Kapitel 5

Story by SethGodofChaos on SoFurry

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Kapitel 5

Kampfeinheiten

Chiron war erfreut Besuch zu bekommen.

Die beiden Tiger drehten sich um und sahen in die Richtung, aus der die Stimme kam. Vor ihnen stand ein großer, stattlicher Kater, der zwar nicht mehr blutjung war, aber wohl im besten Mannesalter.

„Kein Wunder, dass unsere Tochter schwach wurde“, flüsterte Stella ihrem Mann zu.

„Womit habe ich denn die Ehrung verdient?“, fragte Chiron und ergänzte: „Entschuldigt bitte mein schlechtes Benehmen. Mein Name ist Chiron und ich bin der Herr der bescheidenen Hütte hinter mir.“

Stella riss die Fäden an sich. „Ich bin Stella und das ist mein Ehekater Cyron.“

Chiron nickte den beiden freundlich zu. „Und wer ist euer großer Freund?“

„Mein Name ist Groodarn, Tiger Chiron“, antwortete der Drache für sich selbst.

„Auch dir meinen Gruß, Groodarn.“

Das Tigerpärchen war sichtlich angetan von Chirons Äußerem und auch von seiner gewählten Sprechweise.

„Wenigstens hat sich unsere Tochter einen gebildeten Tiger genommen, er gefällt mir“, raunte Cyron seiner Partnerin zu.

„Muss ich mir jetzt Sorgen machen und eifersüchtig werden?“, witzelte Stella.

„Wie meinen?“, fragte Chiron.

„Nichts, nichts. Ist schon gut. Mein Männchen meinte eben nur, dass du ihm gefällst.“

Cyron vergrub sein Gesicht in seiner Linken und Chiron hustete ob der Offenheit der Tigerin.

„Was führt euch denn zu mir?“

Der Drache begann: „Ich soll dich grüßen, Tiger Chiron, von Tarja.“

Chiron riss die Augen auf. „Was ist mit ihr? Ist ihr was passiert? Ist sie auch hier? Wie geht es ihr? Was hat dieser merkwürdige Auftritt eigentlich zu be-deuten?“

„Kannst du dir denken, wer wir sind?“

Chiron schüttelte den Kopf: „Aber ich beginne etwas zu ahnen.“

„Ganz recht. Wir sind ihre Eltern“, sprach Cyron, Chirons Vorahnung aus.

Chiron sank in sich zusammen.

„Keine Sorge. Tarja geht es gut. Sie ist nicht hier. Wir haben sie zu ihrer Stiefschwester nach Strongham geschickt. Aber wir müssen uns unterhalten.“

Chiron trat einen Schritt zurück und nickte. „Gut, kommt in meine Hütte. Groodarn passt da leider nicht rein, aber du darfst gerne ein Stück näher kommen. Ich lasse die Tür offen, dann kannst du zuschauen und mitreden. Was zu essen gibt es für dich auch.“

Der Drache dankte, aber lehnte ab: „Ich möchte gerne in meine Höhle zurückkehren bevor die Nacht endgültig hereingebrochen ist.“

Chiron verstand seinen Wunsch und schaute auf Stella und Cyron. „Wenn ihr beide möchtet, könnt ihr gern bei mir übernachten. Erwartet aber nicht zu viel Komfort, hier gibt es kein fließendes Wasser, bis auf die kleine Quelle im Wald und auch keinen Strom. Was ich bieten kann sind lediglich etwas zu essen, einen guten Schluck, ein Dach über dem Kopf, ein Nachtlager und ein Plumpsklo im hinteren Teil des Hauses, dafür aber sehr viel frische Luft und ein üppiges Grün.“

Cyron grinste und Stella nickte zustimmend. „Wir denken, dass das reichen wird. Wir sind auch nicht gerade überströmenden Luxus gewohnt und wollen uns, abgesehen davon, auch nicht auf Dauer einrichten.“

Chiron lächelte einladend.

„Tiger Cyron“, sagte der Drache, „wann soll ich euch abholen?“

„Ich denke mal, dass es morgen gegen neun Uhr Recht ist.“

Der Drache brummte zustimmend und machte sich auf seinen Heimweg.

Die drei Tiger gingen ins Haus und Chiron schloss die Tür. „Tja, also … es ist sehr angenehm eure Bekanntschaft zu machen. Auch, wenn mir die Situation im Moment recht obskur vorkommt und ich nicht recht weiß, wie ich mich euch gegenüber verhalten soll.“

„Sei einfach du selbst und verbiege dich nicht unseretwegen“, versuchte Stella die Situation abzuschwächen und erträglicher zu machen.

Chiron sah sie an. Er hatte traumhafte dunkelbraune Augen und einen unheimlich weichen und sanften Blick. „Dass ihr mich gefunden habt, zeigt mir, dass ihr wisst was geschehen ist.“

Cyron nickte und schaute auf seine Hände. Sie zitterten und waren ein Zeichen dafür, dass er sich auch unbehaglich fühlte. „Wir sind hier, weil wir dich gerne kennenlernen möchten. Immerhin hast du mit unserer Tochter geschlafen und du warst ihr erster Liebhaber.“

„Ich weiß, das hatte sie mir gesagt. – Hinterher. – Und ich Feigling hatte nichts Besseres zu tun, als aufzustehen und zu verschwinden.“

„Du hast das getan, was du in diesem Moment für richtig hieltest. Dafür kann dir keiner einen Vorwurf machen.“

„Doch, man kann mir einen Vorwurf machen, nämlich den, dass ich verantwortungslos gehandelt habe und die Unerfahrenheit eurer Tochter ausnutzte.“

„Du hast sie nicht direkt ausgenutzt, immerhin ist Tarja nicht ganz unschuldig, wie ich das mitbekommen habe.“

Chiron nickte: „Das stimmt allerdings.“

„Das Einzige, was ich dir zum Vorwurf machen kann, ist die Tatsache, dass du älter bist als sie und wenigstens du an Verhütung hättest denken müssen.“

Chiron riss den Kopf hoch. „Du meinst, dass sie schwanger ist?“

„Ja, das ist sie. Herzlichen Glückwunsch. Du wirst Vater.“

„Wo ist sie? Ich will sie sehen.“

„Ich sagte doch bereits, dass sie bei ihrer Stiefschwester in Strongham ist. Da ist so schnell kein Hinkommen. Sei aber unbesorgt, ihr passiert nichts und sie wird dort euer Kind bekommen und groß ziehen. Und mach dir keine Gedanken, dir passiert auch nichts.“

Chiron atmete ein und ließ die Luft hörbar entweichen. „Wow, das ist ziemlich heftig.“

Stella grinste, weil er auch von seiner Ausdrucksweise her langsam aufzutauen schien.

„Verdammt, so habe ich das alles nicht gewollt und mir auch nicht vorgestellt.“

„Was soll das heißen?“, fragte Cyron.

„Das heißt nicht, dass ich jetzt kneifen will. Ich bin mir meiner Verantwortung durchaus bewusst und freue mich darüber, dass ich Vater werde. Allerdings kommt das etwas überraschend.“

„Das kann ich gut nachvollziehen“, entgegnete Stella, „Immerhin haben wir dich hier, ohne Voranmeldung, mit vielen Neuigkeiten überfallen. Da ist es klar, dass man seine Gedankengänge erst mal sortieren muss. Was allerdings auch wieder schön ist, da wir dich so besser kennenlernen.

Weißt du, die Sortierung der Gedanken verrät sehr viel über jemanden, vor allen Dingen, in welcher Reihenfolge die Prioritäten gesetzt werden.

Mir hat sehr gefallen, dass du zuerst nach Tarja gefragt hast. Das zeigt mir, dass dir etwas an ihr liegt.“

„Mir liegt etwas an ihr?“, Chiron lachte kurz auf, „Mir liegt nicht nur etwas an ihr. Sie hat mir einfach den Kopf verdreht. Ich kann, seit ich sie verlassen habe, kaum einen klaren Gedanken fassen. Ich fürchte, ich habe mich in eure Tochter verliebt. Das erschreckt mich irgendwie, weil ich dachte, dass mir so was nie passieren würde und vor allem so plötzlich.“

Cyron und Stella zwinkerten sich zu und nickten.

Chiron bemerkte diese Geste und lockerte innerlich noch etwas mehr auf. „Ich habe eine tolle Idee. Ich wollte ein Ferkel grillen, dass hätte für mich allein für die nächsten drei Tage gereicht. Wenn ihr wollt, dann machen wir das jetzt, trinken ein schönes kühles Bier dazu, machen es uns gemütlich und unter-halten uns weiter.“

„Bier?“, fragte Cyron.

„Japp, Bier. Ich braue es selbst. Die Hauptbestandteile sind Gerste, Malz und Hopfen, welche mit Wasser aufgegossen werden und dann lässt man es gären. Es schmeckt leicht bitter, aber gut und es hat eine berauschende Wirkung wie Met.“

„Das klingt gut“, meinte Stella.

Chiron wurde aktiv. Er hatte vor Ankunft der beiden schon fast alles vorbereitet und brauchte nur noch ein paar kleinere Sachen vor die Hütte zu tragen, inklusive des Ferkels.

Cyron packte mit an, nahm das Ferkel und trug es hinaus, den Rest erledigte Stella. Es war ein wundervoller Abend und sollte eine traumhafte Nacht wer-den.

Die drei Tiger saßen vor dem grünen Meer der Bäume, die Holzkohle knackte in ihrer eigenen Glut vor sich hin und gab eine angenehme Wärme ab. Das Ferkel war zart, knusprig und schmeckte ausgesprochen delikat und das Bier schlürfte sich einfach nur herrlich erfrischend weg.

„Tja, also. Alles in allem war das heute ein sehr bewegter Tag“, resümierte Cyron.

Stella sah ihn an und konnte dies nur bestätigen. „Ja. Wir haben sehr viel er-lebt und haben sehr viel dazu gelernt.“

„Stimmt. Wir sind über unsere eigenen Schatten gesprungen, haben tiefgreifende Entscheidungen getroffen und am Ende neue Freunde gefunden.“

Chiron saß da, hörte den beiden zu und schaute bei dem letzten Satz ab-wechselnd Stella und Cyron in die Augen. Die beiden lächelten ihn gutmütig an.

„Ihr bezeichnet mich als Freund? Und das nach allem, was ich getan habe?“

„Ja. Immerhin bist du der Geliebte unserer Tochter.“

„Aber … ich habe mich aus dem Staub gemacht. Habe Tarja am Ende sitzen gelassen.“

„Du hast in diesem Moment eine falsche Entscheidung getroffen. Die war deiner Meinung nach in diesem Augenblick vielleicht richtig, daher können wir dir auch keinen Vorwurf machen. Aber am Ende hast du doch zu deiner Verantwortung und deiner Tat gestanden und das ist entscheidend.“

Chiron nickte und Cyron ergriff das Wort: „Sag mal, mein Lieber, wo hast du eigentlich das Ferkel erlegt?“

„Im Urwald, unweit von hier“, kam die Antwort.

„Hmmm … da gibt es noch genügend Wild?“

„Ja. Ich habe zumindest nichts anderes feststellen können.“

„Das finde ich interessant. In den Wäldern um Felgan ist das Wild nämlich rar geworden und wir ziehen in Erwägung unsere Jagdreviere zu vergrößern.“

„Ich denke mal, dass der Urwald genügend Beute für alle bietet, solange man die Jagd in gewissen Grenzen hält“, sagte Chiron.

Cyron nickte. „Warum schließt du dich uns nicht an und jagst mit uns gemeinsam? Beende dein einsames Leben und komm mit ins Dorf. Dort wirst du andere Katzen treffen und Freunde finden. Außerdem ist das hier draußen doch nichts auf Dauer.“

Chiron überlegte. „Das ist ein sehr nettes Angebot und ich fühle mich geschmeichelt, aber ich fürchte, dass ich ablehnen muss, da ich an das Leben in dieser Wildnis gewöhnt bin.“

„Schade. Du würdest einen guten Schwiegersohn abgeben.“

Chiron schluckte.

Mit so einer Ehre hatte er nicht gerechnet. „Ich werde zusehen, dass ich meine geliebte Tigerin schnellstmöglich besuchen kann.“

„Da würde sie sich bestimmt freuen“, bestärkte ihn Stella, „Sie hat dich nämlich auch die ganze Zeit über als ihren Geliebten und IHREN Kater bezeichnet und nicht von Chiron gesprochen oder von irgendeinem Kater.“

Chiron musste lächeln und dachte intensiv an den Nachmittag an dem sie sich trafen und an die wunderschönen Stunden mit ihr. „Ich werde es tun und sie in Strongham besuchen.“ Sein Entschluss stand damit felsenfest.

Sie saßen noch weitere Stunden vor der Hütte, sprachen über Belanglosigkeiten, knabberten die Bratenknochen blank und tranken den einen oder anderen Becher Bier. Am Ende waren alle müde genug um endlich ins Bett zu gehen. Chiron bot den beiden sein Lager an, was Stella und Cyron dankend an-nahmen. Er selbst legte sich vor den Kamin und war innerhalb von wenigen Minuten eingeschlafen.

Am nächsten Morgen fühlten sie sich alle wie gerädert, eine Nebenwirkung des Bieres. Es war recht kühl und Chiron heizte den Kamin an. Das Tigerpärchen machte sich derweil auf den Weg zur Quelle, die Chiron erwähnt hatte, um sich zu waschen.

„Es ist wirklich sehr kühl heute morgen“, sagte Stella zu ihrem Gemahl.

„Ja. Recht ungewöhnlich für diese Jahreszeit.“

Plötzlich kam Chiron hinter den beiden hinterher und zwar im Laufschritt. „Ich habe ganz vergessen euch beiden was zu sagen.“

„Was denn? Ist es so dringend, dass du uns hinterher rennen musstest?“

„Ja. Es ist überlebenswichtig!“

Die beiden stutzten.

„Geht nicht weiter als bis zur Quelle, dann kann euch nichts passieren. Sie ist jetzt noch knapp hundert Meter entfernt. Dahinter wird der Wald dichter und ich selbst meide diese Gegend. Irgendwas Unheimliches scheint dort sein Unwesen zu treiben.“

„Danke! Das ist lieb von dir, aber wir hatten nicht vor, einen Rundgang durch unerforschtes Gelände zu machen.“

„Okay, dann bin ich beruhigt.“

Er ging zurück zu seiner Hütte und die beiden erreichten die Quelle.

„Wow! Die ist ja warm. Muss wohl direkt aus dem Inneren kommen.“

Die Wahrheit verbarg sich jedoch vor ihrem Blick und das war im Moment auch gut so. Sie würden schon noch früh genug mit ihr konfrontiert werden.

Nachdem sie sich erfrischt hatten, kehrten sie zu ihrem Schwiegersohn in spe zurück und genossen weitere Köstlichkeiten.

„Was verbirgt sich tiefer im Wald?“, brach Cyron plötzlich die Stille.

Chiron druckste herum. „Ich weiß es nicht genau. Ab und an hört man seltsame Geräusche aus größerer Entfernung, brechende Äste, so als ob sich dort jemand aufhalten würde. Wenn die Sonne ziemlich tief steht, dann kann man unter Umständen sogar beobachten, wie sich Schatten durch das Unterholz bewegen. Ich habe aber keine Ahnung wer oder was das ist. Und ich bin klug genug, mich von dort fern zu halten und ihr solltet es auch.“

Stella und Cyron legten die Ohren an. Das alles hörte sich zu unheimlich an und gab ihnen zu denken.

„Wann hattet ihr vor aufzubrechen?“

„Gegen neun Uhr“, antwortete Stella und Cyron schaute kurz auf die Uhr. „Bei der Göttin, es ist ja schon soweit.“

Sie hörten ein Poltern vor der Hütte, dann trat Stille ein.

„Das muss Groodarn sein“, sagte Chiron.

Die drei traten vor die Tür und da stand … kein Drache. Nein, was sie sahen, verschlug ihnen die Sprache. Sie hatten die Gestalt eines großen Draches er-wartet. Stattdessen wussten sie nicht was genau es war, das ihnen da gegen-über stand und sie anstarrte.

Es hatte keine Augen, keine Nase, keinen Mund und auch keine Ohren. Es hatte nicht mal ein Gesicht, in welches man schauen konnte. Plötzlich wurde allen bewusst was so schockierend für sie war, es sprang sie regelrecht an. Was immer es sein mochte, es hatte nicht mal einen Kopf. Es hatte lediglich einen Körper, aber der entsprach keiner bekannten Form. Beine, welche von der Form her irgendwie an ihre eigenen erinnerten und Arme, aber auch die waren voll-kommen fremdartig und endeten in seltsamen unförmigen Konstruktionen.

Das ganze Wesen, wenn man es überhaupt so nennen konnte, glänzte in der Morgensonne, seine Haut war spiegelblank und es waren weder Fell noch Schuppen erkennbar.

Plötzlich ging dieses Ding, dieses Wesen oder was immer es war, zwei Schritte auf die Tiger zu. Das Geräusch, das es dabei von sich gab, erinnerte an eine leicht eingerostete Tür und das Aufsetzen der Füße auf den Boden erzeugte deutlich wahrnehmbare Erschütterungen und ebenfalls ein abstruses Geräusch, so als ob ein schweres Eisentor ins Schloss fallen würde. Die drei bekamen es mit der Angst zu tun und schickten sich an, in die Hütte zu flüchten.

Gesagt, getan. Cyron schlug hinter sich die Tür zu und Chiron verbarrikadierte sie. Er blickte aus dem Fenster. Das Ding stand direkt vor der Tür.

„Scheiße!“, sagte Chiron in den Raum, „Er steht direkt vor der Tür.“

„Er?“

„Habe ich, er gesagt? Ich meinte, er, sie, es. Was immer das auch sein mag.“

„Chiron! Du scheinst etwas zu wissen und verschweigst es uns“, drängte ihn Stella.

„Ich wüsste nicht was ich verschweigen sollte. Los, meine Hütte hat einen kleinen und unscheinbaren Hinterausgang. Durch den können wir verschwinden.“

„Du scheinst ja wirklich an alles gedacht zu haben“, sagte Cyron flüchtig und die beiden folgten Chiron ohne weitere Fragen zu stellen. Er öffnete eine Luke im Boden und ließ sich hinab, circa zehn Meter weiter befand sich eine weitere Klappe, welche ins Freie führte. Er öffnete auch diese, aber da flog ihm eine Gestalt förmlich entgegen.

Er schrak zurück: „Casandra?“

Die Wildkätzin schob ihn und die anderen beiden zurück in die Hütte. „Ab-hauen wolltet ihr also, einfach so.“

„Casandra, was soll das?“, herrschte Chiron sie an.

Die Ereignisse schienen sich zu überschlagen. Stella und Cyron waren mit den Nerven am Ende. Vor der einen Tür stand etwas, dass nur der Hölle entsprungen sein konnte und schien nicht gerade friedlich gelaunt zu sein, und auf der anderen Seite stand eine Wildkätzin, die ihnen den Fluchtweg versperrte.

Cyron ergriff das Wort: „Okay, jetzt mal langsam, ganz langsam. Was geht hier eigentlich vor?“ Er war sehr aufgebracht.

Chiron blickte zu Boden, dann zur Wildkätzin und dann zu den beiden Tigern. „Darf ich euch Casandra vorstellen?“

Sie blickten sich in die Augen. „Meinen Namen kennt ihr jetzt schon. Ich bin Herrin der Magie und auch der schwarzen Künste. Außerdem eine gute Freundin von Chiron. Der mich im Moment allerdings sehr enttäuscht hat.“

Stella und Cyron standen einfach nur da und waren außerstande etwas zu sagen.

„Setzt euch“, sagte die Kätzin, „ich glaube, ich und Chiron müssen einiges er-klären.“

Das Tigerpärchen horchte auf.

„Das was da draußen steht ist kein Lebewesen, sondern ein Roboter, eine Schutz- und Kampfeinheit. Er ist vollkommen künstlich und reagiert eigenständig. Diese Dinger gehören zu einem Forschungsstützpunkt, der tief im Inneren des Dschungels liegt und sind eigentlich harmlos.“

Cyron schluckte den Brocken. „Nun … Besonders harmlos würde ich das Ding nicht nennen.“

„Normalerweise sind sie das aber. Nur scheint hier ein besonderer Fall vorzu-liegen und ich habe keine Ahnung was den Roboter veranlasst hat, in den Kampf- und Arrestierungsmodus überzugehen.“

„Kampf- und Arrestierungsmodus? Heißt das etwa, dass dieses Ding da draußen, dieser Roboter, uns umbringen will?“

„Es sieht eher danach aus, dass er uns hier festhalten will. Aber im Grunde sieht es danach aus. Wir hatten schon früher Kontakt mit ihnen gehabt, aber wir wurden immer nur freundlich gebeten das Sperrgebiet zu verlassen“, sagte Chiron.

Stella und Cyron sahen ihn erbost an. „Und wann hattest du eigentlich vor uns das alles zu erzählen?“

„Mit etwas Glück überhaupt nicht, weil es niemals interessiert hat und es keine Gefahr gab.“

„Das hat sich aber, aus welchen Gründen auch immer, geändert“, ergänzte Casandra.

„Ich will nur hoffen, dass wir die Einheit ausschalten können, ehe noch mehr auftauchen und uns vielleicht einäschern. Und vor allem, dass die fehlende Einheit nicht auffällt, eine Fehlfunktion hatte oder aber ihr einen Fehler gemacht habt, der dieses Verhalten ausgelöst hat.“

„Wir haben aber keinen Fehler gemacht“, entrüstete sich Chiron.

„Dann bleibt nur die Funktionsstörung. Mit Sicherheit hat er aber eure Körper gescannt und in das zentrale Netzwerk gespeist.“

„Sekunde mal. Ihr werft hier mit Begriffen um euch, die wir nicht verstehen. Kann mir bitte einer erklären, was genau hier passiert?“

Chiron wandte sich an Stella. „Okay. Pass auf. Du hast bestimmt mitbekommen, dass es sich da draußen um einen Roboter handelt.“

Stella nickte.

„Gut. Weiter. Diese Roboter sind künstlichen Ursprungs, sie sind konstruiert und gebaut worden. Von wem wissen wir nicht. Sie gehören zu einer Forschungsbasis die tief im Wald versteckt liegt. Wo genau haben wir nicht her-ausbekommen, dazu müsste man in den Wald eindringen, aber man kommt nicht weit genug, ohne vorher von einem solchen Roboter aufgegriffen und des Geländes verwiesen zu werden.“

Stella nickte wieder, fragte aber: „Welchem Zweck dient diese Basis?“

„Auch das wissen wir nicht, dazu müsste man in die Basis hineinkommen, aber wie gesagt …“

„ … man kommt nicht mal in die Nähe“, ergänzte Cyron den Satz.

Chiron und Casandra nickten und Chiron fuhr fort: „Diese ganze Technologie ist so weit fortgeschritten und so unglaublich, dass sie definitiv nicht von uns ist. Das ist sicher.“

Cyron pfiff und Stella atmete hörbar aus.

„Wir haben im Laufe der Zeit immer wieder versucht an die Basis heran-zukommen, aber vergebens. Wir versuchten es an verschiedensten Stellen, doch man hat uns scheinbar erwartet. Daher vermuten wir, dass es eine Art Netzwerk gibt, über das die Roboter miteinander kommunizieren. Jedenfalls wussten sie immer im Voraus wo wir auftauchen würden und fingen uns ab.“

„Ja und sie erkannten uns und wussten zum wievielten Male wir es versucht haben“, ergänzte Casandra, „Das lässt uns weiterhin vermuten, dass es in der Basis eine Art zentrales Hirn gibt, das die gesammelten Daten auswertet und an die Roboter weitergibt.“

„Und jetzt ist etwas passiert, dass das Netzwerk zum Überlaufen gebracht hat und den Roboter auf uns hetzt. Habe ich das so richtig verstanden?“, fragte Stella.

„Das kommt so in etwa hin. Da wir aber nicht wissen, was das sein soll, vermuten wir eher, dass es sich um einen Defekt innerhalb des Roboters handelt. Wenn nicht, haben wir ein riesiges Problem.“

Alle schauten zu Boden.

Plötzlich hörte man draußen einen fürchterlichen Lärm. Es schien in extrem kurzen Abständen zu Donnern, dann hörte man einen Schrei und einen gewaltigen Knall. Die vier schossen hoch und schauten aus dem Fenster.

Draußen stand Groodarn und unter seiner linken Vorderpranke lag der Roboter, er war zerstört. Freudig rannten sie ihm entgegen.

„Groodarn“, rief Cyron.

„Hallo und guten Morgen, Tigerin Stella, Tiger Cyron, Tiger Chiron und Wildkätzin Casandra.“

Alle freuten sich unheimlich den Drache zu sehen. Stella gab ihm ein Küsschen und fragte: „Wie hast du das gemacht? Bist du verletzt worden?“

„Nein, Tigerin Stella. Mir geht es gut und ich bin auch nicht verletzt. Ich wollte pünktlich um neun Uhr hier sein. Da sah ich aber schon von weitem euer Problem. Ich drehte ab und kreiste in sicherer Entfernung über dem Gelände. Ich hatte genug Zeit, um mir einen guten Angriffsplan auszudenken.“

„Da bin ich wirklich froh drüber. Wir haben hier nämlich mächtig im Dreck gesessen.“, merkte Casandra an.

„So, nun aber möchte ich euch bitten aufzusteigen, damit ihr endlich wieder heim kommt. Eure Vorräte liegen in der Küche verstreut und verderben wo-möglich noch.“

Cyron schlug sich vor die Stirn. „Schande! Wie konnten wir das nur vergessen. Wir haben doch glatt in der Hektik alles stehen und liegen gelassen.“

Der Drache nickte.

Stella wandte sich an Chiron: „Ich möchte dich bitten uns zu begleiten. Hier bist du nicht mehr sicher.“

Chiron blickte Casandra an und die nickte zustimmend: „Sie hat Recht. Du kannst hier nicht mehr bleiben. Geh’ weg von hier, verlasse diesen Ort, so lange du noch kannst. Wenn es keine Störung war, dann schwebst du hier in größter Gefahr.“

Chiron kaute auf der Unterlippe. „Gut, ich hole noch rasch ein paar persönliche Dinge aus meiner Hütte und dann verschwinden wir hier.“

Er ging in seine eigenen vier Wände, die er vermutlich nie wieder sehen würde, packte seine Körper- und Fellpflegemittel ein, ein paar Bücher, sein Schreibzeug und schloss die Tür ein letztes Mal. Er seufzte, dreht sich noch mal um, stieg schließlich auf den Drache auf dem Stella und Cyron bereits saßen.

Gerade wollte er sich von Casandra verabschieden, da brachen fünf Roboter aus dem Unterholz, gingen um die Hütte herum und eröffneten sofort, aber unkontrolliert das Feuer. Casandra wurde schon vom ersten Schuss getroffen.

„Scheiße!“, schrie Chiron und sprang vom Rücken des Draches herunter, um-klammerte Casandra und zog sie an sich.

Mit einer Hand Casandra, die sich nicht mehr rührte und mit der anderen Hand die dünne Strickleiter haltend, versuchte er den Drache zu erklimmen.

Cyron sah, dass das nicht klappen würde. Er hatte schon den Gurt gelöst und schnappte sich Chirons Hand. Mit vereinten Kräften zogen sie Casandra hoch, schnallten sie irgendwie fest. Chiron hing immer noch an der Leiter. Einer der weiteren Schüsse hatte ihn am Oberschenkel getroffen, glücklicherweise nur ein Streifschuss.

Er steckte einen Arm durch die Stricke und schrie.

Der Drache merkte, dass sich alle irgendwie festhielten, schrie als Warnung kurz auf und hob ab. Wie durch ein Wunder wurde er nicht getroffen und sie entkamen dem tödlichen Kugelhagel. Als sie in der Luft und in sicherer Entfernung waren, nahm Cyron eine Hand von seinem Sicherheitsgurt, an dem er sich die ganze Zeit festgehalten hatte und streckte sie Chiron entgegen. Er packte zu und mit vereinten Kräften zog er sich endgültig auf den Rücken des Tieres.

„Hallo, Tiger Chiron. Willkommen an Bord“, sagte der Drache aufmunternd.

Chiron aber war nicht nach Lachen zu mute. Er hatte starke Schmerzen und blutete.

Vielmehr interessierte ihn aber Casandras Zustand. „Wie geht’s ihr?“

„Sie ist schwer verletzt und verliert immer mehr Blut, aber sie lebt noch.“

„Wie lange dauert es noch bis zum Dorf?“, schrie er an den Drache gewandt.

„Ich gebe was ich kann, aber bestimmt noch fünfzehn Minuten.“

Chiron drehte sich wieder zu Casandra, nahm sie beim Kopf und drückte sie an sich. „Halte durch teure Freundin, bitte halte durch.“

Zehn Minuten später rief der Drache: „Wo soll ich landen?“

„Am besten am Flussufer, in der Nähe der Hütte von Hargot“, rief Chiron.

Stella und Cyron schauten sich an. Sie lernten immer mehr Leute beim Namen kennen, wenn auch die Umstände mehr als bedrückend waren.

Der Drache nahm die Hütte ins Visier und schoss wie ein Pfeil darauf zu. Kurz bevor alle dachten, dass er einschlagen würde, bremste er ab und landete wie immer sanft. Cyron, Stella und Chiron lösten die Gurte. Stella stieg vom Drache und lief zur Hütte des Ozelots, um sie anzumelden. Noch während Cyron und Chiron die verletzte Wildkätzin herunter hievten, kamen die Tigerin und der Ozelot vor die Tür.

Hargot wurde kreidebleich um die Nase und legte die Ohren an. „Große Göttin, was ist geschehen?“

„Lass uns reingehen und Casandra versorgen“, sagte Chiron barsch.

Hargot nickte und trat beiseite.

Als Erstes legten sie die Verwundete auf den Tisch. Chiron riss die Oberbekleidung, die sie trug, auf und entblößte eine Wunde, wie sie noch keiner gesehen hatte. Das Loch in ihrer linken Schulter war etwa fünf Zentimeter groß, blutete aber gar nicht. Das Blut stammte aus einer kleineren Wunde daneben.

Chiron sah sich das genauer an. „Bringt mir Verbandszeug, schnell!“

Der Ozelot rannte und brachte das Gewünschte in reichlicher Menge.

„Die kleinere Wunde stammt von einer Maschinenkanone“, erklärte er, während er die Blutung stillte und anschließend verband.

„Maschinenkanone?“, fragte Cyron.

„Ja. Gegen diese Waffen sind unsere Speere und Bögen ein Spielzeug.“

„Aber damit können wir uns doch verteidigen, diese Dinger vernichten.“

Chiron lachte hysterisch auf, worauf er von Stella einen finsteren Blick erntete.

„Entschuldigung. Ich wollte nicht überheblich wirken.“

Stella nickte kurz und Cyron bat ihn fortzufahren.

„Diese Roboter … ihr habt doch den Unterschied bestimmt gesehen. Ich meine, dass Fehlen von Fell und Schuppen und nur dieser reine Glanz von Metall.“

„Ja. Du hast Recht. Jetzt erinnere ich mich. Diese Dinger glänzten wie eine Speerspitze, wenn man sie gegen die Sonne hält.“

Chiron nickte bestätigend. „Ja. Sie bestehen komplett aus Metall. Besser gesagt, sie bestehen aus einer Art von Metall. Wir wissen nicht aus welchem, aber es ist garantiert besser und härter als unseres. Alles weißt zumindest daraufhin.“

„Woher nimmst du diese Vermutung?“

„Ich hatte mal einen Speer gegen einen dieser Roboter geworfen. Der Speer prallte ab und der Roboter hatte nicht mal einen Kratzer. Außerdem ist es lo-gisch. Eine Technik, die so hoch entwickelt ist, wird wohl kaum primitive Materialien verwenden oder irgendetwas dem Zufall überlassen.“

Hargot stand während dessen in einer Ecke des Raumes und schüttelte nur traurig den Kopf. „Das hätte alles nicht passieren dürfen“, sagte er plötzlich, „Wir hatten doch alles durchdacht und durchgerechnet. Demnach läuft wieder etwas schief.“

Chiron sah ihn streng und durchdringend an, worauf er wieder schwieg.

„Was meint Hargot damit?“, fragte Stella irritiert.

„Ich könnte euch zwar eine passende Antwort geben, aber die würde zu viel gefährden und am Ende könntet ihr damit eh nichts anfangen.“

„Schon wieder ein Geheimnis?“, fragte Cyron.

„Ja, aber das ist wirklich nur zu eurem Besten und würde nichts ändern an den Dingen, die passiert sind oder noch passieren werden.“

„Okay, ich glaube dir.“

„Gut.“

„Was hat es nun mit diesen Maschinenkanonen auf sich?“, fragte Stella interessiert.

„Tja, das ist ne gute Frage. Sie sind sehr effektiv. Die Geschosse von denen durchdringen so gut wie jedes uns bekannte Material und machen ein Sieb aus jedem. Wir hatten Glück, dass wir so glimpflich davon gekommen sind. Der Standarddurchsatz liegt bei 500 Schuss pro Minute.“

„Und was bedeutet das genau?“

„Das heißt einfach, dass in jeder Minute 500 Chafren ihr Leben verlieren könnten, wenn jede Kugel genau einen trifft, und das mit nur einer Kanone.“

„Aber jeder Roboter hatte doch zwei davon oder?“

„Genau. Ein tausendfacher Tod von jeder Kampfeinheit und wir wurden von fünf Stück angegriffen. Ein Wunder das wir noch leben.“

Cyron wurde es flau in der Magengegend. „Aber was können wir tun?“

„Wir können nur hoffen, dass sie nicht weiter gehen als bis zur Waldgrenze, wenn doch, dann gibt es eine Katastrophe und wir werden alle sterben. Mit et-was Glück sind sie nur auf uns scharf und behelligen alle Anderen nicht. Immerhin sind nur wir aufgefallen und unsere Scans geistern jetzt durchs Netzwerk.“

„Tja, das wäre doch schon mal ne Chance. Die Frage ist nur, was wir jetzt tun?“, fragte Cyron.

„Die Frage ist eher, können wir überhaupt was tun?“, erwiderte Chiron.

„Ich denke, dass wir uns erstmal ruhig verhalten sollten und keine größere Unruhe verbreiten. Wir haben jetzt etwas Zeit gewonnen.“

„Ja schon“, setzte Stella an und blickte auf Casandra, „Was ist eigentlich mit dieser großen Wunde?“

„Das weiß ich auch nicht. Ist auf jeden Fall ein glatter Durchschuss. Es sind keine lebenswichtigen Organe getroffen worden und eine Blutung gibt es auch nicht.“

„Es sieht aus, als ob das Fleisch verbrannt wurde“, sinnierte Cyron.

„Du hast Recht. Sieht tatsächlich danach aus“, erwiderte Chiron.

Stella starrte auf die vor ihnen liegende Kätzin.

„Hargot. Wie sieht es aus. Können wir Casandra erst mal bei dir lassen? Zumindest so lange bis sie wieder zu Kräften gekommen ist?“, fragte Chiron.

Hargot schaute die drei Tiger an und willigte ein.

Sie trugen Casandra in den hinteren Teil der Behausung und legten sie auf das dort stehende Bett.

„Sei so lieb und kümmere dich um sie. Wir gehen derweil zu Stella und Cyron und überlegen, was wir weiter unternehmen“, schloss Chiron ab.

Sie gingen hinaus zum Flussufer, an dem Groodarn sie erwartete.

„Tigerin Stella, Tiger Cyron und Tiger Chiron! Wie sieht es aus, was habt ihr als nächstes vor?“

„Wenn du möchtest, dann kannst du erst mal in deine Höhle zurückkehren o-der auch nach Dragobar. Wir gehen jetzt ins Dorf und werden überlegen, was wir machen können.“

Der Drache brummte zustimmend und flog davon. Die drei Tiger gingen ins Dorf.

Am Haus angekommen öffnete Stella die Tür und fiel fast über ihre gekauften Sachen. Chiron trat als letzter ein und schloss die Tür hinter sich.

Er sah sich um und war sichtlich beeindruckt. „Hübsch habt ihr's.“

„Danke“, sagte Cyron und lächelte.

„So“, intonierte er, „wir räumen jetzt mal unsere Sachen weg.“

Er packte die Lebensmittelvorräte aus und verstaute sie nach und nach im Vorratskeller. Stella nahm sich derweil des gekauften Obstes an und auch des Schmucks.

„Die Vorratskammer ist brechend voll. Das reicht bestimmt für die nächsten Wochen“, rief er erfreut.

Stella war im Bad verschwunden.

Cyron und Chiron setzten sich derweil an den Tisch und Chiron schenkte je-dem einen Becher Bier ein. Er hatte einige Liter davon gerettet.

Nach zwanzig Minuten kam Stella aus dem Bad und die Treppe herunter.

Cyron sah sie an und ihm stockte der Atem. Chiron ließ die Luft hörbar entweichen und verkniff sich einen Pfiff.

Da stand Stella vor ihnen und hatte sich für Cyron herausgeputzt. Sie hatte sich die künstlichen Haarteile in das Kopffell gedreht und diese hingen links und rechts herab. Sie war wie eine Göttin. Außerdem hatte sie sich eines der gekauften Tücher umgeschlungen. Es war allerdings verrutscht und sie musste es festhalten, damit es nicht gänzlich herunter fiel.

Cyron wurde es warm ums Herz und er überlegte, wie lange er schon nicht mehr mit seiner Tigerin intim war. Chiron bemerkte die Erotik die im Raum lag und fühlte sich unbehaglich, er überlegte, ob er nicht zum falschen Zeitpunkt erschienen war.

„Chiron“, sagte Stella plötzlich, „ich möchte dir dein Zimmer zeigen.“

Sie nahm ihn bei der Hand und führte ihn nach oben. Cyron schaute den beiden argwöhnisch nach, stand auf und stapfte hinterher. Diese Tigerin würde er nie wieder in seinem Leben aus den Augen lassen.

Stella führte ihren Gast in Tarjas Zimmer. „So, hier wirst du fürs Erste wohnen und schlafen. Das ist das Zimmer deiner geliebten Jungtigerin, halt es also in Ehren.“

Chiron war entzückt und nickte.

Stella drehte sich zu ihrem Mann um. „Und wir beide, was machen wir jetzt?“

Cyrons Blick sagte alles.

Sie verließen das Zimmer und gingen nach nebenan, in ihr Schlafzimmer. „Meinst du, dass es richtig ist, wenn wir jetzt zur Tat schreiten und Chiron allein nebenan sitzt. Die Wände haben Ohren“, gab Cyron zu bedenken.

„Was meinst du damit? Soll er etwa mitmachen?“

„Was? Weia, du bist mir ja eine.“

„Na also. Ich halte ihn für sehr intelligent und er wird schon wissen, was er tut.“

Cyron nickte und küsste seine Tigerin.

Chiron nahm sich derweil ein Buch und las, ihm stand nicht der Sinn nach sexuellen Abenteuern und wenn, dann nur mit Tarja. ‚Obwohl Stella wirklich zum anbeißen aussah, konnte sie trotzdem nicht mit seiner Liebsten mithalten. Außerdem war die Tigerin nebenan ihre Mutter’, ging es ihm durch den Kopf.

Abgesehen davon tat ihm das Bein immer noch leicht weh. Glücklicherweise hatte es zumindest aufgehört zu bluten. Er besah sich seine Verletzung, seufzte und schüttelte den Kopf.

Als im Nebenzimmer Stella und Cyron zur Tat schritten oder besser gesagt zu Untaten übergingen, versuchte Chiron sich mit einem Buch abzulenken. Das gelang aber nur mäßig und als er an Tarja denken musste und die Lustgeräusche aus dem Nebenzimmer hörte, legte er das Buch weg. Wenig später schloss er einfach die Augen und schlief ein.

Stella und Cyron waren schließlich zufrieden und standen auf.

„Hast du was von Chiron gehört?“, fragte Stella ihr Männchen.

„Nein.“

„Was er wohl die ganze Zeit über gemacht hat?“

„Keine Ahnung.“

„Sollen wir sicherheitshalber mal schauen?“

„Hmmm … könnte nicht schaden. Er hat ja noch den Streifschuss am Bein, fällt mir gerade ein. Und es könnte ja was passiert sein in der Zwischenzeit, immer-hin waren wir nicht besonders aufnahmefähig.“

Beide grinsten sich an. Sie klopften an die Zimmertür und es kam keine Antwort. Sie klopften nochmals, aber sie warteten vergebens auf eine Antwort.

Plötzlich wurde die Tür von innen geöffnet und Chiron stand vor ihnen.

„Chiron! Haben wir dich gestört? Entschuldige bitte, du hast geschlafen“, sagte Stella versöhnlich.

Dann guckte sie sich Chiron genauer an und zuckte etwas zurück. Von wegen geschlafen. Der Kater war dermaßen derangiert, dass andere Vermutungen na-he lagen.

Stella musste anerkennend pfeifen und Cyron respektvoll nicken. „Mein lieber Mann, der Urwald muss wirklich sehr gesund sein. Kein Wunder, dass unsere Tochter gleich beim ersten Rendezvous schwanger wurde.“

Chiron zuckte peinlich berührt zusammen, sah an sich herunter und errötete. „Heilige Schei …, ähm … Göttin!“

„Nun mal Kopf hoch und geh duschen“, sagte Stella kichernd und ging mit ihrem Mann in die Küche.

Chiron schloss die Tür, sah sich im Zimmer um, reinigte alles und ging an-schließend duschen, immer noch den Kopf schüttelnd.

Er genoss die warmen Strahlen der Dusche, trocknete sich schnell ab und ging ebenfalls in die Küche.

Als er ankam und sich gesetzt hatte, schien er sich auch wieder beruhigt zu haben, lediglich die Hausherrin und der Hausherr grinsten merkwürdig.

„Tja, so ist das“, sagte Chiron.

„War nicht zu übersehen, aber Schwamm drüber“, entgegnete Cyron.

„Im wahrsten Sinne des Wortes“, witzelte Stella und bekam dafür einen strafenden Blick von Cyron.

„So, nun aber mal im Ernst“, sagte Cyron, „Wir wissen was da draußen herum rennt und dass wir bedroht werden. Was sollen wir tun?“

„Ich denke“, sagte Chiron, „dass wir erst mal in Sicherheit sind. Ich glaube nicht, dass die Kampfeinheiten so schnell bis hier kommen, wenn überhaupt.“

„Was meinst du, was als nächstes passiert?“, fragte Stella an Chiron gewandt.

„Was ich denke ist nicht zwangsläufig das was am Ende eintritt.“

„Gut. Gehen wir mal davon aus, dass die, wer immer die sind, das Gleiche den-ken wie wir.“

„Dann würde ich meine gewonnen Informationen ins Netzwerk übertragen, einen Datenabgleich machen und eine Strategie ausarbeiten.“

„Was für eine Strategie?“

„Einen Plan, der es ermöglicht, uns verschwinden zu lassen, ohne großes Aufsehen zu erregen und mit minimalem Aufwand.“

Bei dem Gedanken lief es allen dreien eiskalt den Rücken runter.

„Ich denke, wir sollten eine Nachtwache einteilen, die durch das Dorf patrouilliert. Ich werde Pathenon, Hylas und Hadron ins Vertrauen ziehen müssen.“

„Meinst du, dass das klug wäre?“, fragte seine Tigerin.

„Ja. Ich glaube, dass wir mit acht Augen mehr sehen als mit zwei.“

Chiron nickte: „Ich werde mitkommen und so lange munter bleiben wie ich kann.“

Cyron nahm dankend an. „Dann hätten wir schon zehn Augen.“

„Wir müssen aber davon ausgehen, dass unsere Widersacher möglicherweise besser im Dunkeln sehen können als wir.“

Die Tigerkater seufzten.

„Es wird also eine lange und gefährliche Nacht werden. Bereiten wir uns darauf vor.“

„Schön“, merkte Stella auf, „aber wie wollt ihr euch verteidigen?“

„Hmhm … gute Frage, mein Schatz. Viel haben wir ja nicht.“

Chiron überlegte. „Wir haben gar nichts. Das einzige, was wir machen können ist, uns leise und unauffällig zu bewegen und im Fall des Falles die Anderen zu warnen, ins Haus zurückzukehren und unsere Sachen zu packen, um zu verschwinden.“

„Na, das nenne ich ja mal ne echte Alternative“, sagte Cyron und stand auf, „Ich gehe jetzt die Anderen holen.“

Er verließ das Haus.

Nach vierzig Minuten kam er zurück und hatte seine Freunde dabei. Sie setz-ten sich alle auf den Fußboden, Stella entfachte ein angenehmes Kaminfeuer und sie redeten. Chiron berichtete von seinen ersten Begegnungen mit den Robotern und seine Erkenntnisse, die er zusammen mit Casandra gesammelt hatte.

Der Abend brach herein, alle hatten was gegessen und waren trotz der trost-losen Situation gut drauf. Sie zogen aus und verteilten sich unauffällig im Dorf.

Cyron nahm Stella bei der Hand und spendete ihr Trost. „Keine Angst, Liebes. Die werden heute Nacht nicht angreifen und bestimmt auch nicht in den nächsten Tagen.“

„Ich will es hoffen und bitte unsere große Göttin Bastet, dass sie euch be-schützen möge.“

Cyron blinzelte ihr fröhlich zu und verließ ebenfalls das Haus. Die Tigerin ging in den Keller, öffnete eine Flasche köstlichen Rotweins, setzte sich vor den Ka-min und schnappte sich ein Buch.

So saß sie mehrere Stunden und nichts geschah.

Plötzlich klopfte es an der Tür, sie schrak hoch und öffnete einen Spalt. Hylas stand davor.

„Was ist denn los? Ist was passiert?“, fragte sie.

„Nein, nein. Sei unbesorgt. Ich wollte nur mal nachschauen, ob bei dir alles in Ordnung ist.“

„Das ist nett von dir. Hier ist alles ruhig.“

„Okay, ich gehe dann weiter.“

Er hob noch kurz eine Hand zum Gruß und verschwand hinter der nächsten Hausecke. Stella setzte sich wieder und schlief irgendwann ein.