Kapitel 26
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Kapitel 26
Verstärkung
Wotan erwachte nach Stunden, schaute sich um, erstarrte in der Bewegung und tippte Sirius an. Der war schon wach, traute sich jedoch nicht, sich zu bewegen. Sie waren von mehreren der kleinen Roboter umzingelt.
„Ich glaube wir haben ein Problem“, sagte Sirius leise.
Wotan nickte nur und starrte gebannt auf die Vehikel. „Was meinst du was die wollen?“, fragte er.
Sirius löste sich aus der Erstarrung, erhob sich und sagte: „Ich weiß es nicht, werde es aber herausfinden.“
Er richtete sich zur vollen Größe auf, die Mehrzahl der Roboter wich vor ihm zurück. Lediglich einer schien aberwitzig zu sein, rollte auf den Wolf zu und fuhr gegen sein linkes Bein. Der jedoch bewegte sich keinen Zentimeter und beobachtete nur, um zu sehen, was das jetzt werden soll. Der Roboter rollte in Richtung der Tür und bog nach links ab. Sekunden später tauchte er wieder auf, steuerte auf Sirius zu und stupste wieder gegen sein linkes Bein. Der ganze Vorgang wiederholte sich fünf Mal, dann begriffen beide Wölfe gleichzeitig, was die Dinger von ihnen wollten.
Wotan erhob sich, ging zum Tisch, nahm seine Waffe und gab Sirius seine.
„Ich glaube, wir sollten ihnen folgen“, sagte er.
Sie gingen zwei Schritte in Richtung der Tür.
„Hattest du die Tür nicht geschlossen?“, fragte er Sirius.
Sein Partner nickte: „Stimmt.“
Tatsächlich waren die Roboter darauf aus, dass die beiden ihnen folgten und darauf bedacht den Kontakt nicht zu verlieren. Sie wiesen ihnen den Weg zu einem Ziel, das nur sie kannten.
„Wo wollen die uns nur hin locken?“ Sirius war das Ganze unheimlich.
Während die Tiger sowie Kira und Pedro schliefen, sollten die beiden Wölfe in Kürze sehr erstaunliche Dinge erleben und etwas erfahren, worüber die anderen vorher nur spekuliert hatten.
Die kleinen Roboterfahrzeuge rollten auf eine Wand zu und blieben davor stehen.
„Sackgasse“, bemerkte Wotan bitter, „Das war wohl nichts. Wir gehen zurück auf Ebene minus sechs und melden uns bei den anderen. Die vermissen uns bestimmt schon und haben vielleicht was interessantes herausgefunden.“
Sirius stimmte zu und beide drehten sich um, um zu gehen.
Plötzlich fuhr die Wand unter einem dröhnenden Geräusch auseinander. Es handelte sich um eine Tür die so präzise in die Wand eingearbeitet war, dass man sie nicht wahr nahm. Aber das war jetzt egal, denn diese Tür war offen und jemand musste sie geöffnet haben.
Die beiden sahen sich an und waren sichtlich nervös.
„Sieht so aus, als ob wir ne Einladung bekommen hätten“, sagte Wotan mit trockener Kehle.
Kaum waren sie durch die Tür getreten, da schloss sich diese und beide saßen in der Falle. War es überhaupt Eine?
Wo immer sie sich befanden, es war stockfinster, lediglich einige Kontrolllämpchen blinkten in näherer Entfernung. Plötzlich gingen Lichter an und überfluteten sie mit Helligkeit. Sie kniffen die Augen zu und schützten sie zusätzlich mit davor gehaltenen Händen. Nach mehreren Sekunden hatten sie sich an das Licht gewöhnt und konnten etwas erkennen.
Sie befanden sich in einem kleinen Raum, an dessen Wänden mehrere Monitore montiert waren, die jetzt aktiv wurden. Im Raum selbst stand ein Tisch mit drei Computern, außerdem stand am hinteren Ende ein merkwürdiger metallener Liegestuhl und in diesem saß jemand. Aus seinem Körper kamen unzählige Kabel und Schläuche. Blaue und rote Flüssigkeiten flossen hindurch wurden in den Körper gepumpt oder abgesaugt.
Sie fassten Mut, traten weiter in den Raum hinein, um nähere Einzelheiten erkennen zu können und näherten sich der Liege. Plötzlich öffnete das Wesen die Augen und schaute die Wölfe scharf an.
„Seid willkommen, Freunde“, sagte es und hatte dabei eine sehr gewöhnungsbedürftige Stimme.
Sie schien männlich und weiblich zugleich zu sein. Das Wesen trennte sich von den Leitungen und damit von der Apparatur an der es hing und stand auf.
Gegenüber Wotan und Sirius erschien es mehr als nur groß. Es war eindeutig ein Anthro, aber es gehörte keiner bekannten Art an, es war eher eine Mischung aus Verschiedenem.
Dem Kopf nach war es eindeutig ein Löwe, wobei es lange Säbelzähne hatte, die ihm aus dem Oberkiefer wuchsen. Es hatte eine traumhaft lange Mähne, die bis über die Schultern fiel und hellblond war. Es hatte breite Schultern, die zum Anlehnen einluden, ein dichtes Brustfell unter dem sich deutlich zwei Wölbungen abzeichneten und somit als Weibchen kennzeichneten. Es hatte sehr ausgeprägte Bauchmuskeln, männliche Geschlechtsorgane … - Moment! –
Die beiden Wölfe zuckten zusammen und ließen ihren Blick nochmals über das Wesen schweifen und landeten schließlich wieder bei den Brüsten. Dann schauten sie nochmals und ungeniert auf die Taille und ließen ihre Blicke dort verharren.
„Ich fall' vom Glauben ab“, flüsterte Wotan leise, „Es ist zweigeschlechtig.“
„Das seht ihr richtig“, sagte das Wesen frei heraus, „Ich kann Junge gebären oder sie zeugen. Ich bin alles und nichts. Ich bin der Anfang von allem und Mutter und Vater zugleich.“
Die beiden sahen sich verständnislos an.
„Was bist du wirklich und wer bist du?“, fragte Sirius.
„Ich bin Anthro und das erste Wesen unserer Art.“
„Das glaube ich dir gerne, denn so was wie dich habe ich noch nie gesehen. Du sprachst von unserer Art. Also gibt es noch mehr die so sind wie du? Hast du denn einen Namen?“, entgegnete Sirius.
Das Wesen ging drei Schritte auf die Beiden zu. Die Rüden wichen ein Stück zurück.
„Habt keine Angst vor mir. Ich bin Anthro und ich bin allein.“
„Allein also. Den Rest sagtest du schon. Wir sind alle Anthros und deine Ant-wort verwirrt mich“, sagte Sirius etwas schärfer.
Das Wesen seufzte. „Ich bin der Anfang eures Lebens. Ich bin euer Erzeuger.“
Den beiden klappten die Kinnladen herunter. Konnte das sein? Hatten sie tat-sächlich ein Wesen gefunden von dem sie alle abstammten?
„Das ist unwahrscheinlich“, sagte Wotan, „Du müsstest schon längst tot sein. So alt wird niemand.“
„Vergiss nicht, dass ich über die hochentwickelte Technik der Station verfüge, derer ich mich bediene“, erwähnte Anthro.
„Schon, aber sollte das gehen?“
Das Wesen deutete auf den Stuhl. „Diese Apparate sorgten dafür, dass ich seit mehreren Jahrhunderten nicht altere. Der Prozess der Alterung ist ein ständiger Zerfall von Zellen und Gewebe, wird dieser aufgehalten altert man nicht. So konnte ich nach meiner Flucht leben, seit genau sechshundertelf Jahren.“
Das war zu viel des Guten und die Beiden wurden sauer.
„Du willst uns wohl verarschen?“, herrschte ihn Wotan an.
Das Wesen ging einen Schritt zurück und hob beschwichtigend die Hände. Es sah auf einen der Monitore und machte einen Vorschlag.
„Warum gehen wir nicht zu den Anderen? Vielleicht können wir die Missverständnisse aufklären?“
Der Vorschlag entbehrte nicht einer gewissen Logik.
„Okay, mein Freund. Aber schön langsam und vorsichtig und glaube mir, wir können mit unseren Waffen sehr gut umgehen“, drohte Sirius.
„Das glaube ich, sonst würdet ihr nicht hier stehen. Ich komme gerne mit euch.“
Das Wesen hielt die Hände sichtbar in Richtung der Tür. Wotan und Sirius nickten und traten auf die Tür zu. Die öffnete sich und sie verließen den Raum.
Die Anderen schliefen noch, erwachten aber langsam. Einer nach dem anderen schickte sich an, dem Genuss einer heißen Dusche zu frönen. Nach kurzer Zeit waren sie fertig und Kira setzte frischen Kaffee an, außerdem besorgten sie sich was zu essen. Sie setzten sich in den Computerraum und wollten gerade mit der Datenauswertung weiter machen, da kamen vom Flur her Schritte näher. Sie schauten zur Tür und Sirius trat in den Türrahmen. Er war sichtlich aufgeregt und erschien verwirrt.
„Hallo Sirius, was ist denn los? Ist was passiert?“, fragte Cyron.
Der Rüde nickte nur, trat einen Schritt zurück und winkte auf dem Gang jemanden heran. Neugierige Blicke ruhten auf ihm.
In den Türrahmen trat plötzlich ein bekanntes Wesen. Sie hatten es vor kurzem erst gesehen.
Die Gruppe sprang von den Sitzen auf und konnte ihren Augen nicht glauben.
ER war da, ER stand direkt vor ihnen und ER lebte.
Tarja fand als erste Beteiligte die Sprache wieder.
„Anthro? Wie kann das sein? Du müsstest doch schon lange tot sein und wie hast du überlebt und wo kommst du her?“
„Langsam, langsam. Alle Antworten der Reihe nach“, entgegnete er, „Erstmal lebe ich noch und mein Name ist tatsächlich Anthro. Eure beiden Wachwölfe wollten mir nicht glauben.“
Die beiden Genannten zuckten mit den Schultern und hoben entschuldigend die Hände.
„Schon gut“, sagte Cyron dazwischen, „Sie können nichts dafür und wussten es nicht besser. Wir hatten die Aufzeichnungen, auf denen du erscheinst, erst gefunden nachdem die beiden gegangen waren. Sie machen ihre Arbeit aber wirklich sehr gut und sind die Besten.“
Die beiden Rüden reckten sich vor Stolz und Anthro nickte freundlich.
„Gut. Dann ist das, glaube ich, geklärt.“ Er wandte sich an Tarja: „Nun zu deinen Fragen. Ich hatte in der Zeit, in der ich hier friedlich lebte, einen ungenutzten Raum gefunden. Den hatte seinerseits wohl das Militär erschaffen und den Wissenschaftlern nichts davon übermittelt. In ihm befanden sich Überwachungsmonitore. Ich las sehr viel über Gentechnik und über lebenserhaltende und –verlängernde Maßnahmen.
Ich stahl heimlich eine passende Ausrüstung zusammen und installierte sie in jenem Raum. Ich wusste, dass der Tag kommen würde, an dem sich die Ereignisse wenden. Als der Tag dann kam, befreite ich eure Vorfahren soweit es ging und schlich in meinen Raum. Es hatte keiner bemerkt und alle dachten, ich wäre auch aus der Station geflüchtet. Ich baute eine Armee von kleinen flinken Robotern zusammen, welche mir treue Dienste leisten sollten. Sie sollten Informationen sammeln und die Station überwachen.
Die Kampfeinheiten waren überall und eliminierten das gesamte Wissenschaftlerteam, ebenso die Techniker und das Sicherheitspersonal. Die Station gehörte ab diesem Zeitpunkt den Robotern und war frei von Lebewesen aller Art. Ich sandte meine kleinen Helfer aus und manipulierte verschiedene Datenleitungen. Am Ende war der Stationscomputer von fast allem abgeschnitten.
Lediglich die Datenbänke standen noch unter seiner Kontrolle und die Waffen- und Verteidigungssysteme. An die kam ich leider nicht ran. Zusätzlich programmierte ich meine Roboter so, dass sie inaktiv bleiben, solange sich im strategischen Gefüge der Station nichts ändert. Ich wollte verhindern, dass jemand aufmerksam wird. Außerdem bekamen die Roboter von mir den Auftrag eventuell anfallende Leichen abzutransportieren, um das Ausbreiten von Krankheiten infolge des biologischen Abbaus zu verhindern. Danach schloss ich mich an meine Apparatur an und wurde in künstlichen Tiefschlaf versetzt.
Nach sechshundertelf Jahren bin ich endlich erwacht und freue mich euch kennenzulernen.“
Tarja lächelte ihn an. Er hatte Charme das musste man ihm lassen.
„Dann waren es also deine Roboter, die den toten Pegasushengst weggeschafft haben?“, fragte Kira.
„Ja, wenn er in einer Ebene lag, dann ist das durchaus möglich.“
„Du weißt aber auch, dass sie ihn mit einer Sensorenphalanx ausgerüstet haben, nachdem sie ihm den Kopf abtrennten? Seine Geliebte hatte einen Mordsschreck bekommen und ein tiefes Trauma erlitten“, sagte die Luchsin streng.
Anthro überlegte kurz. „Dann muss ein Fehler in der Programmierung vorgelegen haben oder es gab einen Widerspruch. Die Roboter hatten ja, wie ich erwähnte, auch den Auftrag zu prüfen, ob sich im Gefüge der Station etwas ändert. Das war nach eurem Eintreffen ganz klar der Fall und nachdem sie den toten Pegasus fanden, kam wohl der Befehl der Kommunikationsherstellung mit euch zum tragen.
Sie haben ihn wohl mitgenommen, den Kopf abgetrennt, da das Hirn nicht mehr zu retten war, wahrscheinlich noch intakte Reste von Charakterbild und geistigem Profil auf einen separaten Speicher übertragen und versucht, mittels einer Kombination aus Pegasuskörper und künstlicher Intelligenz mit euch in Kontakt zu treten.“
Cyron schaute ihn streng an. „Und das hat wohl auch geklappt, wie es aussieht. Wenn auch auf eine ziemliche morbide Weise. Aber warum liegt der Kopf des Hengstes im Labor? Was soll mit dem geschehen?“
„Der Kopf ist an Versorgungsleitungen angeschlossen und damit vor dem Zerfall geschützt. Die Zeit wäre gekommen, um das zerstörte natürliche Hirn durch ein künstliches zu ersetzen. Die Daten wären aufgespielt und Körper und Kopf wieder verbunden worden und der Pegasus hätte wieder gelebt. Aber das hat sich ja nun wohl erledigt.“
Kira seufzte: „Ich glaube die ganze Technologie hier ist ne Nummer zu hoch für mich. Es stehen Möglichkeiten offen, die wir uns nicht mal im Traum vorstellen können.“
„Und nun?“, fragte Tarja.
„Wie es aussieht bin ich genau im richtigen Moment geweckt worden, denn ihr könnt Hilfe dringend gebrauchen, genau wie ich“, sagte Anthro.
„Und was stellst du dir dabei vor?“, fragte Kira neugierig.
„Nun, ganz einfach. Ich helfe euch beim auswerten der Daten und gebe noch zusätzlich Informationen weiter. Außerdem erkläre ich euch die Technik des Mech, denn ich kenne die Handbücher, Zeichnungen, Pläne und Bedienungsanleitungen so gut wie auswendig. Außerdem zeige und erkläre ich euch die Shuttleschiffe, die ihr benötigt um auf die andere Seite des Planeten zu kommen, denn dort steht ein großer Raumtransporter.“
Sie schauten sich alle an und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das war wirklich dringend benötigte Hilfe.
„Wo ist der Haken?“, fragte Stella verschmitzt.
„Ihr nehmt mich mit zur Erde, wenn ihr hinfliegt. Ich habe da einige Sachen zu erledigen und allein kann ich das nicht. Daher war es meine einzige Aufgabe zu schlafen und zu warten. Abgesehen von den ganzen Waffen, die meine Flucht aus der Station verhindert hätten.“
Stella atmete tief durch und seufzte. Sie blickte zu Cyron. Der starrte an die Decke, hielt den Kopf schief und legte die Ohren zur Seite, anschließend nickte er.
Das Geschäft war damit besiegelt.
„Gut. Was möchtet ihr denn als erstes tun?“, fragte Anthro.
Tarja kicherte, denn sie fühlte sich an Groodarn erinnert.
„Warum kicherst du?“
„Nichts, nichts. Ist schon gut. Du hattest mich gerade nur an einen guten Freund erinnert.“
Anthro nickte und lächelte sie an.
Plötzlich wurde sie sehr ernst und nachdenklich.
„Was ist mit dir, Tochter?“, fragte Stella besorgt.
„Ich musste nur gerade an Groodarn denken und dann fielen mir mit einem Mal Finlay und Sitara ein und mein Apophis.“
Sie schluchzte und fing an zu weinen.
„Ah! Da erfahren wir doch auch mal den Namen unseres Enkels“, sagte Stella lächelnd.
Das alles war von Anfang an in den Hintergrund gerückt und am Ende komplett untergegangen.
Das Mischwesen sah sie betroffen an. „Pass auf“, sagte er, „Wir machen folgendes. Ich drucke die Anleitungen und anderen Unterlagen für den Mech aus, ebenso die Handbücher für die Shuttleschiffe. Im hinteren Teil der Station, in einem separaten Gebäude sind sieben Stück davon vorhanden. Davon nehmen wir uns beide dann eins und fliegen dahin, wo du hin möchtest.“
Tarja schaute zu ihren Eltern und die nickten zustimmend.
Das nächste was man von ihr hörte war ein lauter begeisterter Aufschrei. „Aber Chiron kommt mit“, bestimmte sie.
Cyron nickte ein weiteres Mal und seufzte. Nach fünf Stunden harter Arbeit der Drucker, lagen riesige Papierberge auf den Tischen.
Cyron schaute traurig auf die Berge von Aufzeichnungen, dann zu Kira, zu Stella, zu Pedro, dann wieder auf die Papiere, zu Tarja, zu Anthro und legte den Kopf auf den Tisch. „Oh, Bastet! Was haben wir nur verbrochen, dass wir mit so was bestraft werden.“
Stella stand auf und ging zu ihrem Kater. Sie umarmte ihn und spendete ihm Trost. Kira seufzte.
„Was ist los, Kira?“, fragte Cyron.
„Ach verdammt. Ich weiß auch nicht. Ich bin zu lange mit Pärchen zusammen. Wenn ich euer liebevolles Geknuddel sehe, dann werde ich in letzter Zeit so merkwürdig schwermütig.“
Cyron schaute sie schief an. „Wie alt bist du jetzt eigentlich?“, fragte er und zuckte zusammen. Ein Weibchen fragt man nicht nach dem Alter.
Aber Kira schien das locker zu sehen. „Ich bin gestern fünfundzwanzig geworden.“
„Was? Du hattest gestern Geburtstag und hast nichts davon gesagt?“, rief Cyron laut aus.
„Wir haben wichtigeres zu tun“, erwiderte sie.
„Oh nein. Junge Dame, das haben wir nicht. Außerdem hast du da draußen bestimmt einen jungen Kater der auf dich wartet.“
Kira schüttelte den Kopf.
„Nein?“, mischte sich Anthro ein, „Ein so bezauberndes, junges Luchsmädchen hat keinen Freund?“
Kira schüttelte immer noch den Kopf.
Anthro schaute mal wieder betroffen: „Wie kann das sein?“
„Ich hatte nie Zeit und habe mich ganz meiner Bildung und Büchern gewidmet.“
Cyron nickte: „Kann ich mir vorstellen. Daher bist du wahrscheinlich auch über Nacht zu unserem Computergenie mutiert.“
Das Mischwesen war sichtlich beeindruckt und neugierig: „Über Nacht?“
„Ja, sie ist unser Experte für Technik und Sicherheitseinrichtungen. Sie hat die Basis im Gebirge per Computer ausgeschaltet, wenn man von unseren Handgreiflichkeiten mit den Messerdrohnen und Kampfeinheiten absieht. Außerdem haben wir es ihr zu verdanken, dass wir es geschafft haben diese Station zu erobern. Sie hat in der Tat, über Nacht, eine der Kampfeinheiten vom Netzwerk getrennt und vollkommen umprogrammiert. Sie stand dann auf unserer Seite und hat die entscheidende Schlacht für uns gewonnen. Und dann kam die Arbeit hier. Sie hat die Technik sehr schnell gemeistert, hat ein Programm zur Extraktion der Daten geschrieben und alle verfügbaren Daten gesammelt.“
Kira wurde rot um die Nasenspitze und schaute beschämt zu Boden. „Ach, das war doch nichts, was ich gemacht habe.“
Anthro war fasziniert von der kleinen Luchsin und ihm wurde es warm ums Herz. Er hatte einen ihm vergleichbaren Intellekt gefunden und freute sich. Die Luchsin hatte es ihm angetan und er beschloss sie im Auge zu behalten.
Wotan, Sirius, Torus, Grey und Sinja erschienen auf der Ebene und schauten zur Tür herein.
„Hallo ihr“, sagte Sinja fröhlich, „Wir bringen neue Lebensmittel und Getränke.“
„Ja, hallo. Es ist schön euch zu sehen. Wir sind hier verdammt einsam und versauern hinter den Computern und Monitoren. Die Datenmengen sind schier unendlich. Aber wir haben auch sehr viel herausgefunden“, sagte Cyron nicht ohne Stolz.
Die fünf traten ein und schauten entsetzt auf die Papierberge.
„Wo sind eigentlich Syrgon und Diana abgeblieben?“, fragte Chiron.
„Die haben die Station verlassen und hocken im Lager“, entgegnete Grey und biss sich auf die Zunge.
„Na toll, hier macht wirklich jeder was er will“, sagte Cyron und legte den Kopf wieder auf den Tisch.
„Können wir vielleicht helfen?“, fragte Torus.
Sie hatten Anthro noch gar nicht bemerkt.
„Ich denke, ja“, entgegnete Stella. „Chiron und Tarja werden nach Strongham fliegen, um ihren Sohn zu besuchen. Während ihrer Abwesenheit können wir eure Hilfe sehr gut gebrauchen.“
Die fünf nickten und freuten sich darüber.
Wotan zeigte auf das Mischwesen und erregte damit ihr Interesse.
Er saß mit dem Rücken zu ihnen, wodurch sie nur seine dichte Mähne sahen.
„Wollt ihr uns euren neuen Freund nicht vorstellen?“, fragte Sinja.
Anthro stand auf, drehte sich um und deutete eine Verbeugung an. Torus, Grey und Sinja sahen ihn fasziniert an. Nachdem, wie Wotan und Sirius ihn be-schrieben, hatten sie ja einiges erwartet, aber was sie sahen verschlug ihnen glatt den Atem. Er war wirklich eine imposante Erscheinung, viel zu perfekt und mystisch um real zu sein.
Cyron sah auf die fünf und beobachtete Anthro und die Reaktionen auf ihn.
‚Er zieht alle in seinen Bann, keiner denkt mehr an Gefahren oder macht sich anderweitig Sorgen, wenn er einen ansieht. Man ertrinkt förmlich in seinen Au-gen, seinem Blick und seiner Ausstrahlung. Es ist fast so, als würde der Ver-stand aussetzen’, dachte sich Cyron und da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen.