Kapitel 18
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Kapitel 18
Fehlschläge im Programm
im Jahr 2070
„So“, begann der Leiter des Gen-Labors auf Ebene -6, „wir haben jetzt für sechs Anthros die entsprechende DNA analysiert, von vieren haben wir bereits die Embryonen in die Nährlösung verbracht.
Miller! Sie achten mir in den nächsten Monaten auf die Fortschritte in der Entwicklung der Klone, sollten Unregelmäßigkeiten auftreten, dann rufen sie mich sofort. Ich will einen täglichen Bericht.
Rodriguez und Solgar! Es ist schön, dass sie sich so phantastisch verstehen und daher bekommen sie den wundervollen Auftrag die Daten an den Monitoren zu überwachen.
Mendoza! Sie schauen regelmäßig nach den Käfigen und Stallungen der Tie-re. Gehen sie mit ihnen pfleglich um. Wenn die ersten sechs Klone funktionsfähig sind, dann geht es erst richtig los.“
„Alles klar, Chef.“
Die Waffenfabrik derweil, lief autonom und war nach ihrer anfänglichen Hochleistung nunmehr im Sparmodus angekommen. Innerhalb des Gebirgskomplexes patrouillierten jetzt dreißig Messerdrohnen und sieben Kampfeinheiten, programmierten sich selbst und passten sich damit automatisch ihrem festgelegten Wachbereich an. Bei Ausfall einer der Waffen wurde diese vom Zentralcomputer in die Fabrik zurückgeordert, demontiert, überarbeitet und als Neuzugang in das bestehende Gefüge entlassen. Der zentrale Hauptrechnerdom war waffentechnisch geschützt und zusätzlich durch ein umhüllendes Kraftfeld abgesichert. Egal wer da käme, es wäre so gut wie unmöglich an ihn heranzukommen.
Krondal, wie auch Lawrence Nachfolger Schuller waren über die Fortschritte informiert und gaben ihrerseits den Auftrag auf der Planetenrückseite umgehend eine weitere Basis zu errichten.
„Errichten sie einen Knotenpunkt für unsere Schiffe und Fähren. Es werden weitere Tiere geliefert und auch tiefgekühltes Material für weitere Zuchtreihen“, gab Krondal entsprechende Details preis.
Danach hörte man nichts mehr von ihm.
Die Raumbasis ward innerhalb von wenigen Jahren und ohne nennenswerte Schwierigkeiten errichtet, nachdem man sich auf ein Modell geeinigt hatte, welches mehr als anmutig war.
So war die relativ kleine Landmasse fast vollständig von einer Sockelkonstruktion bedeckt welcher, ähnlich dem Stängel einer Blume, eine Stahlkonstruktion entsprang, zweihundert Meter dem Himmel entgegenstrebte und schließlich in einer diskusartigen Kombination aus Hangar und Personalabteilung endete.
Da dieses Konstrukt auf dem sehr dünnen, nennen wir es einmal Hals, nicht stabil zu halten war, griff man zu einem hochentwickelten Trick. Die Plattform saß nicht plump auf der Verbindungssäule, sondern wurde zusätzlich durch ein starkes Antigravitationsfeld unterstützt, welches durch entsprechende Generatoren im unterirdischen Bereich gespeist wurde und von der Sockelfläche nach oben strahlte.
im Jahr 2085
Fünfzehn Jahre später und nach deren Fertigstellung, änderte sich plötzlich alles.
Es drangen beunruhigende Informationen von der Erde nach Genro und diese kamen von Krondal dem mittlerweile dreiundzwanzigsten seiner Ahnenreihe.
Ebenso war das aktive Personal der Urwaldbasis verändert worden.
Für die militärische Seite waren nicht mehr Mueller und Gallagher zuständig, sondern Stan Bergheimer, welcher gleichzeitig das Kommando für die nun-mehr schwer in die Jahre gekommene Elara Fortress 2 und alle drei Basen hatte. Er genoss den Ruf ein rechter Despot zu sein und regierte förmlich über den Planeten und alles auf ihm befindliche.
„Mister Krondal! Ich grüße Eure Exzellenz“, floskelte Bergheimer.
„Grüße zurück, Sergeant Major Doktor. Es freut mich sie zum ersten Mal zu sehen.“
„Danke, das kann ich nur erwidern und den Doktortitel hätten sie sich ersparen können, darauf lege ich keinen Wert.“
„Oh doch, mein Lieber. Es ist mehr als selten, dass es jemand schafft mit Doktorandum im Bereich der Genwissenschaft, Biotechnologie und komplexer Bionik, gleichzeitig einen so hohen Rang beim Militär zu bekleiden.“
„Zu viel der Ehre. Aber schießen sie los, was gibt es von ihrer Seite Neues. Ich hoffe nur Gutes.“
„Nein, leider nicht. Wir haben auf der Erde in den letzten zwanzig Jahren einen entscheidenden Kurswechsel einlegen müssen und uns ihnen gegenüber einst-weilen nicht melden können“, hub Krondal an.
„Ich bin ganz Ohr“, merkte Bergheimer an.
„Im Jahr 2054 gelang es einem zuvor gefangenen Cherit von der Erde zu entkommen und zeitgleich einem Klon aus unserem Programm zu Flucht zu verhelfen.“
„Das klingt nicht gerade amüsant.“
„Ist es auch nicht. Zumal die beiden noch den militärischen Leiter der Genetik-Anlage Colonel Hawkins als Geisel nahmen und mit einem Cheritkreuzer entkamen. Wir vermuten, dass sie den Planeten Festrid als Ziel hatten. Ferner gehen wir davon aus, dass diese mittlerweile dort angekommen sein dürften, über unsere Pläne Bescheid wissen und entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen.“
„Das ist jetzt wirklich übel. Was haben sie vor und was können wir tun?“, fragte Bergheimer.
„Wir haben bereits gehandelt. In unserem Labor haben wir die Erzeugung von Anthro-Klonen auf Eis gelegt. Stattdessen änderten wir die Planung und haben es geschafft in den letzten Jahren eine schlagkräftige Armee von modifizierten Tierhybriden zu produzieren.“
„Ah und wie sehen die aus?“
„Allesamt vierbeinig. Reine Tiere, welche im Hirn Implantate zur Steuerung tragen. Die Intelligenz liegt im Bereich eines Sechsjährigen. Die Körper sind mit Titaneinlagen im Bereich der Wirbelsäule und der Extremitäten verstärkt. Zudem haben wir im Lendenbereich Titanphalanxen angesetzt und diese als Waffenträger ausgebildet.“
„Das bedeutet sie haben Tiere mit Feuerwaffen ausgestattet.“
„Genauso ist es. Im Moment sind fünfhundert von denen im Cryoschlaf auf dem Weg nach Festrid. Wir werden jetzt einen entsprechenden Gegenbesuch abstatten und uns in Erinnerung bringen. Für meinen Geschmack liegt der letzte Besuch der Cherit auf der Erde zu lange zurück und keiner weiß was die gerade machen und ich mag keine bösen Überraschungen.“
„Ausgezeichnet, Mister Krondal. Und was erwartet man von uns?“
„Sie werden die Produktion von Anthro-Klonen forcieren. Haben sie dafür genügend Material?“
„Aber natürlich. Die irdischen Tiere haben genug Nachwuchs gezeugt und den Rest ergänzen wir aus Tiefkühlzellen und als Neuerung haben wir die auf Genro einheimische Fauna.“
„Ah. Das ist Musik in meinen Ohren. Da kann ich mir ein weiteres Schiff zwar nicht gänzlich sparen, aber es drängt wenigstens nicht“, sagte Krondal erfreut.
„Bisher läuft alles planmäßig, wenn auch schleppend und mit allerlei Rückschlägen.“
„Berichten sie!“, befahl Krondal nun doch etwas überrascht.
„Die Zellverbindungen lösen sich zu schnell auf. Es scheint das gleiche Problem zu sein, wie seinerzeit auf der Erde. Mittlerweile bekommen wir es in den Griff und die Klone sind mittlerweile bis zu sechshundert Tage lebensfähig.“
„Klingt nicht gerade gut, ganz im Gegenteil. Das Ergebnis ist für einen Zeitraum von 2000 bis 2085, also ganzen 85 Jahren, beschämend“, polterte die Graue Eminenz verbittert.
„Sie verkennen aber die Situation. Erstens sind es nur 55 Jahre, denn sie vergessen, dass die Station nach den Ereignissen von 2000 bis 2008 für knapp 30 Jahre leer stand und alles wieder von vorne begann. Zudem waren nicht gerade unerhebliche Teile des Personals damit beschäftigt in ihrem Auftrag eine Fabrikbasis im Gebirge quasi aus dem schroffen Fels zu brechen und später eine Raumbasis weit ab vom Schuss und auf der Planetenrückseite zu errichten.“
„Ja. Da gebe ich ihnen allerdings Recht. Dann forcieren sie einfach die Forschungen und melden sie sich, wenn etwas Entscheidendes geschieht.“
„Ja, Sir!“
„Gut so. Krondal, Ende.“
Das Konterfei der Grauen Eminenz verschwand vom Bildschirm und Bergheimer saß da, kratzte sich kurz hinter dem linken Ohr. „Was denkt der sich eigentlich, wer er ist?“ … Dann tippte er auf die Com-Taste. „Mira Paul! Sofort in mein Büro.“