Kapitel 7

Story by SethGodofChaos on SoFurry

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Kapitel 7

verwirrende Erkenntnisse

„Ich sehe mir mal die Wände an“, verkündete Zoya und begab sich in den hinteren Teil der Höhle.

„Das ist eine gute Idee“, hub Cyron an, griff sich Stella und begann auf der gegenüberliegenden Seite.

Der Rest der Gruppe verteilte sich im Raum, während Zeus, Andrew und Tripal den Zugang sicherten.

„Faszinierend“, rief Selestral plötzlich, „seht euch das mal an. Auf der rechten Seite befinden sich Schriftzeichen und zur linken sieht es aus…“, sie stockte und schaute nochmals genauer hin. „… das kann doch nicht sein.“

„Was ist, was hast du gefunden?“, fragte Apophis neugierig und stellte sich neben sie.

„Schau mal. Was ist hier sehe, kann ich mir nicht erklären.“

„Lass mal sehen“, intonierte Thomson und näherte sich, gefolgt von Horn.

Das Quartett leuchtete mit den Taschenlampen jeden Zentimeter der Wände in der näheren Umgebung ab und wurde verdächtig still.

Schließlich brach Horn das Schweigen. „Kann jemand von euch damit etwas anfangen?“, fragte er an Apophis gewandt.

„Und ob“, hub der Säbelzahntiger an, „es handelt sich um eine abgewandelte Bildergeschichte, ähnlich wie die in Ägypten, tief unter der Erde. Genauer gesagt innerhalb der Katakomben in denen wir den Sarkophag von Selestral fanden.“

„Aber wie ist das möglich“, murmelte die Jaguarin.

„Das Rätsel findet gerade einen neuen Höhepunkt“, knurrte Horn. „Jetzt vermissen wir nicht nur Kromberg, sondern haben eine weitere Herausforderung.“

„Mir erschließt sich der Zusammenhang nicht“, rief Tripal von der anderen Seite der Höhle.

„Ich hätte da eine Theorie“, begann Apophis langsam und sehr gedehnt.

„Dann schieß mal los“, munterte ihn Stella auf.

„Was wäre wenn, die Antermerianer dahinter stecken. Nehmen wir mal an, nehmen wir nur einmal an, dass die auch hier vorbeigeschaut hatten. Sie fan-den den Planeten, stellten fest, dass man daraus was machen könnte und haben sich, bis die Oberfläche bewohnbar ist, einstweilen unter dem Boden eine Art Basis geschaffen.“

„Klingt halbwegs nachvollziehbar. Aber was geschah dann? War das Alienmutterschiff vorher hier oder kam es erst danach?“, fragte Zoya.

„Ich vermute, dass es erst danach kam, sonst würden wir mehr Spuren der Antermerianer finden und nicht nur die Schriftzeichen und Bilder.“

„Stimmt“, bestätigte Selestral. „Aber wie hängt das alles zusammen?“

„Eine Prophezeiung?“, fragte Thomson plötzlich dazwischen.

Alles drehte sich zu ihr um.

„Wie meinst du das?“, fragte Stella und hab eine Augenbraue.

„Mag sein, dass ich zu viele Science Fiction Filme geschaut habe, aber das sieht mir verdammt stark nach einer Art Vorhersage aus. Seht mal hier und auch hier“, sie deutete auf zwei sehr auffällige Bilder.

„Sie hat recht“, flüsterte Apophis und Zoya nickte.

„Wir sollte uns diese Geschichte genauer ansehen und offen sein für wirklich alles“, hub Zoya an und zeigte nach links, von wo aus die Bilder der Reihenfolge nach beginnen könnten.

„Wenn ich das richtig sehe, dann ist hier eine Sternenkarte eingemeißelt“, sagte Thomson und zeigte auf die entsprechende Stelle.

„Stimmt“, bestätigte Horn und runzelte die Stirn, „Das kann jetzt aber nicht sein. Es sei denn, dass eine Theorie bestätigt worden wäre.“

„Welche denn?“, fragte Cyron neugierig.

„Es gibt da eine Theorie über Raum und Zeit, schwarze Löcher, Wurmlöcher und interdimensionales Reisen“, sinnierte Horn laut und kratzte sich während seiner Ausführungen unter dem Kinn. „Es geht dabei darum, dass man möglicherweise, wenn man in ein schwarzes Loch hineinfliegt, irgendwann aus einem sogenannten weißen Loch bzw. Wurmloch wieder herauskommen könnte.“

„Konnte man das nachweisen?“

„Nein. Und daher gibt es die extrem kühne Hypothese, dass ein schwarzes Loch einen Übergang zwischen verschiedenen Dimensionen oder gar Universen bilden könnte.“

„Hmmm… Du meinst quasi als Tor. Das schwarze Loch ist der Mund, verschluckt dich und aus dem Hintern kommst du wieder raus, bist allerdings in einer ganz fremden Welt“, hakte Thomson nach.

„Ja und daher kann man auch nicht nachweisen, dass es so ist. Die Materie verschwindet aus unserem Universum und damit aus unserem Raum-Zeit-Gefüge. Und wenn ich dieses eingefräste Bild dort sehe, dann sehe ich eine Form der Datendiskette welche Voyager 2 vor circa 1.100 Jahren mit sich führte.“

„Das bedeutet, dass sie einen Finder hatte“, murmelte Selestral.

„Ja, die Antermerianer“, schloss Horn ab.

Plötzlich schrie Zoya etwas, die sich unbemerkt abgesetzt und sich weiter entfernt umgesehen hatte.

Die Gruppe eilte zu ihr und folgte dem Schein ihrer Taschenlampe.

„Es sind nicht die Antermerianer“, begann sie. „Es sind die Abtrünnigen. Sie fanden die Datendiskette und verschanzten sich auf LV426, scheinbar um ab-zuwarten. Der Sarkophag in dem Selestral gefunden wurde stammt von ihnen und wurde von den Cherit später lediglich gefunden und benutzt, da ihnen die Technologie bekannt und damit nutzbar war.“

„Moment“, mischte sich Thomson ein, „Das würde bedeuten, dass alles hier wesentlich jünger ist als angenommen und der Steuermann wesentlich schneller versteinerte als gedacht, das ganze Schiff aus der Neuzeit stammt und erst vor circa 800 Jahren hier abstürzte. Also zur damaligen Zeit, als die Besatzung der Nostromo es fand, war es gerade mal etwas um die 350 Jahre her?“

„Jetzt aber mal ganz langsam“, knurrte Melina.

„Wenn ich das jetzt richtig verstehe“, hub Apophis an, „dann ist das Alles wesentlich jünger als immer gedacht. Wenn ich mich recht entsinne, dann sagten die Daten, dass der Granitsarkophag auf der Erde circa 15.000 Jahre alt war und Selestral zum Zeitpunkt ihres Auffindens erst um die 7.500 Jahre.

Das würde passen. Die Abtrünnigen wurden von den Antermerianern von der Erde vertrieben, der Sarkophag hatte ursprünglich einen anderen Zweck, wurde von den Cherit gefunden und Selestral in Stasis versetzt. Die Abtrünnigen flohen, fanden aber durch Zufall die Datendiskette und verschanzten sich auch auf LV426. Der Planet sollte als Basis dienen und da die Atmosphäre nicht atembar war entschloss man sich in den Untergrund zu bauen.

Das passt jetzt wiederum zur Tunnelanlage auf Genro, welche seinerzeit bei den Bauarbeiten der Urwaldbasis gefunden wurde.“

„Ja, aber was geschah dann?“, hakte Horn nach.

„Nun, ganz einfach. Die Abtrünnigen bauten diesen Tunnel und die Höhle, meißelten die Geschichte für die Ewigkeit in die Wände, aber dann kam das Alienschiff auf den Plan. Es kam zum Absturz und ein Alien erwachte. Der Steuermann, auch bedingt durch seine Osteoporose, war durch den Absturz schwer in Mitleidenschaft gezogen, kam nicht aus seinem Sitz heraus und war eine leichte Beute für den Facehugger. Das Ergebnis ist klar. Es schlüpft eine Drohne. Später findet der Kampf zwischen den Erbauern des Schiffes und diesem Alien statt. Die Erbauer verlieren, die Drohne gewinnt. Alles wird quasi ausradiert, bis auf das Warnsignal, welches der Besatzung der Nostromo zum Verhängnis wurde.

Wiederum Jahrzehnte später kommen die Landentwickler der Weyland Yutani Corporation auf den Plan, es wird das Schiff gefunden und das Drama geht weiter. Keiner ahnte etwas von den Hinterlassenschaften der Abtrünnigen, denn so tief wie wir, war keiner in dieses Schiff vorgedrungen.

Lediglich die Drohne fand bei ihrer Dekorationsarbeit durch ein Loch den Zugang zum Tunnel und der Höhle. Aus irgendeinem Grund entschied sie sich jedoch hier nicht den Innenarchitekten zu spielen und machte einen Bogen um das Ganze.

Auch das würde insofern passen. Die Aliens hörten mit den Angriffen auf, als wir am Tunnelzugang standen und wurden auch innerhalb dieser Basis nicht angegriffen“, schloss Apophis seine Erklärungen ab.

„Ich kann dem Ganzen eine gewisse Logik nicht absprechen“, sagte Cyron und klatschte begeistert in die Hände. „Jetzt haben wir doch jede Menge Antworten.“

„Nicht ganz so schnell. Erklär mir mal das!“, rief Zoya.

„Was ist? Hast du noch etwas gefunden?“, fragte Melina.

„Und ob, aber das ist ein weiteres Rätsel.“

„Wo?“, fragte Stella beiläufig.

„Da oben“, antwortete Zoya und leuchtete auf eines der Bilder.

Es zog wieder eisiges Schweigen ein.

Es war eine Gestalt zu sehen.

Ein Wesen, welches von einer Art göttlicher Aura umgeben war, es war nicht abzuschätzen wie groß es im realen Leben sein sollte, aber deutlich erkennbar, dass es eine schlanke, aufreizend weiblich anmutende Figur hatte, auffallend lange Säbelzähne und extrem große Schwingen, welche es ausbreitete. Außerdem schien es im Raum zu schweben und alles in seiner Umgebung machte den Eindruck zu glühen und in Flammen zu stehen.

Alle sahen Zoya fragend an.

„Sollte es so sein?“, begann Selestral ihre Gedanken zu formulieren, „Kann es sein, dass Das da“, sie deutete auf das Bild, „Zoya sein soll und dass sie der Grund dafür ist, dass die Aliens plötzlich so verändert im Verhalten waren, nachdem sie auf dem Planeten ankam?“

„Es deutet daraufhin“, flüsterte Stella.

„Moment, nicht so schnell“, fuhr Zoya auf, „Ich bin hier nicht der Mittelpunkt und schon gar nicht bin ich ein Engel oder der Heilsbringer.“

Stella und Cyron sahen sich an und die Tigerin nickte ihrem Ehekater zu, ebenso Chiron und Tarja, welche die ganze Zeit zwar anwesend waren, aber sich tunlichst im Hintergrund hielten und es vorzogen zu schweigen.

„Nun schön. Es wird Zeit für die ganze Wahrheit“, begann Apophis.

Zoya schloss die Augen zu schmalen Schlitzen und funkelte ihren Vater an. „Was kommt jetzt? Was hast du mir zu sagen?“, zischte sie den Säbelzahnkater aus zusammengebissenen Zähnen an.

Apophis kratzte sich verlegen an der Nase und atmete tief durch. „Du hast ja recht. Aber wir konnten dir gewisse Sachen nicht vorher sagen, sonst hätte es dich beeinflusst.“

Das beruhigte die junge Säbelzahntiger-Mensch-Hybridin jedoch nicht, lediglich ihr Blick wurde direkter und offener. „Ich höre!“, forderte sie schließlich auf.

Die Umherstehenden schauten zunächst beide an, dann aber ausschließlich zu Apophis, welcher begann: „Zoya, meine herzallerliebste Tochter. Es ist durchaus möglich, dass du auf dieser Wandgravur zusehen bist, obwohl du viel hübscher aussiehst.“

Die Angesprochene stemmte die Fäuste in die Hüften und schaute zur Decke. „Och nö. Jetzt lass das Gesülze. Ich kenne so etwas nur von Urgroßvater.“

Stella fing an zu prusten, ging schnell mehrere Meter zur Seite und lachte lauthals los, während Cyron sie etwas betreten dabei beobachtete und lieber schwieg.

Apophis fuhr fort: „Na schön. Isis hatte uns damals auf Genro und noch bevor du geboren wurdest, zur Seite genommen und mir und deiner Mutter ein paar Sachen offeriert.“

„Die wären?“, bohrte die junge Hybridin.

„Das du genauso werden würdest, wie du bist. Groß, klug, wunderschön, mit langen roten Haaren und auch dass du anstrengend sein würdest.“

„Anstrengend? Wie bitte? Anstrengend? Habe ich das wirklich gehört? Ich und anstrengend? Hat das Isis wirklich gesagt? Na die soll mich kennenlernen“, pol-terte Zoya los.

„Stopp, stopp!“, ging Tarja dazwischen. „Du bist jetzt in der Tat so, wie sie es beschrieb. Die Kampfzicke schlechthin.“

„Pöh!“, warf Zoya schnippisch zurück. „Und was hat das Wandrelief jetzt mit mir zu tun. Du hast zwar viel gesagt und mich charakterlich beschrieben, aber ich weiß immer noch nicht, um was es jetzt geht.“

„Nun ja, Isis sagte zum Abschluss… tja… dass du einmal sehr wichtig werden würdest und den Frieden bringst. Tja, nun ist die Katze im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Sack.“

Jetzt schwieg Zoya und begann zu überlegen. „Mir kommt da ein ganz anderer Gedankengang“, begann sie zögerlich, aber dann sehr entschlossen. „Mal ganz abgesehen davon, dass ich nicht dieses dargestellte Wesen bin und auch nicht sein will… ist euch bei euren ganzen Theorien irgendwas komisch vorgekommen?“

„In der Tat, da ist etwas Diffuses bei“, antwortete Chiron zögerlich. „Ich bin hier zwar der eiserne Schweiger, höre euch gerne zu und mache mir so mein eigenes Bild. Allerdings passt da etwas nicht recht und da habe ich nunmehr noch eine ganz andere Hypothese.“

„Schieß los!“, forderte Cyron seinen Schwiegersohn auf.

„Wie wäre es mit folgendem: Die Abtrünnigen sind die Erbauer, Schöpfer, Erschaffer. Egal wie man sie nennt, sie sind identisch.“

„Hmmm…“, summte Tarja vor sich hin. „Klingt im ersten Moment total verrückt, aber dann… ja… doch… das hat was.“

„Eben und dann würden gewisse Datenungereimtheiten schlüssiger.“

„Eine Sekunde mal“, ging Tripal, immer noch vor dem Tunnelzugang stehend, lautstark dazwischen. „Ich lausche die ganze Zeit mehr als angestrengt dem zu, was ihr da zusammenbaut, aber für mich erschließt sich nicht, wie diese Schöpfer an die Datendiskette einer in den irdischen Siebzigern gestarteten Raumsonde gekommen sein sollen.“

„Dazu habe ich auch eine Idee“, verkündete Chiron und schaute Cyron an. „Mein lieber Schwiegerpaps…“

Der Angesprochene horchte auf, sah ihn an und runzelte sanft die Stirn, schien nachzudenken und riss schließlich die Augen weit auf, hob einen Zeigefinger. „Du meinst einen Zeitsprung? Wie damals, als mein anderes Ich dich durch das Portal zurückschickte um die Zukunft zu richten?“

„Genau das meine ich und wiederum nicht.“

„Wie dann?“, fragte Stella dazwischen.

„Diese Abtrünnigen und auch die Antermerianer sind gleichen Ursprungs und haben wahrscheinlich eine ganz andere Vorstellung von Raum, Zeit und Dimensionen. Die Antermerianer waren mehr oder weniger nachweislich die Götter der alten Ägypter und die Abtrünnigen die Götter der Babylonier. Eines ist beiden Strömungen gemein, sie haben halb tierische Gestalt, wie Seth, Horus, Anubis usw. im ägyptischen, Cernunos im keltischen und auch rein menschliche, wie zum Beispiel Marduk im babylonischen oder im germanischen Loki, Freya.

Wie dem auch sei. Was ist, wenn die Abtrünnigen ganz andere Wege gingen als die gemäßigten Antermerianer? Was ist, wenn sie das Wissen um Raum, Zeit, Dimensionen und wahrscheinlich auch von dunkler Materie auf sehr finstere Art und Weise nutzten?

Wie wäre es mit der Annahme, dass es verschiedene Zeitlinien gibt, was wir ja mittlerweile wissen anhand der Vorfälle auf Genro, und die Abtrünnigen Informationen zwischen diesen Zeitlinien austauschten. Und zwar so geschickt, dass die Änderungen innerhalb der Achsen nicht zu einer kompletten Neustrukturierung der Ergebnisse führten, sondern zu ganz minimalen Abweichungen. Zu Fluktuationen die so gering sind am Anfang, dass keiner sie bemerkt, aber die Auswirkung nach Jahrhunderten oder erst Jahrtausenden so gravierend sind, dass sich etwas ganz Neues bildet.“

„Nun gut, aber was hat das mit den Aliens, dem Schiff, dem Tunnel und diesem Planeten zu tun?“

„Jetzt nehmen wir mal weiterhin an und jetzt wird es echt verrückt… Diese Voyager-Sonde wurde von den Abtrünnigen abgefangen, die Diskette gefunden und ausgewertet.

In ihrem Zeitstrang, waren sie von der Erde verschwunden und suchten einen Weg zurück, um sich dort wieder zu etablieren. Also, schnappten sie sich die Sonde, schickten diese unter Nutzung des Gravitationslinseneffektes, vermischt mit dunkler Materie und noch einem gezielten Beschuss energiereicher Photonen, in einen anderen, garantiert vorbestimmten, Zeitstrang. Dort war man noch 100.000e Jahre in der Zeit zurück und die Daten kamen mehr als gelegen.

Was lag näher als diese zu nutzen? Also wurden Schiffe gebaut um einem Aufstreben der Menschen und auch anderer Zivilisationen, welche in später Zukunft ungehorsam werden würden, einen Riegel vorzuschieben.

Es wurden die Aliens entwickelt, niemand kannte sie, keiner war dieser Bedrohung gewachsen. Die Schiffe wurden gebaut und durch Dimensionstransfers in deren Zeitstrang von ihrem Universum in das unsere und vielleicht auch andere geschickt.

Aber etwas ging im Laufe der Zeit schief. Während der Plan auf anderen Welten aufging und dort die Aliens wie eine Seuche ganze Planeten entvölkerten, wurde die Erde selbst verschont. Das Schiff was letztendlich auch Terra heim-suchen sollte, wurde von einem umherstreunenden Asteroiden getroffen, beschädigt und stürzte halbwegs kontrolliert auf LV426 ab. Der Steuermann wurden von einem Facehugger angefallen, infiziert und kurz vor seinem Tode aktivierte er das Warnsignal. Er setzte bewusst kein Notsignal ab, da er wusste, dass sich in diesem Universum höchstwahrscheinlich auch die moderaten Antermerianer herumtreiben würden.“

„Schön und gut. Aber was geschah mit der Besatzung und vor allem, warum waren die meisten Eier geschlüpft?“, fragte Horn.

„Wie erwähnt, hatte dieses Schiff mehrere Planeten zuvor angeflogen, dort schon einen Teil der Ladung gelöscht, um es mal sehr zynisch auszudrücken. Was dieser Kane später fand war der Rest, welcher für die Erde bestimmt war, aber niemals ankam“, schloss Chiron ab.

„Das heißt also auf allen Systemen ein Genozid schon im Voraus, bevor es überhaupt zu Aufstand und Vertreibung der Götter käme“, sinnierte Apophis.

„Das ist widerlich“, schnauzte Zoya.

„Tja, aber nicht auf der Erde. Na gut, dafür sind dann die Menschen nach LV426 gepilgert um sich wenigstens anteilig von den Aliens vernaschen zu las-sen. Also ging der Plan halbwegs auf“, merkte Thomson zynisch an.

„Ihgitt. Unser Nesthäkchen entwickelt eine ganz üble Art von Humor“, entgegnete Horn.

„Wie dem auch sei“, hub Tarja an. „Wir wissen jetzt scheinbar wie es war und auch warum sich alle weiteren Kämpfe auch nur auf der Erde abspielten.“

„Genau, das hatte ich noch vergessen“, ging Chiron schnell dazwischen, „durch den nicht vollendeten Auftrag dieses Alienschiffes hier, passierte noch etwas ganz anderes. Für uns ist das ein glücklicher Zufall und wir müssen dem unbekannten Asteroiden wirklich dankbar sein, denn ein Ziel ging auch nicht in Erfüllung.

Wahrscheinlich, aber nur wahrscheinlich, hatten die Schöpfer den Wunsch alle Zeitstränge, Dimensionen, die Zeit selbst und auch den Raum zu einer Masse zusammenzufassen. Alles sollte verschmolzen werden und damit Anfang zu Ende werde, eine freie Bewegung überall und nirgendwo, universelles Wissen und grenzenlose Dummheit zugleich. Gegenwart und Zukunft, Vergangenheit und Nicht-Zeit wären gleichzeitig aufgetreten.“

„Da haben wir aber nochmal Glück gehabt. Was?“, schrie plötzlich jemand aus dem Tunnel heraus und Kromberg erschien im Laufschritt, war außer Atem.

„Oh nein! Es ist wieder da“, entglitt es Melina.

„Hallo, Süße! Freut mich auch dich wiederzusehen.“

„Na ja, wenigstens hat eines funktioniert. Wir haben eine Theorie die sehr an-sprechend und plausibel ist und Mister Kromberg tauchte erst danach auf“, gab Zoya zum Besten und erntete dafür grinsende Gesichter.

„Ich habe da ein paar Datenpads gefunden“, flohlockte Kromberg und reichte sie an Captain Melina weiter.

Die Stute überflog sie und nickte zufrieden. „Wir lagen goldrichtig mit unseren Vermutungen. Nachdem was hier zu lesen ist und es ist nicht schwierig zu verifizieren, dass es sich um altes Sumerisch handelt, war es genauso wie wir dachten.

Die Frachtreste waren für die Erde bestimmt, kamen aber nie an. Alles weitere entzog sich dann der Kontrolle der Abtrünnigen und es entstand ein durch sie nicht mehr kontrollierbares Gefüge in der Zeit. Alles was jetzt geschieht wird nicht mehr beeinflusst und ist der normale Gang der Dinge.“

„Daher auch das Wissen über zukünftige Ereignisse“, mutmaßte Zoya.

„Ja und du bist ein Schlüssel“, entgegnete Chiron und Tarja ging zu Enkelin und umarmte sie herzlich.

Zoya breitete ihre Flügel aus und umschloss sie damit.

„Genau diese Geste wird wohl den Frieden im Universum bringen“, murmelte Horn versonnen. „Die Antermerianer hatten recht.“

„Und wie soll es nun weitergehen?“, fragte Andrew.

„Wir vernichten alles. Nichts darf mehr übrigbleiben“, verkündete Melina.

„Na ja, die Alienbrut ist ja schon hinüber. Bleibt nur das Schiff“, warf Zeus ein.

„Wir zerstören die Oberfläche von LV426 komplett. Nicht ein Stäubchen darf mehr nutzbar sein“, beschloss der Captain. „Damit verhindern wir, dass die Sektierer noch etwas Brauchbares finden.“

„Das ist durchaus richtig. Allerdings müssen wir nochmal da raus und unter die Oberfläche. Irgendwo hockt da noch dieser Madragadal-Gott und wahrscheinlich auch eine Königin nebst ihren Drohne, Arbeitern und Soldaten“, gab Cyron zu bedenken.

„Wir haben genügend Sprengladungen in der Fähre. Ich denke, dass wir eindringen werden, die Ladungen legen und von innen heraus alles in die Luft ja-gen. Es wird also nochmal richtig heiß.“

„Ja“, hub Kromberg an, „vor allem, wenn die Viecher merken was wir vorhaben.“

Ein tiefes Seufzen ging durch die Reihen.

„Lasst uns anfangen!“, befahl Melina in gewohnt barschem Tonfall und streckte sich.

Kromberg beobachtete sie dabei und zwinkerte. „Eines muss ich ihnen lassen Captain. Sie sind ein echt heißes Gerät, selbst in ihrem Alter.“

Melina schaute ihn mit schief gehaltenem Kopf an, bleckte etwas die Zähne. „Mister Kromberg! Sie sind verdammt frech, aber ich habe keine Lust mehr sie zurechtzuweisen. Trotzdem danke für das Kompliment. Vielleicht überlege es mir noch und komme darauf zurück“, erwiderte die Stute und hob schließlich eine Augenbraue.

Falls Kromberg damit nicht gerechnet haben sollte, so ließ er es sich nicht anmerken und drehte sich einfach um.

„Dann bleibt doch einfach mal dicht hinter mir. Ich habe da ja meine kleinen Helferlein, Kira sei Dank, an meinem neuen Arm“, verkündete Zeus, nicht ganz ohne Stolz.

„Stimmt. An die hatten wir nicht mehr gedacht“, erwiderte Andrew und betrachtete sich den Titanarm genauer. „Was genau hast du denn da alles dran?“

„Nun“, hub der Einhornhengst an, „da hätte ich einen sehr starken Arm. Verbunden ist er mit einem kleinen Flammenwerfer, welcher links an der äußeren Strebe angesetzt ist. Direkt daneben unseren Standardlaser und im Innenbereich einen sehr effizienten Granatwerfer. Und wie du siehst, habe ich die entsprechende Munition im Rucksack auf dem Rücken. Da ist genug Gel in einer Kartusche um mindestens zwanzig Aliens knusprig zu grillen und genügend Granaten um achtzig von denen zu zerfetzen.

Das sollte einstweilen reichen. Außerdem haben wir ja noch Zoya und wie es aussieht, werden wir wohl nicht angegriffen solange sie bei uns ist. Wenn man den Gravuren in den Wänden trauen darf.“

„Wenn du meinst“, murmelte Colras vor sich hin. „Allerdings wissen wir immer noch nicht, wer dieser Madragadal-Gott ist.“

„Guter Einwand“, wandte sich Chiron an den Tigerkater. „Aber du vergisst eines. Wie es scheint ist Zoya dieser Gott. Immerhin lassen die Gravuren diese Schlussfolgerung zu.“

„Und was wenn nicht? Was ist, wenn Zoya die Friedensbringerin ist, aber dieser Madragadal-Gott der Aliens etwas ganz anderes?“, gab Colras zu bedenken.

„Dann wird es sehr lustig“, mischte sich Tripal ein. „Und wir werden vielleicht noch Zeuge eines Endscheidungskampfes zwischen Gut und Böse.“

„Darauf kann ich verzichten“, warf Zoya barsch ein. „Ich habe keine Lust mich einer Kreatur zu stellen und diese zu vernichten oder vielleicht selbst zu sterben.“

„Du wirst nicht sterben“, entgegnete Tarja und strich ihrer Enkelin über den Kopf, während ihr Vater Apophis sie in die Arme schloss.

„Gut“, hub der Captain schließlich an, „wir machen uns auf den Weg nach draußen. Tripal, ich und Zeus bilden die Vorhut. Colras, Chiron, Cyron und Stella, ihr bleibt hinter der Gruppe und bildet den Schluss. Horn, Kromberg und Thomson, ihr sichert die linke Flanke, während Apophis, Andrew und Tarja zur rechten sichern. Zoya und Selestral bleiben mittig und sind unser Trumpf. Auf geht’s! Und vernichtet alles was nicht nach uns aussieht. Wir arbeiten uns zur Fähre vor, holen die Sprengladungen, dringen wieder ins Schiff vor, präparieren alles. Wenn wir damit fertig sind, fliegen wir mit den beiden Fähren ins Hügelfeld, jagen von dort aus das Alienschiff hoch. Dann werden wir sehen was passiert. Ich bin überzeugt davon, dass wir mit dieser Aktion die allgemeine Aufmerksamkeit erregen dürften und es dann richtig heiß wird.“

„Davon können wir aus gehen“, erwiderte Kromberg. „Vielleicht werden wir sogar diesen Gott sehen?“

„Das liegt im Rahmen des Möglichen“, mischte sich Zoya ein.

„Mir ist nicht wohl bei der Sache“, flüsterte Thomson, bekam dafür aufmunternde Blicke.

Nachdem sich alle gruppiert und sortiert hatten, begann die bunte Meute sich in Bewegung zu setzen.

„Achtet auf jede Bewegung. Ich weiß nicht ob die Biester in der Lage sind unser Vorhaben zu erahnen oder es sogar schon Wissen“, rief Melina aus der Tete heraus.

„Nachdem was ich erlebt habe“, hub Colras an, „liegt das absolut im Möglichen.“

„Darauf kannst du wetten“, entgegnete Apophis, „Die momentane Ruhe ist zu trügerisch und spätestens am Ende des Tunnels werden die alles gegen uns werfen was sechs Beine hat.“

„Redet nicht so viel“, schnauzte Zeus. „Wir sollten nicht schon jetzt das Ende planen. Captain?“

„Ja? Ich bin gerade dabei eine Verbindung zum Schiff herzustellen, aber unsere Funksignale werden abgeschirmt, wie schon die ganze Zeit zuvor.“

„Ah, sehr gut und Zeus! Sie müssen mir nicht sagen was ich zu tun habe“, schnaubte die Stute beleidigt.

„Das war auch nicht meine Absicht“, antwortete der Hengst leicht unterwürfig.

„Selestral, Tripal!“, hub Melina an. „Schaut auf eure Bewegungsmelder. Gebt sofort Bescheid, wenn sich etwas rührt.“

„Aye, Captain!“

„Jetzt raus hier!“, kam noch der kurze Befehl.

In der Tat bewegte sich die Gruppe ohne einen Zwischenfall durch den Tunnel, war der Weg fast schon zu einfach zurückzulegen.

„Irgendetwas stimmt nicht“, rief Selestral plötzlich.

„Was ist?“, fragte Cyron, welcher neben ihr die Flanke sicherte.

„Es ist zu ruhig. Es scheint fast, dass alles nur auf Startkommando zu warten scheint.“

„Aber wer sollte das geben, außer der Königin oder diesem Gott?“, warf Horn ein.

„Einer der Soldaten vielleicht?“, meldete sich Apophis zu Wort.

„Das glaubst du doch wohl selbst nicht“, polterte Andrew.

„Kennst du den englischen Ausdruck für Angreifen, wenn erforderlich?“, fragte Kromberg nebensächlich.

„Nein, den kenne ich nicht“, knurrte Andrew.

„Dann helfe ich dir kurz auf die Sprünge. Der lautet: Fire at will. Und das bedeutet nichts weiter, als dass der Captain oder irgendein kommandierender Offizier nicht Herr der Lage ist, aber weiß, dass Gefahr im Verzug liegt. Damit gibt er quasi das Feuerkommando an seine Soldaten ab und die greifen an-schließend selbständig an, wenn die Situation für sie persönlich es erfordert.“

„Oh, danke. Jetzt bin ich im Bilde.“

„Gern geschehen.“

„Und sie meinen, dass die Königin oder ein anderes höhergestelltes Alien genau diesen Befehl übermittelt hat?“, hakte Melina nach.

„Es deucht mich sehr, dass es so ist“, murmelte Kromberg bitter.

„Erhöhte Aufmerksamkeit. Kontakte nicht nur melden, sondern direkt feuern“, wies de Captain an.

„Ah, ich merke, dass sie schnell lernen“, sagte Kromberg und grinste in sich hinein.

„Weiter!“, befahl Melina und stupste Zeus seitlich an.

Der Weg durch den Tunnel näherte sich dem Ende und immer noch gab es keinerlei Übergriffe.

Allerdings sollte Kromberg leider Recht behalten und punktgenau an der Einmündung vom Tunnel in das Alienschiff, brach plötzlich die Hölle los.

Eben noch alles in Stille gehüllt und die Bewegungsscanner schweigend, piepsten diese schrill auf und es kam in steigendem Maße zu einer überaus unübersichtlichen Lage.

Von überall her schienen Dutzende Aliens förmlich aus den Wänden heraus zu wachsen, preschten in einer Art Zorn auf die Gruppe zu, hatten die Arme erhoben und nach vorne gestreckt, versuchten wahllos in die Anthros hineinzugreifen.

Schnelles zur Seite ducken und zu Boden werfen half zunächst, aber konnte auf Dauer nicht die Lösung sein. Die Vorwärtsbewegung der Gruppe um Captain Melina war vorerst gestoppt.

Das Fauchen der Laser, gepaart mit dem schweren Hämmern von einzelnen altmodischen Maschinengewehren sowie dem Aufkreischen von getroffenen Aliens, bildete eine geradezu alptraumhafte Atmosphäre.

Von überall her schienen die Xenomorphe zu strömen, verloren jedoch zunächst den Kampf. Das änderte sich allerdings, als es einem derer gelang sich durch die Vorhut und die Flanken durchzuschlagen, nach Zoya zu greifen, sie packte und aus der Mitte ziehen wollte.

Gerade noch rechtzeitig gelang es Tripal, welche in diesem Moment neben ihr stand, die panisch schreiende Hybridin den Klauen zu entreißen, wieder in die Mitte zu stoßen und sich vor sie zu stellen.

Das Alien fauchte, bar seiner frischen Beute, auf, wandte sich der Säbelzahntigerin zu, packte sie und rammte seine Beißzange in ihre rechte Brusthälfte, riss einen Teil ihre Lunge heraus und stieß sie anschließend zu Boden.

Schwer verletzt blieb Tripal liegen und rührte sich nicht mehr.

Der Angriff ebbte in diesem Moment ab, lagen Dutzende Körperteile der Aliens verstreut und zischte der Boden unter der vergossenen Säure. Die Luft stand förmlich und bot kaum Raum normal zu atmen.

Hustend und keuchend kam eine trügerische Ordnung in die aufgewühlte Truppe.

Plötzlich schrie Zoya: „Schnell! Tripal ist verletzt.“

In Sekundenbruchteilen waren alle um die Säbelzahntigerin versammelt, hatte sich Zoya neben Tripal gehockt und streichelte ihr zärtlich und voll trauriger Wut über den Kopf.

Die Säbelzahntigerin lebte noch, spukte Blut und bekam nur extrem eingeschränkt Luft.

„Sofort ein Notfallpack!“, rief Melina und zeigte auf Stella.

Die Tigerin drängte sich hindurch und ging auf die Knie, besah sich die Verletzung. „Das sieht nicht gut aus, aber es ist nichts was wir nicht hinbekommen. Zoya, halte ihren Kopf hoch, damit nicht noch mehr Blut in den noch intakten Lungenflügel läuft. Cyron, Andrew und Zeus, steht nicht rum, sondern sichert uns ab.“

„Ja“, erwiderte Cyron und zeigte auf Zeus und Andrew, kreiste kurz mit dem erhobenen Zeigefinger und zeigte in die entsprechenden Richtungen, deutete damit an sich zu verteilen und die Augen offen zu halten.

Stella öffnete derweil das Sani-Paket und fand das entsprechende.

Wenige Minuten später war der Brustkorb mit Tamponage gefüllt, die größeren Blutgefäße mit einem Laser geschlossen worden und damit die Blutung halbwegs gestoppt. Zu guter Letzt legte die Tigerin noch einen festen Verband um den Brustkorb und sah sich um. „Wir müssen sie schnellsten in eine der Fähren schaffen. Hier unten können wir nicht mehr viel ausrichten. Sie muss an Bord der Horem-hab und auf die Krankenstation. Sofort!“

„Ich übernehme das“, verkündete Andrew und beugte sich über die Verwundete. „Na Langzähnchen! Siehst immer noch hübsch aus.“

Tripal schaute ihn schwach an, versuchte zu Lächeln, was ihr aber nicht sonderlich gelingen wollte. Sehr leise begann sie zu flüstern, so dass es nur Andrew hören konnte: „Spar dir deine blöden Sprüche. Es wird Zeit, dass ich auch gehe. Auf Genro waren eh schon alle verreckt und jetzt bleibt nur noch Ionos.“

„Nichts da! Du sparst deine Kraft und widersprichst mir nicht. Ich werde zu verhindern wissen, dass der Leopard allein zurück bleibt und der Letzte der Kampfanthros ist.“

„Vergiss es. Wie wollt ihr hier rauskommen. Ich bin ein Klotz am Bein.“

„Das überlass uns“, knurrte Andrew schließlich und nickte Apophis zu. „Zwei Plasmagewehre zu mir. Wir bauen eine provisorische Trage, fehlt nur noch Stoff.“ Er überlegte eine Weile, sah kurz an sich herab und seufzte leise. „Na schön, dann gehe ich halt nackt den Rest des Weges. Ihr müsst euch auch nicht umdrehen. Ich bin neugierige Blicke aus meiner Entstehungszeit als Klon gewohnt.“

„Oh, jetzt kommen wir auch noch zu nackten Tatsachen. Wobei mir der nackte Captain bestimmt besser gefallen hätte“, witzelte Kromberg.

„Das war klar, Mister Kromberg. Aber den Gefallen tue ich ihnen nicht“, schnauzte Melina.

„Na ja, einen Versuch war es Wert.“

„Ganz schwacher Versuch. Sie wären mir so und so nicht gewachsen.“

Kromberg zuckte nur mit den Schultern und atmete tief durch.

Während Stute und Mensch noch weitere Anzüglichkeiten austauschten und es am Ende 5 zu 6 für den Captain stand, hatte sich der Säbelzahnlöwe namens Andrew komplett entblößt und baute feldmäßig eine Trage.

Schließlich verkündete er nicht ohne Stolz, dass er fertig wäre und wies Apophis an die Verwundete auf die Trage zu legen.

Das gestaltete sich jedoch als nicht so einfach, da Tripals Kopf oben gehalten werden musste. Die Säbelzahntigerin hatte in der Zwischenzeit das Bewusstsein verloren und ihre Atmung war deutlich flacher geworden.

„Stella. Komm und hilf mal. Halte ihren Kopf erhöht“, rief Apophis.

Die Tigerin war sofort zur Stelle und damit auch das Problem gelöst. Jetzt lag Tripal zwar auf der Trage, aber die Komplikationen sollten erst beginnen. Wie bekam man sie auf schnellstem Wege auf der Gefahrzone.

Apophis, Stella und Andrew erhoben und schauten erst zu Tripal und dann in Richtung des Ausgangs.

Fast zeitgleich seufzten die beiden Säbelzähnigen und kratzte sich Andrew hinter dem linken Ohr. Plötzlich spürte er wie Blicke auf ihm ruhten. Dadurch abgelenkt, sah er sich um, schaute von einem Gesicht zum anderen und blieb schließlich bei Thomson hängen.

„Was haben sie?“, fragte er die junge Frau.

„Ähm…“, stammelte sie und lief knallrot an. „Nichts, nichts. Ist schon gut.“ Allerdings verharrte ihr Blick vehement auf einer Körperpartie die den Säbelzahnlöwen als Männchen kennzeichnete.

„Ach ja“, stellte Andrew fest. „Dieses Nichts, Nichts, kenne ich und vor allem dieses Gestarre.“

„Entschuldige bitte, aber der Anblick ist etwas überraschend“, murmelte Thomson versonnen.

„Ich weiß. Es liegt an meiner Herkunft, aber dazu später. Jetzt müssen wir hier raus. Alles andere hat Zeit. Apophis, pack mit an und dann weg von hier. Zeus, Cyron und Selestral. Gebt unseren Hintern Feuerschutz, der Rest ebenso.“

„Aye!“, sagte Selestral automatisch und zuckte zusammen, sah kurz zu Captain Melina.

Die Stute nickte nur kurz und deutete in die entsprechende Marschrichtung. „Hopp“, sagte sie noch und ging los, hielt die Waffe ausgestreckt an der Hüfte.

Der Weg gestaltete sich als sehr schwierig, zumal es an einer Stelle durch den Frachtraum ging und dann durch die Schmalstelle nach oben.

Nachdem die Trage nebst der angeschnallten Tripal dieses Hindernis überwunden hatte und auch in der Nähe des versteinerten Steuermannes eine Etage tiefer, so heil wie es nur ging, ankam, näherte sich der Pulk dem Ausgang.

Weitere Angriffe fanden bis zu diesem Zeitpunkt nicht mehr statt. Keine zehn Meter auf der Planetenoberfläche zurückgelegt änderte es sich wieder.

Wiederholt stürmten Aliens heran, stellte sich eine Front von zehn Xenomorphen in den Weg und versuchten diese an Zoya heranzukommen.

Diesmal konnte Tripal nicht helfen, allerdings warfen sich todesmutig Cyron und Zeus dazwischen, schossen die Angreifer ab, zerstieben diese, verloren Kopf , Beine und letztendlich ihr Leben.

„Wir haben es gleich geschafft“, schrie Andrew zu Apophis.

Der nickte nur und zog an der Trage, deutete damit an die Schritte zu be-schleunigen.

Selestral merkte was beide vorhatten und rief durch das Chaos hindurch: „Rennt los! Rein in die Fähre und schließt das Schott. Wir kommen mit der an-deren Fähre nach.“

Ohne auch nur zu zögern klammerten sie sich fester an die Trage und gelangten mit einem halbwegs eleganten Sprint zur Fähre, öffnete Andrew das Schott und setzten sie die Trage etwas unsanft auf den Boden, schloss Apophis den Zugang, schlug er ein Alien zurück, welches sich anschickte den Plan zu vereiteln und nahmen an den Steuerungspulten Platz.

„Saubere Arbeit. Jetzt weg hier“, sagte Andrew und gab die Zielkoordinaten ein. Wenige Augenblicke später hob die Fähre ab und beschleunigte zielstrebig in Richtung der Horem-hab.

„Ausgezeichnet!“, schrie Melina. „Jetzt sind wir dran. Bahnt euch den Weg zu unserer Fähre. Lasst alles wie es ist und haltet nur die Viecher auf Abstand. Cyron, Selestral! Auf geht’s, macht das Schott auf und haltet euch bereit. Zeus! Hinterher und sofort an die Steuerung, mach alles startbereit.“

Die Angesprochenen lösten sich aus der Gruppe, während der Rest sich mit den Aliens auf ein Tänzchen geeinigt hatte.

Irgendwie schaffte der Vortrupp es die Fähre unbehelligt zu erreichen, waren die Xenomorphe abgelenkt genug, ausreichend damit beschäftigt ihre Beine paarweise zu verlieren und über die leblosen Körper ihrer Artgenossen zu klettern.

Es dauerte nur zwanzig Minuten, waren aber gefühlte Stunden, als alle an Bord waren und die Fähre den gleichen Kurs einschlug wie die zuvor gestartete.

„Uff. Das war knapp“, keuchte Thomson.

„Das war mehr als knapp, wenn es mich auch wundert“, hub Kromberg an.

„Was meinst du damit?“, fragte Horn.

„Ich kann mir denken, was er meint“, mischte sich Captain Melina ein.

Kromberg schaute die Stute amüsiert an. „Dann sag an, was ich wohl meinte.“

„Die Angriffe waren nicht nur in Wellen, sondern kamen auch eher sehr zielgerichtet.“

„Richtig!“, intonierte Kromberg.

„Jetzt wo du es sagst“, warf Cyron ein. „Ich habe das Gefühl, dass die Aliens es nur auf Zoya abgesehen hatten. Wir waren lediglich im Weg.“

„Na toll“, murmelte die Mensch-Säbelzahn-Hybridin und senkte den Blick.

„Damit scheidet es wohl aus, dass sie dieser Madragadal-Gott ist“, schlussfolgerte Apophis. „Ansonsten hätten sie mehr Ehrfurcht oder etwas in dieser Form gezeigt. Dass sie vorab nicht angriffen, sondern sich bei der Ankunft Zoyas zurückhielten scheint nur zu bedeuten, dass sie erst einmal auf Anweisungen warten mussten. Auf den Auftrag, Zoya zu entführen und jemandem vorzuführen.“

Die junge Hybridin hob den Kopf und schaute Cyron traurig an. „Warum habt ihr diese Opfer gebracht? Warum das Opfer von Tripal? Wenn ihr mich über-geben hättet, dann hätten sie ihr Pfand oder wie immer man es nennen mag und Tripal würde jetzt nicht um ihr Leben kämpfen.“

„Das ist jetzt totaler Schwachsinn, meine Liebe“, wetterte Stella. „Wir sind ein Team, wir sind schon seit Genro miteinander verbunden und nichts, wirklich nichts wird das ändern. Wir lassen hier niemanden zurück oder opfern niemanden sinnlos. Wobei, wenn ich es recht überlege, dann wird hier heute und auch morgen keiner geopfert.“

„Genauso ist es“, grollte Selestral. „Mit Opfern habe ich es nicht so und wir sollten uns dringend einen Plan einfallen lassen, was wir tun, wenn wir wieder auf diesem öden Felsbrocken landen. Wir werden hundertprozentig gebührend empfangen, nach unserem glorreichen Abgang.“

„Jetzt sollten wir erstmal auf dem Kreuzer ankommen und nach Tripal schauen“, wies Melina barsch an. „Der Rest versammelt sich anschließend mit mir in meinem Besprechungsraum und ich will keine Widerworte.“

„Aye, Captain!“, murmelte Kromberg in Gedanken.

„Na also. Geht doch. Selbst Kromberg hat es begriffen.“

„Ich freue mich auf Andrew“, entfuhr es Thomson plötzlich.

Selestral wollte gerade etwas sagen, ließ es jedoch und starrte die junge Frau mit offenem Mund an.

Allerdings fand Cyron seine Stimme: „Wie bitte?“

„Entschuldigung, ich hatte gerade nicht nachgedacht.“

„Das habe ich gemerkt, wobei ich da wahrscheinlich viele Fragen beantworten kann“, bot der Tigerkater an.

„Na ja. Das sind sehr diskrete Fragen.“

„Oh je. Auch das noch. Okay, Andrew ist ein Klon. Er war nach einer langen Reihe von Fehlschlägen das erste Exemplar unserer Spezies. Abgesehen davon ist er über 600 Jahre alt, mit Kira als Partnerin fest verbunden und ein Hybrid aus Löwenkater und einer schon vorab geklonten Kuh. Daher fiel dein Blick auch länger als gebührlich auf seine primären Geschlechtsmerkmale“, stellte Cyron kurz und bündig fest.

„Oh, okay. Da hast du allerdings recht. Ich hätte wirklich nicht so starren dürfen“, versuchte sich Thomson zu entschuldigen.

„Die Entschuldigung musst du Andrew überbringen, nicht mir. Aber du weißt jetzt wenigstens erstmal in den Grundlagen Bescheid. Außerdem ist er kein reines Männchen. Er ist ein hermaphrodit.“

„Hmmm…?“, Thomson riss die Augen auf und schluckte den Brocken. Auch die anderen waren etwas irritiert.

„Da schau her. Glückwunsch an Kira, da hat die Luchsin echt einen Volltreffer gelandet“, bekundete Selestral nicht ohne einen Anflug von Neid.

„Schluss jetzt“, schnauzte Melina. „Das ist ja nicht mehr auszuhalten. Kläre das mit Andrew ab. Er soll selbst Rede und Antwort stehen und nicht andere. Das ist alles sehr persönlich und steht nur ihm zu.“

„Ja. Entschuldigung. Du hast recht“, schloss Cyron ab.

<„Horem-hab an Fähre Trech-eb. Können sie mich hören?“>, tönte es aus dem Intercom.

<„Hier Trech-eb, Captain Melina. Ich höre.“>

<„Hier Ionos. Landen sie in Hangar eins. Fähre Sech-em ist bereits angekommen und auf Hangar vier.“>

<„Verstanden, Horem-hab. Wie steht es um Tripal?“>

<„Sie liegt auf der Krankenstation. Parais ist nicht begeistert, ob ihres Zustands, aber gibt noch nicht auf.“>

<„Verstanden Horem-hab. Wir sind in Kürze da und werden uns einen Plan zu recht legen müssen. Finden sie sich bitte entsprechend in meinem Konferenz-raum ein und bringen sie Sitral mit. Captain, Ende!“>

Die Verbindung wurde beendet und auf der Steuerkonsole blinkte das Zeichen für den Leitstrahl und die Übernahme der Anflugvektoren auf.

„Alles klar“, sagte Zeus. „Wir werden geleitet.“

„Sehr gut. Ich mache mich nach unserer Ankunft auf den Weg zur Brücke. Der Rest geht zunächst in die Quartiere und Selestral bitte zur Krankenstation. Ich will einen Bericht wie es um Tripal steht“, ordnete die Stute an.

„Aye, Captain!“

Eine knappe Stunde später stand der Captain neben Sitral und ließ sich von ihr unterrichten. „Die Sektiererbasis hält sich bedeckt. Keinerlei Funkverkehr, keinerlei Lebenszeichen. Es scheint fast so, als ob die Station ausgestorben wäre.“

„Merkwürdig. Vielleicht haben die schon einen Xenomorph an Bord geholt und der hat sich ausgetobt.“

„Aber warum sollten die dann nochmals auf dem Planeten gelandet sein?“, fragte Sitral.

„So wie es aussieht, besteht die Besatzung nur aus sogenannten Synthetischen. Menschen gibt es so gut wie gar nicht und wenn, dann wissen die nicht einmal, dass sie von diesen Androiden umgeben sind. Das scheint eine insgesamt gesehen sehr fragwürdige Sache zu sein.

Von den Menschen kommen die Sektierer wohl nicht, mehr von diesen Androiden und die lehnen sich gegen alles und jeden auf. Wir sind nur Mittel zum Zweck. Es scheint so, dass ein Vorwand erschaffen werden soll, dass Cherit und Menschen sich wieder im Kriegszustand befinden und diese Synthetischen am Ende der alleinige Sieger sind.“

„Das ist ja mal eine ganz fiese Nummer“, entglitt es Sitral.

„Da sagst du was. Wir treffen uns in zwanzig Minuten im Konferenzraum, bring Ionos mit.“

„Aye, Captain! Er hatte mich bereits informiert.“

„Ausgezeichnet. Ich bin dann schon mal vor Ort.“

„Aye!“

Unterdessen hatten sich Zeus, Thomson und Selestral auf der Krankenstation eingefunden, während die anderen sich entschieden eine Dusche zu nehmen, um wenigstens ein kleinwenig vom Planeten hinter sich zu lassen.

„Wie steht es um Tripal?“, fragte Selestral beim Betreten des Raumes.

„Das heißt Guten Tag, Miss Selestral oder hat der Planet sie ihres angenehmen Verhaltens beraubt?“, entgegnete der Schneeleopardentaur Parais mehr als unwirsch, während der Greif Tristan über die Liege mit der Säbelzahntigerin gebeugt stand.

„Entschuldige bitte. Wir sind etwas arg mitgenommen. Also sei es drum… Hallo und schön euch zu sehen.“

„Geht doch“, erwiderte Parais und nickte freundlich.

„Wie steht es um Tripal?“

„Sie ist nicht sonderlich stabil. Der Transportweg war sehr lang. Aber es ist noch zu früh um etwas Genaues zu prognostizieren. Im Moment generieren wir einen neuen Lungenflügel. Wir haben die Blutungen komplett gestoppt, die wichtigen großen Adern mit Ersatzgefäßen verbunden, damit sie in Funktion bleiben und nicht kollabieren. Der Kreislauf schwankt wie er lustig ist, aber er stürzt wenigstens nicht ab. Es hängt im Moment nur an ihrem Willen.“

„Tu was du kannst. Wir brauchen sie. Ich mag sie nicht verlieren. Abgesehen davon, ich mag hier, egal wen, nicht verlieren. Also passt auch ihr auf euch auf. Ist das klar?“, schloss Selestral ab und verließ den Raum.

Der Taur schaute ihr fragend hinterher und atmete tief ein. „Und was ist euer Begehr?“

„Nichts Besonderes. Wir wollten nur mal schauen wie es euch geht.“

„Schön, aber im Moment stört ihr und könnt nichts tun“, erwiderte Parais.

„Ja, das sehen wir auch“, seufzte Zeus. „Wo ist eigentlich Kira?“

„Die müsste in ihrem Quartier sein. Warum fragst du?“

„Ich wollte mich bei ihr bedanken. Mein Kunstarm mit allen Anbauten hat uns wahrscheinlich den Arsch gerettet.“

„Kann ich mir denken. Wie fühlt er sich an?“

„Wie sollte sich Titan anfühlen? Er passt, er hält, er funktioniert und ich empfinde ihn nicht als Handicap.“

„Das ist gut und jetzt huschhusch. Ich muss das Wachstum von Tripals Lunge kontrollieren.“

„Alles klar. Bis später“, sagte Zeus noch und verließ mit Thomson den Raum.

„Was machst du jetzt?“, fragte der Einhornhengst an die Frau gewandt.

„Ich weiß nicht. Ich habe Hunger, aber eine Dusche käme auch nicht schlecht.“

„Gute Idee“, hub er an, als plötzlich sein Intercom am Gürtel piepte. <„Zeus hier, ich höre.“>

<„Sitral hier. Der Captain wünscht ein Treffen in zehn Minuten im Konferenz-raum. Sei bitte pünktlich und bring Thomson mit. Ach ja, falls dir die anderen über den Weg laufen sollten, einpacken und hier abliefern. Sitral, Ende.“>

„Aber bitte schön“, murmelte Zeus. „Wie immer sehr direkt und kurz angebunden. – Wie fühlst du dich?“

„Etwas überfordert und leer.“

„Kann ich mir vorstellen. Geh duschen und wir sehen uns dann im Konferenz-raum.“

„Aye, Sir!“, sagte Thomson und grüßte militärisch, ging dann einen Schritt auf den schwarzen Einhorn-Anthro zu und gab ihm einen Kuss auf die Nüstern.

Der blieb stehen und schaute der Frau hinterher, wie sie nach links abbog und wenig später in ihrem Quartier verschwand.

„Setzt euch“, begann Captain Melina die Besprechung und wartete geduldig bis jeder der Anwesenden Platz genommen hatte.

„So, nun erstmal zu den persönlichen Einschätzungen. Ich möchte dringend um keine Allgemeinheiten bitten, sondern um ganz private Gedankengänge zum Zurückliegenden und dann zum weiteren Vorgehen“, fuhr sie fort und gab gleich das Wort an Sitral ab.

„Ich kann natürlich nicht zu Vorgängen auf LV426 aussagen, aber ich fasse die Situation zusammen die sich hier oben darstellt.“

Alle Blicke hatten sich auf die Schneeleopardin gerichtet.

„Wir haben weiter entfernt ein fremdes Schiff geortet. Es handelt sich um eine Art Station, eine Basis. Soviel wie ich aus einem ersten Gespräch mit dem Captain weiß hatte sich eine Fähre auf dem Planeten abgesetzt, welche von eben dieser Basis stammt. Weiterführend weiß ich auch, dass es sich bei der Besatzung wohl um sogenannte Synthetische handelte. Und da komme ich schon zu unseren Feststellungen. Die Basis scheint verlassen zu sein. Es gibt keinerlei Lebenszeichen, keinerlei Funkverkehr und keinerlei Flugverkehr.“

„Haben sie nach Energiequellen gescannt? Ich meine damit um schwache Quellen, welche sich gezielt bewegen?“, mischte sich Horn ein und machte ein entschuldigendes Gesicht.

Sitral schaute ihm in die Augen, blinzelte, ob seiner Forschheit und nickte. „Ja, haben wir, aber sind zu weit entfernt um genaues sagen zu können. Eine Sonde wollten wir nicht schicken, damit wir nichts wecken, was nicht geweckt wer-den sollte.“

„Klingt logisch, aber wir werden wohl oder übel nicht drum herum kommen“, murmelte Horn und gab wieder ab.

„Das kommt später, Mister Horn. Zunächst müssen wir die Lage auf LV426 bereinigen“, hub Andrew an und ergriff damit als nächster das Wort. „Wie wir wissen, sieht es da unten mehr als übel aus. Wir haben einige sehr unschöne Sachen herausgefunden und wie es aussieht ist Zoya wohl ziemlich tief in eine Geschichte involviert, die wir auch klären müssen.“

„Oh. Welche denn?“, fragte Sitral dazwischen.

„Die glauben allen Ernstes, dass ich sowas wie ein Messias wäre“, knurrte Zoya dazwischen.

„Klingt faszinierend und wie kommen die anderen darauf?“

Andrew knirschte kurz mit den Zähnen und schlug mit der flachen Hand auf den Tisch. „Es liegt an einigen Fakten. Der erste ist, dass die Aliens plötzlich sehr zurückhaltend waren, nachdem die Fähre mit Zoya an Bord auf dem Planeten ankam.

Der zweite Fakt ist, dass wir Wand-Gravuren fanden, welche von einer zunächst unbekannten Spezies stammen, die eindeutig eine Göttergestalt zeigen und diese ähnelt verdammt stark unserer Zoya.

Und der dritte Fakt ist dann ein sehr unbestreitbarer, denn die Aliens änderten zuletzt die Taktik und Zurückhaltung war Fehlanzeige. Vielmehr versuchten die sie zu entführen und dabei war ihnen jedes Mittel recht. Sieh es ein Zoya, du bist ein wichtiger Teil im Spiel.“

„Das will ich aber nicht. Ich will nicht der Grund für weitere Opfer sein.“

„Die Opfer haben dich nicht zu interessieren“, schnauzte Andrew und erhob sich, beugte sich über den Tisch in Richtung der Hybridin. „Du hast eine Aufgabe zu erfüllen, bist eine Auserwählte und die Bringerin des Friedens unter allen Spezies im Universum.“

Die junge Säbelzahntiger-Mensch-Hybridin ließ sich das nicht bieten, sprang ihrerseits auf, beugte sich Andrew entgegen. Das leuchtende grün ihrer Augen verschwand plötzlich, wurde zunächst tiefschwarz und begann von innen her-aus rot zu glühen. Außerdem entfalteten sich ihre Schwingen komplett und die schneeweißen Federn begannen zu vibrieren, verfärbten sich an den Federkielen blutrot.

Die Anwesenden zuckten zurück und erstarrten.

„Was ist los?“, fragte Zoya zornig, als sie deren Reaktion bemerkte.

„Nichts von Bedeutung. Es hat dich nur noch keiner so wütend erlebt“, beschwichtigte Selestral geistesgegenwärtig und hatte Erfolg.

Zoya beruhigte sich merklich und die Verfärbungen bildeten sich wieder zurück.

„Darüber unterhalten wir uns später in Ruhe“, besänftigte Apophis seine Tochter und Jody Thorn, welche auch anwesend war und aufmerksam zu hörte, nickte bestätigend.

„Meinetwegen, Papa“, erwiderte Zoya sanft und setzte sich wieder hin.

Andrew stand immer noch vorn über gebeugt und schwieg zur Salzsäule er-starrt.

„Andrew!“, sagte Melina in hartem Ton. „Setzen!“

Der Säbelzahnlöwe wurde wieder beweglich und nahm Platz.

„Schön. Damit sind wir wieder etwas schlauer. Zeus! Deine Einschätzung bitte.“

„Die Kurzversion oder viel drum herum?“

„Die Kurze reicht. In der Kürze liegt die Würze“, flötete Kromberg und erhielt dafür von Captain Melina einen leichten Schlag ins Genick, welche neben ihm saß um ihn besser unter Kontrolle zu haben. Wie es in diesem Augenblick schien, zu recht.

„Fein. Wir brauchen sechs Fähren. Zwei schwer bewaffnet und vier unbewaffnet. Während jeweils drei Fähren einen Pulk bilden, werden zwei von ihnen die Sprengsätze in die Erdhügel schießen und scharf machen, die dritte unter Bewaffnung bildet den Feuerschutz und schirmt die anderen beiden ab. Das ist die schnellste Methode und auch die ungefährlichste.“

„Hmhm… das klingt sehr gut und ich werde es im Auge behalten“, sagte Melina und nickte leicht. „Hat noch einer etwas hinzuzufügen?“

Leichtes Kopfschütteln von allen Beteiligten, außer von Apophis.

Der Säbelzähnige rutschte unruhig herum und platzte schließlich heraus: „Wir sollten meine Tochter nicht nochmal mit nehmen.“

„Was?“, schrie diese sofort auf und stand schon wieder kampfbereit hinter dem Tisch.

„Setz dich gefälligst hin, junge Dame“, mischte sich Jody Thorn ein.

„Was? Fällst du mir auch noch in den Rücken, Mama?“

„Nein. Sonst hätte ich es jetzt und hier nicht so direkt begrüßt. Apophis hat recht. Deine Anwesenheit scheint die Aliens verstärkt auf den Plan zu rufen. Sie wollen deiner eindeutig habhaft werden und das veranlasst mich zum Entschluss, es nicht zuzulassen, dass du wieder dort hinfliegst.“

„Ist das dein letztes Wort?“, fragte Zoya und verschränkte die Arme vor der Brust.

„JA!“, erwiderte Jody und legte dabei einen Ton an den Tag der keinerlei Widerworte duldete.

„Okay. Wenn du das sagst, dann mache ich das“, kam die Antwort in einem sehr ruhigen und versöhnlichen Tonfall.

„Hä?“, mehr brachte Jody nicht hervor und schaute zu Apophis, welcher nur die Schultern zuckte.

„Na schön. Eine Erziehungskrise überwunden. Gehen wir über zur Tagesordnung. Da keiner eine bessere Idee hat und wir nicht viel Zeit haben, stimme ich hiermit Zeus‘ Vorschlag zu. Hat jemand etwas dagegen?“, fragte Melina.

Wiederholt Kopfschütteln und damit stand das Ergebnis fest.

Die Ausrüstung der Fähren sollte zwölf Stunden in Anspruch nehmen. In dieser Zeit erholten sich alle in ihren Quartieren oder gingen Gesellschaftsaktivitäten nach.