Kapitel 19
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Kapitel 19
weitere Verluste
Derweil arbeitete Kira weiter an den Tastaturen und verfolgte die Roboter. „Sie kommen jetzt in den Gang über uns. Ihnen stehen drei Einheiten gegen-über. Danach geht’s immer weiter nach unten.“
Plötzlich hörte man deutlich die Maschinenkanonen hämmern und das Geräusch kam durch die Hangardecke direkt über ihnen. Alle sahen nach oben. Das Hämmern wurde weniger und verstummte nach drei Minuten.
<„Hier Einheit dreizehn. Einheit elf hat keine Munition mehr und kehrt in den Hangar zurück. Einheiten dreizehn, vierzehn, fünfzehn, sechzehn, siebzehn und neunzehn setzen den Einsatz fort. Drei feindliche Einheiten wurden zerstört.“>
<„Sehr gut, macht weiter.“> Cyron konnte sich nicht beherrschen und musste diesen Funkspruch loslassen.
„Da waren es nur noch zehn“, verkündete er fröhlich.
Auf den Monitoren sah man Einheit elf zurückkehren, während sich die anderen sechs Roboter weiter auf den Weg durch die Basis machten. Am gegenüberliegenden Ende des Hangars öffnete sich leise ein Tor und die Einheit elf trat ein.
„Los Jungs, bewegt euch und verschafft der Einheit neue Munition“, schrie Tarja.
Es kam Bewegung in die Truppe, ebenso in einen der Kampfroboter.
Einheit eins setzte sich in Bewegung und verließ den Hangar um die Lücke, die durch die Rückkehr von Nummer elf entstanden war, zu schließen.
Nummer elf baute sich in der Mitte des Hangars auf.
In den Wänden der Halle waren Luken eingebaut, hinter denen sich Munition verbarg. Sie öffneten sie und fanden gewaltige Patronengurte. Hinter einer an-deren Luke fanden sie eine Waffe deren Funktion ihnen unbekannt war und sie fragten den Roboter.
„Das ist ein Geschosswerfer und ist noch nie in Betrieb gegangen. Er sollte für absolute Notfälle aufbewahrt werden.“
Drei AnChafren hatten mittlerweile den Patronengurt zum Roboter geschleppt und ihn mit einem Ende an der Waffe verriegelt.
„Tretet zur Seite“, befahl die Einheit.
Die Chafren traten fünf Schritte zurück. Der Roboter zog den Gurt automatisch durch die Waffe durch und das frei gewordene Ende lag jetzt auf dem Dach des Torsos. Dort wurde ein Schlitten ausgefahren der das Ende des Gurtes erfasste und in den Torso einzog.
Unter einem mörderischen Gerassel und Geklapper wurde der Gurt vollends durch die Waffe geschleust und die Kanone war einsatzbereit. Jetzt kam der schwierigere Teil. Der Roboter musste von der anderen Kanone befreit werden und der Geschosswerfer montiert. Es stellte sich jedoch leichter heraus als ge-dacht.
Der Roboter klinkte die Waffe einfach aus und sie fiel krachend zu Boden. Vier AnChafren mussten sich abmühen um das Teil wegzuschaffen. Sechs weitere bugsierten derweil den Geschosswerfer unter den Arm der Kampfeinheit, hoben ihn an und rasteten ihn in den vorgesehenen Aussparungen ein.
Da stand die Einheit. Ihre Metallkonstruktion glänzte im Licht der Kunstbeleuchtung und sie starrte nur so vor Waffen.
„Ich brauche noch die passende Munition dafür“, sagte der Roboter.
Hektisches Suchen begann und nach fünf Minuten wurden sie endlich fündig. Es handelte sich um eine gigantische Konstruktion, die fünfzig Raketen enthielt und mit der Aufschrift Danger! High explosive! bedruckt war.
Zwei Stiere, Pedro, Ikarus und Sandra mussten die Basis bilden. Auf ihrem Rücken standen und saßen die sechs AnChafren, die die Munitionskartusche angebracht hatten. Unter lautem Stöhnen, Ächzen und Fluchen wuchteten sie das Ding hoch und packten es dem Roboter auf den Torso. Aus seiner Oberseite fuhren Klauen aus und verankerten die Munition. Aus dem Geschosswerfer fuhr eine Schiene heraus und stellte eine Verbindung zum Munitionsvorrat her. Sie waren alle begeistert und die Kampfmaschine, die eh schon gewaltig anmutete, war noch größer geworden.
Die Einheit aktivierte den Geschosswerfer und der zog mit einem klackenden Geräusch die erste Rakete ein. Er drehte sich dem Ausgang zu und verschwand durch das Tor.
„Okay Leute, alles mal herhören“, brüllte Cyron plötzlich, „Ihr schnappt euch eure Waffen und folgt der Einheit. Die anderen sechs Roboter sind schon auf der dritten Ebene unter uns angekommen und haben alle Messerdrohnen vernichtet, außerdem sind jetzt nur noch zehn feindliche Einheiten übrig. Die leis-ten ganze Arbeit. Leider haben wir auch eine unserer Einheiten verloren. Die Einheiten fünf und zwölf begleiten euch zur Sicherheit. Wir bleiben in Funkkontakt und verfolgen alles auf den Monitoren.“
Ohne zu zögern holten alle ihre Waffen raus, aktivierten die Strahler und waren plötzlich verschwunden.
Cyron konnte seinen Augen kaum trauen. „Die sind aber mal schnell“, staunte er.
Auf den Monitoren sah man sechs Kampfeinheiten, welche sich Ebene für Ebene nach unten arbeiteten. Auf einem anderen Monitor sah man Einheit elf, welche sich schnell bewegte und versuchte den Anschluss zu den anderen sechs herzustellen und auf wieder einem anderen Monitor sah man einen bun-ten Haufen von Chafren durch die Gänge rennen, gefolgt von den Einheiten fünf und zwölf.
Während der Anblick der Roboter und deren Vorgehensweise eine aufdringliche Logik vermittelte, hatte man bei der wilden Meute eher den Eindruck, dass es sich um einen Auflauf kopfloser Basarverkäufer handelte. Sie waren so-gar so schnell, dass sie Einheit elf einholten.
„Wenn die so weiter machen, verlieren wir irgendwann noch mehr Leute.“ Cyron griff zum Funkgerät: <„Verdammt noch mal, was meint ihr eigentlich wo ihr seid und was ihr da macht?“>
Die Truppe blieb plötzlich stehen, schaute sich um und sah in eine der Kameras. Sandra streckte ihm zwar die Zunge raus und einer der Wölfe hob den Mittelfinger und richtete ihn ausgestreckt nach oben, aber sie bekamen sich in den Griff und gingen in eine ordentliche geschlossene Formation über.
<„Das sieht schon eher nach was aus.“>
<„Aber bitte schön, Chef.“>
<„Sandra und Syrgon möchte ich später mal sprechen.“>
Die beiden Erwähnten zuckten zusammen und die anderen kicherten. Sie gin-gen weiter durch die Gänge. Obwohl es siebenundzwanzig AnChafren waren, zwei pferdeartige QuChafren und drei Kampfroboter, wirkten sie in den einzelnen Abschnitten verloren. Sie folgten den Spuren der Vernichtung und näher-ten sich nach und nach dem Kampflärm, hielten sich aber immer ein bis zwei Korridore hinter den anderen Einheiten.
„Unsere Truppe hat die drei Roboter als Rückendeckung abgestellt und geht voraus“, warf Kira in den Raum.
„Wo genau sind die jetzt?“, fragte Cyron.
„Auf Ebene -6 und die Einheiten haben auf Ebene -7 soeben die vierte von fünf dort umherstreifenden Einheiten zerstört.“
„Das heißt im Klartext, dass es nur noch sechs feindliche Einheiten gibt“, stellte Chiron fest.
Cyron blickte ihn an, sah auf seine Strichliste, malte irgendwas darauf herum und reichte sie an Chiron weiter. Der schaute auf den Zettel und musste kichern. Cyron hatte ein grinsendes Mondgesicht auf den Zettel gemalt und darunter geschrieben: Stimmt.
Chiron gab den Zettel an Cyron zurück und schüttelte, immer noch kichernd, den Kopf.
<„Okay, Gruppen eins bis sechs. Wir haben gute Neuigkeiten. Die Kampfroboter sind wirklich gut drauf und es sind nur noch sechs Feindeinheiten im Gebäude unterwegs.“>
Die Truppe marschierte unter einer der Kameras entlang und jeder der vorbei kam hob den Daumen und hielt ihn kurz vor die Linse. Der anfängliche Kampf war in einen echten Spaziergang übergegangen und entsprechend benahmen sich alle. Vorbei waren die Angst und die Mutlosigkeit die sie befallen hatten, als ihnen die Stärke der Waffenausrüstung der Station bewusst wurde. Wer konnte es ihnen auch verübeln, geschah es doch nicht alle Tage, dass man erst fast tot war und plötzlich in den Genuss kam über elf Kampfeinheiten zu verfügen, während in der Station mal gerade neunzehn noch gegenüber standen. Selbst wenn jede eigene Kampfeinheit nur eine gegnerische zerstört hätte, wären am Ende nur acht übrig geblieben und das waren im Grunde genommen genauso viele wie in der Basis, die sie bereits überrannt hatten.
„Hoffentlich kommt uns unsere Laschheit und unser Übermut nicht noch teuer zu stehen“, bemerkte Chiron sorgenvoll, „Wir sollten trotzdem aufpassen. Die Station ist noch nicht sicher. Wer weiß was alles in den Nebenräumen liegt.“
Cyron nickte.
Die Roboter hatten mittlerweile die Ebene -8 erreicht und auch die letzte Kampfeinheit auf der zurückliegenden Ebene vernichtet.
„Es läuft mir irgendwie alles zu glatt, da muss doch ein Haken bei sein“, sagte Tarja.
Chiron sah vom Monitor auf und starrte sie durchdringend an. Er überlegte einen Augenblick und nahm ihr die Sorgen ab. „Mach dir keine Gedanken, Liebste. Ich denke mal, es geht so einfach, weil niemand, aber auch wirklich niemand damit gerechnet hat, dass wir herkommen und ihre eigenen Waffen gegen sie richten.“
Das war logisch, aber überzeugte Tarja nicht wirklich.
„Ruhe!“, herrschte Kira, „Die Einheiten sind auf Ebene minus zehn angekommen und es scheint Probleme zu geben.“
<„Einheit eins, melden bitte.“>
Keine Antwort.
<„Einheit 1, was ist los bei euch?“>
Keine Reaktion.
Kira schaute die anderen sorgenvoll an. „Da stimmt was nicht“, sagte sie schließlich. „Ich bekomme keine Rückmeldung von unseren Kampfeinheiten.“
Sie versuchten sie auf den Monitoren zu finden, aber vergeblich.
„Vielleicht stehen sie in einem Winkel den die Kameras nicht einsehen können“, mutmaßte Stella.
„Nein, das glaube ich nicht. Die Erklärung wäre zu einfach. Das sieht eher nach einer Falle aus und unsere Robbis sind lahm gelegt worden“, sagte Kira.
„Verdammt, verdammt“, entglitt es Tarja, „Ich habe es geahnt. Ich hatte so ein komisches Gefühl in der Magengegend. Ich hasse es, wenn ich Recht habe.“
<„Gruppen eins bis sechs. Ihr geht auf eine Falle zu“>, schrie Kira plötzlich in das Funkgerät.
<„Hier Gruppe eins. Was ist los?“>
<„Ich sagte, ihr tappt in eine Falle, wenn ihr weiter geht. Ich bekomme keine Meldung mehr von unseren Kampfeinheiten. Irgendwas hat die komplett lahmgelegt.“>
Die Gruppe hielt an. Einer nachdem anderen riss die Augen auf und ging in die Hocke.
„Scheiße“, flüsterte Helios.
„Es ging zu einfach“, brummte Wotan.
Sirius klopfte ihm auf die Schulter: „Bleib ruhig, wird schon nicht so schlimm werden.“
„Okay Leute. Wir haben noch unsere drei Roboter und uns selbst. Packen wir es an“, sagte Tristan.
Sie legten sich flach auf den Boden und krochen langsam durch den Gang. Der Erste war leer und so krochen sie weiter und weiter. Der nächste Gang war auch leer.