Kapitel 53
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Kapitel 53
Angriff
Plötzlich hörte man draußen einen riesigen Aufstand. Es fielen Schüsse und Schreie ertönten.
Einer der Arbeiter kam hereingestürzt. „Wir werden angegriffen.“
Wie der Zufall es wollte, hatten Shana, Gregor, Andrew und Kira ihre Waffen noch bei sich und schauten aus dem Zelt. Tatsächlich rückten Soldaten ins Lager vor, schossen um sich, und hatten leider schon drei der Arbeiter getötet.
„Verdammter Mist!“, sagte Pedro.
Kira sah ihn scharf an. „Auch wenn du recht haben magst, aber so aussichtslos ist die Situation noch nicht.“
Sie wandte sich Andrew zu: „Wamanos!“
Die vier Bewaffneten rannten aus dem Zelt und gingen in Stellung. Zunächst hatten die Soldaten mit keinerlei Gegenwehr zu kämpfen, aber das änderte sich nunmehr schlagartig. Blaue Strahlen aus ihren Rubinlaserwaffen zuckten fauchend durch die Luft, trafen präzise ihre Ziele und streckten einen Soldaten nach dem anderen zu Boden. Aber der Kampf schien kein Ende nehmen zu wollen, immer mehr Soldaten tummelten sich im Wüstensand und die Götter allein wussten wo die alle her kamen. Chafren und Menschen leisteten erbitterten Widerstand, aber es war aussichtslos. Pedro sollte mit seiner Einschätzung der Situation Recht behalten. Die Ladung der Laserstrahler ging immer mehr zur Neige und am Ende waren sie unbewaffnet.
„Nehmen sie die Hände hoch und kommen sie mit erhobenen Händen raus“, brüllte einer der Soldaten.
„Was sollen wir jetzt machen?“, fragte Andrew bitter.
„Aufgeben und hoffen, dass sie uns nicht gleich erschießen“, antwortete Kira bedrückt.
Sie legten die nutzlosen Waffen auf den Boden und kamen aus ihren Stellungen heraus.
„Schön langsam und keine falschen Bewegungen“, rief der Soldat.
Dann griff er zum Funkgerät. <„Wir haben sie.“>
Mehrere Soldaten traten in das Zelt, in dem sich der Rest der Gruppe aufhielt und zwang sie ebenfalls auf den Platz zu gehen und sich zu den bereits festgesetzten Mitstreitern zu begeben.
Ein Gleiter erschien und setzte unmittelbar hinter den Soldaten auf. Eine Luke wurde geöffnet und zwei Personen stiegen aus.
„Das war ja klar“, entfuhr es Shana, „wer sonst sollte die Niedertracht besitzen und uns hier angreifen.“
Die beiden Menschen schritten auf die Gruppe der Chafren zu.
„Guten Abend!“, sagte einer der beiden. „Ich darf mich kurz vorstellen, auch wenn mich einige von ihnen bereits kennen dürften. Mein Name ist Krondal und der Herr neben mir ist mein Assistent, Mr. Cromwell.“
„Was fällt ihnen ein Krondal? Wir sind hier nicht auf dem Gebiet der Vereinigten Staaten und dieser Angriff entbehrt jedweden Rechts“, schrie Shana.
„Das glauben aber auch nur sie“, sagte Krondal scharf. „Ich habe jedes Recht und das auf der ganzen Erde. Ich habe das Recht zu tun und zulassen was ich will und für richtig halte.“
„Sie sind aber ganz schön arrogant“, bemerkte Apophis.
„Was du nicht sagst. Ich bin ein Geschöpf Gottes und er spricht durch mich zu dir. Von Gottes Mund in deinen kleinen Geist.“
Apophis konnte sich nicht mehr halten und fing laut an zu lachen.
Das passte Cromwell nicht. Er trat vor, zückte einen Dolch und stieß ihn dem Kater in den Unterleib. Apophis schrie vor Schmerz auf und sank auf die Knie.
„Ah, schon besser“, sagte Krondal süffisant. „So mag ich es. Die Kreatur erkennt ihren Gott und huldigt ihm durch einen Kniefall.“
„Du mieses Miststück“, schrie Tarja auf.
„Tztztztztztz.“
„Halt die Schnauze du Vieh“, bellte Cromwell dazwischen.
Krondal drehte sich zu ihm um. „Aber, aber. Dazu kommen wir doch erst später. Im Moment geht es mir eher darum, die Geschichte zu richten und alle Ungereimtheiten auszubügeln. Also. Wo sind die Funde, die ihr Verrückten gemacht habt?“
„Suchen sie sie doch.“ Binder funkelte Krondal wütend an.
Cromwell zog das Messer aus Apophis' Unterleib, welcher gekrümmt zu Boden ging und liegen blieb.
Tarja beugte sich über ihn. „Er lebt noch, aber wir müssen die Blutung stoppen, sonst stirbt er.“
Krondal sah sie an. „Und wenn schon, ist doch nur ein Tier. Genau wie du und die anderen. Wenn wir euch töten, dann ist das Sachbeschädigung und wenn wir noch eine nette Geschichte erzählen, dann geht das glatt als Notstandshandlung durch und damit sind wir alle fein raus.“
Andrew konnte sich nicht mehr beherrschen. „Sie sind wirklich genauso verlogen wie die Menschen, die ich vor 600 Jahren kennengelernt habe. Ihr Primitivlinge habt euch in der Tat kein Stück weiterentwickelt.“
Cromwell ging auf ihn zu und wollte auch ihm seinen Dolch zu spüren geben, aber das wusste Andrew zu verhindern.
Er fiel ihm in die Hand und brach ihm ohne zu zögern den Arm. Cromwell schrie wie ein altes Waschweib auf und ließ das Messer fallen.
„Von der Hand eines Gottes, direkt in deinen kleinen Arm“, flüsterte Andrew und spuckte ihn an.
„Genug jetzt! Du bist ein Vieh und kein Gott! Hier gibt es für meinen Geschmack ein paar Götter zu viel, aber das werde ich schon ändern.
Den Fellachen und anderen armseligen Figuren könnt ihr vielleicht was vormachen, aber mir bestimmt nicht. Ich habe die Nase voll von den Spielchen“, brüllte Krondal. „Es war so perfekt. Dann taucht ihr auf und alles dreht durch. Die hier“, er zeigte auf die Wissenschaftler, „fangen an im Wüstensand zu buddeln und finden tatsächlich Skelette die belegen, dass ihr hier ward und das lange bevor wir mit einer richtigen Zivilisation anfingen. Das ganze Glaubensgerüst der Menschheit gerät ins Wanken.
Dann werden treu ergebene Mitglieder meiner Truppe getötet, die Herren vom Wissenschaftsrat, der Kirche und der Politik kneifen und überlassen die Drecksarbeit mir. Derweil macht ihr verdammten Viecher euch auf meinem Planeten breit und krempelt die ganze Geschichte um. Aber ihr habt euch getäuscht, und den falschen Mann für euer Spiel ausgesucht. Ich werde nicht zulassen, dass ihr mir alles nehmt.“
„Aha. Das ist es also. Du befürchtest, dass du deine Macht verlierst. Es geht hier doch gar nicht um die Geschichte oder das Wohl der Menschheit. Es geht nur um dich“, entgegnete Syrgon.
Andrew nickte zustimmend.
„Und da du zu klein und zu feige bist dir die Finger schmutzig zu machen, müssen andere deine Drecksarbeit erledigen. Dabei rede ich von den Soldaten und auch von deinem Assistenten“, ergänzte Stella.
„Haltet eure Mäuler. Ich werde jetzt dafür sorgen, dass alles wieder dahin geht wo es hingehört.“
„Was wollen sie tun?“, fragte Jody misstrauisch.
„Zunächst werden wir euch eliminieren, dann werden wir das gesamte Gebiet sprengen und damit alle Funde vernichten. So einfach ist das.“
„Das können sie nicht tun“, schrie Binder.
„Oh doch, das kann und werde ich. Und ihnen, Herr Doktor Binder, rate ich die Füße still zu halten und zu beten, dass ich sie in der Öffentlichkeit nicht zerreiße.
Ursprünglich wollte euch die Genetik in die Finger kriegen, aber da keiner von den Herren erschien, schließe ich daraus, dass deren Interesse erloschen ist. Wahrscheinlich haben sich ihre Präferenzen verschoben.“
Krondal und Cromwell drehten sich um, räumten die Schusslinie und verließen mit ihrem Gleiter den Ort des Geschehens.
„Feuer frei, Kommandant“, rief Krondal noch, bevor er startete.
Die Soldaten legten an. Die Chafren kniffen die Augen zu und warteten auf die tödlichen Schüsse. Mehrere Lasersalven durchschnitten die Luft. Dann hörte man, wie leblose Körper auf den Boden aufschlugen.
Andrew und Stella waren die ersten, die die Augen wieder öffneten. Sie sahen sich um. Sie alle waren noch am Leben. Die Soldaten, eben noch als Hinrichtungskommando vor ihnen gestanden, lagen tot am Boden.
Was war geschehen?
Während die Chafren auf ihren sicheren Tod warteten, erschienen mehrere kleine Schiffe. Sie waren sehr dicht am Boden geflogen und konnten somit von keinem Radar entdeckt werden. Außerdem besaßen sie scheinbar einen sehr leisen Antrieb und bewegten sich auch sonst fast geräuschlos. So hatten sie sich, unbemerkt von allen, genähert.
Nur Bruchteile von Sekunden, vor den tödlichen Schüssen der Soldaten, hatten die Schiffe auf die Truppen gefeuert und somit den Chafren und Jody, Shana, Gregor und Friggs das Leben gerettet.
Jetzt standen die Schiffe direkt vor ihnen, die Luken wurden geöffnet und mehrere Personen stiegen aus. Gegen die tief stehende und blendende Sonne konnte man nur undeutliche Umrisse erkennen. Aber als sie sich näherten, erkannte man immer klarere Umrisse und die waren definitiv nicht menschlich.
Selestral schrie plötzlich auf und rannte ihnen entgegen. Eine der Gestalten breitete die Arme aus und umschlang sie fest. Zwei der Gestalten kamen weiterhin näher und bauten sich wenige Meter vor unseren Chafren auf.
„Habt keine Angst, wir sind Freunde“, sagte eine der Personen.
Den Chafren klappten die Kinnladen herunter, als sie erkannten wer genau ihnen da gegenüber stand.
Cyron blinzelte und trat einen Schritt vor. „Pathenon?“, fragte er ungläubig. „Bist du es wirklich?“
Er schrie vor Freude auf, umarmte und knuddelte ihn fest.
Der Anthro, den Cyron für Pathenon hielt, umarmte ihn ebenfalls und klopfte ihm freundschaftlich auf die Schultern. „Moment, Moment. Nicht so schnell, mein Freund. Mein Name ist nicht Pathenon. Ich heiße Colras. Wir sind – Cherit.“
Cyron zuckte zurück und schämte sich sichtlich für seinen Gefühlsausbruch. „Entschuldige bitte. Ich habe dich mit jemandem verwechselt den ich kenne.“
„Ist schon in Ordnung. Wir wissen, dass ihr auf Genro lebt und waren dort. Wir fanden die Landebasis leer vor, zogen die gewünschten Daten aus dem Protokollrechner, wussten daher, dass ihr zur Erde geflogen seid und rechneten mit dem Schlimmsten. Wie sich zeigt nicht zu Unrecht.“
Bei Colras' Begleitung handelte es sich um eine Schneeleopardin, die Samantha nicht unähnlich war. Auch in den anderen Cherit erkannte man bekannte Gesichter.
Tarja war wieder über Apophis gebeugt. „Hilfe!“, schluchzte sie. „Helft ihm. Er stirbt.“ Sie weinte.
Colras beugte sich zu ihr und hockte sich neben Apophis, zog ein Gerät aus einer seiner Taschen und legte es Apophis auf die Brust. Danach stach er mehrere Nadeln in seine Arme und in die Brust. Zwei weitere Cherit eilten herbei, legten ihn auf eine Trage und brachten ihn in eines der kleinen Schiffe.
„Was habt ihr jetzt vor?“, fragte Andrew.
„Wir werden euren Verwundeten erstmal versorgen. Er wird bestimmt nicht sterben. Dafür ist die Verletzung zu klein. Anschließend sollten wir überlegen, was wir weiterhin tun sollten“, erklärte Colras. „Übrigens, das ist meine Partnerin Sitral.“ Er deutete auf die Schneeleopardin.
Sie nickte allen freundlich zu.
Stella mischte sich ein. „Wir müssen was unternehmen. Die Menschen versuchen wiederholt Cherit zu züchten um sie gegen euch einzusetzen.“
„Aha“, entfuhr es Sitral. „Das wird genauso schief gehen, wie es damals bei euch der Fall war.“
„Ihr wisst davon?“, fragte Andrew.
„Ja. Wir haben den Funkverkehr zwischen Genro und der Erde sehr aufmerksam verfolgt. Daher wussten wir um die Vorgänge auf eurer Welt.“
„Und warum habt ihr uns nicht geholfen? Wir haben zwei Drachen und einen Pegasus verloren, außerdem hatten wir mehrere Verletzte.“
Sitral schaute Andrew scharf an. „Was wäre gewesen, wenn wir uns eingemischt hätten?“
„Wir hätten uns vieles erspart.“
„Und dann? Ihr hättet nichts herausgefunden. Euch wäre alles in den Schoß gefallen und die Zusammenhänge, welche ihr selbständig erkannt habt, wären euch unverständlich geblieben. Außerdem wärt ihr mit der ganzen Wahrheit überfordert gewesen, wenn wir plötzlich vor euch gestanden hätten. Durch unsere Passivität musstet ihr alle Einzelheiten selbst finden und konntet euch Schritt für Schritt auf alles vorbereiten. Abgesehen davon ist einer unserer obersten Grundsätze, dass wir uns nicht in die Entwicklung anderer Welten einmischen und direkten Kontakt erst dann herstellen, wenn die Zeit und das gesellschaftlich Niveau reif dafür sind.“
„Also waren wir für euch noch zu primitiv?“, fragte Torus entrüstet.
„Das klingt jetzt etwas sehr drastisch, aber ich drücke es mal so aus: Ihr wart noch nicht bereit.“
„Genau das hat mir Chiron damals auch zu verstehen gegeben. Wir müssen unseren eigenen Weg finden und man sollte das Ergebnis nicht im Voraus kennen, denn das verfälscht am Ende den Weg und das Ziel geht verloren.“
Colras nickte zustimmend. „Wo wir gerade bei Zurückhaltung sind und du es ansprichst. - Wo ist Chiron? Ich habe ein paar ernste Worte mit ihm zu wechseln.“
Der Tigerkater trat zwei Schritte auf Colras zu. „Hier bin ich.“
„Du hattest einen Auftrag, mein Freund. Du hättest es niemals so weit kommen lassen dürfen“, grollte Sitral.
Tarja sah ihn und Sitral verwirrt an. „Was soll das heißen? Chiron? Was geht hier vor?“
„Chiron. Es wird Zeit die Karten auf den Tisch zu legen“, sagte die Schneeleopardin und verließ die Gruppe.
„Du bist uns jetzt eine Erklärung schuldig“, herrschte Stella ihn an.
„Ihr habt Recht, das bin ich in der Tat. Also, das mit der Zeitreise stimmt schon, aber es ist nicht die ganze Wahrheit. Ich bin Agent der Cherit und wurde eingeschleust um die Vorgänge zu beobachten. Allerdings hatte ich den Auftrag mich nicht einzumischen.“
„Och. Das ist ja putzig.“ Tarja fletschte die Zähne. „Du hast mit uns gespielt und vor allem mit mir. Und was wird nun aus uns? Ich habe Apophis von dir empfangen, du bist sein Vater. Willst du jetzt verschwinden oder zu deiner Verantwortung stehen?“
„Ich stehe zu dem was ich getan habe, und gehöre zu euch und nach Genro. Meine Vergangenheit zählt nicht mehr. Sie ist unwichtig geworden, in dem Moment, in dem ich dich kennenlernte“, sagte Chiron und ergriff Tarjas Hand.
Die zog sie zurück. „Du musst dich mächtig ins Zeug legen, um unser Vertrauen zurück zu gewinnen. Das mit der Zeitreise lass ich ja noch gelten, aber dass du ein Spiel gespielt hast, ist zu viel des Guten.“
„Wo habe ich denn gespielt? Die Zukunft hatte sich in dem Moment verschoben, in dem ich durch das Tor ging. Alles was geschehen ist, konnte keiner vorhersehen. Ich hatte den Auftrag mich aus allem rauszuhalten und nur zu berichten.
Was habe ich stattdessen getan? Noch mehr hätte ich wohl kaum eingreifen können und Berichte gab es von mir schon lange nicht mehr. Sonst wären die Cherit schon wesentlich früher aufgetaucht. Was denkst du, was geschehen wäre, wenn ich berichtet hätte, dass ihr mit modernen Waffen die menschlichen Stationen angreifen wollt? Was wäre geschehen, wenn ich von eurem Vorhaben berichtet hätte, zur Erde zu reisen? Die Cherit hätten auf Genro unter Umständen regulierend eingegriffen.“
„Na! So schlimm wäre es nicht geworden. Wir hätten zwar eingegriffen, aber Vorsicht walten lassen. Immerhin bist du ja auch nicht aufgefallen“, mischte sich Colras in Chirons Redefluss ein.
Die meisten senkten die Köpfe und schüttelten diese.
Lediglich Andrew schien recht locker mit der Offenbarung umzugehen. Er ging auf Chiron zu und umarmte ihn. „Du hast uns wirklich geholfen und verdienst unseren Respekt. Aber trotzdem sitzt der Schock tief.“
„Ich weiß. Das wäre ein Geheimnis geblieben, wenn dieser Krondal nicht so hartnäckig gewesen wäre und ein eingreifen der Cherit nötig gemacht hätte“, entgegnete Chiron.
„Das mag sein. Aber du hättest stets ein dunkles Geheimnis in dir getragen und das hätte dich und deine Familie auf Dauer vergiftet“, gab Andrew zu bedenken.
Chiron nickte, ging auf Tarja zu, kniete sich vor ihr hin und nahm ihre Hand. „Ich liebe dich mehr als mein Leben, und ich möchte mit dir und Apophis den Rest meines Lebens verbringen. Willst du mich heiraten?“
Tarja schaute ihn bestürzt an. „Also war das kein hohles Gerede damals?“
„Nein, ich habe immer alles sehr ernst gemeint.“
„Ja. Ja doch.“ Chiron lächelte sie hingebungsvoll an. Er erhob sich und drückte sie fest an sich.
„Wie fühlst du dich?“, fragte Cyron.
„Frei und unbeschwert“, antwortete er. „Es gibt keinerlei Geheimnisse mehr die mich belasten könnten. Außer einem...“
„Was noch?“, fuhr Stella hoch.
„ ... Hargot und Casandra gehören mit zur Agentengruppe.“
„Das habe ich mir schon gedacht“, sagte Cyron. „Wann seid ihr eigentlich auf Genro gelandet?“
„Vor dreihundert Jahren. Das Schiff im Hangar? Hm? Erinnert ihr euch an die Apparatur, welche Andrew in der Basis benutzte um sein Leben zu verlängern? Genau eine solche stand im Keller meines Hauses und Casandra und Hargot kamen regelmäßig zur Verjüngungskur zu mir. Wir drei sind in Wirklichkeit fast vierhundert Jahre alt.“
„Wow. Ich sagte ja schon. Das Grünzeug im Wald hält fit und das hat man dir oft genug angemerkt.“ Cyron musste kichern.
Stella fand das nicht gerade amüsant. „Mein lieber Freund. Da hast du uns aber ganz mächtig reingelegt. Und was denkst du wie es jetzt weiter geht?“
„Wir müssen zunächst Krondal und Cromwell ausschalten. Dann müssen wir dafür sorgen, dass die Genlaboratorien zerstört werden. Und dann sollten wir heimkehren, denn unsere Freunde werden uns schon erwarten.“
Ein Cherit namens Callisto trat zu ihnen. „Chiron, wir haben unangenehme Neuigkeiten. Dieser Krondal hat es geschafft einen Truppentransporter zu starten und nach Genro zu schicken. Er fliegt mit vierfacher Lichtgeschwindigkeit und ist daher recht langsam. Das Startdatum liegt jetzt fast eine Woche zurück.“
„Verdammt. Das hat uns gerade noch gefehlt“, grollte Chiron. „Jetzt drängt die Zeit wirklich.“
„Was machen wir als erstes?“, fragte Stella.
„Wir müssen zurück in Shanas Haus und sehen was von unserer Ausrüstung noch übrig ist. Dann sollten wir das Genprogramm sabotieren und uns Krondal und seinen Assistenten schnappen. Wenn das geschehen ist, kümmern wir uns um den Transporter.
Vielleicht können wir Krondal davon überzeugen ihn zurückzurufen, wenn nicht, müssen wir uns eines der Cheritschiffe schnappen und versuchen eher auf Genro zu sein wie die Angreifer. Hoffentlich kommt es aber nicht so weit, denn das wird eine blutige Schlacht werden.“
„Okay“, sagte Andrew aufmunternd, „wir haben ein Ziel und packen es jetzt an.“
Die anderen nickten zustimmend.
Sitral trat hinzu. „Freunde. Wir starten jetzt und kehren zum Hauptschiff zurück. Apophis muss erst mal zur Krankenstation. Die Verletzung ist ernster als zuerst angenommen. Die Klinge war vergiftet.“
„Wird er es schaffen? Bitte, ihr müsst ihm helfen. Er ist mein Sohn“, sagte Tarja und kämpfte mit ihren Tränen.
„Keine Angst, unsere Medizintechnik ist sehr weit fortgeschritten, da dürfte eine einfache Vergiftung wirklich kein Problem sein. Wenn ihr möchtet nehmen wir euch mit. Hier unten seid ihr nicht besonders sicher und ich glaube kaum, dass es sich mit Krondal und seinen Schergen erledigt hat. Die kommen garantiert wieder. Die Funde werden allerdings verloren gehen. Aber alle Antworten die ihr haben wolltet, habt ihr gefunden, den Rest könnt ihr von uns erfahren.“
Cyron klatschte in die Hände. „Du hast Recht. Wir sollten verschwinden. Die Erde ist in der Tat ein ungastlicher Ort.“
Sitral nickte und lächelte wieder einmal freundlich.
„Aber was ist mit uns?“, fragte Shana.
„Die Arbeiter bleiben hier. Es ist eh ihr Land und damit ihre Heimat. Wer von euch Lust hat, kann mitkommen. Ihr habt eure Hilfsbereitschaft ausreichend bewiesen und mehr als nur geholfen. Ihr habt gezeigt, dass ihr auf unserer Seite steht und euer Leben opfern würdet um der Wahrheit zu dienen.“
Shana freute sich ungemein. „Wir packen unsere Sachen, klemmen uns den Professor unter die Arme und gehen mit.“
Damit war alles geklärt.
Shana, Jody, Friggs und Gregor gingen zum Sanitätszelt. Dort trafen sie auf Sitara und Finlay.
„Packt eure Sachen, wir verschwinden hier“, sagte Jody.
„Was ist passiert? Wir hatten Schüsse gehört.“
„Während ihr euch um den Professor gekümmert habt. – Wie geht es Skort eigentlich? – Hatten wir überraschend Besuch bekommen. Krondal und Cromwell waren aufgetaucht und hatten ein paar nette Helfer mitgebracht. Euch hatte man wohl übersehen“, fing Jody an und Shana setzte fort: „Tja und dann sollten wir ins Jenseits geschickt werden. Aber in letzter Sekunde tauchten ein paar kleine Cheritschiffe auf und retteten uns die Hintern. Jetzt hauen wir ab, da Krondal und Konsorten verschwunden sind, aber bestimmt zurückkehren werden, wenn sie erfahren was hier passiert ist.“
„Dem Professor geht es den Umständen entsprechend gut. Er ist wieder fähig aktiv am Leben teilzunehmen. Aber was sagtest du gerade? Cherit? Hier? Auf der Erde?“
„Japp, ist ein Ding, was? Los beeilt euch, wir haben nicht ewig Zeit. Apophis ist verwundet und muss auf die Krankenstation. Außerdem ist Chiron ein Agent der Cherit, ebenso Casandra und Hargot.“
„WAS?“
„Wir erklären euch später alles Weitere. Also hopp!“
Sie packten schnell ihre Sachen zusammen. Skort war nicht ganz so schnell und ließ sich von Shana gerne helfen. Als sie die kleine Notambulanz verließen, waren die meisten Schiffe schon weg und lediglich Chiron und Tarja waren noch da und warteten auf den Rest ihrer Gruppe.
„Da seid ihr ja endlich“, sagte Tarja sichtlich entnervt. „Macht Tempo. Krondal weiß Bescheid und ist mit Verstärkung auf dem Weg hierher. Die Gleiter wer-den in nicht mal zehn Minuten hier eintreffen.“
Sie warfen ihre Sachen in den Frachtteil der Kabine, schlossen die Luke und schickten sich an einzusteigen. Aber die Informationen waren falsch. Krondal brauchte keine zehn Minuten mehr bis zum Ausgrabungslager, nein, vielmehr tauchte plötzlich sein Gleiter hinter einer der Dünen auf und eröffnete das Feuer auf die Gruppe und das Cheritschiff.
„Verflucht noch mal. Der Kerl ist schnell, verdammt schnell sogar. Das muss man ihm lassen“, rief Chiron.
Der menschliche Teil der Gruppe saß bereits im Schiff, Tarja stieg ein und nahm Platz, als ein direkter Treffer den Antriebs- und Navigationscomputer außer Gefecht setzte.
„Na großartig. Jetzt haben wir ein dickes Problem“, sagte Chiron bitter. „Wir kommen nicht mehr weg.“
„Und jetzt?“, fragte Binder besorgt.
„Wir haben immer noch unsere Waffen. Versuchen wir uns erstmal unsere Angreifer vom Leibe zu halten.“ Er aktivierte die automatische Verteidigung und Laserstrahlen zuckten durch die mittlerweile eingetretene Dämmerung.
Zielgenau feuerten die Kanonen auf den Gleiter von Krondal und zwangen ihn hinter der Düne zu bleiben. Aber das sollte nicht so bleiben, denn die Verstärkung war im Anflug. Innerhalb von wenigen Minuten war das Schiff von sieben Gleitern umringt, welche ihre Waffen auf sie ausrichteten.
„Schach matt“, flüsterte Jody verbittert.
„Das war’s wohl. Aus der Sache kommen wir nicht mehr raus“, Tarja seufzte.
Sie war aber trotzdem froh, denn ihr Sohn hatte es geschafft zu entkommen und war in den besten Händen. Außerdem würde sie, wenn es soweit war, mit ihrem geliebten Tigerkater sterben und somit nicht allein auf die andere Seite und zu ihren Göttern wechseln müssen.
Fauchend setzte der Gleiter der grauen Eminenz wenige Meter neben ihnen auf.
„Ihr habt wohl gedacht, dass ihr mich hinters Licht führen könnt? Wolltet einfach so verschwinden, wie? Ich sagte euch doch schon, dass ihr euch den falschen Mann für euer Spiel ausgesucht habt“, keifte Krondal.
„Aussteigen!“, brüllte der kommandierende Offizier der Truppe.
„Wenigstens haben wir die abtrünnigen Wissenschaftler festgesetzt und zwei der Chafren, Monsieur.“
„Das sehe ich selbst Cromwell. Oder dachten sie, dass ich blind bin?“ Krondal war sichtlich ungehalten und Verachtung schlug aus seinen Worten herüber.
Cromwell senkte den Kopf und verharrte regungslos. „Darf ich Monsieur einen Vorschlag machen?“
„Sie schlagen mir etwas vor? Dann schlagen sie mal.“
„Wir sollten die Wissenschaftler hier lassen und ihnen Sprengstoff mit Fernzündung umschnallen. Damit hätten wir die Probleme mit ihnen und den Funden gelöst. Die Chafren sollten wir mitnehmen und sie der Gentechnik überantworten. Außerdem haben wir, solange sie noch leben ein gutes Druckmittel gegenüber den Cherit.“
Krondal schien der Vorschlag zu gefallen. „Der Teil mit den Wissenschaftlern gefällt mir. Vor allem ist er sehr effektiv. Die Idee mit den Geiseln ist jämmerlich. Als ob wir Geiseln bräuchten, um diese Dinger da im Griff zu haben.“
„Es war nur ein Vorschlag.“
„Ihre Vorschläge waren schon immer typische Fehlentscheidungen, deshalb sind sie auch nur mein Assistent. Sie werden es nie zu etwas bringen“, herrschte Krondal Cromwell an.