Untervögelte Drachen und andere Probleme

Story by Guglehupf on SoFurry

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Die Küche des Hauptgebäudes befand sich genau auf der anderen Seite zum Labor und der Bibliothek und war durchaus üppig ausgestattet. Mehrere Herde, wobei aktuell nur einer genutzt wurde, viel Platz zum Anrichten von Speisen für größere Gesellschaften. Natürlich mehr Abstell- und Lagerplatz als für zwei Personen benötigt wurde. Dazu kam die typische Küchenausstattung mit Besteck, Geschirr und sonstigem Werkzeug. Alles war zwar edel, aber Faldarea war dennoch immer darauf bedacht gewesen, dass das Standardgeschirr und ?besteck möglichst schlicht war. Qualität vor Schönheit, dann musste man sich nicht immer etwas Neues kaufen. Außerdem kostete Ersatz dann auch nicht so viel.

Schnell suchte er sich einen Teller zusammen, schnitt sich etwas Brot ab, legte zwei Äpfel und mehrere Rüben dazu. Er könnte sich auch problemlos etwas von den Würsten nehmen, welche im Karmin hingen, doch er hielt es ziemlich pragmatisch. Fornoir war ein Sklave, da musste er sich nicht immer Fleisch gönnen. Lieber nahm er sich dann extra mehr, wenn die Herrin ihn explizit darauf ansprach. Generell versorgte er sich unter Tags von dem, was er auf dem Hof finden konnte: Apfelbäume, Kirschen, Birnen, Beerensträucher, Felder mit Gemüse. Viel mehr, als die Herrin und er zusammen bewirtschaften konnten. Trotz seiner Kraft und ihrer Elfenmagie mussten weite Teile der Felder brachliegen und so konzentrierten sich die Beiden auf die Bereiche, welche sie mit den gegebenen Mitteln gut bewirtschaften konnten. Aus dem Fenster konnte er in der Ferne die Mühle erkennen und auch sehen, dass ein Drache sich an ihr zu schaffen machte. Ein Grinsen umspielte seine Lippen und kräftige Zähne wurden sichtbar. //Macht der Idiot tatsächlich mal was Produktives. Ich bin ja mal gespannt, was ich sehe, wenn ich dann hinten zum Zaun gehen. Und ob er mir sagt, was die Herrin genau mit ihm gemacht hatte?// Dass das Fingerschnipsen mit dem blauen Leuchten nicht unbedingt einfach nur ein magischer Trick war, sondern irgendwo einen Zauber ausgelöst hatte, war ihm klar. Er selbst wurde oft genug von Magie getroffen, obwohl die Herrin zum Teil mehrere Meilen entfernt war. Nichts, was man sich wirklich wünschen würde. Er schnappte sich den letzten Apfel, verschlang ihn mit wenigen Bissen und stellte das benutzte Geschirr dann auf die Spüle zu den anderen zu reinigenden Dingen. Das würde er dann machen, wenn er wieder zurück war und er durch das angekündigte Gewitter, wenn es denn kam, eh nichts außerhalb des Hauses erledigen konnte.

Der Sergal verließ das Haus durch die Tür, welche er anfangs benutzt hatte und wurde durch einen lauten Schrei abgelenkt. Daraufhin hob er den spitzen Kopf, stellte die Ohren auf und musste feststellen, dass Hidalgo ganz offensichtlich seinen Spaß daran hatte, einen Schwarm Gänse zu jagen und die gefangenen Exemplare noch in der Luft zu verspeisen. Fornoir lächelte, er war fast neidisch auf das Leben des Greifs. So frei, so unbeschwert.

„Das Schwelgen hilft alles nichts, du musst zurück an die Arbeit. Der Zaun repariert sich definitiv nicht von alleine.“ murmelte er in sein rotes Kinnbärtchen und ging dann zur Werkstatt, um sich mit entsprechendem Werkzeug auszustatten. „Hier könnte auch mal wieder aufgeräumt werden.“ Ein paar Nägel, eine Säge und ein Hammer wurden in eine entsprechende Tasche gepackt und vorsichtig über die Schulter gelegt. Das Holz dürfte er bestimmt aus den Resten der Mühle holen können, ansonsten gab es immer noch einen alten Holzschuppen in der Nähe. Pfeifend schloss er die Werkstatt ab und machte sich dann auf den Weg zu der Kuhweide und ihrem zu reparierendem Zaun.

Der Weg führte ihn an weiten Feldern vorbei, welche Faldarea mehr oder weniger freiwillig an die Bauern aus der Gegend verpachtet hatte. Der Kontakt mit dem gemeinen Volk war der Magierin eigentlich ein Dorn im Auge und die örtliche Bevölkerung mied das Gelände, doch der Boden war fruchtbar und beide Seiten ließen einander in Ruhe. Wenn Besorgungen im Dorf zu erledigen waren, nahm der Sergal meist eins der Pferde oder im seltenen Fall auch den Greifen, doch eigentlich hatte die Herrin diesen für sich reserviert. Und mit ihr wollte er definitiv nicht über ein Reittier streiten.

Die Sonne schien ihm auf das Fell und ließ es teils richtig glänzen, er mochte es, ein wenig besser aus zu sehen. Sein Schwanz wippte im Takt der einfachen Musik und er blickte sich um, ob er irgendwo ein kleines Schwätzchen halten konnte. Er hielt zwar auch nicht sonderlich viel von der Bevölkerung hier, sie war relativ einfach und dementsprechend auch etwas primitiv, doch manchmal konnte man interessante Informationen über die Gegend in Erfahrung bringen. Wann das nächste Fest im Dorf stattfand, wann der nächste Markt in die Stadt kam, ob Krieg oder dergleichen im Reich herrschte. Also schadete es nicht, ab und zu den Kontakt zu den Einheimischen zu suchen.

Tatsächlich wurde er schon schnell fündig. Ein Bauer, ein Grauwolf im kräftigsten Alter, war gerade dabei, den Zaun um seine eigene Weide zu reparieren und hob den Kopf kurz, um den Sergal länger zu mustern. So richtig konnte er ihn nicht leiden, er gehörte zu der Hexe und sah sonderbar aus, zudem kam er definitiv nicht von hier. Aber er hatte ihm noch nie etwas getan, also warum sollte man ihm böse kommen? „Hallo Nachbar, schönes Wetter heute, nicht?“

Fornoir hatte den Bauern schon von weitem gesehen und blieb kurz stehen. „Ja, das stimmt allerdings.“ Er blickte in den Himmel und hielt sich die Hand über die Augen um nicht von der Sonne geblendet zu werden. „Wobei die Herrin meint, dass es heute noch gewittern dürfte. Jetzt ist es so warm geworden, da vergeht doch kaum ein Tag ohne Gewitter.“ Der Sergal sprach ruhig, aber man merkte ihm die zu wahrenden Distanz an

Der Wolf hob den Kopf, stand auf und ließ dabei den Rücken knacken. Er blickte ebenfalls in den Himmel, konnte bislang allerdings nur harmlose Quellwolken sehen. „Hmm… Dass früher oder später ein Gewitter kommt, das ist klar. Das ist so sicher, wie dass es abends dunkel wird. Ein Sommer ohne Gewitter gibt es einfach nicht.“ Skeptisch musterte er den Sklaven, betrachtete ihn von oben bis unten. Ganz offensichtlich schätzte der Bauer etwas ab. „Ob es heute schon kommt, weiß ich nicht. Kann es nicht eher sein, dass die Alte schon wieder ein bisschen zu tief über ihrem Kessel gehangen hat und daher das denkt?“

Ein Zischen des Angesprochenen folgte. „Ihr wisst genau, dass ihr besser nicht in diesem Ton über sie redet. Sie ist keine dieser Märchenhexen, sie ist eine ehrbare Frau.“ Er kannte jeden Spruch über sie, der von den Brüsten über die spitzen Ohren bis zu den Stiefeln reichte. Anfangs hat er sich noch mit denen, die es wagten, Faldarea so in den Schmutz zu ziehen, angelegt, doch als er realisierte, dass er von der Herrin dafür keine Anerkennung bekam, ließ er es bleiben. Verstehen konnte er die Entscheidung nicht, aber es ging selten über ihn. Also war es ihm mittlerweile auch egal.

„Ehrbare Frau? Jemand, der sich Sklaven hält, der kann nicht ehrbar sein. Aber gut, ich will mich nicht mit euch über so etwas streiten, die Steuern und Abgaben machen aus mir ja auch schon fast einen Sklaven. Also seid ihr vielleicht doch besser, denn ihr habt das Leben wenigstens nicht gewählt.“ Der Wolf lachte und versuchte, sich so versöhnlich zu zeigen. Offenbar war das Eis zumindest für diesen Moment gebrochen. „Außerdem haben wir, seitdem ihr hier seid, keinerlei Probleme mit irgendwelchen unheimlichen Gestalten. Und Banditen halten sich auch fern, seitdem euer Drache hier regelmäßig durch die Lüfte fliegt. Also vielleicht seid ihr doch ganz brave Leute. Auch wenn manchmal etwas mehr Stoff nicht schaden könnte, meine Frau beobachtet mich immer ganz böse, wenn deine Herrin in der Nähe ist.“ Der Wolf kratzte sich verlegen hinter den Ohren, denn so sonderbar jemand doch war, sobald die primitivsten männlichen Instinkte angeregt wurden, war die Sonderbarheit gegessen.

Ein leichtes Lachen kam über die Lippen des Sklaven und er musste zustimmend nicken. „Wohl wahr, wohl wahr.“ Leichte Eifersucht kam trotz seines Status bei solchen Worten über ihn. Er würde es niemals zugeben, doch er mochte es nicht, wenn andere Kerle die Herrin in dieser Art und Weise anschauten. Wohl wissend, dass es der Elfe sehr gefiel, so im Rampenlicht zu stehen. „Ich habe es ihr auch schon ein paar Mal gesagt, aber Frauen sind da halt ziemlich stur.“

Ohne Vorwarnung oder ein spezielles Stichwort wurde der Wolf plötzlich ernst. Seine Ohren legten sich an, die Stirn bekam Falten und er blickte sich unsicher um. Langsam näherte er sich dem Sergal und sprach mit gedämpfter Stimme. „Mir fällt gerade etwas ein, was ich euch schon länger sagen wollte… Seit einiger Zeit erzählt man sich, dass ein Dämon in der Nähe der Stadt gesichtet wurde. Man sagt, wenn man ihm zu nahe kommt, tötet er einen mit den bloßen Blicken. Klauen wie Schwert, Flügel so groß wie ein Schiffssegel. Feueratem, Schreie, ganz schreckliche Geschichten.“ Er stoppte kurz und wich ein Stück zurück. „Aber… Aber ihr sorgt schon dafür, dass er hier her nicht kommt? Dass er meine Familie verschont? Ich würde auch meine beste Kuh geben, wenn ich nur wüsste, dass er tot ist. Oder unschädlich, denn die Biester soll man in dieser Welt ja nicht töten können.“ Er zeigte deutlich Nervösität, der Schwanz war buschiger als sonst und die Augen wanderten rastlos in der Gegend hin und her, während die Ohren bei jedem noch so kleinen Geräusch zuckten. Der Bauer hatte sichtlich damit zu kämpfen, nicht immer direkt in die Richtung der Geräusche zu blicken.

Anfangs hätte Fornoir Gerede über Dämonen, Untote und dergleichen als schlechtes Geschwätz abgetan, doch es war die Herrin selbst, welche ihn explizit darauf hingewiesen hat, diese Geschichten ernst zu nehmen. Warum, das wusste er nicht. Er wollte es in Erfahrung bringen, doch die Elfe hat sehr eindrücklich davor gewarnt, es besser nicht zu wissen. Also hielt er sich daran, denn wenn ein Magier das sagte, dann hatte das schon seine Gründe. Zudem konnte er die Angst seines Gegenübers förmlich riechen und auch wenn er ihn nicht wirklich mochte, so nahm Fornoir seine Sorgen doch ernst. „Wenn ein Dämon hier her kommt, wird die Herrin es bestimmt bemerken. Aber ich werde sie selbstverständlich davon unterrichten, dass solche Geschichten im Umlauf sind. Sie wird es dann bestimmt näher untersuchen. Selbstverständlich lasse ich euch dann wissen, wenn die Gefahr gebannt ist.“ Beschwichtigte er den Bauern. Machen konnte er in der Situation nicht viel, das wichtigste war es, die Bevölkerung davon fern zu halten, die Herrin als Quelle für das Übel zu sehen und dafür zu sorgen, dass sie in solchen Fällen in einem positiven Licht dastand. Auch wenn die Magierin es des Öfteren schaffte, sein Unterfangen zu torpedieren.

„Da… Danke.“ meinte der Wolf und schaute betroffen zu Boden. „Wissen Sie, wir erwarten unser erstes Kind und ich… ich will nicht, dass meiner Frau und dem Kind etwas passiert.“

//Aha. Da weht also der Wind her. Habe mich schon gewundert, warum er mir das erzählt.// „Keine Sorge, es wird schon nichts passieren. Die Herrin wird sich mit dem Dämonenproblem befassen und eurer Familie wird es gut gehen.“ So beruhigend wie es nun einmal für einen Sergal möglich war, sprach Fornoir auf den Bauern ein. Dass er vermutete, ohne Familie würden andere Worte aus dem Maul des Wolfes kommen, verschwieg er. Auch wenn er diese Vermutung gerne aussprechen würde, und damit sich über die Vorurteile aufregen, ließ er es doch bleiben. Es würde ja eh nichts an der Situation ändern. „Aber ich muss jetzt mal weiter gehen, sonst müssen wir beide uns um keine Dämonen mehr Gedanken machen.“ Schnell verabschied er sich von dem Bauern und ging dann seines Weges. //Dämonen… Hier in der unbedeutenden Gegend. Das ist bestimmt wieder nur ein Aberglaube, der weder Hand noch Fuß hat. Aber was soll es… Die Leute hier glauben an so was und wenn sie nicht eines Tages mit Fackeln und Mistgabeln vor unserem Haus stehen sollen, sollten wir die Sache ernst nehmen.//

Es dauerte nicht lange bis er kurz vor seinem Ziel an einer Weggabelung vorbei kam. Der Weg links führte sanft den Hang hinab, hin zur alten Windmühle, während der Weg rechts in Richtung des Waldes führte, bis zur Grundstücksgrenze, an welcher der Zaun repariert werden musste. Sollte er jetzt dem Drachen einen Besuch abstatten oder sich gleich zum Zaun aufmachen? Ersteres würde bedeuten, dass er noch mehr Arbeit hatte, letzteres würde noch viel mehr Arbeit bedeuten, wenn das Schuppentier seinen Abrissauftrag nicht richtig machen würde. Fornoir seufzte, schlug dann aber den Weg nach links ein.

Nach wenigen Dutzend Metern hatte er dann das alte Gebäude erreicht. Oder besser gesagt, das was davon übriggeblieben ist. Das Dach fehlte komplett und die Mauern waren schon zu großen Teilen eingerissen. Noch lag alles wild durcheinander, aber wenigstens lag es auf dem Boden und befand sich nicht noch in der Bausubstanz der Mühle. In der Mitte des Gewühles stand ein fluchender Schwarzdrache, welcher mit kräftigen Klauen Stein um Stein aus dem Mauerwerk riss und zu Boden warf. Fornoir fand es erstaunlich, dass Manaltor seine eigenen Hinterfüße offenbar nie traf. Wobei er das Gefluche dabei auch nicht wirklich erleben wollte. „Na, das macht doch langsam Fortschritte. Es sieht schon mal so aus, als hätte ein alter Drache mit Hüpfschmerzen hier gewütet.“

„Halt. Die. Schnauze!“ war zunächst die einzige Antwort, ehe sich der Drache umdrehte und mit wütend funkelnden Augen den Sergal betrachtete. „Hast du vielleicht eine Ahnung, wie lange ich hier schon Stein um Stein aus diesem verdammten Mauerwerk pulle und versuche, die Mühle dem Erdboden gleich zu machen? Das ist eine Aufgabe für Steinmetze, Leute mit Werkzeug, aber keinen Drachen wie mich. Ich kann Holz innerhalb von Augenblicken zu Asche verbrennen, Metall schmelzen, aber ich kann keine Steine bearbeiten.“

„Jaja, ich sehe es. Deswegen lässt du dich ganz offensichtlich auch von einem kleinen Käfig aus Metall so beeinflussen.“ Mit gespieltem Desinteresse zeigte Fornoir auf den gut sichtbaren Peniskäfig des Drachens.

„Arrgh!“ Manaltor stürmte zornig auf seinen Vorgesetzten zu, blieb dann aber nur wenige Handbreiten vor ihm stehen. „Bist du eigentlich nur gekommen, um dich über mich lustig zu machen? Du hast mir doch die ganze Scheiße eingebrockt, also habe wenigstens die Ehre, mich dafür nicht auch noch auszulachen. Aber ja, ich vergaß, deine Ehre hast du bestimmt in irgendeinem Freudenhaus gelassen. Nachdem du dein Gewissen verkauft hast, hast du sie auch nicht mehr gebraucht. Ihr Sergals seid doch eh nur ein Haufen Mörder und Söldner, die hinter dem großen Geld her sind.“

„Schluss! Es reicht! Ich warne dich, wenn du nur noch ein weiteres Wort sprichst, wirst du es bereuen. Du denkst vielleicht, ich würde nicht gegen einen Drachen Kämpfen, der deutlich größer ist als ich. Da irrst du dich. Willst du meine Klauen spüren? Dann mach nur weiter!“ Der Sergal streckte den mit zornig funkelnden blauen Augen den rechten Arm aus und zeigte seinem Gegenüber die doch ordentlichen Klauen. Er konnte damit selbst größere Tiere wie Kühe oder Wildschweine ohne Probleme zerfetzen, wenn es denn sein musste. „Ich soll dir von der Herrin ausrichten, dass du dich besser gut mit mir stellst, ansonsten wird das eine harte Zeit für dich. Vergiss nicht, sie ist Alchemistin und es gibt durchaus Dinge an und in deinem Körper, an denen sie bestimmt Interesse hat. Außerdem soll ich dir sagen, dass du ansonsten diesen Tag auf ewig im Gedächtnis behalten wirst.“

Der Drache knurrte, zog dann seinen Kopf aber zurück. Dadurch, dass er hier war und diesen demütigenden Käfig tragen musste, wusste er um ihre Macht und wusste auch, dass diese Drohung durchaus Hand und Fuß haben konnte. Plus, da gab es ja noch die eine Sache, die ihm widerfahren ist. Welche er nicht unbedingt vor dem Sergal wieder erleben wollte. „Also, wenn du mir nichts Weiteres zu sagen hast, würde ich dir raten, verpiss dich und geh an deine Arbeit. Ich mach hier meine Arbeit so gut es geht und du gehst mir nicht auf die Eier. Einverstanden?“

Ein bisschen liebte es Fornoir ja schon, den Drachen zu reizen und zu triezen, weil er genau wusste, dass Manaltor absolut nichts dagegen machen konnte. Jedoch konnte er ihn auch nach einem Jahr noch nicht ganz einschätzen und war sich nicht so sicher, wie die Schuppenbestie reagieren würde. Vielleicht würde er ihn dennoch angreifen, ungeachtet der nicht ganz undramatischen Konsequenzen. „Naja, eine Sache würde mich schon noch interessieren. Ist irgendwas besonderes passiert? Hat dich eventuell der Blitz getroffen oder so?“ Er grinste, immerhin wusste er ja von dem Fingerschnippen.

Könnten Drachen rot vor Wut werden, so würde es der Drache jetzt wohl werden. Er hielt für einen Moment inne um den Kopf dann schnell in Richtung des Sergals zu bewegen. „Ich weiß nicht, wie du auf diese Idee kommst, aber es ist jetzt echt besser für Fellträger, sich aus der Umgebung eines Drachen zu entfernen. Wer weiß, ob sie sonst danach noch einen Pelz haben.“

„Oh, das muss dann wohl ein echt schockierendes Erlebnis für dich gewesen sein, wenn so ein großer, starker Drache, der auf keinen Fall von einer zierlichen Frau unterdrückt werden würde, also jetzt rein hypothetisch, sowas passiert natürlich nicht, nicht darüber reden möchte.“ Fornoir wurde neugierig. Was hatte die Herrin mit dem Drachen getan? Wie hat sich das Fingerschnippen bei ihm bemerkbar gemacht?

„Verschwinde, du pelzige Ausgeburt der Hölle!“ Manaltor hob den Kopf, öffnete das Maul und ließ einen Feuerstrahl neben seinem Vorgesetzten nieder. „Wenn du jetzt nicht gleich abhaust, wird dich das treffen. Mir ist es dann scheiß egal, was mit mir passiert. Hauptsache, du hältst dein verficktes Maul! Außer dumm reden kannst du ganz offensichtlich nicht viel!“ Gleichzeitig machte er noch einmal einen Schritt auf den Mitsklaven zu. Flammen schlugen aus seinem Maul und aus den Nüstern drang Rauch.

Spätestens jetzt hatte es auch der Sergal eingesehen, dass er den Bogen nicht überspannen durfte, sonst würde er tatsächlich als ein Haufen Asche auf dem Boden übrig bleiben. „Mann, Mann, Mann. Mach mal halblang. Wir sind immer noch im gleichen Team, du musst dich jetzt nicht so aufregen. Nutz die Energie lieber für die Mühle. Bis später“ Dann drehte er sich um und ging schleunigen Schrittes den Weg zurück. Als er ein paar Schritte gegangen war und damit eine gewisse Distanz zur Bestie hatte, rief er noch: „Vielleicht solltest du mal wieder was ordentlich rannehmen, du wirkst als hättest du ein wenig Druck auf den Lenden.“ Ohne eine Antwort abzuwarten, nahm er breit grinsend die Beine in die Hand. Er hörte dennoch, wie der Drache fluchte und konnte auch das Lodern einer Feuerlanze hören, deren Hitze er aber nicht einmal spürte.

Schnell war er dann bei seinem Zaun angekommen und legte das Werkzeug ab. Der Schaden war in der Tat nicht wirklich groß, die Wildschweine hatten sich wohl damit begnügt, eine Bresche zu schlagen, durch welche sie dann auf die Weide gelangen konnten. Ob sie gefunden haben, was sie gesucht hatten, wusste Fornoir nicht, aber den Boden haben sie hier kräftig durchwühlt. //Vielleicht sollten Hidalgo und der Drache sich mal darum kümmern, die Wildschweine in der Gegen systematisch zu jagen, anstatt nur hin und wieder eins zu erwischen.// Er blickte kurz in den Himmel, konnte den Greifen aber nicht finden, obwohl man von hier eigentlich eine gute Aussicht auf die Gegend hatte. //Oh, was haben wir denn hier?// In der Ferne sah er tatsächlich eine Wolke, die bedeutend größer und dichter als die anderen war. Sie ähnelte ein bisschen einem Amboss. //Da scheint ja doch was zu kommen. Mal schauen, ob wir hier auch nass werden.//

Dann machte er sich an seine Arbeit und reparierte den Zaun so gut es ging. Es war nicht ganz einfach, schließlich war er alleine und musste öfters beim Halten und Befestigen der Bretter improvisieren, doch schlussendlich war der reparierte Zaun von der Höhe und der Stabilität kaum unterschiedlich zum Zaun davor. „Jetzt sollen die Schwarzkittel es noch einmal probieren.“ bemerkte er anerkennend und rüttelte an seinem Werk. „Sitzt, passt, wackelt und hat auch noch Luft.“ Dann streckte er sich, spannte einmal jeden Muskel von den Schultern bis zur roten Schwanzspitze an und ließ so die Knochen knacken. Er hob das Werkzeug auf, packte es in einen Beutel und legte ihn sich dann wieder über die Schulter.

Anstatt dem Weg direkt zurück zu folgen, ging er noch ein gutes Stück am Zaun entlang. Kontrollierte ihn, auch die beiden Gatter, welche er vor geraumer Zeit angebracht hatte und schlug an manchen Stellen einen weiteren Nagel in das Holz. Dabei wanderte sein Blick immer wieder von der Wolke zum Drachen und wieder zurück. Während erstere zwar immer noch weit weg war, schien sie dennoch schon deutlich größer und bedrohlicher zu sein, war zweiterer deutlich näher, dennoch deutlich weniger bedrohlich. Manaltor arbeitete weiter an seiner Mühle, die ihm wohl doch noch ein paar Tage Arbeit geben würde. Aktuell schien er die Mauern links liegen gelassen zu haben und legte die Steinbrocken auf einen Haufen. Das übrig gebliebene Holz, ganz offensichtlich mehr als nur leicht verkohlt, lag schon auf einem Haufen. Es schien zwar nicht mehr wirklich brauchbar, aber vielleicht konnte man ja noch ein kleines Feuer ein paar Stunden lang damit am Leben halten. //Aus den Steinen könnte man aucheine gute Abgrenzung zum nächsten Acker machen.//

Kurz wurde überlegt, ob er dem Drachen wieder einen Besuch abstatten sollte, er entschied sich allerdings dagegen. Eine Begegnung mit dem Feuerstrahl wollte er dann doch nicht riskieren. Stattdessen machte er sich nach der Kontrolle des Zauns nun doch langsam auf den Heimweg. Irgendwie hatte er gehofft, dass die ganze Arbeit etwas länger brauchen würde, dass er nicht so schnell wieder den Heimweg antreten konnte. //Jetzt muss ich mir irgendwas suchen, womit ich mich beschäftigen kann, bevor die Herrin mir wieder eine blöde Aufgabe gibt.//

Fornoir blieb auf dem Weg stehen, blickte sich kurz um. Der Wolf von vorhin war verschwunden, er konnte nur noch in der Ferne Bauern auf den Feldern erkennen. Ansonsten gab es nicht viel. Das kleine Dorf, welches dem Hof am nächsten war, lag eine halbe Stunde Wegmarsch entfernt hinter einem Hügel, über dem einige Raubvögel in der Mittagssonne kreisten. In der Ferne konnte er die Ausläufer eines Gebirges erkennen, aber die Sicht war heute nicht die Beste. Blickte er in Richtung des Hofs, konnte er dahinter den See erkennen, in welchem er regelmäßig schwamm. Zwischen den Bergen, Hügeln, dem Hof und dem See gab es immer wieder kleinere und größere Waldstücke, erst in der Ferne, in Richtung der Berge gab es offenbar einen größeren Wald.

Eigentlich war das Leben hier ja gar nicht so schlecht, er hatte alles, was man als Sergal so brauchte. Doch das Halsband, das störte ihn schon ziemlich. Immer wieder ging seine Hand zu seinem Hals und griff danach. Er hatte Sicherheit gegen seine Freiheit „getauscht“ und bereute es nun, auch wenn er wusste, dass er nichts dagegen hätte unternehmen können. So wenig wie er Manaltors Schicksal kannte, so wenig würde der Drache erfahren, was damals vor etwa zwei Jahren passiert war. Wie er in die Fänge der Herrin gekommen war blieb auch sein Geheimnis.

Langsam setzte er sich wieder in Bewegung, es half ja alles nichts. Er musste zurück und es gab genug andere Aufgaben zu erledigen.

Beim Hof wieder angekommen verstaute er die verschiedenen Werkzeuge an ihre entsprechenden Plätze und blickte sich noch einmal um. Gab es etwas, was er dringend machen musste ehe er sich bei der Herrin zurück meldete? Bevor er sich erneut die Füße wusch, wollte er lieber auf Nummer sicher gehen. Doch er fand nichts Nennenswertes. Kein Wagen, kein Fass oder keine Kiste, die er vorhin eventuell übersehen haben konnte.

So ging er dann wieder zu der Elfe, bereit neue Arbeit zu bekommen.