Kapitel 10

Story by SethGodofChaos on SoFurry

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Kapitel 10

weitere Entwicklungen und Störfälle

Wider Erwarten hielten sich die Abtrünnigen tatsächlich an die Abmachungen und auf Terra zog eine trügerische Ruhe ein. Die Menschheit entwickelte sich weiter, wenn auch immer wieder beeinflusst, vor allem in den Bereichen, in denen sich das Gefolge um Marduk aufhielt.

Auf Cyndra gingen sprichwörtlich die Lichter auf Sparflamme und hatten die Cyborg-Skorpione ihre Arbeit aufgenommen, sicherten das Gelände um die Basis herum ab.

Im umgebenden Raum in allen Systemen herrschte Ruhe und Frieden.

Jedoch hielt diese Märchenwelt nur wenige tausend Jahre.

Die Menschheit strebte immer weiter aufwärts und entwickelte eigene Kulturen, fernab des Einflusses der Antermerianer und der Abtrünnigen.

Eines war diesen frühen Kulturen aber gemein, es bildeten sich Glaube und schließlich Religion. Die Beeinflussung durch vergangene Ereignisse war dabei mehr als deutlich zu spüren. So fanden gerade die Abtrünnigen Götzenfiguren die eindeutig Marduks Konterfei zeigten, ebenso war es in den nordwestlichen Gefilden der Fall, wo sich nach und nach ein Kult um Fenrir bildete, auch zeigten Abbildungen und Figuren das Haupt von Cernunos.

Den Abtrünnigen war es recht, konnten sie doch unangreifbar und gottgleich auf der Oberfläche wandeln.

Noch weiter westlich und damit auf einem anderen Kontinent, hatten die systemtreuen Antermerianer die Kontrolle über die Regionen übernommen und ihnen war eine ähnliche Entwicklung gar nicht recht, versuchten sie diese zu unterbinden. Der Erfolg war mehr als spärlich.

Warum, wussten sie nicht. Lediglich eine aus der Art geschlagene Figur gab die tiefere Ursache preis. Es handelte sich um eine Götzenfigur aus Holz, fein gearbeitet und diese zeigte eine Raubkatze.

Das allein war nicht besonders aufregend, jedoch brachten Vergleiche mit der einheimischen Tierwelt das ganze Drama ans Licht. Diese Figur zeigte eine eindeutig aufrechtgehende Raubkatze und war von Statur und Kopfform her ein Jaguar.

Weder die Antermerianer, noch die Abtrünnigen hatten Jaguare im Original oder als Klon-Reihe im Repertoire. Das ließ nur eine Schlussfolgerung zu. Es trieb sich et-was im fast undurchdringlichen Urwald des Kontinentes herum, was dem dargestellten entsprach.

Die Cherit waren in der Nähe des Planeten Terra aus dem Subraum gesprungen.

Ihre Heimatwelt Festrid war etwas mehr als 60 Lichtjahre entfernt und ihre Zivilisation mehrere Millionen Jahre älter als die aufstrebende menschliche. Eine Spezies, die nicht nur die höheren Wissenschaften beherrschte, sondern auch modernste Technologien.

Das Generationenschiff war gebaut worden, um neue Welten zu entdecken, Welten die eine friedliche Expansion ermöglichten. Das erste seiner Art tauchte Jahrmillionen vor diesem, im Elara-System auf, setzte einen Notruf ab und ward seither verschollen. Niemand der anthropomorphen Spezies wusste was geschehen war, versuchte jedoch auch nicht, einen weiteren Schritt in das zuvor besuchte Sternensystem zu wagen. Zu vage waren die Daten, zu unsicher der Gedanke es nochmals zu versuchen.

Stattdessen zielte der zweite Versuch darauf ab in einem anderen Raumsektor ein bewohnbares Habitat zu errichten, stieß nach einer Odyssee, bei gefühlt ewigen Zeiten, auf den dritten Planeten des Solarsystems. Eine Welt die ausreichend Platz für tausende Cherit bot, auf welcher Umweltbedingungen herrschten, die ein normales Leben ermöglichten.

Terra war zu diesem Zeitpunkt spärlich bewohnt, der Begriff menschliche Zivilisation in der heutigen Form noch weit entfernt, zumindest vom Standpunkt einer extrem fortschrittlichen Spezies.

So erreichte das zweite Generationenschiff die Nähe des Planeten und wurde zerstört. Warum, konnte niemand beantworten. Dass die Cherit mitten in einen Krieg hineingerieten, welcher mit harten Waffen geführt wurde, konnte sich keiner vor-stellen.

Der Angriff der Fremden erfolgte unvermittelt, schwer und zerstob das Schiff. Gerade noch rechtzeitig konnte der Captain den Räumungsalarm auslösen, konnten sich hundert Notkapseln, besetzt mit jeweils zehn Cherit und einige wenige Fähren, absetzen.

Landeten diese, geschützt durch die umherfliegenden Trümmer und die anhaltenden Kampfhandlungen, unbemerkt auf der Oberfläche des Zielplaneten, schlugen relativ hart auf, gab es Verletzte, aber glücklicherweise keine Toten. Die mit-geführte Standardausrüstung erlitt keinerlei Schaden, jedoch war das spezielle Equipment in Mitleidenschaft gezogen worden.

Die Cherit waren auf Gedeih und Verderb gestrandet.

Der Startpunkt einer langen Reihe von Geschehnissen, Kontakten mit den Ureinwohnern, Folgekonsequenzen, welche bis in eine tausende Jahre spätere Zeit reichen sollten, war im späteren Südamerika, in Europa und Nordafrika gesetzt.

Folgekonsequenzen, die die Antermerianer verhindern wollten und die ihnen und den Abtrünnigen ebenso, im weiteren Verlauf hart zusetzen sollten.

„Alles klar bei euch“, fragte Celos laut. Der anthropomorphe Greif sah in die Runde.

„Wie man es nimmt“, antwortete Merlon. „Was immer das Schiff getroffen hatte, es war verdammt schnell.“

„Ja. Wenigstens sind einige von uns entkommen.“

„Toll!“, schnauzte Trellana. „Weiß irgendjemand was uns hier erwartet? Ich habe jetzt schon die Schnauze voll.“

„Bleib ruhig, Mädchen“, versuchte Celos die Leopardin zu beruhigen.

„Wenigstens haben wir Luft zum Atmen“, mischte sich eine Jaguarin namens Jura ein und hatte ihren Bioscanner in der Hand.

„Kannst du sonst noch etwas vermelden? Ich denke da an Bewegungen von Lebewesen“, hakte Celos nach.

„Ja. Da ist heftig was unterwegs und wir werden scheinbar beobachtet.“

„Tiere oder etwas höheres?“, fragte Trellana.

„Wie es scheint sind es humanoide Lebensformen, aufrechtgehend wie wir.“

„Das klingt nicht gut. Wir sollten unsere Sachen packen und uns einen Unterschlupf suchen“, ließ Celos verlauten und deutet auf mehrere Mitglieder der Gruppe. „Durchzählen! Ich will wissen wie viele wir sind. Laut den letzten verfügbaren Daten müssten etwa zweitausend von uns auf dem Planeten gelandet sein.“

Am Ende bestand die Gruppe aus sechzig Mitgliedern.

„Immerhin“, hub Myrina an. „Damit sind wir wenigstens überlebensfähig.“

„Wie meinst du das?“, fragte Phylas und schaute irritiert.

„Wenn ich es recht sehe, dann können wir uns verteidigen, nach Nahrung suchen und wir haben wohl auch einige Spezialisten dabei, die mit den Ausrüstungen um-gehen können“, antwortete die Löwin direkt an den Anthro-Hengst gewandt.

„Sehr gut“, rief ein Stier von hinten und trug das Abzeichen der Sicherheit.

„Ah, fantastisch“, hub Celos an. „Damit sollte fast nichts mehr schief gehen.“

„Wenn du das sagst. Ich bin da ganz anderer Meinung“, murmelte Trellana mürrisch.

„Du bist zu negativ eingestellt“, herrschte Merlon die Leopardin an und man sah deutlich, dass sich das Nackenfell des Anthro-Wolfes aufstellte. „Wir suchten einen Planeten für einen Neubeginn und den haben wir gefunden. Gut, die Situation könnte komfortabler sein, aber machen wir doch das Beste draus.“

„Meinetwegen“, seufzte Trellana und atmete tief durch.

„Und da wir schon hier sind und unsere Notkapseln in der Nähe, laden wir doch alles aus und lassen uns hier nieder“, schlug Pechar vor.

Alle sahen den Anthro-Jaguar an und überlegten eine Weile.

„Eine sehr gute Idee. Während die Einen das Equipment aufbauen, werden wir drei Vierergruppen bilden und diese auf Erkundung schicken. Ich möchte, dass ihr alles unter die Lupe nehmt. Dreht jeden Stein auf links und berichtet mir von Zeit zu Zeit“, intonierte Celos.

„Aber sicher doch“, entgegnete Taron. Der ehemalige Offizier der Sicherheit war ein gestandener Stier und stand wie ein Fels in der Brandung. Seine Mimik war zu Eis erstarrt und verriet nichts von seinen Gefühlen.

„Dann mal los“, rief Celos.

„Aye! Aber eine Frage noch“, hub Trellana an. „Wer hat dich eigentlich zum Anführer unserer Gruppe gemacht?“

„Es hat sich kein anderer entgegengestellt?“, kam dessen fragende Antwort.

„Stimmt auch wieder“, seufzte die Leopardin und winkte ab.

An anderer Stelle war man nicht sonderlich glücklich über die Entwicklung der Din-ge.

Osiris saß wieder auf der Byblos und starrte auf die Displays. „Was für ein verdammter Dreck“, murmelte er vor sich hin. „Waffenruhe mit Marduk. Wer weiß was der da unten macht. Terra aufteilen. Einfach lachhaft.“

Er betätigte das Com und rief nach dem Leiter der internen Kommunikation.

<„Ptah 786 hier!“>, ertönte die Stimme des Klons.

<„Ich grüße dich. Sei so gut und stelle mir eine Verbindung zu Ammon her. Dringend!“>

<„Aye, Administrator! Verbindung wird aufgebaut.“>

Minuten später stand die Leitung. <„Ammon hier! Grüß dich.“>

<„Ja, Grüße zurück. Bist du allein?“>

<„Ja. Warum fragst du?“>

<„Ich kann keine Zeugen gebrauchen, schon gar nicht meine Ehefrau.“>

<„Ach herrje. Was hast du angestellt?“>, kam Ammons Frage in einem verschwöre-rischen Ton.

<„Wo soll ich anfangen?“>, begann Osiris mit der rhetorischen Frage.

<„Einfach am Beginn des Dramas? Denn wenn du schon so startest, dann kann es sich nur um ein Drama handeln.“>

<„Sei es drum. Es läuft alles aus dem Ruder.“>

<„Schieß los.“>

<„Die Abtrünnigen sind auf Terra gelandet.“>

<„Terra?“>

<„Ich meine Tenerra. Die Menschen nennen ihren Planeten mittlerweile so.“>

<„Sieht nach einer sprachlichen Beeinflussung aus.“>

<„Nicht nur sprachlich.“>

<„Sieh an, sieh an. Was noch?“>

<„Wir haben eine geschnitzte Figur gefunden.“>

<„Und wo liegt jetzt das Drama? Das sieht für mich nach einem natürlichen Prozess der Weiterentwicklung aus und bedarf keiner Panikmache.“>

<„Oh doch! Denn diese Figur stellt einen aufrechtgehenden Jaguar dar.“>

<„Das klingt jetzt doch etwas befremdlich. Hast du einen Verdacht?“>

<„Wir hatten Besuch von einem Generationenschiff.“>

<„Das wäre dann wohl das zweite, wenn ich Isis‘ Berichten richtig folge.“>

<„Genauso ist es. Unsere Maahes-Staffel hat es auf meinen Befehl hin aus der terranischen Umlaufbahn geschossen.“>

<„Das ist jetzt wirklich nicht aufbauend.“>

<„Ist es in der Tat nicht. Ich vermute, dass sich zwischen den Trümmern mehrere Rettungskapseln absetzen konnten und diese unbemerkt auf Terra niedergegangen sind.“>

<„Infiltration vom feinsten. Ausgezeichnete Arbeit mein Freund“>, säuselte Ammon.

<„Lass den Unfug. Mir ist echt nicht nach witzigen Sprüchen.“>

<„Entschuldige bitte meinen Anflug von Zynismus. Was schlägst du als Gegenmaßnahme vor?“>

<„Nichts. Wir können nichts mehr ändern und haben noch ein ganz anderes Problem.“>

<„Du spielst auf die Abtrünnigen an?“>

<„Genau. Ich hatte eine mündliche Verhandlung mit Marduk.“>

<„Wie unangenehm.“>

<„Du sagst es. Wir mussten klein bei geben und nunmehr ist es so, dass er Regionen des Planeten kontrolliert und wir auch.“>

<„Ach du scheiße!“>, entglitt es Ammon. <„Verfeindete Gebietsansprüche. Gibt es Kampfhandlungen?“>

<„Nein. Nicht mehr. Wir haben eine Waffenruhe vereinbart. Inwiefern die hält und was die jetzt machen entzieht sich meiner Kenntnis.“>

<„Schön blöd. Sonst noch etwas?“>

<„Ich gedenke, dass ich die Ruhe einhalten werde, aber bei passender Gelegenheit eingreife, vor allem, wenn sich die Abtrünnigen ausbreiten wollen und in unsere Ge-biete eindringen.“>

<„Das meinte ich nicht, hört sich aber diesbezüglich gut an. Ich spielte eher auf die fremden Siedler an.“>

<„Die lasse ich gewähren. Wenn ich da jetzt intervenieren würde, dann hätte ich einen neuen Krieg und das an zwei Fronten. Den könnten wir nicht gewinnen und wenn, dann nur mit erheblichen Verlusten auf allen Seiten.“>

<„Ich verstehe. Vor allem dürften die Menschen nicht gerade begeistert sein.“>

<„Darum geht es mir. Wir hätten drei kämpfende Parteien auf einem fremden Planeten mit höherem Leben, welches dabei höchstwahrscheinlich ausgelöscht werden könnte. Das geht nicht!“>

<„Gut, berichte mir von Zeit zu Zeit. Alles andere obliegt dir. Ich kann anhand der Beschreibung mir kein wirklich klares Bild von den Vorgängen machen.“>

<„Ich werde mich wieder melden, wenn es eine Veränderung gibt.“>

<„Mach das. Ammon, Ende!“>

In einem Gebiet, welches später das nördliche Afrika sein würde, waren ebenfalls dutzende Rettungskapseln der Cherit aufgeschlagen und deren Insassen entstiegen.

Anders als im Regenwaldgebiet des späteren Mexiko und Guatemala, in welchem sich die Menschen anschickten größere Siedlungen zu errichten, gab es hier zwar auch ein ähnliches Schema, allerdings waren die klimatischen Verhältnisse gänzlich anders.

Das Gebiet war wüstenartig, hatte grüne Inseln mit stehendem Gewässer und weiter nordöstlich existierte ein großer Strom.

„Hervorragend gelandet!“, schnauzte Chelor in Richtung des verstummten Computers. „Nicht mal eine Notlandung kann der Schrotthaufen.“

„Bleib locker“, entgegnete Danira. „Wir leben noch und haben lediglich ein paar blaue Flecken.“ Die Anthro-Hyäne sah den Löwenkater leicht vorwurfsvoll an.

„Hmmm…, hast ja recht, aber ich mag es sanft. Und jetzt lass uns mal sehen wo wir abgesetzt wurden. Mach mal einen Bio- und Geoscan.“

„Aber sicher doch“, flötete sie. „Geologisch stabil, jede Menge Lebensformen. Teils tierisch, teils anthropomorph.“

„Sind die wie wir?“

„Der aufrechte Gang ist fast die einzige Verbindung. Laut den Messungen sind es Sauerstoffatmer ohne Fell, die grobe Anatomie ist extrem stark vergleichbar, lediglich die Feinheiten weichen ab. Sie sind Sohlengänger und ihr Gesicht weicht stark von dem unseren ab.“

„Zeig mal her“, forderte Chelor auf.

„Da sind die Scannerdaten und das daraus reproduzierte Bild.“

„Na gut. Wie es aussieht bringt das alles nichts und wir müssen eh aussteigen. Lass uns versuchen soweit wie möglich Abstand zu halten.“

„Einverstanden! Aber lass uns erstmal sehen wo die anderen sind, wenn es die überhaupt gibt“, wandte Danira ein.

„Gute Idee“, hub Chelor an und schaltete das Intercom ein. <„Chelor an alle die mich hören. Wir sind gelandet. Ist da draußen noch jemand der mich hört?“>

<„Hier ist Morana von der Astrophysik. Ich höre dich laut und deutlich.“>

<„Hallo!“>, rief der Anthro-Löwe erfreut. <„Wie viele sind bei dir?“>

<„Insgesamt sind wir mit einhundertzwanzig Personen angekommen und wo seid ihr?“>

<„Sekunde, wir scannen nach euch.“>

<„Hab sie!“>, verkündete Danira. <„Sie sind ganz genau fünf Kilometer entfernt.“>

<„Morana! Wir haben euch gefunden und sind jetzt auf dem Weg. Bis gleich.“>

<„Verstanden! Morana, Ende!“>

„Hier ist was los“, knurrte Chelor und schaute die Hyäne verschmitzt an, gab ihr einen Kuss und öffnete die Verriegelung der Ausstiegsluke.

Nach einer Stunde Marsches zu Pfote trafen sie auf die große Versammlung bestehend aus anthropomorphen Stieren, Wölfen, Raubkatzen, Hyänen, Pferden, Eseln, Antilopen.

„Ich grüße euch“, hub Chelor an.

„Grüße zurück“, antwortete Morana. „Schön euch zu sehen.“

„Ja, geht uns auch so. Die Umstände könnten lediglich besser sein.“

„Was schlagt ihr vor?“, fragte Linda. Die Eselin stand in einem kleineren Pulk seitlich.

„Wir sollten alles ausladen und uns in der Nähe eines der urbanen Wassergebiete niederlassen“, antwortete Danira.

„Dann laufen wir aber Gefahr entdeckt zu werden“, gab Kara zu bedenken und setzte dabei eine nachdenkliche Miene auf, welche eher an eine eingeschnappte Gazelle erinnerte.

„Guter Ansatz, aber ich befürchte, dass wir eh schon entdeckt wurden“, erwiderte Chelor und deutete an allen vorbei, in eine greifbare Entfernung.

Einige der Cherit drehten sich daraufhin um und gewahrten sich nähernde Gestalten.

„Scanner!“, befahl der Löwe barsch.

Die Hyäne an seiner Seite, griff nach dem Gerät und mit einem leisen Summen und Piepen nahm es seine Arbeit auf.

„Es sind verschiedene Lebensformen. Ich messe deutlich Signaturen von Humanoiden und des Weiteren die Zeichen von Tieren. Die Form ist mir nicht bekannt. Aber es handelt sich um relativ große Lebewesen, mit vier schlanken Beinen, einem längeren Hals und zwei Auswüchsen auf dem Rücken. Scheinbar handelt es sich dabei um Reittiere“, verkündete Morana.

„Dann ist es eh zu spät“, seufzte Chelor. „Lasst uns unsere Ausrüstung nehmen und die nächste Wasserstelle aufsuchen. Wenn die uns entdeckt haben, dann werden die uns eh folgen.“

„Bleibt zu befürchten, dass sie uns feindlich gesinnt sind. Immerhin ist unser Schiff vernichtet worden“, warf Pollon ein.

„Ich glaube nicht, dass die zu so etwas fähig sind. Die stecken noch im Welpenalter was die Technologie angeht“, wiegelte Morana ab. „Im schlimmsten Fall haben sie primitive Feuerwaffen.“

„Auch nicht schön, wenn man in den Hintern geschossen wird“, entfuhr es Blox.

Morana schaute den Geparden schief an. „Glaube ich dir gern und jetzt los.“

Zwei Stunden später waren alle Ausrüstungsgegenstände beisammen und hatten sich 122 Anthros der Cherit, bepackt und schickten sich an, den beschwerlichen Weg zu beschreiten.

Noch mitten im Marsch erreichten die Reiter die Gruppe.

„Salem“, sagte einer der Menschen.

„Ähm…, hallo“, erwiderte Chelor unsicher.

„Was hat er gesagt?“, fragte Pollon.

„Keine Ahnung, aber es klang wie ein Gruß.“

Der Reiter, scheinbar der Anführer der menschlichen Gruppe, stieg von seinem Reittier und ging langsam auf die Cherit zu, umschritt sie bedächtig und ausgiebig betrachtend.

„Was hat er?“, fragte Morana leise.

„Er studiert uns, will uns und die Situation abschätzen“, entgegnete Chelor.

In der Tat war es so. Der Beduine, war stark verunsichert, wusste nichts mit den Fremden anzufangen. Allerdings war er auch nicht aggressiv und schätzte die Cherit nicht als Bedrohung ein.

Sofern man es einschätzen konnte, bestand zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei Gefahr. Plötzlich kamen jedoch drei weitere Menschen hinzu, welche auf drei anderen Reittieren, förmlich herangeflogen kamen. Es handelte sich dabei um Pferde und einen kleinen Spähtrupp. Diese hatten die Notlandung aus sicherer Entfernung registriert, hatten sich den Kapseln genähert, sie mit Bedacht untersucht und waren den Pfotenabdrücken gefolgt.

Mit lauten, aber sehr hart klingenden Worten verständigten sie sich, deuteten in Richtung der Notkapseln und dann auf die Cherit.

Morana schwante Arges und sie schloss die Augen. Minuten vergingen. Minuten, die gefühlten Stunden entsprachen.

Dann geschah jedoch etwas anderes, als das was man erwartet hatte. Die Reiter stiegen komplett von ihren Tieren, bauten sich vor den Cherit auf und knieten nieder, verbeugten sich vor den Anthros, murmelten etwas Unverständliches.

Anschließend erhoben sie sich wieder, stiegen auf und verließen die Cherit.

„Was war das denn?“, fragte Pollon in die Runde.

„Keine Ahnung. Aber wie es aussieht will man uns nichts Böses“, seufzte Morana erleichtert.

Die Cherit setzten nach dieser Begegnung ihren Weg fort, erreichten eine gute Stunde später eine ausladende Insel voller Vegetation, in deren Zentrum ein größeres Gewässer lag.

„Alles abladen und das Lager aufschlagen. Wir haben unser Ziel erreicht“, verkündete Chelor.

Auf einem anderen Kontinent und im saftig grünen Urwald, in welchem es übrigens scheinbar nicht aufhören wollte zu regnen und die Cherit unangenehm durchnässt waren, sah es ähnlich aus.

Nachdem die Gruppe auf einer etwas weiträumigeren Lichtung ankam, wurde auch hier das Lager aufgeschlagen und schnell stellte sich heraus, dass sie nicht allein waren. Immer wieder bemerkte der Eine oder Andere das sich in sicherer Entfernung Zweige und größeres Geäst bewegte, sah man hin und wieder Schatten zwischen den ausladenden Farnen, welche sich sehr schnell bewegten.

Die Tarnung der Humanoiden war gut gewählt, allerdings nur für ihre Verhältnisse und nicht auf die feinen Sinne der Cherit abgestimmt.

Nach Stunden des Versteckspiels war selbst den Menschen der Region klar, dass sie entdeckt worden waren. Die einheimische Fauna hatte sich sorgsam zurückgezogen und in der Mitte des Lagers brannte ein heimeliges Feuer, wurden Essensrationen verspeist. In einer der relativ massiven Behausungen stand eine kleine Fusionseinheit, verströmte fortwährend ein helles orangefarbenes Licht und versorgte die Gerätschaften der Cherit mit Strom.

Seitlich der äußeren Ansiedlung ward die Kommunikationseinheit errichtet und sollte den Zweck der Kontaktaufnahme erfüllen. Allerdings schwieg diese vehement, denn es gab in erreichbarer Nähe niemanden mit dem man hätte ein Gespräch führen können.

Angelockt vom Duft der Speisen und der offensichtlich friedlichen Atmosphäre, brach nach und nach das Eis der Einheimischen und siegte die Neugier.

Äste brachen und Farnwedel wurden zur Seite geschoben, schreckten die Cherit hoch, standen da, schauten in Richtung der Geräusche und standen ihnen plötzlich zwei Menschen gegenüber.

Die Ansässigen waren relativ klein von Statur, trugen Waffen wie Äxte, Speere, Schilde, Pfeil und Bogen. Primitiv, aber in den Händen ihrer Träger bestimmt durchaus wirkungsvoll und garantiert tödlich.

So standen sie sich gegenüber und sondierten die Lage. Schließlich verschränkte einer der beiden Einheimischen die Arme vor der Brust und verneigte sich etwas, murmelte vor sich hin. Anschließend verschwanden sie ebenso schnell, wie sie plötzlich erschienen waren. Danach herrschte wieder Ruhe und es geschah nichts.

In einer ganz anderen Region, einem Gebiet mit zwei großen Strömen, ereigneten sich hingegen ganz andere Dinge. Während die Kontakte zwischen Menschen und Cherit friedlich abliefen, waren die abtrünnigen Antermerianer geneigt Gewalt anzuwenden und zu demonstrieren, dass ihnen Terra gehört.

Sie schlugen erst gar kein Lager auf, sondern fegten mit ihren Gleitern im Tiefflug über Siedlungen her, nahmen diese unter Beschuss, töteten unzähligen Menschen, brannten ganze Orte nieder.

„Ich will ein flammendes Infernal“, hatte Marduk verkündet. Und so geschah es auch. Aus den Trümmern heraus und den Abtrünnigen gegenüberstehen, formte sich sehr rasch eine Menge, welche die Fremden als Überwesen ansah und sich, wenn auch mit einem gewissen Widerwillen, deren Diktat beugte.

Die systemtreuen Antermerianer registrierten in ihren Gebieten, dass sich tatsächlich Notkapseln gelöst hatten und auf Terra niedergegangen waren. Das Kind war also wortwörtlich in den Brunnen gefallen, ertrunken und an vielen späteren Tatsachen nichts mehr zu ändern.

Anders als die Abtrünnigen entschied sich Osiris die Situation aus der Ferne zu überwachen und darüber hinaus im Untergrund zu verschwinden.

Die Menschen würden sich zwar eh nicht mehr frei entwickeln können, aber noch viel schlimmer wäre es gewesen, wenn diese sich plötzlich zwei vollkommen fremden Rassen gegenüber gesehen hätten, welche ihrerseits untereinander auch noch fremd und teilweise aggressiv waren. Die üblichen Reibereien wären aufgetreten, es wäre unter Umständen zu Kämpfen gekommen und hätte einen Flächenbrand ausgelöst.

Mit drei Parteien wollte es der Administrator der Byblos und Attikon nun wirklich nicht zu tun haben. Zumal einer davon, der Planet Terra gehörte und diese im Verlaufe feindlicher Gefechte definitiv die Leidtragende gewesen wäre.

Die Besuche der Menschen am Lager im Urwald mehrten sich, ebenso jene der Beduinen im Bereich der Wasserstelle.

Während es bei den Ersteren zunächst noch aus reiner Neugier stattfand, war es bei den Zweiten eher der natürliche Drang nach Wasser.

Die Zusammentreffen waren stets gezeichnet von Freundlichkeit und Offenheit, es gab keinerlei Zwietracht, lediglich der erste Eindruck war für die Menschen etwas befremdlich, kannten diese zwar Tiere, aber keine die einer Sprache mächtig waren, Behausungen bauen konnten und zudem aufrecht gingen und sich wie sie selbst benahmen. Dass die Cherit unbekannte Kleidung trugen war nebensächlich, aufmerksamer wurde dagegen verfolgt, dass es offensichtlich eine klare Kommandostruktur gab und so wandten sich in weiterer Folge die vorbeiziehenden Karawanen in immer stärkerem Maße an Chelor.

Die Kontakte wurden intensiver und nachfolgend auch herzlicher. Sprachbarrieren waren vorhanden, aber wurden durch nonverbale Ausschmückungen abgebaut, vermischte sich die Sprache der Cherit mit der der Einheimischen, selbst Schriftzeichen passten sich im Laufe der nächsten Jahrzehnte an.

Lange Zeit lief alles wie geplant. Die Wasserstelle war stabil und die Anzahl der Behausungen wuchs. Die Cherit vermehrten sich größtenteils auf natürlichem Wege und wo es nötig war auch auf künstlichem, wobei hier die einheimische Fauna mit Spenderzellen zu Rate gezogen wurde. Sie wuchsen auf, betrieben Handel mit den vorbeiziehenden Händlern. Es entstand ein reges Treiben und aus der einstigen Siedlung wurde mehr und mehr eine Ortschaft.

Im Urwaldgebiet begegnete man den Fremden mit mehr Argwohn, sah man sie zunehmend als höhere Wesen an und nicht wie im späteren Ägypten als Lebewesen mit einer höheren Funktion. Beim aufstrebenden Volk der Maya, kam es zunehmend und sehr schnell zu einer Art der Verehrung, begann man in ihrer Nähe zu verweilen, wollte den fremdartigen, unbekannten Glanz ihrer Anwesenheit genießen, fühlten sich die Einheimischen bei ihnen geborgen, suchten Schutz. Es entstand eine der ersten Religionen.