Waffen auf die Führungsschiene und waren fertig. Die Flammenwerfer gingen an Hadron, Stella, einen der Säbelzahntiger namens Crown, einen Wolf namens Syrgon und an Tarja, welche sichtlich erleichtert wieder hinzugekommen war.
Dem vierpfotigen Säbelzahntiger namens Pedro wurden die schwereren Maschinenkanonen umgeschnallt, jeweils eine auf jeder Körperseite und die dritte krönte seinen Rücken und zielte genau über seinen Kopf hinweg. Damit war die Meute ausgestattet und kampfbereit.
„So, Leute. Jetzt passt mal auf. Es ist heute schon recht spät geworden. Ich würde sagen, dass wir uns alle auf den Dorfplatz begeben und dort niederlassen. Wir werden etwas essen und trinken. Danach kann jeder auf die große Wiese gehen und Zielübungen durchführen. Aber passt auf, dass ihr euch nicht gegenseitig über den Haufen schießt. Wir können auf keinen verzichten.“
Chiron fiel plötzlich noch etwas ein. Er wuselte zwischen den Waffenkisten hindurch und rief plötzlich etwas. Die Truppe hielt inne.
„Eh Leute. Ich habe noch etwas gefunden“, schrie er.
Er hatte sich vor einer Truhe aufgebaut, die sie ganz übersehen hatten. Alle kamen näher und versammelten sich um ihn herum. Cyron drängelte sich durch und stand neben Chiron, als dieser das Schloss öffnete und den Deckel anhob. Es kamen Maschinengewehre zum Vorschein und es waren so viele, dass jeder eines davon bekommen würde. Sie verteilten sie und die Empfänger hängten sie sich über die Schultern. Außerdem bekam jeder noch eine Magazintasche und drei Ersatzmagazine.
„Wunderbar“, sagte Cyron schließlich, „Das ist einfach super gelaufen. Damit müssten wir wirklich für alle Eventualitäten gerüstet sein.“
Chiron klopfte ihm anerkennend auf die Schulter und nickte. Während die Anderen auf den Dorfplatz gingen und ihren Hunger stillten, packten Cyron, Chiron, nebst Partnerinnen sowie Pathenon und Hadron die Kisten zusammen und stapelten sie auf einen Haufen.
Dabei fielen Hadron weitere Anleitungen in die Hände.