Part 6 - Die Verwandtschaft kommt
#6 of Dexter & Nikki
Hier nun ein weiteres Kapitel von "Dexter & Nikki". Deshalb bitte vorher unbedingt die anderen Teile lesen:
Feedback ist wie immer erwünscht also kommentiert bitte fleißig oder schreibt mir was ihr denkt.
Die Verwandtschaft kommt
Dexter wachte diesmal als erster auf und brauchte wie so oft einen Moment bis er seine Umgebung vollständig erfasst hatte. Auf einmal stellte er erschrocken fest, dass er die Hand mit der er Nikki umarmt hielt wohl über Nacht versehentlich in dessen Schritt gelegt hatte. Er nahm sie ganz vorsichtig weg und hoffte, dass sein Freund nichts gemerkt hatte. Er spürte immer noch den warmen Echsenschwanz zwischen den Beinen denn sie hatten sich im Schlaf erstaunlicherweise nur wenig bewegt.
Am liebsten hätte er sich noch ewig so an seinen Freund gekuschelt, aber er hatte eine andere Idee. Erst musste er sich einmal vorsichtig befreien, damit er aufstehen konnte. Er ging auf Zehenspitzen zum WC und machte sich danach im Bad etwas frisch. Dann schlich er sich vorbei an Nikki, der noch fest schlief, aus dem Quartier. Er dachte kurz daran ob der Bordcomputer wohl Erfolg bei der Suche nach ihrem ersehnten Exilplaneten gehabt hatte, aber das wollte er später gemeinsam mit seinem Freund herausfinden.
Er ging gemütlich durch den langen Korridor und es war ein ziemlich ungewohntes Gefühl, denn er hatte sich noch nichts angezogen und spürte wie die kühle Luft über seine Haut strich. Im Verpflegungsraum angekommen, richtete er ein nettes Frühstück für die Echse und sich. Bei den gehobeneren Rationen entdeckte er tiefgekühlte Brötchen, verschiedene Aufstriche und ein weißes Pulver das er mit etwas Wasser zu Milch anrühren konnte. Nach einer weile des Suchens fand er auch ein Tablett das groß genug war um all die leckeren Sachen darauf unterzubringen.
Er trug das alles leise zurück ins Quartier und stellte es vorsichtig vor seinen Freund aufs Bett. Er setzte sich hin und beobachtete ihn einen Moment lang wie er friedlich dalag. Plötzlich begann Nikki sich zu bewegen und streckte sich dann langsam, wobei seine Füße und sein Schwanz unter der Decke zum Vorschein kamen. Als er die Augen öffnete und sie sich an das Licht im Raum gewöhnt hatten sah er Dexter vor sich sitzen und zwischen den Beiden das Tablett mit dem angerichteten Frühstück. „Guten morgen!" wurde er sanft von dem Drachen begrüßt.
Hey Dex, du hast extra Frühstück gemacht, danke!" Freute er sich. „Nicht der Rede wert, ich dachte du bist bestimmt hungrig wenn du aufwachst und ich finde hier haben wir es gemütlicher als drüben im Aufenthaltsraum." Nikki setzte sich auf und legte die Decke über seine Schultern. Sie saßen sich gegenüber und jeder begann sich etwas zu nehmen. Während Dexter ein Brötchen und ein Glas Kakao probierte, bereitete sich sein Freund eine Schüssel mit Milch und etwas zu, das so ähnlich wie Müsli aussah. Nikki betrachtete die Gestalt des Drachen ausgiebig, während sie aßen, er konnte irgendwie nicht anders.
Nach dem sie beide gegessen hatten, stellten sie ihr Geschirr zurück auf das Tablett und Dexter meinte: „Ich hab uns Kleider mitgebracht, wir können ja nicht einfach so durchs Schiff laufen." „Na ja könnten wir eigentlich schon." Scherzte Nikki und grinste. „Ich weiß was du meinst, ich würde das auch gerne machen aber du siehst ja, wir können sonst unsere Blicke nicht von einander abwenden." Nikki fühlte sich ein Bisschen ertappt weil er seinen Freund zuvor eine Weile lang beobachtet hatte und sagte: „Entschuldige, ich wollte dich nicht anstarren." Dexter lächelte: „Hey, das war doch nur ein Spaß, ich lasse mich doch gerne von dir anschauen so lange du magst. Ich meinte eigentlich, dass es im ganzen Schiff recht kühl ist."
Nikki war sichtlich erleichtert und zeigte dies mit einem schüchternen Lächeln. Dexter ging auf alle Vier, schob das Tablett aus dem Weg und überfiel Nikki zärtlich mit einem Kuss. Dabei kam er noch etwas näher und als sie sich lösten, richtete er sich direkt vor der Echse auf und bot ihr so einen Blick aus nächster Nähe auf seinen Intimbereich. Er kam Nikki sogar so nahe, dass er für kurze Zeit dessen Atem auf seiner Hauttasche spürte. Sein Freund errötete dabei denn es war offensichtlich, dass der Drache das mit Absicht so machte. Dann setzte Dexter sich wieder und reichte seinem Gegenüber die Kleider die er für ihn mitgebracht hatte.
Sie zogen sich in Ruhe an und nahmen das Tablett mitsamt dem Geschirr mit in den Verpflegungsraum. Es gab dort so etwas wie einen Geschirrspüler in den sie gleich alles einräumten. Zu zweit war alles schnell erledigt und sie machten sich anschließend auf den Weg nach vorne zur Brücke. Als sie dort ankamen, richteten sie ihre Blicke gespannt auf die Bedienkonsole und erkannten bereits von Weitem, dass der Computer die Suche in den Sternenkarten endlich beendet hatte. „Schau mal Dex, sieht so aus als wäre es fertig!" Sie näherten sich und bemerkten, dass es sogar mehrere Ergebnisse gab. „Ich kann es kaum glauben, es existieren tatsächlich Planeten die passen könnten." freute sich der Drache.
„Ja aber gleich fünf ?"
„Na ja, ich denke der Rechner hat keinen gefunden der ganz genau passt, also hat er eine Auswahl der am ehesten in Frage kommenden Ergebnisse aufgelistet. Sie ähneln sich natürlich alle ziemlich, es könnte also knifflig werden den richtigen zu finden." mutmaßte Dexter.
Nikki griff zu seinem Notizbuch und sagte: „Mal sehen, vielleicht gibt mein Tagebuch noch ein paar Hinweise her."
Plötzlich wurden sie von einem Signalton bei ihrer Recherche gestört, den sie bisher noch nicht zu hören bekommen hatten. Gleichzeitig wechselte der Bildschirminhalt zu einer Darstellung aus ineinander liegenden Kreisen, die etwa so wie ein Radar aussah. In der Mitte war der Umriss des Shuttles angezeigt und weiter außen in einiger Entfernung davon erschien ein weiteres Symbol.
Was ist das ?" fragte Dexter.
„Sieht aus wie ein Annäherungsalarm."
„Heißt das ein Schiff nähert sich?"
„So ist es."
„Kann man sehen was es für eins ist?"
„Ja sicher." Nikki tippte mit seinem Finger auf das rot blinkende Symbol. Nach einem Augenblick wurden Name und Klasse des Schiffes, sowie Entfernung, Geschwindigkeit und einige andere Informationen angezeigt. Nikki sah sich alles an und erkannte sofort mit Entsetzen:
„Dex, das sieht aus wie eine Patrouille!"
„Meinst du die kommen wegen uns?"
„Ich weiß es nicht, vielleicht haben sie bemerkt, dass wir Probleme hatten weil wir ohne Antrieb im All treiben."
„Vielleicht fliegen Sie auch einfach vorbei." Versuchte der Drache seinen Freund und sich selbst zu beruhigen.
„Nichts wünsche ich mir mehr, aber wir wissen beide wie paranoid mein Volk sein kann."
Den Beiden wurde schlagartig wieder bewusst wie schnell ihre Reise enden konnte. Dexter griff nach Nikkis Hand.
Die Echse hielt sie fest als sie sich in den Sessel vor der Konsole fallen lies. Dexter setzte sich zu ihr auf eine der Armlehnen und Nikki schaute ihn an. Dann sagte er etwas ängstlich: „Was wenn sie an Bord kommen? Sie werden bestimmt eine Routineüberprüfung durchführen. Wir müssen alles aufräumen was uns verraten könnte. Los, wir dürfen keine Zeit verlieren, bald sind sie in Rufweite und in spätestens zwanzig Minuten können sie bereits angedockt sein!"
Sie gerieten jetzt ziemlich in Panik und versuchten schnell aber trotzdem gewissenhaft alles aufzuräumen was noch herum lag. Sie mussten alle Spuren von ihrer gemeinsamen Zeit an Bord beseitigen. Nachdem sie alles offensichtliche weggeräumt hatten und das Patrouillenschiff immer näher kam meinte Nikki: „Es kann sein, dass sie auch den Computer überprüfen." Er zeigte dem Drachen ein kleines flaches, leicht längliches Objekt. „Ich werde alles über die Widerstandsbewegung und auch unsere Suchergebnisse auf diese Speicherkarte überspielen und dann verstecken wir sie irgendwo."
Der Drache nickte und sagte dann: „Nikki, du musst deine Uniform anziehen und ich brauche meine zerfetzten Kleider."
„Ja stimmt, das hätte ich fast vergessen." Die Echse befasste sich mit dem Computer und Dexter holte solange seine alten Kleider, seine Fesseln und auch Nikkis Uniform.
Sie zogen alles an und achteten genau darauf, dass es möglichst perfekt aussah.
„Ich lege mich jetzt in die Zelle und stelle mich bewusstlos und du ziehst eine glaubwürdige Show ab."
„Dex ich glaub das schaffe ich nicht. Was wenn sie was merken ?"
„Das werden sie nicht, du kannst das. Leg mir die Fesseln an!"
Es widerstrebte Nikki enorm seinen Freund, den er so lieb gewonnen hatte, wieder in der Gefangenenkluft zu sehen. Behutsam legte er ihm die Fesseln an und ihr Verschluss schnappte in Position. Ein kurzes Signal bestätigte dabei die Aktivierung der silbern glänzenden Ringe. „Dex, ich mach das wirklich nicht gerne."
„Hey, das ist schon okay, es muss sein. Das ist jetzt auch nicht mehr schlimm für mich, mach dir um mich keine Sorgen."
Dexter wollte sich umdrehen doch Nikki hielt ihn auf und küsste ihn innig. Sie kosteten es besonders aus, wussten sie doch, dass es vielleicht das letzte mal sein könnte. Dexter nahm seinen Freund noch einmal in den Arm und drückte ihn zärtlich, dann ging er in die Zelle und Nikki schloss die Tür hinter ihm. Er legte sich auf den Boden und es sah wirklich so aus, als wäre er bewusstlos zusammengebrochen. Nikki machte dieser Anblick ziemlich zu schaffen.
Er hatte jedoch nicht lange Zeit um genauer darüber nachzudenken, denn es wurde ein eingehender Ruf signalisiert. Er stellte sich vor den Monitor, versuchte Haltung anzunehmen und nahm ihn entgegen. Auf dem Bildschirm erschien eine alte Echse in Kommandanten-Uniform.
„Hier spricht Seras, Befehlshaber des Patrouillenschiffes sieben-fünf-zwei-neun. Wir werden ihr Shuttle jetzt inspizieren, halten sie sich zum andocken bereit."
Nikki wollte noch antworten doch da war die Verbindung bereits wieder getrennt. „Unhöfliches Pack!" ärgerte er sich. Er machte das Shuttle klar für das Andockmaneuver wie er es gelernt hatte und schaute noch einmal ob auch wirklich alles für die Ankunft vorbereitet war. Er legte noch die Fernbedienung von Dexters Fesseln neben sich damit es so aussah als hätte er sie vor Kurzem benutzen müssen.
Die Schiffe näherten sich einander jetzt mit ihren Bugseiten und gingen leicht versetzt nebeneinander in Stellung. Wegen ihrer Form konnten sie nur in dieser Position andocken. Eine starke Magnetische Fangeinrichtung brachte sie dazu sich langsam anzunähern. Als sich die Außenseiten der Schleusen berührten, war deutlich zu hören und zu spüren, dass das Shuttle wesentlich weniger Masse hatte als das Patrouillenschiff. Ein Ruck und Vibrationen gingen durch die Struktur.
„Wenn du irgendetwas tun musst um deine Tarnung zu wahren, dann nimm keine Rücksicht auf mich." flüsterte Dexter. „Nein Dex, lieber opfere ich mich für dich, soviel ist sicher." Der Drache wollte ihm noch widersprechen doch dazu blieb keine Zeit mehr. Sie hörten wie sich die Verriegelung der Andockschleuse in Betrieb setzte. Der Mechanismus hörte sich etwas gequält an und als er sich nach einigen Sekunden abschaltete, wechselte das Licht an der Schleusentür seine Farbe zu grün. Nikki zitterte und Dexter atmete vor Angst nur ganz flach. Mit einem Zischen öffnete sich die Tür und ihnen schlug ein Windstoß entgegen. Als sie die Sicht durch den Schleusentunnel freigab, erblicke Nikki den Kommandanten des Patrouillenschiffes und ein Gefolge aus zwei weiteren Echsen hinter ihm. Sie kamen schnellen Schrittes auf ihn zu. Er nahm augenblicklich Haltung an und als die Gruppe vor ihm zum Stehen kam, salutierte er. Für Dexter war es nicht sehr angenehm, dass er alles hören aber nichts davon sehen konnte. Er blieb weiterhin regungslos auf dem Zellenboden liegen und lauschte was passierte.
„Dies ist eine Kontrolle nach Artikel 34 Paragraph 2, sie wissen was das bedeutet?" fragte der Kommandant etwas gereizt.
„Jawohl, ich stehe ihnen uneingeschränkt zur Verfügung und lasse das Schiff auf seine Vorschriftsmäßigkeit überprüfen."
„Schön, dass Sie sich erinnern. Warum ist der Gefangene nicht ansprechbar?" fragte er mit eindringlichem Ton.
„Ich musste ihn mit den Schock-Fesseln ruhig stellen, dabei wurde er bewusstlos."
Seras sah sich genau um und warf dann einen prüfenden Blick auf den Drachen der in der Zelle lag. Dieser Moment der Stille fühlte sich für die beiden Freunde wie eine kleine Ewigkeit an.
Dann sagte er: „Sie haben richtig gehandelt." Das klang allerdings nicht wirklich wie ein Lob. Er ging zur Konsole und öffnete das Logbuch. „Wie ich sehe gab es technische Unregelmäßigkeiten auf ihrem Schiff. Sind sie deshalb nicht mehr im Zeitplan ?"
„Ja das ist richtig, es ist mir aber mit Hilfe des Bordhandbuches und meinen Grundkenntnissen gelungen den Schaden zu reparieren. Ich war gerade dabei den Kurs wieder aufzunehmen."
Sie wurden dafür ausgebildet, solche Situationen eigenständig zu bewältigen. Wir werden ihr Schiff jetzt genau in Augenschein nehmen um sicher zu gehen, dass alles den Vorschriften entspricht und wenn dem so ist trennen sich unsere Wege."
„Verstanden. Soll ich sie herumführen ?"
Nein, sie bleiben hier auf ihrem Posten, ich und meine Männer finden uns zurecht."
„Selbstverständlich."
Der Kommandant voran gingen sie nach hinten durch die Tür die zum Korridor führte. Nachdem sich diese wieder geschlossen hatte und das Geräusch ihrer Schritte in die Ferne gerückt war, flüsterte Nikki:
„Eigentlich hasse ich es zu lügen." Er klang etwas erschöpft. Dexter antwortete ihm aus seiner Zelle ohne sich dabei zu bewegen: „Aber du hast es gut gemacht, es war fast ein Bisschen unheimlich."
„Ich weiß es ist mir sogar selbst unheimlich, aber hab keine Angst, es ist alles nur gespielt."
„Ich weiß, ist schon in Ordnung."
„Hoffentlich finden sie nichts und hauen schnell wieder ab."
„Mach dir keine Sorgen." Versuchte Nikki ihn aufzumuntern.
Nach einem Augenblick den sie nutzen um zu verschnaufen waren die Männer schon wieder deutlicher wahrzunehmen und Nikki sagte: „Ich glaube Sie kommen schon zurück, das ist ein gutes Zeichen, denn um so länger sie brauchen um so wahrscheinlicher ist es, dass sie etwas gefunden haben.
Nach Kurzem öffnete sich die Tür und sie kehrten zurück.
Mit gleichgültigem Blick sagte Seras: „Es scheint als wäre alles vorschriftsmäßig. Sie fliegen jetzt weiter."
„Verstanden." Antwortete Nikki kurz und knapp, während er sich innerlich mit großer Erleichterung freute. Der Kommandant drehte sich um und er und seine Männer machten sich auf den Weg in Richtung Schleuse.
Auf einmal war ein Klingelton zu hören, allerdings nur sehr gedämpft. Nikki konnte trotzdem ausmachen, dass es vom Kommandanten her kommen musste. Der holte tatsächlich einen Kommunikator aus seiner Innentasche und nahm einen Anruf entgegen. „Seras." meldete er sich ganz knapp. Er ging dabei immer noch zügig weiter doch nach ein paar Metern blieb er plötzlich mitten in der Luftschleuse stehen. Die zwei Männer, die dabei waren ihm zu folgen, rannten ihm dabei fast in den Rücken. Er hörte einen Moment lang sichtlich konzentriert der Stimme am anderen Ende der Leitung zu und begann sich dann langsam umzudrehen. Nikki bekam dieses Gefühl in seiner Brust das er immer hatte wenn er unter großer Anspannung stand. Ihm wurde auf einmal ganz heiß und er konnte nur schwer atmen. Er wusste nicht wieso aber er hatte den Verdacht, dass irgendetwas nicht in Ordnung war.
Seras schaute ihn an während er seine Hand noch am Ohr hatte und sagte: „Verstanden. Ich kümmere mich darum." Dann legte er auf und steckte das kleine Gerät wieder weg. Seine Männer machten ihm Platz und er ging langsam auf Nikki zu. „Man hat mich soeben informiert, dass dieser Gefangenentransport, den sie hier durchführen, überhaupt nicht autorisiert wurde. Wer auch immer ihnen diesen Auftrag erteilt hat, tat dies ohne Erlaubnis seiner Vorgesetzten. Bis wir wissen in wie weit sie in die Sache verwickelt sind, stehen sie unter Arrest." Er schaute zu den zwei Echsen die ihn begleiteten, winkte sie her und sagte: „Holt den Drachen aus der Zelle und dann bringt sie beide nach unten auf Ebene D." Nikki senkte sein Haupt und ließ sich anstandslos Fesseln anlegen, genau wie die, die sein Freund bereits trug. Er wusste, dass es die Situation nur noch verschlimmern würde wenn er jetzt versuchte Widerstand zu leisten oder sich irgendwie dazu zu äußern, deshalb sagte er gar nichts. Dexter stellte sich immer noch bewusstlos und ließ sich aus der Zelle holen. Er wurde dabei sehr unsanft angefasst aber er erduldete es regungslos um nicht noch mehr zu verraten.
Die Echsen zerrten die beiden durch die Luftschleuse auf das Patrouillenschiff. Die Brücke war gut fünf mal so groß wie die des Shuttles. Sie erstreckte sich über zwei Ebenen und hatte mehrere Stationen an denen das Personal geschäftig arbeitete. Alles war geräumig und hell, die Wände waren mit edlen Materialien verkleidet und hier und da hingen einige Banner. Sie wurden auf einer der Seiten nach hinten geführt. Durch eine Tür traten sie in einen Lift ein, der mit Leichtigkeit auch noch mehr Personen gefasst hätte.
Während Nikki mit dem Kopf niedergedrückt wurde und außer dem beinahe spiegelnd sauberen Boden kaum etwas sehen konnte, hatte Dexter die Möglichkeit sich unauffällig umzuschauen. Er blickte auf das Bedienfeld. Dort stand 'Ebene 0', das musste die Brücke sein. Dann setzte sich der Aufzug in Bewegung und zwar so plötzlich, dass sie ein Wenig das Gefühl hatten als würden sie abstürzen.
Dexter konnte auf dem Display gerade so mitlesen als es in schneller Folge wechselte: Ebene A - Aufenthalt, Ebene B - Quartiere, Ebene C - Versorgung, Ebene D - Arrest. Der Aufzug stoppte hier abrupt. Nikki verlor dabei das Gleichgewicht und stützte sich aus Reflex auf eines seiner Knie. Sofort wurde ihm von der Wache, die ihn fest hielt, unsanft auf die Beine geholfen.
Ein Doppelgong ertönte und dann die gleichgültige Standart-Stimme des Lifts: „Ebene D, Arrest."
Sie wurden an zwei ältere Echsenwachen übergeben die bereits an der Tür gewartet hatten. Nikki betrachtete sie, sie trugen imposante Uniformen wie die meisten an Bord. Dann vielen ihm noch die dünnen Armbänder auf welche sie am Handgelenk hatten. Die Wächter teilten sich auf und steuerten mit jeweils einem von ihnen verschiedene Arrestzellen an. Dexter stellte sich immer noch bewusstlos und wurde regelrecht hineingeworfen. Er hatte genug und tat so als würde er aus der Bewusstlosigkeit erwachen.
Nikki hingegen wunderte sich, denn sein Aufseher führte ihn fast sanft und ohne ihm, wie die anderen Echsen zuvor, ständig weh zu tun in seine Bleibe. Diese lag schräg gegenüber von Dexters, sodass noch Sichtkontakt zwischen ihnen Bestand. Sie waren sehr glücklich, dass sie sich nicht ganz aus den Augen verloren. Sie schauten sich eine Weile an, das beruhigte sie etwas. Irgendwann verschwand Dexters Wächter dann in den Aufzug.
Nikki saß in seiner Zelle und während ihm tausend Gedanken durch den Kopf gingen, was seinem Freund und ihm jetzt drohte, hörte er wie die Schritte einer Wache immer näher kamen. Sie ging am Zellengitter entlang und wurde immer langsamer. Nikki traute sich nicht zu ihr aufzublicken. Er beobachtete nur die Beine und sah, dass sie sich genau vor ihn stellte.
„Du hast dich während deiner Mission mit dem Drachenhäftling angefreundet oder?" Ihre Stimme war etwas tiefer aber mit weichem Klang. Nikki schaute zu ihr auf und sah, dass es der Wachmann war der ihn zuvor in seine Zelle geführt hatte. Er wusste nicht wie er damit umgehen sollte und fragte sich ob er sich bereits irgendwie verraten hatte. „Ich weiß nicht was sie meinen." versuchte er zu überzeugen.
„Ist schon okay, das erkenne ich an der Art wie ihr beide euch anseht, es ist unverwechselbar und zwar bei allen Spezies. Wenn du Angst um ihn hast ist das verständlich, aber unbegründet. Ich verrate nichts und die Anderen werden ihm vorerst nichts tun. Aber du bist hier nicht sicher, deshalb müsst ihr hier wieder weg und zwar so schnell es geht." Nikki blieb stumm, er traute sich nicht etwas zu sagen denn das ganze konnte auch eine dieser ausgeklügelten Befragungstechniken sein. Die Wache flüsterte weiter: „Besser wäre es natürlich wenn alle Gefangenen auf einmal frei kommen könnten." Das weckte Nikkis Neugierde. Die überwältigte ihn schließlich und er fragte zögerlich: „Es gibt noch mehr?" Der Wächter kam etwas näher und sagte mit ruhiger Stimme: „Ja hinter diesen Türen liegen noch weitere Arrestzellen, einige davon sind belegt."
„Ich traue ihnen nicht." sagte die junge Echse kühl und wandte ihren Blick ab.
„Das verstehe ich, aber ich werde sie dir trotzdem zeigen."
Nikki überlegte einen Moment lang. „Also gut." und willigte dann etwas unsicher ein.
Der Wächter hielt sein Armband vor den Scanner an der Zellentür und sie öffnete sich augenblicklich. Nikki war das alles immer noch etwas suspekt, aber er kam vorsichtig zu ihm heraus. „Folge mir aber denk daran, dass wir leise sein müssen. Es gibt außerdem nur zehn Minuten während des Schichtwechsels in denen ich hier unten alleine bin."
Nikki hätte ihn am liebsten gebeten Dexter mitzunehmen damit er nicht alleine zurückbleiben musste, denn er wusste, dass er sich bestimmt sorgen machte. Doch er wollte dieses hohe Risiko nicht eingehen, wer weiß wo er in Wirklichkeit hingebracht werden würde.
Der Drache konnte das alles von Weitem mit ansehen aber er hatte ihr Gespräch nicht mitgehört. Er sorgte sich natürlich um seinen Freund. Er stellte sich ganz nah an das Zellengitter und sah wie Nikki der Wache in Richtung der großen Tür folgte. Der warf Dexter kurz einen Blick zu und zwinkerte dabei. Das verwirrte ihn zuerst, aber dann schien es so als wäre alles soweit in Ordnung.
Diese Tür lies sich ebenfalls nur mit dem Armband des Wächters öffnen und als sie sich auftat, blickten die Zwei in einen weiteren düsteren Korridor der von Arrestzellen umrandet war. Sie gingen langsam weiter und das Licht wurde eingeschaltet. Man konnte jetzt wesentlich mehr erkennen.
Nikki traute seinen Augen nicht, als er an den Zellen vorbei schritt. Aus ihnen Blickten ihm, wenn auch etwas verstört und verständlicherweise unglücklich, die verschiedensten Kreaturen entgegen. Manche konnte er schnell einordnen: Ein Delphin und ein Wolf, Hunde und Füchse sowie ein Tiger. Andere wiederum kannte er nicht einmal aus den Aufzeichnungen des Widerstands, ebenso auch einige wundersame Mischwesen. Sein Blick wanderte zwischen ihnen hin und her und er wurde mit Eindrücken überschüttet. Diese Fabelwesen von denen er gehört hatte, einige von ihnen existierten also wirklich, das war hiermit bewiesen. Er wünschte sich Dexter wäre bei ihm und könnte sie ebenfalls sehen.
„Was ist das nur für ein seltsames Schiff? Wo kommen all die verschiedenen Wesen her?" fragte Nikki. „Es war ursprünglich eine ganz normale Patrouille aber der Auftrag wurde vor einigen Monaten plötzlich geändert. Wir müssen jetzt in den verschiedenen Sonnensystemen alle möglichen Spezies einsammeln." Die junge Echse schaute etwas fassungslos drein. „Ich dachte immer es gibt nur Drachen und Echsen." „Das ist alles Teil der Echsenpolitik. Jeder Einzelne den du hier im Arrest siehst, hat bis zu seiner Gefangennahme auch geglaubt, dass nur seine eigene Art und die der Echsen existiert. Aber wie du jetzt weißt, sieht die Wahrheit ganz anders aus. Es würde mich auch nicht wundern wenn wir in Zukunft noch Rassen entdecken, die sogar uns unbekannt sind." Nikki war fasziniert: „Das klingt aufregend und wunderbar." Der Wächter senkte seinen Blick: „Das ist es eigentlich auch, aber sie werden wie die anderen einfach unterdrückt werden. Deswegen muss dafür gesorgt werden, dass alle fliehen können."
„Warum tun sie das, ich meine warum helfen sie uns?" Der Wächter begab sich auf Augenhöhe zu Nikki und sagte dann: „Weil ich einmal von den schönen Dingen unseres Lebens kosten durfte, und seit dem sehne ich mich Tag für Tag danach. Ich glaube daran, dass jeder ein Recht auf die freie Gestaltung seines Lebens hat und alle friedlich miteinander Leben können. Es gibt unzählige die sich so wie du angefreundet haben." Seine Augen glänzten als er das sagte. „Gehören sie etwa zum Widerstand?!" Fragte die junge Echse geschockt. „Schhh..." Er hielt sich den Finger vor den Mund und nach einem Moment nickte er dann. „Ich bin Arai. Du kannst gerne 'du' zu mir sagen." Er reichte ihm die Hand, was keine übliche Geste unter Echsen war. Nikki gab ihm seine, es tat den Beiden gut und er sagte: „Ich heiße Nikki, aber du weißt sicher schon über mich Bescheid. Gibt es noch mehr Mitglieder der Bewegung auf dem Schiff?"„Ja, wir haben jemanden auf der Brücke, einen bei der Versorgung und zwei im Maschinenraum. Wir gewinnen mehr und mehr Leute dazu."
„Habt ihr denn einen Plan?" fragte Nikki neugierig. „Ja den haben wir, aber wir warten immer noch auf die Richtige Gelegenheit um ihn umzusetzen. Aber wer weiß mit eurer Hilfe stünden die Chancen auf Erfolg wesentlich besser. Du musst jetzt aber schnell zurück damit keiner Verdacht schöpft." Nikki war etwas enttäuscht denn er hätte gerne noch mehr in Erfahrung gebracht, aber er verstand wie wichtig es war jetzt keinen Fehler zu machen. „Ja natürlich, ist in Ordnung." Stimmte er leicht betrübt zu. Sie kehrten leise zurück und keine zwei Minuten danach kam bereits die Ablösung von Arais Kollegen, um seine Schicht anzutreten.
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