Kapitel 38
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Kapitel 38
keine Panik
Der Verlust der privaten Kleinarmee, der vier Agenten des CIA, der vier Polarforscher im Vorfeld, dann auch die schnelle Annäherung der zwei unbekannten gigantischen Raumfahrzeuge aus dem Asteroidengürtel heraus und die ohnehin schon angespannte Situation unter der Weltbevölkerung, waren Anlass genug das Militär zur Zusammenarbeit zu bewegen und global den Zustand Defcon3 auszurufen.
In allen Staaten wurde das Boden-, See- und auch das Luftpersonal in den verstärkten Alarmzustand versetzt.
Die Bevölkerungen wurden aufgefordert normal ihrem Alltag nachzugehen, da keine akute Gefahr bestand. Es wurde davon abgeraten unsinnige Noteinkäufe zu tätigen oder in eine unkontrollierte Hysterie zu fallen.
Im Großen und Ganzen funktionierte das auch relativ gut, wenn auch im Hintergrund immer die Ungewissheit schwebte. An der Börse wurde etwas vor-sichtiger spekuliert, Kredite wurde nur noch sehr spärlich vergeben und ebenso zurückhaltend aufgenommen. Klar, wusste doch keiner was in wenigen Monaten passieren würde. Was enorm zu legte, war der Abschluss von Lebensversicherungen, selbst für das eigene Haustier.
Die Endzeitsekten hatten eine leichte Steigerung im Zulauf, aber der hielt sich, im Gegensatz zu den Prognosen, noch in Grenzen.
Verteidigungsminister Smithers saß in einer Maschine und war auf dem Flug nach Moskau, um sich mit seinem Amtskollegen Belrukin zu treffen. Immerhin kam er nicht ganz mit leeren Händen und hatte sogar Papiere des CIA dabei, welcher nach dem plötzlichen Verlust von vier seiner Top-Agenten sehr gesprächig geworden war.
Zwei Stunden später landete er auf dem Flugfeld von Putinowsk, einem in die Jahre gekommenen Luft- und Raumfahrthafen, welchen ein ehemaliger russischer Präsident aus der Taufe gehoben hatte und vor knapp zweihundert Jahren noch relativ modern gewesen war. Heute waren seine Ausmaße zwar immer noch pompös, aber der Lack sprichwörtlich ab.
„Guten Abend, Mister Smithers!“, begann ein ältlich wirkender Russe, welcher ihm gegenüberstand und in Empfang nahm.
„Guten Abend! Mit wem habe ich die Ehre?“
„Mein Name ist Prokanowski, ich bin Belrukins Adjutant. Hätten sie die Freundlichkeit mich zu begleiten?“
„Sehr gern. Ich mag es nicht zu warten und andere warten zulassen.“
„Eine sehr gute Eigenschaft, vor allem in dieser Situation.“
Beide nickten sich zu und verließen das Terminal, bestiegen einen gepanzerten, an einen altertümlichen Luxus-GMC erinnernden, Gleiter und jagten in Richtung des Verteidigungsministeriums.
Auf Genro war derweil absolute Stille eingezogen. Bis auf den Inhalt der Diskussionen und anderer Dialoge, erinnerte nichts mehr an die teilweise beunruhigenden Ereignis, welche erst kürzlich geschehen waren.
Aldos Wirtshaus war gut besucht und Pathenon, Shiva, Hylas und Hargot saßen an einem Tisch und hüllten sich mehr oder weniger in Schweigen.
„Hoffentlich geht das gut“, murmelte Hylas vor sich hin.
„Natürlich wird es das. Immerhin ist das Ziel ihrer Reise nicht unbekannt“, entgegnete Shiva.
„Ich weiß nicht. Es ist nicht das Gleiche.“
„Oh doch, auch, wenn es anders erscheinen mag. Immerhin wissen die Menschen mittlerweile, dass wir existieren. Davon konnte man nach über sechshundert Jahren zuvor, nicht ausgehen. Und beim ersten Eintreffen unserer Freunde vor fünf Jahren, gab es nur sehr wenige, die Notiz davon nahmen und noch weniger, die sich feindselig verhielten.“
„Das stimmt zwar, aber begeistert wird trotzdem niemand sein.“
„Egal, jetzt sind sie auf dem Weg und werden zurückkehren“, schloss Pathenon die sinnlose Diskussion ab.
Osiris lief im Administratorenstand hin und her, schaute von einem Monitor zum anderen. Irgendwas wollte er tun, wusste aber nicht was. Irgendetwas musste geschehen. Die Menschen auf der Erde sollten die beiden Kampfinseln schon längst bemerkt haben und die Tage vergingen zäh, aber sie vergingen und die Entfernung schrumpfte spürbar.
Was ihn beunruhigte war die tödliche Stille. Es herrschte rege, aber vollkommen geordnete Betriebsamkeit auf der Byblon und ebenso auch auf der Atikon, was aber fehlte, war irgendeine Reaktion von der Erde. Vor allem nachdem auf rätselhafte Art und Weise ein Forschungsschiff derer einfach so verschwand. Irgendetwas hätte sich, nach ihrem Start in Richtung des Planeten, tun müssen. Aber es geschah nichts.
Und so entschied er, dass es weiterhin ruhig bleiben sollte.
Auf Cyndra waren die Umbauarbeiten abgeschlossen und die Verladung der Verteidigungsskorpione begann.
Einer nach dem Anderen betrat zunächst die Re-harachte, dann die Horem-hab, die Osiris und ebenso die Nephtys und die Amun-Re. Die schweren Schritte der Cyborgs hallten durch die Gänge, Hangars und Frachträume der Schiffe. Ein unaufhörliches Geklapper und Geklacke von Achtbeinern erfüllte die Atmosphäre, bis der erste sein Ziel erreichte und sich in einer Ecke des Frachtraumes positionierte, um den nachfolgenden die korrekte Aufstellung vorzugeben. So begann sich der erste Frachtraum nach und nach zu füllen, wobei die komplette Verladung Stunden in Anspruch nehmen würde.
Auf der Ra-em saßen Jody und Apophis in ihrem Quartier und spielten mit ihrer kleinen Tochter. Ihr kleiner rothaariger Wirbelwind krabbelte sehr selbständig über den Boden und umfasste Jodys Fuß, zog daran, um anzukündigen, dass sie das Bedürfnis hat, auf den Arm genommen zu werden. Ihre Mutter reagierte natürlich, nahm sie hoch und setzte sie auf ihren Schoß.
Apophis hatte ein Grinsen auf dem Gesicht, wie aus Stein gemeißelt und nach einer Überdosis eines unbekannten Krautes. Egal was das auch sein sollte, er sollte es nicht mehr nehmen.
Jody sah derweil ihre Tochter an und tippte ihr auf die Nase. „Sag mal, Mama.“
Die Kleine schaute sie verständnislos an und hielt dann den Kopf schief. Plötzlich tippte sie auf ihre Nasenspitze und sagte schwach und mehr plappernd: „Zoya.“
Apophis hob die Augenbrauen hoch und starrte seine Partnerin an. „Das glaube ich jetzt nicht.“
Er tippte Zoya auf die Nase und dann auf seine. „Apophis.“
Die Kleine sah ihn an und wiederholte ihren Namen, dann zeigte sie auf den Säbelzahnkater und sagte: „Papa.“ Anschließend schaute sie zu Jody und wiederholte den Vorgang mit: „Mama.“
„Da spielen wohl die Antermerianergene in den Uraltvorfahren eine bedeutsame Rolle.“
„Wenn die älter ist, dann zickt sie hoffentlich nur gelegentlich. Ansonsten sehe ich schwarz für uns und unsere Autorität“, merkte Jody an und seufzte leise.
„Keine Angst. Ich glaube nicht, dass sie soooo schwierig wird.“
„Nein, bestimmt nicht. Sie wird noch schwieriger. Sie kommt dann wohl eher nach mir“, gab Jody zu bedenken.
Apophis lachte auf.
Die Tage und Wochen verstrichen, in denen auf allen Seiten nichts bedeutsames geschah.
Die Ra-em legte ihren Weg von Genro zur Erde im Subraum ohne Zwischen-fälle zurück, verließ zweimal den Subraum, überprüfte sicherheitshalber die Koordinaten, korrigierte unwesentlich den Kurs und war wieder im Subraum verschwunden. An Bord war es ruhig und friedlich, lediglich Zoya hatte extrem schnelle Entwicklungsfortschritte gemacht und Laufen gelernt, begann immer mehr Worte zu plappern und hielt ihre Eltern auf Trab.
Osiris war mit den Kampfinseln als amtierender Administrator zur Erde vorgerückt und hatte die Umlaufbahn des irdischen Trabanten erreicht, ließ die Annäherungsgeschwindigkeit reduzieren und wollte den Bewohnern des Planeten somit deutlich machen, dass er keine kriegerischen Absichten verfolgte.
Die Waffenträgerskorpione waren auf die fünf zurückgebliebenen Subraumkreuzer verladen und alle nunmehr ebenfalls auf dem Weg zur Erde.
Hier war es jedoch nicht so ruhig, sondern es herrschte immer wieder Hektik und das war nicht allein dem beständigen Gelbalarm geschuldet.
Immer wieder gab es Aussetzer im Subraumfeld und die Kreuzer waren mehrfach gezwungen in den Normalraum zurückzukehren. Zweimal musste der Kurs extrem stark korrigiert werden. Keiner der Anwesenden, selbst die Antermerianer, vermuteten dahinter einen künstlichen Ursprung, sondern schoben es auf die Generatoren zur Felderzeugung und die in Eile abgeschlossenen Umbauarbeiten. Es war halt keine Normalität, dass Schiffe, welche erst vor kurzem in Dienst gestellt, plötzlich einer Art Kernsanierung unterzogen wurden und selbst die Captains immer wieder erstaunt waren, wenn sie einige Ecken ihrer Kreuzer nicht wieder erkannten.
Die Tableaus auf der Brücke waren teilweise gravierend verändert und durch zahlreiche neue ergänzt oder ersetzt worden. Die Brückencrew hatte sich schwerlich daran gewöhnen müssen und suchte teilweise noch die eine oder andere Funktion.
Auf der Erde waren die Streitkräfte aller Systeme in Alarmbereitschaft, aber es herrschte trotzdem kein nennenswertes Chaos, selbst die normale Bevölkerung hatte sich daran gewöhnt, dass sich da von außen etwas gigantisches näherte und anschickte in eine Erdumlaufbahn einzuschwenken.
Lediglich die Abtrünnigen waren nicht nur unruhig, sondern fletschten geradezu die Zähne. Sie näherten sich ebenfalls unaufhaltsam der Erde und würden in Kürze in das irdische Solarsystem eindringen, zumindest waren die äußeren Planeten auf den Scannern schon deutlicher zu erkennen. Die Waffen des Systemvernichters waren geladen und aktiviert. Fremde Subraumkorridore wurden erkannt, gescannt und aktiv beeinflusst, um deren Inhalt, egal um was es sich auch handeln mochte, zu stören und einen Verlust der Feldstabilität herbeizuführen. Nichts und niemand sollte sie bei der Inbesitznahme der Erde stören. Nichts sollte den selbsternannten Göttern in die Quere kommen. Der Marduk-Klon und leitender Commander Cratoul wollte den entscheidenden Moment auskosten.