Kapitel 1

Story by SethGodofChaos on SoFurry

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Impressum

Autor: Guido Zinnen

Seth@God-of-Chaos.de

© 2018

Der Inhalt des Buches hat keinerlei Beziehung zu vergangenen, bereits bestehenden oder in Zukunft stattfindenden Ereignissen.

Jedwede Gleichheit von real existierenden Namen, Behörden, Institutionen, Orten, Staaten, Medien unterliegen der zweckdienlichen Recherche, sind jedoch frei erfunden und damit reine Fiktion.

Selestral 2

Genros Finsternis

Prolog

Cyron stand auf der Brücke der Ra-em und sinnierte über das Leben und die vergangenen Ereignisse.

Das Leben wie er und alle Chafren es kannten, war aus den Fugen geraten, hatte sie von einem Problem zum anderen getrieben.

Ihr Leben war so einfach und geordnet gewesen. Sie jagten mit Pfeil und Bo-gen, mit Speeren, notfalls mit bloßen Händen. Sie hatten technische Errungenschaften in ihr Leben gelassen, wie fließendes Wasser in ihren Hütten und Häusern, elektrischen Strom. Ansonsten war alles aber eher einfach gehalten und damit hatten sie sehr gut gelebt.

Was war geschehen, dass alles so aus ausarten musste? Hatte er Schuld oder war es alles nur eine Verkettung von unglücklichen Umständen?

Klar, es gab auch positive Ereignisse, aber die negativen waren tiefer eingebrannt.

Die Hochzeit seiner Tochter mit Chiron war etwas herausragend gutes in all den Zeiten, ebenso die Geburt seines Enkels Apophis. Sein erster Ritt auf dem Rücken des Draches Groodarn.

Aber das war, verglichen mit all dem Anderen, nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Immerhin wird man nicht alle Tage aus seiner heilen Welt herausgerissen und mit einem Kampf auf Leben und Tod konfrontiert. So gab er sich die Schuld am Tod von Ikarus, an den vielen Verletzten, die die Kampfhandlungen mit sich gebracht hatten, ebenso der Tod von zwei Drachen.

Dann der Verlust ihrer Herkunft, ihres Glaubens. Die Vermischung von Zeitabläufen, der Flug zur Erde, einem ihnen bis dahin unbekannten Planeten, wieder der Kampf ums nackte Leben. Überall wo sie auftauchten, gab es am Ende Zerstörung und Tod. Waren er oder sie alle Todesengel, brachten sie nur Unruhe in das Gefüge der Welten? Oder waren sie die Neuordnung, diejenigen die unbewusst durch ihre blanke Existenz für Gerechtigkeit sorgten und damit für eine Neustrukturierung? Ein kompletter Umbau der Ordnung, welche nicht stet, welche veraltet war und damit logischerweise abgelöst werden musste?

Egal wie man es auch drehte, die schöne Märchenwelt in der alle gelebt hat-ten, war zerstört und unrettbar verloren.

So stand der Tigerkater mitten auf der Brücke eines Raumkreuzers und kam langsam, aber sicher aus seiner Gedankenwelt hervor.

Kapitel 1

in den Subraum

„Der Weltraum in seiner Unendlichkeit.“

„Na, ihr beiden, wie sieht es aus?“

„Nun. Es ist schwarz, schier unendlich in seiner Ausdehnung und enthält jede Menge Sterne, dunkle Materie, Planeten, Kometen und was sonst noch so herum fliegt.“

„Aoorgh", entgegnete Cyron. „Kira scheint immer noch auf euch abzufärben. Erst fängt sie mit den blöden Antworten an, dann macht Shana damit weiter und jetzt auch noch du, Apophis.“

„Tja Großvater, auf komische Fragen erhält man komische Antworten. Du stellst die falschen Fragen.“

Cyron schüttelte den Kopf und Jody schmiegte sich an ihren gestreiften Freund, Partner und Liebhaber.

„Sieht das nicht fantastisch aus?“, fragte sie.

„Du hast recht, der Anblick ist wirklich unvorstellbar“, entgegnete Stella.

Der Cheritkreuzer Ra-em war jetzt seit dreizehn Monaten auf dem Weg von der Erde nach Genro. Ein momentaner Maschinenschaden hatte sie gezwungen aus dem Sub- in den Normalraum zurückzufallen.

„Ein Klacks“, hatte Drekal zu diesem Zeitpunkt gesagt. Jetzt flog der Kreuzer seit acht Wochen lediglich mit Lichtgeschwindigkeit auf sein Ziel zu und war damit viermal langsamer als das Truppentransportschiff der Erdstreitkräfte.

Drekal betrat die Brücke. „Hallo“, sagte sie knapp. „Ich verkneife mir die Frage, nach dem wie es aussieht. Sonst erlebe ich nur noch die gleiche Schlappe wie Cyron.“

Die Wölfin grinste schelmisch und Cyron verdrehte die Augen.

„Das wird mir wohl ewig anhaften“, knurrte er.

„Tja, Ehre wem Ehre gebührt“, witzelte Jody.

„Wie geht es eigentlich unseren Maschinen?“, fragte Apophis an Drekal gewandt.

„Die Reparaturarbeiten sind fast abgeschlossen. Wir müssen nur noch ein paar Tests durch laufen lassen.“

„Super. Wir verlieren sonst zu viel Zeit und die Aufgabe, die vor uns liegt, ist schwierig genug“, sagte Cyron.

Drekal nickte.

„Seit wann verwendet ihr eigentlich den Subraum zur Flugzeitminimierung?“, fragte Jody neugierig.

„Die Technik ist noch sehr neu und unser Kreuzer der erste seiner Art. Der Subraumantrieb ist extrem teuer und aufwändig. Außerdem verwenden wir dafür Materialien, die wir auf unserem Planeten nicht haben. Wir müssen sie unter extrem schwierigen Bedingungen auf Asteroiden abbauen.“

Jody nickte verstehend.

„Allerdings hat dieser Antrieb den Vorteil, dass wir wesentlich schneller sind und dazu die Zeit und den Raum nicht auffalten müssen."

„Und wo liegt der Haken?“, fragte Stella.

„Wir dürfen ihn nicht in unmittelbarer Nähe von bewohnten Planeten benutzen. Die Subraumstrahlung beeinflusst lebendes ungeschütztes Gewebe nach-haltig.“

Stella pfiff leise.

„Alles hat zwei Seiten, aber wenn man sie berücksichtigt, dann kann eigentlich nichts passieren", versuchte Drekal alle zu beruhigen.

„Selestral an Drekal. Drekal, bitte melden“, hörte man die Stimme der Jaguarin plötzlich aus den Lautsprechern tönen.

Die Wölfin ging zur Kommunikationskonsole. „Ja. Ich höre.“

„Die letzten Tests sind erfolgreich verlaufen. Wir können wieder in den Subraum übergehen.“

„Das sind gute Neuigkeiten. Startet den Subraumantrieb.“

„Aye, Captain.“

Drekal knurrte. Ihre ehemalige Crew gewöhnte sich nur schwer daran, sie nicht mehr als Captain anzusprechen. Aber bis Genro würde sie es wohl oder übel bleiben. Die Wölfin seufzte.

„Wo ist eigentlich Syrgon?“, fragte Jody.

„Er liegt in unserem Quartier. Ihm geht es im Moment nicht so gut und er ist sehr müde.“

„Du musst ihm auch etwas Ruhe gönnen“, sagte Apophis vorwurfsvoll und grinste. „Immerhin ist er auch nicht mehr der Jüngste.“

Das Schiff vibrierte leicht und die Sterne schienen zu verblassen, dann sah man wie sich vor dem Schiff ein Strudel zu bilden begann. Zielstrebig steuerte der Kreuzer hinein und man sah nichts mehr. Keine Sterne, keine Planeten, nichts. Nur die reine Finsternis schien sie zu umgeben. Das Schiff war in den Subraum eingetaucht und raste seinem Ziel wieder entgegen.

Tarja und Chiron lagen in ihrem Quartier und schliefen noch. Als das Schiff zu vibrieren begann, erwachte Tarja und sah sich kurz um. Sie erkannte, die seit Monaten stets gleiche Umgebung ihres Quartiers und schaute zu ihrem Kater. Der lag da und hatte immer noch die Augen geschlossen. Sie beugte sich zu ihm rüber und küsste ihn zärtlich. Er stöhnte leicht und drehte sich auf die andere Seite.

Das nahm sie zum Anlass ihre Weckzeremonie etwas herrischer ausfallen zu lassen. Sie bleckte die Zähne und biss ihm ins linke Ohr. Schlagartig war ihr Tiger wach und schreckte hoch.

„Hallo, mein Liebling“, flüsterte ihm die Tigerin ins Ohr.

Er drehte sich zu ihr um und lächelte sie an. „Sind wir schon wieder auf dem Weg oder dümpeln wir immer noch dahin?“, fragte er.

„So wie es aussieht fliegen wir wieder im Subraum. Zumindest sieht man keine Sterne mehr.“

Sie sah konzentriert aus dem Seitenfenster und Chiron seufzte erleichtert. „Das hört sich gut an. Dann schaffen wir es noch, vor dem Transporter einzutreffen und haben genügend Zeit um uns auf ihn vorzubereiten.“

Sie nickte und stand auf. „Ich gehe jetzt erstmal duschen.“

Chiron überlegte kurz und schickte sich an, sie zu begleiten.

Tarja beobachtete ihn beim Aufstehen und pfiff anerkennend. „Oh, welch entzückender Anblick.“

Der Kater zuckte mit den Schultern, schämte sich aber keinesfalls für seine Aufmachung.

„Dann komm mal mit. Dagegen müssen wir doch was tun“, sagte sie auffordernd und zog ihn mit sich.

Kira und Andrew waren in ihrem Quartier schon vor den beiden Tigern erwach-ten und gaben sich ganz ihrer Liebe hin. Die Luchsin war ihrem Säbelzahnlöwen, welcher männlich und weiblich zugleich war, hoffnungslos verfallen. Andrew ging es mit ihr nicht anders.

Sie lagen beide auf dem Bett. Man sah einige Bewegungen unter der Decke und wenige Minuten später kamen beide hervorgekrochen. Kira legte ihren Kopf auf seine Brust und wischte sich die Lippen ab. Der Säbelzahnlöwe schaute sie an und fing an zu kichern.

„Eh“, sagte sie und biss ihm in die linke Brustwarze.

„Autsch.“ Er hörte auf zu lachen.

„Das ist deine Schuld. Du Chauvie. Dein männlicher Teil ist zwar auch schmackhaft, aber etwas zu großzügig.“

„Geben ist seliger denn nehmen“, sagte Andrew und zog den Kopf ein. Er sprang aus dem Bett und rannte in die Nasszelle. Kira verfolgte ihn und tatzte nach seinem Schwanz.

„Bleib gefälligst stehen“, rief sie. „Du bist ein ganz verdorbener Anthro und ich werde dich dafür übers Knie legen.“

Er ließ sich bereitwillig fangen, zog seine Geliebte unter die Dusche und vereinigte sich mit ihr unter den Wasserstrahlen.

Syrgon hingegen fühlte sich irgendwie schlapp. „Bei Anubis. Was hat diese Wölfin nur mit mir gemacht?“, stöhnte er leise, als er in den Spiegel sah. Ihm tat der ganze Körper weh.

Er hatte Bisswunden am Hals und Verletzungen am Rücken, welche auf den ausgiebigen Einsatz von Zähnen und Krallen zurückzuführen waren. Er schaute genauer in den Spiegel, trat einen Schritt weiter vor, jaulte jedoch laut auf und sah an sich herab. Er sah an bestimmten Stellen nicht sehr gesund aus, besonders an einer ganz bestimmten. Da hatte ihm seine neue Begleiterin heftig zugesetzt, sich mehr als einmal zu schaffen gemacht und das nicht unbedingt nur zärtlich.

Auch er ging unter die Dusche und genoss die heißen Strahlen.

Fast zeitgleich waren alle fertig geworden, traten aus ihren Quartieren und trafen sich auf dem Gang.

„Oh, hallo“, sagte Tarja erfreut. „Wo wollt ihr denn hin?“

„Wir gehen zum Speisesaal“, antwortete Kira und Syrgon nickte, deutete an, dass er den gleichen Weg hat.

„Ah, fein. Dann können wir zusammen gehen“, freute sich die Tigerin.

Syrgon stöhnte leise, als sie den Aufzug betraten.

„Was ist mit dir?“, fragte Andrew.

„Ach nichts. Ich glaube ich werde alt. Jedenfalls setzt mir Drekal mächtig zu.“

Tarja und Kira sahen sich an und kicherten, während Andrew und Chiron eher bemitleidend wirkten.

„Manchmal habe ich den Eindruck einem Vampir in die Arme gelaufen zu sein“, setzte der Wolf fort und ein sich immer wiederholendes Bild erschien vor seinem inneren Auge.

„Wieso? Ist sie so blutdürstig?“

„Nein, sie ist extrem saugfreudig.“

Chiron biss sich auf die Unterlippe um nicht laut aufzulachen, aber Andrew lachte einfach und ohne Hemmungen. Kira trat ihm dafür vors rechte Schienbein.

Er verstummte sofort und verzog das Gesicht. „Ich habe Hunger“, verkündete er ablenkend.

Seine Luchsin sah ihn schief an. „Immer noch Hunger? Ich füttere dich wohl nicht genug?“

Andrew schien peinlich berührt und zog den Kopf ein.

„Ähm … Syrgon“, sagte Chiron, als sie den Aufzug verließen. „Hast du dir schon mal Gedanken darüber gemacht wie du die Sache, zwischen Drekal und dir, Tristan beibringen willst?“

Syrgon schien eine lange Leitung zu haben und reagierte zunächst nicht auf die Frage. Dann aber blieb er abrupt stehen. „Ach der … du glaubst doch selbst nicht, dass der Greif über vier Jahre auf mich gewartet hat. Ausgerechnet auf einen Wolf und das wo er unzählige Partner haben kann.“

„Mag sein, aber er hatte dir versprochen, dass er warten würde. Ich will hoffen, dass du recht hast und er es sich tatsächlich anders überlegt hat. Ansonsten kommt ein Problem auf dich und vor allem ihn zu.“

Syrgon seufzte. „Lasst uns weiter gehen. Darüber mache ich mir Gedanken, wenn es soweit ist und wenn es überhaupt dazu kommen sollte.“

Chiron nickte, sah aber einen gequälten Ausdruck in den Augen des Rüden.

„Genau. Lasst uns weitergehen“, bemerkte Tarja beiläufig und zog ihren Ehekater mit sich.

Auf Genro hatte Chiron seiner Tigerin zwischen den einzelnen Scharmützeln einen Heiratsantrag gemacht. Tarja war begeistert und willigte ein. Auch Stella und Cyron zeigten sich nicht abgeneigt und gaben den beiden ihren Segen und den der Götter. Leider hatten die Ereignisse seinerzeit, eine Heirat auf ihrem Heimatplaneten verhindert und auf der Erde angekommen, war an eine solche erst recht nicht zu denken. Nachdem sie allerdings mehrere Monate im Raum unterwegs waren und genügend Abstand zu den zurückliegenden Ereignissen hatten, stand einer Trauung nichts mehr im Weg und Drekal fühlte sich mehr als geehrt diese zu vollziehen.

Torus und Syrgon wurden zu Trauzeugen verpflichtet und nahmen ihre Aufgabe durchaus ernst. Beinahe zu ernst. Die beiden versuchten zwischenzeitlich sogar alle Fäden an sich zu reißen und rannten fast alles über den Haufen. Nachdem sie die vollständige Kontrolle übernommen hatten, versanken sie im planlosen Chaos und die Hochzeit drohte ein Fiasko zu werden.

In letzter Sekunde mischte sich Drekal ein und stauchte ihren Rüden zusammen. Es dauerte eine Weile und kostete die Wölfin fast den letzten Nerv, aber sie schaffte es ihn zu überzeugen. Er übergab einen Teil seiner Aufgaben an Helios, welches den Taur erfreute. Nach zwei weiteren Tagen war alles vorbereitet und die Märchenhochzeit konnte starten. Sie trafen sich alle im Speisesaal und ein Drittel der Besatzung hatte sich eingefunden.

Drekal machte ihre Arbeit wirklich sehr gut und am Ende fielen sich die beiden Tiger glücklich in die Arme und besiegelten ihren Bund mit einem sehr heißen Kuss. Tja und somit waren alle ihre gemeinsamen Unternehmungen ab sofort legal und Bastet hielt ihre schützende Hand über sie.

Sie kamen im Speisesaal an. Er war leer und sie somit die einzigen Gäste.

„Hallo, ich bin Rojan. Was kann ich euch Gutes tun?“, fragte einer der Bedienungsfüchse.

Tarja überlegte kurz. „Ich hätte gern ein saftiges Rindersteak und Kartoffeln.“

Der Fuchs nickte kurz und wandte sich Chiron zu.

„Eine Fleischpastete hätte ich gern“, sagte der betont feierlich.

Andrew und Kira bestellten sich beide mehrere Stückchen Obstkuchen mit Sahne und Syrgon ließ sich Spaghetti mit Tomatensauce bringen und dazu ein Antikopfschmerzmittel. Der Fuchs verschwand wieder, um die gewünschten Sachen herbeizuschaffen.

„Wie geht es dir?“, fragte Tarja an Kira gewandt.

Die Luchsin schaute auf ihre Hände, dann zu Andrew, ließ ihren Blick über Chiron und Syrgon schweifen, um schließlich wieder Tarja anzusehen.

„Na ja. Wie man es nimmt. Es geht mir besser als man denken mag und das liegt allein an Andrew und natürlich auch an euch.“

Tarja nickte und schaute traurig in das Gesicht der kleinen Raubkätzin. „Denk immer daran, dass er in unseren Herzen weiterlebt und niemals stirbt.“

Kira schaute betroffen in die Augen der Tigerin und versuchte zu lächeln. „Ihr alle seid mir wirklich eine große Hilfe und gebt euch viel Mühe, aber den Tod meines Bruders kann niemand ungeschehen machen. Ich muss damit leben und klar kommen. Aufgeben und resignieren zählt nicht. Er würde auch nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern weiter machen und das Beste daraus.“

Tarja nickte und kaute auf ihrer Unterlippe.

Die zurückliegenden Ereignisse kamen ihr wieder vor Augen. Sie saß zusammen mit Andrew in einem der Ruhe- und Entspannungszimmer und spielte Karten, als plötzlich eine schwere Erschütterung das Schiff erfasste. Alarmsirenen heulten auf und sie dachte erst an einen Angriff, rannte mit Andrew in Panik zur Brücke, kamen aber nur bis in die Nähe des Maschinendecks. Dort wurden sie schon von Mitgliedern des Techniknotfallteams abgefangen.

Kira hatte zu diesem Zeitpunkt das Gefühl, dass ihr ein Teil ihrer Seele herausgerissen wurde, verschwieg es aber.

„Ihr könnt hier nicht weiter. Der Maschinenraum musste verriegelt werden, weil wir einen Maschinenschaden haben. Es treten toxische Gase aus. Die müssen erst abgepumpt werden. Außerdem besteht immer noch Explosionsgefahr“, hatte einer von ihnen gesagt.

Zu diesem Zeitpunkt wusste sie noch nicht genau, dass sich Pedro, Torus und Friggs dort aufgehalten hatten. Also warteten sie ungeduldig. Das Team bemühte sich auch den Fall schnell in den Griff zu bekommen und gab nach zwanzig Minuten den Weg frei, sperrten jedoch weiterhin den Zugang zum Maschinenraum.

Als beide auf der Brücke ankamen, wurden sie schon von Drekal erwartet. Die Wölfin schaute Kira mehr als nur erschüttert an. Da wusste sie definitiv, dass etwas nicht stimmte und ihr Gefühl sie nicht getrogen hatte. Im Besprechungsraum des Captains erfuhr sie dann die schreckliche Wahrheit und brach zusammen.

Pedro stand in unmittelbarer Nähe der Hauptenergiekupplung als diese in ein Ungleichgewicht der Subraumerzeugung geriet und explodierte. Er war auf der Stelle tot.

Friggs und Torus hatten nicht so viel Glück im Unglück und erstickten qualvoll in den tödlichen Dämpfen des Leck geschlagenen Kühlungssystems. Drei Tage hatte die Luchsin gebraucht um sich zu fangen und einen weiteren Tag bis sie in der Lage war mit jemandem zu reden und wieder Nahrung aufzunehmen. Andrew bemühte sich mit viel Hingabe und Einfühlungsvermögen um sie und hatte Erfolg.

Nunmehr waren acht Wochen vergangen und Kira dachte mit Liebe an ihren Bruder, war aber nunmehr etwas weiter entfernt vom Ereignis und damit auch vom Verlust.

„Das Schlimme ist nur“, sagte sie laut, „dass wir dachten, dass wir alles hinter uns gebracht hätten und nichts mehr passieren könnte. Pedros, Torus' und Friggs' Tod hat uns eines Besseren belehrt.“

Tarja nickte, schwieg aber. Sie fühlten sich alle sichtlich unwohl.

Glücklicherweise brachte genau in diesem Augenblick das Bedienungspersonal die bestellten Speisen und riss sie aus ihren unangenehmen Gedanken.

Fast zeitgleich öffnete sich die Tür zum Speisesaal und Prof. Skort, Dr. Binder und Selestral traten ein, außerdem hatte sich noch eine langhaarige Hündin von der Technik, namens Berca, hinzugesellt. Sie begrüßten sich freundlich, teilweise überschwänglich und stellten zwei Tische zusammen, damit alle genügend Platz hatten.

„Selestral“, begann Andrew.

Die Angesprochene horchte auf. „Ja?“

„Kannst du uns ein paar Fragen beantworten?“

„Hmmm … Ich werde es versuchen.“

„Gut. Wie hast du eigentlich so schnell unsere Sprache gelernt? Ich meine, als wir dich fanden sprachst du altes ägyptisch.“

Die Jaguarin lächelte verlegen. „Das ist leicht beantwortet“, erwiderte sie. „Unsere Technik hat sich weiter entwickelt und wir verfügen nunmehr über eine Möglichkeit den Lernprozess durch gezielte Stimulation entsprechender Hirnregionen zu intensivieren, damit zu beschleunigen und effektiver zu gestalten.“

Chiron nickte zustimmend. „Wir sollten unseren Sohn davon fernhalten“, wandte er sich an seine Tigerin.

„Ach? Wusstest du davon?“ Tarja sah ihn scharf an.

„Natürlich. Für Selestral ist die Methode relativ neu, aber nicht für mich.“

„Und warum hast du uns nichts davon erzählt?“

„Weil keiner gefragt hat?“

„Hmhm. Hmmm … Der Punkt geht an dich. Wenn man die Frage nicht kennt, dann kann man auch nicht antworten.“

Andrew verdrehte die Augen und wandte sich wieder an Selestral. „Also hast du die Möglichkeit alles Erlernbare innerhalb kürzester Zeit zu erlernen?“

Sie nickte.

„Das klingt phantastisch“, warf Syrgon ein.

„Eure und unsere Sprache bezeichnen wir als Interspeak. Es gibt kleine Abweichungen, aber über die kann man getrost hinweg hören“, erklärte die Jaguarin weiter. „Durch das sehr frühe Zusammentreffen unserer und der menschlichen Spezies muss sich ein gemeinsamer Nenner gebildet haben, der bis heute er-halten blieb.“

„Das klingt einleuchtend, wenn es auch nicht unbedingt beruhigt und hundertprozentig zutrifft“, sinnierte Binder.

Skort grinste verschmitzt.

„Was willst du damit andeuten?“, fragte Kira.

„Nun. Euch ist auf Genro bestimmt schon aufgefallen, dass in den dortigen Basen, welche ihr übernommen hattet, die Anschriften in den Bereichen in einer euch unbekannten Sprache verfasst waren. Da die Basen ursprünglich militärischen Ursprungs waren, war die dortige Hauptsprache englisch. Diese Sprache wird noch bis heute vom Militär und von der Wissenschaft benutzt, wenn man mal vom Latein in der Medizin und der Forschung absieht. Alle anderen Bereiche haben das Interspeak akzeptiert und sind vom englischen abgekommen. Früher hatte jedes Volk der Erde eine eigene Sprache bzw. zumindest Dialekte entwickelt die sie untereinander unterschied“, erklärte Binder.

„Das ist interessant“, entgegnete Kira, „somit konnten die Menschen einander unterscheiden.“

„Ja. Statt einen gemeinsamen Nenner zu suchen, beschränkte man sich überwiegend darauf die Summe an Unterschieden zu sehen und sich auf diese zu konzentrieren und die Sprache war ein gutes Hilfsmittel bei der Suche nach Konflikten. Allerdings erfasste eine Strömung der Verallgemeinerung die meisten Bereiche und Sprachbarrieren spielten keine Rolle mehr.

Nach und nach vermischten sich die Völker und damit auch ihre Eigenheiten. Am Ende dieser Entwicklung entstand das Interspeak. Warum sich auf Festrid die gleiche Sprache entwickelte, weiß ich nicht. Es muss wohl an dem liegen was Selestral andeutete.“

„Na schön“, beendete Andrew das Thema. „Da wir das Transportschiff überholen werden, stellt sich mir noch eine wichtige Frage. Was tun wir, wenn wir auf Genro angekommen sind?“

„Das ist eine wirklich gute Frage“, antwortete Tarja. „Allerdings kann dir wohl kaum einer zu diesem Zeitpunkt eine befriedigende Antwort geben.“

„Hm. Der Kreuzer müsste auf einem der unbesiedelten Kontinente landen oder im Wüstengebiet von Zurok. Auf jeden Fall muss er aus der Umlaufbahn raus. Die restlichen Entfernungen auf Genro müssen mit den Landungsschiffen über-brückt werden, wenn sie den Atmosphärenflug beherrschen“, überlegte Chiron.

„Wieso ein wenn?“, staunte Tarja.

„Es kommt auf den Landungsschiffstyp an. Nicht alle können innerhalb der Atmosphäre fliegen. Einige Typen sind nur in der Lage in die Atmosphäre einzutreten, zu landen und anschließend den Planeten wieder zu verlassen. Aber ich denke, dass ein Schiff wie die Ra-em zumindest beide Typen an Bord hat. Drekal könnte uns mit Sicherheit mehr sagen.“

Selestral biss sich auf die Lippen. „Warum denn Drekal fragen? Ja, das müsste möglich sein. Wir haben überwiegend Atmosphärenflieger an Bord, aber das letzte Wort hierüber liegt beim Captain.“

„Sie ist nicht mehr der Captain“, grollte Syrgon. „Ihr solltet euch endlich damit abfinden. Sie leidet sehr unter der Tatsache, dass ihr euch mit ihrer Entscheidung so schwer tut.“ Er schien böse zu werden und sich hineinzusteigern.

Selestral seufzte. „Du hast ja recht, aber sie hatte bisher das Kommando und sollte es auch bis Genro behalten. Alles andere wäre unsinnig und würde womöglich in einem Chaos enden. Einer muss hier das Sagen haben und Drekal war immer die Beste für diese Sache.“

Syrgon lenkte ein und schloss die Augen. Ihr Argument war unanfechtbar.

In der Zwischenzeit hatten alle ihre bestellten Speisen aufgegessen und die Tische waren abgeräumt worden.

Berca schaute Selestral durchdringend an. „Vielleicht sollten wir Drekal rufen und auch die anderen der genroischen Gruppe, um einen Plan auszuarbeiten.“

Die Jaguarin sah die Hündin kurz an, nickte und stand auf. Sie tippte auf die Kommunikationskonsole. „Speisesaal an Captain! Drekal, hörst du mich?“

„Ja, was gibt es?“

„Würdest du bitte mit den Chafren in den Speisesaal kommen? Wir müssen etwas klären. Und jemand schaut mal bitte nach den zwanzig Kampfanthros und soll die gleich mitbringen. Die sollten ja mittlerweile von der Krankenstation runter sein.“

„Oh. Gut, wir sind gleich da. Drekal, Ende.“

„Okay", wandte sie sich an Cyron. „Wir werden gebraucht.“

Sie verließen die Brücke.

Während die einen zum Speisesaal gingen begab sich Apophis auf die Suche nach zwanzig Kampfanthros. Er brauchte nicht lange zu überlegen, wo die sich aufhalten könnten. Nach fünf Minuten wurde er fündig. Sie standen in einem der Beobachtungsräume und verfolgten die Schwärze vor den Fenstern.

„Hallo“, sagte er leise, zur Begrüßung. Ein durchtrainierter Serval drehte sich zu ihm um und nickte nur.

„Begleitet ihr mich bitte in den Speisesaal. Wir treffen uns dort um etwas zu klären. Fragt mich nicht, um was es geht. Selestral schien es aber wichtig zu sein.“

„Hm. Nun gut. Los Leute, folgend wir dem Langzahn.“

Eine einundzwanzigköpfige Gruppe marschierte somit quer durch das Schiff und erreichte letztendlich ihr Ziel.

Drekal und Selestral schienen in einer heftigen Debatte zu sein, als sich die Tür öffnete. Apophis glaubte sogar ausgefahrene Krallen bei der Jaguarin zu erkennen. Allerdings beendete ihr Eintreffen den Disput schlagartig.

„Ah! Wunderbar“, sagte Drekal und rang sich ein Lächeln ab.

„Haben wir gerade was verpasst?“, fragte einer der Kampfanthros.

„Nicht unbedingt. Es ging nur um meine Rangniederlegung, wieder einmal“, sagte Drekal barsch und schaute kurz zu Selestral.

„Also, das Übliche“, rief Syrgon dazwischen.

Apophis zuckte mit den Schultern. „Das wird wohl auch noch eine Weile dauern, bis sich alle daran gewöhnt haben.“

Die Wölfin seufzte. „Lasst uns zum eigentlichen Thema kommen. Es geht um die Vorgehensweise auf Genro. Sollen wir die Ra-em landen oder sollen wir sie im Orbit lassen? Wie sieht unsere Verteidigung aus? Wen sollen wir von den Chafren in diese Sache involvieren? Welche Waffen haben wir auf Genro? Wo sollen wir das Transportschiff erwarten? Gibt es vielleicht noch schlafende Waffen auf Genro, die bisher nicht gefunden wurden? Wo werden wir, also die Besatzung der Ra-em leben und wohnen? Wie kriegen wir eine gesunde und stabile Population auf Genro etabliert? Die jetzige ist zu schwach und die Intronenviren reichen nicht ewig um durch Mutationen die Vielfalt zu erhalten.“

„Das sind aber mal ne Menge Fragen auf einmal“, sagte Jody und atmete hör-bar aus.

„Wir sollten sie Schritt für Schritt erörtern“, warf Binder ein. „Außerdem sind wir ja auch noch da und können helfen.“

„Das freut mich“, entgegnete Kira beiläufig und schaute ihn fragwürdig an.

„Die Fragen sind teilweise relativ schnell beantwortet“, warf Selestral ein.

„Aha? Dann lass mal hören.“ Apophis schaute sie aufmerksam an.

„Die Ra-em sollte in wenigen Tagen aus dem Subraum in den Normalraum übergehen. Wir müssen die Navigation kontrollieren und den Raum scannen. Irgendwo werden wir den Truppentransporter finden. Dann können wir mehr entscheiden. Ob die Ra-em landen soll oder nicht, ist gerade nicht aktuell. Auf Genro dürften noch die Waffen existieren, die in den Basen lagen oder noch liegen. Und der Rest wird sich ergeben, genauso die Frage nach der genetischen Vielfalt.“

Drekal überlegte einige Zeit und nickte schließlich. „Du hast recht. Wir sollten in zwei Tagen aus dem Subraum raus und den Raum absuchen.“

Es entstanden kleinere Diskussionen unter den Anwesenden.

Plötzlich platzte es aus Jody heraus. „Ich bin schwanger.“

Eisiges Schweigen, gepaart mit Interesse auf einigen Gesichtern.

„Was sagtest du gerade?“, fragte Tarja. „Ich bin schwanger?“

„Nicht du“, plapperte Apophis dazwischen, „Sie!“

„Das war mir auch klar, aber wie?“

„Darüber muss ich dich doch wohl nicht unterrichten, Mutter. Immerhin wirst du das wohl wissen, sonst gäbe es mich nicht.“

Tarja rollte mit den Augen. „Wann ist das passiert?“

„Ich weiß es nicht genau. Aber irgendwann in den letzten Wochen", sagte Jody kleinlaut.

„Das ist interessant“, sagte Finlay. „Die Spermien scheinen einen Weg gefunden zu haben die Eizelle einer vollkommen fremden Spezies zu befruchten. Das ist ganz was Neues.“

„So ungewöhnlich ist das gar nicht“, sagte Skort und kicherte. „Immerhin waren die Cherit schon sehr viel früher auf der Erde und haben überall ihre Gene hinterlassen. Überliefert ist die Reproduktion mit irdischen Tieren. Vielleicht hat der eine oder andere Cherit die Grenze überschritten und sich heimlich mit einem Menschen gepaart?“

Chiron starrte den Professor aus großen Augen an. „Das hätte ungeahnte Trageweite, wenn das stimmen würde.“

Skort nickte. „Das würde bedeuten, dass Menschen und Cherit in wesentlichen Teilen der DNA übereinstimmen und somit verwandt sind, zumindest im weitesten Sinne.“

„Au man“, entfuhr es Andrew.

„Tja, da würde mich interessieren was bei Jody und Apophis raus kommt“, sag¬te Shana.

„Vermutlich eine exotische Mischung aus Mensch und Chafren“, entgegnete Jody.

„Aber warum hat es solche Wesen dann nicht auf der Erde gegeben?“, fragte Tarja.

Apophis überlegte sichtlich. „Weil die DNA der Cherit und die der Menschen doch zu unterschiedlich war. Es kam nur selten zu Befruchtungen. Außerdem kann es sein, dass eine der DNA's dominant ist und im Phänotyp zum tragen kommt, während der Genotyp gemischt ist. Allerdings verlief die Fortpflanzung mit den irdischen Tieren gut und es entstanden Mischwesen, die nach außen hin normal waren, aber Cheritgene enthielten.

Nachdem sich das irdische Militär von der Genetik die Zucht einer Wunderwaffe erhoffte und Tiergene ihres Planeten mit denen der Cherit kreuzte, fand durch das schon vorhandene Cheritmaterial eine Art Rückkopplung statt. Da Menschen und Erdentiere aus dem gleichen Genpool stammen, erschuf man zwar Anthros, diese hatten aber ein Erbmaterial welches sich stärker an das der Menschen anlehnte als man dachte.“

„Das klingt zwar verworren, aber plausibel“, frohlockte Skort.

„Natürlich, nur so kann man sich Jodys Schwangerschaft erklären“, ergänzte Apophis.

„Das würde auch erklären warum so viele Chafren ohne Nachwuchs sind“, sin-nierte Finlay. „Sie sind nicht unfruchtbar. Ihre Samen- und Eizellen weisen unterschiedliche Schlüssel auf.“

„Wie meinst du das?“, fragte Sitara.

„Ganz einfach. Wenn Apophis recht hat und unsere Erbanlagen steten Fluktuationen unterworfen sind, dann ist es ganz logisch das früher oder später immer mehr Lebewesen auftreten, die so starke Abweichungen in ihren Genen haben, dass es bei der Paarung zu einer Abstoßungsreaktion zwischen den Samen- und Eizellen kommt. Dabei kann es Ausnahmen geben bei denen es sehr gut passt oder ferner gerade noch so.

In zunehmendem Maße passt es aber immer weniger. Wir sind nicht unfruchtbar, die Entwicklung der Generationen driftet immer weiter auseinander und das führt über kurz oder lang zum Aussterben.“

Sitara senkte den Kopf. „Wie lange würde es noch funktionieren?“

„Vermutlich noch zehn bis fünfzehn Generationen“, antwortete Selestral an Stelle von Finlay.

„Ihr habt das gleiche Problem wie wir vor tausenden von Jahren. Daher griffen wir auch auf irdischen Tiere zurück. Wir sträubten uns anfangs, aber es war unsere einzige Hoffnung.“

„Verdammt“, entfuhr es Binder.

„Macht euch mal keine Sorgen“, ging Drekal dazwischen. „Wir sind ja auch noch da und werden eure Gene schon kräftig durch mischen.“ Die Wölfin zwinkerte schelmisch zu Syrgon rüber.

Der rutschte augenblicklich in sich zusammen. „Bitte sanft mischen“, entgegnete er leise.

Sie verstand ihn und warf ihm einen Kuss zu. „Okay, damit haben wir einiges geklärt. Der Rest findet sich später“, sagte sie laut.

Die Versammlung löste sich auf und Drekal begab sich an die Theke und nahm sich ein Glas Wasser.

Syrgon stellte sich neben sie. „Wegen der Sache von vorhin“, begann er. „Du solltest nicht so aus dem Fell fahren, wenn sie dich als Captain ansehen.“

Sie seufzte. „Fängst du jetzt auch damit an?“

„Nein. Das will ich ja gar nicht. Aber du musst auch ihre Situation verstehen. Es ist nicht leicht für alle Beteiligten plötzlich ohne Anführer dazustehen, vor allem wo du doch die beste Wahl dafür warst.“

Drekal sah ihn an. „Danke für die Blumen. Du hast vermutlich recht. Ich werde einstweilen noch provisorisch die Kommandostruktur wahren, aber auf Genro ist endgültig Schluss.“

Er nickte bestätigend.

Apophis unterhielt sich derweil angeregt mit Jody und Finlay.

„Also, was soll ich sagen?“, begann der Leopard, „Zunächst erstmal, herzlichen Glückwunsch.“

„Danke“, erwiderte Jody und lächelte offenherzig.

„Tja, mich würde wirklich interessieren wie der Hybrid aussehen wird. Mehr nach Mensch oder mehr nach Chafren? Wenn du nichts dagegen hast, würde ich dich gerne im Auge behalten und die Entwicklung beobachten.“

Apophis schaute seine Gefährtin aufmunternd an und schloss als Zustimmung kurz die Augen. Jody nickte daraufhin, fühlte sich aber etwas unbehaglich und unter die Lupe genommen.

Finlay bedankte sich und verließ mit Sitara den Raum. Syrgon und Drekal folgten ihnen kurze Zeit später. Am Ende standen nur noch Selestral, Jody, Apophis, Chiron, Tarja, Stella, Cyron, Professor Skort und Doktor Binder zusammen.

„Wie lange brauchen wir eigentlich noch bis Genro?“, fragte Cyron an Selestral gewandt.

„Etwa zwanzig Tage, bei dieser Geschwindigkeit. Wenn ich den kurzen Aufenthalt im Normalraum mit einbeziehe vielleicht einundzwanzig Tage. Kommt drauf an wie weit der Truppentransporter entfernt ist.“

„Ah! Das sind gute Neuigkeiten“, frohlockte er. „Ich bin begierig darauf unsere Freunde endlich wieder zusehen.“

Stella konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Was die wohl in der Zwischenzeit gemacht haben?“

„Wir werden es sehen.“

„Ach übrigens“, hub Gregor Binder plötzlich an. „Ich muss dich dringend etwas fragen, Selestral.“

Die Jaguarin sah ihn an und er fuhr fort. „Ich habe unsere gesammelten Daten noch mal überprüft und ausgewertet. Dabei stieß ich auf eine Ungereimtheit.“

„Oh und die wäre?“, fragte sie.

„Der Sarkophag, in dem wir dich fanden, wies laut unseren Messungen ein Alter von etwa 15.000 Jahren auf. Du hattest aber behauptet, dass du gegen Ramses II. gekämpft hattest. Kannst du mir den Unterschied in den Daten erklären?"

Die Kätzin legte den Kopf schief. „Ganz einfach. Das Gestein war 15.000 Jahre alt. Der Sarkophag wurde vor meiner Zeit gefertigt und wartete auf seine Bestimmung. Keiner wusste, wann das sein würde, bis wir von den Truppen Ramses' angegriffen wurden und wir uns recht erfolgreich zur Wehr setzen konnten.

Den Rest kennst du ja. Der größte Teil schlug Ramses bei Kadesh, es gab einen Friedensvertrag, dann gab es nochmals ein nicht weiter erwähntes Geplänkel vor den Mauern von Theben und er holte sich endgültig eine blutige Nase, danach verließ der verbliebene Teil die Erde, ein kleinerer war aufgerieben. Meine Zeit war gekommen und der Sinn des Sarkophags erschloss sich. Ich wurde in Stasis versetzt, nachdem wir schriftlich die zurückliegenden Ereignisse dokumentiert hatten.“

Binder nickte. „Das klingt einleuchtend. Entschuldige bitte mein Misstrauen, ich wollte dich nicht verletzen.“

Selestral lächelte ihn freundlich an und schloss kurz die Augen.

Wie jeden Morgen blickten Shiva und Pathenon zum Himmel, in der Hoffnung ein ihnen bekannt vorkommendes Flugobjekt zu sehen. Aber es war vergebens. Der Himmel war seit über drei Jahren leer und er war es auch weiterhin. Selbst die Drachen, die damals so zahlreich waren, tauchten nur noch sehr selten auf.

Pathenon streichelte seine Ehekätzin liebevoll und zog sie mit sich ins Haus. Es war etwa neun Uhr und das Dorf Felgan erwachte zum Leben.

Dank der Gleiter die zur Verfügung standen, war eine Versorgung aller Teile der Bevölkerung ohne Probleme möglich und ständig waren Marktstände auf dem zentralen Dorfplatz aufgebaut. Han-Dun war mittlerweile nur noch Sitz einer zwei Jahre zuvor gebildeten Regierung, welche sich aus allen Spezies des Planeten zusammenstellte.

Die meisten Händler hatten sich über alle Dörfer und Städte verteilt. Außerdem waren drei weitere Dörfer entstanden, welche Peschdan, Turlak und Britek hießen und auf dem besten Weg waren in einiger Zeit eher die Bezeichnung einer Stadt tragen zu dürfen.

Peschdan war eine Mischsiedlung in der Wölfe, Hunde und Katzen gemeinsam lebten, in Turlak hatten sich Greife, behufte Chafren und Tauren zusammengefunden und in Britek war eine bunte Mischung aller Chafrenarten entstanden und es war gleichzeitig die Verteidigungszentrale von Genro geworden.

Wenn die Weltraumabenteurer zurückkehrten, dann würden die staunen was sich innerhalb kürzester Zeit alles entwickelt hat. Die ehemalige Urwaldbasis war von mehreren Teams der Truppe und aus Wissbegierigen erkundet worden. Sie hatten wirklich alles ans Tageslicht befördert was nur irgendwie brauchbar erschien. Auch sie entdeckten die Bibliothek und verfrachteten alle Unterlagen in einen neu errichteten Anbau neben Hargots Hütte.

Nichts war mehr so wie es mal war. Genro begann den Weg einzuschlagen, den die Cherit auf Festrid schon lange gingen und er forderte seinen Tribut, die Veränderung.

Der Ozelot Hargot brütete stets über Büchern und wurde von Casandra mit allem versorgt. Man munkelte, dass die Wildkätzin ihn wirklich mit allem versorgte und er ab und zu mit einem komischen Grinsen vor seiner Hütte stand.

Die fähigsten Handwerker und Metallbearbeiter halfen beim Aufbau einer Metallurgiestruktur mit Eisengießereien, Stahlveredlung, des Weiteren entstand im Zeitraffer der Waffen- und Verteidigungssektor mit massiven Gebäuden. Die Waffensysteme der alten Station wurden demontiert und nach nur einem halben Jahr wurde jedes Dorf und jede Stadt von drei großen Lasertürmen flankiert und geschützt und das nicht ohne Grund.

Es schienen sich auf Sabeth Dinge zu ereignen, die mehr als beunruhigend waren. Die einstmals friedliche Welt von Genro war wiederholt befleckt worden und das Paradies hatte seine Krallen ausgefahren. Im Zuge dessen war auch ein funktionierendes Informationssystem aufgebaut worden und ein Frühwarnsystem hatte den Betrieb aufgenommen.

Die Gleiter wurden durch Neubauten ergänzt und die anfängliche Zahl von zwei Stück auf zehn erhöht. Erwähntes Frühwarnsystem befand sich auf der Planetenrückseite in der ehemaligen Landebasis, in welcher eine beschauliche Ruhe herrschte.