Kapitel 22
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Kapitel 22
antermerianische Pläne
Captain Seth, die Exo-Biologin Danae, Prior und Sherat hatten derweil den genroischen Mond Cyndra wieder verlassen und waren auf der Re-harachte angekommen. Direkt vom Hangar aus, gingen sie zum nächsten Aufzug und betraten kurze Zeit später die Brücke des Kreuzers, trafen dort auf Althais.
„Oh, hallo Captain. Wie ich sehe bist du wohlbehalten zurückgekehrt“, rief der erste Offizier erfreut.
„Aber sicher doch oder hattest du etwas anderes erwartet?“
„Ich hatte meine Befürchtungen, aber die haben sich glücklicherweise nicht bewahrheitet.“
„Unkraut vergeht nicht und Eseleien sind mir fremd“, entgegnete Seth und zwinkerte schelmisch. „Aber sag an, was ist hier oben passiert, während wir da unten viele Merkwürdigkeiten erlebten.“
„Nichts. Es ist alles in bester Ordnung. Die Schiffe umkreisen in schönen gleich-mäßigen Umlaufbahnen den Mond und es gibt keinerlei Aktivitäten in unmittelbarer Umgebung.“
„Sehr gut. Ich übernehme wieder die Brücke.“
„Aye, Captain!“
„Com, ich möchte eine Verbindung zur …“, wollte der Eselhengst gerade anweisen, kam aber nicht weiter.
Direkt neben ihm stand plötzlich eine hochgewachsene Gestalt, welche einen langen, flachen Gesichtsschädel aufwies, oben aufsitzende Augen, welche ihrerseits rötlich waren, deren Pupillen einen quer liegenden Schlitz hatten und ihn durchdringend ansahen. Althais stockte der Atem, der Com-Offizier drehte sich erschrocken um und der Rest der anwesenden Crew auf der Brücke er-starrte zur Salzsäule.
„Was wird das jetzt?“, entfuhr es Seth.
„Grüße, Captain! Ich bin Sobek.“
„Das sehe ich auch. Wie wäre es mit einer vorherigen Anmeldung und nicht diesem unangemeldeten Auftritt oder wollt ihr mein Schiff übernehmen?“
„Nein. Wir wollen nur weitere Informationen bringen und uns den technischen Zustand der Schiffe ansehen. Immerhin bieten wir uns an, euch beim um- und aufrüsten zu unterstützen.“
„Na schön, dann macht das mal.“ Der Captain der Re-harachte war, ob dieser Tatsache, nicht sonderlich erfreut, akzeptierte es aber. Wie auch nicht, konnte er es eh nicht verhindern.
An Bord der Osiris, Horem-hab, Amun-Re, Nephtys und Ra-em liefen in diesem Moment ähnliche Szenen ab.
Wie der Antermerianer Seth schon auf Cyndra angedeutet hatte, wollten die Antermerianer die Besatzungen, vor allem aber die Captains der einzelnen Cheritkreuzer darüber in Kenntnis setzen was ihre Herkunft, ihre Ziele, Vorhaben und auch ihre weiteren Pläne zur Erreichung jener, betrifft.
So erschienen auf den Brücken die entsprechenden Informanten.
Auf der Ra-em erschien plötzlich wie aus dem Nichts Anubis und verneigte sich vor Captain Drekal, welche gerade im Sessel auf der Brücke saß und ihn nur stumm anstarrte.
Auf der Osiris materialisierte Chnum und Theseus sprang entsetzt auf.
Captain Melina zog es vor ihre Handlaserwaffe zu ziehen und auf Maahes zu zielen. An Bord der Amun-Re wurde Ramos von Horus beehrt und Captain Maahes bekam auf der Brücke der Nephtys ein Gastspiel von Thot.
Wie dem auch sei. So richtige Begeisterung wollte bei keinem der Captains aufkommen, als der unangemeldete Besuch einfach so und ohne vorher anzuklopfen auf der Brücke stand.
Zunächst sagte keiner der Götter irgendetwas. Lediglich bei Melina musste Maahes beherzt eingreifen und ihr vorsichtig, aber zielsicher den Strahler entwinden. Immerhin wollte er damit nur verhindern, dass sie irgend jemanden oder sogar sich selbst verletzt.
„Aber, aber. Wir wollen doch nicht schießen und Freunde verletzen“, sagte der Antermerianer leicht salbungsvoll.
Die Stute schüttelte den Kopf, was ihre dunkelgraue Mähne etwas in Wallung brachte und ließ es bereitwillig geschehen. Lediglich ihr Blick und die leicht geblähten Nüstern verrieten, dass sie wieder einmal kurz vor einem Tobsuchtsanfall stand. „Was wollt ihr?“, brach es aus Melina hervor.
„Gemach, gemach. Stell bitte eine Verbindung zu den anderen Schiffen her“, kam kurz und knapp die Anweisung.
„Na schön. Arctus, tu es. Kreuzverbindung zu allen Schiffen und vergiss die Ra-em nicht.“
„Aye, Captain!“ Der Bär tippte kurz auf dem Tableau herum und auf dem Hauptschirm erschienen die Gesichter der fünf anderen Captains, inclusive ihrer Gäste, welche sich direkt daneben postiert hatten.
In diesem Moment und trotz der Beteuerung von Maahes, kam es der Stute, welche übrigens von Gestalt und Körperhaltung stark an einen irdischen Friesen erinnerte, so vor, dass die Schiffe einer feindlichen Übernahme unterlagen.
<„Ah. Wie ich sehe, haben wir alle Besuch. Sehr schön, dann kann es ja los gehen“>, brach Captain Seth das Schweigen.
<„Nein“>, mischte sich der Antermerianer Maahes ein. <„Wir warten auf das Rufsignal von Genro. Sachmet hat das Wort.“>
Innerhalb der Basis waren die Umbauarbeiten abgeschlossen, es herrschte wieder Ruhe.
Kira und Andrew saßen an den Computern. Chiron und Cyron saßen gemeinsam mit Stella, Tarja und Apophis in einem anderen Teilbereich des Raumes und redeten über Belanglosigkeiten. Hadron und Ariana lagen zusammengekuschelt im Nebenraum und dösten vor sich hin.
In diesem Augenblick erschien in einer Ecke des Raumes eine zunächst etwas diffuse Gestalt, welche aber schnell an Kontur und Substanz gewann.
Cyron, der es aus dem Augenwinkel wahrnahm, fuhr herum und hob eine Augenbraue. „Na, wen haben wir denn da?“
„Hallo, Chafrenfreunde“, sagte Sachmet zur Begrüßung und verneigte sich leicht.
„Grüße zurück. Was verschafft uns die Ehre?“
„Ich habe Wichtiges mitzuteilen und Kira sollte eine Verbindung zur Horem-hab aufbauen. Die Captains der anderen Schiffe sollten schon in einer Kreuzverbindung stehen und warten nur noch auf uns.“
Die kleine Luchsin schaute zunächst verwirrt, drehte sich dann aber zur Tastatur und tat worum gebeten wurde. Sekunden später stand die Verbindung und auf dem Wandschirm erschienen die Bilder der einzelnen Captains, nebst der neben ihnen stehenden Götterwesen.
„Das sieht ja mal interessant aus“, murmelte Tarja.
<„Willkommen Captain Maahes, Seth, Drekal, Melina, Ramos und Theseus. Ich bin Sachmet.“>
<„Fein. Unsere Namen haben wir ja nunmehr ausgetauscht. Aber jetzt bitte zur Sache. Was soll das alles bedeuten?“>, schnaubte Melina barsch.
<„Einen Moment noch.“> Die Löwengöttin drehte sich zu Andrew um. „Wo ist dieser Mensch namens Cromwell?“
„Ich hole ihn“, warf Chiron ein und stand auf.
„Sehr gut und die anderen Menschen namens Thorn, Grant, Skort und Binder will ich auch hier haben. Gerade bei Skort sollte es leicht sein ihn hierher zu be-kommen.“
Chiron nickte und verließ den Raum.
Sachmet setzte an: <„Wir haben viel zu bereden und werden euch auf eure Aufgaben vorbereiten müssen. Viel gibt es zu tun, aber das sollte euch nicht ängstigen.“>
Chiron trat in den Raum und hatte Cromwell stehenden Fußes eingesammelt und mitgebracht.
Die selbsternannte Graue Eminenz war vom Anblick der antermerianischen Löwin nicht gerade entzückt. „Kasperletheater. Wenn ich mir einen Puppenfilm ansehen will, dann gehe ich ins Kino oder Theater.“
„Gemach, Gemach, Mister Cromwell. Auch sie werden in Kürze auf den neuesten Stand der Dinge gebracht und es wird mich erfreuen ihr kleines Weltbild in einen Trümmerhaufen zu verwandeln.“
„Das könnte euch so passen. Da muss schon jemand anderes erscheinen.“
„Wir werden sehen“, entgegnete Sachmet extrem souverän und mit einem geradezu arroganten Lächeln.
Cromwell schwieg und schüttelte nur den Kopf, lediglich an seinem Blick konnte man erkennen, dass er nicht nur die Situation hasste, sondern und vor allem diese Löwengöttin, stellte ihr erscheinen für ihn doch den Inbegriff der Demontage seiner Weltanschauung dar.
Geschätzte acht Minuten später waren Jody, Shana, Walter Skort und Gregor Binder ebenfalls abgeholt und eingetroffen.
„Wir sind jetzt vollzählig“, verkündete Chiron. „Fang an!“
Skort stand etwas weiter entfernt und konnte kaum etwas erkennen, war aber zu neugierig, denn, wann sah man als Professor der Ägyptologie schon mal ei-ne lebende Löwengöttin?
So drängte er sich durch die Umherstehenden und stand schließlich direkt vor Sachmet, schaute auf und sah ihr direkt in die Augen.
„Faszinierend“, kam es begeistert und ehrfurchtsvoll über seine Lippen.
„Hallo, Professor Skort. Ich grüße sie.“
Es verschlug dem Angesprochenen den Atem, er fing an über das ganze Gesicht zu strahlen, besann sich dann aber eines besseren, schaute der Löwin auf die linke Hand und überlegte kurz.
Schließlich hielt er es nicht mehr aus. Er ergriff ihre Hand, die Antermerianerin ließ es verwundert geschehen, und schien dieser einen Kuss aufzudrücken.
„Aber Professor“, entfuhr es Shana. „Sie sind mir ja ein Draufgänger.“
Einige fingen an zu kichern und Skort errötete leicht. „Ich bitte sie, liebe Shana Grant. Diese Gelegenheit habe ich nur einmal. Außerdem wollte ich ihr keinen Handkuss geben, lediglich den Puls fühlen.“
„Was bitte?“, entfuhr es Sachmet.
„Ihren Puls. Ich wollte nur sicher gehen, dass sie echt sind und ich nicht träume.“
„Ich bin echt, da seien sie sich mal ganz sicher.“
„Ja, das habe ich wohl bemerkt. Abgesehen davon habe ich ihnen schon mal die Hand geküsst.“
„Wann haben sie das denn gemacht?“, fragte Jody erstaunt dazwischen.
„Im Museum. Allerdings war es nur eine Statur und es hatte glücklicherweise niemand bemerkt.“ Er errötet etwas mehr.
„Sie … Aber Professor. Sie sind mir ja ein schlimmer Finger.“
„Ich weiß, ich weiß“, kicherte der Alte.
Sachmet konnte sich ein verschmitztes Grinsen nicht verkneifen. „Gut. Dann können wir anfangen und zum Anliegen kommen.“
<„Wir sind ganz Ohr“>, kam Melinas Stimme vom Bildwandlautsprecher.
<„Wir sind keine Götter. Wir sind Antermerianer.
Für die alten Ägypter, die Mayas, die Azteken, die Inkas ward ihr, die Cherit, im späteren Verlauf die Götter.
Das wir vom Äußeren her bei den Ägyptern Götterwesen waren liegt daran, dass wir Anfangs und für euch unbemerkt ebenfalls im Bereich des alten Ägyptens waren. Allerdings waren wir vor euch da, wurden von der präägyptischen Kultur auf einen Thron gehoben, zogen uns aber sehr zeitig zurück aus diesem Gebiet.
Dann kamt ihr aus anderen Erdteilen in dieses aufblühende Land und übernahmt quasi unsere Position. Es handelt sich also am Ende um Fehler in der Sichtweise, der Anwesenheit von uns und euch und späteren Übersetzungs- und Überlieferungsfehlern der Menschen.
Die Cherit waren definitiv vor 2,4 Millionen Jahren zum ersten Mal auf der Erde, erlebten lediglich einen Planeten im weiteren Aufschwung der Säugetiere.
Aber zurück zum Anfang. Wir stammen aus einem anderen Universum und unsere Spezies ist vor 5,6 Mrd. Jahren entstanden. In den frühen Zeiten waren wir genauso wie ihr tätig im Ackerbau und der Viehzucht. Wir durchliefen in unserer Entwicklung einen ganz natürlichen Prozess, welchen man als Evolution bezeichnet.
Später hielt der wissenschaftliche und technische Fortschritt Einzug in unser Leben. Wir machten rasante Fortschritte und erreichten im Zuge dieser Entwicklung Möglichkeiten die vielen bis heute unverständlich sind.
Wir sind in der Lage den Raum extrem zu falten, Subräume zu kreieren, stabil zu halten, wir haben die Möglichkeit unser Universum zu verlassen und in andere vorzudringen, ebenso können wir Dimensionen erschaffen und sie auch reduzieren.“
Die Antermerianerin überlegte kurz, sah Cromwell an und dann zu Chiron, dann zu Skort, welcher, wie auch die anderen, ein sehr verblüfftes Gesicht machten.
Sie fuhr fort: „Ihr Menschen, wie auch die Cherit stehen erst am Anfang dessen, zu begreifen wie ihr eigenes Universum funktioniert. Die Theorien sind richtig, aber noch nicht vollkommen. Alle Universen sind nicht nur stringförmig aufge-baut, jeder String hat für sich eine eigene Frequenz in welcher alle Moleküle gleichmäßig schwingen. Ebenso die temporären Bläschenuniversen.
Daher kann man Objekte sehen und berühren, um es einfach auszudrücken. Wir haben eine Technik entwickelt dies zu ändern. Wir sind in der Lage diese Parameter lokal begrenzt zu ändern und damit lebende und nicht lebende Objekte aus dem bestehenden Gefüge herauszunehmen und damit aus einem Universum heraus in ein anderes zu wechseln und das Ganze durch Modulation der Phasen. Ebenso verschieben wir die eigenen Dimensionen um uns beim Eintritt in ein anderes Universum diesem anpassen zu können. Das eurige ist unserem sehr ähnlich, daher wohl auch das Interesse gewisse Dinge hier ablaufen zu lassen.
Aber zurück zum eigentlichen Ansinnen.
Im Laufe der Zeit mussten wir feststellen, dass wir in unserem Universum, welches übrigens eine temporäre Blase ist, nicht allein sind. Wir trafen auf eine andere Rasse, welche im technologischen Fortschritt uns ebenbürtig schien, jedoch gerade im Bereich der Waffentechnik extrem fortschrittlich war. Diese andere Rasse ist extrem gewalttätig, aggressiv, macht- und blutgierig. Es kam erst zu kleineren Konflikten, später, wie auch gerade aktuell, zu kriegerischen Konflikten.
Diese Auseinandersetzungen blieben bei weitem nicht auf das uns heimische und bekannte Universum beschränkt. Während unser Grundsatz immer war, dass egal was passiert, andere Spezies, Rassen, Völker, gar ganze Sternensyste-me nicht in unsere Konflikte hineingeraten dürfen, war es dieser fremden Spezies vollkommen gleichgültig. So wurden ganze Planeten gesprengt, Sternensysteme zur Hälfte ausgelöscht und fremde Lebensformen, die in ihrer Entwicklung unterlegen waren aus ihren biologischen Prozessen herausgerissen und vernichtet.
Um diesem Treiben Einhalt zu gebieten, mussten wir uns notgedrungen der höheren Waffentechnik widmen, aufrüsten und ebenso gewisse Grenzen über-schreiten. Die Auswirkungen habt ihr alle schon hier vor Ort gesehen und gespürt.
Das Kriegstreiben ging also auch auf euer Universum über.
Dieser Krieg dauert nunmehr seit 250 Millionen Jahren an. Zunächst auf unser Universum begrenzt, fand er einen unangenehmen Höhepunkt in eurer be-kannten Welt und das direkt vor der Haustür der Menschen.“
Cromwell zuckte in diesem Moment zusammen und begann hörbar die Luft aus seinen Lungen entweichen zu lassen. Shana Grant nahm diese Unterbrechung zum Anlass etwas zu murmeln. Es war kaum hörbar, aber Sachmet ver-stand sie ausreichend deutlich.
„Du hast recht“, fuhr die Löwin fort. „Aber das ist nicht die ganze Wahrheit.
Inmitten eines Gefechts, welches vor 64,7 Millionen Jahren stattfand und sich zwischen einer unserer Kampfinseln und einem verfeindeten Systemvernichter abspielte, verschob der Angreifer die Phasen, glich sie eurem Universum an, erfasste unsere Kampfinsel dabei und tauchte direkt zwischen Mars und Jupiter auf. Leider war dieser Transfer in der Kürze entstanden und hatte weitreichende Folgen.
Wir materialisierten also inmitten des Asteroidengürtels. Während der Vernichter des Feindes den Rand streifte, wurde unsere Insel direkt in den Gürtel versetzt und kollidierte mit einem der größten Felsbrocken.
Die Folgen dürften euch fast hinlänglich bekannt sein, allein schon anhand der temporären Angabe.“
Shana knirschte mit den Zähnen. „Das Aussterben der Dinosaurier“, platzte es aus ihr heraus.
Sachmet nickte und schaute nicht begeistert. „Aber nicht nur das. Unsere Kampfinsel wurde durch diese Kollision extrem schwer beschädigt. Bar jeder Möglichkeit zum manövrieren, raste sie gemeinsam mit dem durch den Aufprall in zwei Teile gespaltenen Asteroiden auf die Erde und den Mars zu.
Um eine komplette Auslöschung allen möglichen Lebens in diesem System zu verhindern, entschloss sie die Besatzung zum finalen Schritt. Die Insel musste gesprengt, ebenso der Systemvernichter in einen kampfunfähigen Zustand versetzt werden. Es gelang.
Nach der Detonation flogen die größten Trümmer an der Erde vorbei, kleinere Teile verglühten in der Atmosphäre. Leider wurde der Asteroid nochmals gespalten, ebenso wurde der Systemvernichter nicht nur kampfunfähig, sondern leider auch in seiner Manövrierfähigkeit schwer angeschlagen.
So rasten unaufhaltbar drei große Objekte auf die inneren Planeten des menschlichen Sonnensystems zu.
Während der größte Teil des Asteroiden sich auf einen direkten Kurs zum Mars machte und letztendlich dort einschlug, eventuell aufkeimendes Leben vernichtete, machten sich der Rest des selbigen und auch der Systemvernichter auf den Weg zur Erde.
Wie durch ein Wunder, zerbrach durch plötzlich auftretende Zerrkräfte das Schiff des Feindes. Der größte Teil raste sehr knapp an der Erde vorbei. Der kleinere Teil wurde etwas vom Kurs abgelenkt.
Der Asteroidenrest schlug direkt auf der Erdoberfläche ein und sorgte somit vor 64,7 Millionen Jahren für das Aussterben der bis dahin dominanten Spezies und sorgte für den Aufbruch und Siegeszug der Säugetiere.
Wenige Jahrhunderte später schlug der Rest des Systemvernichters ebenfalls auf der Erde ein. Allerdings waren die Folgen nicht so gravierend.“
Cromwell versuchte die Fassung zu wahren. „Das ergibt alles einen Sinn und passt sogar in unsere Erkenntnisse, wenn auch die Ursachen eher auf ein natürliches Ereignis angepasst waren.“
Skort verdaute die Informationen und fragte: „Wo genau ging der Rest dieses Systemvernichters nieder?“
Die Löwengöttin oder besser gesagt, die Antermerianerin nickte kurz. „Eine sehr gute Frage, Mister Skort. Der Rest liegt unter dem Eis.“
„Unter dem Eis?“
„Zwei Kilometer im Erdboden und wenn man die Stärke des Eises darüber mit einbezieht, dann fünf Kilometer tief.“
„Der Rand der Antarktis?“
„Richtig.“
„Woher aber wisst ihr das? Ach ja, ich vergaß. Ihr wart ja schon des Öfteren auf unserem Planeten.“
„Sehr richtig.“
„Ich hoffe nicht, dass ihr etwas mit Roswell zu habt?“, ging Cromwell aufgebracht dazwischen. „Denn das würde jetzt alles was wir im Konzil an Daten gesammelt hatten auf den Müll werfen.“
„Mister Cromwell. Da muss ich sie leider schwer enttäuschen. Wir hatten sehr wohl etwas mit Roswell und anderen Vorfällen zu tun. Allerdings waren es nur kleinere, sehr viel kleinere Forschungsschiffe, welche ihrerseits auch nur mit gezüchteten Drohnen besetzt waren.“
„NEIN! Das kann nicht wahr sein. Das gibt es nicht. Das heißt also, dass ihr unsere Entwicklung die ganze verdammte Zeit über beobachtet habt?“
„Genauso ist es. Aber es hatte keinen vergnüglichen Charakter. Zwei Kampfinseln liegen permanent am Rande des Asteroidengürtels und umkreisen eure Sonne schon seit 20 Millionen Jahren. Es sind Generationenschiffe die ständig mit Materialien aus dem Asteroidengürtel versorgt werden, mit Wasser von den Jupitermonden, Edelgasen von Jupiter selbst und ganz unauffällig der Rotation der Asteroiden folgen. Generationen von Klonen der unterschiedlichsten Arten.
Wir mussten die ganze Zeit über damit rechnen, dass der Feind alle Hebel in Bewegung setzen würde, um sein verschwundenes Schiff zu finden und wäre dabei unweigerlich über euch gestolpert.“
„Das glaube ich einfach nicht“, flüsterte Jody. „Jetzt ergibt alles einen Sinn, alle Ereignisse sind plötzlich logisch. Aber warum habt ihr die Drohnen geschickt, was sollten die finden? Und warum umkreist ihr die Sonne?“
„Wir waren uns bei der Absturzstelle nicht zu hundert Prozent sicher.“
„Aber warum dann das Versteckspiel?“
„Überlegt doch mal selbst?“
Cromwell gab die Antwort. „Weil sie bei ihrem direkten Auftauchen mehrere Dinge in Gang gesetzt hätten.
Erstens: Sie hätten sich in unsere Entwicklung eingemischt, was sie nicht wollten.
Zweitens: Sie hätten die auf der Erde bestehenden Religionen ad absurdum geführt.
Drittens: Sie hätten damit für Chaos gesorgt und die Menschheit in einen Krieg gestürzt oder vielleicht sogar in eine Religionszeit katapultiert die tau-sende von Jahren zurückliegt.
Viertens: Unsere Zeigefinger sind viel zu lose. Wenn da zwei Kampfinseln gigantischen Ausmaßes vor der Erde aufgetaucht wären, dann wäre es einer Vernichtung gleich gekommen. Wir waren die ganze Zeit nicht reif dafür.“
„Sehr gut, Mister Cromwell“, intonierte Sachmet erfreut. „Ich sehe, sie sind lern-fähig, einsichtig und doch nicht so verbohrt. Wenn selbst sie sich ändern können und scheinbar zur Vernunft gekommen sind, dann sollte der Rest der Menschheit auch dazu in der Lage sein.“
„Na ja, wie man es nimmt. Aber Colateralschäden wird es geben. Die gab es immer.“
„Damit müssen wir alle leben und umgehen.“
<„Nun gut“>, kam es von Drekal via Wandschirm. <„Wie geht es jetzt weiter?“>
„Ja. Dazu komme ich jetzt. Die Re-harachte, Horem-hab und Nephtys sind be-reits in der Umlaufbahn um den Mond Cyndra. Sie werden landen und technisch aufgerüstet.
Der Umbau wird etwa sechs Monate in Anspruch nehmen. Die Osiris und Amun-Re bleiben in einer Umlaufbahn um den Planeten Genro und werden ihn absichern. Die Ra-em war schon einmal im irdischen Sonnensystem und wird es wieder aufsuchen. Allerdings wird der Cheritkreuzer sich zunächst zum Asteroidengürtel begeben und dort an einer der Kampfinseln andocken.
Alles Weitere wird dann dort besprochen. Die Chafren, welche schon mal Kontakt zur Erde hatten, werden auf der Ra-em mitfliegen. Unsere Armee an Waffenträgern wird vor dem Abflug zur Erde auf die drei zuvor umgebauten und erweiterten Kreuzer anteilig verladen.
Leider müssen wir uns notgedrungen zu erkennen geben und einen unweigerlichen Prozess in der weiteren Menschheitsentwicklung in Gang setzen.“
Cromwell schaute nicht begeistert, ebenso starrten Skort, Binder, Grant und Thorn ins Leere und seufzten.
<„Tja, das hört sich doch nach einem Plan an“>, rief Captain Seth begeistert. <„Lasst es uns tun. Ich bin schon ganz begierig darauf die Erde kennenzulernen.“>
<„Warts gefälligst ab“>, schnaubte Melina dazwischen.
„Gut“, hub Sachmet an. „Dann ist die Richtung vorgegeben. Anubis, du gibst Captain Drekal bitte die neuen Umlaufkoordinaten für die Ra-em. Thot und Maahes, ihr bleibt auf den Brücken der Nephtys und Horem-hab, gebt den Captains die Landekoordinaten. Ich werde mich zu Captain Seth begeben und die korrekte Landung auf Cyndra leiten.
Startpunkt ist sofort, wir haben viel zu tun und die Zeit drängt. Auf geht's!“, sprach's die Löwin und ward schlagartig in der Mitte des Computerraums der Ebene -6 verschwunden und neben Captain Seth aufgetaucht.
„Schnell sind sie. Das muss man ihnen lassen“, gab Skort verblüfft von sich.
„Technik die begeistert“, murmelte Hadron.
Die Verbindung wurde getrennt und die Chafren sahen sich fragend an, ebenso waren die Menschen zunächst sprachlos.
„Was haltet ihr davon?“, fragte Cyron frei heraus.
„Tja. Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass wir jetzt nicht nur in einem Kampf sind, sondern direkt in einen Krieg ziehen“, warf Jody ihre Gedanken in die Runde.
„Genau“, entgegnete Cyron. „Ich habe Lust auf einen kleinen Waldspaziergang. Ich brauche dringend mal frische Luft.“
Mehr sagte er nicht, sein Blick sprach Bände und er deutete mit dem Zeigefinger nacheinander auf Chiron, Tarja, Stella, Hadron, Andrew, Sandra, dann auf Cromwell, Shana und Jody. Anschließend drehte er sich um, begab sich zur offenen Tür des Computerraumes, betrat den Gang der Ebene -6, sah sich kurz um, schaute zurück und gab mit der Hand das Zeichen, dass diese neun ihm folgen und nichts sagen sollten.
Als die sieben Chafren und drei Menschen auf dem Weg durch die Station waren, schaute Skort fragend zu Kira. „Was sollte das denn?“
„Er wird seine Gründe haben und frische Luft tut immer gut“, beantwortete die Luchsin die Frage und legte einen Zeigefinger auf die Lippen.
Skort verstand was sie meinte und nickte nur.
Vor der Station angekommen, ging die Gruppe zielstrebig zum Waldrand, verließ das Gelände und tauchte einem kleinen Pfad folgend, im dichten Grün unter.
„Kannst du jetzt erklären, warum wir die Station verlassen haben?“, fragte Sandra frei heraus.
„Genau! Was soll diese konspirative Gruppenbildung?“ Cromwell war mehr als irritiert, zumal er auch hinaus gebeten wurde und nicht zwangsweise mitgeschleppt.
„Ganz einfach“, begann Cyron. „Hier stimmt was nicht.“
„Bitte nicht schon wieder eines deiner Bauchgefühle“, warf Stella ein.
„Diesmal ist es nicht nur ein Bauchgefühl. Es sind Fakten die sich da aneinanderreihen.“
„Dann schieß mal los“, munterte Andrew ihn auf.
„Gut. Wir sind hier draußen, weil es mir in der Station zu ungemütlich wird. Die Wände haben Ohren und Augen.“
„Du meinst die Antermerianer?“
„Genau darauf will ich hinaus. Ich fühle mich beobachtet und rund um die Uhr kontrolliert. Egal was wir tun, wir müssen davon ausgehen, dass die alles sehen und hören.“
„Um was genau geht es?“, fragte Jody dazwischen.
„Da gebe ich auch dir mal eine Denkaufgabe…. Was passiert, wenn wir zur Erde kommen? Bedenke bitte, dass es die Ra-em sein wird, welche direkt zur Erde steuert. Die anderen vier Kreuzer, wenn ich vom fünften, welcher hier bleiben wird, absehe, docken an zwei Kampfinseln an. Diese befinden sich seit Urzeiten im irdischen Sonnensystem, kennen quasi jeden Schritt der Menschen, jeden Stein des Systems. Diese vier Kreuzer sind technisch, vor allem in der Waffentechnik, extrem hoch aufgerüstet. Die Menschheit kennt nichts vergleichbares und ist förmlich ausgeliefert.“
„Du meinst, dass wir in Wirklichkeit und lächelnd dem Feind helfen?“, fragte Hadron.
„Genau das. Es gibt genau zwei Varianten was passieren kann.
Die erste wäre: Die vier umgerüsteten Kreuzer docken an den Kampfinseln an, die Ra-em und damit auch wir, schwenken in eine Umlaufbahn um die Erde ein. Wir landen, geben uns zu erkennen, werden begrüßt und bereiten die Menschheit auf die Ankunft der Antermerianer vor.
Alles läuft wie geschmiert. Die Antermerianer kommen an, schwenken um die Erde ein, landen ebenfalls und die Menschheit wird auf einen bewaffneten Konflikt mit Unbekannten eingestimmt und aufgerüstet. Das wäre die günstigste und schönste Lösung.“
„Und die zweite?“, fragte Shana.
„Die zweite wäre der Supergau“, entfuhr es Cromwell. „Ich kann mir denken worauf er hinaus will.“
Cyron nickte und zeigte auf Cromwell. „Er kann mir folgen.“
„Ja. Es wäre eine totale Vernichtung der Menschheit, der Cherit und Chafren“, intonierte der.
„Wie das?“, rief Sandra entsetzt.
„Was ist, wenn das alles ein Ränkespiel ist? Ein Duell zwischen verfeindeten Antermerianergruppen? Wir sind nur Mittel zum Zweck. Was ist, wenn diese Antermerianer ihren Götterstatus auf der Erde wieder haben wollen und die Menschheit wieder zurück ins alte Ägypten katapultieren?“
„Du meinst …?“, setzte Sandra an.
Jody kaute kurz auf der Unterlippe und hub an: „... Richtig. Die Schiffe werden aufgerüstet, umgebaut und alles mögliche wird verändert. Dann ziehen wir los.
Die Ra-em ist um die Erde eingeschwenkt. Die Anthros landen und besonders wir furries werden begeistert sein. Das perfekte Manöver, um zumindest einen kleinen Teil der Menschheit einzulullen. Jeder wird es toll finden, wenn da eine große Masse an aufrechtgehenden Plüschtieren durch die Gegend rennt und die Menge der Anhänger wird wahrscheinlich anwachsen. Alles ist wie im Freudentaumel. Na ja, fast alles. Dann, wenn alles im Dornröschenschlaf ist, tauchen die angekündigten Kampfinseln der Antermerianer auf, schwenken ebenfalls in die Umlaufbahnen ein und nehmen die Oberfläche unter Beschuss. Keiner kann entkommen, das Erwachen der Menschen kommt zu spät. Die Antermerianer landen und alles was nicht auf ihrer Seite ist wird unter Beschuss genommen. Die Götter sind zurück.“
„Aber, da hätten wir auch noch ein Wörtchen mitzureden“, begann Tarja. „Immerhin sind vier Kreuzer der Cherit auch noch dabei.“
Apophis gab eine knappe Antwort. „Ja und die sind waffentechnisch extrem hoch aufgerüstet. Die Frage die da kommt ist: Steuern die Captains der Schiffe diese Waffen oder sind diese so konstruiert, dass sie den Steuerbefehlen der Antermerianer gehorchen?“
„Das würde eine Apokalypse bedeuten!“ Shana war das Entsetzen ins Gesicht geschrieben.
Cromwell wurde blass. „Wenn die zweite Variante zutrifft, dann kommen wir nicht mehr heraus, dann ist die Katastrophe vorprogrammiert. Selbst bei der ersten wird es fast unmöglich auszusteigen. Außerdem kommt hinzu, dass es die etablierten Religionen, besonders das Christentum und der Islam, nicht so einfach hinnehmen werden.“
„Daran dachte ich jetzt gar nicht, aber danke für einen weiteren Fakt, Mister Cromwell.“
„Aber gerne doch.“
Cyron schaute ihn, aufgrund des letzten Satzes, etwas schief an und sein Blick verriet eher den Gedanken: Verarschen kann ich mich allein.
Die Ra-em zündete in diesem Moment die Schubtriebwerke, die Umlaufbahn um Genro erweiterte sich langsam, der Oberflächenbereich den das Schiff über längere Zeit im Auge behalten konnte, vergrößerte sich merklich.
„Gut. Captain, stellen sie den Umlauf so ein, dass er nicht synchron mit der Rotation des Planeten ist“, empfahl Anubis, nickte kurz und verschwand von der Brücke.
Drekal sah sich um, setzte sich wieder in ihren Sessel, schaute auf den Daten-monitor und lehnte sich zurück. „Sieht ja alles normal aus.“
Auf der Re-harachte stand nunmehr Sachmet und nicht mehr Sobek neben Captain Seth und beobachtete derweil wie das Schiff, ebenso die Nephtys, Osiris und Horem-hab den stabilen Orbit um den Mond Cyndra verließen und langsam Richtung Oberfläche schwebten.
Auf Cyndra selbst saß Seth in der dortigen Kommandozentrale der Anlage und verfolgte die Lande- und Korrekturmanöver.
Die Tür öffnete sich unter leisem Summen und Isis trat ein.
„Hallo Commander“, grüßte Seth die Eintretende.
„Hallo Officer. Wie läuft es?“
„Bisher alles sehr gut.“
„Hat Sachmet unsere Pläne und die Historie gut vermittelt?“
„Wie es scheint, ja“, entgegnete Seth.
„Meinst du, dass die Chafren misstrauisch werden könnten?“
„Selbst wenn, bevor die merken um was es eigentlich geht und wer der wahre Feind ist, ist alles schon so gut wie gelaufen“, schnaubte Seth lapidar.
„Dein Vertrauen möchte ich haben“, seufzte Isis.
„Was meinst du? Was hätten wir sonst sagen sollen?“
„Die ganze Wahrheit?“
„Und hoffen, dass sie den riesigen Brocken schlucken und uns dann immer noch vertrauen?“, schnaubte Seth.
„Ja oder hältst du es für eine gute Idee ihnen die Hälfte der Wahrheit zu verschweigen?“
„In diesem Fall schon. Ich glaube nicht, dass sie Verständnis dafür haben, wenn bekannt würde das wir uns in einem Krieg mit der eigenen Spezies befinden.“
„Die eigene Spezies? Das ich nicht lache. Du meinst wohl eher die Abweichler. Diejenigen, die auf der Erde die alten Religionen, auch die mit Blutopfern wieder auferstehen lassen wollen, diejenigen, die die Menschheit als Sklaven behandeln wollen, wie auch die Chafren und Cherit. Die uns aus dem Weg räumen wollen, damit sie keiner mehr daran hindern kann?“, Isis kaute missmutig Luft.
„Selbst wenn wir jetzt die ganze Wahrheit sagen würden. Es wäre falsch. Es wäre falsch ihnen zu sagen, dass es eine Strömung innerhalb unserer Art gibt, innerhalb der ach so integren Antermerianer. Eine Strömung die keine Moral, keine ethischen Grundsätze kennt und der fremdes Leben, egal in welcher Form, vollkommen egal ist.“
„Die Menschen kennen solche Strömungen und würden es bestimmt verstehen“, gab Isis zu bedenken.
Seth schnaubte verächtlich. „Mir machen weniger die Menschen Sorgen, mehr sorgen mich die Chafren.“
„Inwiefern?“
„Sie haben verdammt viel durch gemacht. Jeder falsche Schritt könnte sie zerbrechen. Abgesehen davon ist es ein verdammter Klotz, wenn man plötzlich er-fährt, dass man sein eigenes Universum und auch noch andere gleichzeitig retten soll.“
„Oh, Officer Seth wird sensibel“, witzelte Isis.
„Die Chafren sind der Schlüssel. Die Menschen werden ihnen vertrauen. Nur über sie können wir die Menschheit vorbereiten. Vor allem ist das Kind, was diese Jody Thorn in sich trägt, von enormer Bedeutung.“
Isis nickte. „Das stimmt, es ist einer der unseren.“
„Ja, Apophis ist mit seiner DNS der erste Schlüssel.“
„Was ist mit Zeus?“
„Was soll mit dem schwarzen Einhornhengst sein?“
„Weiß er schon was er ist?“
„Nein. So wie mein Stand der Dinge ist, ist er mit einer Schneeleopardin namens Samantha gerade beschäftigt.“
„Dann soll er sich erstmal mit ihr austoben. Er wird schon merken, wenn es soweit ist, warum er sich auf den Weg machte.“
„Soll ich dir mal was sagen?“, hub Isis an. „Das ganze ist gerade eine ganz üble Meinungs- und Gedankenmanipulation.“
„Belasse es dabei und bleib ruhig. Wir werden zu gegebener Zeit wohl eh die Hosen herunterlassen müssen.“
„Ich würde es lieber jetzt tun.“
„Wenn du meinst. Du bist der Commander. Bin nur gespannt wie du das anstellen willst.“
„Ich gehe auf den Planeten. Außerdem sollten die sich dringend von Sabeth fern halten. Wie ich im Hintergrund mitbekam, sind diese Kampfanthros im Tunnel unterwegs. Finden werden die nicht viel, könnten aber unpassenden Schaden anrichten.“
„Mach was du für richtig hältst“, sagte Seth noch und vergrub sein Gesicht in der Linken.
Die Kampfanthros waren sehr weit in den Tunnel vorgedrungen und fanden nichts weiter. Der zuvor gemachte Fund war, wie der Tunnel selbst, eine Sackgasse.
„Ich glaube, dass wir umdrehen können“, seufzte Tripal.
„Ja. Es ist eindeutig eine Sackgasse“, erwiderte Sadral.
Sie standen am Ende und vor einer lückenlosen Wand.
„Sieht fast so aus“, begann Menkalina, „als ob der Plan den Kira auf dem Schirm aufgerufen hatte nicht die Realität darstellte, sondern eher das was man vor hatte.“
„Und dann hatte es den Sinn verloren?“
„Eben. Was ist, wenn der Tunnel mal einen Sinn erfüllen sollte, man begann ihn zu bauen, aber setzte die Arbeiten nicht fort?“
„Welchen Sinn sollte er aber erfüllen, wenn man begann, nicht fortsetzte und ihn dann sogar noch mit einem Tarnfeld schützte?“
„Das werden wir wohl nie herausfinden.“
„Oder die Erklärung ist ganz einfach und es sollte nach Fertigstellung ein Fluchttunnel werden. Aber der Alarmzustand der Basis und der damit verbundene Einsatz der Kampfroboter und Messerdrohnen kam dem Ganzen zuvor.“
„Das klingt nach einer extrem logischen Erklärung und die nehmen wir jetzt mal als gegeben. Los Leute, wir gehen wieder zurück und in die Station.“
Sie drehten also um und machten sich auf den Rückmarsch.
„Mich würde trotzdem interessieren, vor wem oder was die Stationsbewohner flüchten wollten. Was hat sie zum Bau veranlasst? Ich meine, es baut doch keiner aus Langeweile einen Tunnel der am Ende eine Strecke von 220 Kilometern umfassen würde“, gab Tripal zu bedenken.
„Was ist aber, wenn es nicht die Menschen waren, die diesen Tunnel bauten. Eher fanden sie ihn und versiegelten ihn, damit was immer darin sein würde, nicht herauskommt?“
„Du spielst auf den wirren Funkspruch eines Erkundungsteams an?“
„Genau darauf ziele ich ab. Das Team ging rein, fand etwas, der Funkspruch ging raus und in Panik versiegelte man den Tunnel mit einer Nanowand und einem Tarnfeld.“
„Auf das nie wieder jemand diesen Bereich betritt, geschweige denn findet.“
„Richtig! Und dieser Alarm, der die ganze Sicherheitsmaschinerie in Gang brachte, war vielleicht aus diesem Tunnel heraus geboren.“
„Dieser Planet steckt voller Überraschungen und Rätsel. Eine Antwort ergibt zwei Fragen. Eine Frage kann mit drei Erklärungen umschrieben werden, aber nicht beantwortet.
Was hier wirklich vor sich ging, werden wir wohl nie erfahren. Dazu ist es einerseits zu lange her, andererseits gibt es zu viele falsche Informationen und wenn es die gibt, dann sie so bruchstückhaft, dass es einem unlösbaren Puzzle gleicht.
Außerdem schien die rechte Hand nicht zu wissen was die linke tat. Also wurden nicht nur Falschinformationen gezielt gestreut, sondern es entstanden zu-dem durch Unwissenheit Gerüchte, welche sich zusätzlich festsetzten und alles vollkommen verwässerten“, schloss Sadral ab und setzte seinen Rückweg fort.