Kapitel 42

Story by SethGodofChaos on SoFurry

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Kapitel 42

der Feind wird aktiv

Der Waffenoffizier und Fenrir-Klon Wargol grinste breit, als er auf die taktischen Monitore sah. „Das ist doch mal ein Festbankett“, frohlockte er.

Cratoul schaute ihn schief an. Eigentlich war diese Schadenfreude dem Marduk-Klon vorbehalten, aber auch er konnte sich eines Lächelns nicht erwehren. „Was schlägst du vor? Sollten wir angreifen oder sie noch etwas schmoren lassen?“

„Lassen wir sie erstmal eine Formation aufbauen, in der Hoffnung, dass sie uns gewachsen sind und dann setzen wir ein flammendes Zeichen. Ein Zeichen der Götter.“

„Gute Idee. Darough, wie sieht es innerhalb der Kommunikation aus?“

Der Cathulu-Klon wedelte mit seinen Fangarmen herum. „Da tut sich sehr viel. Ein Cheritkreuzer namens Ra-em landet auf der Erde. Fünf sind im Orbit des Zielplaneten, ebenso zwei Kampfinseln. Vom Planeten selbst sind momentan 51.000 Kampfgleiter im Raum.“

„Oh. Das klingt amüsant. Warten wir noch etwas ab. Wargol, lassen sie die Negativ-Schilde aktivieren, rotierende Modulation. Ansonsten bleiben wir erst einmal passiv.“

„Aye, Commander!“

„Captain Seth“, hub Althais an. „Der Systemvernichter fährt die Schilde hoch.“

„Polarisation?“, fragte der Eselhengst lapidar.

„Negativ.“

„Schilde hoch, positiv Ladung. Alle Waffensysteme laden. Multiphalanxen aktivieren und auf Ziel ausrichten. Gebt mir Ramos.“

„Aye! Verbindung steht.“

<„Ramos hier.“>

<„Wir haben unsere Schilde hochgefahren und die Waffensysteme aufs Ziel“>, erklärte Seth.

<„Ja. Haben wir schon bemerkt. Unsere kleine Flotte ist komplett einsatzbereit.“>

<„Ausgezeichnet. Was macht die Ra-em?“>

<„Die trudelt unbeeindruckt zum vorgegebenen Stelldichein.“>

<„Auch gut. Dann warten wir jetzt auf eine Reaktion von der Erde und auf eine von diesen Abtrünnigen.“>

<„Genauso ist es. Mal sehen wer als erster die Nerven verliert.“>

In der Antarktis erahnte man noch nicht einmal etwas davon, was gerade vor sich ging. Die Schneemobile und Raupen waren in der Zwischenzeit am vorgesehenen Zwischenlager angekommen. Der Schneesturm hatte sich mittlerweile zu einem wahren Orkan zusammengebraut und machte eine Navigation auf Sicht so gut wie unmöglich.

Anhand der elektronischen Karten und der GPS-Ortung war es glücklicherweise möglich nicht gänzlich die Orientierung zu verlieren.

In einiger Entfernung vom Gebäude trafen die ersten Fahrzeuge, unter der Führung von Major Altarion Rogers, auf Dana, Phil und Syrgon in ihren Waffenträgern.

<„Ja, wen haben wir denn da?“>, frohlockte Dana gespielt überschwänglich.

<„Die Gaffer sind endlich da“>, murmelte Syrgon und schüttelte den Kopf.

<„Etwas mehr Respekt, wenn ich bitten darf“>, schnauzte der Säbelzahntiger. <„Immerhin sind sie Soldaten und ich im Rang weit über ihnen. Aber das muss ich ihnen ja wohl nicht erst erklären. Außerdem ist das hier kein Spaziergang um den Block.“>

<„Aye. Sir!“>

<„Ausgezeichnet. Und jetzt will ich den Fundort sehen.“>

<„Genau vor ihrer Nase, Sir! Am Rande des Gebäudes.“>, verkündete Phil.

Man sah zehn Gestalten von ihren Schneemobilen steigen und langsam und etwas durchgefroren zum besagten Ort stapfen.

Altarion ging auf die Knie und schob den frischen Schnee vom Fundstück, legte die Konturen erneut frei und seufzte. „Genau wie ich es mir gedacht habe. Sie sind also hier und scheinbar tatsächlich unterwegs. Alles in das Gebäude. Syrgon, Dana und Phil! Öffnet das Hangartor, dann rein und absichern.“

<„Befehl verstanden“>, bestätigte Dana. <„Auf geht’s Jungs.“>

Die drei Waffenträger setzten sich in Bewegung, steuerten auf das Tor zu. Die entsprechende Codierung wurde eingegeben und es geschah zunächst nichts. Man hörte nur das heulen der orkanartigen Sturmböen, sah ringsherum nur Eis und Schnee.

<„Was ist los, Piloten?“>, fragte Altarion ungeduldig.

<„Sir! Irgendetwas stimmt nicht. Das Tor reagiert nicht.“>

<„Verdammt! Das hat uns gerade noch gefehlt.“>

<„Sir! Wir haben einen Funkspruch aus dem weißen Haus. Es ist der Präsident.“>

<„WAS? Geben sie mir den Inhalt rüber.“>

<„Die Mitteilung lautet, dass Zoran Grain, mit einigen Chafren und Smithers beim Präsidenten sind und sich mit ihm gemeinsam auf dem Weg nach Salt Lake gemacht haben. Dort ist ein Treffen mit der Ra-em geplant. Des Weiteren wurde auf DefCon1 gegangen, alle Raumgleiter befinden sich im Verteidigungsstatus um die Erde herum, genaue Stückzahl unbekannt, da die Cheritkreuzer ihre Gleiter erst entsandt haben. Gesamtschlagkraft beläuft sich am Ende aber wohl auf über 170.000. Alle Schiffe unter Alarmstufe Rot.“>

<„Was? Was ist passiert? Gibt es da einen Grund für?“>

<„Ja, Sir. Die Kurzerklärung lautet: Der Systemvernichter ist beim Jupiter aus dem Subraum gesprungen.“>

Der letzte Satz des Funkspruches ließ alle erstarren. Nicht etwa der Fund eines Kampfdroiden der Abtrünnigen am Rande des Zwischenlagers war ein Problem und auch nicht, dass sich nicht öffnende Hangartor. Das Problem war wesentlich größer und schwebte beim größten Planeten des Solarsystems.

<„Verstanden“>, begann der Säbelzahntiger leise und wurde dann lauter. <„Geben sie folgende Nachricht zurück: Haben Mitteilung erhalten. Fundort gesichert, es handelt sich um einen Angriffsdroiden der Abtrünnigen. Weiteres später.“>

<„Aye, Sir! Ich sende.“>

<„Syrgon und Dana. Sichert das Tor seitlich ab. Phil, Tor mit den Verladearmen des Trägers öffnen.“>

Eine verbale Antwort gab es nicht, aber die Reaktion zeigte, dass alle Angesprochenen es verstanden hatten.

So postierten sich zwei der Waffenträger wie befohlen seitlich des Zugangs, während Phil auf das Tor zuschritt, die Arme des Roboters ausstreckte, unter das Tor griff und es langsam hoch schob.

Als es halb geöffnet war, brach plötzlich die Hölle los. Im Inneren erwachte es zum Leben und eine Gruppe von sechs Angriffsdroiden der Abtrünnigen stürmten auf das Tor zu, eröffnete sofort das Feuer.

Die beiden Wölfe, welche seitlich mit ihren Mechs standen, registrierten den Angriff und ließen ihre Waffen sprechen. Ein Droide nach dem anderen wurde von den Beinen gefegt und Stück für Stück demontiert.

Phil feuerte ebenfalls und drang mittig in das Gebäude ein, er holte mit einem der Greifarme aus, packte einen der Droiden, hob ihn hoch und zerquetschte ihn langsam. Ein anderer rannte aus dem Hangar hinaus, schien etwas in Richtung einer der Raupen zu schleudern, wurde von Dana getroffen und fiel in sich zusammen. Allerdings hatte er Erfolg und ein raues Fauchen verkündete unheilvolles. Sekunden später explodierte eines der Schneemobile, riss den auf ihm sitzenden Tiger in den Tod. Die vom Androiden zuvor entsandte Waffe setzte ihren Vernichtungsweg fort und steuerte Danas Mech an, schlug oberhalb der Pilotenkanzel ein, versuchte sich fauchend und surrend ihren Weg ins Innere zu bahnen. Glücklicherweise war es vergebens und das Mordinstrument erstarb noch im Versuch, blieb in der Legierung hängen.

Zum ersten Mal erkannte man um was es sich handelte, welche Waffe die Kampfanthros auf Genro geradezu ausgelöscht und aktuell ein weiteres Opfer gefordert hatte.

Es sah aus wie ein Sichel, war von silbriger Farbe. In der Mitte erkannte man eine leichte Wölbung, die wahrscheinlich das Steuerungssystem enthielt. Ansonsten war die Waffe extrem flach und an den Rändern kaum eine Kante erkennbar, geradezu schmal wie eine Rasierklinge. Jetzt wurde auch klar, warum sie nicht wahrnehmbar war, und es ohne Probleme geschafft hatte organische Körper mühelos zu durchschlagen, sie zu zerstückeln und zu halbieren, ohne dass das Opfer es in diesem Moment deutlich zu spüren bekam.

<„Teufel auch“>, entfuhr es Dana. <„Ich habe hier eine dieser Waffen im Gerüst der Kanzel stecken.“>

<„Ist alles okay bei ihnen?“>, fragte Major Altarion besorgt.

<„Ja, ja. Mir geht es gut. Aber das ist echt ein Ding.“>

<„Um was handelt es sich?“>

<„Ich würde oberflächlich betrachtet sagen, dass es sich um eine überdimensionierte Rasierklinge handelt.“>

<„Ist es noch eine Gefahr oder neutralisiert?“>

<„Im Moment bewegt es sich nicht mehr. Ihm scheinen wohl unsere Legierungen nicht zu schmecken. Zumindest durchdringt es sie nicht.“>

<„Immerhin etwas positives. - Kommunikationsoffizier! Geben sie das weiter. Unsere Legierungen scheinen einen effektiven Schutz darzustellen.“>

<„Aye, Sir! Ich gebe es entsprechend durch.“>

Die Angriffsdroiden waren vollständig zerstört und nach und nach nahm die Truppe die Station in Besitz. Es kam zu keinerlei weiteren Zwischenfällen, Phil hatte das Zugangstor wieder geschlossen und somit den Schneeorkan ausgesperrt. Langsam, aber sicher breitete sich Ruhe aus. Teile der Truppe bildeten Grüppchen, setzten sich hin, legten die Beine hoch. Der menschliche Teil unterhielt sich mit den Anthros und es wurden Scherze gemacht.

Im Labor hatten sich Altarion, Syrgon, Dana, ebenso Phil und die Technikspezialistin Atria eingefunden, nachdem die Löwin und Dana die fremde Waffe vom Waffenträger geborgen hatten.

„Schieß los. Was hast du in der Kürze herausgefunden“, bohrte der Säbelzahntiger.

„Na ja. In der kleinen Kuppel verbirgt sich tatsächlich eine Art Steuerungssystem, genaues weiß ich aber erst, wenn ich diesen Dom, um es mal so auszudrücken, geöffnet habe.“

„Dann mal los. Ich bin neugierig.“

„Phil, kannst du mir mal helfen?“, wandte sich die Löwin an den Wolfsrüden.

„Aber gerne doch. Wo soll ich anfassen?“

„Nicht bei mir, aber an einer der Seitenflächen“, antwortete sie und grinste zweideutig.

„Schade eigentlich. Links oder rechts der Sichel?“

„Links bitte.“

„Okay. Wann hast du gemerkt, dass ich ein Auge auf dich geworfen habe?“

„Das ist ja alles sehr schön“, mischte sich Dana ein. „Aber könnten wir uns im Moment auf das wesentliche beschränken.

„Oh. Natürlich“, entgegnete Phil und hielt die Waffe fest.

„So, jetzt wird es interessant“, verkündete Atria. Sie bewaffnete sich mit einem Spezialschrauber und rückte dem Objekt der Wissensbegierde zu Leibe. Kurze Zeit später war der Kern der Sichelwaffe geöffnet und gab sein Inneres Preis.

„Oh, mein Gott“, rief Phil.

„Seht euch das an“, entfuhr es der Löwin. „Es ist tatsächlich ein Steuerungssystem, aber es ist organisch.“

„Was?“, fragte Altarion ungläubig und ging näher heran.

„Es scheint sich um organisches Gewebe zu handeln. Wahrscheinlich Hirnsubstanz. Ich entnehme eine Probe.“ Sie ging an einen etwas entfernt stehenden Tisch, zog eine Schublade auf und entnahm ein Skalpell, kam damit zurück und schnitt einen hauchdünnen Streifen von der Oberfläche.

Anschließend legte sie das Präparat auf einen Objektträger, drehte sich um und schaute sich die Sache durch ein hochauflösendes Mikroskop an. „Genau wie ich dachte“, begann sie. „Es handelt sich um Hirnmasse. Die Struktur ist eindeutig und scheint nur für diesen Zweck gezüchtet zu sein.“

„Sauber, aber was bringt uns das?“, fragte Syrgon.

„Diese Waffen sind zwar begrenzt intelligent und scheinen cerebral auf organische Ziele programmiert zu sein, aber wie gerade gesagt, sie sind begrenzt intelligent.“

„Aha. Und das bedeutet?“, fing der Wolfsrüde ungehalten zu werden. „Himmel. Du erinnerst mich an Kira.“

„Wer ist Kira?“, fragte die Löwin geduldig und schien gerne abzulenken.

„Kira ist eine Luchsin und würde dir bestimmt gefallen. Sie ist technisch hochbegabt, hat die Weisheit mit Löffeln gefressen und den gleichen Sinn für Urschleimgeschichten wie du.“

„Oh, danke für die Blumen.“

„Würdest du jetzt bitte auf den Punkt kommen. Wieso begrenzt und warum, in drei Teufelsnamen, hat sie es nicht geschafft die Kanzel zu durchschlagen?“, fragte Dana dazwischen und wirkte ebenfalls gereizt.

Altarion zuckte nur mit den Schultern und hob eine Augenbraue, nickte in Atrias Richtung.

„Ich kann nur vermuten, aber nicht mit Sicherheit bestätigen. Es scheint so, als ob organisches Gewebe, also aktive Lebewesen diese Waffe anziehen. Wahrscheinlich reagiert sie auf die elektromagnetischen Ströme die jeder Körper ausstrahlt. Tote aktivieren sie nicht oder erregen nach dem eintreten des Todes keinerlei Interesse mehr.“

„Aber sie hat doch die Transporter der Polarforscher und auch der Rettungstruppe angegriffen“, konstatierte Altarion.

„Ja, Sir! Aber sie vergessen dabei eines. In jedem Gleiter, Transporter oder auch in jedem Waffenträger befanden sich atmende und damit aktive Lebewesen. Die Signaturen waren deutlich messbar für diese Waffensysteme.“

„Aber warum konnte sie die Kanzel nicht durchschlagen und ist nunmehr inaktiv, obwohl wir definitiv am Leben sind?“, bohrte der Major.

„Das ist der Teil, bei dem ich rein spekulativ herangehen kann“, seufzte Atria.

„Egal, lassen sie hören.“

„Sie ist gestorben.“

„Sie ist was?“, entglitt es Dana.

„Gestorben. Einfach verreckt.“

„Wie das? Wodurch?“

„Vermutlich durch die Kälte. Der Schneesturm hat ihr wohl auf Dauer nicht geschmeckt.“

„Erfroren...“, sinnierte Syrgon.

„...aber so schnell?“, setzte Phil den Gedankengang fragend fort.

„Es gibt eine echte Temperatur und eine gefühlte Temperatur. Vielleicht ist die Temperatur innerhalb des Schneesturms nicht gesund für das steuernde Hirngewebe.“

„Klingt irgendwie logisch“, murmelte der leitende Säbelzahntiger.

„Oder es war der Temperaturunterschied. Immerhin hatte es das Ding vorher geschafft ein Schneemobil in die Luft zu jagen. Es explodierte, heizte den Kern, für einen extrem kurzen Moment, auf mehr als hundert Grad auf und dann sank die Temperatur schlagartig wieder auf gefühlte minus sechzig Grad ab.

Vielleicht war der Temperaturunterschied zu schnell und zu extrem. Aber wie gesagt, es ist nur eine sehr grobe Mutmaßung.“

„Und was ist, wenn sich das Ding ernähren muss?“, sagte Phil und kratzte sich dabei hinter dem rechten Ohr.

Atria schaute ihn durchdringend an und rührte sich einige Augenblicke nicht mehr. Dann schaute sie auf den offen daliegenden Kern, spitzte die Lippen und schien zu überlegen.

„Das würde Sinn ergeben. Sie war lange in einem Ruhezustand. Möglich wäre folgendes: Sie schläft und verbraucht minimale Energie. Vielleicht gerade so viel, dass sich das Hirngewebe nicht zersetzt. Dann wird sie aktiviert, was hierbei ja der Fall war und sie sucht sich ihr Ziel, nämlich einen lebenden Organismus. Den muss sie treffen, da ihre organische Energie nur begrenzt hält. Sie durchschlägt den Körper des Opfers und nimmt Blut auf, erhält somit die notwendige Energie um weiterzumachen. Hier war es einer der Sani-Tiger, aber sie traf nur das Schneemobil und nicht dessen Körper. Die Energie fehlte, wurde zusätzlich durch den gravierenden Temperaturunterschied aufgezehrt und das nächste Ziel war Dana, was klappen musste.

Was die begrenzte Intelligenz jedoch nicht im Stande war zu begreifen, war die Tatsache, dass sie in einer extrem stabilen Kanzel saß. Sie kam nicht rechtzeitig an die Wölfin heran und damit auch nicht an das dringend benötigte Blut. Die Kälte des Schneesturms erledigte den Rest. Das Ding ist einfach verhungert und zusätzlich erfroren.“

„Das bedeutet, dass diese Waffensysteme eine Schwachstelle haben“, stellte Altarion fest.

Die Löwin schaute den säbelzähnigen Major an und nickte. „Genau. Das ist die Achillesferse. Sie brauchen Blut. Sie brauchen Nahrung und wenn die verwehrt wird, dann ist schnell aus.“

„Und dann noch extreme Temperaturen oder schnell wechselnde Unterschiede und es ist sehr schnell aus und vorbei. Perfekt! Da setzen wir an. Was ist mit den Droiden? Da haben wir doch einige herumliegen?“, fragte Altarion weiter.

„Zu denen komme ich erst noch. Phil, Dana und Syrgon, ihr drei helft mir mal bitte beim einsammeln.“

Der Wolfsrüde Phil grinste und gab Atria einen sanften Kuss. „Umwerfende Idee.“

Dana starrte zur Decke und knurrte leise.

„Auf geht’s. Ich freue mich auf weitere Ergebnisse“, frohlockte Altarion und lächelte in sich hinein.

Cratoul saß in seinem Commandersessel und sinnierte. Sollte er warten bis Menschen, Cherit oder Antermerianer den ersten Schritt machten oder sollte er als kommandierender Offizier und oberste Gottheit ein Zeichen senden?

„Wargol! Sende ein Zeichen“, entschied er.

„Sehr gern. Was schwebt dir da vor?“

„Ein Fanal. Ein Zeichen was so deutlich ist, dass alle begreifen wer wir sind.“

Der Fenrir-Klon scannte die Umgebung und hoffte eine Eingebung zu erhalten, fand diese schließlich. „Ich habe da eine geradezu köstliche Idee.“

„Lass sie mal hören.“

„Wir zünden eine zweite Sonne im System.“

„Eine was?“

„Nun ja. Der Jupiter besteht zum größten Teil aus Wasserstoff, mit Teilen auch aus Helium. Eine perfekte Mischung um eine zweite Sonne zu entflammen.“

Der Marduk-Klon grinste breit und hob einen Zeigefinger. „Perfekt, mach es so. Das dürfte sie aufwecken.“

„Aye!“

Ein deutlich vernehmbares Brummen verkündete das Aufladen der Hauptwaffen des Systemvernichters. Die Balken der Energieanzeigen erreichten das grüne Level und die Türme der Strahler wurde auf das Ziel ausgerichtet.

An Bord der Kampfinseln wurde die Aktivierung der Waffensysteme registriert und Osiris sprang auf. „Was haben die vor? Welches Ziel haben die aufgefasst? Alle Systeme sofort aktivieren und Feuer erwidern“, schrie er.

Es war zu spät.

Der hochenergetische Strahl der Vernichterwaffe traf den Jupiter zentral, löste eine Kettenreaktion aus und entfachte die Kernfusion.

Zunächst kaum zu registrieren, aber dann extrem schnell zunehmend, begann der Planet Jupiter selbsttätig zu leuchten, erstrahlte gelblich-grün als zweite Sonne, ging auf der sonnenabgewandten Seite der Erde plötzlich die Nacht abrupt zu Ende, wurde es heller. Der Jupiter bis dahin verschlafen in einer fast perfekten Mischung der Elemente, war erwacht.

„Ausgezeichnet!“, entfuhr es Cratoul begeistert. „Das ist genau das, was die brauchen. Ein echtes Zeichen unserer Göttlichkeit.“

Die Ra-em war in der Zwischenzeit in Höhe ihrer Zielkoordinaten angekommen, schwebte noch einige Meter über dem Boden und auch Smithers, Grandner und Grain waren eingetroffen, begleitet von Isis, Grant, Skort und den Chafren.

In gebührender Entfernung beobachtete die Gruppe die Landung des Schiffes und warteten geduldig, bis die Triebwerke abgeschaltet waren und die Ankunft vollzogen.

Als sich die Hauptschleuse öffnete, näherten sie sich zielstrebig und bauten sich auf. Als erstes erschien Drekal, nebst Selestral, Sitral und Colras.

In der Luft schwebten und bewegten sich unzählige Gleiter des Militärs, waren Bodentruppen aufgelaufen und schirmten das Gelände in einem Umkreis von zehn Kilometern ab. Zwischen die Gleiter der Streitkräfte hatten sich einige wenige der Medien gemischt, welche ausgesucht waren, denn eine Sondergenehmigung war schwer zu bekommen und es passierte immerhin nicht alle Tage, dass ein knapp fünf Kilometer langer, 700 Meter breiter und 250 Meter hoher Raumkreuzer, mit einem Gesamtvolumen von 875 Millionen Kubikmetern einfach so am Rande eines Sees und in der Nähe einer Großstadt der Erde landet.

„Herzlich Willkommen auf der Erde. Mein Name ist Josef Grandner“, begann der Präsident.

„Guten Tag!“, erwiderte Drekal und streckte die Hand zur Begrüßung aus.

Grandner lächelte, griff nach ihr und schüttelte sie langsam und bedächtig. „Es ist schon ungewöhnlich, ihnen die Hand zu schütteln.“

„Das kann ich mir denken“, warf Selestral ein. „Immerhin waren wir vor Urzeiten Feinde.“

„Ja“, mischte sich Smithers ein. „Aber lassen wir die Vergangenheit ruhen.“

„Nun ja“, hub Sitral an. „So lange ist die Vergangenheit nicht her. Immerhin hatten wir vor gerade mal knapp fünf Jahren den letzten Kontakt.“

Grandner hob eine Augenbraue und sah Smithers durchdringend an. „Das sollten sie mir jetzt aber mal erklären. Reicht es nicht, dass ich im Gleiter Informationen über die Außerirdischen erhielt, die unser Wissen neu aufgestellt haben? Kommt jetzt das nächste?“

„Ähm...“, der Verteidigungsminister wand sich sichtlich. „Da gab es in der Tat einen kleinen Vorfall.“

„Kleiner Vorfall?“, knurrte Colras. „Wenn sie Dutzende tote Fellachen im Bereich Ägyptens, mehrere tote Ägyptologen, eine gesprengte Ausgrabungsstätte und ein Gemetzel unter Soldaten als klein bezeichnen, dann ist es wohl so. Aber ich habe da einige Personen, die ihrem Gedächtnis gerne nochmals auf die Sprünge helfen.“

Wie auf Kommando verließen bekannte Gesichter das Schiff und standen Smithers gegenüber. Der atmete tief durch und verdrehte die Augen, sah Hilfe suchend zu Präsident Grandner, aber der musterte nur die Anwesenden. „Möchten sie, Mr. Smithers, mir die Personen nicht vorstellen? Scheinbar kennen sie sie ja“, hub Grandner an.

„Meinetwegen. Die Luchsin heißt Kira, der Säbelzahnlöwe Andrew und dann haben wir da Stella. Ach ja und Apophis nicht zu vergessen. Außerdem sind da noch Gregor Binder und des Weiteren Jody Thorn.“

„Ah. Da waren mir doch einige Berichte zu Ohren und Augen gekommen, nach denen der menschliche Teil der Gruppe, welcher gerade komplett vor mir steht, auf unerklärliche Art und Weise verschwand und alles zerstört wurde, weil die Cherit mal wieder ihre Finger im Spiel hatten. Das müssen sie mir jetzt aber mal dringend erklären.“

„Das ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Das war Krondal. Wobei sie den nicht mehr fragen können, den fressen gerade die Würmer“, versuchte sich Smithers zu retten.

„Was sie nicht sagen“, ging Andrew dazwischen. „Aber wir haben da noch ein Ass im Ärmel.“

„Ein Aas wäre das bessere Wort für ihn“, merkte Apophis an.

„Wen denn, meine Großmutter?“, entglitt es Smithers zynisch.

„Nein“, zischte Stella. „Wie wäre es mit Cromwell?“

Im gleichen Augenblick setzte wie auf Kommando ein kleiner Gleiter, welcher deutlich die Kennzeichen des Stabes trug, neben ihnen auf. Vier Mitarbeiter der internen Sicherheit entstiegen und hatten eine Person in ihrer Mitte.

Smithers drehte sich erschrocken um, erkannte er um wen es sich handelte. „Cromwell. Sie verdammter Hurensohn. Ich hatte gehofft, dass sie die Aasgeier gefressen hätten.“

„Vergessen sie es, Smithers. Sie waren schon immer ein Lügner und werden es immer sein. Immerhin hatten sie mir die Aufträge erteilt, ebenso Fletcher. Alles wäre nie soweit gekommen, wenn sie sich nicht ständig im Hintergrund eingemischt hätten.“

„Was soll das jetzt? Sie und ihr bekloppter Chef namens Krondal wollten doch, dass die ganze Bude in die Luft fliegt. Ich hatte mich damals schon aus allem herausgezogen.“

„Das glaube ich nicht“, merkte Andrew an. „Ich kann mich an ihr Gesicht noch sehr gut erinnern, als wir damals den Professor aus den Fängen des Konzils befreit hatten.“

Grandner seufzte. „Was ist da alles an mir vorbeigegangen?“

„Eine ganze Menge“, verkündete Apophis stolz. „Jody Thorn und ich haben geheiratet und wir haben eine Tochter.“

Jetzt war es an Zoran Grain zu staunen und das sah man ihm deutlich an. „Wie das?“, fragte er ungläubig, fing sich aber schnell. „Egal. Ich freue mich für euch. Aber die Zeit drängt und wir müssen uns etwas einfallen lassen.“

Smithers stand etwas abseits, als sein Mobiltelefon klingelte. Er nahm das Gespräch an und wandte sich endgültig ab, entfernte sich ein gutes Stück von der Gruppe.

Grandner sah ihm neugierig hinterher. „Was hat der Kerl jetzt wieder vor? Irgendwie traue ich ihm gerade keinen Schritt mehr über den Weg.“

Plötzlich schrie der Verteidigungsminister laut auf und brüllte einige unverständliche Worte ins Gerät, beendete die Verbindung und drehte sich wieder um, kam näher.

Sein Gesicht sprach Bände und er schien im Moment direkt in die Hölle zu blicken. „Wie war das mit dem, sich etwas einfallen lassen?“

„Die Zeit drängt“, wiederholte sich Grain.

„Die Zeit ist abgelaufen“, verkündete Smithers. „Das war gerade ein Observatorium am Arsch der Welt. Genauer gesagt auf der anderen Seite unseres Planeten. Während wir hier stehen und uns Gedanken machen, haben diese Abtrünnigen Fakten geschaffen.“

„Was ist passiert?“

Plötzlich hörte man Turbinengeräusche und das tiefe Dröhnen von Motoren, welche lauter wurden und die Ankunft von Fahrzeugen ankündigten.

Wenige Minuten später hielt ein Pulk von fünfzehn unterschiedlichen Fahrzeugen vor den Anwesenden und mehrere Personengruppen entstiegen ihnen. „Guten Abend, die Herren! Keine Angst, wir sind hier um uns davon zu überzeugen, dass es wirklich passiert.“

„Was wollen sie wirklich wissen?“, fragte Apophis in die Runde der Angekommenen und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Dass es euch wirklich gibt. Ich meine, der Krieg liegt schon Jahrhunderte zurück und dann waren angeblich vor wenigen Jahren einige von euch nochmals hier. Aber das waren nur Gerüchte. Jetzt wohl nicht mehr.“

„Freut mich, dass ihr uns nicht gleich erschießen wollt“, merkte Selestral zynisch an.

„Nein. Das liegt uns fern. Eher im Gegenteil. Wir würden euch lieber beschützen. Es gibt genug Verrückte in der Gegend, die euch ans Fell wollen. Ich bin übrigens Andreas und wir sind eine kleine Gruppe von furries.“

Jody und Shana fingen an zu grinsen. „Ach ne. Andreas“, begann Shana, „immer noch Fuchs oder die Spezies schon gewechselt? War da nicht etwas im Raum mit einem Wolf?“

Der Angesprochene trat näher heran und blinzelte Shana an. „Shana, die Greifin. Ich glaube es nicht. Ich dachte du wärest tot? Zumindest wurde das behauptet.“

„Tot gesagte leben länger. Aber sag an, wie geht es der Gruppe. Ist ja immerhin einige Jahre her.“

„Wir können nicht klagen, Schwund und Neuzugänge wie immer. Aber wie ich sehe haben wir eine echt reizende Gruppe vor Ort und der Stabschef höchstpersönlich. Wenn die Verschwörungstheoretiker da mal nicht einen Volltreffer gelandet haben.“

„Wer glaubt denen schon? Eine perfektere Tarnung gab es nicht“, entfuhr es Zoran Grain.

„Wie haben sie es geschafft in die Sperrzone einzudringen?“, fragte Smithers entrüstet.

„Das war nicht so leicht, aber mit einigen Presseausweisen und einem fiktiven Grund funktionierte es dann doch relativ gut.“

Smithers schaute den Stabschef an. „Wir müssen dringend an den Sicherheitsvorkehrungen arbeiten. Das scheint mir alles zu einfach zu laufen.“

Zoran Grain nickte zustimmend.

„Ausgezeichnet.“ Shana und Andreas schüttelten sich die Hände und lachten.

Smithers fing an zu knurren und schnaubte wütend. Damit erreichte er, was er wollte und hatte die ungeteilte Aufmerksamkeit.

„So, jetzt schießen sie los, Mr. Smithers. Was ist passiert“, wiederholte Grandner seine Frage.

„Wird ja auch Zeit! Es ist aus, es ist vorbei. Der Jupiter brennt.“

„Er tut was?“, fragte Grain langsam.

„Herr Stabschef. Ich wiederhole es gerne nochmals. Die Abtrünnigen haben den Jupiter mit Hochenergiewaffen beschossen und die Kernfusion in Gang gesetzt. Die Erde hat jetzt zwei Sonnen. Das Problem ist nur, dass die Strahlungsenergie, die diese Fusion im Inneren des Planeten erzeugt, dafür sorgen wird, dass er sich aufbläht und damit an Umfang zunehmen wird.“

„Gibt es eine Grundlage, also eine Berechnung, welchen Ausmaßes diese Umfangszunahme sein wird?“, fragte Andrew.

„Laut dem, was mir gerade am Telefon gesagt wurde, wird es der Asteroidengürtel anteilig wohl kaum überstehen. Zumindest nicht von der Wärmestrahlung her und der Rest wird entweder durch die Strahlungsenergie ins Innere des Sonnensystems gedrückt oder durch die Gravitationskraft in die neue Sonne gezogen. Was die Gammabelastung auf der Erde angeht, darüber kann man nur mutmaßen.“

Kira spitzte die Lippen und schaute Smithers an. „Haben sie eine schlaue Nummer in ihrem Telefon, die ich nutzen könnte, um mehr Informationen zu bekommen was ihren Jupiter und die Sonne betrifft?“

Der Verteidigungsminister schaute die kleine Luchsin mehr als irritiert an, nickte aber schließlich, wählte eine Nummer und übergab ihr das Gerät.

„Danke“, sagte sie und wandte sich von der Gruppe ab.

Grandner beobachtete sie, ebenso wie die anderen und fing an zu grinsen. „Sie gefällt mir. Ganz ehrlich. Süßes kleines Ding.“

Andrew fand die Ausdrucksweise des Präsidenten extrem despektierlich und gab seinen Unmut auch deutlich zu erkennen. „Mir ist es egal, wer und was sie sind, aber sie ist kein Ding. Sie ist meine Partnerin, also bitte mehr Respekt.“

„Entschuldigung, es sollte nicht herablassend sein“, gab Grandner klein bei.

Das Telefonat zog sich immer mehr in die Länge und nach einer knappen Stunde beendete Kira endlich das Gespräch und drehte sich wieder um.

„So, ich habe da ein paar lustige Informationen sammeln können, aber egal wie man es dreht, es bleiben mehr oder weniger nur Theorien und Mutmaßungen.“

„Schieß los. Was könnte theoretisch alles passieren?“, fragte Andreas neugierig dazwischen.

Shana schaute ihn scharf an. „Ihr seid ja immer noch hier.“

Er zuckte mit den Schultern. „Was hast du erwartet? Eine solche Chance wie diese jetzt, ergibt sich nie wieder.“

Bedingt durch den Tumult, der sich am Fuße der Ra-em abspielte, waren weite-re Besatzungsmitglieder ins Freie getreten, gesellten sich dazu oder umkreisten das Schiff in der näheren Umgebung und atmeten die frische Luft. Auch der Rest der furry-Gruppe war mittlerweile aus den Fahrzeugen gestiegen und versuchte sich etwas unbeholfen mit den Cherit bekannt zu machen.

Shana verdrehte die Augen und sah diesen doch etwas plumpen Anbande-lungen argwöhnisch zu, als sie plötzlich angesprochen wurde.

„Hallo, du bist bestimmt Shana.“

Sie drehte sich um und schaute der Greifin Cayla ins Gesicht. „Ja, die bin ich. Was kann ich für dich tun?“

„Ich würde mich gerne mit dir unterhalten. Wie ich hörte bist du in biologischen Bereichen recht bewandert und auch im archäologischen tätig.“

„Das ist richtig.“

„Wirst du hier gerade dringend gebraucht oder können wir uns etwas abseits stellen?“

„Nein. Das sollte kein Problem sein. Kira versucht gerade etwas zu erklären, aber das ist eher etwas für Andrew und die Anderen.“

„Das freut mich“, entgegnete die Greifin offenherzig und zeigte zum Ende des Schiffes. Shana nickte und beide verließen die Gruppe.

Andreas, welcher scheinbar unbeeindruckt bei den anderen blieb, beobachtete aus dem Augenwinkel wie die beiden sich unterhielten und langsam entfernten. 'Perfekt. Sie soll mal auf andere Gedanken kommen.'

Um Kira hatte sich die Gruppe nicht aufgelöst und lauschte gespannt ihren Ausführungen. „... Na ja. Das sollte alles kein Problem darstellen, denn Jupiter umkreist die Sonne und nicht die Erde den Jupiter oder umgekehrt. In der Re-gel ist er so weit entfernt, dass die Strahlung zu vernachlässigen ist. Wenn er dann mal in Erdnähe ist, ist diese zwar messbar, aber ohne spürbaren Einfluss. Was die Fusion angeht, da kann ich alle beruhigen, denn die wird relativ schnell abklingen. Jupiter ist zu klein um selbsttätig eine Kernfusion zu entfachen und auch zu klein um diese aufrecht zu erhalten. Im Moment verbrennt also einfach nur der Wasserstoff und wird zu Helium, danach ist Schluss und es passiert nichts mehr. Aber das ist nur eine grobe Mutmaßung. Einen wirklichen Einfluss auf das Sonnensystem hat das Ganze also nicht.“

„Hmmm... Also Entwarnung?“, fragte Grandner.

„Eben. Es wird nichts passieren, außer, dass es auf der Nachtseite der Erde in den nächsten Jahrhunderten etwas heller sein wird.“

„Wie viel ist etwas?“, fragte Jody.

„Etwa so wie eine lauschige Morgendämmerung. Es wird aufgrund der Entfernung nicht mal wärmer.“

„Wie romantisch.“

„Aber warum haben die das gemacht?“, fragte Andreas dazwischen.

„Ein Fanal. Ein flammendes Zeichen, dass die Abtrünnigen die einzigen, die wahren Götter sind und einen deutlichen Anspruch auf die Erde und dieses System erheben“, mischte sich Isis ein.

Andreas sah die Antermerianerin an. „Das musst du mir jetzt mal genauer erklären, denn so wie ich mich erinnere, bist du ja wohl eine altägyptische Gottheit.“

„Das mag sein, aber wir Antermerianer erheben keinen Anspruch, wir sind eher hier um den Anspruch, den die abtrünnige Gruppierung erhebt, zunichte zu machen. Es reicht schon, dass es vor Jahrmillionen begann und sich dann wie ein roter Faden, quer durch die ganze Erdgeschichte betrachtet, immer wieder mit Einflüssen unsererseits, zog. Irgendwann muss das mal aufhören.“

Drekal hob einen Zeigefinger und wedelte etwas mit ihm herum. „Was würde passieren, wenn wir den Jupiter, salopp gesagt, auspusten und den Abtrünnigen den Spaß verderben? Ich meine, dass wir denen auch ein Zeichen senden könnten, frei nach dem Motto, ihr zündet zwar an, aber wir löschen euer Feuer.“

„WAS BITTE?“, schrie Jody schrill auf.

„Ich fragte: Was würde passieren, wenn die Waffen der Cheritkreuzer ihre Schlagkraft bündeln würden, um damit den Jupiter gezielt zu treffen und den Wasserstoff so schnell verbrennen zu lassen, dass er wie eine Fackel aufleuchtet und dann erlischt?“

„Klingt interessant. Ob es aber eine gute Idee ist...?“, antwortete Jody kühl.

„Gut, nehmen wir mal an, wir würden es tun und es würde ganz was anderes passieren. Die Waffen würden den Planeten treffen und den Wasserstoff regelrecht mit einem Schlag verbrennen, der Druck bei der Reaktion wäre plötzlich so hoch, dass der Planet zerrissen werden würde. Was dann?“, gab Kira zu bedenken.

„Das Sonnensystem würde aus den Fugen geraten. Der Jupiter vereint allein 7% der Gesamtmasse des Systems in sich“, sagte Zoran.

„Hmmm.... gehen wir mal vom Erfolg aus, und was wäre, wenn wir den Beschuss so steuern, dass die Energieladung nach außen gedrückt würde? Und vielleicht sogar den Systemvernichter erreicht?“, sinnierte die Wölfin.

„Sie meinen eine gezielte Wasserstofferuption?“, fragte Smithers.

„Genau!“, entgegnete Drekal.

„Ich glaube, dass ich ein schnelles Telefonat mit einigen Leuten führen muss. Mit etwas Glück halten die etwas von dieser Idee und können ihr folgen.“

„Tun sie das, Mr. Smithers. Andernfalls sehe ich mich genötigt einen der Cherit zu ihrem Nachfolger zu erklären. Ihr Verhalten ist mehr als bedenklich und mich würde interessieren, was sie mir noch alles vorenthalten haben.“

Der amtierende Minister schluckte, ob dieses Gedankens und sonderte sich ab.

„So und nachdem der zu tun hat, möchte ich noch einige Erklärungen haben.“

„Dann fragen sie“, hub Isis an.

„Was hat es jetzt mit diesem abgestürzten Wrackteil in der Antarktis auf sich? Geht da eine Bedrohung von aus?“, fragte Grandner.

„So wie es sich im Moment darstellt, ist es im Rahmen des Möglichen.“

„Wenn es geht, Fakten.“

„Fakt ist, dass eine Gruppe von Polarforschern ums Leben gekommen ist und mehrere Maschinen einer kleinen Privatarmee, nebst Personal ebenso vernichtet wurden. Die Art und Weise deutet daraufhin, dass es sich um ein aktiviertes Waffensystem der abtrünnigen Gruppierung handelt. Im Moment ist ja ein Trupp des Militärs unter Leitung von Major Altarion Rogers vor Ort, um alles zu untersuchen.“

„Klingt beunruhigend. Haben die sich schon gemeldet?“

Der Stabschef schaute den Präsidenten an und nickte. „Letzte Meldung war, dass sie sich in eine verlassene Station begeben haben und das Abklingen eines Schneeorkans abwarten wollen. Zur Zeit besteht keine Möglichkeit die Truppe zu erreichen.“

„Gut. Versuchen sie weiterhin Kontakt herzustellen.“

Die abtrünnigen Antermerianer waren begeistert. Die Idee den Wasserstoff zu entzünden hatte perfekt funktioniert.

„So“, intonierte Cratoul. „und jetzt rücken wir der Erde mal etwas näher auf den Pelz. Setzt einen geschmeidigen Anflugvektor und schickt die Drohnen raus. Die sollen uns notfalls einen Korridor frei schießen.“

„Verstanden! Das machen wir mit dem größten Vergnügen“, antwortete Wargol und gab den entsprechenden Befehl raus.

Innerhalb kürzester Zeit bauten sich mehrere Keile, bestehend aus 250.000 flugfähigen Angriffsdrohnen vor dem Systemvernichter auf, ein Waffensystem von dem nur die Abtrünnigen wussten. Waffen die alle überraschen und wie ein schlechter Albtraum über den Feind hereinbrechen würden, denn diese Drohnen waren Cyborgs. Flugfähige Killer, welche sich im luftleeren Raum fliegend ebenso gut bewegen konnten, wie in den Atmosphären von Planeten oder zu Fuß auf deren Oberfläche. Eine Allzonen taugliche Spezialeinheit.

Der Start dieser Einheiten, ebenso der eingeschlagene Kurs des Schiffes der Abtrünnigen wurde auf der Erde registriert.

Während Verteidigungsminister John Smithers immer noch telefonierte, wurde sein bestehendes Gespräch unterbrochen und eine Computerstimme verkündete, dass es ein wichtiges Gespräch von einem Mondobservatorium gab und ihm direkt zugeschaltet.

Er verstummte zunehmend und versteinerte. Am Ende des Gespräches, sah er nur noch auf sein Mobiltelefon, schwieg weiter, schloss die Augen und drehte sich schließlich zu Grandner um.

Extrem bedächtig schritt er, um jeden Meter ringend, auf die Gruppe am Fuße der Ra-em zu, sah scheinbar durch alle Anwesenden hindurch.

„Was haben sie, Mr. Smithers?“, fragte Andrew, während Kira sich an seinem linken Arm besorgt festhielt.

Der Angesprochene rang sichtlich nach Worten, aber seine Körpersprache war eindeutig. Er zitterte leicht und sein Gesicht war trotz der Hitze leichenblass, geradezu blutleer.

Schließlich hub er an: „Das mit dem Jupiter vergessen wir am Besten. Wir ha-ben andere Sorgen.“

„Was ist es denn jetzt?“, bohrte Grandner entnervt. „Sagen sie einfach was los ist und machen sie nicht so ein Drama.“

„Drama? Ich? Das wahre Drama kommt auf uns zu. Wie mir mitgeteilt wurde und diesmal sind es Fakten, hat sich der Systemvernichter auf Kurs begeben und das Ziel ist die Erde.“

„Na fantastisch“, entglitt es Jody. „Es geht also erst richtig los und die Fackel war nur tatsächlich nur ein erstes Zeichen.“

Smithers nickte und fuhr fort: „Aber das ist einstweilen das kleinere Übel. Das größere ist eher die Übermacht des Feindes, denn der hat eine immense Zahl von kleinen Schiffen abgesetzt.“

„Wie viele sind es und was machen die?“, fragte Drekal dazwischen.

„Es scheint, dass die sich formieren. Mehrere synchronisierte Keile haben sich gebildet oder sind gerade dabei. Die Anzahl wird noch errechnet, aber bis jetzt sind es weit über 200.000. Um was genau es sich handelt wird gerade durch ein Infrarotteleskop ermittelt und sollte in Kürze feststehen.“

„Zweihunderttausend? Wie viele Kampfgleiter haben wir?“, fragte Jody. „Ich meine, dass wir vor fünf Jahren nicht gerade super schlagkräftig waren.“

„Zur Zeit befinden sich 50.000 Gleiter im Orbit und haben sich formiert. - Isis, wie schlagkräftig sind die Kampfinseln?“

Die Antermerianerin breitete eindrucksvoll ihre schneeweißen Schwingen aus, erweckte den Eindruck, dass sie alles und jeden, mit einem geradezu göttlichen Glanz, beschützen wollte. „Jede Kampfinsel hat eine Standardanzahl an Gleitern von 10.000 Stück. Das reichte bisher im Kampf. Die hohe Anzahl der feindlichen Jäger überrascht mich und zeigt mir, dass es sich um etwas neues handeln muss. Etwas was keiner von uns kennt.“

Isis' Worte gaben Zoran Grain den Anlass einen lauten und sehr unanständigen Fluch auszustoßen, hub dann aber an: „Und wie viele Gleiter haben die Cherit-kreuzer?“

„Wir sind durchschnittlich bewaffnet“, entgegnete Drekal. „Die Ra-em hat 500 an Bord.“

„Na entzückend“, entfuhr es Grandner. „Wir können also davon ausgehen, dass wir, wenn wir alles zusammenklauben was fliegen kann, circa 60.000 plus X im Raum haben.“

„Ja, Sir“, warf Smithers abwesend in das Gespräch.

„Das bedeutet ein Verhältnis von 4:1 zu Gunsten des Angreifers. Hört sich gar nicht mal so schlecht an“, sinnierte Jody.

Isis schüttelte den Kopf. „Das ist eine sehr schwache Rechnung, denn wir wissen noch nicht einmal um was für Angriffseinheiten es sich handelt. Wenn deren System extrem neu ist, dann kann es sein, dass sich das eh schon vorhandene Ungleichgewicht noch verschärft.“

In diesem Moment klingelte Smithers Telefon. Er schaute auf die Nummer, nickte kurz und nahm das Gespräch entgegen. Nach nicht mal einer Minute war die Verbindung beendet und er schaute Grandner scharf an. „Egal was wir jetzt machen, der Krieg hat begonnen. Die Angriffsflotte hat sich formiert, Kurs gesetzt und stößt in einer halben Stunde auf unsere erste Verteidigungsfront. Sie sind extrem schnell und es scheint, dass Isis recht hat. Der Kampf wird unfair.“

„Okay. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Feind durch bricht und bis zur Erdoberfläche gelangt?“, stellte Drekal die entscheidende Frage.

„Mehr als wahrscheinlich. Ich schätze mal, dass er es in der jetzigen Situation, zu 90% schaffen wird.“

Grandner zuckte zusammen. „Captain Drekal! Dürfen wir an Bord gehen und von ihrer Brücke aus eine Ansprache an die Menschheit halten?“

Die Wölfin überlegte nicht einmal und nickte, zeigte auffordernd in Richtung des Eingangsschotts.

In der Antarktisstation hatte man im Zugangsbereich die Trümmer einiger Angriffsdroiden zusammengekratzt und sie ins Labor befördert, zwecks genauerer Untersuchungen.

„So“, intonierte Atria, „dann wollen wir doch mal sehen.“

„Sei bloß vorsichtig“, mahnte Phil.

„Du kennst mich doch. Ich bin immer vorsichtig“, erwiderte die Löwin.

„Eben. Deshalb sagte ich das. Immer, wenn du sagst, dass du vorsichtig bist, erleidet irgendjemand Schaden.“

„Du konntest dich doch wohl bisher nicht beklagen.“

Phil sah sie an und überlegte kurz, nickte schließlich schief. „Der Punkt geht an dich.“

„Siehst du und jetzt weiter im Text.“

An Bord der Kampfinseln sowie der fünf Cheritkreuzer war das geordnete Chaos ausgebrochen. Ständig wurden Befehle gegeben, der Ton war deutlich rauer geworden, die Kampfstationen in höchster Alarmbereitschaft und die Captains sowie der Administrator in ständigem Kontakt, koordinierten präzise die nächsten Schritte.

<„Administrator Osiris. Haben sie irgendeine Idee was genau da auf uns zu kommt?“>, fragte Melina.

<„Bisher können wir nur annehmen, dass es sich um neuartiges Waffensystem handelt. Geschwindigkeit und vor allem die extrem präzisen, fast gleichzeitigen Flugmanöver, lassen darauf schließen, dass die Angriffsjäger eine Form von Drohnen mit einer Art von kollektivem Bewusstsein sind.“> Osiris machte bei dieser Aussage einen sehr unglücklichen Eindruck.

<„Wenn dem so wäre und davon müssen wir ausgehen. Was wäre die beste Alternative sie abzufangen?“>, fragte Seth.

<„Das ist eine sehr gute Frage. Wir müssen uns eine Strategie überlegen, welche nicht konventionell ist. Sie darf kein passendes Schema aufweisen, nichts auf das sich der Angreifer vorab anpassen kann.“>

<„Hört sich doch gut an“>, knurrte Maahes und schlug sich vor die Stirn.

<„Hast du eine andere Idee?“>, fragte Theseus quer durch die Verbindung und schien den Löwen mit Blicken töten zu wollen.

<„Und ob. Einen Teil unserer Jäger entgegenschicken und den Aggressor in einen Kampf verwickeln. Erstmal sehen was er kann und zu was er überhaupt fähig ist. Was wir gerade tun ist sinnlose Zeitverschwendung. Wir lamentieren, haben keine Fakten und wollen eine Strategie entwickeln, was aber nicht möglich ist, solange wir nicht wissen inwiefern wir in einer Kampfhandlung reagieren müssen.“>

<„Er hat recht“>, hub Osiris an. <„Vielleicht sind 22 Millionen Jahre nur herumsitzen und Däumchen drehen nicht gut gewesen für meinen Kreislauf. Wird Zeit die Stationen aufzuwecken und dem eigentlichen Zweck zuzuführen.“>

<„Mein Reden!“>, grollte Maahes und erntete dafür strafende Blicke von Ramos und Seth, von der anderen Seite des Wandschirms.

<„Nun gut. Ich schicke 10.000 Gleiter entgegen. Mal sehen was passiert. Es wird auf jeden Fall ein Himmelfahrtskommando“>, sagte Osiris entschieden und gab den entsprechenden Befehl.

Der unterhalb seines Administratorenstandes sitzende Ptah 57 zuckte kurz zusammen, sah durch den Glasboden nach oben, schien durch alles hindurch zu sehen und tippte schließlich den entsprechenden Befehl in den Computer ein.

Wenige Minuten später formierten sich 10.000 Gleiter zu vier Keilen und strebten dem feindlichen Ziel entgegen.

<„Entfernung zum Ziel 1,2 astronomische Einheiten, Ankunft in vierzig Minuten“>, verkündete Osiris.

<„Ausgezeichnet. Wir sollten eine Verbindung zur Ra-em herstellen und sie in-formieren“>, merkte Melina an.

<„Was?“>, fragte Seth. <„Du willst deine spezielle Freundin kontaktieren? Ich bin beeindruckt.“>

<„Lass den Scheiß. Es geht um anderes und persönliche Differenzen sind jetzt definitiv fehl am Platze.“>

Auf der Ra-em waren Captain Drekal und ihre drei kommandierenden Offiziere, nebst Stabschef Zoran Grain, Verteidigungsminister John Smithers, Präsident Josef Grandner und einige Chafren auf der Brücke eingetroffen.

„Ich muss schon sagen. Sie haben da ein sehr imposantes Schiff, Captain Drekal.“

„Sehr verbunden, Mr. Präsident. Und nun lassen sie uns zur Tat schreiten.“

„Sehr gern“, stimmte selbst Smithers zu.

In diesem Augenblick drehte sich Cernos um. „Ich habe hier die Horem-hab. Captain Melina bittet um Kreuzverbindung.“

„Was? Auf den Schirm. Wenn die mich ruft, dann muss es dringend sein“, ordnete die Wölfin an.

„Verbindung kommt.“

<„Hallo, Captain Drekal“>, begann die Stute.

<„Hallo, Captain Melina. Was kann ich für sie tun?“>

Die antwortete jedoch nicht gleich, sondern gab etwas auf ihrer Tastatur ein. Der Wandschirm splittete sich und es erschienen die Einzelbilder der verschiedenen Captains sowie das von Osiris, was von Isis ihrerseits mit einem Seufzen quittiert wurde. „Das sieht nicht gut aus“, murmelte sie.

<„Mit so viel Besuch hatte ich auf meiner Brücke jetzt nicht gerechnet, aber ich vermute, dass es einen Grund gibt“>, rief Drekal aus.

<„Sehr richtig“>, begann Osiris. <„Ich habe 10.000 Gleiter in Richtung des Angreifers geschickt. Wir müssen wohl oder übel in eine provozierte Kampfhandlung treten. Die Idee kam übrigens nicht von mir, sondern von Captain Maahes.“>

<„Ja, ja. War ja klar“>, knurrte der Löwe.

<„Ehre, wem Ehre gebührt“>, gab Osiris zu.

<„Egal“>, mischte sich Melina an. <„Die Erde wird angegriffen. Der Jupiter war nur der Anfang.“>

<„Was genau geschieht gerade?“>, fragte Smithers.

<„Laut mehreren Scans hat der Feind 250.000 Gleiter entsandt, mit Kurs auf die Erde. Es scheint sich dabei um eine neuartige Waffe zu handeln, welche durch Kurswechsel und Geschwindigkeit darauf schließen lässt, dass sich der Kampf-verband mittels eines kollektiven Bewusstseins koordiniert.“>

<„Das klingt jetzt echt mies“>, entfuhr es Grain. <„Aber, wir wollten gerade eine globale Ansprache halten und da trifft es sich geradezu hervorragend, dass ihr in der Kreuzverbindung sind.“>

<„Sehr gute Idee. Dann machen wir das gemeinsam und müssen nicht groß um den heißen Brei reden“>, rief Kira begeistert aus dem Hintergrund.

Die Anwesenden drehten sich zur kleinen Luchsin um, die Blicke der Anderen auf dem Wandschirm wandten sich ihr zu.

<„Entschuldigung“>, murmelte sie.

<„Nein, da gibt es nichts zu entschuldigen“>, sagte Captain Maahes, <„denn sie hat recht. Was gibt es noch zu bedenken? Das Kind ist in den Brunnen gefallen und wir können es nur noch lebenden rausholen, wenn wir jetzt schonungslos die Karten auf den Tisch legen. Schluss mit dem Gesülze und Versteckspiel. Außerdem ist es vielleicht auch recht wirkungsvoll, wenn die Menschen sehen, dass wir uns hier taktisch den Arsch aufreißen um ihnen den selbigen zu retten.“>

<„Gut. Dann machen wir das. - Smithers, ans Telefon und sehen sie zu, dass wir uns einklinken können, global und die komplette Bandbreite, egal wie und wo“>, befahl Grandner. <„Und hoffen wir, dass uns die anderen Staatschefs, Minister und vor allem die Geheimdienste anschließend nicht auf der roten Liste haben, weil wir diesen Alleingang ohne Abstimmung machen.“>

<„Tja, das ist es woran die Menschheit wohl immer wieder krankte. Es muss immer alles abgestimmt werden, über drei Ecken laufen und spätestens an der zweiten bleibt es hängen“>, stellte Apophis fest.

In der Antarktis waren Atria und Dana sehr vorsichtig, legten die Einzelteile sorgfältig auf einen Tisch, die Löwin bewaffnete sich mit Elektroschrauber und Feinmechaniker-Werkzeug und schritt zur Tat.

„Als erstes widme ich mich dem Kopf. Da sollte das Interessanteste zu finden sein“, verkündete sie.

Die Löwin drehte das Objekt ihrer Untersuchungen hin und her, setzte dann an passender Stelle an und unter einem deutlich vernehmbaren Surren verrichtete ihr Handwerkszeug seine Arbeit. Zunächst demontierte sie das vermeintliche Gesicht, zumindest lag der Bereich im vorderen Teil und beinhaltete zwei 3D-Kameras und vier Richtmikrofone.

Anschließend war es ein Kinderspiel die Platte vom oberen Kopfende zu entfernen. Der Inhalt ließ ihnen einen unangenehmen Schauer über den Rücken laufen.

„Unfassbar!“, entglitt es Syrgon.

„Damit habe ich zwar gerechnet, aber gehofft, dass es nicht so ist“, entgegnete Atria. „Major Altarion, können sie uns bitte mal Gesellschaft leisten“, rief sie durch die Basis.

Der Angerufene ließ nicht lange auf sich warten. „Was gibt es denn?“, fragte er mehr rhetorisch bei seinem Eintreffen.

„Das sollten sie sich mal dringend ansehen“, mischte sich Dana ein und schaute erst zum Säbelzahntiger und dann wieder auf den freigelegten Inhalt des Roboterhauptes.

„In der Tat. Das ist beeindruckend und sehr aufschlussreich.“ Der langzähnige Offizier beugte sich über den Tisch und betrachtete eine Ansammlung von Verkabelungen, kleineren Baugruppen unterschiedlichster Formen und einer zentral gelegenen Gruppe bestehend aus einem rundlichen Gehäuse, dessen Inhalt sich noch nicht preisgab und verschiedenen elektronischen Modulen, die es halbwegs umhüllten.

„Dann klärt mich mal auf“, forderte Altarion an Phil, Atria und Dana gerichtet.

„Genaues wissen wir noch nicht, aber das ändert sich gleich“, hub Phil an und fuhr mit einem Finger zwischen den Baugruppen herum, zupfte etwas an der Verkabelung. „Wie es aussieht, befindet sich im zentral gelegenen Gehäuse die Steuereinheit. Zumindest macht es auf mich den Eindruck, da alle Verbindungen zu den anderen Modulen entweder direkt oder auf Umwegen dort hin führen.“

„Sieht genau danach aus. - Ah ja und hier scheint sich so etwas wie ein Gyroskop zu befinden. - Seht ihr, hier.“ Die Wölfin deutete auf ein kleineres Modul, welches drei freiliegende Ringe trug, die eindeutig die Lage des Roboters im dreidimensionalen Raum übermitteln sollten.

„Und hier“, hub Phil an und zeigte auf ein anderes Steuerelement, „ist der Standort-Transponder.“

Altarion schnaubte etwas. „Logisch. So konnten sie die Ortungen der sterblichen Reste des Abtrünnigen ausmachen und auch ihrer Kameraden. Später dann die Schiffe der privaten Kampftruppe.“

„Genau! - Und hier“, Dana zeigte auf ein weiteres Modul, „haben wir einen weiteren Übeltäter. Das scheint die Funkeinheit zu sein.“

„Jetzt würde mich nur noch interessieren wie die zentrale Steuereinheit aussieht. Immerhin sind die Datenmengen nicht ganz ohne und müssen verdammt schnell verarbeitet werden“, intonierte Syrgon etwas versonnen.

„Dazu komme ich jetzt und erwarte lebendes Gehirngewebe“, erwiderte Atria.

„Was macht dich da so sicher?“, fragte Altarion.

„Major, überlegen sie doch mal. Die Waffe wurde schon durch gezüchtetes Hirngewebe gesteuert. Da liegt es doch nahe, dass das hier auch der Fall ist.“

„Stimmt.“

„Aber um ganz sicher zu gehen, schaue ich jetzt nach“, sagte die Löwin knapp und legte tatsächlich das frei, was sie vermutet hatte. „Na bitte. Keine großartige Überraschung. Im Labor gezüchtetes Hirngewebe.“

„Jetzt kommt mir aber ein Gedanke“, begann Altarion. „Frage: Wie stark ist diese Funkeinheit?“

„Scheinbar stark genug um über sehr große Entfernungen senden und empfangen zu können. Das Frequenzband scheint auch sehr universell zu sein“, kam Danas Antwort.

„Hervorragend. Wir sitzen immer noch in diesem verdammten Schneeorkan. Wie wäre es, wenn wir diese Einheit entnehmen und sie mit der hier vorhandenen verknüpfen, das Signal verstärken und somit vielleicht Kontakt zu einem unserer Satelliten bekommen? Ich fühle mich nicht sonderlich wohl bei der Tatsache vollkommen abgeschnitten zu sein.“

„Das können wir versuchen, aber ich übernehme keinerlei Garantie, dass es klappt und vor allem, dass da Funkübertragungen stattfinden könnten, die wir nicht autorisiert haben.“

„Egal. Das Risiko müssen wir eingehen. Fangt an. Ich will Ergebnisse sehen und hören.“

„Aye, Sir!“, merkten Phil, Dana und Syrgon nebenher an und zogen mitsamt des Roboterkopfes in Richtung des Funkraumes.

Dem Säbelzahntiger knurrte in diesem Moment der Magen und er schaute sich um, fand die passende Richtung und marschierte zielstrebig in die Stationsküche.

Dort traf er auf die Hälfte seiner Truppe. „Ah. Alle schon beim Essen fassen“, rief er in die Runde. „Was gibt’s denn feines?“

Mark, welcher einen Teil der menschlichen Truppe darstellte und im Rang eines Privat war, entgegnete: „Typischer Soldatenfraß. Trockenbrot, Dörrobst, Trockenfleisch. Alles was das Herz begehrt und haltbar bis in fünfhundert Jahren. Für meinen Magen etwas schwer, aber es macht satt.“

„Hervorragend“, entglitt es Altarion. „Es geht doch absolut nichts über be-strahlte Labornahrung. Und ich dachte, dass die in den Forschungsstationen wenigstens was ordentliches zu beißen hätten.“

„Weit gefehlt, wie es scheint“, merkte Mark noch an, biss wieder in das zähe Brot und grinste in sich hinein. „Wie geht’s jetzt weiter?“, fragte er mit vollem Mund und daher etwas undeutlich.

„Atria, Phil, Dana und Syrgon versuchen gerade eine Funkverstärkung zu installieren und mit etwas Glück haben wir dann wenigstens schon mal eine stabile Satellitenverbindung. Alles weitere wird sich dann ergeben“, erklärte Altarion kurz und knapp.

„Hört sich gut an.“