Die Sakura Chroniken Teil 10
Hallo,
nach erfreulich kurzer Zeit kommt hier auch schon das 10te Teilchen der Geschichte.
Nachdem die Katze aus dem Sack ist warten die Wissenschaftler auf die Antwort von Balutin und Ordin.
Dann wird es langsam mal Zeit die Pläne zu offenlegen.
Die Sakura Chroniken Teil 10
Autor: Gendori Kabashi
02.09.2017 ? 20.09.2017
D** ie Katze ist aus dem Sack**
Auf Sakura warteten Dr. Stephanie Biggles, Major van Trunk und Dr. Svetlana Schmidt in einem Konferenzraum des Labors. Dr. Heino Schmidt saß in seinem Raum und war über das Kommunikationssystem der Versammlung zugeschaltet. Auch sie hielten noch einen Kriegsrat, nachdem sie ihren Plan dem Gouverneur und der Kapitänin vorgestellt hatten.
„Nun ist die Katze aus dem Sack!“ seufzte Svetlana.
Sie klang erleichtert, als ob eine große Last von ihren Schultern gefallen wäre. Sie rieb sich über ihren Bauch, in dem ihr Kind wuchs.
„Wir mussten ja nun irgendwann damit herauskommen.“ sagte Stephanie.
„Sie werden alle dafür vor Gericht gestellt werden und die Konsequenzen tragen!“ raunzte van Trunk.
„Nun seien Sie mal ganz still, Major. Sie stecken auch damit drin und zwar ganz tief. Immerhin haben Sie uns die letzten Monate gedeckt.“ meldete ich Heino.
„Ich weiß das auch und verfluche den Tag, an dem Sie mich mit rein gezogen haben!“
„Es ist doch zum Wohle der Menschen geschehen! Das ist doch auch in Ihrem Sinne. Ihre Familie...“ sagte Biggles ein.
„Lassen Sie meine Familie aus dem Spiel! Zum Wohle der Menschen? Das haben schon andere gesagt und wollten so Massenmord rechtfertigen und das waren auch Wissenschaftler.“
„Ich bitte Sie! Vergleichen Sie unsere Mission nicht mit Massenmord. Und schließlich stammt das Labor vom Militär. Was wollten die Lamettaträger damit überhaupt erreichen? Sie sind doch schließlich auch Soldatin, haben Sie eine Ahnung?“ warf Heino Schmidt ein.
„Ich habe nicht die geringste Ahnung, über das warum und wieso oder überhaupt.“ grummelte die Sicherheitschefin misslaunig. Ihr passte das Gespräch ganz und gar nicht..
Die drei Wissenschaftler und die Soldatin besprachen in der folgenden Zeit, das weitere Vorgehen. Van Trunk spielte dabei eigentlich nur die Rolle einer Beobachterin, doch Sie nahm sich vor alles haarklein zu merken und später aufzuschreiben. Irgendwann signalisierte die Arbeitsstation von Dr. Biggles den Eingang einer Nachricht. Die Gespräche in der Runde verstummten.
„Eine Befehl-Depesche!“ rief Biggles aus.
„Nun?“ fragte van Trunk. „Wie lauten die Befehle?“
Biggles hatte die Nachricht gelesen, und nun las sie die Nachricht für alle laut vor.
„Mit diesem Schreiben wird Doktor Heino Schmidt ermächtigt, seinen Plan zur Rettung der Mannschaft und der Kolonisten durchzuführen. All seinen Anweisungen zur Behandlung von Harpers-Seuche ist Folge zu leisten. Er handelt im Sinne der kolonialen Behörde und der kolonialen Flotte. Widersprüche und Bedenken dürfen an diese Depesche angehängt werden, um bei späteren Untersuchungen der kolonialen Behörde berücksichtigt zu werden. Gott sei mit uns!“
Dann blickte Sie auf und sah 2 Augenpaare auf sich gerichtet. Heino brauchte nicht zu starren, er war ja in seinem Kabuff und hatte die Nachricht ebenfalls erhalten.
„Die Depesche ist mit den Siegeln der Flotte und der kolonialen Behörde versehen.“
„Dann ist es also jetzt offiziell und Sie haben freie Hand.“
„Balutin und Ordin haben ihren Schritt gemacht und die Verantwortung auf deine Schultern abgeladen! Wirklich schlau, wirklich sehr schlau!“
„Das ist mir egal!“ schnaubte Heino. „Wenn die beiden ihre Hände in Unschuld waschen wollen, dann sollen Sie doch! Die Admiralität und die Behörde sind nicht hier. Wie haben die Lösung für unser Problem gefunden und werden es nach unserem Willen umsetzen. Ich habe die Macht dazu bekommen und werde sie zu nutzen wissen.“
„Dann wollen wir mal hoffen, das Sie wissen was Sie tun.“ sagt van Trunk spitz.
„Das weiß ich ganz genau! Wir starten als Erstes die Massen-Produktion der Naniten, sobald die ersten Dosen fertig sind, werden sich alle Menschen und Tiere hier auf Sakura der Behandlung unterziehen, dann Ihre Leute Frau Major. Ich werde mit Balutin sprechen und festlegen welche Gruppe der Siedler danach dran ist.“
„Warum meine Leute?“
„Wir brauchen die Sicherheitskräfte um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Man kann nie wissen wie die Menschen reagieren, wenn sie herausfinden was mit ihnen gemacht wurde.“
„Ich stimme Ihnen zu, Herr Dr. Schmidt. Der Gedanke an einen Aufstand gefällt mir gar nicht. Aber ich werde meine Leute selber informieren.“
„Ich glaube“, warf Svetlana ein, „dass die Standardisierten Besiedlungspläne nur minimal geändert werden müssen. Balutin hat mit seinem Stab genügend Zeit gehabt sich was auszudenken und umzumodeln.“
„Du hast Recht. Darum brauchen wir uns nun wirklich nicht zu kümmern!“
„Richtig! Wir müssen nur zusehen, das genügend Naniten produziert werden und dass wir einen Plan haben, wie wir sie einsetzen. Hat jemand Vorschläge? Es war nämlich eine Erfahrung gewesen, die ich niemanden machen lassen will, wenn es sich vermeiden ließe.“
„Wir könnten die Patienten mit Sedativa ruhig stellen.“
„Das würde die Körperchemie durcheinanderbringen. Und könnte durch die Naniten zudem neutralisiert, wenn nicht gar ins Gegenteil verkehrt werden! Deswegen haben wir es doch schon bei Heinos Behandlung nicht angewendet.“ gab Svetlana zu Bedenken.
„Die Möglichkeit besteht tatsächlich. Nur was dann?“
„Lasst uns doch die Stasekapseln nutzen, um den Siedlern so wenig Stress bei der Behandlung zu machen wie möglich. Die Stase wird einfach nicht vollkommen aufgehoben, sondern so gering eingestellt wie es notwendig ist. Gerade soviel, das man nichts mitbekommt und die Behandlung mit den Naniten nicht gestört wird. So verlängern wir den Zeitraum auf fünf oder sieben Tage, damit die Naniten ihren Job erledigen, ohne die Nebenwirkungen. Wenn die Behandlung abgeschlossen ist, dann wecken wir die Siedler und alles ist gut.“
„Eine Woche in Stase ohne die negativen Auswirkungen, das sollte machbar sein!“
„Eine gute Idee.“
„Dem stimme ich zu! Doch wo sollen wir die Behandlung durchführen? Auf der Sakura Maru oder hier unten?“
„Im Standardverfahren, werden die Passagiere vom Kolonisationsschiff auf den Planeten transferiert, während sie sich noch im Tiefschlaf befinden. Das Erwecken erfolgt dann unter medizinischer Aufsicht in gesicherten Räumlichkeiten. Warum sollten wir daran etwas ändern?“
„Vom Aspekt der Sicherheit her unterstütze ich das Vorgehen nach dem Standardverfahren. Es ist so viel einfacher die Passagiere unter Kontrolle zu halten.“ meldete sich Major van Trunk zu Wort.
„Dann behandeln wir die Siedler also hier auf dem Planeten.“
„Wie versorgen wir die Kapseln dann mit genügend Energie? Die Generatoren, die wir hier haben reichen aus, um vielleicht zwei oder drei Einheiten mit genügend Strom zu versorgen. Der Wert würde sich natürlich vervielfachen, wenn wir die Einheiten nur mit 10 % betreiben könnten. Doch selbst dann, würden wir Jahre benötigen, um über zweitausendfünfhundert Siedler zu behandeln. Von den Tieren, die auch noch auf der Sakura in Stasis liegen, einmal ganz abgesehen. Soviel Zeit haben wir nicht!“
„Das ist wahrlich ein Problem!“
Die nächsten Minuten warfen die 3 Wissenschaftler verschieden Vorschläge in die Runde, doch jeden einzelnen mussten sie wieder verwerfen. Die Ideen wurden immer wirrer und fantastischer und wurden wieder verworfen. Van Trunk hielt sich aus der Diskussion heraus und machte sich ihre eigenen Gedanken. Wissenschaftler dachten häufig viel zu kompliziert, es musste doch eine einfache Lösung geben. Energie, Strom, das war doch das fehlende Glied in der Kette. Strom musste erzeugt werden. Sie sah auf ihre Uhr, eine kleine Solarzelle versorgte die Uhr mit Strom, doch das funktionierte nur am Tag, dennoch lief die Uhr auch Nachts. Auch dann brauchte die Uhr Strom, Strom aus einem Akkumulator. Notstrom. War es das? Was hatte man ihr damals auf der Akademie beigebracht?
„Mir ist da etwas eingefallen!“
Die drei Wissenschaftler unterbrachen ihren Disput, der zu nichts führen wollte und starrten die van Trunk an.
„Soviel ich weiß hat jede Einheit eine eigene Batterie, die bei einem Notfall, für mindestens zehn Tage den vollen Betrieb der Einheit gewährleisten kann. Ich bin kein Ingenieur, aber wenn man irgendwie den Level der Stasis bereits vor dem Abkoppeln von den Systemen der Sakura auf ein geringeres Niveau setzen könnte, dann solltet Ihr doch ein größeres Zeitfenster für die Behandlung bekommen.“
„Sieh mal einer an, unser Wachhund hat eine wirklich gute Idee gehabt.“
Die Majorin bewegt sich plötzlich mit überraschender Geschwindigkeit und ehe es sich die anderen beiden Anwesenden versahen, klatschte es und Dr. Biggles rieb sich ihre brennend rote Backe. Überrascht von dem Ausbrach van Trunks war auch Svetlana von ihrem Stuhl hochgefahren und hatte diesen umgestoßen.
„Wagen Sie es niemals wieder mich so zu beleidigen!“ knurrte van Trunk.
Bloß weil sie beim Militär war, musste sie sich nicht alles gefallen lassen. Und sie war sich sicher, dass auch Kapitän Ordin ihr dieses mal zustimmen würde. Die verärgerte Soldatin setzte sich wieder auf ihren Stuhl.
„Meine Damen, ich bitte sie beide ihr Kriegsbeil zu begraben, dass können wir jetzt wirklich nicht gebrauchen!“
„Sagen Sie das diesem Flittchen!“ schnaubte van Trunk.
„Flittchen? Wen nennen Sie hier ein Flittchen? Sie, Sie …“
„Seid still! Beide! Ich kann das wirklich nicht gebrauchen!“
Heino fluchte in sich hinein. Dieser Ausbruch des Majors hatte sich schon lange angebahnt. Sie und Steph hatten sich in den letzten Monaten immer wieder gestritten. Die strikte Art der Majorin und das rebellische Wesen von Steph. Das war eine Mischung, wie Feuer und Wasser.
„Doktor Biggles, das war unnötig gewesen! Entschuldigen Sie sich umgehend!“
Einen Augenblick sah es aus, als ob die Wissenschaftlerin aufbegehren wollte, doch dann hatte sie sich wieder im Griff. Die Art und Weise der Förmlichkeit, mit der Heino sie angesprochen hatte, hatte sie fast noch härter getroffen, als die Ohrfeige, die sie vom Major erhalten hatte. Sie senkte ihren Blick.
„Entschuldigen Sie meine Worte Major van Trunk, das, das war falsch von mir gewesen.“
„Ach seien Sie doch still!“
„Sie müssen sich ja nicht unbedingt gegenseitig lieb haben, aber lassen Sie zukünftig ihre kindischen Streitereien sein!“
„Heino!“
„Doktor Schmidt!“
„Ich will nichts mehr von Ihnen beiden heute noch hören. Sie haben die Depesche gehört! Major van Trunk, Ihr Einfall mit den Batterien ist wahrscheinlich die Lösung unserer Lage! Dafür danke ich Ihnen. Ich werde mich mit Tjure und Miyaguchi sprechen, ob die beiden einen Weg kennen die Kapseln so einzustellen. Doch jetzt werden Sie sich mit Ihrem Stab in Verbindung setzen. Sehen Sie zu, dass Ihre Leute wissen, was von Ihnen erwartet wird. Haben Sie das verstanden?“
„Das habe ich!“
„Stehen Sie gefälligst auf und zollen mir den Respekt, der mir als Ihr zeitweiliger Vorgesetzter zusteht, Major!“
„Uh“
Van Trunk fuhr vom Stuhl hoch und salutierte vor dem Bildschirm.
„Zu Befehl Herr Doktor Schmidt!“
Dann drehte sie sich zur Tür und verließ das Büro von Dr. Biggles. Sie ließ zwei sehr verblüffte Frauen zurück.
„So und jetzt zu Ihnen Dr. Biggles!“
Die angesprochene versteifte sich.
„Sie werden sich verstärkt darum kümmern, die Produktion der Naniten voranzutreiben, die wir für die Behandlung benötigen. Und gehen Sie van Trunk aus dem Weg. Die Majorin mag sich im Dienst beherrschen können, aber in der Freizeit mag das anders sein. Ich kann und werde Sie nicht schützen können. Leisten Sie sich so etwas nie wieder! Haben Sie das verstanden?“
„Ja Herr Doktor Schmidt! Das habe ich, es wird nicht wieder vorkommen.“
„Gut. Svetlana geh bitte in dein Büro, ich muss mit dir unter vier Augen sprechen!“
„Ja Heino.“ Svetlana wandte sich zu Biggles, „Wenn Sie mich nun entschuldigen würden.“
Dr. Schmidts Gattin verließ nun auch das Büro von Stephanie
„Damit ist die Sitzung wohl beendet.“
„Genauso ist es, machen Sie sich an Ihre Arbeit!“
„Heino.“
„Steph, wir stehen alle unter großem Druck. Bitte nimm dir meine Worte zu Herzen. Wir sind schon so weit gekommen. Lass uns alle zusammen arbeiten und diese Kolonie aufbauen.“
„Ich bin die Letzte, die dem Ziel irgendwelche Steine in den Weg legen würde. Heino, du kannst ganz beruhigt sein.“
„Ich nehme dich beim Wort!“ Schmidt deaktivierte die Verbindung.
Biggles war nun ganz alleine in ihrem Büro und holte ein Pad aus ihrem Kittel. Der kleine Computer sah unscheinbar und unverdächtig aus, doch in seinem inneren war er um eine Generation den anderen Geräten voraus. Eine Gabe des Ordens. Sie startete eine unscheinbar wirkende Subroutine, markierte ein Feld und tippte ein Passwort ein, dann erschien vor Ihr eine komplizierte holographische Projektion. Sie verband ihr Pad mit der Workstation und überließ es dem gestarteten Programm die Apparaturen zu programmieren, die für die Herstellung der Naniten genutzt wurden. Stephanie begann zugleich einen Bericht der vergangenen Stunden zu diktieren.
Jolanda van Trunk stelzte zu ihrem Büro. Diese verflixte Biggles. Die Männer und Frauen, der sie begegnete wichen ihr aus. Die Ansätze von Grüßen blieben ihren Untergebenen im Halse stecken. Es war zu offensichtlich, das irgendetwas ihrer Befehlshaberin schwer die Laune verhagelt hatte. Sie knallte die Tür hinter sich zu. Für einen kurzen Moment herrschte Stille, dann schallte laute Musik aus ihrem Büro. Wenige Minuten später erhielten alle Mitarbeiter der Einrichtung eine Nachricht.
Janice Egland hatte ihre Schicht als Aufpasser für Dr. Schmidt gerade beendet. Der Chef der Wissenschaftler war den ganzen Tag über nicht aus seinem Kabuff herausgekommen und sie hatte sich die Beine in den Bauch gestanden. Zeitverschwendung. Vor ihr blinkte der Bildschirm, eine neue Nachricht. Sie öffnete die Nachricht und las.
„Das haben die also ausgebrütet!“ Sie blickte zum Büro der Majorin. „Na wenigstens brauchen wir die Hazardsuits dann nicht mehr.“
Svetlana wartete vor ihrem Bildschirm auf die Verbindung mit ihrem geliebten Gatten, mit dem Sie die letzten zwei Wochen entweder über das Interkom sprechen konnte, oder wenn sie mit einem Schutzanzug bekleidet war. Ihre Workstation meldete die eingehende Verbindung von Heino.
„Liebling!“
„Svetlana!“
„Ich vermisse dich ganz schrecklich und Junior will dich auch treffen.“ Sie hielt sich ihren angeschwollenen Bauch.
„Deswegen wollte ich dich sprechen. Svetlana, ich …“
„Du machst dir Sorgen wegen der Schwangerschaft. Ich bin mir dessen sehr bewusst.“
„Du willst dich also behandeln lassen?“
„Sobald die technischen Probleme geklärt sind will ich es machen lassen! Heino, ich will wieder mit dir zusammen sein!“
„Das will ich doch auch! Doch sollten wir nicht die Geburt abwarten?“
„Nein!“
„Schatz! Es ist zu riskant. Ich bitte dich“
„Nein und nochmals nein!“
„Du bist so ein Dickkopf, wie eh und je. Mutter hatte mich davor gewarnt!“ feixte Heino.
„Es ist zum besten für unser Kind, wenn es gemeinsam mit mir, nein in mir behandelt wird, dann wird es das Trauma am besten überwinden können.“
„Hoffentlich hast du Recht und nicht ich, doch lass mich besorgt sein, das ist mein Recht als Ehemann und zukünftiger Vater.“
Svetlana berührte mit ihrer rechten Hand sanft den Bildschirm.
„Das liebe ich an dir!“
„Wir sprechen uns später, ich muss noch etwas Arbeit erledigen.“
„Ställe ausmisten?“
„Ob Du es glaubst oder nicht, ein besseres Training kann ich mir mittlerweile nicht vorstellen. Mir geht es so gut wie lange nicht.“
„Dann lass dich nicht aufhalten!“
Svetlana beendete die Verbindung und lehnte sich in ihren Stuhl zurück.
Ihr Kind, es sollte eine Zukunft haben, hier auf dieser neuen Welt! Heino arbeitete dafür, Stephanie, die anderen Kollegen, ja auch van Trunk, die knarzige Majorin und ihre Untergebenen und Balutin, Kapitän Ordin, ja selbst der einfachste Steward auf dem Schiff, sie alle arbeiteten für ihr Kind.
Eine weiter Forke voll Mist landete in der Karre. Heino hatte gefallen gefunden an der körperlichen Arbeit in den Ställen, die Nähe zu den Tieren, die von den Menschen abhängig waren. Die Arbeit gab ihm Gelegenheit seine Gedanken zu sammeln und nochmal über alles sich im Klaren zu werden.
Die Naniten waren nach wie vor eine gefährliche Technologie. Daran hatte sich nichts geändert. Vor Jahrhunderten waren sie außer Kontrolle geraten, nachdem sie von den Entwicklern als das Ende von Krankheit, Hunger, sinnlosem Tod angepriesen worden waren. Doch was zuerst als Segen für die Menschheit galt, hatte sich dann ins Gegenteil verkehrt. Würde etwas Ähnliches hier auf dieser neuen Welt auch geschehen? Der Einsatz barg ohne jeden Zweifel ein hohes Risiko, doch egal wie Heino es auch abwog, er sah keine andere Möglichkeit. Also musste er eben sein bestes geben. Es war immerhin auch für sein Kind! Doch so sehr er auch Svetlanas Standpunkt verstand, so hielt er es doch für einen Fehler. Bei nächster Gelegenheit würde er mit Steph darüber sprechen. Sie wird es vielleicht schaffen Svetlana zu überzeugen die Geburt abzuwarten und sich dann mit ihrem Kind behandeln zu lassen.
Das was am ehesten noch für den erfolgreichen Verlauf der ganzen Operation sprach, war die relativ geringe Anzahl an den zu behandelnden Individuen, zweitausendfünfhundert Siedler, die Besatzung der Maru und natürlich auch die Tiere. Allein schon diese eine Aufgabe ging weit über das hinaus, was er sich als Wissenschaftler jemals hätte erträumen können. Aus dem Nichts heraus Harper Seuche ein Schnippchen zu schlagen. Nein, Nein, das war so nicht richtig! Nicht aus dem Nichts heraus! Woher kam das Labor? Woher hatte das Militär diese Technik her? War es eventuell absichtlich an Bord der Sakura Maru gebracht worden? Und der Fehler der Stasekapseln, dieser ominöse Fehler 404. An der Sache war etwas faul und stank zum Himmel. Heino hatte trotzdem die letzten Monate seinen Mund gehalten. Hätte er doch damals schon Kapitän Ordin und Gouverneur Balutin informieren sollen?
Etwas stieß ihm in die Seite. Es war Bessi, eine Milchkuh, die ihn ganz besonders ins Herz geschlossen zu haben schien. Sie war noch zu jung um Milch zu geben, entwickelte sich aber prächtig. So wie auch die anderen Tiere, die mit den Naniten behandelt worden waren.
„Na mein Mädchen. Du willst dir wohl ein paar Streicheleinheiten abholen?“
Bessi muhte sanft, als ob die Kuh seine Frage verstanden hätte. Heino kraulte der freundlichen Kuh daraufhin den Kopf, genau hinter dem rechten Ohr, das hatte Bessi besonders gerne. Zum Dank gab sie ihm einen Kuhkuss, sie leckte ihm über sein Gesicht.
„Ist ja, gut, brav, braves Mädchen!“ Heino lachte, Bessis Zunge war rauh und nass. „Jetzt ist aber Gut.“
Auch Heino hatte die junge Kuh und auch die anderen Tiere ins Herz geschlossen, denn sie waren, wie er. Sie waren ja auch mit Naniten geimpft worden und hatten dasselbe durchgemacht wie er. Nein, das war nicht richtig. Er hatte dasselbe wie sie durchgemacht. Er war auch nur ein Versuchskaninchen. Sie waren Leidensgenossen, wenn man so wollte, und das verband. Das nächste was Heino tat, überraschte ihn selber am meisten. Er gab Bessi einen Kuss auf die schwarze Nase.
„Doktor Schmidt? Sind Sie noch nicht fertig?“ rief Jakob Kilkenny, sein zweiter Leibwächter oder sein Aufpasser, je nachdem wie man es sah.
Heino fuhr erschrocken herum. Hatte Kilkenny ihn gesehen, wie er einer Kuh einen Kuss gegeben hatte? Er wischte mit einem Ärmel über sein Gesicht. Es zwar nur ein Kuss auf ihre breite schwarze Nase gewesen, aber ein Kuss war eben ein Kuss.
Bessi muhte zufrieden und wandte sich wieder ihrem Futter zu, das aus Heu des lokalen Grases bestand. Die freundliche Geste des Zweibeiners war sehr nett gewesen.