Kapitel 12
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Kapitel 12
Vorstoß
Ein neuer Tag brach an und er sollte sehr wichtig werden.
Feuchtigkeitsschwanger hing Nebel über dem Lager und das Radarband tauchte alles in ein leichtes Gelb.
Cyron trat vor das Zelt, streckte sich und gähnte herzhaft. Er sah sich um und beobachtete alle dabei, wie sie ihre Sachen sortierten. Er sah sich weiter um und stutzte. „Stella?“, rief er nach seinem Weibchen.
Die trat aus dem Zelt. „Was ist denn?“
„Kannst du Tarja irgendwo entdecken?“
Sie schaute sich um, noch mal und genauer hin. „Nein“, sagte sie und schüttelte den Kopf.
Cyron schwante etwas. Er ging zu Kiras Zelt und rief nach ihr.
Er erhielt keine Antwort. Er rief noch mal und schlug dann die Plane zurück. Das Zelt war leer. Es gab weder eine Luchsin, noch einen vierpfotigen Säbelzahntiger. Er wusste was er wissen wollte und suchte erst gar nicht nach dem Tigertaur Helios. Denn der war mit Sicherheit mit von der Partie.
Er ging zu Stella. „Ich werde mit Chiron in die Felsspalte gehen“, verkündete er.
„Was willst du?“
„Ja, wir müssen eh da rein und so wie es aussieht werden wir dort nicht allein sein.“
„Wie meinst du das?“
„Tarja und ihre drei Freunde sind schon dort und machen sich garantiert an den Computern zu schaffen.“
Stella entschloss sich sofort mitzukommen. „Die junge Dame wird was erleben. Das kann ich dir versprechen“, sagte sie entrüstet.
Chiron war noch etwas verschlafen und in seinem Zelt, als Stella es aufmachte.
„Los, heb' den Hintern hoch und wirf das Kopfkissen aus dem Gesicht.“
„Was ist denn los? Warum bist du so in Rage?“
„Deine liebe Tigerin werde ich, in Ausübung meiner Funktion als ihre Mutter, übers Knie legen und den Arsch versohlen.“
Chiron kicherte.
„Was gibt’s da zu lachen?“
„Das möchte ich sehen“, kicherte er weiter.
„Falls du es noch nicht gemerkt hast, aber sie ist mit dem Tigertaur und dem seltsamen Katzenpärchen schon wieder in den Felsengrotten.“
Chiron zuckte zusammen und sein kichern verstummte. „Die ist wohl verrückt geworden.“
Stella nickte heftig.
Als die vier sich trafen, schlief alles noch. Die Feuer waren runter gebrannt. Nebel hatte sich breitgemacht und das Radarband hing ruhig über ihnen. Es war eine reine Idylle.
„Okay“, flüsterte Tarja, „schnell weg von hier, bevor es einer merkt.“
Sie packten die notwendigen Sachen zusammen und schlichen sich aus dem Lager. An den Felsen angekommen tauchten sie in die Spalte ein und waren verschwunden. Etwa zweihundert Meter weiter aktivierten sie ihre Waffen und äugten argwöhnisch umher. Die Messerdrohne, die sie am Tag zuvor hier ab-geschossen hatten, lag immer noch da. Sie stiegen drüber und kamen an der Weggabelung an, wandten sich nach rechts und erreichten ohne Zwischenfälle die Grotte mit den Computern. Sie nahmen sich Kisten und setzten sich vor die Computermonitore.
Die Luchsin schaute sich kurz um und betätigte den ersten Schalter. „Gut, dann lasst uns mal schauen, was uns noch erwartet“, frohlockte sie.
Der Computer fuhr hoch.
„Ah ja, ein Systemcheck. Jetzt überprüft er die gespeicherten Daten, okay. Das Hauptsystem wird gerade geladen.“
Die anderen setzten sich neben sie und beobachteten ihre Aktivitäten.
„Gut. Bin dann soweit.“
Sie arbeitete schnell und präzise, so als hätte sie nie etwas anderes getan und würde Computer in- und auswendig kennen.
„Da. Da habe ich schon die ersten Grundeinstellungen gefunden“, freute sie sich laut.
„Und was kann man damit machen?“, fragte Helios.
„Hm, ganz einfach. Zum Beispiel das...“, sagte sie und die Grotte wurde in ein helles Licht getaucht, auch alle anderen Gänge und Flure wurden beleuchtet.
„Super, damit hätten wir schon Licht.“
„Schaltet eure Funkgeräte ein. Die werden wir wohl in Kürze brauchen“, sagte Pedro.
„Gut, mach weiter, was geht noch alles?“, spornte Tarja die Luchsin an.
„Eigentlich alles was wir brauchen“, antwortete sie.
„Kannst du uns einen Plan auf den Monitor zaubern?“
„Aber klar. Sekunde.“
Ein weiterer Monitor ging an, es wurden Daten geladen und dann passierte etwas Unerwartetes. An der Wand glimmte plötzlich ein kleines grünes Lämpchen auf und links daneben verschwanden die unebenen Felsen.
Stattdessen tauchte ein riesiger Quader aus diffusem Licht auf. Er schien in der Luft zu schweben und seine Kanten formten sich.
„Das ist ja fantastisch“, raunte Kira, „Ein Hologramm.“
Die anderen schauten sie schief an.
„Die äußeren scharfen Kanten sind die Umrisse dieser Basis hier und …“, sie tippte auf der Tastatur herum, „ … es zeigt jeden erdenklichen Winkel.“
Sie stand auf, ging zum Hologramm und tippte es an. Schlagartig änderte es sich. Es kamen Details zum Vorschein. Man sah jeden Gang, jede Grotte, alle Kraftfelder und man sah den Computerkern, eine Fabrik und verschieden-farbige Punkte, die sich durch die Gänge bewegten.
„So Leute, jetzt geht’s ans Eingemachte“, sagte Kira in den Raum. „Ab hier brauchen wir Verstärkung.“
„Und die ist schon da“, rief Stella barsch.
Die vier fuhren erschrocken herum.
Cyron, Chiron und Stella hatten in der Zwischenzeit die Grotte erreicht. „Mein liebes Kätzchen. Was hast du dir bloß dabei gedacht? Und ihr anderen auch. Ihr seid wohl des Wahnsinns. Euch hätte was passieren können.“
„Nun mal gut, Mutter. Behandle mich nicht immer wie einen Welpen.“
Stella seufzte. Tarja hatte Recht, aber sie war schließlich ihre Mutter und konnte nicht aus ihrem Fell.
„Na, meinetwegen. Trotzdem war es sehr leichtsinnig von euch.“
Kira mischte sich ein. „Aber schaut mal was wir mittlerweile geschafft haben.“ Sie deutete auf die Holoprojektion. Cyron und Chiron traten näher heran und staunten.
Kira trat hinzu und fing an zu erklären. „Also, das sind die Basisgänge“, sagte sie und tippte einen an.
Die Projektion zuckte kurz und änderte sich. Man sah ein Kamerabild des Ganges, den sie gerade angetippt hatte.
„Das wird ja immer besser“, jauchzte sie.
Sie tippte erneut auf das Bild und es verschwand wieder, stattdessen sah man wieder die gesamte Anlage. „In der Mitte sieht man den Computerkern, da müssen wir hin, denn da steht auch der Tresor mit der Codierung für die Urwaldbasis und den Bauplänen für diesen Mech.“
„Sehr gut. Das ist doch alles schon mal sehr gut“, flüsterte Chiron.
„Nicht ganz“, sagte Cyron in Gedanken versunken, „Wir müssen da erstmal hinkommen.“ Und an Kira gewandt: „Was sind das für Punkte, die sich in den Gängen bewegen?“
„Weiß ich noch nicht, aber das wissen wir gleich.“ Sie tippte auf einen der Gänge, in dem sich zwei rote Punkte bewegten und ein schwarzer scheinbar an einer Seite stand. Das Bild änderte sich wieder und ein Kamerabild erschien.
„Scheiße“, sagte Chiron und biss sich auf die Unterlippe.
„Ich hab es geahnt“, ergänzte Cyron.
Auf dem Bild erkannte man zwei Messerdrohnen, die sich durch den Gang bewegten und tatsächlich, seitlich stand ein Kampfroboter.
„Ich will was ausprobieren“, sagte Kira plötzlich. Sie tippte auf das Bild, ließ es aber nicht los und bewegte den Finger langsam nach links. Die Kamera folgte ihrer Fingerbewegung und drehte sich. Somit hatten sie, nachdem Kira fertig war einen 180° Blick und konnten sich eine Vorstellung von den Ausmaßen der Station machen.
„Die Basis scheint gigantisch zu sein. Wir werden Stunden brauchen, wenn nicht sogar Tage um alles zu erkunden“, sagte Stella.
„Die haben wir aber nicht. Wir müssen da rein, draufhauen, die Daten holen und wieder verschwinden. Wenn wir gehen, darf allerdings keine einzige Waffe in der Basis mehr funktionieren, einschließlich des Zentralcomputers.“
Alle nickten.
Kira hatte sich unterdessen weiter an dem Hologramm vergnügt und stieß plötzlich einen Schrei aus. Die anderen drehten sich zu ihr um, sahen in ihre Richtung und versteinerten förmlich.
„Verdammt“, entfuhr es Tarja.
Cyron nickte beifällig.
„Das ist ne Waffenfabrik, vollkommen selbständig und sie arbeitet fleißig.“
„Was bauen die da?“, fragte Pedro dazwischen.
„Moment“, sagte Kira leise. Sie tippte mit zwei Fingern auf das Bild, hielt es fest und spreizte die Finger. Die Kamera zoomte heran. „Messerdrohnen“, sagte sie bitter, „und in den Ecken stehen Kampfeinheiten herum.“
Plötzlich blitzte das Bild auf. Eine der Kampfeinheiten hatte bemerkt, dass sich die Kamera bewegte und sie zerstört.
„Die Peepshow ist beendet“, sagte Pedro trocken.
Sie holten alle tief Luft.
Der erste der wieder etwas sagte war Helios: „Zwei von uns sollten rausgehen und Verstärkung holen. Wir gehen da rein und holen uns die Daten.“
Cyrons Augen blitzten auf. Das war der Kampfgeist den er erwartet hatte.
Er tippte Chiron auf die Schulter. „Komm wir gehen.“
„Schaltet eure Funkgeräte ein“, rief Stella hinterher.
Da ertönte es schon aus ihrem Gerätelautsprecher: <„Schon geschehen, mein Schatz.“>
Keine zehn Minuten später hatten sich zwanzig Chafren in der Grotte versam-melt.
Auf Anhieb hatten sich alle Wölfe freiwillig gemeldet, drei von den Stieren waren mitgekommen und einer der Fuchstaure, ebenso die Einhornstute Sandra. Am Ende der Grotte tauchten noch ein Säbelzahntiger und eine Füchsin auf.
Damit war die Runde eröffnet.