Die Welt des goldenen Mondes - Band 2 - Kapitel 11: Die Opferstätte des Bergdrachen
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Hallihallo an alle! :)
Nur schnell das übliche Blabla: Wie immer sind alle Figuren und Inhalte der Geschichte meiner Fantasie entsprungen und daher sind eventuelle Übereinstimmungen reiner Zufall. Für Kommentare, Favs und Sterne bin ich natürlich immer Dankbar und sollte euch etwas besonders gut gefallen haben oder eventuell gar nicht, dann zögert nicht es mir zu sagen. Außerdem würde ich mich über eine kleine Spende sehr freuen: http://ko-fi.com/A61177Q :D
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Viele liebe Grüße von eurem Meister Fuchs :3
Kapitel 11: Die Opferstätte des Bergdrachen
„Ich glaube nicht, dass die Höhle selber sehr schwer bewacht sein wird. Ich denke, es geht ihnen dabei nur um den Altar und den kann man sicherlich nicht einfach wegtragen. Das Militär wurde dafür bestimmt nur eingesetzt, weil keine großen Sicherheitsfirmen Aufträge an so einem abgelegenen Ort annehmen“, warf Marie in die Runde mit ein, worauf Reiga einwandte: „Vielleicht, aber sicher können wir uns dabei nicht sein und groß darüber spekulieren bringt uns auch nicht weiter. Ich denke, es wäre besser, wenn wir uns das Ganze vorab einfach mal ansehen. Da die Höhle seit einigen Wochen zur Besichtigung frei gegeben ist, wird sie täglich von unzähligen Touristen überrannt. Drei mehr fallen da sicherlich nicht auf.“
Thomas konterte: „Naja, ich weiß ja nicht. Ein komplett in schwarz gekleideter Mann mit einem Wolfsschwanz, eine junge Frau mit einem merkwürdigen Zeichen auf der Stirn und dazu noch ein Teenager mit goldgelben Augen. Ich würde sagen, dass wir schon ein bisschen auffallen werden und wenn sie wirklich Kontrollen durchführen, stehen wir auch dumm da.“ „Wie wäre es, wenn ich erstmal alleine gehe? Da ich meinen Pass dabeihabe, sollte ich keine Probleme haben und falls doch was passiert, kann Reiga mich notfalls befreien“, schlug Marie vor, doch Reiga lehnte das natürlich direkt ab: „Nein, das wäre zu gefährlich. Dabei kann zu viel schiefgehen. Ich werde dich begleiten. Wir gehen erstmal nur ins Dorf und ich schaue mir das Verhalten der Soldaten an. Mal sehen, ob wir ein bisschen was herausfinden können.“
Die Wölfe hielten sich aus dem Ganzen raus. Sie konnten die Situation schließlich noch weniger einschätzen, als Reiga, Marie und Thomas. Als Reiga sich entschlossen hatte, erhob er sich und sah sich nochmal um. Es gefiel ihm nicht, die Wölfe in so einem offenen Gelände allein zu lassen, aber wirklich eine Wahl hatte er diesbezüglich nicht. Der Schutzschild hätte auch keinen Sinn, da er sich sicher war, ihn auf hohe Distanz nicht aufrecht erhalten zu können. Er nahm sich seinen Rucksack, woraufhin auch Marie aufstand. Während er ihr seinen Ledermantel und den Rucksack gab, erklärte Reiga: „Solange ich weg bin, hat natürlich Kiba das Sagen und ich möchte, das mindestens einer immer Wache hält. Ich glaube zwar nicht, dass die Menschen so weit vom Dorf weggehen, aber riskieren will ich es dennoch nicht.“
Die Wölfe nickten nur, doch Reiga fing plötzlich an sich zu verwandeln. Seine schwarze Kleidung spannte sich stark durch das dicke Fell des Wolfsmenschen und leicht brummte er auf, als die Verwandlung abgeschlossen war. „Das ist immer noch cool“, murmelte Thomas vor sich hin. Reiga nahm Marie wie eine Braut auf den Arm und Thomas gab ihr schließlich noch ihren Rucksack. Kurz bevor der Wolfsmensch in Richtung des Dorfes losrannte, sprach er: „Bleibt auf Abstand und verhaltet euch ruhig. Wir sind bald zurück. Sollten wir bis morgen Abend nicht zurücksein, geht ihr zurück zum Teich.“ Auf zwei Beinen konnte Reiga zwar nicht allzu schnell rennen, aber das musste er auch nicht. Das Dorf war nicht mehr so weit weg und zu nahe konnte er sowieso nicht gehen. Die Gefahr entdeckt zu werden, war in diesem offenen Gelände zu groß. Einige hundert Meter vor Beginn des ersten Feldes blieb Reiga stehen.
Sie waren noch ein gutes Stück entfernt, aber den Rest konnten sie auch so hinter sich bringen. Er stellte Marie daher wieder auf ihre Füße und verwandelte sich zurück. Nachdem er seinen Mantel angezogen hatte, nahm er sich seinen Rucksack und zusammen liefen die Beiden zum Dorf. Sie mussten an drei großen Feldern vorbeilaufen und glücklicherweise befand sich das Lager des Militärs am anderen Ende des Dorfes. Als sie nur noch wenige Meter von den ersten Häusern entfernt waren, holte Marie sich eine Wollmütze aus ihrem Rucksack und zog sie sich über den Kopf, um das Nihama-Siegel zu verdecken, während sie sagte: „Ich hoffe, dass hier jemand wenigstens Englisch spricht. Ansonsten wird es mühsam, mit den Leuten zu kommunizieren.“
Reiga sah sie etwas erstaunt an. Daran hatte er gar nicht gedacht. Sie befanden sich immerhin im Westhimalaya und diese Region gehörte zu Pakistan. Er war es gewöhnt mit Sprachen keine Probleme zu haben, denn schließlich konnten sie sich selbst mit den Wölfen in den Mondhöhlen ohne Schwierigkeiten unterhalten. Viel Zeit hatte er jedoch nicht darüber nachzudenken. Sie erreichten kurz darauf die ersten Häuser und gingen zwischen ihnen hindurch ins Dorf. Marie und Reiga sahen sich erstaunt um. Hier wimmelte es nur so von Touristen. An die 50 Leute standen auf dem Dorfplatz herum, aber das war nicht das Einzige, was die Beiden überraschte.
Wirklich als Dorf konnte man diese Ansammlung von gerade mal 17 Häusern eigentlich nicht bezeichnen. Außerdem wirkten diese nur sehr spärlich gebaut. Einfache Hütten, die aus einigen Holzbrettern zusammengezimmert worden waren. Keins der Häuser schien einen zweiten Stock oder ein vernünftiges Dach zu haben. Die wenigen Menschen, die hier lebten, mussten wohl mit dem Einfachsten zurechtkommen. Marie bemerkte jedoch, dass vor jedem der Häuser jemand saß und offensichtlich einige Waren anbot. Zumeist war es Holz zu Ketten und Anhänger, Tellern oder Figuren geschnitzt. Aber auch Kleidungsstücke oder anderer Kleinkram war auf einem Stofftuch oder einfachen Tisch ausgebreitet.
Die Meisten dieser Gegenstände hatten die Anwohner wohl selbst hergestellt, doch Marie sah, dass nur selten Geld benutzt wurde, um zu bezahlen. Schokolade und andere Lebensmittel, aber auch kleine Werkzeuge, Messer und andere nützliche Dinge wurden hier gerne getauscht. Scheinbar konnten die Anwohner an so einem abgelegenen Ort mit Geld nicht viel anfangen. Stattdessen nahmen sie alles Mögliche an, was sie vielleicht brauchen konnten. Während Marie die Einheimischen weiter beobachtete, sah sich Reiga bereits nach den Soldaten um. In gewissen Abständen standen diese nämlich hier überall verteilt herum. Jeder von ihnen war vollbewaffnet und damit sollten wahrscheinlich Zwischenfälle jeglicher Art vermieden werden.
Nachdem er die Soldaten kurz begutachtet hatte, sah sich Reiga die übrigen Menschen an. Die Meisten der Touristen hatten dickere Kleidung an und viele besaßen einen großen Rucksack oder sogar eine komplette Bergsteigerausrüstung. Reiga schlug schließlich vor, dass sie sich erstmal unter die Menge mischen und vielleicht auch bei einem der Einheimischen etwas tauschen sollten, um nicht aufzufallen. Marie nickte nur, denn sie wollte sich natürlich sowieso die Sachen ansehen, um vielleicht ein schönes Souvenir zu ergattern. Sie entdeckte beim ersten Stand auch gleich etwas Interessantes. Eine kleine Drachenfigur, die aus einem dunklen Stück Holz geschnitzt worden war. Die Details und Feinheiten begeisterten sie besonders.
Allerdings wusste sie nicht, was sie dafür eintauschen sollte. Sie sah den jungen Mann an, der hinter den Waren auf einem Kissen saß, doch der sagte kein Wort. Er wartete wohl darauf, dass sie ihm etwas anbot. Als Marie das begriffen hatte, wühlte sie ein bisschen in ihrem Rucksack herum. Reiga hatte sich nur kurz die Sachen des Mannes angesehen, interessierte sich aber für nichts davon. Als plötzlich ein etwa sechs Jahre alter Junge aus dem Haus hinter dem Mann kam und diesen ansprach, wirkte Reiga ziemlich geschockt. Marie hatte inzwischen etwas gefunden und holte ein Schweizer Taschenmesser hervor. Es war recht groß und beinhaltete über 40 nützliche Werkzeuge. Eigentlich war es sehr teuer gewesen, aber wirklich brauchen würde sie es wahrscheinlich sowieso nie.
Marie verschloss ihren Rucksack und sah zu dem Mann auf, doch der unterhielt sich noch mit dem Kind. Natürlich verstand sie kein einziges Wort. Generell klang es auch nicht wie eine Sprache, die sie schon einmal gehört hätte. Da sie aus Höflichkeit das Gespräch nicht unterbrechen wollte, sagte sie nichts weiter und bemerkte kurz darauf Reiga. Der starrte nämlich geschockt die beiden Einheimischen an. „Was ist los?“, fragte Marie verwundert. Reiga antwortete mit einer Gegenfrage: „Wir sind hier am Arsch der Welt. Wieso sprechen die Leute hier Deutsch? Hat Deutschland inzwischen die Welt erobert? Hab' ich das irgendwie verpasst?“ Marie sah ihn verwirrt an und konterte: „Wie meinst du das? Die sprechen doch kein Deutsch. Ich kann zwar nicht sagen, welche Sprache das ist, aber Deutsch ist es auf keinen Fall.“
Nun wirkte Reiga erst recht ziemlich geschockt. Er drehte sich um und schaute sich die Touristen an. „Dann sag mir bitte wer von den ganzen Touris hier Deutsch spricht“, bat sie Reiga schließlich. Marie sah sich um und versuchte das einzelne Geschwätz der Leute aus dem ganzen Lärm herauszufiltern. „Die Zwei sprechen Deutsch. Die Fünf da drüben Englisch. Die paar Leute dahinten klingen wie Chinesen. Da vorne höre ich etwas Italienisch. Ansonsten kann ich nichts erkennen. Warum fragst du?“, hakte sie verwundert nach. Reiga wirkte sehr nachdenklich. Kurz darauf antwortete er: „Für mich klinkt alles wie Deutsch.“
Marie fragte erstaunt: „Wirklich?“ Auf das kurze Nicken von Reiga, erwiderte sie: „Noch eine Fähigkeit des Lougarou?“ Reiga überlegte und sagte plötzlich: „Dafür ziehe ich Kiba nachher die Ohren lang. Deshalb hat er plötzlich so gegrinst, als ich sagte, dass ich dich begleite. Er wusste, dass ich die Menschen hier verstehen würde.“ Bevor Marie antworten konnte, hörten sie plötzlich ein kurzes Rufen. Für Marie hörte es sich wie Kauderwelsch an, Reiga dagegen verstand es: „Junge Frau?!“ Sie drehten sich beide um. Der Mann hinter den Waren sah sie wartend an. Sein Sohn stand noch neben ihm, sie hatten jedoch ihr Gespräch wohl bereits beendet. Marie begriff und zeigte dem Mann ihr Schweizer Taschenmesser.
Der nahm es ihr ab und fummelte die unzähligen kleinen Werkzeuge heraus, um es zu begutachten. Von diesem Wunderwerk der Technik schien er ziemlich erstaunt, aber auch begeistert zu sein. Der Junge neben ihm, war ebenso erstaunt, hatte jedoch andere Pläne. Er zupfte am Ärmel seines Vaters und schüttelte den Kopf. Dabei sprach er ein Wort, das auch diesmal Reiga verstand. Kurz darauf versuchte der Vater ein bisschen mit ihm zu diskutieren, doch der Junge schüttelte immer wieder den Kopf und wiederholte das eine Wort. Auf Maries fragenden Blick erklärte Reiga: „Scheinbar hat der Junge die Figur geschnitzt und will dafür Schokolade haben. Der Vater ist aber sehr an deinem Taschenmesser interessiert.“
Nach etwa zwei Minuten des Streitens sprach der Vater schließlich mit ernstem Ton ein Machtwort, woraufhin der Junge beleidigt, aber auch traurig nichts mehr sagte und sich mit verschränkten Armen auf den Boden neben seinen Vater setzte. Natürlich tat er Marie leid. Sie hatte sogar noch zwei Tafeln Schokolade, aber die wollte sie sich eigentlich aufheben. Sie sah sich nochmal die Waren des Mannes an und fand einen kleinen Beutel aus braunem Leder. Mit einem Lederband konnte man ihn zuziehen und zum Beispiel als Geldbeutel benutzen. Da sie dem Jungen eine Freude machen wollte, holte sie schließlich aus ihrem Rucksack eine Tafel Vollmilchschokolade heraus und nahm sich den Lederbeutel.
Natürlich entdeckte der Junge die Tafel sofort und konnte sich denken, dass es Schokolade war. Freudig zupfte er an der Kleidung seines Vaters, der noch immer fasziniert das Taschenmesser begutachtete. Als er seinen Sohn zurechtweisen wollte, bemerkte er dessen Blick und sah zu Marie. Die hielt in einer Hand die Drachenfigur und den Lederbeutel und in der anderen die Schokolade. Lächelnd bedeutete sie ihm, dass sie die beiden Sachen gegen das Taschenmesser und die Schokolade tauschen würde. Als er das verstanden hatte, nickte er sofort. Marie reichte ihm die Tafel und nickte ebenfalls. Der Mann nahm sie ihr ab und gab sie seinem Sohn, der natürlich vor Freude rumzappelte. Er verbeugte sich kurz, sagte dabei etwas zu Marie und verschwand dann schnell im Haus. Der Vater legte das Taschenmesser bei Seite und widmete sich dem nächsten Kunden.
Marie verstaute die Sachen in ihrem Rucksack und mit Reiga zusammen sah sie sich noch die Waren der anderen Einheimischen an. Glücklicherweise hatte das Haus vor dem Lager der Soldaten ebenfalls Waren zum Anbieten. Während Marie sich die Sachen ansah, begutachtete Reiga aus den Augenwinkeln das Lager und sammelte Informationen. Dank seines guten Gehörs konnte er die Soldaten auch aus einiger Entfernung noch belauschen. Auch hier kam ihm die neuentdeckte Fähigkeit zu Gute, denn er verstand jedes Wort, dass die Männer sagten. Leider sprachen sie hauptsächlich über private Dinge oder beschwerten sich über die bescheuerte Aufgabe eine alte Höhle zu bewachen.
Nach einigen Minuten sprach plötzlich eine fremde Stimme etwas lauter und rief alle Touristen zusammen. Reiga verstand auch diesmal jedes Wort, Marie hatte jedoch Schwierigkeiten. Es war zwar Englisch, aber gerade mal auf Grundschulniveau und mit einem starken Akzent. Die Leute sammelten sich dennoch recht schnell in der Mitte des Dorfes um den Mann herum. Auch Marie und Reiga gingen hin, um nicht aufzufallen. Es stellte sich heraus, dass der Mann ein Professor in Archäologie war und die Besichtigungen der Höhle leitete. Scheinbar konnte die Höhle nur in einer kleinen Gruppe besichtigt werden, da sie nicht viel Platz bot und der Weg zur Höhle zudem nicht einfach zu überwinden war. Bei einer zu großen Gruppe, wäre das Risiko zu hoch, dass jemand unterwegs verloren ging.
Als der Professor fragte, wer noch nicht in der Höhle war, hoben auch Reiga und Marie die Hände. Reiga hatte sich nämlich überlegt, dass es vielleicht unnötig sein könnte, das ganze Rudel in die Höhle zu schmuggeln, wenn Marie und er es möglicherweise allein schaffen konnten. Es würde ihnen jedenfalls viel Aufwand ersparen. Der Professor wählte 15 Leute aus, unter denen auch Reiga und Marie waren. Er gab jedem eine Kopie einer Karte, wo der Weg vom Dorf zur Höhle eingezeichnet war. So sollte sichergestellt werden, dass jeder die Möglichkeit hatte zurückzufinden, falls er doch unterwegs verloren ging. Danach hatten die Touristen nochmal Zeit sich auf den Weg vorzubereiten.
Etwa zehn Minuten später ging es endlich los. Mit dem Professor und einem einheimischen Führer zusammen, machte sich die Gruppe auf den Weg zur Höhle. Reiga und Marie mussten feststellen, dass der Weg alles andere als einfach war. An vielen Stellen war dieser nämlich gerade mal für eine Person breit genug. Zweimal mussten sie über eine alte klapprige Hängebrücke gehen, die zwar nicht sehr lang waren, die Schlucht darunter aber dafür umso tiefer. Vier Pausen legten sie ein und brauchten bis zur Höhle fast fünf Stunden. Als sie endlich angekommen waren, bemerkte Reiga sofort die Soldaten. Vor der Höhle war ein Lager aufgeschlagen worden. Es gab ein großes Militärzelt und zwei kleinere Zelte für die Touristen. Auf das Rufen kamen die 15 Gruppenmitglieder schließlich nochmal um den Professor zusammen.
Mit seinem Grundschulenglisch erklärte er, dass es erst nochmal eine kleine Pause gab, bevor die Besichtigung der Höhle stattfand. Als kurz darauf ein Teilnehmer fragte, wie lange sie für die Besichtigung Zeit hatten, antwortete der Professor: „Den ganzen Abend. Wir können erst morgen früh den Rückweg antreten, da es bereits zu spät ist.“ Nicht nur Reiga und Marie sahen ihn überrascht an. Natürlich hatten sie damit nicht gerechnet, aber jetzt gab es kein Zurück mehr. Bei einer so kleinen Gruppe würde ihr Fehlen zu sehr auffallen. Während der kleinen Pause sah sich Reiga schon mal ein bisschen um. Die Höhle war relativ gut versteckt. Sie waren zwar schon ein gutes Stück den Berg raufgelaufen, aber noch gab es hier Wald.
Bevor Reiga weiter darüber nachdenken konnte, verkündete der Professor, dass die Höhle nun zur Besichtigung frei sei. Daher erhoben sich die 15 Leute und gingen ihm hinterher. Nachdem die zwei Wachen am Eingang der Höhle kurz auf den fragenden Blick des Professors genickt hatten, konnten sie endlich den Tunnel betreten und etwa fünf Minuten Fußmarsch später erreichten sie die Kammer, die als Opferstätte des Bergdrachen bekannt war. Reiga und Marie sahen sich neugierig um. Überall standen Vitrinen herum, in denen die Pfundstücke betrachtet werden konnten. Über den goldenen Altar in der Mitte der Höhle hatte man einem großen Kasten aus Panzerglas gestellt. Mit dicken Bolzen war dieser zusätzlich im Boden verankert worden.
Sowohl Reiga als auch Marie klappte jedoch das Kinn runter, als sie die riesige Drachenstatue entdeckten. Mit aufgerissenem Maul schien es, als ob er gerade auf sie zustürmen würde. Zwei lange Hörner oberhalb seines Kopfes reichten bis in die Decke rein und dienten wohl zusätzlich als Halterung des Kopfes. Bis zur Hälfte seiner Brust ragte er aus der Wand. Unterhalb von ihm war noch zusätzlich ein Stück seines linken Fußes samt drei großer Krallen zu sehen. Während sich die übrigen Leute einzeln alles ansahen, widmeten sich Reiga und Marie nur dem Drachen. „Was stand nochmal in der Prophezeiung?“, fragte Marie etwas leiser. Reiga holte schnell das Buch aus seinem Mantel und schlug die letzte beschriebene Seite auf.
„Höre eine Stimme, wo keiner spricht, dann wird sich dir ein Weg offenbaren, wo keiner ist“, las er nochmal vor und sah dabei wieder zum Drachen auf. Marie überlegte eine Weile. Wind gab es hier keinen und auch keinen Wasserfall oder ähnliches, was Geräusche machte, aber nicht sprach. Auch Reiga wusste im Moment nicht wirklich weiter. „Vielleicht haben wir zu kompliziert gedacht. Was, wenn es gar nicht um irgendein besonderes Geräusch geht? Was, wenn es wirklich nur darum geht, dass hier keiner sprechen soll?“, fragte Marie nach einigen Minuten. „Hmmm. Also müssen wir still sein, um etwas zu hören“, stellte Reiga nachdenklich fest und sah sich dabei um. Es war zwar nicht laut, aber natürlich tuschelten die Leute und besprachen ihre Meinungen zu den einzelnen Fundstücken. Auch der Professor erklärte hier und da mal etwas, wenn ihm jemand eine Frage stellte.
„Das könnte ein Problem werden. Es ist offensichtlich, dass es hier einen Geheimgang gibt, aber solange wir nicht alleine sind, ist es sowieso zu gefährlich weiter danach zu suchen. Wir müssen wohl doch nochmal wiederkommen“, flüsterte Marie ihm schließlich zu. Reiga musste einsehen, dass es daran wohl doch keinen Weg vorbei gab. Ihm behagte es nicht, sein ganzes Rudel bei Nacht und Nebel hierher zu führen, aber andererseits wollte er ihnen auch nicht die Begegnung mit einem Drachen verweigern. Besonders Thomas schien sich darauf zu freuen und dass konnte Reiga gut verstehen. Er selbst war immerhin darauf auch schon gespannt.
„Es hilft wohl nichts. Dann müssen wir halt nochmal wiederkommen. Was soll's. Ist nicht weiter tragisch“, stellte er schließlich fest und sah sich dabei in der Höhle etwas genauer um. Er suchte vor allem nach Kameras und Bewegungsmeldern, doch fand nichts Auffälliges. Scheinbar ging man davon aus, dass das Panzerglas und die Wachposten ausreichten, um den Altar zu schützen. Als etwa eine Stunde später alle aus der Höhle geschickt wurden, bemerkten Reiga und Marie, dass bereits die Sonne unterging. Am Lagerfeuer aßen die Touristen ihr Abendessen, dass sich jeder mitgebracht hatte. Reiga und Marie hatten sich jedoch extra etwas abseits hingesetzt, um ungestört reden zu können.
„Warum schleichen wir uns nachher, wenn alle schlafen, nicht in die Höhle?“, fragte Marie nach kurzem Überlegen. Reiga beobachtete aus den Augenwinkeln noch immer die Soldaten, da diese gerade von zwei anderen abgelöst wurden und die, die innerhalb der Höhle waren, nun rauskamen. Er sah schnell auf Maries Armbanduhr und merkte sich den Zeitpunkt, danach erklärte er leise: „Wenn irgendwas schiefgeht und wir nicht vor morgen früh zurück sind, würde unser Fehlen bei der kleinen Gruppe sofort auffallen. Das ist mir zu riskant. Wenn ich das richtig einschätze, dann führen sie zwei Gruppen pro Tag hier her. Eine vormittags bis nachmittags und eine abends bis zum nächsten Morgen. Wir folgen morgen der Abendgruppe einfach und schleichen uns in der Nacht in die Höhle.“ „Hmm, ja. Klingt vernünftig“, antwortete Marie schließlich.
Etwa eine Stunde später legten sich die ersten Touristen schon schlafen. Reiga blieb etwas länger Wach, um die Soldaten noch weiter beobachten zu können. Natürlich achtete er dabei darauf nicht aufzufallen, jedoch wollte er wissen, ob in der Nacht nochmal eine Wachablösung stattfand und dass war es auch, was er am nächsten Morgen direkt überprüfte. Als aller erstes machte er nämlich um kurz nach fünf bereits die Augen auf und als er aus dem Zelt kam, entdeckte er zufrieden dieselben beiden Männer vor dem Höhleneingang, wie auch am Abend zuvor. Nachdem er kurz im Wald verschwunden war und sich erleichtert hatte, setzte er sich wieder vor die Feuerstelle, die noch leicht brannte und beobachtete aus den Augenwinkeln die Soldaten.
Um Punkt sechs Uhr kamen schließlich vier Soldaten aus dem Militärzelt. Zwei davon gingen in die Höhle, die anderen Beiden lösten ihre Kameraden vor dem Eingang ab. Etwa zwei Stunden später weckte der Professor um kurz vor acht alle, die noch schliefen. Nachdem sich alle etwas frisch gemacht hatten und wach waren, trat die Gruppe den Rückweg an. Diesmal machten sie nur drei Pausen und brauchten für den Weg auch nur knapp vier Stunden, aber dennoch war Marie ziemlich erschöpft. Nicht nur die Kälte des Morgens und die dünne Luft machten ihr zu schaffen. Sie hatte auch nicht wirklich viel zum Frühstück gehabt, denn sie hatten nicht genug zu essen dabei und Reiga konnte auch nicht einfach etwas jagen gehen, da das ebenfalls zu auffällig gewesen wäre.
Als sie endlich im Dorf angekommen waren, musste Marie erstmal verschnaufen. Reiga sah sich währenddessen nochmal etwas um. „Sobald du weiterlaufen kannst, verschwinden wir von hier“, sagte er schließlich zu ihr. „Ja, gib mir nur noch eine oder zwei Minuten“, erwiderte Marie und massierte sich dabei ihre leicht schmerzenden Füße. „Das letzte Mal bin ich vor fünf Jahren so viel innerhalb von zwei Tagen gelaufen“, meckerte sie und zog sich dabei die Schuhe wieder an. „Tja, du wirst dich sicherlich wieder dran gewöhnen. Immerhin müssen wir den Weg noch zweimal laufen“, antwortete Reiga grinsend, was Marie nur ein genervtes Seufzen entlockte.
Gerade als sie sich wieder erhob, kam plötzlich ein Junge eilig ins Dorf gerannt. Der einheimische Junge war vielleicht elf oder zwölf Jahre alt und lief aufgeregt zu seinem Vater. Viele der Touristen bemerkten das natürlich und auch Reiga und Marie. Als der Junge bei seinem Vater ankam, sprach er hastig und deutete dabei in die Richtung, aus der er gekommen war. Kurz darauf kamen auch andere Dorfbewohner dazu und fragten den Jungen einige Dinge. Marie verstand natürlich kein Wort, Reiga jedoch alles. „Worüber reden die?“, fragte sie und sah dabei zu Reiga, doch der starrte nur geschockt die Einheimischen an und sagte kein Wort.
(c) by Meister Fuchs (Micki the Fox)