Camilla - Die Eroberin, Kapitel 5
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Kapitel 5
Der Space-Port lag weit außerhalb jeder Siedlung, machte einen heruntergekommenen Eindruck, war laut, überlaufen und es schien keinen Plan zu geben, wo man hin muss oder wer für was zuständig ist.
Einzig die angelagerten Bistros, Getränkestuben und Imbisse machten das Chaos wieder wett und luden ein.
„Was für eine riesige Sauerei“, entfuhr es Stephen, nachdem sie angekommen waren und dem Taxi entstiegen.
„Nicht sonderlich einladend, aber nichts desto trotz müssen da jetzt durch“, hub Camilla an. „Schau doch mal auf die Tickets, damit wir grob wissen, wo wir überhaupt zum Check-In sollen.“
„A-1954“, erwiderte Stephen pronto.
„Das bedeutet einmal durch das Empfangsgebäude“, seufzte die Fuchs-Wölfin.
„Miss Queen“, begann der Anubis-Roboter, „ich werde vorgehen und auf sie achtgeben.“
„Ich weiß“, bestätigte Camilla, „dann lass uns gehen, immerhin werde ich nicht jünger und wer weiß was für Leute uns gleich begegnen.“
„Ich kann mir vorstellen, dass sich sehr schnell ein Klub von begeisterten Anhängern einfinden wird, sobald man sie erkennt und vor allem wird man sich denken können was sie vor haben in Begleitung eines Lastenträgers“, gab Butler Frank zu bedenken.
„Es wird auf jeden Fall sportlich“, bestätigte Camilla. „Aber ist es das nicht immer?“
Das Quartett betrat mit dem letzten Satz der Fuchs-Wölfin das Gebäude und sie sahen sich um.
„Die besseren Zeiten sind eindeutig vorbei. Ein Wunder, dass hier überhaupt noch längere Reisen und Ausflüge angeboten werden. Hier findet doch nicht mal die illegale Klientel was sie sucht“, konstatierte Camilla.
„Bleiben sie alle in meiner Nähe“, hub der Roboter an. „Ich registriere neugierige und irritierte Blicke, welche auf ihnen und auch mir ruhen. Bei einigen zeigen meine Sensoren erhöhte Blutdruckwerte und einen erhöhten Pulsschlag an. Aggressionen kann ich nicht ausschließen.“
„Danke für den Hinweis. Wir sind ganz dicht in der Nähe“, sagte die Fuchs-Wölfin und legt fast wie ganz selbstverständlich ihre rechte Hand auf linke Schulter des Anubis-Tauren-Roboters.
„Ich weiß dieses Nähe und ihr Vertrauen sehr zu schätzen, Miss Queen“, schien er zu flöten.
„Schleim nicht rum, bring uns zum Terminal“, ordnete Camilla an.
„Dann mal los“, bestätigte Stephen und nickte Butler Frank Simson zu.
„Ich bin bereit, wenn sie es sind“, sagte der Dobermann noch.
Unzählige Blicke richteten sich auf das Quartett, wurden sie mit den Augen verfolgt, drehten sich immer mehr Personen nach ihnen um.
„Ich glaube, dass die meisten nur neugierig sind und ihr Bekanntheitsgrad das Übrige erledigt“, schlussfolgerte der Roboter aus den weitläufigen Reaktionen.
„Also alles wie immer“, schlussfolgerte Camilla.
Das war nicht untertrieben, denn auf der Hälfte des Weges stellte sich plötzlich ein etwas älterer Mensch in ihren Weg. „Sie sind also diese Camilla Queen? Sie sind dieser Fuchs der unserer menschlichen Lara Croft Konkurrenz machen will?“
„Eine Fuchs-Wölfin bitte, aber sie haben Recht. Jedoch habe ich keinerlei Konkurrenzbestreben“, erwiderte Camilla.
„Sie sind was sie sind und das wird einer menschlichen Frau niemals gerecht“, schnauzte der Typ.
„Wissen sie was typisch für Menschen ist?“, ging der Roboter dazwischen, „das ewige Konkurrenzverhalten. Immer muss es einen geben der alles besser kann, auch, wenn er es nicht kann. Immer muss sich jemand verbal von der Masse abheben, sich nach oben ekeln und schleimen. Reicht es nicht, dass die Menschheit den Planeten und damit sich selbst über den Rand hinweg in die Katastrophe geschoben hat?“
„Was meint die blöde Maschine damit?“, ereiferte sich der Alte.
„Das kann ich sehr gerne erklären. Wir Anthros sind durch nukleare Kontamination entstanden, durch eine atomare Verseuchung in Gebieten der Erde, welche sie als Menschen verursacht haben. Nicht wir sind das Problem, sondern die materiellen und vor allem geistigen Grundlagen des menschlichen Denkens und Verhaltens“, mischte sich Stephen ein.
„Das stimmt überhaupt nicht, wir sind von euch Kreaturen überrannt worden.“
„Aber nicht doch!“, begann Camilla, „Sie verdrehen die Täter- und Opferrolle deutlich. Sie waren zuerst auf der Erde, zumindest als sogenannte vernunftbegabte Spezies, ob sie das auch sind wage ich zu bezweifeln. Unsere Vorfahren wurden von ihrer Spezies als primitive Tiere gejagt und verachtet. Dann hat sich die Menschheit durch ihre ach so hoch gepriesene Intelligenz quasi fast ausgerottet und wir kamen unverhofft auf den Plan. Schauen sie sich um und zählen sie die anwesenden Menschen nach, viele sind es nicht. Dafür aber alle möglichen Arten die zu echter und vernünftiger Intelligenz gekommen sind. Im Prinzip müssen wir uns eigentlich bei ihnen bedanken“, schloss die Fuchs-Wölfin ihre Ausführungen ab.
Sichtlich angewidert von der Wahrheit, winkte der Mann ab, drehte sich um und verließ die Szenerie.
„Und jetzt lasst uns weitergehen, die Zeit wird sonst knapp“, ordnete Camilla an und zog den Anubis-Tauren mit sich.
Nachdem die Vier wenig später das passende Terminal erreicht hatten, war der Disput schon wieder vergessen. Dafür bahnte sich ein erneuter an.
„Der Typ da, darf nur in den Frachtraum!“, schrie einer der Terminalbediensteten schon von weitem, als er den Lastenträger erblickte.
„Das ist mein persönlicher Begleiter, der bleibt bei mir und geht mit in meine Kabine.“
„Nichts da … Miss … Queen!“
„Oh doch, das wird er!“, stellte sich die Fuchs-Wölfin stur.
„Und ich sage, dass daraus nichts wird, kleine Lady. Und ich habe hier das Sagen!“
„Eindeutig schon zu lange, aber das kann sich ändern. Ich möchte erstens mit ihrem Vorgesetzten reden und dann mit dem Betreiber der Space-Linie.“
„Das könnte ihnen so passen. Mir meine Autorität absprechen und beim Chef ausheulen. Das klingt mir verdammt nochmal nach sehr viel mimimi, kleine Dame.“
„Was gibt es?“, schrie jemand von hinten und kam schnell näher.
„Diese Füchsin hier will allen Ernstes ihren Blechhaufen mit auf ihre Kabine nehmen“, begann der fingerwedelnde Greif zurück zu brüllen.
„Ich bin gleich da und kümmere mich um den Fall.“
Wenige Augenblicke später stand ein Esel vor ihnen und räusperte sich. „Du kannst gehen. Mach mal Pause. Ich übernehme.“
„Okay Chefin, wenn sie das sagen.“
„Ja. Trink einen Kaffee und setz dich einfach mal in Ruhe hin.“
Nachdem der Greif gegangen war und außer Hörweite, wandte sich die Eselstute an die Vier. „Es tut mir Leid, Miss Queen. Leider ist gutes Personal in letzter Zeit schwer zu finden und diejenige die Arbeiten sind total überlastet. Da geht dem einen oder anderen schon mal die Sicherung durch.“
„Kein Thema, Miss …?“
„Kriel, Miss Queen“, antwortete die Eselstute auf Camillas Frage und streckte ihre üppige Statur.
„Alles in Ordnung, Miss Kriel. Dürfen wir jetzt an Bord des Ausflugkreuzers?“
„Ja, aber passen sie auf, dass ihr glänzender Kamerad nicht irgendwo aneckt oder beim Captainsdinner mit am Tisch sitzen will.“
„Ich glaube nicht, dass ich Interesse daran habe“, mischte sich der Anubis-Roboter ein.
„Dann bin ich ja beruhigt“, schloss die Eselstute ab und zeigte in Richtung des Hangars. „Einfach immer geradeaus und dann rechts. Sie können den Zugang zum Schiff gar nicht verfehlen. Viel Spaß auf Sirius A.“
„Wir haben zu danken, Miss Kriel und ebenso ihnen einen schönen Tag“, säuselte Camilla und setzte sich in Bewegung, gefolgt von den anderen.
Das Schiff selbst machte einen wesentlich besseren Eindruck als der Raumhafen. Außenhaut und die gesamte Inneneinrichtung machten einen sauberen, fast nagelneuen Eindruck.
Die Schiffscrew bestand aus zwei Menschen, einem Pferd, einem Tiger, als Brückenbesatzung, dann noch einer etwas dicklichen Ratte als Zahlmeister und einem Schlangenhybriden, welcher den Schiffsarzt darstellte.
Alles in allem würden es wohl zwei wundervolle Wochen an Bord dieses Luxusschiffes werden, wenn man sie in Ruhe lassen würde.
„Willkommen an Bord, Miss Queen. Ebenso ein herzliches Willkommen Mister Simson, Mister Fang und … wie darf ich sie ansprechen?
„Ich bin einfach nur Anubis, ein BD Supreme Plus“, stellte sich der Lastenroboter vor.
„Willkommen Anubis“, flötete der Tiger auffällig zuvorkommend. „Unsere Pagen werden sie zu ihren Kabinen begleiten. Mister Simson hat die Kabine 18E auf der Backbordseite, im vorderen Teil, Mister Lang fast direkt daneben in 20E und Miss Queen, sie bekommen die Suite direkt im Vorderteil des Schiffes. Da haben sie einen vorzüglichen Ausblick auf den vor uns liegenden Raum, sie dürfen gerne ihren Anubis Supreme Plus mitnehmen.“
Der Tiger schaute kurz hinter sich, hob eine Hand, wedelte damit etwas in der Luft und augenblicklich erschienen 4 aufrechtgehende Ameisen, nickte leicht und bemächtigten sich des Handgepäcks. „Wenn wir bitten dürfen? Folgen sie uns einfach“, schnarrte eine von ihnen und ging voraus.
„Dann mal los, Anubis“, flüsterte Camilla ihrem Schakal-Tauren zu und klopfte ihm sanft auf den Hintern.
„Miss Queen, ich möchte darauf hinweisen, dass ich kein Pferd bin. Bei mir bringt es nicht viel, wenn man mir auf den Hintern klopft.“
„Wo sollte ich denn sonst klopfen?“, fragte die Fuchs-Wölfin frech.
„Das werde ich gerne später erklären. Wobei ich denke, dass sie das irgendwann selbst herausfinden. Spätestens auf Sirius D sollten sie es wissen“, orakelte der Roboter und sah Camilla tief in die Augen.
„Du bist und bleibst ein Mysterium, mein lieber Anubis.“
„Ich bin was ich bin“, wiederholte der Roboter und schritt an Camillas Seite zum vorderen Teil des Kreuzers.
„Na ja“, hub Stephen an, „sieht ja ganz brauchbar aus.“ Er gab der Ameise ihr Trinkgeld und schloss die Tür von innen.
Anschließend trat er an das Bordsprechgerät heran, musterte es ausgiebig, las die Gebrauchsanweisung und tippte eine Rufnummer ein.
„Frank Simson hier“, ertönte die Stimme des Dobermann-Butlers.
„Ja, das hast du sehr schön gesagt“, sagte Stephen und kicherte.
„Mister Lang, sie sind wie immer sehr zu Scherzen aufgelegt. Daraus schließe ich, dass sie mit der Kabine zufrieden sind.“
„Ich würde lügen, wenn ich schwärmen täte, aber sie ist ganz okay, sauber, es riecht nicht muffig und die Beleuchtung funktioniert auch einwandfrei.“
„Dem pflichte ich uneingeschränkt bei und würde vorschlagen, dass wir schnellstmöglich Miss Queen aufsuchen und nachsehen wie es ihr geht.“
„Das ist eine sehr gute Idee, Frank. Wir treffen uns in 5 Minuten vor ihrer Kabine.“
„Sehr wohl Mister Fang.“
Camilla und ihr mystischer Roboterfreund hatten in der Zwischenzeit ihre Luxussuite erreicht, hatten mit der Ameise das gleiche Prozedere hinter sich gebracht wie Stephen und Frank und nunmehr allein.
„Die Suite ist sehr groß, Miss Queen“, floskelte der Roboter.
„Anubis!“
„Miss Queen?“
„Nenn mich einfach Camilla. Da wir eh gemeinsam reisen und das gleiche Ziel haben, sollten wir einfach zu unseren Vornamen übergehen. Wer weiß wie nahe wir uns zu späterer Zeit noch kommen und da wären gewisse Sachen in Verbindung mit dem Nachnamen sehr seltsam.“
„Miss Queen, ich komme ihrem Ansinnen sehr gerne nach, finde es aber dennoch etwas befremdlich und sehr intim.“
„Intim ist was anderes. Du hast mich schon nackt gesehen und ich bin immer noch der Meinung, dass du in der Nacht auf meinem Bett warst, eine Erektion hattest, mir dieses geschwollene Stück Pracht hingehalten hast und es nur nicht zugeben willst.“
„Camilla!“, entfuhr es dem Schakal-Tauren. „Ich muss doch sehr bitten. Selbst wenn ich über ein solches Körperteil verfügen würde, würde ich es kaum in so einer kompromittierenden Art und Weise präsentieren.“
„Aha! Wie denn dann? Lass doch einmal deine künstliche Phantasie spielen.“
„Ich würde mich zu dir ins Bett legen, würde dich streicheln, dich verwöhnen und dich dann zum Spielen auffordern.“
„Jetzt habe ich dich erwischt. Du hast sexuelle Phantasien was mich betrifft. Wo hast du die her?“
„Subroutinen, ich kann nicht sagen woher die stammen“, erklärte der Roboter kurz.
„Erzähl weiter, es gefällt mir was du mit mir machen würdest.“
„Miss Queen, Camilla. Es geziemt sich nicht.“
„Ich gebe dir den Auftrag mir zu berichten wie du spielen möchtest.“
„Ich habe geschickte Hände und Finger. Mehr brauche ich wohl nicht zu sagen.“
„Nun gut! Themenwechsel - Warum bist du so sehr an Sirius D interessiert und vor allem an dem Osiris-Fragment auf Sirius B? Was ist mit dem Fell, dass du dir organisieren möchtest?“
„Auch das ist in meinen Subroutinen gespeichert und entzieht sich im derzeitigen Status meinem Zugriff.“
„Okay. Das bedeutet, dass du mit mir ein gemeinsames Ziel verfolgst, aber nicht weißt warum. Das wirst du erst wissen, wenn es soweit ist und ich muss unter Umständen mit den Konsequenzen leben, egal wie die aussehen?“
„Genauso ist es, aber ich kann sie beruhigen, es wird ihnen und den anderen nicht schaden. Zumindest das weiß ich mit Sicherheit.“
„Allgemein ist das ganze zwar beunruhigend, aber schön, dass von dir wenigstens keine Bedrohung ausgeht.“
Es klopfte an der Tür.
„Herein“, rief die Fuchs-Wölfin.
„Hallo Schwesterherz, wir sind es nur und wollten sehen wie es dir und deinem Liebhaber geht.“
„Mister Lang, es ist sehr despektierlich mich als Liebhaber von Miss Queen zu bezeichnen“, entrüstete sich der Roboter.
„Gut gekontert, Anubis. Allerdings schimmert da etwas Heuchlerisches in deiner Stimme durch.“
Camilla fing an laut zu lachen. „Mein lieber Anubis, egal was du sagst, es wird nur noch schlimmer.“
„Ich empfinde die momentane Situation als höchst unbefriedigend“, monierte der Roboter.
„Ich bin auch oft unbefriedigt“, versuchte Camilla einen flachen Witz anzubringen.
„Miss Queen“, empörte sich Butler Frank, „ich darf doch sehr bitten. Das wollte jetzt wirklich keiner wissen.“
„Anubis vielleicht schon.“
„Miss Queen, sie bringen mich immer mehr in einer sehr unangenehme Lage“, beschwerte sich der Anubis-Tauren-Roboter.
„Dann lassen wir das jetzt lieber“, schloss die Fuchs-Wölfin ab und sah zu ihrem Stiefbruder. „Wie sind eure Kabinen?“
„Es ist kein Luxus wie bei dir, aber die zwei Wochen lässt es sich gut aushalten.“
„Immerhin. Wir hätten es schlimmer erwischen können. Gut gebucht, Frank.“
„Ich gebe stets mein Bestes.“
Es klopfte wieder an der Tür.
„Hat jemand etwas bestellt?“, fragte Camilla.
„Warum?“, fragte Stephen.
„Miss Queen, ich sollte zur Tür gehen“, schlug der Roboter vor und ging ohne auf eine Antwort zu warten los. „Bitte gehen sie zur Seite“, forderte er noch auf und öffnete die Tür.
„Miss Queen!“, begann der Hengst und stoppte abrupt. „Sie sind leider nicht Miss Queen, aber ist sie denn anwesend?“
„Ja, ich bin hier“, antwortete die Fuchs-Wölfin und trat näher.
„Ah. Sehr gut. Mein Name ist Thomas Zander und ja, ich weiß, ich sehe nicht aus wie ein Fisch. Ich bin der erste Offizier des beschaulichen Sternenschiffes und wollte sie im Auftrag des Captains heute Abend zum Begrüßungsdinner einladen. Selbstverständlich dürfte ihre Begleiter mit am Tisch Platz nehmen und sind gern gesehen.“
„Das klingt gut, Mister Zander, der kein Fisch ist, sondern ein Pferd. Übermitteln sie ihrem Captain, dass ich sehr gerne beim Dinner dabei sein werden, ebenso mein Butler Frank und mein Stiefbruder Stephen. Darf mein synthetischer Freund auch mit dabei sein? Er wird zwar nichts essen, aber wird sich bestimmt gerne ihrer Gesellschaft erfreuen und sich an den Gesprächen beteiligen wollen.“
„Ich freue mich sehr, vier Gäste an unserem Tisch begrüßen zu dürfen. Bis 20 Uhr dann. Ich empfehle mich, Miss Queen.“
„Bis später, Mister Zander.“
Sie schloss die Tür und schaute erst zu ihrem Stiefbruder, dann zu Butler Frank und dann zum Anubis-Roboter. „Wie es aussieht haben wir alle heute Abend etwas zu tun.“
„Ich freue mich sehr, dass sie an mich gedacht haben“, beteuerte der Roboter, „aber ich werde nicht daran teilnehmen. Ich habe schon etwas vor.“
„Warum und was hast du vor?“, hakte Camilla nach.
„Sie vergessen, dass ich andeutete mich um passendes Fell zu kümmern und ich glaube, dass ich, als wir an Bord gingen, im Hintergrund jemanden erkannte, der mir auf Sirius A helfen kann. Er könnte vielleicht sogar nützlich sein um nach Sirius B überzusetzen.“
„Dann werden wir wohl nur zu dritt an der Tafel sitzen“, seufzte Camilla. „Wenn du es dir anders überlegen solltest, dann komm einfach dazu. Ich glaube, dass du den Weg zum Speisesaal finden wirst.“
„Ich werde mich beeilen und sehr gerne dazugesellen“, schloss der Roboter ab und verließ die Suite.
„Du gehst jetzt schon?“, fragte Camilla.
„Der frühe Roboter fängt die passende Hardware.“
„Der Spruch hinkte jetzt aber mächtig, mein Lieber.“
„Etwas Besseres fiel mir nicht ein“, erwiderte der Roboter beim Gehen und zuckte plötzlich mit den Schultern.
Nachdem die Tür geschlossen war, schaute Stephen zu seiner Stiefschwester. „Egal was du jetzt sagen willst, es interessiert mich nicht. Der Typ hat doch einen an der KI und zwar heftig.“
„Ich finde ihn zunehmend offener, ehrlicher, direkter und vor allem vertraue ich ihm zunehmend.“
„Meinst du nicht, dass du da einen großen Vorschuss verteilst?“, gab Stephen zu bedenken.
„Ich habe mich sehr viel mit ihm unterhalten, er ist sehr offen geworden, sehr intim und er scheint Gefühle zu haben.“
„Das ist etwas weit hergeholt, findest du nicht?“
„Ich gebe ihrem Stiefbruder Recht, Miss Queen“, mischte Frank sich ein.
„Ich finde es rührend, aber ich vertraue meinem Bauchgefühl.“
„Ich glaube eher, dass du nicht aufpasst, weil es sich bei dem Roboter um Anubis handelt und deine Hormone im Weg stehen.“
„Du siehst Gespenster. Seine Subroutinen sind zwar nicht zugänglich für ihn, aber es besteht wohl keine Gefahr.“
„Aha und das lässt dich vertrauen? Was ist, wenn die Subroutinen ihn glauben lassen sollen, dass diese ungefährlich sind, damit er dich in Sicherheit lässt und wenn sie aktiv werden, er in deiner Nähe ist, keinerlei Probleme damit hat sich über dich herzumachen um dich zu töten.“
„Wenn er sich über mich her macht, um mich zu töten, dann hoffe ich, dass ihr in meiner Nähe seit um mich zu retten. Bei allen anderen Dingen mit denen man sich über mich hermachen kann, solltet ihr besser nicht dabei sein und auch nicht stören.“
„Das ist jetzt nicht dein Ernst?“
„Doch. Ich glaube, dass er und ich viel Spaß haben könnten, allerdings bin ich gespannt, warum er unbedingt bei mir gelandet ist und vor allem, warum er wie wir hinter dem Osiris-Fragment hinterher ist.“
„Hmmm…“, hub Stephen nachdenklich an. „Anubis hatte die von Seth verstreuten Stücke des Osiris bewacht, nachdem Isis ihren Sohn Horus aussandte um sie zu finden.“
„Hatte Seth nicht versucht sie immer wieder zu stehlen, um sie erneut zu verstecken?“
„Eben. Jetzt kommt dein Liebhaber ins Spiel. Was ist, wenn du Recht hast und ich möchte dir jetzt einfach mal glauben, er tatsächlich in den Subroutinen Anubis ist, mit der Historie gefüttert wurde, und nicht für sich, sondern für einen unbekannten Auftraggeber die Fragmente finden und sammeln soll. Dafür braucht er deine und unsere Hilfe.“
„Und wenn wir alle gefunden haben?“, sinnierte Camilla kleinlaut.
„Dann sind wir entweder überflüssig oder mit ihm ist etwas passiert, er ist Stück für Stück zum echten Anubis mutiert, wird zum echten Lebewesen und er benötigt dafür die Fragmente.“
„Du meinst wie beim Zauberer von Os.“
„Der Zinnmann. Er wollte immer ein Mensch sein. Vielleicht ist es mit deinem Anubis dasselbe?“
„Und dann?“
„Dann wird er zum echten Anubis. Wenn dieser Mythos und seine angebliche Zauberkraft tatsächlich existieren sollten. Er wird dich lieben, ehren, mit dir Sex haben, dich auf Händen tragen, Kinder zeugen und du wirst dich nie wieder aus dem Bett trauen, weil du unten herum ausgefranst bist.“
„Du dramatisierst, Bruderherz.“
„Na ja, zumindest erscheint mir die letzte Variante im Moment am wahrscheinlichsten, da er unbedingt wie ein echter Schakal-Taur erscheinen will und sich einen Fellüberzug besorgen will.“
„Hmmm… was ist, wenn er dieses Fell über seinem Körper hat, er nach und nach in den Besitz der Fragmente kommt, sich als echter Anubis erweist, das Fell und er tatsächlich lebendig werden?“
„Darauf spiele ich an“, schloss Stephen ab.
„Das würde bedeuten…“
„Lass es sein, Schwesterchen. Er ist merkwürdig und wir reden hier über Mythen, Legenden und Magie. Was am Ende tatsächlich passiert, werden wir sehen, wenn es soweit ist.“
„Du hast Recht. Lasst uns in die Starträume gehen. Das Schiff sollte in 20 Minuten abheben. Zwar würde nichts passieren, wenn wir hier blieben, da das Schiff wie ein Flugzeug startet und sich dann erst nach zwei Erdumrundungen in den Orbit bewegt. Aber sicher ist sicher.“
„Was ist mit Anubis?“, hakte Butler Frank nach.
„Der wird sich schon zu helfen wissen. Immerhin ist er sehr clever“, erwiderte Camilla und schob die beiden zur Tür. „Jetzt ab mit uns.“
„Achtung! Achtung! An alle Passagiere! Der Check-In ist beendet. Das Schiff startet in 20 Minuten. Alle Passagiere bitte in spätestens 10 Minuten in den Starträumen einfinden.“
„Seht ihr, wird Zeit für uns.“