Kapitel 8
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Kapitel 8
Arbeitsbeginn
im Jahr 1999/2000
Seit dem Jahr 1997 und der Landung der Landentwickler, Biologen, militärischen Einheiten, Geologen, Handwerker und Maschinisten waren mehr als zwei Jahre vergangen und es war Winter auf Genro, wenn man einen Winter auf diesem Planeten als solchen bezeichnen konnte. Schnell hatten alle feststellten müssen, dass sich die Jahreszeiten hier kaum unterscheiden ließen.
Lediglich die Temperatur schwankte von angenehmen 25 Grad um wenige solcher in Richtung der 20 Grad Marke und es fiel etwas mehr Regen als in den vermuteten Sommermonaten. Den einzigen Hinweis auf eine Art von kalter Jahreszeit lieferte das fernab liegende Gebirge, welches sich einen Hauch von schneebedeckten Kuppen gönnte. Ansonsten änderte sich nichts. Die Natur machte keine Pause und war konstant am blühen, grünen und fleißigem Wachstum.
Was aber sich sehr deutlich geändert hatte war das Bauvorhaben. Innerhalb des kurzen Zeitraums war die Station komplett fertig gestellt worden. Sie reichte vierhundert Meter in die Tiefe, hatte einen ausladenden Hangar, mehrere Laborräume, um kleinere Nebenexperimente durchzuführen und ein Haupt-labor auf der sechsten Ebene unter der Oberfläche.
Dieses Labor war das Prunkstück der gesamten Basis und umfasst ein Viertel der Ebene, war angefüllt mit Stasisröhren für die Aufzucht der Projekte, hatte Computertechnik aufzuweisen, welche funktionierte, aber nicht mehr die modernste war. Für die Bedürfnisse der Wissenschaftler reichte es aus, wartete man doch auf die ersten Ergebnisse in einigen Jahren und bis dahin sollte es eigentlich so sein, dass ein weiteres Schiff von der Erde eintraf und alles modernisiert würde. Wann genau, wusste man nicht, aber es konnte sich nur um Jahrzehnte handeln.
Alle auf dem Planeten lebenden Personen sollten im Rhythmus von zehn Jahren arbeiten und dann wieder in den Cryoschlaf gehen. So sollte dem vorzeitigen Alterungsprozess vorgebeugt werden. Alle privaten Räume auf den einzelnen Ebenen waren für zwei bis vier Personen ausgelegt, lediglich die Leiter der Abteilungen hatten den Luxus sich in ein Einzelzimmer zurückziehen zu können.
Die von der Erde mitgebrachten Tiere, welche die Basis der Genforschungen darstellten, waren in geräumigen Stallungen und in Raubtierkäfigen untergebracht und warteten auf ihren Einsatz.
Das Genlabor in der sechsten Ebene wurde von einem separaten Computerraum auf gleicher Höhe überwacht und gesteuert, die gesamte Station selbst unterlag einem zentralen Steuerungsrechner, welcher sich tief unter dem Boden befand, auf Ebene -10 war über ein separates Treppenhaus ein Archiv zu erreichen, in dem alle privaten Papiere und solche die die Forschungen betrafen in zweiter Ausfertigung gelagert wurden.
Eine eigens eingerichtete Ebene -40 sollte später dem Bau einer Superwaffe dienen, war aber zunächst der Entwicklung normaler Handfeuerwaffen mit Projektilen und solcher auf Laserbasis gewidmet.
Der Leiter der Station durchschritt mit Stolz die einzelnen Ebenen und schaute sich langsam um, sah zu seinem Stellvertreter. „Was sagen sie dazu, Berger?“, hub Linder an.
„Einfach umwerfend und das alles in so kurzer Zeit.“
„Ja. Es ist zwar alles typisch spartanisch und sehr militärisch, aber das ist letzt-endlich auch der Grund unserer Anwesenheit.“
„Richtig. Aber was ist mit dem ominösen Zugangstunnel auf Ebene -20?“, fragte Berger.
„Sie meinen das Loch in der Wand? Das hat das Militär zu interessieren. Wie ich mitgeteilt bekam, haben die wohl ein Dutzend Bewaffneter davor aufgestellt und lassen es bewachen, in der Hoffnung das da nichts rauskommt.“
„Toll. Mehr weiß man nicht?“
„Noch nicht. Aber früher oder später werden die wohl neugierig werden und ein paar Leute reinschicken um nachzusehen, ob da jemand wohnt.“
„Ich glaube nicht, sonst hätten wir schon Besuch.“
„Mit Sicherheit und jetzt lassen sie uns zum Hangar gehen. Es gibt angeblich eine mitgebrachte Aufzeichnung, die wir uns ansehen sollen.“
Beide machten sich auf den Weg und erreichten schließlich den entsprechenden Ort, an dem sich schon alle Beteiligten versammelt hatten, lautstark mit einander diskutierten.
An der Wand hing ein gigantischer Wandschirm und ein Projektor nahm seine Arbeit auf. Stille trat ein!
„Guten Tag, meine Herren!
Mein Name ist General Richter. Ich bin der eigentliche Leiter dieser Basis und damit dieses Planeten. Wir haben heute den 01.01.2000 und ich begrüße sie hiermit in meiner Funktion, als erste Soldaten auf der neuen Basis. Was sind unsere Ziele? Ganz einfach, meine Herren. Wir bilden sie hier zum perfekten Soldaten aus. Sie werden am Ende der Ausbildung die per-fekten Krieger sein und in einem Krieg überleben der seinesgleichen sucht. Dieser Planet war ursprünglich nicht in der Lage eigenes Leben zu entwickeln und wurde von uns und den Regierungen der verschiedenen Länder der Erde terraformt. Wir haben keine Mühen und Kosten gescheut um einen Planeten zu erschaffen der dem unserer Feinde ähnelt. Sie können hier unter sehr realen Bedingungen alles ausprobieren und simulieren. Es wird ihnen gefallen. Meine Herren! Ich wünsche ihnen viel Erfolg und dass sie uns nicht enttäuschen. Die Erde braucht sie.“
Die Projektion endete.
Die Anwesenden schauten sich betroffen an.
„Was?“, brach Lindner das Schweigen. „Ich dachte, dass wir hier forschen sollen und das Militär uns nur schützt. Jetzt ist es eine rein militärische Einrichtung?“
„Sieht ganz danach aus“, murmelte Berger vor sich hin und starrte auf den leeren Wandschirm.
„Ganz toll. Jetzt fühle ich mich wie das fünfte Rad am Wagen. Aber gut, sei es drum. Also, wenn das Militär jetzt schon die Leitung haben will, dann soll es sich auch um dieses verdammte Loch in der zwanzigsten Ebene kümmern. Abgesehen davon wurde hier überhaupt nichts terraformt und der Planet trägt bereits Leben. Von welchen Daten sind diese Besoffenen ausgegangen als wir hergeschickt wurden?“, brüllte er außer sich.
Einige Soldaten drehten sich zu ihm um. „Beruhigen sie sich gefälligst, wir kümmern uns schon darum“, entgegnete einer harsch und deutete ohne zu zögern auf das Schleusentor vom Hangar zur inneren Station.
„Kommen sie Berger, wir haben scheinbar nichts mehr zu melden. Verdammter Sauladen.“
Entrüstet und zutiefst beleidigt verließen die beiden das Ambiente und begaben sich zur Ebene -6, betraten das Zentrallabor und sahen sich schweigend um. Das Wissenschaftlerteam schaute die Führungskräfte besorgt an und umringte sie.
„Gibt es einführende Anweisungen? Wir haben die Einleitungspräsentation im Hangar leider nicht mitbekommen, waren noch mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt“, brach Eugen Swift das Schweigen.
Berger schaute traurig in die Gesichter seiner zugeteilten Mannschaft und seufzte. „Wie es aussieht legt man auf unsere Anwesenheit keinen besonderen Wert. Zumindest durften wir uns eine mitgelieferte Aufzeichnung eines General Richter ansehen, aus der deutlich hervorgeht, dass es sich um ein rein militärisches Projekt handelt und es hier um die Ausbildung von Soldaten geht und die Forschung an Waffensystemen. Unsere Arbeit wurde mit keinem einzigen Wort erwähnt.“
„Was bitte?“, entfuhr es Gerda Lombardi. Die 32jährige Genetikerin, vor ihrem Abflug frisch von der Uni gekommen, schaute irritiert zu Berger, Lindner und dann zu Swift.
„Sie haben richtig gehört. Unsere Arbeit scheint zweitrangig zu sein und was jetzt kommt weiß keiner“, resignierte Berger. „Außerdem ging man damals wohl davon aus, dass dieser Planet keinerlei Leben trägt und erst terraformt werden müsste. Insofern liegen die schon komplett falsch. Blöde Konserve.“
Plötzlich öffnete sich die Zugangstür und Grok trat ein. „Hallo! Wie ich sehe sind sie genauso erfreut wie ich.“
„Ihren Humor möchte ich haben“, entgegnete Lindner.
„Seien sie beruhigt. Wir sind alle nicht überflüssig, ganz im Gegenteil. Während das private Militär hier Krieg spielt, sind wir angehalten anderes zu tun. Sie werden schön am Ball bleiben und sich wichtig machen. Immerhin sind wir nicht umsonst hier. Forschen sie mal schön an ihren Zielen und versuchen sie mal optimistisch an ihre Arbeit zu gehen, dann klappt das schon“, versuchte Grok die Versammlung aufzumuntern, zwinkerte noch und verließ wieder den Raum.
„Was war das denn jetzt?“, fragte Lombardi.
„Egal was er jetzt damit bezweckte, er hat recht“, hub Berger an. „Machen wir uns ohne Umschweife an die Arbeit und analysieren wir mit unseren bescheidenen Mitteln die ersten DNA-Stränge. Krondal hat uns nicht umsonst hierher geschickt, brillieren wir mit Ergebnissen.“
Zuversicht erfasste den überwiegenden Teil des Teams und ein leichtes Lächeln umspielte das eine oder andere Gesicht.