Kapitel 43

Story by SethGodofChaos on SoFurry

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Kapitel 43

Der Kampf um die Erde beginnt

Die ausgesandten Raumjäger der Kampfinsel Byblon näherten sich ihrem Ziel, scannten die gegnerischen Verbände, sammelten Daten und gingen zum Angriff über.

„Hier Staffelführer, Staffel Bet. Aufsplitten und zwischen die feindlichen Jäger gehen. Staffel Darlet und Samech an die Flanken, Chet und Nun folgen im Abstand V-förmig.“

„Verstanden, Staffelführer Bet.“

Innerhalb von Minuten hatten sich die genannten Staffeln gebildeten. Während Bet frontal zwischen die feindlichen Reihen stieß und hoffte dort für etwas Unruhe zu sorgen, drehten Darlet und Samech zur Linken und Rechten ab und umflogen in großem Bogen die Wolke der Angreifer. Chet und Nun spalteten sich ab und nahmen sich Ziele links und rechts der lanzenbildenden Bet vor.

Zunächst zeigten sich die Angriffsdrohnen der Abtrünnigen recht unbeeindruckt, aber mit schwindender Entfernung zwischen den Gleitern der antermerianischen Kampfinsel Byblon und ihnen, stieg ihr Interesse an mehr Kontakt zum Anderen.

Schnell schwanden die Abstände und die ersten saphirblauen Strahlen der Hochenergielaser zuckten durch den Raum, leckten an den Drohnen, welche in unvorhergesehener Weise auswichen, ihre Formationen im Bruchteil von Sekunden aufgaben und sich sofort wieder neu formierten.

„Verdammt“, rief der Pilot des Gleiters Bet 5, „die sind zu schnell. Die Zielerfassung ist zu langsam.“

„Hier Staffelführer Bet-Team. Aufsplitten, Formation verlassen, verwickelt sie in Einzelkämpfe und feuert frei Schnauze wie es gerade passt.“

„Verstanden! Ausschwärmen!“, kam mehrfach die Bestätigung.

Die Staffeln Darlet und Samech hatten den Pulk der Angreifer halbwegs um-flogen, den Befehl an die Gleiter des Bet-Teams mitgehört und sich entschlossen es ihnen gleich zu tun.

„Seht zu, dass ihr zwischen die Reihen geht“, gab der Staffelführer des Teams Darlet den Befehl. „Versucht sie zu verwirren. Wer so schnell ist, ist auch ab einem bestimmten Punkt nicht präzise genug.“

„Ich hab eine Idee“, rief Darlet 12 in die Frequenz.

„Was hast du vor?“, fragte Darlet 67 dazwischen.

„Ich fliege einen an und drehe kurz vorher ab. Vielleicht versucht ein weiterer auf mich los zugehen und ich schaffe es, dass sie sich gegenseitig torpedieren.“

„Das ist doch Wahnsinn!“, schrie der Staffelführer.

„Versuch macht schlau oder dass war es.“

Er nahm Kurs auf eine der Drohnen, gab maximal Schub und simulierte einen Rammstoß, kurz vor dem Aufschlag riss er den Steuerhebel zur Seite, zündete den Umkehrschub und schleuderte in einer Kreiselbewegung am Gegner vorbei. Eine andere Drohne hatte das Anfangsmanöver registriert, ihren Kurs auf ihn gesetzt, versuchte ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Jedoch hatte sie nicht mit dieser vollkommen unorthodoxen Kampfhandlung gerechnet, konnte ihren Schub nicht rechtzeitig reduzieren und den Kurs neu ausrichten.

Deutlich sichtbar für alle, kollidierte sie mit der anderen Drohne, rammte sie seitlich und beide torkelten durch den Raum, versuchten die Kontrolle zurück zugewinnen.

Diesen Versuch hätten sie auch genauso gut sein lassen können, denn Darlet 67 und 43 machten kurzen Prozess und pulverisierten sie und damit auch das Vorhaben.

<„Yeah!“>, schrie Darlet 12 begeistert auf. <„Das ist es. Sie haben ihre Schwachstellen.“>

<„Ja!“>, antwortete Darlet 67, <„Aber wir können das nicht ständig so machen. Irgendwann passen die sich an. Wir müssen uns da noch mehr einfallen las-sen.“>

Plötzlich schrie der Pilot von Nun 405. <„VERDAMMT, SIE HAT MICH ERWISCHT!“>

<„Was ist LOS?“>, brüllte Samech 412.

<„DIE SCHEISS DINGER SIND KEINE REINEN FLUGDROHNEN. ES SIND ROBO-TER! EINER HÄNGT AN MEINEM GLEITER UND VERSUCHT MICH AUSEINAN-DER ZUNEHMEN.“>

<„Verstanden! Ich bin gleich bei dir...“>, rief Nun 404.

<„... MACH SCHNELL. DAS MISTSTÜCK ZERLEGT MIR DIE AUSSENHAUT...“>, schrie Nun 405.

<„... Bin fast da...“>

<„... SCHEISSE, MEINE TRIEBWERKE SIND AUSGEFALLEN. DER HAT DEN ANTRIEBSRECHNER ERWISCHT...“>

<„... Habe Ziel erfasst. Stillhalten!...“>

<„... SCHERZKEKS.“>

Zwei blaue Strahlen zuckten durch die dunklen Raum, leckten an der Außenhülle der Drohne, welche sich mit Klauen und Widerhaken in der Seitenwand des Gleiters verankert hatte und bliesen ihr das elektronische Leben aus. Nunmehr ausgehaucht, klebte sie weiterhin am Gleiter wie eine Klette.

<„Danke! Das war knapp“>, sagte Nun 405, nunmehr ruhiger.

<„Gern geschehen. Wie sieht es bei dir aus?“>, fragte Nun 404 besorgt nach.

<„Die Triebwerke sind nach Neustart nur bedingt einsatzfähig. Ich bin jetzt eine gute Zielscheibe und mit meinem Ballast noch langsamer.“>

<„Perfekt!“>, mischte sich der Nun-Staffelführer ein.

<„Ich finde gerade alles perfekt, aber bestimmt nicht das jetzt.“>

<„Nimm Kurs auf das nächste Schiff. Nun 405 wird dich begleiten und den Rücken frei halten.“>

<„Verstanden! Ich nehme Kurs auf … Die Horem-hab. Die ist am nächsten dran. Die Byblon ist wesentlich weiter entfernt. Ankunft in 120 Minuten.“>

<„Okay. Macht euch auf den Weg und liefert gleich diese Drohne ab. Eine bessere Gelegenheit den Feind zu untersuchen bekommen wir nicht wieder. … Nun 1 an alle Staffelführer und Teams! Wir machen weiter und versuchen sie etwas zu bremsen.“>

<„Hier Staffelführer Bet 1, verstanden. Wir treiben einen Keil mittig hinein und sehen zu, dass wir sie auseinander treiben und in die Flanken hinein. Viel Spaß beim Beute schlagen!“>

Die zweitausend Jäger des Bet-Teams formierten sich zu einem breiten V-Keil und beschleunigten auf 75.000 km/h, gingen zwischen die Reihen der Angreifer und versuchten sie zur Aufteilung zu zwingen.

Anfangs gelang dies auch recht gut und es wurden vierhundert Drohnen kampfunfähig geschossen oder so schwer getroffen, dass diese explodierten, aber dann kippte die Lage zunehmends und den Drohnen wurde es zu bunt. Sie gingen entschiedener zum Angriff über und torpedierten die Bet-Staffel aufs heftigste. Von der anfänglichen Kampfstärke blieben nach nur vierzig Mi-nuten lediglich 1.200 Jäger übrig und es fielen immer mehr der Schnelligkeit und Angriffshärte zum Opfer.

Während die Jäger der Byblon krampfhaft versuchten die Drohnen des Feindes als Tontauben zu betrachten, es aber eher umgekehrt der Fall war, am Salzsee in Utah fieberhaft an einer globalen Kreuzschaltung zwecks einer Ansprache an die Menschheit gearbeitet wurde und zwei Jäger der Nun-Staffel, mit einem festgekrallten Kampfroboter in der Außenhülle, auf dem Weg zur Horem-hab waren, hatten es Atria, Dana, Phil und Syrgon geschafft den Transmitter im Kopf des Angriffsdroiden, mit dem der Antarktisstation zu verbinden und konnten sich nunmehr wieder in die glückliche Lage versetzt sehen, mit der Außenwelt zu kommunizieren.

„Einschalten!“, befahl Major Altarion.

„Aye, Sir!“, bestätigte Phil.

<„Hier ist die Antarktisstation Delta-Fox-Eins. Major Altarion ruft Norad auf Frequenz EinsAcht.“>

<„Hier Norad! Major, wir hören sie.“>

<„Verstanden! Ich brauche Zoran Grain. Es ist dringend!“>

<„Verstanden, Major! Negativ! Der General ist in der Nähe von Salt Lake, zusammen mit Smithers und dem Präsidenten. Laut letztem Stand wird es in Kürze eine Ansprache an die Welt geben, zumindest ist diese in Vorbereitung. Die Captains der Cheritkreuzer sind ebenfalls mit zugeschaltet, ebenso der Administrator der Kampfinseln Byblon und Atikon.“>

<„Dann schalten sie mich mit auf die Frequenz und in die Kreuzverbindung. Wenn die schon was zu sagen haben, dann kommen wir mit einer dringenden Neuigkeit.“>

<„Da sind wir aber mal gespannt. Wir schalten sie dazwischen.“>

Sekunden später stand die Verbindung, und auf dem Wandschirm der Ra-em war links oberhalb der Bilder der anderen Captains und des Osiris´ das Konterfei des Majors zu sehen.

<„Hallo, Major Altarion“>, intonierte Isis erfreut.

Smithers hingegen rollte mit den Augen und zuckte mit den Schultern. „Hervorragend. Alle sind versammelt. Jetzt können wir ja starten.“

Captain Melina war das gerade nicht ganz so recht und sie schaute mehr als fragend quer über den Wandschirm. „Wer ist das denn?“

„Oh. Entschuldigung“, hub Altarion an. „Mein Name ist ja schon gefallen. Ich bin im Rang des Majors und gehöre zum Stab. Zur Zeit bin ich mit einer Gruppe in einer verlassenen Station in der Antarktis und wir haben Neuigkeiten.“

„Dann lassen sie mal hören“, grummelte Grandner.

„Wir hatten weiteren Feindkontakt.“

„Sie hatten was?“, entfuhr es Smithers.

„Erneuten Feindkontakt und extrem munteren noch dazu.“

„Um was handelte es sich?“

„Angriffsroboter. Die Reste eines von ihnen ermöglicht uns gerade die Kommunikation.“

„Das klingt nicht sonderlich erbaulich.“

„Ist es auch nicht.“

„Gut, dann starten wir jetzt mit den Ansprache. Smithers, ich hoffe, dass sie diesmal nicht versagt haben.“

„Nein, Sir! Die Verbindung steht in wenigen Sekunden“, entgegnete Smithers angeknabbert. „Machen wir ein paar fröhliche Gesichter.“

„Die Verbindung steht“, verkündete Selestral.

Die folgende Übertragung wurde ungefiltert in alle Erdteile übertragen, auf allen Fernsehempfängern, auf allen Radiofrequenzen und auch im Internet wurde die Ansprache, welche nunmehr die zweite war, gesendet.

„Mein Name ist Josef Grandner und ich bin der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Dies ist eine Sonderschaltung, da sich die Lage auf unserem Planeten und vor allem im Weltraum der uns umgibt verändert hat.

Veränderung, dies ist ein geflügeltes Wort geworden. Nicht mehr nur ein Begriff für Unbekanntes und etwas was uns allen Angst machen könnte. Veränderung bedeutet seit einigen Monaten und Jahren auch Akzeptanz, Toleranz, Begrüßung und das Annehmen vom Fremden. Mit anthropomorphen Wölfen im militärischen Dienst und Feliden im medizinischen Bereich hatte es begonnen und wird nunmehr fortgesetzt.“

Er nutzte eine kurze Pause um die Gesichter auf dem Wandschirm der Brücke zu betrachten und fuhr fort.

„Sie erinnern sich, dass meine Wenigkeit und die Präsidenten aller Länder unseres schönen Planeten bereits eine Ansprache hielten. Eine Ansprache in welcher wir um Zuversicht und vor allem um Einigkeit baten. Es ging zu diesem Zeitpunkt um die Frage, was die Besucher aus den Fernen des Universums wollen und ob sie Feind oder Freund sind. Die Fremden haben sich bereits vorgestellt und damit all diese Fragen selbst beantwortet.

Da ich gerade von Fremden rede, möchte ich die Gelegenheit nutzen und ihnen allen, unsere Freunde vorstellen. Es mag einigen gewöhnungsbedürftig vorkommen, aber keine Angst, sie sind in der Tat nicht hier um unsere bestehenden Verhältnisse zu untergraben oder unter Zwang zu verändern. Vielmehr ist es so, dass der Feind da draußen auch ihr Feind ist und sie hier sind um uns zu helfen.

Aber nun zur Vorstellung...“

Er drehte sich um und ließ die einzeln genannten kurz vortreten, ließ dann innerhalb der Sendung auch die Captains nicht aus.

„... Wie sie alle sehen, stehe ich hier inmitten von Freunden. Der wahre Feind ist nicht nur in uns und unseren völlig überholten Vorurteilen, er steht direkt vor der Tür. Viele von uns haben bereits bemerkt, dass wir eine Art zweiter Sonne bekommen haben. Dies ist das Werk der genannten Feinde. Es ist eine große Gruppe von abtrünnigen Antermerianern, welche sich für die einzigen und wahren Götter halten und die Entzündung des Wasserstoffs auf Jupiter sollte ein Zeichen setzen.

Was ich jetzt aber zu sagen habe, wiegt viel schwerer als alles andere. Wir stehen vor einer Katastrophe, einer vollkommenen Vernichtung, wenn wir nicht zusammenhalten und unsere Besonderheiten und Vorzüge erkennen. Daher gebe ich jetzt das Wort an die hier Anwesenden weiter...“

Zunächst ergriff Isis das Wort und erklärte haargenau die Zusammenhänge und wissenschaftlichen Hintergründe, ließ nicht ein prekäres Detail aus, begann bei den Anfängen der Abtrünnigen, ging über die Jahrmillionen hinweg und endete schließlich beim hier und jetzt.

Anschließend fügte Altarion, aus der Antarktisstation heraus, die aktuellsten Fakten hinzu, „... der Feind ist also nicht nur im Weltraum, im Orbit des Planeten Erde. Er befindet sich schon mitten unter uns, er ist in der Antarktis und aktiv“, und schloss mit diesen Worten seine Ausführungen.

Die Menschen, welche die Sonderübertragung zunächst sehr argwöhnisch beobachteten, wurden nach und nach unruhiger. Die Massen waren nicht in Panik, sie waren eher in einer Art Aufbruchstimmung gefangen, griffen teilweise nach der Hand des neben ihnen stehenden oder sitzenden Menschen, eines Menschen den sie noch nie zuvor gesehen hatten, der ihnen vollkommen fremd war, aber der mit ihm oder ihr eines gemein hatte... es war ein Mensch.

Die Anthros welche nacheinander vorgestellt wurden, machten ihnen keine Angst, eher sahen sie in ihnen jemanden der die Hand in Freundschaft reicht, der die lange ersehnte Veränderung herbeiführen könnte, eine Veränderung die der Mensch von sich aus bisher nicht in der Lage war zu vollziehen.

Als Isis und Osiris namentlich vorgestellt wurden, ging ein lautes Raunen durch die Mengen auf den Plätzen, in den Cafés, den Restaurants, überall wo Empfänger eingeschaltet waren. Vor allem in Ägypten verschlug es den Menschenansammlungen die Sprache und als die Antermerianerin göttinnengleich ihre schneeweißen Schwingen ausbreitete, war sie plötzlich wie das erscheinen des Messias.

In anderen Ländern empörten sich einige Wenige, schickten sich an, verbal auf die Barrikaden zu gehen. Aber anders als früher, hatten viele dazu gelernt und legten eben jenen sehr schnell einen Maulkorb an. Selbst die Medien zogen am gleichen Strang, hießen die Außerirdischen willkommen und bereiteten sich darauf vor, die Menschheit auf erbitterten Widerstand gegen die bestehende Bedrohung einzuschwören.

„Ich denke, dass wir unser Anliegen sehr gut überbringen konnten“, konstatierte Isis.

„Ja. Ich glaube, dass es ein voller Erfolg sein dürfte“, entgegnete Grandner.

<„So. Das ist alles schön und gut“>, hub Altarion an. <„Wir haben aber immer noch den Aggressor im Eis und ich fürchte, dass es nur eine Frage der Zeit ist, dass er uns hier findet. Immerhin konnten Phil und Dana nicht ausschließen, dass der Ortungstransmitter noch sendet und damit unseren Standort übermittelt hat.“>

<„Dann sollten wir Maßnahmen ergreifen“>, mischte sich Captain Maahes ein, <„Ich habe da auch schon eine Idee. Unsere Kreuzer treten nacheinander in die Atmosphäre ein und landen an strategisch wichtigen Orten. Dort laden wir die Cyborgs ab und starten wieder, sichern den erdnahen Raum ab.“>

<„Sehr gute Idee“>, lobte Osiris, <„aber die Horem-hab bleibt erstmal wo sie ist. Zwei unserer Jäger sind im Anflug. Einer davon ist beschädigt und hat eine der Angriffsdrohnen des Feindes an der Außenhaut kleben. Wie es scheint handelt es sich dabei nicht nur um flugfähige Kampfschiffe, sondern eher um eine Kombination aus Kampfgleiter und nahkampffähigen Robotern. Jedenfalls hat einer versucht mit Klauen und Widerhaken Nun 404, aus unserer Nun-Staffel, Stück für Stück zu demontieren.“>

<„Das bedeutet, wenn die wirklich durchbrechen, dass wir dann auf der Erde einen globalen Krieg haben, vielleicht einen Stellungskampf mit Millionen von Toten?“>, fragte Captain Theseus.

<„Ist mehr als wahrscheinlich“>, erwiderte Osiris. <„Aber die Cyborgs sind auf die Signaturen des Feindes programmiert und damit ist während ihres Einsatzes eine direkte Gefährdung menschlichen Lebens so gut wie auszuschließen. Kopfschmerzen bereitet mir lediglich, dass es zu Häuserkämpfen kommen könnte.“>

Was keiner der Anwesenden bemerkt hatte war, dass die Verbindung zu den globalen Fernseh- und Radiostationen, an Selestrals Station zwar als beendet angezeigt wurde, aber nach wenigen Sekunden wieder aktiviert war. Somit konnte die gesamte Menschheit den Disput unter den Anwesenden und Zugeschalteten ohne Unterbrechung miterleben.

Die Aufrührer, welche versucht hatten die Menschen zu verunsichern und wieder Gift zu sähen, waren nunmehr endgültig zum Schweigen gebracht.

„Gut“, verkündete Drekal. „Ich werde unsere Besatzung mit entsprechender Ausbildung auf der Erde lassen und nur das nötigste Personal mit in die Umlaufbahn nehmen.“

„Einverstanden!“, sagte Isis bestimmt. „Du startest und an deiner Stelle wird die Re-harachte hier landen und die Cyborg-Skorpione absetzen. Das sollte nicht länger als sechs Stunden, nach vollzogener Landung, in Anspruch nehmen. Danach verfahren wir so mit der Nephtys, der Osiris, der Amun-Re. Die Horem-hab nehmen wir erst aus ihrer Position, wenn die Jäger Nun 404 und Nun 405 an Bord sind.“

<„Genauso machen wir es“>, verkündete Maahes begeistert und klatschte einmal kurz in die Hände.

Drekal ließ sich als Captain viele Dinge nicht zweimal sagen und wiederholte sich auch nur ungern. So auch dieses Mal.

Die Wölfin setzte sich kurzentschlossen in ihren Sessel und tippte auf das schiffsweite Intercom: „Drekal an alle! Wir werden in Kürze starten und erteile hiermit den Befehl, dass alle die abdingbar sind das Schiff umgehend verlassen. Ich ordne hiermit an, dass sich beim Start nur dringend benötigtes Personal an Bord aufzuhalten hat. Wer sich dem widersetzt, darf es sich hinterher innerhalb einer Fluchtkapsel gemütlich machen.“

„Wow! Das war jetzt sehr deutlich“, sagte Grandner, mit einem Anflug von Sarkasmus in Richtung Smithers.

Der schaute nur missgünstig drein und winkte ab.

„Sie kann sehr überzeugend sein. Da können sie Syrgon fragen“, entfuhr es Apophis.

„Syrgon?“, fragte Grain. „Der ist mit Altarion und der Truppe in der Antarktis.“

„Moment mal“, begann Drekal knurrend, „mein Rüde ist mit ihren Leuten in der Antarktis? In diesem eisigen Höllenloch, in dem es Feindkontakte gab?“

„Ja. Ups, hatte ich das vergessen zu erwähnen?“, versuchte Grain mehr schlecht als recht sein Fell zu retten.

„Na großartig.“

<„Mach dir keine Sorgen“>, mischte sich Altarion ein. <„Sieh selbst.“> Er winkte zur Linken und Syrgon erschien im Bild.

<„Hallo, meine Geliebte“>, flüsterte der Wolf.

<„Grüß dich, du untreue Seele. Schön zu sehen, dass es dir gut geht.“>

<„Na ja, den ersten Kontakt haben wir ja gut überstanden und alles weitere wird mich auch nicht umbringen.“>

<„Das will ich schwer hoffen, sonst hole ich dich noch aus dem Grab heraus.“>

Grandners Grinsen wurde immer breiter. „Smithers, ich glaube wirklich, dass ich einen neuen Verteidigungsminister gefunden habe.“

Drekal schaute ihn finster an. „Gerne, aber dann würden sie mehr Feuer bekommen als dieser Wolf. Davon können sie ausgehen.“

<„Oh ja. Das kann ich nur bestätigen“>, mischte sich Melina ein.

<„Danke!“>, erwiderte Drekal schnippisch.

<„Aber gerne doch!“>

<„So war das nicht gemeint“>, zischte die Wölfin.

„Na toll. Sind sie immer noch der Meinung, dass sie der bessere Minister für meinen Posten wäre?“, fragte Smithers säuerlich.

„Mehr denn je. Wenigstens hält sie keine wichtigen Fakten zurück.“

„Schluss jetzt!“, schrie Selestral dazwischen. „Drekal ist der Captain dieses Schiffes und wird es bleiben, genauso wie sie Mr. Smithers als Verteidigungs-minister behalten werden. Diese bekloppten Streitereien waren am Hofe von Ramses II. genau die Gleichen und daher war er uns Hethitern nicht gewachsen.“

Jetzt schauten Smithers, Grandner und Grain die Schneeleopardin mehr als nur fragend an. „Das musst du uns jetzt näher erläutern“, setzte der Mensch-Geparden-Hybrid an.

Selestral rollte mit den Augen, ob des unpassenden Augenblickes, aber ergab sich in ihr Schicksal und erzählte ihre Geschichte.

„Na großartig. Welch Glück, dass wir keinen Ägyptologen an Bord haben“, flüsterte Smithers und zuckte zusammen als Skort hustete.

Da die Übertragung über die irdischen Medien immer noch unbemerkt aktiviert war, bekam die Menschheit, egal in welcher Ecke der Welt, einen ungewollten Exkurs in die ägyptische Geschichte und auch eine Einführung in den Wahrheitsgehalt von Mythen und Legenden um die Götterwelten alter Kulturen.

Die Reaktion war daraufhin betretenes Schweigen und ein tiefes in sich kehren, ein Versuch die geschaffene kleine heile Privatwelt wieder auf den richtigen Weg zu bringen.

„Das entbehrliche Personal hat begonnen das Schiff zu verlassen, mehrere Gleiter zum Abtransport aus der Salt Lake Region sind auf dem Weg hierher“, verkündete Cernos und brachte damit das Thema auf einen anderen Punkt.

„Wenigstens einer der mitdenkt“, seufzte Drekal.

<„Wo sollen eigentlich die anderen Schiffe landen? Wir sollten nicht alle Cyborgs am Salzsee konzentrieren“>, stellte Maahes fest.

<„Nein. Die Osiris macht sich an die Landung in der Antarktis. Da ist es am wahrscheinlichsten, dass der Feind landen könnte. Immerhin haben wir da eh schon Reste aus den Urzeiten derer am Hals“>, entgegnete Isis.

<„Gut. Wir machen uns sofort auf den Weg“>, bestätigte Theseus und gab die entsprechenden Befehle. <„Wir sind unterwegs und werden in der Nähe dieser Station landen. Dort werden wir die Truppe an Bord nehmen und auf weitere Befehle warten“>, sagte er noch und ging aus der Verbindung.

<„Immerhin. Es geht vorwärts“>, frohlockte Altarion und Syrgon nickte bestätigend.

Die Kreuzverbindungen wurden komplett aufgelöst.

In der Antarktisstation war man mehr als zufrieden mit dem Fortgang der Dinge, wusste man doch, dass über Kurz oder Lang Verstärkung landen würde und man jetzt nur noch zu warten brauchte.

„Hervorragend“, stellte Altarion Rogers fest. „Wir sichern das Gebäude ab und sehen zu, dass nichts eindringen kann, was nicht nach uns aussieht. Der Rest ergibt sich bei Eintreffen des Kreuzers Osiris.“

„Hoffentlich hält das Eis“, überlegte Markus.

„Darüber sollten wir uns keine Gedanken machen“, entgegnete Dana.

Nun 404 und Nun 405 waren unterdessen in Reichweite der Horem-hab aufgetaucht. Sie hatten ihren Flug ohne neuerliche Schäden überstanden, was der Tatsache geschuldet war, dass die restlichen Jäger der Staffeln sich, auf Teufel komm raus, erbitterte Gefechte mit dem Feind lieferten und damit von den beiden abgelenkt hatten.

„Nun 405 an Cheritkreuzer Horem-hab. Sind in Reichweite und erbitten Landeerlaubnis.“

„Hier Horem-hab, wir haben euch auf den Monitoren. Landeerlaubnis erteilt auf Hangar eins. Wie sieht es mit Nun 404 aus?“

„Hier Nun 404. Meine Bremstriebwerke sind beschädigt und ausgefallen. Spannt schon mal die Hängematten auf, ich komme verdammt heiß rein.“

„Verstanden, Nun 404! Du bekommst Landeerlaubnis auf Hangar vier. Wir bereiten alles vor.“

„Alles klar. Ich reduziere den Schub und versuche so langsam und sanft wie möglich rein zu kommen.“

„Mach das. Horem-hab, Ende!“

„Langsam und sanft?“, fragte Maahes 201, welcher der Pilot von Nun 405 war.

„Natürlich. Du weißt doch, mit sanft kommt man immer weiter“, erwiderte Maahes 230.

„Ah ja ... Ich erinnere dich daran, wenn wir an Bord sind und Zeit dafür ist.“

„Ach, so meinst du das. Das entscheidet sich von Fall zu Fall.“

„Stimmt. Zuweilen fällst du ganz gerne“, sagte Maahes 201 und musste lachen.

„Ach, komm schon. Diese Fälle kennen wir doch.“

„Vor allem, wenn wir beide gleichzeitig fallen.“

„Genau. Einer über den anderen. Aber lassen wir das jetzt, sonst mangelt es an der nötigen Konzentration“, schloss Maahes 230 ab.

Zehn Minuten später landete Nun 405 unbeschadet auf dem Deck von Hangar 1, während Maahes 230 mit Nun 404 beschädigt und ungebremst in den Hangar 4 preschte, von mehreren Kraftfeldern erfasst und extrem und unsanft in mehreren Stufen heruntergebremst wurde.

Während Maahes 201 seinen Gleiter ohne fremde Hilfe verlassen konnte und lediglich von einem Stier des Sicherheitsdienstes in Empfang genommen wurde, ging es bei Maahes 230 nicht so glimpflich ab. Er wurde durch die starken G-Kräfte in Mitleidenschaft gezogen und kam erst wenige Minuten nach der Landung wieder zu sich, lag zu diesem Zeitpunkt bereits auf einer Trage und war auf dem Weg zur Krankenstation.

Er schaute sich benommen um, blieb aber liegen. „Bin ich tot oder an Bord?“

„Willkommen an Bord, Pilot“, bekam er zur Antwort. Cebal hatte es sich, als erster Offizier des Schiffes, nicht nehmen lassen persönlich zu erscheinen.

„Ah. Ein Pferd als erster Offizier. Wie schön“, versuchte der Löwe zu witzeln.

„Was ist daran so komisch? Der Captain ist auch ein Pferd.“

„Oh, dann sollte ich wohl aufpassen?“, versuchte der Maahes-Klon die Konversation fortzusetzen.

„Inwiefern?“, kam die trockene Rückfrage.

„Sonst werde ich von zwei Pferden getreten.“

Der schmächtige Hengst schaute den Löwenkater ernst an und kniff etwas die Augen zusammen. „Schön zu sehen, dass du deinen Humor nicht verloren hast. Lediglich an der Qualität und am richtigen Zeitpunkt müssen wir noch dringend arbeiten.“

Der Löwe musste lachen, verkrampfte aber allein schon beim Versuch und hielt sich die linke Flanke.

„Siehst du. Das war der falsche Zeitpunkt“, merkte Cebal an. „Dein Flügelmann hat bereits ein Gästequartier bezogen. Möchtest du dann später zu ihm oder ein eigenes Quartier?“

„Oh. Gerne würde ich ins gleiche einziehen.“

„Habe ich mir gedacht.“

„Was?“

„Löwen halt, immer platzsparend in der Anordnung“, versuchte sich Cebal an einem Wortwitz.

„Gerne auch stapelbar“, entgegnete der Kater.

Der Hengst zog eine Augenbraue hoch, nickte. „Wenn´s schön macht.“

Sie erreichten die Krankenstation und Cebal drehte sich um, ging zurück zur Brücke.

Die Zahl der kampffähigen Jäger war mittlerweile auf zweihundert geschrumpft. Im Gegensatz dazu hatte sich der Pulk der angreifenden Drohnen, von anfänglich 250.000 Stück, nur um 2.000 reduziert.

„SAMECH 60, ABDREHEN, ABDREHEN!“, schrie Chet 24 ins Mikro.

„ICH KANN NICHT, ICH WERDE DAS MISTSTÜCK NICHT MEHR LOS!“

Es war zu spät. Wieder durchschlug eine Drohne die Kanzel und töte den Piloten zielgerichtet.

„DARLET 83! DU HAST ZWEI VON DENEN AUF NEUN UHR!“, schrie der Pilot von Bet 14. „DREH AB, ICH BIN GLEICH DA!“

Als der angesprochene Pilot die Bremstriebwerke zündet, um den Jäger her-umzureißen, durchschlug eine dritte Drohne, welche unbemerkt synchron unter ihm flog, den Schiffsrumpf und brachte ihn zur Explosion.

Die einzelnen Staffeln, welche anfangs aufgestellt wurden, existierten nicht mehr. Es ging nicht mehr ums eigene Leben, es ging nur noch darum den Feind so gut es ging zu schwächen und auf seinem Flug zur Erde auszubremsen. Das primäre Ziel, eine der Drohnen näher untersuchen zu können, war durch einen Wink des Schicksals gelungen und klebte an Nun 404, welcher hoffentlich an Bord eines Schiffes angekommen war.

„ICH BIN GETROFFEN“, schrie ein anderer Pilot bevor sein Jäger explodierte.

Maahes 20 sah seitlich aus seiner Kanzel und nur noch Trümmer umherfliegen, brennende Jäger der Flotte, welche steuerungslos trieben, vereinzelte Leichen seiner Kameraden und immer wieder die extrem wendigen Drohnen des Feindes.

Er versank für einige Augenblicke in Apathie, fing sich aber wieder und klopfte kurz auf das Helmmikrofon. „Darlet 4 an den Rest der Flotte. Zu mir auf-schließen und folgen. Ich ändere die Gesamttaktik.“

„Hier Chet 500. Was hast du vor?“

„Wenn wir gegen die Drohnen nicht ankommen, dann sollten wir da nicht weiter intervenieren. Wir drehen ab und wenden uns im Angriff dem Systemvernichter zu. Direkter Kurs aufs Ziel. Das sollte diese Drohnen von der Erde ab-lenken. Mit Glück, folgen sie uns zum größten Teil. Wir haben mehr Chancen, wenn wir die dicke Mama ins Kreuzfeuer nehmen. Sterben werden wir so oder so“, verkündete Maahes 20.

„Verstanden! Wir folgen.“

Die Jäger brachen die begonnen Angriffe ab und schlossen zu Darlet 4 auf, vereinten sich zu einer V-Formation und beschleunigten auf halbe Lichtgeschwindigkeit.

„Zielankunft in zehn Minuten. Ich kann das Ziel bereits jetzt schon sehen“, sagte Maahes 20. „Feuert, wenn ihr in Reichweite seit. Teilt so viel wie es geht aus.“

„Alles klar... Dein Plan scheint zu funktionieren. Ein Teil der Drohnen ist hinter uns her“, erwiderte Samech 107.

„Perfekt! Wie viele sind es?“, fragte der Löwe.

„Nur der kleinere Teil. Geschätzte 50.000.“

„Immerhin etwas. Aufteilen! Fliegt so nahe an den Vernichter heran wie ihr könnt. Da darf zwischen euch und dem Schiffsrumpf des Gegners nicht mal ein Blatt Papier passen. So klappt es vielleicht und diese Drohnen sind gezwungen ihr eigenes Mutterschiff zu torpedieren, um an uns heran zu kommen.“

„Verstanden, Darlet 4. Wir schwärmen aus und gehen auf Kuschelkurs!“

Auf der Ra-em hatte das nicht mehr benötigte Personal seine persönlichen Sachen gepackt und das Schiff verlassen, versammelte sich weiträumig verstreut in der Salt Lake Region, bestieg nach und nach die erschienen und weiterhin erscheinenden Gleiter und bodengebundenen Fahrzeuge.

„Shana“, rief Andreas. „Willst du mit uns fahren? Die anderen furries würden sich freuen. Immerhin lebst du und wir hielten dich alle für tot. Eine große Überraschung wird das allemal.“

Die Angesprochene war gerade von einem Rundgang und einem Kennenlernen mit Cayla zurückgekehrt und wusste von nichts. „Wie meinen? Was ist eigentlich los?“, fragte sie daher.

„Wir haben die Ra-em verlassen“, hub Rasal an. „Der Captain schickt alle von Bord, die nicht unbedingt für die Kampfbereitschaft des Schiffes gebraucht werden. Oder vielmehr, es sind bereits so gut wie alle von Bord.“

„Was? Was hat sie vor?“

„Das weiß nur sie.“

„Tja, dann sollten wir jetzt auch aufbrechen. Die Frage ist nur wohin?“, fragte Cyron.

Stella schaute ihren Ehekater kurz an und dann zu Jody. „Wie wäre es, wenn wir zu Shanas Haus fliegen?“

Apophis nickte zustimmend. „Eine hervorragende Idee. Lasst es uns so machen.“

Chiron zeigte auf einen der Gleiter, welcher genug Platz bot und saß inner-halb kürzester Zeit neben dem Piloten, gab ihm das Ziel vor. „Kommt schon, lasst euch nicht betteln“, rief er.

Exakt die gleiche Frage, die Shana an Rasal gestellt hatte, stellte sich Syrgon auch, allerdings war er nicht vor Ort, sondern in der Eiswüste der südpolaren Region der Erde. Zur Antwort erhielt er von Major Altarion Rogers: „Das weiß ich nicht, nur sie scheint da einen Plan zu haben.“

Der Wolfsrüde und Partner von Captain Drekal war sichtlich nervös und lief unruhig durch die Station, fand keine Ruhe.

„Hey, Syrgon“, begann Dana. „Warum bist du so nervös? Sie wird schon nichts unüberlegtes machen.“

„Das macht mich ja gerade nervös. Ich kenne sie viel zu gut.“

„Sie ist der Captain des Kreuzers und sorgt für ihre Mannschaft.“

„Toll und wer sorgt für mich?“

„Du machst dir aber mächtig Sorgen um einen Führungsoffizier.“

„Ja und ich habe auch das Recht dazu, denn sie ist meine Partnerin.“

„Oh!“, entfuhr es der Wölfin und sie schaute betroffen. „Dann kann ich deinen momentanen Zustand verstehen. Ändern kann ich es trotzdem nicht.“

„Wird schon schief gehen. Also, Kopf hoch!“, mischte sich Atria in das Gespräch ein und wandte sich Phil und Altarion zu.

Unterdessen war Captain Theseus mit der Osiris in die irdische Atmosphäre eingetreten und brachte bei seinem plötzlichen Manöver den Flugverkehr heftig durcheinander. Während es bei der Landung der Ra-em in der Nähe von Salt Lake eher nach einem Plan aussah und sich alle darauf halbwegs vorbereitet hatten, kam es bei ihm zu einigen beinahe Katastrophen.

Der Widder liebte starke Auftritte und so kam es unter anderem dazu, dass einige Hundert von Flugpassagieren, welche nichtsahnend und friedlich im Rumpf eines Langstreckengleiters, auf dem Weg von Ottawa nach Berlin waren, gerade die Beine ausgestreckt hatten um sich noch etwas Schlaf zu gönnen, hautnah erlebten was es bedeutet mitten im Luftraum und bei einer Höhe von 15.000 Metern eine böse Überraschung zu erleben.

Eine Überraschung in Form eines Cheritkreuzers mit einem Gesamtvolumen von über einer dreiviertel Milliarde Kubikmetern, welcher bei den Piloten zwar angezeigt, aber mit einem Kopfschütteln und einem vermeintlichen Systemfehler abgetan wurde.

Leider war es kein Fehler in der Technik, denn den eigentlichen machten nur die beiden und konnten, begleitet von einem Aufschrei, die Maschine gerade noch abdrehen. Anschließend sahen die Passagiere die eindrucksvolle Außenhülle der Osiris, welche rau, dunkelgrau, mit vielen Ecken, Winkeln, Vorsprüngen und vor allem Lasertürmen und anderen Waffensystemen gespickt, an sich vor-bei ziehen.

Nach ihrer Landung in Berlin, war deren einhellige Meinung, dass man mit dem Schrecken davon gekommen war und so etwas nicht alle Tage sieht. Das war natürlich auch ein ganz klarer Fall für die kleinen Boulevardzeitungen, welche sich mit entsprechenden Meldungen und Meinungsäußerungen nicht zurückhielten.

Stunden später war das Gebiet um die Ra-em frei von Menschen und Anthros, alle hatten sich in Gruppen gesammelt und waren mit den Gleitern und anderen Fahrzeugen verschwunden.

An Bord des Schiffes befanden sich nur noch Captain Drekal, welche in ihrem Kommandosessel Platz genommen hatte, Sitral an der Kommunikation, Selestral an den Waffensystemen, Cernos an der Navigation und zwei Techniker, welche rückseitig der Brücke saßen und die Maschinensteuerung übernahmen.

„Sitral. Öffne die Frequenzen und gib Bescheid, dass wir starten und einen freien Luftraum brauchen.“

„Aye, Captain!“, entgegnete die Schneeleopardin und gab wenige Augenblicke später bekannt, dass die Erlaubnis zum Start gewährt wurde, allerdings mit einer Zusatzanmerkung, die sie auf jeden Fall weiterleiten sollte.

„Und was haben die Bodenstationen so wichtiges, was wir unbedingt noch wissen und beachten sollten?“, stöhnte die Wölfin.

„Wir sollen möglichst schnell und so geradlinig wie möglich die Atmosphäre verlassen. Es gab da vor einigen Stunden einen Zwischenfall mit einem unserer Kreuzer. Wie es scheint hat der gute Captain Theseus einen verdammt starken Eindruck hinterlassen und eine Kollision mit einem Langstreckengleiter provoziert.“

„Er hat was?“

„Na ja, wie es scheint, nahm er sich die Freiheit, ohne weiter nachzufragen, einen kleinen Ausflug durch die Atmosphäre zu machen und das für einen viel zu langen Zeitraum in einer Höhe, den auch irdische Passagiergleiter nutzen. Aber die zweihundertneun Insassen kamen mit dem Schrecken davon.“

„Alles klar. Starten wir und machen den Platz frei. Gibt es denn schon Lande-plätze für die anderen Kreuzer?“

„Theseus landet mit der Osiris gerade in der Antarktis und hat sich wohl die Nähe der Station in der unter anderem auch Syrgon sitzt, auserkoren. Captain Seth ist mit der Re-harachte so gut wie unterwegs um auf dem nordafrikanischen Kontinent zu landen, irgendwo an der Grenze zu Ägypten“, erklärte Sitral.

„Na, da werden die sich aber freuen. Captain Maahes wäre da wohl besser aufgehoben“, warf Drekal ein.

„Mag sein, aber der landet, sobald die Re-harachte wieder im Orbit ist, auf Alaska, an der Grenze zu Kanada.“

„Sehr schön. Dann haben wir schon mal drei Gebiete abgedeckt. Wo werden die anderen beiden landen?“

„Die beiden Piloten der Nun-Staffel sind, laut der letzten Meldungen, auf der Horem-hab eingetroffen. Der Pilot von Nun 404 liegt leicht verletzt auf der Krankenstation, hat aber, laut Aussagen des ersten Offiziers Cebal, einen extrem merkwürdigen und zweideutigen Humor.“

„Herrje“, entfuhr es Drekal.

„Captain Melina hat sich wohl entschieden auf dem australischen Kontinent zu landen und Captain Ramos zieht es nach Kleinasien, er ist der Meinung, dass es eine gute Idee wäre, eine Fläche zu nutzen, welche sich am Rande eines historischen Gebietes befindet.“

„Ah. Und wo wäre das?“

„Auf dem Gebiet der Türkei. Genauer gesagt auf ausreichend großer Fläche am Rande eines noch immer existierenden Nationalparks, auf dem das ehemalige Troja stand“, sagte Sitral und runzelte die Stirn.

„Nun ja, dann sind ja so ziemlich alle Ecken und Ende abgedeckt und von den Cyborgs schnell erreichbar.“

An Bord der Horem-hab war unterdessen die Angriffsdrohne der abtrünnigen Antermerianer vom Rumpf des Jägers Nun 404 separiert worden und lag in der technischen Abteilung, Untergruppe Waffensysteme.

Versammelt hatten sich die leitende Technikerin, eine Hyäne namens Soraja, der erste Offizier Cebal und zwei Füchse namens Ron und Tom, welche Waffenspezialisten waren.

„Sieht ja toll aus“, hub Ron an.

„Vermessen wir das Ding erstmal“, leitete Soraja die Untersuchung ein und aktivierte ein Lasermessinstrument oberhalb des Tisches, um das sich die vier ge-schart hatten. „Okay, es ist genau sechs Meter und vier Zentimeter lang, einen Meter und dreißig Zentimeter breit und einen Meter und zwei Zentimeter hoch. Was sagt uns das?“

Cebal schaute die beiden Füchse an und die zu Soraja.

„Keine Ahnung, aber für seine Größe ist es extrem wendig“, sagte Tom und fuchtelte mit einem Strahlungsmesser herum, konzentrierte sich auf die Skala. „Keine aktive Strahlung“, verkündete er schließlich.

„Ausgezeichnet. Dann werde ich es mal sezieren.“ Die Hyäne bewaffnete sich mit allen möglichen Werkzeugen und machte sich ans Werk. „Zunächst werde ich dem vermeintlichen Kopfende zu Leibe rücken.“

Cebal zog vorsichtshalber seine Waffe und richtete sie auf die Drohne. „Nur zur Sicherheit, falls das Ding sich nur tot stellt“, erklärte er.

Soraja nickte und beugte sich über das obere Ende, welches zu ihrer Linken lag. Mit einem groben Spreizer setzte sie an und betätigte die Ratsche. Knarrend gaben die Seitenteile der Drohne nach und schnellten plötzlich zur Seite.

Die Hyäne schrie erschrocken auf, beruhigte sich aber schnell wieder. „Nichts passiert. Aber das Ding scheint voller Überraschungen zu stecken.“

„Wenn nicht mehr passiert...“, hub Ron an, kam aber nicht weiter.

Von einer Sekunde zur anderen, baute sich die vermeintlich inaktive Drohne auf, fuhr Beine und Arme aus, richtete sich zur vollen Größe auf.

„Raus hier!“, schrie Cebal und feuerte mit seinem Handlaser auf das sechs Meter Ungetüm.

Binnen Sekunden waren die Füchse Ron und Tim aus dem Techniklabor geflüchtet, Soraja jedoch wie angewurzelt. Cebal begriff, dass die Hyäne unter Schock stand, packte sie am rechten Arm, zog daran und schaffte es sie aus dem Raum zu zerren.

Gerade noch rechtzeitig schlug er beim verlassen des Labors auf den Alarmauslöser, was zur Folge hatte, dass sich der Raum mit einem absolut tödlichen Nervengas füllte und mehrere Saphirlaser ihre Arbeit aufnahmen, die Drohne ins Visier nahmen und feuerten.

Der Angriffsroboter lenkte seinen Fokus auf die Lasergeschütze in der Decke und den Ecken des Labors, feuerte und zerstörte eins nach dem anderen. Als deutlich wurde, dass das Laserfeuer kein nennenswertes Ergebnis zu erzielen schien, schlug Soraja kurz entschlossen auf einen Taster.

Im Boden des Raumes öffnete sich ein Schott und der komplette Inhalt des Labors wurde ins All geblasen. Die Gefahr war gebannt.

Die Hyäne atmete erleichtert durch. „Ich dachte, dass es das war.“

„Das war wirklich knapp“, schnaubte Cebal.

„Gut. Die Schleuse hat sich wieder geschlossen. Der Druck ist ausgeglichen. Wir können wieder rein“, stellte Soraja fest, nachdem sie auf den Kontrollmonitor schaute.

„Haben wir denn ein paar Daten?“, fragte Ron, als sie wieder eintraten.

„Nö!“, entglitt es der Hyäne. „Das Wichtigste wissen wir auch so. Es ist heimtückisch, stellt sich gerne tot, erwacht ziemlich schnell, auf die übelste Art und Weise und es ist nicht nur eine Flugdrohne, sondern es ist ein voll funktionsfähiger Roboter, der sehr gut im Nahkampf ist. Wir sollten diese Daten unbedingt zur Erde senden.“

Cebal nickte zustimmend, ging zur hinteren Wand und betätigte den Com-Taster. „Erster Offizier an Captain Melina.“

„Hier Brücke, Melina. Was gibt es?“

„Ne Menge. Erstmal; wir leben noch.“

„Schön. Aber warum sollte das anders sein? Abgesehen davon, was war da los?“

„Lass es mich kurz machen. Diese Drohnen sind ein extrem fieses System. Unser Fang des Tages hatte sich nur tot gestellt, erwachte sehr übellaunig. Aber etwas gutes hatte es, denn wir wissen, dass es sich um ein Robotersystem handelt, welches luft- und bodentauglich ist.“

„Gut. Wir werden es gleich an die irdischen Stationen weiter geben und auch an die anderen Kreuzer und Kampfinseln.“

„Mach das.“

Die Osiris hatte es derweil geschafft den Bereich der Antarktis zu erreichen und das ohne weitere Schäden anzurichten oder deren eintreten zu provozieren.

„Lande direkt neben der Station“, wies Theseus seinen Steuermann an.

„Aye!“

In der Station wurde es nach und nach deutlich lauter. Erst war es nur ein diffuses Geräusch, welches sich durch den langsam schwächer werdenden Schneeorkan schwer wahrnehmen ließ. Aber es wurde von Minute zu Minute lauter, deutlicher einzuordnen und einige Gegenstände begannen leise zu vibrieren, verließen Millimeter um Millimeter ihre angestammte Position.

„Was ist das?“, fragte Phil.

„Ich glaube, da kommt unsere Rettung und Verteidigung zugleich“, entgegnete Dana.

Altarion schaute andeutungsweise nach oben. „Da hat sich Captain Theseus aber mal sehr schnell auf den Weg gemacht.“

„Ich gehe mal nachschauen“, sagte Syrgon, als ob er die Wohnungstür öffnen wollte, um nachzusehen, wer da gerade geklingelt hat.

„Untersteh dich. Du gehst nicht allein da hin“, rief Dana ihm hinterher, griff sich eine Waffe und holte ihn bis zum Tor ein.

Draußen hörte man jetzt das durchdringende Pfeifen und Kreischen der Landetriebwerke der Osiris. Der bisher tobende Schneeorkan war, gegen den jetzt herrschenden Wind und die durch die Luft gewirbelten Schneemassen, eine leichte Brise. Dann hörte man ein sehr unangenehmes Geräusch. Den Klang von brechendem Eis, welcher wie ein Schmerzensschrei der weißen, durchgefrorenen Masse klang. Erst leise, dann in ein Staccato übergehend, als die vierundsechzig ausgefahrenen Landestützen auf dem Boden halt suchten, ihn fanden und das Millionen Tonnen schwere Schiff zum ruhen brachten. Die zwanzig Meter dicken Stempel, welche den Kreuzer in einer Höhe von dreißig Metern über dem Boden hielten, sanken zwölf Meter in die Kruste ein, ließen das unter dem Druck geschmolzene Eis, in geysirartigen Wasserfontänen meterhoch in die eisige Luft schießen, wo es sofort gefror und sich in anmutigen Eissäulen empor streckte, die Landestempel bizarr einhüllte.

Syrgon öffnete unter Danas Feuerschutz das Hangartor und trat ins Freie.

Der Anblick verschlug ihm den Atem. Im All wirkten die Kreuzer eh schon enorm, aber hier, auf der Erde, kam er in der Tat aus einer anderen Welt.

Der grauschwarze Koloss glänzte im schwachen Licht der Sonne, die Unebenheiten auf dem Rumpf wirkten wie von einem Bildhauer geschnitzt und die Eissäulen erweckten den Eindruck, dass der viertausend Meter lange Riese auf diesen ruhte. Durch die Bremstriebwerke hatten sich zwei Kilometer tiefe, jetzt mit Wasser gefüllte, kreisrunde Löcher gebildet, welche an der Oberfläche wieder zu gefrieren begannen.

Alles wirkte nicht nur fremdartig, sondern unaussprechlich surreal.

„Seht euch das an. Kommt schnell her“, schrie Syrgon in die Station hinein.

Das war das Stichwort und innerhalb von wenigen Minuten standen alle vor der Station, umringten den Wolfsrüden und ergaben sich, wie auch er, dem Anblick.

Minute um Minute verstrich, dann tat sich endlich etwas und eine Rampe fuhr herunter, eine geräumige Luke öffnete sich und es erschien etwas fremdartiges.

Dieses Etwas hatte acht Beine, einen gestreckten schwarzglänzenden Rumpf, einen nach oben gebogenen Schwanz, an dessen Ende eine gewaltig anmutende Waffenphalanx ruhte. Der Kopf war relativ klein und gedrungen, mehrere Antennen und Sensoren ragten hervor, umrahmt wurde er zur Linken und Rechten von zwei gigantischen greiferartigen Scheren, die diese Kreatur hoch in die Luft hob.

„Was ist das?“, flüsterte Dana.

Die Frage war durchaus berechtigt, bedurfte allerdings keiner Antwort aus den eigenen Reihen, denn diese kam direkt und ganz von allein, als der Waffenträger-Cyborg-Skorpion die Rampe herunter schritt, sich langsam näherte und vor den Anthros und Menschen der Gruppe halt machte.

Gemächlich knickten seine Beine an den Kniegelenken ein und sein Rumpf senkte sich zu Boden.

„Ich grüße euch. Ich bin 1 von 2.500“, schnarrte eine deutlich computergenerierte Stimme.

„Ähm...“, versuchte Altarion seine Stimme zu finden, „... ich bin Major Altarion Rogers vom Generalstab in Norad. Wir sind auf einer Erkundungsmission.“

„Ich weiß wer ihr seid. Ich bin 1 von 2.500“, wiederholte sich der Cyborg und an seiner linken Flanke öffnete sich ein Schott, aus welchem sich einige Gestalten herauskristallisierten, sich schnell näherten und vor dem Major und den Anderen aufbauten.

„Hallo. Ich bin Aquirius, leitender Sicherheitsoffizier der Osiris“, sagte eine der vermummten Gestalten und streckte die Hand aus.

Rogers schaute leicht irritiert auf diese und griff danach, schüttelte sie langsam und sehr nachdenklich. Innerhalb dieser Geste näherten sich zwei der Personen Syrgon, hob eine der beiden die rechte Hand zum Mund und murmelte etwas in ein umgeschnalltes Funkarmband. Wenig später traten noch einige mehr auf den Plan und umringten die schon bekannte Gruppe.

„Lasst uns doch reingehen“, forderte Altarion auf und bot mit einer entsprechenden Geste an, dass sie das Gebäude betreten sollten.

Die verhüllte Gestalt, welche sich als Aquirius vorgestellt hatte, nahm seine linke Hand zum Mund und gab einige schwer zu verstehende Befehle durch.

Nur kurze Zeit später erhellte sich der Rumpf des Schiffes, wurden Batterien von Außenscheinwerfern eingeschaltet und somit die hereinbrechende Dunkelheit in einen diffusen Tag verwandelt. Aber damit nicht genug, denn wenige Minuten später sah man wie sich um das Schiff ein Kraftfeld aufbaute, welches sich merklich ausbreitete, nicht nur das Schiff umhüllte, sondern am Ende die ganze Station, inklusive der Umgebung.

Der Schneeorkan ward ausgeschlossen und die Temperatur innerhalb des Feldes stieg von anfänglichen minus 52,1 Grad Celsius auf wesentlich angenehmere minus 5 Grad.

„Oh“, entfuhr es Phil. „Das ist ja der reinste Frühling.“ Er nahm seine Mütze ab, entfernte die Gesichtsmaske. „Ich bin Phil“, sagte er noch und lächelte.

Jetzt war es Aquirius, der sich auswickelte und den Kopf eines Zebras enthüllte. „Ich weiß“, hub er an und winkte ab. „Ich sollte eher in Afrika landen, als hier.“

Der Major konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen und rollte leicht mit den Augen. „Willkommen auf der Erde“, sagte er, statt einer unpassenden Antwort.

Die zwei Personen, welche sich im Vorfeld schon um Syrgon gestellt hatten, nickten leicht in Richtung des Wolfsrüden und taten es den anderen gleich.

Plötzlich hörte man Syrgon erregt aufheulen und sah nur noch drei Anthros die sich umarmten und fest miteinander kuschelten.

Der erste Offizier der Osiris fing an zu lachen und schaute Altarion an. „Alles in Ordnung“, beschwichtigte er. „Die drei kennen sich.“

Als es an Bord der Osiris darum ging, wer in der ersten Gruppe zur Station vorgehen sollte, hatten sich Hadron und Ariana freiwillig gemeldet, da sie wussten das Syrgon auch dort sein soll. Und so kam es, dass sie prompt vor ihm stan-den, zunächst unerkannt, aber dann endlich in Wiedersehensfreude versunken.

„Wahnsinn! Wie geht es euch? Was habt ihr in der Zwischenzeit gemacht?“, löcherte Syrgon die beiden.

„Langsam, langsam. Da sind noch zwei die dir hallo sagen möchten“, bremste ihn Hadron, drehte sich kurz um und winkte zwei weiteren Anthros zu.

Als der Wolf diese auch erkannte, geschah das Gleiche nochmals. Er schrie be-geistert auf und umarmte nacheinander Regar und Sirius.

„Unfassbar! Das ist ja … mir fehlen die Worte. Mit euch habe ich gar nicht ge-rechnet“, entfuhr es dem Wolf. Das Ganze war wohl doch etwas zu viel für Syrgon und ihm begannen die Tränen über die Lefzen zu laufen.

„Hey, ganz ruhig. Alles ist gut“, sagte Ariana und kraulte ihm kurz die Ohren.

„Gut?“, hub Syrgon an. „Gut ist was anderes. Ich freue mich unendlich euch wiederzusehen, aber Drekal macht mir große Sorgen. Sie hat irgendwas vor, hat alle Besatzungsmitglieder der Ra-em von Bord geschickt, auf der Erde gelassen. Sie ist nur mit einer Notbesatzung gestartet.“

„Ich weiß, aber sie wird ihre Gründe haben. Mach dir nicht zu viele Gedanken“, tröstete ihn Sirius.

„So“, rief Altarion, „jetzt lasst uns aber reingehen. In der Station ist es wesentlich gemütlicher.“

„Gute Idee“, entgegnete Aquirius. „Ich lasse derweil die Waffenträger auf Positionen gehen und die Umgebung absichern. Nicht, dass sich doch einer dieser Zombies da draußen durch das Kraftfeld schmuggelt und uns Ärger macht.“

„Perfekt! Mach das“, entglitt es Altarion.

Die Ra-em war wieder im Orbit erschienen und schloss die, durch die Landung der Osiris, entstandene Lücke.

Bei ihrem Erscheinen, stand Captain Seth auf der Brücke der Re-harachte direkt neben seinem Steuermann, klopfte ihm kurz auf die linke Schulter und gab damit das Zeichen in Nordafrika, am Rande der ägyptischen Grenze zu landen.

„Bring uns runter“, sagte er und drehte sich im gleichen Atemzug zu seinem Kommunikationsoffizier um. „Gib allen Stellen auf der Erde Bescheid, dass wir jetzt runter gehen und einen entsprechenden freien Korridor brauchen.“

„Aye, Sir!“

Captain Melina sah auf dem frontseitig der Brücke liegenden Wandschirm, dass Seths Schiff sich anschickte den Orbit zu verlassen, um seinen kurzzeitigen Bestimmungsort zu erreichen.

Etwas unwirsch kaute die Stute auf der Unterlippe. „Navigator“, hub sie an. „Wie weit ist der anfliegende Feind noch entfernt?“

Eine junge Füchsin, frisch ausgebildet und damit noch sehr motiviert, sah auf ihre Monitore, gab ein paar Daten ein und drehte sich schließlich zum Captain. „Ankunft in zwei Stunden, drei Minuten und zwölf Sekunden.“

„Danke, Alya. - Steuermann... wir folgen der Re-harachte und verlassen den Or-bit. Bring uns runter, direkter Anflug, irdische Koordinaten sind 25°21'0“ Süd zu 131°2'0“ Ost, Zielmarke ist der Ayers Rock.“

Dass sich die Horem-hab nicht an den vorgegebenen Plan hielt, wurde mit Missmut von Drekal und Maahes registriert und beide Captains riefen zeitgleich das aus der Reihe tanzende Schiff.

„Captain, ich habe hier eine aufgebrachte Wölfin und einen ebensolchen Löwen in der Leitung“, rief Alanos.

Die Stute schaute den Hirsch schief grinsend an. „Welch ein Wunder. Dann gib sie mal auf den Schirm.“

„Verbindung steht.“

<„Captain Melina, könnten sie mir freundlicherweise erklären, was sie da vor haben?“>, preschte Drekal vor.

<„Genau!“>, mischte sich Maahes ein und schaute finster drein.

<„Ach, sind wir jetzt wieder beim SIE angekommen? Na schön, wenn sie wollen. Ich habe vor die noch verbleibende Zeit zu nutzen und nicht sinnlos herum zu hängen.“>

<„Die feindliche Streitmacht ist im Anflug und wird in spätestens zwei Stunden die Erde erreicht haben“>, polterte Maahes.

<„Das weiß ich auch. Und genau daher lande ich jetzt und setze die Cyborgs ab. In zwei Stunden haben wir nicht mehr die Zeit dafür und müssen mit den Kreuzern eine Front bilden. Es werden eh schon genug Angriffsdrohnen durch brechen“>, entgegnete Melina streng.

Drekal überlegte, während Maahes sich an der Nase kratzte.

<„Na schön“>, hub die Wölfin an. <„Mach das so. Ich werde die anderen Captains informieren, dass die ebenso handeln sollen.“>

<„Geht doch und sogar ohne Zickenkrieg. Horem-hab, Ende!“>

Die Reste der Staffeln Bet, Darlet, Chet, Nun und Samech beliefen sich nur noch auf vierhundert Jäger, statt der anfänglichen zehntausend.

Der Plan von Maahes 20 ging relativ gut auf. Die fünfzigtausend Drohnen des Feindes waren in der Nähe oder direkt am Vernichter selbst einstweilen gebunden, hatten Probleme damit die Jäger der Kampfinsel Byblon ins Visier zu nehmen.

Das lag einerseits daran, dass sie sich aufgrund ihrer großen Anzahl gegenseitig behinderten, auf der anderen Seite war es ein Fehler von Wargol gewesen, den Systemvernichter auf positive Schildaufladung zu setzen, da die Drohnen die gleiche Polarität verwendeten und damit nicht dichter heran kamen.

So schafften es die verbliebenen Jäger innerhalb von weiteren fünfunddreißig Minuten die Anzahl der Drohnen von genannter Stückzahl um mehr als die Hälfte zu reduzieren. Die Schäden, die am unter Beschuss geratenen Vernichter angerichtet wurden, waren mehr als zu vernachlässigen, denn da müssten schon richtige Geschütze aufgefahren werden. So waren es nur leichte oberflächliche Kratzer, aber keine wirklichen Wirkungstreffer.

Sicherlich sorgten diese wohl aber dafür, dass der Marduk-Klon Commander Cratoul den Fenrir-Klon und Waffenoffizier Wargol ins Gebet nahm, um ihm die passende Frage zu stellen, ob er noch mitdenkt und wenn ja, ob er noch ganz richtig im Kopfe sei.

Auf jeden Fall ergab es sich so, dass der Fehler die Schilde positiv zu laden, rückgängig gemacht wurde und der Systemvernichter, nach Abschaltung derer und Umkehr der Polarität, es den Drohnen ermöglichte dichter an die Außen-hülle heran zufliegen und es damit für die Jäger extrem ungemütlich wurde.

Der erste Jäger, der daraufhin wieder getroffen wurde, war Maahes 20 mit Nun 4. <„Sie haben die Polarität gedreht“>, schrie er noch. Danach hörte man den Einschlag einer der Drohnen und ein schrilles metallisches Geräusch. An-schließend ward Stille. Zumindest von dessen Seite her, denn die Funkfrequenz schien nicht mehr ihre eigene zu sein.

Das wurde sehr deutlich, als zwischen den Schreien der Jägerpiloten und deren hektischen Anweisungen an ihre Flügelkameraden, eine unbekannte, extrem bedrohliche Stimme erschallte.

Cratoul wollte nicht einfach nur das System übernehmen, in erster Linie ging es ihm zunächst darum eine Streitmacht, die sich ihm entgegen warf, zu demoralisieren, sie zu unterwerfen und sich an ihrem Entsetzen zu ergötzen.

<„Mein Name ist Cratoul und ich bin ein Nachfahre des Marduk!“>, begann er. <„Ich bin der Commander des Systemvernichters mar-um ma sarr-im und ich befehle euch, als lebendiger und einzig wahrer Gott, euch zu ergeben und mir zu gehorchen.“>

Maahes 12 an Bord des Jägers Samech 3 fand direkt eine passende Antwort: <„Schau dahin wo bei einer Löwin niemals das Licht angeht. Leck mich!“>

Das wollte Cratoul allerdings nicht hören und bekräftigte seine Forderung nochmals, allerdings mit den Worten: <„awil-um sa mat-am i-ksud-o-u.“>

Maahes 32 rollte in seiner Kanzel mit den Augen. <„Kann diesem Idioten mal einer erklären, dass wir seine Sprache nicht verstehen?“>

<„Mach ich doch glatt“>, rief der Pilot von Darlet 2 und ging auf direkten Angriffskurs. Das nahmen zwei der Drohnen zum Anlass und stürzten sich auf ihn, verkeilt sich unterhalb der Haupttriebwerke und begannen diese zu sabotieren. Die Anzeigen der Triebwerksrückmeldungen begannen zu flackern und kündigten das jähe Ausscheiden aus dem aktiven Dienst an.

<„Leute, ich wollte euch sagen, dass es sehr schön war mit euch“>, verkündete er noch und gab anschließend vollen Schub, setzte direkten Kurs auf den Vernichter.

<„Was hast du vor?“>, schrie sein Flügelmann noch, aber es war zu spät.

Der Jäger war auf Kollisionskurs gegangen und hatte sein Ziel erreicht.

Mit voller Wucht schlug Darlet 2 auf der Oberfläche des Vernichters ein und verursachte eine nicht unerhebliche Explosion.

Das wiederum nahmen die anderen Piloten zum Anlass in eine kurze Ruhephase einzutreten, die Kampfhandlungen wechselseitig einzustellen und einen erzwungenen Datentransfer zwischen ihnen selbst und dem Zentralrechner der Antermerianer herzustellen, übermittelten das Erlebte, die Ansprache des feindlichen Commanders und auch die heroische Tat des Piloten von Darlet 2. Die Priorität der Daten wurde bewusst auf höchste Stufe gesetzt, damit nach dem Transfer alle Antermerianer sofort unterrichtet wurden.

Auf der Brücke der Amun-Re stand Ramos und schaute intensiv auf den Wandschirm, welcher nicht mehr die Erde als ganzes zeigte, sondern jetzt die einzelnen Kontinente und die Meere erkennen ließ.

Plötzlich unterbrach Arrakis die Stille. „Captain! Wir werden gerufen.“

„Auf den Schirm, wer immer es sein mag“, wies der Wolfsrüde an.

„Die Ansicht änderte sich und das Konterfei von Osiris erschien. <„Captain Ramos!“>

<„Administrator Osiris. Sei gegrüßt!“>

<„Danke, ebenso. Es gibt wichtige Änderungen für euch.“>

<„Oh, das klingt sehr dringend.“>

<„Ist es auch. Euer Landeplatz wird nicht mehr das alte Troja in der Türkei sein. Wir leiten euch um. Euer neuer Landeplatz liegt zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris, auf dem Gebiet des Irak.“>

<„Was veranlasst dich zu diesem Schritt?“>

<„Unsere Jäger hatten den Systemvernichter gestellt und sind mittlerweile komplett vernichtet. Die letzte Datenübertragung von den Maahes-Klonen war eine sprachliche Botschaft des Commanders des Vernichters. Wir haben sie nur kurz analysieren müssen. Es handelt sich um altbabylonisch und er selbst ist ein Marduk-Nachkomme. Daher vermuten wir ganz stark, dass er seine Hauptpräsenz auf den Bereich des antiken Babylons konzentrieren wird.“>

<„Das klingt plausibel. Wir werden es sofort umsetzen.“>

<„Ausgezeichnet! Osiris, Ende!“>

„Steuermann! Du hast es gehört. Neuer Kurs, neues Ziel.“

„Aye, Captain!“

Während nunmehr die Amun-Re ihren Kurs änderte und die mythischen Orte als Ziel wechselte, war Captain Seth mit der Re-harachte auf dem Weg an die ägyptische Grenze.

Keiner der Menschen und auch nicht einer der Anthros, ganz zu schweigen von den Captains der beiden betreffenden Kreuzer, dachte im entferntesten daran, dass sich infolge dieser Anweisung eine Katastrophe anbahnen würde.

Denn während die Re-harachte den Weg über die östliche Hemisphäre genommen hatte um sich ihrem Ziel, den ägyptischen Pyramiden um Gizeh, zu nähern, nahm die Amun-Re den Weg aus Richtung Westen kommend, um ihr neues Ziel in der Nähe vom sagenumwobenen Babel, zu erreichen.

Unglücklicherweise hatte ersterer Kreuzer es, typisch für seinen Captain, relativ eilig und sank extrem rasch in Richtung der Erdoberfläche, sollte über Russland, Georgien und Syrien hinweg gleiten, während es Ramos etwas ruhiger angehen lasse wollte und die Flugbahn, aus Richtung Griechenland kommend, quer über die Türkei und Syrien einschlug.

Beide waren sich ihrer Sache absolut sicher und voll und ganz auf die vor ihnen liegenden Aufgaben konzentriert ...

… Qamischli zählt 50.000 Einwohner, liegt an der syrischen Nordgrenze zur Türkei und hat einen Flughafen. Eben jener hat, wie es sich ordnungsgemäß gehört, auch einen Tower. Und in diesem war es bisher recht ruhig, bis auf die normalen Anweisung zur Koordinierung der regulären Flugbewegungen.

Es war ruhig, bis innerhalb des zuständigen Luftraums aus 20.000 Metern Höhe die Re-harachte, vergleichbar einem angeschossenen Adler, herab jagte und die Amun-Re, einem Ausflugsdampfer gleich, von der anderen Seite heran pilgerte.

Der für den Bereich Qamischli zuständige Fluglotse sprang aus dem Sitz hoch, schrie erstickt auf und fing an zu zittern. Der Lotsendisponent bemerkte dessen Reaktion, näherte sich energisch seinem Arbeitsplatz und schaute auf die Schirme.

Er riss dem jetzt vollkommen erstarrten Fluglotsen das Head-set vom Kopf, schaute genauer auf die Monitore und brüllte schließlich drauf los. <„Hier Tower Qamischli! Fremde Flugobjekte, können sie mich hören? Geben sie sofort Status und Kennung an uns durch.“>

An Bord der Re-harachte schrillte das externe Intercom und kündigte ein Gespräch auf einer nicht legitimen Frequenz an.

Captain Seth schaute irritiert zu seinem Kommunikationsoffizier. „Auf die Lautsprecher“, sagte er nur.

<„Hier Tower Qamischli! Können sie mich hören? Fremde Flugobjekte, sofort Status und Kennung melden. Sie sind auf Kollisionskurs.“>

<„Hier ist die Re-harachte, Captain Seth! Wir sind im Sinkflug mit dem Ziel Gizeh. Und wer sind sie?“>

<„Schön für sie!“>, erwiderte der Lotsendisponent zynisch, <„Aber das erstere werden sie nicht erreichen und das zweitere nicht herausfinden. Jedenfalls nicht, wenn sie weiter so schnell sinken.“>

<„Wie meinen sie das?“>

<„Lassen sie es mich so ausdrücken. Sie wollen in Richtung Gizeh, aber ein an-derer eurer Bauart will wohl in Richtung Bagdad.“>

<„Und was soll mir das jetzt sagen?“>, fragte Seth gelangweilt.

<„Das weder sie, noch der andere Verrückte, sein Ziel erreichen wird, wenn sie ihren Sinkflug nicht umgehend abbrechen. Falls sie es noch nicht bemerkt haben sollten, werden sie und ihr Freund direkt in unserer Nähe kollidieren.“>

Seth schaute ungläubig drein, da schrie der Kollisionsalarm.

„Sofort stoppen“, schrie der Eselhengst.

Über den Lautsprecher hörte man einen Stöhnen der Erleichterung. <„Danke!“>, sagte der Lotse.

<„Gern geschehen“>, erwiderte Seth beiläufig.

<„Wenn sie sich das nächste Mal zu einem Zerstörungsausflug ihrer eigenen Schiffe treffen wollen, dann bitte nicht hier und nicht so, dass ich es sehen muss.“>

„Sehr lustig. Ich lache später“, murmelte Althais im Hintergrund.

<„Wir danken für den Hinweis und geben sie uns bitte Bescheid, wenn wir weiter auf unser Ziel hin sinken dürfen.“>

<„Das habe ich vor. Euch kann man scheinbar keine Sekunde unbeaufsichtigt lassen. Ich frage mich wo ihr euren Flugschein gemacht habt.“>

<„An einem Ort, weit, weit entfernt.“>

Der Lotse zog es vor, darauf nicht mehr zu antworten und meldete sich erst siebzehn Minuten später wieder. <„Re-harachte? Sie dürfen weiter absinken und auf die Zielkoordinaten gehen.“>

<„Qamischli! Wir danken ihnen. Seth, Ende!“>

Captain Melina war mit ihrer Horem-hab ohne Zwischenfälle über dem australischen Kontinent aufgetaucht und setzte präzise am Fuße des Ayers Rock zur Landung an.

Nachdem das Schiff auf festem Boden stand und sich der Staub gelegt hatte, stellte sie sich laut eine eindeutige Frage: „Was zum Geier sollen wir hier?“

„Das wird sich zeigen“, murmelte Alanos und seufzte.

Die Stute schüttelte den Kopf und tippte auf den Intercom-Taster. „Brücke an Frachtteams.“

„Hier Frachtteamleiter.“

„Setzt die Cyborgs ab. Warum auch immer, sollen die hier geparkt werden.“

„Verstanden, Captain!“

Während im australischen Outback so nach und nach ein geordnetes Heer von schwarzen, glänzenden Cyborg-Scorpionen begann seine Schatten in den rötlichen Wüstensand zu werfen, waren die Amun-Re und die Re-harachte auch am Ziel angekommen.

Althais, der erste Offizier der Re-harachte, sah Captain Seth fragend an. „Hältst du das allen ernstes für eine gute Idee jetzt auszusteigen?“

Der Eselhengst schaute seinen Offizier überlegend an. Schließlich antwortete er: „Warum nicht? Noch mehr Schaden können wir eh nicht mehr anrichten.“

Nach dieser Bemerkung schauten sich die beiden Esel schief an und seufzten gleichzeitig. Es war nun nicht so, dass der Kreuzer nicht bei den vorgesehenen Koordinaten von 29° 58' 33“ Nord zu 31° 7' 51“ Ost angekommen wäre.

Mitnichten, er war perfekt am Zielort gelandet, leider zu perfekt und auf den Punkt.

Seth und Althais verließen das Schiff, stiegen die Rampe hinunter und gingen ein paar Schritte durch den Wüstensand.

„Meinst du, dass das auffällt?“, fragte Althais.

Seth schüttelte energisch den Kopf. „Nein, ich glaube nicht. Nein, das fällt nicht auf.“

„Sicher? Ich meine, ganz sicher?“ Althais war am zweifeln.

Seth atmete tief durch und seufzte. Anschließend ging er wieder ein paar Schritte durch den Wüstensand, tippte mit dem linken Huf darin herum und stieß ein paar größere Steine weg.

„Ich meine“, hub Seth schließlich an, „wem sollte es in dieser Wüstenei schon auffallen, wenn etwas fehlt?“

„Etwas? Ich finde, dass das, was wir da bei der Landung zertrümmert haben, ein ziemlich großes Etwas war.“

„Ach was. Das war doch nur ein liegender Löwe, mit menschlichem Haupt“, rief er lautstark, so dass seine Stimme durch die Stille der sandigen Einöde schallte. „Abgesehen davon fehlte dem Ding vorab schon die Nase.“

So sinnierten die beiden über die soeben stattgefundene Zerstörung des Sphinx und bemerkten nicht gleich, dass sich die Ereignisse in Kürze überschlagen sollten.

In der Antarktis waren die Cyborg-Skorpione komplett entladen, ebenso am Ayers Rock. Die Amun-Re war erfolgreich in der Nähe des mystischen Babel gelandet und die Entladung begann gerade, als plötzlich ein Geräusch in der Luft zu schweben schien.

Zunächst war es ein leises Säuseln, welches einem leichten Wind glich, aber an den genannten Orten war es zu diesem Zeitpunkt so gut wie windstill. Aus dem leisen Säuseln wurde nach und nach ein leises Fauchen, welches schnell an Intensität zu nahm.

Nicht nur die im Irak außerhalb des Kreuzers stehende Brückencrew, nebst den Technikern vernahm es, auch die Crews um Melina in Australien, Seth und Althais in Ägypten, Theseus und die Gruppe um Altarion Rogers in der Antarktis.

Und es hörten nicht nur die gerade genannten, es betraf von einer Minute zur anderen so gut wie jede Stelle der Erde. Überall war dieses undefinierbare Fauchen, welches sich potenzierte und dessen Quelle sich dann abrupt offenbarte.

Überall tauchten sie auf, wie eine Horde wilder Wespen stürzten sie vom Himmel, über- und umflogen natürliche Hindernisse und durchschlugen im Weg stehende Wohn- und Geschäftsgebäude, schlugen auf dem Boden auf, blieben kurz liegen, erhoben sich, entfalteten Beine und Arme, entfalteten die geschützt innerhalb der Arminnenseiten eingebauten Lasergewehre, aktivierten die Granat- und Flammenwerfer, begannen auf alles Lebendige zu feuern.

Die Zeit war abgelaufen und die Angriffsdrohnen angekommen.

Innerhalb von zehn Minuten rannten mehrere Hundert von ihnen durch die Straßen von Boston. Ein Teil durchstreifte den Public Garden, stöberten flanierende Menschengruppen auf und jagten sie vor sich her, gelangten in die Charles Street und richteten ein Massaker an.

Menschen die in ausreichender Entfernung waren, flohen in ihre Häuser, in Supermärkte, Kirchen, Büros, Firmengebäude, verriegelten die Türen hinter sich. Aber es war zwecklos, die Drohnen zerstörten mit ihren abgefeuerten Granaten die geschlossenen Zugänge und feuerten scheinbar ziellos auf alles und jeden. Eine Mutter wurde von einem Schuss in den Rücken getroffen, hatte ihr Kleinkind auf dem Arm, strauchelte, drückte ihre Tochter an sich, stolperte und fiel. Sie legte sich schützend über die Kleine, aber die in der Nähe befindliche Drohne kannte kein Mitleid. Sie schritt auf die Frau zu und feuerte erneut, tötete sie, hob sie hoch, sah das Kind und brach ihm mit einer kurzen Handbewegung das Genick.

An anderer Stelle drangen die im Hafengebiet angekommen Killerroboter in das J.F.K Presidential Library and Museum ein und sprengten die Einrichtung nebst deren Besuchern in die Luft, hinterließen eine Trümmerwüste. Das immer noch existierende Museum USS Constitution wurde kurzerhand versenkt, stromaufwärts ging Salem buchstäblich in Flammen auf.

Bei allem Grauen, hatten sich vierhundert Angriffsdrohnen ein Ziel ausgesucht, welches sie in die Schranken verweisen sollte. Diese Gruppe hatte sich einen Teil nördlich von Boston ausgesucht und ging zum Frontalangriff über.

Das Ziel war das M.I.T., genauer gesagt der Teil der seit dem 20. Jahrhundert auch als Boston Dynamics bekannt war. Bekannt vor allem für die Entwicklung und Fertigung von autonomen Robotersystemen, welche für zivile, aber auch militärische Zwecke gedacht waren.

Was die Angreifer nicht wussten war, dass die damals, im Jahre 2019, schon recht große Palette an funktionsfähigen Robotern, noch erheblich größer geworden und die Systeme fähiger und quasi zur Serienreife gelangt waren. Und was noch dazu kam, man war vor Ort vorbereitet.

Als die Eingangstüren gesprengt, die Sicherheitskräfte dem Laserbeschuss zum Opfer gefallen waren, kam die Stunde für Big Dog, Mega Dog, King Cheetah, Atlas und LS12.

Eigenständig reagierten sie und aktivierten die Suchsysteme, erfassten die Gegner und feuerten ohne Vorwarnung. Eine Drohne nach der anderen fiel dem Dauerbeschuss zum Opfer, ging zu Boden, strauchelte und versuchte wie-der aufzustehen. Am Ende wurden sie aber der Zahl der von Menschenhand erschaffenen Roboter nicht her und ein Aggressor nach dem anderen lag zerstört am Boden oder war explodiert.

Es war ein Erfolg auf ganzer Linie und die kleine Streitmacht begab sich auf den Weg um Boston und später die weiteren Landesteile vom Feind zu säubern.

In der Antarktis dagegen blieb es ruhig, lediglich die Funkfrequenzen überschlugen sich in der Fülle von Meldungen über Angriffe und Verluste.

Theseus und Altarion sahen sich betroffen an, der Rest der Truppe machte sich daran die Waffen zu überprüfen.

Dana, Syrgon und Phil, ebenso Atria, Ariana und Hadron standen beieinander und schienen zu diskutieren.

„... Ich weiß, dass es eine verrückte Idee ist, aber sollte es so sein und funktionieren, dann hätten wir ein unschlagbares System an der Hand. Implementiert in die drei Mechs und Handfeuerwaffen sollten wir sehr schnell dieser Drohnen Herr werden“, führte Atria ihre Gedanken aus.

Phil überlegte und schaute auf die Trümmer der Angriffsroboter, welche teilweise auf dem Montagetisch des technischen Labors lagen oder ordentlich aufgehäuft in einer der Ecken. „Wenn es funktioniert, was könnten wir damit anfangen?“, fragte er unsicher.

„So wie es aussieht handelt es sich bei einer der Waffen in den Unterarmen um ein Art Gewehr, zumindest hat es den Anschein. Was es kann, weiß ich nicht, aber es ist eine Waffe des Feindes und gegen ihn selbst eingesetzt, kann es unter Umständen für ihn verheerend sein. Ich frage mal Captain Theseus. Vielleicht hat der eine Ahnung was es sein soll.“

„Mach das, Liebling“, flüsterte Phil.

Die Löwin verließ den Raum und die beiden Rüden schauten ihr nach, wobei ihre Intentionen grundverschieden waren. Phil aus Liebe und Syrgon aus Sehnsucht und Angst um Drekal.

Atria nährte sich Theseus und Altarion von hinten und räusperte sich. Die beiden fuhren erschrocken herum.

„Was gibt es?“, fuhr sie der Major etwas unwirsch an.

„Sorry, Sir. Ich wollte sie nicht erschrecken.“

„Ist ihnen aber gelungen, Second Class. Nun sagen sie schon was los ist?“

„Nun Sir, ich wollte sie bitten, explizit Captain Theseus mal einen Blick auf unsere Sammlung zu werfen und eine Entscheidung zu treffen.“

„Um was genau geht es?“, fragte Theseus.

„Es geht um eine Waffe in den Unterarmen der Angriffsdroiden. Sie sieht aus wie ein Gewehr, hat aber keine Mündung die frei liegt.“

Der Widder schnaubte interessiert. „Das ist ein Fall für die beiden Techniker der Antermerianer, welche bei unserem Start von Cyndra, mitgekommen sind. Ich hole sie gleich mal.“

Jetzt schauten Atria und Major Rogers dem Widder hinterher.

„So so. Ein Waffensystem, welches sie nicht kennen“, hub Altarion an, „Das fasziniert mich.“

„Es freut mich, ehrlich gesagt, dass ich sie mal überraschen konnte“, entgegnete die Löwin schnippisch, während der Säbelzahntiger seine schwarzen Schwingen hob, diese ausbreitete und sich ausgiebig streckte.

„Es wird Zeit, dass wir wieder aktiv werden“, fuhr er fort. „Wir lungern schon viel zu lange herum. Da draußen hat ein Krieg begonnen.“

„Was sagen die neuesten Meldungen?“, fragte Dana, welche hinzu gekommen war.

„Sie sind beunruhigend. Der Feind hat begonnen in die Städte einzufallen. Boston ist in die Hand des Aggressors gefallen, allerdings hat Boston Dynamics wohl nicht geschlafen und seine Serienmodelle ausgesandt. Die Roboter rücken von Norden kommend in die Stadt vor. Mal sehen was sie ausrichten können.“

„Hört sich zumindest nach einem Hoffnungsschimmer an.“

„Nicht zu früh freuen. Salem steht in Flammen, ist geradezu eingeäschert. Das Hafengebiet wurde durch Granaten förmlich in eine Trümmerwüste verwandelt. Die USS Constitution wurde dabei versenkt.“

Während des kurzen Gespräches hatte es Theseus geschafft die beiden Techniker ausfindig zu machen und war mit ihnen zurückgekehrt.

„So. Da haben wir die beiden“, frohlockte er.

„Hallo“, grüßte Dana freundlich und deutete knapp an, dass sie ihr folgen sollen.

Im Labor angekommen, schauten sie sich um, begaben sich zum Tisch und schauten sich den Arm des Angriffsdroiden genau an, hoben ihn hoch, drehten ihn mehrfach hin und her, legten ihn schließlich zurück.

„Das Waffensystem kennen wir“, hub einer der beiden an. „Es handelt sich um einen Dimensionsverzerrer.“

„Einen was?“, fragte Phil ungläubig.

„Einen Dimensionsverzerrer. Es ist keine Waffe im landläufigen Sinne.“

„Was dann?“, fragte Atria und rollte mit den Augen. „Kommt auf den Punkt.“

„Salopp ausgedrückt, kannst du damit vom Ort des Geschehens verschwinden und in Sekunden an einem nahegelegenen Ort wieder auftauchen.“

„Geht es etwas genauer?“, wetterte Phil. „Was kann man damit machen und wie setzt man ihn ein?“

Der Techniker war ein Schafbock und getreu seiner Art etwas langsam, aber gutmütig. „Es geht dabei darum, dass du ein eng begrenztes Dimensionstor öffnen kannst, in eine andere Dimension springst und an einer anderen Stelle in die vorhergehende wieder eintrittst.“

„Sehr schön und wie können wir das nutzen?“, fragte Syrgon interessiert.

„Nehmen wir mal an, dass du angegriffen wirst. Du gerätst unter Beschuss und hast, sagen wir mal, zehn dieser Drohnen vor dir. Dann aktivierst du den Verzerrer, wirst automatisch aus der hiesigen Dimension in eine Zwischenzone teleportiert und erscheinst Sekunden später in der vorhergehenden, allerdings an anderer Stelle.“

„Kann man das steuern oder ist das dann zufällig?“, fragte Dana.

„Es ist halb willkürlich. Es ist abhängig von der Ausrichtung deines Körpers. Der Transfer hat eine Reichweitenbegrenzung und ist auf einhundert Meter fixiert. Das bedeutet, dass du, wenn du angegriffen wirst und dem Feind deine Körperfront zugedreht hast, das Gerät aktivierst und einhundert Meter entfernt vom vorherigen Standort wieder erscheinst. Das Problem dabei ist, dass der Feind dicht an dich heran kommen muss, also weit unter hundert Metern Entfernung.“

„Ah, jetzt verstehe ich“, intonierte Dana. „Der Feind rennt auf mich zu, ich gehe in Deckung, aktiviere ab einer Distanz von unter hundert Metern den Verzerrer und erscheine dann automatisch hinter ihm.“

„Exakt!“, entfuhr es dem Techniker.

„Das ist doch mal was“, sinnierte Phil.

„Ja. Das Problem ist nur, dass die Distanz stimmen muss. Ist sie über hundert Meter, landest du plötzlich in Sekundenbruchteilen direkt vor seinen Füßen und bist geliefert oder du verschätzt dich und landest mitten drin.“

„Igitt. Das wäre in der Tat sehr übel und käme einem Selbstmord gleich“, entfuhr es Dana.

„Großes Problem, aber eine einfach Lösung“, intonierte Phil selbstbewusst. „Wir bleiben in mehreren kleinen Gruppen und rüsten jede mit einem Entfernungsmesser aus. Wenn die passende Distanz erreicht ist, gibt der Träger des Messgerätes das Zeichen und alle springen.“

Syrgon fing an zu grinsen. „Perfekt! Das verschafft uns einen Vorteil.“

„Dann machen wir das so. Rüsten wir uns auf.“ Phil war sichtlich aufgeregt und verkündete die Neuigkeiten Captain Theseus und dem Major, welche lächelnd nickten.

In der Nähe des Ayers Rock wurde es unruhig, in die Cyborg-Skorpione, welche bisher in geschlossener Formation vor der Horem-hab gestanden hatten, kam Bewegung und sie marschierten ohne weitere Befehlsgabe los.

Captain Melina saß auf der Brücke, schaute zum Wandschirm und beobachtete die Gliederfüßer, welche unverdrossen ihres Weges zogen.

„Und das ohne mich zu fragen. Unfassbar!“, entglitt es der Stute und sie schüttelte den Kopf. „In welche Richtung gehen die?“

„In Richtung 25° 11' 10“ Süd zu 130° 58' 32“ Ost, Ziel Uluru Airport“, antwortete Cebal.

„Danke! Dann muss dort der Feind sein. Schickt die Jägerstaffel raus, die sollen das Gelände überfliegen und sondieren.“

„Aye, Captain!“

Die beiden Esel der Re-harachte, Captain Seth und sein erster Offizier Althais standen immer noch vor den Trümmern des Sphinx und hofften, dass der Schaden nicht auffallen würde. Derweilen hatten die Techniker und das Verladepersonal des Schiffes sich angeschickt die Cyborgs zu entladen und der Pulk derer mehrte sich auffallend.

Noch während des Entladens, wurde das Fauchen der über sie hinweg fliegenden Angriffsdrohnen der abtrünnigen Antermerianer lauter, aggressiver und schier ohne Unterbrechung. Wenig später hörte man mehrere Explosionen in der Ferne und näheren Umgebung.

Die Drohnen hatten ägyptischen Boden erreicht und starteten die Angriffe. Die touristische Attraktion Abu-Simbel war für den Feind ein willkommener Ort seine Überlegenheit und Göttlichkeit zur Schau zur Stellen, denn was lag näher als die Orte der alten Mythen und Legenden zu zerstören, wenn man seine eigenen aufbauen wollte.

Die Drohnen drangen in die Tempelanlage ein, töteten die Sicherheitskräfte und eliminierten die doch recht zahlreich anwesenden Besucher.

Das war Anlass genug und Seth, ebenso Althais wurden aus ihren sinnlosen Gedanken gerissen. Sie schauten abrupt in Richtung der Explosionen und wurden von den hoch über ihnen hinweg rennenden Skorpionen geradezu in den Schatten gestellt.

„Wir sollten die Jäger hinterher schicken“, befahl Seth halblaut.

„Aye, Captain!“, bestätigte Althais und begab sich zurück an Bord des Kreuzers.

Seth drehte sich, bevor er ebenfalls sein Schiff betrat, nochmals um, schaute an seinem Schiff entlang und in die Ferne, sah Rauchwolken aufsteigen, seufzte, schaute zur anderen Seite und sein Blick fiel auf etwas, was ihn zum Grinsen brachte. Er erblickte in der Ferne eine zwölf Meter hohe Statur des altägyptischen Gottes Seth.

Captain Ramos erging es mit der Amun-Re nicht viel anders. Er war mitten im prähistorischen Babylon, im Bereich der Stadt Babel, gelandet, die Cyborg-Skorpione waren entladen, aber standen nicht in Reih und Glied, wie es zunächst bei Captain Melina am Ayers Rock der Fall war. Seine wertvolle Fracht machte sich augenblicklich selbständig und marschierte im Eiltempo in Richtung Bagdad.

Die Armada war noch nicht einmal gänzlich aus dem Sichtfeld verschwunden, da hörte man schon die ersten Explosionen und konnte deutliche Rauchschwaden aufsteigen sehen.

„Gebt mir die anderen Schiffe“, befahl der Wolfsrüde in harschem Ton.

„Aye! Verbindung steht.“

Auf dem Wandschirm erschienen die Gesichter von Captain Melina, Seth, Maahes und Drekal.

<„Berichtet wie es bei euch aussieht“>, knurrte er, <„Hier scheint die Hölle loszubrechen. Bagdad wird angegriffen. Und wo zum Geier ist Theseus?“>

<„Also, ich bin im Orbit und mich scheint man zu ignorieren. Irgendwie komme ich mir selbst vom Feind missachtet vor“>, gab Drekal bekannt.

<„Da kannst du froh sein“>, ging Melina dazwischen, <„denn hier brennt der Busch. Meine Cyborgs sind auf dem Weg nach Uluru Airport.“>

<„Sehr gut“>, hub Seth an, <„bei mir sind sie auf dem Weg nach Abu Simbel. Da gab es mehrere Explosionen. Außerdem habe ich eine tolle Statur meines göttlichen Ebenbildes gesehen.“>

<„Oh nein“>, entfuhr es Maahes, <„auch das Elend noch.“>

<„Was ist denn los, Mähne?“>, witzelte Seth.

<„Ich finde, dass es nicht der richtige Zeitpunkt für Witze ist“>, mischte sich Drekal ein.

<„Sie hat recht“>, stimmte Melina zu.

<„Eben“>, gab ihr die Wölfin recht.

Das Bild auf dem Wandschirm verschob sich etwas und ein weiteres Bild erschien. Captain Theseus hatte sich an Bord der Nephtys begeben und wollte die Neuigkeiten, welche die Techniker herausgefunden hatten, verkünden und platzte unangemeldet mitten in die Statusmeldungen.

<„Habt ihr etwa ohne mich angefangen?“>, fragte er dazwischen.

<„Oh, es ist da und spricht“>, schnaubte Melina leicht aufgebracht.

<„Ja und ich habe Neuigkeiten“>, warf der Widder in den Raum.

<„Hoffentlich bessere als wir“>, forderte ihn Maahes auf.

<„Wie man es nimmt“>, hub Theseus an, <„diese Drohnen haben ein System in ihren Unterarmen. Es handelt sich dabei um einen Dimensionsverzerrer, welcher uns in die Lage versetzen kann einen entscheidenden strategischen Vorteil zu erlangen. Ein erster Versuch steht allerdings noch aus.“>

<„Das klingt recht gut, aber sag an, wenn du was gutes hast, dann bestimmt auch das Gegenteil“>, bohrte Maahes.

<„Und ob. Boston steht unter Beschuss. Es gibt laut letzten Meldungen mehrere Tausend Tote, ganze Stadtteile brennen oder liegen in Schutt und Asche.“>

Drekal schaute erschüttert drein. <„Das ist alles mehr als beunruhigend.“>

<„Ja, ist es, aber es gibt auch was positives dabei. Boston hat eine findige Roboterschmiede und diese Roboter sind nicht nur autonom, sondern auch sehr erfolgreich. Sie haben weitere Angriffe unterbunden und bereinigen die Stadt.“>

<„Das klingt noch besser“>, warf Melina ein. <„Aber wie sieht es denn bei dir aus?“>, fuhr sie an Maahes gerichtet fort.

<„Alaska ist eine Ödnis wie sie im Buche steht. Hier ist bisher alles ruhig. Wir sind im Aniakchak Schutzgebiet gelandet und in der Nähe befindet sich eine Stadt namens King Salmon. Die Cyborgs haben sich in Stellung gebracht und überwachen das Gebiet, mit Blickrichtung auf genannte Siedlung. Aber bisher ist alles Fehlanzeige“>, schloss der kommandierende Löwe der Nephtys ab.

<„Immerhin einer, dem nicht gleich alles auf den Kopf fällt“>, seufzte Theseus.

Derweil erreichten die Waffenträger-Skorpione in Ägypten Abu-Simbel und eröffneten das Feuer auf die letzten Drohnen, welche noch zu Fuß unterwegs waren und zerstörten diese. Unglücklicherweise war der größte Teil derer schon weitergezogen und hatte sich auf den Weg nach Kairo gemacht. So blieben zwanzig der fünfhundert Cyborgs im Gebiet und patrouillierten, während sich der Rest auf den Weg machte und dem Feind hinterher eilte.

Captain Seth sah seinen ersten Offizier an, während die Konferenzschaltung noch aktiviert war. „Irgendwas machen wir falsch. Wir rennen dem Feind immer nur hinterher und können nur die entstandenen Schäden verzeichnen und nach deren Entstehen noch größere verhindern. Schöner wäre es, wenn wir vorher wüssten wo sie auftauchen würden“, schnaubte der Eselhengst missmutig.

Ein Pfeifton verkündete, dass sich ein weiterer Teilnehmer an der Diskussion beteiligen wollte und wurde prompt hinzu geschaltet.

<„Ich grüße euch“>, verkündete Osiris.

<„Oh. Grüße zurück“>, murmelten nacheinander die Captains.

<„Wie ich sehe, ist die Lage noch nicht hoffnungslos.“>

<„Hoffnungslos nicht, aber wir hängen ganz beschissen hinter dem Feind her“>, raunzte Seth.

<„Kann ich mir denken, daher folgender Schachzug.

Maahes, du schickst deine Jägerstaffeln sofort nach Anchorage, Juneau und Fairbanks. Das sind die größten Städte und sollten sofort geschützt werden. Stellt Kontakt zur Bevölkerung her und warnt sie.

Captain Seth, was machen deine Skorpione?“>

<„Die sind auf dem Weg nach Kairo. Abu-Simbel ist ein Trümmerfeld und der Feind ist weiter in besagte Richtung unterwegs. Wir haben unsere Jäger hinter-her geschickt und die sollten schneller da sein, als eure Waffenträger“>, kam dessen Antwort.

<„Das klingt gut und auch nicht. Macht weiter und versucht sie in Kairo zu vernichten.“>

<„Bevor du mich fragst“>, begann Melina, <„Eure Cyborgs sind auf dem Weg nach Uluru Airport und dann wohl weiter nach Alice Springs, wenn ich den geografischen Karten der Erde vertrauen kann.“>

<„Ausgezeichnet, dann sind sie vielleicht schnell genug und stellen den Feind rechtzeitig. Schicke deine Gleiter nach Perth und kontrolliere den dortigen Luftraum“>, kam Osiris´ Anweisung.

<„Aye, Administrator!“>, kam verbittert Melinas Antwort.

Damit löste sich die Runde der Captains auf.

Drekal schaute zum Wandschirm, dann zu ihrer verbliebenen Crew und seufzte.

Maahes gab den Befehl und entsandte die Gleiter der Nephtys in die Bereiche der drei genannten Städte. Die gerade in der Entladung begriffenen Cyborgs sammelten sich zunächst in fünfziger Gruppen und setzten sich, sobald eine Gruppe beisammen war, ebenfalls in die betreffende Richtung in Marsch.

Die Jäger der Amun-Re, unter Kommando von Captain Ramos, folgten den Waffenträger-Skorpionen, welche sich in Richtung Bagdad bewegten, überholten sie unterwegs und näherten sich der Stadt.

Melina hatte die Gleiterstaffeln nach Perth geschickt, während die Cyborgs sich am Uluru-Airport umsahen, einige scheinbar verirrte Angriffsdrohnen vernichteten und ihn anschließend absicherten.

Seth hatte sich mit Althais, Danae und Merak in eine kleine Fähre gesetzt, dass Schiff verlassen und war den Waffenträgern und der ausgesandten Staffel in das Gebiet um Kairo gefolgt. Die Navigation dahin war einfach, sie mussten nur den aufsteigenden Rauchschwaden folgen.

Theseus hatte derweil eine Entscheidung getroffen und in Absprache mit Major Altarion Rogers, den Wölfen Dana, Phil und Syrgon sowie den drei antermerianischen Technikern die Dimensionsverzerrer aus den Armen der Angriffsdroiden entfernen, sie auf eine neue Energieversorgung umstellen und an ihren Lasergewehren montieren lassen und in modifizierter Form in die Waffenträger.

Präsident Josef Grandner, der Verteidigungsminister David Smithers, Isis, An-drew und Kira, nebst Stabschef General Zoran Grain waren nach Norad zurückgekehrt und erkundigten sich nach den neusten Nachrichten.

Ein fleißiger Sergeant meldete sich zu Wort und unterrichtete die Rückkehrer. „Bagdad liegt unter Beschuss, die Schäden sind noch nicht bekannt. Die Cyborgs und Jäger der Amun-Re sind auf dem Weg dorthin und sollten gerade eintreffen.

Kairo hat schwere Treffer kassiert, ebenso wurde Abu-Simbel vollkommen zerstört. Ein kleiner Teil der Cyborgs sichert das Gebiet ab, der größte Teil ist auf dem Weg in die ägyptische Hauptstadt. Die Verluste bei Abu-Simbel belaufen sich auf sechshundert getötete Touristen und Einheimische, ansonsten ist alles nur noch eine Trümmerwüste. Die Jäger der Re-harachte folgen den Cyborgs und sollten sie überholt haben. Captain Seth ist mit seinem ersten Offizier Althais und Danae sowie drei Sicherheitskräften ebenfalls auf den Weg vor Ort.

Captain Melina hat von der Horem-hab aus ihre Jäger nach Perth und Alice Springs entsandt, ebenso ist der Hauptteil der Cyborgs dorthin unterwegs. Der kleinere Teil der Waffenträger sichert den Uluru-Airport ab, bei dem es kleinere Gefechte gab.

Captain Theseus und Major Altarion Rogers haben gemeldet, dass sie eine Art Dimensionsverzerrer gefunden und geborgen haben. Sie erhoffen sich einen strategischen Vorteil gegenüber dem Aggressor.

Captain Drekal ist mit einer handvoll Crewmitgliedern in den Orbit zurückgekehrt und hält mit den Kampfinseln Byblon und Atikon die Stellung und wartet auf die Ankunft des anfliegenden Systemvernichters Sohn des Königs.“

„Haben sie auch etwas halbwegs positives?“, fragte Grandner.

„Nicht wirklich, außer das da eine Kleinigkeit wäre, vielleicht ein Hoffnungsschimmer, neben der Meldung von Major Rogers.“

„Die wäre?“

„Boston hatte es als erstes erwischt. Der Angriff hat tausende von Todesopfern gefordert und große Teile der Stadtgebiete in Schutt und Asche gelegt. Aber und das ist das Erwähnenswerte, als die Aggressoren das M.I.T. angriffen und den Bereich von Boston Dynamics erwischten, hatte sich dort das Blatt gewendet. Die autonomen Robotersysteme der Forschungseinrichtung wurden aktiv und vernichteten den Feind in kürzester Zeit. Im Moment bewegen sie sich, laut den GPS-Angaben, quer durch Boston und südwärts.“

In diesem Moment piepte der Funk und kündigte neue Nachrichten an.

Der Stabschef sprang auf und ging persönlich ans Gerät. „Grain hier! Ich höre.“

„General! Wir haben weitere Meldungen“, ertönte eine kehlige Stimme.

„Ich bin ganz Ohr.“

„Die Osiris ist aus der Antarktis gestartet und auf dem Weg nach Europa, genauer gesagt hat sie Kurs auf Polen genommen. Auf Anfrage bekamen wir nur die knappe Information, dass die Cyborgs wieder an Bord genommen wurden, alle Mitglieder der Gruppe aus der Antarktisstation ebenfalls im Kreuzer sind, ebenso die Waffenträger.“

„Hat Captain Theseus einen triftigen Grund für sein Vorhaben angegeben?“

„Ja. Er meinte, dass er beim, ich zitiere wörtlich: „Arsch und Eier abfrieren die Dimensionsverzerrer nicht testen kann““, entgegnete die unbekannte Stimme und gab ein glucksendes Lachen von sich.

„Schön, dass es sie belustigt. Ich finde es nicht komisch, aber dessen ungeachtet als eine gute Idee und eine Notwendigkeit“, polterte Grain.

„Entschuldigung, Sir!“

„Ja, machen sie weiter.“

„Aye! Dann habe ich da eine Meldung aus Berlin. Der Reichstag wurde angegriffen und zerstört. Die Museen, in erster Linie die historischen, welche ägyptische, babylonische, keltische, griechische Artefakte beherbergten wurden komplett in Grund und Boden gestampft.

Der Kurfürstendamm existiert nicht mehr.

Innerhalb der Stadtteile Kreuzberg und Marzahn sind Unruhen ausgebrochen. Ganze Areale werden von plündernden Horden verwüstet. Polizei und Militär sind machtlos und innerhalb des Notstands ist man mittlerweile dabei auf Plünderer zu schießen.“

„Haben sie noch mehr davon?“, fragte Grain und seufzte entnervt.

„Der russische Verteidigungsminister Belrukin meinte, dass sich die Russen noch bedeckt halten mit Meldungen, wobei es in einigen Landesteilen wahrscheinlich Vorkommnisse gibt, aber die Meldewege sehr lang und unzuverlässig wären.“

„Ja. Das war klar“, murmelte Grandner.

„Sonst noch was?“, fragte Grain.

„Nein. Im Moment wäre das alles.“

„Danke! Das reicht auch erstmal. Grain, Ende!“

„Was sagt uns das?“, wendete sich der Stabschef an die Runde.

„Uns steht das Wasser bis zum Hals“, entfuhr es Smithers.

„Genau so ist es. Gebt mir die Osiris. Ich muss dringend mit Captain Theseus sprechen.“