Für das höhere Wohl -Revisited-

Story by elpoyodiabolo on SoFurry

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Der Krieg ist vorbei und der Pakt zwischen den Pflanzenfressern und den Fleischfressern ist geschlossen.

Heute 200 Jahre später hat sich der Dschungel erholt und die Tiere leben in einem Wohlstand, den es so noch nie gegeben hat. Aber dieser Friede und Wohlstand hat einen Preis.

Jede zweite Woche gehen die Pflanzenfresser freiwillig über den Pfad zum Tempel um sich dort für das Wohl der Gemeinschaft zu opfern. Ihr Blut ist der Tribut für zwei weitere Wochen des Friedens.

Aber nicht immer geht alles nach Plan, nicht immer es so einfach.

Es gibt Regeln zu beachten und wenn ein Tribut diese Regeln sprengt, dan droht das ganze System zu kippen.

Begleitet Shirya, Nachkommin der Frau, die einst den Pakt mit den Tigern geschlossen hat, wie sie über den Weg allen Fleisches geht...

Dies ist die zweite Geschichte des ersten Buches aus dem Zyklus: Das Gesetz des Dschungels.

Die komplette Überarbeitung dieses ersten Buches wird im Laufe der nächsten Monate auf dieser Plattform erscheinen.

Das Original kann hier nachgelesen werden: https://sofurry.com/s/eNb5kVMe


Es war fast 200 Jahre her, dass der große Krieg zwischen den Fleischfressern und den Pflanzenfressern beendet worden war. Durch Intrigen, Verrat und Hinterlist hatten die Tiger die Kämpfe beendet und waren am Ende, als die einzigen verbliebenen Fleischfresser aus dem Krieg hervorgegangen. Die Anführer der beiden übrig gebliebenen Kriegsparteien hatten sich im Anschluss auf einen Waffenstillstand geeinigt, um weiteres unnötiges Blutvergießen zu unterbinden.

Es war ein Spiel mit hohem Einsatz gewesen und beide Parteien wussten das. Sie hatten das geringere Übel gewählt in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Die Tiger hatten nach dem Tod des Anführers der Pflanzenfresser das dadurch entstandene Machtvakuum genutzt und die Vorherrschaft über den Dschungel an sich gerissen. Der Große Khan, seinerseits der Anführer der Tiger, hatte seinen Thron bestiegen und die Uneinigkeit und Schwäche der Pflanzenfresser genutzt, um ihnen seine Bedingungen für einen dauerhaften Frieden aufzuzwingen.

Als die Boten des Khans bei den verschiedenen Stämmen eintrafen, um die Einladung des Anführers der Tiger zu unterbreiten, wurden sie mit Argwohn empfangen. Allen war klar, dass die Tiger nicht auf Fleisch verzichten würden, nur weil der Krieg vorbei war und alle fürchteten, welche Konsequenzen sich daraus für die Pflanzenfresser ergeben würden.

Der Große Khan hatte eine Versammlung aller Tierarten des Dschungels einberufen, bei der er verkünden wollte, wie die Tiger sich das zukünftige Zusammenleben mit den Pflanzenfressern vorstellten. Ein Fernbleiben von dieser Versammlung würde nicht geduldet, das hatten die Boten des Khan sehr deutlich gemacht.

Also schickten die verschiedenen Stämme ihre Abgesandten zum Tempel der Tiger, einem Gebäude, dem sie immer ferngeblieben waren, so weit wie sie sich nur zurück entsinnen konnten. Dort wohnte der Tod und jeder, der ihm zu nahe kam, kam nie wieder zurück.

Am Abend der Versammlung wurden die Delegationen der Pflanzenfresser von den Priesterinnen der Tiger empfangen und durch die Korridore des Tempels zur großen Halle eskortiert, wo der Große Khan sie empfangen würde. Viele der Pflanzenfresser hatten sich den Tempel als eine dunkle Höhle vorgestellt, in deren Ecken sich die Überreste ihrer Gefallenen stapelten und wo es vor blutrünstigen Bestien wimmelte. Sie alle waren überrascht, eine hell erleuchtete, saubere Pyramide vorzufinden, deren Gänge mit uralten Wandmalereien und Reliefs geschmückt waren. Ihre Führerinnen waren auch keine blutrünstigen Monster, sondern in weiße Roben gekleidete, leise sprechende, wohlwollende Priesterinnen, deren freundliche, aber bestimmte Art vertrauenserweckend wirkte.

Nach und nach wurden die verschiedenen Abgesandten in die große Halle gebracht, wo eine große Tafel die Mitte des Raums dominierte und an deren hinteren Wand der Thron des Khans stand.

Um den Thron herum hatten die Tiger, als eine Art Machtdemonstration, die Köpfe und Felle der anderen Fleischfresser drapiert. Eine morbide Zurschaustellung ihrer Kampfkraft und Vormachtstellung, aber sie verfehlte ihre Wirkung nicht, denn die Pflanzenfresser waren schockiert und eingeschüchtert von der Brutalität, die von dieser Darstellung ausging.

“Der Große Khan wird sich gleich zu Ihnen gesellen, bitte nehmen Sie schon einmal Platz.”

erläuterten die Priesterinnen jedem, den sie an diesem Abend dorthin geleiteten. Erst als alle Abgesandten anwesend waren, wurden die Türen zur großen Halle geschlossen und sie blieben allein zurück. Nervosität machte sich fast augenblicklich unter den Anwesenden breit. Angst und Ungewissheit über die wahren Absichten des Khans befeuerten die Fantasien der Pflanzenfresser, während sie auf ihren Gastgeber warteten.

Ihre Bedenken wurden weiter befeuert, als sie Bewegungen auf den oberen Galerien der Halle bemerkten. Die Krieger des Khans nahmen Positionen über den Abgesandten ein und trugen ihre Waffen offen zur Schau. Die Versammlung wurde unruhig und erste Stimmen wurden laut, die das Treffen als eine gemeine Falle bezeichneten.

Kurz bevor die Stimmung tatsächlich umschlagen konnte, wurde jedoch eine kleinere Tür in der hinteren Wand der Halle geöffnet und der Große Khan betrat den Raum. Er trug eine formale, blaue Robe, die ihn als den Herrscher über die Tiger kennzeichnete und er wurde von einer kleinen Delegation aus Tigerinnen verfolgt, die allesamt in sehr knapp geschnittene, grüne Roben gehüllt waren. Eine von Ihnen trug ein aufgerolltes Pergament bei sich.

„Seien Sie mir gegrüßt. Ich hoffe, Ihre Reise war angenehm und ohne Zwischenfälle.“

eröffnete der Anführer der Tiger mit lauter, fester Stimme, während er mit forschen Schritten zu seinem Thron ging.

„Ich denke, Sie können sich denken, warum ich sie alle hier zusammengerufen habe.“

fuhr er fort und blieb neben seinem Thron stehen, um in die Runde zu blicken. Die anwesenden Pflanzenfresser rutschten unruhig auf ihren Plätzen hin und her, einige tuschelten still miteinander. Der Große Khan nickte langsam, sichtlich zufrieden.

„Wir alle haben lange gekämpft und viele Entbehrungen auf uns genommen, um nun einen dauerhaften Frieden genießen zu können. Die Verluste der letzten Jahre waren enorm und einige Spezies haben es nicht geschafft.“

Nicht ohne Ironie deutete der Tiger auf die zur Schau gestellten Trophäen seiner ehemaligen Verbündeten, bevor er fortfuhr.

„Umso wichtiger ist es jetzt, dass wir einen Weg finden, wie wir diesen Frieden wirklich auf Dauer sichern können.“

Seine Stimme nach eine jovialen Ton an, als er sich langsam auf seinen Thron setzte.

„Damit der Frieden von Dauer sein kann, müssen meine Krieger gesättigt sein.“

forderte der Große Khan und klang dabei so, als wäre es das Selbstverständlichste auf dieser Welt, dass seine Krieger sich auch weiterhin an den Leibern der Pflanzenfresser labten. Er senkte seine Stimme ein wenig und sprach dann das aus, was die Anwesenden schon befürchteten.

„Das bedeutet, dass sie jagen und töten werden.“

Auf diese Aussage hin wurde die Unruhe in den Reihen seiner Gäste größer und was bis gerade eben noch leises Getuschel gewesen war, war nun eine, wenn auch noch immer verhaltene, offene Diskussion zwischen den einzelnen Beutetieren, die in Laute Zwischenrufe gipfelte.

„Dann hat sich nichts geändert. Wir werden weiterhin abgeschlachtet werden, damit ihr im Überfluss leben könnt!“

Rief einer der anwesenden Wasserbüffel, der sich von seinem Sitzplatz erhoben hatte und mit seinem Finger anklagend auf den Khan zeigte. Er war noch nicht ganz aufgestanden, da hatten die Krieger auf den oberen Rängen bereits Haltung angenommen. Bevor die Lage jedoch eskalieren konnte, hatte der Anführer der Tiger seine Kämpfer bereits wieder mit einer einfachen Geste gestoppt. Auf die meisten der Pflanzenfresser war dieser simple Beweis seiner Autorität gegenüber seinen Mannen beeindruckend, während andere es beachtlich fanden, dass er so vollkommen ruhig blieb. Die einzige andere Reaktion, die der Große Khan zeigte, war ein Lächeln, in dem seine Reißzähne aufblitzen, während er darauf wartete, dass sich der Wasserbüffel wieder beruhigte.

„Ja, wir werden weiterhin unseren Hunger an euch stillen. Das ist ein unausweichliches Naturgesetz. Die Starken, das sind wir, fressen die Schwachen, das seid ihr.“

verkündete der Khan mit einer Gelassenheit, die einem Angst machen konnte.

„Aber, ich kann natürlich verstehen, dass dies etwas ist, das nicht ganz in eurem Interesse ist. Ich bin deshalb – auch im Interesse eines dauerhaften Friedens – bereit, euch einen Ausweg anzubieten. Eine Möglichkeit, wie wir diese Barbarei wenigstens ein bisschen in geordnete Bahnen lenken können.“

erklärte er und lehnte sich auf seinem Thron nach vorne und stützte sich auf den Knien ab, die Hände hielt er in einem perfekten Scholars Cradle und zeigte ein raubtierhaftes Lächeln. Die Augen des gesamten Dschungels waren auf ihn gerichtet, was er sichtlich genoss.

„Meine Krieger werden aufhören zu jagen, werden sich ihre Nahrung nicht mehr selbst besorgen, zumindest zum größten Teil. Im Gegenzug wird jede Spezies im Dschungel jede zweite Woche ein Opfer bringen. Dieses Opfer wird aus freiem Willen zu uns kommen und sich uns als Tribut für den Frieden anbieten, den wir alle genießen.“

Mit diesen Worten öffnete er seine Hände in einer Geste, die seine Offerte untermauerte. Dann hielt er inne und ließ das, was er gesagt hatte, einen Moment lang auf die Anwesenden wirken, während er sich zurücklehnte und eine seiner Konkubinen, die sich um seinen Thron versammelt hatten, unter dem Kinn kitzelte.

Sein Angebot hatte die zu erwartende Wirkung, denn die anwesenden Pflanzenfresser fingen sogleich wieder an, untereinander zu diskutieren. Schnell steigerte sich die Lautstärke unter den Diskutierenden und es wurden auch wieder Anschuldigungen laut.

Die Stimmung kochte hoch, aber kurz bevor es zu Tumulten und Unruhen unter den Anwesenden kommen konnte, hob der Große Khan schließlich die Hand in einer Geste, die um Ruhe bat und erhob sich von seinem Thron. Das Lächeln hatte seine Lippen nicht verlassen, während er ein paar Schritte auf die versammelten Tiere zuging, die Hände offen ausgebreitet.

„Sollte das Opfer nicht bereitwillig erscheinen, werden meine Krieger ein Opfer holen, oder zwei oder drei ... je nachdem, wie viel Widerstand geleistet wird.“

Begann er in einem Ton, der es gewohnt war, dass man ihm nicht widersprach.

„Und bevor ihr euch jetzt auflehnt. Denkt daran, welche Mengen meine Krieger verzehren können, wenn sie in Rage sind. Ein, in Worten: Ein ...“

Er hielt einen langen, krallenbewehrten Finger hoch.

„... Opfer alle zwei Wochen, ist ein vernünftiges Angebot. Wir lassen euch euer Leben leben, wir handeln, und wir werden euren Handel nicht unterbinden. Ich ermutige euch sogar, ein gutes Leben zu führen. Ihr sollt ein gutes Leben führen, ohne Angst haben zu müssen, dass die Jaguare nachts um die Häuser schleichen oder dass die Wölfe im Dickicht auf euch lauern. Wir werden uns um eure Sicherheit kümmern. Wir ...“

Seine Hand schweifte über den Saal und umfasste die Krieger seines Stammes.

„… haben die anderen Fleischfresser verjagt, haben dafür gesorgt, dass der Krieg beendet ist, und werden uns zum Wohle aller in Genügsamkeit üben.“

Seine Stimme hatte einen feierlichen Ton angenommen und ein wohlwollendes Lächeln umspielte seine Lippen, während er wieder seine Hände vor sich verschränkte und ein weiteres Mal ein perfektes Scholars Cradle formte. Seine Schritte waren langsam, aber kraftvoll und zeigten, dass er keine Eile hatte, als er die große Halle durchquerte und sich gemächlich, aber unaufhaltsam dem großen Tisch, an dem die Vertreter aller Spezies saßen, näherte. Die Anwesenden verfolgten jeden seiner Schritte und als er schließlich an der Tafel ankam, stützte er sich mit seinen riesigen Pranken auf deren Rand ab. Er senkte seine Stimme und blickte nach links und rechts, während er fortfuhr.

„Werdet ihr dieses Angebot annehmen, oder werden meine Krieger morgen wieder auf die Jagd gehen und sich nehmen, was sie zum Leben brauchen?“

Seine Worte waren noch nicht richtig verklungen, da fing das Gemurmel am Tisch wieder an, als die Tiere sich berieten. Schnell wuchs die Lautstärke wieder zu einer hitzigen Debatte an, woraufhin der Große Khan sich wieder aufrichtete und einen Schritt vom Tisch zurücktrat. Geduldig wartend lauschte der Anführer der Tiger den Argumenten, die sich die Anwesenden gegenseitig zuriefen. Er hatte Eile damit, die Pflanzenfresser zu beruhigen, schließlich hatten sie nichts zu verlieren. Die Tiger würden ihr Fleisch bekommen, das taten sie immer. Auf die eine oder eine andere Weise, es spielte keine Rolle.

Dann ertönte von einem Ende des Tisches ein wütender Schrei.

„Wir werden also für euch nichts anderes sein als Vieh. Schnell heranwachsendes und gefügiges Vieh, das zu allem Überfluss auch noch aus eigenem Antrieb zur Schlachtbank kommt?“

Der Große Khan drehte sich in die Richtung, aus der der Schrei kam, und nickte dem Wasserbüffel lächelnd zu.

„Wenn ihr euch so nennen wollt, nun ja, dann werdet ihr Vieh sein.“

gab er offen zu, und ging ein paar Schritte auf den Büffel zu.

„Aber auch Vieh, das in Frieden lebt, das keine Angst vor einem Angriff haben muss, das wachsen und gedeihen kann, und ja, alle zwei Wochen kommt es zu meinem Schlachtblock kommt und seinen Kopf aus eigenem Antrieb darauf niederlegt.“

zählte der Khan auf und blieb auf halbem Weg zu seinem Gesprächspartner stehen, dann änderte sich sein Gesichtsausdruck, wurde düsterer und er faltete seine Hände wieder vor seinem Körper.

„Oder ihr werdet Vieh, das in ständiger Angst davor leben wird, dass meine Krieger seine Siedlung überfallen werden, um sich zu ernähren. Es ist allein Eure Entscheidung.“

Seine Stimme war sachlich, ernst und er bemühte sich jegliche Emotion aus ihr heraus zu halten, was ihm auch fast gelang, aber noch bevor er völlig ausgesprochen hatte, ertönte von der anderen Seite des Tisches ein weiterer Schrei und der Große Khan drehte sich um, um sich dem Nächsten zuzuwenden, der seinen Unmut laut gehör verschaffte.

„Aber ein Mitglied unserer Gemeinschaft, alle zwei Wochen ... Wir sind nicht so viele ... Die anderen haben mehr Mitglieder. Wiegt unser Leben nicht schwerer als das der anderen?“

Ein Raunen ging durch die Runde, als sich die Tiere dem Sprecher zuwandten. Der Große Khan fixierte ihn einen Moment lang mit seinen Augen, es wirkte so, als würde er darüber nachdenken, zuckte dann aber mit den Schultern.

„Regelt das unter euch. Ich verteile die Last auf alle Schultern. Jede Spezies wird gleich behandelt. Unter mir gibt es niemanden, der einen Vorteil hat, und niemanden, den ich anders behandle als alle anderen. Dann paart euch, zeugt Nachkommen, oder holt euch frisches Blut von außerhalb des Dschungels, oder trefft eine Vereinbarung mit einer der anderen Rassen. Es ist mir im Grunde egal, wer von euch in der übernächsten Woche über den Pfad allen Fleisches geht. Alt, jung, gesund, schwach ... das spielt keine Rolle. Ein Opfer für jede Spezies, alle zwei Wochen, oder meine Krieger werden dafür sorgen, dass mein Bauch gefüllt wird.“

erklärte er noch immer ruhig, aber man konnte einen leichten Unterton in seiner Stimme hören. Als keine direkte Antwort kam, wandte er sich langsam von der Tafel ab und ging langsam zurück zu seinem Thron. Auf halber Strecke sah er zu einer seiner Konkubinen und zwinkerte ihr zu, wobei er eine seiner Hände hob, um noch einmal die Aufmerksamkeit der Pflanzenfresser auf sich zu ziehen.

„Versteht mich nicht falsch. Ich bin nicht gezwungen, euch dieses Angebot zu machen. Wir Tiger können auch weiterhin den alten Traditionen folgen, so fröhlich wie eh und je. Es würde meinen Kriegern als gutes Training gereichen, wieder auf die Jagd zu gehen, so wie es schon ihre Urväter getan haben. Am Ende ist es mir egal, wer auf meinem Teller liegt, aber es wird jemand darauf liegen.“

Seine Aussage hatte etwas Endgültiges an sich und es herrschte eine angespannte Stille in der Halle, während er die letzten Schritte zu seinem Thron zurücklegte. Dort angekommen, drehte sich der mächtige Tiger wieder um und ließ sich elegant auf seinem Thron nieder, schlug die Beine übereinander und lehnte sich selbstzufrieden zurück. Sein Blick wanderte langsam über die an der Tafel versammelten Pflanzenfresser, die wieder damit begonnen hatten, untereinander zu diskutieren. Davon unberührt, schmiegte sich eine seiner Konkubinen an ihn an, und in einer Zurschaustellung seiner Selbstsicherheit küsste er sie leidenschaftlich.

Die Pflanzenfresser, die es sahen, raunten abschätzig, aber das Gros seiner Gäste war zu sehr damit beschäftigt, sich gegenseitig anzufreunden, als auf den Tiger im Raum zu achten. Die Geliebte des Khans kicherte und flüsterte ihm etwas zu, als sich ihre Lippen wieder voneinander trennten, woraufhin er nickte und zusah, wie sie sich wieder zurückzog.

Als er schließlich genug hatte und nicht länger auf eine Antwort warten wollte, wandte der Große Khan sich ein weiteres Mal an seine Gäste:

„Seht euch an, streitet im Angesicht eures Feindes darüber, wer wessen Weidegründe abgegrast hat und wer schuld am schlechten Wetter hat, wenn ihr euch alle darüber einig sein solltet, was das einzig richtige für eure Zukunft ist. Ihr solltet froh sein, dass wir bereit sind, uns für euch einzuschränken und euch ein Angebot zu unterbreiten, das für uns mehr Nachteile hat als für euch. Seid froh, dass wir beschlossen haben, uns nicht weiter zu vermehren, auch wenn es eigentlich sinnvoll wäre, um den Tribut nicht erhöhen zu müssen.“

Mittlerweile war seiner Stimme durchaus eine gewisse Gereiztheit zu entnehmen. Auf seine Aussage hin herrschte für einen Moment Schweigen in der Versammlung, das jedoch fast augenblicklich wieder von derselben unkontrollierten Diskussion unterbrochen wurde.

Der Große Khan schüttelte den Kopf und fragte sich insgeheim, wie dieser zusammengewürfelte Haufen ihnen all die Jahre des Krieges solche Probleme hatte bereiten können, dann aber besann er sich. Der Stier, Gordito Torro, der informelle Anführer der Pflanzenfresser, hatte die Stämme hinter sich geeint und sie als eine Streitmacht in den Kampf geführt. Nun, da er tot war, fehlte dieser Zusammenhalt, und jeder Stamm kämpfte wieder nur noch für sich selbst.

Er war kurz davor, die Geduld zu verlieren und die Versammlung ohne Ergebnis aufzulösen, als sich schließlich eine der Tapire erhob. Vorsichtig trat sie aus der Versammlung hervor und kam langsam auf seinen Thron zu. Auch wenn man ihr ihre Angst deutlich ansah, so hielt sie sich aufrecht und blickte dem Anführer der Tiger in die Augen, bis sie einige Schritte vor seinem Thron ehrfürchtig nieder kniete und ihre Hände ausstreckte.

„Herr ... Großer Khan. Wir nehmen Euer Angebot an. Es wird nicht leicht werden, aber wir erkennen die Großzügigkeit dieses Angebots an und werden unseren Teil der Abmachung erfüllen.“

Ihre Stimme war fest und es lag viel Stolz darin. Der Große Khan betrachtete die Geste einen Moment lang stumm, bevor er sich erhob. Er war ein ganzes Stück größer als das Weibchen, das vor ihm kniete, und es wäre ein Leichtes gewesen, sie jetzt zu erniedrigen. Stattdessen beugte er sich herab, ergriff ihre Hand und zog sie sanft auf ihre Füße. Jetzt, wo sie vor ihm stand, reichte sie ihm gerade so bis zur Brust, und sie hielt ihren Blick auf den Boden gerichtet. Die Nähe zu ihm flößte ihr dann doch zu viel Respekt ein, als dass sie ihm in die Augen blicken konnte. Der Khan ließ es sich unterdes nicht nehmen, sie genauer in Augenschein zu nehmen. Sie war ein gesundes Weibchen, eine starke Mutter und würde eine besonnene Anführerin für ihren Stamm abgeben.

„Wie ist dein Name?“

fragte er schließlich mit ruhiger, wohlwollender Stimme.

„Lima, Sire.“

Sie antwortete ohne zu zögern, hielt ihren Blick aber weiterhin auf den Boden gerichtet. Der Khan nickte besonnen und hob vorsichtig ihr Kinn an, damit er ihre Augen sehen konnte.

„Deinen Namen werde ich mir merken. Möge dein Stamm gedeihen.“

sagte er leise und ließ von ihr ab. Anschließend wandte er sich an den Rest der Versammlung und nahm die Haltung eines Herrschers ein, bevor er sie adressierte:

„So sei es.“

rief er mit feierlicher Stimme aus.

„Von diesem Tag an werden meine Krieger nicht mehr jagen, solange der Tribut gezahlt wird. Auf dass wir alle ein besseres Leben führen werden.“

verkündete der Anführer der Tiger, hob beide Arme und rief:

„Für das höhere Wohl.“

...

Die erste Zeit nach der Unterzeichnung des Abkommens war eine Zeit des Übergangs gewesen. Sowohl die Tiger als auch die Pflanzenfresser hatten anfangs Schwierigkeiten sich an die neuen Umstände zu gewöhnen. Erstaunlicherweise waren es vor allem die Pflanzenfresser, die sich damit schwer taten, sich anzupassen, und so kam es immer wieder zu Anfeindungen und Angriffen gegenüber den Tigern. Mit der Zeit glätteten sich die Wogen jedoch nach und nach, und ein friedliches Zusammenleben wurde möglich.

Heute, 200 Jahre nach der Machtübernahme durch die Raubkatzen, hatte sich das Leben für alle Tiere im Dschungel tatsächlich deutlich verbessert. Die Angst der meisten Pflanzenfresser, zu jeder Zeit Opfer eines Angriffs durch eines der zahlreichen Raubtiere zu werden, gehörte der Vergangenheit an. Ohne dieses unsichtbare Damoklesschwert über ihren Köpfen, hatten die meisten von ihnen ihre Anzahl deutlich erhöhen können. Auch hatte sich in den Jahren seit dem Abkommen herauskristallisiert, dass die deutliche Reduzierung der Raubtiere und ohne die Notwendigkeit, ihre Nahrung zu jagen, die Menge an Nahrung deutlich geringer war als jemals zuvor. Zwischenzeitlich war die Bevölkerung der Pflanzenfresser so explodiert, dass unter der Selbstverwaltung der Pflanzenfresser Programme zur Bevölkerungskontrolle aufgelegt worden waren, um die unkontrollierte Vermehrung einiger Arten zu stoppen und eine Art Gleichgewicht zu halten.

Der Handel florierte unter den einzelnen Stämmen, und sogar mit den Stämmen außerhalb des Dschungels. Ein nie gekannter Wohlstand hielt Einzug in den Dschungel und sorgte dafür, dass selbst die vehementesten Gegner des Abkommens über die Zeit verstummten. Selbst nachts war es nun im Dschungel sicher, etwas was noch nie zuvor der Fall gewesen war. Ein paar Mal hatte es Probleme gegeben, als sich andere Raubtiere wieder einschleichen wollten, aber auch das wurde mit brutaler Härte von den Tigern unterbunden.

Doch alles in allem waren alle mit den Maßnahmen zufrieden und ein weitgehend sorgenfreies Leben in der Gemeinschaft, auch mit den Fleischfressern, war möglich.

Der Große Khan und seine Nachkommen hatten sich immer an die Vereinbarungen gehalten, und auch die Pflanzenfresser hatten ihren Teil der Abmachung erfüllt.

Selbst der Tribut, den die Tiger als essentiellen Teil des Abkommens gefordert hatten, und der jede Zweite Woche von den Pflanzenfressern erbracht werden musste, hatte sich über die Zeit als eine viel leichtere Bürde herausgestellt, als anfangs befürchtet.

So hatte sich bereits kurz nach der Einführung des Tributs etabliert, dass die Familien, die einen der Tribute für die Opferung stellten, Privilegien zu erwarten hatten. Diese reichten von besserer Behausung und Zugang zu besseren Verpflegungsoptionen bis hin zu einer priorisierten Fortpflanzungserlaubnis.

Es entstand in der Folgezeit ein regelrechter Wettbewerb zwischen den einzelnen Stämmen und Gemeinschaften, wer den besten, stärksten und gesündesten Tribut für die Fleischfresser zur Verfügung stellte. Es wurden zum Teil regelrechte Wettkämpfe um die Ehre ausgetragen, wer als Tribut seinen jeweiligen Stamm oder Spezies vertreten durfte.

Dies stellte einen gewissen Bonus für die Tiger dar, mit dem sie anfangs gar nicht gerechnet hatten, dem sie aber auch nichts entgegenzusetzen hatten. Für sie bedeutete es einfach nur mehr Nahrung, die ihnen mehr oder weniger freiwillig geliefert wurde.

An jedem Vorabend zum Voll- und zum Neumond, wurde der „Weg allem Fleisches“, wie der Pfad von den Tigern genannt wurde, der von dem Versammlungsort im Tal zu ihrem Tempel auf dem Hügel führte, von einhundert Fackeln erleuchtet.

Die stolzen Krieger des Tiger-Clans säumten den Pfad und leuchteten den Tributen stumm den Weg, entlang dessen die Priesterinnen sie führten. Die Prozession wurde mit großem Respekt behandelt, denn die Tribute opferten sich aus freien Stücken für das höhere Wohl und den Frieden zwischen ihren Spezies. Kein Krieger, und sei er noch hungrig, würde Hand an einen der Tribute legen, oder auch nur ein Anzeichen der Aggression den Pflanzenfressern gegenüber zeigen. Die Regeln waren im Abkommen klar festgeschrieben und die Tiger hielten sich penibel daran.

Die Atmosphäre auf dem Weg war immer ruhig, und es gebot eine gewisse Ehrfurcht, durch einen Korridor von über einhundert Tigern zu gehen, bevor man den Tempel erreichte, wo die Priesterinnen einen willkommen hießen. Immer wenn das letzte Tribut den Weg betreten hatte, folgten die Krieger der Prozession zum Tempel und schlossen damit den Pfad. Es war ein ungeschriebenes Gesetz, dass, sobald die Krieger den Pflanzenfressern folgten, das Zeitfenster für verspätete Nachzügler nicht mehr zugänglich war. In den Jahren nach der Vereinbarung war es nur ein einziges Mal vorgekommen, dass eine Tierart keinen Tribut bereitstellen konnte oder wollte. Die Antwort der Tiger auf diesen Vertragsbruch kam schnell und mit großer Vehemenz. Das darauf folgende Massaker war wie ein Albtraum, aus dem es kein Aufwachen gab. Die Versammlung der Pflanzenfresser, eine Art Parlament, das die Geschicke ihrer Stämme unter der Ägide der Tiger lenkte, hatte von einem Exempel gesprochen, das es so nie wieder nötig sein würde. Seitdem waren immer alle Tribute anwesend, noch bevor die Tiger überhaupt den Weg freigaben.

Auch an diesem Abend, als die Sonne hinter dem Horizont verschwand, waren die Tribute bereits versammelt, als die Fackeln der Tiger ganz allmählich den schmalen Pfad herunter vom Tempel erhellten und die Öffnung des Pfades ankündigten. Sie trugen einfache, weiße Gewänder und waren mit zeremoniellen Bändern geschmückt. Traditionell sprachen die Tiger während der gesamten Prozession kein Wort, sondern dienten als stumme Mahnung an die Pflanzenfresser, aber symbolisierten gleichzeitig auch den Schutz, den sie für die Gemeinschaft darstellten. Die Stimmung unter den Tributen war angespannt, aber ruhig. Sie alle wussten, worauf sie sich eingelassen hatten, und als auch der letzte Krieger seinen Platz am Rand des Pfades eingenommen hatte, drehten sie sich zum Weg um und warteten auf die Ankunft der Priesterinnen. Die Priesterinnen der Tiger, die die Tribute zum Tempel führen würden, trugen ihrerseits lange schwarze Kapuzenumhänge, die ihre Körper fast vollständig bedeckten, und als sie zu den Tributen kamen blieb die größte unter ihnen vor dem Weg stehen, während ihre beiden Begleiterinnen sie flankierten.

„Seid gegrüßt, Ihr, die Ihr aus freiem Willen den Weg allen Fleisches geht.“

eröffnete die Priesterin mit einer leichten, respektvollen Verbeugung, der die anderen beiden Priesterinnen folgten. Auf einen Fingerzeig hin begannen ihre Begleiterinnen damit, die Kapuzenumhänge, die sie mitgebracht hatten, an die Pflanzenfresser zu verteilen. Diese legten ihre bisherige Kleidung ab, sie würden sie nicht mehr benötigen, und hüllten sich in die bereitgestellten schwarzen Umhänge.

Es war ein Ritual, das sich im Laufe der Jahre eingespielt hatte, und das einen endgültigen Abschied für die Pflanzenfresser bedeutete. Rein theoretisch war ein Rückzieher zwar immer noch möglich, aber alle Anwesenden wussten um die gravierenden Konsequenzen, die dies nach sich ziehen würde.

Als alle Pflanzenfresser die Umhäge angelegt und die Kapuzen über ihre Köpfe gezogen hatte, trat die Priesterin vor und nickte leicht.

„Euch gebühren Ehre und Respekt, denn euer Opfer ermöglicht es uns, den Pakt aufrechtzuerhalten. Folgt mir nun in den Tempel und wir werden dafür sorgen, dass eure Familien auch in Zukunft in Frieden leben können.“

Ehrfurcht und Empathie klangen in der Stimme der Priesterin mit, während sie feierlich die traditionellen Worte sprach und sich mit einer einladenden Geste zum Pfad umwandte. Die Tribute, nun in schwarze Kapuzenumhänge gehüllt, sahen der Priesterin nach, wie sie zwischen ihren Begleiterinnen, die sich an beiden Seiten des Pfades postiert hatten, hindurchging. Sie faltete die Hände vor ihrem Körper und schritt langsam, aber mit ausladenden Schritten durch den Kordon ihrer Artgenossen. Jeder Tiger, den sie passierte, zollte ihr seinen Respekt mit einem stummen Nicken, während sie darauf warteten, dass die Tribute ihr folgten.

Diese zögerten noch einen Moment, die Angst und Verzweiflung deutlich in ihren Gesichtern erkennbar, aber schließlich gab sich eine junge Tapirin einen Ruck und folgte der Priesterin auf den Pfad. Sie hielt ihre Kopf gesenkt, unfähig den Tigern, die den Weg säumten in die Augen zu sehen.

Nun, da das Eis gebrochen schien, folgten auch die anderen Tribute der Priesterin. Alle Tiere, die den Pfad beschritten schwiegen, so wollte es die Tradition. Und als auch der letzte Tribut den Weg betreten hatte, folgten ihm die beiden Priesterinnen und nach ihnen folgten die Fackelträger. Die andächtige Stille, die nur vom Knistern der Fackeln und dem Knirschen der Blätter auf dem Boden unterbrochen wurde, wirkte bedrückend, selbst die Tiger, die die Prozession begleiteten spürten die Last, die die Tribute auf ihren Schultern trugen. Während sie den Pflanzenfressern folgten, wirkte es so, als würde sich das Licht aus dem Dschungel zum Tempel zurückziehen. Hinter den dunkel gekleideten Tributen konzentrierte sich der Schein der Fackeln, während der Pfad hinter ihnen wieder vom Dunkeln der Nacht verschluckt wurde.

Der Pfad selbst war nicht lang und führte von der kleinen Lichtung, auf der sich die Tribute versammelten, fast schnurgerade den Hügel hinauf zum Tempel, aber die dichte Vegetation verhinderte, dass man den Tempel von der Lichtung aus sehen konnte. Erst wenn die Tribute etwa die Hälfte des Weges bereits hinter sich gebracht hatten, kam der Tempel der Tiger in Sicht. In der Dunkelheit der Nacht ragte er wie ein riesiges, dunkles Monument des Todes aus dem Dschungel und streckte sich gegen das dunkle Blau des Firmaments. In den Nächten, in denen die Tribute zum Tempel kamen, wurden seine Wände nicht - wie sonst üblich - mit Feuern beleuchtet.

Für die Tiger war es ein gewohnter Anblick, die dunkle Pyramide und ihre äußeren Bauten zu sehen. Es war ihr Zuhause, ihr sicherer Hafen. Für die Pflanzenfresser jedoch war es das erste und das einzige Mal, dass sie den Monumentalbau von außen sahen, denn auch wenn die Vereinbarung vorsah, dass die Tiger nicht mehr jagten, so gab es ein unausgesprochenes Gesetz, dass kein Pflanzenfresser sich je in die Nähe des Tempels wagen würde. Im Tempel war der Tod zuhause und er würde keine Eindringlinge in sein Reich dulden.

Der Anblick schürte die Furcht in den Herzen der Tribute und einige wurden merklich langsamer, doch weder die Priesterinnen, die der Prozession folgten, noch die Tiger, die noch hinter ihnen kamen, drängten die Tribute weiter zu gehen. Solange sie den Pfad nicht verließen, gab es keinen Grund einzuschreiten, sie würden weitergehen, es lag in ihrer Natur den anderen Tributen zu folgen.

Als die Prozession schließlich am äußeren Tor des Tempels ankam, wurde sie von einer weiteren Gruppe Priesterinnen begrüßt. Diese Tigerinnen trugen Gewändern, die denen der Fackelträger ähnlich waren und waren ebenso mit bunten Bändern geschmückt, die in aufwendigen Mustern um ihre Arme und Beine gewickelt worden waren. Die führende Priesterin verbeugte sich vor ihrem Gegenpart und ihre Geste wurde erwidert.

„Ich bringe den Tribut, auf dass der Pakt gewürdigt wird.“

grüßte die schwarz gewandete Priesterin in leisem, aber feierlichem Ton.

„Wir werden den Pakt unserer Vorfahren würdigen.“

entgegnete ihr in Weiß gehülltes Gegenstück und vollführte eine einladende Geste, mit der sie den Weg in den Tempel freigab.

Während die Tribute zögerlich den Priesterinnen in den Tempel folgten, gingen die Fackelträger einer nach dem anderen zu einem großen, wassergefüllten Trog und löschten ihre Fackeln darin. Dies war, wie so vieles in dieser Nacht, Teil des Rituals und symbolisierte das Licht jedes einzelnen Lebens, das in dieser Nacht verlöschen würde. Und so versank der Weg allen Fleisches langsam aber sicher, mit jeder zischend gelöschten Fackel, wieder in der Schwärze der Nacht.

Nachdem alle Fackeln verloschen waren, zogen sich die Krieger in ihre Baracken zurück, während die Tribute durch die Säulengänge des Tempels zu einem der großen Innenhöfe geführt wurden. Die Gänge waren von kleinen Öllampen erhellt, die ein ruhigeres Licht verstrahlten, als die Fackeln auf dem Weg. Noch immer wurde kein Wort gesprochen und die Priesterinnen führten sie langsam zum Wartebereich, wo bereits am Tag zuvor Bänke aufgestellt worden waren, damit die Tribute wenigstens nicht im Stehen auf ihre Opferung warten mussten.

Der Innenhof selbst war ein großes, freies Areal, an dessen Mauern Beete mit Kräutern und Blumen gediehen und dessen gepflegte Rasenfläche eine freundliche Atmosphäre schuf. In der Mitte des Platzes war ein kleines Podest errichtet worden, wo bereits zwei weitere Priesterinnen auf die Tribute warteten. An der hinteren Wand des Hofes, die zum eigentlichen Tempel, der Pyramide, gehörte, befand sich ein großes, rot gestrichenes Portal, dessen Türen ein stilisierter Tigerschädel schmückte und das von zwei riesigen Tigern bewacht wurde.

Die Priesterinnen auf dem Podest warteten, bis alle Tribute den Hof betreten hatten und ihre in Schwarz gekleideten Artgenossen den Hof durch das große rote Portal verlassen hatten, bevor sie versammelten Pflanzenfresser adressierten.

„Seid willkommen, hochverehrte Tribute.“

begrüßte die jüngere der beiden Priesterinnen die versammelten Pflanzenfresser, die allesamt vor dem Podest zusammen standen.

„Bitte, wir wissen, wie schwer diese Bürde für Euch alle ist und wir werden unser Möglichstes tun, um sie Euch so leicht wie möglich zu machen. Nehmt bitte Platz, während wir Euch den Ablauf des Rituals erläutern werden.“

Auch wenn sie leise sprach, so erreichten ihre Worte doch die Ohren aller Anwesenden, während sie auf die einzelnen Bänke verwies. Ihrer Aufforderung folgend, begaben sich die Tribute zögerlich zu den Bänken, wo sie schließlich ihre Plätze einnahmen und ihre Aufmerksamkeit wieder der Priesterin schenkten, deren sanftes Lächeln wohlwollend und empathisch wirkte.

„Vielen Dank. Lasst mich noch einmal ausdrücken, wie dankbar wir für das Opfer sind, das ihr alle zu bringen bereit seid. Eurem Mut werden wir, so wie es Brauch ist, mit Respekt und Ehrfurcht begegnen. Bevor wir jedoch mit dem eigentlichen Ritual beginnen, werdet Ihr alle mit unserer Hohepriesterin sprechen, denn nur wer wirklich aus freien Stücken den Weg allen Fleisches gegangen ist, darf das letzte Opfer darbringen und den Bund zwischen uns Fleischfressern und Pflanzenfressern erneuern. Danach werdet Ihr von einer unserer Priesterinnen für das Ritual vorbereitet. Habt keine Furcht, nichts von all dem wird schmerzhaft sein. Niemand soll hier leiden. Das Ritual selbst wird am Ende vollkommen schmerzlos und schnell vollzogen werden.“

erklärte die junge Priesterin mit ruhigem, aber feierlichem Tonfall, während die andere Priesterin leicht nickte. Als ihre Worte verklungen waren, wurden die Türen des hinteren Protals von den Kriegern geöffnet. Für einen Moment tat sich nichts, aber dann trat die ältere Priesterin einen Schritt nach vorne und erhob ihre Stimme. Es schwang eine ruhige Kraft in ihrer Stimme mit, die an eine Mutter erinnerte, die ihrem Kind mut zusprach:

„Die Hohepriesterin wird Euch nun empfangen. Bitte, tretet einzeln in den Tempel ein. Habt Mut.“

Die Tribute zögerten, keiner wollte der oder die Erste sein, die durch das Portal in den sicheren Tod ging.

Keiner der anwesenden Pflanzenfresser rührte sich.

Dies war nichts Ungewöhnliches, die Tiger kannten dieses Verhalten von den Tributen, schließlich wussten alle hier versammelten, was hinter dieser Tür auf sie warten würde. Sie würden sie nicht drängen, dies war gegen die Vereinbarung und in aller Regel gab sich irgendwann einer der Tribute einen Ruck und ging zum Portal.

Auch dieses Mal sollte es nicht anders sein, als sich schließlich einer der Tribute von seinem Sitzplatz erhob und tief durchatmete. Er richtete sich zu seiner vollen Größe auf, wandte sich dem Portal zu und tat den ersten Schritt. Ein leises Raunen ging durch die versammelten Tribute, als sie Zeugen des Mutes dieses ersten Pflanzenfressers wurden.

Die Priesterinnen verbeugten sich respektvoll vor dem Tribut und sahen ihm nach, als er sich langsam und mit zögerlichen Schritten dem Portal näherte. Auch die Krieger neigten ehrfürchtig den Kopf, als die verhüllte Gestalt sich ihnen näherte, aber kurz bevor sie das Portal durchschritt, blieb sie noch einmal stehen und wandte sich zu den Wartenden um. Für einen Moment war ihr Gesicht zu sehen.

Es war eine junge Tapirin, deren Gesichtsausdruck Trauer und Trotz widerspiegelte.

Dann wandte sie sich wieder dem Portal zu und schritt hindurch. Als sie im Raum hinter dem Portal verschwand, schlossen die Krieger die große Doppeltür wieder und schlossen sie dahinter ein.

Die Tapirin fand sich in einem kurzen Gang wieder, der zu einem großen Raum führte. Sie hatte Angst, war unsicher und wäre am liebsten wieder durch das Portal zurückgegangen, aber nun, da es verschlossen war, war dieser Weg ihr versagt. Sie schlang ihre Arme um ihren Oberkörper und ging langsam den Gang entlang. Es war ruhig, geradezu still in dem Gang, und es duftete nach Kräutern und Räucherwerk. Mit jedem Schritt, den sie hinter sich brachte, wurde der Geruch stärker und es gesellten sich leise Geräusche hinzu. Geräusche, die sie an die Küche ihrer Mutter erinnerten. Sie war sich nur nicht sicher, ob dies etwas Gutes war.

Als sie das Ende des Ganges erreichte, betrat sie einen großen Raum, der von einer Vielzahl kleiner Lampen beleuchtet wurde und in dessen vielen kleinen Nischen Priesterinnen damit beschäftigt waren Kräuter, Pilze und andere Pflanzen zu verarbeiten. Sie taten dies in völliger Stille, wahrscheinlich um sie nicht zusätzlich zu verängstigen, aber sie lächelten alle und wirkten zufrieden. Die Atmosphäre in dieser Kammer wirkte ruhig, ja geradezu entspannt. Sie sah sich vorsichtig um und erkannte eine weitere Tür am hinteren Ende des Raumes, die nicht bewacht zu sein schien, aber sie würde an dem großen, steinernen Thron vorbeigehen, um zu ihr zu gelangen.

„Willkommen, Kind.“

Der Gruß riss sie aus ihren Gedanken und sie sah auf den Thron, von wo aus die Stimme gekommen war. Sie hatte alt, aber voller Liebe und Zuneigung geklungen, und die Tigerin, die die Worte gesprochen hatte und auf dem Thron saß, wirkte alt. Ihr Fell war ergraut, wirkte stumpf und strohig, ihre Ohren waren ausgefranst und ihre Augen vollkommen blind. Sie lächelte ein zahnloses Lächeln und winkte sie, mit für ihre Rasse viel zu zierlichen Händen, zu sich heran. Sie wirkte älter als der Thron auf dem sie saß, und der war aus einem einzigen Block Granit gehauen worden und schon so alt, dass die zahllosen Individuen, die auf ihm gesessen hatten die Ecken und Kanten des harten Steins glatt geschliffen hatten. Wer auch immer den Thron einmal aus dem Stein geschlagen hatte, hatte sich sehr viel Mühe mit den Inschriften gegeben, aber sie waren nach all der Zeit nur noch an wenigen Stellen lesbar.

„Komm, Kind. Komm her, ich werde nicht beißen.“

forderte die alte Tigerin, die wohl die Hohepriesterin war, und in ihrer Stimme lag eine Sanftheit und Wärme, die sie nicht von einer Fleischfresserin erwartet hätte. Es war fast so, als würde die Tigerin mit einem Enkelkind sprechen und streckte ihr dabei die Hände entgegen. Die junge Tapirin gab sich einen Ruck und kam langsam näher. Das Geräusch als ihre nackten Füße über den kalten Steinboden gingen war das einzige, was sie im Moment hörte, während sie zögerlich ihre eigene Hand nach der, der Hohepriesterin ausstreckte.

Als sie sich berührten, ergriff die alte Tigerin ihre Hand vorsichtig, sie war so zierlich, nicht viel größer als die der Tapirin selbst. Es fühlte sich ein wenig seltsam an, als die Alte vorsichtig ihre Hand abtastete, aber es lag keine Aggressivität in der Geste, nur ehrliche Neugier, und als sie fertig war, lächelte die Hohepriesterin sie wieder an.

„Hab keine Angst, mein Kind. Lass mich dich einen Moment ansehen.“

Auch diese Worte sprach die Hohepriesterin ruhig und empathisch, während sie auf ein Kissen zu ihren Füßen zeigte. Die Tapirin nickte sanft und kniete sich auf das bereit gelegte Kissen, bevor sie vorsichtig ihre Kapuze zurückschlug. Als ihr Gegenüber dies hörte, hob sie langsam ihre Hände und berührte fast schon zärtlich das Gesicht der jungen Pflanzenfresserin.

„Oh... wie ich sehe, bist du noch sehr jung. Wie ist dein Name, Kind?“

fragte sie, während ihre Hände ihr Gesicht weiter untersuchten.

„Man nennt mich Shirya, Limas Tochter, ehrwürdige Hohepriesterin.“

antwortete die Tapirin, wobei ihre Stimme nicht mehr als ein Flüstern war. Als sie den Namen hörte, durchfuhr die Hohepriesterin ein Schauder und sie hielt kurz inne, bevor sie fortfuhr, Shiryas Gesicht zu „betrachten“ und dabei ihre Hände langsam tiefer gleiten ließ.

„Dein Name kommt mir bekannt vor. Sag mir, mein Kind, bist du aus freiem Willen hierher gekommen?“

Es kam ihr fast so vor, als könne die alte Priesterin mit ihren blinden Augen in ihre Seele schauen, und was sie sahen, stimmte die Priesterin nachdenklich. Shirya schluckte, nahm aber ihren Mut zusammen und antwortete wahrheitsgemäß.

„Ja. Ich bin aus freiem Willen gekommen, um die alte Vereinbarung zu erfüllen und meinen Teil dazu beizutragen.“

Ihre Stimme klang fest, aber die Angst vor dem, was unausweichlich war, war deutlich zu hören. Die Hohepriesterin hörte ihr stumm zu und nickte anschließend sanft, während ihre Hand über die Brust der Pflanzenfresserin fuhr.

„Gut gesprochen, mein Kind, aber sag mir, hast du schon Nachkommen geboren?“

Diese Frage traf Shirya völlig unvorbereitet und sie errötete leicht.

„N … Nein, ehrwürdige Hohepriesterin.“

stotterte sie etwas unsicher und sah zu, wie die Hand der Hohepriesterin über ihren flachen Bauch glitt und dort für einen Moment verweilte.

„Wie schade. Du hättest eine gute Mutter abgegeben. Sehr fruchtbar.“

stellte sie schließlich mit ruhiger, aber auch melancholischer Stimme fest, bevor sie ihre Hände von Shiryas Körper nahm. Die Schamesröte stieg der jungen Pflanzenfresserin derweil endgültig in die Wangen, während sie auf die weitere Reaktion der Priesterin wartete, die blinzelte und es schien, als dachte sie über etwas nach, aber dann kam ihr warmherziges, zahnloses Lächeln zurück auf ihre Lippen und sie nickte sanft. Noch einmal fand ihre feingliedrige Hand die Wange der jungen Tapirin, deren Kopf sich fast schon instinktiv gegen diese lehnte.

„Nun gut, steh auf, Kind.“

forderte die Hohepriesterin und nahm ihre Hand endgültig vom Gesicht des Tributs, sodass sie aufstehen konnte.

„Du wirst ein würdiger Tribut für das höhere Wohl der Gemeinschaft sein. Du hast meinen Segen.“

fuhr sie fort und auf einen Fingerzeig hin trat eine weitere Tigerin neben den Thron der Hohepriesterin, aber anders als die alte Raubkatze auf war diese jung, athletisch und sprühte vor Energie, wobei sie trotzdem das gleiche, warme Lächeln trug.

„Dies ist Rayas, sie wird dich zu den Ritualkammern führen und dir dabei helfen dich auf dein Opfer vorzubereiten. Geh mit ihr und habe keine Angst. Alles wird gut werden.“

erklärte die Hohepriesterin und Rayas verbeugte sich neben ihr. Shirya nickte stumm und sah zu der jüngeren Tigerin, während sich langsam ein Knoten in ihrer Magengrube bildete. Sie war völlig überfordert und jetzt, da die Hohepriesterin ihr den Segen erteilt hatte, gab es im Grunde genommen kein zurück mehr. Ihr Gegenüber schien ihr Zögern und ihre Unsicherheit zu bemerken, denn sie blinzelte ganz langsam und in ihren Augen spiegelte sich ein großes Verständnis und eine Wärme wider, die Shirya nicht erwartet hatte. Als sie schließlich das Wort ergriff, war ihre Stimme so viel leiser und weicher, als sie es einer über zwei Meter großen Raubkatze zugetraut hätte.

„Folge mir, Shirya, Limas Tochter, ich werde dich zu den Bädern bringen. Dort werden wir dich reinigen und dort kannst du dich entspannen.“

erklärte Rayas ruhig und mit einer eleganten Geste wies sie auf die Tür am hinteren Ende des Raums, die zwischenzeitlich geöffnet worden war. Shirya folgte der Handbewegung der Priesterin und sah zur Tür, die tiefer in den Tempel führte. Es dauerte einen Moment, aber dann nickte sie zögerlich und folgte der Tigerin aus dem Raum.

Der Gang, in den sie geführt wurde, war deutlich kühler und es waren weniger Lampen aufgestellt worden, aber das Licht reichte dennoch aus, damit sie sich orientieren konnte, während sie hinter der deutlich größeren Priesterin her schlich. Die Tigerin ging elegant durch den Koridor und ihre Hüften rollten bei jedem ihrer raumgreifenden Schritte und ließen ihren Schwanz entspannt hin und her pendeln.

Der Gang war nicht sehr lang und mündete in eine kleine Kammer, von der aus mehrere Türen abgingen. Vor jeder Tür stand ein hochgewachsener Krieger, die allesamt nur mit einem Lendenschurz aus beigem Stoff bekleidet waren und deren Arme und Beine mit Lederriemen kunstvoll umwickelt waren. Ihre muskulösen Körper waren mit Narben verziert, die zu regelmäßig aussahen, als das sie von Kämpfen herrührten, das zumindest war Shiryas erster Gedanke, als sie die Wächter sah.

Als Rayas den Raum betrat, blieb Shirya zurück, da sie sich nicht sicher war, was nun passieren würde. Sie zog den Umhang enger um sich zusammen. Es war eine Sache, sich vor einer blinden Tigerin zu entblößen, aber es war etwas völlig anderes, sich vor einem ausgewachsenen, männlichen Tiger zu zeigen. Rayas hingegen schien es zu genießen, ihre recht üppigen Vorzüge vor den Kriegern des Khans zu präsentieren, wobei diese nicht wirklich reagierten. Sie näherte sich einem von ihnen und verbeugte sich leicht vor ihm, woraufhin dieser die Tür freigab und öffnete. All dies geschah, ohne dass auch nur ein Wort gesprochen wurde, so tief waren die Rituale bereit in der Gesellschaft der Tiger verwurzelt.

Rayas trat neben die Tür und machte eine einladende Geste, die sie dazu ermutigen sollte, den Raum zu betreten, aber Shirya zögerte. Was auch immer hinter dieser Tür war, lag in einem Halbdunkel, dass es ihr unmöglich machte, irgendetwas zu erkennen. Ihre Instinkte, die ihre Spezies über unzählige Generationen hinweg vor Gefahren geschützt hatten, schrien in ihrem Kopf und hinderten sie daran, sich zu bewegen. Erst als Rayas ihr die Hand entgegen streckte und sie warmherzig anlächelte, konnte sie sich losreißen und kam vorsichtig auf die Beiden zu. Als sie Rayas Hand nahm und sich behutsam vor die Priesterin ziehen ließ, verbeugte sich der Krieger vor ihr.

„Hab dank für dein Opfer.“

flüsterte der riesige Tiger, dessen Stimme eher dem entsprach, was sich Shirya für einen Tiger vorstellte, aber sie traute sich nicht, ihm zu antworten, sondern nickte nur stumm. Sie spürte, wie Rayas sanft ihre großen Hände auf ihre Schultern legte und ließ sich fast ohne Gegenwehr zur Tür dirigieren, zögerte schließlich jedoch, über die Schwelle in den dunkleren Raum zu treten. Erst als Rayas fast unmerklich Druck ausübte, hob sie ihren Fuß und setzte ihn hinter die Tür. Ihr Atem ging in flachen, zitternden Zügen und ihr Körper bebte leicht unter den starken Händen der Tigerin hinter ihr, aber sie schaffte es schließlich, ihre Angst zu überwinden und den Raum zu betreten. Die Priesterin blieb direkt hinter ihr, hielt den Körperkontakt aufrecht und versuchte, ihr den Halt zu geben, den sie so dringend brauchte.

Sie hatten den Raum noch nicht richtig betreten, da hörte Shirya wie hinter ihnen die Tür geschlossen wurde. Als der Riegel vorgeschoben wurde, war das Geräusch so endgültig, dass die junge Pflanzenfresserin zuerst zusammen zuckte und sich danach komplett versteifte. Sie schnappte nach Luft und sah über ihre Schulter, aber alles, was sie im Halbdunkel des Durchgangs sah, waren die leuchtenden Pupillen des Raubtiers, das direkt hinter ihr stand. Sie begann unkontrolliert zu zittern und tränen sammelten sich in ihren Augen, während Rayas wissend nickte.

„Hab keine Angst, Shirya. Hier wird dir nichts geschehen.“

flüsterte sie und drückte behutsam ihre Schultern, aber Shirya wollte ihr nicht glauben und schüttelte langsam den Kopf.

„Doch, doch das wird es. Ich … ich werde hier sterben.“

erwiderte der Tribut und schluckte, die Panik ganz klar in ihren Augen sichtbar. Rayas konnte dem nicht widersprechen, die Tribute kamen jede zweite Woche in ihren Tempel, um dort ihr Leben für die Gemeinschaft zu opfern, die junge Tapirin würde da keine Ausnahme sein. Die Priesterin schloss für einen Moment die Augen und atmete tief durch, bevor sie sie wieder öffnete. Als sie die zitternde junge Frau vor sich wieder ansah, lag eine unglaubliche Ruhe in ihnen. Es war, als könnte Shirya tief in die Seele der Tigerin hinter sich sehen, und sie fand keinerlei Zorn oder Hass, nur Verständnis und Geduld für ein junges Tier, das sich einer ausweglosen Situation gegenüber sah und das kurz vor dem absoluten zusammenbruch stand.

Rayas zog sie vorsichtig fester gegen ihren eigenen Körper und hielt sie dort für einen Moment, der sich wie eine Ewigkeit anfühlte.

„Ja, Shirya, Limas Tochter, es ist wahr, du wirst in diesem Tempel sterben, zum Wohle der Gemeinschaft, aber nicht jetzt, und nicht hier.“

flüsterte sie und ließ die Worte für einen Moment wirken, bevor sie fortfuhr.

„Komm, lass uns zum Bad gehen, ich werde dir helfen ein wenig zu entspannen.“

Mit diesen Worten schob die Priesterin sie behutsam weiter in den Raum.

Der Raum selbst war eher klein, und es waren nur ein paar wenige Lampen verteilt worden, was für eine schummrige Beleuchtung sorgte. Ein kleiner, in den Boden eingelassener Pool dominierte den Raum, dessen Wasser im Halbdunkel fast zu leuchten schien. Die Luft war geschwängert von dem schweren, süßlichen Duft von Räucherwerk, das irgendwo in den Schatten vor sich hin glimmte. Auf ihrer Seite des Beckens befand sie eine kleine steinerne Bank, auf der ein Kissen lag und ein kleiner Korb, während auf der anderen Seite eine Art Podest oder Tisch aus Stein stand, aber es war zu dunkel, um von ihrem Standpunkt aus mehr erkennen zu können. Sie wurde sanft zur Bank geführt.

„Setz dich hier hin. Ich werde dir helfen, dich zu reinigen und auf die Rituale vorzubereiten.“

flüsterte die Priesterin und noch während sie sich setzte, begann Shirya zu schluchzen. Sie saß noch nicht richtig, da brachen alle Dämme und ihr Körper wurde vom heftigen Schluchzen durchgeschüttelt. Dies war nichts Ungewöhnliches und Rayas war mit dieser Reaktion wohl vertraut. Wenn die Tribute schließlich an den Punkt kamen, an dem sie unwiderruflich realisierten, wozu sie sich bereit erklärt hatten und dass es keinerlei Ausweg mehr aus dieser Situation gab, brachen die meisten zusammen. Die junge Tapirin auf der Bank war nicht die Erste und würde auch mit Sicherheit nicht die Letzte sein, die dies erleben musste. Voller Mitleid blickte die Tigerin auf sie hinab und es brach ihr fast das Herz.

Sie seufzte sanft und setzte sich neben die Weinende und legte vorsichtig ihren starken Arm und ihre schmalen Schultern. Shirya versteifte sich kurz und hielt den Atem an, aber als Rayas nur ihre Schulter streichelte und sie ganz zärtlich gegen sich selbst zog, ließ sie schließlich los und sich gegen die größere Frau neben sich fallen. Die Priesterin widerstand dem Drang, ihre zweite Hand an die Wange der Pflanzenfresserin zu heben und ihre Tränen wegzuwischen, stattdessen flüsterte sie:

„Ist schon gut. Lass es raus. Lass es alles raus.“

Ihre ruhige, sanfte Stimme war gerade laut genug, um an Shiryas Ohr zu dringen und dort ihre eigenen Seufzer zu übertönen, aber es schien zu helfen, denn sie griff nach Rayas anderer Hand und klammerte sich daran fest, während sie weiter bitterlich weinte. Die Tigerin zog sie derweil fester zu sich und gab ihr halt.

„Ssscchh schhh schhh … so ist es gut … Ich verstehe deine Angst und es ist vollkommen normal.“

Ihre kleine Protegée war nicht in der Lage zu sprechen, sondern brachte nur abgehackte gutturale Laute hervor, aber sie störte sich nicht daran, sondern lehnte nur ihren Kopf gegen den ihren. Die Priesterin war geduldig, denn sie hatten den Pflanzenfressern das Versprechen gegeben, dass die Tribute, die aus freien Stücken über den Pfad kamen, mit dem gebührenden Respekt behandelt werden würden. Keiner von ihnen würde in irgendeiner Form gezwungen werden. Außerdem, wer hatte denn keine Angst, wenn er wusste, dass er an diesem Tag auf jeden Fall sterben würde. Selbst in einem aussichtslosen Kampf gab es zumindest die Chance, dass man ihn überlebte, aber in diesem „Kampf“ gab es selbst diese Chance nicht.

Die Tribute würden sterben, es führte kein Weg daran vorbei.

Rayas empfand tiefes Mitgefühl für die junge Pflanzenfresserin, die in ihren Armen lag und noch immer heftig weinte. Sachte streichelte sie ihre Schulter und drückte ihre Lippen auf Shiryas Scheitel. Den Weg allen Fleisches zu gehen, war nicht, was das Schicksal für Jungtiere vorgesehen hatte, sie sollten Leben, Erfahrungen sammeln, sich Fortpflanzen und glücklich sein, erst wenn sie irgendwann alt und schwach waren, dann war es vorgesehen, dass die Tiere zum Weg kamen und sich für die Gemeinschaft opferten, damit die nächsten Generationen weiterhin in Frieden leben konnten. So hatte es die Natur vorgesehen und das war auch der Gedanke hinter dem Abkommen gewesen, als ihre Vorfahren es vor über zweihundert Jahren geschlossen hatten.

Aus Angst und Scham hatten die Alten und Mächtigen unter den Pflanzenfressern dieses Abkommen und den Sinn dahinter jedoch schnell zu ihren Gunsten verdreht und nun kamen schon seit Jahren die Stärksten und Gesündesten unter ihnen über den Pfad. Diese Farce der natürlichen Ordnung war eine Schande, aber sie sah wenig, was sie dagegen tun konnte.

Sie saßen noch einen Moment lang nebeneinander, bevor Rayas die junge Pflanzenfresserin neben sich noch einmal drückte. Sie spürte, wie sich Shirya leicht anspannte, hielt den Druck noch für einen Augenblick aufrecht und ließ sie dann langsam los. Als sie ihren Arm von Shiryas Shulter nahm, klammerte sie sich an ihrer Hand fest, unwillig den Kontakt zu beenden, was ein sanftes Lächeln auf die Lippen der Tigerin zauberte.

„Ssssch … es ist gut … lass dich mal ansehen.“

flüsterte die Priesterin und brachte ihre freie Hand an die Wange der weinenden Tapirin. Vorsichtig hob sie ihren Kopf an, bis sie in die aufgequollenen Augen ihres Schützlings sehen konnte. Ihre Lippen zitterten, egal wie sehr sie versuchte, es zu unterbinden und sie musste bei jedem zweiten ihrer bebenden Atemzüge schniefen, aber auch das konnte das Lächeln nicht aus dem Gesicht der Priesterin vertreiben. Zärtlich strich Rayas die Tränen von Shiryas Wangen und streichelte ihr über den Kopf.

„Sssschhh … ist ja gut … sssch … beruhige dich, Shirya.“

Es war fast so, als würde eine Mutter mit ihrem Kind sprechen, egal wie lächerlich es klang, egal wie nichtig die Geste auch war, es half die junge Tapirin zu beruhigen. Noch einmal strich Rayas ihr die Tränen von den Wangen und sah ihr dann tief in die Augen.

„Du bist eine starke junge Frau, zeig mir jetzt deine Stärke, zeig mir, dass DU den Respekt verdienst und nicht deine Ältesten, die zu feige waren, um selbst den Pfad zu beschreiten.“

forderte die Tigerin eindringlich. Für einen Moment schien es, als würden sich Shiryas Augen wieder mit Tränen füllen, aber dann erkannte sie das Feuer in ihnen. Es war eine kleine, flackernde, schwache Flamme, aber sie war da, sie loderte tapfer in diesem See aus Tränen und sie verlosch nicht. Dieses Mal war es Shirya selbst, die ihre Tränen wegwischte, während sie einen seufzenden Atemzug nahm und schniefte. Als Rayas das sah, wurde ihr Lächeln entschlossener und sie nickte leicht, während sich ihr Gegenüber wieder ganz langsam beruhigte.

„So ist es gut.“

flüsterte die Priesterin und legte, in einem Moment der Zügellosigkeit, ihre Stirn an Shiryas.

„Ich möchte, dass du hocherhobenen Hauptes an der Zeremonie teilnimmst. Du wirst es allen zeigen. Du wirst ihnen zeigen, was es bedeutet, ein Nachkomme von Lima zu sein, der Frau, die dieses Abkommen und damit zwei Jahrhunderte des Friedens überhaupt erst möglich gemacht hat.“

beschwor die Tigerin sie und rieb leicht ihre Stirn an ihrer. Shirya ließ die Worte auf sich wirken und als Rayas ihren Kopf wieder zurückzog, sahen sie einander wieder in die Augen. Noch immer waren die Augen der jungen Tapirin voller Angst und Traurigkeit, aber sie hatte mittlerweile aufgehört zu zittern und nach einem weiteren Augenblick schluckte sie schließlich und nickte leicht. Rayas nickte ebenfalls und strich ihr ein weiteres Mal über die Wangen.

„Tapferes Mädchen!“

lobte sie und ließ langsam ihre Hände von Shiryas Wangen gleiten, bevor sie sich ein wenig zurücklehnte und sie kurz musterte.

„Und jetzt lass mich dich mal ansehen. Steh einmal auf und zeig dich.“

Die Aufforderung kam mit einem spielerischen Unterton und wurde von einem Lächeln untermalt, das keine Widerrede zuließ. Es dauerte einen Moment, bevor die Pflanzenfresserin genug Mut gesammelt hatte, um aufzustehen und sich der Priesterin zu zeigen, aber schlussendlich tat sie es. Vor der alten, blinden Hohepriesterin zu stehen und sich „betrachten“ zu lassen, war etwas völlig anderes gewesen, als nun vor Rayas zu stehen. Es war ihr peinlich, selbst in diesem kleinen, dunklen Raum und allein mit der Priesterin, die sie noch vor wenigen Augen getröstet hatte. Sie konnte ihren scharfen Blick förmlich auf ihrer Haut spüren, wie er an ihr hinunterwanderte und vor nichts halt machte.

„Oh, es ist so eine Schande.“

tadelte Rayas schließlich, als ihre Augen ihren Weg wieder zu Shiryas gesicht gefunden hatten.

„Sieh dich an, du bist perfekt. Hier steht eine in jeder Hinsicht perfekte junge Frau vor mir …“

fuhr sie fort und stand selbst von der Bank auf und als sie vor ihr stand, war sie so viel größer als ihr Protegée. Vorsichtig hob sie die Hände an die Kordel, die den Kapuzenumhang, den Shirya noch immer trug, zusammenhielt.

„Den kannst du nun ablegen, du wirst ihn nicht mehr brauchen.“

Sie zog den Knoten jedoch nicht auf, sondern wartete, bis ihr Gegenüber ihre Hände an die einfache Schleife hob. Shirya hielt den Knoten fest, als wäre er das einzige, was sie vor dem Raubtier, das vor ihr stand, beschützte. Rayas lächelte sanft und nickte.

Der Umhang, wie vieles andere rund um die Rituale, war symbolischer Natur, es wäre kein wirkliches Problem, die Tiere in ihrer normalen Alltagskleidung in den Tempel zu führen, aber die Tiger waren ein abergläubiger Clan und Rituale bestimmten einen großen Teil ihres täglichen Lebens. Wie die Fackeln die sie vor dem Tempel löschten, das Leben symbolisierten, das sie in dieser Nacht auslöschten, so symbolisierten die Umhänge die Verbindung zum Tod selbst dar, die die Tribute mit ihrem Gang über den „Weg allen Fleisches“ eingingen. Jetzt, da die Tribute im Tempel waren, dort, wo der Tod zuhause war, brauchten sie diese Verbindung nicht mehr.

Shirya schluckte und zog zögernd den Knoten auf, wodurch der Umhang von ihren Schultern fiel. Das leise Rascheln des Stoffes war fast ohrenbetäubend in der Stille des kleinen Raums.

Nun, da sie völlig nackt vor Rayas stand, wurde ihre Jugend nur noch deutlicher, sie trug noch immer das dunkelbraun weiß gemusterte Fell, das für Jungtiere ihres Clans üblich war. Es war nicht selten, dass manche Tapire diese Tarnung länger behielten, aber im Laufe des Erwachsenenalters fielen die Haare aus und ließen eine schieferfarbene, derbe Haut zurück, die sich hervorragend zur Herstellung von Leder eignete. Und auch wenn die Priesterin vor ihr nicht viel mehr als einen Lendenschurz und einige bunte Zierbänder am Leib trug, so waren durch ihr dichtes Fell wenigstens die meisten Geschlechtsmerkmale bedeckt. Shirya hingegen versuchte ihre Scham so gut es ging mit ihren Händen zu bedecken.

Es war seltsam, so lange sie den Umhang getragen hatte, war es nicht so schlimm gewesen, dass die Tigerin ihre Brüste und ihre Scham gesehen hatte, jetzt fühlte es sich irgendwie falsch an, aber das schien besagte Tigerin gar nicht zu stören, ihr Lächeln wurde nur ein wenig breiter, fast schon verspielt.

In der Tat war Rayas auch diese Reaktion durchaus gewohnt, es war zu erwarten, dass die Tribute sich ihrer Körper schämten, etwas was den Tigern praktisch unbekannt war. Sie bewegten sich die meiste Zeit mehr oder weniger nackt im Tempel, ihr dichtes Fell war Schutz genug für das meiste, was ihnen im Alltag begegnete und Kleidung war bei den tropischen Temperaturen meist mehr Behinderung als Hilfe. Sie trugen die zeremoniellen Gewänder in der Regel nur, wenn sie nötig waren. Sie empfand Shiryas Scham eher als niedlich, oder unnötig, die junge Tapirin hatte eine schöne Figur, alles war am richtigen Fleck, es gab nichts, wofür sie sich schämen musste.

Sie hob ihre Hand an die Wange der Jüngeren und streichelte sie sanft, bevor sie an ihr vorbei zu dem kleinen Pool in der Mitte des Raums ging. Mit unendlich eleganten Schritten stieg sie in das Wasser, blieb dort stehen und streckte ihr eine krallenbewehrte Hand entgegen.

„Komm, lass mich dich für die Rituale waschen. Das Wasser ist warm.“

locke sie und das Funkeln in ihren Augen barg so viel mehr, aber nichts davon war böse oder gar hinterlistig, ganz im Gegenteil, sie wirkte fast schon spielerisch, wie sie dort im hüfthohen Wasser stand. Als sich ihr Schützling erst nicht rührte, senkte sie ihren Kopf ein wenig und formte die Worte „Komm schon“ lautlos mit ihren Lippen, wobei ihr Schwanz hinter ihr das Wasser aufwühlte.

Endlich gab sich Shirya einen Ruck und kam mit zögernden Schritten zum Beckenrand, wo sie dankbar die Hand der Priesterin ergriff und die drei Stufen ins Wasser hinunter stieg. Es war tatsächlich angenehm warm und es duftete nach verschiedenen Blüten. Die junge Pflanzenfresserin konnte sich eines kurzen Kicherns nicht erwehren, als ihr das Wasser bis zum Bauchnabel ging. Sie ließ sich von Rayas zu einem Stein in der Mitte des Pools führen, der knapp unter der Wasseroberfläche lag.

„Setz dich hier hin, du brauchst nichts weiter zu tun.“

flüsterte sie und deutete auf den steinernen Schemel, woraufhin Shirya versuchte, sich auf den Stein zu schaffen, was - weil sie so klein war - gar nicht so einfach war. Schließlich gelang es ihr aber, sich auf den glatten Stein zu setzen, während sich Rayas hinter ihr positionierte. Sie legte ihr ihre großen Pranken auf die Schulter und flüsterte:

„So ist es gut, entspanne dich. Hier gibt es nichts, wovor du dich fürchten musst. Hier gibt es nur uns beide …“

Rayas Stimme war wie ein warmer, beruhigender Regen, während sie nach einer kleinen Schüssel griff und damit begann, langsam und behutsam Wasser Shiryas Körper zu gießen. Zuerst über ihre Schultern und ließ das Wasser langsam über ihren Rücken ablaufen. Es fühlte sich unglaublich entspannend an, als das Wasser an ihr herablief und dabei Anspannung, Stress und Angst von ihr nahm. Die einzigen Geräusche, die jetzt zu hören waren, war das regelmäßige Schöpfgeräusch, wenn Rayas die Schüssel erneut mit Wasser füllte und das anschließende Plätschern, wenn es an ihr herab zurück in den Pool rann. Von Zeit zu Zeit verlagerte die Priesterin ihre Position und ließ das Wasser über einen anderen Bereich ihres Körpers fließen. Shirya schloss derweil ihre Augen und gab sich ganz der Prozedur hin, die dazu gedacht war, nicht nur ihren Körper, sondern vor allem ihre Seele zu reinigen, von Schmutz, aber auch vom Stress und der Angst, die allen Tributen innewohnte, was ihr erstaunlich gut gelang. Erst als das kurze Fell der jungen Tapirin vollständig durchtränkt war und die Priesterin mit dem Ergebnis zufrieden war, begann sie das überschüssige Wasser wieder sanft aus ihrem Fell zu streichen. Sie ging dabei vorsichtig, geradezu zärtlich vor und fühlte sich schon fast sinnlich an. Selbst als sie über ihre Brüste glitten, ließ Shirya sie ohne zu zögern gewähren, genoss die Berührung sogar.

Schließlich fanden Rayas Hände ihren Weg zu Shiryas Nacken und als sie spürte, wie die scharfen Krallen der Raubkatze über ihre empfindliche Haut streiften, fuhr ihr ein Schauer über den Rücken. Ganz vorsichtig nahm die Priesterin ihren Kopf in ihre großen hände und legte ihn in den Nacken.

„Nun ist nur noch dein Kopf übrig. Entspanne dich und schließe deine Augen, hier wird dir nichts geschehen.“

flüsterte Rayas leise, während sie eine Hand an ihrer Wange ließ und mit der anderen die Schüssel erneut mit Wasser füllte. Shirya tat wie ihr geheißen und versuchte, sich zu entspannen. Rayas wusste, was sie tat und ließ den Stirnguss langsam und gleichmäßig über den Kopf ihres Schützlings fließen. Sie konnte sehen, wie mehr und mehr der Anspannung aus der jungen Pflanzenfresserin wich. Wieder wartete sie, bis das kurze, flaumartige Fell der Jüngeren völlig durchnässt war und auch die letzten Reste ihrer Tränen hinweg gewaschen waren, bevor sie ihr ganz vorsichtig das überschüssige Nass aus Fell und Gesicht strich. Shirya bedauerte es fast, als sie spürte, wie Rayas ihren Kopf wieder in die Senkrechte hob und die letzten Reste des Wassers aus ihrem Fell strich.

„Dein Körper und deine Seele sind nun rein.“

Ihre Stimme war trotz ihres Flüsterns so warm und voller Zuneigung, während sie langsam an Shirya vorbei in den hinteren Teil des Raumes watete. Shirya sah ihr nach und bewunderte, wie die Tigerin genauso elegant aus dem Becken stieg, wie sie hineingestiegen war. Ihr nasses Fell schimmerte im schwachen Licht der Kammer und klebte an ihren muskulösen Beinen, wo es ihre Kurven noch mehr betonte. Mit wiegenden Hüften ging sie zu dem steinernen Tisch hinüber, auf dem ein weiteres Kissen lag. Während sie den an einen Altar erinnernden Steinblock umrundete, ließ sie ihre Hand über den Granit streichen und sah über ihre Schulter zu Shirya hinunter, die noch immer im Pool auf ihrem Stein saß. Als sie endlich hinter dem Stein stehen blieb, lockte sie die junge Pflanzenfresserin mit einer Geste zu sich.

„Komm zu mir, Shirya, Tochter von Lima, lass mich nun deinen Körper und deine Seele für die Rituale vorbereiten, damit du in Würde und ohne Leid hinübergehen kannst.“

Die Angesprochene starrte die Priesterin mit großen Augen an. Für einen Moment hatte sie nur die leuchtenden Pupillen und die blitzenden Zähne der Tigerin im Halbdunkel hinter dem Tisch gesehen und Angst stieg in ihr auf. Sie schüttelte leicht den Kopf und rieb ihre Arme.

Rayas wartete einen Moment, bevor sie sich über den Tisch nach vorne lehnte, ihr warmes, empathisches Lächeln immer noch auf ihren Lippen.

„Hab keine Angst, hier wird dir nichts Böses widerfahren und ich werde auch bis zum Ende bei dir sein.“

Sie versuchte, alle Schärfe und allen Drang aus ihrer Stimme herauszuhalten, auch wenn sie schon sehr lange gebraucht hatten. Es schien zu helfen, denn Shirya glitt langsam von ihrem Stein im Pool herunter und kam auf die Priesterin zu. Vorsichtig setzte sie einen Fuß vor den anderen und stieg schließlich aus dem kleinen Becken, blieb aber die letzten Schritte schuldig.

Sie wusste zum Umkehren und Fliehen, war es nun schon lange zu spät, es gab kein Zurück mehr. Die letzte Chance dazu wäre gewesen, der Hohepriesterin zu sagen, dass sie nicht aus freien Stücken über den Pfad gekommen wäre. Nun war sie in ihrer Entscheidung gefangen und musste mit den daraus resultierenden Konsequenzen leben.

Sie sah zu Rayas hinüber und schluckte, ihre Angst drohte wieder, sie zu übermannen und Tränen füllten ihre Augen. Die Priesterin hinter dem Tisch sah sie verständnisvoll an und nickte sanft, bevor sie ihr ihre starke Hand reichte. Zögernd hob Shirya ihre eigene Hand, ergriff die der Tigerin und ließ sich vorsichtig an den Tisch heranführen. Als sie endlich vor dem Tisch stand, lächelte Rayas wieder.

„Ich bin so stolz auf dich …“

flüsterte sie und half ihrem Schützling sich erst auf den Tisch zu setzen und dann hinzulegen, wobei sie ihren Kopf sanft auf das Kissen bettete, das nach getrockneten Blumen und Kräutern roch.

Der Stein war gar nicht so kalt, wie Shirya es befürchtet hatte und er war erstaunlich bequem. Im Laufe der Jahrhunderte hatten schon so viele Tribute auf diesem Stein gelegen, dass selbst der Granit Spuren davon getragen hatte und sich eine gewisse Passform in die Oberfläche geschliffen hatte. Und so lag sie nun völlig wehrlos auf dem Altar, in der kleinen, schummrigen Kammer und sah zu Rayas auf, die über ihr aufragte. Irgendwie hatte Shirya das Gefühl, dies würde auch das Letzte sein, was sie sehen würde.

„So ist es gut, entspanne dich.“

Mit diesen Worten drehte sie sich um und nahm etwas aus einem Schrank, der im Halbdunkel hinter dem Tisch verborgen war. Als sie sich wieder der jungen Pflanzenfresserin zuwandte, trug sie ein Gefäß bei sich.

„Ich werde dich jetzt mit den gesegneten Ölen salben und die heiligen Runen auf dein Fell zeichnen, auf dass du später keine Schmerzen spüren und in Würde deinen Ahnen gegenübertreten kannst.“

erklärte sie mit sanfter Stimme, wobei sie das tönerne Gefäß neben Shirya auf den Tisch stellte. Nachdem Shirya knapp genickt hatte, tauchte Rayas ihre Hände in das Gefäß und schöpfte eine Handvoll des Öls heraus. Danach hielt sie ihre Hände über die Brust der Jüngeren und ließ das betörend riechende, warme Öl auf ihren Körper träufeln. Während die ersten Tropfen auf ihr kurzes Fell fielen, stieg deren Duft in ihre Nase.

Sie kannte diesen Geruch gut, es war Rauschmittel, das aus dem Harz einer einheimischen Pflanze gewonnen wurde und das besonders bei den Jüngeren beliebt war. In geringen Dosen versetzte es einen in einen lang anhaltenden, milden Rauschzustand, wenn man die Dosis jedoch erhöhte, konnte es als potentes Schmerzmittel und Relaxans eingesetzt werden. Ihr wurde klar, wie die Tiger es anstellten, dass die Tribute schmerz- und sorgenfrei ins Jenseits übergingen. Unter normalen Umständen würde sie den Konsum dieser Droge strikt ablehnen, aber in ihrer momentanen Situation konnte sie den Einsatz nur gutheißen.

Während die Priesterin damit begann, ihren Körper zu salben, konnte Shirya bereits die ersten Auswirkungen der Droge spüren. Ganz langsam driftete sie in einen leichten, gleichmäßigen, angenehmen Rauschzustand, der ihr ihre Sorgen nahm und ihre Ängste linderte. Je mehr sie davon einatmete, desto mehr bemerkte sie eine gewisse Gleichgültigkeit und desto mehr gab sie sich freiwillig den Ministrationen Rayas hin. Sie schloss ihre Augen und atmete tief ein, wohl wissend, dass sie den Rausch dadurch nur noch verstärkte, und alsbald spürte sie wie ihre Muskeln sich lockerten und sie war zum ersten Mal, seit dem sie sich dazu entschieden hatte, sich als Tribut für ihren Stamm zu melden, wirklich entspannt. Sie versuchte krampfhaft sich zu erinnern, warum sie sich überhaupt als Tribut gemeldet hatte, aber ihr Geist war bereits so benebelt, dass es ihr unmöglich erschien, sich diese Erinnerung ins Gedächtnis zurückzurufen.

„Mmmmmmmh …“

brummte sie schließlich, während sie die Aufmerksamkeit der Tigerin genoss, die sich große Mühe damit gab, das Öl gründlich in ihre Haut einzumassieren. Erst als ihre Hände in Shiryas Intimbereich eindrangen, keimte wieder so etwas wie Widerstand in ihr auf, aber noch bevor sie ihren Unmut kund tun konnte, war er auch schon wieder im allgegenwärtigen Nebel des Rauschs verschwunden, und so ließ sie zu, dass Rayas ihre Beine spreizte und ihre Scham untersuchte.

Es war eine seltsam angenehme Sensation als die Raubkatze sie dort berührte, es war mit nichts zu vergleichen, dass sie bisher erlebt hatte, und gerade als sie sich dem voll und ganz hingeben wollte, hörte Rayas auf einmal auf und zog ihre Hände wieder zurück. Sie war regelrecht enttäuscht, wäre es doch schön gewesen, in diesem Gefühl noch eine Weile länger zu schwelgen. Sie wollte gerade fragen, warum die Priesterin aufgehört hatte, als diese in ihr Blickfeld kam.

Zum ersten Mal, seit sie die Tigerin getroffen hatte, zierte kein mildes Lächeln ihre Lippen, ganz im Gegenteil, der Ausdruck im Gesicht der Priesterin war ernst. Sie wirkte nicht zornig, aber sie war definitiv nicht glücklich und als sie ihre Stimme erhob, drangen ihre Worte wie durch einen dichten Nebel an die Ohren der jungen Pflanzenfresserin.

„Kind, sprich, bist du noch Jungfrau?“

fragte Rayas, wobei eine gewisse Schärfe in ihrem Unterton lag, aber Shirya schien sie nicht zu verstehen, sondern grinste nur, also wiederholte sie die Fragen noch einmal deutlicher.

„Shirya … Kind, sieh mich an … bist du noch Jungfrau?“

Die energischere Frage schien zu ihr durchzudringen, denn ihr Grinsen verschwand für einen Wimpernschlag, bevor sie schließlich grinsend nickte.

„Joder!“

entfuhr es Rayas noch bevor sie es unterdrücken konnte.

Shirya beobachtete die Raubkatze und verstand gar nicht, wo denn dabei das Problem lag. Ja, sie war noch Jungfrau, sie hatte einfach noch nicht den richtigen Tapir dafür gefunden, aber das war ja nun eigentlich auch egal, denn schließlich würde sie morgen tot sein. Sich jetzt noch über diese vertane Chance aufzuregen, war vergeudete Liebesmühe, aber die Priesterin schien sich dabei wirklich unwohl zu fühlen.

Sie rief schließlich etwas in einem Dialekt, den sie nicht verstand, woraufhin ein anderer Tiger eilig in den Raum kam. Ohne zu zögern, kam er zum Tisch und begann sich angeregt mit Rayas zu unterhalten, während Shirya weiter auf dem Stein lag und ihre Augen zwischen den beiden hin und her springen ließ. Es war irgendwie amüsant, auch wenn sie nichts von dem verstand, was die beiden Tiger da redeten, und so grinste sie nur. Dann fiel ihr etwas auf, dieser Tiger war einer dieser großen Krieger und er schien genauso aufgeregt zu sein wie die Priesterin, aber von ihrer Position aus konnte sie unter seinen knappen Lendenschurz blicken. Ihr Grinsen wurde breiter, denn der große, mächtige Krieger hatte einen ebenso großen wie mächtigen kleinen Krieger und weil er so angeregt mit Rayas diskutierte, tanzte und hüpfte sein kleiner Krieger wild umher.

Ein Gedanke nahm in Shiryas benebelten Geist Form an: Wenn es ein so großes Problem war, dass sie noch nie mit einem anderen geschlafen hatte, dann …

Langsam hob sie ihre Hand in Richtung des Lendenschurzes.

„… Komm mal her, kleiner Mann, lass mich dir einen Kuss geben …“

murmelte sie freudestrahlend und leckte sich die Lippen, doch noch bevor sie den kleinen Krieger ergreifen konnte, drehte sich der Tiger um und verschwand dorthin, woher er gekommen war. Shirya sah ihm nach und hielt ihre Hand weiter in diese Richtung ausgestreckt, sie bemerkte den amüsierten Blick auf Rayas Gesicht nicht, die die Enttäuschung auf ihrem Gesicht sah. Als klar wurde, dass der Krieger nicht zurückkam, drehte sie den Kopf langsam wieder zu Rayas, die noch immer neben dem Tisch stand und mit einem halb ernsten, halb amüsierten Lächeln zu ihr hinunter sah. Sie blinzelte, war aber so high, dass sie nicht wirklich verstand, was die Priesterin gerade sagte, aber es hatte wohl etwas damit zu tun, dass der Große Khan sich geweigert hatte, jemals einen Tribut anzunehmen, der nicht alle Spielarten des Lebens erfahren hatte. Shirya legte ihre Stirn in Falten und nickte einfach.

Es kam in der Tat nicht sehr oft vor, dass sie jungfräuliche Tribute in Empfang nehmen mussten. In der Regel waren die Tiere, die als Tribute über den Pfad kamen alt genug und hatten bereits einige Erfahrung gesammelt. Oft genug war es so, dass diejenigen, die sich für die Gemeinschaft opferten, gefeiert wurden wie die Helden der Vergangenheit, und gerade wenn es jüngere Tribute waren, so war es nicht unüblich, das es ihnen nicht an Chancen mangelte, ihr Erbgut für die Nachwelt weiterzugeben.

Nichtsdestotrotz kam es vor, dass ein Tribut den Tempel betrat, dessen Jungfräulichkeit noch intakt war, und in den allermeisten Fällen war dies auch überhaupt kein Problem, denn es fand sich immer ein Priester oder eine Priesterin, die sich schnell und unkompliziert dieses Hindernisses annahm. In Shiryas Fall lagen die Dinge jedoch anders, denn der Große Khan hatte verfügt, dass Nachkommen von Limas Blutlinie mit besonderer Sorgfalt behandelt werden sollten. Nicht umsonst war es damals Lima gewesen, die das Abkommen überhaupt erst möglich gemacht hatte, und da Shirya von dieser Blutlinie abstammte und sie die erste war, die aus dieser Familie als Jungfrau den Tempel betreten hatte, standen sie nun vor einem Problem. Weder Rayas noch die Wache hatten gewusst, wer von ihnen denn dem Anspruch, den der Große Khan an sie gestellt hatte, gerecht werden konnte. Deshalb hatte Rayas den Krieger losgeschickt, um die Hohepriesterin zu holen, damit diese ein Urteil fällen konnte.

Es würde eine Weile dauern, bis der Krieger mit der Hohepriesterin zurückkam, zumal die alte Tigerin noch mitten in der Begutachtung der Tribute stecken würde, selbst wenn die anderen wahrscheinlich deutlich schneller vorankamen als Rayas und ihr Schützling. Sie würden mit Teilen der Vorbereitungen fortfahren, zumindest so weit sie es konnten, damit sie nicht noch mehr Zeit verloren.

Rayas nahm das Gefäß mit dem gesegneten Öl und stellte es zurück auf den kleinen Schrank hinter dem Tisch, sie würde fürs erste ohne das mit Drogen versetzte Gleitmittel fortfahren, denn sie hatte eine Ahnung, dass Shirya für dass, was kommen würde, ein wenig mehr bei Sinnen sein musste, als sie das gerade war. Die junge Pflanzenfresserin schien dem Geschehen im Moment keine weitere Beachtung zu schenken, sondern lächelte nur seelig vor sich hin. Einerseits war die Priesterin durchaus froh darüber, dass ihr Protegée sich zur Zeit keine Sorgen zu machen schien, andererseits wollte sie Shirya nicht völlig im Unklaren über die Umstände dieser Verzögerung lassen. Vorerst aber durfte die junge Frau auf ihrem Tisch noch in Unwissenheit schwelgen, es war noch ein wenig Zeit, bis die Hohepriesterin eintreffen würde und Rayas ihr reinen Wein einschenken musste, und vielleicht würde die Wirkung der Drogen bis dahin auch wieder etwas abgeklungen sein.

„Dreh dich bitte um, ich möchte deinen Rücken sehen.“

forderte sie mit einem amüsierten Lächeln und wartete, bis ihr Tribut sich langsam und unbeholfen auf dem Tisch umdrehte. Zweimal war sie kurz davor einzugreifen, weil sie befürchtete, die Tapirin würde vom Tisch rollen, aber irgendwie schaffte sie es am Ende doch, sich auf den Bauch zu drehen. Als sie ihren Schützling so auf dem Bauch liegen sah und ihre schlanke Silhouette, lief ihr schon das Wasser im Munde zusammen, aber sie konnte die uralten Instinkte unterdrücken, die sie dazu drängen, die Beute vor sich anzufallen und zu erlegen. Stattdessen begann sie damit, Shiryas völlig verkrampfte Rückenmuskulatur behutsam zu massieren.

Die junge Tapirin hatte erstaunlich ausgeprägte Muskeln für solch eine zierliche Figur und Rayas musste vorsichtig sein, nicht zu fest zuzupacken, schließlich wollte sie, dass ihr Tribut sich entspannt und nicht noch mehr verkrampft.

Für eine Weile war alles, was in der kleinen Kammer zu hören war das leise Stöhnen und gelegentliche Wimmern der jungen Pflanzenfresserin, immer dann, wenn die Priesterin einen besonders verspannten Muskel oder einen anderweitig empfindlichen Punkt fand. Shiryas kleine Schmerzenslaute und ihre zaghaften Versuche, ihre Hände an die richtigen Stellen zu locken, brachten die Tigerin fast zum Lachen. Mit der Zeit wanderten ihre Hände immer weiter nach unten, hin zu Shiryas kleinen, aber feinen Gesäß. Wie der Rest der jungen Tapirin waren ihre kleinen Bäckchen perfekt geformt und bildeten zusammen mit ihren schmalen Hüften ein schönes, kleines Gesamtpaket, das die Tigerin wirklich zum anbeißen fand, wobei sie sich jedoch damit begnügte sie ordentlich durchzukneten. Dies sorgte dafür, dass Shiryas Stöhnen und Quieken lauter wurde und zeitweise ganz andere Qualitäten annahm, die nicht unbedingt etwas mit Schmerz zu tun hatten. Rayas musste ziemlich aufpassen sich nicht zu sehr in die niedlichen Geräusche zu verlieben, die die junge Frau auf ihrem Tisch von sich gab, das würde alles nur viel schwerer machen.

„Es ist so eine Schande. Jemand anders hätte so viel Spaß mit dir haben können.“

flüsterte die Priesterin und griff einmal mehr tief in Shiryas Gesäßmuskeln.

„Nyaaahaaa …“

protestierte Shirya und biss in das Kissen. Für sie war das, was Rayas da mit ihr tat, mittlerweile weniger schmerzhaft, sondern viel mehr erregend und sie musste an sich halten, nicht lustvoll zu stöhnen.

„Allein diese süße Stimme zu hören …“

fügte sie hinzu und fuhr mit ihrer Massage fort. Langsam arbeite sie sich von der Körpermitte aus weiter nach unten und zu Shiryas Beinen. Bereitwillig spreizte die Tapirin ihre Beine, um ihr besseren Zugang zu gewähren, und während Rayas ihre Oberschenkel durchknetete, kam sie nicht umhin zu bemerken, dass ihre Arbeit einen nicht zu unterschätzenden Effekt auf ihren Schützling hatte. Es war auf jeden Fall kein Öl, was dort zwischen ihren Schenkeln schimmerte. Die Versuchung, diese Situation auszunutzen, war groß, und in dem Zustand, in dem sich Shirya gerade befand, würde sie dem wahrscheinlich sogar zustimmen, es vielleicht sogar begrüßen, aber Rayas hielt sich zurück.

Es war nicht an ihr, diesen Dingen mit einem der Tribute nachzugehen, egal wie sehr diese dem auch zugeneigt sein würde, sie würde sich später - wenn alles vorbei war - einen der Krieger schnappen und ihren Gelüsten freien Lauf lassen.

Für den Moment aber, würde sie sich ganz auf ihre Aufgabe konzentrieren und ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellen.

Gerade als sie die Beine ihres Schützlings fertig massiert hatte, öffnete sie die Tür zur Kammer und die Hohepriesterin kam mit langsamen, aber zielstrebigen Schritten herein. Es war erstaunlich, wie gut sie sich trotz ihrer Blindheit und ihres hohen Alters im Tempel zurechtfand. In der Tat lehnte sie es aktiv ab, dass man ihr half und betonte immer und immer wieder, dass der Tag, an dem sie sich in ihrem eigenen Zuhause nicht mehr selbstständig und frei bewegen konnte, der Tag sei, an dem sie ihren Vorfahren gegenübertreten werde. Rayas ließ sofort von Shirya ab, umrundete den Tisch und sank vor der Hohepriesterin auf die Knie, mit gesenktem Haupt hieß sie ihr spirituelles Oberhaupt willkommen. Diese kam näher und legte sanft ihre Hand auf ihren Kopf.

„Erhebe dich mein Kind.“

sprach die alte Tigerin, deren Stimme jetzt ein klein wenig rauer war, aber nichts von ihrer Wärme und Liebe verloren hatte. Rayas erhob sich in einer unendlich eleganten Bewegung und richtete sich zu ihrer vollen Größe auf, bevor sie den Weg an den Tisch freigab, auf dem sich die junge Pflanzenfresserin räkelte.

„Eine heikle Situation, in die uns dieser Tribut gebracht hat.“

flüsterte die Hohepriesterin und trat neben Rayas.

„Und du bist dir wirklich ganz sicher, Rayas?“

fragte sie leise, wobei in ihrer Stimme keinerlei Zweifel an den Fähigkeiten ihrer Priesterin mitschwang. Die Angesprochene bejahte die Frage und überließ der Älteren das Feld. Sobald die Hohepriesterin an den Tisch herantrat, erkannte Shirya sie sofort, ihre Augen weiteten sich und ein strahlendes Lächeln zog sich auf ihre Lippen.

„Großmütterchen …“

Es sprudelte nur so aus ihr heraus und sie reichte der alten Tigerin ihre Hand, die sie sogleich zärtlich ergriff.

„Ja, mein Kind, ich bin hier.“

antwortete die Hohepriesterin auf ihre typisch ruhige und gelassene Art, während sie Shiryas Hand streichelte, als wäre es ihr eigen Fleisch und Blut, aber sie war nicht hier um Händchen zu halten, und so waren ihre nächsten Worte ernster.

„Sag mir, mein Kind, ist es wahr, dass du bisher noch keinen Partner gefunden hast?“

Die Tapirin auf dem Tisch grinste breit, kicherte und schüttelte dann den Kopf.

„Aber nein, Großmütterchen, du weißt doch, die waren alle immer so dämlich, und außerdem war keiner von denen gut genug für die Ur-Ur-Ur …“

Sie zählte an ihren Fingern die Ur’s ab.

„… Urenkelin der Stammesältesten.“

erklärte sie mit leicht lallender Stimme und kicherte dabei immer wieder. Die Hohepriesterin nickte sanft und streichelte weiter ihre Hand.

„Es ist gut, mein Kind, warte kurz, während ich mit Rayas rede.“

Shirya nickte und beschäftigte sich mit sich selbst, während die alte Tigerin sich an Rayas wandte.

„Wie weit bist du hier, mein Kind?“

Rayas warf einen Blick auf den Tisch, bevor sie antwortete.

„Die Salbung ist fast abgeschlossen, aber ich muss die Runen noch ziehen und die Bindung ist noch nicht vollzogen.“

antwortete sie wahrheitsgemäß, wobei sie sich außerstande sah, ihren inneren Konflikt ganz aus ihrer Stimme zu verbannen. Ihr Oberhaupt griff nach oben, legte ihr eine Hand auf die Wange und sah ihr tief in die Augen.

„Mein Kind, du hast wie immer ausgezeichnete Arbeit geleistet, aber sei jetzt vorsichtig, begehe nicht den Fehler, dass du dich zu sehr an einen Tribut bindest. Deine Aufgabe ist, so wie sie ist, schon schwer genug. Verschließe nicht dein Herz vor ihnen, aber lasse sie nicht darin wurzeln.“

mahnte die Hohepriesterin eindringlich und Rayas nickte stumm. Sie wusste, was die sie damit meinte und sie würde sich große Mühe geben, nicht in diesen Konflikt der Herzen verwickelt zu werden, auch wenn sie zugeben musste, dass es dafür vielleicht schon zu spät war.

„Gutes Mädchen. Der Große Khan wird sich persönlich um diese Angelegenheit kümmern. Ich habe ihn bereits in Kenntnis setzen lassen. Du wirst sie in seine Gemächer begleiten, aber vergewissere dich vorher, dass sie sich entsprechend benehmen kann.“

Ihre Stimme war erstaunlich fest und sie ließ keinen Zweifel daran, dass sie einen Widerspruch nicht dulden würde.

„Sobald diese Angelegenheit erledigt ist, wirst du die Salbung beenden, die Runen ziehen und ihr die Bindungen anlegen. Ich werde diese Kammer blockieren, sodass es später keine Verzögerungen mehr gibt.“

Rayas nickte erneut, sie würde die Hohepriesterin nicht enttäuschen.

„Wie Ihr wünscht, erhabene Hohepriesterin.“

antwortete sie und verbeugte sich tief vor der alten Tigerin, die sanft lächelte und ihr noch einmal ihre Hand auf den Kopf legte.

„Gutes Mädchen.“

Es war dieses Lob, das ihr einen Teil ihrer Entschlossenheit zurückgab, bevor die Hohepriesterin sich schließlich abwandte und den Raum wieder verließ. Shirya sah der Hohepriesterin hinterher und blinzelte.

„Großmütterchen, wohin gehst du? Bleib hier!“

rief sie ihr nach, aber die alte Tigerin blieb nicht stehen und als die Tür hinter ihr verschlossen wurde, waren Rayas und Shirya wieder allein in der kleinen, schummrigen Kammer. Die junge Pflanzenfresserin wirkte enttäuscht und ließ ihren Kopf wieder auf das Kissen sinken, während die Priesterin sie amüsiert ansah. Noch nie hatte jemand die Hohepriesterin Großmütterchen genannt, nicht einmal die Jüngsten unter ihnen, aber im Rausch der Drogen verloren Ränge und Abstammung ihre Bedeutung. Ihr Schützling schien noch immer ziemlich high zu sein, wenn sie sich der spirituellen Anführerin der Tiger gegenüber so verhielt. Amüsiert drehte sie sich dem Tisch zu und sah auf die leicht hin und her rollende Tapirin hinab.

„Nun komm, Shirya, wir müssen weitermachen, es gibt noch ein paar Kleinigkeiten zu erledigen.“

forderte Rayas und die Angesprochene drehte sich ihr zu, nur um wieder auf den Rücken zurück zu rollen und zu Kichern.

„Ohhh? Was gibt es denn da noch zu tun?“

Die Priesterin ließ die Frage vorerst unbeantwortet und reichte ihr eine Hand zur Hilfe, welche tatsächlich dankbar angenommen wurde. Vorsichtig zog sie das nach wie vor kichernde Tapir in eine aufrechte Position, wo es dann schwankend sitzen blieb. Sie hoffte inständig, dass die Wirkung der Drogen bald nachlassen würde, sonst würde der Weg in die tiefer liegenden Gemächer des Großen Khans wahrscheinlich deutlich beschwerlicher werden. Shiryas Sitz wurde nur langsam stabiler und Rayas hing kurz dem Gedanken nach, ob es nicht schneller gehen würde, die Tapirin in den kleinen Pool zu werfen, nahm dann aber doch Abstand davon, stattdessen grinste sie verschwörerisch.

„Wir beide werden einen kleinen Spaziergang machen, ich kenne da einen ganz besonderen jungen Mann, der dich gerne kennenlernen möchte.“

Wahrscheinlich war es ihr Zwinkern, mit dem sie ihre Aussage garniert hatte, aber die Augen der jungen Pflanzenfresserin weiteten sich ein Moment lang und ihre Lippen formten ein „Ooooh …“ bevor sie wieder kicherte.

„Ein Mann? Du meinst … damit er … mit mir …“

Dann formte sie mit ihrer rechten Hand einen Ring und steckte grinsend ihren linken Zeigefinger durch das entstandene Loch, wobei sie wie ein kleines, aufgeregtes Mädchen kicherte. Rayas sah sich das kurze Schauspiel an und konnte sich ihr eigenes Grinsen nicht verkneifen, bevor sie nickte und Shirya damit noch mehr erregte.

„Wo ist er?“

wollte die Tapirin wissen und ahmte dabei einen knurrenden Tiger nach, inklusive der krallenden Pfote und den gefletschten Zähnen, was der Priesterin wiederum ein glucksen und ein breites Grinsen entlockte.

„Er wartet in den Gemächern des Großen Khans auf dich, aber es ist ein Stückchen zu Fuß, deshalb sollten wir nicht länger trödeln.“

erklärte Rayas mit einer gewissen Ernsthaftigkeit und bemerkte, wie sich der Blick ihres Protegées leicht verfinsterte. Für einen Moment hatte sie Angst, dass sie vielleicht zu streng gesprochen haben könnte und sie sie nun erst wieder trösten musste, aber es kam anders.

„Soooo weit?“

nörgelte Shirya and schob ihre Unterlippe trotzig vor. Die Priesterin wollte lachen und sie am Ohr vom Tisch ziehen, wusste aber, dass dies nichts bringen würde und im Zweifelsfall noch ihrem Versprechen, ihre Tribute nicht zu drängen, widersprechen würde. Derweil hob die Jüngere ihre Arme und streckte sie der Tigerin entgegen.

„Trag mich!“

forderte sie mit einem schmollenden Gesichtsausdruck, aber Rayas schüttelte den Kopf, sie würde ihr jetzt nicht nachgeben. Die Bewegung würde helfen, die Drogen aus ihrem System zu schaffen und ihren Kopf wieder ein wenig vom Nebel zu befreien.

„Nein Shirya, Limas Tochter, du wirst selbst laufen, es wird dir gut tun, wird dich wieder wach machen und das hast du gerade jetzt besonders nötig.“

Nun verfinsterte sich der Blick der jungen Tapirin deutlich und sie blickte zu Boden, bevor sie tief durchatmete und dann wieder zu der Tigerin aufsah. Es war, als hätte jemand einen Schalter in ihr umgelegt, ihr Gesichtsausdruck war ernst und ihre Lippen zitterten leicht.

„Du willst doch nur, dass es schnell vorbei ist, damit ihr mich abschlachten und verschlingen könnt. Komm schon, sei wenigstens einmal ehrlich zu mir! So ist es doch, oder?“

Es lag so viel Trotz, Zorn und Abscheu in ihrer Stimme, dass sich Rayas fast erschreckte. Wo war die kleine, ängstliche Tapirin nur hin, die noch vor einem Moment auf dem Tisch gesessen hatte. Der Ausbruch war aber nur von kurzer Dauer, denn noch bevor die Priesterin eine geeignete Antwort formulieren konnte, sank die junge Frau wieder in sich zusammen und begann am ganzen Leib zu zittern.

Mitleid ergriff die Tigerin, die einen gebrochenen Geist von sich auf der Tischkante sitzen sah.

Was hat dich nur dazu getrieben, über den Pfad zu gehen. Eine Frage, die sie sich schon bei vielen Tributen gestellt hatte, aber nie hatte sie eine Antwort auf diese Frage so sehr gewollt wie heute. Vorsichtig nahm sie das Gesicht der jungen Frau in ihre Hände und hob es leicht an. Shirya leistete zwar Widerstand, aber sie hatte keine realistische Chance gegen die sanfte Gewalt, die Rayas ausübte. Sie sah in die großen, geröteten braunen Augen und suchte nach dem Feuer, das sie zuvor darin gesehen hatte und atmete selbst tief durch.

„Es … es tut mir so leid, aber so sind die Regeln, denen wir uns alle unterworfen haben, um den Frieden zwischen unseren Spezies zu wahren. Du selbst hast ihnen zugestimmt, als du den Pfad betreten hast. Dei … dein eigener Clan hat dich verraten, als sie dich anstelle eines alten, kranken Tapirs haben über den Weg gehen lassen.“

erklärte sie, wobei ihr die Worte teilweise im Hals stecken blieben. Sie presste die Lippen zusammen und schloss kurz die Augen, während sie sich selbst dafür tadelte, nicht auf die Hohepriesterin gehört zu haben. Als sie ihre grün-gelben Augen wieder öffnete, sammelten sich Tränen in ihnen.

„… und … und nein, ich will das hier nicht so schnell wie möglich hinter mich bringen, aber wir haben keine Wahl. Unsere Zeit ist begrenzt und den Großen Khan, den lässt man besser nicht warten.“

Rayas suchte nach Verständnis in den Augen der Tapirin vor sich, ab Shirya schloss ihre Augen und legte ihren Kopf schwerer in ihre Hände. Die Priesterin wollte sie schütteln, wollte ihren Frust in die Kammer schreien, aber sie hielt sich zurück, auch wenn es ihr schwer fiel, stattdessen presste sie ihre Lippen zusammen und wartete. Nach einem Moment hob ihr Gegenüber schließlich ihre Händ und legte sie auf ihre, bevor sie ihre Augen wieder öffnete.

Es lag eine Entschlossenheit und ein Feuer in Shiryas Augen, die Rayas dort vorher nicht gesehen hatte, dann zog die Tapirin die Hände der Priesterin langsam von ihrem Gesicht.

„Dann bring mich zu ihm, ich werde ihm zeigen, wozu eine Pflanzenfresserin Fähig ist.“

Rayas hatte mit einem solchen Sinneswandel nicht gerechnet, zumindest nicht so krass. Geschockt und überrascht sah sie Shirya an, die mit sich selbst kämpfte, um ihren Fokus aufrechtzuerhalten, schluckte und atmete tief durch, in der Hoffnung, ihre eigene Fassung wiederzuerlangen. Es gelang ihr zum Teil, aber sie fühlte sich gefasst genug, um ihrer Aufgabe weiter nachzukommen.

Sie nickte der jungen Tapirin zu und wandte sich vom Tisch ab und der Tür zu, die aus der Kammer hinaus und weiter in den Tempel hinein führte.

„Gut Shirya, bleib dicht bei mir, ich werde dich zu ihm bringen.“

Ihre Stimme war noch nicht wieder ganz ruhig, es lag eine gewisse Anspannung, ein Zittern in ihr, das unmerklich unter der Oberfläche lauerte, und zeigte, dass auch die Priesterin mit der Situation nicht mehr ganz zurechtkam. Ihr Schützling antwortete nicht, sondern wartete still, bis sie die Tür geöffnet hatte und die ersten Schritte in den Korridor dahinter gegangen war, bevor sie vom Tisch herunter rutschte und ihr folgte.

Der Gang führte an einem großen Saal vorbei, in dem die bereits vorbereiteten Tribute darauf warteten, dass sie für das Ritual an der Reihe waren. Sie waren alle so high, dass sie wahrscheinlich nicht einmal mehr genau wussten, wo sie waren und warum sie nackt und gefesselt dort saßen. Der nächste Durchgang gewährte Einblick in einen der Räume, die nach der Ritualkammer kamen und wo die Tribute nach dem Ritual „verarbeitet“ wurden. Rayas schenkte keinem der Räume Beachtung, aber für Shirya war das nicht so einfach, sie warf einen kurzen Blick durch die Tür und schnappte nach Luft.

„Schau da nicht hin.“

Die Warnung kam zu spät und der jungen Pflanzenfresserin stockte der Atem, bevor sie sich von dem grausamen Anblick losreißen konnte, die Augen zu kniff und schnell wieder zu Rayas aufschloss.

„Werde … werde ich auch …“

fragte sie leise, aber Rayas antwortete nicht. Dies waren Dinge, die kein Pflanzenfresser, kein Tribut sehen sollte, auch wenn die Priester, die Körper nach der rituellen Opferung für den Verzehr vorbereiteten, mit äußerster Sorgfalt vorgingen. Stattdessen führte sie ihren jungen Schützling weiter in die Tiefen des Tempels.

Nachdem sie die Kasernen passiert hatten, wo die Krieger des Clans auf das Ende der Rituale warteten, wurde es stiller im Tempel. Während der Rituale befanden sich die meisten Tiger in den äußeren Bereichen des Tempels und waren dort mit den verschiedenen Aufgaben beschäftigt, die mit den Opferungen einhergingen. Hier in den inneren Kammern waren nur wenige Tiger zugegen. Auch wurde die Beleuchtung kontinuierlich spärlicher, da man in diesen Bereichen nicht mit Gästen rechnete. Und so wurden die Schatten tiefer und die Ecken dunkler, je tiefer sie in die inneren Heiligtümer eindrangen.

Shirya blieb dicht bei ihrer Führerin, da ihre Nachtsicht nicht ansatzweise so gut war, wie die der Raubkatze vor ihr.

Schließlich blieb Rayas ein paar Schritte vor einer großen Doppeltür stehen, vor der zwei riesige Krieger standen, die im Gegensatz zu all den anderen Tigern bisher, keine zeremoniellen Bänder trugen, sondern eine Art leichte Rüstung und mit Speeren und Keulen bewaffnet waren.

Die Wachen hatten ihre Speere gekreuzt und verweigerten den Beiden den Zugang, während sie sowohl Rayas als auch Shirya mit deutlich mehr als nur beiläufigem Interesse musterten. Rayas trat vor und grüßte die Wachen in dem ihnen eigenen, für Shirya unverständlichen Dialekt.

Rayas sanfte Stimme stand im kompletten Gegensatz zu ihrem rauen, knurrenden Gegenstück, aber nach einem kurzen Wortwechsel verbeugte sich die Wache tief vor der Priesterin und gaben den Weg durch die schwere Tür frei.

Wenn Shirya gedacht hatte, dass der Tempel vor der Tür dunkel gewesen war, so war die Finsternis, die hinter der Schwelle dieses Portals auf sie wartete undurchdringlich. Rayas nickte den Wachen dankend zu und betrat ohne zu zögern die stille Dunkelheit jenseits der Tür, wobei es war fast so war, als verschluckte die tintengleiche Schwärze die Tigerin vollständig. Shirya schüttelte den Kopf, all ihre Instinkte schrien sie an, der anderen nicht zu folgen. Die Dunkelheit war der Feind. In der Dunkelheit warteten die Jäger auf ihre Beute, auf sie. Es war eine uralte, irrationale Angst, die aber so tief in ihre verwurzelt war, dass es ihr unmöglich schien, sie abzuschütteln.

„Ihr solltet ihr folgen …“

knurrte eine der Wachen, und obwohl es sich im ersten Moment brutal anhörte, so lang im Blick des riesigen Tigers ein Verständnis, das sie dort nicht erwartet hätte.

„… dort drinnen kann Euch nichts geschehen, wir werden aufpassen.“

fügte er hinzu und untermalte seine Aussage mit einer einladenden Geste. Shirya blinzelte und sah auf das große dunkle Portal und wieder zurück zur Wache, die sie entspannt anlächelte, trotzdem kostete es sie noch einige Überwindung, bis sie sich endlich einen Ruck gab und der Priesterin folgte. Ängstlich drückte sie sich zwischen den Wachen hindurch und über die Schwelle in die Dunkelheit jenseits der Türen.

Als die Finsternis sie empfing, war es so, als ob nicht nur das Licht sich weigerte, die Schwelle zu den Gemächern des Khans zu überschreiten, sondern auch alle Geräusche, die noch vor den Türen zu hören gewesen waren. Alles, was sie jetzt noch hörte, war ihr eigener Herzschlag und das Rauschen ihres Blutes in ihren Ohren. Angst stieg in ihr auf, eine primitive, wilde Angst, die mit nichts zu vergleichen war, was sie jemals zuvor gespürt hatte.

Sie wusste, dass ihr eigentlich nichts passieren konnte, und dass Rayas auf sie aufpassen würde, das war ein Teil ihrer Aufgabe, so viel wusste die junge Tapirin, und trotzdem bekam sie weiche Knie.

„Rayas … ? Wo … wo bist du?“

flüsterte sie, unsicher, ob sie es überhaupt über die Lippen gebracht hatte, so laut hörte sich ihr Herzschlag in ihren Ohren an und wie aus dem Nichts legte sich die große, schwere Hand der Priesterin sanft auf ihre Schulter. Shirya brach fast zusammen.

„Ssschh … Ich bin hier, hab keine Angst. Die Gemächer des Großen Khans liegen immer im Dunkeln. Wir befinden uns in den innersten Kammern des Tempels, hier gibt es kein natürliches Licht, aber wenn sich deine Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, wirst auch du hier unten sehen können.“

Rayas Stimme war sanft und voller Ehrfurcht, das Betreten der Gemächer des Großen Khans war normalerweise der Hohepriesterin, seinen Konkubinen und einigen wenigen anderen, direkten Untergebenen des Großen Khans vorbehalten. Für sie selbst war es das erste Mal, dass sie diese Gemächer betrat und es erfüllte sie mit einer gewissen Demut.

„Bleib dicht bei mir, ich werde dich führen.“

fügte sie hinzu und ergriff die Hand ihrer Protegée. Es war gut, dass Shirya nichts sehen konnte, die Wände dieses ersten Raumes waren mit den Häuten und Fellen der besiegten Stämme behangen. Der Große Khan und seine Vorgänger hatten es zu einer Art Tradition gemacht, dass sie die Felle ihrer erlegten Gegner abziehen, gerben und dann in diesem Raum aufhängen ließen. Es waren makabre Trophäen, die an eine Zeit erinnerten, in der noch kein Friede im Dschungel herrschte. Sie wollte nicht zu lange in dieser Kammer bleiben, bevor sich die Augen ihres Schützlings an die Dunkelheit gewöhnt hatten und sie den verstörenden Anblick ertragen musste.

Die Priesterin brachte die junge Pflanzenfresserin schnell durch den Raum und weiter in einen Korridor, der sie am Harem des Khans vorbeiführte.

Traditionell unterhielt der Große Khan einen kleinen, aber elitären Harem, in dem ausgewählte Tigerinnen als Konkubinen für den Anführer der Tiger fungierten. In früheren Zeiten, als die Tiger noch deutlich zahlreicher gewesen waren, hatte der Harem deutlich mehr Platz eingenommen, aber seit sie sich im Sinne der Gemeinschaft auf eine streng limitierte Anzahl beschränkten, war auch der Harem des Khans geschrumpft. Heutzutage umfasste er in aller Regel fünf bis sechs Raubkatzen und eine dieser Auserwählten zu sein, bedeutete eine große Ehre für die Familie der Tigerin.

An den meisten Tagen, so auch heute, herrschte in den Gemächern der Konkubinen eine ausgelassene Stimmung und man konnte sie bereits im Gang hören, wie sie angeregt miteinander sprachen.

„Wer spricht da?“

fragte ihr Schützling flüsternd.

„Das sind die Konkubinen des Großen Khans. Sie leben zusammen in diesen Gemächern.“

erklärte Rayas leise über ihre Schulter hinweg, während sie den Gang hinuntergingen. Weiter vorne konnten die Beiden den schwachen Lichtschein von Lampen unter einer der Türen durchscheinen sehen. Die junge Tapirin fühlte sich wie eine Motte von dem Licht angezogen, während die Priesterin versuchte möglichst schnell an der Tür vorbeizukommen. Nicht, dass die Geliebten ihres weltlichen Anführers nicht nett waren, ganz im Gegenteil, aber in der Tat wollte sie ihren Tribut möglichst bald bei besagtem Anführer abliefern.

Das Schicksal wollte es anders, denn gerade als sie auf der Höhe der Tür waren, wurde diese geöffnet und eine der Konkubinen füllte ihren Rahmen. Sie war deutlich größer als Rayas, muskulöser und älter, die Narben, die man durch ihr dichtes, kurzes Fell sehen konnte, erzählten von den Schlachten, die sie geschlagen hatte, auf dem Schlachtfeld und in den Gemächern ihres Herren. Sie sah die Beiden mit einem wohlwollenden, aber auch leicht abschätzigen Lächeln an. Rayas blieb sofort stehen und verbeugte sich tief, theoretisch waren sie gleichgestellt, was den Rang in der Gesellschaft betraf, aber eine der Konkubinen des Khans verärgerte man nicht, nicht wenn man nicht in die Trainingsgruben gezerrt werden wollte.

„Ist sie das?“

fragte die größere Tigerin mit einem anerkennenden Nicken, ihre Stimme eine Mischung aus Schnurren und Flüstern, woraufhin die Priesterin leicht nickte.

„Ja, wir sind gerade auf dem Weg zu ihm.“

bestätigte Rayas leise, wobei sie sich zwischen die Konkubine und Shiryas positionierte, was nur zur Folge hatte, dass das Lächeln auf den Lippen der Geliebten breiter wurde, dann drängte sie die Priesterin mit einer eleganten, mühelos wirkenden Geste zur Seite und stand direkt vor Shirya. Die junge Tapirin sah ehrfürchtig zu ihr auf und war sich nicht sicher, ob fliehen überhaupt eine Option war.

„Lass dich einmal ansehen, Kind.“

schnurrte die Tigerin, wobei ihre Worte, wenngleich ohne Aggression ausgesprochen, nicht denselben warmen, fürsorglichen Klang hatten wie die der Hohepriesterin oder Rayas, ihre waren die eines Jägers, gerichtet an seine nächste Mahlzeit. Ein unangenehmer Schauer lief der Pflanzenfresserin über den Rücken, als die Raubkatze sie musterte, und zum ersten Mal, seit sie den Tempel betreten hatte, spürte sie wirklich die Bedrohung, die von den Tigern ausging. Bevor die Tapirin völlig in Panik verfallen konnte, nickte die große Tigerin und beugte sich zu ihr herunter, nahm ihre Hände in ihre riesigen Pranken und deutete an, sie zu küssen.

„Hab Dank für das nobles Opfer, das du für die Gemeinschaft zu bringen bereit bist. Respekt und Ehre gebühren dir.“

Ihre Worte klangen ehrlich, und als sie sich wieder aufrichtete, war etwas anderes in ihrem Blick, das Shirya nicht ganz deuten konnte, war es Respekt, Verlangen, vielleicht aber auch nur Hunger? Sie blieb stumm, es war einfach zu bizarr und zu viel, als dass sie es alles verarbeiten konnte. Sie nickte nur knapp und die Konkubine wandte sie wieder an Rayas.

„Gut, geht jetzt, er wartet nicht gerne. Ihr habt Glück, er ist heute gut gelaunt. Marfille und Ébano haben sich aufopferungsvoll um ihn gekümmert, er schnurrt wie ein Kätzchen.“

Woraufhin Rayas sanft nickte und Shirays Hand nahm.

„Danke, komm Shirya, wir sollten dich zum Großen Khan bringen.“

Die Angesprochene blieb passiv, ließ sich aber von der Priesterin mitziehen, während die Konkubine ihnen nachsah und sich dann langsam in den Harem zurückzog. Als sich die Tür hinter der Tigerin wieder schloss, wurde es wieder still und dunkel im Gang.

„Wir sind gleich da, du brauchst keine Angst zu haben.“

Es war mittlerweile eine Art Automatismus für Rayas geworden, die ihren Schützling den kurzen Korridor entlang hinter sich herzog. Shirya brummte nur eine vage Zustimmung und lief weiter hinter ihr her, bis sie kurze Zeit später vor einer großen, reich verzierten Tür standen. Rayas atmete tief durch und wandte sich zu der jungen Pflanzenfresserin um, selbst im Dunkel des Korridors konnte sie die Sorge auf ihrem Gesicht sehen. Vorsichtig streichelte sie die Wange der jügeren und versuchte ruhig und empathisch zu klingen.

„Hinter dieser Tür liegt das Gemach des Großen Khans, ist dir klar, was da drinnen passieren wird?“

Es war nicht viel mehr als ein leises Flüstern, aber Rayas schaffte es irgendwie, eine gewisse Dringlichkeit in ihre Worte zu legen. Shirya wich ihrem Blick nicht aus, sondern legte ihre Ohren an und schob ihr Kinn leicht vor.

„Ja, der Große Khan wird sich an mich vergewaltigen, damit ich alle Spielarten das Lebens erfahren kann, bevor … bevor ich sterben werde.“

Shiryas Stimme klang zuerst trotzig, aber dann klang sie seltsam distanziert, so als ob sie akzeptiert hätte, dass dies unvermeidbar war, aber die Priesterin vor ihr schüttelte ihre Kopf und streichelte nochmals über ihre Wange, spürte das leichte Zittern unter ihren Fingern und versuchte zu lächeln.

„Nein Shirya, der Große Khan wird dich nicht vergewaltigen. Er ist ein liebevoller, fürsorglicher Herrscher, er achtet darauf, die Traditionen und Regeln der Gemeinschaft zu respektieren. Er wird den Akt mit dir vollziehen, daran besteht kein Zweifel, aber es wird keine Gewalt im Spiel sein. Ich verspreche dir, dass er zärtlich sein wird.“

Die Priesterin sprach weiterhin leise und als ihr jüngeres Gegenüber nicht überzeugt zu sein schien, legte sie ihren Kopf leicht schief, strich eine Haarsträhne aus dem Gesicht der Tapirin und setzte noch einmal an:

„Hör mal, du solltest stolz auf dich sein, es gibt nicht viele Pflanzenfresser, die von sich behaupten können, jemals mit einem Tiger Geschlechtsverkehr gehabt zu haben, ganz zu schweigen vom Großen Khan höchstpersönlich.“

Noch immer wirkte sie nicht ganz überzeugt, also beugte sich Rayas zu ihr herunter und flüsterte ihr ins Ohr:

„Außerdem ist der kleine Khan auch ziemlich groß.“

Nun weiteten sich ihre Augen, und als die Priesterin mit ihren Händen breit grinsend eine gewisse Größe suggerierte, konnte selbst Shirya sich das Lächeln und ein kurzes Glucksen nicht verkneifen. Zufrieden mit ihrem Ergebnis zog sie die Jüngere in eine herzliche, enge Umarmung und drückte ihr ihre Lippen auf den Kopf.

„So ist es besser …“

murmelte sie und drückte die Tapirin nochmal an ihre Brust.

„… und jetzt geh da rein und zeig dem Großen Khan, was es heißt, ein Nachkomme Limas zu sein.“

Als Rayas sie aus ihrer Umarmung entließ, sah Shirya sie fragend an.

„Warte … du … du kommst nicht mit?“

fragte sie unsicher, aber die Priesterin schüttelte nur langsam den Kopf.

„Nein, mir ist es nicht gestattet, die Gemächer des Großen Khans zu betreten, aber ich werde hier auf dich warten, versprochen.“

erklärte die Priesterin ruhig und drehte sich zur Tür, aber noch bevor sie den Türgriff greifen konnte, hielt Shirya sie zurück.

„… warte … bitte …“

Sie war sich nicht ganz sicher, worauf die Tigerin warten sollte, es war nicht so, als ob es etwas ändern würde, das unvermeidliche noch einen Moment hinauszuzögern, aber gerade jetzt fuhren ihre Gefühle mit ihr Achterbahn und sie wusste nicht wie sie auch nur den Hauch von Ordnung in ihre Gedanken bringen sollte.

Sie wollte nicht alleine in die Gemächer des Khans, sie hatte Angst vor dem, was dort passieren würde. Nein … sie hatte keine Angast vor dem Sex als solches, sie hatte Angst vor dem Großen Khan, auch wenn sie ihn noch nie zuvor getroffen hatte, machte ihr der Gedanke allein mit dem mächtigsten aller Tiger zu sein große Angst. Gleichzeitig jedoch wollte sie nicht, dass Rayas ihnen zusah, das, was er mit ihr in diesem Raum tun würde, war das intimste, was sie je in ihrem Leben tun würde und sie wollte nicht, dass sie irgendjemand dabei beobachtete. Dann wiederum lief sie seit gefühlten Stunden nackt in einem Tempel voller blutrünstiger Tiger herum und alle hatten sie nackt gesehen und Rayas hatte sie … berührt, ja berührt war ein gutes Wort.

Warum war ihr das nur so peinlich, es spielte keine Rolle mehr, noch ehe die Sonne über den Horizont steigen würde, würde sie tot sein, umgebracht von den Untertanen dessen, der ihr gleich ihre Jungfräulichkeit rauben würde.

Sie begann zu zittern, überwältigt von ihren Gefühlen und unfähig ihre Gedanken in geordnete Bahnen zu lenken.

„Ssschh … beruhige dich Shirya … es ist gut. Du schaffst das, ich habe großes Vertrauen in dich.“

Versuchte die Priesterin sie zu trösten und umarmte sie noch einmal.

„Dort drin gibt es nichts, wovor du dich zu fürchten brauchst.“

Es dauerte noch einen Moment länger, bis die Jüngere sich langsam aus der Umarmung befreite und noch einmal tief durchatmete, aber dann drehte sie sich zur Tür und nickte. Rayas zog die Tür auf und ließ ihren Schützling passieren, die zögerlich die Schwelle in die Höhle des Tigers überschritt.

Sie hatte den Raum noch nicht ganz betreten, da schloss die Priesterin hinter ihr die Tür und sperrte sie mit dem Anführer der Tiger ein.

Nun war sie allein mit sich und dem mächtigsten Raubtier, das sich im Dschungel herumtrieb und augenblicklich machte sich ein mulmiges Gefühl in ihrer Magengegend breit, aber es gab nichts, was sie jetzt dagegen tun konnte. Ängstlich sah sie sich um, die Kammer war erstaunlich groß, oder zumindest wirkte sie groß, denn sie konnte in der vorherrschenden Dunkelheit die Entfernungen zu den Wänden nicht ganz abschätzen. Zumindest war es heller als im Korridor vor dem Gemach, denn jemand hatte eine kleine Öllampe in einer der Ecken angezündet und selbst das wenige Licht suggerierte ein gewisses Maß an Sicherheit für die junge Pflanzenfresserin. Zu ihrer Linken reihten sich einige niedrige Kommoden an der Wand entlang, bis sie in den tiefen Schatten verschwanden und zu ihrer Rechten konnte sie eine große Schlafstatt erkennen, die mit reichlich Fellen und Kissen gepolstert zu sein schien und vor der sie ausging, dass sie dort die meiste Zeit ihres Aufenthalts verbringen würde.

„Es ist mir eine außerordentliche Freude dich kennen zu lernen, Shirya, Limas Tochter.“

Sie fuhr zusammen und sah nach vorne, in die dunkelsten Schatten des Raumes, von wo die Stimme gekommen war. Nur gerade eben konnte sie das Funkeln seiner Pupillen in der Dunkelheit sehen. Ihr stockte der Atem, sie hatte ihn überhaupt nicht wahrgenommen. Natürlich hatte es im Gemach des Khans nach Tiger gerochen, allerdings tat es das überall im Tempel, aber sie hatte ihn weder gesehen noch gehört, wie er dort in der Dunkelheit auf sie gewartet hatte.

„… Sire … ich …“

stotterte sie und blieb wie angewurzelt stehen. In der Dunkelheit vor ihr blitzten kurz die Zähne des Tigers auf.

„Beruhige dich, kleine Shirya. Warum kommst du nicht ein wenig näher?“

Seine Stimme war tief, maskulin und hatte trotz dessen, dass er ganz leise sprach, ein Volumen, das ihr durch Mark und Bein fuhr, und dennoch war sie so ganz anders als das, was sie sich vorgestellt hatte, für den Despoten, der mit eiserner Kralle den Dschungel beherrschte. Sie zögerte, hatte Angst vor dem Ungewissen, das dort in den Schatten lauerte, schließlich fasste sie sich aber ein Herz, denn sie wusste, dass es aus dieser Situation keinen anderen Ausweg gab. Vorsichtig setzte sie einen Fuß vor den anderen und drang weiter in den Raum vor.

Mit jedem Schritt drängte sie die Schatten ein wenig weiter zurück, bis sich schließlich ein steinerner Thron in den Schatten abzeichnete und mit ihm der Tiger, der auf ihm saß, wobei Sitzen nicht ganz der richtige Ausdruck war. Der Große Khan fläzte auf seinem Thron, hatte sein linkes Bein über die Armlehne gelegt, seinen rechten Ellbogen auf die andere Armlehne gestützt und auf dessen Hand ruhte sein Kopf. Seine Pupillen waren geweitet und schienen in der Dunkelheit, die ihn umgab, zu leuchten.

Und er war nackt, vollkommen nackt, nicht einmal ein paar dieser zeremoniellen Bänder, die fast alle Tiger getragen hatten, die sie am heutigen Tag gesehen hatte. Er war groß, wirklich groß, ein stattlicher Krieger, muskulös, auf dem Höhepunkt seiner körperlichen Entwicklung und während sie ihn unverhohlen anstarrte, wanderte ihr Blick zu seiner Körpermitte, wo sie seinen kleinen Khan sah. Allerdings traf der Begriff „klein” hier ganz und gar nicht zutraf. Auch wenn sie selbst noch keine Erfahrungen gesammelt hatte, so hatte sie durchaus schon einige Exemplare gesehen, aber keiner war auch nur annähernd von diesem Kaliber. Shirya musste sich jedoch eingestehen, dass die meisten Männer, die sie bisher nackt gesehen hatte, auch in jeder anderen Hinsicht deutlich kleiner gewesen waren und weniger … attraktiv.

Sie errötete bei dem Gedanken.

„Gefällt dir, was du siehst?“

fragte er mit einem breiten, wissenden Lächeln auf seinen Lippen. Er klang amüsiert, aber nicht in einer negativen Art und Weise, es war eher so, als hätte er ein junges Mädchen dabei ertappt, wie sie versuchte, sich ins Jungen-Badehaus zu schleichen. Sie spürte, wie ihre Wangen zu glühen begannen und sie konnte nicht anders als zu nicken.

Und dann spürte sie, wie sein Blick auf ihr ruhte. Es war wie ein Feuer, das auf ihrer Haut brannte, während er sie mit seinen Blicken verschlang. Es war etwas völlig anderes als zuvor. Dies war nicht die Fleischbeschau, die feststellen sollte, wie viele Mäuler sie mit ihrem Körper stopfen konnten, dies war das pure Verlangen, die Lust des Fleisches. Er würde sie verschlingen, aber auf eine ganz andere Weise, und sie war versucht, es ihm zu erlauben.

„Herr … Großer Khan … Ich …“

stotterte sie, während ihr Geist versuchte, ihre Augen von ihm loszureißen, aber wie ein Kaninchen im Angesicht der Schlange, war sie wie gelähmt. Der Große Khan setzte sich langsam auf.

„Ssschh, ssschh … entspanne dich … für den Moment sind wir nur zwei Tiere, die versuchen, zueinander zu finden und sich zu vereinen. Wir sind weder Jäger und Beute, noch sind wir Herrscher und Untertan …“

begann er ruhig und sah ihr tief in die Augen.

„… es sei denn …“

fügte er hinzu und hob die Augenbrauen, während er seine Hände in einer einladenden Geste öffnete.

„… es sei denn, du willst es so …“

Woraufhin Shirya entschieden den Kopf schüttelte, es würde ihr erstes Mal sein, er würde ihr erstes Mal sein, es war schon so wie es war eine kaum zu überwindende Herausforderung, da wollte sie keinen blutrünstigen Tyrannen. Der Khan nickte sanft und machte eine lockende Geste.

„Gut, dann komm näher, zeig mir deinen Körper.“

Shirya zögerte, ihre Instinkte sandten ihr widersprüchliche Signale, einerseits wollte ihr Körper zu ihm, ein innerer Trieb - den sie nicht erklären konnte - fühlte sich zu ihm hingezogen, aber gleichzeitig schrie ihr Überlebensinstinkt sie solle fliehen solange sie es noch konnte. Mehrmals setzte sie einen Fuß nach vorne, war dann aber nicht in der Lage, den Schritt zu machen, den sie bereits begonnen hatte. Ihr gegenüber saß der Große Khan in sich selbst ruhend, lächelnd, wartend. Er war geduldig, es gab keinen Grund sie jetzt zu drängen oder zu hetzen, aber dennoch hob er schließlich seine Hand und streckte sie ihr entgegen.

„Du brauchst keine Angst zu haben, ich werde dir nicht wehtun.“

Es klang so unglaublich ehrlich, und sie konnte keine böse Absicht in ihm erkennen, vielleicht hatte Rayas ja wirklich recht und er würde sie nicht einfach vergewaltigen. Sie betrachtete ihn noch einen Moment und stellte fest, dass auch ihm gefiel, was er sah, also fasste sie sich ein Herz und schluckte ihre Angst herunter, nahm allen ihren Mut zusammen und tat den ersten Schritt. Ihre Bewegungen waren steif, ungelenk und zögerlich, aber der Große Khan nickte ihr aufmunternd zu, was ihr Selbstbewusstsein bestärkte. Beim nächsten kleinen Schritt wirkte sie bereits ein wenig freier und als sein Lächeln breiter wurde und er sich über seine Lippen leckte, entfachte das ein kleines Feuer in ihr. Sie versuchte, sich femininer zu bewegen, kreuzte beim nächsten Schritt ihre Beine und ließ ihre schmalen Hüften zur Seite wiegen, was den Khan dazu veranlasste, sich leicht nach vorne zu beugen und genauer hinzusehen. Angespornt durch die letzten Reaktionen des großen Tigers, fand Shirya ihr Lächeln wieder. Sie tat einen weiteren Schritt und richtete sich zu ihrer vollen Größe auf, zog die Schultern nach hinten und präsentierte ihre kleinen, aber wohlgeformten Brüste, ihr entging dabei nicht das Funkeln in den Augen des Khans und als sie sah, wie er seine Hand auf sein Glied legte und begann es zu streicheln. Ihr gefiel der Gedanke, dass sie zumindest ein gewisses Modikum an Kontrolle über ihn hatte.

„Ohooo, wie ich sehe, weißt du also doch, wie man einen Mann verführt.“

schnurrte er, als sie fast bei ihm war. Nun, da sie so nah bei ihm war, konnte sie seinen Hunger spüren, seine Lust sehen und seinen ganz eigenen Geruch riechen. Er roch würzig, männlich mit einem Hauch von Moschus, sehr zu ihrem Erstaunen empfand sie seinen Duft als angenehm und je länger sie dem ausgesetzt war, desto mehr passierten in ihr Dinge, die sie nicht erklären konnte. Es jagte eiskalte Schauer über ihren Rücken, ihn zu riechen und seine Blicke auf sich zu spüren.

Sie blieb vor ihm stehen, ihre Beine leicht gespreizt, ihr Becken zur Seite geschoben und einen Arm vor dem Körper verschränkt, was ihre Brüste ein wenig anhob und sie größer erscheinen ließ, als sie es eigentlich waren. Beide betrachteten sich gegenseitig, atmeten den Duft des jeweils anderen und warteten auf ihren letzten Schritt.

Shirya konnte nicht anders als den mächtigen Tiger ihrerseits mit Blicken zu verschlingen. Alles an ihm schrie förmlich: Ich habe die Macht, ich bin dir überlegen, ich könnte mit dir machen, was ich will und du könntest nichts dagegen tun! und dennoch rührte er sich nicht, das brauchte er auch gar nicht. Shirya erschauderte bei dem Gedanken ihm völlig ausgeliefert zu sein, keine Chance auf Flucht, keine Chance auf Sieg, sie konnte sich ihm vollkommen hingeben. Er würde sie verschlingen, mit Haut und Haar und allem anderen, aber im Moment, wenn nur um die Erfüllung ihrer fleischlichen Gelüste ging, war ihr das auf einmal seltsam egal. Es war ein erstaunlich positives Gefühl. Sie sah ihm in die Augen und verlor sich fast in ihnen.

Zitternd hob sie ihre Hand und legte sie in seine ausgestreckte Pranke. Sie wirkte so klein und zierlich im Vergleich zu seiner und als er sie schloss, verschwand sie praktisch in seiner Umklammerung. Unglaublich sanft zog er sie zu sich heran, bis sie praktisch direkt vor ihm stand und seinen heißen Atem auf ihren Brüsten spürte. Er nahm einen tiefen Atemzug, schloss seine Augen und lächelte, als sie leise kicherte, dann ließ er seine Hände zärtlich über ihre Flanken streicheln und betonte dabei sanft ihre Rundungen.

„Hmmm ja, du bist wirklich perfekt.“

schnurrte er und erhob sich langsam, aber elegant von seinem Thron und richtete sich vor ihr auf. Er überragte sie um fast die Hälfte ihrer eigenen Größe und als sie so vor ihm Stand, ging sie ihm gerade so bis zur Brust. Ehrfürchtig sah sie zu ihm auf und wollte sich an seiner Brust abstützen, zögerte aber. Es kostete sie einiges an Überwindung, sich wirklich an ihn anzulehnen, aber als sie sich schließlich traute, war es ein unglaublich erhebendes Gefühl. Sein Fell war weich, nicht so borstig wie ihr eigenes und er war so unglaublich warm und mit jedem seiner tiefen Atemzüge spürte sie das Spiel seiner starken Muskeln unter seiner Brust.

Sie war gerade dabei, sich ganz an ihn anzuschmiegen, als sie spürte, wie etwas gegen ihren Bauch drückte. Sie hatte eine gewisse Ahnung, was sie dort finden würde, aber als sie wirklich ihren Blick über seinen Bauch nach unten gleiten ließ, übertraf das, was sie dort sah, ihre Vorstellung bei weitem. Der kleine Khan stand stolz auf der Höhe ihres Bauchnabels und verlangte nach ihrer Aufmerksamkeit.

„Oooooh …“

entfuhr es ihr, noch bevor sie etwas dagegen tun konnte, was den großen Tiger grinsen ließ. Er kannte diese Reaktion der meisten Frauen, wenn sie seinen kleinen Khan zum ersten mal aus der Nähe sahen. Seine Hand fand ihre Wange und streichelte sie sanft.

„Nur zu … er beißt nicht …“

flüsterte er scherzhaft, wobei in seiner Stimme mehr als nur eine Aufforderung lag. Shirya schluckte, kam dann aber mit zitternden Händen seiner Einladung nach und schloss ihre Hände um das Glied des Khans. Es war warm, hart und doch gab es ein wenig nach und sie spürte, wie er in ihren Händen pulsierte. Es war so bizarr, nicht was sie je vorher gesehen oder gespürt hatte, kam dem gleich. Sie hielt ihn fest und konnte sich ein mädchenhaftes Kichern nicht vergleichen. Währenddessen strich er seine Pranke über ihre Wange nach unten unter ihr Kinn und mit einer Sanftheit, die sie ihm nie zugetraut hätte, hob er es leicht an, sodass er ihr in die Augen sehen konnte.

In seinen grün-gelben Augen lagen Verlangen, Ungeduld und Gier, aber auch Verständnis, Mitgefühl und Lust, und noch während sie sich in seinen Augen verlor, beugte er sich hinunter und küsste sie. Shirya war völlig überrumpelt, aber sie wehrte sich nicht gegen ihn, sondern - im Gegenteil - erwiderte den Kuss.

Es war ihr erster wirklicher Kuss, zumindest der erste, der wirklich eine Bedeutung hatte. Für Shirya war es eine seltsame Erfahrung, seine raue Zunge, die Einlass in ihren Mund forderte, ihre fehlende Erfahrung in solchen Dingen und nicht zuletzt der seltsame Winkel, in dem sie beide zueinander standen, machte ihren ersten Kuss … fast unangenehm. Noch während beide mit diesem ersten intimen, körperlichen Kontakt kämpften, ließ der Khan seine Hände über ihren Nacken und Rücken hinunter gleiten, bis sie ihren Po erreichten, wo er ihre süßen, kleinen Bäckchen umfasste. Als seine spitzen Krallen sich in ihre weiche Haut gruben, quietschte sie erschrocken auf, wobei das Geräusch durch seine Lippen gedämpft wurde.

Sie wusste nicht, wie ihr geschah, als er sie anschließend einfach so hochhob, bis sie mit ihm auf Augenhöhe war. Für einen Moment versteifte sie sich und riss ihre Augen auf, dann aber schlang sie ihre Beine um seinen Brustkorb und ihre Arme um seinen Hals. Erst jetzt unterbrach sie den Kuss, zog ihren Kopf ein wenig zurück und atmete schwer. Nun war es ihr Blick, der die Gier nach mehr in sich trug, und noch bevor er etwas sagen konnte, küsste sie ihn erneut innig. Hungrig erwiderte der Große Khan ihren Kuss, vertiefte ihn und wo gerade noch Zurückhaltung geherrscht hatte, übernahm nun Gier und Lust die Führung.

Bereitwillig öffnete Shirya ihren Mund für ihn und empfing seine raue Zunge, schlang ihren eigenen, langen Muskel um sie und verlangte nach mehr. Und mehr sollte sie bekommen, als der Tiger begann, ihren Po zu kneten und sie mit jedem beherzten Griff in ihre Muskulatur zusammen zuckte. Die junge Tapirin krallte sich an seine Schultern, und wann immer sie die Möglichkeit dazu bekam, stöhnte sie kurz auf.

Und tatsächlich, für einen Moment waren ihre Sorgen um das, was kommen mochte, vergessen; alles was es für sie noch gab, waren der starke Tiger, der sie hielt, seine breiten Schultern, an denen sie sich hielt und seine Zunge, die ihr fast den Atem nahm. Sie bemerkte nicht, wie er langsam zu seinem Bett hinüberging und dort stehen blieb. Er nahm eine seiner Hände von ihrem Hintern und ließ seine Krallen sachte über ihren Rücken nach oben fahren. Shirya erschauderte und sie sog scharf ihren Atem ein, bevor er es war, der den Kuss beendete und seinen Kopf langsam ein wenig zurückzog. Ihre Verbindung bestand noch einen kurzen Moment länger, bevor die dünnen Speichelfäden zwischen ihnen rissen. Schwer atmend sah sie ihn an und Unsicherheit schlich sich in ihren Blick, als ihre Angst sich einen Weg zurück in ihren Geist bahnte.

„I … Ich habe Angst.“

Es war nicht viel mehr als ein Hauch, aber er trug alle ihre Angst und Unsicherheit mit sich, während sie in seine ruhigen Augen blickte. In diesem Moment wirkte sie unendlich verletzlich und es erregte ihn mindestens genauso viel, als uralte Instinkte, die selbst nach zweihundert Jahren nie wirklich verloren gegangen waren, drohten, von ihm Besitz zu ergreifen, aber er behielt die Kontrolle und lächelte stattdessen sanft. Vorsichtig kniete er sich nieder und setzte sie auf seiner Lagerstatt ab, zog seine Pranke unter ihrem Hintern hervor und streichelte zärtlich über ihre Wange.

„Ich weiß.“

flüsterte er und nahm seine zweite Hand hinzu, umrahmte ihr Gesicht, streichelte ihre Wangen und legte seine Stirn an ihre.

„Du brauchst dich nicht zu fürchten, nicht hier, nicht jetzt und nicht vor mir.“

murmelte er, während er seine Stirn an ihrer rieb.

„Ich werde nichts tun, was du nicht willst.“

Er spürte ihr zögerliches Nicken und sein Lächeln wurde ein wenig breiter, bevor er vorsichtig seinen Kopf zurückzog und sie ansah. Sie wirkte ein wenig gefasster und es lag der Hauch eines Lächelns auf ihren Lippen.

„Tapferes Mädchen.“

fügte er hinzu, fuhr mit seinen Daumen über ihre Lippen und ließ dann seine Hände ihren Nacken hinuntergleiten, über ihre Schultern und hin zu ihren Brüsten, und obwohl sie nicht gerade klein waren, bedeckten seine riesigen Pranken sie vollkommen. Zärtlich streichelte er über ihren weichen, wohlgeformten Busen und hob sie schließlich ganz leicht an, was Shirya schamhaft erröten ließ. Als er das sah, zog er die Augenbrauen leicht hoch und begann sie leicht zu massieren. Jedes Mal, wenn er an einem ihrer Nippel zog oder ihre Brüste ein wenig fester knetete, stieß sie einen kleinen Seufzer aus und ihre Hände gruben sich tiefer in die Felle.

Es dauerte nicht lange, da waren ihre Brustwarzen steinhart und tiefrot geschwollen und jede weitere Berührung sandte kleine elektrische Schocks durch ihren Körper, sie jeweils mit einem kleinen, peinlichen Stöhnen kommentiert wurden. Angespornt von ihren Reaktionen, lehnte sich der Große Khan vor und küsste sie erneut, während seine Hände ihre Arbeit fleißig fortsetzten. Augenblicklich knebelten seine Lippen ihr Stöhnen und Seufzen, soweit war die Tapirin einverstanden, aber als er sie nach hinten drückte, versteifte sie sich für einen Moment. Es fehlten ihr allerdings die Kraft und auch die Masse, um einen großen Tiger wie ihn daran zu hindern, sie rückwärts auf sein Bett zu drücken.

Also fiel sie rückwärts und blieb dort liegen, während der Große Khan wie das Raubtier, das er war, über ihr kauerte. Seine Beute zitterte leicht und ihr Atem ging in schnellen, flachen Zügen und ihre Wangen glühten regelrecht. Er ließ es für einen Moment auf sich wirken, wobei sein Lächeln breiter wurde und schließlich seine Zähne zeigte, bevor er sich langsam und mit einem leisen Knurren zu ihr herunterbeugte. Als er schließlich sein Maul öffnete, erschrak Shirya kurz, aber anstatt in ihren Hals zu beißen, knabberte er nur verspielt an ihrem Schlüsselbein, während seine Hände von ihren Brüsten abfließen und über ihre Flanken nach unten wanderten. Die völlig überforderte, junge Pflanzenfresserin hatte sich noch nicht ganz von ihrem Schock erholt, als sie spürte, wie seine raue Zunge über ihren Busen leckte und seine Lippen sich um ihre Brustwarze schlossen.

„Haaahn …“

entfuhr es ihr, dann sie warf ihren Kopf nach hinten und biss sich auf die Lippe, während er an ihren Brüsten saugte, sie leckte und an ihren Nippeln knabberte.

Es bestand kein Zweifel daran, dass er sich die Zeit nahm, um sich an den niedlichen, kleinen Geräuschen zu erfreuen, die sie immer wieder von sich gab, aber dann ließ er von ihnen ab und bahnte sich seinen Weg langsam weiter nach unten. Erst über ihren Bauch zu ihrem Bauchnabel, was sie kichern ließ und dafür sorgte, dass sie ihren Kopf hob, um zu sehen, was er da trieb. Ihre Augen weiteten sich, als sie sah, wie er sich mit jedem kleinen Kuss ihrem Intimbereich weiter näherte; wobei sie jede dieser kurzen und sinnlichen Berührungen mit einem kleinen Seufzen quittierte.

Auch wenn Rayas es ihr mehrfach versichert hatte, so hatte sie nicht damit gerechnet, dass der Anführer ihres Clans so zärtlich und so zurückhaltend sein konnte, sie hatte selbst jetzt noch damit gerechnet, dass er sie einfach nehmen und danach seinen Untergebenen zum Fraß vorwerfen würde. Das, was hier gerade passierte, hätte sie sich in ihren wildesten Träumen nicht vorgestellt, und je länger es andauerte, desto weniger wollte sie, dass es jemals aufhörte.

Sein vorerst letzter Kuss landete auf dem Gipfel ihres kleinen Venushügels, wo der Große Khan kurz verharrte und ihren Geruch in sich aufnahm, während seine Hände ihre Hüften an Ort und Stelle hielten. Sie spürte seinen heißen Atem auf dem kurzen Flaum, der ihren Intimbereich bedeckte und der mittlerweile völlig durchtränkt von ihrer Lust war, und jeder neue Atemzug sandte eiskalte Schauer über ihren Rücken und sie entwickelte eine Gänsehaut an Stellen, an denen sie nie gedacht hätte, dass das überhaupt möglich war.

Aber warum machte er nicht weiter? Warum ließ er sie warten, wo sein eigenes Verlangen doch so klar in seinen Augen zu sehen war. Sie ertappte sich dabei, wie sie leise und flehend wimmerte, woraufhin der mächtige Tiger mit einem raubtierhaften Grinsen zu ihr aufsah und ihr zuzwinkerte, aber noch bevor sie etwas darauf erwidern konnte, ließ er ein leises, tiefes Knurren hören, dessen Vibrationen sie mehr Spürte, als hörte. Dann senkte der seine Schnauze zwischen ihre Schenkel und zog seine raue Zunge vorsichtig über ihre Scham. Augenblicklich hörte ihr Wimmern auf und sie schnappte nach Luft, während ihre Schenkel sich reflexartig zusammenzogen, was den Khan aber nicht im geringsten daran hinderte, sie weiter zu lecken, und von ihren Säften zu kosten.

Diese Erfahrung war für die junge Tapir völlig neu, es war nicht so, dass sie sich noch nie selbst befriedigt hatte, aber nichts war dem je gleich gekommen. Gleichzeitig begann die Raubkatze zwischen ihren Beinen, ihre Zunge sachte, zwischen ihre Lippen zu drücken, was die Intensität der Reize weiter erhöhte. Shirya warf ihren Kopf nach hinten und entließ ein lustvolles Stöhnen in die Dunkelheit der Kammer, was ihn nur weiter antrieb. Er packte ihre Hüfte fester und schob seine Zunge tiefer zwischen ihre Falten, während er sich langsam zu ihrem Lustknopf vorarbeitete.

Als er das erste Mal diesen kleinen, hochsensiblen Knubbel mit seiner Zungenspitze streifte, ging ein Zucken durch den Körper der unerfahrenen, kleinen Tapirin, die erneut nach Luft schnappte. Noch nie hatte jemand anders als sie selbst diesen, ihren empfindlichsten Knopf berührt und in ihrem aufgeregten Zustand genügte das fast, um sie über die Kante zu bringen. Ihr Körper bäumte sich unter seinen Ministrationen auf und sie bekam seine Ohren zu fassen, aber anstatt ihn wegzuschieben oder gar stoppen zu wollen, zog sie ihn fester zu sich heran und drückte seine Schnauze damit auch stärker gegen ihre Scham.

„Oooohh … bei den Ahnen … hnnnnn … nein … nicht da … nicht daahaa …“

stöhnte sie ihre Lust heraus, während er sich weiterhin an ihr gütlich tat. Er leckte, saugte und nibbelte an ihren Schamlippen und ihrer Klitoris, erfreute sich an ihren Zuckungen und den lustvollen Geräuschen, die er mit seinen Neckereien hervorrufen konnte. Es war für den großen Tiger einfach zu köstlich, mit einer solch unerfahrenen jungen Frau zusammen zu sein und eben jene fehlende Erfahrung zu seinen Gunsten auszunutzen.

Seine Bemühungen sollten auch alsbald Früchte tragen, denn Shirya schlang ihre Beine fest um seinen Kopf, und ihre Muskeln begannen unkontrolliert zu zucken, während sie wie wahnsinnig and seinen Ohren zog. Der Große Khan ignorierte den Schmerz, auch als sich ihre Krallen in seine Ohren bohrten, er war zu sehr damit beschäftigt, seine Zunge tiefer in sie zu schieben.

Als sie schließlich kam, kam es so plötzlich, dass keiner von beiden damit gerechnet hatte. Ein gutturaler Schrei drang aus ihrer Kehle, während sie sich aufbäumen und ihre Muskeln sich verkrampften, dann ließ sie endlich seine Ohren los und sich nach hinten fallen.

„Aaaaahnnnrrr … Hnnnnyaaa …“

Sie sah Sterne vor ihren Augen tanzen und ihr Körper zuckte noch ein wenig weiter, während sie schwer atmend auf des Großen Khans Bettstatt lag und das Nachglühen ihres Höhepunktes genoss. Derweil befreite sich der mächtige Tiger grinsend aus der Umklammerung ihrer Beine und hob seinen Kopf aus ihrem Schoß. Sein Werk betrachtend leckte er sich genüsslich das Nass von Lefzen und Nase.

Er fand sie wunderschön, wie sie so vor ihm lag: nackt, mit gespreizten Beinen, ihre Haut von Anstrengung, Scham und Lust gerötet und Schweißgebadet. Er beobachtete, wie sich ihre Brüste im Takt ihrer schnellen Atmung hoben und wie die kleinen Schweißperlen langsam von ihnen herunterrannen. Sie hatte ein engelsgleiches Lächeln auf ihren Lippen und alle paar Atemzüge blitzte ihre Zunge hervor und befeuchtete ihre Lippen erneut. Seine Augen wanderten wieder nach unten, zwischen ihre Beine, wo ihre Scham langsam pulsierte und ihn wieder in ihren Bann zu ziehen drohte. Hunger erwachte erneut in ihm, ein alter, primitiver Hunger, dem er nur zu gerne nachgeben wollte, und so richtete er sich auf und sah auf sie herab.

„Bist du bereit?“

fragte er schließlich leise und sie hob ihren Kopf, sah ihm in die Augen und schluckte, bevor sie unsicher nickte. Nun würde es also passieren, ihr erstes und wahrscheinlich auch ihr letztes Mal. Die Anderen hatten immer gesagt, dass man sein erstes Mal nie vergessen würde, nun, sie würde es mit Sicherheit nicht vergessen, aber die Anderen hatten auch immer gelacht und gesagt, was für ein Desaster ihr erstes Mal gewesen war. Die Vorstellung, dass ihre einzige Erfahrung mit tatsächlichem Sex eine Katastrophe werden könnte bereitete ihr Sorgen, wenngleich sie sich vorhielt, dass egal wie gut oder schlecht die nächsten Minuten werden würden, sie würde nicht mehr lange genug leben um sich damit zu lange aufhalten zu müssen.

„Bitte … es ist mein erst … mein einziges Mal …“

sagte sie schließlich vorsichtig, was ein warmherziges Lächeln auf seine Lippen zauberte, bevor er näher an sie heranrutschte, bis er praktisch zwischen ihren Schenkeln kniete und sein erigiertes Glied auf ihrem Unterleib zu liegen kam. Es wirkte obszön groß im Vergleich zu ihrer zierlichen Figur und als sie es so da liegen sah, weiteten sich ihre Pupillen.

„Bei den Ahnen …“

keuchte sie erschrocken und stützte sich auf ihre Ellbogen, widerstand aber dem Drang es zu berühren.

„… das … das wird niemals funktionieren …“

gab sie kleinlaut zu, aber der Große Khan beugte sich zu ihr herab und legte vorsichtig einen Finger auf ihre Lippen.

„Hab keine Angst, wir werden sehr vorsichtig sein und wir haben es nicht eilig.“

flüsterte er und gab ihr einen kleinen Kuss auf ihre lange Nase. Als er sich wieder aufrichtete, nickte sie zögerlich, während er sich ganz langsam zurücklehnte und sein Glied langsam in Position glitt. Er stabilisierte ihr Becken mit einer Hand und nutzte die andere, um seine Männlichkeit zu ihrem Eingang zu führen. Als sein kleiner Khan an Ort und Stelle war, begann er ganz behutsam ein wenig Druck aufzubauen und wartete dann, bis sie nachgab und ihn eindringen ließ.

„Entspann dich, je mehr du dich dagegen wehrst, desto mehr wird es am Ende wehtun.“

Sie nickte und biss die Zähne zusammen, sie versuchte, sich zu entspannen, aber ihr Körper war noch nicht bereit, einen Eindringling, ganz zu schweigen, einen dieser Größe zu empfangen. Der Große Khan war geduldig und ließ ihr die Zeit, die ihr Körper brauchte, um sich zu entspannen. Erst als er schließlich merkte, wie der Widerstand ihrer Muskeln langsam nachließ, drang er sanft in sie ein. Er konnte spüren, wie sehr er ihre Scheide dehnte, während sein kleiner Khan sich Zutritt zu ihrem innersten Tempel verschaffte. Er wusste, dass der nächste Schritt wirklich schmerzhaft werden würde, vor allem mit dem Größenunterschied zwischen ihren Spezies, also stoppte er seine Bewegung noch bevor er an das eigentliche Hindernis gelangte. Shirya hingegen war bereits an ihrer Grenze und ihre Hände krallten sich in die Felle, die auf dem Bett lagen, während jeder ihrer Atemzüge von einem schmerzerfüllten Stöhnen begleitet wurde.

Er beugte sich abermals zu ihr hinunter und streichelte ihre Wange.

„Sschh … ich weiß es ist schwer, aber versuche loszulassen. Es wird gleich kurz sehr weh tun, aber danach wird es besser werden. Wenn es dir hilft, kannst du hier drauf beißen.“

erklärte er und hielt seine Pranke vor ihrer Schnauze. Sie sah zu ihm auf, Tränen in den Augen, ihr Atem ging schwer und unregelmäßig und ihr Körper weigerte sich vehement zu entspannen, aber es war einen Entschlossenheit in ihren Augen, die vorher nicht dagewesen war. Als ihre Augen sich auf seine Pranke fokussierten, biss sie ohne zu zögern hinein, nicht nur um sich von ihrem eigenen Schmerz abzulenken, sondern auch um ihm einen Teil davon zurückzuzahlen, aber der Große Khan zuckte noch nicht einmal mit der Wimper, auch dann nicht, als sie ihre Hände zur Hilfe nahm und ihre Krallen in seinen Unterarm schlug. Der Tiger nickte nur stumm und konzentrierte sich auf die Aufgabe, die vor ihm lag.

Vorsichtig drang er tiefer ein, bis er schließlich einen Widerstand spürte, woraufhin er einen tiefen Atemzug nahm und ihr in die Augen sah. Es brannte ein Feuer in Shiryas braunen Augen, das er nicht recht deuten konnte, war es Hass, Schmerz oder vielleicht doch Lust? Es spielte keine Rolle, denn sie blinzelte und er stieß zu. Der Widerstand ihres Hymens hielt seinem Vorstoß für einen Wimpernschlag stand, dann gab es nach und sie kniff ihre Augen zusammen und biss mit aller Kraft zu und schrie ihren Schmerz in seine Hand. Blut rann den Unterarm des Großen Khan herunter, wo sich ihre Krallen in ihn gegraben hatten, sowie aus ihrem Mundwinkel, während ihr Blut an anderer Stelle rann. Auch dieses Mal zuckte er nicht einmal, stattdessen zierte sein wohlwollendes Lächeln weiterhin seine Lippen, jedoch hielt er in seiner Bewegung inne und ließ ihr die Zeit, sich an die neue Situation zu gewöhnen. Nach einem kurzen Moment löste er seine Hand von ihrem Becken und ob sie an ihre Wange und wischte ihre Tränen weg.

„Tapferes Mädchen, ich bin sehr stolz auf dich.“

flüsterte der Große Khan leise und streichelte ihre Wange weiter, während sie ihre Augen geschlossen hielt und schluchzte. Auch wenn er spüren konnte, wie sich ihre Muskulatur langsam entspannte, so entschied er, ihr noch ein wenig mehr Zeit zu geben, bevor er sich weiter bewegen würde. Vorerst fuhr er fort mit ihr zu reden:

„So ist es gut, atme tief durch.“

Seine tiefe, ruhige Stimme und die Tatsache, dass er einfühlsam genug war, ihr die Zeit zu geben, die sie brauchte, schien zu helfen, denn sie beruhigte sich langsam und versuchte tief zu atmen. Als sie schließlich sein Blut schmeckte, riß sich dann ihre Augen auf und starrte entsetzt auf seine Hand und Unterarm. Sofort ließ sie von ihm ab und wollte zu einer Entschuldigung ansetzen, aber er legte erneut seinen Finger auf ihre Lippen.

„Nein, nein, mach dir keine Sorgen darum, es ist in Ordnung. Es war eine Notwendigkeit, um dir zu helfen. Und nein, ich bin dir nicht böse … entspanne dich …“

Es war nicht wirklich ein Ratschlag, aber auch keine Bitte, es war fast ein Befehl, den er mit einem sanften Lächeln unterstrich, bevor er wieder begann, sich zu bewegen. Erst ganz langsam und mit kleinen Bewegungen, gerade genug, damit sie auch wirklich als solche bezeichnet werden konnten. Jede seiner kleinen Undulationen wurde mit angehaltenem Atem und kurzen Seufzern untermalt.

Er hielt seine Bewegungen noch ein wenig länger in diesem kleinen Rahmen, damit Shirya mehr Zeit hatte, sich an seine schiere Größe zu gewöhnen, aber er nahm seine Hand wieder herunter an ihre Hüfte und nutzte die andere, um eines ihrer Beine anzuheben. Ganz allmählich veränderte sich ihr Seufzen und Stöhnen, es war noch immer zum größten Teil schmerzerfüllt, aber je länger ihre Vereinigung andauerte, desto mehr mischte sich ein anderer Klang mit ein.

Mit der Zeit bemerkte er, wie sie ihre Muskeln einsetzte, um ihn regelrecht herauszudrücken, gleichzeitig aber auch, wie sie wieder losließ, damit er tiefer in sie eindringen konnte, bis sie ihn schließlich wirklich willkommen hieß. Angespornt von dieser Entwicklung schob er sich mit jedem seiner Stöße ein wenig tiefer in ihren Tempel, was im Gegenzug dafür sorgte, dass sie lauter aufstöhnte, allerdings war es dieses Mal ein lustvolles Stöhnen.

In den letzten Minuten hatte sich das Blatt fast vollständig gewendet. Natürlich war da noch immer Schmerz, und noch immer war der Tiger, der sie gerade bis an die Grenzen dessen brachte, was ihr Körper verkraften konnte, viel zu groß, aber tatsächlich hatte es angefangen sich wirklich gut anzufühlen und mittlerweile überwog dieses Wohlgefühl deutlich. Sie hatte sich wieder in die Felle gekrallt, aber weniger weil ihre Muskeln sich verkrampften, sondern eher damit der Große Khan sie nicht quer über sein Bett schob, während er seine Kraft einsetzte um sie in andere Sphären zu befördern. Immer mal wieder hob sie ihren Kopf, um zu ihm auf zu sehen, wie er mit gefletschten Zähnen seinen gottgleichen Körper einsetzte. Sie wollte ihre Hand nach ihm ausstrecken, wollte seine steinharten Muskeln spüren, wollte die Hitze spüren, die sein Körper ausstrahlte, aber das hieße die Felle loszulassen und von seinen kraftvollen Stößen hin und hergerissen zu werden.

Immer Mal wieder mischte er besonders kraftvolle Stöße in seinen Rhythmus und Shirya biss sich auf die Lippe, in der Hoffnung nicht zu laut aufzuschreien, wenn er dies tat, aber es gelang ihr nur manchmal.

Während im Gemach des Großen Khans die junge Tapirin immer lauter ihre Lust kundtat, hockte Rayas vor der Tür und lauschte dem Treiben. Die Geräusche, die von drinnen zu ihr drangen, hatten bereits eine profunde Wirkung auf sie gehabt, denn ihre Finger steckten tief in ihrer eigenen Scheide und bewegten sich in rasantem Tempo hinein und wieder hinaus. Sie biss sich auf den Finger ihrer anderen Hand, um ihr eigenes Stöhnen zu unterdrücken, während sie ihr Ohr gegen die Tür presste und sich selbst befriedigte. Ihr Atem ging in kurzen, schnellen und unregelmäßigen Zügen und trug von Zeit zu Zeit ein gepresstes Wimmern in die Welt. Sie stellte sich vor, an Shiryas Stelle zu sein, und je lauter die junge Pflanzenfresserin aufstöhnte, desto mehr spannte sie sich an, während sie sich langsam ihrem eigenen Höhepunkt näherte.

Im inneren des Gemachs näherte sich Shirya ihrem zweiten Orgasmus und auch der Große Khan kam langsam aber sicher an diesen Punkt. Mittlerweile hatte er alle Rücksicht in den Wind geschrieben, hielt beide Beine der jungen Tapirin hoch und nutzte seine überlegene Kraft, um sein Glied regelrecht in sie zu rammen. Jeder seiner kraftvollen Stöße sandte Schockwellen durch ihren Körper und ließ ihre Brüste auf- und abhüpfen, während sie sich in ihren eigenen Finger biss, um jedes Mal aufzuschreien, wenn er gegen das Ende ihres Liebestunnels stieß. Ihr Gesicht war durchnässt von ihren Tränen und dennoch verlangte sie nach mehr und der Große Khan war gewillt, ihr alles zu geben, was in ihm steckte. Er beobachtete die hypnotischen Bewegungen ihrer Brüste, während er seine Zähne bleckte, lange Speichelfäden von seinem Kinn hingen und sein Atem in kurzen, heißen Zügen im Einklang mit den Bewegungen seiner Hüften ging.

„Ahnnn … haahnnn … nnnyaaa … fa … faaast …“

Presste sie heraus und begann ihre Brüste zu kneten und an ihren Nippel zu ziehen, vergessen war der Versuch, sich gegen die brutale Kraft des Tigers zu stemmen. Währenddessen bemerkte der Khan, wie sich ihre Muskeln langsam anspannten und sie immer enger wurde. Es würde in der Tat nicht mehr lange dauern und die zusätzliche Reibung brachte ihn fast um den Verstand. Wenn es so weiterging, würde auch er nicht mehr lange durchhalten.

Der mächtige Tiger hob seinen Kopf und knurrte in die Dunkelheit seines Gemachs, er würde nicht vor ihr kommen, niemals. Er steigerte sein Tempo nochmals und presste ihre Schenkel zusammen, um die Intensität zu steigern, was ihr Stöhnen zusehends in Lustschreie verwandelte. Und dann passierte es:

„Jaa … jaaa … Nnyaahaaaaanrrr …“

Sie bäumte sich gegen ihn aus und schrie ihren Orgasmus in das Gemach des Khans, während sich ihre Muskulatur krampfhaft anspannte und ihre Hände sich schmerzhaft um ihren Busen krallten. Sie begann unkontrolliert in seinem Griff zu zucken und trat ihm fast ins Gesicht, aber auch der Große Khan konnte sich nicht mehr länger zurückhalten und entließ seinen Samen mit einem mächtigen Brüllen in ihre Scheide. Mit mehreren kraftvollen Stößen entleerte er sein Scrotum in sie, während sich ihr Rücken wölbte und ihr Becken sich gegen ihn hob. Unisono schrien sie ihren Höhepunkt gegen die dicken Wände, bevor ihre Muskelspannung schließlich zusammenbrach und der mächtige Tiger über ihr kollabierte, keiner von beiden hatte den gedämpften Schrei gehört, der von draußen herein drang.

Der Große Khan lag auch Shiryas Körper, sichtlich zufrieden mit dem Ergebnis seiner Bemühungen, sein Atem normalisierte sich bereits wieder, aber er genoss die Situation noch ein wenig länger. Unter ihm brauchte Shirya noch ein wenig länger, um ihre Gedanken zu ordnen und wirklich zu begreifen, was gerade geschehen war. Es war so viel passiert in so kurzer Zeit, es war wie ein Strudel der Emotionen, aber der schwere Körper, der noch auf ihr lag und seine Hitze an sie abgab, der Penis, der noch in ihr steckte, aber langsam weicher wurde, der ruhige, kräftige Herzschlag, der so sehr im Kontrast zu ihrem flatterhaften Puls stand, holten sie schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Sie atmete schwer, ihre Konstitution war bei weitem nicht mit der des mächtigen Tigers vergleichbar, der schnurrend auf ihr lag, und dessen heißen Atem sie hin und wieder an ihren Ohren spürte, aber als der Nachklang ihres Höhepunktes langsam abklang, kam die Angst vor dem, was nun bald passieren würde, zurück. Der Anführer der Tiger hatte Sex mit ihr gehabt, mehr noch, er hatte ihre Jungfräulichkeit genommen, und so schön es auch gewesen war am Ende, nun stand ihrer Opferung nichts mehr im Wege.

Diese Feststellung traf sie wie ein Schlag in die Magengrube und erneut sammelten sich Tränen in ihren Augen. Sie begann zu schluchzen und zog ihre Hände vor ihr Gesicht. Natürlich blieb dem Großen Khan dies nicht verborgen und er drückte sich langsam von ihr hoch, um ihr Platz zum Atmen zu geben, und sobald sie die Möglichkeit dazu hatte, zog sie sich zu einem festen Ball zusammen. Er konnte sie nur zu gut verstehen, aber es gab nichts, was er tun konnte, zumindest wenn er nicht das ganze Abkommen aufs Spiel setzen wollte.

Tief durchatmend setzte er sich neben sie und legte seine große Pranke auf ihren Rücken und streichelte sie sanft.

„Es tut mir leid, Kind, aber das ist der Weg. Der Weg allen Fleisches.“

flüsterte er und versuchte, sich selbst nicht auch von der Traurigkeit übermannen zu lassen. Sein Trost half ihr wenig, sie würde nun sterben, sie würden sie zum Schafott führen und ihr Leben nehmen, damit die anderen weiter Leben durften. Es war nicht fair, nichts an dem war fair, ohne das Abkommen hätte sie zumindest eine Chance gehabt, eine geringe, aber sie wäre existent gewesen, das Abkommen hatte sie ihr genommen.

Neben ihr kämpfte der Khan mit sich selbst und seinem Mitleid, aber er musste hart bleiben, es stand zu viel, für zu viele, auf dem Spiel.

„Komm her …“

sagte er schließlich und zog sie zärtlich zu sich hinüber. Sie hob nur kurz den Kopf, sah ihn aus verweinten Augen an, wie er auf seinen Schoß klopfte. Es dauerte einen Moment, bis sie in der Lage war, sich zu ihm umzudrehen und auf ihn zu klettern, nur um von ihm umarmt zu werden. Er drückte sie sanft an seine Brust und hielt sie dort fest, während ihr Körper mit ihren Seufzern zuckte.

„Es ist alles gut, lass es raus …“

flüsterte er leise und liebevoll, streichelte ihren Rücken und lehnte seinen Kopf an ihren an. Er spürte die Hitze, die von ihrem Gesicht ausging und ihre Tränen, die das Fell seiner Brust durchtränkten, er war ihm egal. Er begann ein altes Kinderlied zu summen, dass seine Mutter ihm immer vorgesungen hatte, wenn es ihm schlecht gegangen war und wippte langsam vor und zurück, in der Hoffnung, dass es ihr half, sich wieder ein wenig zu beruhigen. Es sah lächerlich aus, aber es schien zu funktionieren, denn mit der Zeit ließen ihre Zuckungen langsam nach und ihre Atmung beruhigte sich wieder ein wenig. Sie legte ihren Kopf auf seine Brust und lauschte seinem gleichmäßigen Herzschlag und seiner Atmung, während der Tiger weiterhin ihren Rücken streichelte und zärtlich ihren Nacken massierte. Es war ein harter Tag für die junge Tapirin gewesen und er war noch nicht zu Ende.

Voller Mitgefühl sah der Große Khan auf das Häufchen Elend auf seinem Schoß hinunter und zweifelte an seinen Überzeugungen. Der kaute auf seiner Lippe und zermarterte sich sein Hirn, wie er etwas ändern konnte, aber wenn er jetzt Schwäche zeigte, würde sich alles, wofür sie vor 200 Jahren in den Krieg gezogen waren und was ihnen danach 200 Jahre Frieden und Wohlstand beschert hatte mit einem Schlag in nichts auflösen. Sie würden wieder jagen müssen, die Tiere würden wieder in Angst leben und am Ende würden wahrscheinlich wieder mehr Tiere sterben, ganz zu Schweigen davon, dass sie dann nicht mehr die Zeit oder die Kapazitäten hätten, ihre Grenzen vor anderen Fleischfressern zu schützen. Es gäbe weniger Wohlstand für alle, aber es wäre wieder fairer.

Das Überleben des Stärkeren, das Gesetz des Dschungels, so wie es die Natur einst vorgesehen hatte.

Zärtlich küsste er sie auf ihren Kopf und fuhr fort, sie zu streicheln. Shirya schluchzte nur noch ab und zu, ihr Atem hatte sich fast vollständig beruhigt, aber ihre Tränen liefen ihr weiterhin über die Wangen.

„Brauchst du noch ein wenig Zeit?“

fragte er schließlich leise und spürte wie sie zitternd nickte und sich noch tiefer in seine Brust vergrub.

„Es ist in Ordnung, du hast alle Zeit der Welt.“

log er, aber es würde jetzt auch keinen Unterschied mehr machen und sie jetzt zu drängen oder gar zu zwingen, würde gegen die Vereinbarung verstoßen, also hielt er sie weiter an seine Brust gedrückt und wartete.

Es klopfte an der Tür und der Große Khan blickte auf, er musterte die Tür für einen Moment und fragte dann - in dem ihnen eigenen Dialekt - etwas und erhielt eine gedämpfte Antwort. Man konnte an seinem Tonfall erkennen, dass er nicht wirklich überzeugt war, aber dennoch wurde die Tür geöffnet. In der Tür stand eine seiner Konkubinen, die ihre Hand auf der Schulter von Rayas hatte und sie vor sich her schob, als sie das Gemach des Khans betraten. Der Priesterin schien etwas sehr peinlich zu sein, denn sie hatte ihren Blick streng auf den Boden gerichtet und die Ohren fest nach hinten an ihren Kopf gelegt. Der mächtige Tiger musterte die junge Priesterin kurz und unterhielt sich dann kurz mit seiner Konkubine, woraufhin er herzhaft lachen musste. Shirya zog sich enger an ihn heran, erschrocken von dem unerwarteten, lauten Ausbruch des Khans, der sich sofort wieder fing und sie fester an sich drückte.

„Entschuldige … aber es war einfach zu köstlich.“

flüsterte er und sah wieder zu den beiden Neuankömmlingen hinüber, die sich langsam seinem Bett näherten. Nun konnte er auch das Schimmern zwischen Rayas Schenkeln sehen und lächelte. Es störte ihn nicht weiter, dass seine Untertanen diesen Gedanken nachhingen, im Gegenteil, es spornte ihn an, auch weiterhin als Vorbild für seinen Stamm zu fungieren.

Seine Konkubine gestikulierte derweil zu Shirya, die sich weiterhin an ihm fest krallte und ihr Gesicht in seiner Brust vergrub. Nach einem kurzen Wortwechsel kam sie zu den Beiden und kniete sich neben die junge Pflanzenfresserin und umarmte sie ebenfalls.

„Es ist keine Schande, Angst vor dem Tod zu haben.“

flüsterte die Tigerin und streichelte ihrerseits über den Rücken der Tapirin.

„Die mächtigsten Krieger haben Angst, ihren Vorfahren gegenüberzutreten, aus Angst, im Leben versagt oder Schande über sich gebracht zu haben.“

fuhr sie ruhig und liebevoll fort.

„Sie mich einmal an, Kind.“

forderte sie sanft und nahm vorsichtig den Kopf der jungen Frau in ihre großen, starken Pranken, bevor sie ihn sachte zu sich drehte. Mit geschwollenen Augen und einem völlig schmerzverzerrtem Gesicht blickte Shirya zu ihr auf.

„Du brauchst dir keine Vorwürfe zu machen, du hast keine Schande über dich gebracht, im Gegenteil, du hast großen Mut bewiesen, und die Entscheidung, dein Leben für das von hunderten anderer deiner Art zu opfern, ist mehr als nobel. Deine Vorfahren werden dies in hohem Maße würdigen. Du hast nichts zu befürchten.“

Behutsam wischte die Konkubine die Tränen von Shiryas Wangen und streichelte ihr über den Kopf.

„Du bist bisher so tapfer gewesen, bisher haben nicht viele den Weg so anmutig beschritten wie du. Lass den Kopf jetzt nicht hängen.“

forderte die Tigerin vor ihr, aber Shirya bewegte sich nicht, nur ihre Augen pendelten zwischen Rayas, die noch immer hinter der Konkubine stand und ihren Kopf gesenkt hielt und der Konkubine hin und her. Sie wusste nicht, wie sie auf das Gesagte reagieren sollte, es war zu bizarr und sie konnte die Ansicht der Geliebten des Khans nicht teilen, für sie gab es keinen Ruhm im Tod, nur das Ende eines Lebens, das noch viel zu jung war.

Die Konkubine lehnte sich vor und drückte zärtlich ihre Stirn auf Shiryas und ließ sie dort einen Moment lang liegen, bevor sie sich wieder auf ihre Fersen zurücksetzte.

„Hab keine Angst, du wirst den Rest des Weges nicht alleine gehen, Rayas hier, wird dich bis zum Ende begleiten. Habe Mut und gehe aufrecht, zeig allen, wie stark du bist.“

schloss sie schließlich ab und Shiryas Lippen zitterten, aber sie antwortete nicht. Die Tigerin nickte langsam und sah dann über ihre Schulter zu Rayas, die sich nun näherte. Der Große Khan streichelte ihr erneut über den Rücken, bevor er sich ein wenig zurücklehnte, um ihr besser in die Augen sehen zu können. Während ihre Augen zitterten und ihr Unsicherheit offen zur Schau trugen, lag in seinen Augen Ruhe und Stärke; sein Blick wirkte ernst, aber liebevoll, wie der eines Vaters, der sein Kind ins Bett schickte und als er schließlich sprach, war seine Stimme voller Wärme:

„Es ist Zeit, Shirya, Limas Tochter. Geh mit Rayas, dein Schicksal erwartet dich.“

Es fiel ihm nicht leicht, sie so offen anzulügen, wie konnte es das Schicksal eines jungen, gesunden, fruchtbaren Tieres sein, auf dem Schlachtblock zu landen, aber es war zu spät, es gab jetzt keinen Ausweg mehr.

Shirya zögerte, schniefte noch einmal und schluckte schwer, aber dann nickte sie schließlich. Langsam, zitternd, schob sie sich von seinem Schoß und als sie vor ihm stand, schwankte sie leicht. Rayas stand hinter ihr und hielt sie fest, damit sie nicht einfach zusammenbrach. Dann erhoben sich der Große Khan und seine Konkubine langsam und als sie vor ihr standen, umarmte sie den Anführer der Tiger noch einmal.

Rang und Status spielten jetzt keine Rolle mehr, und so erwiderte der mächtige Tiger die Umarmung zärtlich. Er hielt sie für einen Moment fest und es fiel ihm sichtlich schwer, die Umklammerung wieder zu lösen, aber er würde stark sein, für seinen Clan, für das Abkommen, und auch für Shirya.

Als er sie wieder aus der Umarmung entließ, drehte sie sich wortlos um und ging, gefolgt von Rayas, auf die Tür zu.

Als sie gegangen waren und er mit seiner Konkubine allein war, sah sie ihn an.

„Bitte sag mir, dass es nicht jedes Mal so sein wird.“

forderte sie und klang erschöpft, woraufhin der Khan seinen Kopf schüttelte und zur Tür blickte.

„Nein. Ich werde mit der Gemeinschaft sprechen. So kann es nicht sein, das war nicht der Geist der Vereinbarung. Natürlich sagten meine Vorfahren, dass nur Opfer über den Pfad kommen sollen, die den Weg aus eigenem, freien Willen gehen, und niemand sollte gezwungen werden, aber es war von Anfang an vorgesehen gewesen, dass die Alten und Kranken den Weg allen Fleisches beschreiten sollten.“

stellte er fest und sah auf seine Hand, die den Bissabdruck von Shirya trug.

„Ich werde den Geist des Abkommens wiederherstellen!“

Shirya und Rayas gingen wortlos den Weg zurück, den sie vor noch nicht allzu langer Zeit gegangen waren.

Je weiter sie sich von den Gemächern des Khan entfernten, desto heller wurde der Tempel wieder, und als sie an der Kammer vorbeikamen, in der die Tribute auf die Zeremonie warteten, war sie bereits fast leer. Es ging wirklich beängstigend schnell.

„Sieh da nicht hin.“

flüsterte die Priesterin und versuchte, sie schneller zurück in ihren Vorbereitungsraum zu führen. Shirya leistete keinen Widerstand, sie wirkte seltsam apathisch und teilnahmslos. Ein Zustand, den Rayas gut kannte, es war ein Kompensationsmechanismus des Körpers, um mit überwältigendem Stress fertig zu werden.

Als sie schließlich in ihrer kleinen, stillen Kammer angekommen waren und die Tür hinter ihnen schlossen, war es fast so, als hätten sie die Welt ausgesperrt. In dem kleinen Raum herrschte absolute Stille und der Geruch von Weihrauch und Kräutern kam Shirya jetzt viel intensiver vor als noch vorhin, außerdem erschien ihr der Raum jetzt, da sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, sehr hell. Sie sah sich um, aber alles war noch so, wie sie es in Erinnerung hatte.

Rayas war vorausgegangen und wartete bereits wieder in dem kleinen Becken auf sie und streckte ihr die Hand entgegen.

„Komm, wir werden dich noch einmal reinigen.“

Sie wirkte gezwungen ruhig, aber ihre Aufregung war deutlich spürbar. Die Tapirin nahm zögerlich ihre Hand und ließ sich in den kleinen Pool helfen, wo sie - wie bereits zuvor - auf dem kleinen Stein Platz nahm, um sich von der Priesterin waschen zu lassen. Sie ließ sich Zeit und wusch all die Tränen, den Schweiß und den Speichel, das vergossene Blut und das Sperma vom Körper ihres Tributs ab, aber die Angst blieb. Dieses Mal half die rituelle Waschung nicht, ihren Geist zu beruhigen und ihr Frieden zu schenken.

Als die Tigerin fertig war, führte sie Shirya zurück zum Steintisch, wo sie erneut begann, die Tapirin mit den gesegneten Ölen zu salben, aber noch bevor sie richtig anfangen konnte, griff die junge Frau nach Rayas Hand und sah sie flehend an.

„Wie … wie lange muss ich noch warten, bis …“

Sie schluckte schwer und ihre Stimme versagte noch bevor sie den Satz beenden konnte. Rayas nahm daraufhin ihre Hand und drückte sie sanft.

„Das wirst du nicht. Wir werden, gleich nachdem wir hier fertig sind, in die Ritualkammer gehen. Du sollst nicht länger leiden müssen.“

versicherte ihr die Priesterin und Shirya lächelte schwach. Sie hatte Angst, aber sie war auch froh, dass es dann schnell gehen würde und sie nicht mehr lange auf das Ritual warten musste. Rayas arbeitete schnell, aber gründlich, salbte den Körper der jungen Pflanzenfresserin mit den Ölen und zog anschließend die Runen, die Shirya als Opfergabe für die Gemeinschaft kennzeichneten und ihr freien Zugang zum Jenseits ermöglichen sollten. Bereits jetzt konnte die Tapirin wieder die Wirkung der Drogen spüren und driftete in einen schwerelosen Dämmerzustand ab. Ihre Sorgen und Ängste fielen nach und nach von ihr ab und eine gewisse Euphorie machte sich bemerkbar.

Alsbald war die Salbung beendet und Rayas setzte sie auf den Tisch, um mit der rituellen Bindung zu beginnen. Ruhig erklärte sie Shirya, warum sie gefesselt wurde, dass es zu ihrer eigenen Sicherheit geschah und sie keine Angst zu haben brauchte. Sie band ihre Arme und Hände mit einem kunstvoll geflochtenen Band hinter ihrem Rücken zusammen und wickelte weitere Bänder um ihre Beine und ihre Taille. In der Tat war diese Bindung nicht schmerzhaft und die Bänder waren hübsch, Shirya bemerkte, dass Rot und Gelb zwar nicht ihre Farben waren, aber dass sie die Muster trotzdem schön fand. Wenn die ganze Situation nicht so angespannt gewesen wäre, hätte Rayas wahrscheinlich laut gelacht und nach anderen Farben gesucht, so aber, nickte sie den Kommentar nur ab und half ihrem Schützling vom Tisch.

Sie führte Shirya aus dem Raum und an den anderen Vorbereitungskammern vorbei zu einem großen, roten Portal, vor dem zwei Priesterinnen warteten und als sie sich näherten, öffneten diese das Portal mit einer tiefen Verbeugung. Rayas ging voran und durchschritt die große Doppeltür, während Shirya ihr langsam folgte. Zum Glück erkannte die junge Pflanzenfresserin in ihrer Trance nicht alles, denn der Raum, in den die Tigerin sie geführt hatte, war rot; allerdings war es nicht so, als dass sie die Kammer irgendwann einmal in dieser Farbe gestrichen hätten, der Stein, aus dem auch der Rest des Tempels bestand, war im Laufe der vielen Jahrhunderte mit so viel Blut getränkt worden, dass er diese Farbe angenommen hatte. Er wurde dominiert von einem großen steinernen Altar in der Mitte des Raumes, von dem gerade der letzte Tribut vorsichtig auf eine Bahre gehoben und dann durch eine Seitentür nach draußen getragen wurde. Hinter dem Altar stand ein gewaltiger Priester, dessen Oberkörper vollständig rasiert und dessen Haut mit Ruß geschwärzt worden war. Sein Gesicht verbarg sich hinter einer weißen Totenkopfmaske aus Kalk. Sein riesiger, muskelbepackter Körper war mit unzähligen kleinen Narben übersät und seine Arme zierten Reihen frischer Schnitte.

In diesem Moment fügte er einen weiteren Schnitt hinzu und murmelte etwas Unverständliches, bevor er zu Rayas und ihrem Schützling hinüber sah. Seine Augen wirken hinter der Maske erschöpft und traurig, aber er nickte der Priesterin zu und begrüßte sie und ihren Tribut mit dem - ihnen gebührenden - Respekt. Die Tigerin erwiderte den Gruß und trat näher. Wortlos wandte sie sich an Shirya und auch sie trat an den Altar heran.

„Sei willkommen, Kind des Dschungels, am Ende deiner Reise sollst du ohne Leid und Qual hinüber ins Jenseits gehen.“

begrüßte der Priester sein nächstes Opfer und breitete seine Hände über den blutgetränkten Altar. Er klang dabei erschöpft, aber wohlwollend, wie ein Hirte, der seine Herde am Abend in den Stall führt.

„Leg dich zur Ruhe und empfange den Frieden.“

fügte er hinzu und Rayas half Shirya sich auf den Altar zu legen und ihre gefesselten Arme in eine vorgefertigte Mulde.

„Schließe deine Augen und atme tief ein.“

forderte der Priester leise.

Als Shirya ihre Augen schloss, war das Letzte, das sie sah, wie Rayas ihre Hände auf ihre Wange legte und sie zärtlich streichelte.

Dann nahm sie einen tiefen Atemzug.

...

Konzept und Idee von

El Poyo Diabolo

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