Kapitel 9
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Kapitel 9
Zeichen und Wunder?
„Captain!“, rief Andrew dazwischen. „Ich habe einen weiteren Scan durchgeführt und nach unbekannten Anzeichen für Leben gesucht. Außer den Künstlichen sind zwei weitere Lebewesen an Bord. Diese befinden sich im hinteren Teil des Schiffes und sind vollkommen unbekannt. Es hat fast den Anschein, dass sie amorph sind und eher eine Form lebendiger Energie darstellen.“
„Das wird ja immer doller“, entfuhr es Sitral. „Erst die Sektierer, die es nicht gibt, dann die spinnenartigen Xenomorphe, dann die Künstlichen und jetzt noch das. Was kommt als nächstes?“
„Captain Kirk mit der Enterprise“, witzelte Andrew und zuckte entschuldigend mit den Schultern.
„Ah ja. Mal wieder zu viel mit Menschen zu tun gehabt?“, fragte Melina.
„Aber immer doch, Captain.“
„Wie schön. Dann lasst sie mal näher kommen und sehen was das gibt. Wie lange brauchen die noch bis zum Kontakt?“
„Bei jetziger Geschwindigkeit exakt 1,24 Stunden“, gab Ionos bekannt.
„Ist noch einiges an Zeit.“
„Captain! Ich empfange eine Trägerwelle zur Subraumöffnung. Backbord, Winkel auf 250°“, rief Andrew.
„Auf den Schirm!“
Tatsächlich sah man zunächst nichts, aber dann bildete sich ein blassgrauer Schimmer, welcher sich langsam verwirbelte. Später mischte sich ein zartes violett hinzu, wurde die Verwirbelung stärker, die Rotationsgeschwindigkeit um ein vermeintliches Zentrum nahm zu und es öffnete sich ein Tor.
„Subraumtransit ist geöffnet. Ankunft eines Schiffes wird registriert“, begleitete der Säbelzahnlöwe die Szenerie.
„Was kommt jetzt auf uns zu? Freund oder Feind?“, flüsterte Sitral.
Die Antwort erhielten sie nach wenigen Sekunden, denn es erschien ein Kampfschiff, genauer gesagt ein Kreuzer und der trug eindeutig die Zeichen der festridischen Streitkräfte.
„Schiffskennung aktiv!“, hub Andrew an. „Es ist die Re-harachte.“
„Ach ne. Der alte Esel“, entglitt es Melina.
„Was für eine Freude“, knurrte Colras vor sich hin.
„Aber, aber. Er kommt wie gerufen“, beruhigte der Captain die Brückenbesatzung. „Auf den Schirm. Mal sehen was ihn hertreibt.“
„Re-harachte kommt auf den Schirm“, bestätigte Ariana an der Kommunikation.
<„Hallo, Captain Melina. Ich grüße sie auf das herzlichste“>, floskelte der Captain des Schwesterschiffes.
<„Herzlich Willkommen, Captain Seth. Auch wenn es nicht immer schön war sie an der Seite zu haben, so ist es gerade sehr angenehm sie zu sehen.“>
<„Das freut mich zu hören. Wie ich auf den Scannern sehe kommen wir keine Sekunde zu spät und was den Planeten unter ihren Hufen betrifft auch keine Sekunde zu früh. Haben sie den Spaß bereits ohne uns gehabt.“>
<„Spaß? Ich würde es nicht gerade als Spaß bezeichnen. Selestral, Zeus und Tripal liegen auf der Krankenstation.“>
<„Was genau ist passiert?“>
<„Wollen sie die komplette Fassung oder nur die Stichpunkte?“>
<„Ganz wie es ihnen beliebt, edle Stute.“>
„Oh nein. Er fängt mit Süßholz an“, flüsterte Melina zu Sitral und seufzte lautstark, fuhr dann laut fort: <„Selestral hatte unter Einsatz ihres Lebens das Alien-Mutterschiff gesprengt, die Planetenoberfläche sowie tiefere Katakomben sind zerstört, feindliches Leben ist komplett ausgelöscht. Zeus hat den linken Unter-arm verloren und das in doppelter Hinsicht und Tripal kämpft um ihr Leben, weil einer der Xenomorphe der Meinung war ihr den rechten Lungenflügel zu entfernen.“>
<„Das hört sich in der Tat nicht nach Spaß an. Respekt! Sie überraschen mich immer wieder aufs Neue. Aber jetzt mal zu Sache. Sie haben da was Nettes im Anflug und da sind wir nunmehr zu zweit um die Situation zu bereinigen.“>
<„Wissen sie mehr als wir?“>, fragte die Stute herausfordernd.
<„Vielleicht, vielleicht auch nicht. Wir wissen nur, dass unsere Wissenschaftler auf Festrid eine Raumsignatur gefunden haben. Sie stammt eindeutig von einer Lebensform, die eine Art von nicht körperlicher Energie darstellt. Inwiefern die intelligent ist, wissen wir nicht.“>
<„Lassen sie mich raten. Die Spur führte sie genau hierher.“>
<„Exakt! Und wie es scheint befindet sich das Gesuchte auf dem Schiff, welches gerade im Anmarsch ist.“>
<„Damit können wir jetzt wenigstens etwas anfangen. Mit zwei Kreuzern haben wir mehr Möglichkeiten.“>
<„Zwei Kreuzern? Aber nicht doch. Du erinnerst dich noch? Osiris saß ja mit Isis und seiner Klon-Besatzung zur weiteren Beobachtung und zum Schutz der Er-de im Asteroidengürtel. Die Daten die wir gesammelt haben, hat auch er bekommen. Jedenfalls machte er große Augen, schien Eins und Eins zusammen-zurechnen und machte sich umgehend auf den Weg. Er sollte in vierzig Minuten mit der Byblos hier eintreffen.“>
<„Ach herrje“>, entglitt es Melina wiederholt. <„Dann sollte es sich das Basisschiff sehr gut überlegen, ob es angreift.“>
<„Eben. Ah… Osiris hat wohl eine Abkürzung genommen…“>, hub Seth an und schaute zur einer anderen Ecke des Wandschirms.
„Captain, weiterer Subraumtunnel formt sich. Aktive Kennung erreicht uns. Es ist die Byblos“, rief Andrew.
„Ausgezeichnet! Das gefällt mir. Wie in alten Zeiten.“
Minuten später schwebte ein etwas unförmiger Klotz in der Nähe des Planeten LV426, hatte im Gegensatz zu den wesentlich kleineren Cherit-Kreuzern ein Volumen von mehr als 500 Millionen Kubikmetern und bildete eine bis an die Zähne bewaffnete Weltraumstadt.
„Captain Melina! Wir werden gerufen.“
„Andrew, stell eine Kreuzverbindung her“, befahl die Stute.
„Aye, Captain! Kommt auf den Schirm.“
Das Konterfei Captain Seths verschob sich in die rechte obere Ecke, während die Ansicht des näheren Raumes mittig blieb und sich ein weiteres Fenster links am oberen Rand öffnete.
<„Administrator Osiris! Ich grüße sie!“>, begann Melina.
<„Grüße auch von mir“>, mischte sich Seth ein.
<„Ah, meine Lieblingshelden. Wie ich sehe stecken sie wieder einmal mitten in Abenteuern“>, hub Osiris an.
<„Wie sie sehen, lassen wir nichts unversucht sie aus dem Asteroidengürtel zu locken“>, witzelte Seth.
<„Und wie ich höre haben sie immer noch nicht ihren schrägen Humor verloren“>, mischte sich Isis aus dem Hintergrund ein.
<„Commander Isis! Welch ein ungeheuerliches Vergnügen“>, flötete Captain Seth.
<„Ein alter rumschleimender Eselhengst wie immer“>, konterte Isis.
<„Nicht schleimend. Dafür fehlen mir gerade die Partnerin und vor allem nicht gerade jetzt und hier.“>
<„Och nö!“> knurrte Melina und schnaubte widerwillig. <„Geht das wieder los.“>
<„Nein. Belassen wir es dabei“>, lenkte der Anthro-Esel ein.
<„Dankbar ich bin. Na schön“, begann Osiris erneut. „Wir haben da ein Schiff auf dem Scanner. Wir nehmen uns dessen an und stoppen es einstweilen. Was an Bord ist, werden wir sehen, wenn wir es persönlich untersuchen.“>
<„Dann viel Spaß. Was genau haben sie vor?“>
<„Wir schicken gleich mal unsere Sachem- und Darlet-Staffeln raus. Ich denke, dass zweihundert Kampfgleiter reichen sollten um genug Aufmerksamkeit hervorzurufen.“>
<„Klingt nach einem Plan“>, schloss Melina ab und lächelte zufrieden.
<„Ausgezeichnet! Osiris, Ende!“>
<„Wie es scheint können wir uns einstweilen entspannen“>, säuselte Captain Seth vom Wandschirm.
<„Im Moment, ja und damit das auch so bleibt, werde ich die Verbindung einstweilen beenden. Melina, Ende!“>
Seths Gesicht verschwand und nur noch das ruhige, tiefschwarze Universum verzierte den Schirm.
„Viel besser“, verkündete Melina und kratzte sich unter dem Kinn.
„Das entwickelt sich gerade zum Besten“, flüsterte Sitral.
„Aber sowas von“, bestätigte Melina. <„Brücke an Krankenstation! Wie ist der Zustand der Verwundeten.“>
<„Krankenstation, Parais hier! Selestral ist wohlauf. Der Fuß ist angebrochen und sie sollte sich noch zwei Wochen schonen. Bei Zeus sieht es relativ reparabel aus. Kira hat schon für Ersatz gesorgt und diesmal hat er eine verbesserte Biomechanik, vor allem ist diese jetzt nicht mehr provisorisch, sondern fest mit dem Oberarmknochen verbunden.“>
<„Klingt sehr gut. Was ist mit Tripal?“>
<„Tripal wird es schaffen. Wir haben die künstlich erzeugten Lungenlappen transplantiert und bisher keine Abstoßungsreaktion bemerkt. Genaues wissen wir aber erst in den nächsten zwei bis drei Tagen. Wir halten sie im Koma bis alles soweit verheilt ist, dass sie wieder auf eigenen Beinen stehen könnte.“>
<„Gefällt mir. Parais! Sehr gute Arbeit. Melina, Ende.“>
„Alles entwickelt sich positiv“, merkte Melina an.
„Dann hoffen wir mal, dass das so bleibt“, seufzte Sitral.
„Captain! Wir empfangen von der Byblos die ersten Daten der Sachem- und Darlet-Staffeln“, verkündete Andrew.
„Lass mal sehen“, ordnete Sitral an.
„Schön gesagt, Schneeleopardin“, flüsterte der Captain ihrem ersten Offizier zu.
„Aber immer doch und sehr gern.“
„Übertreibe es nicht“, murmelte Melina und grinste.
„An Bord des Basisschiffes befinden sich einhundertzehn Synthetische. Zwei amorphe Lebensformen im hinteren Schiffsteil. Vierzig Gleiter gehen zum direkten Einsatz über und entern das Schiff.“
„Die entern? Mir ist dabei nicht wohl“, sinnierte Zoya. „Captain! Darf ich frei sprechen?“
„Dann sprich dich aus.“
„Ich weiß, dass ich hier in einer Art Rolle gefangen bin. Ich soll angeblich der große Friedensbringer sein, was ich nicht glaube und wogegen ich mich heftig sträube. Aber, wenn dem wirklich so sein sollte, dann sollte in Erwägung gezogen werden, dass ich zu diesem Basisschiff muss.“
„Hmmm… du bist etwas Besonderes“, verkündete Andrew.
„Nein, bin ich nicht“, herrschte Zoya zurück und stand langsam auf. „Was soll an mir besonderes sein?“
Sitral ergriff das Wort: „Du hast dich bei der Besprechung im Konferenzraum nicht erlebt, aber wir. Du hattest dich plötzlich dramatisch verändert.“
„Inwiefern?“
„Deine Augen wurden komplett schwarz und leuchteten von innenheraus rot auf, außerdem entfalteten sich deine Schwingen, welche an den Federkielen ihre Farbe wechselten.“
„Welche Farbe?“
„Sie wurden vom Kiel her blutrot. Du sahst nicht mehr wie ein Engel aus, sondern eher wie ein angehender Todesdämon.“
„Hmmm… dann hatte Isis wohl doch recht. Ich möchte gerne mit ihr sprechen, wenn ich darf.“
„Erlaubnis erteilt“, erwiderte Melina kurz und bündig und nickte Ariana zu. „Öffne eine Kanal“, wies sie an.
„Danke, Captain!“
„Verbindung steht“, rief Ariana dazwischen.
<„Captain Melina!“>, flötete Osiris. <„Was kann ich für sie tun?“>
<„Hallo Administrator. Ich selbst möchte nichts, aber ich habe da jemanden, der etwas von Commander Isis möchte.“>
<„Ah, wer ist es denn?“>
<„Ich“>, hub Zoya an und baute sich direkt neben dem Captain auf.
<„Zoya!“>, rief Osiris überrascht auf. <„Wie ich sehe bist du genauso wie wir es erwarten haben.“>
<„Das freut mich für euch, aber ich kann mir keinen Reim drauf machen.“>
<„Ich gebe dir mal Isis“>, sagte er schnell, drehte sich zur Seite, trat dann aus dem Bild und machte Platz für seine Gemahlin.
<„Hallo Zoya!“>, begann Isis. <„Es freut mich sehr dich zu sehen.“>
<„Mich freut es auch. Ich würde gerne wissen was mit mir los ist und vor allem welche Aufgabe ich habe von der hier alle ständig reden.“>
<„Das ist so einfach nicht zu sagen. Ist denn schon etwas vorgefallen, was dich fragen lässt?“>
<„Sitral und der Captain meinten, dass ich mich im Laufe einer Besprechung verändert hätte. Also meine Augen- und Flügelfarbe betreffend.“>
<„Ah ja. Das sind die ersten Anzeichen. Du bist etwas Besonderes. Du bist ein Hybrid. Du bist das Bindeglied aus allen Spezies des Universums. Du bist Mensch, Cherit, Chafren, Antermerianer, Haldoraner, Balgonier und Lichtwesen. Deine DNA ist, durch die Vereinigung eines Menschen und eines mutierten Chafren, die vollständige Rückkopplung zum Ursprung.“>
<„Ich bin was?“> Zoya war verblüfft.
<„Deine DNA ist eine mehrfache Rückkopplung bedingt durch Durchmischung von Weltraumwanderern der einzelnen Spezies. Daher bist du der universelle Schlüssel. Jeder wird dich verstehen und jeder wird dir zu hören.“>
<„Danke für deine Offenheit. Meinst du nicht, dass ich auf dem Basisschiff gebraucht werde?“>
<„Mit Sicherheit, aber lass uns erstmal die Synthetischen aus dem Weg räumen. Die wissen nichts von alldem.“>
<„Gut! Dann macht das und ruft mich, wenn es soweit ist.“>
<„Das werden wir tun“>, schloss Isis ab und unterbrach die Verbindung.
Was Isis und auch die anderen auf der Brücke bemerkten war, dass sich die Federkiele unbewusst wieder verfärbten, diesmal jedoch nicht nur Blutrot, sondern mittig, im Mark, ins Violette übergingen und diese Färbung blieb, bildete sich nicht mehr zurück. Ihre Blicke ruhten auf der Hybridin.
„Was ist? Noch nie nen Hybriden gesehen?“, schnauzte Zoya unwirsch und verließ ohne Worte die Brücke.
„Es passiert etwas und ich will sie in ihrem Quartier. Stell eine Wache davor auf. Rundumbewachung“, befahl Captain Melina.
Sitral nickte, zeigte auf Andrew, welcher den Befehl an den Sicherheitsdienst übermittelte.
„Die Veränderung wird deutlicher und scheinbar irreversibel.“
„Ist sie dann Feind oder Freund? Emotional oder rein Rational?“
„Wahrscheinlich eher Neutral und alles genau beobachtend und bewertend.“
„Captain! Wir erhalten die Botschaft, dass vierzig bewaffnete Sachmet-Klone in das Fremdschiff eingedrungen sind. Es wurden achtzig Synthetische eliminiert. Der Rest hat sich um den Aufenthaltsort der unbekannten Energieform versammelt.“
„Ausgezeichnet!“, intonierte Melina begeistert.
„Captain! Wir werden gerufen.“
„Auf den Schirm!“
<„Captain Melina. Wir brauchen Zoya eher als gedacht. Veranlassen sie bitte, dass sie an Bord des Basisschiffes gebracht wird. Isis, Ende!“>
Die Verbindung wurde abrupt beendet.
„Aye! Und danke fürs zu hören“, knurrte Melina entgeistert. „Andrew! Veranlasse das erforderlich. Wir haben hier scheinbar nichts mehr zu sagen.“
„Aye, Captain! Wenn sie mich fragen, ich höre immer zu“, erwiderte der Säbelzahnlöwe und gab die entsprechende Order ein.
„Das wird auch Zeit“, knurrte Zoya. „Erst soll ich als Friedensbringer herhalten, soll dem Universum den Frieden bringen, was ich nicht wollte und jetzt bin ich guten Willens und werde in meinem Quartier arrestiert. Was soll das Ganze?“
Apophis seufzte. „Isis gab die Anweisung, dass du auf dem Fremdschiff gebraucht wirst. Wahrscheinlich gibt es da eine Verbindung zwischen dir und diesen Energiewesen, wenn es denn welche sind, die sich dort befinden. Jetzt weißt du wie es mir erging mit den Xenomorphen, als ich als Telepath herhalten musste.“
„Ja, ich weiß was du meinst. Mittel zum Zweck.“
„Genauso ist es. Du hast aber den Vorteil, dass es um Diplomatie geht, während es bei mir der Kampf ums nackte Leben war.“
Zoya nickte langsam und zeigte an, dass sie bereit war.
<„Melina an Apophis? Wie steht es um Zoya? Ist sie soweit?“>
<„Aye, Captain! Wir sind auf dem Weg zur Fähre, starten in zehn Minuten.“>
<„Verstanden. Startet sobald ihr bereit seid.“>
<„Aye!“>
Osiris und Isis saßen derweil im Kommandostand und sahen nicht sonderlich glücklich aus.
„Da ist etwas was sich unserer Kontrolle entzieht“, hub Isis an.
„Die Zeitachse läuft anders ab und das ist gut so, wenn auch beunruhigend“, erwiderte Osiris und trommelte auf dem vor ihm stehenden Pult herum. „Lassen wir es wie es ist. Zoya ist das Ass im Ärmel und sie wird wissen was sie zu tun hat.“
„Bist du ehrlich dieser Überzeugung? Vergiss nicht, dass sie sich erst vehement dagegen gesträubt hat und jetzt plötzlich dieser Sinneswandel?“
„So wird erwachsen. Wir waren auch mal so jung wie sie und voller Flausen, lehnten uns auf, bis wir unseren Platz fanden.“
„Wenn du das so siehst, dann mach das. Ich finde es bedenklich.“
„Hab Vertrauen!“, grollte er plötzlich und schlug auf das Pult.
Die Fähre mit Apophis und Zoya an Bord, näherte sich langsam dem Basis-schiff und dockte an.
„Ich komme mit“, erklärte der Säbelzahnkater.
„Nein, du bleibst hier und hältst die Fähre in Startbereitschaft. Vielleicht müssen wir ganz schnell verschwinden.“
„Ich bin dein Vater! Ich werde es nicht zulassen, dass du da allein hin gehst und dich etwas Unbekanntem stellst. Was ist, wenn sich alle irren und du gar nicht die Rolle hast von der alle sprechen?“
„Oh, hast du plötzlich die Zweifel, die zuvor mich umtrieben? Jetzt wo ich bereit bin meinen Platz einzunehmen fängst du an, zweifelst an mir? Komisch, aber die Antermerianer tun das nicht, ganz im Gegenteil.“
„Und ich soll dabei zusehen, wie du in dein Verderben rennst und tatenlos bleiben? Vergiss es.“
„Ah! Kommt da mit einem Mal der fürsorgliche Vater durch? Wo warst du denn die ganze Zeit? Meinst du, dass ich nicht mitbekommen habe, dass du ständig auf irgendwelchen Touren quer über die Erde warst, um Frieden zu stiften, um den Zusammenhalt der Menschheit und der Cherit sowie der Chafren, welche sich auf der Erde niedergelassen haben, zu fördern?“
„Das war zwingend erforderlich. Wir mussten einigen Strömungen das Wasser abgraben.“
„Und ich muss jetzt dafür sorgen, dass DAS da, was immer es sein mag, das benötigte Wasser nicht mehr zurückbekommt.“
Apophis atmete tief durch und überlegte. „Vielleicht hast du recht. Mach, was du für das Richtige hältst.“
„Geht doch. Papa, ich habe dich unendlich lieb und wenn du mich auch so liebst, dann musst du mir vertrauen.“
„Ich werde es versuchen, kann aber nicht aus meiner Haut.“
„Das verstehe ich.“
„Dann geh jetzt.“
Es wurde eine sechsteilige Melodie am Schott geklopft, welches Apophis daraufhin öffnete.
Drei Sachmet-Klone standen davor und grüßten.
„Hallo, ich bin Sachmet 24 und heiße euch Willkommen. Bitte folgt uns.“
„Ich gehe allein“, brummelte Zoya und baute sich vor der Löwin auf. „Mein Vater bleibt hier und hält die Fähre warm.“
„Wie ihr wünscht“, entschied Sachmet 24.
Während sie durch das Schiff schritten, begann Zoya ein Gespräch. „Ich hätte gern mehr über euch gewusst.“
„Dann frag nach“, munterte der Klon sie auf.
„Ihr stammt alle von den Originalen ab?“
„Das ist fast richtig. Die Originale greifen nur in sehr kritischen Situationen ein, sind unabdingbar für den Fortbestand. Mittlerweile sind wir Klone von Klonen. Die Technologie ist so präzise, dass es fast keinerlei DNA-Schwund mehr gibt.“
„Das verstehe ich nur bedingt, aber erklär weiter“, fuhr Zoya neugierig dazwischen.
„Gerne doch. Die Originale von uns sind quasi unsterblich, daher wurden sie damals von den alten Ägypter, den Inkas und Mayas zu Göttern erhoben, was ihnen jedoch widerstrebte. Lediglich die Abtrünnigen fühlten sich in ihrer Rolle wohl und lebten diese bei den alten Babyloniern rigoros aus. Später gab es zwischen uns und ihnen erbitterte Kämpfe, da wir die Weiterentwicklung der Menschheit in Gefahr sahen.
Notgedrungen mussten wir zurückkehren, allerdings als ganz normale Lebewesen mit einem extrem hohen Technologiestandard. Das wurde glücklicher-weise auch so angenommen, wie wir es erhofft hatten.“
„Ja, das stimmt. Und dann kam es zum Kampf um die Erde.“
„Richtig. Die Abtrünnigen wollten einen neuen Versuch starten und die alte Rangfolge, um es mal so auszudrücken, wieder herstellen. Glücklicherweise kamen uns die Cherit, die Chafren und auch die Haldoraner zu Hilfe. Das Ergebnis kennst du.“
„Aber wie es scheint ist da noch etwas im Argen“, schlussfolgerte Zoya.
„Die Sektierer, welche es in diesem Sinne nicht gibt, zumindest unter den Menschen.“
„Wer sind die dann?“
„Soweit wie wir die Daten aus den vernichteten Synthetischen herausfiltern konnten, handelt es sich ausschließlich um Androiden. Sie scheinen von einer fremden Spezies infiltriert zu sein, welche nur eins im Sinn hat, die Einheit aller Lebewesen auf der Erde zu zerstören und wieder ein System aufzubauen, was ihr gestattet wie Götter zu herrschen.“
„Dann sollten wir sie aufhalten.“
„Das ist unser Ansinnen. Wir vermuten, dass es sich um diese Energieformen im hinteren Teil des Schiffes handelt. Die Synthetischen schützen diesen Be-reich und hindern uns mit schweren Waffen am Vordringen.“
„Hört sich ganz danach an, dass ich eingreifen sollte.“
„Dann folge uns weiter.“
Wenige Minuten später hörte man den Lärm von Blastern, gepaart mit den Schreien der getroffenen Klone und der Androiden. Allerdings war im Hintergrund ein fremdes Geräusch, kaum wahrnehmbar, aber doch anwesenden. Es war ein diffuses Zischen, Raunen und Murmeln.
„Das Geräusch kenne ich“, flüsterte Zoya.
„Woher?“
„Vom Planeten, von LV426. Dieses Flüstern und Raunen war auf der gesamten Oberfläche stets zugegen und keiner wusste wo es herkam. Sie waren es, diese Wesen, diese Energieform.“
„Und du bist der Gegenpol“, schlussfolgerte Sachmet 24.
„Ich bin bereit mich ihnen entgegenzustellen“, verkündete Zoya und ihr Blick war dabei mehr als nur entschlossen. „Lasst uns gehen.“
Sie näherten sich den Kampfhandlungen und je näher sie kamen umso schwächer wurden sie, lediglich das Gemenge aus Geräuschen war stets zugegen und verstärkte sich mit jedem Schritt.
Vor Ort bot sich ein Bild der Verwüstung. Die Wände des Schiffes hatten gelitten, waren aber glücklicherweise intakt. Mehrere zerstörte Androidenkörper lagen herum, hatte sich deren künstliches Blut über den Boden verteilt, dazwischen wenige Klone.
„Ersetzbar“, flüsterte Sachmet 12, welche sich erhoben hatte und Zoya gegenüberstand.
„Ist das Teil eurer Existenz so kalt über Tote hinwegzusehen?“
„Wir sind Klone, haben eine begrenzte Lebensdauer. Klar ist ein Verlust tragisch, aber du vergisst, dass unser Wissen nicht verloren geht. Alle Erinnerungen und Erfahrungen sind in einem zentralen Netzwerk gespeichert und nach dem Tod eines Klons werden genau diese Daten in das Gehirn des Nachfolgers eingespielt, lediglich die Emotionen gehen verloren. Es ist also nichts wirklich verloren.“
„Aber die Emotionen sind doch genau das was ein Lebewesen ausmacht, nicht nur das Wissen und die Logik“, erwiderte Zoya entsetzt.
„Aber Gefühle entstehen durch Erfahrungen und durch das soziale Umsetzen.“
„Mag sein, aber keiner kann abschätzen, wie sich diese Emotionen entwickeln“, gab die Hybridin zu bedenken.
„Bisher hatten wir damit keine Probleme.“
„Vielleicht ist der Moment für eine Neubewertung gekommen?“, fragte sie schnippisch.
„Zeig erstmal, dass du Das bist, von dem alle denken, dass du es währest. Dann reden wir weiter.“
„Genau darum bin ich hier. Lasst mich durch.“
Während die Sachmet-Klone bereitwillig den Weg freimachten, stellten sich die Synthetischen einfach nur in den Weg, schienen wie ferngesteuert einen Schutzwall aus ihren Körpern zu bilden.
„Was soll das werden?“, fauchte Zoya. „Habt ihr da drinnen so viel Angst vor mir, dass ihr diese Idioten aus Draht und Plastik benötigt?“
„E-lo!“, sprach der Erste zum Zweiten.
„Ja E-lo, Vo-wa hört dich“, kam dessen Antwort.
„Wir sind die Bringer des Lichtes, der einzigen Wahrheit und des unendlichen Friedens.“
„Ja E-lo, das sind wir für wahr. Aber was ist dein Begehr?“, fragte Vo-wa.
„Unsere Mission ist in Gefahr, unser Ansinnen den Menschen und allen Wesen im Universum den ewigen Frieden und die weise Ruhe zu bringen.“
„Nein. Sei beruhigt. Es ist nur ein vorübergehender Zustand. Wir werden erfolgreich sein.“
„Aber sieh nur, die künstlichen Intelligenzen haben die Waffen gesenkt, ebenso die ungehorsamen Fremden“, flüsterte E-lo. Der Erste war hörbar beunruhigt.
„Es ist ein neues Wesen aufgetreten, es nähert sich und es scheint stark zu sein“, sprach Vo-wa. „Was schlägst du vor, oh göttlicher Erster?“
„Lasst es vortreten. Wir werden sehen, ob es sich bekehren lässt und uns gehorsam schwört oder ob wir ein hervorragendes Exempel statuieren müssen.“
Die Front aus Körpern stand eben noch wie angewurzelt, entzweite sich jedoch auf fremden Geheiß, bildeten die Androiden eine Gasse, gaben den Weg zum hinteren Schiffsteil frei.
Zoya zögerte für einen Moment, nahm dann all ihren Mut zusammen und schritt hindurch, erreichte eine Tür.
Sie klopfte an, immerhin hatte sie ihre gute Stube nicht vergessen.
Insgeheim hatte sie erwartet, dass jemand ‚Herein‘ sagen würde oder zumindest, dass sich die Tür öffnet, stattdessen stand sie von einer Sekunde zur an-deren mitten im dahinterliegenden Raum und stand ihnen gegenüber.
Der Raum selbst passte nicht zum Schiff. Er schien riesig zu sein, erinnerte an ein Stück Planetenoberfläche, welcher zum Teil aus Lava, leicht glühendem Ge-stein und erstarrtem Magma bestand. Das ganze Ambiente leuchtete gelblich-rot und sah aus wie der Vorhof zur Hölle. Ebenso erstrahlte der Horizont und der alles überkrönende Himmel in einem blutigen Rot, was diesen Eindruck noch extrem verstärkte.
„Wer bist du?“, fragte eine donnernde Stimme.
„Ich bin Zoya und wer seid ihr?“
„Du bist also diejenige die uns vertreiben soll?“
„Wenn es nötig ist, ja“, entgegnete die junge Säbelzahntiger-Mensch-Hybrid energisch.
„Das wird dir nicht gelingen, denn wir sind der Anfang, die Gegenwart und die Zukunft. Wir sind Alles und das Sein selbst“, hielt E-lo entgegen.
„Ihr sei sehr von euch überzeugt“, hub Zoya an.
„Wir sind das einzig Wahre. Wir sind das Universum, die Entstehung und die Vernichtung“, warf Vo-wa der Hybridin verächtlich entgegen.
„Das glaubt nur ihr. Was wollt ihr?“
„Wir bringen allen Welten den Frieden, die Ruhe, den Einklang und den einzig wahren Glauben.“
„Den Glauben an euch?“
„Das ist richtig. Du lernst schnell. Die anderen Wesen brauchten länger um uns anzuerkennen“, lobte E-lo mit falschem Unterton.
„Ich lerne das was ich will und nicht das was ihr wollt.“
In diesem Moment traf Zoya ein heftiger Energiestrahl und brachte sie zu Fall.
„Siehst du. Es geziemt sich nicht den einzig Wahren zu widersprechen.“
Die Hybridin stemmte sich mühsam wieder hoch. „Ich habe weder widersprochen, noch habe ich euch bestätigt. Ich bewerte lediglich nach dem, was ihr mir preisgebt.“
„Dann frage uns und du wirst sehen, dass wir weit überlegen sind und nur wir die wahren Herrscher sein dürfen.“
„Erzählt doch mal. Was treibt euch hierher?“
„Unsere Kinder, die ihr vernichtet habt“, hub E-lo an.
„Eure Kinder? Das verstehe ich nicht“, fragte Zoya irritiert.
„Ihr habt einen Teil der Wahrheit bereits gefunden. Allerdings tappt ihr trotzdem im Dunkel. Aber wir werden dich erleuchten.
Wir sind Wesen reiner Energie. Allerdings benötigen wir zuweilen die Körper von materiellen Lebewesen. Diese suchen wir im ganzen Universum und wurden auf tausenden Welten fündig. Manche Welten erkannten in uns Das was wir sind und damit ihre eigene Bestimmung und ihre Dienerschaft, dem wirklichen Zweck ihrer Existenz.
Andere Welten wollten uns jedoch mit Abneigung strafen, traten uns mit Ungehorsam gegenüber. Diese Welten sollten bestraft werden und das taten wir auch.
Im Verlaufe unserer Suche stießen wir auf eine Spezies die so kraftvoll war und so zerfressen von Hass auf andere Arten des Seins, dass wir sie erwählten uns zu dienen. Unter unserer Anleitung und der Unterwerfung ihrer Körper wurden tausende von Schiffen erschaffen. Schiffe wie eben jenes was ihr vernichtet habt. Ferner veranlassten wir die Wesen eine Waffe zu erschaffen. Diese Waffe sollte die Bestrafung für den Ungehorsam sein. Zunächst war sie effektiv, konnten wir Dutzende Planeten befrieden. Die Ungläubigen wurden bekehrt.
Unglücklicherweise waren diese Bekehrung und auch ihre Erkenntnis der ein-zig Wahren zu vollständig. So gaben wir eine neue Abstrafung in Auftrag. Die euch bekannten Xenomorphe mit all ihren Entwicklungsstufen entstanden.
Wieder schickten wir die Schiffe zu bewohnten Welten, hatten die Schöpfer, wie wir sie bezeichneten, den Auftrag die dortigen Lebensformen zu bekehren und uns zu unterwerfen.
Es gab Zivilisationen die sich uns direkt unterwarfen, ihren wahren Glauben erkannten und auch welche, die sich von uns abwandten.
Die Bestrafung war diesmal wesentlich effektiver. Nicht alle starben an der göttlichen Behandlung und diejenige die sahen was passiert, wenn man uns nicht folgen will, waren uns treu ergeben.
Lediglich die Menschheit war bisher verschont geblieben. So ließen wir ein Schiff zur Erde entsenden. Ein Schiff, welches Belohnen oder Bestrafen sollte. Unglücklicherweise kam es niemals an, sondern strandete auf dem Himmelskörper den ihr LV426 nennt. Der Steuermann des Transporters hatte versagt, wurde entsprechend bestraft. Auch die Menschen, die später auftauchten erhielten ihre gerechte Strafe.
Und deshalb sind wir jetzt hier. Dieses Schiff mit künstlichen Menschen an Bord ist genau passend um die gesamte Menschheit, die Cherit, die Chafren und auch die Antermerianer zu bestrafen. Was bleiben wird, sind wir und diese nicht natürlichen Lebensformen.“
Zoya glühte innerlich vor Wut. „Ist euch beiden arroganten Energien schon aufgefallen, dass ihr immer nur die Worte Glaube, Unglaube, Bestrafung und Bekehrung zu kennen scheint?“
„Wie ich sehe“, setzte E-lo an, „bist du immer noch uneinsichtig. Wir werden dich dafür bestrafen.“
„Was habt ihr vor?“
„Knie nieder“, schrie das Energiewesen plötzlich, wandte sich ganz und gar von seinem vorher so extrem ruhig Ton ab.
„Nein!“, hielt Zoya gegen.
„Du wirst dich beugen, uns dienen und alle in unserem Namen bekehren. Das ist deine Aufgabe und dein wahres Schicksal.“
„Niemals! Lieber sterbe ich aufrecht stehend als den Rest meines Lebens zu knien und falschen Existenzen zu folgen.“
„Wie ich merke, musst du wohl bestraft werden.“
„Da ist es wieder, das Wort Bestrafung. Ihr seid so von Hass zerfressen, dass ihr es seid, die vernichten werden müssen“, schrie Zoya wutentbrannt.
Statt einer Antwort, schoss ein neuerlicher Energiestrahl hervor, traf sie mittig der Brust und zwang sie auf die Knie.
„Siehst du, kleine Zoya. Auch du wirst uns gehorchen“, frohlockte Vo-wa.
„Niemals!“, schrie Zoya unter Schmerz.
„Doch, das wirst du und alle anderen auch“, herrschte E-lo.
„NIEMALS!“, brüllte Zoya wiederholt und es geschah etwas. Ihre Stimme veränderte sich dramatisch, Induziert durch den Schmerz und von innen heraus.
Dem Energieausstoß ausgesetzt begann in Zoya ein Prozess der Verwand-lung, begann sie sich zur Wehr zu setzen, wusste sie, dass es nun an ihr lag diese Wesen aufzuhalten und alle zu retten, war sie die einzige Bastion zwischen totaler Aufgabe und Vernichtung oder Vertreibung dieser Existenzform und damit Rettung und Frieden.
Sie spürte immer weniger die Kraft der Energiewelle. Eben noch kniend, stand sie langsam auf und bildete sich um sie ein stärker werdendes Abschirmfeld.
Von dieser Aktion beeindruckt wurde der Energiestrom von E-lo und Vo-wa noch stärker, wollte die beiden unbedingt über Zoya siegen.
Jedoch sollte das ihr Verhängnis werden.
Die kleine Zoya, war nicht mehr klein. Sie schien plötzlich die Kraft der beiden Kontrahenten in sich aufzunehmen, wurden ihre Augen erst pechschwarz, begann von innen heraus rot zu glühen. Aber damit nicht genug, schritt sie beherzt auf die amorphe Masse der beiden Angreifer zu, war nur von einem Wunsch beseelt, es zu beenden.
Ihre Schwingen wurden kräftiger, breiteten sich wie eine gigantische Wand aus, verloren ihre weiße Farbe, wurden von den violett gefärbten Federkielen heraus ebenso rot wie ihre Augen, hob sie plötzlich vom Boden ab und schwebte meterhoch im Raum.
Mit einem Mal versiegte die Gegenwehr von E-lo und Vo-wa, herrschte eisiges Schweigen im Raume. Keine Stimme war zu vernehmen, kein Säuseln, kein Raunen und kein Zischen.
Nur eines existierte noch. Zoya, ihr Zorn und ihre Leidenschaft, der Wunsch dem Universum den ersehnten Frieden zu bringen und da hatten diese Beiden keinen Platz.
Sie holte mit den Händen aus, stellte die Handflächen senkrecht nach vorne und rammte diese in die Luft hinein, in Richtung ihrer Widersacher.
Die waren von diesem Manöver komplett überrascht, wurden direkt getroffen und in eine Ecke des Raumes gepresst. Zusätzlich schoss sie wie ein Pfeil durch die Luft, rammte ihren Körper und ihre ganze Kraft mittig in die amorphe Mas-se, sprengte sie auseinander.
Der Raum begann hell aufzuglühen, ließ die davor stehenden Synthetischen in Flammen aufgehen, ergriffen die Sachmet-Klone geistesgegenwärtig die Flucht.
Eilends entfernten sich alle Schiffe, ebenso Apophis mit der Fähre vom Ort des Geschehens, brachten sich in sichere Entfernung.
An Bord der Horem-hab, Re-harachte und der Byblos wartete man seit längerer Zeit auf ein Signal über die Vorgänge auf dem Basisschiff.
Die Zeit des Wartens war vorbei und das Signal mehr als deutlich.
Das Basisschiff begann zu glühen. Zunächst noch im hinteren Bereich, dann sich immer mehr ausbreitend, begann der Rumpf Löcher zu bilden, schmolz das Duranium, zerflossen die Materialien und zerstoben in Funken.
„Großer Gott, was ist das?“, rief Sitral quer über die Brücke.
„Es zerfällt“, bestätigte Captain Melina das Szenario..
„Was ist mit Zoya und den anderen?“
„Hier Apophis. Ich weiß nicht was es ist, aber alle sind von Bord“, meldete sich der Säbelzahntiger abrupt.
„Sehr gut. Ist Zoya bei dir?“, fragte Melina.
„Nein. Sie ist noch an Bord und ich befürchte, dass sie der Auslöser dessen ist was wir gerade erleben.“
Das Gespräch wurde jedoch nicht fortgeführt, da etwas noch dramatischeres geschah.
Unter einer gewaltigen Detonation wurde das Schiff zerrissen, flogen keine Teile wie üblich durch den luftleeren Raum, sondern waren es feine glühende Partikel die sich schnell abkühlten und somit förmlich im Nichts verschwanden.
Was blieb war der dunkle, eiskalte Raum.
Keine Energiewesen, keine Leichen, keine Zoya.
„Oh nein!“, entfuhr es Ionos. „Zoya?!“
„Das darf jetzt nicht wahr sein“, schrie Sitral und schlug die Hände vors Gesicht.
„Moment!“, rief plötzlich Andrew, welcher unter Schock stand, halb abgeschaltet hatte.
„Was ist?“, schnauzte Captain Melina entnervt.
„Ich registriere eine Lebensform im Raum, direkt vor uns. Sekunde, sie hat die Hülle passiert und ist jetzt im Schiffsinneren. Sie bewegt sich direkt zur Brücke.“
„Was, wie ist das möglich? Um was handelt es sich?“, schrie Sitral.
„Ich weiß…“, hub Andrew an, kam aber nicht weiter.
„… dass ich es bin“, beendete Zoya den begonnen Satz und stand plötzlich neben dem Captain.
„Zoya?“, fragte Sitral irritiert.
„Ja, wer denn sonst?“, antwortete die Hybridin wie selbstverständlich.
„Wie ist das möglich?“, fragte die Schneeleoparden ungläubig.
„Nun ja. Ich habe meine Aufgabe gefunden und bin Das was man erwartet hatte.“
„Aber was ist mit diesen Energiewesen?“, hakte Melina nach.
„Die beiden Verrückten? Lasst es mich so ausdrücken… Wir hatten einen kleinen Disput betreffend Fragen des Gehorsams, der Form von Bestrafungen und vor allem der Dienstbarkeit fremder Kulturen.“
„Lass mich raten“, mischte sich Apophis ein, welcher gerade, in Begleitung von Cyron, Stella, Chiron, Tarja und Jody Thorn die Brücke betrat. „Du hast deinen Standpunkt vertreten und die Beiden haben sich entschlossen uns zu verlassen.“
„Hallo Papa“, entgegnete Zoya. „Das trifft es so ziemlich. Wie geht es euch?“
„Jetzt? Sehr gut. Aber sowas machst du nicht nochmal“, wetterte Jody auf der Stelle los und Stella nickte bestätigend.
„Nicht, wenn es nicht sein muss“, sagte sie und zwinkerte. „Wie geht es Tripal?“
„Mir ginge es bedeutend besser, wenn mir nicht immer gewisse Leute den Aufzug vor der Nase klauen würden und ich wie der letzte Arsch warten muss“, hörte man aus Richtung des Aufzugs jemanden schimpfen. Tripal war in Begleitung von Kira und Selestral erschienen.
„Tripal!“, schrie Zoya begeistert auf, lief zu ihr, umarmte die Säbelzahntigerin, gab ihr einen herzhaften Kuss, während Selestral zu Sitral ging, sie umarmte und Kira sich zu Andrew gesellte.
„Immer langsam und verlang nicht von mir, dass ich jetzt aufstehe. Auch, wenn ich diesen blöden Rollstuhl hasse wie die Pest.“
„Du bleibst erstmal ne Weile drin sitzen“, befahl Melina leger. „Wann du wieder zum Dienst erscheinen darfst entscheidet Parais.“
„Auch das Elend noch. Dem versuche ich schon lange zu entfliehen“, knurrte Tripal.
„Lange wird das wohl nicht mehr dauern. Fluchen kann sie ja schon wieder“, murmelte Sitral und erntete dafür ein ausgiebiges Gelächter. Lediglich Tripal fand es nicht komisch, knurrte vor sich hin, wenn auch nur halbseiden.
„Captain! Administrator Osiris ist in der Leitung!“, verkündete Andrew.
„Auf den Schirm!“
„Aye!“
<„Administrator, ich grüße sie!“>
<„Grüße zurück und wie ich sehe, können wir das Gespräch kurz halten. Zoya ist wohlbehalten angekommen, wie ich sehe.“>
<„Genauso ist es und wir werden von diesen Wesen in nächster Zeit wohl nichts mehr hören“>, verkündete die Hybridin zuversichtlich.
<„Das freut mich zu hören, Zoya. Übrigens gibt es Neuigkeiten. In der Zwischenzeit haben sich die Abtrünnigen gemeldet.“>
<„Oh nein. Nicht schon wieder“>, seufzte Stella.
<„Was wollen die diesmal?“>, fragte Chiron.
<„Etwas sehr außergewöhnliches.“>
<„Und das wäre?“>, bohrte Chiron.
<„Sie wollen sich mit uns treffen. Sie haben vorgeschlagen sich mit uns zwischen Jupiter und Mars zu treffen. Ankunft wäre, bei einem Positiv unsererseits, in einem knappen Monat“>, verkündete Osiris die Neuigkeit.
„Die wollen was?“, entglitt es Ionos.
<„Zoya scheint wohl im ganzen Universum von jetzt auf gleich bekannt geworden zu sein und die Abtrünnigen wollen uns treffen. Warum, weiß ich nicht, aber der Tonfall des Marduk-Klons war ziemlich unterwürfig und nicht mehr so fordernd wie gewohnt.“
„Logisch. Die Abtrünnigen bestehen nur noch aus Klonen. Immerhin hatten wir den Systemvernichter mit den Originalen vernichtet. Also, lass sie kommen“, schoss es auf Zoya heraus. „Mit denen werde ich auch noch fertig.“
Osiris nickte langsam und konnte sich eines Grinsens nicht erwehren. „Dann soll es so sein, Friedensvermittlerin Zoya von Genro. Osiris, Ende!“
„Friedensvermittlerin Zoya von Genro“, hub Jody an. „Jetzt haben wir eine hoheitlich ehrbare Tochter.“
„So ein Quatsch!“, knurrte die Hybridin. „Ich mache einfach meine Arbeit. Und jetzt hält hier jeder einfach mal den Mund. - Captain Melina, es ist ihr Schiff, aber mit ihrer Erlaubnis würde ich es gerne beauftragen, zusammen mit den anderen Schiffen, den Kurs zum Asteroidengürtel zu setzen.“
„Sehr gerne, Friedensvermittlerin. Ihr habt sie gehört! Kurs 0,0,1 zu 0,4,2. Navi-gator setzen und Steuermann folgen. Auf geht’s zum nächsten Abenteuer“, verkündete der Captain.
„Diesmal hoffentlich das Letzte. Ich bin zu alt für diese Scheiße“, plärrte Tripal hinterher und schmollte vor sich hin.
„Das wird sich zeigen. Ich für meinen Teil habe wieder Blut geleckt“, warf Andrew in den Raum und bekam von Kira einen Seitenhieb.
Langsam vereinten sich die Schiffe zu einer Kolonne, öffnete sich ein grauer Strudel vor ihnen, begann langsam zu rotieren, paarte sich das Grau mit Violett und stießen die Horem-hab, Re-harachte und Byblos in den Subraum.
Wieder auf dem Weg zu einem Ziel mit unbekanntem Hintergrund und noch unbekannteren Auswirkungen.
„Wehe, wenn das nie aufhört… für mich ist Schluss“, seufzte Zeus in seinem Quartier und starrte aus dem Fenster.