Kapitel 8
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Prolog 2
Achtzehn Millionen Jahre waren vergangen. Der Planet Tenerra war großen Umbrüchen unterworfen, welche sich in Beben, verbunden mit der Kontinentaldrift, äußerten, ebenso in einer leichten Veränderung in der Zusammensetzung der Atmosphäre. Die Tier- und Pflanzenwelt begann sich zu verändern, nahm eine zunehmend natürliche Entwicklung an. Die DNA der ungewollt beeinflussenden Antermerianer schwang in den Genotypen mit, allerdings nur sehr selten auch im Phänotyp.
Die sogenannten Einhörner, Drachen und Pegasi starben aus, genauso wie Arten die sich nicht anpassen konnten. Die heute bekannten Arten stolperten, galoppierten, marschierten oder flogen über den Planeten.
Von den Abtrünnigen war nichts zu hören und schon gar nichts zu sehen.
Horus 33, Sachmet 99, Seth 76, Sachmet 08 sowie Helenos waren schon längst ein Teil der Geschichte und lebten nicht mehr. Ebenso waren die vier auch auf der Byblos in Vergessenheit geraten und es gab keinerlei Funkkontakt.
Die vier Fähren waren verrottet und zu Staub zerfallen, komplett vom Antlitz Tenerras verschwunden.
Die Kontinente wie wir sie kennen waren entstanden. Das einstige Gewässer an dem sich die Gruppe der Antermerianer zuletzt niedergelassen hatte, war zum heutigen Mittelmeer geworden, ebenso hatten sich die Meere und Seen gebildet.
Im Asteroidengürtel schwebten die Kampfinseln Byblos und Attikon friedlich vor sich hin, hatte sich eine tödlich langweilige Routine gebildet.
Auf Cyndra waren die Jahre auch nicht spurlos an den Protagonisten vorbeige-zogen.
Die anwesenden Seth, Maahes, Isis, Sachmet, Nephtys und Hathor unterlagen ihrer genetisch bedingten Unsterblichkeit, welche auf einer immer wiederkehrenden Zellregeneration beruhte. Diese war aber lediglich den sogenannten Originalen eigen. Die Klone derer hatten eine eingeschränkte Lebenserwartung, welche ihrerseits, je nach Klon-Reihe, zwischen 800 und 1200 Jahre betrug.
Somit sahen die Antermerianer ihre Ebenbilder kommen und gehen, liefen die Nummern der Klone alle eintausend Jahre erneut durch, wurde Nummer 156 gegen 157 ersetzt und dieser wieder durch 158.
Die Jahrtausende und schließlich Jahrmillionen vergingen.
Lediglich die Arbeiten gingen zunächst zügig vorwärts, die Lagerhallen der al-aqrab, wie Osiris die Wesen zu nennen pflegte, waren komplettiert, die Mannschaftsquartiere längst in Benutzung, war das Personal für die Genetik, die Biomechanik, die Pflege und Aufzucht der Krabbler längst eingetroffen.
In der Zugangsgrotte war zwischenzeitlich das Kraftfeld ausgefallen und hatte da-für gesorgt, dass 48 Klone der Seth-, Maahes- und Anubis-Reihe vorzeitig das Leben verloren.
Von Antermerius her, wurden nicht nur die Lücken aufgefüllt, sondern auch mehrere Kreuzer nach Genro gesandt, welche das Elara-System stabil schützen sollten. Cyndra hatte im Zuge der Aushubarbeiten ein neues Gebirge bekommen und war nicht mehr der tote Mond, den man einst vorgefunden hatte.
Auf dem Planeten Genro ließ man alles wie es war. Der zweitgrößte Kontinent, den die Antermerianer auf Sabeth getauft hatten, war und blieb Sperrgebiet, der Hauptkontinent namens Zurok trug eine üppige Tier- und Pflanzenwelt, war geologisch ruhig, klimatisch sehr ausgewogen und stabil. Hin und wieder wurden Gleiter der Sachmet-Staffeln entsandt um die Oberfläche auf eventuelle feindliche Aktivitäten zu kontrollieren, aber sie kamen immer mit den gleichen Daten wieder. Es gab nichts zu berichten.
Auch hier zog die Routine ein.
Lediglich die Forschungsteams hatten eine zähe Arbeit zu leisten und diese war über den gesamten vergangenen Zeitraum von Fehlschlägen geprägt. Zuerst verstarb das Originalspezimen, bevor es überhaupt losging. Später schlugen die Versuche fehl aus der gewonnen DNA eine Kopie zu züchten. Es dauerte Jahrzehnte bis die Zellkulturen überhaupt gediehen und sich die Strukturen nicht direkt auflösten.
Es vergingen weitere Jahrzehnte bis sich aus den Zellhaufen die gewünschten Spezimen entwickelten und nochmals dreißig Jahre bis der erste al-aqrab lebensfähig war und nochmals vergingen Jahre bis das Tier ein Alter von mehreren Jahren er-reichte.
Es war eine wahre Sisyphusarbeit und immer wieder standen die antermerianischen Wissenschaftler kurz davor aufzugeben, flammte der Ehrgeiz jedoch wieder auf, wenn sich doch eine der Zellkulturen positiv zu entwickeln begann.
Ferner sollten die Spezimen dazu gebracht werden einen Hohlraum in ihrem Inneren zu bilden, zu Riesenwuchs überzugehen und vor allem stand später noch das Problem der Bionik im Raume.
All diese verschiedenen Anforderungen brachten jeden einzelnen an den Rand eines Nervenzusammenbruchs, denn waren zwei Ansprüche befriedigt, sollte der nächste Schritt alles wieder aus dem Gleichgewicht bringen und das Resultat wieder auf Neubeginn setzen.
Nach 18 Millionen Jahren war es endlich soweit und die Hartnäckigkeit von Erfolg gekrönt. Der erste al-qarab stand einsam in der Lagerhalle, sah sich um und wurde in einen Dämmerzustand versetzt.
Die Anforderungen, welche Ammon ursprünglich gesetzt hatte wurden Dank Osiris‘ übertroffen. Der Waffenträger hatte die gewünschten acht Beine, zwei gewaltige Scheren, um Gegenstände oder auch Feinde zu packen oder einfach nur aus dem Weg zu räumen. Im Inneren befand sich ein mit atembarer Luft gefüllter Hohlraum, welcher seinerseits bis zu zwanzig Personen aufnehmen konnte. Die Organfunktionen waren extrem stark, lebenswichtige Organe doppelt vorhanden und somit redundant. Die Panzerung war aus dem ursprünglichen Chittin gebildet und der Schwanz ohne Giftstachel.
Ferner war der Prototyp anteilig mit Duranium verkleidet, trug eine Waffenphalanx am Schwanzende, welche eine Angriffsbatterie von bis zu zehn unterschiedlichen Waffen tragen konnte und sein Gehirn war mit einem Sprachprozessor gekoppelt. Somit war er autonom, steuerbar und hatte noch zusätzlich den Vorteil, dass man sprachlich mit ihm in Kontakt treten konnte.
Als Osiris diese Ergebnisse präsentierte, kippte Ammon, um es sehr salopp auszudrücken, förmlich aus den nicht vorhandenen Latschen. Besser ausgedrückt, er war hellauf begeistert und empfand im Nachgang seine Idee, welche eigentlich nicht seine war, nämlich Osiris und Isis als Administratoren komplett sich selbst zu überlassen, als brillant.
Die weitere Zucht von Spezimen war damit besiegelt.
Die Ruhe und Gleichmäßigkeit, welche sich über den Asteroidengürtel gelegt hatte, wurde jedoch 18.962.057 Jahre später und somit etwa 2,5 Millionen Jahre vor Christi Geburt jäh beendet.
Kapitel 8
fremde Besucher und ein Evolutionssprung
Von einem Moment zum anderen jaulten die gellenden Schreie der Alarmsirenen durch die Gänge und Räumlichkeiten der Kampfinseln Byblos und Attikon. War der Dornröschenschlaf beendet.
<„Administrator Osiris für Ptah 406“>, rief der temporäre Taktik-Klon ins Intercom.
<„Hier Osiris! Bericht!“>
<„Sir! Ein Subraumportal hat sich geöffnet. Wir registrieren die Signatur eines nahenden Schiffes.“>
<„Wisst ihr schon genaueres?“>
<„Bisher noch nichts. Wir müssen abwarten und uns überraschen lassen. Fakt ist aber, dass es aus diesem Universum stammt.“>
<„Das ist nur ansatzweise beruhigend. Beobachten und mich auf dem Laufenden halten.“>
<„Aye, Sir!“>
Minuten später war es soweit. Das fremde Schiff tauchte aus dem Tunnel auf und gab sich fast wie erwartet nicht zu erkennen.
Das Einzige was die Antermerianer feststellen konnten war, dass es sich um einen vollkommen unbekannten Typus handelte und ein Gesamtvolumen von mehreren Millionen Kubikmetern besaß.
<„Administrator Osiris! Hier Ptah 406. Wir haben die ersten Scans abgeschlossen. Die Bewaffnung des Fremdschiffes ist minimal und besteht nur aus schweren Lasern. Die Besatzung selbst, ist dagegen überraschend groß. Die Biodaten ergeben, dass sich genau 250.000 Lebensformen an Bord befinden.“>
<„Was bitte? Eine viertel Millionen Leben?“>
<„Präzise, Administrator.“>
<„Was soll das werden?“>
<„Das weiß ich auch nicht.“>
<„Das war eher eine Frage an mich selbst, aber schön, dass du mitdenkst. Was hältst du davon?“>
<„Wenn ich offen sein darf?“>
<„Nur zu!“>, forderte Osiris auf.
<„Es handelt sich um ein Generationenschiff.“>
<„Hmmm…, könnte stimmen. Aber warum hier und ausgerechnet jetzt?“>
<„Tenerra?“>
<„Du meinst, dass die Entwicklung… Moment mal. Da war doch was vor Urzeiten“>, hub Osiris nachdenklich an.
<„Ich prüfe im Netzwerk nach“>, verkündete Ptah 406. <„Da ist tatsächlich etwas. Etwas was nur am Rande auftaucht und daher fast vergessen ist.“>
<„Ja. Ein Fremdschiff, welches aus dem Subraum auftauchte und vernichtet wurde“,> rief Osiris laut.
<„Richtig, Sir! Es geriet in Kampfhandlungen zwischen einer Fährenflotte, einer Maahes-Staffel und Angriffsdrohnen der Abtrünnigen im Elara-System.“>
<„Genau! Das ist schon Jahrmillionen her. Und ausgerechnet jetzt sollten die hier wiederholt ankommen? Das ist mir nicht schlüssig?“>
<„Administrator! Wie lautet der Befehl?“>
<„Welcher Bef… Achso, wir tun nichts. Wir beobachten nur. Ich will einstweilen sehen, was die Fremden tun.“>
<„Aye, Sir! Haben sie sonst noch Befehle?“>
<„Nein. Beobachten wir einfach weiter und greifen erstmal nicht ein. Wenn das Schiff nur schwach bewaffnet ist und es sich wirklich um Siedler handeln sollte, dann sollen sie ihre Chance haben. Immerhin gibt es noch kein höheres Leben auf Tenerra“>, entgegnete Osiris und zuckte in sich zusammen.
Er beendete die Verbindung und sah aus den Fenstern der Kommandozentrale, überlegte eine Weile und hielt plötzlich inne.
<„Osiris an Ptah 406!“>
<„Ich höre!“>
<„Mach eine Maahes-Staffel klar. Fünf Gleiter sollten reichen. Schicke sie nach Tenerra. Sie sollen alles auf Lebenszeichen überprüfen die nicht dort hingehören.“>
<„Spezielle Signatur gewünscht?“>
<„Ja.“>
<„Welche?“>
<„Die Unsrige!“>
<„Sir?“>
<„Mach es so.“>
<„Aye!“>
‚Kein höheres Leben? Was ist aus den Sachmet-Klonen, dem Horus- und Seth-Klon, vor allem aber aus dem damals noch Ungeborenen geworden? Haben die sich weiter vermehrt oder sind die einfach gestorben? Verdammt, die hatte ich vollkommen vergessen‘, dachte er ärgerlich.
Die bis dato quasi eingeschlafenen Kampfinseln erwachten zum Leben. In den Quartieren der Maahes-Staffeln kam rege Betriebsamkeit auf, wurden die müden Knochen gerichtet. Fünf Freiwillige waren schnell gefunden, hatten die Löwen-Klone die Nase voll von den turnusmäßigen Simulatorflügen und wenn sie dann doch einmal die Basen verließen, handelte es sich lediglich um kleinere Kontrollflüge um den Jupiter herum und wieder zurück.
Die Ergebnisse waren dabei immer die Gleichen. Es gab nichts Bedrohliches, nichts Außergewöhnliches und der Gasplanet bot stets den gleichen Anblick. Der eine oder andere Komet, welcher sich in das innere Solarsystem verirrte, war da eine immense Abwechslung, aber schnell wieder uninteressant und letztendlich gefahrlos wieder verschwunden.
Jetzt galt es eine echte Herausforderung zu meistern. Da war ein fremdes Generationenschiff aufgetaucht, welches einer Spezies zu gehören schien, die schon Jahrmillionen zuvor, rein zufällig, in einem dreißig Lichtjahre entfernten System er-schienen war und zusätzlich schien eine gewaltige Frage auf Tenerra offen zu stehen.
Fünfundzwanzig Minuten nach Osiris‘ Befehl, waren fünf Gleiter auf dem Weg zum dritten Planeten, näherten sich schnell. Zur Vorsicht hatte man von der Byblos und der Attikon aus, einige kleinere Asteroiden angestoßen und in selbige Richtung geschickt, sie aus dem Gürtel gelöst, damit der Pulk gemeinsam mit ihnen aufbrach und es den Anschein hatte, dass es sich um ein natürliches Phänomen handelte.
So getarnt, erreichten die Maahes-Klone von den Scannern der Fremden unbemerkt, erst den Orbit, umkreisten den Planeten jedoch nicht aufwändig, sondern glitten in einem relativ steilen Winkel in die tenerranische Atmosphäre, glühten zusammen mit den Meteoriten auf. Die einen verglühten, die anderen bremsten ab und erreichten die Oberfläche.
<„Maahes 417, hier Staffelführer Maahes 700! Bioscanner auf minimale Streuung. Signatur auf Modulation 1.3.465.1003.7! Suche nach Lebenszeichen die den unseren entsprechen. Wenn du etwas finden solltest, egal ob zu hundert Prozent oder nur zu zehn Prozent, melde es sofort. Osiris scheint beunruhigt zu sein.“>
<„Verstanden, Staffelführer. Ich starte den Scan!“>
<„Maahes 801! Bioscanner auf volle Streuung, suche nach Lebenszeichen auf Modu-lation 3.34.2007.58! Das sind die Daten aus der Messreihe von Min 584 betreffs des fremden Schiffes. Bei Kontakt sofortige Meldung!“>
<„Aye, Sir!“>
<„Die verbliebenen drei gehen in den Tiefflug über und halten Ausschau nach nicht natürlichen Bewegungen. Maahes 623! Geoscan starten. Ich will sicher gehen, dass wir vom Planeten selbst, nicht auch überrascht werden.“>
<„Ich bin dabei“>, kam die Bestätigung.
So legten die Gleiter Kilometer um Kilometer zurück, umrundeten letztendlich den Planeten, drehten noch eine Runde, änderten den Kurs und überflogen somit sämtliche Festlandsmassen und die Ozeane. Machten sie sich Stück für Stück ein präzises Bild von Geologie und Biologie, hatten gar wundersame und faszinierende Ergebnisse gesammelt, jedoch nicht wirklich beunruhigendes gefunden.
Zunächst schien alles zur Zufriedenheit abzulaufen.
Allerdings nur zunächst, denn plötzlich schrie Maahes 566 ins Intercom: <„Staffelführer! Ich habe Kontakte auf Koordinaten 0.1.9, Ausrichtung um 23° verschoben zum Azimut des tenerranischen Positionierungssystems. Annäherung erfolgt sehr schnell. Sir, wir laufen Gefahr entdeckt zu werden!“>
<„An alle, hier Maahes 700! Sofort abbrechen und abdrehen. Wir verschwinden!“>
<„Aye!“>, kam die Bestätigung.
Doch es war zu spät.
War die Staffel erpicht darauf nach den Signaturen der Unbekannten zu suchen, ebenso nach denen der eigenen Spezies, so hatten sie selbst und auch Administrator Osiris vergessen, dass sich unter Umständen die Abtrünnigen genähert haben könnten. Dass diese vielleicht den gleichen Trick angewandt haben könnten, wie die Antermerianer selbst.
Von jetzt auf gleich war die Fünferstaffel in eine Falle getappt. War der direkte Feind am Horizont aufgetaucht, kamen mehrere Flugobjekte wie aus dem Nichts herangeschossen.
<„Wir wurden gescannt!“>, rief Maahes 566.
<„Das habe ich auch gemerkt“>, brüllte Maahes 700 zurück. <„Wo sind die hergekommen?“>
<„Bei Zurückverfolgung der Flugbahn müssen die aus südlicher Richtung gekommen sein, haben uns entdeckt und beigedreht. Die Signatur entspricht im Kern der unsrigen, aber es sind nicht wir.“>
<„Wer ist es dann? Die Fremden?“>
<„Nein, Sir! Wie es aussieht handelt es sich mehr um eine Biomechanik.“>
<„Du meinst Cyborgs?“>
<„Es hat den Anschein oder vielleicht noch viel Schlimmeres.“>
<„Du machst mir wirklich Mut.“>
<„Tut mir Leid, Sir! Aber das sind die Ergebnisse.“>
<„Na schön. Maahes-Staffel! Fertig machen zum Kampfeinsatz. Kurs setzen auf Ursprung 0.1.9, Positionierung auf Korrekturwinkel 29°.“>
<„Verstanden, Staffelführer. Wir sind auf Kurs.“>
<„Alle Waffensystem auf Maximum. Blasen wir sie weg.“>
Osiris saß im Administratorenstand, hatte sich gerade etwas entspannt, als der Funkspruch ihn erreichte.
<„Administrator, Sir! Die Maahes-Staffel vermeldet Feindkontakt!“>, schreckte Ptah 423 ihn hoch.
<„Was? Präzisieren!“>
<„Es handelt sich um sieben Flugobjekte, welche aus südlicher Richtung kommen. Startpunkt war anscheinend die Oberfläche in der Südpolregion. Beide Seiten haben einen Scan ausgeführt. Es handelt sich nach den ersten Messungen um Cyborg-Drohnen der Abtrünnigen.“>
<„Wie kommen die nach Tenerra und vor allem warum greifen die jetzt an?“>
<„Wir wissen es nicht.“>
<„Na ja. Darüber zerbreche ich mir selbst den Kopf. Verbinde mich mit Cyndra.“>
<„Aye, Sir! Verbindung steht.“>
<„Osiris an Cyndra-Basis! Könnt ihr mich hören?“>
<„Hier Isis, ich höre dich“>, meldete sich die Antermerianerin aus dem Leitstand, während Seth und Maahes neben ihr standen.
<„Wie ist die Lage bei euch?“>
<„Hier ist alles in Ordnung. Wir haben keinerlei Probleme. Warum fragst du?“>
<„Haltet eure Staffeln in Alarmbereitschaft. Wir haben Feindkontakte auf Tenerra. Ein Pulk von Cyborg-Drohnen greift unsere Maahes-Staffel an. Startpunkt war die Oberfläche des Planeten.“>
<„Die Oberfläche? Heißt das…?“>
<„JA! Wie es scheint haben die dort nur auf den richtigen Zeitpunkt gewartet. Außerdem haben wir Besuch von einer noch unbekannten Spezies, welche mit einem Generationenschiff aus dem Subraum brach.“>
<„Alles klar. Wir untersuchen sofort die nähere Umgebung. Haltet die Ohren steif und tue mir einen Gefallen… hör‘ endlich auf, alles mitzunehmen was bei drei nicht auf dem Baum ist. Du ziehst es gerade wieder mal magisch an.“>
<„Das mache ich schon seit langer Zeit und mir war irgendwie langweilig.“>
<„Ich weiß. Isis, Ende!“>
<„Osiris an Ptah 406!“>
<„Ich höre!“>
<„Sofort fünfzig weitere Maahes-Gleiter starten! Sie sollen sich aufteilen. Zwanzig nach Tenerra zur Verstärkung der bestehenden Staffel, Auftrag ist die Beseitigung des Feindanfluges. Die anderen dreißig zum Fremdschiff. Sie sollen es in Augenschein nehmen. Sollten die das Feuer eröffnen, dann schießt es ab. Ich will Ruhe haben in diesem Raumsektor.“>
<„Verstanden, Administrator! Ich gebe die Aufträge durch.“>
<„Danke! Osiris, Ende!“>
Auf dem Generationenschiff herrschte Jahrhunderte Ruhe. Es durchstreifte die Galaxis zunächst in der einen Richtung, dann wieder in einer anderen. Egal wo es erschien, es wurden unzählige unbekannte Welten gefunden. Die einen trugen bereits Leben, welches eine höhere Form des Seins erreichte, sich seiner selbst bewusst wurde und damit den Planeten für eine Besiedlung ungeeignet machte.
Die anderen waren schlichtweg ungeeignet, weil einerseits die klimatischen Verhältnisse nicht passten, andererseits die Oberfläche starken Verwerfungen unterlag oder aber sich die Fauna in einer dermaßen aggressiven Art und Weise präsentierte, dass man lieber die Finger davon ließ.
Die Besatzung des Schiffes mit Namen F.G.S.1 Apolliana kam vom Planeten Festrid, hatte eine Reise von tausenden Lichtjahren hinter sich gebracht, nannten sich die Insassen selbst Cherit und waren Neulandbesiedler. Ihre eigene Heimatwelt war mit über 45 Milliarden Lebewesen an Rande des Kollaps angekommen, musste dringend eine Ausweichmöglichkeit gefunden werden, um der Überbevölkerung Herr zu werden.
Kämpfe im Raum waren dieser Spezies ein Fremdwort, Friedlichkeit ein Grundsatz. Bis auf wenige Ausnahmen fuhren sie mit dieser Devise auch sehr gut. Allerdings konnte keiner ahnen, dass sie, als sie den dritten Planeten des unbekannten Solarsystems in Augenschein nehmen wollten, mitten in die Hölle sehen sollten.
Das Schiff ließ die Raum-Zeit-Faltung hinter sich, hatte keine Ahnung was jetzt passieren würde und wurde mit einem Eimer eiskalten Wassers empfangen. Inner-halb von Minuten war es plötzlich von scheinbar feindlichen Raumjägern umzingelt, schlugen die Sensoren Alarm, wurde man an Bord gewahr, dass auf dem Planeten selbst ein Kampf im Gange war und es besser gewesen wäre diesen Raumsektor nicht anzusteuern.
Aber es war zu spät. Der Verteidigungscomputer der Apolliana registrierte die Bedrohung und aktivierte seinerseits die Waffensysteme. Ein gravierender Fehler wie sich sofort herausstellen sollte.
Binnen Sekunden eröffneten die Lasertürme das Feuer, trafen einen Gleiter der Maahes-Staffel und zerstörten ihn. Das war für den Rest der Auftrag das Fremdschiff anzugreifen und zu vernichten. Es gab schon genug zu tun und da war dieser Koloss im Raum, lediglich ein weiterer Klotz am Bein.
Geschickt dem Kreuzfeuer der Lasergeschütze ausweichend, landete die Staffel einen schweren Treffer nach dem anderen, wurden Gravitonenkanonen aufgeladen und abgefeuert. Die Einschläge waren dramatisch und hatten den gewünschten Erfolg. Die Apolliana war nach einer knappen Stunde, Geschichte, hatte zunächst Feuer gefangen, explodierten Schiffsteile, verflüchtigte sich die Atmosphäre im Schiffsinneren, erstickte die Mannschaft, wurde verbrannt und letztendlich zerstob alles in feinen Bruchstücken, glühte noch kurz und ward verschwunden.
<„Maahes 502 an Osiris!“>, rief der Staffel-Führer.
<„Hier Osiris! Ich höre.“>
<„Feindschiff vernichtet. Auftrag ausgeführt.“>
<„Verstanden! Kommt zurück. Osiris, Ende!“>
<„Aye, Sir!“>
Osiris ließ sich in seinem Sessel zurückfallen. „Hoffentlich hat das keine weitreichen-den Konsequenzen. Hoffentlich kommen nicht noch mehr von denen. Die Situation gerät jetzt schon aus den Fugen“, murmelte er unzufrieden.
Auf Tenerra selbst, war die dortige Maahes-Staffel mittlerweile mitten im Feindkontakt und wehrte sich erbittert.
Die angreifenden Drohnen waren schnell, präzise und wendig, eine Anpassung der Strategie zwingend erforderlich. Aber was sollten fünf Kampfgleiter gegen zwanzig Cyborgs ausrichten?
Bevor noch ein passender Plan gedanklich reifen konnte, kam unvermittelt Hilfe aus höheren Regionen. Die Kampfstaffel der anderen Maahes-Klone war eingetroffen, griff die Cyborg-Drohnen der Abtrünnigen von der anderen Seite an und schien deren Programmierung zu überfordern. Die Flexibilität der biologischen Komponenten reichte nicht aus um eine schnellstmögliche Kompensation einzuleiten und in den ersten drei Minuten war die Situation übersichtlicher geworden, waren sechs der Angreifer vom Himmel verschwunden, lagen brennend am Boden.
<„Ausgezeichnete Arbeit“>, rief Maahes 700 ins Intercom. <„Lasst uns den Rest auch noch zerlegen. Anschließend Abflug Richtung Süden. Wenn die von dort gekommen sind, dann haben wir es vielleicht mit einem Nest zu tun.“>
<„Aye, Staffelführer! Wir sind schon dabei.“>
Eine gute halbe Stunde später hatte die Maahes-Staffel einen Gleiter verloren, war aber der Feind vernichtend geschlagen.
Der Rest machte sich auf den Weg in Richtung Süden, in die spätere Antarktis.
<„Ankunft im Zielgebiet in einundzwanzig Minuten“>, verkündete Maahes 567.
<„Bestätigt!“>, antwortete der Staffelführer. <„Bei Sichtkontakt zur entsprechen-den Landmasse auffächern und die Scanner auf volle Streuung. Wir dürfen nichts übersehen.“>
<„Aye! Wie es aussieht haben die eine Art Basis gebaut und gelauert“>, mutmaßte Maahes 375.
<„Sieht in der Tat danach aus. Oder es sind die letzten Reste gewesen, die vom vor Jahrmilliarden abgestürzten Systemvernichter übrig geblieben waren und mehr ist dann auch nicht mehr.“>
<„Das werden wir sehen, wenn wir vor Ort sind. Bis dahin bleibt alles in höchster Gefechtsbereitschaft.“>
<„Aye!“>
Auf Cyndra blieb es im Gegensatz dazu ruhig. Die Produktion der al-qarab lief wie geplant, nahm lediglich für jedes Exemplar schier unendlich viel Zeit in Anspruch.
Osiris vergrub sein Gesicht in der Linken, während er mit Supervisor Ammon sprach. <„Wir brauchen einfach zu lange und wie es scheint, hat der Feind die Spur aufgenommen“>, stöhnte er ins Intercom.
<„Das ist in der Tat höchst bedenklich. Wie lange wird die Armee brauchen? Ich meine damit, wie lange braucht ihr bis wenigstens fünfhundert Waffenträger einsatzbereit sind?“>
<„Das kommt drauf an.“>
<„Auf was?“>
<„Wir haben extrem selten, aber vereinzelt doch, mit Abstoßungsreaktionen zu kämpfen. Einer explodierte, weil sich zu viel atmosphärischer Druck in seinem Inneren aufbaute, bei einem anderen bildete sich der Hohlraum erst gar nicht. Bei einem dritten faulte einfach das Schwanzende ab, nachdem die Waffenphalanx verankert war. Wir müssen daher sehr behutsam vorgehen und alles äußert steril halten bis die Träger den ausgewachsenen und damit vollständig stabilen Zustand erreicht haben. Alles andere wäre töricht.“>
<„Klingt nach kurzen Rückschlägen. Hmmm…, aber alles in allem habt ihr doch Fortschritte erzielt.“>
<„Ja, bisher stehen fünfundzwanzig Stück in Hibernation, liegen an den Versorgungsschläuchen. Ich denke, dass wir, wenn ich alle Rückschläge mit einbeziehe in circa fünfhundert Jahren den ersten Stationierungsbereich komplett aufgefüllt haben.“>
<„Ein halbes Jahrtausend?“>, schluckte Ammon. <„Na schön. Halte die Maahes- und Sachmet-Staffeln auf Gefechtsstufe. Bisher sind die Abtrünnigen wohl nur auf Tenerra aufgetaucht und nicht auf Cyndra oder Genro. Wobei ich bei dem Planeten nicht sicher bin, auch wenn die Quarantäne auf dem Kontinent Sabeth auszureichen scheint.“>
<„Wir werden mal sehen, was die Maahes-Staffel auf Tenerra findet. Die müsste in wenigen Augenblicken in der Herkunftsregion eintreffen und Ergebnisse haben.“>
<„Dann wünsche ich dir viel Glück.“>
<„Danke, werde ich brauchen.“>
<„Ammon, Ende!“>
„Die sind gut geworden. Verdammt gut sogar“, schnauzte Marduk quer durch den Raum und schaute stechend zu Cernunos. „Was fällt dir dazu ein?“
„Was meinst du damit?“, fragte der Hirschgeweihträger.
„Zu unserem neuerlichen Debakel“, fuhr Marduk ihn an.
„Ich kann dazu nur sagen, dass wir einen Verlust nach dem anderen einstecken und bin der Meinung, dass wir erst einmal alles ruhen lassen sollten.“
„Und warum?“
„Es ist nicht ratsam immer nur leicht zu sticheln. Wenn wir zuschlagen, dann richtig. Im Moment sind es nur verlustreiche Geplänkel und wir verraten mit jeder Aktion, dass wir noch da sind, machen die Systemtreuen nur noch nervöser.“
„Du meinst, wir sollten einfach eine Zeit lang still halten und uns auf uns selbst konzentrieren?“, hakte Marduk fragend nach.
„Ja, wir sind zu verbohrt auf einen schnellen Sieg, die Zerstörung des Datennetzes, das Sprengen von Löchern ins System der Loyalen und damit das Untergraben des Ganzen.“
„Und was genau schlägst du vor? Du darfst frei sprechen. Ich werde keinerlei Schritte einleiten, wenn du etwas Kritik übst“, beruhigte Marduk den Hirschköpfigen.
„Ich schlage vor, dass wir uns auf den Ausbau des neuen Systemvernichters konzentrieren. Er sollte zwei Primärwaffen haben, eine auf direkte Auslöschung und eine auf Schwächung. Des Weiteren sollten wir unsere ehemalige Anlage auf Genro zurückbauen und nur einen minimalen Teil bestehen lassen, ebenso sollte auf Tenerra der abgestürzte Rest des Vernichterprototypen in den Tiefschlaf versetzt werden“, schlug der Anthro-Hirsch vor.
„Hmmm…, klingt interessant. Aber wie lange sollten wir, deiner Meinung nach, warten?“
„Ich spreche nicht von Jahrzehnten oder Jahrhunderten. Ich rede von Jahrtausenden, vielleicht Jahrmillionen.“
„Das ist verdammt lange und wir wissen nicht wie stark die Systemanhänger in dieser Zeit werden.“
„Das Risiko müssen wir eingehen. Schau mal, wenn der Systemvernichter seine komplette Schlagkraft besitzt, dann greifen wir an. Außerdem werden wir dann auf Genro zeitgleich aktiv und auch auf Tenerra. Die werden plötzlich von allen Seiten angegriffen, wissen gar nicht was ihnen blüht. Abgesehen davon, haben wir es scheinbar auch noch mit einer weiteren unbekannten Partei zu tun, wenn ich dich an zwei Vorfälle erinnern darf. Einer davon betraf uns direkt und ereignete sich im Elara-System, der andere ging nicht so gut aus für unsere Gegenspieler und auch nicht für die Fremden. Da wird auch noch etwas passieren.“
„Jetzt klingt es nach einem guten Plan. Gut Ding will Weile haben… Da fällt mir ein, dass wir den Steuerungsbefehl für die absolute Hibernation an den Vernichterteil senden sollten, welcher in der südpolaren Region Tenerras liegt.“
„Das habe ich bereits getan. Die intakten Teile haben minimalen Energieausstoß und sollten an ihrer Lagerstätte nicht wirklich bemerkt werden.“
„Ausgezeichnet!“, lobte Marduk. „Haben die Angriffsdrohnen wenigstens einige Da-ten von der Oberfläche gesendet?“
„Ja, die Evolution nimmt normale Züge an, wenn man von kleineren Abweichungen absieht. In einigen Bereichen der Kontinente haben sich Hybriden gesammelt.“
„Auch schön“, entfuhr es Marduk und er begann breit zu grinsen.
„Wir sollten allerdings eine kleinere Gruppe unserer Klone auf Tenerra stationieren, um die weitere Entwicklung zu beobachten. Einige Informationen deuten darauf hin, dass es in absehbarer Zeit zu einem Evolutionssprung kommen könnte. Was sich allerdings daraus entwickelt, wissen wir nicht.“
„Dann mach das, aber seid vorsichtig. Wir dürfen auf keinen Fall auffallen.“
„Die Klone besitzen einen Phasenverschieber und nutzen eine parallele Sprungdimension.“
„Sehr gut. Welche Lebenserwartung haben die Klone?“
„Die Auserwählten sind komplexer als die Normalen. Sie haben eine Höchstdauer von fünftausend Jahren. Wir werden sie an neuralgischen Punkten des Planeten absetzen.“
„Perfekt! Und jetzt macht euch an die Arbeit“, schloss Marduk die Diskussion ab.
Der Kreuzer Cerberus umkreiste den Planeten Genro beharrlich, scannte in regelmäßigen Abständen die Oberfläche und achtete dabei besonders auf Veränderungen im Bereich der Landmasse namens Sabeth.
Seit Urzeiten und dem tragischen Kontakt einiger Sachmet-Klone mit der Technologie der Abtrünnigen herrschte Ruhe und es gab keinerlei Aktivitäten.
Jetzt aber änderte sich das schlagartig und an Bord der Cerberus reagierten die Scanner für biologische und geologische Daten.
„Was ist da unten los?“, rief Nephtys über die Brücke.
„Wir wissen es noch nicht, aber es gibt eindeutige Veränderung innerhalb der Geologie. In Küstennähe scheint sich eine Art Energiefeld zu formieren. Der Bereich entzieht sich immer mehr unserer Datenerfassung. Es scheint fast so, als ob er aus unserer Dimension gezogen würde“, kam die Erklärung aus der Taktik.
„Gibt es Aktivitäten der Abtrünnigen?“
„Ich vermute, dass diese jetzigen von den Abtrünnigen stammen und sie sich scheinbar aus dem System zurückziehen“, entgegnete Bes 378.
„Das wäre endlich mal etwas Positives. Schicke zur Sicherheit eine Sonde runter. Sie soll das Gebiet in einer immer enger werdenden Spirale umkreisen. Mal sehen, wann eine Gegenwehr erfolgt und ob überhaupt“, befahl Captain Nephtys.
„Aye! Die Sonde wird gerade vorbereitet und startet in zwei Minuten.“
„Sehr gut!“
In der Tat konzentrierten die Abtrünnigen eine Energiebarriere um den Entwicklungskomplex auf Sabeth, verschoben die Dimensionsphasen, so dass ein Teil der Anlage in diesem Universum verblieb, ein Eindringling jedoch bei weiterer Annäherung mehr und mehr ins parallele Parkuniversum, wie es Cernunos nannte, verschoben wurde ohne es zu spüren. So war es möglich einen ständig geöffneten Tunnel zu erzeugen, zu jeder Zeit innerhalb von Minuten zu transferieren, aber dabei trotzdem diffus und fast unentdeckt zu bleiben.
Nach drei Stunden wusste eben dieses auch Captain Nephtys, nebst ihrer Brückenbesatzung. Eben noch war die Sonde auf ihrer Spiralbahn um den Zielort unterwegs, durchstieß sie den künstlichen Phasenhorizont, war noch auf dem Schirm und wiederum nicht. Sie war existent und verschwand schließlich auf Nimmerwiedersehen.
„Gut“, merkte Nephtys kurz und knapp an, „wir können davon ausgehen, dass Sabeth ungefährlich ist und lediglich dieser Bereich gemieden werden muss. Vermerkt das in den Unterlagen und übertragt die Daten sofort ins Netzwerk.“
Auf Tenerra entschloss sich seit einigen Jahrmillionen eine höherentwickelte Art der Primaten immer häufiger den geduckten vierbeinigen Gang gegen einen aufrechten, wenn auch gebückten einzutauschen.
Dies blieb logischerweise auch den Antermerianern nicht verborgen und die beiden Kampfinseln im Asteroidengürtel waren beherrscht von heftiger Aktivität innerhalb der geologischen Abteilung, der Astrobiologie und letztendlich auch der externen Sicherheit.
So entschloss sich Osiris einen größeren Trupp bestehend aus Sachmet-, Seth-, Anubis- und Horus-Klonen zur Oberfläche des Planeten zu entsenden, um sich ein genaues Bild von den Fortschritten zu machen.
So landete vor 2,47 Millionen Jahren eine Gruppe von zwanzig Klonen der Sachmetreihe, vierzig der Seth-, fünfzig der Horus- und einhundert der Anubisreihe auf Tenerra, verstreuten sie sich schon im Landeanflug auf die verschiedenen Kontinente. Sie erreichten ihre Zielgebiete im späteren Peru, Bolivien, Ägypten, Irak, Iran, Norwegen, Irland, Island und auch im nördlichen Australien und etwas südlicher gelegen dem späteren Griechenland und Italien.
Der Datenaustausch war rege und die Ergebnisse sehr unterschiedlich. Während es in einigen Teilen Tenerras eher ganz normal ablief und alle Primatenarten den vierbeinigen Gang innehatten, erschienen gerade im Bereich des heutigen Australiens vermehrt aufrechtgehende Exemplare, ebenso im heutigen Afrika.
Die beginnende Ausbreitung über den ganzen Planeten war nicht zu übersehen und der Siegeszug des Menschen nicht mehr zu verleugnen.
Während unbemerkt die Australopithecinen den Anfang machten und das bereits vor etwa sechs Millionen Jahren, folgten auf anderen Kontinenten, beginnend vor etwa 2,5 Millionen Jahren, die Homo erectus, die Homo neanderthalensis und schließlich die Homo sapiens.
In all dem Aufbruch und Umschwung standen die Klone der Antermerianer, beobachteten, zeichneten auf, versteckten sich, kamen sich zeitweilig vor wie Flüchtige. Nichts sollte die Entwicklung der neuen Arten beeinflussen.
Die Vermehrungsrate war zunächst stark eingeschränkt, beschränkten sich die aufstrebenden Aufrechtgeher in der Fortpflanzung anfangs nicht nur auf ihresgleichen.
Bei den Beobachtungen fiel nicht nur einmal auf, dass sich gerade die nicht nur aufrechtgehenden Exemplare zuweilen auf ihre Ursprünge besannen und mit allerlei halbwegs brauchbarem Getier der reichhaltigen Fauna kopulierten.
Die daraus resultierenden Hybriden waren im Anfangsstadium der Evolution lebens- und fortpflanzungsfähig. Mit fortschreiten der genetischen Veränderungen und der Verbesserung, von aufrechtem Gang, der Zunahme des Hirnvolumens, der Ausbildung anatomischer Besonderheiten, gab sich nicht nur das Paarungsverhalten zwischen den Spezies, sondern wurden noch vorhandene Mischbefruchtungen zum Misserfolg. Die Hybriden entstanden erst gar nicht, da sich Ei- und Samenzelle nicht verbanden oder die Leibesfrüchte starben frühzeitig ab.
Damit war der Weg zur reinen Menschwerdung geebnet.
Was jedoch in den Genen war und damit nicht sichtbar, sollte später wieder zum Vorschein kommen, wenn auch nicht gleich, so jedoch Jahrtausende später. Es hatte sich nicht ausgewachsen, wie Osiris es ursprünglich erhofft hatte, vielmehr schlummerte es tief in der DNA, in einem Teil, der den Phänotyp nur rezessiv beeinflusste, aber jederzeit sichtbar werden konnte.