Kapitel 37

Story by SethGodofChaos on SoFurry

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Kapitel 37

Taufe

Anfangs schüttelten alle den Kopf, aber sehr schnell lenkten sie ein.

Immer nur vom Schiff zu sprechen war irgendwie uninteressant und ermüdend.

Also setzten sich Tarja und Andrew hin und tüftelten was aus. Am Ende überraschten die beiden nicht nur mit dem Namen des Schiffs, sondern auch gleich mit dem passenden Schriftzug und einem Symbol auf der Außenhülle.

„Anthros Voyage. Damit sind wir unverwechselbar“, sagten beide gleichzeitig.

Als weitere Wochen vergangen waren, hörte man Kira plötzlich über die inter-ne Kommunikationsfrequenz: „Ich habe etwas gefunden!“

Alle versammelten sich so schnell es ging auf der Schiffsbrücke.

„Dann sprich zu uns, oh große Expertin“, intonierte Andrew.

Kira schaute ihn schief an und grinste mehrdeutig. „Warts ab! Zunächst was Gutes. Das Schiff ist tatsächlich dreißig Mal schneller als das Licht. Dann was Schlechtes. In Wirklichkeit ist das Schiff nur so schnell wie das Licht.“

„Du sprichst in Rätseln, meine Liebe“, sagte Tarja.

„Nicht unbedingt. Nicht, wenn man berücksichtigt, dass ein Schiff niemals schneller sein kann wie das Licht.“

„Und was bedeutet das im Klartext?“, fragte Diana.

„Im Klartext heißt das, dass die Reise zur Erde laut den verfügbaren Daten für uns dreißig Jahre dauert.“

Sie wurden alle plötzlich sehr blass um ihre Nasen. Das warf alles über den Haufen, die ganze Planung war zunichte gemacht. Wochen und Monate der Arbeit umsonst. Sie würden nie zur Erde kommen oder niemals ihre Freunde wieder sehen.

„Aber wie zur Hölle, haben es die Menschen geschafft in annehmbaren Zeiten hierher zu kommen?“, fragte Sitara.

„Ganz einfach“, erwiderte Kira. „Sie haben einen zusätzlichen Trick angewandt.“

„Oh und der wäre?“

„Sie benutzen einen Generator um den Raum interdimensional aufzufalten.“

Den Blicken sah man an, dass keiner verstand was Kira jetzt gesagt hatte.

„Kannst du das bitte mal so ausdrücken, dass wir Deppen es auch verstehen?“, fragte Finlay und sprach damit für alle, außer Apophis.

Der drängte sich plötzlich vor und ergriff das Wort: „Es ist ganz einfach. Ein Raumschiff kann nicht schneller sein als sein eigenes Licht. Es kann sich zu keiner Zeit selbst überholen. Würde es schneller sein als das Licht, wäre die Materie eher am Ziel als die von ihm ausgehenden visuell wahrnehmbaren Wellenlängen, also das Licht.“

„Schön, das leuchtet jetzt ein. Aber das Schiff hier, fliegt angeblich dreißig Mal schneller. Also geht es doch.“

„Nicht in Wirklichkeit. Es sei denn man versetzt nicht nur das Schiff, sondern auch den Rest des bekannten Universums in einen Zeitraffer.“

Man sah über den Köpfen langsam aber sicher Rauchschwaden aufsteigen.

„Angenommen, wir würden mit Lichtgeschwindigkeit fliegen. Dann würde innerhalb unseres Schiffs die Zeit langsamer vergehen. Wir würden nur wenige Jahre altern, während der Rest um das Schiff herum dreißig Jahre älter wird.

Setzt man jedoch den genannten Generator ein, dann werden diese dreißig Jahre gerafft. Das Schiff bewegt sich am Ende nicht schneller als das Licht, aber die Zeit im Schiff und rundherum wird kürzer. Wenn ich Kira und auch die verfügbaren Daten richtig verstanden habe, dann brauchen wir zur Erde somit nur zwei Jahre und auch für unsere Umgebung vergehen nur zwei Jahre, wegen des genannten Effekts.“

Das war ein echter Hammer und kam dann auch noch aus dem Munde eines Tigerwelpen.

Cyron war verblüfft und schüttelte nur noch den Kopf. „Gut, also brauchen wir zur Erde nur zwei Jahre und auch auf Genro vergehen nur zwei Jahre. Das be-deutet, dass wir insgesamt vier Jahre unterwegs wären.“

Apophis und Kira nickten gleichzeitig.

„Aber, wenn dem so ist, dann würde der Einsatz dieses Antriebs doch bedeuten, dass jedes Mal, wenn er aktiviert würde dem Weltall Zeit gestohlen wird“, überlegte Sinja.

„Genau und zwar genau die Zeit, in welcher der Antrieb aktiviert ist“, ergänzte Grey ihren Gedanken.

Plötzlich entgleisten Chiron die Gesichtszüge. „Der Antrieb war schonmal in Betrieb und zwar vor etwa sechshundert Jahren.“

Stella schaute ihn schief an und riss die Augen auf.

„Dann sind unserer Entwicklung Jahrzehnte gestohlen worden.“

Apophis nickte bestätigend. „Du hast vollkommen Recht. Wir haben somit nicht das Jahr 3000, sondern schon das Jahr 3030 oder noch darüber hinaus, wenn man die erlebten zwei Jahre abzieht und davon absieht, dass wir nicht wissen wie oft dieser Generator im Einsatz war.“

„Aber wir brauchen uns darüber nicht aufzuregen. Diese dreißig Jahre fehlen überall und keiner vermisst sie, weil es keiner weiß. Außer uns natürlich“, warf Kira ein. „Aber da wir schon beim Zeitklau sind, werde ich den Bordcomputer mal fragen wo er denn überall schon war und wie lange der Antrieb in Betrieb war. Dann können wir uns ein genaueres Bild machen.“

„Dann mach das mal. Ich bin schon sehr gespannt“, entgegnete Andrew aufmunternd.

Die Luchsin setzte sich an ihren Laptop und durchforstete die Daten, suchte mal hier und mal da, machte sich kleinere Notizen und fing kurz an zu rechnen, dann drehte sie sich zu den anderen und machte ein finsteres Gesicht.

„Was hast du?“, fragte Chiron besorgt.

„Das wird keinem von uns gefallen, aber so wie es aussieht war das Schiff mehrmals unterwegs“, hub sie an.

„Sprich dich ruhig aus. Wir sind Kummer gewohnt“, forderte Cyron sie auf.

„Zum einen war es zweimal im erdnahen Raum, dabei gingen pro Flug knapp 50 Jahre drauf, also insgesamt und ganz genau 180 Jahre. Des Weiteren war es in einem System namens Cygnus Eridani, da hat der Generator umgerechnet 258 Jahre verbrannt. Macht alles in allem einen universellen Zeitverlust von 438 Jahren“, schloss Kira ab.

Jetzt sah man einige Minuten lange Gesichter und es herrschte betretenes Schweigen.

Als erster fand Cyron seine Stimme wieder. „Okay“, sagte er und klatschte in die Hände, „man hat allen Lebewesen 438 Jahre geklaut und wir machen jetzt weiter und bringen es mal gerade auf 30 hin und 30 zurück. Aber, was bringt es uns das zu wissen und uns vielleicht noch darüber aufzuregen. Die Technik funktioniert und bringt uns in zwei Jahren zur Erde und in zwei Jahren wieder zurück. Überall vergehen insgesamt nur vier Jahre und das ist es was am Ende zählt. Keiner nimmt wirklich Schaden daran.“

„Und wir beteiligen uns genauso am Zeitklau wie die Menschen. Nur mit dem Unterschied, dass wir am Ende für das verschwinden von mindestens sechzig Jahren verantwortlich sind. Ein gutes Jahrhundert einfach verschwunden“, schloss Grey.

Betroffenheit machte sich wieder auf allen Gesichtern breit. Konnten sie es wirklich wagen und selbst ihre eigene Entwicklung dermaßen blockieren? Mehr als ein halbes Jahrhundert würde spurlos verschwinden und das war kein Pappenstiel. Andererseits würde es keiner merken, die Zeit würde niemand vermissen.

„Okay Freunde, lasst es uns angehen. Wir haben ein Ziel und davon sollte uns nichts abhalten. Immerhin sorgen wir dafür, dass auch den Menschen 60 Jahre fehlen“, sagte Cyron aufmunternd.

Die anderen überlegten kurz und stimmten schließlich zu. Egal wie sie es drehten, es kam am Ende immer das gleiche Ergebnis raus. Würden sie nur mit Lichtgeschwindigkeit fliegen, dann würden sie für alle Außenstehenden dreißig Jahre benötigen und selbst würden sie es innerhalb ihrer eigenen Lebensspanne auch nicht schaffen. Würden sie den Generator einsetzen, dann würde der Flug zur Erde und zurück gelingen und auch ihre Freunde würden sie wiedersehen. Der einzige Unterschied wäre der, dass sie mit dem Wissen leben würden, dass sie dem ganzen Weltall gute 60 Jahre schulden.

Sobald das Wetter sich in erträglichen Maßen hielt, schnappten sich Torus und Syrgon einen der Gleiter und flogen auf die Jagd. Nach und nach ergänzten sie die Bestände und der Vorratsraum füllte sich. Als sie fertig waren, stellten sie jedoch fest, dass Essen und Getränke lediglich für acht Monate reichen würden und das war trotz allem zu wenig.

„Cyron, wir müssen noch mal weg. Unsere Nahrungsmittelvorräte sind zu knapp. Sie reichen nicht mal für ein ganzes Jahr aus und wir benötigen sie mindestens für den angegebenen Zeitraum“, sagte der Wolf.

Cyron kam ins Grübeln. „Hmhm, ohne geht’s nicht. Meinetwegen. Seht zu, dass ihr noch Wild erlegt und es her schafft.“

„Moment, meine Lieben. Ich habe gerade in einem Seitenraum etwas Interessantes gefunden, was einiges in unserer Planung ändern dürfte. Vor allem aber was die Nahrungsmittelmengen betrifft, die wir mitnehmen müssen“, mischte sich Kira ein.

Die beiden sahen sich an und begleiteten die Luchsin. Die ging zielstrebig auf eine der Türen zu. Zischend öffnete sich diese und sie trat in den dahinterliegenden Raum. „Da. Seht euch das mal an und sagt was ihr denkt.“

„Hmmm … ja … also“, begann Syrgon, „Die Dinger sehen aus wie Betten, aller-dings unter einer Glashaube.“

„Das nenne ich eine präzise Beschreibung“, kicherte Cyron, „Aber Kira wird uns bestimmt gleich sagen, was genau wir hier sehen.“

„Japp, das habe ich vor. Ihr seht da Kälteschlafkammern. Es sind exakt dreißig Stück. Das Schiff hat aufgrund seiner maschinellen Ausrüstung einen begrenzten Laderaum und damit konnte nie genügend Nahrung für die ganze Besatzung transportiert werden. Das war und ist, logischerweise ein Problem. Also entschied man sich für den Einbau dieser Kälteschlafkammern. Der größte Teil der Mannschaft konnte auf diese Art und Weise zum Ziel gelangen, musste aber bei der Bevorratung nicht berücksichtigt werden.“

„Aha. Und wie funktionieren die Dinger?“, fragte Sinja, die sich angeschlichen hatte und in Begleitung von Stella erschienen war.

„Huch“, sagte Syrgon, „Ihr könnt euch vielleicht anschleichen.“

Sie grinsten und schauten neugierig auf die Kammern und zu Kira.

„Derjenige der tiefgekühlt werden soll, legt sich auf das Bett, die Kammer wird geschlossen und versiegelt, anschließend wird der Innenraum mit einem sehr kalten Gas geflutet. Die Person im Innenraum fällt in einen tiefen Schlaf, ihre Lebensfunktionen werden auf ein Minimum reduziert, er stirbt jedoch nicht. Seine Körperfunktionen werden durch einen autonomen Rechner überwacht und Diskrepanzen ausgeglichen. Am Ziel der Reise wird das Gas abgesaugt, die Person langsam erwärmt und somit wiederbelebt. Ernähert wird er während dieser Zeit über eine Kanüle und direkt über das Blut. Mehr benötigt er nicht.“

Das war verblüffend und löste ihr Nahrungsmittelproblem auf der Stelle.

„Dann würde ich sagen“, setzte Cyron an, „dass Kira und Andrew sowie Tarja, Apophis, Chiron und ich munter bleiben, während der Rest sich schlafen legt.“

Stella überlegte kurz. „Du solltest dich auch schlafen legen und nicht den starken Kater spielen“, erwiderte sie.

Cyron grummelte mal wieder etwas unverständliches, denn darin war er wirklich gut.

„Grummle nicht, Liebster“, sagte Stella bestimmt. Sie war mittlerweile direkt hinter ihn getreten. „Du wirst mich doch nicht etwa wirklich allein in den kalten Halbtot schicken wollen?“

Cyron seufzte. „Du hast ja Recht. Die fünf können das Schiff auch ohne uns fliegen. – Okay, gehen wir kurz nach dem Start schlafen.“

„Nein, am besten noch vor dem Start. Wir müssen sicher sein können, dass die Kammern auch korrekt funktionieren. Sind wir erstmal gestartet und stellen dann fest, dass die Dinger nicht funktionieren, haben wir ein wirklich ernstes Problem am Hals“, gab Kira zu bedenken.

Ihre Zuhörer nickten eifrig, denn die Luchsin hatte absolut Recht.

„Gut, dann seht zu, dass wir einen Kurs zur Erde programmiert kriegen. Die an-deren und auch meine Wenigkeit werden derweil das Schiff beladen. Zeit unseren Möchtegernschöpfern gegenüber zu treten.“

Gesagt, getan.

Kira fand dank ihres Laptops und eines arbeitsfreudigen Schiffscomputers sehr schnell die benötigten Koordinaten und ließ einen Kurs errechnen. Die Flugzeit betrug bei nomineller Energieversorgung, maximaler Schubleistung und bei der momentanen Beladung ein Jahr und fünf Monate. Damit waren sie sogar noch schneller als ursprünglich angenommen.

Kira freute sich darauf interessante Gespräche mit Apophis zu führen. Der kleine Säbelzahntiger hatte ein extrem helles Köpfchen und eine unglaublich schnelle Auffassungsgabe. Das faszinierte sie und sie hatte auch mehr als ausreichend Zeit sich mit ihrem Liebsten zu befassen, sich um ihn zu kümmern, ihn zu verwöhnen und sich von ihm verwöhnen zu lassen. Immerhin waren die beiden immer noch frisch verliebt und hatten Schmetterlinge im Bauch. Außerdem störten sie dann auch niemanden, und das musste redlich genutzt werden.

Tarja und Chiron freuten sich ebenfalls auf ihre Ungestörtheit und auch da-rauf sich ausgiebig mit ihrem Sohn beschäftigen zu können.

Kira trat in den Frachtraum, sah sich um, entdeckte Cyron, Syrgon und Torus und ging auf sie zu.

„Okay, Kater, Rüde und Stier. Wenn ihr alles verladen habt, dann kann es losgehen. Der Kurs ist programmiert und sollte uns in nicht mal zwei Jahren zur Erde führen.“ Sie lächelte begeistert und ihre Begeisterung wurde erwidert.

„Das klingt wie Musik in meinen Ohren“, sagte Syrgon.

„Wir haben alles verstaut. Der Mech ist an der Seitenwand verankert und gesichert. Wir haben noch zwei Laderoboter entdeckt und sie für das Verladen der Fracht genutzt. Dadurch ging alles wesentlich schneller als geplant. Der Vorratsraum ist aufgefüllt und sollte euch Fünfen für etwa 2 ½ Jahre Nahrungsmittel spendieren können“, ergänzte Torus.

„Okay, dann ist es wirklich Zeit geworden. Machen wir uns auf den Weg“, bestimmte die Luchsin.

Der Stier ging zur Frachtluke und betätigte den Schließmechanismus. Fauchend schloss sich das Schott. Das Schiff war hermetisch abgeriegelt und somit startklar. Wenige Minuten später hatten sich alle in der Kälteschlafabteilung eingefunden.

Apophis und Kira standen in vorderster Front und Torus legte sich bereitwillig als Versuchskaninchen auf eines der Betten.

Kira legte ihm die Überwachungssonden an den Körper. Der Rechner nahm seine Lebensdaten auf und stellte sich automatisch auf ihn ein. Apophis schloss die Glaskabine und verriegelte sie, anschließend leitete er den Tiefschlafvorgang ein.

Torus sah sich nervös um und sah plötzlich sehr unglücklich aus. Er schien Beklemmungen zu bekommen, versuchte aber ruhig zu bleiben. Nach zehn Minuten sah man auf dem Kontrollmonitor der Kammer, dass der Stier tief und fest schlief. Seine Lebensfunktionen waren sehr stark reduziert, aber er lebte.

Die anderen sahen zunächst beunruhigt zu. Die Nervosität gab sich aber rasch, als sie das Endergebnis sahen. Somit wanderte einer nach dem anderen in die Betten und ließ sich vom Schlaf gefangen nehmen.

„Vergesst uns bloß nicht“, sagte Cyron noch schnell, bevor auch er erstarrte und wie leblos auf dem Laken ruhte.

Die Übriggebliebenen gingen zur Brücke. Sie hatten jetzt den schwierigsten Teil der Reise übernommen. Kira setzte sich an die Navigation, Apophis an die Leittechnik, Andrew in den Pilotensitz und Tarja und Chiron teilten sich die Stationen für die Energie und die Verteidigung.

„Alles fertig?“, fragte Andrew betont männlich.

Alle stimmten zu.

„Gut, dann machen wir uns auf den Weg“, er sah sich kurz um, hob theatralisch einen Arm und zeigte mit ausgestrecktem Zeigefinger in Richtung des Daches, „Kira - bringen sie uns hier raus.“

Die Luchsin drehte sich zu ihm um und verdrehte die Augen. „Aye, Captain!“, sagte sie tief durchatmend, tippte ein paar Zahlencodes auf der Steuerungskonsole ein und krachend öffnete sich das Dach der Station. Die Triebwerke des Schiffes wurden hochgefahren. Unter leichtem Beben erhob es sich, verließ seinen Ruheplatz, stieß durch die Öffnung ins Freie, fing die letzten Sonnen-strahlen des vergehenden Tages ein und startete in den nunmehr azurblauen Himmel.

Das Schiff flog noch eine ganze Zeit durch die Planetenatmosphäre.