Kapitel 15
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Kapitel 15
der Cherit
Wie angekündigt machte sich über Nacht ein Konvoi, bestehend aus acht Militärfahrzeugen von Prescott in südwestlicher Richtung auf den Weg nach Flagstaff. In der vorgenannten Kleinstadt hatte man abseits und in einer unauffälligen Holzhütte den gefangenen Cherit festgesetzt und es erfolgreich geschafft die komplette Aktion unbemerkt in die Wege zu leiten. Der ursprüngliche Plan sah zwar vor, dass man ihn mit Helicoptern abtransportieren wollte, verwarf dies jedoch kurzfristig und ohne es groß anzukündigen, da gewisse Vorfälle in jüngster Vergangenheit die Vermutung nahe legten, dass es innerhalb der informierten Kreise eine undichte Stelle geben könnte.
Unter schwerster Bewachung wurde der Anthro-Esel in einen Jeep verfrachtet und nach Flagstaff verbracht, wo wiederum ein weiterer Konvoi wartete und ihn in Empfang nahm. Nach sieben Stunden und leicht hinter dem angegebenen Zeitplan hinterherhinkend wurde der Gefangene um 0422 innerhalb der Genetik-Forschungsanlage im Grand Canyon abgeliefert.
Professor Walner hatte es im Bett nicht ausgehalten und war höchstpersönlich vor Ort um ihn weiter in das Innere zu begleiten. Wie von Krondal gefordert, wurde er nicht in einen der früher benutzten Kuben gesperrt, sondern erhielt eine sehr zuvorkommende Behandlung in Form eines spartanisch ausgestatteten Soldatenzimmers, mit typischem Feldbett, einem Spind und einer Standard-Nasszelle.
Nachdem er das Quartier zwangsweise bezogen hatte, ließ man ihn allein und postierte vor seiner Tür sechs schwerbewaffnete Soldaten, denn sicher war sicher und ein Verlust des Gastes nicht erwünscht.
„So, Miss Crafter“, hub Walner an, „Wie es aussieht haben wir ab sofort einiges zu tun.“
„Ja. Ich habe unseren Gast schon auf den Videobildschirmen gesehen“, entgegnete sie.
„Was hast du für einen Eindruck von ihm?“, hinterfragte der leitende Wissenschaftler.
„Worauf willst du hinaus?“
„Ich meine, was er in deinen Augen ausstrahlt? Macht er eher einen versteckt aggressiven Eindruck oder eher den eines Forschers?“
„Kommen dir Zweifel an der Richtigkeit unseres Tuns?“
„Mitnichten. Aber ich habe keine Lust auf Grund einer Fehleinschätzung einen fatalen Fehler zu begehen und mich von ihm täuschen zu lassen.“
„Ah, darauf spielst du an. Nun... er macht auf mich einen sehr vitalen Eindruck, scheint uns körperlich haushoch überlegen zu sein. Dass er so ruhig ist, scheint meiner Meinung daran zu liegen, dass er neugierig ist, was eher auf einen gesunden Forscherdrang zurückzuführen ist.“
„Oder er sucht nur nach einer Möglichkeit im richtigen Moment zuzuschlagen“, sinnierte Walner.
„Das glaube ich kaum. Aber abgesehen davon, wie verfahren wir jetzt mit ihm? Du wolltest unbedingt für unsere DNA-Vergleiche einen Cherit haben und jetzt ist er da.“
„Tja. Wie vermittelt man einem Außerirdischen seine Vorhaben, ohne seine Sprache zu kennen und zu sprechen?“ Walner kratzte sich am Kinn und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich setze da mal auf dich.“
„Auf mich? Was soll ich bitte schön erreichen?“
„Lass dir sich was einfallen. Du bist eine Frau und ihr habt Instinkte die wir Männer nicht haben. Außerdem hast du ausgeprägte weibliche Reize und er ist ein Hengst.“
„PROFESSOR! Finden sie nicht, dass das jetzt eine sehr altertümlich sexistische Aussage war? Ich habe zumindest rausgehört, dass sie mich auf meinen Körper reduzieren und abgesehen davon, ich treibe es nicht mit einem Tier. Wo leben sie denn?“, fauchte Verena Crafter ihn an und ging zum SIE über.
„Aber nicht doch. Sie wissen selbst, dass es in der Regel so ist, dass weibliche Gesprächspartner beruhigend wirken und bei dem einen oder anderen Männchen die Zunge schneller lockern. Nur darauf wollte ich hinaus“, versuchte Walner zu beschwichtigen und stellte ebenso die Distanz her.
„Ja klar und was ist, wenn er schwul ist?“, entspannte sich Crafter etwas und versuchte zu witzeln.
„Das kann durchaus sein, aber er wird trotzdem friedlich bleiben. Mach dich einfach mit ihm vertraut, vielleicht findest du ja eine Form der Kommunikation und kannst ihm unsere Vorstellungen vermitteln“, sagte Walner in einem versöhnlichen Ton.
„Na schön. Wie du meinst. Dann gehe ich mal und versuche zu kommunizieren. Falls er übergriffig werden sollte...“, begann sie.
„… stehen immer noch sechs Bewaffnete vor der Tür“, schloss er den Satz ab.
„Sehr gut. Und was soll ich ihm vermitteln?“
„Wir brauchen erstmal nur ein paar Zellen von ihm.“
„Mehr nicht?“
„Aber sicher doch. Geh' zu ihm, zieh' ihm die Hose runter und nimm eine Samenprobe. Das erspart uns Zeit“, knurrte Walner.
Crafter lief knallrot an, teils aus Wut und teils aus Verlegenheit. „Was hatte ich vorhin gesagt? Genau das werde ich nicht machen. Eine Freundin von mir hat eine Farm und drei Pferde, da weiß ich, wovon ich rede, wenn ich sage, dass ich mir das nicht antun muss!“
„Wie du meinst, meine Liebe. Aber nun husch, husch.“ Walner grinste väterlich, wenn auch auf eine sehr merkwürdige Art und Weise.
Walners Assistentin sah ihren Chef noch kurz an, verkniff sich aber eine weitere Bemerkung und verließ den Raum, um sich auf den Weg zum schwer bewach-ten Quartier des Cherit zu machen.
„Lassen sie mich zum Gefangenen“, schnauzte sie, nachdem sie dort angekommen war.
„Halten sie das für eine gute Idee? Wir können nicht wissen wie er reagiert, auch, wenn er im Moment ruhig ist“, gab einer der Soldaten zu bedenken.
„Wird sich zeigen. Auf jeden Fall besteht Walner darauf, dass ich versuchen soll unser Vorhaben so gut wie es geht rüber zu bringen.“
„Au man, in ihrer Haut möchte ich nicht stecken. Aber gut, ich komme zu ihrer eigenen Sicherheit mit rein.“
„Tun sie, was sie nicht lassen können. Aber ich gebe zu bedenken, dass ihre Anwesenheit ihn zu einer aggressiven Reaktion veranlassen könnte.“
„Mit dem Risiko müssen wir leben und einen der Tode sterben.“
„Wie zynisch … und jetzt lassen sie mich rein. Es wird eh schon schwierig genug, denn er wird garantiert nicht unsere Sprache sprechen.“
„Davon ist auszugehen“, entgegnete er noch, nickte und betrat mit Crafter den Raum, schloss die Tür hinter sich.
Während der Soldat sich neben der Tür aufbaute, musterte die Wissenschaftlerin den Anthrohengst, eben jener sie und den Soldaten, dann nahm sie sich ein Herz und einen Stuhl, setzte sich dem Cherit gegenüber hin.
Das Spiel des Schweigens und Musterns ging los und wollte einstweilen nicht enden. Mit geübtem Blick glitt Crafter über den Körper und das Gesicht des Gefangenen.
Sein Kopf glich dem eines Esels und war doch anders. Die Ohren waren lang und bewegten sich aufmerksam seitlich und dann wieder auf sie gerichtet. Seine Augen waren dunkelbraun und glänzten im matten Licht der Deckenlampen, waren starr auf sie gerichtet. Seine Lippen waren geschlossen und verrieten keinerlei Gefühlsregung, lediglich die Nüstern waren leicht gebläht.
Und jetzt fiel Crafter auch auf was anders war, denn die Schnauze war etwas länger als bei einem irdischen Esel, etwas schmaler und leicht nach unten gebogen.
Der Körper wirkte athletisch und wurde vom Overall verdeckt. Füße existierten in der bekannten Form nicht und waren pferdetypische Hufe, selbst die Beine waren den Hinterläufen eines irdischen Equinen identisch.
Sein Schweif lag seitlich auf dem Bett auf dem er sah und rührte sich nicht.
Alles in allem, wirkte dieser Cherit entspannt, aber gleichzeitig auch extrem aufmerksam und bereit sofort zum Angriff oder zur Verteidigung überzugehen.
„Privat!“, hub Verena Crafter an, „Kennen sie sich mit der alten ägyptischen Mythologie aus?“
„Nicht wirklich“, antwortete der, „aber mir sind da einige Bilder von deren Göttern vor Augen und wenn sie mich fragen, dann sieht der einem Gott namens Seth verdammt ähnlich.“
In diesem Moment kam kurz eine Regung in den Anthro.
Die Wissenschaftlerin registrierte diese und hob eine Augenbraue. „Interessant. Den Namen Seth scheint er zu verstehen. Das ist doch schon mal ein Ansatz.“
„Wie wohl die anderen aussehen?“, sinnierte der Privat laut.
„Also. Der erste Cherit den wir je zu Gesicht bekamen war ein anthropomorpher weißer Tiger, der hier ist ein Esel. Wenn ich mir das so recht überlege, dann können wir davon ausgehen, dass uns bei deren Spezies oder Zivilisation ein ganzer Zoo begegnet.“
„Sie meinen, dass da alles rumrennt was unsere einheimische Tierwelt zu bieten hat?“
„Wahrscheinlich. So wie es aussieht, scheint die Evolution auf deren Heimat-welt anders verlaufen zu sein. Es gibt dort keine Menschen und die bestehende Lücke wurde durch intelligente Tiere aufgefüllt. Es ist durchaus im Rahmen des Möglichen das es so ablief wie auch bei uns. Zuerst auf allen Vieren und dann mit steigender Intelligenz und wachsendem Hirnvolumen der aufrechte Gang. Sie sehen ja selbst. Die Beine sind tierisch geblieben, aber die Körperproportionen sind eher menschlich und auch die Hände. Er hat keine Vorderhufe, eben-so war es damals bei diesem Anthrotiger, der hatte auch Hände und keine Vorderpfoten.“
Die ganze Zeit des Gespräches über, beobachtete der Cherit die beiden sehr intensiv und brach plötzlich das Schweigen. „Es wäre nett, wenn sie über meine Spezies keine Mutmaßungen anstellen würden, während ich hier sitze und sie mich direkt fragen könnten. Aber das können Menschen scheinbar nicht“, sagte er in scharfem Ton.
Crafter entgleisten die Gesichtszüge, der Privat erstarrte.
„Was ist? Hat es ihnen plötzlich die Sprache verschlagen?“, schnaubte der Esel und blähte verächtlich die Nüstern.
„Nein“, begann die Wissenschaftlerin gedehnt. „Nur etwas überrascht.“
„Ah. Sieh an. Sie können tatsächlich mit mir reden“, entgegnete der Anthro mit einem Anflug von Sarkasmus.
„Na toll. Ein außerirdischer Esel mit einem Sinn für schlechten Humor“, entglitt es Crafter.
„Und wie soll es jetzt weitergehen?“, fragte der Anthro frei heraus.
„Das ist eine sehr direkte Frage. Wie heißen sie überhaupt?“
„Ceres und sie?“
„Verena Crafter, ich bin die stellvertretende Leiterin dieser Anlage.“
„Schön. Dann weiß ich wenigstens mit wem ich es zu tun habe. Ich mag es nämlich überhaupt nicht, wenn ich mich mit jemandem abgeben muss und nicht mal weiß wie der heißt. Und jetzt wiederholt zu meiner Frage. Was haben sie jetzt vor?“
„Wir wollen sie studieren.“
„Studieren? Ah, ich verstehe. Sie wollen eine Schwachstelle finden und uns dann angreifen.“
„Stopp! Wir greifen hier niemanden an.“
„Ach nein? Was war denn im Jahr 1960 ihrer Zeitrechnung. Wir erhielten einen Funkspruch, dass eines unserer Forschungsschiffe torpediert wurde und es am Ende nur einen Überlebenden gab. Was war mit den folgenden Schiffen, welche lediglich den Auftrag hatten Suchaktionen zu starten. Sie wurden auch an-gegriffen. Jedweder Kontaktversuch verlief im Nichts“, hub der Eselhengst scharf an.
„Forscher? Wir hielten es für einen Angriff.“
„Was bitte? Glauben sie mir, wenn ich sage, dass wir, wenn es ein Angriff hätte sein sollen, den Planeten schon längst übernommen hätten.“
„Das glaube ich ihnen sogar aufs Wort.“
„Sehen sie. Und jetzt nochmals. Was haben sie mit mir vor?“
„Eigentlich brauchen wir eine Zellprobe von ihnen“, entfuhr es Crafter.
„Oh! Sie wollen wohl Klone bauen? Ich sage ihnen, dass das nicht funktionieren wird. Meinetwegen können sie Zellen von mir haben, aber der Schuss wird nach hinten losgehen. Egal was sie tun, es wird nichts bringen.“
„Das lassen sie mal unsere Sorge sein“, erwiderte Crafter selbstsicher und scharf. „Wir werden ihnen Zellen entnehmen und eine passende Samenprobe bekommen wir auch noch. So oder so, werden wir erfolgreich sein und sie aus unserem Sonnensystem fernhalten.“
Der Cherit hob eine Augenbraue und nickte schief. „Sie sind sich ihrer Ziele verdammt sicher. Warten wir es ab. In meinen Augen ist das alles eine inoffizielle Kriegserklärung und ich werde alles daran setzen, dass es bekannt wird. Ich werde nicht kooperieren. Ihre Pläne sind mir zuwider.“
„Wir werden bekommen, was wir wollen. Egal wieviel Widerstand sie entgegensetzen“, schoss Crafter harsch zurück.
„Das glaube ich nicht. Aber sie werden schon noch sehen, was sie von ihrer Kriegstreiberei haben. Nicht jetzt und nicht sofort, aber die Zeit wird kommen und die Menschheit aufwachen“, gab der Anthrohengst keinen Deut nach.
„Oh! Das glaube ich wiederum nicht. Und wissen sie, ich hege gerade eine intensive Abneigung gegen sie und gegen diese Form der Unterhaltung. Wenn ich es streng nehme, dann fühle ich mich gerade an die Muppet-Show erinnert und unterhalte mich nur sehr ungern mit einem Tier. Sie sind in der Tat ein Esel; stur, engstirnig und nur bereit ihre Meinung zu ändern, wenn man mit der Peitsche droht und selbst dazu sind sie nicht in der Lage“, verschärfte die Wissenschaftlerin ihren Tonfall.
„Jetzt machen sie mal halblang“, fuhr Ceres auf und schloss die Augen zu schmalen Schlitzen. „Sie wissen gar nichts, überhaupt nichts. Sie brüsten sich eine Wissenschaftlerin zu sein und stochern in den Genen ihrer eigenen Art und der von anderen Lebensformen herum, wissen nicht einmal was dabei am Ende herauskommt und wundern sich lediglich, wenn ihnen alles aus den Händen gleitet. Wenn sie nur einen kleinen Schritt weiter denken würden, dann kämen sie zu einem Schluss, welcher ihnen nicht schmecken wird.“
„Pah, dass ich nicht lache. Das klingt genau wie das hohle Geschwätz von zwei verdrehten Ex-Mitarbeitern eines nicht mehr existierenden Gen-Institutes“, verkündete Crafter etwas kleinlauter.
Ceres nickte leicht und entspannte sich wieder, reckte sich etwas und kam durch diese Geste fast schon überlegen arrogant herüber. „Sie werden sehen. Auf diesem Wege werden alle Seiten verlieren.
Und noch etwas, sie sollten geschichtliche Fakten genauer untersuchen, dann würden sie das Rätsel schneller und einfacher lösen. Sie interpolieren Daten lediglich, welche ihnen seit Menschengedenken vorgesetzt werden. Wenn sie über den eigenen Schatten springen würden, dann kämen sie schneller zu Ant-worten.“
„Wie meinen sie das?“, fragte Crafter jetzt sichtlich verwirrt.
„Fragen sie nicht mich. Fragen sie jemanden namens Krondal oder denken sie, dass wir bestimmte Dinge nicht bemerkt haben. Und noch etwas, wir sind nicht allein diejenigen die hier scheinbar die Fäden ziehen. Selbst unser Zusammen-treffen und dieses Gespräch finden lediglich statt, weil es jemandem gefällt“, gab Ceres zu bedenken.
„OH NEIN!“, entglitt es der Wissenschaftlerin laut. „Fangen sie bitte nicht mit irgendeinem religiösen Scheiß und Gottwesen an.“
Der Anthrohengst hob die rechte Augenbraue. „Etwas mehr Ehrfurcht vor der Schöpfung, egal in welcher Form sie sich zeigt, täte ihnen ganz gut. Selbst ein einfacher Stein in einem Geröllfeld hat eine festgelegte Funktion.“
„Wie meinen sie das?“
„Würde er nicht existieren, dann würde er fehlen und das Geröllfeld wäre nicht das Gleiche. Ich meine damit, dass jedes Element im großen Ganzen eine Funktion hat, eine Bestimmung und nichts, wirklich rein gar nichts passiert einfach so durch Zufall. Der Begriff Zufall ist eine plumpe Ausrede, um sich reinzuwaschen von jeder Schuld. Hätten sie vor Jahren oder sogar Jahrzehnten gedacht, dass sie mal einem Cherit gegenübersitzen würden?“
„Sie verwirren mich und das gefällt mir nicht.“ Crafter konnte nicht anders, aber schielte kurz unbewusst.
„Gut so. Nehmen sie das, was ich gerade sagte, einfach mal mit und denken sie darüber nach.“
„Was? Und sie wollen mich mit diesem Kauderwelsch einfach so sitzen las-sen?“
„Ich lasse sie doch gar nicht sitzen. Sie haben sich selbst hingesetzt und können jederzeit gehen. Ich hingegen bin wohl derjenige der sitzen bleiben muss“, begann der Eselhengst sich über die Frau zu amüsieren.
„Das glaube ich einfach nicht“, entfuhr es Crafter.
„Oh doch. Und da wären wir wieder beim Begriff des Zufalls. Sie sehen es als Zufall an, dass sie mit mir reden. Ich sage, dass es nicht so ist. Es ist ein Teil dessen, was ich und unsere ganze Spezies gerne als Bestimmung bezeichnen. Wir sitzen hier, weil gerade SIE...“, er betonte die Ansprache sehr intensiv, „… sich entschieden zu studieren und nicht gerade ein geläufiges und einfaches Gebiet. Sie selbst entschieden sich unbedingt Genetik und Gentechnologie zu wählen und nicht ich.
Dass wir jetzt miteinander reden ist eine logische Konsequenz, denn sie hätten bei der Wahl ihrer Studiengänge damit rechnen müssen, dass es später und vor allem bei der Erzeugung von Klonen zu ungeahnten Ergebnissen kommen kann.“
Verena Crafter beugte sich leicht nach hinten, starrte die Decke an und versuchte eine Antwort zu finden, eine hoffentlich intelligente Eingabe um diesen komischen Anthro zum Schweigen zu bringen. Aber wie es meist so ist, die guten Ideen kommen erst, wenn es schon vorbei ist und auch in diesem Fall war es so. Sie zog es demnach vor, einfach zu schweigen und die Denkerin zu mi-men.
„Tja und nun?“, fragte Ceres in die Stille.
Crafter sagte nichts mehr, schaute den Hengst noch kurz an, stand auf und verließ den Raum. In ihr brodelte es.
War es Hass auf dieses Vieh, welches ihr gerade den Kopf gewaschen hatte?
War es Wut über sich selbst? Darüber, dass sie sich ungeschickt angestellt hatte oder war es eher Verzweiflung, dass dieses Ding sie blass hatte aussehen lassen und seine geradezu philosophischen und leicht theologischen Eingebungen sie aus der Bahn zu werfen drohten?
Sie wusste es nicht.
Wie in Trance durchschritt sie die Flure der Anlage, gelangte zur Tür von Professor Walners Büro, klopfte an und betrat, ohne auf eine Antwort zu warten, das Zimmer.
„Hallo, Verena! Was hast du erreicht?“, begann er.
Die fehlende Antwort der Frau und ihr entrückter Blick ließen ihn stutzen.
„Was ist passiert?“, bohrte er.
„Ich weiß es nicht. Dieses Ding, dieses Vieh. Es ist so komisch und spricht verwirrend“, gab sie stockend von sich.
„Der Cherit hat mit dir gesprochen?“
„Ja. Er spricht unsere Sprache, warum auch immer.“
„Ein weiteres Rätsel“, seufzte Walner.
„Nicht nur das. Er philosophiert mächtig herum, spricht in Rätseln und davon, dass wir, egal was wir tun, es nicht schaffen werden. Dass alle darunter leiden werden und alles vorherbestimmt wäre.“
„Nicht auch noch das. Ein Cherit-Esel der über höhere Mächte spricht.“ Walner riss die Arme und die Luft und winkte ab. „Was hat er sonst gesagt?“
„Er wird nicht kooperieren und hat unsere Ziele scheinbar schon erkannt.“
„Meinetwegen, dann nehme ich mir einfach, was ich brauche, dabei kann er gerne schlafen. Mach' ihn für eine Zellentnahme bereit.“
„Sehr wohl!“, entgegnete Crafter und verließ den Raum.