Kapitel 54
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Kapitel 54
Meuterei
„Monsieur, bitte beherrschen sie sich. Ich bin sonst gezwungen ihnen eine Lektion zu erteilen.“
Krondal stutzte, fing sich aber schnell. „Was wollen sie?“ Er musste lachen.
Doch, das war ein Fehler. Cromwell zog mit seinem unverletzten Arm seinen Dolch und rammte ihn Krondal ohne Vorwarnung direkt ins Herz. „Sie haben mich als Fußabtreter benutzt. Ich musste für ihre Unfähigkeiten stets herhalten und büßen. Ich bin es Leid mich ständig von ihnen gängeln und beleidigen zu lassen. Ich hatte sie gewarnt.“
Krondal fiel in seine Arme. „Warum haben sie das getan, und mir das alles nicht schon vorher gesagt?“
„Sie haben nie zugehört und am Ende eh den Blick für das Wesentliche verloren.“ Cromwell legte Krondal auf den Boden und zog die Klinge aus dessen Brust. Der Blutfleck vergrößerte sich rasch und der Blick brach.
Krondal war tot.
„Ich habe ab sofort das Kommando“, schrie Cromwell.
Die Soldaten legten ihre Waffen nieder und verneigten sich vor ihm.
„Wir folgen der neuen Eminenz und schwören Treue“, rief der leitende Offizier.
Cromwell schaute zum Himmel, schloss die Augen und genoss das Gefühl seiner neuen, unbegrenzten Macht.
Plötzlich hörte man Schreie und sie kamen von überall her.
Über die Dünen hinweg, brandeten Massen an Fellachen. Sie hatten sich mit Äxten, Mistgabeln und Knüppeln bewaffnet. Einige von ihnen besaßen sogar primitive Handfeuerwaffen.
Cromwell wollte seinen Augen nicht trauen. „Das glaube ich einfach nicht“, sagte er erschrocken.
Einen viel zu langen Augenblick zögerte er noch, bevor er schrie: „Feuer.“
Die Soldaten schossen blind in die Menge. Ein Arbeiter nach dem anderen fiel, aber es waren zu viele. Immer mehr strömten von hinten nach, rannten über die Gefallenen hinweg, kamen unaufhaltsam näher.
Chiron bedeutete der Gruppe in das Schiff zu steigen. Er selbst rannte geduckt auf Cromwell zu, welcher wie angewurzelt da stand.
Als er den Tiger bemerkte, war es schon zu spät. Chiron holte aus und schlug mit seiner rechten Faust wie ein Hammer auf dessen Schädel. Wie ein gefällter Baum ging Cromwell zu Boden. Der Tiger packte ihn an beiden Armen und schleifte ihn zum Schiff.
Tarja Begriff was er vor hatte, sprang aus der Kabine und wuchtete den bewusstlosen Menschen mit hinein. Anschließend saßen alle auf ihren Plätzen und Chiron versuchte den Antriebscomputer zu reaktivieren.
„Komm schon, komm schon! Verdammt!“
Er kroch unter die Steuerungskonsole, riss einen Teil der Verkleidung ab und holte einen ganzen Kabelbaum heraus. Nach zwei Minuten hatte er es ge-schafft. Der Computer war überbrückt und die Maschinen fuhren hoch.
„Ich muss das Schiff direkt steuern und hoffe, dass es klappt. Ansonsten wird das der kürzeste Flug aller Zeiten“, erklärte er kurz und sie hoben ab.
Shana, Jody und auch Skort drehten sich beim Abflug um. Die Fellachen hatten die Soldaten erreicht und machten einen nach dem anderen nieder. Die Arbeiter in den hinteren Reihen sahen nach oben und winkten dem Schiff jubelnd hinterher.
Sie hatten es geschafft und waren entkommen.
Cromwell war auf einem der Sitze festgeschnallt worden und vorsorglich gefesselt. Das war auch gut so, denn Chirons Schnellnarkose hielt nicht lange vor.
Er kam zu sich, sah sich um und stellte resigniert fest, dass er sich in den Händen seiner Todfeinde befand. „Fein gemacht. Und was habt ihr jetzt mit mir vor? Wollt ihr mich hinrichten, zu eurer Belustigung?“
„Au ja, das wäre genau das Richtige für dich, du Arsch“, sagte Jody scharf.
„Nein“, ging Chiron scharf dazwischen. „Dann wären wir nicht besser als er und auf ein solch primitives Niveau lasse ich mich nicht herab.“
Cromwell grinste dämonisch. „Ausgerechnet eine Kreatur des Bösen muss etwas von Moral predigen.“
„Sie haben keine Moral, sie haben nur eine Religion und die ist bei ihnen gepaart mit absoluter Arroganz. Dadurch werden sie unberechenbar und neigen zum Sadismus.“
„Och. Das tut mir jetzt aber Leid für dich“, sagte Cromwell sarkastisch.
„Fletcher war genauso, und hat seine gerechte Strafe dafür bekommen.“
„WER? WER HAT MEINEN FREUND UMGEBRACHT?“, kreischte er plötzlich und wie von Sinnen.
„Mein geliebter Tiger Apophis hat ihn mit Genuss gerichtet“, entgegnete Jody süßlich.
„Dieses verdammte Mistvieh. Am Ende bleibt mir trotzdem der Triumph.“
„Freuen sie sich nicht zu früh. Er wird es überleben oder dachten sie, dass das Gift an ihrer Klinge unbemerkt bleibt?“, mischte sich Tarja ein.
Cromwell spuckte ihr ins Gesicht.
Shana die direkt neben ihm saß, packte ihn an den Haaren und drehte mit Gewalt seinen Kopf so, dass er ihr in die Augen sehen musste. „Du bist ein machtgeiles und verlogenes Arschgesicht. Sei froh, dass unsere Chafrenfreunde so friedliebend sind und dich sogar noch höflich behandeln. Wenn ich das Sagen hätte, dann würdest du miese kleine Drecksau jetzt schon am nächsten Baum und deinen Eiern hängen.“
Cromwell verstand die Andeutung und schluckte. Für den Rest des Fluges zog er es vor zu schweigen.
Das Schiff verließ die Atmosphäre des Planeten und Chiron sah sich um. Vor der hellen Silhouette des Mondes erkannte er die Umrisse des Cheritkreuzers. „Da ist unser Ziel“, sagte er freudig.
Ein leises Raunen ging durch die Kabine.
Das Schiff näherte sich sehr schnell und Chiron drosselte die Geschwindigkeit. „Tarja. Würdest du bitte um Landeerlaubnis bitten und gleichzeitig einen bewaffneten Trupp ordern, der unseren Gast in Empfang nimmt?“
„Mach ich doch glatt, Liebster.“
Er sah sie kurz an und sah, dass sie ihn förmlich anstrahlte.
<„Landungsschiff Bast hier ist der Kreuzer Ra-em. Landeerlaubnis erteilt, drosseln sie ihre Geschwindigkeit und gehen sie auf Autoanflugvektoren.“>
<„Negativ“>, antwortete Tarja, <„Der Navigationsrechner ist ausgefallen. Wir sind unter Beschuss geraten und fliegen das Schiff manuell.“>
<„Verstanden Bast. Wir leuchten euch heim.“>
„Was hat er denn damit gemeint?“, fragte Tarja verwirrt.
Jody fing an zu lachen. „Das kommt mir sehr bekannt vor.“
Der Kreuzer war bis jetzt nur eine relativ dunkle Masse gewesen, bis jetzt. Wenige Sekunden später leuchtete die Außenhülle in einem zarten Grün auf und der Landungshangar erstrahlte förmlich.
<„Gut Ra-em, wir haben das Ziel aufgefasst und setzen zur Landung an.“>
Minuten später schoss das Schiff in den Hangar hinein.
Es war definitiv zu schnell und Shana begann panisch aufzuschreien. Jody schloss die Augen und erwartete den Aufschlag am Ende der Landebahn. Aber es geschah nichts.
Das Schiff wurde von einem Magnetstrahl erfasst und drastisch heruntergebremst. Ohne auch nur einen Meter zu weit in den Hangar einzufliegen, setz-ten sie auf.
„Willkommen auf der Ra-em“, sagte Chiron feierlich.
Cromwell machte ein sichtlich beeindrucktes Gesicht. „Wow“, sagte er, „was habt ihr hier versteckt? Godzilla?“
„Sparen sie sich die dummen Sprüche“, entgegnete der Tiger barsch.
Er öffnete die Luke und betrat den Hangar.
Ein Schott wurde geöffnet und fünf bewaffnete Cherit mit Abzeichen, die sie als Angehörige der Sicherheitstruppen auswiesen, betraten das Deck.
„Er ist da drin und als Paket verschnürt“, sagte Chiron trocken.
Was dann folgte war nicht gerade gastfreundlich. Einer der Cherit schaute kurz in die Kabine, sah Cromwell und packte ihn im Genick. Anschließend zerrte er ihn ohne Rücksicht auf Verluste aus dem Landungsschiff.
Cromwell schrie vor Schmerz auf. „Das ist gegen das Kriegsgefangenenrecht. Ihr dürft mich nicht Foltern oder mir unnötig Schmerzen zufügen.“
„Sie haben Rechte?“, fragte Tarja bitter. „Sie hatten ihre Rechte spätestens in dem Moment verloren, als sie Apophis niedergestochen hatten.“
Cromwell ließ sich bewusst zu Boden fallen. Einer des Sicherheitspersonals sprang hinzu und wollte ihm auf die Beine helfen. Die Gelegenheit nutzte der Mensch aber aus. Er drehte sich zur Seite, zog beide Beine an den Körper und trat zu. Der Hieb traf den Cherit unvorbereitet und er wurde einige Meter weg-geschleudert.
„Genug gespielt!“, schrie Sitral. Sie war hinzugekommen, trat an Cromwell heran und hielt ihm ihre Waffe unter die Nase. „Geben sie mir einen Grund, geben sie mir nur einen Grund. Bitte, einen einzigen Grund.“
Cromwell zog es vor, sich seinem Schicksal zu fügen. Er konnte gut töten, aber selbst sterben wollte er nun doch nicht. Er rappelte sich auf die Beine.
„Führt ihn ab. Wir beschäftigen uns später mit ihm“, befahl die Schneeleopardin.
Die fünf Wachleute verschwanden mit dem Menschen.
Tarja war aus dem Schiff geklettert und ging auf Sitral zu.
„Hallo Tarja“, sagte sie.
„Hallo. Gibt es schon was Neues von meinem Sohn?“
„Ja.“
„Wie geht es ihm?“
„Nun, frag ihn doch selbst.“
Durch das Schott trat ein stattlicher Tigerkater, gekleidet in leichter Uniform, aber ohne Rangabzeichen.
„Mutter“, rief er und rannte auf Tarja zu.
Sie umarmten sich und kuschelten sich aneinander. Chiron trat hinzu und klopfte ihm sanft auf die Schulter.
Apophis löste sich von der Tigerin und schaute ihn an. „Ah, Vater. Ich habe schon gehört, dass du ein Cherit bist. Warum hast du es niemandem vorher gesagt?“
„Das ist eine lange Geschichte, aber bei Gelegenheit erzähle ich sie dir.“
Beide lächelten sich an und fielen sich in die Arme.
„Ich bin so froh, dass ihr alles gut überstanden habt“, sagte Apophis und kämpfte mit den Freudentränen.
„Kommt, gehen wir. Ich will euch das Schiff zeigen“, sagte Sitral fröhlich.