Kapitel 49
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Kapitel 49
Geschichte
Derweil wurde im Wüstensand nach weiteren Skeletten gesucht. Und man wurde auch fündig.
Bis der Erste laut schrie dauerte es zwar eine Weile, aber dann kamen die Fundmeldungen fast im Zehn-Minuten-Takt. Die Daten wurden sofort in die Rechner gespeist und nach drei Stunden konnte man sich schon ein ziemlich genaues Bild machen. Gespannt starrten alle auf den Monitor.
„Und Action“, sagte Jansen.
Er drückte auf ein paar Tasten und es baute sich ein Lageplan auf. Er pfiff leise.
„Seht euch das an“, in seinen Worten schwang Begeisterung. „Da liegen noch mindestens hundertachtzig weitere Skelette rum. Die meisten sind menschlich. Die Schädel weisen eindeutig daraufhin, dass es sich bei hundertvierzig Skeletten um Menschen handelt. Ich fürchte, wir müssen die Geschichtsdaten stark überarbeiten. Die Cherit waren eindeutig hier und sie haben gekämpft. Und wie es aussieht tatsächlich gegen die Armee von Ramses. Die Geschichtsschreiber des Pharao haben gelogen.
Ramses war nicht der Sieger, er unterlag. Aber aus irgendeinem Grund sind nicht mehr Soldaten gefallen als unbedingt nötig. In allen anderen Schlachten wurden die Gefangenen im Nachhinein hingerichtet oder an andere Orte verschleppt. Hier ist das anders gelaufen. Es gab kein sinnloses Gemetzel.“
„Das Bild wird langsam aber sicher vollständiger“, sinnierte Apophis.
„Was meinst du damit?“, fragte Jansen.
„Nun. Wir fanden auf unserem Heimatplaneten Aufzeichnungen. Darin stand, dass der Feind gegen den ihr vor tausend Jahren Krieg geführt habt eine große Ähnlichkeit mit den Hethitern hatte. Anhand der Funde und dem Vergleichen der Daten, sind die Hethiter keine Menschen gewesen, sondern Anthros. Wenn man jetzt alle Aussagen zusammenfügt, dann kommt man zu dem Schluss das Hethiter und Cherit ein und dieselben Lebewesen sind, nämlich Anthros, wie wir.“
„Verdammt, du hast Recht“, sagte Jansen aufgeregt, „Aber wenn das stimmt, dann gab es Anthros schon vor wesentlich längerer Zeit auf der Erde. Vielleicht sogar schon zu einem Zeitpunkt, als die Menschheitsgeschichte noch in den Kinderschuhen steckte. Was mich nur verwirrt ist die Frage nach dem, wie konnte das sein? Sind sie hier entstanden?“
„Gute Frage. Wie gesagt, das Bild fügt sich allmählich zusammen, aber es fehlen immer noch wichtige Teile um präzise Aussagen treffen zu können.“
„Da fällt mir noch was anderes auf“, warf Jansen plötzlich ein. „Merkwürdigerweise scheint sich alles auf einen Zeitraum vor tausend Jahren zu konzentrieren. Ich meine damit, dass das Seti-Programm, welches Außerirdische finden sollte, vor tausend Jahren eingestellt wurde und vor tausend Jahren sind die Cherit mit den Menschen in den Kriegszustand geraten. Vor tausend Jahren wurde das vermeintliche Zuchtprogramm auf eurem Heimatplaneten gestartet und vor tausend Jahren hat die Kirche Anhänger verloren, aber fast zeitgleich noch mehr zurück gewonnen.“
Apophis blickte ihn durchdringend an. „Das liegt wohl an der Raum-Zeit-Faltung.“
„An was?“
„An der Raumfaltung. Die Cherit benutzen einen Antrieb der Raum und Zeit rafft und faltet. Dem Universum sind in dem von dir genannten Zeitraum circa zweihundert Jahre, wenn nicht noch mehr verloren gegangen und das überall. Daher vermute ich, dass sich die Ereignisse in Wirklichkeit auf einen Zeitraum von einigen tausend Jahren erstrecken.“
Jansen rutschte in sich zusammen. „Das glaube ich einfach nicht. Man hat uns Zeit gestohlen?“
„Ja. Aber nicht nur euch, auch uns. Und wir haben uns, auf unserem Herflug wiederholt des Zeitraubes schuldig gemacht.“
Jansen nickte, war aber nicht erbost, sondern fasste es ziemlich gelassen auf. „Na ja, wenn es alle betrifft, dann ist es halb so schlimm und gemerkt hat es eh keiner.
Die meisten wissen mit ihrer Zeit eh nichts Gescheites anzufangen und somit ist der Schaden minimal. Das Einzige was irritiert ist, dass die Zeit mal normal lief und mal stark gerafft. Und da keiner genau nachvollziehen kann, wann diese Raumfaltungen genutzt wurden, kann auch keiner genau sagen, wann welche Ereignisse wirklich in den Zeitspannen die wir vermuten stattfanden. Also, nehmen wir den normalen Zeitverlauf an und gut ist.“
Cyron schaute auf die Uhr. „Es ist schon spät. Wir sollten uns alle hinlegen und schlafen. Die Suche können wir auch noch morgen fortsetzen. Die Knochen werden schon nicht weglaufen.“
Zustimmendes Nicken von allen. Momentan hatte keiner so richtig die Müdigkeit verspürt, aber kaum das sie lagen, waren sie schon eingeschlafen.
Während die einen nach Skeletten suchten, hatten sich der Wissenschaftler Friggs, zwei Arbeiter, Grey, Sinja und Syrgon zusammengetan und waren im Untergrund verschwunden. Sie wollten dem Sarkophag sein Geheimnis entlocken. Bewaffnet mit Hämmern, Meißeln, Brecheisen, Haken, einem Flaschenzug sowie einem Laptop und verschiedenen Sensoren und Scannern näherten sie sich ihrem Ziel.
„Okay, lasst uns anfangen“, sagte Friggs leise.
Syrgon schnappte sich einen Hammer und schlug vier Haken in den vermeintlichen Deckel des Sarkophages. Grey stand währenddessen darauf und schlug einen großen Haken in die Decke der Grabkammer.
Friggs reichte ihm den Flaschenzug hoch. „Häng ihn in den Haken ein“, sagte er.
Grey tat es und sprang wieder runter. Syrgon nahm die vier herabhängenden Haken und befestigte sie an der Granitabdeckung.
„Okay, dann wollen wir mal schauen, was er verbirgt.“
Die beiden Arbeiter begannen langsam am Seil zu ziehen.