Kapitel 13

Story by SethGodofChaos on SoFurry

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Kapitel 13

das Finale und die Hinterlassenschaften

Ungeduldig wartete Ramses auf die Rückkehr seiner Späher und wurde nicht enttäuscht. Zunächst noch in einiger Entfernung, aber dann deutlicher vernehmbar hörte er Pferdehufe, kehrte der kleine Trupp zurück.

Aufgeregt ging er in die entsprechende Richtung und schrie plötzlich rasend vor Wut auf, als er erkannte, dass seine Soldaten nicht im Sattel saßen, sondern tot auf den Rücken aufgebunden waren.

Mit einer Mischung aus Argwohn, Nervosität und wildem Zorn umschritt er die Tiere und betrachtete die Leichen.

„Keinerlei Schwerthiebe“, erklärte Re-narat das zu sehende.

„Das waren die Chittim“, spukte Ramses. „Diese götterlosen Bastarde. Die lauern im Dunkel der Nacht und sind vermutlich ganz in der Nähe.“

„Was schlagt ihr vor?“, fragte Bes-nure.

„Taktikänderung!“, polterte Ramses. „Wir greifen gestaffelt an. Ich übernehme ab sofort die Ammon-Einheit und breche auf. Min-merat! Du folgst mir mit etwas Abstand. Falls die Chittim da draußen lungern sollten und uns angreifen, kannst du sie notfalls aufbringen und uns helfen. Das sollte sie vernichtend schlagen.“

„Eine sehr gute Idee“, entgegnete Min-merat.

„Ammon-herat und Djet-anan! Ihr folgt in einem größeren Abstand der Re-Einheit. Ich vermute, dass uns der Kampf mit den götterlosen Chittim binden wird und wir Zeit verlieren. Eine Zeitspanne die unter Umständen den Hethitern reichen könnte, um von Osten her zu den Chittim aufzuschließen. Wenn ihr später dazu kommt, wird die Überraschung auf unserer Seite sein.“

„Hervorragende Strategie, mein Pharao“, intonierte Re-narat und nickte begeistert.

„Dann folgt mir und achtet auf Zeit und Abstände“, rief Ramses und ließ den Ammon-Verband unter seiner Führung starten.

Was Ramses nicht wusste, die Cherit-Centauren hatten mittlerweile das Lager der Hethiter erreicht und wurden gebührend empfangen.

Sahurunuwa war außer sich vor Freude, als er die Ankömmlinge erspähte. „Es freut mich aufrichtig euch zu sehen.“

„Ganz auf unserer Seite“, entgegnete Sarina trocken.

„Sagt an. Was ist euer Begehr?“, fragte der Heerführer der Hethiter.

„Wir schließen uns euch an. Der Rest von uns ist mit einem Schiff weiter gesegelt und hintergeht die Truppen von Ramses.“

„Perfekt!“, entfuhr es Sahurunuwa. „Wisst ihr wo sich die ägyptischen Truppen aufhalten?“

„Nicht weit von hier. Ich schätze, dass es sich nur noch um mehrere Stunden bis zum Kontakt handeln kann. Einen Spähtrupp, welcher aus eurer Richtung kam, haben wir eilends mundtot gemacht und ihn hübsch verpackt zu Ramses geschickt.“

„Dann weiß er, dass wir hier sind.“

„Mit Sicherheit. Aber wolltet ihr ewig warten? Außerdem wird er jetzt Fehler machen, da er garantiert wütend sein wird und Wut ist ein schlechter Berater.“

„Gut, dann brechen wir auf“, sagte er noch, drehte sich in Richtung des Lagers und schrie: „Männer! Alles so stehen lassen, wie es ist. An die Waffen! Wir brechen auf!“

Die Fähre der Antermerianer war auf der terranischen Oberfläche gelandet und waren die Insassen im Urwaldgebiet verstreut unterwegs. Größere Teile des Waldes waren den Flammen zum Opfer gefallen, lagen zur Unkenntlichkeit verbrannte Leichen herum.

Plötzlich hörte man einen Rascheln und Knacken im Unterholz.

Die Antermerianer wirbelten herum und hielten ihre Waffen im Anschlag, als ein vollkommen zerlumptes Etwas auf die Fläche trat.

„Ihr seid Götter?“, schrie Bel’har wie von Sinnen. Der ehemalige Oberpriester hatte die Angriffe und die Schlacht der Systemtreuen und Abtrünnigen überlebt, war aber schwer gezeichnet. „Was haben wir falsches getan? Was hat euren Zorn auf uns gelenkt? Warum habt ihr unser Volk ausgelöscht?“, plärrte er weiter.

„Was ist hier passiert?“, fragte einer der Ptah-Klone.

Bel’har war so verwirrt, dass er nicht erkannte, dass dieser Klon nicht einmal ansatzweise das repräsentierte was seine Götterwelt ausmachte. „Ihr Elenden habt uns auf dem Gewissen. Ihr habt keinen Segen gebracht, sondern Tod und Verderben. Warum?“

„Er spielt anscheinend auf die Kampfhandlungen über dem Gebiet an“, flüsterte Bes 1078.

„Dann scheinen wir schuldig zu sein, dass eine ganze Frühkultur zugrunde ging. Was haben wir getan?“, murmelte Min 1078.

„Hier ist alles schief gegangen, was schief gehen konnte“, konstatierte Anubis 2011 entsetzt.

„Wo ist Selestral?“, schrie Bel’har außer sich.

„Selestral? Wir wissen nichts von einer Selestral“, antwortete Ptah 1321.

„Warum wisst ihr nichts von ihr? Ihr seid doch Götter. Wieso wisst ihr nichts von ihr? Mit ihr kamen das Glück und der Segen ins Dorf. Sie ist eine Göttin, sie ist diejenige, die aus der Vermischung von Min’tau und dem Jaguargott entstand.“

„Jetzt haben wir noch mehr Probleme“, murmelte Min 1078.

„Ja. Wie es scheint sind jede Menge Notkapseln der Fremden in diesem Gebiet niedergegangen, haben die Bevölkerung religiös beeinflusst und dann entstand auch noch ein Hybrid aus ihnen und einer menschlichen Frau. Das ist mehr als unglücklich.“

„Was machen wir jetzt?“, fragte Min 1078.

„Wir räumen auf“, hub Ptah 1321 an. „Berichten können wir später. Ich übernehme die Verantwortung.“

„Was machen wir mit dem Alten?“, bohrte Min 1078.

„Den lassen wir außer Acht. Dem kann eh keiner mehr helfen.“

„Okay. Wo fangen wir an?“

„Wir räumen die Leichen weg und säubern das Gebiet. Alles was hier nicht hingehört wird beseitigt. Keinerlei Spuren dürfen auf uns hinweisen. Sollen die Nachfahren sich die Köpfe zerbrechen und von mir aus Mythologien aufbauen.“

„Aye!“

„Macht euch an die Arbeit.“

„Verstanden!“, schloss Min 1078 ab und hob einen Finger, ließ ihn kreisen.

30.04.1274 v. Chr.

In einem Gebiet, welches sich später Gaza-Streifen nennen sollte, trafen zu gleicher Zeit die Truppen von Ramses II. und Muwattalli II. aufeinander, standen sich zunächst gegenüber und taxierten die Lage.

Schließlich hielt es Ramses nicht mehr aus. Er hob sein Bronzeschwert und schrie: „Mit den Göttern und für Ägypten!“

Auf der Gegenseite geschah in diesem Moment das Gleiche, hob Sahurunuwa das Schwert und zeigte in Richtung der heranstürmenden ägyptischen Truppen. Standen sich 37.000 Mann auf hethitischer Seite und 5.000 Mann auf ägyptischer Seite gegenüber.

„Okay, Jungs und Mädels“, schrie Sarina durch das aufbrandende Kampfgetöse hindurch, „Angriff!“

Innerhalb kürzester Zeit entstanden unzählige Handgemenge, wurden Schwerter auf Schwerter geschlagen, hörte man deren dumpfes Klirren, polterten Pfeile unter dumpfen Aufschlägen auf Schilde, schrien Verletzte, gingen leblose Körper zu Boden.

Während Hethiter und Ägypter begonnen hatten sich vehement auf Leben und Tod zu verprügeln, zu hauen und zu stechen, versammelten sich die Centauren um Sari-na, sondierten die Lage, verschafften sich einen Überblick.

„Ich sehe Ramses!“, schrie Trevor plötzlich und zeigte auf einen Streitwagen in dem eindeutig erkennbar der Pharao stand, in diesem Moment einen hethitischen Soldaten mit seinem Schwert niederstreckte.

„Schnappen wir ihn uns“, schrie Sarina zurück und ging in einen leichten Trab über.

Zwanzig weitere folgten ihr, vierzig übernahmen den Flankenschutz. Der Rest der Centauren zog die Schwerter, hob die Schilde und galoppierte mitten ins Getümmel.

Der Pharao stand neben seinem Wagenlenker, hatte erfolgreich den sechsten Hethiter getötet und wurde ohne Vorwarnung, wie von einer eisernen Faust getroffen, vom Wagen gerissen, flog Meter weit durch die Luft und schlug hart auf.

Stöhnend stemmte er sich hoch, spukte etwas Blut und tastete nach seinem Gesicht. Seine Oberlippe war aufgerissen, daher stammte das Blut, ansonsten war ihm nichts passiert.

Als er wieder stand, sah er sich um. Seine Soldaten waren tief in die Kampfhandlungen verstrickt und er allein. Sein Bein schmerzte höllisch und er begann langsam vorwärts zu humpeln, stützte sich auf seinem Speer ab, hielt in der Rechten sein Schwert.

Weit und breit war nicht erkennbar wer ihn aus dem Wagen gefegt hatte. Er schärfte den Blick, versuchte im heillosen Durcheinander irgendetwas zu erkennen, aber es war vergeblich. Doch plötzlich traf ihn wiederholt ein Schlag, diesmal mitten in die Kniekehlen, brach er unter einem schmerzerfüllten Aufschrei zusammen.

Als er sich mühsam drehte, nach oben sah und seinen Oberkörper aufrichtete, kam der Übeltäter langsam auf ihn zu geschritten.

„Hallo, großer Ägypter“, grüßte Trevor.

„Was bist du?“, spukte Ramses schwer atmend.

„Das spielt keine Rolle. Ich bin nur hier, um dir zusagen, dass du deine Truppen besser nimmst und wieder verschwindest.“

„Das ich nicht lache. Ich bin Pharao und der lebende Gott auf Erden. Du bist nur ein Bastard, eine Laune der Unterwelt und in diese werde ich dich und deines Gleichen wieder zurückschicken, ebenso die Hethiter.“

„Du spukst mächtig große Worte für jemanden der am Boden liegt“, mischte sich Sarina ein, welche den Ort gerade erreicht hatte.

Sie verschränkte die Arme und ihr heftig peitschender Schweif zeigte an, dass sie gereizt war und sich nur sehr gut unter Kontrolle hielt.

„Noch so ein Vieh“, murmelte Ramses und stand langsam auf. „Verschwindet! Ihr habt ihr nichts zu suchen. Es ist nicht euer Kampf.“

„Wir werden sehen.“

„Freut euch bloß nicht zu früh“, schnauzte Ramses die beiden an und schaute nach links. Unter lautem Geschrei stürmte der Ptah-Verband heran, stürzten sich, ohne zu zögern, die Soldaten in die Schlacht und mehrten das Gemetzel.

Abgetrennte Körperteile gingen zu Boden, flogen rumpflose Häupter durch die Luft, spritzte Liter weise Blut.

Die Centauren erlitten leider auch Verluste, wurde Trevor vom aufspringenden Ramses tödlich verwundet. Sarina schrie entsetzt auf, hatte sich verschätzt und die Kraft des jungen Pharao nicht bedacht, ihn zu lange unbeachtet gelassen.

„Wo sind die Jaguare und der Rest von uns?“, schrie Helena aufgebracht.

„Ich weiß es auch nicht“, antwortete Iconos. „Ich hoffe nur, dass sie bald da sind, sonst sehe ich schwarz.

Die Zahl der Soldaten, welche noch kampffähig waren, belief sich auf ägyptischer Seite auf nur noch 2.500 und auf hethitischer Seite waren es von den 37.000 immer noch 34.000.

Die Schlacht zog sich zäh und aus Stunden wurde eine gefühlte Ewigkeit.

Endlich trafen die vermissten Seth- und Re-Verbände ein, atmete Ramses auf und vergaß endgültig seinen Schmerz. Von neuer Kraft durchströmt schritt er entschlossen mitten durch die Hethiter und schlug mit seinem Schwert hemmungslos um sich. Egal wen er traf, er wusste, dass er den Feind schlug und damit den Richtigen.

Muwattalli und Sahurunuwa beobachteten das Geschehen aus einiger Entfernung, versuchten nicht den Überblick zu verlieren.

„Wie es scheint hat Ramses jetzt seine vier Verbände komplett versammelt“, stellte Sahurunuwa fest.

„Du hast recht. Er hat starke Verluste und zieht sich nicht zurück. Auch, wenn er der Feind ist, so habe ich Respekt vor seinem Starrsinn und seinem Kämpfergeist“, entgegnete Muwattalli. „Aber machen wir Schluss mit dem Ganzen. Sieh zu, dass du eingreifst und die Truppen schwenken lässt. Zieh einen Teil der Soldaten ab und lass sie zeitversetzt von den Flanken angreifen.“

„Dann hat er nur noch den Weg zurück.“

„Genau das ist der Plan“, erwiderte Muwattalli und fing an siegesgewiss zu grinsen.

„Sie ziehen sich zurück“, schrie Re-narat. „Der Sieg wird unser sein und die Götter auf unserer Seite.“

„Ja, es sei denn es ist eine Falle und sie versuchen von den Flanken her erneut anzugreifen“, antwortete Bes-nure und schlug einen weiteren Hethiter nieder, stach nochmals zu.

„Das wäre fatal und wir sollten unsere Truppen neu organisieren.“

„Dann machen wir das und das schnellstens“, verkündete Min-merat, welcher sich vom Feind gelöst hatte und an der Diskussion unbedingt teilnehmen wollte.

„Lenke deine Truppen in Richtung der Heimat und presche erneut in die feindlichen Reihen. Warte damit bis die Hethiter ihre eigenen Truppen von den Flanken her wieder ins Feld schicken. Achte genau darauf. Greifst du zu früh wieder an, dann ist es sinnlos. Alles klar?“, erläuterte Re-narat das weitere Vorgehen.

„Verstanden“, sagte der Führer des Re-Verbandes und riss sein Pferd herum, jagte zwischen seine Truppen, schwenkte sein Schwert herum und zeigte in Richtung Westen, zog seine Soldaten mit sich.

„Hervorragend. Jetzt bekommen wir auch gleich einen besseren Überblick“, merkte Re-narat an.

„Was wird das denn jetzt?“, fragte Muwattalli besorgt.

„Mich deucht, unsere Taktikänderung ist durchschaut worden. Jetzt brauchen wir ein kleines Wunder“, seufzte Sahurunuwa und schaute besorgt über das Schlachtfeld.

„Ich glaube, dass es gerade im Anmarsch ist“, verkündete der hethitische König und zeigte in Richtung der scheinbar flüchtenden Ägypter.

Die stoppten plötzlich und merkten, dass ihre Strategieänderung nicht funktionieren würde.

Ihr Plan war gescheitert, denn die Cherit um Selestral, hinter dem Schlachtfeld erfolgreich an Land gegangen, erreichten in diesem Augenblick den Ort des Geschehens.

„Verdammt!“, schrie Min-merat. „Sofort abdrehen und zurück, wir müssen sofort angreifen und können nicht warten.“

Die Cherit stürmten wild brüllend auf den Re-Verband zu, hoben die Schwerter und Schilde, zog der eine oder andere, trotz Sarinas Ansage, seinen Blaster und schoss, jagten sie in geduckter Haltung nach vorne, erreichten die ersten Streitwagen und holten Lenker und Bogenschützen vom Gefährt.

Führerlos geworden, stoppten die Pferde nur langsam, blieben letztlich aber stehen, sprangen die Jaguare auf und griffen schnell und gezielt in die Schlacht ein.

Das Re-Kontingent hatte leider zu früh das Geschehen wieder erreicht, konnte nicht warten und rannte mitten ins Verderben.

Die Hethiter hatten jeweils 5.000 Mann, von den Flanken her, in den neuen Angriff geworfen und ließen die Zahl der ägyptischen Soldaten in kurzer Zeit dramatisch sinken.

Von den anfangs 20.000 Soldaten, in vier Verbänden, waren Ramses nur noch 1.500 geblieben.

Auf hethitischer Seite sah es auch nicht gerade rosig aus und waren von 37.000 Kämpfern gerade noch 21.000 übrig.

Das Schlachtfeld machte seinem Namen alle Ehre und war das Gemetzel der reinste Alptraum.

Sarina schritt auf Muwattalli zu. „Eure Hoheit, wir haben unseren Teil des Versprechens erfüllt. Wir werden uns jetzt vom Feld zurückziehen und versammeln.“

„Macht das. Ich werde später vielleicht nochmals auf euch zukommen.“

„Das war nicht Teil der Abmachung. Es ging nur um die Schlacht“, erwiderte die Stute erbost.

„Ich gebe hier die Befehle. Du gibst sie nur weiter. Aber sei unbesorgt.“

„Ich mache mir immer Sorgen und gerade jetzt umso mehr“, schnaubte Sarina empört.

„Beruhige dich wieder und sieh lieber zu, dass du den anderen hilfst den flüchtenden Ramses zu stellen. Sieh nur, der Feigling flieht. Schau, dass ihr ihm den Weg abschneidet“, befahl Muwattalli.

„Ich werde gehen und den Pharao stellen, allerdings auf andere Art und Weise“, antwortete die Centaurin in scharfem Unterton.

„Dann geh!“

Während Sarina ihre Centauren einsammelte, dem fliehenden Rest der ägyptischen Truppen, inclusive Ramses, hinterher jagte und die Cherit als buntgemischter Haufen, nebst Selestral mit ihren vierundfünfzig Jaguaren es ihnen gleich tat, machten die Antermerianer im nördlichen Regenwald des späteren südamerikanischen Kontinents einen relativ guten Eindruck beim beseitigen verräterischer Spuren.

„Ptah 1037, wie sieht es bei dir aus?“, fragte Sachmet 2671.

„Och, ich komme gut voran. Die Leichen zerfallen sehr schnell bei Kontakt mit unserer organischen Säure. Den Rest spült der Regen weg und verdünnt ausreichend.“

„Perfekt. Wir haben jetzt gut was weg geschafft. Müssen wir nur noch die Kapseln finden“, intonierte der Sachmet-Klon.

„Kein Problem“, rief Min 2763 von hinten. „Ich habe sie schon gefunden. Sie befinden sich drei Kilomitrox von hier entfernt und sind über ein Gebiet von 150 Quadratkilomitrox verstreut.“

„Das nennst du kein Problem?“

„Genau.“

„Du spinnst ja. Osiris sollte mal deine Klon-Reihe überprüfen. Ihr Mins habt scheinbar Moos an der Tanne“, polterte der Ptah-Klon.

„Also bitte!“, knurrte Min 2763. „Ich versuche es nur positiv zu sehen.“

„Mein lieber Min, hier ist nichts, aber wirklich absolut nichts positiv, negativ und schon gar nicht problemlos oder tiefenentspannt“, schnauzte die Klon-Löwin.

„Meine liebste Sachmet“, säuselte Min zurück. „Das weiß ich auch, aber die Moral darf ich doch wohl noch etwas aufhellen.“

„Meinetwegen. Macht eh jeder was er will.“

„So. Sind wir hier fertig?“, fragte der Ptah-Klon.

„Ja. Die Leichen sind verschwunden. Jetzt geht’s an die Kapseln.“

„Dann los. Ich will hier wieder weg“, trieb Ptah 1037 die anderen an.

Nach einer halben Stunde zu Fuß, waren sie bei der ersten angekommen, umrundeten und untersuchten sie.

„Relativ weit fortgeschritten. Eine typische Rettungskapsel halt, nichts Aufwändiges drin, Platz für bis zu zehn Personen. Damit dürften, wenn ich mir einen kurzen Überblick verschaffe, locker bis zu dreihundert der Fremden allein in diesem Gebiet gelandet sein und wenn ich Osiris richtig verstanden habe, dann sind im Bereich des nördlichen Wüstengebietes und auf dem südlichen Großkontinent ebenfalls Kapseln niedergegangen“, verkündete Ptah 1037 leicht beunruhigt.

„Das gefällt mir nicht. Immerhin würde es bedeuten, dass wir mit bis zu sechshundert fremden Raumfahrern rechnen müssen“, sinnierte Sachmet 2671 laut.

„Ja. Die Frage ist nur, wo sind sie und was tun sie gerade?“, fragte Min 2763.

„Viel schlimmer ist wohl eher das, was sie bereits getan haben könnten. Allein der Ausbruch des Alten zeigt da tiefste Abgründe“, intonierte der Ptah-Klon.

„Lass uns besser nicht darüber nachdenken, sondern aufräumen“, verdrängte die Klon-Löwin die aufkommenden Gedanken.

Fünf Stunden später war ein guter Teil der leicht ovalen Landungsgeräte korrodiert und zerfiel zunehmend.

„Saubere Arbeit und jetzt lasst uns den Rest zersetzen und verschwinden. Wir geben unsere Ergebnisse an Osiris durch. Der soll in die anderen betroffenen Gebiete vier Großraumfähren schicken und diese blöden Rettungskapseln einsammeln lassen. Ich bin satt, was Ausflüge angeht. Außerdem nervt mich dieser fiese Regen. Ich will hier raus.“

„Dann machen wir das. Ab zur Fähre“, beschloss Sachmet 2671 ohne weitere Nachfrage und schlug Min und Ptah nacheinander auf den Rücken.

Wenn Osiris mit vielem gerechnet hatte, bestimmt nicht mit dem was die Räumungsteams innerhalb des Urwaldes gefunden hatten, was ihnen über den Weg gelaufen war und welche Vermutungen sie daraufhin kundtaten.

<„Das ist jetzt alles ein riesiger Sauhaufen“>, knurrte Osiris kleinlaut. <„Wenn es nach mir ginge, dann würde ich das Leben da unten komplett einäschern, alles auf null stellen und nochmals von vorne beginnen lassen. Das ist das reinste Irrenhaus was sich da auftut.“>

<„Das würde nichts ändern, Administrator“>, versuchte Ptah 1037 via Intercom zu beruhigen.

<„Das weiß ich auch. Es war nur so ein Gedankengang.“>

<„Solche Ideen gefallen mir bei ihnen nicht. Meist setzen sie wenigstens ansatzweise einen Teil davon um. Die Ergebnisse sehen wir gerade in Farbe auf Terra.“>

<„Willst du mir Versagen vorwerfen?“>

<„Nein, aber gravierende Fehler.“>

<„Du meinst, dass ich an entscheidenden Stellen zu lasch war?“>

<„Das nicht unbedingt, aber vielleicht nicht dauerhaft konsequent.“>

<„Vielleicht hast du recht. Allerdings konnte keiner damit rechnen, dass diese Cherit plötzlich auftauchen und alles unterwandern.“>

<„Das stimmt schon, aber dieses Friedensangebot an Marduk war der eigentliche Aufhänger für die nachfolgenden Probleme.“>

<„Da gebe ich dir uneingeschränkt recht. Und was jetzt?“>

<„Wie gesagt. Wir sind gerade auf dem Rückweg. Schicken sie vier Großraumfähren nach Terra, die sollen die Reste einsammeln und sich nicht blicken lassen. Wir wissen absolut nicht was sich hier unten alles abspielt und inwieweit diese Cherit alles beeinflussen.“>

<„Dann werde ich diesen Rat beherzigen und es so machen. Die Fähren starten in wenigen Minuten. Osiris, Ende!“>

Der Administrator der Kampfinseln stand auf, ließ die Armlehnen seines Sessels los und ging auf die nördlichen Aussichtsfenster zu. „So ein verdammter Mist. Wir hätten uns von diesem Planeten von Anfang an fern halten sollen“, knurrte er vor sich hin. „Nur ein kleiner Fehler und alles ist kaputt. Das kann und will ich nicht glauben.“

Er schlug gegen die Wand, drehte sich um, nahm wieder Platz und vergrub sein Gesicht in der Rechten. „Das nimmt alles kein gutes Ende. Warum gerade ich.“

Wie gut, dass Osiris nicht wusste was sich im Gaza-Streifen, an der Grenze zum hethitischen Reich abgespielt hatte und sich jetzt Ägypten näherte. Der Gute hätte vermutlich die Selbstzerstörung aktiviert und liebend gern das halbe Sonnensystem mitgenommen. Den Gedanken, wenn auch nur halbherzig, hatte er ja schon geäußert.

Auf jeden Fall war es so, dass Ramses II. erkannt hatte, dass er so gut wie, vernichtend geschlagen war, mit seinen letzten Resten die Flucht ergriffen hatte und sich unaufhaltsam der ägyptischen Grenze näherte und sich damit immer mehr in Sicherheit wiegte.

Leider hatte er nicht damit gerechnet, dass ihm die Cherit oder Chittim, wie er sie nannte, auf den Fersen waren, Stück für Stück aufholten und ihn schließlich nach mehreren Stunden inmitten des Niemandslandes stellten.

Seine verbliebenen Soldaten versuchten zunächst ihren Gottkönig zu verteidigen, gaben aber recht schnell auf, legten die Waffen nieder. Zu groß waren die Verluste auf dem Schlachtfeld gewesen, war die Moral tiefer gesunken wie der tiefste Kerker und die Kräfte am Ende.

„Wo willst du denn so schnell hin?“, fragte Blox vom Streitwagen herab, nachdem Sarina und Helena ihn gepackt hatten und festhielten.

„Lasst mich los“, schrie er und setzte sich heftig zur Wehr.

„Aber nicht doch. Wir bestimmen, wann wir dich loslassen. Immerhin ist es zwar dein Land, aber wir finden es nicht besonders schön, wenn man uns ständig nach dem Leben trachtet und uns auch noch verunglimpft“, sagte Morana mit sanfter Stimme.

„Wo sind Re-narat und die anderen Heerführer?“, schrie Ramses Hilfe suchend.

„Die sind in der Schlacht umgekommen und die Reste deiner Truppen haben anderes zu tun als dich zu schützen“, entgegnete Chelor scharf.

„Lasst ihn los“, kam eine herrische Stimme aus dem Hintergrund.

Die Centauren drehten sich um und stellten den Pharao wieder auf den Boden.

Er stand da und schaute in das Morgengrauen, sah eine schlanke, weibliche Gestalt auf sich zuschreiten. „Wer bist du?“, fragte Ramses.

„Das ist egal. Wir beide werden in deine Heimat fahren. Nicht nach Pi-Ramses, sondern nach Theben, der ehemaligen Hauptstadt des Reiches. Dort werden wir auf dem großen Platz stehen und du wirst deinen Sieg über die Hethiter verkünden. Des Weiteren wirst du untersagen, dass man uns nachstellt. Wir haben offiziell niemals existiert und du wirst König Muwattalli einen Friedensvertrag anbieten.“

„Was soll ich? Ihr wollt mir Befehle geben? Ich habt nicht das Recht dazu und außerdem seid ihr gar nicht in der Position.“

„Das glaube ich weniger“, erklang die weibliche Stimme erneut und Selestral trat an ihn heran.

Pharao Ramses II. und Selestral, die Anführerin des Clans der Jaguare, standen sich gegenüber, Auge in Auge und fixierten den Gegner.

„Was wird das?“, grollte Ramses und machte ein Unsicherheit ausstrahlendes Gesicht.

„Morana. Gib mir mal den Bioscanner.“

„Aber gerne doch.“

„Was ist das? Was hast du vor? Ich verlange eine Erklärung!“, stotterte der Pharao.

„Hmmm …“, hub die Jaguarin an und schaute auf das Display. „… du bist ein Hybrid. Du hast Probleme mit dem Rücken und dein linkes Bein macht nicht das was es soll.“

Ramses verstand die Welt nicht mehr und schaute zunächst auf das Gerät, dann wieder auf die Raubkatze. „Was verlangst du von mir?“

„Das, was ich bereits sagte.“

„Aber ich wurde geschlagen“, entgegnete er kleinlaut.

„Das muss ja niemand erfahren und wenn du es richtig anstellst, dann wirst du als Sieger in die Geschichte eingehen. Bei Intrigen ward ihr doch schon immer gut. Warum sich jetzt nicht treu bleiben?“

Ramses schaute in die Runde und straffte seine Gestalt. „Du kommst mir bekannt vor“, sagte er plötzlich in Chelors Richtung.

„Das kann nicht sein. Es war vor deiner Zeit.“

„Es steht in der Grabkammer, im Sarkophag von Tutanchamun. Es ist leicht zu überlesen, aber vorhanden. Du bist sein Vater.“

„Ja. Das ist richtig“, antwortete der Anthro-Löwe und verzog das Gesicht.

„Ich bin bereit auf den großen Platz in Theben zu treten“, verkündete der Pharao und ging an Selestral vorbei, bestieg seinen Streitwagen und gab das Zeichen nach Ägypten zurückzukehren.

Alles Weitere war nur eine Frage der Zeit und erstreckte sich über wenige Jahre.

Die Antermerianer hatten die letzten Reste der Beweise ihrer Anwesenheit beseitigt, waren drei der vier Langstreckenfähren auf dem Rückweg zur Byblos und unbemerkt geblieben. Na ja, fast unbemerkt.

Irgendwie war dem Bergungstrupp der vierten Fähre ihr Fluggerät abhandengekommen, hatten sie es quasi verlegt. In Wahrheit hatten die Cherit es aufgefunden, intensiv in Augenschein genommen, es von der Bedienbarkeit und den ein-gravierten Schriftzügen im Inneren für les- und steuerbar eingestuft und es anschließend einfach mal so mitgehen lassen.

Nun gut, die Cherit selbst waren es nicht. Eher war Sarina diejenige, die auf die Idee kam, wie vor einiger Zeit der Diebstahl des Segelschiffes.

Ramses kehrte mit seinen verbliebenen Soldaten nach Ägypten zurück, präsentierte sich als Sieger der Schlacht von Kadesch und erfüllte sein Versprechen, dass er Selestral gab.

Außerdem wurde die Cherit nicht mehr in den Schriften als eigenständiges Volk er-wähnt, eher war es so, dass sie zu Cherrim und Chittim wurden, was allgemein auch die Bezeichnung für die Hethiter war.

Der Clan der Jaguare selbst, war durch die vergangenen Ereignisse gewarnt, hielt es aber für wichtig, dass gewisse Dinge ein Geheimnis bleiben sollten. Zumindest solange, bis die Menschheit gereift wäre, um den Ablauf vieler Geschichten zu verstehen und vor allem damit umzugehen.

So geschah es, dass ein Papyrus aufgesetzt wurde, der die ungeschönte Wahrheit enthielt. Er enthielt die Geschichte von Selestral und dem Clan der Jaguare. Des Weiteren wurde in den Tiefen der ägyptischen Wüste eine Grabkammer ausgehoben, ein Sarkophag von den besten Steinmetzen hergestellt, dorthin verbracht und wenig später von den Cherit eine Steuerungseinheit mit Codierung, Hand- und Fußscanner, nebst Stasisfeld installiert.

Diese Grabkammer sollte Selestrals Ruhestätte werden. Eine Schlafstätte, fern von Raum und Zeit, weit weg von den Geschehnissen, welche sich in den nächsten Jahr-tausenden ereignen sollten. Fernab von allem, bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Mensch begriffen haben sollte, dass er nicht allein ist, an dem er seinen Geist so weit geöffnet hat, dass er reif ist für alles und jeden.

So sollte sie schlafen, als Bewahrerin der Geschichte. Der Geschichte um wahre Liebe, Leben, Verrat, Betrug und bedingungslose Hingabe.

Ramses regierte noch weitere 15 Jahre, handelte als letzten Akt seines Versprechens einen Friedensvertrag mit Muwattallis Nachfolger Hatusilli III. aus, befriedete die Beziehungen zwischen den Reichen und sorgte am Ende dafür, dass Ägypten den Hethitern beistand, als diese Schwierigkeiten mit den Assyrern bekamen.

Osiris legte entspannt die Beine hoch und ließ auf der Erde allem freien Lauf, genoss später die einsetzenden Radio- und TV-Sendungen, wunderte sich hin und wieder und erklärte die Menschheit mehr als nur einmal für bekloppt.

Und Cyndra?

Da gab es nichts zu berichten. Die Cyborg-Skorpione drehten ihre Runden auf dem Plateau und die Routine fraß die Stationsinsassen auf, bis sich plötzlich und hunderte Jahre später, alles ändern sollte und die Menschen hinter all die Geheimnisse kamen.