Kapitel 20
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Kapitel 20
es ist soweit
im Jahr 2140
55 Jahre später...
Auf der Erde, genauer gesagt im Genlabor innerhalb des nördlichen Grand Canyon, lagen die Forschung und auch die Produktion von Klonen auf Eis.
Die Armee von fünfhundert vierbeinigen rein tierischen Soldaten stand, laut dem irdischen Zeitverlauf, kurz davor die Reichweite des Planeten Festrid zu erreichen. Endlich sollte es gelingen die Cherit in die Knie zu zwingen und die Wurzel allen Übels ein für alle Mal in die Schranken zu weisen und hoffentlich von der Erde in Zukunft fern zu halten.
Außerdem war das Geheimnis, um die Zucht von Anthros, deren Nutzung als Soldaten, ebenso die Involvierung des CIA, des Militärs und sogar des FBI, welches sich normalerweise für solche Machenschaften rein gar nicht zu interessieren hat, keines mehr.
Die Verladung der Klonarmee in Lkw's, deren Transport über die holperige Ausfallstraße, anschließend über die 67 in Richtung Süden nach Flagstaff und der Abtransport per Flugzeug, war nicht unbemerkt geblieben. Es rächte sich, dass die ganze Anlage und deren Angelegenheiten inmitten eines Schutzgebietes gelegen war, welches von Touristen tagsüber geradezu überschwemmt wurde.
Der damals amtierende Informationschef des CIA Parker hatte davor gewarnt, war jedoch nicht gehört worden.
Die Presse stürzte sich auf bekannt gewordene und peinliche Details. So kamen Schlagzeilen zustande, welche durch die Gazetten weltweit kursierten. Einige waren anklagend: „Skandal im Grand Canyon! Wie kann ein so herrliches Gebiet nur so geschändet werden?“, „Haben wir keine anderen Sorgen?“, „Wer hält die Wahnsinnigen endlich auf?“, „Sind wir berechtigt Gott zu spielen?“, „Wer schützt uns vor uns selbst?“
Andere wiederum waren eher moderat und zeigten sogar Verständnis: „Wie verzweifelt muss man sein, wenn man zu diesen Mitteln greifen muss?“, „Wie groß ist die Bedrohung, wenn es keinen anderen Weg gibt?“, „Werden es unsere Freiheitskämpfer schaffen und endlich Frieden ins All tragen?“
Später wurden noch mehr Details bekannt, da es sich Menschenrechtsorganisationen und auch Tierrechtler nicht nehmen ließen, den Dingen tiefer auf den Grund zu gehen. Die eine Seite empfand es als entwürdigend einen Menschen, ein Wesen mit einer göttlichen Seele, zu verunreinigen und mit einem Tier zu kreuzen und die andere Seite sah es genau umgekehrt und sah einen Missbrauch der tierischen Seite im Vordergrund. Aber eines war ihnen gemein, dass was geschehen war, durfte sich nicht wiederholen.
Und so stieß man im Verlaufe von Recherchen auf das Verschwinden mehrerer Personen aus Gefängnissen und von der Straße. Auch, wenn es sich dabei um Menschen handelte die niemand gerne als Nachbarn hätte oder bei einer Begegnung sicherheitshalber die Straßenseite wechselte, es waren Mitmenschen.
CIA, FBI und Militär entschuldigten sich offiziell und gaben hinreichende Begründungen ab, legten viele Geschehnissen offen und beruhigten damit die Massen einstweilen.
Vom, entfernt von Genro schwebenden Cherit-Raumer erlangte weder auf der Erde noch innerhalb der Basis selbst jemand Kenntnis, ebenso von den fort-schreitenden Forschungen, denn nur wenige waren eingeweiht und konnten schweigen wie ein Grab.
Dort schaffte man es im Übergang zum Jahre 2141 hervorragende Fortschritte zu erzielen. In den sechsundneunzig Stasisröhren schwammen in einer Nährlösung die weit herangewachsenen Anthro-Klone von allen möglichen Felinen und Caniden, ebenso dachte man an Soldaten in der Logistik und produzierte kräftige Bovine und deren Ableger.
Alles in allem tummelte sich ein munterer Zoo im Labor.
„Und was machen unsere Monster?“, fragte Franc Belham als er das Labor auf Ebene -6 betrat.
„Sie schwimmen immer noch und keiner ist bisher verschwunden“, antwortete Sindy Laufer.
Sie war mit ihren 24 Jahren zu diesem Zeitpunkt die jüngste Mitarbeiterin auf der Station, in welcher sich seit 2050 immer mehr Familien gebildet hatten und damit auch für Nachwuchs sorgten.
„Die Wölfe gefallen mir irgendwie am meisten“, verkündete Belham. „Sie haben so etwas Gefährliches.“
„Was du nicht sagst? Ich finde die Löwen viel aufregender.“
„Was? Schau dir die mal an. Die haben nicht mal eine richtige Mähne.“
„Oh doch, die ist halt durch die Nährflüssigkeit verklebt und nass. Die sehen im wachen Zustand und getrocknet bestimmt sehr imposant aus.“
„Mag sein“, seufzte Belham und schaute sich um, stutzte kurz und ging zu einer der Röhren, in welcher sich ein Anthro-Gepard befand. „Was ist denn mit dem los?“, fragte er mehr beiläufig und schaute intensiv auf die Daten des Vitalmonitors am Gerätesockel.
Sindy näherte sich neugierig und stellte sich neben ihn. „Das sieht in der Tat merkwürdig aus. Ist es eine Mutation?“
„Das weiß ich nicht und wenn ja, wie sollte das passieren?“
„Keine Ahnung. Was schlägst du vor?“
„Wir brauchen genauere Daten. Wir müssten genauer Sondieren.“
„Dazu müssten wir in die Röhre und zusätzlich direkte Scanpunkte anbringen.“
„Okay! Wir riskieren es. Es darf nichts schief laufen. Ich werde Krondal kontaktieren. Immerhin sollte der wissen was los ist. Die Zwischenberichte unsererseits waren ja nicht sonderlich ergiebig und zielten immer nur darauf ab, dass es nichts Neues gibt und alles nach Plan verläuft. Wird Zeit den alten Herren mal mit einer echten Neuigkeit zu wecken.“
„Mach das, ich bleibe derweil hier und bereite alles vor.“
„Gute Idee. Ich bin in Kürze wieder hier.“
Belham begab sich in den Computerraum, setzte sich an einen der Schreibtische und stellte mittels eines Kommunikationsterminals die Verbindung per Subraumkanal her.
Das Gesicht der Grauen Eminenz erschien und schaute verschlafen, aber neugierig in die Kamera. „Krondal hier.“
„Mister Krondal! Belham. Ich möchte Bericht erstatten.“
„Dann los, ich höre!“
„Wir haben es scheinbar mit einer Mutation zu tun.“
„Was? Wie das? Sie gaben in ihrem letzten Bericht an, dass alles nach Plan läuft.“
„Das war auch der Fall und ist es bei fünfundneunzig Stasisröhren immer noch, aber bei einem Gepard läuft irgendetwas anders. Wir müssten, um es genauer festzustellen, zusätzlich Daten gewinnen und dazu müssen wir Scanpunkte direkt am Körper anbringen und in die Nährflüssigkeit eindringen“, erklärte Belham.
Krondal biss sich auf die Unterlippe und traf eine Entscheidung. „Machen sie sich nicht die Mühe. Wie weit ist der Klon?“
„Er dürfte in einigen Monaten ausgewachsen sein.“
„Holen sie ihn jetzt raus und untersuchen sie ihn. Wenn er drauf geht ist es halt einer weniger. Aber sie brauchen die Daten und die sind jetzt wichtiger denn je.“
„Verstanden, Sir! Wir bereiten alles vor.“
„Dann machen sie es so“, ordnete Krondal an.
„Was machen denn ihre Schützlinge, wenn ich fragen darf?“
„Sie meinen unsere fünf Hundertschaften an Klontieren?“
„Ja, Sir!“
„Die sollten Festrid erreicht haben und dort für ordentliches Chaos sorgen. Hoffentlich gelingt es, denen eine ordentliche Lektion zu erteilen.“
„Ich bin überzeugt, dass es gelingt.“
„Mag sein. Kümmern sie sich aber nicht darum, sondern um diesen Mutanten. Krondal, Ende!“
„So, Sindy!“, rief Franc von weitem. „Vergessen sie die Scanpunkte. Wir sollen ihn rausholen und direkt untersuchen. Er kann auf einen Klon verzichten, will eher ein schnelles Ergebnis der Untersuchung.“
Die junge Frau, deren Großeltern ursprünglich aus Österreich stammten, war nicht begeistert, aber nickte. „Ich hoffe, dass Krondal weiß, dass wir ihn wahrscheinlich verlieren.“
„Ja, er ist sich dessen sehr wohl bewusst. Aber er will die Ergebnisse, damit wir verhindern können, dass wir am Ende die gesamte Reihe verlieren.“
„Okay“, seufzte Laufer. „Lieber einen aufgeben.“
„Genau! Lass uns anfangen.“
Sindy Laufer baute sich vor der Stasisröhre auf, schaute auf den Monitor und betätigte eine Tastenkombination. Summend nahmen Pumpen ihre Arbeit auf, saugten die Nährflüssigkeit Liter für Liter aus der Kammer, leiteten den schützenden und umhüllenden flüssigen Kokon unter den Boden und durch ein Filtersystem gereinigt in einen Auffangtank, bereit für die erneute Nutzung.
Anschließend öffnete Franc Belham die Verriegelung der Kammertüren und zischend fuhren diese auseinander, gaben den ungeschützten Körper des künstlichen Geschöpfes preis.
Vorsichtig, aber beherzt griffen die beiden Wissenschaftler zu, befreiten den Anthro-Klon von den Fixierungen, hoben ihn an, brachten ihn in eine waage-rechte Lage, legten ihn auf eine zuvor bereitgestellte Trage.
„Nun gut. Auf den nächsten OP-Tisch mit ihm“, forderte Franc auf und stellte sich an das Fußende.
Gemeinsam trugen sie ihn zum gewünschten Platz und legten ihn endgültig ab.
Während Belham eine der Deckenlampe einschaltete und ausrichtete, schaute Laufer dem Anthro ins Gesicht, nahm eine Taschenlampe und wollte ihm in die noch geschlossenen Augen leuchten.
Weiter kam sie nicht, denn plötzlich öffnete er die Augen, würgte die in der Lunge befindliche Flüssigkeit aus und begann heiser zu husten.
„Verdammt!“, schrie Sindy auf.
„Was hast du gemacht?“, fragte Franc leicht aufgebracht.
„Ich? Garnichts.“
„Du musst doch irgendetwas getan haben?“
„Ich halte lediglich die Lampe in der Hand, mehr nicht.“
„Da stimmt also wirklich etwas nicht. Krondal hatte recht.“
„Mag sein, aber was wird jetzt aus ihm? Er ist deutlich lebensfähig und bei Bewusstsein.“
„Das ist jetzt ein Problem oder... warte mal... nein, das ist überhaupt kein Problem. Er kann an den Tests aktiv teilnehmen“, entgegnete Belham und lächelte.
Er wandte sich dem Anthro zu und nickte freundlich. „Hallo. Kannst du mich verstehen?“, fragte er.
„Was machst du da?“, mischte sich Laufer ein.
„Ich stelle ihm eine einfache Frage.“
„Und du denkst, dass er antworten kann? Du vergisst das sein Hirn leer ist, da fehlt jede Programmierung, allein bei einer Sprache angefangen.“
Belham schaute sich um und stellte fest, dass sie allein waren. „Das wird sich zeigen. Du vergisst, dass er anders ist als die anderen und das muss eine Ursache haben.“
„Dann mach weiter. Ich glaube aber kaum, dass er antworten wird“, sagte Laufer und zuckte mit den Schultern.
„Na schön... Kannst du mich verstehen?“, begann Belham erneut.
Der Anthro-Gepard schaute ihn zunächst fragend an und als der Wissenschaftler die Frage nochmals wiederholte, nickte er schließlich und versuchte sogar etwas die Lippen zu formen.
Laufer, die direkt daneben stand, riss die Augen auf. „Das glaube ich nicht. Er scheint nicht leer zu sein, aber wie ist das möglich?“
„Wird sich zeigen. Lass mich mal weitermachen“, erwiderte er und widmete sich wieder dem Geparden. „Kannst du sprechen? Du hast es gerade versucht.“
Der Anthro versuchte wieder die Lippen zu formen, bewegte sie langsam und man konnte erkennen, dass er auch die Zunge zu benutzen schien. Es kam der Eindruck auf, dass er allein durch Beobachtung von Franc Belham und Sindy Laufer und durch verfolgen der gesprochenen Worte zu lernen schien. Das schlug vollkommen aus dem Rahmen und aus der geplanten Klonzucht.
Es galt Klone zu erzeugen die sich unterschieden, Klone die im Hirn quasi leer waren, lediglich über natürliche Instinkte und Triebe verfügten. Die erst im Nachgang, nachdem sie aus der Aufzuchtstasis geholt wurden, der Prozedur der Cerebralprogrammierung zugeführt und damit die Grundlagen der Logik, der Sprache und aller anderen Fähigkeiten, bekamen.
Dieser Gepard war wesentlich höher entwickelt als beabsichtigt, er hatte ein eigenes Bewusstsein entwickelt. Dessen waren sich Belham und Laufer in diesem Moment absolut im Klaren und es galt jetzt richtig zu handeln.
Der Auftrag war deutlich und eine solche Mutation durfte es nicht geben. Er war aus der Reihe geschlagen und es galt ihn zu entfernen, unschädlich zu machen, bevor er die ganze Forschungsreihe in Gefahr brachte.
Aber Laufer und Belham war eines auch klar. Sie waren Teil des Ganzen. Sie waren ein wesentlicher Teil einer Gottspielerei und sie entschieden über Leben und Tod.
Beide schauten den Geparden-Klon an, atmeten tief durch.
„Was machen wir mit ihm?“, fragte Sindy kleinlaut und hatte Angst vor der Antwort, der Antwort die der Auftraggeber, welcher fernab auf der Erde saß, befahl.
„Wir tun das einzig Richtige!“, verkündete Belham entschlossen. „Wir sind allein, der Schichtwechsel ist noch eine Stunde hin und somit weiß es auch Krondal nicht, ebenso Bergheimer. Der alte von denen war eh schon ein Relikt aus Zeiten die kein Mensch mehr braucht, aber der Junge ist noch schlimmer. Der würde ihn sofort töten. Offiziell hat sich seine Zelladhäsion komplett aufgelöst, aber wir machen etwas ganz anderes!“
„Und das wäre?“
„Ich werde versuchen ihm mein Vorhaben schmackhaft zu machen und dann menschliche Kleidung verpassen. Anschließend schaffen wir ihn hier raus. Vor der Station entkleidet er sich wieder und kann abhauen. Er ist bei klarem Verstand, er ist nicht krank. Er ist ein selbständiges Lebewesen und hat selbst zu bestimmten. Niemand, wirklich niemand soll ihm nachstellen und niemals wird sein Name irgendwo auftauchen oder diese Sache jemals ans Licht kommen. Das alles, hier und jetzt, hat niemals stattgefunden. Ist das klar, Sindy?“
„JA“, flüsterte Laufer begeistert. „Aber wir müssen uns beeilen.“
Er drehte sich wieder um und damit zum Gepard. „Kannst du jetzt sprechen? Hast du einen Namen?“
„Woher soll er den denn haben?“
„Wenn er jetzt schon so intelligent ist, dann hat er vielleicht ein, bedingt durch die Mutation, vorhandenes ererbtes Gedächtnis.“
„Hältst du so etwas für möglich?“
„Sieh ihn dir an. Was ist gerade unmöglich?“
Plötzlich hörte man aus Richtung des Anthros ein heiseres Geräusch, welches sich wiederholte und nach und nach immer deutlicher wurde. Der Gepard begann gezielter den Mund zu formen und nutzte zielgerichteter die Atemluft dabei.
„Er spricht“, entfuhr es Sindy.
„Tatsache. Er will uns was sagen“, ergänzte Belham. „Sprich weiter. Du machst das sehr gut.“
„Ich bin...“, der Klon atmete schwer durch und hauchte, „... Halyon.“
„Na bitte. Da haben wir es, er hat einen Namen und ererbtes Wissen. Die Frage nach einer weitergegebenen Seele und in den Zellen gespeichertes Wissen ist beantwortet. Er ist der Beweis und damit ist meine Entscheidung eindeutig richtig. Er geht raus und in die Freiheit“, bestätigte Belham.
„Nun gut. Halyon! Mein Name ist Franc und das neben mir ist Sindy.“
Der Anthro nickte verstehend und man konnte sogar die Andeutung eines Lächelns erkennen.
„Wir bringen dich jetzt hier raus. Sindy wird dir gleich etwas zum Anziehen bringen. Leider sind es die Sachen einer Frau und du bist...“ er schaute an dem Anthro herab und nickte, „... ein Kater. Aber ich hoffe, dass das für dich okay ist.“
Die Wissenschaftlerin konnte es sich nicht verkneifen Belhams Blick zu folgen und hob beim sich bietenden Anblick abschätzend eine Augenbraue. „Oh ja. Deutlich zu erkennen“, flüsterte sie und fügte lauter hinzu: „Ich hole die Sachen.“
„Sehr gut.“
Plötzlich hob der Gepardenkater den Zeigefinger der rechten Hand, drehte sich um und verschwand hinter einer Nebentür.
„Was hat der denn vor?“, fragte Laufer neugierig.
Die Antwort gab die einsetzende Toilettenspülung, deren Nutzung wohl eher ein Zufall war, und das eindeutig erleichterte Gesicht Halyons. Er nickte beiden zu und forderte mit einer Geste auf, dass sie ihr Vorhaben fortsetzen können.
Erstaunlicherweise nahm der Anthro es mehr als gelassen hin, dass er grüne und pinkfarbene Kleidung bekam und anschließend wie ein farbenfrohes Nachtgespenst an Halloween durch die Gänge der Station geführt wurde, immer darauf achtend, dass sie lediglich bruchstückhaft von den Kameras aufgefangen wurden, aber niemandem direkt begegneten.
Es dauerte keine zwanzig Minuten und sie hatten die betreffenden Ebenen hinter sich gebracht, betraten Ebene Null und damit den Hangar.
„Gut! Wir haben es fast geschafft. Da vorne geht es raus.“
Sie betraten das Freigelände vor der Station, es dämmerte bereits und die Umgebung war vollkommen ruhig, es war kein Geräusch zu hören. Sie bewegten sich langsam und in geduckter Haltung vorwärts, näherten sich der Basisgrenze und damit dem Zaun.
Das Tor stand offen, sie begannen zu rennen, wurden immer schneller, der Anthro begann mitten im Lauf die Kleidung von sich zu reißen und sie wegzuwerfen. Die sich ankündigende Freiheit verlieh ihm geradezu Flügel und dann geschah das Unfassbare, etwas mit dem keiner rechnen konnte.
Kurz nachdem er den Zaun erreichte, die Grenze passierte, trat eine Kampfeinheit hervor und eröffnete das Feuer.
Sindy Laufer und Franc Belham schrien in Panik auf, sahen, dass ihr Plan gescheitert war. Aber der Anthro hatte Glück. Er bemerkte die Gefahr aus dem Augenwinkel heraus, bremste kurz ab, schlug mehrere Haken und beschleunigte dabei, sprang über den Roboter hinweg und verschwand hinter dessen Rücken im Dickicht. Seine Flucht war gelungen.
Wie zu Salzsäulen erstarrt, standen die beiden Wissenschaftler da, schluckten einen Kloß im Hals herunter und zweifelten an der Realität der gerade entstandenen Situation.
Was war geschehen? Wo kam plötzlich dieser Roboter her?
Die Antwort konnten sie sich selbst geben und diese schmeckte ihnen nicht, würde keinem innerhalb der Station gefallen. Sie alle waren hinter ihrem Rücken zu Gefangenen erklärt worden.
Die Station war durch die Analyse des zentralen Computers tief im Inneren der Basis zum Sperrgebiet erklärt worden, war etwas außerhalb geschehen, was ihn veranlasst hatte die Fabrik wieder anlaufen zu lassen und rund um den Zaun mittels zwanzig Kampfrobotern das Gelände vom umgebenden Urwald abgetrennt.
Die KI des Computerkerns hatte eine größer werdende Selbständigkeit entwickelt, ein Bewusstsein, welches keiner vorhersehen konnte und begann Entscheidungen zu fällen ohne zuvor einen Menschen zu fragen.
Ebenso begann die KI im gleichen Zuge die Datenbanken, der im Orbit des Planeten befindlichen Elara Fortress 2, anzuzapfen und bemerkte die Annäherung eines fremden Schiffes. Es war noch weit entfernt und die Menschen an Bord hatten bisher keinerlei Notiz davon genommen. Seine Ankunftszeit berechnete der Kern auf das irdische Jahr 2150 und somit bestand keinerlei akute Gefahr. Lediglich die passenden Vorsichtsmaßnahmen waren ins Rollen gebracht und warfen ihre Schatten voraus.
Auf Festrid war zehn Jahre zuvor ein irdisches Schiff in den Orbit eingeschwenkt, hatte sich auf Anrufe der zentralen Raumüberwachung nicht zu er-kennen gegeben.
Stattdessen brach über den Planeten die Hölle herein, als zehn Fähren die Hangare des für die Cherit unbekannten Schiffes verließen, die planetare erste Abwehr durchschlugen, auf der Oberfläche ankamen und ihnen fünfhundert schwer bewaffnete tierische Klone entsprangen, sich in Windeseile ausbreiteten, verteilten und jagt auf alles machten was nicht nach einem Menschen aussah. Ihr Auftrag war es, den entführten Hawkins zu finden, zur Erde zurückzubringen und ein deutliches Zeichen zu setzen.
Ihre Suche begann, führte zur ersten nahegelegenen Stadt. Innerhalb von Minuten waren sie bis zum Kern der Siedlung vorgedrungen, hatten hunderte von Cherit erschossen, machten keinerlei Halt vor Weibchen und ihrem Nachwuchs, lieferten sich mit Soldaten der festridischen Armee ein Scharmützel nach dem anderen, gab es bei Häuserkämpfen Verluste auf beiden Seiten.